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Pressestelle Goethe-Universität

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Mär 21 2025
13:25

Internationales Forschungsteam um Prof. Michael Rieger von der Universitätsmedizin Frankfurt analysiert Entwicklungswege von Blutstammzellen

Kinderstube des Blutes: Wie Stammzellen die körpereigene Abwehr beschwichtigen

Unser Blut besteht aus vielen Zelltypen, die sich über unterschiedliche Stufen aus einem Vorläufertyp entwickeln, der Blutstammzelle. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universitätsmedizin Frankfurt und der Goethe-Universität hat jetzt die Entwicklungswege von Blutzellen bei Menschen untersucht. Die Ergebnisse brachten eine Überraschung zutage: Auch Stammzellen verfügen über Oberflächenproteine, mit deren Hilfe sie die Aktivierung von Entzündungs- und Abwehrreaktionen des eigenen Körpers unterdrücken können. Der Befund ist unter anderem bedeutsam für Stammzelltransplantationen, die zum Beispiel bei der Therapie von Leukämien eingesetzt werden.

FRANKFURT. Pro Sekunde bildet ein erwachsener Mensch rund fünf Millionen neue Blutzellen, die alternde, absterbende Zellen ersetzen. Damit ist das Blutsystem ein hochregeneratives Organ. Die neuen Blutzellen werden im Knochenmark aus unspezialisierten Zellen gebildet, den Blutstammzellen. Aus diesen Stammzellen entwickeln sich über Zwischenstufen die Sauerstoff transportierenden Erythrozyten, die für die Blutgerinnung wichtigen Thrombozyten und die große Gruppe der weißen Blutzellen, die die Immunabwehr orchestrieren. Dieser Prozess wird Differenzierung genannt und muss so ablaufen, dass neue Blutzellen in einem ausgewogenen Verhältnis zu reifen Zellen aller Blutzelltypen entstehen.

Ein internationales Team von Wissenschaftler*innen der Universitätsmedizin Frankfurt/Goethe-Universität, der Universität Göteborg und der Universitätsklinik Pamplona konnte jetzt unter der Leitung von Prof. Michael Rieger von der Medizinischen Klinik 2 der Universitätsmedizin Frankfurt Differenzierungswege menschlicher Blutstammzellen in alle spezialisierte Blutzelltypen molekular entschlüsseln. Dabei bestimmte das Forschungsteam das Gen- und Proteinmuster von mehr als 62.000 einzelnen Zellen mittels modernster Sequenziermethoden und analysierte die dadurch gewonnenen Daten mit Hilfe von Hochleistungsrechnern.

„So haben wir einen Überblick der molekularen Vorgänge in Stammzellen erhalten und neue Oberflächenproteine entdeckt, die für die komplexe Interaktion von Stammzellen mit ihrer Knochenmarkumgebung wichtig sind,“ erklärt Rieger. „Das gibt uns einen detaillierten Einblick, was genau eine Zelle zur Stammzelle macht und welche Gene die Stammzelldifferenzierung organisieren. Diese neu etablierte Zukunftstechnologie in meinem Labor wird bisher ungelöste Fragen in vielen Bereichen der Gesundheitsforschung mit enormer Präzision beantworten können.“

Dabei förderten die Wissenschaftler*innen Überraschendes zutage: „Wir haben ein Protein namens PD-L2 an der Zelloberfläche von Blutstammzellen gefunden, von dem wir wissen, dass es die Immunantwort von Abwehrzellen – T Zellen – unterdrückt, indem es deren Aktivierung und Vermehrung stoppt und die Ausschüttung von Entzündungsstoffen – Zytokinen – verhindert,“ fasst die Erstautorin der Studie, die Doktorandin Tessa Schmachtel, die wichtigsten Ergebnisse der Publikation zusammen.

Wahrscheinlich diene PD-L2 dazu, immunvermittelte Schäden zu verhindern, so die Biologin. „Dies ist besonders wichtig für die Abwehr von reaktiven T Zellen gegen körpereigene Stammzellen und wird auch bei Transplantationen von Stammzellen von Fremdspendern eine wichtige Rolle spielen. Denn über PD-L2 könnten Abwehrreaktionen des Körpers gegen die transplantierten Stammzellen verringert werden.“

Rieger ist überzeugt: „Nur durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzt*innen, Naturwissenschaftler*innen und Bioinformatiker*innen, wie sie an der Universitätsmedizin Frankfurt gelebt wird, und durch die Etablierung internationaler Verbünde können neue, bahnbrechende Entdeckungen verwirklicht werden.“

Publikation: Hana Komic, Tessa Schmachtel, Catia Simoes, Marius Külp, Weijia Yu, Adrien Jolly, Malin S. Nilsson, Carmen Gonzalez, Felipe Prosper, Halvard Bonig, Bruno Paiva, Fredrik B. Thorén, Michael A. Rieger: Continuous map of early hematopoietic stem cell differentiation across human lifetime. Nature Communications 16, Article number: 2287 (2025) https://doi.org/10.1038/s41467-025-57096-y

Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/169664741

Bildtext: Prof. Dr. Michael Rieger, Universitätsmedizin Frankfurt und Goethe-Universität. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität
Tessa Schmachtel, Universitätsmedizin Frankfurt und Goethe-Universität. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Weitere Informationen
Prof. Dr. Michael Rieger
Medizinische Klinik 2, Hämatologie und Onkologie
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel:  +49 (0)69 6301-84297
m.rieger@em.uni-frankfurt.de
https://lymphoma-leukemia-research-frankfurt.de/ag-rieger-home/rieger-home

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Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 20 2025
10:20

Der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev hält die vierte John McCloy Lecture am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Demokratie im Zeichen demografischer Ängste

BAD HOMBURG. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Osteuropa und dem Ende des Kalten Krieges rief der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama das „Ende der Geschichte“ aus: Die liberale Demokratie westlicher Prägung werde sich auf der ganzen Welt durchsetzen und alle anderen Herrschaftsformen ablösen. Heute wissen wir, dass diese Voraussage falsch war. In vielen Ländern sind inzwischen autoritäre Herrscher an der Macht, und demokratische Gesellschaften sehen sich mit inneren Zersetzungstendenzen konfrontiert. Die Geschichte ist nicht zu Ende, die Zukunft ist offen.

In seinem englischsprachigen Vortrag mit dem Titel „The Return of the Future and the Last Man: Politics of Demographic Imagination“ präsentiert der bulgarische Politikwissenschaftler und Publizist Ivan Krastev seine Analyse zur Zukunft der Demokratie. Er fragt, warum sich viele Menschen weltweit von der Demokratie abwenden und bei Wahlen gegen sie stimmen: Woher kommen diese Menschen, warum sind sie so misstrauisch, und wovor haben sie Angst? Antworten findet Krastev unter anderem in Prognosen zu demografischen Veränderungen, die stark in Politik und Gesellschaft hineinwirken.

Mit dem Vortrag von Ivan Krastev lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität zu seiner vierten John McCloy Lecture ein, die

am Dienstag, 1. April, um 18 Uhr,
in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften,
Am Wingertsberg 4,
in Bad Homburg


stattfindet. In den Abend einführen wird der Amerikanist und Co-Sprecher des John McCloy Transatlantic Forums, Prof. Johannes Völz.

Ivan Krastev, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Centre for Liberal Strategies in Sofia und Albert Hirschman Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Seine Untersuchungen über die globale Entwicklung der Demokratie, in die er erfahrungs- und kenntnisreich osteuropäische Perspektiven einbringt, richten sich an Wissenschaft, Politik und die breite Öffentlichkeit. Er schreibt regelmäßig für die Financial Times. Zu seinen jüngsten, ins Deutsche übersetzten Büchern zählen: Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung (mit Stephen Holmes, Anm. der Red.) (2021), Ist heute schon morgen? Wie die Pandemie Europa verändert (2020) und Europadämmerung. Ein Essay (2017). 2020 wurde er mit dem Jean-Améry-Preis für Europäische Essayistik und dem kanadischen Lionel Gelber Prize ausgezeichnet.

Die John McCloy Lectures werden vom John McCloy Transtatlantic Forum am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg veranstaltet. Die Lectures laden Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Gesellschaft dazu ein, ihre Sicht auf aktuelle Entwicklungen der transatlantisch geprägten Demokratie in einem öffentlichen Abendvortrag zur Diskussion zu stellen. Die erste John McCloy Lecture (2022) hielt der amerikanische Politikwissenschaftler und -berater Charles A. Kupchan, die zweite (2023) Bundesminister a. D. Sigmar Gabriel und die dritte (2024) die Juristin und Publizistin Constanze Stelzenmüller. Das Forum arbeitet eng mit dem interdisziplinären Forschungsschwerpunkt Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World zusammen, der ebenfalls am Bad Homburger Kolleg angesiedelt ist. Forum und Forschungsschwerpunkt werden von den Frankfurter Professoren Gunther Hellmann (Politikwissenschaft) und Johannes Völz (Amerikanistik) geleitet.

Anmeldung
Wir bitten um vorherige Anmeldung bis 27. März an 
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anfahrt
Öffentliche Verkehrsmittel: Die nächsten Haltestellen sind Kaiser-Wilhelms-Bad (Bus 6), Bahnhof Bad Homburg (S 5) und Gonzenheim (U 2).

PKW: Bitte nutzen Sie die nahegelegenen Parkmöglichkeiten – das Casino-Parkhaus mit Zufahrt über den Weinbergsweg oder den Parkplatz des Tennisclubs und des Kur Royal Aktiv in der Kisseleffstraße 20.

Information:
Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität 
Telefon 06172 13977-15
E-Mail b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Facebook / YouTube @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 17 2025
13:52

Forschende der Goethe-Universität entdecken, wie das älteste Enzym der Zellatmung funktioniert – mögliche Anwendung zur Entfernung von CO2 aus Abgasen

So atmeten die Ur-Mikroben – ohne Sauerstoff!

Korrektur: Der Link zum Paper lautet:
https://www.nature.com/articles/s41467-025-57375-8

Forschende der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Universitäten Marburg und Stockholm haben einen uralten Mechanismus der Zellatmung aufgeklärt. Sie haben dazu Bakterien untersucht, die sich von den Gasen Kohlendioxid und Wasserstoff ernähren und daraus Essigsäure bilden. Dieser Stoffwechselweg ist sehr früh in der Evolution entstanden. Wie die Mikroben mit seiner Hilfe Energie gewinnen, war bislang nicht bekannt. Das internationale Team konnte dieses Rätsel nun lösen. Die Ergebnisse sind auch aus einem weiteren Grund von Interesse: Da die Mikroorganismen CO2 aus ihrer Umgebung entfernen, gelten sie als ein Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel.

FRANKFURT. Tiere, Pflanzen und viele weitere Lebewesen atmen Sauerstoff ein, um mit ihm Verbindungen wie beispielsweise Zucker zu CO2 und Wasser zu „verbrennen“ (fachlich: oxidieren). Bei diesem Vorgang entsteht das energiereiche Molekül ATP. Die Zellen benötigen ATP, um damit lebenswichtige Reaktionen anzutreiben. In der Frühphase unseres Planeten enthielt die Erdatmosphäre jedoch noch keinen Sauerstoff. Dennoch könnte es schon damals eine Sonderform der Atmung gegeben haben. Das legen Untersuchungen aus urtümlichen Bakterien nahe, die noch heute in Ökosystemen ohne Sauerstoff vorkommen, etwa in heißen Quellen am Meeresgrund.

Diese Mikroorganismen „veratmen“ Kohlendioxid und Wasserstoff zu Essigsäure. Der Stoffwechselweg, mit dem sie das tun, ist schon lange bekannt. Ungeklärt war aber bislang die Frage, wie sie diesen Prozess nutzen, um mit seiner Hilfe ATP herzustellen. Die aktuelle Studie liefert darauf nun eine Antwort. „Wir konnten zeigen, dass die Produktion von Essigsäure parallel einen ausgeklügelten Mechanismus antreibt, bei dem Natrium-Ionen aus der Bakterienzelle in die Umgebung gepumpt werden“, erklärt Prof. Volker Müller, Inhaber des Lehrstuhls für Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik der Goethe-Universität. „So sinkt die Natriumkonzentration in der Zelle, da die Zellhülle für die Ionen eine Art Damm darstellt. Wird dieser Damm geöffnet, strömen die Natrium-Ionen in die Zelle zurück und treiben dabei eine Art molekulare Turbine an, die ATP erzeugt.“

Zellatmungs-Enzym ließ sich erst vor wenigen Jahren isolieren
Eine Schlüsselrolle spielt bei diesem Vorgang ein Konglomerat aus verschiedenen Proteinen, der sogenannte Rnf-Komplex. Die Proteine sind zum großen Teil in der Membran eingebettet, die die Bakterienzelle umgibt. „Der Komplex ist so empfindlich, dass wir ihn erst vor wenigen Jahren isolieren konnten“, betont Müller. Bei der Reaktion von Kohlendioxid mit Wasserstoff zu Essigsäure werden über verschiedene Zwischenschritte Elektronen vom Wasserstoff auf das Kohlenstoff-Atom übertragen. Der Rnf-Komplex übernimmt dabei eine Mittler-Rolle: Er nimmt die Elektronen auf und reicht sie weiter.

In der aktuellen Studie haben die Forschenden nun gezeigt, was dabei genau passiert. Dazu nutzte der Strukturbiologe Anuj Kumar - Doktorand in den Arbeitsgruppen von Müller sowie von Dr. Jan Schuller an der Universität Marburg - eine raffinierte Methode, die Kryo-Elektronenmikroskopie. Bei dem Verfahren wurde der gereinigte Rnf-Komplex des Bakteriums Acetobacterium woodii „schockgefroren“ und dann auf eine Trägerplatte getropft. Dabei entsteht ein dünner Eisfilm. Er enthält Millionen von Rnf-Komplexen, die sich mit dem Elektronenmikroskop betrachten lassen. Da sie beim Auftropfen unterschiedlich fallen, sind unter dem Mikroskop verschiedene Seiten von ihnen zu sehen.

„Diese Ansichten lassen sich zu einem dreidimensionalen Bild kombinieren“, erklärt Kumar. „Wir erhielten so einen genauen Einblick in die Struktur des Komplexes – insbesondere der Teile, die für die Weitergabe der Elektronen erforderlich sind.“ Die einzelnen Bestandteile des Komplexes sind allerdings nicht starr, sondern bewegen sich dynamisch hin- und her. Das zeigte die Analyse von Bildern, die zu verschiedenen Zeiten entstanden waren. Die Elektronenüberträger können so auch längere Strecken überbrücken und ihre Fracht weiterreichen.

Fundamental neuer Mechanismus
Doch wie treibt der Elektronenfluss den Ausstrom der Natrium-Ionen an? Eine molekulardynamische Simulation durch die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ville Kaila an der Universität Stockholm lieferte eine erste Antwort auf diese Frage. Eine zentrale Rolle spielt dabei demnach ein Cluster aus Eisen- und Schwefel-Atomen in der Mitte der Membran. Er nimmt zwischenzeitlich ein Elektron auf und wird dadurch negativer. „Dadurch werden die positiv geladenen Natrium-Ionen aus dem Zellinnern wie durch einen Magneten zu diesem Cluster gezogen“, erklärt Jennifer Roth, die in Müllers Arbeitsgruppe promoviert. „Das bewirkt wiederum, dass sich die Proteine um das Eisen-Schwefel-Cluster verlagern, ähnlich wie ein Wippschalter: Sie geben dann eine Öffnung zur Außenseite der Membran frei, durch die die Natriumionen wieder freigesetzt werden.“

Roth konnte diesen Ablauf durch gezielte genetische Veränderungen der Rnf-Proteine bestätigen. Dass dieser fundamental neue Mechanismus aufgeklärt werden konnte, ist also auch Ausdruck einer gelungenen Kooperation zwischen den drei Universitäten. Die Ergebnisse sind zudem deshalb von Interesse, weil die Mikroorganismen bei der Herstellung von Essigsäure CO2 aus ihrer Umgebung aufnehmen. Möglicherweise lässt sich das nutzen, um das Treibhausgas beispielsweise aus Industrieabgasen zu entfernen. So ließen sich einerseits der Klimawandel bremsen und gleichzeitig wertvolle Ausgangsstoffe für die chemische Industrie gewinnen. „Wenn wir wissen, auf welche Weise die Bakterien dabei Energie erzeugen, können wir diesen Prozess eventuell so optimieren, dass dabei noch höherwertigere Endprodukte entstehen“, hofft Müller. Eventuell ergeben sich aus den Befunden auch Ansatzpunkte für neue Medikamente gegen Krankheitserreger, die über ähnliche Atmungsenzyme verfügen.

Publikation: Anuj Kumar, Jennifer Roth, Hyunho Kim, Patricia Saura, Stefan Bohn, Tristan Reif-Trauttmansdorff, Anja Schubert, Ville R. I. Kaila, Jan M. Schuller, Volker Müller: Molecular principles of redox-coupled sodium pumping of the ancient Rnf machinery. Nature Communications (2025) https://doi.org/10.1101/2024.06.21.599731


Hintergrundinformationen:
Wie Bakterien Energie durch CO2-Fixierung gewinnen (2022) 
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/1-million-fuer-bakterienforschung-an-der-goethe-universitaet-wie-bakterien-energie-durch-co2-fixierung-gewinnen

Ältestes Enzym der Zellatmung gefunden (2020)
https://tinygu.de/RnfEntdeckt

Stoffwechselweg im Pansenmikrobiom entdeckt (2020)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/neuer-stoffwechsel-im-pansenmikrobiom-entdeckt

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/169399806

Bildtexte: 
1) Das essigsäurebildende Bakterium Acetobacterium woodii. Die Pfeile zeigen die Teilungsebenen des stäbchenförmigen Bakteriums. Foto: Mayer et al. 1977

2) Struktur des und elektrische Konnektivität im Rnf-Komplex von Acetobacterium woodii. Grafik: Kumar et. al. 2025

3) Die Arbeitsgruppenleiter: Prof. Volker Müller, Prof. Ville R.I. Kaila und Dr. Jan M. Schuller (v.l.). Foto: privat 

Weitere Informationen
Prof. Dr. Volker Müller
Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 798-29507
vmueller@bio.uni-frankfurt.de
https://www.mikrobiologie-frankfurt.de/

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @philippsunimarburg @stockholmuniversity 
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Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 14 2025
12:23

Heute werden in der Frankfurter Paulskirche die diesjährigen Paul Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Preise verliehen 

Eine doppelte Chance gegen Krebs und Entzündungen und eine Perspektive für die Demenz-Diagnostik

Für die Entdeckung eines Fundaments unserer Immunabwehr werden die Ärztin Andrea Ablasser, der Virologe Glen Barber und der Biochemiker Zhijian J. Chen heute in der Frankfurter Paulskirche mit dem mit 120.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2025 ausgezeichnet. Der von ihnen entdeckte Signalweg schützt uns wie eine Alarmanlage vor Infektionen oder Krebs, ist aber auch für schädlichen Fehlalarm anfällig. Arzneimittel, die in diesen Signalweg eingreifen, werden bereits entwickelt. Den Nachwuchspreis erhält der Biologe Tobias Ackels. Er hat entdeckt, dass Säugetiere schneller riechen als atmen, und damit ein neues Tor zum Verständnis der Gehirnfunktion aufgestoßen.

FRANKFURT. Im Plasma unserer Zellen hat weder fremde noch eigene DNA etwas zu suchen. Wenn fremde Erbinformation dort auftaucht, stammt sie von Viren oder Bakterien. Eigene DNA kann infolge von Krebs oder zellulärem Stress aus dem Zellkern oder den Zellkraftwerken (Mitochondrien) ins Plasma gelangen. Der Sensor cGAS erkennt diese Gefahr. Trifft er im Plasma auf DNA, umklammert er sie und bildet den Botenstoff cGAMP. Dieser dockt dann an den Signalumwandler STING an, der daraufhin eine Abwehrreaktion des Immunsystems auslöst. cGAS und cGAMP wurden von Zhijian J. Chen, STING von Glen Barber entdeckt. Andrea Ablasser charakterisierte cGAMP im Detail und synthetisierte den ersten STING-Inhibitor. An der Entwicklung solcher Gegenspieler von cGAS und STING arbeiten inzwischen viele Biotech- und Pharmaunternehmen. Sie könnten sich als wirksame Mittel gegen Krankheiten erweisen, bei denen der cGAS-STING-Alarm sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper richtet. Ein cGAS-Antagonist zur Behandlung der weit verbreiteten Autoimmunkrankheit Lupus erythematosus soll in diesem Frühjahr in die Phase II der klinischen Prüfung eintreten. Umgekehrt befinden sich weltweit derzeit fast 20 Aktivatoren von STING in frühen Phasen der klinischen Entwicklung. Sie verstärken die Wirkung etablierter Krebsimmuntherapien. Durch Anwerfen des DNA-Alarms sind sie in der Lage, sogenannte „kalte Tumoren“, die auf Checkpoint-Inhibitoren allein nicht ansprechen, in „heiße Tumoren“ zu verwandeln, die für Immunangriffe empfänglich sind und von T-Zellen vernichtet werden können. „Mit der Entdeckung und Kartierung des cGAS-STING-Signalweges haben die Preisträger der Arzneimittelforschung völlig neue Ansatzpunkte erschlossen“, erklärt der Vorsitzende des Stiftungsrates, Prof. Dr. Thomas Boehm. „Das eröffnet der Medizin die Möglichkeit, Infektionen, Krebs und Autoimmunkrankheiten effektiver als bisher zu behandeln.“

Riechen unterscheidet sich fundamental von allen anderen Sinnen, da es eng mit Emotionen und Erinnerungen verbunden ist. Als kleinste Einheit der Informationsverarbeitung von Gerüchen galt bisher ein „Schnupperzug“. Diese Annahme hat der Nachwuchspreisträger widerlegt. Mit einem selbstgebauten Geruchsapplikationsgerät hat Tobias Ackels erstmals experimentell aufgezeichnet, wie Mäuse Gerüche wahrnehmen. Dabei entdeckte er, dass sie schneller riechen als atmen. Bis zu 40-mal pro Sekunde können die nachtaktiven Tiere aus dynamischen Duftwolken neue Informationen gewinnen und so aus winzigen Zeitintervallen ein Bild des Raums ableiten. Weil das Riechen evolutionär der ursprünglichste Sinn ist, liegt in seinem Verständnis wahrscheinlich der Schlüssel zur Funktionsweise des gesamten Gehirns. Das gilt besonders für den Zusammenhang von Geruch und Gedächtnis, den Ackels erforscht. Riechstörungen könnten als Biomarker für die Früherkennung von Demenzerkrankungen dienen.

Paul Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis 2025
https://tinygu.de/YDAiD

Andrea Ablasser, Jahrgang 1983, ist Professorin für Lebenswissenschaften an der École polytechnique fédérale de Lausanne in der Schweiz. https://www.epfl.ch/labs/ablasserlab/

Glen Barber, Jahrgang 1962, ist Professor am Department of Surgery der Ohio State University, Columbus, Ohio, USA, und leitet dort das Center for Innate Immunity and Inflammation.
https://cancer.osu.edu/for-cancer-researchers/research/research-labs/barber-lab

Zhijian J. Chen, Jahrgang 1966, ist George L. MacGregor Distinguished Chair in Biomedical Science, Howard Hughes Medical Investigator und Professor für Molecular Biology am University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas, USA. https://labs.utsouthwestern.edu/chen-zhijian-james-lab

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2025

https://tinygu.de/tLgyc

Tobias Ackels, Jahrgang 1984, leitet als W2-Professor am Institut für Experimentelle Epileptologie und Kognitionsforschung der Universität Bonn die Gruppe “Sensory Dynamics and Behaviour". https://ackelslab.com

Weitere Informationen
Pressestelle der Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
E-Mail:j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de


Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 13 2025
14:16

Einweihungsfeier mit Hessens Finanzminister Alexander Lorz

Eröffnung mit Glockenklang: Offizieller Start des Hirnforschungszentrums CoBIC

In einem Festakt eröffnete heute Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz das Cooperative Brain Imaging Center (CoBIC) auf dem Campus Niederrad der Goethe-Universität Frankfurt. Das CoBIC ist eine Kooperation der Goethe-Universität, des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik sowie des Ernst Strüngmann Instituts. Es bietet den Forschenden direkten Zugang zu einer Vielzahl hochmoderner Spitzentechnologien, mit der die Funktionsweise des Gehirns besser verstanden und innovative Therapien für neurologische und psychiatrische Erkrankungen entwickelt werden können.

FRANKFURT. Die hochmodernen Geräte sind eingebaut, die Büros sind eingerichtet und rund 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben das neue Gebäude bereits bezogen. Heute wurde das neue Cooperative Brain Imaging Center – kurz CoBIC – auf dem Campus Niederrad der Goethe-Universität auch offiziell eröffnet.

Der Neubau der Goethe-Universität wurde zusammen mit beiden Partnern, der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) für das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) und dem Ernst Strüngmann Institut (ESI), finanziert und nunmehr mit Leben gefüllt. Die Gesamtkosten für Bau und Ersteinrichtung belaufen sich auf rund 25 Millionen Euro, die überwiegend aus Mitteln des Landes Hessen bestritten wurden. Weitere rund 12 Millionen Euro für Großgeräte wurden durch die Max-Planck-Gesellschaft und die Goethe-Universität getragen.

Aufbauend auf dem Brain Imaging Center der Goethe-Universität stellt das CoBIC nicht nur Forschungsinfrastruktur zur Verfügung, sondern fördert auch durch die enge inhaltliche und räumliche Verzahnung von grundlagenwissenschaftlichen Instituten einerseits und der Universitätsmedizin Frankfurt andererseits die interdisziplinäre bildgebende Forschung in den Neurowissenschaften. Dazu ist das Zentrum mit drei Magnetresonanztomographen ausgestattet – zwei 3-Tesla-MRT-Scannern und einem 7-Tesla-Ultrahochfeld-MRT – sowie weiteren Geräten, mit denen sich Hirnaktivität nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich hoch aufgelöst untersuchen lässt. Forschungsschwerpunkte des CoBIC sind die zerebralen Grundlagen von Sprache und Gedächtnis, von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen sowie die neuronalen Mechanismen, die dem menschlichen Können, dem Erwerb von Fähigkeiten und der Kreativität zugrunde liegen – letzteres insbesondere am Beispiel von Musik.

Bei der heutigen Eröffnungsfeier griffen die Gäste und Mitarbeitenden des CoBIC das Forschungsthema musikalisch auf: Sie bildeten ein Glöckchenorchester und intonierten Beethovens „Ode an die Freude“. Dabei wurden sie „dirigiert“ von einem an die Wand projizierten Gehirn.

Professor Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, sagte: „Bildgebende Verfahren in den Neurowissenschaften üben einerseits eine ungeheure Faszination aus und sind andererseits essenziell für die Wissenschaft – letztlich können wir mit derartigen Methoden dem Gehirn bei der Arbeit zusehen. So können wir mehr über uns als Menschen verstehen, die Grundlagen für die bessere Behandlung neuropsychiatrischer Krankheiten schaffen und Erkenntnisse für die Übersetzung in Strategien zur Entwicklung neuer informatischer Techniken gewinnen. Heute feiern wir, dass die langjährige Kooperation der Goethe-Universität mit dem MPI für empirische Ästhetik und dem Ernst Strüngmann Institut sich in einem hochmodernen Gebäude der Goethe-Universität mit Hightech-Forschungsausstattung manifestiert hat.“

Das CoBIC sei der Nukleus für die neurowissenschaftliche Forschung der ganzen Region, so Präsident Schleiff weiter. „Die Rhein-Main-Region trägt seit Jahrzehnten maßgeblich zur internationalen Strahlkraft der deutschen Neurowissenschaften bei – in Anlehnung an den Slogan eines der wissenschaftlichen Verbünde kann man zurecht sagen: ‚Rhein-Main hat Hirn'. Mit dem CoBIC hat die Rhein-Main-Region jetzt einen wichtigen Eckpfeiler erhalten, der methodische mit wissenschaftlicher Expertise in der Bildgebung verbindet und uns erlaubt, den Forschungsbogen von Experimenten mit einzelnen Nervenzellen bis hin zum gesunden oder erkrankten Gehirn des Menschen zu schlagen.“

Wissenschaftsminister Timon Gremmels musste kurzfristig seine Teilnahme absagen, übermittelte aber seine Glückwünsche zur Eröffnung: „Im CoBIC arbeiten Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen und mit sich ergänzender Expertise optimal zusammen. Solche Kooperationen stärken die gesamte hessische Forschungslandschaft: Hochschulen und Forschungsstätten sind am erfolgreichsten, wenn sie konsequent Schwerpunkte setzen, sich auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren und dann kooperieren“, so der Minister. „Ich freue mich, dass die Eröffnung des CoBIC vor allem durch kontinuierliche Investitionen des Landes möglich wurde: Rund 17 Millionen Euro stammen aus unserem Hochschulbauprogramm HEUREKA und auch der Anteil des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik an der Baumaßnahme von weiteren rund 7,4 Millionen Euro wurde durch eine Sonderfinanzierung des Wissenschaftsministeriums gestemmt.“

Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz erklärte: „Das Land Hessen investiert in exzellente Krankenversorgung, Forschung und Lehre hier am Campus Niederrad. Mit der Einweihung des Neubaus des CoBIC ist ein weiterer Meilenstein der Campusentwicklung erreicht. Hier entsteht ein leistungsfähiges Forschungszentrum für bildgebende Verfahren der Neurowissenschaften. Die rege Bautätigkeit ist ein Zeichen für den besonderen Stellenwert von Forschung und Lehre in Hessen. Mit rund 17 Millionen Euro hat das Land den Neubau des Wissenschafts- und Forschungszentrums finanziert. Mit Freude übergeben wir heute den Neubau an die Universität sowie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.“

Professor Dr. Christian Doeller, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, erklärte: „Wir freuen uns sehr auf Studien am neuen 7-Tesla-Ultrahochfeld-MRT, mit dem interdisziplinäre Forschungsteams ganz neue Fragestellungen mit sehr hoher neuroanatomischer Auflösung untersuchen können. Ich verspreche mir hier hochspannende Synergien zwischen Forschung zu neurobiologischen Mechanismen, kognitiven Prozessen und neuropsychiatrischen Erkrankungen.“

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Wolf Singer, Emeritus-Direktor am MPI für Hirnforschung und Senior Fellow am ESI, ist überzeugt: „Die Geschichte der Gründung vom BIC und seiner Vollendung im CoBIC ist ein glänzendes Beispiel für die erfolgreiche Kooperation zwischen der Goethe-Universität, dem Land Hessen, der Max-Planck-Gesellschaft und dem Ernst Strüngmann Institut. Als Plattform für translationale Forschung am menschlichen Gehirn verbindet das CoBIC neurobiologische Grundlagenforschung mit der Klinik.“

Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, sagte: „Spitzenforschung erfordert nicht nur kluge Köpfe, sondern auch eine exzellente Infrastruktur. Mit dem Neubau des CoBIC wird ein hochmoderner Forschungsbau eingeweiht, der maßgeschneidert auf die speziellen Bedürfnisse der Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler abgestimmt ist. Der Einbau der medizinischen Großgeräte stellte bei diesem anspruchsvollen Bauprojekt eine besondere Herausforderung dar, die dank präziser Planung und exakter Ausführung erfolgreich gemeistert werden konnte. Das Gebäude mit fast 4.000 Quadratmetern Brutto-Grundfläche vereint nachhaltige Architektur mit hocheffizienter Anlagentechnik und setzt damit Maßstäbe für die Zukunft der Forschung.“

Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/169228116

Bildtexte: 
Schluessel: Der symbolische Schlüssel zum neuen CoBIC-Gebäude: Finanzminister Alexander Lorz, LBIH-Direktor Thomas Platte, Goethe-Uni-Präsident Enrico Schleiff, MPIEA-Direktorin Melanie Wald-Fuhrmann, MPG-Vizepräsident Christian Doeller, CoBIC-Direktor Christian Kell, ESI-Direktor Lothar Willmitzer (v.l.). Foto: Uwe Dettmar

MRT: Die Medizinerin Dr. Franziska Frank, Assistenzärztin an der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Frankfurt, untersucht am CoBIC (Cooperative Brain Imaging Center) Patient*innen im MRT, die nach einem Schlaganfall Gedächtnisprobleme haben (kognitives Defizit), und vergleicht die MRT-Bilder mit solchen von gesunden Probanden. Für das Foto hat sich ein Kollege in das MRT-Gerät gelegt. Foto: Uwe Dettmar

MEG: Für die Untersuchung mittels Magnetoenzephalographie (MEG) am CoBIC befestigt die Neurowissenschaftlerin Melek Yalçin Sensoren am Kopf ihres Kollegen Leonardo Zeine, der sich für das Foto in das Gerät gesetzt hat. MEG registriert die extrem schwachen Magnetfelder, die durch die elektrische Aktivität der Nervenzellen im Gehirn entstehen. Das MEG kann so Hirnsignale zeitlich und räumlich hoch aufgelöst messen. Foto: Uwe Dettmar

Gebaeude: Das Gebäude des Cooperative Brain Imaging Center in Frankfurt liegt auf dem Medizin-Campus Niederrad in unmittelbarer Nachbarschaft des Neuroscience Center der Goethe-Universität und des Ernst Strüngmann Institute for Neuroscience. Foto: Uwe Dettmar

Weitere Informationen
PD Dr. Christian Kell
Direktor
Cooperative Brain Imaging Center (CoBIC)
Tel. +49 (0)69 6301-95650
c.kell@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 12 2025
11:53

Vortragsreihe zur Ausstellung „Beyers Bücherschatz“ in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main 

Bücher und Medizin vor 400 Jahren

FRANKFURT. Im Rahmenprogramm zur Ausstellung „Beyers Bücherschatz. Vom Sammeln und Stiften vor Senckenberg“ finden drei Vorträge statt, in denen Büchersammler aus Frankfurt und Florenz sowie die Heilkunst der frühen Neuzeit beleuchtet werden.

Am 20. März 2025 spricht Frank Fürbeth (Goethe-Universität) über „Die Büchersammlung von Johann Hartmann Beyer im geschichtlichen Kontext Frankfurter Privatbibliotheken“. Er stellt sich die Frage: Aus welchen Gründen wurden Bücher gesammelt und wie können diese Sammlungen in den politischen und geistesgeschichtlichen Kontext der Reichsstadt Frankfurt eingeordnet werden? Zusammen besehen wir private Bibliotheken in Frankfurt im 16. Jahrhundert. Mit Claus Stalburg, Adolf von Glauburg und Johann Hartmann Beyer werden einige für die Geschichte Frankfurts herausragende Personen vorgestellt, die jeweils große Sammlungen angelegt haben. 

Am 3. April 2025 lässt Andrea Baldan (Goethe-Universität) den Blick nach Italien schweifen und berichtet über „Antonio Magliabechi (1633-1714) und die Gründung der Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze“. Der Florentiner Gelehrte Magliabechi, Bibliothekar des Großherzogs Cosimo III. von Toskana, sammelte im Laufe seines Lebens etwa 30.000 Bücher, darunter fast 3.000 Handschriften, die er der Stadt Florenz unter der Bedingung vermachte, dass sie seinen Mitbürgern in einer Bibliothek zugänglich gemacht würden. Diese Sammlung wurde zum Grundstein der ersten öffentlichen Bibliothek Italiens und zum Kern der heutigen Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze. Der Vortrag widmet sich der Figur dieses exzentrischen Bibliothekars und seiner Rolle in der wissenschaftlichen Vermittlung seiner Zeit sowie der Geschichte der öffentlichen Bibliothek in Italien und der Entstehung der italienischen Nationalbibliothek.

Und schließlich öffnet am 10. April 2025 Jana Schreiber (Philipps-Universität Marburg) das Themenspektrum der Reihe mit dem Vortrag „Zwischen Heilkunst und Konkurrenz - Ein Blick auf die Frankfurter Barbierzunft in der Frühen Neuzeit“. Die Frankfurter Barbiere übernahmen als handwerkliche Chirurgen zentrale Aufgaben im städtischen Medizinalwesen. Ihre Kompetenzen, Aufgabengebiete und auch ihr Rang wurden jedoch im weiten und sehr diversen Feld der frühneuzeitlichen Heilkunde immer wieder von Konkurrent*innen bedroht und umkämpft. Der Vortrag stellt die Frankfurter Barbierzunft vor und beleuchtet ihr Agieren auf dem medizinischen Markt.

Die Vorträge finden jeweils um 19 Uhr im Lesesaal 2. OG der Zentralbibliothek in Bockenheim statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und der Eintritt ist frei.

Über die Ausstellung
Die Ausstellung „Beyers Bücherschatz. Vom Sammeln und Stiften vor Senckenberg“ porträtiert den Frankfurter Mediziner und Politiker Johann Hartmann Beyer und lädt ein, dem Gewöhnlichen wie dem Außergewöhnlichen eines Lebens im frühneuzeitlichen Frankfurt zu begegnen. Die Ausstellung läuft bis zum 27. April 2025 und ist dienstags bis freitags von 13.00 bis 20.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10.30 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. https://www.ub.uni-frankfurt.de/ausstellung/jh-beyer.html

Verantwortlicher Kurator: Jan Habermehl, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, habermehl@em.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Universitätsbibliothek, Freimannplatz 1, 60325 Frankfurt am Main, Tel. +49 (69) 798 39223; E-Mail: kom@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 11 2025
11:39

Forschende der Goethe-Universität Frankfurt und Partner untersuchen den Einfluss von Ozon und Wasserdampf in Troposphäre und Stratosphäre

Dem Klimawandel auf der Spur: Forschungsflüge über der Arktis

Die Arktis zählt zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen. Die Temperatur ist hier in den letzten Jahrzehnten etwa viermal so stark angestiegen wie im globalen Durchschnitt. Warum sich die Arktis so viel stärker erwärmt als die übrige Erdoberfläche und welche Auswirkungen dies hat, erforscht die von der Goethe-Universität und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierte Messkampagne ASCCI. Mit Messflügen in die Region, die aktuell bis Anfang April stattfinden, wollen die Forschenden Ursachen und Auswirkungen des arktischen Klimawandel besser verstehen.

FRANKFURT. Die Messkampagne ASCCI (steht für: „Arctic Springtime Chemistry-Climate Investigations“) beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie Ozon und Wasserdampf in der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre – also in Höhen zwischen etwa fünf und 15 Kilometern – den arktischen Klimawandel beeinflussen und von ihm beeinflusst werden. Dazu untersucht die Kampagne speziell die Prozesse, die im Frühjahr stattfinden. Zu diesen gehört unter anderem der Abbau des stratosphärischen Ozons. Die Dichte der Ozonschicht über der Arktis schwankt im Jahresverlauf und kann sich im Frühjahr ausdünnen, wenn chemische und meteorologische Bedingungen zusammenfallen.

„Es gibt in der Stratosphäre wärmere und kältere Winter, das ist eine ganz normale Variabilität von Jahr zu Jahr. Darüber hinaus beobachten wir aber, dass durch die Zunahme von Treibhausgasen die Stratosphäre immer kälter wird, während die Temperaturen am Boden und in der Troposphäre immer weiter ansteigen“, sagt Professor Björn-Martin Sinnhuber vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT, der die Kampagne gemeinsam mit Professor Andreas Engel von der Goethe-Universität Frankfurt koordiniert. Vor allem in Jahren mit kalter Stratosphäre laufen ähnliche Prozesse wie beim antarktischen Ozonloch ab, und ein signifikanter Teil der arktischen Ozonschicht kann zerstört werden.

„Dieser Winter war bislang durch ungewöhnlich kalte Bedingungen in der arktischen Stratosphäre gekennzeichnet, also der Luftschicht oberhalb von etwa 10 Kilometern. Zwar sinken die Konzentrationen vieler Fluorchlorkohlenwasserstoffe und anderer ozonzerstörender Substanzen in der Atmosphäre aufgrund internationaler Regulierungen, allerdings dauert das sehr lange, da diese Gase in der Atmosphäre sehr langlebig sind“, sagt Andreas Engel. „Unsere Messungen von der Goethe-Universität quantifizieren, wieviel ozonschädigendes Chlor und Brom in der Stratosphäre vorhanden ist. Es reicht auf jeden Fall noch aus, um bei den kalten Bedingungen chemische Prozesse anzustoßen, die zum Ozonabbau führen können.“ Gleichzeitig befinde sich durch den Ausbruch des Unterwasservulkans Hunga-Tonga vor drei Jahren immer noch deutlich mehr Wasser in der Stratosphäre als normal, so Engel. Wie sich das auf die Ozonschicht auswirkt, wollen die Forscherinnen und Forscher ebenfalls während der ASCCI-Messkampagne untersuchen.

Zudem werden im Frühjahr vor allem Luftschadstoffe in die Arktis transportiert, die dort als kurzlebige Treibhausgase wirken können. Ein weiteres Ziel der Messkampagne ist es, diese Prozesse durch gezielte Messungen besser nachzuvollziehen. Die Messflüge finden mit dem Forschungsflugzeug HALO statt, das bis April im nordschwedischen Kiruna stationiert ist.

Ozonabbau in der Arktis und sein Einfluss auf die mittleren Breiten besser verstehen
Die Goethe-Universität Frankfurt betreibt an Bord von HALO ein selbst entwickeltes Messgerät, das eine Vielzahl halogenierter Gase misst, die die Quelle für ozonschädigendes Chlor und Brom in der Stratosphäre sind. „Wir wollen verstehen, wie das aus den halogenierten Gasen freigesetzte Chlor und Brom das Ozon in der arktischen Stratosphäre beeinflusst und ob dies auch einen Einfluss auf die mittleren Breiten hat, in denen wir leben,“ erläutert Engel. „Wenn Luft aus der Arktis mit niedrigem Ozongehalt zu uns in die mittleren Breiten gemischt wird, dann kann das auch Auswirkungen auf den Ozonschirm über uns haben, und der schützt uns ja vor der gefährlichen UV-Strahlung der Sonne.“

An der ASCCI-Kampagne sind neben der Goethe-Universität und dem KIT auch das Forschungszentrum Jülich, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die Universitäten Heidelberg, Mainz und Wuppertal beteiligt.

Über HALO
Das Forschungsflugzeug HALO (steht für: „High Altitude and Long Range Research Aircraft“) ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen. Gefördert wird HALO durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, des Freistaates Bayern, des KIT, des Forschungszentrums Jülich und des DLR. Das DLR ist zugleich Eigner und Betreiber des Flugzeugs.

Hintergrundinformationen

Messkampagne ASCCI: https://halo-research.de/sience/halo-missions/current-missions/ascci/

Forschungsflugzeug HALO: https://www.dlr.de/de/forschung-und-transfer/projekte-und-missionen/halo

Bild zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/168920497

Bildtext: Das Forschungsflugzeug HALO landet im schwedischen Kiruna. Von dort starten die Forschungsflüge über der Arkis. Das Foto stammt von einer früheren Mission. Foto: DLR (CC BY-ND 3.0)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Andreas Engel
Institut für Atmosphäre und Umwelt Goethe-Universität Frankfurt
Tel: + 49 (0)69 798-40259
an.engel@iau.uni-frankfurt.de
Web: https://www.geo.uni-frankfurt.de/iau

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @kit.edu @dlr-de.bsky.social @uni-main.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt @Karlsruher Institut für Technologie (KIT)


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 11 2025
11:17

Virtueller Aktionstag informiert zu Studienangeboten elf hessischer Hochschulen

„Gut beraten. Studieren in Hessen“

Am 19. März bieten die Studienberatungen aller hessischen Hochschulen einen Online-Informationstag für Studieninteressierte an.

FRANKFURT. Unter dem Motto „Nächste Station Studium! Machen Sie sich schlau zu diesem neuen Lebensabschnitt“ veranstalten die Studienberatungen an den hessischen Hochschulen zum dritten Mal den „Aktionstag für Studieninteressierte – Gut beraten – Studieren in Hessen“. Schirmherr ist der Hessische Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels.

Der Online-Aktionstag am 19. März startet
um 14:30 Uhr mit einer Begrüßung. 
Von 15:00 bis 18:00 Uhr 
folgen halbstündige Vorträge 
mit Infos zu Studienmöglichkeiten und Tipps für die Studienwahl.

Der Aktionstag bietet einen Überblick über das Studienangebot an allen hessischen Hochschulen. Studieninteressierte erhalten Einblicke in unterschiedliche Fachbereiche, Infos zur Bewerbung, und sie können Studierende nach persönlichen Erfahrungen fragen. Angesprochen sind auch Studieninteressierte mit besonderen Herausforderungen, etwa dass sie als erste in ihrer Familie studieren oder unter chronischen Krankheiten leiden.
Das Vortragsprogramm wird unter der Landingpage www.studiereninhessen.de präsentiert. Dort werden auch nach dem Aktionstag Informationen zur Studienorientierung und zum Studium in Hessen angeboten.

In 24 Vorträgen greifen die Studienberatungen am Aktionstag Themen auf wie „Die Lebenswelt gestalten- Studieren im Bereich Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung“, „Entwicklung fördern – Studieren im Bereich Erziehungswissenschaften und Sozialarbeit“ oder „Kreativ mit Formeln, Zahlen und Regeln – Studieren im Bereich Mathe, Informatik und Naturwissenschaften“; dabei informieren sie auch darüber, an welchen hessischen Hochschulen es dazu passende Studiengänge gibt. Welche Studienangebote sind stärker forschungsorientiert, welche eher anwendungsbezogen? Auch auf diese Ausrichtungen gehen die Vorträge ein.

Hochschulübergreifend informieren Vortragsthemen wie „Dual Studieren in Hessen“, „Studieren mit Behinderung oder chronischer Erkrankung“ und „Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte“. Darüber hinaus werden Eltern und Lehrer*innen angesprochen: Zwei Angebote klären sie darüber auf, wie sie Schüler*innen bei der Studien- und Berufsorientierung unterstützen können. Studierende berichten zudem über den Unterschied von Schule und Studium und wie sie den Studieneinstieg bewältigt haben.

Die Zentralen Studienberatungen der Hochschulen bieten umfassende und aktuelle Beratung zur Studien- und Berufsorientierung – dazu sind sie gesetzlich beauftragt.
Diese Arbeit setzt eine ergebnisoffene, vertrauliche Beratung voraus und verlangt grundlegende und breite Kenntnisse von Bildungsmöglichkeiten und des Studienangebots. Dazu werden die Studienberater*innen in Fortbildungen regelmäßig geschult.

Das Programm im Überblick
Einen Überblick über das vielseitige Programm und weitere Informationen unter: www.studiereninhessen.de

Interessierte können sich über den Aktionstag hinaus auch jederzeit über individuelle Beratungstermine bei den Studienberatungen der Hochschulen informieren:

  • Frankfurt University of Applied Sciences
  • Goethe-Universität Frankfurt
  • Hochschule Darmstadt
  • Hochschule Fulda
  • Hochschule Geisenheim
  • Hochschule RheinMain
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Philipps-Universität Marburg
  • Technische Hochschule Mittelhessen
  • Technische Universität Darmstadt
  • Universität Kassel 

Kontakt und Rückfragen: 
Zentrale Studienberatung der Goethe-Universität
zsb.uni-frankfurt.de
zsb@uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 10 2025
13:57

Studie zeigt, wie ein 2-Thiouracil-Molekül durch UV-Bestrahlung innerhalb winziger Sekundenbruchteile reaktiv wird

Röntgen-Schnappschuss: Wie Licht einen Wirkstoff verbiegt

Mit Hilfe des weltweit leistungsstärksten Röntgenlasers European XFEL gelingt einem Forschungsteam unter Leitung der Goethe-Universität und dem Forschungszentrum DESY ein wichtiger Durchbruch: Am Beispiel der Untersuchung des Wirkstoffs 2-Thiouracil wandte das Forschungsteam erstmals eine seit Jahrzehnten etablierte Abbildungstechnik auch auf komplexe Moleküle an. 2-Thiouracil wird zwar nicht mehr therapeutisch eingesetzt, gehört aber zu einer Gruppe chemisch ähnlicher Wirkstoffe, die heute als Immunsuppressiva oder Zytostatika Anwendung finden. Die Studie zeigt, wie UV-Strahlung 2-Thiouracil deformiert und damit gefährlich reaktiv macht.

FRANKFURT. Viele biologisch wichtige Moleküle ändern ihre Form, wenn sie etwa mit UV-Strahlung angeregt werden. Das betrifft auch manche Medikamente und ist bislang nicht gut verstanden. Dank einer innovativen Technik hat ein internationales Team mit Beteiligung der Goethe-Universität Frankfurt, dem European XFEL in Schenefeld und dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg einen solchen blitzschnellen Prozess aufgeschlüsselt und mit Hilfe von Röntgenlicht sozusagen in Zeitlupe sichtbar gemacht. Diese Methode eröffnet für viele weitere Moleküle spannende Untersuchungsmöglichkeiten.

„Wir haben das Molekül 2-Thiouracil untersucht, das zu einer Gruppe von Wirkstoffen auf der Basis bestimmter DNA-Bausteine gehört, der Nukleobasen“, sagt Studien-Letztautor Markus Gühr, wissenschaftlicher Leiter des Freie-Elektronen-Lasers FLASH am DESY und Professor für Chemie an der Universität Hamburg. 2-Thiouracil besitzt wie seine chemisch verwandten Wirkstoffe ein Schwefelatom. Es verleiht dem Molekül seine ungewöhnlichen, medizinisch relevanten Eigenschaften. „Dazu kommt aber noch eine weitere Besonderheit, denn diese Moleküle werden auf gefährliche Weise reaktiv, wenn sie UV-Strahlung ausgesetzt werden.“ Studien zeigten ein erhöhtes Hautkrebs-Risiko durch diesen Effekt.

Um besser zu verstehen, was bei solchen Prozessen vor sich geht, hat das Forschungsteam eine eigentlich ältere Methode angewandt und sie mit den heutzutage verfügbaren technischen Möglichkeiten auf ein neues Niveau gehoben. „Beim sogenannten Coulomb-Explosion-Imaging bestrahlt man ein Molekül mit intensiven Röntgenpulsen, wodurch Elektronen herausgeschlagen werden“, erklärt Till Jahnke, Professor für experimentelle Atom- und Molekülphysik an der Goethe-Universität und Erstautor der Studie. „Dadurch wird das Molekül extrem stark positiv aufgeladen und instabil, so dass es innerhalb von Sekundenbruchteilen auseinandergerissen wird.“ Indem man nun verfolgt, in welche Richtung die verschiedenen Molekül-Bruchstücke – also die Atome – auseinanderfliegen, kann man Informationen über die Struktur des Moleküls ableiten.

Bislang hatte das Coulomb-Explosion-Imaging nur bei sehr einfachen Molekülen sinnvolle Ergebnisse geliefert. Das Forschungsteam hat diese Technik nun an der SQS („Small Quantum Systems“) Experimentierstation des weltweit leistungsstärksten Röntgenlasers, dem European XFEL, mit einem an der Goethe-Universität eigens entwickelten Versuchsaufbau kombiniert. „Dieses Experiment ist in vielerlei Hinsicht eine technische Innovation und eine wichtige Erweiterung der Experimentiermöglichkeiten am SQS Instrument. Erstmals lassen sich damit diese Abbildungsverfahren an einem biologisch und medizinisch relevanten Molekül einsetzen, und nicht nur für die physikalische Grundlagenforschung“, freut sich Michael Meyer, Leiter der SQS Experimentierstation, über das gelungene Experiment.

Dank der enorm starken Röntgenpulse des European XFEL ließ sich auch dieses größere Molekül „zerbröseln“ und damit seine Struktur analysieren. Die Forscher schickten die Moleküle mit einer feinen Gasdüse in den Strahl des Röntgenlasers, sodass immer nur einzelne Moleküle bestrahlt wurden. Ein zusätzlicher UV-Puls, der kurz vor dem Röntgenpuls eingestrahlt wurde, sorgte für die Anregung der Moleküle.

„Und indem man den zeitlichen Abstand zwischen den beiden Pulsen variiert, lässt sich schließlich so etwas wie ein Zeitlupen-Film dieser Vorgänge gewinnen, die rasend schnell innerhalb von 100 bis 1000 Femtosekunden ablaufen, also in weniger als einem Millionstel einer Millionstel Sekunde“, erklärt Jahnke. Ein ausgeklügelter Detektor registrierte schließlich die Auftreffpunkte der verschiedenen Atome des 2-Thiouracils.

Das Experiment förderte zwei wichtige Erkenntnisse zutage. Die erste betrifft das 2-Thiouracil: Bei Anregung durch UV-Strahlung verbiegt sich dieses sonst flache Molekül, sodass das Schwefelatom hervorsteht. Dieser Zustand ist für längere Zeit stabil. Er sorgt dafür, dass das Molekül sehr reaktiv wird und unter anderem Hautkrebs hervorrufen kann. „Das ist auch ein wesentlicher Unterschied zu gewöhnlichen Nukleobasen, die strukturell sehr ähnlich sind, aber kein Schwefelatom besitzen“, sagt Gühr. „Diese besitzen einen Mechanismus, mit UV-Strahlung umzugehen und sie über verschiedene Anregungs- und Schwingungszustände schließlich in ungefährliche Wärme umzuwandeln.“ Beim 2-Thiouracil verhindert das Schwefelatom eine solche Umwandlung.

„Die zweite Erkenntnis hängt mit der experimentellen Technik selbst zusammen“, sagt Jahnke. „Denn wie wir gesehen haben, müssen wir zur Rekonstruktion des Moleküls und seiner Veränderung gar nicht alle Atome im Detektor nachweisen. Hier hat es gereicht, das Schwefel- und das Sauerstoffatom sowie die vier Wasserstoffkerne zu vermessen, die sechs Kohlenstoffatome braucht es dazu nicht.“ Das wird bei weiteren Untersuchungen an noch komplexeren Molekülen die Messungen deutlich vereinfachen und zeigt die enormen Möglichkeiten dieses innovativen Verfahrens.

Publikation: Till Jahnke, Sebastian Mai, Surjendu Bhattacharyya, Keyu Chen, Rebecca Boll, Maria Elena Castellani, Simon Dold, Ulrike Frühling, Alice E. Green, Markus Ilchen, Rebecca Ingle, Gregor Kastirke, Huynh Van Sa Lam, Fabiano Lever, Dennis Mayer, Tommaso Mazza, Terence Mullins, Yevheniy Ovcharenko, Björn Senfftleben, Florian Trinter, Atia Tul Noor, Sergey Usenko, Anbu Selvam Venkatachalam, Artem Rudenko, Daniel Rolles, Michael Meyer, Heide Ibrahim, Markus Gühr. Direct observation of ultrafast symmetry reduction during internal conversion of 2-thiouracil using Coulomb explosion imaging. Nature Communications (2025) https://www.nature.com/articles/s41467-025-57083-3

Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/168920601

Bildtext: Das COLTRIMS-Reaktionsmikroskop am SQS-Instrument. Hiermit wurden die Strukturveränderungen des 2-Thiouracil-Moleküls am European XFEL untersucht. Foto: European XFEL

Weitere Informationen
Prof. Dr. Till Jahnke
MPI für Kernphysik Heidelberg
und
Institut für Kernphysik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: + 49 (0)69-798 47023 (Sekretariat)
till.jahnke@xfel.eu

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @goetheuni.bsky.social @europeanxfel.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY @European XFEL


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 10 2025
10:27

Neue Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität über Klimawandel, globale Krisen und Gestaltungsspielräume – Eröffnung am 5. April 2025

„Fixing Futures“: Wer gestaltet die Zukünfte?

FRANKFURT. Wie können wir unsere Zukunft in Zeiten von Klimawandel und globalen Krisen beeinflussen? Welche Szenarien – welche Zukünfte – sind vorstellbar? Kunst, Forschung und historische Objekte zu Themen wie Klimawandel, Geoengineering, Quantencomputer und dekoloniale Perspektiven bringt die neue Ausstellung des MGGU-Museum Giersch der Goethe-Universität kreativ in Verbindung. In der Ausstellung, die bis zum 31. August 2025 zu sehen sein wird, wird erstmals auch der Außenraum des Museums integriert – mit einer begehbaren Arche und begrünten Balkonen als Zukunftsvisionen neuer Lebensräume.

Eröffnet wird die Ausstellung „Fixing Futures“ (5. April – 31. August 2025)

mit einer Öffentlichen Vernissage 
am Freitag, den 4. April 2025, um 19 Uhr.
Ab 20 Uhr: Offenes Atelier und Elektronische Musik – DJs Cilence b2b Julique

Zur Eröffnung sprechen: Ina Neddermeyer, Direktorin MGGU, Prof. Dr. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität, und Laura Domes, Kuratorin der Ausstellung.
Das Museum ist ab 18 Uhr geöffnet; der Besuch der Vernissage ist ohne Anmeldung möglich und kostenfrei.

Die Ausstellung greift folgende Themenfelder auf: 

1. Umweltkrisen und ihre Ursachen
Die Umweltkrisen unserer Zeit, wie Biodiversitätsverlust, Ressourcenknappheit und Klimawandel, stehen im Mittelpunkt verschiedener künstlerischer und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen. Installationen wie ARAPOLIS, climate, displacement, gambling (2024) und ARK (2024) von Baltic Raw Org oder Fruits of Labour (2023) von Maximilian Prüfer veranschaulichen die Folgen menschlichen Handelns auf die Natur.
Wissenschaftler wie Dr. Nico Wunderling und Prof. Dr. Joachim Curtius diskutieren die Risiken der Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels und mögliche Kipppunkte im Erdsystem. Spekulative Projekte wie The Seas Are No Longer Dying (2022) von Superflux zeigen nachhaltige Zukunftsvisionen, die alternative Wege im Umgang mit Ressourcen aufzeigen.

2. Geoengineering und die Technologisierung des Klimawandels
Dieser Themenblock hinterfragt die technologische Kontrolle des Klimawandels durch Geoengineering und warnt vor den unvorhersehbaren Folgen dieser Eingriffe. Künstlerische Arbeiten wie Chroniques du Soleil Noir (2023) von Gwenola Wagon und Metakosmia (2024) von Nina Fischer & Maroan el Sani zeigen dystopische Zukunftsszenarien, in denen Geoengineering die Erde unwirtlich macht. Wissenschaftler*innen fordern ein globales Kontrollmodell, um sicherzustellen, dass diese riskanten Technologien nicht als vermeintliche „Rettung“ missverstanden, sondern verantwortungsbewusst gehandhabt werden.

3. Dekoloniale Perspektiven und Aktivismus
Dieser Abschnitt thematisiert dekoloniale Perspektiven auf den Klimawandel und die Notwendigkeit, historische Ungerechtigkeiten in zukunftsfähige Lösungen einzubeziehen. Künstlerische Arbeiten wie Tamizh Futurism (2019) von Adhavan Sundaramurthy und Terra Nova (2019) von Maize Longboat setzen sich kritisch mit Kolonialgeschichte und alternativen Zukunftsvisionen auseinander. Zudem wird die Rolle von Kunst als Mittel des Widerstands und zur Förderung kollektiver Handlungsmöglichkeiten für eine klimagerechtere Zukunft untersucht.

4. Digitale Räume und ihre Wechselwirkung mit der physischen Umwelt
Dieser Themenbereich untersucht die Auswirkungen digitaler Infrastrukturen auf die Umwelt und hinterfragt die Illusion einer immateriellen „Cloud“. Projekte wie Solar Protocol (2021–2023) von Tega Brain, Benedetta Piantella, Alex Nathanson und dem Solar Protocol Collective zeigen alternative, nachhaltige Ansätze für den digitalen Raum, indem sie auf solarbetriebene Server setzen. Jana Hartmanns Virtual Verdure (2024) reflektiert, wie virtuelle Landschaften unsere Wahrnehmung von Natur und ökologischen Systemen prägen.

5. Quantencomputing als Lösung für die Klimakrise?
Dieser Aspekt untersucht, ob Quantencomputing zur Bewältigung der Klimakrise beitragen kann. Während Prof. Dr. Christoph Burchard die Chancen und Risiken algorithmischer Modellierungen betont, hinterfragt Q is for Climate? (2023) von Libby Heaney, ob Quantencomputer nachhaltige Zukunftssysteme ermöglichen könnten. Manpreet Jattana sieht großes Potenzial in der Forschung, doch ein tatsächlicher Quantenvorteil muss erst durch praktische Tests nachgewiesen werden.

Beteiligte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen
Samira Akbarian, Jordan Rita Seruya Awori, Baltic Raw Org, Blockadia*Tiefsee,Tega Brain, Christoph Burchard, Joachim Curtius, Petra Döll, Juliane Engel, Nina Fischer & Maroan el Sani, Steven Gonzalez Monserrate, Jana Hartmann, Libby Heaney, Thomas Hickler, Manpreet Jattana, Maize Longboat, Colin Lyons, Maximilian Prüfer, Oliver Ressler, Julia Schubert, Adhavan Sundaramurthy, Superflux, Gwenola Wagon, Joshua Wodak, Nico Wunderling

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.
Mehr zum Programm: www.mggu.de/veranstaltungen
Infos zur Ausstellung: www.mggu.de/fixing-futures
Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse


Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/168815105

Bildtext: 
Wie digitale Räume mit der physischen Umwelt wechselwirken reflektiert die Künstlerin Jana Hartmann in ihrem Werk „Virtual Verdure“, 2024 (aus der Werkgruppe: The Future is Present (Detailansicht) Digitale 3D Simulationen, InGame-Photography, Screenshots, 3D Modelle © Jana Hartmann)

Weitere Informationen
MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität
Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main
Eintritt: Erwachsene 7 € / Ermäßigt 5 €
Freier Eintritt für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr

Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann 
Fon: 069/138210121 // E-Mail: presse@mggu.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 7 2025
14:31

Dr. Shirin El Nemr für Doktorarbeit an der Goethe-Universität zu symptomatischer Prostatavergrößerung ausgezeichnet

Radiologie-Direktor Thomas Vogl gründet Stiftungsfonds: Erster Promotionspreis vergeben

Zur Förderung der radiologischen Forschung hat der Radiologe Prof. Thomas Vogl gemeinsam mit der Goethe-Universität aus privaten Mitteln einen Stiftungsfonds gegründet. Vogl ist Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Universitätsmedizin Frankfurt, und sein Stiftungsfonds finanziert Stipendien und Preis für junge Medizinerinnen und Mediziner. Jetzt hat die Auswahlkommission des Fonds einen ersten Promotionspreis vergeben: Dr. Shirin El Nemr wurde für ihre Doktorarbeit zur Behandlung einer vergrößerten Prostata mit dem Thomas Vogl-Promotionspreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

FRANKFURT. Es ist eine Volkskrankheit der Männer: Nahezu alle jenseits der 50 haben infolge einer gutartigen Vermehrung der Prostatazellen eine vergrößerte Prostata. Häufig symptomlos führt das angewachsene Organ allerdings bei rund 40 Prozent dieser Männer zu Problemen wie etwa einem vermehrten Harndrang, der ein Durchschlafen unmöglich macht. Gleichzeitig haben sie Probleme, die Blase zu entleeren.

Die Prostata-Arterien-Embolisation (PAE), die im Mittelpunkt der prämierten Dissertation steht, ist ein innovatives minimalinvasives Verfahren zur Behandlung der symptomatischen Prostatavergrößerung. Dabei wird die Blutzufuhr zum vergrößerten Prostatagewebe mithilfe mikroskopisch kleiner Partikel gezielt blockiert, wodurch das Gewebe schrumpft und die Symptome gelindert werden. Entscheidend ist hierfür die präzise Beobachtung von Position und Verlauf der Blutgefäße in der Prostata während des therapeutischen Eingriffs.

In ihrer Doktorarbeit verglich Dr. Shirin El Nemr, die mittlerweile an der München Klinik Bogenhausen tätig ist, eine strahlenbelastende Gefäßdarstellung während der Intervention mit einem Verfahren, bei der die Gefäße zusätzlich vor dem Eingriff durch eine strahlenfreie Magnetresonanz-Angiographie abgebildet wurden. Dabei konnte sie zeigen, dass mit der MR-Angiographie die Strahlenbelastung während des Eingriffs vermindert werden konnte. Weitere Messungen, die mit der MR-Angiographie gemacht wurden, gaben nach den Erkenntnissen von El Nemr zudem Hinweise auf einen späteren Therapieerfolg und legen die Grundlage für eine Weiterentwicklung des neuen Verfahrens.

Prof. Thomas Vogl, Stifter und Mitglied der Auswahlkommission, hebt hervor: „Die Dissertation von Dr. Shirin El Nemr hat uns durch ihre wissenschaftliche Tiefe und die Relevanz des Themas überzeugt. Wir freuen uns, dass wir mit dem Promotionspreis die exzellente Forschungsleistung von Dr. El Nemr würdigen können.“ Kommissionsmitglied Ekkehardt von Knebel Doeberitz meint: „Diese Arbeit zu einem ‚Männerthema' ist sehr interessant und auch für Nicht-Mediziner gut nachvollziehbar.“

Weil ihm die Förderung junger Mediziner auf ihrem Weg zu Promotion besonders am Herzen liegt, hat der 66-jährige Radiologe gemeinsam mit der Goethe-Universität den Thomas-Vogl-Stiftungsfonds ins Leben gerufen. Neben dem Promotionspreis, der jährlich für eine herausragende Dissertation in den Bereichen Radiologie oder Nuklearmedizin vergeben wird, fördert der Fonds auch drei Doktoranden pro Jahr mit einem Stipendium in Höhe von jeweils 10.000 Euro.

Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident für Forschung der Goethe-Universität und Kommissionsmitglied, ist überzeugt: „Die Stiftung von Prof. Vogl, der sich mit großer Leidenschaft für die Forschung einsetzt, ermöglicht der Goethe-Universität eine solide Basis für die langfristige Unterstützung junger Medizinerinnen und Mediziner der Radiologie und Nuklearmedizin. Diese Bereiche spielen – wie die prämierte Arbeit von Dr. El Nemr zeigt – nicht nur im Forschungsschwerpunkt „Krebs“ der Goethe-Universität eine wichtige Rolle.“

Der Thomas-Vogl-Stiftungsfonds kann mit Spenden unterstützt werden, weitere Informationen finden sich auf der Website.

Website: https://www.thomas-vogl-stiftungsfonds.de/

Prämierte Dissertation: https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/74353/file/dissertation.pdf

Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/168831787

Bildtext: Die Preisträgerin Dr. Shirin El Nemr (mit Urkunde) zusammen mit den Kommissionsmitgliedern Prof. Dr. Katrin Sylvia Cremona Eichler, Prof. Dr. Thomas Vogl und Ekkehardt von Knebel Doeberitz (v.l.). Foto: Conny Holtfoth

Weitere Informationen
Prof. Dr. Thomas Vogl
Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel. +49 (0)69 6301-7277 (Sekretariat)
T.Vogl@em.uni-frankfurt.de
Website: https://www.unimedizin-ffm.de/einrichtungen/kliniken/zentrum-der-radiologie/diagnostische-und-interventionelle-radiologie

Bluesky: @goetheuni.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 4 2025
10:23

Professur soll mit Sigmund-Freud-Institut zusammenarbeiten und an die Tradition der Verbindung von Psychoanalyse und gesellschaftlicher Perspektive anknüpfen

Goethe-Universität richtet aus Stiftungsmitteln Professur für Klinische Psychoanalyse ein

Mit vier Millionen Euro Stiftungsmitteln richtet die Goethe-Universität Frankfurt eine neue Professur für Klinische Psychoanalyse ein, die eng mit dem Frankfurter Sigmund-Freud-Institut zusammenarbeiten wird. Die Mittel kommen von der Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung, dem Franz Adickes Stiftungsfonds, der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung und der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung. Mit der neuen Professur möchte die Goethe-Universität an die langjährige und traditionsreiche Frankfurter psychoanalytische Forschung anknüpfen. Unterstützer*innen dieser Tradition sind eingeladen, sich mit weiteren Zustiftungen an der Professur zu beteiligen. Es wird bereits die vierte Gestiftete Professur, also auf Dauer aus Stiftungserträgen finanzierte Professur in drei Jahren sein, die die Universität einrichtet.

FRANKFURT. Die Goethe-Universität will das wichtige Feld der Forschung zur Psychotherapie und die Ausbildung von Psychotherapeut*innen auch unter der Schwerpunktsetzung psychoanalytischer Ansätze weiterentwickeln. In Verbindung mit dem Sigmund-Freud-Institut soll es zu einem national und international hervorragend aufgestellten und sichtbaren Profilfeld werden. Deshalb soll zur Besetzung der Professur am Fachbereich für Psychologie und Sportwissenschaften ein*e Wissenschaftler*in mit herausragendem Profil gewonnen werden. Die Professur wird verbunden sein mit der Position einer*s Direktor*in am Sigmund-Freud-Institut und einer möglichen Übernahme der Leitung der Ambulanz des Instituts.

„Wir haben Stiftungsmittel eingeworben, um die Professur einzurichten – damit nutzen wir unsere besonderen Gestaltungsmöglichkeiten als Stiftungsuniversität, um einen wichtigen Forschungsschwerpunkt an einer Schnittstelle von Gesellschafts-, Sozial- und Naturwissenschaften zu stärken“, erläutert Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität. „So wollen wir die Verschränkung der klinisch ausgerichteten Psychoanalyse am Fachbereich Psychologie und die soziologisch-sozialpsychologisch ausgerichtete Psychoanalyse am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, wie das Sigmund-Freud-Institut sie verkörpert, weiter vorantreiben. Damit können wir einen Beitrag zur psychoanalytisch inspirierten Gesellschaftsforschung in der Tradition der in Frankfurt entwickelten Kritischen Theorie leisten.“

„Gerade in Folge andauernder gesellschaftlicher Krisen nehmen psychische Erkrankungen zu, deshalb freuen wir uns sehr über die Stärkung unseres Instituts für Psychologie“, erklärt Prof. Dr. Sonja Rohrmann, Dekanin des Fachbereichs Psychologie und Sportwissenschaften. „Die Psychologie hält eine Vielzahl von klinischen Ansätzen, Methoden und Werkzeugen bereit – die Psychoanalyse ist darunter eines der ältesten und grundlegendsten. Die Professur für klinische Psychoanalyse soll es uns ermöglichen, neue Forschungsfelder zu erschließen und die derzeitige Expertise und die Ausrichtungen des Instituts für Psychologie mit der Expertise des Sigmund-Freud-Instituts innovativ zu verknüpfen. Ich danke Präsident Schleiff herzlich für seinen großartigen Einsatz für die Finanzierung und Einrichtung dieser Professur. Der neue, in der Psychologie angesiedelte Masterstudiengang Psychotherapie sieht gesetzlich und qua Approbationsordnung die Lehre der vier anerkannten Psychotherapieverfahren vor – die Goethe Universität bietet als eine der wenigen Universitäten einen Studiengang Psychotherapie an, in dem mehrere Psychotherapieverfahren auf wissenschaftlichem Niveau vertreten sind.“

„Wir wollen unsere Stärken in der psychologisch-psychoanalytischen und psychotherapeutischen Forschung und Lehre sowie in der klinischen Versorgung weiter ausbauen, die Kooperation zwischen Goethe-Universität und Sigmund-Freud-Institut vertiefen und zugleich einen in der Frankfurter Tradition verwurzelten, aber hoch modernen Schwerpunkt im Bereich der psychoanalytisch und psychodynamisch ausgerichteten Psychotherapieforschung etablieren“, ergänzt Prof. Dr. Vera King, Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts. „So können wir dringend notwendige Impulse in der Psychotherapieforschung mit besonderen Schwerpunkten in der klinischen Psychoanalyse setzen und dieses Feld von Frankfurt aus führend wissenschaftlich mitgestalten. Wir sind dem Präsidenten der Goethe-Universität, Herrn Professor Schleiff, außerordentlich dankbar für sein herausragendes Engagement und bedanken uns sehr bei den Stiftungen für ihre großzügige Unterstützung.“ 

„Als hessischer Wissenschaftsminister freue ich mich sehr, dass es der Goethe-Universität gelungen ist, Stiftungsmittel für diese auch für das Sigmund-Freud-Institut ausgesprochen wichtige Professur einzuwerben“, ergänzt Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels. Das Sigmund-Freud-Institut ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung am Standort Frankfurt, die außerhalb der Bund-Länder-Förderungen nach Artikel 91 b GG vom Land Hessen unterstützt wird. „Durch die Zusammenarbeit mit dieser Professur kann das Sigmund-Freud-Institut nicht nur seine wissenschaftliche Interaktion mit der benachbarten Universität erhöhen, es kann auch noch besser an den stark mit dem Standort Frankfurt verknüpften Schwerpunkt der Psychoanalyse anknüpfen und damit seine wissenschaftliche Profilbildung signifikant stärken. Ich gratuliere herzlich zu diesem Erfolg und freue mich zudem, dass dadurch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen noch enger wird und so eine der zentralen Empfehlungen des Wissenschaftsrats, der das SFI im Jahr 2020 auf Wunsch meines Hauses begutachtet hatte, umgesetzt werden kann.“

Der Wissenschaftsrat hatte die Arbeit des Sigmund-Freud-Instituts 2020 im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sehr positiv evaluiert. Er würdigte insbesondere die Verbindungen von klinischer Psychoanalyse, Sozialpsychologie und kulturwissenschaftlichen Perspektiven, die das Programm des Instituts auszeichnen. Der Wissenschaftsrat empfahl dabei unter anderem, zur organisatorischen Stärkung des Instituts eine zusätzliche eng kooperierende Professur mit der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften neben der bestehenden Kooperation im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften einzurichten.

„Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, die Unterstützung der Stiftungen zu gewinnen“, ergänzt Präsident Schleiff. „Ich danke ganz herzlich der Dr. Elmar und Ellis Reiss Stiftung, dem Franz Adickes Stiftungsfonds, der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung und der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung für ihre Unterstützung meines Anliegens. Mit ihrer Hilfe kann ich auch meine Zusage an die Studierenden des Senats aus dem Jahr 2021 einlösen, die Professur für Psychoanalyse an der Goethe-Universität fortzusetzen. Das von den Stiftungen beigetragene Stiftungsvermögen von vier Millionen Euro bietet ganz bewusst die Option für Zustiftungen. Wir laden daher weitere potenzielle Geldgeber, die sich der Tradition der Psychoanalyse in Frankfurt verbunden sehen, gern ein, die Stiftungsprofessur zusätzlich zu unterstützen. Mein Dank gilt auch der Köhler-Stiftung, die sich mit 100.000 Euro an der Ausstattung der Professur beteiligt.“ 

Nach der Lichtenberg-Stiftungsprofessur für Molekulare Systemmedizin, der Stiftungsprofessur Digitale Transformation und Arbeit sowie der Gisela und Wilfried Eckhardt-Stiftungsprofessur für Experimentalphysik ist es bereits die vierte Gestiftete, also auf Dauer angelegte aus Stiftungserträgen finanzierte Professur an der Goethe-Universität. Für diese vier Professuren hat die Goethe-Universität in den vergangenen drei Jahren damit ein Stiftungsvolumen von mehr als 22 Millionen Euro eingeworben. „Gerade in Zeiten, in denen die staatliche Finanzierung für die Hochschulen angesichts der Haushaltsnöte in Bund und Ländern leider unsicherer wird, erarbeiten wir uns mit diesen Mitteln eigene Gestaltungsspielräume.“

Die Frankfurter Tradition der Psychoanalyse
Die Psychoanalyse hat an der Goethe-Universität, am Sigmund-Freud-Institut und in der Stadt Frankfurt eine besondere Tradition. Nach der Vertreibung der Psychoanalytiker*innen durch das nationalsozialistische Deutschland etablierte die hessische Landesregierung in den 1960er Jahren diese damals vorherrschende Schule in der Psychotherapie wieder, indem sie eine Professur für Alexander Mitscherlich, einem ihrer prominentesten Vertreter, an der Goethe-Universität einrichtete. Seither hatte die Psychoanalyse in Frankfurt neben der klinischen Psychologie immer auch gesellschaftspolitische Perspektiven im Blick. Gesetzliche Änderungen an der Ausbildung von Psychotherapeut*innen hatten zur Folge, dass die Ausgestaltung der Studieninhalte an die Approbationsordnung gebunden wurden und in der Konsequenz Professuren nicht für einzelne psychologische Verfahren – wie beispielsweise die Psychoanalyse – berufen wurden. Explizit mit Psychoanalytiker*innen besetzte Professuren an Universitäten gibt es aktuell nur noch an der Universität Kassel (ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Sigmund-Freud-Institut) und an spezialisierten privaten Universitäten.

Das Sigmund-Freud-Institut
Das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt, ein Forschungsinstitut für Psychoanalyse und ihre Anwendungen, wurde 1960 eröffnet. Die Hessische Stiftung Sigmund-Freud-Institut ist eine selbstständige Stiftung des öffentlichen Rechts; Mittelgeber ist das Land Hessen. Zentrale Aufgaben des Instituts sind Forschung sowie Förderung der Early Career Researcher mit Blick auf die wissenschaftliche Untersuchung von Psyche und Gesellschaft in den psychoanalytisch orientierten soziologisch-sozialpsychologischen, psychologischen und medizinischen Abteilungen der Einrichtung. Seit 2016 wird das Sigmund-Freud-Institut geleitet von Vera King als Geschäftsführender Direktorin im Rahmen einer Kooperationsprofessur für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt, Patrick Meurs als Direktor im Rahmen einer Kooperationsprofessur für Psychoanalyse an der Universität Kassel sowie Heinz Weiß, ehemaliger Chefarzt am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, als Leiter des medizinischen Schwerpunkts und der Ambulanz des Sigmund-Freud-Instituts.


Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 3 2025
10:48

Neue Studie von Professor Singelnstein und Professorin Groß startet im März

Befragung: Wer hat Erfahrung mit polizeilicher Diskriminierung und Rassismus?

Es ist immer wieder zu lesen und zu hören: Manche Menschen werden von der Polizei besonders häufig kontrolliert, klagen über respektlose oder beleidigende Umgangsformen – und beziehen dies auf ihre äußere Erscheinung oder sehen es als rassistische Diskriminierung. Eine wissenschaftliche Studie der Goethe-Universität und der Polizeiakademie Hamburg soll die Situation nun empirisch erhellen. Eine Befragung von Betroffenen läuft vom 3. März bis 3. April.

FRANKFURT. Eine repräsentative Befragung des Integrationsbarometers des Sachverständigenrates für Integration und Migration (SVR) hat zuletzt ergeben, dass als fremd wahrgenommene Befragte etwa doppelt so häufig von der Polizei kontrolliert werden wie solche, auf die dies nicht zutrifft. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der nicht-repräsentative Afrozensus. Nicht ohne Grund also werden Handlungsweisen von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten im öffentlichen Diskurs zunehmend diskutiert. „Über Rassismus und Diskriminierung in der polizeilichen Arbeit außerhalb von Personenkontrollen wissen wir aber viel zu wenig“, erklärt Professor Tobias Singelnstein, Kriminologe und Strafrechtler an der Goethe-Universität. Deshalb hat er gemeinsam mit Eva Groß, Professorin für Kriminologie und Soziologie an der Polizeiakademie Hamburg, eine Studie auf den Weg gebracht, die diese Erkenntnislücke füllen soll. Das auf drei Jahre angelegte Kooperationsprojekt „Rassismus und Diskriminierungserfahrung im Polizeikontakt“ (RaDiPol) wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit etwa 630.000 Euro gefördert, zehn Forschende sind beteiligt.

Vom 3. März bis 3. April 2025 läuft zunächst eine repräsentative Bevölkerungsbefragung. Im Rahmen einer Stichprobenziehung wurden aus den Einwohnermelderegistern von fünf deutschen Großstädten (Berlin, Frankfurt am Main, Dresden, Hamburg, München) per Zufall 100.000 Personen ausgewählt; sie erhalten nun im Befragungszeitraum einen Brief mit Link zu einem Online-Fragebogen. „Je höher die Rücklaufquote ist, desto präzisere Aussagen zur Problemlage können wir treffen“, betont Professorin Groß. Ergänzt wird die quantitative Bevölkerungsbefragung durch 60 qualitative Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Polizei und zivilgesellschaftlichen Gruppen. In diesen Interviews werden die verschiedenen Erfahrungen und Perspektiven erhoben. Professor Tobias Singelnstein, Co-Leiter der Studie, erläutert: „Es geht uns darum, die Ergebnisse aus der Bevölkerungsbefragung und die Einschätzungen von Polizistinnen und Polizisten zusammenzuführen, die im Vollzug oder bei kriminalpolizeilichen Ermittlungen staatliche Aufgaben übernehmen." Bislang wurden Betroffenenerfahrungen und polizeiliche Wahrnehmungen zumeist getrennt voneinander untersucht.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Tobias Singelnstein
Institut für Kriminalwissenschaft und Rechtsphilosophie
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-34348
E-Mail singelnstein@jur.uni-frankfurt.de
Homepage https://radipol.uni-frankfurt.de/

Prof. Dr. Eva Groß
Polizeiakademie Hamburg
Telefon 040 4286-24960
E-Mail Eva.Gross@poladium.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 3 2025
09:50

Goethe-Universität nutzt Bluesky als neuen Social-Media-Kanal für Neuigkeiten rund um die Themen Hochschule, Forschung, Wissenschaft, Nachwuchsförderung und Karrieremöglichkeiten.

Goethe-Universität erkundet neue Social-Media-Horizonte 

Die Goethe-Universität Frankfurt erweitert ihre digitale Präsenz und ist ab sofort auf der Social-Media-Plattform Bluesky aktiv. Nach dem Austritt aus X (ehemals Twitter) gemeinsam mit mehr als 60 weiteren Hochschulen im Januar setzt die Universität auf eine transparente, wissenschaftsfreundliche und dezentrale Alternative.

FRANKFURT. Die Goethe-Universität Frankfurt teilt ab sofort auf Bluesky aktuelle Nachrichten aus der Hochschule, Forschung, Wissenschaft, Nachwuchsförderung und Karriere. Die Universität hat sich für ihre zentrale Kommunikation für Bluesky entschieden, weil sie in der Plattform eine zukunftsorientierte Alternative zu X sieht, die in Wissenschaft und Forschung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Vorteile von Bluesky im Vergleich zu anderen Plattformen sind ausschlaggebend für diese Entscheidung:

  • Dezentrales Netzwerk: Bluesky bietet mehr Offenheit, Transparenz, Partizipation und eine gleichmäßigere Machtverteilung als zentral organisierte Netzwerke wie X.
  • Vertraute Benutzeroberfläche: Die Plattform bietet eine X-ähnliche Benutzeroberfläche, wodurch der Umstieg für Forschende, Studierende und Interessierte erleichtert wird.
  • Mehr Kontrolle für Nutzer*innen: 
    • Bluesky-Nutzer*innen können ihre Algorithmen anpassen und dadurch ihren Feed individuell gestalten; sie haben also mehr Kontrolle über die Inhalte, die Ihnen angezeigt werden.
    • Bluesky-Nutzer*innen können besser bestimmen, mit welchen Accounts sie in Interaktion treten möchten.
    • Datenschutz und Identitätskontrolle bleiben in den Händen der Bluesky-Nutzer*innen.
  • Offene Moderationssysteme und –regeln.
  • Offener Zugang: Seit Februar 2024 steht Bluesky allen Interessierten offen und zählt mittlerweile mehr als 30 Millionen Nutzer*innen (nach eigenen Angaben, Stand Januar 2025).
  • Zumindest derzeit ist Bluesky werbefrei, was eine authentische Kommunikation fördert.

Bereits im Januar hatte die Goethe-Universität gemeinsam mit mehr als 60 deutschsprachigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen die Entscheidung bekannt gegeben, die Aktivitäten auf X (ehemals Twitter) einzustellen. Inzwischen sind viele weitere hinzugekommen. Die Entscheidung für den Austritt aus X beruht auf der veränderten Plattformausrichtung, die zunehmend Fake News, Desinformation sowie problematische Kommunikationspraktiken begünstigt. Werte der Goethe-Universität wie Wissenschaftsfreiheit, Vielfalt, demokratischer Diskurs und ein faktenbasiertes Miteinander sind mit den Entwicklungen auf X nicht mehr vereinbar. Mit Wissenschaftsthemen ist zudem auf X keine nennenswerte Reichweite mehr zu erzielen.

Die zentrale Kommunikation der Goethe-Universität ist ab sofort auf Bluesky unter https://bsky.app/profile/goetheuni.bsky.social zu finden.

Fachbereiche, Einrichtungen und Mitglieder der Universität, die Bluesky als Alternative oder Ergänzung zu ihren Social-Media-Aktivitäten nutzen möchten, können sich bei Fragen an das Büro für PR und Kommunikation wenden. Die zentrale Kommunikation der Goethe-Universität nutzt außerdem weiter Instagram, Facebook, LinkedIn und YouTube.

Links zur Meldung:
Pressemitteilung „Hochschulen und Forschungsinstitutionen verlassen Plattform X“
Studie zur Plattform Bluesky der TU Darmstadt
Goethe-Universität Frankfurt bei Bluesky

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/168109593
Bildtext: Bluesky-Profil der Goethe-Universität Frankfurt


Redaktion: Nina Ittermann, Social Media Managerin | Online-Kommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12475, Ittermann@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 28 2025
10:06

Inklusionsforschung an der Goethe-Universität erhält erstklassiges Zeugnis

Wie eine Schule der Vielfalt gelingen kann

Seit 2020 hat die international ausgewiesene Inklusionsexpertin Prof. Vera Moser die „Kathrin und Stefan Quandt Stiftungsprofessur für Inklusionsforschung“ an der Goethe-Universität inne. Die ganz diesem Thema gewidmete Spitzenprofessur wird von der Unternehmerfamilie Quandt gefördert – allerdings wurde die Fortsetzung der auf insgesamt zehn Jahre angelegten Förderung an eine positive Evaluation der Professur nach fünf Jahren geknüpft. Nun ist die Stiftungsprofessur für Inklusionsforschung von einem externen Gremium begutachtet und äußerst positiv beurteilt worden.

FRANKFURT. Einstimmig und nachdrücklich sehr positiv – so lautet das Urteil im internationalen Fachgutachten zur Fortsetzung der Förderung der „Kathrin und Stefan Quandt-Stiftungsprofessur für Inklusionsforschung“, die Prof. Vera Moser seit 2020 innehat. Die drei Expert*innen der Universitäten Zürich, Graz und Stockholm attestieren der Professur herausragende Leistungen – sowohl auf den Gebieten Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung wie auch in der Zusammenarbeit innerhalb der Universität und der Außenwirkung ihres Fachs in die internationale Fachgemeinschaft.

Wie kann es gelingen, mehr Kinder mit Behinderungen an Regelschulen zu unterrichten? Die 2020 eingerichtete Stiftungsprofessur für Inklusionsforschung hat mit ihrem Team die Aufgabe, den notwendigen Umbauprozess in der schulischen Bildung zu einer Schule der Vielfalt wissenschaftlich zu begleiten und auch zur entsprechenden Ausbildung von Lehrkräften beizutragen. Diese Aufgaben habe Vera Moser, befinden die Gutachter*innen, auf besondere Weise in Angriff genommen. So sei sie in Bezug auf die Forschung außergewöhnlich produktiv im Vergleich zu anderen inklusions- und bildungswissenschaftlichen Professuren – wie etwa bislang vier bewilligte Drittmittelprojekte im Gesamtvolumen von über einer halben Million Euro bewiesen.

Vera Moser, so das Gutachten, habe zudem in der schulischen Inklusionsforschung neue Forschungsbefunde initiiert und in ihrem Fach für nationale und internationale Sichtbarkeit gesorgt. So forsche sie etwa in einem interdisziplinären und partizipatorischen Team zum Abbau von Barrieren in Schulen aus der Perspektive autistischer Schüler*innen; eine ihrer Mitarbeiter*innen, Dr. Anne Piezunka, arbeitet zum Thema „Seelische Gewalt“ seitens der Lehrkräfte. Im Auftrag der Stadt Frankfurt untersucht Vera Moser darüber hinaus, welche Gründe es gibt für den stetig anwachsenden Bedarf an Schulplätzen für Schüler*innen im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ‚Geistige Entwicklung'. Und gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Merle Hummrich initiierte sie an der Goethe-Universität die Forschungsinitiative [in:just], die sich mit Fragen von Inklusion, Gerechtigkeit und Anerkennungserfahrungen im Erziehungssystem befasst.

In Bezug auf die Lehre heben die Gutachter*innen Vera Mosers besondere Fähigkeit hervor, theoretische Ansätze mit praktischen Anwendungen zu verbinden – dies trage zu einem hohen Lernerfolg der Studierenden bei und qualifiziere den wissenschaftlichen Nachwuchs auf besondere Weise. Auch in der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an ein größeres Publikum und in der Politikkommunikation sei die Inklusionsforscherin außerordentlich aktiv; so war sie u.a. zu unterschiedlichen Themenstellungen eingeladenes Beratungsmitglied der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK).

Die Gutachter*innen empfehlen deshalb ausdrücklich eine Fortsetzung der Stiftungsprofessur über fünf Jahre. Das Stifterpaar, der Unternehmer Stefan Quandt und seine Frau Kathrin, hat daraufhin „gerne die Entscheidung getroffen“, heißt es in dem Zusageschreiben von Anfang Februar 2025, „die Förderung der Professur für die zweite Hälfte der Vertragslaufzeit (weitere fünf Jahre) fortzusetzen“.

Die Initiative für die Professur war vor fünf Jahren von der Unternehmerfamilie Quandt ausgegangen. Das Ehepaar hatte im eigenen Umfeld beobachtet, dass nach dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 beim Thema Inklusion die schulische Wirklichkeit auf den politischen Anspruch kaum vorbereitet war. Für die neue Professur hatte die Universität die international ausgewiesene Inklusionsexpertin Prof. Vera Moser von der Humboldt-Universität zu Berlin gewinnen können. Die Förderung der Stiftungsprofessur war auf zehn Jahre angelegt – mit dem Vorbehalt, dass die Arbeit der Stiftungsprofessur zur Halbzeit positiv beurteilt werde. 


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 24 2025
10:10

Deutschlandweite Befragung der Goethe-Universität arbeitet Unterschiede zwischen den Studiengängen heraus

Wie wichtig die Nachhaltigkeitsziele der UN in den Augen deutscher Studierender sind

An den Universitäten hierzulande bewerten Studierende die 17 einzelnen UN-Ziele für Nachhaltige Entwicklung zwar von Fach zu Fach unterschiedlich. Insgesamt gibt es aber eine durchgehend positive Grundhaltung. So das Ergebnis einer deutschlandweiten Online-Befragung der Goethe-Universität Frankfurt. Bei dieser wurde auch die persönliche Naturverbundenheit der Studierenden berücksichtigt. Die Studie liefert erste Anhaltspunkte, wie Universitäten das Thema Nachhaltigkeit in Zukunft stärker in das Studium integrieren könnten – zum Beispiel in Form eines fächerübergreifenden Austauschs.

FRANKFURT. Viele der Studierenden von heute werden zu den Entscheiderinnen und Entscheidern von morgen gehören, wenn sie wichtige Funktionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausüben. Damit nehmen sie auch großen Einfluss darauf, wie nachhaltig die Gesellschaft künftig agiert, ob sie den Klimawandel konsequent bekämpft oder die Natur ausreichend schützt. Doch welche Einstellungen haben die künftigen Entscheider zur Nachhaltigkeit? Wird ihr eine zentrale Rolle zugesprochen oder eher nicht? Eine deutschlandweite Studie der Goethe-Universität Frankfurt liefert dazu neue Erkenntnisse. Studierende aus 18 unterschiedlichen Fächern wurden nach ihrer Naturverbundenheit gefragt und für wie wichtig sie die 17 einzelnen Ziele der Vereinten Nationen (UN) für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) halten. Zu den SDGs gehören sauberes Wasser, keine Armut, kein Hunger, soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftswachstum.

„Wir haben uns drei Forschungsfragen gestellt“, erklärt Erstautorin Viktoria Feucht vom Fachbereich Didaktik der Biowissenschaften der Goethe-Universität: „Unterscheiden sich Studierende unterschiedlicher Studiengänge in ihrer Naturverbundenheit? Bewerten Studierende unterschiedlicher Studiengänge die einzelnen Nachhaltigkeitsziele unterschiedlich? Korrelieren Naturverbundenheit und die Bewertung der Wichtigkeit einzelner Ziele?“

Bei der ersten Frage, der Naturverbundenheit, stellte sich heraus: Thematisch naturnähere Studiengänge wie Geowissenschaften und Geoökologie, aber auch Architektur hatten die höchsten Werte, Fächer wie BWL, Chemie und Computerwissenschaft die niedrigsten. Im Mittelfeld lagen unter anderem menschenbezogenere Studiengänge, Soziologie und Theologie. „Eine interessante Frage wäre, was die Ursachen für diese unterschiedlichen Naturverbundenheitsgrade sind“, so Feucht. „Es könnte der Einfluss des Studienprogramms selbst sein. Oder die Studierenden wurden schon vor Beginn des Studiums in die eine oder andere Richtung geprägt, etwa durch Kindheitserlebnisse.“

Bei der Fragestellung 2, der Bewertung der UN-Nachhaltigkeitsziele, stand eine Skala von 1 bis 5 (unwichtig bis wichtig) zur Auswahl. Es zeigte sich, dass die einzelnen Ideen der SDGs in allen Fächern als wichtig eingestuft wurden, oft als sehr wichtig. Der niedrigste fächerspezifische Mittelwert lag bei 3,5, der höchste bei 4,9. Die Unterschiede von Fach zu Fach fielen innerhalb dieses Bereichs teils deutlich aus. So bekam das ökonomische Ziel 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) beim Fach BWL einen viel höheren Wert als bei Geoökologie. Geoökologie wiederum sowie Biologie wiesen dem Ziel 14 (Leben unter Wasser) viel größere Bedeutung zu als die Fächer Physik und Informatik. Ein übergreifender Trend war bei den Zielen 2 und 6 (Kein Hunger; Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen) erkennbar. Sie bekamen durchgehend sehr hohe Werte, 4,7 und mehr. Feucht deutet das so: „Nahrung und Trinkwasser gehören zu den absoluten Grundbedürfnissen, die Menschen zum Überleben brauchen. Das halten alle, unabhängig vom Fach, für sehr wichtig.“

In der dritten Forschungsfrage schließlich wurden die Mittelwerte der Naturverbundenheit und der SDG-Bewertungen miteinander in Verbindung gesetzt. „Die UN-Ziele umfassen ja auch die ökologische Dimension. Wir wollten sehen, ob sich die persönliche Naturbezogenheit in einigen der SDGs reflektiert.“ Dies war jedoch nur bei Ziel 15 (Leben an Land) der Fall. Die Übereinstimmung der Werte hier bedeutete: Je wichtiger ein Studiengang Ziel 15 findet, desto naturverbundener ist dieser – und umgekehrt. „Womit natürlich keine Kausalität bewiesen ist, nur ein Zusammenhang über die Korrelation.“

Was lässt sich aus den Umfrageergebnissen schlussfolgern? „Wir haben gezeigt, dass Studierende in Deutschland unabhängig vom Studienfach allen 17 Nachhaltigkeitszielen eine hohe bis sehr hohe Wichtigkeit zuordnen. Es gibt eine breite positive Grundeinstellung – und die sollten Universitäten nutzen, um Studierende aller Fachbereiche stärker in Nachhaltigkeit auszubilden.“ Zum Beispiel könnte die Übereinstimmung bei Naturverbundenheit und Ziel 15 ein Ansatz sein. Studienautor Dr. Matthias Kleespies meint: „Ausgehend von unseren Ergebnissen empfehlen wir einen reflexiven und naturnahen Bildungsansatz, denn andere Studien haben gezeigt, dass solche Maßnahmen die Verbindung zur Natur verbessern können.“ Sinnvoll sei auch, in Vorlesungen die fachspezifischen Themen verstärkt mit Nachhaltigkeitsaspekten zu verknüpfen. „Da die UN-Ziele universell sind, ergeben sich viele Berührungspunkte“, so Feucht. Auch in Fächern, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte bisher nicht im Vordergrund standen. Feucht nennt als Beispiel das Fach Chemie, das genau wie andere Fächer viel Potential habe, Veränderungen anzustoßen. Themen wie Abfallverwertung und Produktionsprozesse ließen sich gut mit Fragen der Nachhaltigkeit verbinden. "Wir sollten grundsätzlich kein Fach ausklammern. Nachhaltigkeit geht uns alle an, deshalb sollten auch alle Studiengänge das Thema intensiv behandeln.“

Inter- und Transdisziplinarität sei ein weiterer vielversprechender Ansatz. „Da jedes Fach anders funktioniert, kann ein Austausch zwischen den Studierenden unterschiedlicher Fächer helfen, das Verständnis für Nachhaltigkeit auf beiden Seiten zu erweitern. “ In dem Austausch fänden sich gemeinsame Nenner, aber auch gegensätzliche Haltungen. Was sogar gut sein könnte: Sind die heutigen Studierenden irgendwann einflussreiche Akteure in Politik oder Wirtschaft, müssen sie auch gemeinsam Entscheidungen treffen können – trotz konträrer Meinungen zu bestimmten Aspekten der Nachhaltigkeit.

Publikation: Viktoria Feucht, Paul Wilhelm Dierkes, Matthias Winfried Kleespies: Ranking our future: University students' prioritization of Sustainable Development Goals and their connection to nature. Sustainable Development (2024) https://doi.org/10.1002/sd.3278

Bild zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/167400832

Bildzeile: Natur während des Studiums erfahren: Studierende im Wissenschaftsgarten der Goethe-Universität.
Foto: Paul Dierkes

Weitere Informationen
Goethe Universität Frankfurt
Abteilung Didaktik der Biowissenschaften und Zootierbiologie

Prof. Dr. Paul W. Dierkes
Tel: +49 (0)69 798-42273
dierkes@bio.uni-frankfurt.de

Viktoria Feucht
Tel: +49 (0)69 798 42276
Feucht@bio.uni-frankfurt.de

Dr. Matthias W. Kleespies 
Tel. +49 (0)69 798 42276
kleespies@em.uni-frankfurt.de

Bluesky @goetheuni.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 21 2025
11:14

Schreibzentrum der Goethe-Universität lädt zur hybriden Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Der Einsatz von KI-Tools im wissenschaftlichen Arbeiten

FRANKFURT. „KI-Tools: Gewusst wie!“ – unter diesem Motto lädt das Schreibzentrum der Goethe-Universität

am Donnerstag, 6. März, 18 Uhr
(Ende Donnerstag, 6. März, Mitternacht)
ins Q1 des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften
(IG-Farben-Gebäude, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt)

zum fünfzehnten Mal zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ (LNDAH). Auch in diesem Jahr findet die Veranstaltung wieder in hybridem Format statt, mit Angeboten sowohl in Präsenz als auch digital. Die Studierenden haben die Wahl: Sie können bequem von zu Hause aus mitmachen oder sich auf dem Campus Westend von der gemeinschaftlichen Lernatmosphäre inspirieren lassen.

Das ursprünglich vom Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder ins Leben gerufene Event hat weltweit einen festen Platz im akademischen Kalender: den ersten Donnerstag im März. Dann kommen Studierende aus allen Fachbereichen und in allen Phasen des Studiums bis hin zur Doktorarbeit zusammen, um gemeinsam bis spät in die Nacht bei Kaffee und Snacks an ihren Hausarbeiten zu schreiben.

In diesem Jahr steht die Einbindung von KI-Tools ins wissenschaftliche Arbeiten im Mittelpunkt. KI-Tools können eine wertvolle Unterstützung beim Einstieg ins Schreiben, bei Organisation und Recherche oder beim Schreib- und Leseprozess sein – vorausgesetzt, man kennt auch ihre Grenzen. Die Lange Nacht will ein reflektiertes Bewusstsein für den Umgang mit KI stärken, das es ermöglicht, ihr Potential auszuschöpfen, ohne gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis zu verstoßen.

Das Programm beginnt mit einer Podiumsdiskussion zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit KI, gefolgt von einem KI-Labor, einem Workshop zu „Literaturrecherche mit KI“ des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften (BzG) und einem Workshop zum Thema „Fremdsprachliche Texte mit KI korrigieren“ des Internationalen Studien- und Sprachenzentrum (ISZ). Wie in jedem Jahr gibt es aber auch Workshops zu den verschiedenen Phasen des Schreibens und Lesens, um den eigenen Arbeitsprozess zu optimieren. Ergänzend dazu bietet das Zentrum für Schlüsselkompetenzen Workshops zu Zeitmanagement und Resilienz an, das Zentrum für Hochschulsport lädt zu Yoga und Pausenfit. Für fachnahe individuelle Beratung und Textfeedback sind den ganzen Abend über schreibdidaktisch ausgebildete Peer-Tutorinnen und -Tutoren der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften des Schreibzentrums anwesend; das Methodenzentrum bietet eine offene Online-Sprechstunde für empirische Arbeiten an.

Damit die Studierenden den frischen Schwung voll nutzen können, bietet das Schreibzentrum im Anschluss an die LNDAH eine Schreibwoche im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften. Beginn ist Montag, 10. März, 9 Uhr. 

Weitere Infos und Anmeldung: http://tinygu.de/SZSchreibevents.
Die Medien sind herzlich eingeladen, nach Voranmeldung (ar.wenz@em.uni-frankfurt.de, Kiegel-Keicher@em.uni-frankfurt.de) über die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ und die digitale Schreibwoche zu berichten.

Information:
Ruth Wenz 
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am [SchreibZENTRUM am Riedberg
Goethe-Universität Frankfurt 
ar.wenz@em.uni-frankfurt.de
https://tinygu.de/SZSchreibevents

PD Dr. Yvonne Kiegel-Keicher
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am [SchreibZENTRUM
Goethe-Universität Frankfurt
Kiegel-Keicher@em.uni-frankfurt.de
https://tinygu.de/SZSchreibevents


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 14 2025
12:58

Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität präsentiert Ergebnisse des Projekts „NAH sein – Nachbarschaftshilfe im Alltag und im Haushalt Älterer“

Damit Ältere in der gewohnten Umgebung bleiben, muss das Ehrenamt gestärkt werden

Möglichst lange zu Hause zu leben, das ist älteren Menschen besonders wichtig. Dabei unterstützen Nachbarschaftshilfevereine mit ihren Ehrenamtlichen, die nicht nur praktisch helfen, sondern auch einen wichtigen Beitrag gegen die Einsamkeit leisten. Ein Modellprojekt im Auftrag der hessischen Landesregierung hat die Bedarfe dieses Bereichs ermittelt. Nun soll ein eigens gegründeter Landesverband helfen, das anspruchsvolle Ehrenamt professioneller zu organisieren. Bei einer Veranstaltung an der Goethe-Universität wurden Modellprojekt und Landesverband vorgestellt.

FRANKFURT. Wie müssen Nachbarschaftshilfevereine organisiert sein, damit sie auch in Zukunft ihre wertvolle Arbeit erbringen können? Dies sollte im Rahmen des Modellprojekts „NAH sein – Nachbarschaftshilfe im Alltag und im Haushalt Älterer“ ermittelt werden, das am Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität angesiedelt war und vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege und den hessischen Pflegekassen finanziell unterstützt wurde. Das Ergebnis: Dringend notwendig ist eine Professionalisierung der Nachbarschaftshilfevereine, damit diese den Generationenwechsel bewerkstelligen können.

„Die hessischen Nachbarschaftshilfevereine leisten wertvolle Arbeit. Sie helfen dabei, soziale Teilhabe für ältere Menschen zu ermöglichen und dass diese länger in der vertrauten Umgebung daheim leben können. Deswegen haben wir die Arbeit der Nachbarschaftsvereine im Rahmen eines Modellprojekts unterstützt. Das Ergebnis dieses Projekts ist hilfreich für die weitere Arbeit der Vereine und hat aufgezeigt, wo diese ansetzen sollten. Beispielsweise im Bereich der jüngeren Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Diese Erkenntnisse können nun auch Basis sein, um neue Ehrenamtliche zu gewinnen und zu qualifizieren wie auch, die Vereine untereinander zu vernetzen. Ich freue mich, dass wir als Land unseren Teil beitragen konnten, damit die Vereine nun auf Augenhöhe miteinander die gewonnenen Erkenntnisse gewinnbringend in ihrer Arbeit einsetzen können“, betonte die hessische Familien- und Gesundheitsministerin Diana Stolz.

„Wenn sich die Nachbarschaftshilfevereine vernetzen, können sie voneinander lernen und professionelle Kompetenzen aufbauen. Wir vertrauen einander, und uns verbindet die Freude am ehrenamtlichen Engagement“, sagt Traugott Arens, Vorstandsvorsitzender der Nachbarschaftshilfe Bad Nauheim und Gründungsmitglied des Landesverbands, der mit seinem Verein am Modellvorhaben beteiligt war. In Anbindung an die Praxis würden, so Arens, die Herausforderungen am besten deutlich. Vernetzung und Professionalisierung übernimmt der Hessische Landesverband der Nachbarschaftshilfen, der eigens hierfür gegründet wurde – als bundesweit erster seiner Art. „Angesichts der steigenden Nachfrage bei einem schon heute zu geringen Angebot müssen wir die Vereine dringend beim Generationenwechsel unterstützen. Wenn die Vereine sterben, dauert es lange, um deren Unterstützungsangebote zu ersetzen“, ist Thomas Eymann, Vorstandsvorsitzender der Nachbarschaftshilfe Oberer Rheingau in Eltville und Gründungsmitglied des neuen Landesverbands überzeugt.

Bei der Abschlussveranstaltung zum Projekt „NAH sein – Nachbarschaftshilfe in Alltag und im Haushalt Älterer“ wurden die Ergebnisse öffentlich vorgestellt. Im Zentrum der Veranstaltung stand jedoch die Stabübergabe vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) und der Interval GmbH, die das Modellvorhaben bisher gesteuert haben, an den neu gegründeten Landesverband. Dieser wird nun bis 2027 die notwendigen Professionalisierungsangebote aufbauen. Die Gründungsmitglieder wünschen sich, dass der Aufbau dieser in der Bundesrepublik bisher einmaligen Struktur vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege und den hessischen Pflegekassen fachlich und finanziell unterstützt wird.

„Ein Meilenstein“ sei dies für die soziale Infrastruktur für Ältere, da sind sich Dr. Christa Larsen, Leiterin des IWAK, und Dr. Stefan Ekert, Geschäftsführer der Interval GmbH aus Berlin, einig. Dies werde auch den Zusammenhalt der Generationen vor Ort stärken und den Unterstützungsbedarf im Vorfeld der Pflege abmildern und damit auch die professionelle Pflege entlasten. „Wir sind stolz darauf, dass aus dem Modellvorhaben an der Goethe-Universität eine landesweite Struktur entstanden ist, die nicht nur Älteren helfen wird, sondern auch die stark beanspruchte jüngere Generation entlasten kann“, sagt Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität.

Weitere Informationen:
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK)
Goethe-Universität
Telefon 069 798-22152
E-Mail C.Larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 6 2025
13:35

Politikwissenschaftlerin Brigitte Geißel im neuen UniReport über Wahlmüdigkeit, Unzufriedenheit mit den Parteien und bürgernähere Demokratieverfahren.

Was darf man von der anstehenden Bundestagswahl erwarten?

FRANKFURT. Die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag wird als vorgezogene Neuwahl am 23. Februar stattfinden. Prof. Dr. Brigitte Geißel, Professorin mit dem Schwerpunkt Bundesrepublik Deutschland im europäischen Kontext an der Goethe-Universität und Leiterin der Forschungsstelle „Demokratische Innovationen“, schaut eher skeptisch auf den Ausgang der Wahl: „Das Ergebnis der Bundestagswahl, egal mit welcher Koalition, wird keine großen Glücksgefühle in der Bevölkerung hervorrufen, sondern bei der Mehrheit eher Unzufriedenheit.“ Ungefähr ein Viertel der Wahlberechtigten, so die Politikwissenschaftlerin, bleibe ohnehin der Wahlurne fern. Rechne man jene, die Parteien wählen, die gar nicht in den Bundestag kommen oder knapp an der 5-Prozent-Hürde scheitern, wäre potenziell fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler nicht im neuen Bundestag vertreten.

Geißel betont in der aktuellen Ausgabe des UniReport, dass eine stärkere Diskussion darüber, wie Demokratie ausgestaltet sein soll, geführt werden müsse. „Wenn wir hier auf Basis der Zufallsauswahl zu Bürgerräten einladen, sind wir froh, wenn fünf Prozent der Ausgewählten teilnehmen. Es scheint die meisten Menschen einfach nicht zu interessieren.

Zum Vergleich ist in der Schweiz der Anteil der Personen, die an Bürgerräten teilnehmen, deutlich höher. Und das, obwohl die Menschen dort über die Direktdemokratie ohnehin schon über viel mehr Mitbestimmung verfügen.“ Brigitte Geißel wünscht sich auch für Deutschland, dass man sich wieder stärker mit der Demokratie identifiziere. Die Demokratie werde von vielen als etwas wahrgenommen, was nicht so viel mit ihnen selber zu tun habe. 

Weitere Themen im neuen UniReport:

Aktuelles 

  • „How research-intensive Universities strengthen societies“: ein Bericht über eine bi-nationale Tagung der U15 Deutschlands und Kanadas von Enrico Schleiff, Katharina Meyer und Johannes Müller. 
  • Ein offener Ausstellungsraum für die Universität: Das Schopenhauer-Studio in der Universitätsbibliothek.


Forschung 

  • Goethe, Deine Forscher: Porträt der Informatikerin Haya Schulmann.  
  • Erster Quantencomputer Hessens an der Goethe-Universität: „Baby Diamond“ wurde Mitte Dezember in Betrieb genommen.
  • „Wolkenmaschine“ Regenwald: Vom Wald im Amazonas-Gebiet ausgedünstetes Isopren trägt zur Wolkenbildung bei. 
  • „Kritische Zeitdiagnostik“ und „gesellschaftliche Selbstaufklärung“: Das soziologische „Glossar der Gegenwart“ ist mit neuen und überarbeiteten Einträgen erschienen.
  • Die Frankfurter Silberinschrift: Interviews mit Markus Scholz und Hartmut Leppin. 
  • In Archiven verschollen: Das Projekt „Lost in Archives“ möchte innovative Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts archivarisch erschließen und sichtbarer machen.
  • Warum funktioniert der Physikunterricht teils schlecht? Der mehrfach ausgezeichnete Physikdidaktiker Thomas Wilhelm erforscht, warum.  


Studium, Lehre und Qualifikation 

  • #GoetheDataDive/Zahl des Monats Februar: 87 Prozent der Befragten würden die Goethe-Universität für ein Studium weiterempfehlen.
  • Wie wäre es mal mit einem Praktikum in Frankreich? Noel B. Berhane ist als Juniorbotschafter des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) in Hessen unterwegs.


Campus 

  • Kamera und Scanner statt Zeichnung und Gipsabguss: Studierende der Archäologie tauchen praxisnah ein in die Welt der 3D-Digitalisierung. 
  • Erinnerungskultur aus transnationaler Perspektive: Studierende und Dozierende
  • der Erziehungswissenschaften auf Exkursion zum Staatlichen Museum Auschwitz.
  • Theoretische Forschung mit Erfolg: FIAS feierte 20-jähriges Jubiläum. 
  • Innovationsschub an der Goethe-Universität: CARMA FUND investiert in mRNA-Therapie gegen Eierstockkrebs. 
  • „Live Long and Prosper“: ein Lehrforschungs-Projekt des Kunstgeschichtlichen Instituts zum Thema „längeres Leben“.


International

  • Demokratieforschung in Zeiten von Krisen: zwei neue Fellows am Forschungskolleg Humanwissenschaften.


Kultur  

  • Dänen siezen nicht: Im Rahmen eines Tandemprojektes haben dänische Germanistik-Studierende deutsche Dänisch-Studierende in Frankfurt besucht.
  • Visionäre Perspektiven mit „Fixing Futures“: neue Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität.


Bibliothek

  • „Beyers Bücherschatz. Vom Sammeln und Stiften vor Senckenberg“: Ausstellung zum 400-jährigen Jubiläum der Bücherstiftung


Nachrufe

  • Prof. Dr. Jürgen Feierabend
  • Prof. Dr. Bernd Nothofer


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Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 6 2025
11:52

Neuartige Simulation von Gravitationswellen gibt Aufschluss über die Zusammensetzung von Neutronensternen

Stimmgabeln im All: Wie reine „Töne“ das Innere von Neutronensternen enthüllen können

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt haben eine neue Methode entwickelt, um das Innere von Neutronensternen mithilfe von bei Kollisionen entstehenden Gravitationswellen zu untersuchen. Durch die Analyse der „langen Abklingphase“ – eines reinen Signals, das vom Überrest der Neutronenstern-Kollision ausgesendet wird – haben sie eine starke Korrelation zwischen den Eigenschaften dieses Signals und der Zustandsgleichung von Neutronensternmaterie entdeckt. Die Ergebnisse wurden kürzlich in Nature Communications veröffentlicht.

FRANKFURT. Neutronensterne gehören aufgrund ihrer riesigen Masse und zugleich geringen Größe zu den faszinierendsten astrophysikalischen Objekten, die wir kennen. Doch aufgrund der extremen Bedingungen in ihrem Inneren sind ihre Zusammensetzung und Struktur weitgehend unbekannt. Die Kollision zweier Neutronensterne, wie sie 2017 beobachtet wurde, bietet eine einzigartige Gelegenheit, dieses Rätsel zu entschlüsseln. Während sich Neutronensterne in Binärsystemen über Millionen von Jahren spiralförmig annähern, senden sie Gravitationswellen aus. Doch die intensivste Strahlung tritt während und in den ersten Millisekunden nach ihrer Verschmelzung auf. Das dabei entstehende Objekt – ein massereiches, schnell rotierendes Gebilde – verursacht Gravitationswellen in einem starken, aber schmalen Frequenzbereich. Dieses Signal enthält entscheidende Informationen über die sogenannte Zustandsgleichung der Kernmaterie, die beschreibt, wie sich Materie bei extremer Dichte und Druck verhält.

Die Forschungsgruppe von Prof. Luciano Rezzolla an der Goethe-Universität Frankfurt hat nun entdeckt, dass die Amplitude des Gravitationswellensignals nach der Verschmelzung zwar mit der Zeit abnimmt, es aber gleichzeitig immer reiner wird – das heißt, es tendiert immer stärker zu einer einzigen Frequenz, ähnlich wie eine riesige Stimmgabel, die nach einem Schlag nachklingt. Diese Phase haben sie als „langes Abklingen“ (long ringdown) bezeichnet und eine enge Verbindung zwischen ihrer Eigenschaften und den dichtesten Regionen in Neutronensternkernen identifiziert.

„Genauso wie Stimmgabeln aus verschiedenen Materialien unterschiedliche Töne erzeugen, klingen auch Überreste von Kollisionen, die durch verschiedene Zustandsgleichungen beschrieben werden, bei unterschiedlichen Frequenzen ab. Die Entdeckung dieses Signals hat das Potenzial die inneren Bestandteile von Neutronensternen zu enthüllen“, erklärt Rezzolla, „Ich bin besonders stolz auf diese Arbeit, da sie ein herausragendes Beispiel für die Exzellenz der Frankfurter und Darmstädter Wissenschaftler*innen in der Erforschung von Neutronensternen darstellt – einem zentralen Fokus des hessischen Clusterprojekt ELEMENTS.“

Mithilfe von Simulationen, die die Gesetze der Allgemeinen Relativitätstheorie berücksichtigen, konnten die Forscher zeigen, dass die Analyse des „langen Abklingens“ hilft, Unsicherheiten bei der Beschreibung von Materie unter extrem hohen Dichten zu verringern – einem Bereich, für den es bislang keine direkten Messungen gibt. „Dank Fortschritten in der statistischen Modellierung und hochpräzisen Simulationen auf Deutschlands leistungsfähigsten Supercomputern haben wir eine neue Phase des langen Abklingens in Neutronenstern-Kollisionen entdeckt“, erklärt Dr. Christian Ecker, Erstautor der Studie, „Diese Entdeckung hat das Potenzial, neue und präzise Einschränkungen für den Zustand der Materie in Neutronensternen zu liefern. Sie ebnet den Weg für ein besseres Verständnis dichter Neutronensternmaterie, insbesondere, wenn zukünftig neue Ereignisse beobachtet werden.“

Co-Autor Dr. Tyler Gorda ergänzt: „Indem wir gezielt einige wenige Zustandsgleichungen ausgewählt haben, konnten wir die Vielfalt möglicher Materiemodelle mit deutlich weniger Aufwand nachbilden. Dies spart nicht nur Rechenzeit und Energie, sondern gibt uns auch die Sicherheit, dass unsere Ergebnisse zuverlässig sind und unabhängig davon gelten, welche Zustandsgleichung in der Natur tatsächlich vorkommt.“

Obwohl Gravitationswellendetektoren das Signal nach der Verschmelzung aktuell noch nicht gemessen haben, sind die Wissenschaftler optimistisch. Mit dem in Europa geplanten Einstein-Teleskop, das in den nächsten zehn Jahren in Betrieb gehen soll, könnte das „lange Abklingen“ klar gemessen werden. Sobald dies geschieht, wird es ein leistungsstarkes Werkzeug sein, um die rätselhaften inneren Strukturen von Neutronensternen zu erforschen und die Geheimnisse der Materie unter extremsten Bedingungen zu entschlüsseln.


Publikation: Christian Ecker, Tyler Gorda, Aleksi Kurkela & Luciano Rezzolla: Constraining the equation of state in neutron-star cores via the long-ringdown signal. Nature Communications (2025)
https://doi.org/10.1038/s41467-025-56500-x

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/166591276

Bildtext: Das von zwei verschmelzenden Neutronensternen ausgesandte Signal ähnelt dem einer Stimmgabel (Bild: L. Rezzolla/pixabay).

Weitere Informationen
Dr. Christian Ecker
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
069/798-47886
ecker@itp.uni-frankfurt.de 
https://tinygu.de/1mxBS


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de