​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
presse@uni-frankfurt.de

www.uni-frankfurt.de/de/presse


 

Sep 23 2024
13:08

Stabsstelle Fachkräfte für Hessen im Hessischen Arbeitsministerium und Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur laden zum Zukunftsdialog

Flexible Strukturen und offene Kulturen helfen bei der Fachkräftesicherung

FRANKFURT. Betriebe, Unternehmen und Verwaltungen sind mit sich ständig verändernden Anforderungen konfrontiert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Innovationen notwendig; neue rechtliche Anforderungen und die fortschreitende Digitalisierung erfordern weitere Anpassungen. Um mit den sich verändernden Lebenswelten Schritt zu halten, müssen Arbeitsabläufe zeitlich und räumlich flexibilisiert werden. 

„Flexibilisierung – von betrieblichen Strukturen, Prozessen und Kulturen – kann helfen, den Personalbedarf leichter zu decken. Diese Ansätze wollen wir uns deshalb genauer anschauen und daran lernen, wie die Fach- und Arbeitskräftesicherung noch besser gelingen kann“, so Heike Hofmann, Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales in Hessen. Solche Beispiele sollen beim Hessischen Zukunftsdialog 2024 

am Mittwoch, 25. September 2024 , von 10 Uhr bis 16 Uhr
per Videokonferenz (Zoom)
https://uni-frankfurt.zoom-x.de/j/64364215286?pwd=Bs4KcSRbkY8bN8vNobalhCHg7kICi6.1 

vorgestellt werden, der unter dem Titel „Für Hessen – Fachkräfte, Leistungsträger und Arbeitskräfte gewinnen“ veranstaltet wird. Zehn Beispiele Guter Praxis stellen sich beim Hessischen Zukunftsdialog vor. Da geht es um „Generationenmanagement“, um den Einsatz von Robotern in der Patientenversorgung und vieles mehr. Der Zukunftsdialog wird seit vielen Jahren von der Hessischen Landesregierung gemeinsam mit der Goethe-Universität organisiert. Er soll den Verantwortlichen aus Betrieben, Verwaltungen und Verbänden ein Forum für neue Impulse und zum Erfahrungsaustausch bieten. 

Das ausführliche Programm finden Sie unter: https://www.iwak-frankfurt.de/ueberregionalen-hessischen-zukunftsdialog-2024-fachkraeftesicherung-im-wandel-der-arbeitswelt-fuer-hessen-fachkraefte-leistungstraeger-und-arbeitskraefte-gewinnen-und-sichern/

Anmeldungen sind jederzeit noch möglich.

Weitere Informationen:
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798-22152
E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 19 2024
17:42

Schreib-Peer-Tutor*innen-Konferenz am Schreibzentrum der Goethe-Universität

Schreibzentren als Knotenpunkt für Vielfalt und Inklusion

FRANKFURT. „Diversität im Schreibzentrumskontext“ – unter diesem Titel lädt das Schreibzentrum der Goethe-Universität zur diesjährigen Schreib-Peer-Tutor*innen-Konferenz (SPTK), die

von Mittwoch, 25. September, bis Freitag, 27. September, 
im Nebengebäude des IG-Farbenhauses (Campus Westend),
Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main

stattfindet. Die Konferenz wird seit 2008 jedes Jahr von einem Schreibzentrum an einer deutschen Hochschule speziell von und für dort tätige Schreib-Peer-Tutorinnen und -Tutoren ausgerichtet. Diese sind schreibdidaktisch ausgebildete Studierende, die in Schreibzentren Schreibberatung und Workshops anbieten und fachliche Lehrveranstaltungen schreibdidaktisch unterstützen. Die SPTK bietet ihnen die Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch und zur bundesweiten Vernetzung und wird von der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung (gefsus) unterstützt. Als rein studentische Tagung mit Praxis- und Forschungsbeiträgen von Tutorinnen und Tutoren aus Schreibzentren in ganz Deutschland stellt sie im deutschen Hochschulsystem eine Besonderheit dar. 

Schon zum zweiten Mal richtet das Schreibzentrum der Goethe-Universität die SPTK aus: Bereits 2014 fand die Konferenz in Frankfurt statt. Während bisherige SPTKs den Schwerpunkt auf die Peer-Tutorinnen und -Tutoren, deren Arbeit und deren Sonderstellung im universitären Kontext gelegt haben – selbst noch Studierende, gleichzeitig aber auch schon Beratende und Lehrende –, richtet die diesjährige SPTK den Fokus auf die Diversität der Studierenden, die Schreibzentren aufsuchen.

Die in Schreibzentren engagierten Kommilitoninnen und Kommilitonen begegnen in ihrer Arbeit „tagtäglich einer Vielzahl von Studierenden mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Bedürfnissen. Dies ist eine der großen Chancen unserer Arbeit, bringt gleichzeitig aber auch Herausforderungen mit sich“, so Tutorin Iris Schultheis. Sonja Bopp, ebenfalls Tutorin am Frankfurter Schreibzentrum, ergänzt: „Um dieser Diversität gerecht zu werden, braucht es Verständnis für die individuellen Perspektiven sowie für die jeweiligen Lebensumstände.“ Wie angesichts dieser Vielfalt Räume gestalten werden können, in denen sich das Schreiben im Studium für möglichst viele Studierende besser realisieren lässt, ist eines der Themen, die auf der diesjährigen SPTK diskutiert werden. Angeboten werden etwa Workshops zum Schreiben mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oder AD(H)S, zum Schreiben mit Mehrsprachigkeit und vielem mehr. 

Die Konferenz eröffnet den Teilnehmenden einen ersten Einblick in den wissenschaftlichen Diskurs ihres Arbeitsfeldes und damit neue fachliche Perspektiven. Für manche ist sie ein Schritt in eine bestehende Forschungsgemeinschaft, wie Tutorin Hanna Göbel erzählt: „Die SPTK 2023 in Bochum war für mich die erste Konferenzerfahrung. Es war sehr spannend, in den wissenschaftlichen Austausch hineinzuschnuppern. Ich freue mich, diese Veranstaltung nun selbst in Frankfurt mitgestalten zu können.“

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, nach Voranmeldung über die „Schreib-Peer-Tutor*innen-Konferenz“ zu berichten. 

Information:

Ruth Wenz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schreibzentrum
Goethe-Universität Frankfurt 
ar.wenz@em.uni-frankfurt.de

https://www.starkerstart.uni-frankfurt.de/151776142/SPTK_2024___Diversität_im_Schreibzentrumskontext 


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 17 2024
10:18

Preisträger haben einen grundlegenden Signalweg der angeborenen Immunität entdeckt 

Andrea Ablasser, Glen Barber und Zhijian J. Chen werden mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2025 ausgezeichnet 

Die Ärztin Andrea Ablasser von der École polytechnique fédérale de Lausanne, der Virologe Glen Barber von der Ohio State University und der Biochemiker Zhijian ‚James' Chen von der University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas erhalten den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2025. Das gab der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung heute bekannt. Die Preisträger haben den cGAS-STING-Signalweg entdeckt. Das ist die Alarmanlage, die anschlägt, wenn DNA bei Infektionen, Krebs oder zellulärem Stress in das Plasma einer Zelle eindringt. Sie ruft sofort die Polizei des angeborenen Immunsystems auf den Plan. Arzneimittel, die in diesen Signalweg eingreifen, befinden sich derzeit in Entwicklung.

FRANKFURT. Das Auftauchen von DNA im Zytoplasma einer Zelle bedeutet höchste Gefahr. Es wird entweder von viralen Eindringlingen oder von Schäden innerhalb der Zelle selbst verursacht. Unser Immunsystem muss darauf sofort reagieren und Abwehrmaßnahmen einleiten. Wie ihm das gelingt, haben die Preisträger in den Jahren zwischen 2008 und 2013 herausgefunden und seitdem immer umfassender aufgeklärt. Sie entdeckten die Stationen und Signale einer intrazellulären Alarmanlage, ohne die wir nicht überleben könnten. „Der cGAS-STING-Signalweg ist ein Fundament unserer angeborenen Immunabwehr, nach dem lange gesucht wurde“, erklärt der Vorsitzende des Stiftungsrates, Prof. Thomas Boehm. „Mit seiner Entdeckung haben die Preisträger der Medizin die Möglichkeit erschlossen, Infektionen, Krebs und entzündliche Erkrankungen effektiver als bisher zu behandeln.“

Dass Nukleinsäuren wie die DNA eine Immunreaktion auslösen können, hatte Ilya Mechnikov schon 1908 bei der Verleihung des Medizinnobelpreises berichtet, den er sich mit Paul Ehrlich teilte. Wie sich diese Reaktion molekularbiologisch vollzieht, begann sich erst einhundert Jahre später zu klären, als Glen Barber mit seiner Gruppe 2008 ein Protein entdeckte, dem er den Namen STING gab. Dieses Protein ist in der Membran des ausgedehnten Röhrensystems der Zelle verankert, dem Endoplasmatischen Retikulums (ER). Nach einer Infektion mit DNA-Viren lässt dieses Protein bestimmten Genen im Zellkern ausrichten: Stellt sofort Interferone her. Es ist also, wie die Abkürzung sagt, ein STimulator von INterferon-Genen. Die Interferone verteilen sich im umliegenden Gewebe und regen die Bildung von Fresszellen und natürlichen Killerzellen sowie anderen Immunbotenstoffen an.

Wie STING davon erfährt, dass DNA im Zellplasma aufgetaucht ist, blieb aber bis 2012 ein Rätsel, als Zhijian ‚James' Chen und seine Gruppe es lösten. Mit außerordentlicher biochemischer Raffinesse isolierte und identifizierte Chen ein kleines ringförmiges Molekül aus zwei Nukleotiden, das in der Lage ist, STING zu aktivieren – das cyclische Guanosinmonophosphat-Adenosinmonophosphat (cGAMP) – und anschließend das Enzym cGAS, das die Bildung von cGAMP katalysiert. 2013 charakterisierte Andrea Ablasser cGAMP im Detail und zeigte, dass es sich in Herstellung und Struktur chemisch von anderen Dinukleotiden unterscheidet. Für diese Leistung wurde sie 2014 mit dem Paul Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis ausgezeichnet. 

Aus den Entdeckungen der Preisträger ergab sich das folgende Gesamtbild: Das Enzym cGAS fungiert als Sensor für DNA im Zellplasma. Es umklammert die DNA-Stränge. Dadurch verformt es sich so, dass es aus den im Zellinneren reichlich vorkommenden Molekülen GTP und ATP den chemisch einzigartigen Botenstoff cGAMP herstellen kann. cGAMP wiederum steuert den Signalumwandler STING an, der daraufhin weitere Signalmoleküle in die Alarm-Stafette einbezieht. Das Ziel dieser Stafette sind diejenigen Gene im Zellkern, nach deren Plan Interferone und andere Immunbotenstoffe produziert werden.

Die Verzweigungen des von ihnen entdeckten Signalweges haben die drei Preisträger im vergangenen Jahrzehnt immer genauer kartiert. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der Tatsache, dass der Sensor cGAS nicht zwischen fremder und eigener DNA unterscheidet. Das ist sinnvoll, weil eigene DNA normalerweise nur im Zellkern und in den Mitochondrien vorkommt. Wenn sie, wie bei Krebszellen zum Beispiel, ins Zytoplasma leckt, muss cGAS anspringen und die Immunabwehr einschalten. Das ist aber auch riskant, weil es zu unbegründeten Immunangriffen auf den eigenen Körper führen kann. Dagegen verfügen unsere Zellen über wirksame Schutzmechanismen. Je älter wir werden, desto eher aber versagen diese Mechanismen. Deshalb kommen Entzündungen, die nicht infektiös bedingt sind, immer häufiger vor. Sie werden auch als sterile Entzündungen bezeichnet und liegen klassischen Autoimmunkrankheiten ebenso zugrunde wie beispielsweise Herzkreislauf-Krankheiten und neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson. Sterile Entzündungen sind von einem überaktiven cGAS-STING-Signalweg geprägt.

Substanzen, die diesen Signalweg hemmen, haben folglich großes therapeutisches Potenzial, und spielen in der Forschung vieler Pharmaunternehmen eine wichtige Rolle. Andrea Ablasser gelang 2018 die Synthese des ersten STING-Inhibitors. Umgekehrt werden Agonisten dieses Signalweges nicht nur in der Impfstoffentwicklung, sondern auch als Krebsmedikamente erprobt. In Kombination mit Checkpoint-Inhibitoren zeigen sie präklinisch starke Antitumor-Effekte. 

Andrea Ablasser, Jahrgang 1983, ist Professorin für Lebensmittelwissenschaften an der École polytechnique fédérale de Lausanne in der Schweiz. https://www.epfl.ch/labs/ablasserlab/ 

Glen Barber, Jahrgang 1962, ist Professor am Department of Surgery der Ohio State University, Columbus, Ohio, USA, und leitet dort das Center for Innate Immunity and Inflammation. https://cancer.osu.edu/for-cancer-researchers/research/research-labs/barber-lab

Zhijian J. Chen, Jahrgang 1966, ist George L. MacGregor Distinguished Chair in Biomedical Science, Howard Hughes Medical Investigator und Professor für Molecular Biology am University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas, USA. https://labs.utsouthwestern.edu/chen-zhijian-james-lab 

Fotos der Preisträger sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur Verwendung hinterlegt.

Eine ausführliche Hintergrundinformation unter dem Titel „Wenn DNA Alarm auslöst“ finden Sie https://www.uni-frankfurt.de/157788672/240917Background_PELD_Hauptpreis_2025_pdf.pdf 

Der Preis wird am 14. März 2025 um 17 Uhr vom Vorsitzenden des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Wir bitten Sie, dies bei Ihrer Terminplanung zu berücksichtigen. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Weitere Informationen

Pressestelle Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
E-Mail: j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de 


Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 16 2024
12:57

Auf dem Roßmarkt lädt das neue Wissenschaftsnetzwerk mit einem Science Festival zum Staunen, Fragen, Diskutieren und Mitmachen ein

Bühne frei für die „Frankfurt Alliance“

FRANKFURT AM MAIN. Im Januar 2024 haben sich 16 Frankfurter Forschungseinrichtungen zur „Frankfurt Alliance“ zusammengeschlossen. Um die Stärke und Vielfalt der Forschung in der Wissenschaftsstadt Frankfurt am Main und der Region Rhein-Main und ihre Bedeutung für die Gesellschaft im Herzen der Mainmetropole sichtbar zu machen, lädt das Bündnis aus außeruniversitären Forschungsinstituten und Goethe-Universität zum großen „Science Festival“ ein, das

am Samstag, 28. September, von 10 bis 19 Uhr
auf dem Roßmarkt
in der Frankfurter Innenstadt

stattfindet. In vielen Zelten und auf einer Bühne wird bei diesem bunten Familienfest Wissenschaft hautnah erlebbar. Das vielfältige Programm reicht von Science Slams über Streitgespräche zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen und Mitmach-Aktionen bis hin zu Kurzvorträgen und musikalischen Auftritten. Forschende aus verschiedenen Fachbereichen der Goethe-Universität und die forschungsstarken Institute der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft sowie das Paul-Ehrlich-Institut und das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung geben Einblicke in ihre Forschung und stehen für Fragen und Gespräche bereit.

Den Auftakt auf der Bühne bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema (Bildungs-) Gerechtigkeit unter Beteiligung des DIPF | Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Dabei geht es um den Zusammenhang zwischen Bildungschancen und sozialer Herkunft, um soziale Mobilität und die Bedeutung von Politik und Forschung in Entscheidungsprozessen. Ein großes KI-Quiz in Form eines Prompt Battles, ein Talk und Comedyeinlagen der beiden schrägen „Professoren“ Dr. KNOW und Dr. HOW stehen ebenfalls auf dem Programm. Gemeinsam mit Biologinnen und Biologen und ausgestattet mit einer Lupe kann man den Roßmarkt erkunden und so erforschen, was da zwischen Pflasterfugen und Mauerritzen wächst. Den Abschluss bildet eine Rap-Performance von Coodiny alias Nikita Kudakov und seiner Live-Band. Nikita Kudakov macht seit seiner Jugend Musik und erforscht mittlerweile als Doktorand am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik die Interaktion von Rappern mit dem Publikum. Das Bühnenprogramm moderiert Stephan Hübner von hr-Info, dem Medienpartner des Festivals.

Parallel dazu geben die Institutionen in jeweils einem Pagodenzelt Einblicke in ihre Forschungsaktivitäten. Um einige Beispiele zu nennen: Anhand eines begehbaren Modells des menschlichen Herzens zeigen Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung und Goethe-Universität in einem gemeinsamen Zelt ein zentrales Forschungsobjekt des Exzellenzclusters Cardiopulmonary Institute (CPI), das den Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems gewidmet ist. Direkt nebenan blüht es bunt: Im Zelt der Goethe-Uni gibt es offene Ateliers zum Experimentieren, Malen und Knobeln, außerdem stellen Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftlerinnen und  wissenschaftler in der Reihe „Herzstück meiner Forschung“ ihr ganz persönliches Lieblingsthema vor. Im Zelt der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung kann man auf einer Reise um die Welt Kamerafallen aus Bolivien und Südafrika auswerten. Das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung sammelt Frankfurter Ideen für den Frieden. Unter dem Titel „Tauche ein in die Zelle“ hält das Max-Planck-Institut für Biophysik VR-Brillen bereit, mit denen man die Bausteine des Lebens von innen erleben kann. Und zwei Mitmach-Experimente des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung zeigen die Funktion von Teilchenbeschleunigern.

Das Festival lädt Jung und Alt ein, neugierig zu sein, mitzureden, Fragen zu stellen und mehr über Wissenschaft zu erfahren. Für das leibliche Wohl sorgen Food Trucks mit Spezialitäten aus der Region. Liegestühle und zahlreiche Sitzgelegenheiten laden zum Innehalten ein. Das Festival startet um 10 Uhr und endet um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.  

Das ganze Programm und weitere Infos: https://frankfurtscience.de/

Information: 
E-Mail frankfurtalliance@uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 13 2024
13:01

Goethe-Uni stellt Erkenntnisse aus Modellprojekt „NAH sein – Nachbarschaftshilfe im Alltag und im Haushalt Älterer“ vor / Vernetzung ehrenamtlicher Angebote dringend notwendig

Unterstützung für ein Leben in den eigenen vier Wänden

Nachbarschaftshilfevereine tragen wesentlich dazu bei, dass ältere Menschen möglichst lange zu Hause leben können. Doch die Vereine stoßen zunehmend an Grenzen: Die Nachfrage steigt, aber immer weniger Menschen wollen sich ehrenamtlich engagieren. Im Modellvorhaben „NAH sein – Nachbarschaftshilfe im Alltag und im Haushalt Älterer“ geht es darum, wie sich die Vereine zukunftsfähig aufstellen können. Finanziert wird das Modellvorhaben vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege sowie den Pflegekassen in Hessen.

FRANKFURT. Nachbarschaftshilfevereine bilden einen wichtigen Baustein in der Versorgungsinfrastruktur für ältere Menschen. Gerade im ländlichen Raum leben viele Seniorinnen und Senioren alleine und nehmen gerne die haushaltsnahen Dienstleistungen von Nachbarschaftshilfevereinen in Anspruch. Es sind vor allem Ehrenamtliche engagiert, die bei Arztbesuchen begleiten, vorlesen, aber auch beim Kochen, Wäschewaschen oder Putzen unterstützen. Allerdings haben die meisten Vereine ein Nachwuchsproblem. Jüngere Ehrenamtliche sind schwer zu finden, insbesondere auch für einen Generationenwechsel in den Vorständen. Und so sehen sich immer mehr Vereine in der Situation, ihre Unterstützungsangebote einstellen oder einschränken zu müssen. Dies stellt Ältere und deren Familien, aber auch Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Das Modellvorhaben „NAH sein – Nachbarschaftshilfe im Alltag und im Haushalt Älterer“, das Ende 2023 gestartet wurde, soll bei der Suche nach Lösungen helfen. 

An diesem Modellvorhaben sind sechs Nachbarschaftshilfevereine aus Hessen beteiligt. Wissenschaftlich begleitet werden sie durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität und die InterVal GmbH. Im Fokus steht zum Beispiel die Frage, wie die Vereine neue Ehrenamtliche gewinnen und halten können, wie sie diese bei der Entwicklung von Kompetenzen unterstützen, aber auch wie sie ihre Vorstände von der wirtschaftlichen Haftung entlasten können – beispielsweise durch die ergänzende Gründung einer gGmbH.  Ein monatlich stattfindender fachspezifischer Workshop liefert wissenschaftlichen Input und ermöglicht den Erfahrungsaustausch. „Wir sind keine Konkurrenten und haben kein Problem damit, sowohl die positiven als auch die negativen Erfahrungen miteinander zu teilen. Dabei lernen wir alle etwas“, sagt Thomas Eymann, Vorstand der Nachbarschaftshilfe Oberer Rheingau aus Eltville. Die am Modellvorhaben beteiligten Vereine unterstützen sich auch gegenseitig bei den Themen Digitalisierung und Qualifizierung. „Wir haben gelernt, dass Erfahrungswissen hier wichtiger ist als Wissen aus der Fachliteratur. Erfahrungswissen gibt es aber nur im Austausch“, sagt Dr. Christa Larsen, Leiterin des IWAK, die die Workshops moderiert. „Diese Erfahrung zeigt, dass ein Austausch auf überregionaler oder Landesebene ausgesprochen hilfreich ist und unbedingt initiiert werden sollte“, sagt Dr. Hans Unbehauen, Vorstand von Miteinander – Füreinander Oberes Fuldatal aus Ebersburg vor diesem Hintergrund und Traugott Arens, Vorstandsvorsitzender der Nachbarschaftshilfe Bad Nauheim e.V. fügt hinzu: „Der Staat braucht für die Bewältigung der zukünftigen wachsenden Herausforderungen Ehrenamtliche. Flexibilität und Stärkung von Organisationen wie den Nachbarschaftshilfevereinen ist daher die zwingende Konsequenz für den Staat.“

Die Vereine im Modellvorhaben laden zur Vorstellung ihrer bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse ein

am Freitag, 20. September, 10 bis 16:15 Uhr
im Renate von Metzler-Saal, Casino-Gebäude,
Campus Westend der Goethe-Universität

In einem Vortrag wird Nina Schwarz vom Deutschen Verein aus Berlin erläutern, wie wichtig die Nachbarschaftshilfe aus sozialpolitischer Sicht ist. Die Chancen und Herausforderungen, vor denen sich die Vereine selbst sehen, sind Gegenstand einer Podiumsdiskussion. Zudem bieten die Vereine Workshops an, etwa zur Frage, wie ein Nachbarschaftshilfeverein gegründet und stabil in die Zukunft geführt werden kann. „Die gebündelte Fachkompetenz wird bei dieser Veranstaltung vertreten sein“, sagt Dr. Stefan Ekert, Geschäftsführer der InterVal GmbH aus Berlin, der die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens gemeinsam mit dem IWAK umsetzt. Eingeladen sind nicht nur Nachbarschaftshilfevereine und Seniorenhilfen, sondern alle, die am Thema interessiert sind. „Bisher gab es keine vergleichbare Veranstaltung“, sagt Annett Martin, Vorstand von piano e.V. aus Kassel. 

Im Projekt werden zu unterschiedlichen Themen noch Leitfäden und Informationstools erstellt. Diese sollen auch Vereinen, die nicht am Modellvorhaben beteiligt waren, zur Verfügung gestellt werden. 

Die Einladung und das Programm zur Veranstaltung finden Sie unter dem folgenden Link: https://www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2024/07/Einladung-und-Programm_-Nachbarschaftshilfevereine-im-Alltag-Aelterer_-20.-September-2024-1.pdf

Anmeldungen per E-Mail an: C.Larsen@em.uni-frankfurt.de. 

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Modellvorhaben:

Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK)
Goethe-Universität
Telefon: 069 798-22152
E-Mail: C.Larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 12 2024
15:54

21. Ausgabe wieder mit zwölf Vorlesungen – Restplätze für vormittags noch buchbar – Nachmittagsvorlesungen ohne Anmeldung möglich

Kinder-Uni: Von schlafenden Giraffen, fleißigen Körperzellen, respektvollen Lehrkräften und guten Chefs

Noch zwei Wochen, dann heißt es wieder: Hörsaal auf für wissbegierige Kinder! Bei der 21. Ausgabe der Frankfurter Kinder-Uni von 24. bis 27. September geht es um Themen aus Biologie, Medizin, Erziehungs- und den Wirtschaftswissenschaften. Die insgesamt acht Vormittagsvorlesungen sind für angemeldete Schulklassen reserviert, nachmittags um 16 Uhr sind alle Acht- bis Zwölfjährigen mit Begleitung auch ohne Anmeldung herzlich willkommen. Außer spannenden Vorträgen von echten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gibt es tolle Gewinne für Vielhörer und Schlauberger.

FRANKFURT. Wenige Wochen nach Schulstart wartet die Goethe-Universität mit ihrem großen Event für Kinder von acht bis zwölf Jahren auf. Von 24. bis 27. September findet im größten Hörsaal der Hochschule auf dem Unicampus Westend die 21. Frankfurter Kinder-Uni statt. Kinder aller Schularten können hier auf unterhaltsame und spielerische Weise erleben, wie vielfältig und spannend Wissenschaft ist. 

Das Kinder-Uni-Team hat in diesem Jahr vier unterschiedliche Themen zusammengestellt: Am Dienstag geht es um den Schlaf der Giraffe, am Mittwoch darum, wie genial unser Herz-Lungen-Kreislauf funktioniert, am Donnerstag lernen die Kinder etwas über ihren eigenen Schulalltag, und am Freitag können sie gemeinsam darüber grübeln, was eigentlich ein guter Chef ist. Die Vormittagsveranstaltungen für Schulklassen sind nur angemeldeten Schulklassen zugänglich, aber nachmittags um 16 Uhr steht der Hörsaal für alle ohne Anmeldung offen, so dass Kinder mit Eltern, Großeltern, Tanten, Onkels oder Erzieherinnen kommen können. Aber Vorsicht: Erwachsene haben nur Zutritt in Begleitung von Acht- bis Zwölfjährigen.

Das Programm

Zum Auftakt der 21. Frankfurter Kinder-Uni am Dienstag (24. September) gibt der Biologe und Verhaltensforscher Professor Paul Dierkes Einblicke in seine Forschung im Opelzoo und in freier Wildbahn. „Was macht die Giraffe in der Nacht? Vom Schlafen und Wachen der höchsten Landtiere der Welt“ – so lautet der Titel seines Vortrags. Er und sein Team haben mit Hilfe von Wärmebildkameras herausgefunden, wie Giraffen nachts aufpassen, damit kein Löwe sie überfällt. Der Herzforscher Dr. Guillermo Luxán nimmt uns am Mittwoch (25. September) mit ins Körperinnere und befasst sich mit der Frage: „Was passiert beim Atmen? Eine Reise zu den starken Teams in Herz und Lunge“.  Am Ende werden die Kinder verstehen, warum man beim Rennen manchmal außer Atem gerät und wie die Zellen in Herz und Lunge zusammenarbeiten. Unter dem Titel „Die hat mich auf dem Kieker!“ erklärt am Donnerstag (26. September) die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Anne Piezunka, wie Lehrkräfte und Schüler gut miteinander klarkommen, wie Konflikte am besten zu lösen sind und wie man sich zur Not Hilfe holen kann. Denn schließlich geht es im Klassenzimmer nicht nur um Lesen, Schreiben, Rechnen und Biologie, sondern auch um ein friedliches Miteinander. „Wozu gibt es eigentlich Chefs?“ – das fragen sich manche Erwachsene vielleicht auch manchmal. Warum es nicht nur in Kindergarten und Schule „Bestimmer“ (und natürlich „Bestimmerinnen“) geben muss, das erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Guido Friebel – und diskutiert mit den Kindern über den Unterschied zwischen guten und schlechten Vorgesetzten. Beispiele – soviel sei verraten – finden sich auch in Kinderbüchern, Comics und Animationsfilmen.

Nach den Vormittagsvorlesungen können die Schülerinnen und Schüler sich in der Mensa, den Cafeterien des Studierendenwerks oder im Café-Bistro „Sturm und Drang“ im Erdgeschoss des Hörsaalgebäudes stärken – so wie „echte“ Studentinnen und Studenten. 

In diesem Jahr ist auch wieder das Frankfurter Mitmach-Museum Experiminta mit im Boot: Im Foyer des Hörsaalgebäudes warten spannende Versuche auf die Kinder. Darüber hinaus informieren an den Nachmittagen Teams aus Psychologie und Pädagogik über ihre aktuellen Studien. 

Wie in jedem Jahr gibt es zu jeder Vorlesung ein Quiz. Wer die richtigen Antworten weiß, hat Chancen auf einen tollen Buchpreis, ein Kinder-Uni-Shirt und andere prima Preise. Auf der Homepage der Kinder-Uni (www.kinderuni.uni-frankfurt.de) sind zu Beginn der Kinder-Uni-Woche die Quizfragen und später die richtigen Antworten einsehbar. 

„Die Kinder-Uni ist mit mehr als 10.000 Kindern eine der größten Veranstaltungen der Goethe-Universität. Das sind immer ganz besondere Tage, wenn die vielen Klassen und Familien auf den Campus Westend strömen“, sagt Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Studium und Lehre. „Auch in diesem Jahr haben wir ein vielfältiges Programm zusammengestellt, um die Kinder zu begeistern und einen Einblick in die Themen unserer Universität zu geben. Vom Schlaf der Giraffen bis zur Atmosphäre im Klassenzimmer – da ist sicher für jedes Interessensgebiet etwas dabei. Und unsere Dozierenden schaffen es immer wieder auf verblüffende Weise, ihr Expertenwissen mit spielerischer Leichtigkeit zu vermitteln.“

Ein kleiner Vorgeschmack auf die diesjährige Kinder-Uni: Am Samstag, 14. September, ist die 21. Frankfurter Kinder-Uni vorab zu Gast im Frankfurter Nordwestzentrum. Kinder-Uni-Prof. und Biologe Paul Dierkes erzählt über seine Forschung mit Giraffen, und der Magier Harry Keaton führt mit Zauberkünsten durch das vielfältige Programm.

Dr. Marschner Stiftung fördert verlässlich

Seit 2015 unterstützt die Dr. Marschner Stiftung die Frankfurter Kinder-Uni finanziell. „Es ist eine tolle Idee, mit der Kinder-Uni Frankfurter Schülerinnen und Schülern aller Bildungsschichten und unabhängig von ihrem sozialen Umfeld einen ersten Kontakt mit der Universität zu ermöglichen“, so Peter Gatzemeier, Vorstand der Dr. Marschner Stiftung. „Auf unterhaltsame und trotzdem informative Weise werden ihnen spannende, wissenschaftliche Themen nahegebracht. Wir freuen uns sehr, dieses in Frankfurt und Umgebung sehr erfolgreiche Format unterstützen zu dürfen.“ 

Medienpartner der Frankfurter Kinder-Uni ist auch in diesem Jahr die Frankfurter Rundschau, die täglich über die Veranstaltungen berichten und ebenfalls ein Gewinnspiel anbieten wird.

Informationen: 

Dr. Anke Sauter und Dr. Markus Bernards
Wissenschaftskommunikation
Campus Westend
Telefon 069 798-13066 bzw. 798- 12498

E-Mail kinderuni@uni-frankfurt.de
Homepage www.kinderuni.uni-frankfurt.de.


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 12 2024
12:37

Beim 44. Rechtshistorikertag an der Goethe-Universität geht es auch um die Veränderungen des Fachs durch die Informationstechnik 

Wie Quellen vom Recht sprechen

Vom 16. bis zum 20. September kommen an der Goethe-Universität internationale Rechtshistoriker zusammen. Mit dem Motto des 44. Rechtshistorikertags „Die Sprache der Quellen“ stellen die Veranstalter den medialen Aspekt ihrer rechtshistorischen Quellenarbeit in den Mittelpunkt. 

FRANKFURT. „Gewalt und Recht in Umsturzlagen“ und „Digital Humanities und Rechtsgeschichte“ sind Themenschwerpunkte des 44. Rechtshistorikertags, der zum ersten Mal wieder seit 1986 an der Goethe-Universität stattfindet. Insgesamt sechs Schwerpunkte, vier Hauptvorträge und eine Podiumsdiskussion zum „Medienwandel und Publikationskultur in der Rechtsgeschichte“ bieten den rund 300 erwarteten Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit, auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Klassentreffen der Zunft in den fachlichen Austausch zu treten. 

Die Teilnehmer des internationalen Kongresses vom 16. bis 20. September kommen aus Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern, den Benelux-Ländern, Skandinavien und zahlreich auch aus Japan, was mit der dortigen Rezeptionsgeschichte des deutschen Rechts zu tun hat. Organisiert wird der Kongress von vier Professoren am Institut für Rechtsgeschichte am Fachbereich Rechtswissenschaft, die auch durch ihre enge Kooperation mit dem benachbarten Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und Rechtstheorie ihr Fach an der Goethe-Universität besonders stark vertreten.  

Thema des diesjährigen Rechtshistorikertags ist „Die Sprache der Quellen“: Damit möchte man den sprachlichen und medialen Aspekt der rechtshistorischen Quellenarbeit in den Mittelpunkt stellen und auch auf die aktuellen Umwälzungen des Fachs durch die Digitalisierung eingehen. „Wir haben wir dieses Thema bewusst offen formuliert, weil wir diesen Wandel ja gerade unmittelbar erleben und noch nicht genau wissen, wie sich diese Veränderungen gestalten“, beschreibt der Rechtshistoriker Prof. Dr. Guido Pfeifer, einer der Veranstalter, die Lage seines Fachs. Einerseits erhalte es durch KI intelligente Hilfe bei der Entzifferung fragmentarisch überlieferter Quellen; andererseits müssten Quellen verstärkt kritisch befragt werden: Was ist authentisch, was ist aufbereitet?

Ein besonderes Anliegen des Rechtshistorikertags ist die Einbindung der jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Dialog der Generationen. Die jungen Rechtshistoriker erhalten etwa über Projektpräsentationen Gelegenheit, aktuelle rechtshistorische Projekte vorzustellen. Zudem werden die drei besten Präsentationen ausgezeichnet, unter anderem vom neuen „Jungen Netzwerk Rechtsgeschichte“ selbst, zu dem sich junge Rechtshistoriker zusammengeschlossen haben. Weitere Auszeichnungen auf dem Kongress sind der Hermann-Conring-Preis und der Preis des Deutschen Rechtshistorikertages. 

Anmeldungen werden im Tagungsbüro noch während der Veranstaltung angenommen. 

Das Programm ist einsehbar unter https://rechtshistorikertag2024.de/ sowie unter https://preview.mailerlite.io/emails/webview/631803/132166340165240339.

Ein Interview mit Prof. Dr. Guido Pfeifer, Professor für Antike Rechtsgeschichte, Europäische Privatrechtsgeschichte und Zivilrecht, über Rechtsgeschichte als Grundlagenforschung und aktuelle Fragestellungen seines Fachs lesen Sie im Webmagazin der Goethe-Universität:

https://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/rechtsgeschichte-ist-genuin-interdisziplinaer/

Weitere Informationen

  • Prof. Dr. Albrecht Cordes
  • Prof. Dr. Thomas Duve
  • Prof. Dr. David von Mayenburg
  • Prof. Dr. Guido Pfeifer

Institut für Rechtsgeschichte
Goethe-Universität Frankfurt

https://rechtshistorikertag2024.de/aktuelles


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Das Forschungsprojekt LOCUS-MENTAL soll klären, ob ein Teil des Risikos für psychische Erkrankungen vorhergesagt werden kann, indem wir Reaktionen der Pupille bei Kleinkindern messen. Klein- und Schulkinder mit einem erhöhten Risiko könnten dann gezielt gefördert werden, um eine Ersterkrankung zu verhindern. Das Forschungsvorhaben von Dr. Nico Bast, Psychotherapeut und Leiter der Klinischen Forschung an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, wird jetzt im Rahmen des Emmy Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 2 Millionen Euro gefördert. 

In Deutschland ist jedes Jahr fast ein Drittel der Erwachsenen von einer psychischen Erkrankung betroffen. Oft zeigen sich Symptome bereits in der Kindheit. Wenn diese nicht erkannt oder sogar manifeste Erkrankungen übersehen werden, kann dies häufig schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Wer zum Beispiel als Kind an einer Angststörung leidet, hat als Erwachsener ein erhöhtes Risiko für eine schwere oder chronische Depression. „Genau hier setzt das Projekt LOCUS-MENTAL an: Die zentrale Frage ist, ob wir bestimmte biologische Risiken hinsichtlich der individuellen Entwicklung einer psychischen Erkrankung vorhersagen können. Dann könnten wir Kinder mit einem erhöhten Risiko gezielt sehr frühzeitig fördern“, erklärt Dr. Nico Bast, Leiter der Klinischen Forschung an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Das Forschungsvorhaben wird im Rahmen des Emmy Noether-Programms der DFG mit 1 Millionen Euro gefördert und stellt eine weitere Million Euro nach positiver Zwischenevaluation des Projektes in Aussicht. „Das ist eine der begehrtesten Forschungsförderungen in Deutschland – herzlichen Glückwunsch an Dr. Nico Bast! Die Förderung verdeutlicht, dass er mit LOCUS-MENTAL einen innovativen und vielversprechenden Forschungsansatz verfolgt“, sagt Professorin Dr. Christine M. Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters.

Wann reagieren Menschen auf Stress mit psychischem Leid?

LOCUS-MENTAL steht für “Locus-Coeruleus Norepinephrine functioning as a predictor of childhood mental health”. Konkret basiert das Forschungsprojekt auf der Eigenschaft von Menschen, unterschiedlich anfällig für Stress zu sein. Während manche Kinder unter widrigen Umständen eher aufblühen, sind andere Kinder bereits mit alltäglichen Anforderungen überfordert. „Dabei spielt wahrscheinlich ein das Locus Coeruleus – Norepinephrine System (LC-NE) eine moderierende Rolle“, erklärt Dr. Bast. Der LC-NE umschreibt einen winzigen Bereich im Hirnstamm, der für die Produktion des Botenstoffs Noradrenalins zuständig ist und mit seinen Verbindungen im Gehirn bestimmt, wie stark wir auf sensorische Reize reagieren. „Untersuchungen haben gezeigt, dass die Aktivität des LC-NE vorhersagt, ob Menschen auf herausfordernde Situationen eher mit psychischen Leid reagieren. Unsere Forschung hat gezeigt, wie wir dieses LC-NE System über die Reaktionen der Pupille mittels Kameras bei Kindern messen und charakterisieren können“, sagt Dr. Bast. Zusätzlich werden weitere biologische Parameter wie Kortisol in Speichel- und Haarproben bestimmt und das Temperament der Kinder mittels Fragebögen erfasst. Das Ziel ist, ein objektives Instrument zur Vorhersage des individuellen Erkrankungsrisikos zu schaffen.

Sprechstunde zur Früherkennung geplant

Die Tests im Rahmen der Studie lassen sich gut in klinische Untersuchungen integrieren. Sie bedeuten kaum zusätzliche Belastung für die Kinder und machen Spaß, da sie am Computer durchgeführt werden. „Mit LOCUS-MENTAL bauen wir dafür in unserer Psychiatrischen Institutsambulanz eine Sprechstunde zur Früherkennung aus“, sagt Professorin Dr. Freitag. „Das weitere Ziel ist, ein Frühförderzentrum für Kleinkinder mit erhöhtem Risiko oder einer manifesten psychischen Störung (PTFZ) zu etablieren. Dies ist grundsätzlich von der Stadt Frankfurt als relevant und förderungswürdig anerkannt worden; die finanziellen Verhandlungen müssen noch abgeschlossen werden. Aufgrund der Kombination von Frühdiagnostik und Frühintervention haben wir mit beiden Einrichtungen und zusammen mit dem innovativen Forschungsprojekt LOCUS-MENTAL eine echte Chance, Kinder mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen frühzeitig zu identifizieren und zu fördern. So wollen wir zukünftig chronische psychische Erkrankungen sekundär präventiv deutlich reduzieren.“

Weitere Informationen:

Dr. sc. hum
Nico Bast
Leitung Klinische Forschung
Psychologischer Psychotherapeut

Universitätsmedizin Frankfurt
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Deutschordenstraße 50
D-60528 Frankfurt

Tel.: +49 69 6301-6223
Mail: nbast@uni-frankfurt.de 

 

Sep 9 2024
09:48

Bad Homburg Conference 2024 mit Keynote-Vorträgen der Philosophin Stefania Centrone, des Informatikers Kristian Kersting und des Soziologen Armin Nassehi

„Künstliche Intelligenz: Wie formt sie unsere Zukunft?“

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Seit im November 2022 das US-amerikanische Unternehmen Open AI den Chatbot ChatGPT vorgestellt hat, ist Künstliche Intelligenz (KI) in der Breite der Gesellschaft angekommen. Angesichts des scheinbar grenzenlosen Potenzials der digitalen Technik geraten grundlegende Annahmen über unser tägliches Denken, Handeln und Arbeiten ins Wanken. Viele fragen sich: Welche Folgen hat die neue Technologie für unsere Zukunft?

Diese Frage steht im Mittelpunkt der diesjährigen Bad Homburg Conference, zu der das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, das Center for Critical Computational Studies (C3S) der Goethe-Universität und die Stadt Bad Homburg v. d. Höhe herzlich einladen. Die Konferenz findet statt 

von Freitag, 20. September, 15 Uhr
bis Samstag, 21. September, 16:30 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften,
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe.

Ohne Alarmismus, aber mit einem kritischen Blick wird sich die Konferenz den Möglichkeiten, aber auch den Gefahren der Entwicklung und Nutzung von KI widmen.

„Die zunehmende algorithmische Vorhersage von sozialen Dynamiken durch KI wirft die Frage auf, wie viel Handlungsspielraum wir uns als Gesellschaft in einer unbestimmten Zukunft erhalten wollen und welche Verantwortung wir dabei übernehmen“, formuliert  Juliane Engel, Professorin für Erziehungswissenschaft und Gründungsdirektorin von C3S, einen wichtigen Aspekt der Debatte.

Drei Keynote-Vorträge stecken den allgemeinen Rahmen des Themas ab: Der Soziologe Prof. Armin Nassehi (Ludwig-Maximilians-Universität München) spricht über die gesellschaftlichen Erwartungen an KI und die technischen und sozialen Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft stellen sollte. Die Philosophin Prof. Stefania Centrone (TU München) analysiert die Möglichkeiten und Grenzen von KI-Prognosen und deren Folgen für Individuen und Gesellschaft. Der Informatiker Prof. Kristian Kersting (TU Darmstadt) skizziert die Vision einer „Vernünftigen KI“, die mit einer Art „gesundem Menschenverstand“ über die Welt denkt und kontinuierlich dazu lernt. Recht und Wirtschaft, Politik und Kunst sowie Bildung und Gesundheit – diese zentralen Bereiche der Gesellschaft stehen im Fokus von drei Podiumsdiskussionen mit zwölf Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft. Dabei geht es um die Frage, wie sie durch den Einsatz von KI beeinflusst werden könnten. 

„Bereits zwei Mal haben wir uns bei den Bad Homburg Conferences mit der Digitalisierung befasst: 2017 beleuchteten wir ihre Auswirkungen auf die politische Kommunikation und 2019 diskutierten wir darüber, ob und wie wir Algorithmen vertrauen können. Die Entwicklungen gehen rasant voran und heute wissen wir, dass KI das Potenzial hat, unsere Vorstellung von uns selbst als Menschen und von unserem Handeln zu verändern. Es ist wichtig, nun über den nächsten Schritt in dieser Entwicklung vertiefend nachzudenken“, sagt Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften und Philosophieprofessor an der Goethe-Universität. 

Die Bad Homburg Conferences

Die Bad Homburg Conferences werden seit 2017 gemeinsam vom Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität und der Stadt Bad Homburg veranstaltet. Alljährlich im Herbst bieten sie ein öffentliches Forum der Reflexion über wichtige gesellschaftliche Fragen der Gegenwart.

„Die Bad Homburg Conferences sind ein unverzichtbarer Beitrag zur Stärkung des gesellschaftlichen Diskurses. Sie bieten uns die einzigartige Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam zu reflektieren und zu diskutieren. Es ist von großer Bedeutung, dass wir die Bürgerinnen und Bürger unserer Region aktiv in diese Gespräche einbinden, denn nur durch den offenen Austausch von Ideen und Perspektiven können wir gemeinsam Lösungen für die drängenden Fragen unserer Gesellschaft entwickeln“, erklärt Alexander W. Hetjes, Oberbürgermeister von Bad Homburg v. d. Höhe.

Planungsgruppe der Bad Homburg Conference 2024: Prof. Dr. Juliane Engel (Goethe-Universität), Prof. Dr. Christoph Burchard (Goethe-Universität), Dr. Bettina Gentzcke (Stadt Bad Homburg v. d. Höhe), Iris Helene Koban (Forschungskolleg Humanwissenschaften), Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann (Goethe-Universität/Forschungskolleg Humanwissenschaften), Prof. Dr. Franziska Matthäus (Goethe-Universität), Prof. Dr. Ulrich Meyer, Goethe-Universität

Konferenzprogramm: https://www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de/downloads/2024-Flyer-BHC.pdf

Teilnahme vor Ort: Die Teilnahme ist kostenlos und nach vorheriger Anmeldung per E-Mail möglich (Anmeldeadresse: anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Anmeldeschluss: 16. September 2024). Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, an welchen Veranstaltungstagen Sie teilnehmen möchten (Freitag ab 15 Uhr, Freitag ab 17 Uhr, Samstag oder an beiden Tagen). Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.

Online Teilnahme: Die einzelnen Veranstaltungsteile werden auf dem YouTube-Kanal des Forschungskollegs Humanwissenschaften übertragen. Über die Chatfunktion von YouTube ist die Teilnahme an den Diskussionen möglich.

Weitere Informationen und Kontakt: 
Monika Hellstern
Forschungskolleg Humanwissenschaften
Wissenschaftskommunikation
Telefon 06172 13977-45
E-Mail hellstern@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 6 2024
10:27

Künstliche Intelligenz hilft bei Entdeckung neuer Wirkstoffe in Bakterien

Naturstoffforscher Eric Helfrich von Goethe-Universität und LOEWE-Zentrum TBG erhält ERC Starting Grant

Der Chemische Biologe Eric Helfrich, Professor für Naturstoffgenomik an der Goethe-Universität Frankfurt und Co-Sprecher des LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (LOEWE-TBG) war in der Einwerbung der hoch kompetitiven Starting Grants des Europäischen Forschungsrats (European Research Council – ERC) erfolgreich und erhält für die kommenden fünf Jahre 1,5 Millionen Euro. Er forscht an Naturstoffen, die in Bakterien durch eine Kombination Enzym-katalysierter und spontaner Reaktion hergestellt werden. 

FRANKFURT. Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung, gratulierte dem Wissenschaftler: „Die Vergabe von ERC-Grants ist äußerst wettbewerbsintensiv. Ich freue mich daher sehr für Prof. Helfrich, dessen außergewöhnlichen Leistungen in der Naturstoffforschung in besonderer Weise gewürdigt werden und der jetzt seine zukunftsweisenden wissenschaftlichen Projekte zur Entdeckung neuer potenzieller Wirkstoffe in Bakterien langfristig weiterverfolgen kann.“ 

Prof. Dr. Eric Helfrich befasst sich in seinem ERC-Projekt „COMBINE“ („Bacterial Alkaloid Biosynthesis off the Beaten Path: Compartmentalization and Non-Enzymatic Transformations in Non-Canonical Alkaloid Biosynthesis“) damit, wie Bakterien komplexe Biomoleküle herstellen, die die Basis vieler Medikamente sind. Diese sogenannten Naturstoffe werden durch vielstufige enzymatische Prozesse gebildet, wobei in Bakterien alle Gene, die für diese Enzyme kodieren, nebeneinander in der DNA vorliegen. Daher kann man durch Genom-Analysen das Potenzial eines Bakteriums zur Produktion neuer Naturstoffe ermitteln. 

Eric Helfrich befasst sich mit Naturstoffen, die sich dieser scheinbar universellen Regel widersetzten. Im Speziellen geht es um spontane Reaktionen, die vermutlich in eigens dafür vorgesehenen Reaktionskammern innerhalb der Bakterienzelle ablaufen. Da diese Reaktionen nicht von Enzymen katalysiert werden, deren Bauplan im Genom vorliegt, lassen sich spontane Reaktionen bisher nicht vorhersagen. Daher wird das Team von Eric Helfrich auf künstlicher Intelligenz basierende indirekte Verfahren entwickeln, um spontane Reaktion vorherzusagen und die assoziierten neuartigen Naturstoffe zu charakterisieren. Einsichten in diese nicht-enzymatischen Vorgänge werden anschließend für die Erzeugung einer neuen Generation von Wirkstoffen verwendet, bei denen zwei Wirkstoffe mittels synthetischer Biologie so verändert werden, dass sie bei ihrer biotechnologischen Produktion spontan zu bi-spezifischen Wirkstoffen fusionieren.

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine von der Europäischen Kommission eingerichtete Institution zur Finanzierung grundlagenorientierter Forschung. Er besteht seit 2007 unter mehreren EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation. An seiner Spitze steht der Scientific Council, ein Gremium internationaler Spitzenwissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern, der für die strategische Ausrichtung des ERC verantwortlich ist.

Mit Starting Grants unterstützt der ERC exzellente Forscherinnen und Forscher, die sich in den ersten Jahren nach ihrer Promotion ein eigenes Forschungsteam aufbauen und sich mit einem viel versprechenden Forschungsprojekt wissenschaftlich etablieren wollen. Für die Projekte erhalten sie bis zu 1,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. https://erc.europa.eu/funding/starting-grants

Hintergrund: Emmy-Noether-Förderung für Prof. Eric Helfrich (2023) https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/15-millionen-fuer-naturstoff-forschung-prof-eric-helfrich-erhaelt-emmy-noether-foerderung/

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/157481257/

Bildtext: Prof. Dr. Eric Helfrich, Goethe-Universität Frankfurt und LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik. Foto: Jürgen Lecher

Twitter: @goetheuni 


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 4 2024
13:17

Linderung der Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion

Post-COVID-Syndrom: BMBF-geförderte Medikamentenstudie startet

Unter Leitung der Infektiologie des Universitätsklinikum Frankfurt nimmt eine innovative Studie zur Behandlung des Post-COVID-Syndroms (PCS) ihre Arbeit auf. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Forschungsprojekt untersucht neue Wege zur Linderung der Langzeitfolgen von COVID-19, wie Müdigkeit und kognitive Beeinträchtigungen. Der erste Patient wurde in dieser Woche in die Studie eingeschlossen. 

„Nach wie vor besteht ein dringender Bedarf für die Behandlung des Post-COVID-Syndroms und der damit verbundenen Symptome“, erklärt Prof. Dr. Maria Vehreschild, Leiterin der Studie und Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt. „Wir freuen uns deshalb, mit RAPID_REVIVE die erste adaptive – also anpassungsfähige – klinische Studie im Rahmen des Netzwerks Universitätsmedizin durchzuführen.“ Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) wurde 2020 als Teil des Krisenmanagements gegen die COVID-19-Pandemie gegründet, um die klinische COVID-19-Forschung der Universitätsklinika zu koordinieren.

RAPID_REVIVE (Randomized Adaptive Assessment of Post COVID Syndrome Treatments_Reducing Inflammatory Activity in Patients with Post COVID Syndrome) ist eine adaptive, randomisierte, placebokontrollierte und doppelblinde Studie der klinischen Phase 2 unter Sponsorschaft der Goethe Universität und finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Netzwerks Universitätsmedizin. Die strukturellen Voraussetzungen für den Studienstart wurden im Rahmen des NUM-Projekts „NAPKON Therapeutische Interventionsplattform“ (NAPKON-TIP) geschaffen. Insgesamt sollen 376 Patientinnen und Patienten an elf verschiedenen NAPKON-Standorten in die Studie eingeschlossen werden.

Das Post-COVID-Syndrom

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erholen sich die meisten Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind, vollständig. Eine Untergruppe der Betroffenen leidet jedoch nach einer durchlebten Infektion unter Langzeitfolgen, dem sogenannten Post-COVID-Syndrom (PCS). Von einem PCS spricht man, wenn mindestens drei Monate nach dem Auftreten von COVID-19 Symptome bestehen, diese mindestens zwei Monate andauern und nicht durch eine andere Diagnose erklärt werden können. Die Symptome sind vielfältig, häufig leiden PCS-Betroffene jedoch an ausgeprägter Müdigkeit (Fatigue), Kurzatmigkeit sowie kognitiven Beeinträchtigungen.

Im Rahmen von RAPID_REVIVE wird die Veränderung der körperlichen Funktionen der Teilnehmenden untersucht, die mithilfe von Fragebögen und Tests zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfasst wird. Darüber hinaus betrachtet die Studie die allgemeine geistige und körperliche Gesundheit, Müdigkeit, kognitive Funktionen, den Schweregrad psychischer Beeinträchtigungen, Atemnot sowie die körperliche Belastbarkeit der Betroffenen. Die Studie zielt zudem darauf ab, prognostische Biomarker zu identifizieren, die Aufschluss über den individuellen Verlauf der PCS-Erkrankung geben. Dies soll es ermöglichen, eine auf die einzelnen Patientinnen und Patienten abgestimmte Behandlungsstrategie zu wählen.

Vielversprechender Kandidat: Medikament Vidofludimus Calcium wird getestet

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten entweder das Medikament Vidofludimus Calcium (IMU-838) oder ein Placebo. Wer welches Präparat bekommt, entscheidet das Zufallsprinzip (verblindete 1:1 Randomisierung). Sobald 150 Patientinnen und Patienten aufgenommen sind, wird die Zuteilung je nach Zwischenauswertungen der Studie angepasst. Vidofludimus Calcium ist ein neues Medikament, das den neuroprotektiven Transkriptionsfaktor Nurr1 aktiviert, ein neuartiges Zielmolekül bei neurodegenerativen Erkrankungen. Zudem hemmt das Medikament ein Enzym namens DHODH und blockiert dadurch die Herstellung von Pyrimidinen, die Zellen vor allem für die RNA-Synthese benötigen. Es wirkt besonders auf hochaktivierte Immunzellen und virusinfizierte Zellen, die einen hohen Bedarf an Pyrimidinen haben. Vidofludimus Calcium hilft auch bei chronischen Entzündungs- und Autoimmunkrankheiten, indem es überschießende Entzündungen reduziert und Virusinfektion und -reaktivierung verhindert.

In einer früheren Studie mit COVID-19-Patientinnen und -Patienten zeigte Vidofludimus Calcium vielversprechende Ergebnisse: Patienten, die Vidofludimus Calcium erhielten, erholten sich schneller und litten weniger unter Langzeitmüdigkeit im Vergleich zu denjenigen, die ein Placebo erhielten. Die Behandlung war gut verträglich und verursachte kaum Nebenwirkungen. Vidofludimus Calcium könnte somit nicht nur bei der akuten Behandlung von COVID-19 helfen, sondern auch langfristige Symptome lindern.

„Wir hoffen, dass die RAPID_REVIVE-Studie einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung des Post-COVID-Syndroms darstellt. Die erfolgreiche Umsetzung innerhalb der NAPKON-TIP-Strukturen soll es ermöglichen, dass diese Plattform als etablierte Struktur dem NUM und externen Parteien für zukünftige adaptive Studien zur Verfügung steht. Dadurch können wir flexibel auf neue Erkenntnisse reagieren und die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellen“, so Prof. Dr. Maria Vehreschild. „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse dieser wegweisenden Studie und deren potenziellen Einfluss auf zukünftige therapeutische Ansätze.“

Links:

Webseite der Studie beim Netzwerks Universitätsmedizin:
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/projekte/napkon-tip/studie-rapid-revive

Mehr zum Netzwerks Universitätsmedizin:
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/ 

Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO zu Post-COVID:
https://www.who.int/europe/news-room/fact-sheets/item/post-covid-19-condition

Für weitere Informationen: 

Prof. Dr. Maria Vehreschild
Medizinische Klinik 2
Leitung des Schwerpunkts Infektiologie
Universitätsklinikum Frankfurt 
Telefon: +49 69 63 01 – 66 08
E-Mail: maria.vehreschild@ukffm.de 


Redaktion: Christoph Lunkenheimer, Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 63 01 – 86 44 2, E-Mail: christoph.lunkenheimer@ukffm.de

 

Sep 3 2024
10:04

Institut für Mathematik der Goethe-Universität lädt Schüler*innen zur Main Math Challenge ein

Mathematik entdecken

FRANKFURT. Mathematik außerhalb des Klassenraums erleben, einen Eindruck vom Studium erhalten und Mathematiker*innen kennenlernen – das können Schüler*innen der Klassenstufen Q1 und Q3 beim Main Mathe Challenge der Goethe-Universität. Am Samstag, dem 28. September, findet zum dritten Mal auf dem Campus Riedberg der Mathewettbewerb für Oberstufenschüler*innen statt. Noch bis zum 15. September können sich pro Schule bis zu drei Teams mit je drei bis vier Schüler*innen der Klassenstufen Q1 und Q3 bewerben; bis zu vier weitere Teams können auf eine Warteliste gesetzt werden. 

Drei Herausforderungen erwarten die Teilnehmer*innen: Im Team-Challenge geht es darum, gemeinsam vorgegebene mathematische Aufgaben zu lösen. Beim Speed-Challenge gewinnt das Team mit den meisten richtigen Lösungen. Und beim Creative-Challenge wird Mathematik neu entdeckt: Dabei soll neues mathematisches Wissen, das den Teams vorab in einem Vorlesungsvideo vermittelt wurde, kreativ eingesetzt werden. 

Unterstützung erhalten die Schüler*innen vor Ort von den Mathematiker*innen des Instituts für Mathematik, das die Challenge in Zusammenarbeit mit dem Institut für Didaktik der Mathematik und der Informatik sowie der studentischen Fachschaft Mathematik austrägt. Die drei erfolgreichsten Teams erhalten Preise, unter anderem kleine 3D Drucker-Pokale, die auf die mathematischen Schwerpunkte des Instituts verweisen: Analysis & Numerik, Algebra & Geometrie, Diskrete Mathematik und Stochastik mit Finanzmathematik.

Die Main Mathe Challenge enthält auch ein Angebot für Lehrer*innen: Während ihre Schüler*innen sich dem freundschaftlichen Wettbewerb stellen, können die Lehrer*innen an einer Fortbildung des Instituts für Didaktik der Mathematik und der Informatik teilnehmen.

Die Mathematiker*innen der Goethe-Universität sind gespannt, ob sich der Erfolg ihres noch jungen Wettbewerbs in seiner dritten Auflage fortsetzt: Im Startjahr 2022 beteiligten sich an der Main Mathe Challenge knapp 120 Schüler*innen in 30 Teams von Schulen aus Frankfurt und Umgebung; im Folgejahr waren es bereits 41 Teams mit 155 Schüler*innen.

Weitere Informationen unter https://tinygu.de/MainMathChallenge.

Hier anmelden zur Main Math Challenge

Weitere Informationen
Nicole Philipp-Jahnke 
069 798 23724 

Timo Schöffel 
069 798 22526 
E-Mail mmc@math.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 30 2024
13:24

Weltweite Umfrage der Goethe-Universität zeigt mögliche Erklärungen für Wissenslücken künftiger Umweltfachleute auf

Biodiversitätsverlust: Viele Studierende im Umweltbereich kennen Ursachen nicht so genau

Umweltstudenten weltweit haben Wahrnehmungslücken, was die Ursachen des globalen Biodiversitätsverlusts betrifft. So das Ergebnis einer Umfrage der Goethe-Universität Frankfurt, bei der mehr als 4000 Studierende aus 37 Ländern befragt wurden. Die Lücken sind von Land zu Land verschieden: In manchen Ländern wird eher der Klimawandel als Ursache unterschätzt, in anderen der Faktor invasive Arten, in dritten die Verschmutzung. Die Umfrage zeigt auch, dass länderspezifische Indikatoren die Wahrnehmung stark beeinflussen. 

FRANKFURT. Von den geschätzt 10 Millionen, größtenteils noch unentdeckten Tier- und Pflanzenarten auf der Erde könnten in den nächsten Jahrzehnten eine Million aussterben. Dieser Biodiversitätsverlust hätte dramatische Folgen, denn Tiere und Pflanzen sind Multidienstleister: Sie erhalten Ökosysteme, sorgen für ein ausgeglicheneres Klima auf dem Planeten und liefern uns Nahrung sowie Wirkstoffe für Medizin. Kurz: Ohne Artenvielfalt überleben wir Menschen nicht. 

Es braucht also dringend konsequente politische Maßnahmen gegen das „sechste Massenaussterben“ der Erdgeschichte. Eine Personengruppe, auf die es besonders ankommt, sind die heutigen Studierenden im Umweltbereich. Viele von ihnen werden in Zukunft voraussichtlich einflussreiche Posten in Umweltpolitik und Wirtschaft besetzen – und mit darüber entscheiden, ob der globale Rückgang der Artenvielfalt effizient bekämpft wird.

Aber wie gut sind die Entscheiderinnen und Entscheider von morgen überhaupt informiert? Können sie die Hauptursachen für den Biodiversitätsverlust als solche identifizieren – und zudem von Faktoren abgrenzen, die gar keinen Einfluss auf die Artenvielfalt haben? „Wir sind die ersten, die diese Fragen in unserer Studie global wissenschaftlich untersucht haben“, so Dr. Matthias Kleespies von der Abteilung Didaktik der Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt.

Zusammen mit anderen Frankfurter Forschern hat Kleespies eine Online-Umfrage bei rund 4400 Studenten der Umweltwissenschaften in 37 Ländern durchgeführt. Diese bekamen eine Online-Fragebogen, der acht Ursachen für den globalen Biodiversitätsverlust auflistet. Darunter die fünf tatsächlichen Hauptgründe: Klimawandel (vermehrte Dürren und andere Folgen der Erwärmung), Übernutzung (etwa Überfischung), Lebensraumverlust (etwa durch Rodungen), Verdrängung durch invasive Arten und schließlich Verschmutzung (Luftverschmutzung, Plastikmüll, Erdölverschmutzung). Zusätzlich waren drei Faktoren aufgeführt, die keinen oder kaum Einfluss auf die Artenvielfalt haben: Elektrosmog, Fabrik- und Fahrzeuglärm sowie das Internet. Die Umweltstudierenden sollten angeben, in welchem Maß die acht Faktoren ihrer Meinung nach für den Rückgang der Biodiversität verantwortlich sind. Die Skala reichte von 1 (geringer Einfluss) bis 5 (sehr starker Einfluss).

Die ausgefüllten Fragebögen wurden mittels einer speziellen Methode analysiert, die Muster in Daten erkennt. Am Ende bildeten sich so insgesamt acht unterschiedliche Cluster mit Anhäufungen bestimmter, gut voneinander unterscheidbarer Antworttypen heraus. Kleespies erläutert: „Bei Antworttyp 1 zum Beispiel werden alle Hauptursachen erkannt, mit Ausnahme des Klimawandels. Dessen Einfluss auf den Rückgang der biologischen Vielfalt unterschätzen die Studenten.“ Bei Typ 2 wiederum spielt die Verschmutzung eine untergeordnete Rolle, bei Typ 7 der Faktor invasive Arten. Eine Sonderform stellt Typ 3 dar, bei der alle Hauptursachen unterschätzt und diese zudem von den irrelevanten Faktoren wie Lärm gar nicht unterschieden werden. „Zum Glück gab es von diesem Antworttypen vergleichsweise wenige“, sagt Kleespies. Insgesamt kommen die acht Antworttypen in den befragten Ländern in unterschiedlicher Häufigkeit vor.

Im nächsten Auswertungsschritt ging es um die Hintergründe der Antworten: Was bedingt die unterschiedlichen Antworttypen? Dafür bezogen die Forschenden länderspezifische Indikatoren ein: den CO2-Ausstoß des Landes sowie Indikatoren für Wohlstand, Umwelt und Biodiversität. Kleespies: „Wir stellten fest, dass diese Indikatoren die Wahrnehmung der Studenten im jeweiligen Land erheblich beeinflussen.“

Beim Antworttyp 1 zum Beispiel, der den Klimawandel als Treiber unterschätzt. In Ländern mit sehr hohem CO2-Ausstoß – etwa Russland, China, Saudi-Arabien – kommt Typ 1 deutlich häufiger vor. „Warum das so ist, lässt sich mit unseren Daten zwar nicht erklären. Aber wir vermuten, dass die Umweltstudenten in diesen Ländern nicht so sensibilisiert sind. Es fehlt im Studium an Aufklärung darüber, dass auch der Klimawandel den Verlust der Artenvielfalt verstärkt.“ Zudem gehe es ja um den Anteil des eigenen Landes am Klimawandel. Dass der groß sei, werde eventuell nicht so gerne zugegeben. 

Bei Antworttyp 2 – Verschmutzung als unterschätzter Faktor – ist ebenso ein Zusammenhang zwischen Bewertung und ländertypischen Indikatoren erkennbar, aber in anderer Form. In wohlhabenden Ländern mit gesünderen Ökosystemen – zum Beispiel Australien, Schweden und Deutschland – unterschätzen die Studierenden den Faktor Verschmutzung häufiger. Vermutlich werde Verschmutzung in diesen Ländern allgemein nicht als Problem wahrgenommen, meint Kleespies, und somit auch nicht als eine der Hauptursachen für den globalen Biodiversitätsverlust. Antworttyp 7 wiederum, der invasiven Arten stark unterschätzt, ist in Länder wie Nigeria und Kenia, in denen invasive Arten weniger häufig sind, eher verbreitet. In Australien und Spanien kommt Typ 7 dagegen nur selten vor - gerade dort stellen invasive Arten ein großes Problem dar.  

Welche Schlüsse Kleespies aus der Studie zieht? „Sie zeigt erstmals die großen Wahrnehmungslücken, die die nächste Generation der Entscheidungsträger im Umweltbereich beim Thema Artenvielfaltverlust und seinen Ursachen hat. Diese Lücken müssen geschlossen werden.“ Und da sind die heutigen Entscheidungsträger an den Universitäten und in der Politik gefragt. Sie müssen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass im Umweltstudium des jeweiligen Landes alle Ursachen des komplexen Problems behandelt werden. „Der Biodiversitätsverlust betrifft uns alle, es ist ein globales Problem. Deshalb braucht es bei Studierenden im Umweltbereich, unabhängig vom Herkunftsland, auch eine globale Sichtweise.“ Die Studie sei ein Appell in diese Richtung.

Publikation: Matthias Winfried Kleespies, Max Hahn-Klimroth, Paul Wilhelm Dierkes: Perceptions of biodiversity loss among future decision-makers in 37 countries. npj Biodiversity (2024) https://doi.org/10.1038/s44185-024-00057-3 

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/157234529/

Bildtext: Wenn invasive Arten – wie zum Beispiel der Rotfeuerfisch im Atlantik – in den Ländern der Befragten kein größeres Problem sind, tendierten die Befragten dazu, die Bedeutung für den Biodiversitätsverlust zu unterschätzen. Grafik: Matthias Kleespies, Goethe-Universität

Weitere Informationen

Abteilung Didaktik der Biowissenschaften und Zootierbiologie
Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Matthias Kleespies
Tel: +49 (0)69 798-42276
kleespies@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Paul W. Dierkes
Tel: +49 (0)69 798-42273
dierkes@bio.uni-frankfurt.de

Homepage: https://www.zoobiology-frankfurt.de/de/forschungsgebiete/umweltbildungsforschung 

Twitter/X: @goetheuni


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 27 2024
10:16

13. Jahrestagung des House of Pharma and Healthcare diskutiert   Inhalte und Umsetzung der Pharmastrategie der Bundesregierung

Endlich Schlüsselindustrie – und nun?

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Die pharmazeutische Industrie ist ein Schlüsselsektor und eine Leitindustrie der deutschen Volkswirtschaft. Eine langfristig starke pharmazeutische Industrie ist für die Gesundheitsversorgung und den Wirtschaftsstandort von großer Bedeutung.“ Diese Sätze entstammen keiner Branchen-PR, sondern der im Dezember 2023 verabschiedeten Pharmastrategie der Bundesregierung. Endlich erfährt die pharmazeutische Industrie also auf höchster politischer Ebene die Anerkennung, die ihr jahrzehntelang versagt wurde. Dass es der Politik damit ernst ist, zeigen beispielsweise das Gesundheitsdatennutzungs- und das Medizinforschungsgesetz. Werden diese Regelwerke medizinische Innovation in und aus Deutschland beflügeln? Können sie wie versprochen verkrustete Prozesse beschleunigen, digitalisieren und entbürokratisieren? Reichen sie aus, um dem Pharma-Standort den Schwung zu geben, den er braucht, um wieder Weltspitze zu werden? Welche Rolle kommt dabei der Biotechnologie zu? Solche Fragen stehen im Mittelpunkt unserer diesjährigen Jahrestagung, zu der wir Sie herzlich einladen. 

13. Jahrestagung House of Pharma & Healthcare
Wann? Montag, 2. September, 17.30 Uhr, und Dienstag, 3. September, 9 bis 17 Uhr
Wo? Casino, Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt am Main


Mit dem traditionellen Vorabendempfang auf Einladung der Hessischen Landesregierung beginnt die Jahrestagung am 2. September. Die Europachefin des internationalen Future Today Institute stellt dabei unter dem Stichwort „Pharma 2034“ Zukunftsszenarien vor. Der Konferenztag am 3. September startet in Anwesenheit des Hessischen Wirtschaftsministers Kaweh Mansoori mit einer Keynote von Abteilungsleiter Thomas Müller aus dem Bundesgesundheitsministerium über den „neuen Rahmen für Arzneimittel“. Zwei namhaft besetzte Podiumsdiskussionen thematisieren einerseits die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems, andererseits optimale Wege zur Umsetzung der Pharmastrategie. Über die Podiumsdiskussionen, Einzelgespräche und Keynotes hinaus bietet die Jahrestagung wieder zwei Sessions mit parallelen Workshops an, die von Sponsoren aus der Wirtschaft ausgerichtet werden.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und Ihre Berichterstattung! 

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Pietzsch
Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V. 
Tel. 069 36007188



Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 26 2024
10:30

Abschlusstagung an der Goethe-Universität bietet Vernetzung zwischen Wissenschaft und Praxis.

Förderbezogene Diagnostik in inklusiver Bildung

FRANKFURT. Welche Rolle spielt Diagnostik in einem Bildungssystem, das zunehmend an Inklusion orientiert ist?  Zu dieser Frage hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Zuge seines Rahmenprogramms empirische Bildungsforschung 2021 die Förderrichtlinie „Förderbezogene Diagnostik in der inklusiven Bildung“ ins Leben gerufen, in der 28 Projekte schulische Diagnose- und Förderinstrumente im Bereich inklusiver Bildung entworfen und deren Einsatz in der Praxis untersucht haben. Ihre Ergebnisse stellen sie auf der Abschlussveranstaltung der Förderrichtlinie am 11. und 12. September 2024 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main vor und diskutieren sie mit Vertreter:innen aus Bildungspraxis, Bildungsadministration und Bildungspolitik.

Organisiert wird die Tagung vom Metavorhaben Inklusive Bildung (MinkBi), das am Institut für Sonderpädagogik der Goethe-Universität angesiedelt ist und die Arbeit der Projekte in der Förderrichtlinie seit deren Beginn begleitet. Im Zuge der Abschlusstagung werden die Ergebnisse der Projekte zugänglich gemacht und der Raum geboten in einen offenen Austausch über die Umsetzung in der pädagogischen Praxis zu treten. Darüber hinaus bieten Interaktive Formate wie ein Gallery Walk und Transferwerkstätten die Gelegenheit, Anwendungsmöglichkeiten zu erörtern, Impulse für zukünftige Transferprozesse zwischen den Teilnehmer:innen zu setzen und so eine Verstetigung der Forschungsergebnisse zu ermöglichen. 

Weitere Informationen sind zu finden auf der Internetseite des Metavorhabens: https://forschung-inklusive-bildung.de/informationen-fuer-externe-gaeste

Kontakt: 
Stefan Katzenbach
Metavorhaben Inklusive Bildung
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich Erziehungswissenschaften
Institut für Sonderpädagogik
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
D-60629 Frankfurt am Main

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Aug 23 2024
17:03

Einblicke in Forschungen und Aktivitäten der Initiative Dondorf-Druckerei anlässlich der Finissage der Ausstellung „Leerstand und Utopie“

Dondorf – ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte

FRANKFURT. Zur Finissage der Ausstellung „Leerstand und Utopie – Die Kämpfe um den Campus Bockenheim“ laden die Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg, die Kuratorinnen und Kuratoren der Ausstellung und die „Initiative Dondorf-Druckerei“  

am Donnerstag, 29. August, 18 Uhr
Schopenhauer-Studio
Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek
Freimannplatz 1, 60325 Frankfurt am Main

zu einer Veranstaltung zum Thema „Dondorf – ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte. Einblicke in Forschungen und Aktivitäten der Initiative Dondorf Druckerei“. In vier etwa 15-minütigen Statements geben Mitglieder der Initiative Dondorf-Druckerei Einblick in unterschiedliche Aspekte der Geschichte, die für die aktuelle öffentliche Debatte um die Dondorf-Druckerei interessant sein können:

• die Familiengeschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Dondorf
• das Transkriptionsprojekt der Erinnerungen des Firmengründers Bernhard Dondorf (1809-1902)
• Bernhard Dondorf, Gabriel Riesser und die Nationalversammlung von 1848
• die Geschichte des Gebäudes der Dondorf-Druckerei, 1890 bis 2024

Zu sehen sein wird auch eine kleine Auswahl von Objekten aus den Beständen der Universitätsbibliothek, die einen Bezug zur Dondorf-Druckerei oder zu Bernhard Dondorf haben, u.a. die Erinnerungen Bernhard Dondorfs sowie Bilderbücher und Spielkarten aus dem Verlag.

Das Kuratorenteam der Ausstellung „Leerstand und Utopie - Die Kämpfe um den Campus Bockenheim“ zieht abschließend ein Resümee zur Ausstellung und lädt anschließend zur Diskussion ein. 

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es wird fotografiert.

Über die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS)
Die Universitätsbibliothek JCS zählt mit ihren umfangreichen Beständen und Sammlungen zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands. Sie vereinigt in sich die Funktionen einer Universitätsbibliothek mit zahlreichen Landesaufgaben, einer wissenschaftlichen Bibliothek für die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet und einer Schwerpunktbibliothek innerhalb der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung.

Information:
Bernhard Wirth
Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsbibliothek
Freimannplatz 1
60325 Frankfurt am Main
Telefon +49 (69) 798 39223

E-Mail: kom@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Aug 23 2024
12:34

Wie beeinflusst die Mobilität von Pflegekräften Politik und Gesellschaft der Entsendeländer?

Der Altenpflegemarkt als europäisches System

In Deutschland sind 5 Millionen Menschen pflegebedürftig, für das Jahr 2050 werden mehr als 7 Millionen prognostiziert. Ohne Arbeitsmigration wäre das System längst zusammengebrochen. Doch wie ist die transnationale Pflege organisiert? Welche Folgen hat sie für die Herkunftsländer der Pflegenden? Und wie reagiert die Politik darauf? Mit diesen Fragen befasst sich ein internationales Forschungsprojekt, das am Fachbereich Sozialwissenschaften der Goethe-Universität koordiniert wird. 

FRANKFURT. Die Menschen werden immer älter, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Der riesige Bedarf an Pflegekräften in Deutschland kann längst nur durch Arbeitszuwanderung befriedigt werden. Wegen des wirtschaftlichen Gefälles funktioniert das seit Jahren gut: Fachkräfte, vor allem Frauen, aus Osteuropa kommen nach Deutschland, wo sie mehr verdienen als in ihrer Heimat. Aber wie wirkt sich die Mobilität zum Beispiel der polnischen Pflegerinnen auf die Situation in Polen aus? Das erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Projekt „Researching the Transnational Organization of Senior Care, Labour and Mobility in Central an Eastern Europe“, das von der VolkswagenStiftung im Rahmen der Förderlinie „Herausforderungen und Potenziale in Europa“ mit 1,5 Millionen Euro finanziert wird. 

Das Forschungsprojekt mit Kurztitel CareOrg, an dem auch Teams in Rumänien, Ungarn, Tschechien, Polen, der Ukraine und den Niederlanden beteiligt sind, untersucht transnationale Altenpflegearbeit aus und innerhalb Mittel- und Osteuropas. Im Fokus steht das Ziel, entstehende transnationale Pflegemärkte zu verstehen und zu theoretisieren und Lösungen für eine nachhaltige und menschenwürdige Pflege und Pflegearbeit in Europa zu finden. Durch empirische und engagierte Forschung werden aktuelle und zukünftige Muster der Kommerzialisierung, Vermarktung, Transnationalisierung, Professionalisierung und Digitalisierung der Altenpflege kartiert und analysiert.

Inländische Pflegekräfte sind im Schnitt acht Jahre im Job, länger halten viele die hohen psychischen und physischen Belastungen bei mäßiger Anerkennung und mäßigem Gehalt nicht aus. Einst als illegale Notlösung zur Pflege von Angehörigen entstanden, sind die so genannten Live-ins in Deutschland längst etabliert, legalisiert und formalisiert: Agenturen vermitteln die Pflegekräfte, die nach Deutschland pendeln und mit Kolleginnen aus der Heimat rotieren. Ein Schock für dieses System war die Corona-Pandemie: Von einem Moment auf den anderen war Pendeln nicht mehr möglich, das System drohte zu kollabieren. Mit Nachhaltigkeit habe das wenig zu tun, sagt Ewa Palenga-Möllenbeck, die das Projekt leitet. Eine prekäre europäische Binnenmigration könne nicht die Lösung sein. Denn schließlich werden die Menschen auch in den Herkunftsländern immer älter und brauchen Pflege.

„In den Herkunftsländern der Pflegekräfte wird immer noch in den Familien gepflegt. Das übernehmen meist Frauen, die dann eben früher in Rente gehen und entsprechend wenig in die Rentenversicherung einzahlen“, erklärt Palenga-Möllenbeck. Dass die Politik in diesen Ländern sich der Problematik nicht stelle, geschehe auf dem Rücken der Frauen. Und es gebe eine Art Kaskade: Damit etwa polnische Frauen nach Deutschland gehen können, um dort als Live-In zu arbeiten, kommen ukrainische Frauen nach Polen und kümmern sich dort um die Pflege – meist ohne ordentliche Vertragsgrundlage. „Viele arbeiten nur, damit sie wohnen können, und werden richtiggehend ausgenutzt“, so Palenga-Möllenbeck.

Mit ihrer Forschung will sie die Situation transparent machen und auf den Handlungsbedarf hinweisen. In der Schweiz etwa gebe es für die Ankommenden als erstes eine Schulung hinsichtlich ihrer Rechte und Pflichten. Es sei dringend erforderlich, dass es in ganz Europa ordentliche Arbeitsverträge gebe; auch in Deutschland habe man Verbesserungsbedarf festgestellt. Viele Pflegekräfte seien auf der Grundlage von wenig vorteilhaften privatrechtlichen Verträgen angestellt.

CareOrg ist ein internationales und interdisziplinäres Forschungsteam, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Bereichen Arbeits-, Mobilitäts- und Alternsforschung. Dr. Palenga-Möllenbeck (Goethe-Universität) hat sowohl die Leitung als auch die Koordinierung des Projekts inne. Weitere beteiligte Institutionen sind die Karls-Universität in Prag (Tschechische Republik), das Zentrum für Sozialwissenschaften in Budapest (Ungarn), die Babeș-Bolyai University in Cluj-Napoca (Rumänien), das Institut für Systemische Alternativen in Kiew (Ukraine) und die Universität Amsterdam (Niederlande). Im Rahmen eines themenübergreifenden, international vergleichenden Forschungsdesigns wird CareOrg eine Kombination aus unterschiedlichen Forschungsmethoden anwenden, wie etwa vergleichende Policy-Analysen und fünf vertiefende, länderspezifische und themenorientierte Fallstudien über Care-Drain, Care-Situation infolge von Krieg und Flucht in und aus der Ukraine, Pflege vermittelt über Agenturen und digitale Plattformen, Qualifikationen und Anforderungen an internationale Pflegekräfte und vieles mehr.

Das Projekt ist Teil des Programms „Herausforderungen und Potenziale in Europa“ der VolkswagenStiftung, an dem die Goethe-Universität mit insgesamt fünf Projekten und damit bundesweit am meisten beteiligt ist. Ab Mittwoch, 4. September, findet im Schloss Herrenhausen in Hannover ein dreitägiges Symposium statt, an dem insgesamt 21 internationale Forschungsprojekte teilnehmen und ihre Ergebnisse zu vielen gesellschaftlich hoch relevanten Fragen wie intergenerationelle Beziehungen, Altern, Migration oder Populismus präsentieren. Die wissenschaftliche Koordination des Symposiums ist an der Goethe-Universität angesiedelt, sie wird von Dr. Ewa Palenga-Möllenbeck von Institut für Soziologie wahrgenommen. 

Weitere Informationen

Dr. Ewa Palenga-Möllenbeck
Wissenschaftliche Leiterin „Researching the Transnational Organization of Senior Care, Labour and Mobility in Central and Eastern Europe“ (https://careorg.eu)
Institut für Soziologie, Fachbereich 03
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
E-Mail  e.pm@em.uni-frankfurt.de

https://www.volkswagenstiftung.de/en/events/potentials-and-challenges-europe


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Aug 22 2024
15:23

Zweite Umsetzungsphase ab 2025 – Konsortium von neun auf 21 Partner aus Wissenschaft und Industrie erweitert – Abbau krankheitsrelevanter Proteine im Fokus

Wirkstoffforschung an der Goethe-Universität: Zukunftscluster PROXIDRUGS erhält Förderung für weitere drei Jahre

Für die Erforschung einer der vielversprechendsten Wirkstoffklassen in der biomedizinischen Forschung erhält der Zukunftscluster PROXIDRUGS vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nun bis zu 15 Millionen Euro für die zweite Umsetzungsphase. Koordiniert durch die Goethe-Universität haben sich 21 Partner aus Wissenschaft, biotechnologischer und pharmazeutischer Industrie zusammengeschlossen. Sie erforschen und entwickeln Wirkstoffe, die zum Abbau krankheitsrelevanter Proteine durch den Körper führen. PROXIDRUGS ist eines der 14 Projekte der Zukunftsclusterinitiative der Bundesregierung, welche den Transfer von Forschung in die Anwendung fördert.

FRANKFURT. Fehlerhaft funktionierende Proteine verursachen oder begünstigen viele Erkrankungen, darunter Krebs, verschiedene neurodegenerative Leiden, Entzündungskrankheiten oder Infektionen. Schätzungen zufolge können jedoch nur 20 Prozent dieser Proteine durch klassische, kleinmolekulare Wirkstoffe blockiert werden. Die verbleibenden 80 Prozent der krankheitsrelevanten Proteine sind bislang therapeutisch nicht zugänglich.

Seit 2021 treiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zukunftsclusters PROXIDRUGS die Entwicklung einer neuen Wirkstoffklasse voran, die das zelleigene Verwertungssystem für Proteine dazu nutzt, um krankheitsrelevante Proteine gezielt abzubauen. PROXIDRUGS wurde jetzt durch eine unabhängige Jury erfolgreich evaluiert und wird vom Bund nun für weitere drei Jahre mit bis zu 15 Millionen Euro gefördert. 

PROXIDRUGS-Sprecher Prof. Ivan Đikić vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität erläutert: „Bei PROXIDRUGS haben wir in den vergangenen drei Jahren technologisch große Fortschritte erzielt und neue Plattformen zur Identifikation von Bausteinen für Wirkstoffe etabliert, die nun systematisch weiterentwickelt werden sollen. Entsprechend haben wir das PROXIDRUGS-Netzwerk strategisch erweitert um Partner aus der anwendungsorientierten Forschung, etwa aus der Biotech- und Pharmabranche, die ihre spezifische Expertise für den Transfer aus der Forschung in die medizinische Anwendung einbringen.“

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, sagt: „Der Zukunftscluster PROXIDRUGS ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie sich aus der Vernetzung der Goethe-Universität in der Rhein-Main-Region ein Innovationsnetzwerk entwickelt, das weit über die Region hinausstrahlt. 2015 hat die Goethe-Universität gemeinsam mit der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Technischen Universität Darmstadt einen in Deutschland einzigartigen Universitätsverbund gegründet, die Rhein-Main-Universitäten, RMU. PROXIDRUGS zeigt jetzt sein Potenzial als ‚Transfer-Beschleuniger', der sich nachhaltig in der Rhein-Main-Region etablieren wird.“

Der „Clusters4Future“-Wettbewerb des BMBF startete im Sommer 2019 als Teil der Hightech-Strategie 2025 mit dem Ziel, in regionalen Spitzenstandorten den Wissens- und Technologietransfer zu fördern. Aus 137 Wettbewerbsskizzen wurden zunächst 16 Finalisten ausgewählt, die ab Mai 2020 die Skizzen zu einem Konzept ausarbeiten konnten. PROXIDRUGS wurde seit 2021 für eine erste dreijährige Umsetzungsphase gefördert und wird nun die zweite von insgesamt drei möglichen Umsetzungshasen antreten. 

Hintergrund:
Website Proxidrugs:

Start der ersten PROXIDRUGS-Umsetzungsphase (2021)

Bilder zum Download: 

Bildtext:
Symbolische Darstellung der Funktion von PROXIDRUGS: Der Wirkstoff bringt 2 Proteine wie die beiden hier gezeigten Hände zusammen. (Grafik modifiziert nach Irina Bezsonova)

Koordinator PROXIDRUGS:
Prof. Dr. Ivan Ðikić
Institut für Biochemie II
und Buchmann-Institut für molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0) 69 6301-5964
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de
Twitter/X: @goetheuni @IBC2_GU @proxidrugs


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 22 2024
11:54

Goethe-Universität präsentiert partizipative Ansätze in Forschung und Zusammenleben

Mehr Teilhabe für ältere Erwachsene

FRANKFURT. Viele ältere Menschen in unserer Gesellschaft haben das Gefühl, dass ihre Stimmen nicht mehr richtig gehört werden, fühlen sich an den Rand gedrängt und unsichtbar. Dabei haben sie mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen immens viel in die Gesellschaft einzubringen. Dieses Potenzial gilt es, zu erkennen und auszuschöpfen. Doch wie gelingt es, dass sich ältere Menschen aktiver in Forschung, Praxis und Politik einbringen können? Wie können wir Barrieren zum aktiven Engagement abmildern, wie die Kommunikation zwischen den verschiedenen Beteiligten – Forschenden, Menschen aus Praxis und Politik und älteren Menschen selbst – verbessern und damit zu einem guten Zusammenleben der Generationen beitragen? Um Fragen wie diese geht es beim internationalen „Knowledge Exchange Event“ 

am Freitag, 6. September, von 9:30 bis 15 Uhr
im PEG-Gebäude, Raum 1.G 191
auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.

Bei der Veranstaltung werden partizipative Ansätze mit älteren Erwachsenen im Kontext von Forschung, Praxis und Politik vorgestellt. Insbesondere geht es um die drei Schlüsselbereiche „Kulturelle Benachteiligung / Alter(n) und Migration", „Soziale Inklusion / Altersarmut“ und „Altersfreundliche Städte und Gemeinden“. Zentrale und aktuelle Probleme in jedem dieser Bereiche werden von eigens gebildeten Duos oder Trios aus Forschung, Praxis und Politik diskutiert und Lösungsansätze von älteren Erwachsenen selbst kommentiert. 

Die Veranstaltung findet im Rahmen der EU-finanzierten COST-Initiative PAAR-Net statt. COST (European Cooperation in Science & Technology) fördert die Vernetzung von wissenschaftlichen und technologischen Forschungsaktivitäten in Europa. PAAR-Net wurde 2023 gestartet und soll die Neugestaltung und Weiterentwicklung partizipativer Ansätze mit älteren Erwachsenen ab 65 Jahren voranbringen. Die Initiative zielt darauf ab, integrative soziale Innovationen zu fördern, indem das Wissen und die Erfahrungen älterer Erwachsener, insbesondere derjenigen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind, genutzt werden, um die komplexen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft anzugehen. Als Netzwerkrahmen bringt es Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie alte und junge Innovatoren aus ganz Europa und der ganzen Welt zusammen. Die Veranstaltung ist eingebettet in das zweite größere Treffen der 2023 gestarteten Initiative PAARNet: https://paar-net.eu.

Die Veranstaltung ist kostenlos und kann ohne vorherige Anmeldung besucht werden.


Informationen

Dr. Anna Wanka
Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung
Goethe-Universität
Telefon 069 798-36411
E-Mail Wanka@em.uni-frankfurt.de 

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Aug 15 2024
11:00

Letzte Gelegenheit zum Besuch der Louise Rösler-Ausstellung – Angebote für Kinder und Erwachsene – Schauexperimente der Naturwissenschaften

Museumsuferfest 2024: Ein Wochenende voller Kunst und Entdeckungen im Museum Giersch der Goethe-Universität

FRANKFURT. Vom 23. bis 25. August 2024 bietet das Museumsuferfest die letzte Gelegenheit, die beeindruckende Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“ im Museum Giersch der Goethe-Universität (MGGU) zu besuchen. Die umfassende Retrospektive zeigt ca. 120 Leihgaben und würdigt erstmals im Frankfurter Raum das vielseitige Werk von Louise Rösler, einer bedeutenden Vertreterin der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind Gemälde, Collagen, Farb-/Filzstiftarbeiten, Aquarelle, Gouachen, Pastelle und Druckgraphiken, die durch überraschende Techniken und Materialien sowie die kraftvolle Individualität und Eigenständigkeit der Künstlerin bestechen.

Für Kinder wird vor dem MGGU ein offenes Atelier eingerichtet, wo sie inspiriert von Röslers farbenprächtigen Bildern eigene Meisterwerke mit bunten Farben, Mustern und Papierflächen gestalten können. Besonders spannend ist die Technik „Scribble Line Art“, bei der durch eine ununterbrochene Linie einzigartige Kunstwerke entstehen.

Zusätzlich finden am Freitag, Samstag und Sonntag Überblicksführungen durch die Ausstellung statt, die interessante Einblicke in das Werk von Louise Rösler bieten.

Ein weiteres Highlight des Museumsuferfests ist die 17. Antiquariatsmeile vor dem Museum. Hier können Besucher*innen bei verschiedenen Antiquariaten und fliegenden Buchhändlern aus ganz Deutschland stöbern und ein breites Sortiment von Taschenbüchern bis zu Handpressedrucken und Tonträgern entdecken. Die Meile, ein Muss für Buchliebhaber*innen im literaturaffinen Frankfurt, wird großzügig von der STIFTUNG GIERSCH unterstützt und ist am Freitag ab 15 Uhr sowie Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Exklusiv während des Museumsuferfests präsentiert das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) im Erdgeschoss des MGGU eine Sonderausstellung zum 20-jährigen Bestehen. Diese interaktive Ausstellung lädt Jung und Alt ein, die Welt der theoretischen Grundlagenforschung zu entdecken. Hier erfährt man, wie Algorithmen funktionieren, wie Medikamente mit Licht gesteuert werden und wie ein Neutronenstern aussieht. Zudem zeigt das FIAS, wie riesige Datenmengen aus Experimenten – von Molekülen in Zellen bis zu Ereignissen in Galaxien – verarbeitet werden. Spannende Experimente für Kinder ergänzen das Programm und machen Wissenschaft hautnah erlebbar.

Wie kann man mit Seifenblasen mathematische und physikalische Gesetze erklären? Warum vermischen sich Wasser und Öl nicht, und was ist eigentlich ein Vakuum? Wissenschaft zum Anfassen ist das Motto am Stand des FIAS vor den Toren des Museums, wo große und kleine Museumsgäste gemeinsam mit dem FIAS-Team experimentieren.

Das Museumsuferfest 2024 verspricht ein Wochenende voller Kunst, Kultur und Wissenschaft. 

Freitag, 23. August

  • 10 – 19 Uhr Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“
  • 10 – 19 Uhr FIAS-Ausstellung im Erdgeschoss und ab 15 Uhr Stand Schauexperimente gegenüber Museumseingang 
  • 15 Uhr Eröffnung der Antiquariatsmeile
  • 18 Uhr Führung durch die Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“ mit Agnieszka Vogel

Samstag, 24. August

  • 10 – 19 Uhr Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“
  • 10 – 19 Uhr FIAS-Ausstellung im Erdgeschoss und Stand Schauexperimente gegenüber Museumseingang
  • 13 – 18 Uhr Offenes Atelier für Kinder: Kreativ mit Scribble Line Art am Stand vor dem MGGU
  • 15 Uhr Führung durch die Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“ mit Agnieszka Vogel
  • 17 Uhr Führung durch die Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“ mit Agnieszka Vogel

Sonntag, 25. August

  • 10 – 19 Uhr Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“
  • 10 – 19 Uhr FIAS-Ausstellung im Erdgeschoss und Stand Schau Schauexperimente gegenüber Museumseingang
  • 12 Uhr Führung durch die Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“ mit Agnieszka Vogel
  • 13 Uhr Führung durch die Ausstellung „Paris, Königstein, Berlin. Louise Rösler (1907–1993)“ mit Agnieszka Vogel
  • 13 – 18 Uhr Offenes Atelier für Kinder: Kreativ mit Scribble Line Art am Stand vor dem MGGU

Während des Museumsuferfestes erfolgt der Eintritt von Freitag, dem 23.8. ab 15 Uhr bis einschließlich Sonntag, dem 25.8. nur mit Museumsufer-Button. Der Button ist für 7 Euro an der Museumskasse erhältlich. Mit Museumsufercard oder Museumsuferticket ist der Einlass ohne Button möglich.

Das Programm im Detail mit allen Uhrzeiten finden Sie wie immer aktualisiert auf unserer Website im Veranstaltungskalender: www.mggu.de/veranstaltungen

MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann 
Fon: 069/138210121 // E-Mail: presse@mggu.de

Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de