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Pressestelle Goethe-Universität

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Mai 27 2021
09:20

Langfristige Folgen befürchtet - körperliche Aktivität könnte eigentlich helfen, Pandemien besser zu bewältigen

Bewegung und Wohlbefinden sinken weltweit durch Corona-Einschränkungen – Studie unter Leitung der Goethe-Universität

Gut 40 Prozent weniger aktiv waren die Menschen während des ersten Lockdowns, zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Goethe-Universität Frankfurt. Auch das psychische Wohlbefinden sank; der Anteil an Menschen mit einem Risiko für Depressionen verdreifachte sich. Das Autorenteam befürchtet langfristige Auswirkungen und fordert, dies künftig zu berücksichtigen.

FRANKFURT. Vor einer versteckten „Pandemie innerhalb der Pandemie“ warnen 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 14 Ländern in zwei aktuellen Veröffentlichungen. Zum einen sei die körperliche Aktivität während der Corona-bedingten Einschränkungen deutlich gesunken, zum anderen habe das psychische Wohlbefinden gelitten. „Regierungen und Verantwortliche für das Gesundheitssystem sollten unsere Erkenntnisse ernst nehmen“, betont das Team unter Leitung von Dr. Jan Wilke vom Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt.

Rund 15.000 Menschen aus den beteiligten Ländern hatten im Rahmen einer internationalen Erhebung standardisierte Fragebögen beantwortet. Dabei schätzten sie im April/Mai 2020 ihre körperliche Aktivität (13.500 Teilnehmende) sowie ihr psychisches und physisches Wohlbefinden (15.000 Teilnehmende) vor und während der Pandemie-bedingten Einschränkungen ein.

Ältere Menschen besonders betroffen

„Die Ergebnisse zeigen einen drastischen Rückgang der körperlichen Aktivität und des Wohlbefindens“, so Wilke. Mehr als zwei Drittel der Befragten konnten ihr übliches Bewegungsniveau nicht aufrechterhalten. Mäßige sportliche Aktivitäten nahmen nach Eigenangaben durchschnittlich um 41 Prozent ab – dazu zählt alles, was Herzschlag und Atmung erhöht, beispielsweise flottes Gehen, Laufen, Radfahren oder auch anstrengende Gartenarbeit.

Ähnlich stark sank mit 42 Prozent der Anteil intensiver Bewegung, bei der man schwitzt und deutlich außer Atem kommt. Die Effekte waren etwas höher bei Berufssportler:innen und besonders aktiven Menschen sowie vergleichsweise Jungen und Alten. Besonders auffällig war der Aktivitäts-Rückgang bei den über 70-Jährigen, die sich zu 56 bis 67 Prozent weniger bewegten als zuvor. „Dabei wissen wir, dass körperliche Inaktivität gerade bei Älteren schon nach zwei Wochen nur noch schwer reversible Änderungen nach sich ziehen kann – beispielsweise beim Körperfettanteil oder der Insulinsensitivität“, warnen die Studienautor:innen.

Bewegung schützt vor Krankheiten und senkt die Sterblichkeit

Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten mäßige oder mindestens 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche – das erreichten vor der Pandemie 81 Prozent der Studienteilnehmer:innen, während des Lockdowns nur noch 63 Prozent. Dabei kann ausreichende Bewegung die Sterblichkeit um bis zu 39 Prozent senken, wie eine Studie 2015 zeigte. Daten lassen vermuten, dass zu wenig Bewegung bei etwa jedem zehnten vorzeitigen Todesfall eine Rolle spielt, denn körperliche Aktivität verringert die Wahrscheinlichkeit beispielsweise von Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes sowie Krebs.

Es ist bekannt, dass Bewegung das Immunsystem aktiviert, da sie die Durchblutung fördert und die für die Abwehr wichtigen Lymphozyten und Botenstoffe (Zytokine) aktiviert. So zeigen Studien, dass körperlich aktive Menschen weniger empfänglich sind für Influenza-, Rhino- und Herpesviren sowie Atemwegsinfektionen allgemein. Möglicherweise schützt Bewegung also auch vor schweren COVID-19-Verläufen, indem sie Risikofaktoren wie Übergewicht verringert. Körperliche Gesundheit und Bewegung reduzieren zudem das Risiko psychischer Beschwerden wie Depressionen und Angststörungen.

Drastisch reduziertes mentales Wohlbefinden

In einem weiteren Teil der Studie hatte das Autorenteam das mentale Wohlbefinden während der Pandemie-Einschränkungen erfragt. 73 Prozent der Studienteilnehmer:innen gaben an, dass es sich verschlechtert habe. Der Wohlbefindlichkeits-Index der WHO, der Stimmung, Entspannung, Aktivität, Ausgeruhtheit und Interesse misst, sank durchschnittlich während der ersten Lockdown-Phase von 68 Prozent gefühlter Lebensqualität vor der Pandemie auf 52 Prozent.

Die Menschen empfanden sich vor allem weniger „aktiv und energiegeladen“ und führten ein weniger „mit interessanten Dingen gefülltes Leben“. Der Anteil sehr niedriger Werte, die auf eine Depression hinweisen, verdreifachten sich von 15 auf 45 Prozent. „Diese Effekte waren stärker bei Frauen und Jüngeren “, heißt es in der Studie. „Besonders die Bedürfnisse von Frauen sollten stärker berücksichtigt werden, da sie deutlich gefährdeter sind.“

Immerhin 14 bis 20 Prozent der Befragten gaben aber auch an, dass sich ihr Befinden verbessert habe – mögliche Gründe sehen die Autor:innen in mehr Familienzeit, höherer Arbeitsautonomie, weniger Dienstreisen oder auch einer veränderten Gesundheitswahrnehmung. „Doch ein großer Bevölkerungsteil leidet möglicherweise still an noch kaum sichtbaren gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie“, warnt das Autorenteam.

Relevant für weltweit vier Milliarden Menschen

Das könnte sich auch in steigenden Gesundheitskosten äußern: Laut US-Daten sind die jährlichen Ausgaben für inaktive oder unzureichend aktive Personen um 1200 bzw. 600 Euro erhöht – das würde sich allein für die 3104 Menschen aus der Befragung, die sich während des Lockdowns nicht mehr ausreichend bewegten, nach einem Jahr auf zwei bis vier Millionen Euro summieren.

Die Ergebnisse dieser ersten multinationalen Studien dürften für geschätzt weltweit vier Milliarden Menschen relevant sein, die von den Einschränkungen der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 betroffen waren. Allerdings wurden die Daten überwiegend über elektronische Medien erhoben, sodass Bevölkerungsteile ohne Internet nicht einbezogen wurden. Auch nach Faktoren wie Wohnumfeld, Bildung und Sozialstatus wurde nicht differenziert. Zudem beruhen die Daten auf Eigeneinschätzungen, nicht auf Messungen, was gerade die rückblickende Wahrnehmung verzerren könnte. „Dennoch zeigen unsere Ergebnisse, dass die Themen körperliche Aktivität und Wohlbefinden auf die Agenda der Politik gehören“, betont Wilke.

„Interessenvertreter müssen Strategien entwickeln, um den Verlust der körperlichen Aktivität abzumildern“, schreiben die Autor:innen. Sie schlagen vor, die Öffentlichkeit besser aufzuklären, Aktivitätsmöglichkeiten mit geringer Infektionswahrscheinlichkeit zu schaffen und beispielsweise qualifizierte Sportprogramme für zu Hause anzubieten. Dies würde sich neben zahlreichen weiteren gesundheitlichen Facetten insbesondere positiv auf das mentale Wohlbefinden auswirken.

Ähnlich negative Effekte wie in diesen Studien beobachtet müssten bei künftigen Pandemien unbedingt vermieden werden. „Körperliche Aktivität und Bewegung haben leider keine starke Lobby und werden im öffentlichen Diskurs meist vernachlässigt“, so Wilke. „Dabei können sie uns massiv dabei helfen, die Pandemie besser zu bewältigen.“

Publikationen: Jan Wilke et al. A Pandemic within the Pandemic? Physical Activity Levels Substantially Decreased in Countries Affected by COVID-19. Int. J. Environ. Res. Public Health, Vol. 18, 5 (2021), https://www.mdpi.com/1660-4601/18/5/2235/htm#B11-ijerph-18-02235Jan Wilke et al., Drastic Reductions in Mental Well-Being Observed Globally During the COVID-19 Pandemic: Results from the ASAP Survey. Front. Med. 8:578959 (2021), https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmed.2021.578959/full

Weitere Informationen
Dr. Jan Wilke
Institut für Sportwissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (69) 798-24588,
wilke@sport.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/50765300/Arbeitsbereich_Sportmedizin_und_Leistungsphysiologie


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 25 2021
11:59

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert neuen SFB-Transregio 326 „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen“ – SFB 1039 zu medizinischer Signalwegforschung geht in dritte Förderphase – Goethe-Universität an zwei weiteren SFB-Transregios beteiligt

Förderentscheid zu 4 Sonderforschungsbereichen an der Goethe-Universität: Neuer SFB zu Mathematik-Grundlagenforschung

Die Erforschung komplexer geometrischer und arithmetischer Objekte ist das Ziel des neuen Sonderforschungsbereichs Transregio 326 (TRR 326), der von der Goethe-Universität koordiniert wird. Die DFG gab heute bekannt, dass der TRR 326 in den kommenden vier Jahren mit 9,2 Millionen Euro gefördert wird. Der SFB 1039 „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“, auch unter der Sprecherschaft der Goethe-Universität, wird fortgesetzt und erhält für die dritte Förderphase 9,6 Millionen Euro. Zwei weitere TRR, an denen die Goethe-Universität beteiligt ist, werden ebenfalls durch die DFG gefördert: Beim TRR 211 „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“ geht in der zweiten Förderperiode die Sprecherschaft von der Goethe-Universität an die Technische Universität Darmstadt über (9,2 Millionen Euro). Auch am TRR 301 „Die Tropopausenregion in einer Atmosphäre im Wandel“ (Sprecherin: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 12,3 Millionen Euro) sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt.

FRANKFURT. Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, gratuliert den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu ihrem Erfolg: „Das Engagement der Goethe-Universität insbesondere in den Transregio-Sonderforschungsbereichen zeigt unsere exzellente wissenschaftliche Vernetzung in der Region, gerade in den Naturwissenschaften und in der Medizin. Im Verbund der Rhein-Main-Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt haben wir dieser regionalen Zusammenarbeit einen Rahmen gegeben: Mittlerweile gibt es mehr als 30 Forschungsverbünde und Forschungsnetzwerke in dieser strategischen Allianz, und im vergangenen Jahr haben wir das RMU-Studium etabliert, damit auch talentierte Studierende von der RMU profitieren können.“

Die mathematische Erkundung komplizierter geometrischer und arithmetischer Räume mithilfe der Uniformisierung ist das Forschungsthema des TRR 326 „Geometrie und Arithmetik uniformisierter Strukturen – GAUS“. Erfolgreich beantragt haben den TRR 326 neben der koordinierenden Goethe-Universität Frankfurt die Technische Universität Darmstadt und die Universität Heidelberg, assoziierte Institutionen sind die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität München. Das Konzept der Uniformisierung geht auf Ideen von Felix Klein und Henri Poincaré aus dem 19. Jahrhundert zurück und sucht nach einer einheitlichen Beschreibung bestimmter geometrischer Objekte. Ein sehr einfaches Beispiel für einen uniformisierten geometrischen Raum findet sich im Spielzeug Slinky, einer Metallspirale, die in „Purzelbäumen“ eine Treppe hinunter„laufen“ kann. Zusammenpresst hat sie – von oben gesehen – die Geometrie eines Kreises. Dieser Kreis wird uniformisiert, indem wir die Metallspirale auseinanderziehen. Besonders einfach wird es, wenn die Spirale komplett entrollt geometrisch nur noch ein einfacher Draht ist. Damit die Information des Slinky erhalten bleibt, ist jede Spiralwindung auf dem Draht mit einem Farbtupfer markiert, wodurch der Draht eine Verschiebungssymmetrie erhält (man wechselt die Etage in der Spirale). Ein global komplizierter geometrischer Raum (im Beispiel der Kreis des Slinky) wird durch einen deutlich einfacheren Raum ersetzt (hier eine Gerade), ohne die lokale Struktur zu verändern. Die ursprüngliche Komplexität wird dabei durch innere Symmetrien (im Beispiel veranschaulicht durch periodische Markierungen) des einfacheren Raums beschrieben.

Beim TRR 326 GAUS befassen sich Mathematikerinnen und Mathematiker mit der Uniformisierung sehr komplizierter geometrischer Räume – wobei dies moderne geometrische Konzepte umfasst, insbesondere tropische und p-adische Geometrien – und mit analogen Anwendungen der Uniformisierungstechnik auch bei arithmetischen (zahlentheoretischen) Fragegestellungen. Die Forscherinnen und Forscher versuchen hier, grundsätzliche Zusammenhänge zu erkennen, etwa zu Modulräumen, automorphen Formen, Galoisdarstellungen oder kohomologischen Strukturen. Prof. Jakob Stix, Mathematiker an der Goethe-Universität und GAUS-Sprecher, meint: „Mit dem SFB-Transregio GAUS knüpfen wir an die überaus erfolgreiche Zusammenarbeit von TU Darmstadt und Goethe-Universität im LOEWE-Schwerpunkt ‚Uniformisierte Strukturen in Arithmetik und Geometrie' sowie die DFG-Forschergruppe ‚Symmetrie, Geometrie und Arithmetik' der TU Darmstadt und der Universität Heidelberg an. Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Forschung mit so vielen herausragenden Kolleginnen und Kollegen.“

In seine dritte Förderperiode geht der Sonderforschungsbereich 1039 „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“, den die Goethe-Universität zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim jetzt fortsetzt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit einer Gruppe schlecht wasserlöslicher Biomoleküle, den Lipiden. Sehr prominent bilden diese als Lipiddoppelschicht die Membranen, die unsere Zellen umhüllen und die auch das Innere der Zellen gliedern. In Form von Fetten dienen sie unserem Körper als Energiespeicher.

Im SFB 1039 allerdings wird eine immer noch vergleichsweise wenig erforschte Funktion untersucht: Lipide sind Teil vieler Signalwege, über die die Zellen Wachstum und Stoffwechsel regulieren und mit ihrer Umgebung kommunizieren. Fehlregulierte Lipide sind offenbar bei der Entstehung und im Verlauf von Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Krebs, Entzündungen oder neurodegenerativen Erkrankungen entscheidend beteiligt. Nach grundlegenden Arbeiten in den beiden ersten Förderperioden steht in der dritten Förderperiode das Verständnis des Gesamtorganismus im Zentrum der Forschung. Prof. Josef Pfeilschifter, Pharmakologe an der Goethe-Universität und Sprecher des SFB 1039, erläutert: „Wir wollen das Lipid-Signalnetzwerk als Ganzes verstehen und so innovative Wege zur Diagnostik und Therapie verschiedenster Krankheiten entwickeln, die mit fehlregulierten Lipiden zusammenhängen. Dabei können wir uns auf eine langjährige und breite Expertise im ‚Lipid-Signalling' stützen, die auch auf der Etablierung ausgefeilter Analysemethoden auf Basis der Massenspektometrie fußt.“

An zwei weiteren SFB-Transregios sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt:

Wie sich Materie unter extremen Druck- und Temperaturbedingungen verhält, bei denen Atome überlappen und miteinander verschmelzen, erforscht der TRR 211 „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“, der in seine zweite Förderphase geht. Für extrem kurze Zeiträume können solche Materiezustände in Teilchenbeschleunigern erzeugt werden und etwas über die starke Wechselwirkung verraten, die die Atomkerne zusammenhält. Im Weltall treten solche extremen Materiezustände auf, wenn zum Beispiel Neutronensterne miteinander kollidieren. Neben der Goethe-Universität sind die Technische Universität Darmstadt als neue Sprecheruniversität und die Universität Bielefeld beteiligt.

Im neuen TRR 301 „Die Tropopausenregion in einer Atmosphäre im Wandel“ werden Atmosphärenwissenschaftler:innen die Zone in der Atmosphäre untersuchen, die die untere „Wetterschicht“ (Troposphäre) von der darüber liegenden Stratosphäre trennt: Die Tropopausenregion. Der Forschungsfokus liegt dabei auf den physikalischen und chemischen Prozessen dieser Region und deren Einfluss auf die planetare Zirkulation und das Klima. Hauptstandorte sind die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Sprecherin) und die Goethe-Universität Frankfurt. Beteiligt sind außerdem die Technische Universität Darmstadt, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, das Forschungszentrum Jülich sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen.

Bilder zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/101626857

Bildtext: Über die mathematische Technik der Uniformisierung können komplizierte geometrische Räume (hier: die j-Invariante als automorphe Funktion auf der Uniformisierung des Modulraums elliptischer Kurven) als hoch symmetrische geometrische Muster dargestellt werden. Bilder: Michaelis Neururer

Weitere Informationen
Prof. Dr. Jakob Stix
Sprecher TRR 326 „GAUS“
Institut für Mathematik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 69 798-28998
stix@math.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Josef Pfeilschifter
Sprecher SFB 1039 „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“
Institut für Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 6301-6950
pfeilschifter@em.uni-frankfurt.de
https://www.lipidsignalling.de/de/home/index.php

TRR 211 „Stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen“
https://crc-tr211.org/

TRR 301 „Die Tropopausenregion in einer Atmosphäre im Wandel“
https://www.uni-mainz.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 20 2021
14:48

Baker McKenzie-Preis 2020 für beste wirtschaftsrechtliche Dissertation und Habilitation

Herausragende Werke zum Völkerrecht und zum Versicherungsrecht

Dr. Sahar Moradi Karkaj und Prof. Dr. Jens Gal sind mit dem Baker McKenzie-Preis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird von der Anwaltssozietät für zwei herausragende wirtschaftsrechtliche Arbeiten vergeben.

FRANKFURT. Auch in diesem Jahr zeichnet Baker McKenzie zwei herausragende, im Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität entstandene wirtschaftsrechtliche Arbeiten mit dem Baker McKenzie-Preis aus. Den Preis erhielten Dr. Sahar Moradi Karkaj für ihre Dissertation und Prof. Dr. Jens Gal für seine Habilitationsschrift. Seit 1988 vergibt die Anwaltssozietät den mit 6.000 Euro dotierten Preis für herausragende Dissertationen oder Habilitationen, die im Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität entstanden sind.

Dr. Sahar Moradi Karkaj erhält die Auszeichnung für ihre Dissertation „Die Staatenhaftung im Völkerrecht am Beispiel von informationstechnischen Gefährdungslagen“. In ihrer Arbeit untersucht sie das Verhältnis der Haftungsregime im Völkerrecht zu rechtswidrigem Verhalten der Staaten einerseits sowie rechtmäßigem, aber gefährlichem Verhalten andererseits. „Das hohe Niveau der Dissertation zeigt sich nicht nur in der souveränen Beherrschung der völkerrechtlichen Grundlagen und der Fähigkeit der Verfasserin, komplexe und umstrittene Materien gründlich zu durchdenken und gut nachvollziehbar neu zu ordnen, sondern auch in einem eindrucksvollen Quellen- und Anmerkungsapparat, der höchsten Ansprüchen gerecht wird“, so der Betreuer der Arbeit, Prof. Dr. Stefan Kadelbach, der an der Goethe-Universität Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht lehrt.

Prof. Dr. Jens Gal wird für seine Habilitationsschrift „Die Mitversicherung. Das konsortiale Geschäft in der Versicherungswirtschaft im Spannungsfeld von Privatautonomie, Regulierung und Wettbewerb“ ausgezeichnet. „Die Arbeit bietet eine ganzheitliche Betrachtung der Mitversicherung in allen einschlägigen Rechtsgebieten wie sie in dieser Breite, Tiefe und Aktualität – wohl auch außerhalb des deutschsprachigen Raums – bislang nicht zu finden ist“, führt Prof. Dr. Manfred Wandt aus, der die Professur für Bürgerliches Recht, Handels- und Versicherungsrecht Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität innehat.

„Die Förderung von Nachwuchsjuristinnen und -juristen spielt für unsere Sozietät seit jeher eine bedeutende Rolle. Der Baker McKenzie-Preis ist bereits seit mehr als 30 Jahren fester Bestandteil unserer Nachwuchsförderung", sagt Baker McKenzie-Partner Prof. Dr. Joachim Scherer, selbst Alumnus der Goethe-Universität und seit 1995 apl. Professor für Öffentliches Recht.

Über Baker McKenzie

Baker McKenzie berät Mandanten, wie sie erfolgreich mit den Herausforderungen der Globalisierung umgehen können. Die Sozietät, die vor mehr als 70 Jahren gegründet wurde, beschäftigt weltweit 13.000 Mitarbeiter. In Deutschland arbeiten rund 200 Anwälte an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main und München. Als eine der führenden deutschen Anwaltskanzleien berät Baker McKenzie nationale und internationale Unternehmen und Institutionen auf allen Gebieten des Wirtschaftsrechts.

Porträts zum Download: http://uni-frankfurt.de/101529628

Bildtext: Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich des Wirtschaftsrechts sind Dr. Sahar Moradi Karkaj und Prof. Dr. Jens Gal mit dem Baker McKenzie-Preis ausgezeichnet worden. (Fotos: privat)

Weitere Informationen
Iris Meinking, Senior Manager, HR Communications, Telefon 069 29908-322, iris.meinking@bakermckenzie.com


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 20 2021
13:11

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der Event Horizon Telescope-Kollaboration werten Daten vom ersten Bild eines schwarzen Lochs aus

Nicht alle Theorien erklären das schwarze Loch M87*

Theoretische Physiker der Goethe-Universität Frankfurt haben im Rahmen der Event-Horizon-Telescope-(EHT)-Kollaboration die Daten vom schwarzen Loch M87* ausgewertet und damit Albert Einsteins Relativitätstheorie überprüft. Den Tests zufolge stimmt die Größe des Schattens von M87* sehr gut überein mit den Eigenschaften eines schwarzen Lochs, wie die allgemeinen Relativitätstheorie erwarten lässt, anderen Theorien hingegen hinsichtlich der Eigenschaften des schwarzen Lochs aber Grenzen setzt. Die EHT-Kollaboration hatte 2019 das erste Bild eines schwarzen Lochs veröffentlicht, das sich im Zentrum der Galaxie M87 befindet.

FRANKFURT. Wie der deutsche Astronom Karl Schwarzschild erstmals aufzeigte, krümmen schwarze Löcher aufgrund ihrer extremen Konzentration an Masse die Raumzeit extrem stark und heizen die Materie in ihrer Umgebung auf, sodass diese anfängt zu leuchten. Der neuseeländische Physiker Roy Kerr konnte zeigen, dass Rotation die Größe eines schwarzen Lochs und den Raum in seiner Umgebung ändert. Den „Rand“ eines schwarzen Lochs stellt der so genannte Ereignishorizont dar, die Grenze um die Massekonzentration herum, jenseits der Licht und Materie nicht entkommen können und die das schwarze Loch schwarz macht. Schwarze Löcher können, so sagen Theorien es voraus, durch eine Reihe von Eigenschaften beschrieben werden, durch ihre Masse, Rotation („Spin“) und eine Vielzahl möglicher Ladungen.

Zusätzlich zur Beschreibung von schwarzen Löchern nach der allgemeinen Relativitätstheorie lassen sich schwarze Löcher etwa mit Theorien beschreiben, die sich aus der String-Theorie herleiten. Diese Art von Theorien nimmt ein zusätzliches skalares Feld in der zugrundeliegenden Physik an, das bei schwarzen Löchern zu beobachtbaren Veränderungen in ihrer Größe wie auch der Krümmung des Raums in ihrer Umgebung führt.

Die Physiker Dr. Prashant Kocherlakota und Prof. Luciano Rezzolla vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität Frankfurt haben nun erstmals überprüft, wie die verschiedenen Theorien zu den Beobachtungsdaten des schwarzen Lochs M87* im Zentrum der Galaxie Messier 87 passen. Das Bild von M87*, das 2019 von der weltumspannenden Event Horizon Telescope (EHT)-Kollaboration gemacht wurde, war nach der Messung von Gravitationswellen 2015 der erste experimentelle Beweis für die tatsächliche Existenz von schwarzen Löchern.

Das Ergebnis der Frankfurter Untersuchungen: Die Daten von M87* stimmen vollständig überein mit den auf Einstein basierenden Theorien und zu einem gewissen Teil mit den String-basierten Theorien. Dr. Prashant Kocherlakota erklärt: „Durch die von der EHT-Kollaboration aufgezeichneten Daten können wir nun verschiedene Theorien zu schwarzen Löchern testen. Derzeit können wir noch keine der Theorien zur Beschreibung des Schattens von M87* verwerfen, aber mit unseren Berechnungen schränken wir den Gültigkeitsraum der Modelle von schwarzen Löchern ein.“

Prof. Luciano Rezzolla meint: „Die Idee eines schwarzen Lochs ist für uns theoretische Physiker gleichzeitig eine Quelle von Problemen und der Inspiration. Während wir immer noch mit einigen der Konsequenzen von schwarzen Löchern kämpfen wie zum Beispiel den Phänomenen ‚Ereignishorizont' oder ‚Singularität', freuen wir uns, wenn wir Lösungen zur Beschreibung von schwarzen Löchern in immer weiteren Theorien finden. Ergebnisse wie die jetzt von uns vorgestellten sind daher wichtig um zu bestimmen, welche Theorien plausibel sind und welche nicht. Neue Beobachtungen schwarzer Löcher werden unsere ersten Eingrenzungen der Theorien weiter präzisieren.“

In der Event-Horizon-Telescope-Kollaboration sind Teleskope von Observatorien rund um den Globus zu einem virtuellen Riesenteleskop zusammengeschaltet, dessen Schüssel so groß ist wie die Erde selber. Mit der Präzision dieses Teleskops könnte man von einem Straßencafé in Berlin aus eine Zeitung in New York lesen.

Publikation: Prashant Kocherlakota, Luciano Rezzolla, Heino Falcke, Christian M. Fromm, Michael Kramer,  Yosuke Mizuno, Antonios Nathanail, H´ector Olivares, Ziri Younsi et. al. (The Event Horizon Telescope collaboration), Constraints on black-hole charges with the 2017 EHT observations of M87*. Physical Review D, vol 103, https://journals.aps.org/prd/issues/103/10 PDF: MPIfR Cloud (mpg.de)

Video: Schwarzes Loch M87*: Prüfung verschiedener Gravitationsmodelle
https://youtu.be/dFhdl2sM4OY

Bilder zum Download:
www.uni-frankfurt.de/101531130

Bildtext: Größe des Ereignishorizonts für verschiedene Gravitationstheorien. Die berechneten Schatten schwarzer Löcher unterscheiden sich in der Größe, doch nur die Schatten, die in den grauen Bereich fallen, stimmen mit den Messungen zum schwarzen Loch M87* überein, die 2017 durch die Event Horizon Telescope-Kollaboration gemacht wurden. Das in dieser Abbildung rot dargestellte schwarze Loch ist zu klein, um ein tragfähiges Modell für M87* zu sein. Abbildung: Credit: Prashant Kocherlakota, Luciano Rezzolla (Goethe University Frankfurt and EHT Collaboration/ Fiks Film 2021)

Weitere Informationen
Dr. Prashant Kocherlakota
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798-47848
kocherlakota@itp.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Luciano Rezzolla
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
kocherlakota@itp.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 20 2021
12:23

Goethe-Universität, Universitätsklinikum Frankfurt und Universität Jena erhalten Spende vom Helaba-Konzern

Impfstoff-Forschung und medizinisches Pandemietraining gefördert  

FRANKFURT. mRNA-Botenstoffe bringen Zellen dazu, Virusproteine zu produzieren und aktivieren somit das Immunsystem – auf diesem Verfahren beruhen die beiden Impfstoffe von BioNTech und Moderna. Dennoch gibt es Unterschiede in der genauen Vakzin-Formulierung. „Das medizinische Kochbuch sagt uns: Es funktioniert so und auch so“, sagt Prof. Dr. Harald Schwalbe, Biochemiker an der Goethe-Universität. „Doch wir wissen bislang nicht genau, welche Auswirkungen diese Unterschiede auf der molekularen Ebene haben.“ Die dreidimensionale Struktur der mRNA – gefroren und bei Körpertemperatur – genau zu kennen, könnte nach Ansicht der Wissenschaftler Aufschlüsse über Unterschiede der SARS-CoV-2-Impfstoffe geben und dazu beitragen, Impfstoffe schnell zu identifizieren.

Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität um die Professoren Harald Schwalbe und Clemens Glaubitz können die Struktur und Stabilität des mRNA-Botenstoffs nun dank einer Anschubfinanzierung durch den Helaba-Konzern erforschen. Die 120.000 Euro-Spende für die Covid-19-Forschungsförderung fließt an die Goethe-Universität und an die kooperierende Schiller-Universität Jena; dort forscht seit kurzem Prof. Dr. Ute Hellmich, eine Alumna der Goethe-Universität und ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Lipid-basierten biomolekularen Strukturforschung. Am Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ), einem Europäischen Großforschungszentrum der Goethe-Universität, kommt bei der Strukturanalyse die strukturbiologische Schlüsseltechnologie Kernspinresonanz-Spektroskopie zum Einsatz, auf die die Wissenschaftler im BMRZ spezialisiert sind.

Eine weitere Helaba-Spende von 30.000 Euro ermöglicht die Ausweitung des erfolgreichen Pandemie-Trainings- und Fortbildungsprogramms für Menschen in medizinischen und pflegerischen Berufen, das die Ärztin Prof. Dr. Miriam Rüsseler am Universitätsklinikum Frankfurt zu Beginn der Pandemie entwickelt hat. Mehr als 900 Ärztinnen, Pfleger, Notfallmediziner:innen haben die praktische Fortbildung im anspruchsvollen Umgang mit infektiösen Patient:innen bereits erhalten. Durch die neuerliche Förderung können mindestens 360 weitere Mediziner:innen und Pfleger:innen qualifiziert werden. Inzwischen sind Teile des vierstufige Intensivtraining mit elearning- und Praxismodulen auch im Medizinstudium an der Goethe-Universität verankert.

„Wir freuen uns sehr, dass der Helaba-Konzern uns großzügig unterstützt“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Und das in einem Moment der Pandemie, in dem vielen Menschen bewusst wird, dass uns SARS-CoV-2 trotz wachsender Zuversicht vermutlich noch länger beschäftigen wird. Diese Spende macht uns besonders deutlich, welchen Beitrag wir als Volluniversität gerade jetzt leisten können – Grundlagenforschung zu Impfstoffen zu betreiben und eine hochqualifizierte Ausbildung in der Medizin und Pflege zu garantieren.“

„Gerade in der Krise ist es uns ein großes Anliegen, Projekte zu fördern, die gesamtgesellschaftlichen Nutzen stiften“, erklärt Thomas Groß, Vorstandsvorsitzender der Helaba. „Mit dem Forschungsprojekt der Universitäten in Frankfurt am Main und Jena sowie dem Pandemie-Fortbildungsprogramm fördern wir zwei Projekte, die einen Beitrag leisten, die aktuelle Situation und auch künftige Krisen besser bewältigen zu können.“

Mit rund 6.200 Mitarbeitenden und einer Bilanzsumme von 219 Mrd. Euro gehört der Helaba-Konzern zu den führenden Banken am Finanzplatz Frankfurt. Die Bank engagiert sich über ihre finanzwirtschaftlichen Aufgaben hinaus in mehreren Bereichen des öffentlichen Lebens und fördert Projekte in Bildung, Kultur, Umwelt, Sport und Sozialwesen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ)
E-Mail: schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Clemens Glaubitz
Institut für Biophysikalische Chemie
Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz (BMRZ)
E-Mail: glaubitz@chemie.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Ute Hellmich
Friedrich Schiller Universität Jena
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie (IOMC)
Exzellenzcluster “Balance of the Microverse"
ute.hellmich@uni-jena.de

Prof. Dr. Miriam Rüsseler
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Klinik für Unfall-, Hand- und Wieder­herstellungs­chirurgie
E-Mail: miriam.ruesseler@kgu.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 19 2021
14:23

Projekt SENSORITHM der Rhein-Main-Universitäten unter Leitung der Goethe-Universität in Konzeptionsphase des BMBF-Programms „Cluster4Future“ aufgenommen

Selbstlernende Sensorsysteme für Natur und Technik

Wie sich mit intelligenten Sensortechnologien an Windrädern Kollisionen mit Vögeln und Fledermäusen vermeiden lassen ist eines der beiden Forschungsziele des von der Goethe-Universität koordinierten Projekts SENSORITHM Rhein-Main. Außerdem wollen die Forscherinnen und Forscher selbstlernende Sensorsysteme zur Überwachung technischer Komponenten und Anlagen entwickeln. Eine Expertenjury wählte das Projekt jetzt im Ideenwettbewerb „Clusters4Future“ des Bundesforschungsministeriums für eine Förderung in der Konzeptionsphase aus – als eines von 15 Projekten aus insgesamt 117 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen.

FRANKFURT. Wer Windräder aufstellen will, gelangt leicht in ein Grün-Grün-Dilemma: Einerseits soll die von Windrädern erzeugte erneuerbare Energie den Klimawandel aufhalten und damit letztlich auch die Artenvielfalt sichern, andererseits gefährden die Rotorblätter seltene Vogelarten wie den Roten Milan und verschiedene Fledermausarten. An bestimmten Windradstandorten wird daher über längere Zeit aufgezeichnet, wann typischerweise zum Beispiel Fledermäuse unterwegs sind. Zum Schutz der gefährdeten Arten müssen dann die Windräder anschließend bei bestimmten Temperatur- und Windbedingungen abgeschaltet werden. Andere Standorte kommen derzeit wegen des Artenschutzes gar nicht erst für Windräder infrage.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Projekts SENSORITHM Rhein-Main wollen nun verschiedene, selbstlernende Sensorsysteme entwickeln, die es einmal erlauben sollen, die Betriebszeiten von Windkrafträdern so zu optimieren, dass Fledermausarten und bestimmte Vogelarten wie der Rote Milan nicht gefährdet werden und dass sich zum Beispiel die Windräder abschalten, wenn es eine erhöhte Flugaktivität gibt.

SENSORITHM-Projektkoordinator Dr. Jochen Moll von der Goethe-Universität Frankfurt erklärt: „Wir wollen Sensoren und künstliche Intelligenz dazu nutzen, um Windkraft besser mit Artenschutz vereinbar zu machen. Neben den technischen Aspekten ist auch die Einbindung regionaler Stakeholder aus der Energiewirtschaft und dem Umwelt- und Artenschutz sowie Bürgerinnen und Bürger Teil des Projekts. Eine besondere Stärke von SENSORITHM Rhein-Main liegt darin, dass wir hier die Expertise aus Physik, Biologie, Informatik, Maschinenbau und Sozialwissenschaften verbinden.“

Die zweite Säule von SENSORITHM bildet die Entwicklung innovativer Sensortechnologien und Algorithmen zur technischen Überwachung von Windrädern und anderen industriellen Anlagen. Auch beispielsweise die Flugtauglichkeit von Flugzeugen oder die Stabilität von Brücken können so sichergestellt werden. Dr. Moll: „Mit unserem methodischen Ansatz wollen wir die Betriebssicherheit insbesondere bei Leichtbaustrukturen erhöhen. In der Zukunft sind auch andere Anwendungen vorstellbar, etwa in der Medizintechnik, in der sich selbstlernende Sensorsysteme einsetzen lassen.“

Das Projekt SENSORITHM Rhein-Main wird von der Goethe-Universität Frankfurt koordiniert, weitere Antragsteller sind die Technische Universität Darmstadt und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Rahmen des Verbunds der Rhein-Main-Universitäten, das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt und das Institut für Tierökologie und Naturbildung in Laubach. Zudem wird SENSORITHM Rhein-Main Netzwerke wie das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz, (hessian.ai), regionale Industriekooperationen sowie regionale NGOs, Landesbehörden und Schulen der Region in ein Innovationsnetzwerk zusammenführen. In Reallaboren wie zum Beispiel dem Windenergietestfeld des Windforschungsclusters Süd, an Baukränen, Drohnenflotten oder Brücken sollen die Sensorsysteme erprobt und validiert werden. Dabei wird SENSORITHM Rhein-Main unter anderem Bürgerinnen und Bürger als „Citizen Scientists“ einbinden.

Die zweite Runde des „Clusters4Future“-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums (BMBF) startete im November 2020 als Teil der Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung. Mit „Clusters4Future“ soll in regionalen Spitzenstandorten der Wissens- und Technologietransfer gefördert werden. Zunächst wird SENSORITHM Rhein-Main ein Konzept mit Unterstützung des BMBF ausarbeiten, um von der Wettbewerbsskizze zu einem Umsetzungsszenario zu gelangen. Etwa die Hälfte der eingereichten Konzepte sollen dann ab Sommer 2022 zunächst für die Dauer von drei Jahren mit jährlich 5 Millionen Euro gefördert werden.

Weitere Informationen:
Dr.-Ing. Jochen Moll
Projektkoordinator SENSORITHM Rhein-Main
Physikalisches Institut
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798-47208
moll@physik.uni-frankfurt.de
www.jochenmoll.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Mai 18 2021
14:26

Das Projekt MathCityMap der Goethe-Universität ruft Lehrkräfte und Familien dazu, sich am internationalen „Outdoor Classroom Day“ am 20. Mai zu beteiligen.

Unterricht unter freiem Himmel

FRANKFURT. Der Outdoor Classroom Day ist eine internationale Initiative, um den Unterricht verschiedener Fächer in die Natur und alltägliche Umwelt zu verlagern. Am Donnerstag, den 20. Mai 2021, findet der diesjährige Tag statt. Es sind sämtliche Schulen, Einrichtungen und Familien dazu eingeladen, die bekannte Lernumgebung zu verlassen und die eigene Umwelt mit schulischem Wissen zu erkunden. Das Projekt MathCityMap vom Institut der Didaktik der Mathematik und Informatik der Goethe-Universität ruft Lehrkräfte für das Fach Mathematik, Einrichtungen und Eltern dazu auf, sich an dem Tag zu beteiligen.

Bereits seit 2012 wurde im Rahmen von MathCityMap eine App entwickelt (in den Playstores unter mathcitymap zu finden), mit der mathematische Wanderpfade abgelaufen werden können. Egal ob gezählt, gemessen oder gerechnet wird – Mathematik außer Haus lässt sich an nahezu jedem alltäglichen Objekt entdecken, erklärt Mathematikprofessor Matthias Ludwig, der das Projekt leitet: „Wir laden alle herzlich dazu ein, einen mathematischen Wanderpfad mit Ihren Schülerinnen und Schülern bzw. Ihren Familienangehörigen auszuprobieren. Dafür gibt es bereits eine Vielzahl von uns angelegter Routen.“ Eine Auswahl für das Rhein-Main-Gebiet wurde von Ludwigs Team bereits zusammengestellt. Als ein Highlight des Wanderpfades bieten sich die Skulpturen Herbert Mehlers an, die bis Ende April 2022 auf dem Campus Westend der Goethe-Universität gezeigt werden.

Um einen Spaziergang mit Schülerinnen und Schülern zu organisieren, muss lediglich eine passende Route ausgewählt und den Kindern der entsprechende Code mitgeteilt werden. Das Ablaufen kann entweder zeitgleich mit der ganzen Klasse oder über einen längeren Zeitraum mithilfe der Familien individuell organisiert werden. Wer bei der Vorbereitung Hilfe benötigt, kann sich gerne melden unter info@mathcitymap.eu  

Flyer von MathCityMap (mit Routen um den Goetheplatz und die Alte Oper): http://www.uni-frankfurt.de/101425078

Informationen zum Outdoor Classroom Day: https://outdoorclassroomday.com/  

Informationen zur Freiluftausstellung mit 18 Großskulpturen von Herbert Mehler: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/campus/goethe-uni-und-die-galerie-praesentieren-freiluftausstellung-mit-18-grossskulpturen-von-herbert-mehler/

Kontakt: Prof. Dr. Matthias Ludwig, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik (IDMI), Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-28695; ludwig@math.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
14:22

Der frühere hessische Wissenschaftsminister folgt Prof. Dr. Matthias Kleiner, der von 2014 bis 2021 amtierte

Goethe-Universität: Udo Corts zum Vorsitzenden des Hochschulrats gewählt

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat einen neuen Vorsitzenden des Hochschulrats: Der frühere hessische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Dr. h.c. Udo Corts, wurde am 17. Mai vom Hochschulrat einstimmig mit einer Enthaltung gewählt. Der 66-Jährige tritt sein Amt mit sofortiger Wirkung als Nachfolger von Prof. Dr. Dr. h.c. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, an, dessen Amtszeit im April endete: „Ich freue mich sehr, dass der Hochschulrat mich mit einem so klaren Votum für dieses wichtige Amt ausgestattet hat und danke für das Vertrauen“, sagte Corts nach der Wahl. „Die Goethe-Universität ist eine der größten und forschungsstärksten Hochschulen in Deutschland und Stiftungsuniversität mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit. Der Hochschulrat wird alles tun, um die positive Entwicklung der letzten 15 Jahre weiter zu unterstützen und dem neuen Präsidium mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dabei hilft mir, dass ich mich bereits als hessischer Wissenschaftsminister ab 2006 für die Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts einsetzen durfte, die 2008 durch den Landtag vollzogen wurde. Als meinem Vorgänger danke ich insbesondere Matthias Kleiner für die wichtigen Akzente zur universitären Weitentwicklung, die während seiner Amtszeit gesetzt werden konnten und wünsche ihm persönlich alles Gute!“

Die Hessische Wissenschaftsministerin, Angela Dorn: „Ich gratuliere Udo Corts sehr herzlich zu seiner Wahl. Schon aus seiner Zeit als hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst kennt er die Goethe-Universität bis ins Detail, die unter seiner Ägide in eine Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Auch seither ist er der Universität eng verbunden geblieben, etwa durch seine Funktionen im Aufsichtsrat des Uniklinikums oder im Vorstand der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität. Ich bin mir sicher, dass er mit seinem großen hochschulpolitischen Sachverstand und seiner sachorientierten und integrierenden Art eine Bereicherung für das Gremium darstellt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Herrn Corts. Herrn Professor Kleiner, der die Universität über sechs Jahre in der Funktion des Hochschulratsvorsitzenden sehr engagiert und fachkundig begleitet hat, danke ich sehr herzlich für sein Wirken. Er hat die Entwicklung der Universität in den letzten Jahren sehr positiv mitgeprägt.“

Der Vorsitzende der Leibniz-Gemeinschaft und frühere Hochschulratsvorsitzende, Prof. Dr. Matthias Kleiner: „Udo Corts wünsche ich von Herzen viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe als Vorsitzender des Hochschulrates, die immer bedeutet, das Bestmögliche für die Goethe-Universität zu erreichen. Für die nächste Runde der Exzellenzstrategie wird Verbundforschung in Netzwerken sicherlich ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein. Ohne Zweifel ist Herr Corts seinerseits ein exzellenter „Networker“, der mit seinen in der Politik und Wirtschaft gemachten Erfahrungen der mir durch viele Jahre ans Herz gewachsenen Frankfurter Goethe-Universität ein leidenschaftlicher, kritisch-konstruktiver Begleiter und Ratgeber sein wird.“

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff: „Ich beglückwünsche Herrn Corts zur Wahl als neuen Vorsitzenden des Hochschulrats der Goethe-Universität. Ich bin sehr froh, dass mit ihm ein exzellenter Experte für Wissenschafts- und Hochschulpolitik mit guten Drähten in die Wirtschaft und festen Wurzeln in der Stadt Frankfurt für diese wichtige Position gefunden werden konnte. Ich wünsche Udo Corts für sein Amt alles Gute und freue mich sehr auf die künftige enge Zusammenarbeit.“ 

In seiner Vorstellung betonte Corts, dass die durch Digitalisierung und Pandemie sich verändernde Welt auch vor den Universitäten nicht haltmache. Hier gelte es strategisch die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Auch die Vorbereitung auf die nächste Exzellenzstrategie habe jetzt schon begonnen; hier werde der Hochschulrat mit seinen Möglichkeiten das Präsidium unterstützen. Auch erinnerte er an teilweise hohe Abbruchquoten von Studierenden, dies könne so auf Dauer nicht hingenommen werden, die Studierenden müssten erfolgreich ihre Universität verlassen können. Er wies darauf hin, dass die Goethe Universität und auch die anderen Hochschulen als Standortfaktoren für die Stadt Frankfurt am Main von der Stadtpolitik noch nicht ausreichend anerkannt würden. Die neue Koalition sei hier gefordert.

Udo Corts war von 2003 bis 2008 Wissenschaftsminister in Hessen. In seine Zeit fiel die Umwandlung der Goethe Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Außerdem initiierte er das Hochschulentwicklungs- und Umbauprogramm HEUREKA, auch die Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) und er war Mitgründer der Deutsch-Vietnamesischen Universität in Ho Chi Minh City. Corts wechselte nach seinem Ausscheiden aus der Politik in die Wirtschaft und war von 2008 bis 2020 Vorstand der Deutschen Vermögensberatung AG.

Foto zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/101417519

Foto: Büro Corts


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
11:26

Universitätsmusikdirektor der Goethe-Universität an Eichstätter Studie beteiligt: Chöre klagen über Austritte, Nachwuchssorgen und Geldnot

Wie Corona die Chormusik aus dem Takt bringt

Schrumpfende Mitgliederzahlen, finanzielle Sorgen, Nachwuchsprobleme: Die Chorlandschaft im deutschsprachigen Raum hat erheblich unter der Coronakrise zu leiden. Dies zeigt eine Studie, an der auch Jan Schumacher, Universitätsmusikdirektor der Goethe-Universität, beteiligt war.  

FRANKFURT/EICHSTÄTT. Bereits nach einem Jahr Pandemie hat die Chorlandschaft im deutschsprachigen Raum offenbar erheblichen Schaden genommen. Die Chöre klagen über rückläufige Mitgliederzahlen, finanzielle Sorgen und Nachwuchsprobleme – und befürchten, dass der Mitgliederschwund sich auch nach der Krise fortsetzen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Leitung von Prof. Dr. Kathrin Schlemmer (Professur für Musikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt), an der sich binnen kurzer Zeit mehr als 4300 Chöre in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt haben. Ko-Autoren der Erhebung sind Tobias Brommann (Domkantor am Berliner Dom), Prof. Jan Schumacher (Universitätsmusikdirektor, Goethe-Universität Frankfurt/Main) sowie Ester Petri und Dr. Johannes Graulich, die den im Bereich Chormusik führenden Stuttgarter Carus-Verlag leiten. Prof. Jan Schumacher, Universitätsmusikdirektor an der Goethe-Universität, gilt als profunder Kenner der deutschen und internationalen Chorszene und ist unter anderem Vorsitzender des Beirats Chor im Deutschen Musikrat. Er wurde daher insbesondere zu künstlerischen Fragen bei der Erstellung und Auswertung der Umfrage als Ko-Autor konsultiert. Erste Ergebnisse der Online-Befragung von Chören hat das Projektteam nun in der aktuellen Ausgabe der „neuen musikzeitung“ (nmz) veröffentlicht.

Mit mehr als vier Millionen aktiven Sängerinnen und Sängern allein in Deutschland gehört Chormusik zu den wesentlichen Säulen des Laienmusizierens. Die Studie „Chormusik in Coronazeiten“ (ChoCo) dokumentiert erstmals die kritische Lage in diesem Bereich bezogen auf alle wesentlichen Aspekte von Chorarbeit. „Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger bei den befragten Chören ist während der Pandemie deutlich rückläufig. Nur weniger als ein Drittel konnte die Mitgliederzahl beibehalten. Besonders ausgeprägt ist der Verlust bei den mehr als 580 befragten Nachwuchschören. Von diesen existiert de facto fast jeder achte Kinder- und Jugendchor nicht mehr“, berichtet Professorin Schlemmer.

Fast 60 Prozent aller befragten Ensembles erwarten, dass sie auch in der Zeit nach der Pandemie nicht mehr in früherer Besetzungsstärke weiterarbeiten werden. 15 Prozent fürchten sogar einen deutlichen Rückgang des Interesses von Sängerinnen und Sängern durch die lange Zwangspause. Trotz zahlreicher kreativer Ansätze für die coronakonforme Chorarbeit – etwa durch digitale Proben, Singen im Freien oder in größeren Räumen – werde nur ein kleiner Teil der Ensembles erreicht. Gleichzeitig seien die Proben mit einem enormen Mehraufwand für die Verantwortlichen verbunden. Die Auswertung der Fragebogen ergab auch, dass mit reduzierter Mitgliederzahl und stark reduzierten Proben- und Auftrittsmöglichkeiten die Qualität des Ensembles spürbar nachlasse. Die Frage nach der aktuellen musikalischen Verfassung werde für mehr als die Hälfte der Chöre im negativen Bereich beantwortet, ebenso die Frage nach der aktuellen mentalen Verfassung. Weniger besorgniserregend fielen die Antworten aus, was den Zusammenhalt innerhalb der Chöre betrifft: Die Hälfte der Chöre sehe diesen noch im positiven Bereich. Besondere Sorge bereitet dem Projektteam allerdings, dass der Zusammenhalt vor allem bei den Nachwuchschören stark gelitten habe. Diese unterliegen durch Schule oder Ausbildung ohnehin schon einer größeren Fluktuation als Chöre mit erwachsenen Mitgliedern. In Kinder- und Jugendchören muss folglich ständig Nachwuchs gefunden werden. Sie sind gegenüber Unterbrechungen besonders anfällig. Die finanzielle Situation beurteilt jeder dritte befragte Chor als eher oder sogar sehr unsicher, da gängige Einnahmen wie Erlöse aus Konzerten fehlen. Weitere gut 20 Prozent der Chöre erwarten finanzielle Probleme in diesem oder im nächsten Jahr. In der Konsequenz können viele Chöre beispielsweise ihre oft freiberuflichen Leiterinnen und Leiter nicht mehr (voll) finanzieren.

Die ChoCo-Studie soll nicht nur die aktuelle Lage deutlich machen, sondern auch auf Förderbedarfe hinweisen, um weiteren Schaden abzuwenden: „Die teilnehmenden Chöre wünschen Hilfe bei der Finanzierung von Schnelltests, gefolgt von der Unterstützung bei den Honoraren für die Dirigentinnen und Dirigenten, Zuschüsse für Notenmaterial sowie eine Ausfallversicherung bei Konzerten in der aktuell unsicheren Pandemielage, um den Chorbetrieb sicher wieder aufnehmen zu können.“

Aus Sicht des Projektteams sind die Ergebnisse umso beunruhigender, da sie noch vor der dritten Welle im März ermittelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt rechneten viele Chöre noch damit, bald wieder proben zu können. Mangels Öffnungsperspektive habe sich die Situation für die Chöre weiter verschlechtert: „Von vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens wird sich die Erholung bei den Chören unterscheiden, eine baldige Wiederherstellung des normalen Chorlebens ist zeitnah nicht zu erwarten.“

Über die nun veröffentlichten ersten Ergebnisse hinaus will das Autorenteam die Erhebung noch detaillierter auswerten – etwa im Hinblick auf regionale Unterschiede oder die Art der Chöre. Zudem hatten die Befragten neben einem standardisierten Fragebogen auch Gelegenheit, die Situation mit eigenen Worten zu schildern. Diese qualitativen Daten werden nun noch weiter untersucht.

Publikation: Ein ausführlicher Beitrag zur ChoCo-Studie ist in der „Neuen Musikzeitung“ (nmz) erschienen und unter www.nmz.de/choco abrufbar.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Kathrin Schlemmer
Professur für Musikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
kathrin.schlemmer@ku.de

Prof. Jan Schumacher
Universitätsmusikdirektor
Institut für Musikwissenschaften der Goethe-Universität
J.Schumacher@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
10:55

49. Römerberggespräche in Kooperation mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen: Von den Grenzen und Möglichkeiten des Politischen in Krisenzeiten

Die Republik auf allen Viren – wieviel Angst verträgt die Demokratie?

FRANKFURT. Die Pandemie gerät zum Stresstest – nicht nur für das Individuum, sondern auch für das politische System. Grundrechte werden eingeschränkt, Gesetze zu Verordnungen verkürzt. Die Regierung inszeniert sich als effizienter Krisenmanager, der aus wissenschaftlichen Erkenntnissen alternativlose Konsequenzen zieht. Grenzüberschreitend werden angesichts der viralen Bedrohung Rückfälle in autoritär anmutendes Staatshandeln und überwunden geglaubten Nationalismus sichtbar. Bleibt den Bürger*innen also nur noch Angst und Ohnmacht, wenn Experten das Sagen haben?

Im Rahmen der Frankfurter Römerberggespräche debattieren Wissenschaftler*innen über die psychischen und politischen Langzeitfolgen des fortgesetzten Lockdowns. Sie loten das Verhältnis von individueller Freiheit, wechselseitigem Vertrauen und staatsbürgerlicher Souveränität aus. Sie fragen, wie sich das Verhältnis von Staat, Wissenschaft und Gesellschaft verändert, und wie die Zivilgesellschaft wieder zum Ort einer kritischen Öffentlichkeit werden kann – ohne haltlosem Verschwörungsglauben in die Hände zu spielen.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der

49. Römerberggespräche
Die Republik auf allen Viren – wieviel Angst verträgt die Demokratie?
am Samstag, dem 22. Mai 2021
live übertragen aus dem Chagall Saal des Schauspiel Frankfurt.

Der Livestream wird ab 10 Uhr auf www.roemerberggespraeche-ffm.de zu verfolgen sein.

Zur Begrüßung spricht Angela Dorn, hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Moderiert wird die Veranstaltung von der Journalistin Hadija Haruna-Oelker und dem Leiter der Literaturredaktion von hr2-kultur, Alf Mentzer.

Zu den teilnehmenden Wissenschaftlern des kooperierenden geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes gehören Prof. Dr. Klaus Günther (Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“) und Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg (Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“).

Weitere Redner*innen und Diskussionsgäste sind Prof. Birgit Aschmann (Historikerin, HU Berlin), Thomas Brussig (Autor), Prof. Nico Dragano (Medizinsoziologe, Universitätsklinikum Düsseldorf), Prof. Christiane Eichenberg (Leiterin des Instituts für Psychosomatik der Sigmund Freud Privatuniversität), Prof. Valentin Groebner (Historiker, Universität Luzern), Dr. Romy Jaster (Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der HU Berlin), Prof. Armin Nassehi (Soziologe, LMU München) und Prof. Rudolf Stichweh (Soziologe, Universität Bonn).

Die Frankfurter Römerberggespräche bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge und sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Vorsitzender des Trägervereins Römerberggespräche e.V. ist Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und seit 2013 assoziiertes Mitglied des Frankfurter Forschungsverbundes Normative Ordnungen.
 
Das Programm am 22. Mai 2021 im Überblick:
 
10:00 Uhr
Begrüßung der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn

10:15 Uhr
Prof. Armin Nassehi (Soziologe, LMU München): Die infizierte Gesellschaft und ihre Immunreaktionen

11.00 Uhr
Thomas Brussig (Autor) –  Prof. Günter Frankenberg (Jurist, Goethe-Universität, Assoziiertes Mitglied "Normative Orders"): „Mehr Diktatur wagen? Demokratie und Rechtsstaat in der Pandemie“

12.00 Uhr – 13.00 Uhr
Prof. Birgit Aschmann (Historikerin, HU Berlin) – Prof. Valentin Groebner (Historiker, Universität Luzern): „Tod und Krankheit – Politik- und Sozialgeschichte der Pandemie“

14.00 Uhr
Dr. Romy Jaster (Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der HU Berlin) – Prof. Rudolf Stichweh (Soziologe, Universität Bonn): „Wahnsinn und Methode – Was bleibt von der Wahrheit in Corona-Zeiten?“

15.00 Uhr
Prof. Christiane Eichenberg (Leiterin des Instituts für Psychosomatik der Sigmund Freud Privatuniversität) – Prof. Nico Dragano (Medizinsoziologe, Universitätsklinikum Düsseldorf): „Stresstest Pandemie – Psychische Leiden im Lockdown“

16.00 Uhr – 17.00 Uhr
Prof. Klaus Günther (Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität, "Normative Orders"): „Wandle nur wehrlos fort durchs Leben, und fürchte nichts! – Angst und Vertrauen im demokratischen Rechtsstaat“

Details zum Programm:
www.roemerberggespraeche-ffm.de, www.normativeorders.net

Information und Anmeldung:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, Tel.: 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 17 2021
10:02

Wie neuartige Therapeutika Einblicke in Membrane von Bakterien geben

In Zeitlupe gegen Antibiotikaresistenz

Ob Bakterien gegen Antibiotika resistent sind, entscheidet sich oft an ihrer Zellmembran. Dort können Antibiotika auf dem Weg ins Zellinnere blockiert oder von innen nach außen katapultiert werden. Makrozyklische Peptide, eine neuartige Klasse von Antibiotika, bioaktiver Zellgifte und Hemmstoffe (Inhibitoren), geben Aufschluss darüber, wie dieser Transportprozess an der Membran verläuft, wie er beeinflusst wird und wie er genutzt werden kann, um die Resistenz einer bösartig transformierten Zelle zu umgehen. Die Forschungsergebnisse, die hierzu unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Tampé (Goethe-Universität) und von Prof. Dr. Hiroaki Suga (Universität Tokyo) erarbeitet wurden, werden in dem renommierten Journal eLife veröffentlicht (20-02-2021-RA-eLife-67732). 

FRANKFURT. Es gibt zurzeit nur wenige synthetische Wirkstoffe, die an die weit verbreiteten Membrantransportproteine, den ATP-Bindungskassettentransportern (ABC), binden und diese blockieren. Vier dieser makrozyklischen Peptide haben Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Universität von Tokyo als Modelle für eine neuartige Generation von Wirkstoffen identifiziert. Dabei kamen Methoden zur Anwendung, für die die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als weltweit führend gelten.  

Dank Deep Sequencing, einem extrem schnellen und effizienten Ausleseverfahren, konnten die gewünschten makrozyklischen Peptide aus einer Billionen Varianten umfassenden “Bibliothek" makrozyklischer Peptide herausgefiltert werden – diese Zahl übersteigt die Anzahl an Sternen in der Milchstraße. Dass überhaupt eine solch enorme Anzahl vorliegt, hängt mit einem neuartigen Verfahren zusammen: Durch Reprogrammierung des genetischen Codes können Aminosäuren gezielt als Wirkstoffbauteile verwendet werden, die sonst in der Zelle nicht genutzt werden. Vor allem durch ihre kreisförmige, geschlossene Struktur unterscheiden sie sich von natürlichen Proteinen. “Weil diese Therapeutika zyklisch sind, werden sie in der Zelle weniger schnell abgebaut", erklärt Robert Tampé, Direktor des Instituts für Biochemie an der Goethe-Universität. “Außerdem sind die ringförmigen Wirkstoffe in ihrer Raumstruktur eingeschränkt, sie binden deshalb ohne große Umlagerungen an das Zielmolekül." Ein drittes Unterscheidungsmerkmal macht die makrozyklischen Peptide ganz besonders attraktiv für die Wissenschaftler:innen: Bei der Herstellung der Wirkstoffe wird ihre Bauanleitung als “Barcode" mitgeliefert. Sucht man in einer Anzahl von Billionen synthetisch erzeugter Therapeutika bestimmte heraus, führen sie ihr “Namensetikett" gleichsam mit sich. 

Welche Rolle spielen nun die synthetischen Therapeutika für die Antibiotikaresistenz in Bakterien oder die Multidrogenresistenz von Tumorzellen? Was geschieht, wenn sie auf das ATP-getriebene Transportmolekül treffen, das für die Resistenz verantwortlich ist, indem es die Chemotherapeutika aus der Zelle befördert? Kurz zusammengefasst: Die Wirkstoffe blockieren den Transporter, indem sie an ihn binden. Dies kann am Anfang oder am Ende eines Transportprozesses geschehen, wenn sich der Transporter im Ruhzustand befindet. Da die Wissenschaftler:innen den Transportprozess aber verlangsamen können, so dass er wie in Zeitlupe abläuft, können die Wirkstoffe identifiziert werden, die mitten im Transportprozess “einsteigen" und das Membranprotein in seiner jeweiligen Position “festhalten“. So erhalten die Forscher:innen einen Einblick in die Choreographie des Transportprozesses wie durch die Bilder eines Filmstreifens. 

Diese Einblicke haben in der Wissenschaft bereits zu einem “Paradigmenwechsel" geführt, wie Tampé erklärt: „Bislang sind wir davon ausgegangen, dass die ATP-Hydrolyse (Anm: ein Energie freisetzender Spaltprozess) die Energie für den Transport durch die Membran liefert. Dies ist aber nur indirekt der Fall. Es ist das Ereignis der Bindung des ATP-Moleküls, das Substanzen aus der Zelle stößt. Die Energie der Hydrolyse wird dagegen dafür eingesetzt, den ABC-Transporter wieder in seinen Ausgangszustand zu versetzen." Diese und andere Einblicke in das Membrangeschehen, so die Überzeugung der Arbeitsgruppen an der Goethe-Universität und der Universität Tokyo, zeigen Wege auf, wie zukünftige Arzneimittel entwickelt werden können. 

Die Grundlagenforschung zu zellulären Membranen und Membranproteinen hat in Frankfurt bereits eine lange Tradition. Robert Tampé klärte wesentliche Mechanismen von ATP-getriebenen Transportproteinen und zellulären Maschinerien der adaptiven Immunantwort und Qualitätskontrolle, die gemeinsam mit der neuen Publikation Ansätze für die angewandte Arzneimittelforschung liefern können. Nachdem Tampé Sprecher des Ende 2020 ausgelaufenen Sonderforschungsbereichs »Transport und Kommunikation über biologische Membranen« (SFB 807) war, befindet sich das Konzept für ein neues Forschungszentrum bereits in der Entwicklung. Dabei sollen hochdynamische Prozesse in Bezug auf Proteinnetzwerke und Maschinerien in zellulären Membranen erforscht werden. Langfristig sollen die Forschungsergebnisse neue Möglichkeiten für die Therapie von molekularen Krankheiten, Infektionen und Krebs aufzeigen.

Publikation:
Erich Stefan, Richard Obexer, Susanne Hofmann, Khanh Vu Huu, Yichao Huang und Nina Morgner, zudem federführend Hiroaki Suga und Robert Tampé: „De novo macrocyclic peptides dissect energy coupling of a heterodimeric ABC transporter by multimode allosteric inhibition“ (20-02-2021-RA-eLife-67732)

Stefan, Hofmann und Tampé forschen am Institut für Biochemie der Goethe-Universität, Vu Huu und Morgner am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität und Obexer, Huang und Suga am Department of Chemistry, University of Tokyo.

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/101026220
(Grafik: Robert Tampé, Inst. f. Biochemie, Biozentrum, Goethe-Universität Frankfurt)
Bildtext: Synthetische Therapeutika für die Antibiotikaresistenz in Bakterien oder die Multidrogenresistenz von Tumorzellen können das ATP-getriebene Transportmolekül blockieren, das Chemotherapeutika aus der Zelle befördert 

Weitere Informationen
Prof. Dr. Robert Tampé
Institut für Biochemie, Biozentrum
Goethe-Universität Frankfurt
tampe@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Hiroaki Suga
Department of Chemistry
Graduate School of Science
The University of Tokyo
hsuga@chem.s.u-tokyo.ac.jp


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 12 2021
16:01

Goethe-Universität und Ausstellungshaus DIE GALERIE präsentieren bis 24. April 2022 auf dem Campus Westend Freiluftausstellung mit 18 Großskulpturen von Herbert Mehler

Beim Wachstum zuschauen

FRANKFURT. Corona hat das Kunst-, Kultur- und Ausstellungsleben in Frankfurt und Deutschland auf ein Minimum reduziert. Ab dem 15. Mai präsentieren die Goethe-Universität und das Frankfurter Ausstellungshaus DIE GALERIE als „Gegenmaßnahme“ eine außergewöhnliche Schau von 18 Cortenstahl-Großskulpturen des Bildhauers Herbert Mehler – auf dem weitläufigen Parkgelände des Campus Westend. Zeit für Freiluft-Kunstgenuss sollte ausreichend bestehen: Die Skulpturen werden fast ein Jahr lang bis Ende April 2022 auf dem Campus Westend gezeigt.

„Wir senden angesichts von Corona damit ein Hoffnungszeichen in die Frankfurter Stadtgesellschaft“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Dank hoffentlich jetzt stetig sinkender Corona-Inzidenzen besteht die Chance, dass diese – unter sieben verschiedenen Leitthemen – gruppierte spektakuläre Skulpturen-Schau von immer mehr Universitätsangehörigen und Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Frankfurt und des Rhein-Main Gebietes besucht werden kann und für die Universitätsgemeinschaft eine Inspiration darstellt. Die Ausstellung sei, so Schleiff, auch ein „Vorbote“ für die geplante Öffnung der Goethe-Universität im kommenden Wintersemester mit wieder deutlich mehr Präsenzlehre. „Damit dürften auch wieder mehr Menschen auf dem Campus unterwegs sein, sollte die gegenwärtige positive Entwicklung mit immer mehr Impfungen anhalten.“

„Wir sind glücklich, mit dieser Skulpturenschau unsere langjährige Kooperation mit der Goethe-Universität fortsetzen zu können“, sagt Galerist Peter Femfert, der zusammen mit Universitätspräsident Schleiff die Idee für diese Ausstellung entwickelte. „Herbert Mehler ist ein außergewöhnlicher Künstler, dessen Arbeiten besonders gut mit dem Campus Westend und den dortigen Gebäuden harmonieren.“

Eingebettet in die spektakuläre Kulisse des weitläufigen Parkgeländes rund um das von Hans Poelzig 1928/29 errichtete IG-Farben-Ensemble, präsentieren die Ausstellungsmacher unter dem Titel „Herbert Mehler | Wachstum –Körper –Raum. Dialog mit der Goethe-Universität“ insgesamt sieben thematisch orientierte Figurengruppen. In den Grundideen finden sich einerseits Berührungspunkte zu universitären Entwicklungsthemen (Zielsetzung, Diversität, offenes Denken und Nachhaltigkeit) der kommenden Jahre, andererseits Denkanstöße für das ästhetische Erleben und Reflektieren sowie ein bewusster Blick auf das Keimen und Wachstum in der Natur. 

Ein besonders Kennzeichen der Ausstellung ist auch, dass sieben Mitglieder der Goethe-Universität und befreundeter Einrichtungen wie Senckenberg an den einzelnen Themenstellungen der Skulpturengruppen mitgewirkt haben und sie mit ihren Texten auf sehr individuelle Weise begleiten. So ist die Ausstellung zu einem echten Gemeinschaftswerk geworden und atmet – Stichwort Diversität und Wissenschaft – den Geist ganz unterschiedlicher Zugänge und Herangehensweisen: Mit dabei sind der Philosoph Rainer Forst, der Theologe und Buber-Spezialist Christian Wiese, die Pilzforscherin Meike Piepenbring, Senckenberg-Generaldirektor Klement Tockner, der Neurowissenschaftler David Poeppel, aber auch der Student Emil Unkrig sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Universität, Anja Wolde. Sie alle gestalten mit ihren Texten den 144-seitigen Katalog und geben mit ihren persönlichen Sichtweisen auf das Werk von Herbert Mehler der Ausstellung einen einzigartigen universitären Bezug.

„Kunst und Wissenschaft kommen hier auf ideale Weise zusammen“, erklärt der Künstler Herbert Mehler. „Die großzügige Parkanlage des Campus Westend gibt den Plastiken den nötigen Raum zum Atmen und stellt sie in den Kontext, den ich mir für sie vorstelle, als Mittler zwischen Natur und Kultur.“ Der 1949 in Steinau bei Fulda geborene Künstler genießt sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international ein hohes Ansehen. Seine hochaufragenden, aus gleichmäßigen Lamellen erschaffenen Gebilde aus Cortenstahl erwecken mit ihren teils geometrischen, teils organischen Formen den Anschein gigantischer, pflanzlicher Formationen unterschiedlicher Art; auch der für Cortenstahl typische, braun-rötliche Farbton vermittelt einen besonders naturnahen Eindruck. Durch ihre schlanken, jedoch auch kraftvollen Schäfte erinnern Herbert Mehlers Werke zugleich an tragende Elemente der Baukunst und schlagen somit eine Brücke zwischen Natur und Architektur. Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog, welcher neben zahlreichen In Situ-Fotografien der ausgestellten Werke auch Informationen zum Künstler und dessen Arbeit enthält, ebenso wie Beiträge des Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, und des Galeristen Peter Femfert sowie interdisziplinäre Texte über die unterschiedlichen Skulpturengruppen.

Der Ausstellungskatalog wird am 9. Juni 2021 – anlässlich der Eröffnung des zweiten Teils der Ausstellung in den Räumlichkeiten von DIE GALERIE – offiziell vorgestellt. Hier werden bis zum 25. August 2021 weitere Skulpturen des Künstlers mittleren und kleineren Formats präsentiert.

Link zum Katalog, dem Faltblatt und zu ausgewählten Fotos unter:
http://www.uni-frankfurt.de/101282932
Fotos: Lars Wiedemann

Weitere Informationen
Dr. Olaf Kaltenborn
Leiter PR & Kommunikation
Telefon: 069 / 798 - 13035
E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 12 2021
11:32

Doppelbachelor-Programm der Goethe-Universität und Université Paris-Dauphine in Deutsch-Französische Hochschule aufgenommen

Kreativ kooperiert 

Gemeinsame deutsch-französische Studiengänge zu initiieren und finanziell zu fördern - zu diesem Zweck hat die von den Ländern Deutschland und Frankreich gegründete Deutsch-Französische Hochschule (DFH) Ende der 90er Jahre ihre Arbeit aufgenommen. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität hat nun mit der Partneruniversität Université Paris-Dauphine PSL ein Doppelbachelor-Programm entwickelt, das vom Universitätenverbund der DFH gefördert wird.

FRANKFURT. International zu studieren, bedeutet für die meisten Studierenden, ein oder zwei Semester an einer ausländischen Universität zu verbringen. International zu studieren, bedeutet für einige wenige zudem, ihr Studium mit einem doppelten Abschluss zu beenden. Nur die allerwenigsten haben dabei aber die Gelegenheit, in einem Doppelprogramm auch ein Semester gemeinsam mit Studierenden der Partneruniversität zu verbringen. Diese Besonderheit zeichnet das neue Doppelbachelor-Programm am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität aus: Die Frankfurter Studierenden studieren nicht nur jeweils zwei Semester in zwei Ländern und beenden ihr Studium mit einem Bachelordiplom beider Hochschulen; sie absolvieren zudem ein Semester gemeinsam mit den französischen Austauschstudierenden an der Goethe-Universität.

Mit diesem Konzept hat das neue Doppelprogramm die Hürde für die Aufnahme in die Deutsch-Französische Hochschule, einen Verbund von 208 Hochschulen, genommen. Das Plus für die Studierenden: Sie können neben ihrer Erasmus-Förderung eine zusätzliche Förderung von 300 Euro für ihren Auslandsaufenthalt erhalten. 25 Studienplätze auf deutscher und auf französischer Seite stehen dafür zur Verfügung.

Die 1992 begonnene Partnerschaft des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften mit der renommierten Université Paris-Dauphine ist eine der ältesten und intensivsten Kooperationen des Fachbereichs, der mit 150 ausländischen Hochschulen kooperiert. Im Jahr 2014 führten beide Seiten ein gemeinsames Doppelbachelor-Programm ein, in dessen Rahmen Studierende und Lehrende zwischen beiden Hochschulen ausgetauscht werden. Was als „Versuchsballon“ startete, beschreibt Lars Pilz, Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten des Fachbereichs, nahm über die Jahre die Form eines gemeinsamen Curriculums an – auch dank des regelmäßigen Feedbacks der Studierenden und der „Kreativität“ aller Beteiligten. Es musste nämlich nicht nur die eine oder andere verwaltungstechnische Hürde überwunden, sondern auch ein gemeinsames Selbstverständnis des neuen Studiengangs entwickelt werden – wie etwa ein mindestens einjähriger Auslandsaufenthalt, gute Sprachkenntnisse und gegenseitig anerkannte Studienabschlüsse. „Anfragen für Doppelprogramme bekommen wir öfter“, berichtet Pilz. „Vor allem angelsächsische Hochschulen sind aber nur an einem kurzen Aufenthalt ihrer Studierenden interessiert; eine Summer University gilt da schon als Auslandsstudium.“

Die gute Kooperation mit der Université Paris-Dauphine hat inzwischen zu einem weiteren Doppelprogramm geführt: Seit 2019 gibt es das gemeinsame Doppelmaster-Programm im Bereich Finanzen. Nun können Studierende des Bachelorprogramms in Wirtschaftswissenschaften auf Bachelor- wie auch auf Masterebene einen Abschluss an beiden Partnerinstitutionen erwerben.

Weitere Informationen
Lars O. Pilz
Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten
lpilz@wiwi.uni-frankfurt.de
https://www.wiwi.uni-frankfurt.de/international/studieren-im-ausland/austauschprogramme/doppelbachelor-paris.html


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
14:47

Remdesivir-Metabolit GS-441524 bindet an Protein nsP3 von SARS-CoV-2 – Potenzial für Wirkstoffentwicklung gegen zahlreiche weitere Viren

SARS-CoV-2-Forschung: Zweiter möglicher Wirkmechanismus von Remdesivir entdeckt

Bei der Infektion einer Zelle sorgt SARS-CoV-2 nicht nur dafür, dass die Wirtszelle neue Viruspartikel herstellt. Das Virus unterdrückt auch Abwehrmechanismen der Wirtszelle. Dabei spielt das Virenprotein nsP3 eine zentrale Rolle. Durch Strukturanalysen haben Forscher:innen der Goethe-Universität jetzt in Kooperation mit dem schweizerischen Paul-Scherrer-Institut herausgefunden, dass ein Abbauprodukt des Virostatikums Remdesivir an nsP3 bindet. Dies deutet auf einen weiteren, bislang unbekannten Wirkmechanismus von Remdesivir hin, der wichtig für die Entwicklung neuer Medikamente gegen SARS-CoV-2 und andere RNA-Viren sein könnte.

FRANKFURT. Das Virostatikum Remdesivir wurde zur Störung eines wichtigen Schritts in der Vermehrung von RNA-Viren entwickelt, zu denen auch SARS-CoV-2 gehört: die Vervielfältigung des viruseigenen Erbguts. Es liegt als RNA-Matrize vor, mit der die Wirtszelle direkt Virenproteinen herstellt. Um die Produktion der eigenen Proteine jedoch zu beschleunigen, sorgen RNA-Viren für die Vervielfältigung der RNA-Matrize. Dazu nutzen sie ein bestimmtes, eigenes Protein (eine RNA-Polymerase), die von Remdesivir blockiert wird. Genau genommen erledigt das nicht Remdesivir selber, sondern eine Substanz, die in fünf Schritten aus Remdesivir gebildet wird, wenn Remdesivir in eine Zelle eindringt.

Im zweiten dieser fünf Schritte entsteht aus Remdesivir ein Zwischenprodukt, eine Substanz mit dem etwas sperrigen Namen GS-441524 (wissenschaftlich: ein Remdesivir-Metabolit). Auch GS-441524 ist virostatisch aktiv. Wie jetzt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt herausfanden, zielt GS-441524 dabei auf ein Virusprotein von SARS-CoV-2 namens nsP3. nsP3 ist ein Multifunktionsprotein, es hat unter anderem die Aufgabe, die Abwehrreaktion der Wirtszelle zu unterdrücken. Die nämlich ist eigentlich einer Virenattacke nicht wehrlos ausgeliefert, sondern setzt zum Beispiel Entzündungsmechanismen in Gang, um Zellen des körpereigenen Immunsystems zur Hilfe zu rufen. Mithilfe von nsP3 unterdrücken die Viren quasi die Hilferufe der Zelle.

Prof. Stefan Knapp erläutert: „GS-441524 hemmt die Aktivität einer nsP3-Domäne, die für die Vervielfältigung von Viren wichtig ist, und die mit dem menschlichen zellulären Abwehrsystem kommuniziert. Unsere Strukturanalysen zeigen, wie diese Hemmung funktioniert, und wir legen damit eine wichtige Grundlage zur Entwicklung neuer und potenterer antiviraler Medikamente nicht nur gegen SARS-CoV-2. Denn die Zielstruktur von GS-441524 ist bei vielen anderen Coronaviren wie zum Beispiel SARS-CoV und MERS-CoV und auch bei einer Reihe von Alphaviren wie zum Beispiel dem Chikungunya-Virus sehr ähnlich. Daher könnte die Entwicklung entsprechender Medikamente auch helfen, auf künftige Virus-Pandemien vorbereitet zu sein.“

Publikation: Xiaomin Ni, Martin Schröder, Vincent Olieric, May E. Sharpe, Victor Hernandez-Olmos, Ewgenij Proschak, Daniel Merk, Stefan Knapp, Apirat Chaikuad: Structural Insights into Plasticity and Discovery of Remdesivir Metabolite GS-441524 Binding in SARS-CoV‑2 Macrodomain. ACS Med. Chem. Lett. 2021, 12, 603−609 https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acsmedchemlett.0c00684


Weitere Informationen
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie und
Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798-29871
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/53483664/Knapp


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation,Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
14:41

DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität kann seine Arbeit fortsetzen

Wohin bewegt sich das Bewegtbild?

Was passiert, wenn der Film das Kino verlässt und überall verfügbar wird, auf mobilen Geräten unterwegs oder zuhause im Wohnzimmer? Das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität erforscht seit 2017 den aktuellen Wandel von Film und Kinokultur. Nun hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft grünes Licht gegeben für die Fortsetzung des Projekts.

FRANKFURT. „Wir sind froh, dass die DFG uns weiterhin ihr Vertrauen schenkt und wir die produktive Arbeit im Kolleg fortsetzen können“, so Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft und Sprecher des Kollegs. Unter Beteiligung der Fächer Philosophie, Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft befasst sich das Kolleg in Einzelstudien mit einem Grundlagenproblem der Filmwissenschaft: der Transformation ihrer Gegenstände durch die fortschreitende Digitalisierung von Produktion, Distribution und Wahrnehmung von Bewegtbildern. „Das Medium Bewegtbild, das schon 1905 für den globalen Vertrieb in einem internationalen Abkommen standardisiert wurde, war immer schon auch ein Medium in Bewegung“, so Hediger. „Mit der Digitalisierung steht nun aber das Kino selbst als privilegierter Ort des Films in Frage, mit weitreichenden Konsequenzen für die Ästhetik, aber auch für die gesellschaftliche Wirkung und Bedeutung von Filmen und anderen Bewegtbildformaten.“ 

Das Graduiertenkolleg am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft ist 2017 mit zwölf Doktorandinnen und Doktoranden sowie zwei Post-Docs gestartet. Aktuell ist bereits die zweite Gruppe mit weiteren zwölf jungen Forscherinnen und Forschern aktiv, sie kommen aus Deutschland, Indien und Nigeria. In enger Zusammenarbeit mit den beiden Postdocs des Kollegs befassen sie sich mit so unterschiedlichen Themen wie der gegenseitigen Durchdringung von Film und Video- und Computerspielen, dem Nachleben des Werks und Rufs von Rainer Werner Fassbinder, der Rolle von Textilien in nigerianischen Historienfilmen oder der digitalen Wiederentdeckung des populären bengalischen Kinos der 1950er und 1960er Jahre. 

Das Graduiertenkolleg wird in Kooperation mit den Universitäten Mainz und Marburg sowie der Hochschule für Gestaltung in Offenbach durchgeführt. Das Kolleg baut auf drei Masterstudiengänge an der Goethe-Universität sowie Kooperationen unter den antragstellenden Forscherinnen und Forschern auf. Es nutzt die Potentiale des Standorts Frankfurt, wo die Universitätsbibliothek und die Deutsche Nationalbibliothek über Literaturbestände von europäischem Rang verfügen und mit dem Deutschen Filminstitut, der Murnau-Stiftung sowie dem Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik bedeutende außeruniversitäre Partner bereitstehen. Internationale Ausstrahlung entwickelt das Kolleg durch seine Kooperation mit der Yale University und der Concordia University.

In der Fachwelt hat das Kolleg im Herbst 2020 für Aufmerksamkeit erregt mit der Publikation „Pandemic Media. Preliminary Notes towards an Inventory“, in der 37 Autorinnen und Autoren aus dem Kolleg und seinem internationalen Netzwerk über die globale Medienkultur unter Pandemiebedingungen reflektieren. Das Buch steht im open access beim Wissenschaftsverlag meson press zur Verfügung (https://meson.press/books/pandemic-media/).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Vinzenz Hediger
Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films
Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft
hediger@tfm.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
10:36

Ein Projekt am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität untersucht informelle Spar- und Versicherungspraktiken in der äthiopischen Diaspora

Sparen ohne Bank

Wie kommen Menschen ohne Besitz zu einem Kredit? Und wer hilft ihnen in einer finanziellen Notlage aus der Patsche? Äthiopier außerhalb ihrer Heimat haben einen Weg gefunden: Sie tun sich zusammen, um einander im Bedarfsfall unter die Arme zu greifen. Diese „informellen Spar- und Versicherungspraktiken“ untersucht ein neues DFG-Projekt am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität.  

FRANKFURT. „On the saf(v)e side: Informelle Wirtschaftsvereinigungen und Zukunftsaspirationen in der äthiopischen Diaspora“, so lautet der etwas sperrige Titel des Projekts, das Dr. Sophia Thubauville am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität gemeinsam mit Dr. Elias Alemu der Universität Hawassa in Äthiopien leitet. Zum Forschungsteam gehören außerdem Dr. des. Kim Glück, ebenfalls Frobenius-Institut, Prof. Dr. Worku Nida der UCL Riverside, USA, und Debela Gindola, Doktorand an der Universität Hawassa. Das Projekt nimmt Äthiopier in der Diaspora in den Blick, also Menschen, die fern der Heimat versuchen, ein Auskommen zu finden. Die größten Diasporagemeinden finden sich in den USA (500.000 Menschen), in Israel (130.000 Menschen) und Südafrika (120.000 Menschen), diesen Gemeinschaften sind drei Teilprojekte gewidmet. Ein viertes Teilprojekt nimmt die Situation in Äthiopien selbst in den Fokus.

Was aber versteht man unter „informellen Wirtschaftsvereinigungen“? „Oft handelt es sich um Freundes- oder Kollegenkreise, die sich zu ganz unterschiedlichen Sparzielen zusammenfinden“, erklärt Sophia Thubauville. Diese Zusammenschlüsse gibt es weltweit in vielen Kulturen, in Äthiopien gehören ihnen alle Ebenen der Gesellschaft an, vom Schuhputzer bis zum erfolgreichen Geschäftsmann. Im Land selbst sei ein häufiges Sparziel die Finanzierung der Auswanderung, in den USA dann sparten die Menschen zum Beispiel, um sich ein Taxi kaufen zu können. Auf einen Kredit von der Bank haben Migranten kaum eine Chance. Oft ergibt sich dann ein gewisser Ketteneffekt: Wem die Auswanderung durch die Gruppe ermöglicht wurde, der schickt Geld an die Zurückgebliebenen, sobald er es geschafft hat. Besonders große Summen werden notwendig, wenn ein lieber Angehöriger stirbt. Denn Trauerfeiern sind die größten und kostenaufwendigsten Feierlichkeiten von Äthiopiern, sowohl in ihrer Heimat als auch in der Diaspora – meist verbunden mit einer Rückführung des Verstorbenen in die Heimat. Das kann nur bezahlen, wer zuvor Mitglied einer Versicherungsgemeinschaft geworden ist und regelmäßig einbezahlt hat.

Für Sophia Thubauville ist diese Praxis ein zukunftsweisendes Modell: „Hier tun sich Menschen zusammen, um sich gemeinsam für ein besseres Morgen einzusetzen“, sagt sie. Es sei faszinierend, wie dieses auf Solidarität beruhende System funktioniere, wie sich jeder auf diese Weise Träume erfüllen kann. Zudem helfe es dabei, kulturelle Identität zu bewahren. Erste Erkenntnisse hat eine Pilotstudie erbracht, die vor zwei Jahren in Israel und den USA durchgeführt wurde. Das nun angelaufene Projekt soll Unterschiede und Parallelen zwischen den Spar- und Versicherungsverbänden aufzeigen, die verschiedenen Bestrebungen und Ideen hinter der Praxis analysieren und so einen Beitrag zu einer „Ethnologie des guten Lebens“ und einer „Ethnologie der Zukunft“ beitragen. Das Projekt läuft bis zum März 2024.

Bilder zum Download:  http://www.uni-frankfurt.de/101010199

Bildtext:
Bild 1: Geschäfte im Viertel „Little Ethiopia“ in Los Angeles. (Foto: Thubauville)
Bild 2: Äthiopische Juden bei der Ankunft in Israel. (Foto: Thubauville)

Weitere Informationen
Dr. Sophia Thubauville
Frobenius Institut für kulturanthropologische Forschung
an der Goethe-Universität
Telefon 49(0)69 798-33240
E-Mail thubauville@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
09:37

Reihe „New Frontiers in Memory Studies“ an der Goethe-Uni lädt ein zum Vortrag von Prof. Dr. Melanie Unseld (Wien)

Musik, Erinnerung und Beethoven 

FRANKFURT. Die Wiener Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Melanie Unseld ist zu Gast an der Frankfurt Memory Studies Platform. Im Rahmen der Vorlesungsreihe „New Frontiers in Memory Studies“ spricht sie

am Dienstag, 18. Mai, um 18 Uhr
via Zoom

über das Thema „Musik- und Erinnerungskultur: Grundsätzliche Überlegungen (nicht nur) aus Anlass des Beethoven-Gedenkjahres 2020“.

Musik wird erinnert: Vom so genannten Ohrwurm und der eigenen Lieblingsmusik über erinnerungsbasierte musikalische Formen (Refrain, Leitmotive,…) bis hin zu Repertoire und Kanon – das Wiederhören und das erinnernde Hören konstituiert unsere individuellen wie kollektiven Identitäten. Dieser „Klangraum der Erinnerungskultur“ aber tangiert ganz grundlegend eine der heikelsten Fragen im Zusammenhang mit Musik: Was ist Musik? Klingendes Ereignis, physikalisch bestimmbare Schwingungen, das Körperwissen von InterpretInnen, Notat oder musikalisches (Kunst)Werk? Damit sind die Medialität und Materialität von Musik angesprochen, die eng mit Fragen des Erinnerns verbunden sind: Welche Musik kann unter welchen Bedingungen (nicht) erinnert werden? Wie hängt die Materialität der Musik mit Erinnerungskultur zusammen? Diesen grundlegenden Fragen geht der Vortrag anhand des konkreten Beispiels des Beethoven-Gedenkjahres 2020 nach. 

Melanie Unseld ist Professorin für Historische Musikwissenschaft am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung (IMI) der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. Zu ihren Publikationen zählen BEETHOVEN.AN.DENKEN (2020, mit Julia Ackermann), Biographie und Musikgeschichte (2014) und Mozarts Frauen (2005).

Der Vortrag findet über Zoom statt. Registrierung hier:
https://www.memorystudies-frankfurt.com/event/melanie-unseld-vienna-on-music-and-memory-cultures-in-german/

Über FMSP
Die Frankfurt Memory Studies Platform (FMSP) ist eine Initiative des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften (FzHG). Sie wurde 2011 von Prof. Astrid Erll gegründet. FMSP führt Gedächtnisforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt in einem interdisziplinären Forum zusammen. Die Mitglieder kommen aus den Literatur-, Medien- und Geschichtswissenschaften, aus der Soziologie und der Psychologie.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Astrid Erll
Institut für England- und Amerikastudien
erll@em.uni-frankfurt.de

Den Flyer zur Veranstaltung zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/100813701

Das gesamte Semesterprogramm von FMSP finden Sie auf: https://www.memorystudies-frankfurt.com/  


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
07:13

80 Prozent der SARS-CoV-2-Proteine im Labor hergestellt – Anleitungen für weltweite Forschung verfügbar – Fäden des Forschungsnetzes aus 17 Ländern laufen an Goethe-Universität Frankfurt zusammen

Corona-Forschungsbeschleuniger: Weltweites Netzwerk um Goethe-Uni entwickelt Laborrezepte für SARS-CoV-2-Proteine

Für die Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen gegen COVID-19 benötigt die Forschung Virus-Proteine in hoher Reinheit. Für die meisten der SARS-CoV-2-Proteine haben jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt mit insgesamt 36 Partnerlabors Anleitungen erarbeitet, die die hochreine Herstellung jeweils mehrerer Milligramm dieser Proteine ermöglichen und die Bestimmung der dreidimensionalen Proteinstrukturen erlauben. Die Laboranleitungen und die dafür erforderlichen gentechnischen Werkzeuge stehen Forscherinnen und Forschern der ganzen Welt frei zur Verfügung.

FRANKFURT. Wenn das SARS-CoV-2-Virus mutiert, bedeutet das zunächst einmal nur eine Änderung im Virenbauplan. Die Mutation führt dazu, dass zum Beispiel an einer Stelle in einem Virus-Protein eine Aminosäure ausgetauscht wird. Um schnell abschätzen zu können, welche Auswirkung diese Änderung hat, ist ein dreidimensionales Bild des Virus-Proteins extrem hilfreich. Denn daran lässt sich erkennen, ob die ausgetauschte Aminosäure wichtig für die Funktion des Proteins ist – oder für die Interaktion mit einem potenziellen Medikament oder Antikörper.

Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität Frankfurt und der TU Darmstadt haben bereits zu Beginn der Pandemie damit begonnen, sich international zu vernetzen. Ihr Ziel: die dreidimensionalen Strukturen von SARS-CoV-2-Molekülen mithilfe der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) zu beschreiben. Bei der NMR-Spektroskopie werden Moleküle zunächst mit speziellen Atomsorten (Isotopen) markiert und dann einem starken Magnetfeld ausgesetzt. Mittels NMR kann dann auch mit hohem Durchsatz im Detail geschaut werden, wie potenzielle Wirkstoffe an virale Proteine binden. Dies geschieht unter anderem am Biomolekularen Magnet-Resonanz-Zentrum (BMRZ) der Goethe-Universität. Grundvoraussetzung ist jedoch, große Mengen der Proteine in hoher Reinheit und Stabilität sowie korrekter Faltung für die vielen Tests zu produzieren.

Das Netzwerk, das von Prof. Harald Schwalbe vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität koordiniert wird, umspannt den ganzen Globus. Die Erstellung von Laboranleitungen für die Proteine ist bereits der zweite Meilenstein. Das Virus besteht neben den Proteinen aus RNA, und das Konsortium konnte bereits im vergangenen Jahr alle wichtigenRNA-Fragmente von SARS-CoV-2 zugänglich machen. Mit der Expertise von 129 Kolleg:innen ist es nun gelungen, 23 der insgesamt knapp 30 Proteine von SARS‑CoV‑2 komplett oder in wichtige Teilen „im Reagenzglas“ herzustellen und aufzureinigen, und zwar in großen Mengen.

Dazu wurden die genetischen Informationen für diese Proteine in kleine, ringförmige DNA-Stücke (Plasmide) eingebaut. Diese Plasmide konnten dann zur Proteinproduktion in Bakterien eingeschleust werden. Einige spezielle Proteine wurden daneben in zellfreien Systemen hergestellt. Ob diese Proteine nach ihrer Isolierung und Anreicherung noch immer korrekt gefaltet waren, wurde unter anderem durch NMR-Spektroskopie bestätigt.

Dr. Martin Hengesbach vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität erläutert: „Wir haben die funktionellen Einheiten der SARS-CoV-2-Proteine so isoliert, dass ihre Struktur, ihre Funktion und ihre Interaktionen nun von uns selbst und anderen charakterisiert werden können. Damit liefern wir in unserem großen Konsortium die Arbeitsvorschriften, mit deren Hilfe Labore weltweit schnell und reproduzierbar an SARS‑CoV‑2-Proteinen und auch den kommenden Mutanten arbeiten können. Diese Arbeit von Anfang an zu verteilen, war eines unserer wichtigsten Anliegen. Über die Protokolle hinaus stellen wir auch die Plasmide frei zur Verfügung.“

Dr. Andreas Schlundt vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität meint: „Mit unseren Arbeiten beschleunigen wir die weltweite Suche nach Wirkstoffen: Entsprechend ausgerüstete wissenschaftliche Labore müssen nicht mehrere Monate lang Systeme zur Herstellung und Untersuchung der SARS-CoV-2-Proteine etablieren und optimieren, sondern können nun dank unserer Laborprotokolle innerhalb von zwei Wochen mit ihren Forschungsarbeiten beginnen. Angesichts der zahlreichen Mutationen von SARS-CoV-2 ist es besonders wichtig, verlässliche, schnelle und gut etablierte Methoden zur Untersuchung des Virus im Labor zu besitzen. So wird beispielsweise auch die Erforschung der so genannten Hilfsproteine von SARS-CoV-2 erleichtert, über die bisher wenig bekannt ist, die aber im Mutationsgeschehen auch eine Rolle spielen.“

Unterdessen gehen im NMR-Konsortium die Arbeiten weiter: Derzeit untersuchen die Forscher:innen mit Hochdruck, ob die viralen Proteine an potenzielle Wirkstoffe binden.

Die Forschungsarbeiten wurden und werden mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie des Goethe-Corona-Fonds gefördert. Der hohe logistische Aufwand und permanente Austausch an Forschungsergebnissen wurde durch die Firma Signals unterstützt, einem Spin-Off der Goethe-Universität.

Publikation: Nadide Altincekic, Sophie Marianne Korn, Nusrat Shahin Qureshi, Marie Dujardin, Martí Ninot-Pedrosa et. al. Large-scale recombinant production of the SARS-CoV-2 proteome for high-throughput and structural biology applications. Frontiers in Molecular Biosciences. https://doi.org/10.3389/fmolb.2021.653148

Ergänzende Information: Faltung von SARS-CoV2-Genom zeigt Angriffspunkte für Medikamente – auch Vorbereitung auf „SARS-CoV3“ https://tinygu.de/sEhyD

Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/100668377

Bildtext: Dr. Martin Hengesbach (links) und Dr. Andreas Schlundt am Kernspinresonanz-Spektrometer der Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Das COVID-19-NMR-Konsortium:
https://covid19-nmr.de/

Wissenschaftliche Ansprechpartner an der Goethe-Universität Frankfurt:
Dr. Andreas Schlundt
Emmy Noether Junior Group Leader
Institute for Molecular Biosciences
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 69 798-29699
schlundt@bio.uni-frankfurt.de

Dr. Martin Hengesbach
Junior Group Leader
Goethe-Universität Frankfurt
Institute for Organic Chemistry and Chemical Biology
SFB 902 “Molecular Principles of RNA-based Regulation“
Tel.: +49 69 798-29130
hengesbach@nmr.uni-frankfurt.de

Beteiligte Partner:

Brasilien

  • National Center of Nuclear Magnetic Resonance (CNRMN, CENABIO), Federal University of Rio de Janeiro, Brazil
  • Institute of Medical Biochemistry, Federal University of Rio de Janeiro, Brazil
  • Multidisciplinary Center for Research in Biology (NUMPEX), Campus Duque de Caxias, Federal University of Rio de Janeiro, Duque de Caxias, Brazil
  • Institute of Chemistry, Federal University of Rio de Janeiro, Brazil
  • Multiuser Center for Biomolecular Innovation (CMIB), Department of Physics, São Paulo State University (UNESP), São José do Rio Preto, Brazil
  • Laboratory of Toxicology, Oswaldo Cruz Foundation (FIOCRUZ), Rio de Janeiro, Brazil

Frankreich

  • Molecular Microbiology and Structural Biochemistry (MMSB), UMR 5086, CNRS/Lyon University, France
  • Université Grenoble Alpes, CNRS, CEA, IBS, Grenoble, France

Deutschland        

  • Institute for Organic Chemistry and Chemical Biology, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Center of Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ), Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute for Molecular Biosciences, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute for Biochemistry, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute of Pharmaceutical Chemistry, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute of Biophysical Chemistry, Goethe University Frankfurt, Germany
  • BMWZ and Institute of Organic Chemistry, Leibniz University Hannover, Germany
  • Group of NMR-based Structural Chemistry, Helmholtz Centre for Infection Research, Braunschweig, Germany
  • Structural Genomics Consortium, Buchmann Institute for Molecular Life Sciences (BMLS), Germany
  • Signals GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, Germany
  • Leibniz Institute on Aging – Fritz Lipmann Institute (FLI), Jena, Germany
  • IBG-4, Karlsruhe Institute of Technology, Karlsruhe, Germany
  • Department of Biology, Technical University of Darmstadt, Darmstadt, Germany
  • Institute of Biochemistry and Biotechnology, Charles Tanford Protein Centre, Martin Luther University Halle-Wittenberg, Halle/Saale, Germany.

Griechenland

  • Department of Pharmacy, University of Patras, Greece

Italien

  • Structural Biology and Biophysics Unit, Fondazione Ri.MED, Palermo, Italy
  • Magnetic Resonance Centre (CERM), University of Florence, Sesto Fiorentino, Italy
  • Department of Chemistry “Ugo Schiff", University of Florence, Sesto Fiorentino, Italy

Lettland

  • Latvian Biomedical Research and Study Centre, Riga, Latvia
  • Latvian Institute of Organic Synthesis, Riga, Latvia

Schweiz

  • Swiss Federal Institute of Technology, Laboratory of Physical Chemistry, ETH Zurich, Zurich, Switzerland

Spanien

  • "Rocasolano" Institute for Physical Chemistry (IQFR), Spanish National Research Council (CSIC), Serrano, Spain

USA

  • Institute for Molecular Virology, University of Wisconsin-Madison, WI, United States
  • Department of Chemistry, University of California, Irvine, United States
  • Laboratory of Chemical Physics, National Institute of Diabetes and Digestive Kidney Diseases, National Institute of Health, United States
  • Department of Molecular, Cellular and Biomedical Sciences, University of New Hampshire, Durham, NH, United States
  • Department of Molecular Biology and Biochemistry, University of California, Irvine, California, United States
  • Department of Molecular Biology and Biophysics, UC 72 onn Health, Farmington, CT, United States


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 7 2021
14:48

Studie von IWAK und Wohlfahrtsverbänden zeigt große Defizite bei den Organisationen der Wohlfahrtspflege

Staatliche Hilfe kommt bei Helfenden nicht an

Die Hilfsprogramme der Regierung erreichen die Organisationen der Wohlfahrtspflege nicht. Dies macht eine Umfrage deutlich, die das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur für die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen durchgeführt hat. Durch fehlende Einnahmen und gestiegene Ausgaben sind den Wohlfahrtsverbänden mehr als 15 Millionen Euro Defizite entstanden, wie der heute präsentierte Bericht deutlich macht.

FRANKFURT. Mehr als zwölf Monate Corona-Pandemie haben in allen Bereichen des Lebens Spuren hinterlassen. Viele Menschen haben mit Jobverlust und Existenzängsten zu kämpfen. Die Soziale Arbeit hat mit ihren Angeboten flexibel reagiert und viele Hilfen für bedürftige Menschen angepasst. Kinder- und Jugendhilfe, Beschäftigungsförderung, Migrationsarbeit oder Frauen- und Familienbildung sind jedoch selbst direkt betroffen und auf finanzielle Hilfen angewiesen. Um sich ein genaues Bild zu verschaffen, hat die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V. zusammen mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität eine Blitzlichtbefragung in ihren Einrichtungen durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse und Lösungswege wurden bei einer virtuellen Pressekonferenz am Freitag vorgestellt.

„Die Wohlfahrtsverbände sind für den Zusammenhalt der Gesellschaft systemrelevant. Mit unseren Angeboten und Dienstleistungen integrieren wir schwache Gruppen und verhindern so eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Brechen diese Angebote wegen der Pandemie weg, hat das weitreichende gesellschaftliche Folgen“, sagt Nils Möller, Vorsitzender der AG Finanzen in der Liga Hessen. „Viele Angebote sind gerade in der Pandemie für Menschen in sozialen Schwierigkeiten eine wichtige, manchmal sogar die einzige Stütze.“ Monika Maier-Luchmann, Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus Langen: „Dass wir unseren Offenen Treff – das Herzstück unserer Vereinsarbeit – schließen mussten, trifft alle hart. Schon so lange kein Mittagstisch für Senioren und Schulkinder, keine sozialen Kontakte, keine Hausaufgabenhilfe, keine persönliche Begegnung zwischen Jung und Alt – alle vermissen es schmerzlich. Als krisenerprobtes Mütterzentrum sind wir so flexibel und kreativ wie möglich mit den immer wieder neuen Situationen umgegangen, um Familien, kranke und ältere Menschen nicht völlig allein zu lassen. Dennoch fehlten nicht nur plötzlich die Freiwilligen, die sich bisher bei uns engagierten und unser Team unterstützten, sondern auch Spenden und Teilnahmebeiträge. Für einen Verein, der einen Großteil seines Etats aus eigenen Mitteln bestreiten muss, ein riesiger Kraftakt.“

„Das ist ein wesentliches Ergebnis unserer Befragung. Viele Hilfen, die aufgelegt worden sind, haben für die heterogen strukturierte Soziale Arbeit nicht oder zumindest nicht ausreichend gepasst“, sagt Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK. „Die Alten- und Behindertenhilfe ist hier eine Ausnahme; hier hat ein Teil der aufgelegten Hilfsprogramme von Bund und Land gegriffen. Aber es gibt viele Leistungen, die nicht über Leistungsvergütungssysteme, sondern über Kursgebühren, Mitgliedsbeiträge oder kommunale Zuschüsse finanziert werden, insbesondere Bildungsangebote, Kurse, Sozialkaufhäuser, zum Teil Schuldnerberatung, Familien- oder Alltagshilfen und vieles mehr. Viele dieser Organisationen konnten keine Hilfen beantragen.“ Allein für das vergangene Jahr rechnen nur die an der Befragung teilnehmenden Organisationen mit Verlusten von mehr als 15 Millionen Euro. Die Gründe: Die Angebote mussten umgestellt werden, Kursgebühren, Einnahmen durch Spenden und Gastronomie sind weggefallen, die Ausgaben stiegen jedoch, etwa für Schutzausrüstung, Digitalisierung oder Mietzahlungen.

„Bisher versuchen die Träger, die Defizite aus eigener Tasche zu finanzieren, aber es ist eine Grenze erreicht“, sagt Nils Möller. „Gerade kleinere Vereine und Organisationen sind in akuter Existenznot.“ Sein Vorschlag: ein „Sonderfond Soziales, um die Mindereinnahmen und Mehraufwendungen zu finanzieren“. Die Hilfen müssten passgenauer als bisher auf die sozialen Arbeitsfelder zugeschnitten sein, damit die soziale Infrastruktur in den Kommunen erhalten bleiben könne. Eine Möglichkeit sei auch, bestehende Förderprogramme für die Organisationen der Sozialwirtschaft zu öffnen und zielgenauer auszurichten.

Insbesondere der Ausbau der Digitalisierung habe viel Geld gekostet. Die Organisationen in der sozialen Arbeit haben Hard- und Software beschafft, Mitarbeitende geschult, Onlineberatungsangebote aufgebaut – auch das großteils aus eigenen Mitteln. Hier wäre eine kurzfristige Unterstützung durch das Land dringend notwendig.

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V. ist der Zusammenschluss der sechs hessischen Wohlfahrtsverbände. Sie vertritt gegenüber der Politik die Interessen der hilfebedürftigen und benachteiligten Menschen sowie die Interessen ihrer Mitgliedsverbände. Mit ca. 7.300 Einrichtungen und Diensten sind die Mitgliedsverbände auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege beschäftigen 113.000 Menschen beruflich, rund 160.000 sind ehrenamtlich darin engagiert.

Weitere Informationen
Dr. Christa Larsen
Geschäftsführerin IWAK
c.larsen@em.uni-frankfurt.de

Nils Möller
Vorsitzender AG Finanzen I Liga Hessen
Nils.moeller@drk-hessen.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 3 2021
10:00

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Kooperationsprojekt zur Zugänglichmachung von audiovisuellen Forschungsdaten der Darstellenden Kunst für 24 Monate bewilligt. 

Digitale Vernetzung von Mediatheken der Darstellenden Kunst

FRANKFURT. Ab Mai 2021 startet das DFG-Projekt „Mediatheken der Darstellenden Kunst digital vernetzen“ der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main / Fachinformationsdienst Darstellende Kunst und des Internationalen Theaterinstituts Deutschland / Mediathek für Tanz und Theater, Berlin in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Videothek und Audiothek des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Das Ziel des Mediatheken-Projektes ist die digitale Zusammenführung von Metadaten zu audiovisuellen Beständen der Darstellenden Kunst, die verteilt bei theater- und tanzwissenschaflichen Instituten an Universitäten, Kunsthochschulen oder Medienarchiven in Deutschland vorliegen. Durch den Aufbau eines zentralen Recherchezugangs über das Portal www.performing-arts.eu des Fachinformationsdienstes Darstellende Kunst wird es möglich, Informationen zu audiovisuellen Medien und den in ihnen repräsentierten Aufführungen, Performances und Ereignissen der Darstellenden Kunst zu recherchieren.

Die digitale Zugänglichmachung und Kuratierung audiovisueller Forschungsdaten ist ein zentrales Anliegen des Mediatheken-Projekts. Sukzessive werden in den 24 Monaten der Förderung die Mediatheksmetadaten von insgesamt sechs Projekt- und Datenpartner*innen eingebunden bzw. zusammengeführt, unter der Prämisse den freien Zugang im größtmöglichen Umfang zu ermöglichen. Sowohl die technischen Entwicklungen, die erarbeiteten Serviceangebote als auch die Evaluationsergebnisse stehen der Fachwelt und den Gedächtnisinstitutionen der Darstellenden Kunst zur Nachnutzung dauerhaft und frei zur Verfügung. Die technischen Entwicklungen werden als Open-Source-Quellcodes veröffentlicht und die Anwendungsszenarien der Projektergebnisse als frei zugängliche Projektdokumentationen publiziert.

Ansprechpartner*innen für diese Pressemitteilung:
Franziska Voß, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg / Fachinformationsdienst Darstellende Kunst
Sara Tiefenbacher, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg / Mediatheken der Darstellenden Kunst digital vernetzen
Christine Henniger, Internationales Theaterinstitut Deutschland, Mediathek für Tanz und Theater
mediathek@performing-arts.eu

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon: 069 798–13753, E-Mail: frank@pvw.uni-frankfurt.de