​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
presse@uni-frankfurt.de

www.uni-frankfurt.de/de/presse


 

Nov 19 2024
15:31

Weltweite Auswertung – Ranking umfasst das eine Prozent der Wissenschaftler*innen, die am häufigsten in Zeitschriften zitiert werden

Am meisten zitiert: Sechs Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität an der Weltspitze

Von den 6600 am meisten zitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Welt forschen sechs an der Goethe-Universität Frankfurt. Dies geht aus dem aktuellen Zitationsranking des „Web of Science“ des Unternehmens Clarivate Analytics hervor. Es wertet dafür jährlich Zeitschriftenbeiträge hauptsächlich aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Medizin aus.

FRANKFURT. Meist sind es besonders grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse, die dazu führen, dass ein Beitrag von anderen Wissenschaftler*innen häufig zitiert wird. Diese Zitationshäufigkeit ist daher ein Indikator für die wissenschaftliche Bedeutsamkeit der publizierten Artikel wie auch die Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Autor*innen in der „Scientific Community“.

Einmal jährlich wertet das Informations- und Technologieunternehmen Clarivate Analytics seine „Web of Science“-Zitationsdatenbank aus und veröffentlicht das Ranking „Highly Cited Researchers“. Das aktuelle Ranking umfasst rund 6600 Wissenschaftler*innen ohne Reihenfolge, die zu dem einen Prozent gehörten, deren wissenschaftliche Aufsätze in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, der Medizin sowie in den Kategorien „Economics and Business“ und „Social Sciences“ von 2013 bis 2023 am häufigsten zitiert wurden, und zwar in innerhalb ihrer eigenen Kategorie oder in verschiedenen Fächern („Cross-Field“). Das Ranking berücksichtigt nur Zeitschriften- und keine Buchbeiträge. Auch zum Beispiel Aufsätze mit mehr als 30 Autor*innen oder sogenannte Gruppenautorenschaften bei großen internationalen Forschungskonsortien fließen nicht in die Untersuchung ein.

Die „Highly Cited“ Goethe-Forscherinnen und -Forscher von 2024:

Prof. Dr. Ivan Đikić
Direktor des Instituts für Biochemie II (Molekulare Zellbiochemie) der Goethe-Universität
https://biochem2.com/management
in den Kategorien „Biology and Biochemistry“ und „Molecular Biology and Genetics“

Prof. Dr. Stefanie Dimmeler
Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration der Goethe-Universität / Zentrum für Molekulare Medizin / Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) / Sprecherin des Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary Institute (CPI) von Goethe-Universität, Universität Gießen und Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
https://www.cardiovascular-regeneration.com/dimmeler-group/
in der Kategorie „Cross Field“

Prof. Dr. Florian Greten
Direktor des Georg-Speyer Hauses – Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie / Professor für Tumorbiologie an der Goethe-Universität / Sprecher des LOEWE-Zentrums Frankfurt Cancer Institute.
https://georg-speyer-haus.de/
https://fci.health/
in der Kategorie „Cross Field“

Prof. Dr. Gerhard Hummer
Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysik / Professor am Institut für Biophysik der Goethe-Universität Frankfurt
https://www.biophys.mpg.de/theoretical-biophysics
in der Kategorie „Cross Field“

apl. Prof. Dr. Sibylle Loibl
Fachbereich Medizin der Goethe-Universität / German Breast Group Forschungs GmbH, Neu-Isenburg
http://www.onkologie-bethanien.de/unser-centrum/aerzteteam/prof-dr-med-sibylle-loibl.php 
in der Kategorie „Clinical Medicine“

Prof. Dr. Stefan Offermanns
Direktor am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, Bad Nauheim / Professur für Pharmakologie am Zentrum für Molekulare Medizin der Goethe-Universität Frankfurt
https://www.mpg.de/457037/herz-lungenforschung-offermanns
in der Kategorie „Cross Field“

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/162149677

Bildtext:
Prof. Dr. Ivan Đikić, Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität
Prof. Dr. Stefanie Dimmeler, Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität
Prof. Dr. Florian Greten, Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität
Prof. Dr. Sibylle Loibl, Foto: Joppen für GBG Forschungs GmbH
Prof. Dr. Gerhard Hummer, Foto Shau Chun Shin für Max-Planck-Institut für Biophysik
Prof. Dr. Stefan Offermanns, Foto: privat

Weitere Informationen
https://clarivate.com/highly-cited-researchers/

Twitter/X: @goetheuni @IBC2_GU, @mpi_hlr @FCI_health @GBG_Forschung @CPI_ExStra @DimmelerLab @StefanieDimmel1 @MPIbp @HummerLab


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 19 2024
14:42

Goethe-Universität lädt zu internationaler Konferenz über populäre Judenfeindschaft vom Mittelalter bis heute

Alltäglicher Antisemitismus im Fokus

FRANKFURT. „Alltäglicher Antisemitismus: Formen und Folgen populärer Judenfeindschaft vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ – unter diesem Titel findet

von Sonntag, 1. Dezember,
bis Dienstag, 3. Dezember 2024
im PA-Gebäude (Sonntag) und Casino-Gebäude (Montag und Dienstag)
auf dem Campus Westend der Goethe-Universität


eine internationale Konferenz statt, organisiert vom Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte der Moderne und Gegenwart an der Goethe-Universität und mehreren Partnern.

Nach dem 7. Oktober 2023 ist Antisemitismus wieder zu einer alltäglichen Erfahrung für Jüdinnen und Juden geworden, in Deutschland ebenso wie in vielen anderen Ländern der Welt. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die Konferenz mit Formen des Antisemitismus und der Judenfeindschaft, die sich nicht in staatlicher Politik oder den Schriften der bekannten antisemitischen Ideologen ausdrücken, sondern in der alltäglichen Interaktion zwischen Jüdinnen und Juden einerseits, Nichtjüdinnen und Nichtjuden andererseits. Untersucht werden sollen diese Formen der Judenfeindschaft und ihre Folgen in der religiösen und säkularen Alltagskultur, im Zusammenleben in städtischer und dörflicher Nachbarschaft und in Sprache und visuellen Repräsentationen.

Die Konferenz spannt dabei einen Bogen vom Mittelalter und der Frühen Neuzeit bis zur jüngsten Vergangenheit und zur Gegenwart, und sie diskutiert, inwieweit „Alltag“ eine sinnvolle Kategorie ist, um die Manifestationen von Judenfeindschaft und Antisemitismus bis hin zur Shoah zu untersuchen. Die Veranstalter setzen bewusst diesen Schwerpunkt, denn sie wollen den Blick für die Kontinuität und die mörderischen Konsequenzen gerade auch alltäglicher Formen des Antisemitismus schärfen.

Die Konferenz bringt dafür international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen und präsentiert die neuesten Erkenntnisse der Forschung zu alltäglichen Formen des Antisemitismus. Den Auftakt bildet am Sonntag, 1. Dezember, um 18 Uhr ein Keynote-Vortrag von Shulamit Volkov, emeritierte Professorin an der Universität Tel Aviv, zum Thema „Alltäglicher Antisemitismus im Gedächtnisarsenal der Europäischen Kultur“. Am Montag, dem 2. Dezember 2024, hält Mark Roseman, Professor an der Indiana University, einen zweiten Keynote-Vortrag in englischer Sprache zum Thema „Jewish Perceptions of Antisemitism in Nazi Germany“.

Die Konferenz findet im Kontext des Projekts „Synagogen-Gedenkbuch Hessen“ statt, bei dem das Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte der Moderne und Gegenwart an der Goethe-Universität, die Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden in Deutschland und das Institut für Christlich-Jüdische Studien an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau kooperieren. Ziel dieses Projekts ist die umfassende Erforschung und Dokumentation der Geschichte der hessischen jüdischen Gemeinden und ihrer Synagogen. Die Konferenz wird außerdem mitveranstaltet vom Forschungsverbund „Dynamiken des Religiösen“ an der Goethe-Universität.

Zum Programm der Tagung siehe https://www.uni-frankfurt.de/44864387/AKTUELLES

Information:
Apl. Prof. Dr. Stefan Vogt
Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte der Moderne und Gegenwart
Fachbereich Evangelische Theologie
Campus Westend
Telefon 0179 5281106
E-Mail s.vogt@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/40998908/Profil


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 18 2024
16:01

Glaziologe und ERC-Preisträger Pascal Bohleber verstärkt Frankfurter Schwerpunkt Paläo-Klimaforschung – gemeinsame Projekte von Goethe-Universität und AWI zur Analyse von Eisbohrkernen geplant

Wie das Klima früher war: Eisforscher des Alfred-Wegener-Instituts erhält Professur an der Goethe-Universität

Die dicken Eispanzer in den polaren Gebieten der Erde haben Spuren der Klimaveränderungen über Millionen von Jahren gespeichert und sind daher ausgezeichnete Klimaarchive. Der Glaziologe Pascal Bohleber vom Alfred-Wegener-Institut untersucht Eisbohrkerne aus der Antarktis auf solche Spuren, um die Ursachen für die Klimawechsel der Erdgeschichte zu ergründen, und entwickelt neue Analysetechniken dafür. In diesem Forschungsfeld wird er künftig als Kooperations-Professor eng mit der Goethe-Universität zusammenarbeiten, wo Klimaveränderungen der Vergangenheit mit einem wissenschaftlich-methodisch komplementären Schwerpunkt analysiert werden.

FRANKFURT. Der menschengemachte Klimawandel unserer Zeit geht mit einer Geschwindigkeit vonstatten, die die Erdgeschichte bislang selten kennt. Wechsel von Warm- und Eiszeiten hat es jedoch seit der Entstehung unseres Planeten schon sehr viele gegeben. Seit ca. 2 Millionen Jahren leben wir in einer kühleren Phase, einem Eiszeitalter, in dem beide Pole mit Eiskappen bedeckt sind. Doch auch hier gibt es regelmäßig globale Temperaturschwankungen, die in Änderungen unserer Umlaufbahn um die Sonne begründet sind. Bis vor ungefähr einer Million Jahre führten diese Schwankungen alle 41.000 Jahre zu einer Eiszeit, in denen die Pole mit einer – verhältnismäßig dünnen – Eisschicht bedeckt waren, die während der wärmeren Zwischeneiszeit zumindest in der Arktis weitgehend wegtauten.

Das änderte sich drastisch vor etwa einer Million Jahre: Der Wechsel von Kalt- und Zwischeneiszeit verlängerte seinen Rhythmus auf 120.000 Jahre, und es wurde insgesamt kälter. Auch in den wärmeren Zwischeneiszeiten blieb der Eispanzer in der nördlichen Polregion bestehen. Da sich die Taumelbewegung der Erde um die Sonne nicht veränderte, sind die genauen Ursachen für diesen sogenannten Mittel-Pleistozän-Übergang (Mid-Pleistocene Transition, MPT) noch unklar.

Pascal Bohleber will durch die Untersuchung von extrem altem Eis aus der Antarktis herausfinden, wie die Atmosphäre vor einer Million Jahre und mehr zusammengesetzt war. Im großen europäischen Konsortiumprojekt „Beyond EPICA – Oldest Ice“ arbeitet er mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der erstmaligen Gewinnung und Analyse eines Eisbohrkerns, der ein kontinuierliches Klimaarchiv der letzten 1,5 Millionen Jahre enthalten soll. Hierfür wird gegenwärtig an einer sorgfältig ausgewählten Stelle in der Zentralantarktis bis zum Grundgestein gebohrt. Das „älteste Eis“ wird für 2025 in den europäischen Labors erwartet. Bohleber hat am AWI eine Messapparatur installiert, mit deren Hilfe er vor allem winzige Verunreinigungen im Eis analysieren kann, die Auskunft über die Beschaffenheit der Atmosphäre während des Mittelpleistozän-Übergangs geben können. Die Apparatur kombiniert einen Laser, der hauchfeine Eisschichten abträgt, mit einem Massenspektrometer und wird als bildgebendes Verfahren zur hochauflösenden Untersuchung von chemischen Verunreinigungen in 2D eingesetzt. Zur Entschlüsselung der im tiefen Eis gespeicherten chemischen Klimasignale soll zusätzlich künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. „Wir hoffen, dass wir so beitragen können das MPT-Geheimnis zu lüften“, meint Bohleber. „Das Wissen darüber, was die Veränderungen im Klimasystem damals ausgelöst hat, wird einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Klimawandels unserer Tage leisten“, ist der Glaziologe überzeugt.

Sein Gegenpart in Frankfurt ist Wolfgang Müller, Professor für Geologie und Paläoumweltforschung an der Goethe-Universität. Auch er ist unter anderem auf die Analyse winziger chemischer Spuren in Eisbohrkernen spezialisiert, die er mit einem weltweit einzigartigen, speziell für die Goethe-Universität gebauten Gerät (einem sogenannten Cryo-Laser-Ablationssystem mit dualer Wellenlänge, kombiniert mit einem Plasma-Massenspektrometer) detektierten kann. Unter anderem lassen sich damit die Veränderungen des atmosphärischen Staubs während klimatischer Kalt-Warm-Übergänge messen, während die Menge und Beschaffenheit von Schwefelverbindungen etwas über Vulkanausbrüche in der Vergangenheit verrät. Diese Arbeiten ergänzen die Forschungen im von ihm geleiteten LOEWE-Schwerpunkt „Vergangene Warmzeiten als natürliche Analoge unserer „hoch-CO2“-Klimazukunft (kurz VeWA), der hauptsächlich in Fossilien mit ähnlicher Laser-Messmethodik nach Spuren vergangener Klimawandel tiefer in der geologischen Vergangenheit sucht.

Wolfgang Müller freut sich sehr über die Berufung Bohlebers an die Goethe-Universität und hat diese aktiv stark unterstützt: „Die bisherige Zusammenarbeit mit dem AWI wird durch unseren neuen Kollegen Bohleber intensiviert, und auch das akademische Lehrangebot an der Goethe-Universität durch ihn in Richtung Glaziologie erweitert werden. Sein System der Laserablations-Massenspektrometrie arbeitet komplementär zur unserer Frankfurter Technologie, sodass wir uns wissenschaftlich ergänzen und technisch in dieser neuen Technologie voneinander und miteinander lernen können. Zudem werden die Eisanalysen die Modelle und Erkenntnisse von VeWA vervollständigen. So werden wir dazu beitragen, durch ein besseres Bild der damaligen Welt heutige Klimamodelle weiterzuentwickeln und präzisere Klimavorhersagen treffen zu können.“

Pascal Bohleber, Jahrgang 1981, promovierte in Physik an der Universität Heidelberg und arbeitete mehrere Jahre dort in der Forschungsgruppe „Klima und Eis“. Anschließend wechselte er an das Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck. Die zweimalige Auszeichnung durch Marie-Skłodowska-Curie-Stipendien der Europäischen Union (2019 und 2022) ermöglichten ihm, sich am Climate Change Institute der University of Maine (Orono, USA) sowie an der Ca' Foscari-Universität in Venedig, wo er zuletzt als habilitierter Assistant-Professor tätig war, auf die Analyse von Eisbohrkernen zu spezialisieren. 2023 warb er einen „Consolidator Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) ein, um am Europäischen Forschungsprojekt „Beyond EPICA – Oldest Ice“ teilzunehmen. Hier bohren Forschende in der Antarktis nach bis zu 1,5 Millionen Jahre altem Eis, um die Zusammensetzung der Atmosphäre in der Vergangenheit zu erkunden. Anfang 2024 wechselte Bohleber an das Alfred-Wegener-Institut in Bremen. Seit dem 1. Oktober forscht und lehrt er zusätzlich als Professor für Kryosphärenforschung an der Goethe-Universität.

Hintergrund:
Forschungsprojekt Beyond EPICA – Oldest Ice“

https://www.beyondepica.eu/en/

zum LOEWE-Schwerpunkt VeWA:
LOEWE-Schwerpunkt „Vergangene Warmzeiten als natürliche Analoge unserer „hoch-CO2“-Klimazukunft“ (2019) https://www.puk.uni-frankfurt.de/78995033/LOEWE_F%C3%B6rderung__Gro%C3%9Fer_Erfolg_f%C3%BCr_die_Goethe_Uni
https://www.vewa-project.de

Als die Arktis tropisch war: Was wir aus vergangenen Warmzeiten lernen können (Forschung Frankfurt 2-2020)
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/95369682.pdf


Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/161999736

Bildtext: Prof. Dr. Pascal Bohleber, AWI und Goethe-Universität. Foto: Georg Hofer

Weitere Informationen
Prof. Dr. Pascal Bohleber
Cryopheric Sciences
Alfred-Wegener-Institut und 
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 471 4831 1508
pascal.bohleber@awi.de

Prof. Dr. Wolfgang Müller
Institut für Geowissenschaften /
Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE)
Goethe Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 40291
w.muller@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/49540288/Homepage-Mueller

Twitter/X: @goetheuni @OldestIce


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 18 2024
14:51

Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung ehrt Ethnologen aus Münster

Forschungsförderungspreis für Joseba Estevez

Einmal jährlich verleiht das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung den Forschungsförderungspreis für exzellente ethnologische Dissertationen im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr ging der Preis an Dr. Joseba Estevez für seine Arbeit „Conquering mountains and taming demons: The ritual roles of the Lanten priests and masters“.

FRANKFURT. Dr. Joseba Estevez hat Ethnologie und Südostasienstudien and der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster studiert. Sein Masterstudium schloss er mit einer Arbeit zu Irian Jaya (Westpapua), einem Teil der Republik Indonesien, ab. Im Jahr 2007 wandte er sich dann der Erforschung einer ganz anderen Region zu, die an der Universität Münster durch Josephus Platenkamp sowie Volker Grabowsky intensiv erforscht wurde. Sie umfasst das Festland Südostasiens, insbesondere Laos, aber auch die nördlichen Grenzregionen zu Vietnam, China und Thailand. Dieses Gebiet zeichnet sich aus kulturanthropologischer Sicht durch eine kaum fassbare Komplexität aus.

Im Mittelpunkt der von Josephus Platenkamp betreuten Dissertation stehen die Lanten, die sich selbst Mun, also „Menschen“ oder „Personen“ nennen, eine der vielen ethnischen Minoritäten, die in der Luang Namtha Provinz von Laos leben. Die Lanten sprechen Mun, eine Sprache aus der Hmong-Mien Familie, und Laotisch, verwenden in ihren Ritualen aber auch chinesischsprachige Texte und singen antiphonische Lieder in einem anderen südchinesischen Dialekt. Während die meisten Laoten Theravada Buddhisten sind, umfasst das rituelle System der Lanten Daoismus, chinesischen Buddhismus und Konfuzianismus und enthält Elemente von Ahnenverehrung und Animismus. Allein diese wenigen Fakten zeigen, mit welch einer komplexen Situation es der Preisträger Joseba Estevez zu tun hatte, als er sich die Aufgabe stellte, die „cosmovision“ der Lanten, die die sichtbare und unsichtbare Welt verbindet, zu verstehen.

Die Kommission würdigt mit ihrer Wahl eine besondere ethnographische Leistung. Estevez´ Dissertation bringe uns die Kosmovision einer ethnischen Minderheit auf detaillierte und verständliche Weise näher und vermittele, wie Beziehungen zu transzendenten Instanzen die Form einer rituellen himmlischen Bürokratie annehmen, welche in diesem Kontext durch die historischen Beziehungen zu chinesischen Staatsbeamten geprägt ist.

Information
Apl. Prof. Dr. Susanne Fehlings
Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
fehlings@uni-frankfurt.de
www.frobenius-institut.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 17 2024
10:03

Universität ist falscher Ansprechpartner für Anliegen der Besetzenden / Friedliches Verlassen des Gebäudes Voraussetzung für vertrauensvollen Dialog

Frist für Ende der Besetzung von Kunstbibliothek durch die Universität verlängert

Die ehemalige Kunstbibliothek auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität wurde am Samstag besetzt. Eine sich als „Kollektiv UFo – Utopien Formen“ bezeichnende anonyme Gruppe hat ein Gespräch mit dem Präsidium der Goethe-Universität gefordert, um „über die Zukunft der Kunstbibliothek im Rahmen des Kulturcampus“ zu sprechen. Den Kulturcampus, dessen Teil die ehemaligen Liegenschaften der Goethe-Universität werden sollen, entwickelt die Stadt Frankfurt gemeinsam mit dem Land Hessen; die Universität ist hier der falsche Verhandlungspartner. Die Universitätsleitung hat gleichwohl schriftlich angeboten, zeitnah in einem Gespräch mit dem Kollektiv darüber zu sprechen, wie sie es in seinem Anliegen gegenüber Stadt und Land unterstützen kann.

Die Besetzenden haben in ihrer Antwort angekündigt, ihrerseits auch Vertreter*innen von Stadt und Land zu einem solchen Gespräch einzuladen. Sie möchten nach eigenen Angaben erreichen, dass das Land als bisheriger Eigentümer und die Stadt als künftige Eigentümerin eine schnelle Übergabe der Liegenschaft zusichern, damit der Leerstand beendet werden kann. Eine zeitnahe Übergabe an die Stadt liegt auch im Interesse der Universität: Sie kann die Gebäude mit Blick auf die geplante künftige Verwendung schon seit langem nicht mehr nutzen, muss aber für die Verwaltung und Sicherung Geld ausgeben, das ihr für ihre eigentlichen Aufgaben in Lehre und Forschung fehlt.

Als Zeichen guten Willens hat die Universitätsleitung die Frist für ein freiwilliges Verlassen des Gebäudes letztmalig von 8 Uhr am Sonntagmorgen auf 21 Uhr am Sonntagabend verlängert. Aus Sicht der Universitätsleitung sind Gespräche allerdings erst möglich, wenn die Besetzenden das Gebäude freiwillig verlassen haben. Eine Erpressungssituation ist keine geeignete Grundlage für vertrauensvolle Gespräche.

Die Goethe-Universität ist durch den Eigentümer, das Land Hessen, mit der Verwaltung der Liegenschaft beauftragt, auch über den Zeitraum der eigenen Nutzung hinaus. In dieser Rolle ist die Universität rechtlich verpflichtet, Strafantrag zu stellen und das Gebäude räumen zu lassen, wenn die Besetzenden es nicht friedlich verlassen, es sei denn, das Land als Eigentümer weist die Universität explizit an, dies nicht zu tun. Das Land hat darauf bisher, auch auf Nachfrage, verzichtet.

Einige der Besetzenden haben die Bibliothek bis Sonntagmorgen verlassen. Ihre Personalien wurden entgegen anderslautender Behauptungen nicht festgestellt, da die Universität bisher auf einen Strafantrag verzichtet hat. Sollte die neuerliche Frist verstreichen, wird die Universität, um ihre eigene Rechtsstellung gegenüber dem Eigentümer nicht zu gefährden, am Sonntagabend nach 21 Uhr Strafantrag stellen.

Hinweis: Diese Pressemitteilung gibt die Situation am Sonntagmorgen, 17. 11., um ca. 10 Uhr wieder.

 

Nov 16 2024
20:35

Am Samstagabend hat eine Gruppe von etwa 15 Menschen ein Gebäude auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität besetzt. Universitätsleitung bietet Gespräch mit dem Kollektiv an, wenn das Gebäude bis Sonntagmorgen friedlich verlassen wird.  

Besetzung der ehemaligen Kunstbibliothek

FRANKFURT. Am Samstagabend hat eine Gruppe von etwa 15 Menschen die ehemalige Kunstbibliothek auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität besetzt. Eine sich als „Kollektiv UFo - Utopien Formen“ bezeichnende anonyme Gruppe hat per Mail ein Gespräch mit dem Präsidium der Goethe-Universität gefordert, um „über die Zukunft der Kunstbibliothek im Rahmen des Kulturcampus“ zu sprechen. 

Die ehemalige Kunstbibliothek ist als Teil des Kulturcampus vorgesehen, den die Stadt Frankfurt gemeinsam mit dem Land Hessen entwickelt. Wie die Goethe-Universität bereits mehrfach mitgeteilt hat, kann die Kunstbibliothek jederzeit an die Stadt für die von der Stadt vorgesehene künftige Nutzung übergeben werden. Wie der Universität am Samstag erneut vom Land bestätigt wurde, ist dieses als Eigentümer zu einer schnellen Lösung für die Übergabe bereit. Die Goethe-Universität ist daher der falsche Verhandlungspartner für die Zukunft der Kunstbibliothek. 

Die Goethe-Universität ist bereit, die der Stadt bereits bekannten Bedarfe und Nöte, die die Besetzenden vortragen, erneut gegenüber der Stadt mit Nachdruck zu unterstützen. Unter der Bedingung, dass diese bis Sonntagmorgen, 8 Uhr, das Gebäude friedlich verlassen haben, hat die Universitätsleitung angeboten, zeitnah in einem Gespräch mit dem Kollektiv darüber zu sprechen, wie die Universität dieses dabei unterstützen kann, sein Anliegen dem Magistrat der Stadt Frankfurt vorzutragen. 

Das Land ist Eigentümer der Liegenschaft, die Goethe-Universität ist mit der Verwaltung beauftragt, auch über den Zeitraum der eigenen Nutzung hinaus. In dieser Rolle ist die Universitätsleitung verpflichtet, die Gebäude jederzeit übergeben zu können. Auch ist sie für etwaige Schäden an den Gebäuden sowie an Leib und Leben der Besetzenden haftbar. Eine widerrechtliche Besetzung kann daher nicht geduldet werden. Wenn die Besetzenden das Gebäude nicht friedlich verlassen, ist die Universität rechtlich verpflichtet, es räumen zu lassen.

 

Nov 15 2024
14:26

Goethe-Universität hat zwei Preise vergeben: „Public Service Fellowship“ geht an den Humangeographen Martin Lanzendorf, „New Horizon“ an das Team des Wissenschaftsgartens. 

Neues Wissen erarbeiten, neue Horizonte erreichen

Jährlich vergibt die Goethe-Universität den „Public Service Fellowship-Preis“ an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität. Ebenfalls einmal pro Jahr verleiht der Präsident der Goethe-Universität den New Horizon-Preis. Im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im IG-Farben-Haus wurden nun die Preise überreicht.

FRANKFURT. Preise dienten unterschiedlichen Zwecken, hob Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff in seinem Grußwort zur Preisverleihung hervor: Sie motivierten einerseits die Mitarbeitenden an der Universität, würdigten deren Leistungen oder Engagement. Andererseits stellten die Preise bestimmte Themen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die Namen der beiden zu vergebenen Preise – „Public Service Fellowship“ und „New Horizon“ – seien Programm für die Goethe-Universität: „Wir erarbeiten Wissen zum Wohle der Gesellschaft und arbeiten kontinuierlich daran, neue Horizonte zu erreichen.“ Schleiff dankte ausdrücklich den Förderern der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung sowie Dr. Christian Zschocke, ebenso den beiden Laudatoren, Tarek Al-Wazir und Dr. Christian Schenk.

Der „Public Service Fellowship-Preis“ der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Martin Lanzendorf. Lanzendorf ist seit 2008 Professor für Mobilitätsforschung am Institut für Humangeographie. Die Professur wurde eingerichtet mit einer Stiftung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) und der ivm GmbH (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain). Seine Forschungsinteressen umfassen verschiedenste Aspekte der Mobilität in Metropolregionen, insbesondere Veränderungen des Verkehrshandelns, räumliche Aspekte der Verkehrsentstehung und Mobilitätsmanagement zur Gestaltung einer nachhaltigeren Mobilitätsentwicklung. In der Begründung heißt es, dass Martin Lanzendorf aufgrund seines großen Engagements die Ergebnisse seiner Forschung zu besonders relevanten Fragestellungen aus seinem Fachgebiet der nachhaltigen Mobilitätsentwicklung weit über die Wissenschaft hinaus in die Gesellschaft kommuniziere. Die Laudatio auf Martin Lanzendorf hielt Tarek Al-Wazir, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag. Al-Wazir betonte, dass Martin Lanzendorf dafür sorge, dass die Menschen Veränderungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance wahrnähmen. Lanzendorf begeistere mit seiner Arbeit Menschen.

Der mit 10.000 Euro dotierte „Public Service Fellowship-Preis“ wird von der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung alle zwei Jahre an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität vergeben, die in bedeutenden wissenschaftlichen oder wissenschaftspolitischen Gremien tätig sind. Das Preisgeld soll Projekte ermöglichen, die wegen des besonderen Engagements nicht weiter bearbeitet werden konnten. Martin Lanzendorf ist der fünfte Preisträger. Bereits ausgezeichnet wurden die Rechtswissenschaftlerin Indra Spiecker genannt Döhmann, die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, der Finanzwissenschaftler und frühere „Wirtschaftsweise“ Prof. Volker Wieland und der Mediziner und langjährige Vorsitzende des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach.

Der diesjährige Preisträger des New Horizon Preis des Präsidenten ist keine Einzelperson, sondern ein Team: das des Wissenschaftsgartens. Für das Team um den Landschaftsarchitekten und technischen Leiter Robert Anton, so die Begründung, seien Neugierde, Tatkraft, Kreativität und ein sehr hohes Engagement für die nachhaltige Entwicklung natürlicher Lebensgrundlagen und Flächen sowie für den Schutz der Artenvielfalt gelebte Wirklichkeit. Mit eindrucksvollem Engagement setze sich das gesamte Team im Wissenschaftsgarten, auf den Außenanlagen der Goethe-Universität und in der Öffentlichkeit für die Sichtbarkeit der Themen Biodiversität und nachhaltige Entwicklung ein. Laudator des New Horizon-Preises 2024 war Dr. Christoph Schenk, Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft. Schenk hob in seiner Laudatio hervor, dass der Wissenschaftsgarten auf vorbildliche Weise große Themen der Zeit aufgreife und diese in die Gesellschaft trage. Der Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg wurde im Zuge der 100-Jahr-Feierlichkeiten der Universität am 1. Juni 2014 eröffnet. Er dient der naturwissenschaftlichen Lehre und Forschung und umfasst ein großes Gewächshaus, ein 300 Quadratmeter großes Versuchsgewächshaus sowie acht Klimakammern (im Bau) und den zurzeit rund drei Hektar großen Freilandbereich. Der Wissenschaftsgarten ist der dritte Garten der Universität in ihrer 100-jährigen Geschichte und geht auf den 1763 von Johann Christian Senckenberg mit seiner Stiftung begründeten Garten zurück.

Mit dem mit 5.000 Euro dotierten „New Horizon – Preis des Präsidenten“ zeichnet der Präsident eine Person oder ein Team an der Goethe-Universität aus, die/das in ihrer wissenschaftlichen Arbeit oder seinem anderweitigen Engagement für die Goethe-Universität in ihrem/seinem Denken neue Wege beschreitet und dabei Neugier, Optimismus, Mut und Offenheit beweist. Der New Horizon-Preis wurde 2022 an die Wirtschaftspädagogin Dr. Christin Siegfried, 2023 an den Inklusionsforscher Lukas Gerhard vergeben. Der Anwalt Dr. Christian Zschocke hat das Projekt New Horizon 2016 ins Leben gerufen, um Menschen mit Initiative und Optimismus zu fördern.

Zur Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung: Diese wurde 2007 mit dem Ziel gegründet, Wissenschaft, Forschung und Lehre an der Goethe-Universität zu fördern. Sie basiert auf einem Stiftungsvermögen, das die Stifterin Gertrud Kassel hinterlassen hat. Damit unterstützt die Stiftung zahlreiche Projekte der Universität.

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/162039896 

Bildtext:
Preisträger Lanzendorf (v. l. n. r.): Enrico Schleiff, Tarek Al-Wazir, Martin Lanzendorf u. Gunther Ruppel (Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung)
Preisträger Wissenschaftsgarten (v. l. n. r.): Enrico Schleiff, Holger Schranz, Christian Schenk, Robert Anton, Christian Zschocke
Fotos: Uwe Dettmar/Goethe-Universität


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 15 2024
10:11

Forschende identifizieren einen Mechanismus, der für größere Genauigkeit bei der Bearbeitung von Proteinvorläufern sorgt

Langsame Bearbeitung von Protein-Bauanleitungen führt zu Zelltod

Ein internationales Forscherteam hat einen neuen Mechanismus identifiziert, der für die Produktion von Zellproteinen entscheidend ist. Wenn dieser Mechanismus gestört ist, wird die Bearbeitung („Spleißen“) der Baupläne fehlerhaft, die die Zelle zur Herstellung von Proteinen verwendet. Die Arbeiten unter Federführung der Goethe-Universität Frankfurt könnten erklären, wie bestimmte Mutationen zur Netzhaut-Erkrankung Retinitis pigmentosa führen. Sie könnten aber auch den Weg zu neuen diagnostischen Tests und Therapien bei vielen anderen Krankheiten eröffnen, etwa bestimmten Krebsarten, Parkinson oder Alzheimer.

FRANKFURT. Gene enthalten die Bauanleitungen für das Leben: Sie instruieren die Zelle, welche Aminosäuren sie in welcher Reihenfolge hintereinander hängen muss, um ein bestimmtes Protein herzustellen. Das menschliche Genom besteht aus 20.000 solcher Anleitungen. „Dennoch können unsere Zellen damit mehrere Hunderttausend verschiedene Proteine produzieren“, erklärt Prof. Ivan Đikić vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität Frankfurt.

Verantwortlich dafür ist ein Prozess, der sich „Spleißen“ nennt. Wenn eine Zelle ein Protein benötigt, bestellt sie im Zellkern eine Abschrift der entsprechenden Anleitung. Diese Abschrift wird beim Spleißen modifiziert: Ein zellinternes Redaktionsbüro, das Spleißosom, schneidet bestimmte Passagen heraus. Je nachdem, welche Teile entfernt werden, entstehen so ganz unterschiedliche Anleitungen (und damit in Folge auch verschiedene Proteine).

Präzision des Spleiß-Vorgangs deutlich erhöht
Dieser Vorgang ist extrem wichtig für das Leben der Zelle. „Das Spleißosom besteht aus verschiedenen Komponenten, die die Produktion von funktionalen Proteinen sicherstellen, die das zelluläre Leben kontrollieren“, sagt Đikić. „Wird dieser Komplex bei seiner Arbeit beeinträchtigt, führt das zum Tod der betroffenen Zelle. Daher gelten entsprechende Hemmstoffe unter anderem als mögliche Medikamente gegen Krebs.“ Das Problem ist nur: Eine komplette Blockade des Redaktionsbüros setzt auch Zellen außer Gefecht, die völlig gesund sind. Die bislang untersuchten Wirkstoffe zur Hemmung des Spleißosoms haben daher immense Nebenwirkungen.

Die internationale Studie unter Federführung der Goethe-Universität hat nun einen Mechanismus identifiziert, der auf subtilere Art und Weise in den Spleiß-Vorgang eingreift. Er betrifft einen Teil des Spleißosoms, der aus drei Bausteinen besteht und als U4/U6.U5 bezeichnet wird. „Wir wussten, dass bei einer bestimmten Augenkrankheit – der Retinitis pigmentosa – Teile dieser Bausteine mutiert und dadurch verändert sind“, erklärt Dr. Cristian Prieto-Garcia vom Institut für Biochemie II, der Erstautor der Studie. „Wir wussten aber nicht, welche Folgen diese Mutationen genau haben.“

Experimente an Zebrafischen kombiniert mit mathematischen Berechnungen
In Experimenten mit Zebrafischen konnten die Forschenden diese Wissenslücke nun schließen. Demnach werden die Bausteine U4, U5 und U6 normalerweise durch ein Protein namens USP39 als dreiteiliger Komplex stabilisiert. Durch Mutationen in den Bausteinen oder das Fehlen von USP 39 wird das verhindert. Das wiederum führt dazu, dass das Spleißosom seine Aufgaben nicht mehr so genau wie zuvor erledigt. Normalerweise sorgt U4/U6.U5 dafür, dass direkt nach dem Auseinanderschneiden der Anleitung die Schnittkante sehr schnell mit dem dazu passenden Gegenstück verbunden wird. Wenn USP39 fehlt (oder die Bausteine mutiert sind), erfolgt diese Neuverknüpfung aber weitaus langsamer.

„Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu falschen Verknüpfungen kommt, wie wir in Computersimulationen zeigen konnten“, erläutert Prieto-Garcia. So entstehen fehlerhaft redigierte Abschriften, auf deren Basis die Zelle dann dysfunktionale Proteine herstellt. Diese sammeln sich in ihrem Innern an und verklumpen. Allerdings verfügen Zellen über eine Art Müllabfuhr, mit deren Hilfe sie fehlerhafte Moleküle entsorgen können. Dieser Schutzmechanismus wurde in Zellen aktiviert, wenn USP39 fehlte. Nach einiger Zeit war die „Müllabfuhr“ aber von den Verklumpungen überfordert, und die betroffenen Zellen in der Fisch-Netzhaut starben ab.

Überraschende Entdeckung
„Die Entdeckung dieses Mechanismus hat uns selbst überrascht“, betont Prof. Đikić. „Wir vermuten, dass er auch beim Menschen erklärt, warum die Netzhautzellen bei Retinitis pigmentosa zu Grunde gehen. Diese fehlerhaften Verknüpfungen könnten darüber hinaus auch bei der Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen, beispielsweise bei Alzheimer oder Parkinson, relevant sein. Andererseits könnte sich aus diesem Mechanismus auch neue Behandlungsansätze für Krebsarten ergeben, die in hohem Maße von einer korrekten Funktion des Spleißosoms abhängig sind.

So produzieren manche besonders aggressive Tumore große Mengen an USP39 und verwandter Spleißfaktoren. Grund dafür ist vermutlich ihre hohe Teilungsrate: Da sie dafür ständig große Mengen Proteine herstellen, sind sie auf ein möglichst exaktes Spleißing angewiesen. Das USP39 stellt diese Genauigkeit sicher. „Möglicherweise ließen sich diese Krebszellen selektiv abtöten, wenn man das USP39 in ihnen blockiert“, sagt der Wissenschaftler. „Gesunde Zellen mit ihrer weit niedrigeren Teilungs-Aktivität blieben dagegen verschont. Das ist ein Ansatz, den wir momentan untersuchen.“

Publikation: Cristian Prieto-Garcia, Vigor Matkovic, Thorsten Mosler, Congxin Li, Jie Liang, James A. Oo, Felix Haidle, Igor Macinković, Alfredo Cabrera-Orefice, Rayene Berkane, Giulio Giuliani, Fenfen Xu, Anne-Claire Jacomin, Ines Tomaskovic, Marion Basoglu, Marina E. Hoffmann, Rajeshwari Rathore, Ronay Cetin, Doha Boutguetait, Süleyman Bozkurt, María Clara Hernández Cañás, Mario Keller, Jonas Busam , Varun Jayeshkumar Shah, Ilka Wittig, Manuel Kaulich, Petra Beli, Wojciech P. Galej, Ingo Ebersberger, Likun Wang, Christian Münch, Alexandra Stolz, Ralf P. Brandes, William Ka Fai Tse, Stefan Eimer, Didier Y. R. Stainier, Stefan Legewie, Kathi Zarnack, Michaela Müller-McNicoll, Ivan Dikic: Pathogenic proteotoxicity of cryptic splicing is alleviated by ubiquitination and ER-phagy. Science (2024); https://doi.org/10.1126/science.adi5295


Bilder zum Download:
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Bildtext: USP39 stabilisiert das Spleißosom (grün), das nicht benötigte Teile (grau und violett) der mRNA herausschneidet. Fehlt USP39, wird die mRNA zum Teil schlecht verarbeitet. Die Folge sind fehlgefaltete Proteine, die zu Stress und Zelltod führen. Grafik: Molecular Signaling Group IBC2, Goethe-Universität

Weitere Informationen
Prof. Dr. Ivan Đikić
Gruppenleiter „Molecular Signaling“
Institut für Biochemie II
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon: +49 (0) 69 6301-5652
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de
Homepage: https://biochem2.com/research-group/molecular-signaling

Twitter/X: @goetheuni @IBC2_GU


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 14 2024
14:23

Dr. Ute Lewitzka berufen – Vorbeugung von Suiziden wird im Fachbereich Medizin verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet

Deutschlandweit erste Professur für Suizidologie und Suizidprävention an der Goethe-Universität

Deutschlands erste Professorin für Suizidologie und Suizidprävention, Dr. Ute Lewitzka, wurde zum 1. November 2024 an die Goethe-Universität Frankfurt berufen. Eines ihrer Ziele ist die systematische Erfassung und Auswertung von Suiziden und Suizidversuchen, um erfolgreiche Präventionsmethoden abzuleiten. Dabei kann sie in Frankfurt auf ein starkes Netzwerk setzen. Perspektivisch soll hier ein Deutsches Zentrum für Suizidprävention entstehen. Ermöglicht haben die Stiftungsprofessur die Crespo Foundation, die Henryk-Sznap-Stiftung und die Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung.

FRANKFURT. Mehr als 10.000 Menschen haben sich in Deutschland im vergangenen Jahr das Leben genommen, mehr als dreimal so viele, wie durch Verkehrsunfälle verstorben sind. Die Zahl der versuchten Selbsttötungen (Suizide) liegt um ein vielfaches höher; betroffen sind Menschen aller Altersgruppen. Welche Faktoren zu Suiziden und deren Prävention beitragen, ist Gegenstand der Suizidologie. Diesem wichtigen Fachgebiet wird in Frankfurt nun eine ganz besondere Aufmerksamkeit zuteil: Seit Monatsbeginn gibt es am Fachbereich Medizin der Goethe-Universität die deutschlandweit erste Professur für Suizidologie und Suizidprävention.

Auf diese Position berufen wurde Prof. Dr. Ute Lewitzka, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, die seit mehr als 25 Jahren auf dem Gebiet forscht und arbeitet. „Ich freue mich sehr, dass die Suizidologie – die leider immer noch ein Nischenthema ist – diesen Stellenwert gewinnt“, sagt Lewitzka, die vom Dresdner Universitätsklinikum nach Frankfurt wechselt. Eine Professur sei auch ein Türöffner für die weitere Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Zu ihren Zielen gehört unter anderem, Suizidversuche und Suizide systematisch zu erfassen und zu analysieren, um effektive präventive Maßnahmen weiter zu entwickeln und diese auch politisch durchsetzen zu können.

Die Professur ist an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unter der Direktion von Prof. Dr. Andreas Reif am Universitätsklinikum Frankfurt angesiedelt, die bereits seit vielen Jahren auf die Behandlung von Stimmungserkrankungen (z.B. Depressionen) spezialisiert ist. Ziel ist der Aufbau eines Deutschen Zentrums für Suizidprävention, an dem auch die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention und die European Alliance against Depression beteiligt sind. Bereits jetzt besteht ein enges regionales Netzwerk unterschiedlicher Akteure, die nicht nur die Erforschung und Behandlung von Suizidalität vorantreiben, sondern beispielsweise auch Präventionsarbeit an Schulen leisten. Auch die Fort- und Weiterbildung von Fachpersonal soll neben der Forschung eine zentrale Rolle spielen.

Gefördert wird das Vorhaben über die nächsten fünf Jahre von der Crespo Foundation, der Henryk-Sznap-Stiftung und der Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung, wobei letztere den Großteil der Fördersumme beiträgt. Für Dr. Elmar Reiss, der die Stiftung 2018 zusammen mit seiner Frau gegründet hat, sind die Ziele der Professur eng mit denen der Stiftung verknüpft: „Unser größtes Anliegen bei der Gründung war es, depressiven Menschen zu helfen und ihr Leid zu lindern. Depressionen gehören zu den Erkrankungen, die zu einem erhöhten Suizidrisiko führen können. Unsere Stiftung möchte dazu beitragen, dass die betroffenen Menschen andere Wege finden und wieder das Licht am Ende des Tunnels sehen.“

Ausschlaggebend für die Entwicklung erfolgreicher Präventionsmaßnahmen ist eine umfassende Datengrundlage. In einem sächsischen Pilotprojekt konnte Lewitzka bereits zeigen, dass die zeitnahe Erfassung und Auswertung von Suizidversuchen über speziell geschulte Notrufleitstellen die Erstellung von sogenannten Heatmaps ermöglicht, also visuellen Darstellungen von Orten und Häufigkeiten. Gepaart mit einem gezielten Monitoring der gewählten Suizid(versuchs)-Methoden lassen sich viele Suizide vermeiden. So können häufig gewählte Wege der Selbsttötung reguliert werden, wie – um nur ein Beispiel zu nennen – der Zugang zu bestimmten Bauwerken. „Methodenrestriktion ist eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen“, so Lewitzka.

Prof. Dr. med. Ute Lewitzka, Jahrgang 1972, studierte Humanmedizin in Berlin und Dresden und absolvierte am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ihre Ausbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Sowohl in ihrer Promotion im Jahr 2004 und ihrer Habilitation im Jahr 2018 befasste sie sich mit der Suizidologie. Im Jahr 2017 gründete sie das Werner-Felber-Institut für Suizidprävention und interdisziplinäre Forschung im Gesundheitswesen (WFI), dessen Vorstandsvorsitzende sie heute noch ist. Seit 2018 ist sie ehrenamtliche Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) und des Referats Suizidologie der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN).


Hilfsangebote für Betroffene und ihre Angehörigen:
Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (FRANS) https://frans-hilft.de/
TelefonSeelsorge: 1110111, https://www.telefonseelsorge.de/
Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche): 116111, https://www.nummergegenkummer.de/


Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/161127685

Bildtext: Prof. Dr. Ute Lewitzka, Goethe-Universität Frankfurt (Foto: Maria Schlotte)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Ute Lewitzka
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Universitätsklinikum Frankfurt
lewitzka@med.uni-frankfurt.de 


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Nov 14 2024
12:27

Vergabefeier der Deutschlandstipendien ehrt langjährige Förderer

600 neue Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität

Erstmals seit sechs Jahren hat die Zahl der Deutschlandstipendiaten an der Goethe-Universität wieder die 600-Marke erreicht. Möglich machte dies die höhere Spendensumme von Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen. Am Mittwoch, dem 13. November, trafen Stipendiat*innen und Förderer*innen beim geselligen Get-together zusammen. 

FRANKFURT. Gute Noten und soziales Engagement müssen die Studierenden mitbringen, die ein Deutschlandstipendium erhalten können. Ausgewählt von Juror*innen aus den 16 Fachbereichen der Universität werden die Stipendiat*innen maximal zwei Jahre lang monatlich mit 300 Euro in ihrem Studium unterstützt, müssen also weniger Zeit in die Finanzierung ihres Studiums stecken und können intensiver studieren. 600 Studierenden ermöglicht dies das staatlich geförderte Stipendienprogramm in diesem Jahr – das sind 50 mehr als 2023. Auch der Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund liegt mit 40 Prozent höher als in den Vorjahren.

Bei der jährlichen Vergabefeier am 13. November holten sich zahlreiche Stipendiat*innen ihr Dokument persönlich ab – und trafen dabei beim geselligen Get-together mit ihrer Förderin oder ihrem Förderer zusammen. 650 Studierende und Geldgeber füllten das Casino-Gebäude, dessen Bühne unter dem Motto von Goethes 275. Geburtstag als Schreibstube gestaltet und für ein literarisches Programm vorgesehen war: Im Laufe des Abends präsentierte sich den Anwesenden das Schreibzentrum der Goethe-Universität gemeinsam mit der von Student*innen organisierten Literaturzeitschrift „Johnny“. Zudem hielt Universitätsarchivar PD Dr. Michael Maaser einen anekdotenreichen Vortrag über den Gebrauch der Worte „Studierende vs. Studenten“ an der Geschichte der Goethe-Universität.

Aus eins mach zwei: Nach diesem Prinzip wird die von der Goethe-Universität eingeworbene Summe für Deutschlandstipendiaten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung jedes Jahr verdoppelt. Im Jahr 2024 haben 250 Privatförderer, 61 Non-Profit-Organisationen und 50 Unternehmen die Gesamtsumme von 1.080.000 Euro für die Goethe-Universität gespendet – 35.000 Euro mehr als im Vorjahr. Nach dem Matching-Prinzip des Bundes standen den Stipendiat*innen also 2.160.000 Euro zur Verfügung. Dabei tragen die Spenden von Non-Profit-Organisationen (NPO) an der Goethe-Universität seit Beginn des Deutschlandstipendiums 2011 mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens bei.

Die dreizehn treuesten Förderer der NPOs und Unternehmen wurden auf der diesjährigen Vergabefeier von Sabine Andresen geehrt, Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Chancen, Karriereentwicklung, Karriereförderung, Diversität und Gleichstellung. Es verdiene höchsten Respekt, betonte Andresen, finanziell und ideell in die Bildung junger Menschen zu investieren und Studierenden unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Chancen zu geben. "Denn Sie“, sagte Andresen zu den Förderern gewandt, „tragen damit aktiv dazu bei, dass talentierte Studierende ihre Potenziale voll ausschöpfen können.“

Über die finanzielle Unterstützung hinaus erhalten die Stipendiat*innen im sogenannten Young Leadership Programm die Chance, sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln. Dazu gehört die individuelle Förderung in Projektteams ebenso wie studienbegleitende Programme und Angebote – Seminare, Workshops, Best-Practice-Vorträge, Netzwerke. Gemeinsam mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus unterschiedlichen Fachbereichen und Studiengängen arbeiten die Stipendiaten in Projektteams an innovativen Ideen. Begleitet werden sie dabei von außeruniversitären Mentorinnen und Mentoren.

Seit 2011 wurden an der Goethe-Universität 6.752 Stipendien vergeben, was einer Fördersumme von 12.153.600 Euro entspricht. Nach dem Matching-Prinzip des Bundes kamen Studierenden der Goethe-Universität bislang ca. 25 Millionen Euro durch das Deutschlandstipendium zugute.

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/161761475

Bildtext:
Gute Noten und soziales Engagement bringen die 600 Studierenden mit, die in diesem Jahr an der Goethe-Universität ein Deutschlandstipendium erhalten. 361 Privatförderer, Non-Profit-Organisationen und Unternehmen haben dafür 1.080.000 Euro gespendet (Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität)


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 14 2024
10:33

Historiker Manfred Berg, Politikwissenschaftler Christian Lammert, Literaturwissenschaftlerin Greta Olson und Kulturwissenschaftler Johannes Völz diskutieren am Forschungskolleg Humanwissenschaften über den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

Die amerikanische Demokratie auf dem Prüfstand

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Die Wiederwahl Donald J. Trumps zum US-Präsidenten gibt der Welt Rätsel auf. Vieles, was wir über die USA zu wissen schienen, ist ungewiss geworden. Ließ sich Donald Trumps erster Wahlerfolg im Jahr 2016 noch als Eintreffen des politisch Unwahrscheinlichen abtun, legen die Wahlergebnisse diesmal einen anderen Schluss nahe: Quer durch die Bevölkerungsgruppen hat Donald Trump Stimmen hinzugewonnen – nach einem Wahlkampf, in dem er seine autokratischen Vorlieben ohne Skrupel zur Schau stellte. Wie passt das zu den demokratischen Traditionen der USA? Haben die Wählerinnen und Wähler sich an die exaltierte Rhetorik Trumps gewöhnt und aus ökonomischem Kalkül gewählt? Oder bringt die Wiederwahl Trumps etwas ans Licht, das in der Geschichte und politischen Kultur Amerikas tief verwurzelt ist? Wollen wir plausible Erklärungen für den Ausgang der Präsidentschaftswahlen finden, müssen wir unsere Annahmen über die USA und die amerikanische Demokratie auf die Probe stellen.

Dieser Aufgabe widmet sich die Podiumsdiskussion „Die USA nach der Wahl“, zu der das John McCloy Transatlantic Forum am Forschungskolleg Humanwissenschaften und die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung herzlich einladen

am 21. November 2024 um 19 Uhr
in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4
in Bad Homburg.

Vier USA-Expertinnen und Experten werden auf das Wahlergebnis blicken. Aus verschiedenen Perspektiven beleuchten sie die Gründe für die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, die unterschiedliche Bezugnahme auf Demokratie beider Lager und den zunehmenden Zuspruch zum Autoritären in der Gesellschaft. Weiterhin diskutieren sie, ob Trumps Wiederwahl eine globale Krise der Demokratie verschärfen könnte und ob die transatlantischen Beziehungen vor einer neuartigen Bewährungsprobe stehen.

Auf dem Podium diskutieren der Historiker Prof. Dr. Manfred Berg (Heidelberg), der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christian Lammert (Berlin) und die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Greta Olson (Gießen). Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Johannes Völz (Frankfurt/M.) moderiert das Gespräch.

Prof. Dr. Manfred Berg ist Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg. Sein Buch Das gespaltene Haus. Eine Geschichte der Vereinigten Staaten von 1950 bis heute erschien 2024 im Stuttgarter Verlag Klett-Cotta.

Prof. Dr. Christian Lammert ist Politikwissenschaftler und Professor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der FU Berlin. 2022 veröffentlichte er gemeinsam mit Boris Vormann im Campus Verlag die Studie Das Versprechen der Gleichheit. Legitimation und die Grenzen der Demokratie. Zudem ist er Mitglied im Kuratorium des John McCloy Transatlantic Forums am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Prof. Dr. Greta Olson ist Professorin für Englische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft und Direktorin des Center for Diversity, Media, and Law (DiML) an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie interessiert sich für das Verhältnis von Recht, Kultur und Literatur und hat das European Network for Law and Literature mitbegründet.

Prof. Dr. Johannes Völz ist Professor für Amerikanistik mit Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zusammen mit dem Politikwissenschaftler Gunther Hellmann ist er Sprecher des John McCloy Transatlantic Forums und des Forschungsschwerpunktes „Democratic Vistas: Reflections on the Atlantic World“.

Teilnahme und Anmeldung 
Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung per E-Mail an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Anfahrt
Öffentliche Verkehrsmittel: Die nächsten Haltestellen sind Kaiser-Wilhelms-Bad (Bus 6), Bahnhof Bad Homburg (S 5) und Gonzenheim (U 2).
PKW: Bitte nutzen Sie die nahegelegenen Parkmöglichkeiten – das Casino-Parkhaus mit Zufahrt über den Weinbergsweg oder den Parkplatz des Tennisclubs und des Kur Royal Aktiv in der Kisseleffstraße 20.


Kontakt:
Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität 
Telefon 06172 13977-15
E-Mail b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Facebook / X / YouTube @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 13 2024
15:22

28. November, Campus Bockenheim – 5. Dezember, Campus Westend.

Jobmessen für Informatik und Wirtschaftswissenschaften

FRANKFURT. Die richtige Berufswahl ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, in denen Studierende zwischen zahlreichen Einstiegsmöglichkeiten wählen können, eine besondere Herausforderung. Umso wichtiger ist es für die Nachwuchstalente, sich durch Praxiskontakte und -erfahrungen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Die Jobmessen der Goethe-Universität stellen hierfür eine optimale Plattform dar, um sich auszutauschen und erste Kontakte zu knüpfen. Gemeinsam mit den jeweiligen Fachbereichen richtet der Career Service der Goethe-Universität im Wintersemester 2024/25 zwei Jobmessen aus. Die Teilnahme ist jeweils kostenlos, eine Vorabanmeldung nicht notwendig.

Den Anfang macht die „ENTER_ZUKUNFT_IT“ – die Jobmesse für Informatiker*innen am Campus Bockenheim: Donnerstag, 28. November 2024, 10 bis 16 Uhr, Neue Mensa/Sozialzentrum.

Darauf folgt die Jobmesse für Studierende der Wirtschaftswissenschaften – ENTER_ZUKUNFT_WIWI – am Campus Westend: Donnerstag, 05. Dezember 2024, 10 bis 16 Uhr, Hörsaalzentrum.

Die Jobmessen bieten den Studierenden und Absolvent*innen die Möglichkeit, mit bis zu 30 Aussteller*innen in direkten Kontakt zu treten und sich über Neuigkeiten aus der Branche und Arbeitsmarktperspektiven auszutauschen. Die ausstellenden Unternehmen offerieren dabei unter anderem Praktika, Werkstudierendentätigkeiten sowie Einstiegspositionen.

Weitere Informationen unter www.jobmessen.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 13 2024
14:30

Zum fünften Mal Auszeichnung mit TOTAL E-Quality Prädikat / Verleihung am Campus Westend

Goethe-Universität nachhaltig in Sachen Chancengerechtigkeit 

Zum fünften Mal bereits wird die Goethe-Universität mit dem Prädikat TOTAL E-QUALITY ausgezeichnet und erhält deshalb zugleich auch den Nachhaltigkeitspreis. Sie ist eine von 60 Organisationen aus ganz Deutschland, die für ihr Engagement in Sachen Chancengleichheit im Beruf gewürdigt werden. Erstmals findet die Verleihung mit einschlägigem Vortragsprogramm an der Goethe-Universität statt.

FRANKFURT. „Die Goethe-Universität Frankfurt am Main präsentiert in ihrer Bewerbung eine überzeugende Chancengleichheitsstrategie und erfüllt damit hervorragend die TOTAL E-QUALITY Standards in den verschiedenen Aktionsfeldern“, heißt es in der Begründung der Jury. Besonders hervorgehoben werden darin die „innovativen und organisationsspezifischen Maßnahmen“ der Karriereunterstützung: die „RMU-Weeks for Equal Opportunities“, die Karrieremesse „Kurswechsel“ sowie das jüngst gegründete Netzwerk für Wissenschaftlerinnen mit mehrjähriger Forschungserfahrung und neuberufene Professorinnen. Mit dem Cornelia Goethe Zentrum für Geschlechterstudien verfüge die Goethe-Universität über ein eigenes Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung, wo intersektionale und interdisziplinäre Forschung betrieben und entsprechende Lehrinhalte und -formate entwickelt würden.

Die Prädikatsverleihung findet jährlich an wechselnden Orten statt, in diesem Jahr an der Goethe-Universität. Die Goethe-Universität wird bereits zum fünften Mal in Folge geehrt und erhält somit gleichzeitig den Nachhaltigkeitspreis. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und Anerkennung unseres kontinuierlichen Engagements. Es ist einfach ein Ansporn, wenn wir mit unseren Projekten und Initiativen Impulse für die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft setzen können“, sagt Prof. Sabine Andresen, Vizepräsidentin mit Schwerpunkt Chancengleichheit.

„Zurecht hat die Jury den intersektionalen Ansatz der Chancengerechtigkeitsarbeit an der Goethe-Universität hervorgehoben“, freut sich Dr. Katrin Springsgut, stellvertretende Leiterin des Büros für Chancengleichheit. Besonders nachgefragt sei das Projekt ELLVIS, das darauf abzielt, struktureller Diskriminierung und Benachteiligung insbesondere in Studium und Lehre entgegenzuwirken und nachhaltige Strukturen und Maßnahmen gegen Diskriminierung zu etablieren. In diesem Rahmen werden den Fachbereichen der Universität Instrumente an die Hand gegeben, um Gender- und Diversity-Kompetenzen innerhalb der Fachbereiche zu stärken. Die Trainings- und Beratungsangebote würden stark nachgefragt, so Springsgut, die auch an das 10-Punkte-Papier der Universität erinnert, das die Aspekte Gender und Diversity in der Forschung auch stärker ins Bewusstsein rücken sollte. Indem im Rahmen der Rhein-Main-Universitäten hochschulübergreifend an Themen der Chancengleichheit gearbeitet werde, ließen sich innovative Ansätze schneller und effizienter verbreiten.

Insgesamt werden in diesem Jahr 60 Prädikate vergeben, elf davon erstmalig. „Wir danken allen Prädikatsträger*innen herzlich für ihr Engagement“, sagt Dr.in Ulla Weber, Vorstandsvorsitzende von TOTAL E-QUALITY. „Sie sind herausragende Beispiele für eine chancengerechte Personalpolitik, die sich an heutigen und künftigen Herausforderungen orientiert. Mit ihrer erfolgreichen Bewerbung dokumentieren Sie, dass Chancengleichheit und Vielfalt fester Bestandteil ihrer Organisationskultur sind. Sie präsentieren sich als attraktive Arbeitgeber*innen im Wettbewerb um engagierte, qualifizierte Fachkräfte. Wissenschaftseinrichtungen stellen Chancengleichheit zusätzlich als einen Teil ihrer Exzellenz heraus.“

Im Zentrum der die Prädikatsverleihung flankierenden Vorträge steht das Thema „Topsharing“. Bei dieser Arbeitsform teilen sich zwei Personen eine Führungsposition. Ein starker Motor für ihre Implementierung sei, so der Verein TOTAL E-QUALITY, der individuelle Wunsch nach einer qualifizierten Tätigkeit bei gleichzeitiger Reduzierung der Arbeitszeit. Der Mehrwert sei jedoch umfassender, betont Ulla Weber: „Auch aus Organisationsperspektive eröffnet Topsharing Chancen. Zwei Personen versprechen Perspektivenvielfalt, doppeltes Energievolumen und eine größere Qualifikationspalette.“ Unter der Überschrift „Topsharing – geteilte Führung, gelebte Chancen“ sollen Chancen, Risiken und Herausforderungen dieses Führungsmodells diskutiert werden.

Das TOTAL E-QUALITY-Prädikat wird für jeweils drei Jahre vom Verein TOTAL E-QUALITY vergeben, zu dessen Gründungsmitgliedern das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gehört. Bewerben können sich Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sowie Verbände mit in der Regel mindestens 15 Beschäftigten. Eine unabhängige Jury prüft die Bewerbungsunterlagen im Auftrag des Vereins und entscheidet über die Vergabe. Eine erneute Auszeichnung erfolgt, wenn die wiederholte Bewerbung belegt, dass der Weg zur Chancengleichheit nachhaltig ist und weitere Fortschritte erzielt wurden.

Seit 1997 hat TOTAL E-QUALITY Deutschland e.V. mehr als 1.000 Prädikate verliehen. Wer es zum fünften Mal verliehen bekommt, erhält den Nachhaltigkeitspreis.

Die Prädikatsvergabe findet am Donnerstag, 14. November 2024, von 10 bis 15 Uhr im Casino-Gebäude auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Interessierte Medien können sich noch melden unter: sauter@pvw.uni-frankfurt.de.


Mehr Informationen zum Prädikat:
www.total-e-quality.de

Weitere Informationen
Dr. Katrin Springsgut
Büro für Chancengleichheit
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-18132
E-Mail: k.springsgut@em.uni-frankfurt.de
https://www.chancengerechtigkeit.uni-frankfurt.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 13 2024
10:57

Gesprächsabend zu „Wohnungslos – Obdachlos?“ und Vortrag von Zilla Leutenegger zu „Housing and…“ im Museum Giersch der Goethe-Universität

Ausstellung OUR HOUSE: Veranstaltungen zu Wohnraum und Gesellschaft

FRANKFURT. Mit der Ausstellung OUR HOUSE öffnet das MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität noch bis zum 16. Februar 2025 seine Türen zu einer facettenreichen Schau, die Kunst, Wohnkultur und gesellschaftliche Fragen rund ums Wohnen verknüpft. Werke zeitgenössischer Künstler*innen beleuchten drängende Themen wie soziale Ungleichheit, urbane Lebensräume und die Verdrängung im Stadtbild. Begleitet wird die Ausstellung durch zwei besondere Veranstaltungen, die aktuelle Fragestellungen zu Wohnraum und Gesellschaft vertiefen – von der Diskussion über Obdachlosigkeit bis hin zu künstlerischen Installationen im historischen Ambiente.

Am Donnerstag, den 21. November 2024, ab 18:30 Uhr, lädt das MGGU in Kooperation mit der Frankfurter Juristischen Gesellschaft zum Gesprächsabend „Wohnungslos – Obdachlos?“ ein. Moderiert von Dr. Sarah Tacke, Leiterin der ZDF-Redaktion Recht und Justiz, diskutieren die Berliner Künstlerin Jana Sophia Nolle, die Doktorandin Anna-Katharina König (FAU Erlangen-Nürnberg) und die Bereichsleiterin des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten Christine Heinrichs über Lebensrealitäten, Herausforderungen und Lösungsansätze für wohnungslose Menschen im urbanen Kontext. Jana Sophia Nolle, die in ihrer Arbeit auf die Schnittstelle von Fotografie, Installation und künstlerischer Forschung setzt, wird ihre neue Arbeit „Blue Blanket“ vorstellen, die speziell für die Ausstellung entstanden ist. Die Rauminstallation zeigt ein wohlhabendes Wohnzimmer, das die auffälligen blauen Decken obdachloser Menschen in den Straßen Frankfurts als zentrales Motiv aufgreift und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich spürbar macht. Das Podium vereint künstlerische, juristische und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf urbane Ausgrenzung und lädt das Publikum zu einer offenen Diskussion über das Thema ein.

Am Mittwoch, den 4. Dezember 2024, ab 18 Uhr, führt die Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger mit dem Vortrag „Housing and…“ in ihre raumgreifenden Installationen ein, die in der Ausstellung OUR HOUSE zu sehen sind. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ringvorlesung des Center for Critical Studies in Architecture statt. Leutenegger, deren Werk an den Schnittstellen von Zeichnung, Skulptur und Video angesiedelt ist, präsentiert sechs ortsspezifische Arbeiten, darunter eine neue,für die Ausstellung entstandene Installation im historischen Herrenzimmer der Villa. Der Vortrag wird auf Englisch gehalten und bietet vertiefte Einblicke in ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen.

Beide Veranstaltungen sind kostenfrei. Weitere Informationen zur Ausstellung und den Begleitveranstaltungen finden Sie auf der Webseite des Museums www.mggu.de und unter criticalarchitecture.org.

Ausstellung OUR HOUSE, 25. Oktober 2024 bis 16. Februar 2025

MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

Eintritt: Erwachsene 7 € / Ermäßigt 5 €. Freier Eintritt für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr
25.12. / 26.12. / 01.01. 10.00 – 18.00 Uhr
24.12. / 31.12. geschlossen
Sonderöffnungszeiten nach Vereinbarung

Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann
Fon: 069/138210121 // E-Mail: presse@mggu.de
Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 12 2024
10:50

Neu entdeckter Mechanismus trägt dazu bei, dass sich bei Bedarf Teile der Kanalmembranen abschnüren und recycelt werden – Modelle mittels Supercomputer entwickelt.

Ausstülpungen im Supercomputer berechnet: Wie Zellen ihr internes Kanalsystem verdauen

Im Innern von Zellen gibt es ein weit verzweigtes System von Kanälen, das endoplasmatische Retikulum (ER). Es besteht aus membranumhüllten Röhren, die bei Bedarf – etwa bei Nährstoffmangel – teilweise abgebaut werden. Dazu bilden sich in der Membran Ausstülpungen, die sich dann abschnüren und von der Zelle recycelt werden. Eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt hat den Ausstülp-Prozess nun mit Hilfe von Computer-Simulationen untersucht. Demnach spielen dabei bestimmte Struktur-Motive von Proteinen in der ER-Membran eine zentrale Rolle. Die Studie ist im Rahmen der Clusterinitiative „SCALE – Subcellular Architecture of Life“ entstanden.

FRANKFURT. Das Endoplasmatische Retikulum dient unter anderem als Speicher für Kalzium und Kohlenhydrate; außerdem werden in ihm verschiedene Hormone gebildet. Die Zellen passen die Ausdehnung und Vernetzung ihres internen Kanalsystems nach Bedarf an. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Prozess, der sich ER-Phagie nennt (frei übersetzt: „ER-Fressen“). Dabei beult sich ein Teil der Membran um die ER-Röhrchen aus und schnürt sich schließlich als kleines Bläschen ab. Gleichzeitig bildet sich darum eine Art zellinterner Müllsack, das Autophagosom. Dieser verschmilzt dann mit einem anderen Behälter, der hoch reaktive Enzyme enthält. Die Enzyme „schreddern“ den Inhalt des Müllsacks und recyceln ihn.

„Seit einigen Jahren ist bekannt, dass bei diesem Prozess bestimmte Proteine eine zentrale Rolle spielen, die ER-Phagie-Rezeptoren“, erklärt Dr. Ramachandra Bhaskara vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität. Diese befinden sich in der Membran um die ER-Röhrchen. Sie bestehen aus einem Anker, mit dem sie in die Membran eintauchen. An diesem Anker sind zwei lange Proteinfäden befestigt, die wie bewegliche Tentakeln von der Membranoberfläche nach außen weisen. „Mittels komplexer Simulationen in Supercomputern konnten wir kürzlich zusammen mit anderen Arbeitsgruppen zeigen, dass der Anker die Membran dazu bringt, sich zu wölben“, sagt Bhaskara. „Unter bestimmten Umständen kann daraus dann eine Ausstülpung entstehen. In der aktuellen Studie haben wir nun nachgewiesen, dass die fädigen Strukturen die Entstehung einer solchen Ausbeulung wahrscheinlicher machen und deutlich beschleunigen.“

Proteine bilden ungeordnete „Tentakeln“ aus Aminosäuren

Die meisten Proteine nehmen nach ihrer Herstellung eine definierte dreidimensionale Gestalt an: Teile von ihnen bilden in sich verdrehte, spiralförmige Strukturen, andere falten sich wie der Balg eines Akkordeons hin und her. Sie erhalten dadurch eine kompakte, relativ starre Form. Das trifft auch für die Anker-Region der ER-Phagie-Rezeptoren zu. Die Tentakeln dagegen bestehen aus langen Ketten von Aminosäuren, die weitgehend regellos hin- und herschlackern. Sie werden daher auch als „intrinsisch ungeordnete (Protein-)Regionen“ oder IDRs (so das englische Kürzel) bezeichnet. Für diese raumgreifenden Bewegungen benötigen sie Platz. Und den verschaffen sie sich, indem sie die Membran, in der sie verankert sind, aufwölben. „Hinzu kommt aber noch ein weiterer Effekt“, betont Dr. Sergio Alejandro Poveda Cuevas, Erstautor der Studie: „Die IDRs enthalten kurze Sequenzen, die sich unter bestimmten Bedingungen sehr wohl falten können. Wir konnten zeigen, dass sie das während der Bildung der Ausbeulungen tun. Sie schmiegen sich dann wie ein Gerüst an die Membran und verstärken ihre Wölbung dadurch noch.“

Die Abschnürung wird also durch verschiedene fein orchestrierte Prozesse eingeleitet, wie die Simulation belegt: Zunächst nähern sich die Anker-Regionen verschiedener ER-Phagie-Rezeptoren einander an. Durch diese Clusterbildung vergrößert sich die von ihnen hervorgerufene Wölbung der Membran. Anfangs sind die IDR-Tentakeln noch ausgefahren. Sie nehmen Kontakt zur Autophagie-Maschinerie auf und dirigieren sie in die Nähe der Membran. Nun kondensieren die IDRs zu kompakteren Strukturen. Dadurch verstärkt sich die Ausbeulung weiter, bis die Membran abgeschnürt und das Bläschen im Autophagosom („Müllsack“) verpackt wird.

Erkenntnisse könnten auch für die Behandlung bestimmter Erkrankungen wichtig sein

„Unsere Studie liefert einen detaillierten Einblick in diesen wichtigen zellulären Prozess“, erklärt Bhaskara. „Sie zeigt zudem, dass die Rezeptor-IDRs für einen reibungslosen Ablauf eine ganz wesentliche Rolle spielen.“ Interessant sind diese Ergebnisse auch deshalb, weil manche angeborenen Erkrankungen der Nervenzellen mit einer gestörten ER-Phagie in Verbindung gebracht werden. Wenn man den Ablauf des Membran-Abbaus besser versteht, erwächst daraus vielleicht irgendwann einmal die Möglichkeit, ihn gezielt zu beeinflussen.

Die Studie wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1177 sowie durch das ENABLE-Clusterprojekt des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur gefördert.

Publikation:
Sergio Alejandro Poveda-Cuevas, Kateryna Lohachova, Borna Markusic, Ivan Dikic, Gerhard Hummer, Ramachandra M. Bhaskara: Intrinsically disordered region amplifies membrane remodeling to augment selective ER-phagy. PNAS (2024) https://doi.org/10.1073/pnas.2408071121

Video- und Bildmaterial zum Download:
Bilderfolge: https://www.uni-frankfurt.de/160576923
Videoclip (19 MB): https://www.uni-frankfurt.de/160576969

Videobeschreibung/Bildtext: Der ER-Phagie-Rezeptor FAM134B ist anfangs über die Membranoberfläche verteilt (links). Seine IDRs bewegen sich wie Tentakeln weitgehend regellos hin und her. Die Bildung lokaler Cluster leitet die Wölbung der Membran ein (2.v.l.), die sich dann durch die Kondensation der Tentakel zu kompakteren Strukturen (2.v.r.) noch verstärkt. Die Abschnürung des Membranbläschens (nicht gezeigt) wird durch eine gezielte Umverteilung der Proteine („sorting“, rechts) eingeleitet. Bild: AG Bhaskara, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Dr. Ramachandra M. Bhaskara
Gruppenleiter „Computational Cell Biology“
Institut für Biochemie II
Goethe-Universität Frankfurt
Telefon: +49 (0) 69 6303-2508
bhaskara@med.uni-frankfurt.de
Homepage: https://biochem2.com/research-group/computational-biology

Twitter/X: @goetheuni @IBC2_GU @RamBhaskara4 @HummerLab @DikicLab @EnableFrankfurt @sfb1177 @SCALE_Uni_FFM @MPIbp


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 8 2024
13:49

Bahnbrechendes Projekt zur Suche nach von den Nationalsozialisten geplünderten jüdischen Büchern kommt nach Frankfurt. 

Have you seen this book? Die „Library of Lost Books“

FRANKFURT. Vom 15. November 2024 bis zum 31. Januar 2025 ist die Ausstellung „Library of Lost Books“ an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg zu sehen. Die verlorenen Bücher standen einst in der Bibliothek der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Berlin. Als eine der wichtigsten jüdischen Lehr- und Forschungseinrichtungen vor dem Zweiten Weltkrieg beherbergte die Hochschule eine der bedeutendsten jüdischen Buchsammlungen. Zehntausende Bände zur jüdischen Geschichte und Kultur wurden während des Holocaust geraubt und sind heute weltweit verstreut. Mit „Library of Lost Books“ initiierten die Leo Baeck Institute Jerusalem und London sowie die Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts e.V. eine globale Buchsuche. Nach Berlin, Prag und London kommt die „Library of Lost Books“ jetzt nach Frankfurt. Denn auch hier wurde man fündig. 

Mehr erfährt man über das Projekt und die Suche nach den geraubten Büchern der Bibliothek der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums auf libraryoflostbooks.com. Die Multimedia-Website wurde mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung ausgezeichnet.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Universitätsbibliothek mit den Leo Baeck Instituten Jerusalem und London sowie dem Buber-Rosenzweig-Institut der Goethe-Universität.

Ausstellung „Library of Lost Books“
Eröffnung: 14. November 2024, 19 Uhr, 
Foyer der Zentralbibliothek d. Universitätsbibliothek
Begrüßung: Dr. Irene Aue-Ben-David, Direktorin des Leo Baeck Instituts Jerusalem. 
Prof. Dr. Christian Wiese, Direktor des Buber-Rosenzweig-Instituts an der 
Goethe- Universität.

Die Ausstellung ist vom 15. November 2024 bis 31. Januar 2025 im Foyer der Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main am Freimannplatz 1 in 60325 Frankfurt am Main zu sehen. Geöffnet Mo-Fr 8:30-21:20 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr.

Vernissage & Empfang zur Eröffnung: 14. November 2024 ab 19 Uhr im Foyer der Zentralbibliothek in Bockenheim. Während der Eröffnung wird fotografiert, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Pressegespräch mit den Kurator*innen: Im Vorfeld der Eröffnung besteht die Möglichkeit für Pressevertreter*innen die Kurator*innen der Ausstellung zu sprechen. Kontakt und Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Kommunikation & Ausstellungen der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; E-Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de

Pressemappe Library of Lost Books: https://libraryoflostbooks.com/de/materialien/

Informationen zu Ausstellungen und weiteren Veranstaltungen der Universitätsbibliothek: https://www.ub.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/

Kontakt: Dr. Kerstin von der Krone, Kuratorin Sammlung Hebraica & Judaica, Projektleitung FID Jüdische Studien, Universitätsbibliothek, Freimannplatz 1, 60325 Frankfurt am Main, Tel: +49 (69) 798 39665, E-Mail: k.vonderkrone@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 7 2024
15:41

Goethe Lectures Offenbach am 11. November 2024 im Klingspor Museum

Polizeiliche Gewaltanwendung: Probleme und deren Aufarbeitung

FRANKFURT. Um polizeiliche Gewaltanwendung, darum, wie unterschiedlich sie von den beteiligten Personen wahrgenommen wird und um die juristische Aufarbeitung geht es beim nächsten Vortrag in der Reihe „Goethe Lectures Offenbach“. Der Strafrechtler Prof. Tobias Singelnstein spricht am

Montag, 11. November, um 19 Uhr
im Klingspor Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach

zum Thema „Problematisierte polizeiliche Gewaltanwendungen und ihre Aufarbeitung“. Singelnstein ist Professor für Kriminologie und Strafrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität, Polizeigewalt ist eines seiner Forschungsthemen.

Das Thema
Die Polizei ist unter bestimmten Voraussetzungen befugt, ausnahmsweise Gewalt anzuwenden, um polizeiliche Maßnahmen durchzusetzen. Dabei kann es zu Fehlern, Überschreitung der rechtlichen Grenzen und Missbrauch kommen. Gleichzeitig ist die aus dieser Gewaltbefugnis folgende Praxis gesellschaftlich durchaus umstritten. Vor diesem Hintergrund werden konkrete polizeiliche Gewaltanwendungen öffentlich und von den Betroffenen immer wieder problematisiert. Tobias Singelnstein geht in seinem Vortrag der Frage nach, wie Diskrepanzen in der Wahrnehmung und Bewertung des entstehen und wie die Beteiligten damit umgehen. Außerdem wirft er einen Blick auf die Aufarbeitung einschlägiger Vorwürfe in den anschließenden Strafverfahren. Der Vortrag stützt sich auf die Ergebnisse des DFG-Forschungsprojekts „Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamt:innen“ (https://kviapol.uni-frankfurt.de).

Der Referent
Tobias Singelnstein ist Professor für Kriminologie und Strafrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zuvor war er von 2017 bis 2022 Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Kriminologie (u.a. soziale Kontrolle und Gesellschaft, Polizei und Justiz, Sicherheitsforschung) sowie im Strafrecht und Strafprozessrecht (u.a. Ermittlungsmaßnahmen und Beweisrecht, Datenverarbeitung im Strafverfahren, Strafrecht und Digitalisierung). Neben mehr als 60 Beiträgen in Fachpublikationen hat er verschiedene Monografien zu Themen aus diesen Bereichen verfasst und eine Reihe von Sammelbänden herausgegeben. 2022 ist sein gemeinsam mit Benjamin Derin verfasstes Sachbuch „Die Polizei. Helfer, Gegner, Staatsgewalt“ bei Econ/Ullstein erschienen.

Die Reihe
Es handelt sich um den 20. Vortrag im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe „Goethe Lectures Offenbach“. Das Format feierte 2015 seine Premiere in Offenbach. Es hat zum Ziel, den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu fördern und aktuelle Themen im wissenschaftlichen Kontext einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geistes- und Sozialwissenschaften referieren in ihren Vorträgen über neueste Erkenntnisse aus der Forschung und stellen ihre Thesen zur Diskussion.

Veranstalter der Reihe sind das Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt, die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach und das Klingspor Museum Offenbach.

Der Eintritt ist frei. Die Plätze sind begrenzt. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Gelegenheit, sich bei Getränken und Snacks über den Abend auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Die Medien sind herzlich eingeladen.

Information:
Rebecca C. Schmidt
Geschäftsführerin
Forschungszentrum Normative Ordnungen
Goethe-Universität Frankfurt 
Telefon 069 798-31401
office@normativeorders.net
Homepage:
https://www.normativeorders.net/events/problematisierte-polizeiliche-gewaltanwendungen-und-ihre-aufarbeitung/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 6 2024
16:01

Internationale Studie unter Federführung der Goethe-Universität klärt bislang unbekannte Wechselwirkung auf

Neuer Mechanismus: Wie Krebszellen dem Immunsystem entwischen

Ein internationales Team unter Federführung der Goethe-Universität Frankfurt hat einen innerzellulären Sensor identifiziert, der die Qualität sogenannter MHC-I-Moleküle überwacht. MHC-I-Moleküle helfen dem Immunsystem, kranke Zellen - zum Beispiel Tumorzellen - zu erkennen und abzutöten. Der Sensor sorgt dafür, dass defekte MHC-I-Moleküle im Zellinneren verbleiben und schließlich abgebaut werden. Überraschenderweise kann ein Fehlen dieser Qualitätssicherung dazu führen, dass mehr MHC-I-Moleküle an die Oberfläche von Krebszellen gelangen und so eine stärkere Immunantwort gegen den Tumor ausgelöst wird.

FRANKFURT. Zellen kann man ihren Gesundheitszustand quasi an der Nasenspitze ansehen: Sie präsentieren auf ihrer Oberfläche Bruchstücke fast aller Proteine, die sie in ihrem Inneren enthalten. Das Immunsystem kann so direkt erkennen, ob eine Zelle von einem Virus infiziert oder durch eine Mutation auf gefährliche Weise verändert wurde.

Für die Präsentation der Bruchstücke sind zahllose molekulare „Funkmasten“ verantwortlich, die MHC-I-Moleküle. Sie werden im Zellinnern zusammengebaut und dann zur Membran transportiert - das ist die Lipidschicht, die die Zelle umgibt. Dort werden die Masten so verankert, dass sie mitsamt ihrer Fracht nach außen weisen. Das Immunsystem verfügt über Einheiten, die ständig im Körper auf Patrouille gehen. Wenn diese Spezialkräfte bei ihrer Kontrolle der MHC-I-Funkmasten schädliche Moleküle entdecken, töten sie die entsprechende Zelle ab. Die Masten selbst dürfen allerdings nicht defekt sein; sonst besteht die Gefahr, dass dieser Mechanismus nicht funktioniert und kranke Zellen dem Immunsystem entgehen. „Wir haben nun einen Sensor in der Zelle entdeckt, der sicherstellt, dass nur funktionsfähige MHC-I-Moleküle zur Plasmamembran transportiert, defekte Einheiten dagegen beseitigt werden“, erklärt Dr. Lina Herhaus, die bis vor kurzem zu diesem Thema am Institut für Biochemie II der Goethe-Universität geforscht hat und nun die Leitung einer eigenen Gruppe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig übernommen hat.

Zellen produzieren rund um die Uhr eine Vielzahl von Proteinen, die sie für ihre Funktion benötigen. Kommt es dabei zu Fehlern, werden die betroffenen Moleküle in der Regel aussortiert. Die defekten Proteine werden dabei von speziellen Rezeptoren erkannt. Diese sorgen dafür, dass die fehlerhafte Verbindung in eine Art Mini-Müllbeutel verpackt und später zerlegt wird. „Wir haben in unserer Studie nach noch unbekannten Rezeptoren gesucht und sind dabei auf ein Protein namens IRGQ gestoßen“, sagt Herhaus. „Es ist spezifisch für die Qualitätskontrolle der MHC-I-Funkmasten verantwortlich.“

Die Forschenden haben durch einen genetischen Eingriff die Produktion von IRGQ unterbunden. In der Folge häuften sich in den Versuchszellen defekte Funkmasten an. Diese wurden zudem zum Teil in die Zellmembran eingebaut, zusammen mit ihren funktionsfähigen Pendants. „Eigentlich würde man erwarten, dass Zellen ohne IRGQ eine schwächere Immunantwort auslösen – doch dem ist offenbar nicht so: Wir haben verschiedene humane Tumoren analysiert und festgestellt, dass weniger IRGQ mit einer besseren Überlebens-Rate von Patienten mit Leberkrebs assoziiert war“, erklärt Prof. Ivan Đikić vom Institut für Biochemie II, der gemeinsam mit Herhaus die Studie geleitet hat. Die Daten aus den Patienten ließen sich auch in einem experimentellen Leberkrebs-Mausmodell bestätigen: In Tieren ohne IRGQ attackierte das Immunsystem die Tumorzellen deutlich heftiger als normalerweise. Die entsprechenden Nager überlebten den Krebs daher bedeutend länger.

Zumindest für Leberzellkarzinome – die Krebserkrankung, die weltweit am zweitmeisten Todesopfer fordert – könnte IRGQ demnach eine Zielstruktur für neue Medikamente darstellen. „Fest steht, dass wir hier einen neuen Mechanismus gefunden haben, wie Tumorzellen dem Immunsystem entgehen können. In weiterführenden Studien werden wir nun den Einfluss von IRGQ auf andere Krebsarten überprüfen“, betont Đikić. „Unsere Erkenntnisse könnten künftig genutzt werden, um neue Therapien gegen Leberkrebs zu entwickeln. Beispielsweise könnten wir IRGQ medikamentös abbauen und dadurch die Immunreaktion gegen den Krebs stimulieren.“

Unabhängig davon ist der entdeckte Mechanismus auch für die Grundlagenforschung von großem Interesse. „Wir wollen nun herausfinden, wie wichtig IRGQ ganz allgemein für die Funktion des Immunsystems ist, beispielsweise auch bei Virusinfektionen“, sagt Herhaus. „Die Ergebnisse unserer Studie werfen eine ganze Reihe interessanter Fragen auf, deren Antworten unser Verständnis der körpereigenen Immunabwehr vertiefen können.“

Publication: Lina Herhaus, Uxía Gestal-Mato, Vinay V. Eapen, Igor Mačinković, Henry J. Bailey, Cristian Prieto-Garcia, Mohit Misra, Anne-Claire Jacomin, Aparna Viswanathan Ammanath, Ivan Bagarić, Jolina Michaelis, Joshua Vollrath, Ramachandra M. Bhaskara, Georg Bündgen, Adriana Covarrubias-Pinto, Koraljka Husnjak, Jonathan Zöller, Ajami Gikandi, Sara Ribičić, Tobias Bopp, Gerbrand J. van der Heden van Noort, Julian D. Langer, Andreas Weigert, J. Wade Harper, Joseph D. Mancias, Ivan Ðikić: IRGQ-mediated autophagy in MHC-I quality control promotes tumor immune evasion. Cell (2024), https://doi.org/10.1016/j.cell.2024.09.048

Beteiligte Institutionen:
Institute of Biochemistry II, Goethe University Frankfurt
Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Institutes of Medicine
Department of Cell Biology, Harvard Medical School
Institute of Biochemistry I, Universitätsmedizin Frankfurt
Buchmann Institute for Molecular Life Sciences, Goethe University Frankfurt
Max Planck Institute of Biophysics, Frankfurt
University Medical Center, Johannes Gutenberg University Mainz
Department of Cell and Chemical Biology, Leiden University Medical Center

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/160164315

Bildtexte: 
1. Cell: Wenn der Qualitätskontrolle-Mechanismus der Zellen aktiviert wird, sammelt sich IRGQ (rot) in speziellen Zellorganellen an, den Lsysosomen (grün) an. Dort findet der Abbau der funktionsunfähigen MHC-I-Moleküle statt. Foto: Dr. Lina Herhaus, Goethe-Universität Frankfurt

2. IRGQ (pink/orange) ist über ein weiteres Protein (grau) in der Membran der "Müllbeutel" verankert, in denen die funktionsunfähigen MHC-I-Moleküle verpackt werden. Die Beutel verschmelzen später mit den Lysosomen, wodurch der Abbau der Moleküle eingeleitet wird. Bild: Henry Bailey, Goethe-Universität Frankfurt


Weitere Informationen
Prof. Dr. Ivan Dikic
Institut für Biochemie II
und Buchmann-Institut für molekulare Lebenswissenschaften
Goethe University Frankfurt
Tel: +49 (0) 69 6301-5964
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de
https://biochem2.com/

Dr. Linda Herhaus
Gruppenleiterin Immune Signaling
HZI - Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH
Lina.herhaus@helmholtz-hzi.de
www.helmholtz-hzi.de

Twitter/X: @goetheuni @IBC2 @Helmholtz_HZI


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 5 2024
12:16

Der ehemalige französische Fußballweltmeister Lilian Thuram spricht in der Zentralbibliothek über sein Buch „La pensée blanche“.

Rassismus und Sport

FRANKFURT. „Man wird nicht weiß geboren, man wird dazu gemacht.“ Der ehemalige französische Fußballweltmeister Lilian Thuram engagiert sich seit langem in der antirassistischen Bildungsarbeit. In seinem Buch „La pensée blanche“ (Éditions Philippe Rey), von Cornelia Wend in „Das weiße Denken“ für den Nautilus Verlag übersetzt, beschreibt die Fußballlegende anschaulich, wie die europäischen Gesellschaften die Kategorien Schwarz und Weiß erfunden haben. In vielen Beispielen, auch aus seiner persönlichen Erfahrung, zeigt er, wie diese Deutungsmuster funktionieren. Sein Buch ist ein zutiefst humanistischer Appell, eingeschliffene Denkstrukturen zu hinterfragen.

Lilian Thuram wird im November in Frankfurt über sein Buch sprechen:

Das weiße Denken – La pensée blanche:
Gespräch mit Lilian Thuram
über Rassismus und Sport
Mittwoch, 13. November 2024, 19.30-21.00 Uhr
Zentralbibliothek Frankfurt am Main, 
Hasengasse 4, Frankfurt am Main 

Es moderiert Lena Bopp (Frankfurter Allgemeine Zeitung), die Simultanübersetzung aus dem Französischen übernehmen Heidi Ruppert und Marianne Crux.

Lilian Thuram wird bei seinem Besuch in Frankfurt nicht nur in der Zentralbibliothek auftreten, sondern auch Lehrkräfte fortbilden und Schüler*innen der vier Abi-Bac-Schulen Frankfurts (Carl-Schurz-Schule, Liebigschule, Lycée Français Victor Hugo, Ziehenschule) begegnen.

Eine Veranstaltung von: Goethe-Universität, Institut für Romanische Sprachen und Literaturen, Romanistische Didaktik; Institut français Frankfurt / IFRA-SHS; Libingua - Netzwerk der Gymnasien mit deutsch-französischem Zug in Deutschland; Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer (VdF Hessen).

Die Veranstaltung wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft unterstützt und steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt, Mike Josef.

Eintritt ist frei, Anmeldung erforderlich unter veranstaltungen.zentralbibliothek@stadtbuecherei.frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 4 2024
11:09

„Poetik des Rhythmus“: DFG fördert Koselleck-Projekt von Prof. Achim 

Rhythmus als „Form in Bewegung“ und seine Bedeutung in der Dichtung

Welche Bedeutung hat der Rhythmus in der Dichtung? Diese Frage ist von der Literaturwissenschaft bislang nicht erschöpfend beantwortet. Prof. Achim Geisenhanslüke will dies ändern. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Reinhart Koselleck-Projekts wird er an einer Poetik des Rhythmus arbeiten.

FRANKFURT. „Poetik des Rhythmus“ – so lautet der Titel des Projekts, das in diesen Tagen offiziell an den Start geht. Prof. Achim Geisenhanslüke, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität, hat sich zum Ziel gesetzt, die von der Literaturwissenschaft noch nicht vollständig ausgeschöpften Möglichkeiten einer Poetik des Rhythmus systematisch wie historisch zu entfalten. Die Frage nach der grundsätzlichen Bedeutung des Rhythmus für die Theorie und Praxis der Dichtung (= Poetik) verbindet er mit der nach konkreten Erscheinungsformen dieses Phänomens in der Dichtung aus Moderne bis Gegenwart. 

Im Zentrum der Untersuchung steht der Rhythmus in der Lyrik. Heißt der Rhythmus in Gedichten nicht einfach Metrum? Durchaus nicht, sagt Achim Geisenhanslüke. Zwar beschreibe auch der Rhythmus die „Form in Bewegung“ in der dichterischen Rede, sei aber wesentlich umfassender als der Begriff des Metrums. Gerade in Hinblick auf moderne Lyrik sei das Potenzial des Rhythmus-Begriffs noch wenig erforscht. Mit seinem Ansatz knüpft Geisenhanslüke vor allem an das Werk des französischen Lyrikers sowie Sprach- und Literaturwissenschaftlers Henri Meschonnic (1932-2009) an, der im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung mit strukturalistischen und poststrukturalistischen Literaturtheorien eine Aufwertung des Rhythmusbegriffs eingeleitet hat.

Das Projekt von Achim Geisenhanslüke wird sich dem Thema in drei Teilstudien nähern: In der ersten geht es um den Rhythmus in Gedichten von Friedrich Hölderlin, in einer weiteren erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit Foucaults Diskurs- und Meschonnics Rhythmustheorie. Die dritte Teilstudie schließlich widmet sich dem Rhythmus als „Form in Bewegung“ im modernen Gedicht bis zur Gegenwart, von Annette von Droste-Hülshoff und Charles Baudelaire bis zu Thomas Kling.

Den notwendigen Freiraum, um sich all diesen Aspekten widmen zu können, verschafft die finanzielle Förderung durch die DFG. 750.000 Euro werden auf fünf Jahre verteilt in das Projekt fließen, bei einer flexiblen Verteilung für Vertretungen, Stellenbesetzungen, Hilfskräfte, Workshops und Tagungen. 

Die seit 2008 vergebene Förderlinie ist nach Reinhart Koselleck (1923-2006) benannt, einem der bedeutendsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts, der als Mitbegründer der modernen Sozialgeschichte gilt. Reinhart Koselleck-Projekte werden an „durch besondere wissenschaftliche Leistung ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ vergeben. Voraussetzung für eine Bewilligung sind besonders innovative Denkansätze sowie eine gewisse Risikobehaftung. Im Falle des Projekts von Achim Geisenhanslüke liegen die Risiken im Versuch, im Rahmen eines komparatistischen Ansatzes mit dem Rhythmus einen für die Literaturwissenschaft ebenso zentralen wie unterschätzten Begriff zum Gegenstand zu nehmen, um auf diese Weise der Poetik einen neuen Impuls zu geben – wer nichts riskiert, der kann auch nichts gewinnen. 

Ein Porträt von Prof. Achim Geisenhanslüke finden Sie zum Download unter:
https://www.puk.uni-frankfurt.de/160017255

Bildunterschrift: Prof. Achim Geisenhanslüke erforscht im Rahmen eines Reinhart-Koselleck-Projekts die Rolle des Rhythmusbegriffs für die Literaturtheorie. (Foto: Uwe Dettmar)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Achim Geisenhanslüke
Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Fachbereich 10 – Neuere Philologien 
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-32869
E-Mail geisenhanslueke@lingua.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de