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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Dez 15 2021
15:06

Wissenschaftler der Goethe-Universität untersuchen, inwiefern Emotionen essentiell für biologische und künstliche Intelligenzen sind

Warum hat uns die Evolution mit Gefühlen ausgestattet?

Gefühle spielen in unserem Leben eine große Rolle. Doch warum gibt es sie? Sind Emotionen eine Laune der Natur, oder war ihre Entstehung aus evolutionärer Sicht unausweichlich? Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität gibt in einer neuen Studie eine eindeutige Antwort.

FRANKFURT. Von ihrer Funktion her sind Emotionen abstrakte Kriterien, mit deren Hilfe selbst unterschiedliche Tätigkeiten vergleichend bewertet, und damit Ziele und Aufgaben effizient ausgewählt werden können – so das Ergebnis der Studie von Prof. Claudius Gros, die seit heute online zu lesen ist.

Evolutionär ist alles vorteilhaft, was die Anzahl an Nachkommen erhöht. Wenn Verhaltensweisen nicht direkt genetisch gesteuert werden, also nicht durch Instinkte, muss ein Lebewesen in der Lage sein, die Folgen seines Handelns zu berechnen, bzw. zu prognostizieren. Die Realität ist jedoch komplex und damit chaotisch („Schmetterlingseffekt“). Daher können Auswirkungen prinzipiell nur begrenzt berechnet werden, was im Fall sozial organisierter Lebewesen nochmals schwieriger ist: In einer Gemeinschaft muss das Individuum zusätzlich die Absichten der Anderen ausfindig machen. In diesem Zusammenhang wurde die „Theorie des sozialen Gehirns“ formuliert, der zufolge sich das das menschliche Gehirn vor allem deshalb so rasch entwickelt hat, weil es vor der Aufgabe stand, die Komplexität des sozialen Kontexts zu bewältigen.

Kognitive Fähigkeiten, also Intelligenz, erweitern die Palette der Handlungsoptionen. Vom maschinellen Lernen wissen wir, dass die rechnerischen Anforderungen mit der Komplexität der Problemstellung überaus schnell ansteigen. Um Entscheidungen zu treffen, benötigen Lebewesen mit komplexen Handlungsoptionen daher einen Mechanismus, der die rechnerischen, d.h. die kognitiven Anforderungen deutlich reduziert. Das ist es, was Emotionen ermöglichen.

Sehr unterschiedliche Tätigkeiten können ein und dasselbe Gefühl auslösen – zum Beispiel Langeweile, Aufregung, Befriedigung. So kann es genauso befriedigend sein, mit Freunden zu Essen, wie Geige zu spielen oder durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Nach materiellen Kriterien ließen sich diese Tätigkeiten kaum auf einen Nenner bringen, etwa danach, wie viel Geld dabei herauskommt. Funktional entsprechen Emotionen folglich abstrakten Bewertungskriterien, auch wenn sie als Empfindungen höchst real sein können. Individuen, die über emotionale Entscheidungsmechanismen verfügen, versuchen ihre Tätigkeiten so auszuwählen, dass diese im Mittel mit ihrem „Charakter“ im Einklang sind. Dabei ist der Charakter mathematisch als eine Menge von Präferenzen definiert: Wie häufig strebt jemand – relativ gesehen – eher bequeme, spannende oder produktive Tätigkeiten an?

Uns ist in der Regel nicht bewusst, wie viele biochemische Prozesse beständig in unserem Gehirn ablaufen. Die biologischen Grundlagen von Emotionen (die ‚neuronalen Korrelate') können wir dagegen in der Form von Gefühlen wahrnehmen. Interessanterweise sind die dafür notwendigen neurobiologischen Strukturen phylogenetisch jung, d.h. erst bei höheren Affen voll ausgebildet. Diese Strukturen erlauben es, Emotionen ihrerseits kognitiv zu regulieren, und somit den kognitiv-emotionalen Regelkreis zu schließen. Im umgekehrten Fall, also wenn uns die Evolution keine Gefühle mitgegeben hätte, könnten wir unsere Emotionen, also die entsprechenden Gehirnprozesse, nicht regulieren. Das würde der wissenschaftlichen Definition von „Zombies“ durch die beiden Neurowissenschaftler Christof Koch and Francis Crick entsprechen. Diese kann man als denkfähigen Wesen ansehen, die Triebe haben, diese aber nicht kontrollieren können, da sie sich ihrer nicht bewusst sind.

Ein emotionales Kontrollsystem ist nicht nur für Menschen und hochentwickelte nicht-menschliche Tiere von essentieller Bedeutung, sondern auch für potentielle künstliche Intelligenzen. Synthetische und biologische Emotionen müssen funktional äquivalente Rollen erfüllen, wogegen sie sich hinsichtlich der spezifischen Ausprägungen unterscheiden können. Roboter-Emotionen werden sich nicht – wie in vielen Filmen dargestellt – sekundär entwickeln. Synthetische Emotionen sind vielmehr eine unabdingbare Voraussetzung für eigenständig agierende universelle Intelligenzen, sofern es diese jemals geben sollte.


Publikation: Claudius Gros, „Emotions as abstract evaluation criteria in biological and artificial intelligences“, Frontiers In Computational Neuroscience Vol. 15, 177 (2021)

https://www.frontiersin.org/article/10.3389/fncom.2021.726247

Informationen: Prof. Dr. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, E-Mail gros07@itp.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Dez 14 2021
15:38

Psychologen der Goethe-Universität wollen helfendes Verhalten messbar machen

Wenn Altruismus auf Algorithmen trifft  

Wer anderen hilft, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, handelt altruistisch. Inwieweit und warum sind Menschen bereit, etwas zu tun, das anderen mehr nützt als ihnen selbst? Diese Frage beschäftigt zahlreiche wissenschaftliche Fachrichtungen. Psychologen der Goethe-Universität haben nun algorithmisch einen Fragebogen entwickelt, der altruistisches Verhalten messen soll.

FRANKFURT. Jesus, Mutter Teresa oder Mahatma Gandhi – sie gelten als Inbegriff des altruistisch handelnden Menschen, der das Wohl der Anderen über sein eigenes Wohl stellt. Koste es, was es wolle. Systemtheoretisch betrachtet können solche persönlich nachteiligen Handlungen enorme Auswirkungen haben. Evolutionstheorien etwa sehen in altruistischem Verhalten langfristig einen Mechanismus der Gruppenselektion. Auch für das Funktionieren moderner Gesellschaften ist es unerlässlich, einander zu helfen, gerade angesichts globaler Bedrohungen. Wie ließe sich dem Klimawandel oder Massenmigration anders begegnen als durch altruistisches Handeln – ein Handeln, das zukünftige Generationen und unbekannte Fremde im Blick hat?

In welchen Situationen und warum Menschen und menschliche Gruppen altruistisch handeln, wird von verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen – von der Biologie über die Anthropologie bis zur Ökonomie - erforscht. Dazu werden oft ökonomische Spiele eingesetzt, die als direkte Probe des interessierenden Verhaltens gelten. Im „Diktatorspiel“ beispielsweise gibt ein Spieler einem Mitspieler aus freien Stücken einen selbstgewählten Anteil eines geschenkten Guthabens ab. Ein solcher Akt des Abgebens von Ressourcen (sei es Geld oder Energie, Information, Blut, Organe…) liegt letztlich jeder Form des Hilfeverhaltens zugrunde. Die Fachliteratur spricht auch von „altruistischem Belohnen“.

Demgegenüber besteht „altruistisches Bestrafen“ in ökonomischen Spielen darin, Kosten auf sich zu nehmen, um unfairen oder unkooperativen Mitspielern deren erzielte Gewinne zumindest teilweise wieder abzunehmen. Auch jenes Verhalten ist altruistisch, insofern die bestrafende Person freiwillig Kosten auf sich nimmt, um Trittbrettfahrer zu läutern und für die Zukunft zu warnen. Davon profitiert die gesamte Gruppe. In der Realität moderner Gesellschaften wird altruistisches Bestrafen oft koordiniert oder institutionalisiert (z.B. bei der Steuerfahndung).  

Studien mit ökonomischen Spielen sind extrem aufschlussreich in Bezug auf belohnenden und bestrafenden Altruismus, basieren jedoch auf relativ teuren und aufwändigen Versuchsanordnungen. Sie erfordern die Bereitstellung von Geld, die Koordination mehrerer Mitspielenden (die einander in der Regel nicht kennen dürfen), und sie erlauben nur bedingte experimentelle Kontrolle und/oder müssen mit unvollständiger Aufklärung arbeiten (Täuschung).

Aus diesem Grund hat die Psychologin Prof. Dr. Sabine Windmann gemeinsam mit ihren Koautor*innen an der Goethe-Universität ein Messinstrument konzipiert, das die beschriebenen Komponenten des Altruismus im Selbstbericht erfasst. Es handelt sich um eine Skala, die Aussagen enthält wie: „Trotz der Kosten für mich unterstütze ich auch mir unbekannte Personen“ (für Hilfeverhalten) und „Ich beobachte genau, ob sich jemand im Team daneben benimmt“ (für Altruistisches Bestrafen). Die Aussagen wurden aus einem großen Aussagen-Pool von einem Algorithmus ausgewählt, der spezifisch für Itemauswahl und Skalenkonstruktion von Juniorprofessor Dr. Martin Schultze, ebenfalls am Institut für Psychologie der Goethe-Universität, entwickelt wurde. Er basiert auf der bewährten Ant Colony Otimization, und erlaubt es verschiedene Qualitätskriterien des Instruments gleichzeitig zu optimieren.  „Das ist extrem gut gelungen“, erläutert Sabine Windmann. „Die Gütekennwerte der Skala sind beeindruckend und haben klassische Verfahren der Skalenkonstruktion deutlich übertroffen“. 

Interessanterweise erfasst die Skala noch eine dritte Facette des Altruismus, die in der verhaltensökonomischen und biologischen Literatur bislang unbekannt ist: die Moralische Courage, kurz MC. Hier geht es darum, in proaktiver Weise ethisch-moralische Werte zu vertreten trotz erwartbarer sozialer Bedrohungen, beispielsweise entgegen einem Macht- oder Autoritätsgefälle. Edward Snowden oder Greta Thunberg sind hierfür prototypische Beispiele. Diesen Personen geht es nicht darum, andere Menschen oder Gruppen zu belohnen oder zu bestrafen in Reaktion auf konkrete soziale Ereignisse oder Beobachtungen. Sondern sie möchten – grundsätzlich und langfristig – die geltenden Regeln der Ressourcenverteilung ändern; Windmann spricht von den „Kontingenzen“. Um dies zu erreichen, nehmen Personen mit Moralischer Courage unkalkulierbare physische und psychische Gefahren in Kauf einschließlich sozialer Ächtung und Ostrazismus, also Ausschluss durch die Gruppe. „Hohe MC-Personen sind Change Agents. Sie drängen nicht auf die Einhaltung, sondern auf die Veränderung sozialer Normen“, sagt Windmann. Selbsteinschätzungen zu Aussagen wie „Wichtige Veränderungen für alle versuche ich auch gegen den erklärten Widerstand der Allgemeinheit durchzusetzen“ oder „Ich hinterfrage offen die Entscheidungen von Autoritäten oder Vorgesetzten“ bilden diese Neigung ab.

Somit steht ein Fragebogen zur Verfügung, der drei konzeptuell und empirisch unterscheidbare Facetten altruistischer Verhaltenstendenzen in wenigen Minuten erfasst, und der sich – zunächst im deutschen Sprachraum – als Alternative zu ökonomischen Spielen einsetzen lässt. Dass der Fragebogen aussagekräftig ist, wurde in ersten Validierungsstudien bestätigt: Die Subskalen weisen die zu erwartenden Korrelationen auf sowohl mit ökonomischen Spielen als auch mit etablierten anderen psychologischen Instrumenten.    

Als nächsten Schritt plant die Arbeitsgruppe um Sabine Windmann mit der Psychologie-Doktorandin Lucie Binder analoge Skalen-Konstruktionen in anderen Ländern, allen voran USA und China. „Das ist nicht ganz trivial. Wir können nicht einfach die Aussagen des Fragebogens übersetzen und dann annehmen, dass sie dort dasselbe messen wie hierzulande.“ Weiterhin werden derzeit unterschiedliche Studierenden- und Berufsgruppen untersucht. Dies überprüft einerseits die mehrdimensionale Konzeption der Skala und ermöglicht andererseits, deren Vorhersagewert für die Berufseignung zu ermitteln. „Hohe Bereitschaft zum Hilfeverhalten brauchen wir beispielsweise in pflegerischen Berufen; hohe Moralische Courage erwarten wir in Führungspositionen und in künstlerischen Berufen, beispielsweise bei Satirikern“, erläutert Sabine Windmann. Altruistische Bestrafung werde vor allem von kohärenten und stark zielgebundenen Gruppen praktiziert wie Militärs – oder auch in Sekten. „In extremer Ausprägung ist keine der Facetten harmlos oder alltäglich, aber interessant ist, dass die drei in unterschiedlicher Weise sozial erwünscht sind und aus diesem Grund differentiell auf die Akteure rückwirken“. So sei gut belegt, dass sich (moderates) Hilfeverhalten positiv auswirke auf soziale Beziehungen, subjektives Wohlergehen und sogar die eigene Gesundheit. Aber wie verhält sich dies mit den beiden konfrontativen Komponenten? „Diese erzeugen zunächst einmal Konflikt und Stress“, erläutert die Professorin. „Doch was wäre die Gemeinschaft ohne sie? Die Egoisten könnten die Hilfsbereiten ausnutzen.“

Aus diesem Grund tritt Sabine Windmann dafür ein, Altruismus nicht allein mit Hilfeverhalten gleichzusetzen. Dieses entfalte seine volle gesellschaftliche Wirkung erst im Verbund mit Altruistischer Bestrafung und Moralischer Courage. „Nur mit allen dreien gemeinsam sind wir stark.“

Publikation: Sabine Windmann, Lucie Binder, Martin Schultze: Constructing the Facets ofAltruistic Behaviors (FAB) Scale | Social Psychology (hogrefe.com)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Sabine Windmann
Institut für Psychologie
Goethe-Universität
E-Mail: s.windmann@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 13 2021
14:30

„Scientist of the Year“-Preis 2021 der Goethe-Universität geht an die theoretische Physikerin Hannah Elfner

Herausragend auch bei der Nachwuchsförderung 

Die Physikerin Prof. Dr. Hannah Elfner erforscht Prozesse zwischen den allerkleinsten Teilchen des Universums, das sogenannte Quark-Gluon-Plasma. Für ihre herausragende Forschung zu Ereignissen kurz nach dem Urknall wird die Physikerin nun von der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung als „Scientist of the Year“ 2021 ausgezeichnet.

FRANKFURT. Maschinenbauingenieurin, Pilotin oder Physikerin? Dass sich Hannah Elfner nach dem Abitur für das Physikstudium entschieden hat und sie dann bald zielsicher das Quark-Gluon-Plasma erforschen wollte, ist ein Glücksfall für dieses Forschungsgebiet. Denn bereits in ihrer preisgekrönten Dissertation wies die Physikerin daraufhin, dass die Phasenabläufe im Quark-Gluon-Plasma weitaus komplexer sind als damals angenommen. Für weitere Erkenntnisse über den extrem kurzen Moment nach dem Urknall erhielt sie neben anderen Preisen 2016 den renommierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler.

Zu dieser Zeit erforscht sie schon seit vier Jahren in Frankfurt, wie sich Schwerionenkollisionen, mit denen experimentelle Physiker Prozesse nach dem Urknall simulieren und bei denen das Quark-Gluon-Plasma unter extremer Dichte entsteht, mit mathematischen Modellen beschreiben lassen. Als eine der jüngsten Physikprofessorinnen in Deutschland berufen, besetzt Elfner eine Doppelstelle am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Universität und dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung. Inzwischen lehrt und forscht sie auf einer unbefristeten Professur an der Goethe-Universität, wo sie unter anderem in das Cluster-Projekt „Elements“ eingebunden ist. Seit wenigen Monaten koordiniert sie zudem Theorieabteilung am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, wo sie zuvor mehrere Jahre lang eine Nachwuchsforschungsgruppe leitete.

Ein Glücksfall ist Hannah Elfner aber auch für das Team ihrer Nachwuchswissenschaftler. In der Laudatio zur „Scientist of the Year“-Auszeichnung beschreiben ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eindrücklich die individuelle Zuwendung, die die Physikprofessorin jedem einzelnen ihrer Studierenden und Doktoranden zukommen lässt - was unter anderem ein Grund dafür ist, dass Hannah Elfner nun als „Scientist of the Year“ ausgezeichnet wird. Universitätspräsident Enrico Schleiff sagt: „Frau Elfner ist eine exzellente junge Wissenschaftlerin, die sich sehr für ihr Fach und ihr Team einsetzt und mit ihrer Expertise ideal zu unseren Forschungsschwerpunkten beiträgt. Dass dieses Engagement von der Kassel-Stiftung gewertschätzt und unterstützt wird, freut mich natürlich ganz besonders.“ Den Preis „Scientist oft the Year“ vergibt die Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung alle zwei Jahre an Forschende, die sich ergänzend zur eigenen herausragenden wissenschaftlichen Arbeit auch um die Nachwuchsförderung verdient machen; ein Teil des Preisgeldes in Höhe von 25.000 Euro soll deshalb auch in die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses fließen. Die für Anfang Dezember geplante feierliche Übergabe des Preises wurde pandemiebedingt nun auf das Frühjahr verschoben.

Sehr viel Spaß mache ihr die Arbeit mit den Studierenden, betont die Physikerin. Ein weiteres Motiv für ihr großes Engagement für den Nachwuchs: Sie möchte Studierende für ihr Fachgebiet zwischen theoretischer Grundlagenforschung und Experimentalphysik interessieren. In ihrer Arbeitsgruppe werden realistische dynamische Beschreibungen für Kollisionen von Atomkernen von Gold oder Blei unter Quasi-Lichtgeschwindigkeit entwickelt, die mit Teilchenbeschleunigern wie am CERN ausgelöst werden. 2025 soll der Bau des neuen internationalen Beschleunigerzentrums FAIR bei GSI in Darmstadt abgeschlossen sein. Von den Experimenten, die dort stattfinden sollen, erwarten Hannah Elfner und ihr Team genau auf ihre Fragestellungen passende Daten.

Von ihrem zweijährigen Aufenthalt an der US-amerikanischen Duke-University hat die Physikerin das Wissen mitgebracht, wie sie die mathematischen Berechnungen der Atomkernkollisionen in hoher Qualität visualisieren kann: eben jenen extrem kurzen Moment, bei dem die Protonen und Neutronen des Atomkerns zu kleineren Teilen, den Quarks, zerfallen und diese getrennt von den Gluonen auftreten, mit denen sie sonst „zusammenkleben“. Die faszinierenden Bewegungsbilder des Quark-Gluon-Plasmas dienen den Wissenschaftlern auch als Kontrolle für ihre Berechnungen: Mathematische Fehler werden sofort sichtbar. Die ästhetisch beeindruckenden Visualisierungen, die die extrem kurzen Prozesse bei einer Temperatur von einer Billion Grad darstellen, können aber auch Laien eine Ahnung vom „Big Bang“, dem Urknall, vermitteln.

Hannah Elfner hat die Bilder deshalb immer im Gepäck, wenn sie außerhalb der Universität – bei Vorträgen in Volkshochschulen oder Schülerprojekten beispielsweise – über ihr Forschungsgebiet berichtet. Bei solchen bürgernahen Terminen sagt immer gern zu. Denn Wissenschaftskommunikation ist ihr wichtig. Und außerdem, sagt sie, solle man ruhig sehen, „dass auch Frauen Physikprofessoren sein können.“

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/109806472

Bildtext: Die Physikerin Prof. Dr. Hannah Elfner erforscht Prozesse zwischen den allerkleinsten Teilchen des Universums (Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Hannah Elfner (geb. Petersen)
Head of Department Hot and Dense QCD Matter
Coordinator of Theory Pillar
GSI, KBW, room 2.14
phone: +49 6159 71 3068
email: h.elfner@gsi.de

Professor for Theoretical Physics
Goethe University
GSC, room 3|29
phone: +49 69 798 47652
email: elfner@itp.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Dez 13 2021
11:57

Maria Roser Valentí wird Sprecherin der Forschungsgruppe QUAST – 4,6 Millionen Euro Förderung für vier Jahre 

Goethe-Universität: Neue DFG-Forschungsgruppe zu Quantenphysik

Wie sich die Eigenschaften neuer Materialien besser vorhersagen lassen, wird die neue Forschungsgruppe um Professorin Maria Roser Valentí von Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität im Verbund mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erkunden. Die Forschungsgruppe „QUAST“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SFN) im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit gefördert. Die Fördersumme von 4,6 Millionen Euro enthält eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten.

FRANKFURT. Der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Enrico Schleiff, gratulierte der neuen Forschungsgruppe zum positiven Förderentscheid: „Dies ermöglicht unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, im internationalen Verbund einer der zentralen Fragen der Festkörperphysik nachzugehen, der Vielteilchentheorie. Maria Roser Valentí ist zweifellos eine hervorragende Wahl als Sprecherin, nicht zuletzt da sie bereits unserem Transregio-Sonderforschungsbereich 288 zum verwandten Feld der Quantenmaterialien vorsteht. Ich freue mich auf spannende Erkenntnisse aus der neuen Forschungsgruppe.“

Die neue Forschungsgruppe „Qualitative räumlich-zeitliche Modellierung von Materie mit elektronischen Korrelationen (QUAST)“ beschäftigt sich mit der Entwicklung der sogenannten Vielteilchentheorie, um zuverlässige quantitative Vorhersagen topologischer und dynamischer Quantenphänomene in Festkörpern zu erreichen. Die Eigenschaften vieler neuartiger Quantenmaterialien, wie die vor kurzem entdeckt Weyl-Kondo-Semimetalle, basieren auf räumlich-zeitlichen elektronischen Korrelationen, deren Vielteilchen-Natur schwer mathematisch zu beschreiben ist. QUAST will diese Herausforderung durch koordinierte theoretische Methodenentwicklungen und konzertierte Experimente angehen.

QUAST-Sprecherin Prof. Roser Valentí sagt: „Unser zentrales Ziel in QUAST ist die Entwicklung einer Theorie der elektronischen Struktur kondensierter Materie, die die Phänomene in Materialien wie den Weyl-Kondo Halbmetallen erklären kann. Langfristig wollen wir eine übergreifende Computer-basierte Plattform entwickeln, um Quantenmaterialien mit solchen Eigenschaften zuverlässig modellieren und designen zu können.“

QUAST-Website:
https://for5249.org

Weitere Informationen
Prof. Dr. Maria Roser Valentí
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798 47816
valenti@itp.uni-frankfurt.de
https://itp.uni-frankfurt.de/~valenti/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Dez 10 2021
11:03

Das Interesse an dem Fach Koreastudien nimmt seit Jahren rasant zu. Ein Grund: die Popularität der koreanischen Pop- und Filmkultur. Mehr über das „Kleine Fach“ an der Goethe-Universität im neuen UniReport

Korea goes Pop

FRANKFURT. Klein, aber oho: Das Fach Koreastudien zählt zwar zu den sogenannten „Kleinen Fächern“ an der Goethe-Universität, aber die Zahl der Studierenden ist in den vergangenen zehn Jahren immerhin von 20 auf 400 Studierende gewachsen. Auch wenn viele Studierende in den letzten Jahren den Weg zum Fach über Koreas aktuelle Popmusik, Mode und Film gefunden haben, so erschöpft sich die Themenvielfalt natürlich bei weitem nicht darin: Geschichte, Wirtschaft, Politik, Geographie und Religionen des Landes gilt es im Studium zu erschließen. Interdisziplinarität wird großgeschrieben: Geschichtswissenschaften, Migrationsforschung, Kulturwissenschaft und Frauenforschung liefern die Theorien- und Methodenvielfalt. Auch international ist das Fach gut aufgestellt, insgesamt sechs koreanische Partneruniversitäten kooperieren mit der Goethe-Universität. Zudem ist in Frankfurt das Umfeld sehr günstig, lebt hier doch die mit Abstand größte Anzahl von Auslandskoreaner in Europa; ebenso haben sich hier viele koreanische Firmen angesiedelt.

Ein ganz besonderer Fall von koreanischer Popkultur erregt gerade in Deutschland die Gemüter: Die Netflix-Serie „Squid Game“ sorgt für Debatten vor allem unter Pädagogen und Medienforschern. In der Serie treten hoch verschuldete Menschen in einem Wettbewerb gegeneinander an; wer verliert, zahlt mit seinem Leben. Die äußerst gewalttätige Darstellung eines zynischen Spiels übt anscheinend eine große Faszination vor allem auf junge Zuschauer aus. Prof. Katajun Lindenberg, Professorin für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Goethe-Universität, erklärt im Gespräch mit dem UniReport, warum der Serienhit für Kinder und Jugendliche nicht geeignet ist.

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

  • Universitätsleben zurück im „Analogen“: Ein erster Blick zurück auf zwei Monate Präsenzbetrieb.
  • Auch in geistiger Nachbarschaft zum Goethe-Haus: Die Literaturwissenschaftlerin Anne Bohnenkamp-Renken über das neue Frankfurter Romantik-Museum.
  • Wie Schwarze Löcher ihren Jet zünden: Frankfurter Astrophysiker klären den Ursprung der gigantischen Teilchenströme auf.
  • Cave-Syndrom und Long COVID: Psychologen untersuchen, wie sich die Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit auswirkt.
  • Goethe, Deine Forscher: Dem Rechtswissenschaftler David von Mayenburg liegt das Kirchenrecht des Mittelalters und der Frühen Neuzeit besonders am Herzen.
  • Von Haarnadeln und Leitersprossen: Der Biophysiker Jens Bredenbeck untersucht den Energietransport in Proteinen.
  • Geschichten, die weitererzählt werden sollen: Interview mit der neue Poetikdozentin Judith Hermann, deren Vorträge ins Sommersemester 2022 verschoben werden müssen.
  • Illusion des sozialen Aufstiegs: Der Soziologe Lars Meier rezensiert den Film „Contra“, der soziale Ungleichheit und Diskriminierung an der Hochschule behandelt.
  • Der weite Weg zur Traumfabrik: Drei Alumni der Goethe-Universität, die Fuß gefasst haben in der Filmbranche, über ihren Film „Eine Handvoll Wasser“ mit Weltstar Jürgen Prochnow.
  • Die Genschere im künstlerischen Einsatz: Studierende verschiedener Disziplinen arbeiten in einem Lehrforschungsprojekt zusammen.

Der UniReport 6/2021 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/109719953.pdf  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 9 2021
12:50

Große internationale Tagung über Dokumentarfilm und Medien „Visible Evidence“ der Goethe-Universität vom 14. bis 18. Dezember/ Veranstaltungen teilweise auch im Hybrid-Format zugänglich

Dokumentarfilm und die Krise der Demokratie

Wie reagiert der Dokumentarfilm auf die aktuelle Krise der Demokratie? Mit diesem Thema setzen sich vom 14. bis zum 18. Dezember mehr als 300 internationale Wissenschaftler:innen, Filmemacher:innen und Künstler:innen auseinander. Die Veranstaltung „Visible Evidence“ findet als Hybridveranstaltung im Künstlerhaus Mousonturm und dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum statt.  

FRANKFURT. Durch die Geschichte des Dokumentarfilms zieht sich der Begriff der Krise wie ein roter Faden: Schon die ersten Dokumentarfilmemacher:innen in den 1920er und 1930er Jahren reagierten mit ihren Filmen auf kritische Zustände in ihrem Land. Wie geht der Dokumentarfilm heute damit um: mit den Folgen der Globalisierung, dem Klimawandel und der Migration, mit der Gesundheitskrise und der Transformation der Wirtschaft? Prägt er unsere Wahrnehmung und wenn ja, wie? Kann er theoretisch und praktisch dazu beitragen, notwendige Räume und Denkweisen für eine lebendige Demokratie zu verteidigen? Braucht er dazu neue politische, soziale und formale Möglichkeiten?

Um diese Fragen geht es in der fünftägigen internationalen Konferenz mit Diskussionen, Screenings, Workshops und Vorträgen, die das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft (TFM) der Goethe-Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Forschungsinitiative ConTrust, dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ und dem Künstlerhaus Mousonturm und dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum vom 14. bis zum 18. Dezember ausrichtet. Die Veranstalter haben die Tagung im Hybrid-Format auch als öffentliche Veranstaltung konzipiert, da sie Dokumentargeschichte als ein Instrument der öffentlichen Meinung verstehen.

Der Blickwinkel der Vorträge ist so weit wie das Feld der mehr als 300 angekündigten Teilnehmer:innen aus Europa, Asien, den USA und Südamerika: Das audiovisuelle Erbe Afrikas und die Kolonisierung gehören ebenso zu den Themen wie Spuren von Traumata in Kolonialarchiven, der Arbeiterfilm, Umwelterzählungen im Dokumentarfilm aus Osteuropa und Amateurfilme von Jugendlichen aus den US-amerikanischen Inner-Cities der 1960er Jahre. Die internationale Ausrichtung ist seit der Gründung von „Visible Evidence“ vor 28 Jahren Programm: „Visible Evidence“ ist ein Netzwerk von Künstler:innen, Kurator:innen, Filmemacher:innen und Wissenschaftler:innen aus über dreißig Ländern, die sich mit aktuellen Fragen des Dokumentarfilms auseinandersetzen und zur nicht-fiktionalen Medienkultur selbst wichtige Beiträge leisten. Seit 1993 findet „Visible Evidence“ jedes Jahr an einem anderen Ort statt, mittlerweile auch jedes Jahr auf einem anderen Kontinent. Nach Montreal, Sao Paulo, Buenos Aires, Stockholm, Los Angeles und Bochum ist „Visible Evidence XVII“ in Frankfurt die zweite deutsche Ausgabe der Tagung. Insgesamt wurde „Visible Evidence“ bereits 26 Mal veranstaltet.

Die Konferenz ist als hybride Veranstaltung (unter 2G-Bedingungen) geplant. Alle Veranstaltungen haben einen Zoom-Raum bzw. sind per Livestream zu besuchen, und die meisten Veranstaltungen werden aufgezeichnet. 

Zu den Förderern der 27. „Visible Evidence“-Konferenz gehört die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Graduiertenkolleg „Configurations of Film“, der Forschungsverbund „Normative Orders“, das Clusterprojekt „ConTrust“, die Freunde und Förderer der Goethe-Universität, das Goethe-Institut, das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, die Hessische Film- und Medienakademie, die Johanna Quandt-Universitäts-Stiftung und die Stadt Frankfurt. 

Das umfangreiche Programm und weitere Informationen sind zu finden unter: https://2021.visibleevidence.org/

Anmeldung unter: https://www.conftool.com/visible-evidence-2021/

Bild: https://www.uni-frankfurt.de/109725190

Bildtext: Amateurfilme von Jugendlichen aus den US-amerikanischen Inner-Cities der 1960er Jahre ist eines der vielen Themen der internationalen Tagung “Visible Evidence“ der Goethe-Universität (Foto © Sol Worth - A Slice of Live | Presbyterian Historical Society, Philadelphia) 


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 8 2021
13:15

Als Mitwirkende am bundesweiten Festjahr positioniert sich die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus.

Jahrestag 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Universitätsbibliothek Frankfurt zeigt Flagge

FRANKFURT. Ab 11. Dezember wird die Fassade der Universitätsbibliothek an der Bockenheimer Landstraße mit einer auffälligen bunten Fahne geschmückt sein. Auf den Tag genau wird es dann 1700 Jahre her sein, dass Kaiser Konstantin den Juden in der Stadt Köln das Recht erteilte, in den Stadtrat gewählt zu werden – der erste urkundliche Beleg für jüdisches Leben auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Aus diesem Anlass unterstützt der unter anderem vom Bundesministerium des Innern getragene Verein „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ in diesem Jahr mehr als 1500 Projekte im ganzen Bundesgebiet. Mit dabei: Die Universitätsbibliothek Frankfurt, zu deren Beständen eine der europaweit bedeutendsten Sammlungen jüdischer Schriften gehört. Anlässlich des Festjahres bieten nun eine Website und eine Ausstellung unter dem Motto „17 Motive jüdischen Lebens“ Einblick in diese faszinierende Welt jüdischer Schriftkultur.

Ausstellung „17 Motive jüdischen Lebens“
4. November - 23. Dezember und 10. Januar - 27. Februar 2022,
im Schopenhauer-Studio der Universitätsbibliothek,
Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main.
Geöffnet dienstags bis sonntags, 13-18 Uhr.

Am 4. November wurde die Ausstellung, die auch unter studentischer Mitwirkung entstand, im Beisein der Generalsekretärin des Vereins, Sylvia Löhrmann (Staatsministerin a. D.), sowie dem Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Enrico Schleiff, eröffnet. Gezeigt werden nicht nur kostbare Handschriften und Drucke, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind: Auch vielfältige jüdische Stimmen der Gegenwart finden ihren Platz. An Mitmachstationen können die Besuchenden selbst aktiv werden. Das Schopenhauer-Studio der Universitätsbibliothek an der Bockenheimer Warte bietet dazu eine moderne und großzügige Ausstellungsfläche.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich mit einem Selfie vor einer der Fahnen an oder in der UB an der Social Media Kampagne des Vereins zu beteiligen und damit auch persönlich ein Zeichen für gesellschaftliche Vielfalt zu setzen (#2021JLID). Die Ausstellung „17 Motive jüdischen Lebens“ kann dienstags bis sonntags von 13:00 bis 18:00 Uhr unter Beachtung der gültigen Corona-Verordnung besucht werden. Informationen zu öffentlichen Führungen finden sich auf https://17motive.uni-frankfurt.de/ausstellung/


Projekt-Website: https://17motive.uni-frankfurt.de; Instagram: frankfurter_dinge, #17motive
Festjahr: https://2021jlid.de/ 

Presse-Besichtigung: Mit Terminvereinbarung jederzeit möglich
Bildmaterial für die Presse ist hier zum Download abgelegt: https://www.ub.uni-frankfurt.de/ausstellung/17motive_bilder.html


Information: Dr. Kerstin von der Krone, Sammlungsleitung Judaica und Hebraica, und Johanna Weiler, Projekt 17 Motive, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Tel: +49 (69) 798 39665, E-Mail: 17motive@ub.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsabteilungen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de   


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de   

 

Dez 8 2021
11:56

Vom Maschinenlernen zum Maschinenlehren: VolkswagenStiftung fördert gemeinsame Forschung aus Ökonomie, Psychologie, Recht, Medizin, Informatik und Bildungsforschung

Goethe-Uni wirbt visionäres Projekt zu KI ein

Mit knapp 10 Millionen Euro Förderung regt die VolkswagenStiftung zu Forschungsprojekten an, die ergründen, wie sich Künstliche Intelligenz auf die Gesellschaft auswirken wird. Die Goethe-Universität Frankfurt (GU) war mit einem Antrag erfolgreich, der die Entwicklungen im Bereich Mensch-Maschine-Interaktion in der Bildung in den Blick nimmt.

FRANKFURT. „From Machine Learning to Machine Teaching (ML2MT) – Making Machines AND Humans Smarter“ – so lautet der Titel des Projekts, das der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Oliver Hinz in einem interdisziplinären Projekt gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen verschiedener Fächern beantragt hat. Der Erfolg von lernenden Maschinen wie im Paradebeispiel des Brettspiels Go (in der Computerversion „AlphaGo Zero“) hat die Wissenschaftler inspiriert. Ihr Projekt zielt auf ein besseres Verständnis dessen ab, wie Menschen und Maschinen in kollaborativen Mensch-KI-Systemen in symbiotischer Interaktion miteinander neues Wissen erschließen können. Zu diesem Zweck erforscht das Konsortium die analytischen und technischen Grundlagen, die für den erfolgreichen Transfer neuen Wissens von intelligenten Maschinen auf Menschen und umgekehrt verantwortlich sind. Untersucht wird dies mittels hybrider Mensch-Maschine-Systeme in Fallstudien aus der medizinischen Diagnostik, der wirtschaftlichen Entscheidungsfindung und der Finanzmarktprognose. Das Team will verallgemeinerbare sozio-technologische und psychologische Erkenntnisse ableiten und Empfehlungen geben, um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine weiter zu verbessern.

Am Projekt wirken im Einzelnen mit: Prof. Oliver Hinz (Wirtschaftswissenschaften, GU (Leitung)), Prof. Yee Lee Shing (Entwicklungspsychologie, GU), Prof. Loriana Pelizzon (Wirtschaftswissenschaften, GU) und Prof. Tobias Tröger (Rechtswissenschaft, GU, beide außerdem am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, Frankfurt), Prof. Gernot Rohde (Universitätsklinikum Frankfurt/Main und GU), Prof. Kristian Kersting (Informatik, TU Darmstadt), Prof. Hendrik Drachsler (Informatik, GU, und DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Standort Frankfurt/Main).

Die VolkswagenStiftung fördert sieben Projektkonsortien aus den Gesellschafts- und Technikwissenschaften mit insgesamt 9,8 Mio. Euro. Mit ihrer Initiative „Künstliche Intelligenz“ will sie die fach- und länderübergreifende Forschung zur verantwortungsvollen Weiterentwicklung von KI-Systemen fördern. „Die neu bewilligten Projekte fokussieren auf Bereiche, in denen KI-Systeme bereits eingesetzt oder zeitnah zum Einsatz kommen werden, etwa in der medizinischen Diagnostik oder präventiven Ferntherapie, aber auch in Finanzmarktprognosen, bei der wissenschaftlichen Bildverarbeitung oder im Journalismus“, sagt Dr. Henrike Hartmann, Abteilungsleiterin Förderung. „Die Forschenden denken einen Schritt weiter, antizipieren die Auswirkung der KI auf die Gesellschaft und wie man diese positiv gestalten könnte.“

Alle ausgewählten Vorhaben sind auf drei bis vier Jahre angelegt und erhalten jeweils rund 1,5 Mio. Euro Förderung. Die Initiative „Künstliche Intelligenz ‒ Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen“ läuft seit 2017, bis heute wurden insgesamt 33,9 Mio. EUR bewilligt. 2022 wird die Initiative inhaltlich weiterentwickelt.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Oliver Hinz
Professur für BWL, insb. Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement
Fachbereich 02 Wirtschaftswissenschaften
069/798-34675
ohinz@wiwi.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen zu der Initiative „Künstliche Intelligenz ‒ Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen“ der VolkswagenStiftung finden Sie unter https://www.volkswagenstiftung.de/kuenstliche-intelligenz


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Dez 8 2021
11:48

Dritter Durchgang der bundesweiten Studie „JuCo. Junge Menschen in der Pandemie“: Menschen zwischen 15 und 30 Jahren sind aufgerufen, sich zu beteiligen.

Wie hat sich das Leben junger Menschen nach anderthalb Jahren im Corona-Modus verändert? 

FRANKFURT. Über 12.000 Menschen haben sich bisher an den bundesweiten Studien JuCo I und II der Universitäten Frankfurt und Hildesheim beteiligt, um von ihren Erfahrungen und Perspektiven während der Corona-Pandemie zu berichten. Nun startet der Forschungsverbund die dritte Erhebung JuCo III. Im Fokus stehen die Veränderungen des Lebens Jugendlicher und junger Erwachsener nach nunmehr anderthalb Jahren im Corona-Modus. Das ist eine lange Zeit für junge Menschen.

Die Online-Befragung JuCo III richtet sich an junge Menschen ab 15 Jahren. Es geht darum, mehr über den Lebensalltag, die Herausforderungen und Perspektiven der jungen Menschen zu erfahren. „Jugendliche wollen gehört werden. Das haben bereits JuCo I und II deutlich gezeigt.“, so Severine Thomas aus dem Forschungsteam, Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim. Johanna Wilmes von der Universität Frankfurt ergänzt: „Durch die ersten Befragungen konnten wir viel bewegen und die Aufmerksamkeit auf die Jugend lenken. Von einer erneuten großen Teilnahme an der dritten Studie erhoffen wir uns Erkenntnisse darüber, wie junge Menschen ihre Situation aktuell wahrnehmen und wie sie ihre Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten einschätzen.“ Die Studie JuCo III bietet Jugendlichen eine Möglichkeit, ihre Anliegen zum Ausdruck zu bringen.

Deutschlandweit sind junge Menschen ab 15 Jahren eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. Dazu Tanja Rusack: „Wir wollen möglichst viele junge Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erreichen. Der Fragebogen ist deshalb erneut in einfacher Sprache formuliert“. Der Fragebogen ist unter https://www.soscisurvey.de/JuCo_III/ erreichbar, die Teilnahme dauert ca. 20 Minuten. Unter den Teilnehmer*innen werden 20 Gutscheine im Wert von je 20 Euro verlost.

Der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ setzt sich zusammen aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Stiftung Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt. Entstanden sind darin bisher die bundesweite Studie JuCo I und II zu den Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen sowie die bundesweite Studie KiCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern während der Corona-Maßnahmen. Aktuell gehören zum Team Sabine Andresen, Anna Lips, Ann-Kristin Placzek, Tanja Rusack, Wolfgang Schröer, Severine Thomas, Johanna Wilmes.

Weitere Informationen und bisherige Veröffentlichungen unter: https://t1p.de/studien-corona

Kontakt: Prof. Dr. Sabine Andresen, Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Goethe Universität Frankfurt am Main. Tel.: (069) 798-36432; E-Mail: S.Andresen@em.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Dez 7 2021
11:14

Forschungsverbund „Individualisierte Leistungsentwicklung im Sport“ der Universitäten Gießen und Frankfurt sowie der Deutschen Sporthochschule Köln geht an den Start – Bundesinstitut für Sportwissenschaft fördert zunächst bis 2025

Mit individualisiertem Training zu sportlichen Höchstleistungen

Wie Sportlerinnen und Sportler im Hochleistungsbereich noch besser individuell gefördert werden können, dazu forscht jetzt ein Forschungsverbund, an dem die Universitäten Gießen und Frankfurt sowie die Deutsche Sporthochschule Köln beteiligt sind. Die Goethe-Universität übernimmt in dem vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderten Projekt sowohl bewegungs- und trainingswissenschaftliche Anteile als auch das Datenmanagement des gesamten multidisziplinären Projekts.

FRANKFURT. Wer im Spitzensport Erfolg haben will, muss konsequent und hart trainieren, mental bestens auf Wettkampfsituationen vorbereitet sein, Techniken beherrschen, auf die eigene Gesundheit achten und sich selbst sehr genau kennen. Das Training im Spitzensport muss daher stärker denn je auf die individuellen Aspekte der Athletinnen und Athleten zugeschnitten sein, um deren Leistungen in den unterschiedlichen Sportarten zu optimieren. Eine solche Individualisierung spielt eine wichtige Rolle bei der Leistungsdiagnostik, der Trainingsgestaltung und der Regeneration; sie bezieht psychische Faktoren, Ernährung und Unterstützungsleistungen mit ein. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Justus-Liebig- Universität Gießen, der Goethe-Universität Frankfurt und der Deutschen Sporthochschule Köln haben sich jetzt im Forschungsverbund „Individualisierte Leistungsentwicklung im Sport“ zusammengefunden, um den deutschen Spitzensport in den kommenden Jahren wissenschaftlich zu begleiten.

Das Konsortium wird das Thema aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven betrachten, um die Individualität der Leistungsentwicklung besser zu verstehen und zu erklären. Diagnostikinventare zur Erfassung leistungsbestimmender Einfluss- und Bedingungsfaktoren sowie individualisierte Trainingsstrategien werden entwickelt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden dabei eng mit Trainerinnen und Trainern sowie Athletinnen und Athleten zusammenarbeiten. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft fördert das Projekt zunächst für vier Jahre mit insgesamt zwei Millionen Euro.

An dem Forschungsverbund sind seitens des Instituts für Sportwissenschaft der JLU Prof. Dr. Karsten Krüger, Sporttherapie und Leistungsphysiologie (Sprecher des Konsortiums), und Prof. Dr. Michael Mutz, Sozialwissenschaften des Sports, beteiligt. Dem Konsortium gehören zudem zwei Professorinnen der Goethe-Universität Frankfurt an: Prof. Dr. Karen Zentgraf, Bewegungs- und Trainingswissenschaft, und Prof. Dr. Lena Wiese, Informatik. Von der Deutschen Sporthochschule Köln ist der Sportpsychologe Prof. Dr. Dr. Markus Raab beteiligt.

Zudem sind zahlreiche Sportverbände und Praxispartner mittels einer Kooperationsvereinbarung in das Projekt eingebunden, darunter der Deutsche Volleyball-Verband (DVV), der Deutsche Turner-Bund (DTB), der Deutsche Eishockey-Bund (DEB), der Deutsche Basketball-Bund (DBB), der Bob und Schlittenverband für Deutschland (BSD) und der Deutsche Verband für Modernen Fünfkampf (DVMF) sowie sieben Olympiastützpunkte: Bayern, Berlin, Brandenburg, Rhein-Neckar, Hessen, Niedersachsen, Stuttgart.

Arbeitsgruppen im Konsortium „Individualisierte Leistungsentwicklung im Spitzensport“

Die Arbeitsgruppe Sporttherapie und Leistungsphysiologie um Prof. Dr. Karsten Krüger, Justus-Liebig-Universität Gießen, untersucht die genetischen Voraussetzungen für ein effektives Training sowie zahlreiche molekulare Marker im Blut, welche die Substratversorgung und den physiologischen Stresszustand der Athletinnen und Athleten nachweisen. Ein Fokus liegt dabei auf der Berücksichtigung von Zyklusphasen in der Trainingsplanung von Athletinnen. Auch die Mikrobiota stehen im Fokus der Untersuchungen, da aktuelle Studien einen Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Leistungsentwicklung belegen.

Die Arbeitsgruppe Sozialwissenschaften des Sports um Prof. Dr. Michael Mutz, JLU, bezieht leistungsrelevante Umweltbedingungen sowie karriererelevante Entscheidungen der Athletinnen und Athleten mit ein. Dazu gehören zum Beispiel die Zusammensetzung von Mannschaften und Trainingsgruppen, soziale Unterstützungsleistungen im sportlichen und persönlichen Umfeld, finanzielle Anreizstrukturen, aber auch individuelle Entscheidungen für oder gegen eine „duale Karriere“, etwa für oder gegen den Beginn eines Studiums neben dem Leistungssport. Diese Rahmenbedingungen können unmittelbar auf Trainings- und Wettkampfleistungen abfärben, haben aber auch Einfluss auf psychologische Komponenten wie zum Beispiel Leistungsmotivation oder Stresserleben.

Die Arbeitsgruppe Bewegungs- und Trainingswissenschaft um Prof. Dr. Karen Zentgraf, Goethe-Universität Frankfurt nimmt vor allem die trainings- und bewegungswissenschaftliche Individualdiagnostik in den Blick, die bisher für die Trainingssteuerung noch eine eher untergeordnete Rolle spielte. Beispielhaft dafür sind diagnostische Verfahren zu sogenannten Doppeltätigkeitskosten – wenn Entscheidungen in komplexen Spielsituationen unter hoher Belastung getroffen werden –, auf die Sportart spezifisch ausgelegte Leistungstests sowie die individuelle Trainingssteuerung im Zusammenhang mit Schnellkraftleistungen oder Hormonschwankungen.

Es ist ein breit aufgestelltes Datenmanagementsystem geplant, zu dem Prof. Dr. Lena Wiese, Goethe-Universität Frankfurt, die Informatikexpertise beisteuert. Um die komplexen, disziplinspezifischen Diagnostiken sowie die Trainings- und Wettkampfdaten der Fachverbände zusammenzuführen und auszuwerten, ist die Entwicklung eines integrierten Datenbanksystems vorgesehen. Neben den wissenschaftlichen Analysen werden die Daten unter Einbeziehung von Erfahrungen der Trainerinnen und Trainer betrachtet, um für einzelne Athletinnen und Athleten individuelle Maßnahmen abzuleiten, um die Trainingsarbeit zu optimieren und die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Für die Untersuchung und Bedeutung der im Spitzensport relevanten psychischen Aspekte wird schließlich die Arbeitsgruppe Sportpsychologie um Prof. Dr. Dr. Markus Raab, Deutsche Sporthochschule Köln, im Forschungsteam mit Dr. Laura Bröker, Dr. Babett Lobinger, Dr. Lisa Musculus ihre Expertise einbringen. Die Gruppe nimmt unter anderem interindividuelle Unterschiede psychischer Verhaltensvoraussetzungen in den Blick, um Leistungsentwicklungen und hohe Trainingsantworten besser vorhersagen zu können.

Weitere Informationen

Goethe-Universität Frankfurt/Main
Prof. Dr. Karen Zentgraf
Institut für Sportwissenschaften, Bewegungs- und Trainingswissenschaft
Telefon: 069 798-24524
E-Mail: Zentgraf@sport.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Lena Wiese
Institut für Informatik
Telefon: 069 798-28212
E-Mail: lwiese@cs.uni-frankfurt.de

Justus-Liebig-Universität Gießen
Prof. Dr. Karsten Krüger
Institut für Sportwissenschaft
Telefon: 0641 / 99-25210
E-Mail: Karsten.Krueger@sport.uni-giessen.de

Prof. Dr. Michael Mutz
Geschäftsführender Direktor des Instituts für Sportwissenschaft
Telefon: 0641 99-25203
E-Mail: michael.mutz@sport.uni-giessen.de

Deutsche Sporthochschule Köln
Prof. Dr. Dr. Markus Raab
Psychologisches Institut, Sportpsychologe
Telefon: 0221 4982-5491
E-Mail: raab@dshs-koeln.de

Bundesinstitut für Sportwissenschaft: https://www.bisp.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 6 2021
17:00

Verarbeitung von geschriebener und gesprochener Sprache liegen nah beieinander

Lesen und Sprechen folgen einem ähnlichen Takt

Beim Lesen bewegt sich der Blick in einem bestimmten Muster über den Text. Dieses Muster ähnelt in überraschendem Maß der Rhythmik gesprochener Sprache, wie ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Beteiligung der Goethe-Universität herausgefunden hat. Die Ergebnisse ihrer Forschung erscheinen heute in der Fachzeitschrift „Nature Human Behavior“.

FRANKFURT. Wenn wir lesen, lassen wir unseren Blick über einen Text wandern. Die Bewegungen der Augen folgen dabei einer charakteristischen zeitlichen Rhythmik. Ein internationales Team von Forscherinnen und Forschern mit starker Beteiligung der Goethe-Universität hat in Blickbewegungsexperimenten und einer Metastudie mit 14 verschiedenen Sprachen herausgefunden, dass diese zeitliche Struktur des Lesens nahezu identisch ist mit der dominanten Rhythmik der gesprochenen Sprache. Daraus lasse sich schließen, dass sich die Verarbeitung von geschriebener und gesprochener Sprache in einem größeren Maße ähneln als bisher angenommen. Die Ergebnisse der Forschungen erscheinen in der Fachzeitschrift „Nature Human Behavior“. Weitere beteiligte Forschungseinrichtungen waren die Universität Wien, das Ernst Strüngmann Institut Frankfurt, die New York University, das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik Frankfurt und die Universität Salzburg.

Sprachen und Schriftsysteme sind zentrale Elemente menschlicher Kommunikation. Schriftsysteme ermöglichen uns seit Jahrtausenden, Information nicht nur von Angesicht zu Angesicht zu teilen, sondern sie auch materiell zu speichern und dauerhaft verfügbar zu machen. „Das Lesen ist eine der faszinierendsten kulturellen Errungenschaften des Menschen“, sagt Erstautor Dr. Benjamin Gagl, bis vor kurzem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Goethe-Universität. „Die gesprochene Sprache beeinflusst auch das Lesen. Bis jetzt ist aber wenig über die gemeinsamen zugrundeliegenden Mechanismen von Lesen und gesprochener Sprache bekannt“, erklärt Gagl, der von Haus aus Psychologe ist.

Diese Mechanismen hat Gagl gemeinsam mit einem internationalen Team unter Leitung von Prof. Christian Fiebach untersucht, indem er die zeitlichen Strukturen des Lesens mit denen der gesprochenen Sprache verglich. Dabei zeigte sich, dass die rhythmischen Abläufe der Augenbewegungen beim Lesen und die dominante Rhythmik im Sprachsignal nahezu identisch sind. Diese Erkenntnis wirft ein neues Licht auf die Schnittstelle zwischen geschriebener und gesprochener Sprache.

Für ihre Studie übertrug das Team Methoden der Frequenzanalyse, die in der Untersuchung des lautlichen Sprachsignals schon breite Verwendung finden, auf die Untersuchung von Augenbewegungen. Diese Vorgehensweise wurde in zwei Studien an der Goethe-Universität Frankfurt und einer Studie an der Universität Salzburg angewandt. Neben einer vergleichbaren Rhythmik von Lesen und Sprechen zeigte sich bei weniger leseerfahrenen Personen eine direkte zeitliche Kopplung der Lese- und Sprachprozesse. Geübtere Leserinnen und Leser hingegen lasen schneller und konnten zwischen zwei Augenbewegungen mehr Information aus dem Text entnehmen. Zusätzlich erfassten die Autorinnen und Autoren in einer Metastudie alle in Fachzeitschriften erschienenen Blickbewegungsstudien des Lesens aus den Jahren 2006 bis 2016 und schätzten für diese die zeitliche Rhythmik des Lesens für 14 Sprachen und mehrere Schriftsysteme. Dabei zeigte sich, dass der Leserhythmus bei zeichenbasierten Schriftsystemen (wie etwa im Chinesischen) langsamer ist, was mit den höheren Anforderungen an die visuelle Analyse der komplexeren Schriftzeichen erklärt werden kann.

„Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen gesprochener und geschriebener Sprache auf eine neuartige und bisher noch nicht bekannte Art und Weise“, so Christian Fiebach. „Die Sprachverarbeitungssysteme des menschlichen Gehirns haben sich im Verlauf der Evolution auf die zeitlichen Abläufe der gesprochenen Sprache spezialisiert. Wir gehen aufgrund der aktuellen Ergebnisse davon aus, dass diese Sprachsysteme beim Lesen als eine Art ‚Taktgeber' für die Augen dienen, damit diese die gelesenen Informationen in einem optimalen zeitlichen Rhythmus an das Gehirn senden und so die weitere Analyse erleichtern. Diese Hypothese kann nun mit dem hier vorgestellten methodischen Ansatz vertieft untersucht werden.“


Publikation: Gagl, B., Gregorova, K., Golch, J., Hawelka, S., Sassenhagen, J., Tavano, A., Poeppel, D. & Fiebach, C. J. (accepted). Eye movements during text reading align with the rate of speech production. Nature Human Behavior. https://www.biorxiv.org/content/10.1101/391896v3.full.pdf

Weitere Informationen
Mag. Dr. Benjamin Gagl
Universität Wien 
Cognitive Science Hub & Institut für Sprachwissenschaften 
Sensengasse 3a
1090 Wien
benjamin.gagl@univie.ac.at 

Prof. Dr. Christian Fiebach
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für Psychologie
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
60323 Frankfurt am Main
fiebach@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Dez 6 2021
13:20

Unterlagen eines intellektuellen Weggefährten von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno kommen ins Frankfurter Archiv der Kritischen Theorie

Archivzentrum der Universitätsbibliothek übernimmt den Nachlass des Frankfurter Philosophen Karl Heinz Haag

FRANKFURT. Anlässlich des diesjährigen 10. Todestags des Frankfurter Philosophen Karl Heinz Haag hat das Archivzentrum der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg seinen Nachlass erhalten. Er erweitert den bedeutenden Sammelschwerpunkt „Frankfurter Schule“ mit Unterlagen nach deren Rückkehr aus dem Exil. Haags langjährige Vertraute Friderun Fein, zugleich Mitherausgeberin von Texten von Caspar Nink – Haags Lehrer an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt-Oberrad –, übergab dem Archivzentrum zahlreiche bislang unveröffentlichte Korrespondenzen, wissenschaftliche Typoskripte sowie Unterlagen zum Habilitations- und Berufungsverfahren der 1950er bis Anfang der 1970er Jahre.

Der 1924 geborene Haag absolvierte zunächst die Jesuitenhochschule in Frankfurt-Oberrad, wurde 1951 an der Goethe-Universität von Max Horkheimer mit einer Arbeit über „Die Seinsdialektik bei Hegel und in der scholastischen Philosophie“ promoviert und 1956 mit seinem Werk „Kritik der neueren Ontologie“ habilitiert, in dem neben einer eingehenden Betrachtung zur historischen Genese der zeitgenössischen Ontologien u. a. scharfe Kritik an Heidegger enthalten ist. Theodor W. Adorno widmete ihm seine Hegel-Studien. Neben Horkheimer und Adorno war Haag profunder Wegbereiter der Kritischen Theorie. Von 1972 bis zu seinem Tod 2011 widmete er sich ausschließlich der philosophischen Forschung.

Der Nachlass von Karl-Heinz Haag umfasst viele bislang unveröffentlichte Korrespondenzen (u.a. mit Max Horkheimer und Jürgen Habermas), frühe Studienunterlagen und Typoskripte, die im Archivzentrum in den nächsten Wochen systematisch aufgearbeitet und der interessierten Wissenschaft nach Voranmeldung zugänglich gemacht werden. In diesem Zusammenhang ist im Frühjahr 2022 eine öffentliche Vortragsveranstaltung im Institut für Sozialforschung zum Leben und Wirken Karl Heinz Haags geplant. Weitere Informationen senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.

Information: Dr. Mathias Jehn, Leiter Archivzentrum, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-39007, m.jehn@ub.uni-frankfurt.de 

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsabteilungen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de   


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Dez 3 2021
15:00

Expert*innen der Goethe-Universität kommentieren und bewerten das Regierungsprogramm der Ampelkoalition. Viel Zustimmung, aber auch Kritik.

Was taugt der Koalitionsvertrag? 

FRANKFURT. Expert*innen der Goethe-Universität haben sich einmal angeschaut, ob der Koalitionsvertrag seinem Anspruch, „mehr Fortschritt zu wagen“, auch gerecht wird. Seit der Veröffentlichung am 24. November und kurz vor dem Regierungswechsel wird in den Medien über die Qualität und den Anspruch des Regierungsprogramms diskutiert.

Doch wie sehen Fachwissenschaftler*innen die darin enthaltenen Ideen und Maßnahmen? Hat die Ampelkoalition die richtigen Ideen, um die großen Herausforderungen des Klimaschutzes und der Digitalisierung zu stemmen? Sind die vorgesehenen Investitionen solide finanziert, wie geht die neue Koalition künftig mit dem Reizthema Schuldenbremse um, hat man den Aspekt der Generationengerechtigkeit ausreichend berücksichtigt? Wie sind die sozialpolitischen Änderungen im Bereich des BAföG und der Grundsicherung zu bewerten? Und was hat man von der Ankündigung zu halten, dass der Konsum von Cannabis legalisiert werden soll?

Beteiligt an der Umfrage sind Wissenschaftler*innen aus vielen unterschiedlichen Disziplinen: aus der Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft, Pädagogik/Bildung, Politikwissenschaft, Soziologie, Drogenforschung und Klimaforschung.

Die Statements der Expert*innen findet man hier: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/expertinnen-der-goethe-universitaet-bewerten-den-koalitionsvertrag/

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Dez 1 2021
12:08

Studierende erhalten Förderung von Bürgern, Non-Profit-Organisationen und Unternehmen

Goethe-Universität wirbt 543 Deutschlandstipendien ein

Talentiert, vielseitig interessiert und engagiert sind die Studierenden, die durch das Deutschlandstipendium gefördert werden. Eine knappe Million Euro hat die Goethe-Universität 2021 für sie eingeworben – ein Betrag, der nach dem Matching-Modell des Programms vom Bundesministerium für Bildung und Forschung verdoppelt wird. Gestern, am 30. November, wurden die Stipendiaten in einer virtuellen Vergabefeier begrüßt.

FRANKFURT. Mit 50 Euro ist eine Privatperson schon dabei – dies ist der Mindestbeitrag, den die Goethe-Universität für ihr großes Stipendienprogramm, das Deutschlandstipendium, festgelegt hat. So kommt es, dass dieses Jahr allein 300 Privatspender mit 207.000 Euro zu einem Fünftel der Gesamtförderung von knapp einer Million Euro beitragen. Ihre Spenden entfalten gemeinsam mit denen von 43 Non-Profit-Organisationen und 37 Unternehmen eine große Wirkung: 543 Studierende erhalten für ein Jahr ein monatliches Stipendium in Höhe von 300 Euro.

In einer virtuellen Vergabefeier wurden die Stipendiaten gestern begrüßt. Teilgenommen haben neben Universitätspräsident Professor Dr. Enrico Schleiff auch zahlreiche Förderinnen und Förderer; in digitalen Dialogforen konnten die Förderer mit den neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten ins Gespräch kommen.

„Uns war sehr wichtig, dass diese Gespräche auch im Rahmen einer virtuellen Feier möglich sind“, sagte Universitätspräsident Schleiff. „Denn natürlich hilft das Stipendienprogramm jungen Menschen in einer Lebensphase, in der Geld oft knapp ist. Das Programm lebt aber ganz besonders vom Austausch – vom Austausch der Studierenden mit denjenigen, die sie unterstützen und fördern; und vom Austausch der Förderer mit jungen Menschen, die inspirierend sind und ihnen viel zurückgeben. Das ist gelebte Bürgeruniversität.“

Die Stipendiaten können in direktem Austausch mit ihren Förderern stehen, wenn diese ein vollständiges Stipendium finanzieren und auch eine Patenschaft übernehmen. Diese Kontakte und auch die Netzwerke vieler Förderinstitutionen geben den Stipendiaten die Möglichkeit, in Praktika auch außerhalb der Studiums Erfahrungen zu sammeln. Unterstützt von Mentorinnen und Mentoren aus der Frankfurter Wirtschaft und Kultur werden den Stipendiaten zudem in einem ideellen Förderprogramm Projekte angeboten, in denen sie fachübergreifend und interdisziplinär zusammenarbeiten können. Vor allem in diesen Projekten entwickeln die Geförderten Freundschaften über ihre Studienfächer hinweg.

Das Deutschlandstipendium berücksichtigt nicht nur herausragende Studienleistungen, sondern auch die soziale Situation talentierter Studenten: In den vergangenen Jahren kamen ein Drittel der Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Migrationsfamilien. Oft machte das Stipendium das Studium erst möglich. „Mit dem Deutschlandstipendium kann ich als Erste meiner Familie studieren und nach Frankfurt ziehen, sodass ich nicht lange pendeln muss“, sagt Medizinstudentin Fabienne Küting.

Seit 2011 wurden 11,5 Mio. Euro von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern, Organisationen sowie Unternehmen gespendet. Das Konzept des Deutschlandstipendiums, das 2011 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aufgelegt wurde, sieht vor, dass jeder Betrag, den eine Universität einwirbt, vom Bund verdoppelt wird. Auf diese Weise kamen Studierenden der Goethe-Universität bislang gut 23 Millionen Euro durch das Deutschlandstipendium zugute.

Und der Auftakt für das nächste Förderjahr ab Oktober 2022 ist bereits gemacht: Wie in den Vorjahren unterstützt das Bankhaus Metzler mit seiner Weihnachtsspende anstelle von Geschenken das Deutschlandstipendium an der Goethe-Universität.

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/109351637

Bildtext: Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff begrüßt die Stipendiaten bei der virtuellen Vergabefeier des Deutschlandstipendiums (Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Marc Heinbücher  
Theodor-W.-Adorno-Platz 1
Frankfurt
Telefon: 069/798-12756
E-Mail: heinbuecher@em.uni-frankfurt.de

https://www.uni-frankfurt.de/99244696/Das_Deutschlandstipendium_der_Goethe_Universit%C3%A4t


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de  

 

Dez 1 2021
10:53

Online-Fachkonferenz der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurt University of Applied Sciences zur Weiterentwicklung der Geschlechterforschung im Hessen am 2. und 3.12.2021 in Frankfurt. Podiumsdiskussion u.a. mit Ayse Asar, Staatssekretärin des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Staying with the Trouble - 25 Jahre Forschungsschwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen

FRANKFURT. Am 2. und 3. Dezember findet die Fachkonferenz „Staying with the Trouble - 25 Jahre Forschungsschwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen“ in Frankfurt statt. Wissenschaftliche Zentren, Arbeitsgruppen, Forschungsschwerpunkte und Einzelforscher*innen an hessischen Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen werfen angesichts des 25-jährigen Jubiläums einen Blick auf den Forschungsschwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen, der seit 1995 durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) gefördert wird und erörtern Fragen der Weiterentwicklung.

Am 2. Dezember eröffnet der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, die Online-Tagung zusammen mit der geschäftsführenden Direktorin des Cornelia Goethe Centrums, Dr. Marianne Schmidbaur. Im Mittelpunkt der Vorträge und Debatten am 2.12. stehen die Forschungsfelder Theorieansätze der Geschlechterforschung, Gesellschaftlicher Wandel und Wandel in den Geschlechterverhältnissen, Repräsentation und Performanz von Geschlecht und Geschlechterperspektiven in Natur und Technik. In ihrer Keynote blickt Prof. Dr. Ute Gerhard, die 1987 als erste Professorin für Frauen- und Geschlechterforschung an die Goethe-Universität berufen wurde, auf über 40 Jahre Förderung der Geschlechterforschung in Hessen.

Ihre Frage „25 Jahre Forschungsschwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen – ein Grund zu feiern?“ setzt Impulse für die nachfolgende gemeinsame Podiumsdiskussion von Universitäten/Archiv der deutschen Frauenbewegung, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu Stand und Perspektiven der Geschlechterforschung in Hessen. Auf dem Podium, moderiert von Sarah Elsuni, diskutieren: Ayse Asar, Staatssekretärin des Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst; Mechthild Bereswill, Professorin für Soziologie sozialer Differenzierung und Soziokultur an der Universität Kassel, Bettina Kleiner, Professorin für Gender Studies und qualitative Methoden im Institut für allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt, Michaela Köttig, Professorin für Grundlagen der Gesprächsführung, Kommunikation und Konfliktbewältigung an der Frankfurt University of Applied Sciences und Martina Ritter, Professorin für Soziologie, Politische Soziologie, Sozialraumforschung und Gender- und Alltagssoziologie an der Hochschule Fulda.

Am 3. Dezember wird die Tagung mit dem Schwerpunkt Geschlechterforschung an Hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften fortgesetzt. In parallelen Panels werden die Themen Gewalt im Geschlechterverhältnis, Gender in Technik, Planung und Design, Thinking Leadership Beyond Boundaries, Gender, Care und Gesundheit, Gender und Ernährung sowie Gender und soziale Arbeit diskutiert. Der zweite Konferenztag, ausgerichtet vom Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ), wird vom Präsidenten der Frankfurt University of Applied Sciences, Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich und der Fachlichen Leitung des gFFZ, Prof. Dr. Lotte Rose eröffnet.


Aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage wurde die Konferenz kurzfristig auf ein Online-Format umgestellt. Inhalte und Ablauf der Veranstaltung bleiben bis auf eine Ausnahme unverändert: Die Feier zum 20-jährigen Jubiläum des gFFZ wird ins Sommersemester verschoben.


Programm, Ablauf und begleitende Posterausstellung finden Sie auf der Tagungshomepage: https://genderstudieshessen.wordpress.com/ Dort stehen auch Informationen zur Anmeldung.

Für die Teilnahme am 2.12.2021 (09.00-21.00 Uhr) ist eine Registrierung unter folgendem Link erforderlich: https://uni-frankfurt.zoom.us/meeting/register/tJMrcOigrjIvG9EQ8gCEVFzYjxfOdm3vG0hH

Kontakt: Miriam Courbier, Projektmitarbeiterin HMWK Fachkonferenz 'Staying with the Trouble'- 25 Jahre Forschungsschwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung. 
Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse, Goethe-Universität Frankfurt. courbier@soz.uni-frankfurt.de; http://www.cgc.uni-frankfurt.de/   


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Nov 29 2021
10:13

Svenja Flaßpöhler und Martin Saar zu Gast bei Nicole Deitelhoff und Michel Friedman / Talkrunde diesmal im Hybridformat

StreitClub geht in die zweite Runde

FRANKFURT. Nach dem Auftakt im Oktober geht die Veranstaltungsreihe „StreitClub“ nun in die zweite Runde. Nicole Deitelhoff und Michel Friedman werden

am Montag, 6. Dezember, um 19:30 Uhr
im The English Theatre Frankfurt,
Gallusanlage 7
60329 Frankfurt am Main

die Philosophin Svenja Flaßpöhler und den Sozialphilosophen Martin Saar als Gäste begrüßen. Gemeinsam diskutieren sie über die Frage, wie viel Identität die Demokratie verträgt.

Als die 68er über Identität sprachen, ging es vor allem um das Abstreifen alter Identitäten, das Spiel und das Experimentieren mit neuen Identitäten und um Rollenerwartungen. Davon kann heute kaum mehr die Rede sein. Identität ist einerseits zum Schutzwall, andererseits zur Waffe in der politischen Auseinandersetzung geworden. Im Streit darum, wer wen repräsentieren kann und darf und wer wem was schuldet, treffen offenbar fast unvereinbare Ansprüche aufeinander. Verträgt das die Demokratie? Muss sie das sogar ertragen und wenn ja, wie viel davon? Darüber diskutieren die streitbaren Gastgeber Prof. Nicole Deitelhoff, Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universität, und Prof. Dr. Dr. Michel Friedman, Publizist, Moderator und geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies (CAES), mit ihren ebenso streitbaren Gästen, der Philosophin und Journalistin Dr. Svenja Flaßpöhler und Prof. Dr. Martin Saar, Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), dem Center for Applied European Studies (CAES) und dem English Theatre Frankfurt (ETF). Nach dem großen Erfolg beim Auftakt im Oktober wird der StreitClub nun als hybride Veranstaltung stattfinden. Der Livestream ist auf YouTube abrufbar, den Link finden Sie auf der Homepage des StreitClubs unter https://cutt.ly/streitclub.

Der StreitClub ist ebenso wie die Formate „StreitBus“ (in Kooperation mit dem DemokratieWagen von mehralswählen e.V. und dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) und die Online-Debattenreihe „Kontrovers: Aus dem FGZ“ Teil des Projekts „Frankfurt streitet!“ des Frankfurter FGZ-Standorts. Dabei geht es um die Bedeutung von Streitkultur für die Demokratie. Tickets für den StreitClub sind für 12 bzw. 10 Euro über das English Theatre Frankfurt erhältlich.

Pressekarten können bei Katja Maasch, maasch@em.uni-frankfurt.de angemeldet werden.

Weitere Termine des StreitClubs:

24. Januar 2022
„Verjährt politische Schuld?“

21. März 2022
„Wem gehört Europa?“

9. Mai 2022
Thema noch offen

Das Veranstaltungsplakat und ein Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/108892596

Bildtext: Beim Auftakt des StreitClubs am 4. Oktober waren der Anwalt Christian Schertz und der Kabarettist Florian Schroeder zu Gast bei Nicole Deitelhoff und Michel Friedman.


Weitere Informationen
Rebecca Caroline Schmidt
Administrative Geschäftsführerin
Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Telefon 069 798-31401
E-Mail rebecca.schmidt@em.uni-frankfurt.de

www.fgz-risc.de

https://fgz-risc.uni-frankfurt.de/category/veranstaltungen/streitclub/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 26 2021
13:28

Börsensimulation LiveX der Goethe-Universität Frankfurt gewinnt weitere internationale Spitzenuniversitäten als Lizenznehmer hinzu 

Auch die Princeton University und die HEC Paris setzen jetzt auf LiveX

Die Eliteuniversität Princeton University und die renommierte Managementhochschule HEC Paris nutzen seit jüngstem LiveX, eine an der Goethe-Universität entwickelte Software zur Börsensimulation. Damit wird die Software erstmals in den USA angewandt.

FRANKFURT. Zahlreiche europäische Spitzenuniversitäten haben sich bereits entschieden: Sie nutzen die Börsensimulation LiveX zur digitalen und interaktiven Wissensvermittlung zu Finanzmärkten und Wertpapierhandel. Neuerdings trainiert auch die weltweit führende Managementhochschule, HEC Paris, das Börsengeschehen für ihre Studierenden mit LiveX. Mit der Eliteuniversität Princeton University als zweite neue Nutzerin hat sich das Simulationsprogramm der Goethe-Universität erstmals auch am US-Markt etabliert.  

Was LiveX gegenüber anderen Lösungen auszeichnet: Anders als einfache Börsensimulationsprogramme, die Privatanleger ausschnitthaft den Handel an der Börse erproben lassen, simuliert LiveX das reale Geschehen an den Wertpapiermärkten in seiner gesamten Komplexität. Es stellt dabei alle wichtigen Marktmodelle bereit, die auf den internationalen Börsen Einsatz finden, wie zum Beispiel fortlaufender Handel und Auktionen. Damit ermöglicht LiveX Universitäten und Häusern in der Finanzindustrie (wie etwa die Deutsche Börse, die Schweizer Börse und Stuttgart Financial), die Welt des Wertpapierhandels realitätsgetreu in der Ausbildung von Händlern, Mitarbeitern und Studierenden nachzuvollziehen.

Die hohe Realitätsnähe und die Einfachheit in der Nutzung für Lehrende und Studierende, vermutet Professor Peter Gomber, habe für die Entscheidung der Princeton University den Ausschlag gegeben. „Es ist sehr erfreulich, dass weitere internationale Top-Hochschulen und Institutionen auf LiveX aufmerksam werden und die Möglichkeiten zur digitalen und interaktiven Lehre im Trading nutzen. Wir hoffen sehr, in Zukunft weitere Interessenten in- und außerhalb Europas für LiveX begeistern zu können.“

In der Pandemie hat das Team die Markt- und Trading-Simulationssoftware darüber hinaus zu einer cloudbasierten Lösung weiterentwickelt. Damit ist die zuvor von einer Laborumgebung abhängige Nutzung von LiveX rund um die Uhr und unabhängig vom Standort aller Teilnehmenden möglich.


Mehr Informationen zu LiveX der Universität Frankfurt: livex.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen
Prof. Dr. Peter Gomber
Abteilung Wirtschaftsinformatik und Informationswirtschaft
Professur für e-Finance
Goethe-Universität
gomber@wiwi.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de  

 

Nov 25 2021
10:49

Bildungsökonom der LMU München hält Gastvortrag im Rahmen der GRADE Lecture Series an der Goethe-Universität

Vortrag: Ludger Wößmann spricht über die Corona-Folgen für das Bildungssystem

FRANKFURT. Die Corona-Pandemie hat die Bildungssysteme weltweit vor bislang ungeahnte Herausforderungen gestellt. Um zu erfahren, wie Schulkinder die Corona-bedingten Schulschließungen verbracht haben, hat das ifo Zentrum für Bildungsökonomik zwei groß angelegte Elternbefragungen durchgeführt. Prof. Dr. Ludger Wößmann, Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Bildungsökonomik am Center for Economic Studies (CES) der Ludwig-Maximilians-Universität München, leitet das ifo Zentrum für Bildungsökonomik. Er wird im Rahmen der GRADE Lecture Series „Corona und Schule – Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Bildungssystem“ die Ergebnisse der Studie vorstellen und diskutieren.

Prof. Dr. Ludger Wößmann (LMU München):
„Corona und die Folgen. Eine (nicht nur) bildungsökonomische Perspektive“
Di, 07.12.2021, 16-18 Uhr (c.t.).
Die Veranstaltung wird digital über ZOOM stattfinden!

Zum Hintergrund: Während der mehrwöchigen Schulschließungen Anfang 2021 haben die Schulkinder im Durchschnitt 4,3 Stunden pro Tag mit schulischen Tätigkeiten verbracht. Das ist eine knappe Dreiviertelstunde mehr als während der ersten Schulschließungen im Frühjahr 2020, aber immer noch drei Stunden weniger als vor Corona. Die Schulkinder haben täglich mehr Zeit mit Fernsehen, Computerspielen und Handy verbracht als mit dem Lernen für die Schule. Ein Viertel der Schüler*innen hatte täglich gemeinsamen Unterricht für die ganze Klasse (z.B. per Video), aber zwei von fünf Schüler*innen hatten dies nur maximal einmal pro Woche.

Die zwei groß angelegten Elternbefragungen des ifo Zentrums für Bildungsökonomik geben auch Einschätzungen zur Effektivität des Lernens zu Hause, psychischen Belastungen, Bewegungsmangel, sozialen Fähigkeiten, eigenständigem Lernen, digitalen Kompetenzen und Unterschieden nach schulischen Leistungen und Familienhintergrund. Aufgrund der Folgen der Pandemie für die kognitive, soziale, emotionale und psychische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen lassen sich auch mögliche ökonomische Folgen in Form zukünftiger Verluste von individuellen Einkommen und gesamtwirtschaftlichem Wachstum quantifizieren.


Zoom-Meeting beitreten
https://uni-frankfurt.zoom.us/j/98212525011?pwd=QkMzRTQ4ci9jYzd3UytLdnFmRTY3Zz09

Meeting-ID: 982 1252 5011
Kenncode: 832001

Bei technischen Problemen wenden Sie sich bitte an: gla@uni-frankfurt.de oder 069-798/23306.


Lecture und Workshop Series "Corona und Schule - Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Bildungssystem": https://www.uni-frankfurt.de/61215047/102_Veranstaltung


Weitere Informationen:
Michael Schedelik, Center-Koordinator. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an grade-education@em.uni-frankfurt.de                                       


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de   

 

Nov 25 2021
10:25

Neue Studie des DIPF und der Goethe-Universität zeigt auch höhere Abbruch-Intentionen

Studierende mit Migrationshintergrund fühlen sich dem Lehramtsstudium weniger zugehörig

Eine neue Studie des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation sowie der Goethe-Universität Frankfurt zeigt, dass Student*innen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu ihren weiteren Mitstudierenden ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl zum Lehramtsstudium aufweisen. Zugleich neigen sie eher dazu, das Studium abzubrechen. Die jetzt veröffentlichte Untersuchung gibt auch Hinweise darauf, dass es zwischen dem mangelnden Zugehörigkeitsgefühl und der Entscheidung, das Studium vorzeitig zu beenden, einen Zusammenhang geben könnte – neben weiteren Einflussfaktoren.

FRANKFURT. Mehrere Aspekte unterstreichen die Relevanz der Ergebnisse: In Deutschland besteht ein hoher Bedarf an Lehrkräften. Daher ist es generell wichtig, mehr darüber zu erfahren, was zum Abbruch dieses Studiums führen könnte. Außerdem sind Studierende mit Migrationshintergrund im Lehramtsstudium unterrepräsentiert. Dabei sind Lehrkräfte mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Gründen gesucht: Ihre interkulturelle Kompetenz kann beim Unterrichten einer vielfältigen Schüler*innenschaft helfen. Zudem können sie den Kindern und Jugendlichen als Rollenvorbilder dienen. „Nicht zuletzt ist es eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, dass alle Studierenden unabhängig von ihrer Herkunft die gleichen Chancen haben, das Studium erfolgreich zu beenden“, betont Dr. Kristin Wolf vom DIPF. Sie ist die Erstautorin des Fachartikels in der Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, in dem die Studie vorgestellt wird.

Stichprobe und Untersuchungsmethodik

Dr. Wolf hat die Fragen des Zugehörigkeitsgefühls und der Abbruch-Intentionen gemeinsam mit weiteren Forschenden anhand einer Stichprobe von 925 Lehramtsstudierenden untersucht. Die Erhebungen erstreckten sich über zwei Messzeitpunkte innerhalb von etwa sechs Monaten Die Studienteilnehmer*innen besuchten vier verschiedene Universitäten, in unterschiedlichen Semestern sowie mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten (zum Beispiel Deutsch oder Biologie) und schulischen Spezialisierungen (zum Beispiel Grundschule oder Gymnasium). 28,5 Prozent der Stichprobe hatten einen Migrationshintergrund, was heißt, dass die Student*innen selbst oder mindestens ein Elternteil im Ausland geboren waren. Das Zugehörigkeitsgefühl und die Abbruch-Intentionen erhoben die Wissenschaftler*innen mit standardisierten Fragebögen. Anhand der Ergebnisse konnte man die Stärke beider Variablen auf einer Skala von eins bis sechs einordnen.

Im Ergebnis wurde deutlich, dass die Studierenden mit Migrationshintergrund ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl und höhere Abbruch-Intentionen aufwiesen. Anschließend analysierten die Forschenden die Zusammenhänge zwischen den beiden Befunden mit statistischen Strukturgleichungsmodellen. Dabei rechneten sie verschiedene weitere Variablen, die ebenfalls Einfluss auf das Zugehörigkeitsgefühl und die Abbruch-Intentionen nehmen können, soweit es geht heraus. Dazu gehören zum Beispiel der Bildungshintergrund der Eltern, die Abiturnoten, das Geschlecht, der im Studium gewählte Schulzweig, der Universitätsstandort und der fachliche Schwerpunkt. So konnte das Forschungsteam einen individuellen – wenn auch kleinen – Effekt des Zugehörigkeitsgefühls auf die Abbruch-Intentionen der Studierenden mit Migrationshintergrund belegen. Über seine Bedeutung im Vergleich zu den weiteren Faktoren sind anhand des Studiendesigns keine konkreten Aussagen möglich.

Implikationen

In der Forschung waren Zugehörigkeitsgefühl und Abbruch-Intentionen von Lehramtsstudierenden bislang wenig untersucht worden. Die vorliegende Studie liefert hierzu nun vertiefende Befunde und zeigt zugleich den Bedarf für weitere Untersuchungen auf. Längere Studien mit mehr Messzeitpunkten und weiteren Messwerkzeugen, die sich nicht allein auf die selbst berichteten Erfahrungen der Studierenden stützen, wären wünschenswert. So ließen sich Aussagen über die Zusammenhänge eventuell erhärten. Für Kristin Wolf bietet allerdings schon die aktuelle Studie Anlass für erste Hinweise an die Hochschullehre: „Es ist deutlich geworden, dass es sich lohnen könnte, neben den fachlichen Kompetenzen der Studierenden auch das Zugehörigkeitsgefühl zu fördern.“ Aus der Forschung wisse man, so die Wissenschaftlerin des DIPF, dass Gruppenarbeit hierfür ein sinnvolles Instrument sein könne. Auch seien gerade zu Beginn des Studiums außeruniversitäre Veranstaltungen von Nutzen, um sich kennenzulernen und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln.

Veröffentlichung:
Wolf, K., Maurer, C. & Kunter, M. (2021). „I Don't Really Belong Here": Examining Sense of Belonging in Immigrant and Nonimmigrant Teacher Students. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 53 (1-2), 1-14. doi:10.1026/0049-8637/a000233

Datenbasis:
Die untersuchten Daten stammen aus dem an der Goethe-Universität Frankfurt koordinierten Forschungsprogramm „Bildungswissenschaftliches Wissen und der Erwerb professioneller Kompetenz in der Lehramtsausbildung (BilWiss)“. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Programm wurde gemeinsam mit weiteren Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen realisiert und 2019 abgeschlossen. Es ist geplant, langfristig angelegte Studien aus dem Projekt am DIPF fortzuführen und den Aufbau der Arbeiten sowie die bislang vorliegenden Ergebnisse auf einer eigenen Website zu dokumentieren.

Kontakt

Fachliche Ansprechpartnerin:  
Dr. Kristin Wolf, +49 (0)69 24708-218, Wolf.Kristin@dipf.de

Presse:
Philip Stirm, +49 (0)69 24708-123, stirm@dipf.de, pr@dipf.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Nov 24 2021
15:05

Ausstellung der Goethe-Universität »Rose Bianche − per ricordare con amore le vittime tragica pandemia« antwortet auf Memorial der Pandemie in Italien (24.11.-3.12.2021)

Erinnerung schaffen − Chancen schenken

500 Rosenskulpturen und ein deutsch-italienischen Fotoprojekt zur Covid-Krise erinnern ab heute auf dem Campus Westend an die Opfer und Helfenden in der Pandemie. Die Ausstellung soll auch Impulse der Zuversicht setzen: Der Erlös für den Verkauf der Rosenexponate wird in Deutschlandstipendien für Studierende der Goethe-Universität fließen.

FRANKFURT. Vor einem Jahr weihte das deutsch-italienische Konsortium Goethe-Vigoni Discorsi im Park der Villa Vigoni. Deutsch-Italienisches Zentrum für den Europäischen Dialog ein Memorial ein: Rose Bianche − per ricordare con amore le vittime della tragica pandemia. An dem Ort am Comer See, mit 65 Kilometer Entfernung von Bergamo im europäischen Epizentrum der COVID-Pandemie gelegen, wurde deren Opfern und dem Einsatz des medizinischen Personals gedacht.

Mit der Wiederaufnahme der Lehre in Präsenz folgt nun eine Entsprechung auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Die Installation »Rose Bianche« auf dem Theodor-W.-Adorno-Platz versammelt 500 Rosenskulpturen des Künstlers Ottmar Hörl. Begleitet wird die Installation von der Ausstellung des deutsch-italienischen Fotoprojekts zur Covid-Krise der Fotografen Stefano Dili und Ingmar Björn Nolting im Foyer des PEG-Gebäudes der Goethe-Universität.

Die Rosenskulpturen des Künstlers Ottmar Hörl werden als Symbole des Gedenkens arrangiert, die sich zugleich in kleine Versprechen auf die Zukunft verwandeln: Die signierten Originalexponate sind zu Gunsten von Deutschland-Stipendien der Studierenden der Goethe-Universität für 80 Euro zu erwerben. Die Rosen können erworben werden unter www.goethe-campusshop.de bzw. www.chancen-schenken.de.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 24. November betont Universitätspräsident Professor Enrico Schleiff: „In der Krise zeigt sich, was Universitäten für die Gesellschaft leisten können: Nämlich mit Hochdruck zu forschen, dieses Wissen immer wieder zu überprüfen und auch zu kommunizieren. Damit wir dies tun können, brauchen wir gut ausgebildete junge Leute. Wir freuen uns deshalb, dass das Rosenprojekt, zu dem uns unsere italienischen Freunde angeregt haben, nicht nur Zeichen des Gedenkens ist. Es ist auch ein Projekt für die Zukunft, indem es unsere Studierenden durch das Deutschlandstipendium aktiv fördert.“

Der Generalkonsul der Republik Italien Andrea Esteban Samà sagt: „Unser Memorial vor einem Jahr entstand unter dem Schock der Bilder aus Bergamo. Wir wollten ein Zeichen setzen. Inzwischen haben wir gelernt, dass wir diese Krise gemeinsam erleben. Und dass wir sie deshalb nur gemeinsam überwinden können. Wir empfinden diese Ausstellung heute deshalb als Bestätigung unseres Zeichens und als Geste der Freundschaft.“

Die Fotografen Stefano Dili und Ingmar Björn Nolting schufen in ihrer deutsch-italienischen Bildstrecke unabhängig voneinander visuelle Zeitzeugnisse aus dem ersten Corona-Jahr. In Bildpaarungen präsentiert korrespondieren sie einander, als seien sie für den deutsch-italienischen Dialog geschaffen.

Die Rosen-Installation unter freiem Himmel wird bis zum 3. Dezember 2021 zu sehen sein. Die Ausstellung des deutsch-italienischen Fotoprojekts zur Covid-Krise auf dem Campus Westend im Foyer des PEG-Gebäudes der Goethe-Universität ist für Universitätsangehörige vom 24. November 2021 bis zum 30. Januar 2022 frei zugänglich. Externe Gäste sind nach den aktuell geltenden Regelungen (2G, Maskenpflicht) willkommen, die Ausstellung jeweils an den Samstagen 27. November, 4. und 11. Dezember von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen. Um Anmeldung wird gebeten unter: fundraising@uni-frankfurt.de.

Die Installation »Rose Bianche« wird ermöglicht durch die Biotest AG (Dreieich); die Fotoausstellung wird gefördert durch die Johanna Quandt-Universitätsstiftung, Bad Homburg, die BBBank eG, Karslruhe und das italienische Generalkonsulat.

Zum Hintergrund

Die Künstler
OTTMAR HÖRL macht Kunst zum Anfassen. In der seriellen Installation »Rose Bianche« werden die Einzelobjekte von Hörl zu einem Ensemble der Erinnerung an die Opfer der Pandemie. Eine Rose hat die Maße 23x32x32 cm und wiegt 1,8 kg. Der Verkauf der handsignierten Originale findet statt auf dem Campus Westend, Theodor-W. Adorno-Platz, bzw. im Universitätsshop, Hörsaalzentrum der Goethe-Universität.

Die Schwarzweißbilder von STEFANO DILI (1986) erzählen Geschichten von Menschen. Die Streetfotografie des Künstlers, der für fotojournalistische Projekte mit verschiedenen NGOs zusammenarbeitet, spürt den krisenbedingten Veränderungen im urbanen, öffentlichen Raum nach, indem sie einzelne Menschen, Akteure und Facetten der Gesellschaft ins Bild rückt.

Die Fotografien von INGMAR BJÖRN NOLTING (1995) sind Teil seines mehrfach prämierten Foto-Essays »Maß und Mitte – Eine Deutschlandreise in Zeiten der Covid-19-Pandemie«, für den er während des ersten Lockdowns rund 9000 Kilometer durch Deutschland reiste und ein Land im Stillstand dokumentierte. Eine Auswahl seiner Arbeiten sind in verschiedenen Medien erschienen, u.a. im ZEITmagazin, im US-Magazin Time, in Geo und in der Süddeutschen Zeitung.

Goethe-Vigoni Discorsi
Das deutsch-italienische Konsortium wird getragen von der Goethe-Universität, der Hessischen Staatskanzlei, dem Generalkonsulat der Republik Italien in Frankfurt am Main sowie der „Villa Vigoni. Deutsch-Italienisches Zentrum für den Europäischen Dialog“.

Neben »Rose Bianchi« wurde zum Höhepunkt des Corona-Projekts Goethe-Vigoni Discorsi. Ein deutsch-italienisches Tagebuch der COVID-Krise. Für die zweisprachige Publikation wurden 50 Autorinnen und Autoren gebeten, die Krise zu reflektieren, darunter der Dalai Lama, Angelo Bolaffi, Jürgen Kaube, Christian Sewing, Roberto Saviano, Massimo Cacciari, Sandra Eckert, Durs Grünbein, Renzo Piano, Nicole Deitelhoff, Rainer Forst und Alexander Kluge. Die Texte werden begleitet durch Fotografien von Stefano Dili und Ingmar Björn Nolting (Villa Vigoni Editore/Verlag, 457 S., ISBN 978-3-96966-513-8, 19,80 EUR).

Das Deutschlandstipendium
Junge talentierte Menschen fördern, damit sie den Kopf frei haben für ihr Studium - seit der Einführung des Deutschlandstipendiums vor zehn Jahren haben rund 1.000 Privatpersonen, Non-Profit-Organisationen und Unternehmen ihren Beitrag zum Erfolg dieser Förderung an der Goethe-Universität geleistet. Die Stipendiaten erhalten ein monatliches Stipendium von 300 Euro für mindestens ein Jahr. Die eine Hälfte der Förderung tragen private Spender, die andere Hälfte gibt das Bundeministerium für Bildung und Forschung dazu.


Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/109032374

Bildtext: Zeichen des Gedenkens der Pandemie auf dem Campus Westend der Goethe-Universität: 500 Rosenskulpturen des Künstlers Ottmar Hörl (Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität Frankfurt)


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de