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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
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Mär 24 2021
16:51

Verbund von 11 Radioteleskopen rund um die Welt erforscht das Herz einer 55-Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie

Astronomen machen Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M87 sichtbar

Wissenschaftler:innen der Event Horizon Telescope (EHT)-Kollaboration – unter Ihnen Forschende der Goethe-Universität Frankfurt um den Astrophysiker Luciano Rezzolla – haben 2019 das erste Bild eines schwarzen Lochs erstellt. Heute präsentieren die Forschenden einen neuen Blick auf das gewaltige Objekt im Zentrum der Galaxie Messier 87 (M87): sein Aussehen in polarisiertem Licht. Es ist das erste Mal, dass Astronomen die Polarisation, eine Signatur von Magnetfeldern, so nah am Rande eines schwarzen Lochs messen konnten. Die Beobachtungen sind der Schlüssel zur Erklärung, wie die 55 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie M87 in der Lage ist, energetische Jets von ihrem Kern auszustoßen – Jets mit einer Länge von rund einer Million Lichtjahre.

FRANKFURT. Luciano Rezzolla, Professor für Theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität Frankfurt, erklärt: „Welche Kräfte relativistische Jets in Galaxien antreiben ist eine Frage, die seit langem in der Astrophysik diskutiert wird. Die Jets in M87 sind enorm und würden 10 Prozent unserer Galaxie bedecken. Durch die anspruchsvollen Beobachtungen des Event Horizon Teleskops, kombiniert mit den theoretischen Modellrechnungen, die wir hier in Frankfurt gemacht haben, erhalten wir wesentliche Informationen über einen vergleichsweise kleinen Bereich: Erstmals sehen wir, wie das Magnetfeld sehr nahe um das schwarze Loch herum aussieht.“

„Wir sehen jetzt das nächste entscheidende Puzzleteil für das Verständnis, wie sich Magnetfelder um schwarze Löcher herum verhalten und wie die Aktivität in diesen sehr kompakten Regionen des Weltraums starke Jets antreiben kann, die sich weit über die Galaxie hinaus erstrecken“, sagt Monika Moscibrodzka, Koordinatorin der EHT Polarimetrie-Arbeitsgruppe und Assistenzprofessorin an der Radboud Universität in den Niederlanden.

Am 10. April 2019 veröffentlichten die Wissenschaftler das allererste Bild eines schwarzen Lochs, das eine helle ringförmige Struktur mit einer dunklen zentralen Region – dem Schatten des schwarzen Lochs – zeigt. Seitdem hat sich die EHT-Kollaboration eingehender mit den 2017 gesammelten Daten vom supermassereichen Objekt im Herzen der Galaxie M87 beschäftigt. Sie haben entdeckt, dass ein signifikanter Anteil des Lichts um das schwarze Loch von M87 polarisiert ist.

„Diese Arbeit ist ein wichtiger Meilenstein: Die Polarisation des Lichts birgt Informationen, die es uns erlauben, die Physik hinter dem Bild, das wir im April 2019 gesehen haben, besser zu verstehen. Das war vorher nicht möglich“, erklärt Iván Martí-Vidal, ebenfalls Koordinator der EHT-Polarimetrie-Arbeitsgruppe und GenT Distinguished Researcher an der Universität von Valencia, Spanien. Er fügt hinzu, dass „die Erstellung dieses neuen Polarisationsbildes jahrelange Arbeit erforderte, da die Gewinnung und Analyse der Daten mit komplexen Techniken verbunden war.“

Licht wird polarisiert, wenn es bestimmte Filter durchläuft, wie die Gläser von polarisierten Sonnenbrillen, oder wenn es in heißen Regionen des Weltraums emittiert wird, in denen Magnetfelder vorhanden sind. Genauso wie polarisierte Sonnenbrillen uns helfen, besser zu sehen, indem sie Reflexionen und Blendungen von hellen Oberflächen reduzieren, können Astronomen ihren Blick auf die Region um das schwarze Loch schärfen, indem sie sich ansehen, wie das von ihm ausgehende Licht polarisiert ist. Insbesondere erlaubt die Polarisation den Astronomen, die Magnetfeldlinien zu kartieren, die am inneren Rand des schwarzen Lochs vorhanden sind.

„Die neu veröffentlichten polarisierten Bilder sind der Schlüssel zum Verständnis, wie das Magnetfeld es dem schwarzen Loch ermöglicht, Materie zu verschlingen“, sagt EHT-Kollaborationsmitglied Andrew Chael, ein NASA Hubble Fellow am Princeton Center for Theoretical Science und der Princeton Gravity Initiative in den USA.

Die hellen Energie- und Materiejets, die aus dem Kern von M87 entspringen und sich mindestens über 5000 Lichtjahre von seinem Zentrum ausbreiten, sind eines der geheimnisvollsten und energiereichsten Merkmale der Galaxie. Die meiste Materie, die sich in der Nähe des Randes eines schwarzen Lochs befindet, fällt hinein. Einige der umgebenden Teilchen entkommen jedoch kurz vor dem Einfangen und werden in Form von Jets weit ins All hinausgeschleudert.

Um diesen Prozess besser zu verstehen, haben sich Astronomen auf verschiedene Modelle gestützt, wie sich Materie in der Nähe des schwarzen Lochs verhält. Aber sie wissen immer noch nicht genau, wie die Jets, die größer als die Galaxie sind, aus seiner zentralen Region ausgestoßen werden, die von ihrer Ausdehnung her mit dem Sonnensystem vergleichbar ist, noch wie genau die Materie in das schwarze Loch fällt. Mit der neuen EHT-Aufnahme des schwarzen Lochs und seines Schattens in polarisiertem Licht ist es den Astronomen erstmals gelungen, in die Region dicht außerhalb des schwarzen Lochs zu blicken, in der dieses Wechselspiel zwischen einströmender und herausgeschleuderter Materie stattfindet.

Die Beobachtungen liefern neue Informationen über die Struktur der Magnetfelder direkt außerhalb des schwarzen Lochs. Das Team fand heraus, dass nur theoretische Modelle mit stark magnetisiertem Gas erklären können, was sie am Ereignishorizont sehen.

„Die Beobachtungen legen nahe, dass die Magnetfelder am Rand des schwarzen Lochs stark genug sind, um das heiße Gas zurückzudrängen und es dabei zu unterstützen, der Schwerkraft zu widerstehen. Nur das Gas, das durch das Feld schlüpft, kann sich spiralförmig nach innen zum Ereignishorizont bewegen“, erklärt Jason Dexter, Assistenzprofessor an der University of Colorado Boulder, USA, und Koordinator der EHT-Theorie-Arbeitsgruppe.

Um das Herz der Galaxie M87 zu beobachten, verbanden die Forschenden acht Teleskope auf der ganzen Welt, um ein virtuelles erdumspannendes Teleskop, das EHT, zu schaffen. Die beeindruckende Auflösung, die mit dem EHT erreicht wird, entspricht der, die benötigt wird, um die Länge einer Kreditkarte auf der Oberfläche des Mondes zu messen.

Mit der Anordnung des EHT konnte das Team den Schatten des schwarzen Lochs und den ihn umgebenden Lichtring direkt beobachten, wobei das neue Bild mit polarisiertem Licht deutlich zeigt, dass der Ring magnetisiert ist. Die Ergebnisse werden heute in zwei separaten Artikeln in The Astrophysical Journal Letters von der EHT-Kollaboration veröffentlicht. An der Forschung waren mehr als 300 Forscher aus verschiedenen Organisationen und Universitäten weltweit beteiligt.

„Das EHT macht rasante Fortschritte, das Netzwerk wird technologisch aufgerüstet und neue Observatorien werden hinzugefügt. Wir erwarten, dass zukünftige EHT-Beobachtungen die Magnetfeldstruktur um das schwarze Loch genauer abbilden und uns mehr über die Physik des heißen Gases in dieser Region verraten werden“, schließt EHT-Kollaborationsmitglied Jongho Park, ein East Asian Core Observatories Association Fellow am Academia Sinica Institute of Astronomy and Astrophysics in Taipeh.

Publikationen:
The Event Horizon Collaboration, Kazunori Akiyama et al.: First M87 Event Horizon Telescope Results VII: polarization of the ring. Astrophysical Journal Letters, 910, L12 (2021) DOI 10.3847/2041-8213/abe71d (ApJL 910, L12)
The Event Horizon Collaboration, Kazunori Akiyama et al.: First M87 Event Horizon Telescope Results VIII: Magnetic Field Structure Near The Event Horizon. Astrophysical Journal Letters, 910, L13 (2021) DOI 10.3847/2041-8213/abe4de (ApJL 910, L13)

Bilder und Videos
http://www.uni-frankfurt.de/99324156 (Bild-Download)
Das supermassereiche schwarze Loch in der Galaxie M87 im polarisierten Licht
Ansicht der Polarisation des schwarzen Lochs in M87. Die Linien markieren die Ausrichtung der Polarisation, die mit dem Magnetfeld um den Schatten des schwarzen Lochs zusammenhängt. Bildnachweis: Event Horizon Telescope Collaboration

http://www.uni-frankfurt.de/99324167 (Animiertes GIF - Download)
GIF: Beobachtung und Modellrechnung
Animation, die das beobachtete schwarze Loch in der Galaxie M87 zeigt (links) und das theoretische Modell, das am besten zu den Beobachtungen passt: das theoretische Modell mit stark magnetisiertem Gas. Die Streifen zeigen die Linien des Magnetfelds. Bildnachweis: S. Issaoun, M. Mościbrodzka with Polarimetry WG and OWG

http://www.uni-frankfurt.de/99324045 (Video-Download)
Polarisiertes Licht: Licht ist eine schwingende elektromagnetische Welle. Wenn die Wellen eine bevorzugte Schwingungsebene haben, sind sie polarisiert. Im Weltraum sendet sich bewegendes heißes Gas, so genanntes Plasma, polarisiertes Licht aus, wenn es von einem Magnetfeld durchsetzt wird. Die polarisierten Lichtstrahlen, die der Anziehung des schwarzen Lochs entkommen, wandern zu einer entfernten Kamera. Die Intensität der Lichtstrahlen und ihre Ausrichtung beobachtet die EHT-Kollaboration mit dem Event Horizon Telescope. Credit: © EHT Collaboration and Fiks Film

https://www.eso.org/public/germany/videos/eso2105b/ (Youtube)
Zoom in das Herz der Galaxie M87
Das Video beginnt mit einem Blick auf ALMA, ein Teleskop, an dem die ESO als Partner beteiligt ist und das Teil des Event Horizon Telescope ist. Es zoomt immer weiter in das Herz von M87. Am Ende ist zunächst zunächst das erste Bild eines schwarzen Lochs zu sehen, das 2019 aufgenommen wurde. Dann folgt das neue Bild, das das supermassereiche Objekts in polarisiertem Licht zeigt. Es ist das erste Mal, dass Astronomen die Polarisation, eine Signatur von Magnetfeldern, so nah am Rande eines schwarzen Lochs messen konnten. Herkunftsnachweis: ESO/L. Calçada, Digitized Sky Survey 2, ESA/Hubble, RadioAstron, De Gasperin et al., Kim et al., EHT Collaboration. Music: Niklas Falcke

https://www.youtube.com/watch?v=6xrJoPjfJGQ&t=14s (Youtube)
Schwarze Löcher sind von Plasma umhüllt. Dieses Plasma ist von magnetischen Felder durchsetzt, hier beeinflusst Magnetismus, wie Materie sich bewegt. Wenn das Magnetfeld stärker wird, andert es seine Form und das polarisierte Licht, das die EHT-Kollaboration misst, zeigt unterschiedliche Muster. Credit: © EHT Collaboration and Crazybridge Studios

http://www.uni-frankfurt.de/99324248 (Bilder - Download)
Ansicht des supermassereichen schwarzen Lochs in der Galaxie M87 und des Jets in polarisiertem Licht
Dieses zusammengesetzte Bild zeigt drei Ansichten der zentralen Region der Galaxie Messier 87 (M87) im polarisierten Licht. Die Galaxie hat ein supermassereiches schwarzes Loch in ihrem Zentrum und ist berühmt für ihre Jets, die weit über die Galaxie hinausreichen.
Eines der Bilder mit polarisiertem Licht, das mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile aufgenommen wurde, an dem die ESO beteiligt ist, zeigt einen Teil des Jets in polarisiertem Licht. Dieses Bild fängt den Teil des 6.000 Lichtjahre langen Jets ein, der sich näher am Zentrum der Galaxie befindet.
Die anderen Bilder mit polarisiertem Licht zoomen näher an das supermassereiche schwarze Loch heran: Die mittlere Ansicht deckt einen Bereich von etwa einem Lichtjahr Größe ab und wurde mit dem Very Long Baseline Array (VLBA) des National Radio Astronomy Observatory in den USA aufgenommen.
Die am stärksten vergrößerte Ansicht wurde durch die Verknüpfung von acht Teleskopen auf der ganzen Welt zu einem virtuellen Teleskop in Erdgröße, dem Event Horizon Telescope (EHT), gewonnen. Dies erlaubt den Astronomen, sehr dicht an das supermassereiche schwarze Loch heranzukommen, in die Region, in der die Jets gestartet werden.
Die Linien markieren die Orientierung der Polarisation, die mit dem Magnetfeld in den abgebildeten Regionen zusammenhängt. Die ALMA-Daten liefern eine Darstellung der Magnetfeldstruktur entlang des Jets. Die kombinierten Daten von EHT und ALMA ermöglichen den Astronomen daher, die Rolle der Magnetfelder von der Umgebung des Ereignishorizonts (wie mit dem EHT auf Distanzen von Lichttagen untersucht) bis weit über die Galaxie M87 hinaus entlang ihrer starken Jets (wie mit ALMA auf Skalen von Tausenden von Lichtjahren untersucht) zu erforschen.
Die Werte in GHz beziehen sich auf die Lichtfrequenzen, bei denen die verschiedenen Beobachtungen gemacht wurden. Die horizontalen Linien zeigen den Maßstab der einzelnen Bilder in Lichtjahren.
Bild: EHT Collaboration; ALMA (ESO/NAOJ/NRAO), Goddi et al.; VLBA (NRAO), Kravchenko et al.; J. C. Algaba, I. Martí-Vidal

Weitere Informationen
Prof. Dr. Luciano Rezzolla
Lehrstuhl für Theoretische Astrophysik
Institut für Theoretische Physik
Goethe Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798-47871 / 47879
rezzolla@itp.uni-frankfurt.de
https://astro.uni-frankfurt.de/rezzolla/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 24 2021
14:31

Programm für das Sommersemester sieht erstmals wieder prominent besetzte Hauptveranstaltung vor

Frankfurter Bürger-Universität: Was wir über Populismus, Multimedikation und Wasserforschung wissen

„Populismus – Kultur – Kampf“ lautet das Thema der hochkarätig besetzten Diskussionsreihe, mit der die Goethe-Universität erstmals seit Ausbruch der Pandemie in ihrem Bürger-Programm wieder eine Hauptveranstaltung anbietet. Insgesamt plant die Bürger-Universität überwiegend Online-, in den Sommermonaten aber auch einige Vor-Ort-Veranstaltungen.

FRANKFURT. Was bedeutet „Solidarität in der Krise“? Wie kann Multimedikation bei älteren Menschen vorgebeugt werden? Und wie prägt die Romantik unser ökologisches Denken? Diese und andere Themen greifen die Veranstaltungen im neuen Programm der Bürger-Universität auf, die pandemiebedingt überwiegend online stattfinden werden. Vor Ort dagegen können sich Interessierte zu den Führungen auf dem Campus Westend und dem naturwissenschaftlichen Campus Riedberg begeben sowie an den Exkursionen der Frankfurter Geographischen Gesellschaft teilnehmen, die Ausflüge in die weitere Umgebung Frankfurts plant.

Ein Höhepunkt der Bürger-Universität im Sommersemester ist die dreiteilige Hauptveranstaltung „Populismus – Kampf – Kultur“ des Instituts für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität in Kooperation mit anderen Einrichtungen. Prominente Fachleute aus Medien, Wissenschaft und Kultur diskutieren unter anderem über Massenmedien im Zeitalter des Populismus und wie man über Rechtspopulismus schreiben kann. Die Veranstaltungen finden am 1., 8. und 13. Juli voraussichtlich im Grünen „Open-Air“-Hörsaal statt.

Die Themenvielfalt der Bürger-Universität reicht darüber hinaus vom Klimawandel und die Folgen für unser Wasser, KZ-Häftlingen in den Frankfurter Adler-Werken und neuen ethnologischen und archäologischen Forschungen bis hin zu „Scheitern“ aus geistes- und kulturwissenschaftlicher Sicht und der Buchpräsentation des Historikers Christoph Cornelißen „Europa im 20. Jahrhundert“.

Die erste Bürger-Universität startete im Jahr 2008. In diesem Jahr kehrte die Goethe-Universität zu ihren Wurzeln als Stiftungsuniversität zurück, als die sie 1914 von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern gegründet worden war. Seitdem fördert die Bürger-Universität den lebendigen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern aus Stadt und Region; dabei begibt sie sich an Orte in der Stadt (pandemiebedingt derzeit nicht möglich) und lädt im Gegenzug Bürgerinnen und Bürger auf die Campi der Universität ein.

Das Programm zum Sommersemester 2021 wird an einschlägigen Stellen in der Stadt ausgelegt und ist auf der Webseite der Goethe-Universität einsehbar unter: https://www.buerger.uni-frankfurt.de/99205363/burger-universitat-broschure-sommersemester-2021.pdf

Weitere Informationen
Abteilung PR & Kommunikation
Goethe-Universität
069/798-12481
buergeruni@uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 23 2021
07:57

Bundesweite Studien „Jugend und Corona“ der Universitäten Frankfurt und Hildesheim stellen weitere Ergebnisse vor – Jugendliche nehmen Stellung

„Man muss uns nur fragen“ - wie junge Menschen die Pandemie erleben

Keine offenen Räume mehr zu haben belastet junge Menschen mehr als der Verzicht auf andere Freizeitangebote wie ihre Hobbys. Dies ist eines der Ergebnisse der JuCo-Studie II des Forschungsverbunds „Kindheit – Jugend – Familie in Zeiten von Corona“ der Goethe-Universität Frankfurt und Stiftung Universität Hildesheim. Nun erscheint in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung die erweiterte und vertiefte Auswertung der beiden bundesweiten Onlinebefragungen, an denen im April und November 2020 insgesamt 12.500 junge Menschen teilgenommen haben.

FRANKFURT. Nicht alle Jugendlichen brauchen „Orte zum Abhängen“. Doch diejenigen, die sich dort sozial austauschen, werden von den Folgen der Pandemie besonders stark belastet. Sie fühlen sich nicht nur unwohler und einsamer, sondern haben auch vermehrt Angst vor der Zukunft. Für das psychosoziale Wohlbefinden sind offene Räume sogar wichtiger als das Ausüben von Hobbys wie Sport, Musik, Jugendarbeit oder gesellschaftliches Engagement etwa in Umweltverbänden. Das ergibt eine vertiefte Auswertung der Online-Befragung JuCo II der Goethe-Universität und Universität Hildesheim.

Und noch etwas macht die Studie deutlich: Jugendliche, die seit Corona stärker durch finanzielle Sorgen belastet sind, fühlen sich auch emotional und psychisch stärker beeinträchtigt. Besonders hoch ist hier der Anteil von jungen Menschen mit Zukunftsängsten. Ein Befund, der besonders ernst genommen werden sollte, betont Johanna Wilmes, Familienforscherin an der Goethe-Universität: „In der jungen Generation manifestieren sich diese erlebten Ungleichheiten besonders nachhaltig. Wir wissen, dass Armutserfahrungen maßgeblich Bildungs- und Lernerfolge prägen. Das heißt aber auch, wenn wir hier etwas verändern, gestalten wir Zukunft zum Positiven.“

Mehr Mitspracherecht für junge Menschen fordert auch das Team von Jugendlichen, das mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Ergebnisse der Studien diskutiert und in der Publikation „Fragt uns 2.0“ zusammengefasst hat. Corona zeige deutlicher, „was ohnehin nicht gut funktioniert“ – ein veraltetes Schulsystem, fehlendes Mitspracherecht und fehlende Ansprechpersonen für Kinder und Jugendliche. „So wär´s besser“: Unter diesem Titel machen die Jugendlichen Änderungsvorschläge in Bezug auf ihre Situation in Familie, Schule und Ausbildung. „Wir brauchen mehr Verständnis für die Situation von Jugendlichen in der Pandemie“, fordern sie. Und: „Die zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie müssen Thema in Schulen sein“ sowie „Medien sollten auf Stereotype verzichten und Jugendliche nicht nur als Regelbrecher:innen darstellen.“

„Fragt uns 2.0“ bestätigt aber auch ein weiteres Resultat der JuCo I und II-Studien: Junge Menschen haben auch positive Effekte der Pandemie wahrgenommen. Unter „Ein paar Dinge, die man behalten kann“ nennen sie: weniger Stress, mehr freie Zeiteinteilung, Selbstorganisation, Wertschätzung von sozialen Beziehungen, Digitalisierung vorantreiben und ein umweltfreundlicheres Leben.

Dem Team des Forschungsverbunds „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ gehören Prof. Dr. Sabine Andresen und Johanna Wilmes vom Institut für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Goethe-Universität an sowie Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Dr. Tanja Rusack, Dr. Severine Thomas, Anna Lips und Lea Heyer vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim.

Zusatzinformation

Die beiden Jugendbefragungen “Jugend und Corona“ (JuCo I und II) wurden von einem Forschungsverbund der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Hildesheim durchgeführt. An JuCo I (15. April – 3. Mai 2020) nahmen 5.520 Jugendliche teil, an JuCo II (9.-22. November 2020) beteiligten sich mehr als 7.000 junge Menschen. Die für die JuCo-Studien zusammengetragenen Erkenntnisse basieren auf jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit der Kindheits- und Jugendforscher:innen zur Lebenswirklichkeit junger Menschen in Deutschland.

Die Ergebnisse der Studien wurden mit Jugendlichen in mehreren Online-Workshops von September 2020 bis Januar 2021 diskutiert und reflektiert. Die Jugendlichen haben ihre Erfahrungen und Forderungen in der Broschüre „Fragt uns 2.0 – Corona Edition“ festgehalten.

Publikationen:

www.bertelsmann-stiftung.de/junge-menschen-corona
www.bertelsmann-stiftung.de/fragt-uns

Weitere Informationen
Prof. Dr. Sabine Andresen
s.andresen@em.uni-frankfurt.de

Johanna Wilmes,
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
wilmes@em.uni-frankfurt.de

Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung
der Goethe Universität Frankfurt am Main


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 22 2021
16:12

Pandemiebedingt finden Gespräche in Form von vier Online-Workshops statt – Aufwandsentschädigung für Teilnehmer von 100 Euro pro Workshop

Goethe-Universität sucht ältere Patienten mit chronischen Krankheiten oder Angehörige für Studie

Wie die Versorgung von Patient:innen verbessert werden kann, die ins Krankenhaus gehen oder dort entlassen werden, will eine Studie der Goethe-Universität herausfinden. Dafür suchen Wissenschaftler:innen des Instituts für Allgemeinmedizin ältere Studienteilnehmer:innen, die selbst von zwei oder mehr chronischen Krankheiten betroffen sind und regelmäßig mehrere Medikamente einnehmen. Alternativ können auch Angehörige solcher Patient:innen an der Studie teilnehmen, wenn sie sich um deren medizinische Angelegenheiten kümmern.

FRANKFURT. Es läuft zuweilen nicht alles glatt, wenn ältere Patientinnen und Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, chronische Lungenerkrankungen oder Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems wie Arthritis oder Arthrose in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Meist nehmen die Patienten mehrere Medikamente gleichzeitig ein, weil sie an verschiedenen Krankheiten leiden. Da in der Regel kein direkter Kontakt zwischen Hausarztpraxis und Krankenhaus besteht, müssen die Patient:innen oder ihre Angehörigen im Krankenhaus ihre derzeitige Medikation mitteilen – das ist insbesondere unter dem Stress einer akuten Verschlechterung ihrer Krankheiten nicht immer einfach. Auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus treten im Übergang zur Betreuung durch die Hausarztpraxis immer wieder Schwierigkeiten mit der Medikamentierung auf. So erhalten Patient:innen zuweilen im Krankenhaus Präparate, die sie nach ihrer Entlassung weiter einnehmen, obwohl die Mittel dafür nicht geeignet sind. Bei der Entlassung zum Wochenende kommt es zuweilen auch vor, dass die Patienten nicht ausreichend mit Medikamenten versorgt sind.

Solche und andere Erfahrungen beim Übergang zwischen Hausarztpraxis und Krankenhaus möchte die Studie „Kontinuität in der medikamentösen Versorgung bei Patienten an der Schnittstelle Hausarztpraxis-Krankenhaus (HYPERION-TransCare)“ sammeln und daraus Verbesserungsvorschläge entwickeln. Die Studie wird von Prof. Marjan van den Akker des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität geleitet und findet in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Dresden statt.

Bisher wurden im Rahmen der Studie bereits Ärzt:innen, medizinische Fachangestellte, ambulante Pflegedienstleister sowie einige Patient:innen und Angehörige befragt. So konnten innerhalb der Studie die aktuellen Abläufe an den Schnittstellen Hausarztpraxis – Krankenhaus erfasst, mögliche Problemfelder aufgedeckt und erste Lösungsvorschläge entwickelt werden.

Gesucht werden nun noch Patient:innen oder Angehörige für die vier Workshops, deren erster am 30. März stattfindet. Am 5. Mai sowie im Juni und Juli finden die übrigen Workshops statt. Es ist auch möglich, nur an einem Teil der Workshops teilzunehmen.

Link zur Online-Fassung dieser Meldung
https://tinygu.de/XWNDR

Flyer mit weiteren Informationen
https://tinygu.de/OXtXD

Kontakt
Goethe-Universität Frankfurt
Institut für Allgemeinmedizin
Truc Sophia Dinh und Maria-Sophie Brückle
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
Tel. 069 6301-84483
dinh@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
brueckle@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
www.saxoforn.net


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Mär 22 2021
13:47

Die Goethe-Universität nimmt Abschied von einem großen Gelehrten

Zum Tod von Michael Stolleis

Die Goethe-Universität trauert um einen überragenden Gelehrten: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Stolleis, der von 1974 bis 2006 als Rechtswissenschaftler an der Frankfurter Universität gewirkt hat und bis 2009 Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtgeschichte war, ist nach kurzer und schwerer Krankheit am 18. März mit 79 Jahren verstorben.

FRANKFURT. Michael Stolleis hat an der Goethe-Universität öffentliches Recht und Rechtsgeschichte gelehrt. Als sein Hauptwerk gilt die vierbändige Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und Maßstäbe setzte. Sein Engagement für die Goethe-Universität und in vielen Bereichen des geistigen Lebens lässt sich jedoch kaum erschöpfend darstellen.

Stolleis kam 1941 in Ludwigshafen am Rhein zur Welt. Sein Vater war Oberbürgermeister und im Nebenberuf Winzer, Michael Stolleis absolvierte ebenfalls eine Winzerausbildung. Von 1960 an studierte er Jura, Germanistik und Kunstgeschichte in Heidelberg und Würzburg, in München wurde er promoviert. Seine Habilitationsschrift befasste sich mit dem Recht im Nationalsozialismus. 1974 wurde Stolleis Professor an der Goethe-Universität. 1991 erhielt er den renommierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, im selben Jahr wurde er Direktor am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte. Stolleis wurde mit vier Ehrendoktoraten ausgezeichnet – von den Universitäten Lund, Toulouse, Padua und Helsinki. Er war zudem Träger des Bundesverdienstkreuzes mit Stern und des Ordens Pour le Mérite (Vizekanzler des Ordens). Michael Stolleis war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Akademien, etwa der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Mit Michael Stolleis verliert die Goethe-Universität einen ihr zutiefst verbundenen Wissenschaftler: In unnachahmlicher Weise hat sich Michael Stolleis mit der Goethe-Universität identifiziert, brachte ihr auch als MPI-Direktor sein großes Interesse entgegen, hat sich immer für ihre Belange eingesetzt und war stets mit Rat und Tat zur Stelle – auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2006. Ein großer, weit über die Rechtswissenschaft hinausreichender Wissensschatz, das Vermögen, die Universitas in den Blick zu nehmen sowie Redlichkeit und Integrität zeichneten Michael Stolleis als Mensch und als Gelehrten aus.

Stimmen aus der Goethe-Universität:

„Die Nachricht von seinem Tod hat mich sehr berührt. Michael Stolleis war nicht nur ein großer Rechtsgelehrter und Intellektueller, er hat auch viel für die Universität getan und sich lange über seine Emeritierung hinaus mit viel Tatkraft und Kreativität für deren Belange und für den wissenschaftlichen Nachwuchs eingesetzt. Und er war einer der Köpfe, die den Ruf unserer Hochschule weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus verbreitet haben, indem er wichtige gesellschaftliche Debatten angestoßen und sich daran beteiligt hat. Ich habe ihn auch persönlich sehr geschätzt, als freundlichen Kollegen, der immer ansprechbar war. Er wird uns allen sehr fehlen. Mein Mitgefühl gilt jetzt vor allem Michael Stolleis' Familie, der ich viel Kraft wünsche, um diesen großen Verlust verarbeiten zu können.“
Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität

„Michael Stolleis hat die deutsche und europäische Rechtsgeschichte sowie das Öffentliche Recht maßgeblich geprägt. Mit der Geschichte des Öffentlichen Rechts hat er ein neues Forschungsfeld etabliert und mit seiner in viele Sprachen übersetzen vierbändigen Gesamtdarstellung zugleich Maßstäbe gesetzt.  Ebenso hat er sich seit seiner Münchner Habilitationsschrift von 1974 um die Erforschung des nationalsozialistischen Rechts verdient gemacht. Als grundlagenorientierter, über umfassende Gelehrsamkeit verfügender Rechtswissenschaftler war er für interdisziplinäre Kooperationen zu gewinnen. So hat er als Principal Investigator und später als assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen' seit 2007 maßgeblich zum Erfolg dieses Forschungsverbundes beigetragen. Mit Michael Stolleis hat der Fachbereich nicht nur einen bedeutenden Wissenschaftler verloren, sondern auch einen aufgeschlossenen und zugewandten Kollegen. Seine von professoraler Herablassung freie, dabei aber wissenschaftliche Ansprüche nicht preisgebende Haltung hat die Zusammenarbeit mit ihm leicht und vor allem vielen Jüngeren Mut zur Wissenschaft gemacht.“
Prof. Dr. Klaus Günther, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft

„Das öffentliche Recht in Frankfurt, in Deutschland und in Europa verliert mit Stolleis einen Gelehrten, der wie kaum ein anderer die Einheit dieses Faches lebte – in der Verbindung von Forschung und Lehre, in der Verflochtenheit der europäischen, nationalen und lokalen Dimensionen des öffentlichen Rechts und nicht zuletzt in der historischen Bedingtheit seiner aktuellen Problemstellungen. Seine vierbändige Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland ist Ausdruck und zugleich Kulminationspunkt dieses Bemühens, mit dem tieferen Verständnis der großen Entwicklungslinien der Wissenschaftsgeschichte des Faches die Fäden zusammenzuhalten und stets wieder neu zusammenzuführen. Dieses Anliegen prägte auch das Engagement von Michael Stolleis in der Lehre, die er neben seinen Verpflichtungen als Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte weit über das zu erwartende Maß hinaus ernstnahm. Das von ihm vor vierzig Jahren gemeinsam mit Hans Meyer initiierte Standardwerk für Studierende und Referendar*innen zum Staats- und Verwaltungsrecht für Hessen hat er als Mitherausgeber, als Autor der Abschnitte zum Staatskirchenrecht und zum Sozialrecht und bis zuletzt als Autor der hessischen Landes- und Verfassungsgeschichte geprägt. Generationen hessischer Jurastudierender hat es als ‚Meyer/Stolleis' begleitet.“
Prof. Dr. Georg Hermes, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Öffentliches Recht

„Das Institut für Rechtsgeschichte der Goethe-Universität trauert um Michael Stolleis. Mit ihm verlieren wir einen Wissenschaftler von Weltruf. Er hat nicht nur durch seine Schriften zur Geschichte des Öffentlichen Rechts Maßstäbe gesetzt. Neben vielen weiteren Themen, wie dem Sozialrecht, behandelte er auch intensiv die Geschichte unserer Fakultät. Unermüdlich engagierte er sich als Lehrer und Förderer des wissenschaftlichen Nachwuchses, unter anderem über 25 Jahre lang in den verschiedenen rechtshistorischen Graduiertenkollegs an unserem Fachbereich. Mit Michael Stolleis verlieren wir einen geschätzten Kollegen und treuen Freund, dessen Rat uns schmerzlich fehlen wird. Wir nehmen Abschied in Dankbarkeit und tiefer Trauer.“
Prof. Dr. David von Mayenburg, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Rechtsgeschichte

„Michael Stolleis war nicht allein eine Ausnahmeerscheinung als Rechtshistoriker des öffentlichen Rechts, der Frühen Neuzeit und Moderne sowie der Juristischen Zeitgeschichte. Auch mit diesen Forschungsgebieten, nicht zuletzt aber durch seine Persönlichkeit hat er das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte seit dem Beginn der 90er Jahre geprägt. Er war Mentor, Förderer und Vorbild für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt. Ein engagierter Beobachter und ein gelehrter Erzähler des Rechts.“
Prof. Dr. Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie

„Michael Stolleis war ein Wissenschaftler, wie es leider nur wenige gibt. Unbestechlich, mutig und großzügig. In München eine kritische Studie über ‚Gemeinwohlformeln im nationalsozialistischen Recht' vorzulegen, dazu gehörte jener Mut, der ihn auch später nie verlassen hat, wenn die Vergangenheit in die Schranken zu weisen war. Er war ein Winzer nicht nur im pfälzischen Weinberg, sondern vor allem an der Hochschule, wo er an Generationen von jungen ‚Rebstöcken' sein Wissen weitergab und seine Kollegen mit der Lektüre ihrer eben gedruckten Werke überraschte. Ein manchmal unbequemer, immer kongenialer und wohlwollender Leser, der nicht zu ersetzen sein wird.  Auch nicht der Partner bei den Radtouren in der Haardt und im Rheintal. Ein guter Freund hat sich verabschiedet. Wie schmerzlich und traurig.“
Prof. Dr. Frankenberg, Seniorprofessur für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung

„Mit Prof. Michael Stolleis verliert die Wissenschaftliche Gesellschaft an der Goethe-Universität einen überragenden Gelehrten. Bereits im Jahr 1992, dem Jahr seiner Ernennung zum Direktor am Max-Planck-Institut, wurde er zum Mitglied der Gesellschaft gewählt. Es war die fachübergreifende Gelehrsamkeit, die ihn begeisterte. Über die vielen Jahre hinweg fehlte er bei kaum einer Sitzung. Er ließ sich von den unterschiedlichsten Bereichen aus Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften faszinieren und trug zum Diskurs mit wichtigen, oft entscheidenden Beiträgen aus dem großen Repertoire seines Wissens bei. Auch seine exzellenten Vorträge bereicherten das geistige Leben der Gesellschaft, deren Schicksal ihm besonders am Herzen lag. Er diente ihr als Stellvertretender Vorsitzender, verhandelte erfolgreich mit dem Präsidium der Universität und bahnte den Weg für die Übernahme neuer Räumlichkeiten im Gebäude des Forschungsverbunds Normative Ordnungen. Die Aufnahme hervorragender gelehrter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war ihm ein Herzensanliegen, auch hier hatte seine Stimme stets großes Gewicht. Neben seiner Schaffenskraft waren Empathie, Begeisterungsfähigkeit und das Bewusstsein, dass Wissenschaft Verantwortung trägt für den offenen Diskurs mit der Stadtgesellschaft, wesentliche Eigenschaften von Michael Stolleis.“
Prof. Dr. Herbert Zimmermann, Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität

„Mit Michael Stolleis verliert die Goethe-Universität eine ihrer besten Forscherpersönlichkeiten, die weit über ihr eigenes Fachgebiet, die Rechtsgeschichte, hinaus gewirkt hat. Mit seiner unermüdlichen, stets neuen Fragen zugewandten Gesprächsbereitschaft beförderte er wie sonst nur wenige Personen an unserer Universität die interdisziplinäre Kooperation, so im Rahmen der ‚Frankfurter Wissenschaftlichen Gesellschaft', im Sonderforschungsbereich ‚Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel', im Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen' oder im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, zu dessen engagierten Begleitern Michael Stolleis bis heute gehörte. Zu den Problemen, die ihn ein Leben lang beschäftigten, gehörte zentral die Frage nach der Lernfähigkeit des demokratischen Rechtsstaats, deren grundlegende Bedeutung uns gerade heute deutlich vor Augen steht.“
Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität

„‚Wer viele Jahre an der Goethe-Universität unter besten Bedingungen gelehrt und geforscht hat, kann und sollte ihr durch ein Engagement bei den ‚Freunden' verbunden bleiben.'“ – Mit diesem Zitat von Michael Stolleis ist trefflich umschrieben, wie stark der Hochschullehrer mit der Freundesvereinigung der Universität verbunden war. Wir sind sehr traurig. Ich verneige mich vor einem Freund, einem großzügigen Stifter und einem Botschafter der Bürgergesellschaft.“
Prof. Dr. Wilhelm Bender, Vorsitzender des Vorstandes der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt


Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/99204044

Bildtext: Abschied von einem großen Gelehrten: Am 18. März ist Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Stolleis nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. (Bild 1: Foto privat, Bild 2: Foto Uwe Dettmar, Bild 3: Christiane Birr)


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 17 2021
14:02

Auftakt der Reihe „Kontrovers: Aus dem FGZ“ des Frankfurter Standorts des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) an der Goethe-Universität am 25. März 2021

Freiheit und Leben: Wege aus dem Ausnahmezustand? 

FRANKFURT. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist es entscheidend, dass Konflikte nicht vermieden, sondern sozial produktiv ausgetragen werden. Dieser Gedanke begleitet das Projekts „Frankfurt streitet!“ des Frankfurter Standorts des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) an der Goethe-Universität. Das Projekt verfolgt das Ziel, in drei verschiedenen Veranstaltungsformaten die Bedeutung einer Konfliktkultur des produktiven Streits für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu vermitteln und praktisch erlebbar zu machen. Auch zu unterschiedlichen Perspektiven von Wissenschaftler*innen wird im Rahmen des Projekts ein öffentlicher Diskussionsraum geboten. Beim Auftakt der Reihe „Kontrovers: Aus dem FGZ“, in der Themen und Thesen aus der Frankfurter Forschung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu kontroversen Positionen zugespitzt, vermittelt und diskutiert werden, wird die Frage „Freiheit und Leben: Wege aus dem Ausnahmezustand?“ im Zentrum der Debatte stehen.

Nach knapp einem Jahr, in dem die Covid-19-Pandemie und der durch sie hervorgerufene Ausnahmezustand unseren Alltag im Privaten wie im Öffentlichen mitbestimmt, rufen verzögerte Impfstofflieferungen, Lockdown-Verlängerungen und  wieder steigende Inzidenzwerte Unmut und Frust in der Bevölkerung hervor. Viele blicken hoffnungsvoll auf den Sommer und auf ein Ende der Kontaktbeschränkungen sowie damit verbundenen Einschnitten im sozialen oder wirtschaftlichen Bereich. Es scheint, dass Einigkeit darüber herrscht, die Zeit der Pandemie schnellstmöglich hinter sich lassen zu wollen.

Doch welchen Regeln sollte eine solche Rückkehr folgen? Sollten bereits geimpfte Personen individuell ihre durch den Staat eingeschränkten Freiheiten zurückerlangen, oder gilt es vielmehr ein No-Covid-Ziel gemeinschaftlich zu verfolgen, bei dem die Aufhebung von Beschränkungen an konkrete Meilensteine geknüpft sind? Können mit einer sinkenden Infektionsrate Freiheitseinschränkungen überhaupt noch gerechtfertigt werden, oder sind sie gar zum Schutz der Bürger*innen weiterhin erforderlich und wenn ja, wie lange? Welche Rolle spielt dabei das Verhältnis von Recht auf Schutz durch den Staat zu dem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben?

Darüber diskutieren am 25. März ab 18.30 Uhr Prof. Dr. Uwe Volkmann, Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt und Mitglied des FGZ, und Prof. Dr. Elvira Rosert, Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbes. Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) sowie Co-Autorin des No-Covid-Strategiepapiers. Moderieren wird die Diskussion zu der hochaktuellen und durchaus polarisierenden Frage Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität Frankfurt, eine der drei Sprecher*innen des FGZ und Co-Sprecherin des Forschungsverbunds Normative Ordnungen der Goethe-Universität.

Die Diskussion findet online via Zoom statt. Eine Anmeldung an veranstaltungen-fgz@uni-frankfurt.de ist erforderlich. Die Logindaten werden nach Anmeldung übermittelt.

Informationen zur Veranstaltung:
https://www.normativeorders.net/de/feed/8098-freiheit-und-leben-wege-aus-dem-ausnahmezustand  

Ansprechpartnerin: 
Rebecca Caroline Schmidt, Administrative Geschäftsführerin Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, c/o Forschungsverbund "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität, 069 798-31401, rebecca.schmidt@em.uni-frankfurt.de; www.fgz-risc.de   

 

Mär 12 2021
09:18

Modelle rechnen direkten Einfluss des Menschen heraus

Klimawandel verändert Abflussmenge von Flüssen

Die Wassermengen in Flüssen haben sich in den letzten Jahrzehnten weltweit stark verändert. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Goethe-Universität Frankfurt konnte nun belegen, dass der Klimawandel dafür eine entscheidende Rolle spielt. Die Leitung des Projekts lag bei der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. (Science, DOI 10.1126/science.aba3996)

FRANKFURT. Der Klimawandel beeinflusst den Wasserhaushalt der Erde: Je nach Region und Jahreszeit kann er zu mehr Überschwemmungen oder Dürren führen und sich auch auf die Wassermengen in Flüssen auswirken. Die Abflussmengen sind ein wichtiger Indikator für die Wasserressourcen, die Mensch und Umwelt zur Verfügung stehen. Wieviel Wasser regional verfügbar ist, hängt auch von weiteren Faktoren wie direkten Eingriffen in den Wasserhaushalt oder der Landnutzung ab: Wird beispielsweise Wasser zur Bewässerung abgezweigt, ändert sich die Landnutzung etwa durch Abholzung oder Aufforstung von Wäldern oder werden Staudämme gebaut, verändert dies ebenfalls die Wassermenge in Flüssen.

Wie stark sich die Abflussmengen in verschiedenen Weltregionen während der letzten Jahrzehnte verändert haben, wurde bisher auf globaler Ebene noch nicht anhand von konkreten Messdaten untersucht. Ebenso war die Frage, ob global sichtbare Veränderungen auf den Klimawandel oder auf den direkten Einfluss den Menschen zurückzuführen sind, bislang nicht geklärt.

Nun ist es einem internationalen Forschungsteam unter Leitung von Forschenden der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich gelungen, den Einfluss dieser Faktoren aufzuschlüsseln. Dazu analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von 7250 Durchfluss-Messstationen weltweit. Die Studie, die nun in der Fachzeitschrift Science erschienen ist, belegt: Wie viel Wasser Flüsse führen, hat sich zwischen 1971 und 2010 stark verändert. Es zeigen sich komplexe Muster: Manche Regionen sind trockener geworden, etwa der Mittelmeerraum, das südliche Afrika oder der Nordosten Brasiliens. Anderswo hingegen nahmen anderswo die Wassermengen zu, zum Beispiel in Skandinavien.

Suche nach den Ursachen

Wie es zu diesen Veränderungen kam, untersuchten die Forschenden in Computersimulationen, die sie im Rahmen des internationalen Klimaforschungsnetzwerks ISIMIP mit dem Ziel durchführten, mögliche Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen. Sie verwendeten insgesamt neun globale hydrologische Modelle, in die sie Klimadaten aus dem untersuchten Zeitraum einspeisten (1971 bis 2010). Eines der Modelle betreute federführend Dr. Hannes Müller Schmied von der Goethe-Universität Frankfurt und dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. „Modellrechnungen sind für die Interpretation von gemessenen Daten und für die Berechnung von verschiedenen Szenarien sehr wichtig“, erklärt der Frankfurter Geograph, „denn wir können quasi mit einem Schalter den Einfluss des Klimawandels und die direkten Einflüsse des Menschen ein- und ausschalten und die Ergebnisse mit den gemessenen Daten vergleichen.“

Die Ergebnisse der Modellrechnungen stimmten gut mit der Analyse der Flussmessdaten überein. «Das heißt, dass die klimatischen Bedingungen die beobachteten Trends erklären können», sagt Lukas Gudmundsson, Klimaforscher an der ETH Zürich und Erstautor der Studie. In einem zweiten Durchgang schlossen die Forschenden in ihre Simulationen zusätzlich direkte menschliche Veränderungen ein, um den Einfluss dieser Faktoren zu untersuchen. Das Ergebnis änderte sich dadurch jedoch nicht. Veränderungen in der Wasser- und Landnutzung sind also offenbar nicht die Ursache für die globalen Veränderungen in Flüssen. 

Gewässermanagement und Landnutzung können zwar lokal zu großen Schwankungen der Abflüsse führen. «Uns ging es aber nicht um lokale, sondern um globale Trends, die über längere Zeiträume sichtbar werden», sagt Gudmundsson. Deshalb betrachteten die Forschenden nicht isoliert die Daten einzelner Messstationen, sondern fassten diese für die Analyse zu größeren, subkontinentalen Regionen zusammen. Dadurch wurde es möglich, den Einfluss des Klimawandels in den Daten zu erkennen.

Einfluss der Treibhausgase

Die Rolle des Klimawandels konnten die Forschenden mit der sogenannten Attributions-Methode untermauern: Sie verglichen ihre Messdaten mit Simulationen von Klimamodellen, die einmal mit den menschengemachten Treibhausgasen berechnet wurden und einmal ohne diese. Im ersten Fall stimmte die Simulation mit den tatsächlichen Daten überein, im zweiten Fall jedoch nicht. Ohne den Klimawandel hätte es die beobachteten Veränderungen also wahrscheinlich nicht gegeben.

Die Studie ist die erste, die mit Messdaten nachweist, dass der Klimawandel einen global sichtbaren Einfluss auf das Fließgewässer hat. «Dies war nur durch die gute Zusammenarbeit der beteiligten Forschenden und Institutionen aus zwölf verschiedenen Ländern möglich», betont Gudmundsson. Auch die gesammelten Daten von den 7250 Messstationen weltweit waren ein Gemeinschaftswerk: Die Forschenden trugen sie mit australischen Kollaborationspartnern in einer Vorgängerstudie zusammen. Sie bilden den größten weltumspannenden Datensatz zum Wasserabfluss in Flüssen, der heute verfügbar ist.

„Dank der Modelle können wir nun verlässliche Szenarien berechnen, wie sich große Flüsse unter dem Einfluss des Klimawandels künftig weiter verändern werden“, meint Hannes Müller Schmied. Solche Projektionen werden für betroffene Regionen eine wichtige Planungsgrundlage darstellen, um die Wasserversorgung sicherzustellen und sich an den Klimawandel anzupassen.

Publikation: Lukas Gudmundsson, Julien Boulange, Hong X. Do, Simon N. Gosling, Manolis G. Grillakis, Aristeidis G. Koutroulis, Michael Leonard, Junguo Liu, Hannes Müller Schmied, Lamprini Papadimitriou, Yadu Pokhrel, Sonia I. Seneviratne, Yusuke Satoh, Wim Thiery, Seth Westra, Xuebin Zhang, Fang Zhao: Globally observed trends in mean and extreme river flow attributed to climate change. Science https://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.aba3996

Weitere Informationen
Dr. Hannes Müller Schmied
Institute für Physikalische Geographie
Goethe-Universität Frankfurt
und
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel.: +49 69 798-40216
hannes.mueller.schmied@em.uni-frankfurt.de
http://www2.uni-frankfurt.de/45217668/dl


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 11 2021
11:03

Studierende der Goethe-Universität präsentieren im Internet eine Sammlung von Tithu-Figuren aus Arizona

Hopi-Schnitzkunst als Online-Ausstellung

Die virtuelle Ausstellung „Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg“ zeigt die Vielfalt spiritueller Figuren aus der Tradition der Hopi. Erarbeitet haben die Schau Studierende der Goethe-Universität in einem interdisziplinären Lehrprojekt im Sommersemester 2020. Unter durch Corona deutlich erschwerten Bedingungen haben sie eine private Sammlung aus der Schweiz für das Publikum aufbereitet.

FRANKFURT. Manche sehen aus wie Adler im Menschengewand, manche wie bunt behangene Außerirdische. Eine Art Clown mit Kopf und Körper einer Biene schleckt an einem Lutscher. Ein überdimensionierter Kopf ist von Kaktusblättern umkränzt. – Die Phantasie der Hopi beim Schnitzen ihrer sogenannten Katsina-Puppen scheint grenzenlos zu sein. Und doch wiederholen sich bestimmte Themen und Figuren, deren spirituellen Vorbildern bestimmte Funktionen rund um das Thema Wasser und Fruchtbarkeit zugewiesen sind. Das Spektrum umfasst ungefähr 300 immer wiederkehrende Katsinam, doch verändert sich diese Zahl stetig. Wer sich ein Bild davon machen möchte, kann sich unter www.diewanderer.info die Ausstellung „Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg“ ansehen. Studierende der Kunstgeschichte und der Ethnologie haben im Rahmen eines Lehrprojekts eine Schweizer Sammlung aufgearbeitet.

Die virtuelle Ausstellung ist im Sommersemester 2020 entstanden – unter widrigen Bedingungen: Wegen der Pandemie konnten sich die Studierenden nur online besprechen; ein Besuch von Mitgliedern des Hopi-Stammes in Frankfurt musste abgesagt werden; und auch die bereits organisierte Exkursion nach Zürich fand nicht statt. Die 18 Studierenden, angeleitet durch den Ethnologen Dr. Markus Lindner und die Kunsthistorikerin Dr. Hilja Droste (inzwischen an der Universität Bonn) machten das Beste daraus und befassten sich intensiv mit dem Material, das ihnen vom Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich (NONAM) zur Verfügung gestellt worden war: Bilder und Informationen zu den knapp 200 so genannten Katsina-Puppen aus der Sammlung Antonio und Christin Ferretti, die die Hopi selbst als tithu (Singular tihu) bezeichnen. 30 Jahre lang haben die Ferrettis, die viele Jahre in Nordamerika lebten, die kleinen und größeren Skulpturen den Hopi-Künstlern abgekauft. Dann übergaben sie die wertvolle Sammlung dem Zürcher Museum.

Die Tithu, die von Hopi-Künstlern in Arizona aus dem Wurzelholz der Amerikanischen Pappel geschnitzt werden, dienten bis ins späte 19. Jahrhundert ausschließlich als zeremonielle Geschenke für Mädchen. Sie stellen spirituelle Wesen (Katsinam) dar, die im Lauf des zeremoniellen Jahreszyklus zu den Hopi kommen, um durch ihre Gebete und Tänze für Niederschlag zu sorgen und somit für eine erfolgreiche Ernte. Diesen Jahreszyklus der Tänze und Rituale lernen die Mädchen anhand der Puppen, während Jungen direkt in die Zeremonien eingeführt werden. Die Figuren erscheinen in unterschiedlicher Ausführung, je nach Stil und Zeit, in der sie entstanden sind.

Im späten 19. Jahrhundert wuchs das Interesse von Ethnologen und Touristen an den bunten Skulpturen und ihrer rituellen Bedeutung, so dass diese bald intensiv gesammelt wurden. Auch für den Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg, der 1895/96 die USA bereiste, wurde die Kultur der Hopi prägend für sein späteres Schaffen. Zur selben Zeit entwickelten viele internationale Künstler wie André Breton, Max Ernst und Marcel Duchamp ein großes künstlerisches Interesse Teil in ihren Werken abbildeten. Die Ausstellung im Internet zeigt zum einen die Figuren der Sammlung, die ausführlich eingeordnet und beschrieben sind. Zum anderen wird auch die Bedeutung Aby Warburgs skizziert. Warburg wird häufig auch als „Wanderer zwischen den Welten“ bezeichnet – ähnlich wie die Katsinam für die Hopi die Menschen waren, die für die Zeremonien von der spirituellen in unsere Welt wandern. Der Begriff des Wanderers im Titel verweist außerdem auch auf die „Wanderung“ der Tithu, der zeremoniellen Objekte, die als Kunstwerke in die westliche Welt eingewandert sind. 

Die Ausstellung steht zunächst unbefristet online zur Verfügung. Das Schweizer Museum NONAM, wo man von der Arbeit der Studierenden sehr begeistert ist, hat jedoch bereits Interesse signalisiert und plant die Webseite künftig in ihre Dauerausstellung zu integrieren. Derweil widmen sich Dr. Markus Lindner und Dr. Hilja Droste der Erstellung einer Onlinepublikation, zudem sollen alle Texte noch ins Englische übersetzt werden.

Das Projekt wurde durch den Förderfonds Lehre und durch das Projekt Starker Start ins Studium unterstützt.

Die Ausstellung finden Sie unter folgendem Link: www.diewanderer.info

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/98488779

Bildtext:
Bild 1: Clowns wie dieser mit dem Aussehen einer Biene sollen die Hopi für ihre Fehler sensibilisieren und inakzeptables Verhalten beleuchten. Sie sind Teil verschiedener Zeremonien und dienen besonders in den Pausen als Unterhaltung. (Foto: Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich)
Bild 2: Yung'a, der Opuntienfrucht-Katsina, erschien kurz vor dem Jahr 1900. Seine Aufgabe war unter anderem die Reinigung von Quellen. Die Kreuze an seinem Kopf und Oberkörper stellen Sterne dar. (Foto: Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich)
Bild 3: Diese stattliche Figur ist mehr als 50 Zentimer hoch. Sie zeigt eine Polimana (Schmetterlingsmädchen), die weibliche Begleitung der Polìitaqa-Katsinam beim Schmetterlingstanz. (Foto: Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich)
Bild 4: Screenshot der virtuellen Ausstellung „Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg“. (Foto: Lindner)

Weitere Informationen
Dr. Markus Lindner
Institut für Ethnologie
Goethe-Universität
m.lindner@em.uni-frankfurt.de

Dr. Hilja Droste
Kunsthistorisches Institut
Universität Bonn
hdroste@uni-bonn.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 11 2021
09:49

Der studentische Podcast „Podcasting Populism“ gibt die aktuellen Diskussionen über einen umstrittenen Gegenstand wieder

Was genau ist Populismus?

Es gibt ihn von rechts, es gibt ihn von links, aber gibt es ihn auch aus der Mitte der demokratischen Gesellschaft? Vom „Populismus“ ist in diesen Tagen häufig die Rede, aber was genau sich dahinter verbirgt und welche Ausprägungen es gibt, dem wollten Studierende der Goethe-Universität auf den Grund gehen. Die Ergebnisse haben sie in einem sechsteiligen Podcast veröffentlicht.

FRANKFURT. Wer den Klimawandel leugnet, Migranten die Schuld an Arbeitslosigkeit zuschiebt oder gar an der Grenze auf Frauen und Kinder schießen lassen will, ist nach Meinung vieler Menschen ein Populist. Es gibt populistische Parteien, Bewegungen und Aktionen in den sozialen Netzwerken. Doch was genau macht Populismus aus? Wie wirkt er? Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ist das alles andere als klar. Im Seminar „Populismus als soziales Phänomen – aktuelle Diskussionen über einen strittigen Gegenstand" haben sich Studierende zusammen mit dem Seminarleiter Dr. Frieder Vogelmann dem Begriff angenähert und dazu einen Podcast produziert.

In sechs Folgen haben sie das Thema aufgefächert und die Teilaspekte in Kleingruppen bearbeitet. Sie haben sich mit Literatur beschäftigt und Interviews mit einschlägig Forschenden geführt. Das Ergebnis ist nachzuhören unter https://anchor.fm/podcasting-populism, wöchentlich wird eine Folge hochgeladen.

Ist der Populismus Sargnagel des demokratischen Zusammenlebens oder ein Korrektiv für in die Jahre gekommene Demokratien? Diese sehr grundsätzliche Frage schwebt über den sechs Beiträgen, in denen es zum Beispiel um das Verhältnis von Populismus und Demokratie, um Populismus auf Social Media, um Abstiegsängste, „Querdenken“ geht. Gesprächspartner in der ersten Folge ist unter anderem Prof. Dr. Dirk Jörke vom Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt. Die Soziologin und Politikwissenschaftlerin Verena Stern beantwortet in der zweiten Folge Fragen zum Spannungsfeld der Corona-Demos („Zwischen Existenzängsten, Freiheitsideologien und Verschwörungsmythen“) und spricht über ideologische Allianzen und die Handlungsoptionen der Politik. 

In der dritten Folge des Podcasts werden Paradoxien des Populismus diskutiert und die Frage erörtert, ob es sich um Tatsachen oder Mythen handelt. Die vierte Folge ist der sozialräumlichen Perspektive gewidmet: Gibt es „Geographien des (Rechts-)Populismus? Folge Nummer fünf beleuchtet das Phänomen, dass die etablierten Parteien während der Corona-Krise an Zustimmung gewonnen haben. Bedeutet das zugleich einen Rückzug des Populismus? Und wie wäre das zu erklären? Populismus ist gewiss kein neues Phänomen, aber wie sieht die moderne Erscheinungsform in Zeiten der Digitalisierung aus? Darum geht es in der sechsten und letzten Folge von Podcasting Populismus: Wie agieren Populistinnen und Populisten in sozialen Medien? Welche Strategien verwenden sie, um ihre Standpunkte unter die Menschen zu bringen?

80 Studentinnen und Studenten haben am Seminar teilgenommen, es gab verschiedene Möglichkeiten des Leistungsnachweises. Unter den 20 Studierenden, die sich dafür entschieden haben, zusätzlich zur Seminararbeit eine Podcastfolge zu produzieren, war auch Edith Schönig, die den Masterstudiengang internationale Beziehungen absolviert. „Die Inhalte in einem Podcast zu erarbeiten, das war sehr kreativ und hat viel Spaß gemacht“, sagt die 24-Jährige. Natürlich habe sie viel über Populismus gelernt – zum Beispiel, dass er nicht zwangsläufig undemokratisch sei –, aber dazu auch noch Gesprächsführung und Schnitttechnik.

Link zum Podcast: https://anchor.fm/podcasting-populism

Bild zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/98736323

Bildtext: Studierende am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften haben einen Podcast zum Thema Populismus erstellt – eine etwas andere Form des Leistungsnachweises.

Weitere Informationen
Dr. Frieder Vogelmann
Vertretungsprofessor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziologische Theorie und Theoriegeschichte
Telefon +49-(0)69 798-36694
E-Mail vogelmann@soz.uni-frankfurt.de
https://www.frieder-vogelmann.net
Instagram-Kanal zum Projekt: podcasting_populism


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 10 2021
12:57

Befragung von Kindern und Jugendlichen soll Aufschluss geben über die Entstehung von Krankheitsängsten

Und wenn ich krank werde?

Warum fürchten sich manche Menschen besonders vor Krankheiten? Und wie entstehen solche Ängste bereits bei Kindern und Jugendlichen? Eine psychologische Studie an der Goethe-Universität soll neue Erkenntnisse liefern. Für die Teilnahme werden Kinder und Jugendliche mit und ohne solche Ängste gesucht.

FRANKFURT. Krankheitsängste in jungen Jahren stehen im Zentrum des Projekts KaiKiJu (Krankheitsangst im Kindes und Jugendalter) am Zentrum für Psychotherapie an der Goethe-Universität: Wo liegen die Ursachen? Wie kann die Diagnostik anhand von wissenschaftlich geprüften Fragebögen verbessert werden? Und wie haben sich existierende Krankheitsängste in der Zeit der Pandemie verändert? Dazu werden Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 19 Jahren mit stärker ausgeprägten Krankheitsängsten und Kinder und Jugendliche mit keinen oder nur geringen Krankheitsängsten befragt.

Doch was genau versteht man unter „Krankheitsängsten“? „Menschen mit Krankheitsängsten“, erklärt Studienleiterin Vera Özak, „leiden besonders unter stark ausgeprägten Ängsten und Sorgen hinsichtlich ihrer Gesundheit und führen teilweise übertriebene gesundheitsbezogene Verhaltensweisen aus. Zum Beispiel gehen sie sehr häufig zum Arzt, um ihren Gesundheitszustand überprüfen zu lassen“. Wenig bekannt ist bislang jedoch über die Entwicklung und den Verlauf von Krankheitsängsten im Kindes- und Jugendalter. Zahlreiche Studien insbesondere aus dem Erwachsenenbereich deuten jedoch darauf hin, dass Krankheitsängste ihren Ursprung bereits im Kindesalter haben könnten.

Das Projekt KaiKiJu hat deshalb verschiedene Ziele: Zum einen sollen die Gründe für das Entstehen von Krankheitsängsten erforscht werden. Zum anderen soll die wissenschaftliche Qualität bereits vorhandener Fragebögen für die Diagnose von Krankheitsängsten im Kindes- und Jugendalter überprüft werden. Dazu will das Team Kinder und Jugendliche mit stärker ausgeprägten Krankheitsängsten und Kinder und Jugendliche mit keinen oder nur geringen Krankheitsängsten miteinander vergleichen. Außerdem soll untersucht werden, ob und wie sich Krankheitsängste bei Kindern- und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie verändern.

Für die Erhebung wurden verschiedene Fragebögen zusammengestellt, die u.a. Krankheitsängste, körperliche Symptome, andere Ängste, belastende Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen sowie Stärken und Schwächen erfassen. Außerdem werden Informationen über die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien erhoben. Darüber hinaus erhalten auch die Eltern ein Fragebogenpaket, das sich u.a. auf eigene Belastungen bezieht.

Alle Fragebögen werden online ausgefüllt. Die anonyme Umfrage dauert 40 bis 60 Minuten. Kinder und Jugendliche können entweder allein, gemeinsam mit einem Elternteil und/oder gemeinsam mit einem Geschwisterkind (8-19 Jahre) teilnehmen.

Die Teilnahme an der Studie ist unter den folgenden Links möglich:

Für Kinder und Jugendliche und Geschwister (8-19 Jahre): https://ww3.unipark.de/uc/f_uni_KiJuPsy/55c6/

Für Eltern: https://ww3.unipark.de/uc/f_uni_KiJuPsy/4aef/

Den Flyer finden Sie zum Download unter:
https://www.psychologie.uni-frankfurt.de/97121738/Flyer_KaiKiJu_2021_01_neu.pdf

Weitere Informationen
Prof. Dr. Katajun Lindenberg
Leiterin der Verhaltenstherapieambulanzen für Kinder und Jugendliche
Abteilung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
Goethe-Universität
Telefon +49 (0)69  798 23975
E-Mail lindenberg@psych.uni-frankfurt.de

Dipl.-Psych. Vera Özak
E-Mail oezak@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 10 2021
11:46

Rhein-Main-Forschungsverbund der Universitäten Frankfurt und Mainz untersucht die neuen Player Asien und Afrika

Wie die Digitalisierung die weltweite Kulturproduktion aufmischt

Wenn eine koreanische Boygroup weltweit von Millionen Fans gehört wird, wenn also Filme und Musik digital rund um den Erdball kreisen: was bedeutet dies für die Produktion für Kultur? Und welche Folgen hat das für die Wahrnehmung der regionalen Räume, in denen Kultur entsteht? Diesen Fragen geht ein interdisziplinäres Forschungsteam von Wirtschaftswissenschaften, Afrikanistik, Koreastudien, Sinologie, Ethnologie und Filmwissenschaft nach. Das Projekt von Goethe-Universität und Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird jetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für drei Jahre mit 2,1 Millionen Euro gefördert.

FRANKFURT. Es war ein nigerianischer Händler von Heimvideorekordern mit seiner Amateurkamera, der Anfang der neunziger Jahre den weltweiten Filmmarkt in Bewegung brachte: Um den Verkauf der Rekorder anzukurbeln, drehte der Händler kurzerhand einen Film. Der eigenproduzierte Thriller „Living in Bondage“ verkaufte sich überraschend eine Dreiviertelmillion Mal und fand prompt zahlreiche Nachahmer. Nahezu aus dem Nichts entstand in Nigeria in den folgenden Jahren eine Filmindustrie, die heute – nach Indien –  zu den zweitproduktivsten der Welt zählt. „Der Aufstieg von Nigeria und die globalen Erfolge von koreanischen Filmen, TV-Serien und Popbands im neuen Jahrtausend verändern die Landschaft der Kulturproduktion, aber auch der Rezeption grundlegend“, so der Frankfurter Filmwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Hediger, der das neue Forschungsprojekt leitet.

Ausgelöst wird die neue Weltordnung der Kulturproduktion durch die Digitalisierung. Dabei interessiert die Frankfurter und Mainzer Wissenschaftler:innen, inwieweit die neuen Kulturindustrien mit überregionaler Reichweite zum Faktor wirtschaftlicher Entwicklung ihrer Herkunftsregionen werden. Und sie fragen nach der Bedeutung von Region und Herkunft der Kulturschaffenden: „Noch offen ist“, sagt die Frankfurter Management-Forscherin Prof. Dr. Cornelia Storz, „ob Unternehmer in digitalen Industrien vielleicht noch mehr als früher von lokalen Ressourcen abhängig sind“. Dabei ist vor allem von Interesse, wie sie ihr kulturelles Erbe variieren und in immer neue, auch globale Kontexte einbinden.

Diesen Fragen geht das interdisziplinäre und internationale Forschungsprojekt anhand einer Reihe von Fallstudien zu Musik und Film in Afrika und Asien nach. Eine besondere Rolle spielt dabei das Archiv der Musik Afrikas (AMA) an der JGU Mainz - eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Aufzeichnungen afrikanischer Musik des 20. Jahrhunderts. Für die Teilprojekte, die sich mit Musik befassen, stellt das AMA eine unschätzbare Quelle dar – wie etwa für die Erforschung der als ‚Afrobeats' vermarkteten nigerianischen Popmusik, die unterschiedliche Genres auf neuartige Weise verbindet. „Auch im Globalen Norden hat sie bereits prominente Fans gefunden“, erklärt der Mainzer Ethnologe Prof. Dr. Matthias Krings, „darunter Beyoncé, die mit ihrem visuellen Album ‚Black is King' 2020 auch deshalb für Furore sorgte, weil es Gastauftritte von Afrobeats-Stars wie Burna Boy, Wizkid, Tiwa Savage und Yemi Alade enthält“.

Die Projektteile, die sich mit Asien befassen und dort etwa die globale Zirkulation und Rezeption zeitgenössischer koreanischer Populärkultur beleuchten, profitieren von engen Beziehungen zu außeruniversitären Partnern wie dem Koreanischen Filmarchiv.

Das Teilprojekt zu Taiwan richtet den Fokus auf das Kaohsiung Film Festival und seine Beziehungen zur koreanischen Filmproduktion. In Nigeria schließlich kooperiert das Projekt mit dem Nollywood Study Center der Pan Atlantic University in Lagos, einem film- und medienwissenschaftlichen Forschungsinstitut mit engen Beziehungen zur nigerianischen Film- und Musikindustrie.

Das BMBF-Förderprojekt bringt die Regionalstudien-Zentren im Rhein-Main-Universitätsverbund erstmals in einem interdisziplinären Forschungsauftrag zusammen – an der Goethe-Universität das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Ostasienstudien (IZO) und an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz das Zentrum für Interkulturelle Studien (ZIS).

Das Forschungsprojekt stärkt die Regionalstudien im Rhein-Main-Universitätsverbund außerdem durch eine enge Verknüpfung mit der Lehre: die Forschungsergebnisse des Projekts sollen in den Bachelor-Verbund-Studiengang „Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation“ einfließen, der sich gerade im Aufbau befindet.

Bild: http://www.uni-frankfurt.de/98633989
Bildtext: Globale Popstars mit twitter-Fan-Armee: K-Pop Superstars BTS (c) Kim-Hee Chu / dpa

Weitere Informationen

Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt: hediger@tfm.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Cornelia Storz, Professorin für Institutionen- und Innovationsökonomik mit Schwerpunkt Ostasien, Goethe-Universität Frankfurt: storz@wiwi.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Matthias Krings, Professor für Ethnologie und populäre Kultur Afrikas, Johannes Gutenberg-Universität Mainz: krings@uni-mainz.de

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 3 2021
11:28

Gemeinsame Veranstaltung des Hessischen Sozialministeriums und des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität anlässlich des Equal Pay Days

Erhöht Flexibilisierung von Arbeit die Chancen für Frauen?

Der Equal Pay Day erinnert daran, dass Frauen immer noch deutlich weniger verdienen als Männer. In diesem Jahr ist der 10. März als der Termin errechnet worden, im vergangenen Jahr war es noch der 17. März. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen statistisch gesehen umsonst, während Männer vom 1. Januar an für ihre Tätigkeit bezahlt werden. Doch in Hessen gibt es Licht am Horizont. Darüber informieren das Hessische Sozialministerium und das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität bei der Präsentation des Hessischen Lohnatlas.

„Arbeitgeberattraktivität durch Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern – der wichtige Beitrag der Hessischen Wirtschaft zur Geschlechtergerechtigkeit“ – unter diesem Titel laden die Staatssekretärin des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration und das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität

am Mittwoch, 17. März, von 9:30 bis 12 Uhr
zu einer virtuellen Konferenz

ein.

In Hessen beträgt die Lohnlücke gemäß dem Hessischen Lohnatlas im Jahr 2018 noch immer 11,9 Prozent. Allerdings wird die Lücke langsam aber stetig geringer. Seit 2012 hat die Differenz zwischen männlichen und weiblichen Einkommen um 4 Prozentpunkte abgenommen. „Dies ist eine sehr erfreuliche Entwicklung“, stellt Staatsekretärin Anne Janz fest, die auch das Grußwort spricht.

Bei der Veranstaltung geht es darüber hinaus auch um einen Blick auf die aktuelle Lage: Hat Corona für die Frauen beruflich eher Rückschläge gebracht? Oder können sie die während der Pandemie erfolgte Flexibilisierung sogar zu ihrem Vorteil nutzen? Und führt dies zu einer weiteren Verringerung der Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen? Damit würde die Pandemie einen Impuls setzen für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Aber wie müsste man dann die Weichen stellen für die Zeit danach?

Bei der Konferenz werden Befunde aus der einschlägigen Arbeitsmarktforschung, Erfahrungen aus Betrieben und Daten aus dem bereits 2020 veröffentlichen Hessischen Lohnatlas sowie Aktivitäten des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration zur Verbesserung der Entgeltgleichheit vorgestellt:

Die Arbeitsmarktforschung zeigt, dass sich Arbeit für viele Beschäftigte während der Pandemie wesentlich verändert hat. Zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten wird tagtäglich von vielen gelebt, die im Homeoffice tätig sind. „Bei manchem Arbeitgeber entsteht die Erkenntnis, dass die Arbeitsergebnisse nicht schlechter als vor der Pandemie sind und dass Führung auf ‚Distanz' gut möglich ist“, stellt Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK fest.  Lange Zeit wenig hinterfragte Annahmen kommen ins Wanken, denn feste Arbeitszeiten in Präsenz stellen nicht mehr die notwendige Voraussetzung für optimale Arbeitsergebnisse dar. Von diesem Umdenken können vor allem diejenigen Beschäftigten profitieren, die diese Flexibilität benötigen, um ihre familiären und beruflichen Anforderungen gut miteinander zu vereinbaren. Dies trifft in der Praxis vor allem auf Frauen zu. Relevant ist das Umdenken auch in Bezug auf Karrierefragen. Bisher waren Präsenz vor Ort im Betrieb und feste Arbeitszeiten Voraussetzungen dafür. Dementsprechend hatten Frauen, die mehr Flexibilität zur Vereinbarkeit benötigen, oft das Nachsehen, auch finanziell. „Zudem sehen wir während der Pandemie, dass sich die Arbeitsteilung bei hochqualifizierten Paaren zu Hause günstig entwickelt. Männer übernehmen während des Homeoffice mehr familiäre Verpflichtungen als vor der Pandemie“, sagt Dr. Claudia Globisch vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, die bei der Konferenz vortragen wird. Veränderung der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen begünstigt zudem die stärkere Teilhabe von Frauen an Erwerbsarbeit und eine Verbesserung ihrer Entgeltsituation.  

Aus Sicht von Betrieben hat der Wandel noch andere Gründe. Darüber sprechen die Vertreter von Adobe Systems, Salesforce und PwC: Der Fachkräftemangel ist während der Pandemie bei vielen nicht kleiner geworden. „Wir brauchen gerade jetzt mehr Fachkräfte und wollen unsere sehr gut ausgebildeten Beschäftigten halten“, sagt Frank Rohde von Adobe Systems: „Im Wettbewerb um Fachkräfte müssen wir als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen werden – ein Baustein dafür ist gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, aber auch die Möglichkeit, seine Arbeitszeit flexibel und mobil zu gestalten.“ Nina Gohlke von Salesforce bestätigt: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das sollte heute eine Selbstverständlichkeit sein. Wir überprüfen unsere Gehaltsstrukturen regelmäßig, um dies sicherzustellen. Gleiche Aufstiegschancen für Frauen und Männer sowie Entgeltgleichheit sind nicht nur im Sinne der Chancengleichheit relevant, sondern auch nötig, um als Arbeitgeber attraktiv für die besten Talente zu sein!“

Auch in vielen anderen Branchen und der öffentlichen Verwaltung werden Entgeltanalysen durchgeführt, um zunächst Transparenz zur Entgeltlage zu schaffen. „Das ist ein erster Schritt, der nicht selten bei dem einen oder anderen betrieblichem Entscheider zu einigem Erstaunen geführt hat“, berichten Pia Müller-Pleines und David Nowacki von PwC, die über Erfahrungen aus der Equal Salary-Zertifizierung verfügen. Der Transparenz folgen Maßnahmen, deren Ergebnisse regelmäßig beobachtet werden.

Dass die Entgeltlücken zwischen Frauen und Männern trotz alledem noch groß sind, verdeutlicht der Hessische Lohnatlas, der im vorigen Jahr in der zweiten Ausgabe erschienen ist und die Jahre 2012 bis 2018 umfasst. Besonders deutliche Lücken gibt es im Mittelstand und in Betrieben mit hohem Altersschnitt. „Wir zeigen mit dem Lohnatlas auf, wo die Betriebe in Hessen stehen und dass der Handlungsbedarf noch sehr groß ist“, stellt Staatssekretärin Anne Janz fest.  Ein wichtiges Ziel der Landesregierung ist die Verbesserung der Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern in Hessen. Der Austausch bei der geplanten Veranstaltung wird wichtige Impulse setzen, gerade um die Chancen, die sich während der Pandemie ergeben, zu nutzen. Als weitere Aktivitäten in diesem Jahr sind der Dialog der Sozialpartner aus den größten Branchen in Hessen vorgesehen und die Vorstellung und Diskussion der Befunde aus dem Lohnatlas in den Regionen vor Ort. „Wir haben viel vor und wollen einen lebendigen Diskurs im Land gestalten. Damit wir die neuen Chancen für Frauen gut nutzen“, betont Staatssekretärin Anne Janz.

Der Hessische Lohnatlas wird vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität erstellt. Dort finden kontinuierlich Forschungsbefunde Eingang. Über Veranstaltungen und Vorträge wird ein Diskurs mit der Praxis aus der Universität heraus gepflegt. „Dieser gelebte Wissenstransfer macht einen Unterschied“, meint Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident für Third Mission der Goethe-Universität.

Publikation: Den Hessischen Lohnatlas finden Sie zum Download unter dem folgenden Link: http://www.hessischer-lohnatlas.de und das Konferenzprogramm unter https://hessenlink.de/wNBk7)

Anmeldungen sind noch möglich unter lohnatlas@iwak-frankfurt.de

Weitere Informationen
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de
www.iwak-frankfurt.de/projekt/hessischer-lohnatlas/

Ein Interview mit Dr. Christa Larsen finden Sie unter: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/equal-pay-day-die-pandemie-ist-auch-eine-superchance/

 

Feb 26 2021
09:05

Gruppierungen von Rezeptoren können dieselbe Wirkung wie Bindung eines Signalmoleküls haben – Rezeptorcluster können Zellbewegungen lenken

Zellbiologie: Signalübertragung ohne Signal 

Wenn wir riechen, schmecken oder sehen oder wenn Adrenalin durch unsere Adern rauscht, werden diese Signale von unseren Zellen über eine bestimmte Gruppe von Empfänger-Proteinen empfangen, den sogenannten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Die Rezeptoren geben die Signale ins Zellinnere weiter. Dass solche Rezeptoren auch Signale produzieren können, obwohl ein äußerer Stimulus fehlt, haben jetzt Biochemikerinnen und Biochemiker der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Leipzig herausgefunden: Es reicht bei manchen Rezeptoren offenbar aus, wenn viele von ihnen an der Zelloberfläche eng zusammenrücken. (Science, doi/10.1126/science.abb7657)

FRANKFURT. Unser Körper besteht aus 100 Billionen Zellen, die miteinander kommunizieren, Signale aus der Außenwelt empfangen und darauf reagieren. Eine zentrale Rolle in diesem Kommunikationsnetz spielen Empfänger-Proteine, sogenannte Rezeptoren, die in der Zellmembran verankert sind. Dort empfangen sie Signale und leiten sie ins Zellinnere weiter, wo die Reaktion der Zelle ausgelöst wird.

Beim Menschen stellen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPC-Rezeptoren) mit rund 700 verschiedenen Typen die größte Gruppe dieser Empfängermoleküle. Im Fokus der Forschung der Frankfurter und Leipziger Wissenschaftler:innen stand ein GPC-Rezeptor, der in Zellen als Empfänger für das Neuropeptid Y dient und entsprechend Y2-Rezeptor genannt wird. Neuropeptid Y ist ein Botenstoff, der vor allem Signale zwischen Nervenzellen vermittelt, daher treten Y2-Rezeptoren vorwiegend in Nervenzellen auf und lösen die Bildung neuer Zellverbindungen aus.

Im Labor züchteten die Forscher:innen Zellen, die je rund 300.000 Y2-Rezeptoren an ihrer Oberfläche hatten und auf eigens entwickelten, mit Licht adressierbaren Matrizen wuchsen. Jeder der Y2-Rezeptoren war mit einem kleinen molekularen „Etikett“ versehen. Erzeugten die Wissenschaftler:innen nun mit einem feinen Laserstrahl einen Lichtpunkt auf der Zelle, so verbanden sich unter diesem Spot die Y2-Rezeptorfortsätze derart mit der belichteten Matrize, dass die Y2-Rezeptoren eng zu einer Gruppe zusammenrückten und einen sogenannten Cluster bildeten. Das Ganze passierte unmittelbar an Ort und Stelle und innerhalb weniger Sekunden.

Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität Frankfurt erklärt: „Das Erstaunliche an diesem Experiment ist, dass das Clustern der Rezeptoren ein Signal auslöst, das ähnlich dem von Neuropeptid Y ist. So konnten wir alleine durch diese Clusterbildung Zellbewegungen als Reaktion der Zelle auslösen. Durch die Laserspots konnten wir sogar steuern, in welche Richtung sich die Zelle bewegen soll.“ Weil die eingesetzten lichtempfindlichen Moleküle im Vergleich zu den Rezeptoren sehr klein sind, ist die Organisation der Rezeptoren in der Zellmembran mit dem Laserspot hoch präzise steuerbar. „Damit ist diese nicht-invasive Methode besonders gut geeignet, um die Auswirkungen des Rezeptorclusterings in lebenden Zellen zu untersuchen“, so Tampé weiter. „Mit diesem Verfahren lassen sich spannende wissenschaftliche Fragen verfolgen, zum Beispiel, wie Rezeptoren in Netzwerken organisiert sind und wie im Gehirn neue Schaltkreise entstehen.“


Publikation: M. Florencia Sánchez, Sylvia Els-Heindl, Annette G. Beck-Sickinger, Ralph Wieneke, Robert Tampé: Photo-induced receptor confinement drives ligand-independent GPCR signaling. Science abb7657
DOI: 10.1126/science.abb7657; https://science.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/science.abb7657

Bild / Video zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/98160408
Bildtext: Laserspots aktivieren in einer Matrix sehr kleine synthetische Schlüssel-Schloss-Paare und erzeugen so Rezeptorcluster in der Zellmembran. Diese Liganden-unabhängige Aktivierung löst Kalziumsignale und eine erhöhte Zellbewegung aus. (Copyright: M. Florencia Sánchez & Robert Tampé, Goethe-Universität Frankfurt).

http://www.uni-frankfurt.de/98150564
Beschreibung Video: Nach der Bestrahlung mit Laserlicht (weiße Ringe) gruppieren sich in der Zelle die Rezeptoren (hellgrüne Punkte). Die Zelle bewegt sich daraufhin in Richtung der Rezeptorcluster. (Copyright: M. Florencia Sánchez & Robert Tampé, Goethe-Universität Frankfurt). Reprinted with permission from M. F. Sánchez et al., Science 10.1126/science.abb7657(2021).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Robert Tampé
Institut für Biochemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798 29475
tampe@em.uni-frankfurt.de
http://www.biochem.uni-frankfurt.de/

 

Feb 25 2021
14:59

Bildungsdezernentin Weber: „Alltagsintegrierte Sprachförderung kann eine Lücke schließen“ / Initiative der BHF BANK Stiftung 

Fünf Jahre „Sprachentdecker“: Wie Kinder in Kita und Grundschule nebenbei Deutsch lernen

Das Modellprojekt „Sprachentdecker“ unter wissenschaftlicher Federführung der Goethe-Universität zeigt, wie Deutschförderung im Alltag gelingen kann. Die Evaluierung des Projekts bestätigt: Die Methode wirkt nachhaltig. In Pandemiezeiten sind die Fördertechniken auch digital vermittelbar.

FRANKFURT. Kitas und Grundschulen öffnen wieder. Erzieherinnen und Lehrkräfte sehen manche Kinder seit Monaten zum ersten Mal. Wie soll nun all das Versäumte aufgeholt werden? Besonders folgenreich waren die Schließungen für Kinder, die zuhause wenig Unterstützung bekommen – und für mehrsprachige Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist. Sie hatten kaum Kontakt mit der Landessprache.

Hier setzt das Modellprojekt „Sprachentdecker“, eine Initiative von BHF BANK Stiftung, Goethe-Universität und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, an. Pädagogische Fachkräfte, die am Projekt Sprachentdecker teilgenommen haben, verfügen über Strategien, um Kinder beim Deutschlernen im Alltag zu unterstützen. Sie haben gelernt, wie sie Mathematikaufgaben so besprechen können, dass die Kinder dabei auch sprachlich etwas lernen. Sie fordern die Kinder zum Beispiel dazu auf, nicht nur das Ergebnis einer Aufgabe zu nennen, sondern auch zu erklären, wie sie darauf gekommen sind. Dabei geben sie den Kindern Satzmuster vor, die beim Antworten helfen: „Als erstes habe ich...“ „Weil..., muss man ...“. Auch in der Kita regen die Erzieherinnen die sprachliche Entwicklung der Kinder an, indem sie deren Sätze aufgreifen und erweitern. Erzählt ein Kind: „Gestern hab ich Pferd geseht!“ antwortet die Fachkraft z.B.: „Stimmt, gestern haben wir beim Spaziergang ein großes braunes Pferd gesehen, das auf einer Weide stand“. So lernen die Kinder beiläufig richtige und variantenreiche Formulierungsmöglichkeiten im Deutschen.

Vor gut fünf Jahren ist das Projekt „Sprachentdecker - Alltagsintegrierte Sprachförderung in Kita und Grundschule“ in Frankfurt gestartet. Die jetzt von der Erziehungswissenschaftlerin und Doktorandin Christina Graf vorgelegte Evaluierung des Projekts unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Diemut Kucharz (Goethe-Universität, Erziehungswissenschaften) zeigt, dass gezielte und praxisorientierte Fortbildungen und individuell auf die Fragen und den Kenntnisstand von Pädagogen und Pädagoginnen abgestimmte Coachings wirken und die Landschaft bestehender  Sprachförder- und Sprachbildungsangebote sinnvoll ergänzen können.

„Alltagsintegrierte Sprachbildung ist kein Selbstläufer – und passiert nicht von selbst“, sagte Sylvia Weber, Stadträtin und Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt, bei der Präsentation der Evaluationsergebnisse. „Wir brauchen eine gezielte Qualifizierung der Fach- und Lehrkräfte und eine bewusste und langfristige Auseinandersetzung mit Sprache, Mehrsprachigkeit und Sprachförderung in den Teams und Kollegien von Kita und Schule. Gerade die individuellen Coachings des Programms sind hier sehr wertvoll. Vorlaufkurse und Seiteneinsteigerklassen (Intensivklassen) sowie gezielte Angebote für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache allein reichen nicht aus, um Sprachdefizite im Deutschen zu kompensieren und bildungssprachliche Kompetenzen zu entwickeln. Vielmehr müssen alle Fach- und Lehrkräfte, d.h. alle, die die regulären Bildungs- und Lernprozesse gestalten, für eine alltagsintegrierte Sprachbildung und sprachförderliches Verhalten qualifiziert werden.

Das Angebot Sprachentdecker kann hier eine Lücke schließen und andere Angebote wie Vorlaufkurse ergänzen und so die Sprachbildung der Kinder nachhaltig begleiten und fördern.“ Die positiven Ergebnisse der Evaluierung bestätigten dies. „Wenn ich sehe, wie viele Kinder Förderbedarf haben, weiß ich: Wir brauchen mehr Förderung im Regelbetrieb und im Alltag der Kinder. Hierzu leistet ‚Sprachentdecker' einen wertvollen Beitrag“, so Weber weiter.

Der Evaluation zufolge bewirkt „Sprachentdecker“ zum einen, dass Pädagoginnen und Pädagogen in Kita und Schule ihre Kenntnisse über das sprachliche Bildungspotential der Kinder und ihr eigenes Handlungsrepertoire in der Sprachförderung erweitern und einüben. Und zum anderen, dass Kinder ihre sprachlichen Kompetenzen verbessern, wenn Fachkräfte regelmäßig und gezielt alltagsintegrierte Fördertechniken anwenden.

„‚Die Evaluation hat gezeigt, dass Sprachentdecker' und die Techniken der alltagsintegrierten Förderung es den pädagogischen Fachkräften ermöglichen, ihr Wissen über die Sprache zu verbessern und es optimal einzusetzen, wenn sie mit den Kindern interagieren“, sagt Diemut Kucharz, Professorin für Grundschulpädagogik an der Goethe-Universität. „Viele Förderkräfte haben noch kein Instrumentarium, um zu erkennen, was die Kinder schon gut beherrschen und wo Einzelne noch Defizite haben. Hier setzt ‚Sprachentdecker' an: Wir schärfen den Blick der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und komplettieren ihr Repertoire – und das ohne zusätzliche Fördermaßnahmen für die Kinder, sondern integriert in deren Alltag. Die Evaluierung hat gezeigt: Dies ist ein sehr effizienter Ansatz.“  

„Unzureichende Deutschkenntnisse am Ende einer Schullaufbahn verringern die Chancen auf ein gutes Leben. Diese Problematik wollten wir in den Blick nehmen und möglichst früh ansetzen und innerhalb der bestehenden Strukturen effiziente Möglichkeiten der Förderung etablieren“, sagt Sigrid Scherer, Leiterin der BHF BANK Stiftung. „Man muss sich genau anschauen: Wie interagieren Kinder und Förderkräfte? Wie sollten Fehler korrigiert werden, damit Kinder daraus lernen können? Was kann ein Kind aufnehmen, was nicht? Das Projekt hat uns gezeigt, wie groß der Bedarf ist und wie notwendig passgenaue Qualifizierungen und die Coachings sind.“  

„Sprachentdecker“ ist eine Initiative der BHF BANK Stiftung. Das Projekt wurde von der Goethe-Universität und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und mit Unterstützung des Staatlichen Schulamts für die Stadt Frankfurt entwickelt. Seit Projektstart 2016 wurden im Rahmen von „Sprachentdecker“ aus zwölf Kitas und acht Grundschulen insgesamt etwa 100 Fach- und Lehrkräfte fortgebildet. Seit 2019 unterstützt das Projekt auch die nachhaltige Verankerung der Anwendung der Fördertechniken in die Teams und Kollegien der beteiligten Einrichtungen. Qualifizierung von Fachkräften, Sprachförderung im Übergang von Kita und Schule sowie Bildungskooperation mit Eltern – das sind die drei Säulen von „Sprachentdecker“. Insgesamt hat die BHF BANK Stiftung seit 2016 fast 200.000 Euro in das Projekt und die Evaluierung der Angebote investiert.

Bilder sowie Statements und Informationen zum Hintergrund finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/98184209

Bildtext: An der Frankfurter Liebfrauenschule wird das Programm „Sprachentdecker“ im Unterricht angewandt. (Foto: Susanna Kock)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Diemut Kucharz
Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe (WE II)
Goethe-Universität Frankfurt 
Telefon +49 (0)69 798-36266|
E-Mail: kucharz@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 25 2021
11:53

Goethe-Universität lädt in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium zu Online-Vortragsreihe ein – auch die interessierte Öffentlichkeit erhält Zugang

Corona-Wissen kompakt für alle Lehrkräfte

FRANKFURT. Freude über die Rückkehr, aber auch Unsicherheit – die ersten Öffnungsschritte an den Schulen sorgen unter Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern für gemischte Gefühle. Es stellen sich weiterhin wichtige Fragen: Wie gefährlich ist Corona für Kinder und Jugendliche? Was leisten Masken und Schnelltests? Was können Luftreinigungsgeräte – und was können sie nicht? Und wie hilft das Impfen? Eine besondere Online-Vortragsreihe gibt Schulleitungen und Lehrkräften nun Antworten der aktuellen Forschung zu Fragen rund um die Corona-Pandemie. Auch die interessierte Öffentlichkeit erhält nachträglich Zugang zu den aufgezeichneten Vorträgen.

Kurz, prägnant und mit wissenschaftlicher Expertise informieren unter anderen Mediziner, Virologen und Pharmazeuten der Goethe-Universität, welche die sechsteilige Vortragsreihe gemeinsam mit der Goethe-Lehrkräfteakademie und dem Hessischen Kultusministerium veranstaltet.

„Wir haben uns zu dieser Fortbildung entschlossen“, sagt Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, „weil wir es als unsere Aufgabe sehen, wissenschaftliche Erkenntnisse verstehbar und nahbar zu machen. Wir freuen uns, dass die Goethe-Uni so ganz konkret den hessischen Schulen helfen und aufklären kann.“ Professor Dr. Tim Engartner, Direktor der Goethe-Lehrkräfteakademie, ergänzt: „Aufklärung mittels Fakten an die Stelle von Verklärung mittels Fake News treten zu lassen, scheint mir gerade für Schulleitungen und Lehrkräfte als Multiplikatoren besonders wichtig zu sein.“

Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz begrüßt das neue Angebot: „Wir sind der Goethe-Uni für diese Informationsreihe sehr dankbar. Sie bietet unseren Lehrkräften und Schulleitungen in einer Zeit, in der Fakten schnell durcheinander geworfen werden, eine ideale Gelegenheit, sich prägnant und fundiert auf den neuesten Stand der Wissenschaft zu bringen“.

Für alle Veranstaltungen können Interessierte über die Mailadresse fragenzucorona@uni-frankfurt.de den Wissenschaftlern vorab Fragen zukommen lassen. Die Vortragsreihe umfasst sechs 30-minütige Beiträge mit moderierten Fragen.

Los geht es mit dem Eröffnungsbeitrag des biologischen Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann zu „Corona-Viren: Grundlagen und aktuelle Aspekte“ und einem Grußwort von Kultusminister Prof. Alexander R. Lorz.

Auch der interessierten Öffentlichkeit werden die Veranstaltungen zugänglich sein: Eine Aufzeichnung findet sich zu den unten genannten Terminen ab 12 Uhr unter www.uni-frankfurt.de/Corona-Wissen-kompakt


Das Programm:

ab 4. März
Corona-Viren: Grundlagen und aktuelle Aspekte
Prof. Dr. Theo Dingermann, Goethe-Universität (Pharmazeutische Biologie)

ab 11. März
COVID-19: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Dr. med. Sebastian Hoehl, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Institut für Klinische Virologie Frankfurt

ab 18. März
Impfungen gegen COVID-19: Grundlagen und aktuelle Aspekte
Prof. Theo Dingermann, Goethe-Universität (Pharmazeutische Biologie)

ab 24. März
Lüften, Luftreinigung, Masken und Schnelltests
Prof. Joachim Curtius, Goethe-Universität (Atmosphärenforschung), Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz (Pharmazeutische Chemie, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker)

ab 1. April
Produktion von Impfstoffen: Fokus Kinder
Prof. Jochen Maas, Sanofi Deutschland

ab 8. April
Podiumsdiskussion mit allen Referenten und Prof. Sandra Ciesek (Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität)

Die Veranstaltungen werden jeweils von Professor Dr. Tim Engartner und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz moderiert.

 

Feb 24 2021
14:06

Forschungsverbund MAPEX legt interaktive Datensammlung für die präventive Arbeit an Schulen und der Jugendhilfe vor - 1.533 Projekte und Maßnahmen erfasst 

Stärkung der Prävention bei jeder Form von islamistischer Radikalisierung

FRANKFURT. „Islamistischer Terrorismus kann nicht alleine mit repressiven Mitteln bekämpft werden. Deutschland braucht eine koordinierte wissensbasierte Prävention vor allem an Schulen und in der Jugendhilfe“, so die Projektpartner des Forschungsverbundes MAPEX in ihrem Abschlussbericht. In den vergangenen drei Jahren haben sie alle Präventions- und Interventionsprojekte im Bereich des islamistischen Extremismus in Deutschland auf einer interaktiven Online-Plattform (www.mapex-projekt.de) zusammengetragen. Sie fordern ein Zentrum praxisorientierter Präventionsforschung, in dem Wissen zu Extremismus- und Radikalisierungsphänomenen gespeichert, laufend analysiert und vermittelt wird. An dem Forschungsverbund MAPEX nahmen die Universitäten Bielefeld, Osnabrück, Frankfurt sowie die FH Münster teil.

Vor allem der Bund und im Besonderen das Innen- und Familienministerium stecken inzwischen viel Geld in die Präventionsarbeit. Alleine in den beiden großen Programmen „Demokratie leben!“ und „Nationales Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus“ werden jährlich jeweils 100 Millionen Euro verausgabt. „Ob das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird, und ob wirklich alle relevanten Partner beteiligt sind – dazu hatten wir bislang keine valide Datenbasis“, so Prof. Dr. Andreas Zick, der an der Universität Bielefeld das Verbundprojekt koordiniert.

Abhilfe verspricht das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von 2017 bis 2021 geförderte Forschungsprojekt MAPEX (Mapping und Analyse von Präventions- und Distanzierungsprojekten im Umgang mit islamistischer Radikalisierung), das systematisch alle Präventionsprojekte in Deutschland identifizierte und anschließend telefonisch befragte. Herausgekommen ist unter anderem eine interaktive Landkarte, der präzise entnommen werden kann, wo in Deutschland Prävention geleistet wird. Das Forschungsteam hat insgesamt 1.000 Projekte und Maßnahmen erfasst und 591 telefonische Interviews geführt.

Das Datenmaterial zeige eindrucksvoll auf, dass Bund, Länder und Kommunen und die von ihnen beauftragten Träger in den vergangenen Jahren viel Pionierarbeit geleistet haben. Dennoch gebe es Lücken und Mängel, so der Soziologe Dr. Sebastian Kurtenbach (FH Münster): „Die Versorgung des ländlichen Raumes kommt in der Präventionsarbeit gegen islamistische Radikalisierung nicht selten zu kurz.“

Der Islamwissenschaftler Dr. Michael Kiefer (Universität Osnabrück) ergänzt: „Verbessert werden muss auch die Zusammenarbeit zwischen Maßnahmenträgern. Nicht alle Maßnahmen und Angebote sind Schulen und Jugendhilfen bekannt.“ Ebenso bemängeln die Projektpartner, dass viele präventive Angebote nur für einen bestimmten Zeitraum angeboten werden. So haben die „Respekt Coaches“, die an 190 Schulen ihre Dienste verrichten, allesamt befristete Arbeitsverträge. Dies bedeutet, dass Ende 2021 die Schulen wichtige Präventionsakteure verlieren würden. Für Prof. Dr. Harry Harun Behr und Dr. Meltem Kulaçatan, die das Frankfurter Teilprojekt in MAPEX leiteten, ist dies „ein unerfreulicher Sachverhalt, der die nachhaltige Strukturbildung in der Präventionslandschaft einschränkt.“

Der Forschungsverbund hat neben der interaktiven Online-Plattform auch ein Buch veröffentlicht, in dem vertiefende Analysen sowie auch Teilstudien publiziert werden. Dort finden sich auch Praxisbeispiele an Schulen, in Kommunen sowie Maßnahmen, die vielversprechend sind für die Deradikalisierung und Distanzierung vom Extremismus. „Es bedarf aber noch größerer Anstrengungen zur Stärkung der Prävention bei jeder Form von Extremismus“, meint die Koordinatorin Manuela Freiheit von der Universität Bielefeld. Sie verweist auf eine zusätzliche Handreichung, die die Bedarfe an Politik und Institutionen richtet, die für die Stärkung und Entwicklung der Prävention zuständig sind.

„Forschung und Praxis müssen enger verzahnt werden und Wissen schneller in den Transfer gelangen können“, meint Andras Zick, und er ergänzt mit dem Blick auf die Herausforderungen, die mit neuen Extremismusphänomenen einhergehen: „Wir wünschen uns nach vielen Jahren der Forschung im Bereich Radikalisierung und Extremismus ein Wissenschaftszentrum für Radikalisierungsanalyse und Prävention.“

Zum Projektabschluss stellen die Partner des MAPEX-Forschungsverbundes am Freitag, 26. Februar, ihre Ergebnisse während einer Online-Fachtagung zur Diskussion. „Gleichzeitig wollen wir gemeinsam überlegen, an welchen strukturellen Stellschrauben noch gedreht und welche Themen stärker in der Forschung wie in der Praxis bedacht werden müssten, um die Präventions- und Interventionslandschaft gemeinsam weiterentwickeln zu können“, heißt es im Einladungstext.

Dem Forschungsverbund MAPEX gehörten an:
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld; Institut für Islamische Theologie (IIT), Universität Osnabrück;
Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islam, Goethe-Universität Frankfurt am Main; Fachbereich Sozialwesen, Fachhochschule Münster

Kontakt für Rückfragen:
E-Mail: mapex.ikg@uni-bielefeld.de

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Andreas Zick, Universität Bielefeld
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Tel. +49 521 106-3124; E-Mail: zick@uni-bielefeld.de

Dr. Michael Kiefer, Universität Osnabrück
Institut für Islamische Theologie
Tel. +49 541 969 6220; E-Mail: michael.kiefer@uni-osnabrueck.de

Dr. Meltem Kulaçatan, Goethe-Universität Frankfurt
FB Erziehungswissenschaft, Pädagogik der Sekundarstufe mit Schwerpunkt Islam
Tel. +49 69 798-36332; E-Mail: kulacatan@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 24 2021
11:40

Die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ widmet sich ab März in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität den aktuellen Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Solidarität_Aber wie?

FRANKFURT. Im Haus am Dom wird in diesem Frühjahr die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ fortgesetzt, die von Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin), Prof. Joachim Valentin (Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Mechtild M. Jansen (Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) konzipiert wurde. Der zweite Zyklus der Reihe widmet sich ab März dem Thema „Solidarität“.

Mehr denn je brauchen wir in Zeiten von Corona einen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jeder ist in dieser Krisensituation gefragt, Verantwortung auch für andere zu übernehmen, jeder muss sich beteiligen, wenn es gilt, die wirtschaftlichen Folgen gemeinsam zu tragen. Doch seit einiger Zeit zeichnet sich in unserer Gesellschaft eine Entwicklung ab, die unsere Öffentlichkeit in partielle Interessengruppen zerfallen lässt. Parallelwelten tun sich auf, Blasen, in denen wir uns einrichten und zugleich abgrenzen. Sei es in Fragen der Religion, der Herkunft, der sozialen Stellung, der politischen Haltung, des eigenen Lebensstils: die Gesellschaft ist divers und droht in dieser Vielfalt als Gemeinschaft zu zerfallen. Was verbindet uns noch, wenn Fake-News keine Wahrheit mehr zulassen, wenn Werte strittig geworden sind, wenn Meinungen statt Argumenten zählen, wenn das Soziale uns immer mehr spaltet? Nur mit Solidarität werden wir die Aufgaben der Zukunft bewältigen, und nur mit Solidarität lassen sich die demokratischen Rechte schützen. Aber wie ist Solidarität heute überhaupt noch möglich?

Am 9. März um 19.30 Uhr eröffnet die Autorin und Bloggerin Kübra Gümüşay die Reihe mit dem Vortrag „Solidarität - Wie ist Teilhabe für alle möglich?“. Im Anschluss spricht am 4. Mai der Autor und Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss zur Fragestellung „Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?“.  Zum Abschluss der Reihe folgt am 8. Juni schließlich Prof. Sighard Neckel, Soziologe der Universität Hamburg und assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, mit einem Vortrag zu der Frage „Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?“

Ziel der Reihe ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Daher werden im Anschluss an die Impulsvorträge die Zuschauer*innen miteinander ins Gespräch gebracht und erhalten die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen an die Gastredner*innen zu entwickeln. Da voraussichtlich nur wenige Plätze im Haus am Dom vergeben werden können, wird die Veranstaltung durch ein Live-Streaming-Angebot über www.youtube.com/hausamdom ergänzt bzw. gegebenenfalls ersetzt. Dieses soll über einen Chat weiteren Zuhörer*innen die Möglichkeit bieten, sich in die Diskussion zum jeweiligen Impulsvortrag einzubringen.

Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin). Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Die anstehenden Termine im Überblick:

Dienstag, 9. März 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie ist Teilhabe für alle möglich?
Kübra Gümüşay (Autorin und Bloggerin)
Moderation: Prof. Joachim Valentin, Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt

Dienstag, 4. Mai 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?
Lukas Bärfuss (Autor und Büchnerpreisträger)
Moderation: Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und Dramaturgin

Dienstag, 8. Juni 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?
Prof. Sighard Neckel (Soziologe)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 19.30 Uhr

Die Tickets erhalten Sie an der Rezeption im Haus am Dom, im Internet unter www.ticket.hausamdom.de oder an den AD-Ticket-Vorverkaufsstellen www.adticket.de/vorverkaufsstellen

Eintritt: 10 Euro / erm. 7 Euro

Übertragung auch per Livestream: www.youtube.com/hausamdom

Bitte beachten Sie, dass es gegebenenfalls kurzfristige Änderungen beim Ticketverkauf und Livestreaming-Angebot geben kann.

Detailliertes Programm und aktuelle Informationen:

www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
www.hausamdom-frankfurt.de

Pressekonferenz am 4. März 2021 via Zoom:

Wir möchten an dieser Stelle auch auf die Pressekonferenz zur partizipativen Vortragsreihe „DenkArt“ hinweisen, zu der Sie am Donnerstag, dem 4. März, um 11 Uhr herzlich eingeladen sind. Als GesprächspartnerInnen stehen Ihnen zur Verfügung: Prof. Marion Tiedtke (HfMDK), Prof. Joachim Valentin (KARM), Mechtild M. Jansen (Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) und Rebecca Caroline Schmidt (Forschungsverbund „Normative Ordnungen“).

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und danken für Ihre Anmeldung per E-Mail an: anke.harms@normativeorders.net

Weitere Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Feb 22 2021
14:26

Öffentliche Vortragsreihe „Theoretische und experimentelle quantitative Zellbiologie“ im Rahmen der Giersch - Summer School & International Conference

Internationale Zellbiologie-Tagung: Künstliche Intelligenz, Big Data und die Lebenswissenschaften

FRANKFURT. Eine allgemeine Künstliche Intelligenz (KI) zu schaffen ist das Ziel des Unternehmers Chris Boos. 1995 gründete er das Unternehmen arago und erweitert seitdem die bestehenden Grenzen Künstlicher Intelligenz. Die KI „HIRO“ von arago setzen heute vielen Unternehmen als Plattform ein, um ihre Geschäftsmodelle im digitalen Zeitalter neu zu erfinden. Auf der zweiwöchigen Online-Tagung „Theoretical and Experimental Quantitative Cell Biology“ hält Chris Boos den ersten öffentlichen Festvortrag:

22.02.2021, 17:00-19.30 Uhr
The AI world
Chris Boos, arago GmbH, Frankfurt

(Vortrag in englischer Sprache)
Livestream auf Youtube
https://youtu.be/0MIXNiBUJBM

Die öffentlichen Vorträge sind Teil der Giersch Summer School & Conference, die von der Stiftung Giersch und dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) in Kooperation mit den wissenschaftlichen Netzwerken LOEWE DynaMem, LOEWE CMMS, 'Xidian-FIAS Joint Research Center' (XF-JRC), den Rhein-Main-Universitäten und dem Graduiertenprogramm GRADE - IQbio ausgerichtet wird. Partner sind zudem die Goethe-Universität Frankfurt, die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, das Max-Planck-Institut für Biophysik und das Max-Planck-Institut für Polymerforschung.

Schon zum 5. Mal ermöglicht die Stiftung Giersch es dem FIAS, internationale Größen zu einem aktuellen Themengebiet zusammen zu bringen. Dieses Jahr findet die Veranstaltung zum ersten Mal komplett digital statt. 

Auf der Tagung kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen zusammen. In ihren jeweiligen Fachgebieten leisten sie einen Beitrag dazu, komplexe Prozesse zu verstehen – von der Wirkweise der Stoffwechsel- und Kommunikationsprozesse einer einzelnen Zelle bis hin zum Verhalten eines Organismus. Dabei spielt die Verarbeitung großer Datenmengen eine zentrale Rolle sowie mathematisch-physikalische Modelle zur Beschreibung dieser Vorgänge.

In einer öffentlichen Vortragsreihe können Interessierte vom 22. Februar bis 4. März 2021 spannende Einblicke in die vielfältige Welt der modernen Zellbiologie erfahren. Namhafte Experten aus der Wissenschaft und Industrie geben Einblicke in ihre Forschungsarbeit und Visionen über zukünftige Entwicklungen. Die Themen kommen aus der Künstlichen Intelligenz, Mikroskopie und Modellierung, aber auch die praktische Anwendung der Forschung wird angesprochen.

Weitere Termine und Themen im Überblick:
Alle Vorträge in englischer Sprache im Youtube-Livestream.
Informationen zu den Vorträgen:
https://fias.institute/gsic2020/vortragsreihe

23.02.2021, 13:00-14:00 Uhr, https://youtu.be/jQHB2PdQ6sA
High-resolution cryoEM of membrane protein complexes
Werner Kühlbrandt, Max Planck Institute of Biophysics Frankfurt, Germany

24.02.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/EyXDLsiCQ3c
Aim for mechanistic models!
Martin Meier-Schellersheim, National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), Bethesda, USA

25.02.2021, 17:00 - 18:00 Uhr, https://youtu.be/MvGd_2gfPk0
Molecular codes enabling brain function
Thomas Südhof, Stanford University, USA

01.03.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/KFZBCvjdzC8
Marine biodiversity advances in a digital era
Hanieh Saeedi, Senckenberg Research Institute and Natural History Museum

02.03.2021, 17:00 - 18:30 Uhr, https://youtu.be/0Hm2OSRPNcA
AI in industry
Andreas Widl, SAMSON AG

03.03.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/dcTuhUep1J8
Challenges in medicine
Peter Wild, Senckenberg Institute of Pathology

04.03.2021, 13:00 - 14:00 09:00 - 10:00 Uhr, https://youtu.be/A6CStI5h8H0
From image to brain function
Moritz Helmstädter, Max Planck Institute for Brain Research, Frankfurt am Main

Information und Anmeldung zur Teilnahme an der gesamten Konferenz:
https://fias.institute/de/events/gsic2020

 

Feb 19 2021
15:20

Goethe-Universität erfolgreich bei Industrie-Ausschreibung für Ersatz von tierischen Komponenten

Suche nach Alternativen zu Tierversuchen in der Toxikologie

In der toxikologischen Forschung finden schon viele Untersuchungen zwar in der Petrischale statt, doch benötigt man im manchen Prozessen immer noch tierische Komponenten wie Serum oder Leberzellgewebe. Ein Team von Forschenden unter Federführung der Goethe-Universität will nun als Ersatz eine neue Zellkulturtechnik entwickeln. Mit ihrem Projekt haben sie den „CRACK IT“-Innovationswettbewerb des NC3Rs gewonnen, einer britischen Organisation, die sich für den Ersatz von Tierversuchen in der Forschung einsetzt.  Der Wettbewerb wird von AstraZeneca und Unilever gesponsert.

FRANKFURT. Untersuchungen mit Zellkulturen sind für die toxikologische Forschung notwendig, weil man an ihnen prüfen kann, ob neue Wirkstoffe unerwünschte Wirkungen zeigen. Dabei wird in den Zellkulturen häufig das Serum ungeborener Kälber (Fetal Calf Serum, FCS) als tierische Zutat verwandt. Auch andere Toxizitätsversuche „im Reagenzglas“ verwenden häufig Komponenten tierischen Ursprungs. So wird aus der Leber von Laborratten ein Enzymcocktail gewonnen, mit dessen Hilfe untersucht wird, ob Leberenzyme die zu testende Substanz in giftige Produkte umwandeln.

Für beide Komponenten – Serum und Lebergewebe – wollen Pharmaproduzenten oder Firmen aus der kosmetischen Industrie Ersatz finden. Die Gründe dafür sind nicht nur ethischer Natur. Gewebe und Seren, die direkt aus Tieren entnommen werden, bringen auch Ungenauigkeiten im Prüfverfahren mit sich, denn ihre Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft. Zudem sind nicht alle Komponenten etwa des fötalen Kälberserums bekannt. Das gefährdet die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Im „CRACK IT 36: Animal-free in vitro“-Wettbewerb sollen deshalb von Tieren stammende Produkte durch genau definierte und reproduzierbare Alternativen ersetzt werden.

Keine tierischen Komponenten mehr in Zellkultur-Nährlösungen

Prof. Henner Hollert und Dr. Andreas Schiwy von der Abteilung für Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie der Goethe-Universität und LOEWE Zentrum TBG wollen in ihrem Projekt zusammen mit der Umwelttoxikologin Prof. Beate Escher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Leipzig sowie dem Unternehmen BiodetectionsSystems aus Amsterdam und Scinora aus Heidelberg Alternativen zu den Tierkomponenten finden.

In einem ersten Schritt sollen zunächst chemisch-definierte Nährlösungen – ohne tierische Komponenten – für Zellkulturen entwickelt werden. Solche Nährlösungen sind bei der Herstellung von Medikamenten bereits üblich, unter anderem aus Sicherheitsgründen. Denn so wird ausgeschlossen, dass über das Kälberserum Krankheiten wie zum Beispiel BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie) übertragen werden.

Bisher gibt es nur wenig solcher Systeme für toxikologische Prüfungen, weil die benötigten Mengen im Vergleich zur pharmazeutischen Produktion gering sind. Zu ihrer Entwicklung muss man die Stoffwechselprozesse der Zellen genau kennen.

Verzicht auf Laborratten

In einem zweiten Schritt wollen die Forscherinnen und Forscher den Enzymcocktail aus Laborratten ersetzen, indem sie stattdessen die zu testenden Substanzen von Leberzelllinien verstoffwechseln lassen. Die Leberzelllinien sollen unter chemisch definierten Kulturbedingungen gezüchtet werden. Anschließend sollen die Stoffwechselprodukte extrahiert und ihre Wirkung in den angepassten toxikologischen Zellkulturen getestet werden, die im ersten Schritt entwickelt wurden.

Hollert und sein Team prüfen das Verfahren zunächst an der Modellsubstanz Benzo[a]pyren testen, die zum Beispiel in Zigarettenrauch enthalten ist. In der menschlichen Leber wird Benzo[a]pyren in giftige Stoffe umgewandelt, die Schäden an der DNA von Zellen hervorrufen und das hormonelle Gleichgewicht beeinträchtigen.

Die Fördersumme beträgt im der ersten Phase 100.000 Pfund, umgerechnet rund 114.000 Euro. Die Forscher können sich nach erfolgreicher Evaluation noch im gleichen Jahr für eine zweite Phase des Wettbewerbs bewerben, in der umgerechnet rund 685.000 Euro über weitere drei Jahre möglich sind.

Weitere Informationen
Prof. Henner Hollert
Leiter der Abteilung für Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798-42171
hollert@bio.uni-frankfurt.de 
https://www.bio.uni-frankfurt.de/43970666/Abt__Hollert

 

Feb 19 2021
14:47

Senat und Präsidium der Goethe-Universität fordern Drittmittelgeber auf, dem Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu folgen

Drittmittelfinanzierte Forschende besser vor Härten schützen!

FRANKFURT. Drittmittelfinanzierte Wissenschaftliche Mitarbeitende müssen in Pandemiezeiten besser vor persönlichen und beruflichen Härten geschützt werden. Dies fordern Senat und Präsidium der Goethe-Universität: „Durch Corona sind nicht wenige unserer jungen Kolleginnen und Kollegen in eine schwierige finanzielle Situation geraten, da aufgrund der befristeten Beschäftigungsverhältnisse diese auszulaufen drohen bzw. trotz der Pandemie durch die Drittmittelgeber nicht verlängert werden (können). Diese Problematik verursacht zunehmende Härtefälle“, betonte Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff.

Als beispielhaft vorbildlich in der Krise erachten Präsidium und Senat die Vorgehensweise der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als wichtigster Drittmittelgebergeber im deutschen Wissenschaftssystem. Unbürokratisch habe die DFG auf Antrag ihre Finanzierungszeiträume für die Förderung drittmittelbasierter Stellen während der Pandemie verlängert. Präsidium und Senat appellieren daher auch an weitere Drittmittelgeber in der Wissenschaft, sich dem Beispiel der DFG anzuschließen und Drittmittelverlängerungen im Fall auslaufende Forderungen unbürokratisch zu gewähren.

Vom Auslaufen ihrer drittmittelfinanzierten Stellen seien derzeit allein in Hessen eine größere Zahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedroht. Universitätspräsident Schleiff: „Für Stiftungen und andere Drittmittelgeber mag dies im Einzelfall eine zusätzliche Anstrengung bedeuten. Der mögliche Schaden für talentierte Nachwuchsforschende und ihre Familien, die unverschuldet aus dem System fallen und deren Karrieren in der Wissenschaft dadurch gefährdet werden, ist jedoch kaum zu ermessen. Wir appellieren daher an alle Drittmittelgeber, diesen wichtigen Mitgliedern unserer Wissenschaftscommunity eine echte Perspektive zu geben.“