​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
presse@uni-frankfurt.de

www.uni-frankfurt.de/de/presse


 

Jul 18 2025
10:38

Ausstellung und Ferienprogramm zum 220. Geburts- und 150. Todestag des dänischen Dichters - Studierende der Goethe-Universität entwickeln interaktives Ausstellungskonzept 

Märchenhaft: Hans Christian Andersen im Struwwelpeter-Museum

FRANKFURT. „Das wunderbarste Märchen ist das Leben selbst“, schreibt der dänische Dichter Hans Christian Andersen über sein Leben. Vielen ist er als Verfasser von Die kleine Meerfrau oder Die Schneekönigin bekannt. Aber was macht Andersen so besonders, dass wir ihn heute noch kennen und sein Werk gern lesen?

Das Leben und Schaffen des Hans Christian Andersen ist nun anlässlich seines 220. Geburts- und 150. Todestags Thema der

Ausstellung „Der unbekannte Bekannte“, 
am 24. Juli, 18 Uhr,
im Struwwelpeter Museum,
Hinter dem Lämmchen 2-4,
60311 Frankfurt am Main.

Die Ausstellung für Kinder und Erwachsene wird bis zum 30. November zu sehen sein. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis 18:00 geöffnet.

Die Ausstellung begleitet ein Ferienprogramm an den Donnerstagen, 31. Juli und 14. August 2025, jeweils um 15 Uhr. Das Ferienprogramm „Märchenhaftes Scherengeklapper“ stellt Andersen auch als begabten Scherenschnittkünstler in den Mittelpunkt: Mit Papier und Schere geht es nach dem Ausstellungsrundgang selbst ans Werk. Eine Anmeldung wird erbeten unter info@struwwelpeter-museum.de.

Das Konzept der Ausstellung haben Studierende der Kinder- und Jugendliteraturforschung, der Skandinavistik sowie der Germanistik in dem Seminar „Andersen ausstellen“ in Kooperation mit dem Struwwelpeter Museum entwickelt. Geleitet wurde das interdisziplinäre Gemeinschaftsprojekt an der Goethe-Universität von der Skandinavistin Prof. Frederike Felcht und Dr. Astrid Henning-Mohr, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung. Co-Kuratorin ist die Leiterin des Struwwelpeter Museums, Beate Zekorn-von Bebenburg.

Wie kommt es, dass in Andersens Märchen so freche Kinder auftreten? Was ist eigentlich ein Kunstmärchen? Welche Motive finden sich in den Märchen von Andersen wieder? Was hat es mit den Schwefelhölzern auf sich? Wieso spielt Spielzeug in einigen Märchen eine Hauptrolle? Und inwiefern können Andersens Kunstmärchen wie etwa Der standhafte Zinnsoldat oder Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern neu gelesen werden? Kreativ-spielerisch und interaktiv werden diese und andere Themen von Andersens Märchenwelt in der Ausstellung in Szene gesetzt. An einer Collagenstation können die Schauenden zum Beispiel selbst gestaltend tätig werden, am Glücksrad ein Märchen gewinnen, eine Magnettafel lädt zum Rätseln ein und eine Verkleidungsecke dazu, das Motiv der Verwandlung bei Andersen zu erkunden.

Verortet sind Andersens Märchenwelt, seine Figuren und Werke im literarischen Raum des Kinderzimmers, in dem die meisten Besucher*innen wohl zum ersten Mal mit Andersens Werk in Berührung gekommen sind. Beim Eintauchen in die Märchenwelt unterstützt auch die häusliche Atmosphäre des Struwwelpeter Museums mit seinen Dachschrägen.

Gefördert wird die Ausstellung von der Georg und Franziska Speyer'schen Hochschulstiftung und den Freunden und Förderern der Goethe-Universität.

Bildlink: https://www.uni-frankfurt.de/176100209

Bildtext:
Original-Scherenschnitt, von Andersen auf 1848 datiert (Bildnachweis: Det Kgl. Bibliothek)
Porträt von Hans Christian Andersen; das Foto wurde 1865 vom Amateurfotografen Henrik Christian Georg Tileman aufgenommen.   (Bildnachweis: Det Kgl. Bibliothek)

sowie 
Flyer und Plakat zur Ausstellung 

Weitere Informationen
Prof. Dr. Frederike Felcht 
Institut für Skandinavistik
Goethe-Universität
felcht@em.uni-frankfurt.de

Dr. Astrid Henning-Mohr
Institut für Jugendbuchforschung
Goethe-Universität
henning-mohr@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 17 2025
14:38

Hochschulleitungen unterzeichnen mutlosen Pakt, um handlungsfähig zu bleiben.

Hessischer Hochschulpakt schwächt Wirtschaft und Gesellschaft

FRANKFURT. Am heutigen Donnerstag, 17. Juli 2025, haben die Leitungen der Hessischen Hochschulen und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur den Hessischen Hochschulpakt für die Jahre 2026 bis 2031 unterzeichnet. Der Hochschulpakt regelt die Landesfinanzierung der Hochschulen in Hessen für den vorgenannten Zeitraum. Angesichts der hinter den Prognosen zurückbleibenden Steuereinnahmen werden den Hochschulen massive strukturelle Kürzungen auferlegt – die Landesregierung hat diesen politischen Rahmen vorgegeben.

Die Finanzierung der Hochschulen wird in Hessen seit 2002 in Form eines „Hochschulpakts“ geregelt, den Land und Hochschulen aushandeln. Die Mittel des Paktes umfassen ein sogenanntes Sockel- und ein Erfolgsbudget. Die Zuweisung der Mittel im Sockelbudget (der Großteil der Mittel) erfolgt auf Grundlage von Studierendenzahlen der hessischen Hochschulen aus dem Jahr 2020. Zuweisungen im Erfolgsbudget orientieren sich an der Zielerreichung der einzelnen Hochschulen bei Parametern aus den Bereichen Forschung, Lehre, Gender und Internationalisierung.

Wesentliche Eckpunkte des Paktes umfassen Folgendes: eine Absenkung des Budgets der Hochschulen 2026 um 30 Millionen Euro, eine Neuregelung der Erfolgsparameter, keine umfängliche Finanzierung der Tarifsteigerungen aus dem Jahr 2025 sowie nur eine begrenzte Kompensation der Tarifsteigerung in 2026. In 2027 und den folgenden Jahren zu erwartende Personalkostensteigerungen werden im Rahmen des Paktes durch das Land Hessen bis zu einer Steigerung von 2,5 Prozent und jenseits von vier Prozent im jeweiligen Folgejahr kompensiert; bei den Hochschulen verbleibt somit ggf. ein Eigenanteil. Inflationsbedingte Steigerungen von Sachkosten werden nicht kompensiert.

Die nun abgeschlossene Vereinbarung bedeutet einen immensen Druck zu strukturellen Veränderungen für die Hessischen Hochschulen. Hierbei werden durch die Neuregelung des Erfolgsparameters nicht alle Hochschulen in gleicher Weise belastet. Die Hochschulen starten bereits mit einem Defizit in die Laufzeit des Paktes. Bisherige Steigerungen im Hochschulbudget wurden durch massive Steigerungen von Bau- und Energiekosten sowie die Finanzierung weiterer Aufgaben vollständig aufgebraucht. Durch zu erwartende weitere Kostensteigerungen von Tarifen und Inflation wird sich das Defizit der Hochschulen in den nächsten sechs Jahren weiter akkumulieren. Die Hessischen Hochschulen rechnen mit einem Defizit in den Budgets von etwa einer Milliarde Euro – was zehn Prozent des Personalbudgets entspricht. Das bedeutet, dass die Hochschulen über die Dauer der Paktlaufzeit schrumpfen müssen.

Vor diesem Hintergrund werden Anpassungen und strukturelle Veränderungen erforderlich sein – verbunden mit der Herausforderung, sie im Dialog mit Fachbereichen und Gremien verantwortungsvoll zu gestalten.

Die Präsident:innen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, der Frankfurt University of Applied Sciences sowie der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK) erklärten zum Ergebnis der Verhandlungen: „Um die drängenden globalen Veränderungsaufgaben anzugehen und die notwendige Modernisierung unseres Landes voranzubringen, braucht es qualifizierte Fachkräfte und Innovationen. Studierende sind diese Expert:innen für unsere Zukunft. Sie gut zu qualifizieren und eine starke und breite Fachkräftebasis für Wirtschaft und Gesellschaft zu sichern, muss unser prioritäres Ziel sein. Angesichts der Bedeutung von Forschung, Lehre und Kunst für Wirtschaft und Gesellschaft stößt die Dimension der Einsparungen von über zehn Prozent auf ein breites Unverständnis. Eigentlich will die Landesregierung wirtschaftlich durchstarten: Aber wo sollen all die klugen und kreativen Köpfe herkommen, die man dafür benötigt, wenn nicht von den hessischen Hochschulen? Der angekündigte Schrumpfungsprozess wird direkte Konsequenzen für die gesamte Spanne der Fachdisziplinen von Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften über die Natur- und Ingenieurswissenschaften bis zu Lebenswissenschaften und Medizin haben. Fachkräftesicherung sieht anders aus. Wir sind zudem sehr enttäuscht, dass die Entwicklung der Zahl der Studierenden für die Verteilung des Sockelbudgets im aktuellen Hochschulpakt keine adäquate Berücksichtigung gefunden hat. Durch den nun genutzten Verteilungsschlüssel werden diejenigen Hochschulen, die die Zahl der Studierenden in den letzten fünf Jahren vereinbarungsgemäß nahezu gehalten haben, schlechter gestellt als jene, die weniger Studierende aufgenommen haben. So wird es in den kommenden Jahren nur darum gehen können, die Leistungseinschränkungen zu begrenzen ‒ und das in einer Zeit, in der Fachkräfte und Innovationen für einen wirtschaftlichen Aufschwung Hessens mehr denn je von Nöten sind.“

Professor Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, ergänzt: „Wir sind uns als Hochschulleitungen bewusst, dass auch Hochschulen einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten müssen. Der Pakt, der neue Bedingungen ohne Übergangsphase und ohne Berücksichtigung der Leistungen im vorherigen Pakt einführt, zwingt uns jedoch kurzfristig zur ‚Vollbremsung', um sinnvolle Veränderungen unter Berücksichtigung unseres Hochschulentwicklungsplans überhaupt planen zu können, um auch weiterhin attraktiv und leistungsfähig zu bleiben. Zudem schränkt der Pakt den Spielraum zur strategischen Umgestaltung stark ein, denn eine Absenkung der Studierendenzahl würde zu einem weiteren Verlust von Mitteln führen, da diese Zahl als Parameter bei der Finanzierung berücksichtigt wird.“

Professor Kai-Oliver Schocke, Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences, führt aus: „Die Nachfrage nach unseren Studiengängen war und ist hervorragend ‒ wir haben in den letzten Jahren gegen den Trend in Hessen die Zahl unserer Studierenden halten können. Das Studienplatzangebot werden wir nun deutlich reduzieren müssen. Unsere gesamte Energie konzentrieren wir jetzt darauf, den schmerzhaften Transformationsprozess der Hochschule bestmöglich zu gestalten und unverändert eine attraktive Hochschule zu bleiben.“ 

Prof. Elmar Fulda, Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, sagt: „Die Zustimmung zu diesem Hochschulpakt ist uns im Präsidium nicht leichtgefallen. Konkret für die HfMDK bedeutet das ab 2026: Personal- und Sachkosten müssen reduziert werden, Stellen werden verzögert oder nicht nachbesetzt, Leistungen in Kunst, Forschung, Lehre und Verwaltung eingeschränkt. Auch wir werten den Hochschulpakt nicht als vorübergehenden „Betriebsunfall“, sondern als langfristige Veränderung und dauerhaften Nachteil im Wettbewerb um die besten Talente. Deshalb müssen wir gut überlegen, wie wir uns als Hessens einzige Hochschule für Musik, Tanz, Theater und ihre Wissenschaften in den nächsten Jahren positionieren, was wir zukünftig weglassen und vor allem was unser Kerngeschäft ist.“

Professorin Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt, resümiert: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir in den Gesprächen zwischen Land und Hochschulen mehr Zeit in den Austausch und die Abwägung von Argumenten investiert hätten. Gerade unter schwierigen Rahmenbedingungen brauchen Verhandlungen Räume und Zeit, in denen dies möglich ist. Die sehr guten Entwicklungen der TU Darmstadt in Forschung, Lehre, Ausgründung und Wissenschaftskommunikation sind durch die Kürzungen bedroht. Im Dialog mit den Mitgliedern und Einrichtungen unserer Universität gestalten wir den Prozess verantwortungsvoll.“ 


Pressemeldung des HMWK zum Hochschulpakt 2026–2031:
https://wissenschaft.hessen.de/presse/hochschulpakt-2026-2031-unterzeichnet-planungssicherheit-in-finanziell-herausfordernden-zeiten


Erklärung zum Hessischen Hochschulpakt 2026-2031

Die Hochschulpräsidentinnen und Hochschulpräsidenten der 14 Hochschulen haben den Hessischen Hochschulpakt 2026-2031 heute unterzeichnet. Wir möchten jedoch betonen, dass unsere grundsätzliche Kritik, die wir bereits in den Verhandlungen geäußert haben, weiterhin besteht. Daher geben wir die folgende Erklärung zu Protokoll:

Wir gehen davon aus, dass die Regelungen des Hochschulpakts 2026-2031 die finanzielle Grundsicherung und Entwicklungsfähigkeit unserer Hochschulen gefährden. Aus diesem Grund sprechen wir uns gegen die vorgesehenen finanziellen Kürzungen und den strukturellen Abbau des hessischen Hochschulsektors aus.   

Positiv bewerten wir, dass das Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur konsequent Einzelprogramme in seinem Einflussbereich in ein neues Sockelbudget überführt hat, was einen deutlichen Bürokratieabbau und mehr Flexibilität ermöglicht.

Wir unterzeichnen den Hochschulpakt, um im Rahmen unserer Gesamtverantwortung als Präsidien planbare Mindestressourcen zu sichern.

Damit gewährleisten wir, dass die Aufgaben und Herausforderungen in Forschung, Lehre, Kunst und Transfer – trotz der tiefgreifenden Einschnitte – so gut wie unter diesen Umständen möglich bewältigt werden können.

Wir unterzeichnen den Pakt insbesondere im Vertrauen auf die zugesagte Verhandlungsaufnahme im Falle eines wirtschaftlichen Aufschwungs. Wir erwarten, dass im Zuge einer Erhöhung der dem HMWK zugewiesenen Mittel eine adäquate Partizipation der Hochschulen zeitnah erfolgt.


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Jul 15 2025
13:59

„Umkämpftes Vermächtnis: Die ‚Declaration of Independence‘ als lebendige Tradition“: Neue Reihe am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität beginnt mit einem Vortrag von Christian Lammert

250 Jahre Streben nach Freiheit und Gleichheit in Amerika

BAD HOMBURG. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 gilt als Gründungsdokument der ersten modernen Demokratie. Sie rechtfertigte die Lossagung vom britischen König und die Gründung einer neuen, unabhängigen Nation damit, dass Gleichheit, Freiheit und Selbstbestimmung zu den unveräußerlichen Rechten der Menschen zählen – Rechte, die wenige Jahre später in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika einen politischen und rechtlichen Rahmen erhielten.

Im Jahr 2026 jährt sich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zum 250. Mal. Das John McCloy Transatlantic Forum des Forschungskollegs Humanwissenschaften, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte nehmen dies zum Anlass, um sich – gerade auch vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Entwicklungen in den USA – in einer interdisziplinären Vortragsreihe mit der Wirkungsgeschichte und der Aktualität der „Declaration of Independence“ zu befassen.

Zum Auftakt spricht der Politikwissenschaftler Prof. Christian Lammert von der Freien Universität Berlin. In seinem Vortrag „Die ‚Declaration of Independenceʾ und das Ringen um Gleichheit: Von 1776 bis zur Gegenwart“ zeichnet er nach, wie das Gleichheitsversprechen der Unabhängigkeitserklärung im Laufe von 250 Jahren immer wieder neu ausgehandelt, erweitert und zugleich begrenzt wurde – von den Revolutionen des 18. Jahrhunderts über die Expansion der US-Demokratie, die Bürgerrechtsbewegung bis hin zu aktuellen Krisenphänomenen wie Populismus und wachsender sozialer Ungleichheit unter Donald Trump.

Zum Vortrag von Prof. Lammert laden die Veranstalter sehr herzlich ein. Er findet

am Montag, 21. Juli, um 19 Uhr
in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4
in Bad Homburg

statt. In den Abend und die Reihe einführen wird der Direktor des Forschungskollegs Prof. Matthias Lutz-Bachmann. 

Christian Lammert ist Professor für Politikwissenschaft am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. 2022 veröffentlichte er gemeinsam mit Boris Vormann im Campus Verlag die Studie Das Versprechen der Gleichheit. Legitimation und die Grenzen der Demokratie. Zudem ist er Mitglied im Kuratorium des John McCloy Transatlantic Forums.

Die Reihe „Umkämpftes Vermächtnis. Die ‚Declaration of Independence' als lebendige Tradition, 1776 – 2026“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften lädt bis zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung zu insgesamt sieben Veranstaltungen ein: 


21. Juli 2025                 Prof. Christian Lammert (Politikwissenschaft, Freie Universität Berlin)
24. Sept. 2025             Dr. Kai-Michael Sprenger (Geschichte, Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, Frankfurt a. M.)
19. Nov. 2025              Prof. Karen Feldman (Philosophie / Germanistik, University of California, Berkeley und American Academy in Berlin)
21. Januar 2026          Prof. Heike Paul (Amerikanistik, Universität Erlangen-Nürnberg)
7. Mai 2025                   Frank Kelleter (Amerikanistik, Freie Universität Berlin)
27. Mai 2026                Bundesverfassungsrichter a.D. Prof. Dieter Grimm (Rechtswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin)
2. Juli 2026                   Abschließende Podiumsdiskussion mit Prof. Till van Rahden (Geschichte, Université de Montréal), Prof. Shalini Randeria (Sozialanthropologie, Central European University, Wien) et al.

Anmeldung 
Zur besseren Disposition bitten wir um vorherige Anmeldung für die Veranstaltung am 21. Juli unter 
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Information:
Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität 
Telefon 06172 13977-15
E-Mail b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Facebook / YouTube @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 14 2025
14:55

22. Ausgabe mit Vorlesungen aus Paläontologie, Archäologie, Zahnmedizin und Kunstgeschichte

Frankfurter Kinder-Uni: Größter Hörsaal öffnet für die jüngsten Studierenden

FRANKFURT. Noch zwei Monate, dann öffnet sich wieder der größte Hörsaal der Goethe-Universität für das jüngste Auditorium des Jahres: Die 22. Frankfurter Kinder-Uni findet 

von Montag, 15. September, bis Donnerstag, 18. September 2025
im Audimax am Campus Westend
jeweils 16 Uhr


statt. Die jeweils zwei Vorlesungen am Vormittag sind für angemeldete Schulklassen reserviert (Näheres unter www.kinderuni.uni-frankfurt.de), nachmittags ist der Besuch ohne Anmeldung möglich. Die Kinder-Uni richtet sich an Acht- bis Zwölfjährige, Klassenstufe drei bis sechs. Für diese besondere Zielgruppe bereiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität eine spannende und altersgerechte Vorlesung vor, die Raum zum Mitmachen und Fragen lässt. In diesem Jahr hat das Organisationsteam der Frankfurter Kinder-Uni Themen aus den Fächern Paläontologie, Archäologie, Zahnmedizin und Kunstgeschichte zusammengestellt: Es geht es um fossile Funde aus der Grube Messel (Montag), um römische Münzen und die Geschichten, die sie erzählen (Dienstag), um Zahnersatz mittels 3D-Drucker (Mittwoch) und um die Eroberung Englands durch die Normannen, wie sie der Teppich von Bayeux bildhaft erzählt (Donnerstag).

Das Programm

Montag, 15. September 2025, 16 Uhr (ohne Anmeldung)
Unter dem Titel „Urzeit-Riesenschlange auf Beutefang“ blicken Dr. Renate Rabenstein und Dr. Krister Smith aus der Paläontologie 47 Millionen Jahre zurück. Damals wurde ein See zur Falle für viele Tiere. Heute finden Forscherinnen und Forscher in der Grube Messel nahe Darmstadt Spuren dieser Tiere im Gestein. Diese Fossilien kann man mit einem Röntgengerät untersuchen – und Erstaunliches herausfinden, etwa über den Speiseplan von Würgeschlangen.

Dienstag, 16. September 2025, 16 Uhr (ohne Anmeldung)
„Der Kaiser in der Spardose“ steht im Mittelpunkt der Vorlesung der Archäologieprofessorin Fleur Kemmers, die sich gut mit römischen Münzen auskennt und mit den Abbildungen darauf. Der Kaiser nutzte die Münzen als Werbefläche für sich: Schaut her, was für ein toller Herrscher ich bin und was ich für mein Volk getan habe! Aber kam die Botschaft bis im letzten Winkel des riesigen Reiches an? 

Mittwoch, 17. September 2025, 16 Uhr (ohne Anmeldung)
„Wie macht man einen neuen Zahn?“ – so lautet die Frage in der dritten Vorlesung. Klar, wenn ein Milchzahn wackelt und ausfällt, ist das kein Problem: Darunter wartet schon ein neuer. Bei Erwachsenen ist der Ersatz nicht so leicht. Kein Wunder, dass früher viele mit Zahnlücken herumliefen. Wie mittels Spezialkamera, Computer und 3D-Drucker ein neuer Zahn entsteht, das erklären Dr. Steffani Görl, Dr. Kathrin Seidel und Sebastian Hauser aus der Zahnmedizin.

Donnerstag, 18. September 2025, 16 Uhr (ohne Anmeldung)
Bei der vierten und letzten Vorlesung geht es um die Frage „Superheld und Superschurke?“. Kunstgeschichtsprofessorin Kristin Böse untersucht gemeinsam mit den Kindern die Abbildungen auf dem 68 Meter langen Teppich von Bayeux. Die Adeligen William und Harold wollen beide König von England werden. Das geht natürlich nicht, und so kommt es zur entscheidenden Schlacht von Hastings. Doch wer war der Schurke, wer der Held? 

Seit 2015 fördert die Dr. Marschner Stiftung die Frankfurter Kinder-Uni. 

Informationen: 
Dr. Anke Sauter und Dr. Markus Bernards
Wissenschaftskommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-13066 bzw. 798- 12498
E-Mail kinderuni@uni-frankfurt.de
Homepage www.kinderuni.uni-frankfurt.de.


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 8 2025
12:48

Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt decken hartnäckige Fehlinformationen auf und fordern Schutzmaßnahmen für heimische Arten

Niedlich, aber nicht unproblematisch: Positionspapier räumt mit Mythen rund um die invasiven Waschbären auf

Waschbären gelten als niedliche und harmlose Wildtiere – doch das ist ein Trugschluss. Mit 1,6 bis 2 Millionen Tieren bedrohen die invasiven Räuber massiv heimische Arten. Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt adressieren in einem Positionspapier weit verbreitete Fehlinformationen und fordern wirksame Schutzmaßnahmen. Die Botschaft ist klar: Artenschutz darf nicht der Sympathie für „possierliche“ Tiere geopfert werden.

FRANKFURT. „Waschbären sind doch einheimische Tiere“, „Sie vermehren sich schneller, wenn man sie bejagt.“, „Über Waschbären wurde nun wirklich schon alles gesagt“ – das sind nur wenige der kursierenden Mythen rund um den Waschbären. Sie halten sich hartnäckig und stellen ein gravierendes Problem für den Artenschutz in Deutschland dar. Denn hingegen der weit verbreitenden Annahme, dass die putzigen Tiere harmlose Neubürger seien, sind die aus Nordamerika stammenden Räuber eine ernstzunehmende Bedrohung für viele der hier heimischen Tiere – von Vögeln über Amphibien bis hin zu Fledermäusen.

Über Auftreten, Ausbreitung, Auswirkungen und den Umgang mit Waschbären wird mittlerweile bundesweit viel berichtet. Doch leider nicht immer wissenschaftlich fundiert. Das wollen Forscher*innen der Goethe-Universität und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum ändern. Prof. Dr. Sven Klimpel Leiter des Verbundforschungsprojektes ZOWIAC (Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren) macht deutlich: „Die öffentliche Wahrnehmung des Waschbären als charismatisches Wildtier wird den regionalen ökologischen Beeinträchtigungen dieser invasiven Art in Deutschland und Europa nicht gerecht.“ Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen hat der Parasitologe die in der Gesellschaft vorherrschenden Annahmen über den Waschbären unter die Lupe genommen und einem kritischen Faktencheck unterzogen. Das Ergebnis: Ein Positionspapier, das neun weit verbreitete Mythen identifiziert und deutliche Belege für deren Unhaltbarkeit liefert.

Alarmierende Zahlen sprechen eine klare Sprache
Mit geschätzt 1,6 bis 2 Millionen Tieren in Deutschland hat sich der Waschbär zu einem der häufigsten wildlebenden Raubsäuger in Zentraleuropa entwickelt. „Die Jagdstrecke hat sich seit 2005 vervierfacht – bei über 200.000 erlegten Tieren jährlich steigt die Population dennoch weiter“, erklärt Dr. Norbert Peter, ZOWIAC-Projektleiter. Besonders dramatisch: In Städten wie Kassel leben mittlerweile über 100 Waschbären pro 100 Hektar – das entspricht etwa einem Waschbär pro Fußballfeld und ist eine der höchsten Raubtierdichten Europas.

Die Folgen für heimische Arten sind regional verheerend. Studien belegen, dass Waschbären gezielt Brutstätten von Amphibien, Reptilien und bodenbrütenden Vögeln aufsuchen. Dabei verfallen sie oft in einen „Jagdrausch“ und töten ganze Gelege – weit mehr, als sie verwerten können. „Wir dokumentieren einen dramatischen Rückgang sensibler Arten in Gebieten mit hoher Waschbärdichte“, so Peter.

Mythen mit fatalen Folgen
Besonders problematisch sind dabei weit verbreitete Fehlinformationen: So wird häufig behauptet, die Bejagung von Waschbären führe zu verstärkter Vermehrung – eine Fehlinterpretation einer 35 Jahre alten Studie aus den USA. Ebenso haltlos ist die Annahme, Waschbären lebten in einem „Matriarchat“, das durch Jagd gestört werde. „Diese Mythen haben reale Konsequenzen“, warnt Dr. Dorian Dörge, wissenschaftlicher Projektkoordinator. „Sie verhindern notwendige Schutzmaßnahmen und gefährden damit bedrohte heimische Arten.“

Auch vermeintliche Alternativen wie Kastration erweisen sich als Illusion: Bei zwei Millionen Tieren praktisch unmöglich und rechtlich problematisch, da die EU-Verordnung die Freilassung invasiver Arten nach dem Fang ausdrücklich verbietet.

Hinzu kommt, dass Menschen den Waschbären als besonders sympathisch empfinden. Wissenschaftlich belegt ist, dass diese positive Wahrnehmung die Meinung der Menschen stark beeinflussen und sogar dazu führen kann, dass notwendige Maßnahmen zur Kontrolle dieser Tiere schwieriger durchzusetzen sind oder nicht umgesetzt werden.

Klare Handlungsempfehlungen
Die Wissenschaftler fordern ein entschiedenes Umdenken: Bundesmittel für abgestimmte Managementpläne der Länder, intensive Bejagung in Schutzgebieten mit bedrohten Arten und vor allem: faktenbasierte Aufklärung statt emotionaler Narrative. „Wir müssen den gesetzlich verankerten Artenschutz konsequent umsetzen und dürfen diesen nicht einer einseitigen Fokussierung auf charismatische Tierarten unterordnen“, appelliert Klimpel an Politik und Gesellschaft.

Das vollständige Positionspapier ist auf der Webseite von ZOWIAC verfügbar: https://zowiac.eu/2025/07/08/faktencheck-waschbaeren/

Es richtet sich an Behörden, Naturschutzverbände, Medien und alle Bürger*innen, die sich faktenbasiert über eines der drängendsten Naturschutzprobleme Deutschlands informieren möchten.

Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/174616306

Bildtext: Porträt eines Waschbären (Procyon lotor). Foto: Paul Dierkes

Weitere Informationen
Prof. Dr. Sven Klimpel, Dr. Dorian Dörge, Dr. Norbert Peter
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069 798-42237
069 798-42069
069 798-42212
klimpel@bio.uni-frankfurt.de
doerge@bio.uni-frankfurt.de
peter@bio.uni-frankfurt.de

https://zowiac.eu/


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Jul 3 2025
13:51

Podiumsgespräch mit den prominenten 68ern Rainer Langhans und Christa Ritter sowie dem Sozialphilosophen Martin Saar - Veranstaltung des Forschungszentrums Normative Ordnungen der Goethe-Universität

Die 68er-Bewegung und ihre Folgen

FRANKFURT. Die sogenannten „68er“ waren nicht nur eine politische Gegenbewegung zu autoritären Strukturen und überkommenen Normen im als verkrustet empfundenen Nachkriegsdeutschland. Sie waren auch spiritueller Aufbruch. In neu entstandenen Gemeinschaften wie beispielsweise der „Kommune I“ suchten viele nach neuen Formen der Liebe, des Zusammenlebens und der Solidarität. Die Bewegung galt als ein Versuch, sich aus dem Schatten des Faschismus zu lösen und stattdessen eine Welt aufzubauen, die auf Gleichheit, individueller Freiheit und Selbstbestimmung basiert.

Welche Elemente der 68er-Utopie haben sich im kollektiven Gedächtnis verankert – und welche sind gescheitert oder in Vergessenheit geraten? Die utopischen Vorstellungen, die von der 1968er Bewegung ausgingen, sowie deren Impulse, individuelle und gesellschaftspolitische Nachwirkungen sind Thema der

Diskussionsrunde 
„Utopie und Aufbruch der 1968er – Was von politischer Rebellion und individueller Selbstbefreiung geblieben ist“
mit den 68ern
Rainer Langhans und Christa Ritter 
sowie dem Sozialphilosophen Martin Saar 
am 14. Juli um 19.30 Uhr,
im Historischen Museum,
Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main.

Es moderiert die Geschäftsführerin des Forschungszentrums Normative Ordnungen der Goethe-Universität Rebecca Caroline Schmidt. Begrüßen wird die Direktorin des Historischen Museums Dr. Doreen Mölders. Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.

Rainer Langhans, Aktivist, Schriftsteller und Filmemacher, ist das prominenteste Gesicht der bekannten Hippie-Gruppe „Kommune 1“. In der 68er-Bewegung spielte er eine bedeutende Rolle, weil er für eine alternative Lebensweise und gegen die konventionellen Werte kämpfte. Christa Ritter gehört seit 1978 zur Selbsterfahrungsgruppe um Langhans. Prof. Dr. Martin Saar ist Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungszentrums Normative Ordnungen.

Die Veranstaltung lädt dazu ein, die 68er nicht nur als historisches Phänomen zu betrachten, sondern als Ausgangspunkt für die Frage nach heutigen Utopien. Inwiefern sind die visionären Vorstellungen der 68-Bewegung einer gerechten, freien und demokratischen Gesellschaft, die die patriarchalen Machtverhältnisse aufzulösen suchte, heute noch anschlussfähig? Welche Rolle spielen etwa heute individuelle Freiheit und Selbstbestimmung?

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Forschungszentrums Normative Ordnungen der Goethe-Universität mit dem Historischen Museum Frankfurt am Main.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter: https://normativeorders.net/veranstaltungen/utopie-und-aufbruch-der-1968er-was-von-politischer-rebellion-und-individueller-selbstbefreiung-geblieben-ist/

Für Rückfragen oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungszentrums Normative Ordnungen der Goethe-Universität. anke.harms@normativeorders.net; 069/798-31407


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

FRANKFURT. Der Hochschulrat der Goethe-Universität hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen: „Der Hochschulrat der Goethe-Universität ist äußerst besorgt über die geplanten Einsparungen der hessischen Landesregierung im Rahmen des Hochschulpaktes, auch wenn ihm die finanzielle Lage des Landes bewusst ist. Er befürchtet dramatische Folgen für die hessischen Hochschulen und die demokratische Bildung. Der Hochschulrat unterstützt die diesbezüglichen Forderungen der Goethe-Universität.“ Der mit externen Mitgliedern besetzte Hochschulrat ist das Aufsichtsgremium der Universität. Ihm gehören Persönlichkeiten aus dem Bereich der Wissenschaft, der Wirtschaft, der beruflichen Praxis oder der Kultur an.

Hintergrundinformation: Die Planungen der Landesregierung zum 2026 beginnenden nächsten Hochschulpakt würden bei den 14 hessischen Hochschulen zu einem Defizit von rund einer Milliarde Euro in den nächsten sechs Jahren führen und hätten einen dauerhaften Abbau von zehn Prozent des Personals in Wissenschaft, Kunst und Verwaltung zur Folge. Für 2026 und 2027 sieht der Entwurf Absenkungen vor, obwohl deutliche Tarifsteigerungen zu finanzieren sind. Diese Lücke bringt manche Hochschule in die Gefahr, ihre Liquidität nicht mehr aus eigener Kraft sichern zu können. Die Hochschulen haben bereits für das Haushaltsjahr 2025 Baurücklagen in Höhe von 475 Millionen Euro für die Haushaltskonsolidierung zur Verfügung gestellt und fordern nun deutliche Nachbesserungen in der Hochschulpaktplanung.

Mitglieder des Hochschulrates: https://www.uni-frankfurt.de/37605537/hochschulrat


Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 1 2025
16:07

Erstes Projekt zur Provenienzforschung an der Bibliothek der Goethe-Universität zeigt weiteren Bedarf – Nachfolgeprojekt untersucht seltene Drucke – Umfangreiche Bestände aus Frankfurter Antiquariat Baer identifiziert

Forschungsprojekt an Unibibliothek findet mehr NS-Raubgut als erwartet

Seit Herbst 2020 werden die Bestände der Universitätsbibliothek Frankfurt auf Bücher hin untersucht, die ihren Eigentümern während der NS-Zeit unrechtmäßig entzogen wurden. Im Verlauf des ersten, durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste unterstützten, nun abgeschlossenen Projekts wurde klar: Die Menge an Raubgut in den Beständen ist größer als erwartet; die Provenienzforschung muss weitergehen, auch um rechtmäßige Besitzer ermitteln und die Exponate restituieren zu können. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Universität und Stadt Frankfurt heute über die bisherigen Ergebnisse und das weitere Vorgehen berichtet.

FRANKFURT. Im Frühjahr 2025 hat die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB) der Goethe-Universität Frankfurt ihr erstes Provenienzforschungsprojekt erfolgreich abgeschlossen und jetzt den daraus entstandenen Forschungsbericht fertiggestellt. Ziel war es, Bücher aus dem Bestand der Bibliothek zu identifizieren, die in Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Verfolgung ihren Besitzern entzogen wurden. Dieses Projekt wurde von der Universitätsbibliothek initiiert und stellt den Auftakt einer auf viele Jahre angelegten, systematischen Provenienzforschung in den Beständen der Bibliothek dar. Ziel ist es auch, Lösungen für eine Rückgabe oder Entschädigung zu finden. So sieht es die Washingtoner Erklärung aus dem Jahr 1998 vor, eine rechtlich nicht bindende, jedoch moralisch und ethisch verpflichtende internationale Übereinkunft, um Raubkunst zu identifizieren, deren rechtmäßige Eigentümer oder Erben ausfindig zu machen und eine „gerechte und faire Lösung“ zu finden.

Schleiff: „Universität stellt sich ihrer Geschichte“
„Die Universität stellt sich ihrer Geschichte. Die wissenschaftliche Untersuchung der Bibliotheksbestände ist ein wichtiger Bestandteil dieser Aufgabe. Nach moralischen Gesichtspunkten verjährt das in der NS-Zeit begangene Unrecht nicht, da fühlen wir uns ganz der Washingtoner Erklärung verpflichtet. Deshalb hat die Universitätsbibliothek vor fünf Jahren das erste große Provenienzforschungsprojekt auf den Weg gebracht: Wir wollten wissen, welche Bestände aus enteignetem Besitz in unserer Bibliothek liegen, und das geschehene Unrecht in Bezug auf die widerrechtliche Übernahme der Exponate wiedergutmachen. Dass diese Aufgabe nun so viel umfangreicher sein wird als erwartet, stellt uns vor große Herausforderungen“, sagt Professor Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität.

Das Vorhaben wurde maßgeblich durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg gefördert und zusätzlich von der Stadt Frankfurt unterstützt, die Eigentümerin einer Vielzahl von Büchern der früheren Stadt- und Universitätsbibliothek ist. Diese entstand nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Zusammenführung mehrerer Bibliotheken, darunter der Stadtbibliothek. In einem Kulturvertrag von 1999 haben die Stadt Frankfurt und das Land Hessen vereinbart, dass ein Teil der Bestände weiterhin der Stadt gehört. Grob geschätzt handelt es sich um ein Drittel der Bücher, die vor 1945 erschienen sind.

Kulturdezernentin: „Die schiere Menge geraubter Bücher ist bestürzend“
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig: „Bei dem kontaminierten Begriff der „Arisierungen“ dachte man lange an Immobilien, Geschäfte oder Betriebe, die ihren jüdischen Eigentümerinnen und Eigentümern entrissen wurden. Die umfangreichen Forschungen an der Universitätsbibliothek Frankfurt zeigen jedoch, dass dieses Verständnis zu eng ist. Die schiere Menge der geraubten Bücher in den gemeinsamen Beständen von Universität und Stadt ist bestürzend, die systematische Erforschung überfällig. Das nun abgeschlossene Projekt stellt einen ersten Schritt dar und ist das Ergebnis der konstruktiven und fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Goethe-Universität, der Universitätsbibliothek und der Stadt Frankfurt, an die wir in Zukunft anknüpfen möchten.“

Daniela Poth, Leiterin der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg: „Mit Daniel Dudde und Darleen Pappelau haben wir zwei sehr kompetente Fachleute einsetzen können. Sie haben mit viel Interesse, Ausdauer und Sorgfalt die detektivische Aufgabe übernommen, den Weg der Bücher nachzuzeichnen und zu dokumentieren sowie die rechtmäßigen Eigentümer herauszufinden. Sie haben eine wunderbar systematische Aufarbeitung vorgelegt, dafür danken wir ihnen sehr und hoffen, dass sie die Provenienzforschung an der UB mit dem gleichen Engagement auch zukünftig weiterführen. Und natürlich danken wir auch dem Präsidium für seine Unterstützung in jeglicher Hinsicht.“

Dr. Uwe Hartmann, Leiter des Fachbereichs Kulturgutverluste im 20. Jahrhundert in Europa am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste: „Wir freuen uns, dass mit der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg eine weitere bedeutende Frankfurter Kultureinrichtung ihre historische und moralische Verantwortung wahrgenommen hat, die eigenen Bestände daraufhin zu prüfen, auf welche Weise Bücher und andere Objekte in der NS-Zeit erworben worden waren. Ziel ist es dabei herauszufinden, ob diese den rechtmäßigen Eigentümern einst entzogen oder abgepresst wurden. Die Ergebnisse des ersten vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekts belegen, in welchem Maße auch die Frankfurter Universitätsbibliothek Nutznießer der Ausplünderung von jüdischen Bürger:innen und anderen vom NS-Regime Verfolgten war. Wir wünschen dem Team Provenienzforschung auch für das zweite Projekt viel Erfolg!“

Ursprünglich war das Projekt auf zwei Jahre angelegt, wurde jedoch aufgrund des unerwartet hohen Rechercheaufwands um denselben Zeitraum verlängert. Im Projektverlauf hatte sich herausgestellt, dass der Anteil an NS-Raubgut in den untersuchten Bestandsbereichen deutlich höher war als zunächst angenommen. Bei der Anlage des Projekts hatten sich die Forschenden an Erfahrungswerten aus vergleichbaren Projekten orientiert. Die Situation in Frankfurt stellte sich jedoch anders dar: Als Stadt mit einem großen jüdischen Bevölkerungsanteil war Frankfurt stärker von Verfolgung und Enteignung im NS-Regimes betroffen – wovon eben auch Bibliotheken und andere Kultureinrichtungen als Empfänger von enteignetem Kulturgut mehr „profitierten“. Deshalb ist der Anteil von NS-Raubgut in der hiesigen Universitätsbibliothek entsprechend höher als andernorts.

Hinzu kommt, dass Frankfurt nach Kriegsende ein zentraler Ort der alliierten Restitutionsbemühungen wurde: Die Sammelstelle für geraubte und verwaiste Buchbestände wurde zunächst in den Räumen der ehemaligen Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek eingerichtet, später wechselte sie als Offenbach Archival Depot in die Nachbarstadt. Millionen von Büchern wurden dort zusammengetragen und, soweit möglich, an ihre rechtmäßigen Eigentümer weltweit zurückgegeben. War dies nicht möglich, verblieben die betreffenden Bestände vorerst in Offenbach und wurden ab 1947 nach und nach an die Universität Frankfurt übergeben.

Von 75.000 Büchern wahrscheinlich zehn Prozent unrechtmäßig entzogen
Ein Teil der Bestände, die während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit in die UB gelangten, wurde im Rahmen des ersten Projekts zur Provenienzforschung erstmals systematisch untersucht. Das Projektteam versuchte, anhand von Stempeln, Exlibris und Vermerken in den mehr als 75.000 Büchern, die im ersten Projektabschnitt beforscht wurden, deren Herkunft nachzuzeichnen. Dabei wurden rund 7.500 Bücher entdeckt, die sich 350 unterschiedlichen Vorbesitzern zuordnen lassen und bei welchen ein unrechtmäßiger Entzug wahrscheinlich ist.  Aufgrund dieses auch für Experten überraschend hohen Prozentsatzes konnte nur ein Teil der Einzelfallrecherchen vollständig abgeschlossen werden.

In diesen ersten vier Jahren wurden bereits etliche Bücher restituiert, also an die rechtmäßigen Besitzer beziehungsweise deren Erben zurückgegeben. Die Restitutionsvorgänge unterschieden sich stark hinsichtlich Umfang, Dauer und konkreter Lösung. In 35 Fällen mit insgesamt 90 Bänden konnte eine faire und gerechte Lösung im Sinne der Washingtoner Erklärung gefunden werden – darunter Rückgaben, Rückschenkungen sowie Rückkäufe. Bücher aus der Frankfurter Universitätsbibliothek wurden an Privatpersonen im In- und Ausland restituiert sowie an eine Vielzahl von Organisationen, darunter politische Parteien, Gewerkschaften, jüdische Gemeinden oder Freimaurerlogen.

Ein besonders bedeutender Fall sind die Bücher aus dem Antiquariat Baer, einer Frankfurter Institution von Weltrang, die 1934 durch den NS-Staat liquidiert wurde. Die Frankfurter Bibliotheken übernahmen damals umfangreiche Bestände zu einem viel zu niedrigen Preis. Bis 1945 gab es mehrere wissenschaftliche Bibliotheken in Frankfurt, die als Vorgängerinstitutionen der heutigen UB gemeinsam die Rolle einer Unviersitätsbibliothek wahrnahmen. Im Rahmen des Projekts konnte dieses Unrecht dank ausführlicher Recherchen erstmals erforscht und systematisch dokumentiert werden. Die Projektforschenden der Bibliothek haben allein im ersten Projekt mehr als 5.000 Bände aus dem Antiquariat Baer identifiziert, die als NS-Raubgut anzusehen sind. Ziel ist es nun, mit den Erben des Antiquariats in Kontakt zu treten, um gemeinsam eine faire und gerechte Lösung zu entwickeln. Das Projektteam hat die Suche nach den Erben aufgenommen und wird sie parallel zur weiteren Forschung zu diesem Fall fortsetzen. Im gerade gestarteten Nachfolgeprojekt ist mit weiteren bedeutenden Funden aus der Provenienz Baer zu rechnen.

Mit dem Beginn dieses zweiten Provenienzforschungsprojekts wird die Arbeit für zunächst zwei weitere Jahre fortgeführt. Auch dieses Projekt wird mit umfangreichen Mitteln durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gefördert. Der Schwerpunkt verlagert sich nun auf neue Bestandsgruppen: Im Fokus stehen diesmal insbesondere alte, seltene und wertvolle Drucke aus dem 16. bis 20. Jahrhundert, die zu Sondersammlungen gehören, welche seit den 1940er Jahren aufgebaut worden sind. Es gilt als sicher, dass auch mit diesem zweiten Projekt die Recherche nach NS-Raubgut in der Bibliothek nicht abgeschlossen sein kann: Die UB stellt sich auf eine langfristige Aufgabe ein.

Über die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS)
Die Universitätsbibliothek JCS zählt mit ihren umfangreichen Beständen und Sammlungen zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands. Sie vereinigt in sich die Funktionen einer Universitätsbibliothek mit zahlreichen Landesaufgaben, einer wissenschaftlichen Bibliothek für die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet und einer Schwerpunktbibliothek innerhalb der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung.
https://www.ub.uni-frankfurt.de/

Bilder, Bildtexte und Grafiken zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/175203571

Weitere Informationen
Dr. Mathias Jehn
Leiter der Abteilung Kuratieren, Fachinformation und Vermittlung (KFV) der Universitätsbibliothek
Freimannplatz 1
60325 Frankfurt am Main
Telefon ++49(0) 69 798-39007
E-Mail m.jehn@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 26 2025
12:06

Roundtable mit Forensic Architecture und Die Kunst der Gegenuntersuchung. Sonderveranstaltung der Serie „Autopsien: Sammlungen und Forschung im Gespräch“.  

AUTOPSIEN: Modes of Counter-Investigation

FRANKFURT. Wie können wir uns kritisch mit Archiven kolonialer, historischer, politischer und rassistischer Gewalt auseinandersetzen? Welche Formen der Gegenuntersuchung können dabei eingesetzt werden? Forscher der Rechercheagentur Forensic Architecture (London), des Projekts „Die Kunst der Gegenuntersuchung“ (Institut für Sozialforschung, Frankfurt) und der Medien- und Filmwissenschaften werden die Herausforderungen der Archivrecherche im Kontext kolonialer und politischer Gewalt diskutieren. Zu den Fragen gehören forensische Methoden der Untersuchung und Gegenuntersuchung, ästhetische Praktiken des Umgangs mit Archiven, Fragen der Restitution und Wiedergutmachung, Akte der Auslöschung, Schweigens und epistemische Gewalt.

Die Veranstaltung schließt an das Autopsien-Mittagsgespräch zwischen Hans Peter Hahn (Ethnologie) und Aïsha Othmann (Goethe-Universitätsbibliothek) zum Kolonialem Bildarchiv der Frankfurter Universitätsbibliothek an.

Besucher:innen sind gebeten, im Voraus das frei verfügbare Projektvideo von Forensic Architecture anzusehen: https://forensic-architecture.org/investigation/swakopmund

Die Veranstaltung findet am

Mittwoch, 2. Juli 2025 von 18:15-19:45
Im Hörsaalzentrum, Raum HZ,
Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt
statt. Die Veranstaltung ist öffentlich und englischsprachig.

Teilnehmer:innen des Roundtable:

Agata Nguyen Chuong (sie/ihr) ist fortgeschrittene Forscherin der Forensic Architecture und Projektleiterin von deren Forschung zum Ovaherero- und Namagenozid.

Laliv Melamed ist Professorin der Digitalen Filmkultur an der Goethe-Universität, Frankfurt. Sie promovierte an der New York University und spezialisiert sich in Dokumentarfilm und Sachspielfilm und Medien. Sie ist Autorin von Sovereign Intimacy: Private Media and the Traces of Colonial Violence (University of California Press, 2023).

Felix Trautmann ist promovierter Wissenschaftler des Instituts für Sozialforschung und arbeitet zurzeit am Forschungsprojekt „Die Kunst der Gegenuntersuchung“ (IfS Frankfurt und HfG Offenbach) zur künstlerischen Untersuchung von rechter Gewalt in Deutschland heute.

Franziska Wildt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt. Sie leitet den Arbeitskreis ‚Ästhetik und Medienkultur' mit.

In der Reihe „Autopsien“ (etymologisch: „mit eigenen Augen sehen“) geht es um die Untersuchung und Kontextualisierung von Quellen und Objekten aus den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Frankfurt. Das wichtigste Mittel dazu ist die kritische Beobachtung aus erster Hand. Die Sammlungskuratoren treten mit Geisteswissenschaftlern in eine Reihe von Gesprächen ein, die die sich überschneidenden Forschungsfragen zwischen den Geisteswissenschaften und den Sammlungen der UB aufzeigen. Die Universitätsbibliothek Frankfurt beherbergt einen großen Bestand an wertvollen historischen Materialien mit zahlreichen Einzelstücken. Dazu gehören mittelalterliche bis neuzeitliche Manuskripte, Archivalien und Nachlässe, aber auch nicht-textliche Materialien wie Bildsammlungen.

Weitere Informationen über die neue Veranstaltungsreihe sowie andere Veranstaltungen des FZHG finden Sie auf der Internetseite des Forschungszentrums.

Information:
Dr. Nathan Taylor
Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften
n.taylor@em.uni-frankfurt.de
Tel: +49 (0)69 798 32113
https://fzhg.org/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 26 2025
11:24

Podiumsgespräch zwischen Jovana Reisinger und Sonja Eismann im Museum für Kommunikation / Veranstaltung des Fortbildungsprogramms Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. 

Mode zwischen Normierung und Inszenierung

FRANKFURT. Wie sind Mode und Gesellschaft miteinander verwoben? In welchem Verhältnis stehen beide zu digitalen Welten? Welche Rolle spielen Medien in der Verbreitung neuer ästhetischer Codes –  und wer gestaltet eigentlich die Zukunft des Stils? Um diese Fragen zu diskutieren, kommen die Autorin, Regisseurin und Künstlerin Jovana Reisinger sowie die Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Missy Magazine-Mitgründerin Sonja Eismann auf Einladung der Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität zusammen.

Gemeinsam sprechen sie über Mode im Jetzt: Wie spiegeln Fashion und KI den Zeitgeist? Welche moralischen und politischen Fragen werfen sie auf? Wie emotional ist Mode aufgeladen – und können Algorithmen diesen Aspekt je erfassen? Im Anschluss an das Gespräch legt das DJ-Duo Electric Jungs auf und führt aus der Welt der Algorithmen zurück ins Analoge mit psychedelischen 60er und 70er Jahre-Klängen auf Vinyl. Ein Abend zwischen kritischer Reflexion, popkultureller Analyse und visionären Ausblicken.

Dresscoded. Mode zwischen Normierung und Inszenierung
Podiumsgespräch mit Jovana Reisinger und Sonja Eismann 
Dienstag, 1. Juli 2025, 19.30 Uhr Museum für Kommunikation.
Moderation: Valerija Cegodaeva und Theresa Mößmer
Musik: The Electric Jungs

Jovana Reisinger, geboren 1989 in München, ist Autorin, Filmemacherin und bildende Künstlerin. Ihr Buch „Pleasure“ (2024) ist ein Manifest, das Mode, Essen und Schlaf als Formen von Genuss und Selbstdarstellung im Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft feiert. Bekannt wurde sie mit ihrem Debütroman „Still halten“ (2017) und mehreren Kurzfilmen wie „Beauty is Life“ (2020). Ihr Roman „Spitzenreiterinnen“ (2021) wurde für den Bayerischen Buchpreis nominiert. Sie schreibt unter anderem Kolumnen für Vogue und die FAZ.

Sonja Eismann, geboren 1973 in Heidelberg, ist Autorin, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie ist Mitbegründerin und Mitherausgeberin des feministischen Popkulturmagazins Missy Magazine, das seit 2008 erscheint. In ihren Büchern und Aufsätzen, darunter „absolute Fashion“ (2012), „Verschwinden die Farben?“ (2024) oder „Mode“ (In: „Handbuch Popkultur“, 2017) setzt sie sich mit Mode als popkulturellem Phänomen und Spiegel gesellschaftlicher Strukturen und Diskurse auseinander.

Das DJ-Duo The Electric Jungs, bestehend aus DJ Big Lebode (Frankfurt) und DJ Massimo (Köln), spielt 60's/70's Psychedelic, Garage und Soul Tracks auf Vinyl.

Eine Veranstaltung des Fortbildungsprogramms Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm und dem Museum für Kommunikation. Frankfurt im Rahmen der Ausstellung „New Realities. Fashion Fakes – KI Fabriken“.

Museum für Kommunikation Frankfurt am Main, Schaumainkai 53, 60596 Frankfurt
Eintritt: 6,- / 9,- / 12,- (pay as you wish) VVK: https://hlfm.de/de

Kontakt: Silke Hartmann, Kulturperle – Kommunikation und Kulturmanagement.
Tel. (069) 36704417; silke.hartmann@kulturperle.com


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 25 2025
14:26

Buchvorstellung und Gespräch mit der Autorin Stefanie Schüler-Springorum und Michel Friedman

Wie Verfolgte des NS-Regimes die westdeutsche Demokratie erlebten

FRANKFURT. Nach 1945 gab es nicht weniger Antisemitismus und Rassismus, nicht weniger Hass auf Homosexuelle als während des Nationalsozialismus, vermutlich sogar mehr. Diese Erfahrung beschreibt Stefanie Schüler-Springorum in ihrem Buch „Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“: Sie schildert dort die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft aus Sicht der Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, und berichtet von den Erfahrungen überlebender Juden und Sinti und Roma, ehemaliger Zwangsarbeiter und Homosexueller im westlichen Teil Deutschlands in den ersten Nachkriegsjahrzehnten.

Das gängige Bild von der gelungenen Demokratisierung der Bundesrepublik bekommt durch diese Geschichten einen Riss. Die Erfahrungen der ehemals Verfolgten zeigen, dass der Hass und die Ressentiments gegen sie nicht einfach verschwanden, sie waren tief im Denken der Menschen verankert und sind es zum Teil bis heute. Anlässlich der Veröffentlichung des Buches „Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“ findet

am Mittwoch, dem 2. Juli 2025, um 18.15 Uhr,
ein Vortrag von Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum 
mit anschließendem Gespräch mit Prof. Dr. Dr. Michel Friedman statt,
im Casino-Gebäude, Raum 1.811,
auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.

Das Gespräch wird moderiert von Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts, Mitglied des Forschungszentrums Normative Ordnungen und Inhaberin des Lehrstuhls zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Buch ist im S. Fischer Verlag erschienen.

Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist Historikerin und seit 2011 Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin sowie Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) am Standort Berlin. Prof. Dr. Dr. Michel Friedman ist Jurist und Philosoph und Assoziiertes Mitglied des FGZ.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem FGZ Standort Frankfurt am Main am Forschungszentrum Normative Ordnungen der Goethe-Universität und dem Fritz-Bauer-Institut und wird gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter:
https://normativeorders.net/veranstaltungen/unerwuenscht-die-westdeutsche-demokratie-und-die-verfolgten-des-ns-regimes/ oder https://www.fritz-bauer-institut.de/veranstaltungen/veranstaltung/unerwuenscht.  

Weitere Informationen zum Buch:
https://www.fischerverlage.de/buch/stefanie-schueler-springorum-unerwuenscht-9783103976649

Für Rückfragen oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität. Tel. (069) 798-31407; anke.harms@normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 23 2025
12:45

Die Juli-Highlights im Museum Giersch der Goethe-Universität  

Kunst, Klima, Gesellschaft

FRANKFURT. Die aktuelle Ausstellung „Fixing Futures: Planetare Zukünfte zwischen Spekulation und Kontrolle“ im MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität lädt Besucher*innen noch bis 31. August 2025 dazu ein, Zukünfte neu und kritisch zu denken – kreativ und multidisziplinär. Die Ausstellung stellt zentrale Fragen: Wie wollen wir in Zukunft leben? Welche Rolle spielt Kunst im Kontext von Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Wandel? Passend zu diesen Themen bietet das MGGU im Juli ein vielfältiges Begleitprogramm an. Dieses umfasst Führungen, Workshops, Filmabende und Vorträge, bei denen Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlicher Dialog zusammenkommen und zum Nachdenken anregen.

Führungen im Juli: Kunst trifft Wissenschaft und Nachhaltigkeit erleben
Am Donnerstag, den 3. Juli um 18 Uhr, findet eine Dialogführung mit Prof. Dr. Petra Döll, Hydrologin, statt. Hierbei werden Kunst und Wissenschaft miteinander in den Austausch gebracht. Die Teilnahme kostet vier Euro zuzüglich Eintritt und eine Anmeldung ist unter anmeldung@mggu.de erforderlich.

Am Donnerstag, den 17. Juli um 16 Uhr bietet „Campus Wandeln“ eine Führung unter dem Titel „Nachhaltigkeit im Museum erleben“. Dr. Tim Pickartz, Kurator für Vermittlung und Diskurs, erläutert nachhaltige Ausstellungskonzepte anhand der aktuellen Schau „Fixing Futures“. Treffpunkt ist das Museum Giersch der Goethe-Universität. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung per E-Mail an CampusWandeln@uni-frankfurt.de wird erbeten. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Nachhaltigkeitsbüro der Goethe-Universität statt.
Am Sonntag, den 20. Juli um 15 Uhr wird eine öffentliche Führung angeboten. Diese kann ohne Anmeldung besucht werden, die Teilnahmegebühr beträgt vier Euro zuzüglich Eintritt.

Workshops im Juli: Kreativität und Mitgestaltung
Am Dienstag, den 1. Juli um 15 Uhr, richtet sich der Workshop „Artemis“ speziell an Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz und ihre Begleitpersonen. Nach einer Kurzführung lernen die Teilnehmer*innen und Teilnehmer die künstlerische Technik der Zyanotypie kennen und können anschließend ihre Arbeiten mit Aquarellfarben oder Stiften kreativ weitergestalten. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich unter anmeldung@mggu.de. Der Workshop findet in Kooperation mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität statt.

Am Samstag, den 26. Juli um 15 Uhr, lädt der Workshop „Jeder Berg hat eine Geschichte“ alle ab 14 Jahren ein, in die Welt des Speculative-Fiction-Weltenbaus einzutauchen. In der Schreibwerkstatt werden Grundlagen des Weltenbaus vermittelt, um komplexe fiktive Welten zu entwickeln. Die Kosten betragen 25 Euro inklusive Eintritt, die Anmeldung erfolgt über die Frankfurter Stadtevents.

Filmreihe „fps – Futures per Second“
Am Mittwoch, den 9. Juli um 20 Uhr, zeigt das Deutsche Filmmuseum im Kino am Schaumainkai das brasilianisch-deutsche Roadmovie „Iracema, Uma Transa Amazonica“ (1975). Der Film erzählt von Ausbeutung, Widerstand und Überleben im Amazonas der 1970er Jahre – im Stil des Guerillakinos gedreht. Als Vorfilm läuft „The Rightful / Quem de Direito“ (2022), der den Kampf einer Gemeinde gegen Verdrängung thematisiert. Die Filmreihe wurde von Studierenden des Masterstudiengangs Filmkultur in Verbindung mit der Ausstellung „Fixing Futures“ kuratiert.

Vortragsreihe „Zukunft gestalten“: Klimawandel, Technologie und gesellschaftliche Verantwortung
Am Donnerstag, den 10. Juli um 18 Uhr, spricht Dr. des. Felix Kämper zum Thema „Ökologische Gesellschaftskritik – aber wie?“. Die Veranstaltung ist kostenfrei und erfordert keine Anmeldung. Sie wird in Kooperation mit dem Forschungszentrum „Normative Orders“ der Goethe-Universität durchgeführt.

MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann 
Tel. (069) 138210121 // E-Mail: presse@mggu.de
Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse 


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 23 2025
12:35

Frankfurter Poetikvorlesungen 2025 mit Judith Schalansky 

Auf der Suche nach den Materialien des Erzählens

FRANKFURT. Unter dem Titel „Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist“ wird Judith Schalansky an drei Dienstagabenden die traditionsreichen Frankfurter Poetikvorlesungen halten. Am 2. Juli 2025 wird es eine Lesung im Frankfurter Literaturhaus geben. Begleitet wird die Poetikvorlesung von der Ausstellung „Wechselstoffe“ (1.-16. Juli) von Michael Kolod, Jan Schmidt und Vroni Schwegler in der Dante 9 und dem wissenschaftlichen Workshop „Naturkunden zwischen Literatur und Wissenschaft“ (15. Juli), organisiert von Prof. Roland Borgards.

„Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist“:
Frankfurter Poetikvorlesungen 2025 mit Judith Schalansky
1. Juli, 8. Juli und 15. Juli, jeweils 18 Uhr
Campus Westend, Hörsaalzentrum HZ 2


Der Titel der Poetikvorlesung lässt vermuten, dass es um Aggregatzustände geht, um Stoffe, die als Grundbausteine der Welt dienen. Wer die vielfach ausgezeichnete Autorin Judith Schalansky kennt, ahnt vielleicht schon, dass diese erste Vermutung zu kurz greift: Schalanskys Poetik sucht nach den Materialien des Erzählens, nach der Substanz von Weltentwürfen, nach Konstanten, genauso aber nach Ungewissheiten. Ihre Texte erforschen und reflektieren mit einem scharfen Blick genau das, was sich entzieht und gerade dadurch erfahrbar wird. Mit archäologischer Präzision kartografiert sie in ihren Texten das Verhältnis zwischen Literatur und Wissenschaft(en) sowie die Substanz und Formbarkeit von Sprache und Umwelt(en).

Im Gespräch mit dem UniReport hat Judith Schalansky sowohl ihren Respekt vor der Poetikdozentur wie auch ihre Vorfreude durchblicken lassen: „Poetikvorlesungen sind ein Höllengenre, ein Trip ins Eingemachte, und die Urmutter dieses Formats bespielen zu dürfen, bietet immerhin eine schweißtreibende Abwechslung zu den üblichen Abiturprüfungsträumen. Sie merken schon: Ich freue mich unbändig darauf!“

Judith Schalansky begann ihre publizistische Laufbahn 2006 mit dem typografischen Kompendium „Fraktur mon Amour“, bevor sie zwei Jahre später mit „Blau steht dir nicht“ ihr literarisches Debüt veröffentlichte. Sie hat einige ihrer Bücher selbst gestaltet und wurde für ihr Design mehrfach ausgezeichnet. Sowohl ihr „Atlas der abgelegenen Inseln“ (2009) als auch der Roman „Der Hals der Giraffe“ (2011) erhielten den 1. Preis der Stiftung Buchkunst. Ihr literarisches Werk wurde mit einer Reihe von Preisen gewürdigt, u.a. mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, mit dem Carl-Améry-Literaturpreis 2023 und zuletzt mit dem Wortmeldungen-Literaturpreis. Seit 2013 gibt Judith Schalansky zudem die Buchreihe „Naturkunden“ heraus.


Weitere Termine der Frankfurter Poetikvorlesungen 2025:

2. Juli, 19:30 Uhr
Lesung von Judith Schalansky
Literaturhaus Frankfurt (Moderation Prof. Roland Borgards)
Weitere Informationen unter: https://literaturhaus-frankfurt.de/

15. Juli, 9–17 Uhr 
Wissenschaftlicher Workshop 
Naturkunden zwischen Literatur und Wissenschaft
Campus Westend, IG-Farben-Haus, 1.314 (Eisenhower-Saal)
Anmeldung: poetik@lingua.uni-frankfurt.de

2.–18. Juli
Begleitausstellung: Wechselstoffe
Frankfurter Positionen aus der Bildenden Kunst im Dialog mit Judith Schalanskys Werk
Es stellen aus: Vroni Schwegler, Jan Schmidt und Michael Kolod
Universitätsarchiv, Dantestraße 9

Veranstaltungen zur Ausstellung
7. Juli, 18 Uhr
Vroni Schwegler, Jan Schmidt und Michael Kolod im Gespräch

14. Juli, 19 Uhr
Lesung mit Bernhard Malkmus: Himmelsstriche 

Aktuelle Informationen unter: https://www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de   

Das Interview mit Judith Schalansky ist im UniReport 3.2025 erschienen: 
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/unireport/poetikvorlesungen-sind-ein-hoellengenre/

Veranstalter
Stiftungsgastdozentur für Poetik, Geschäftsführung: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein. https://www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 18 2025
15:08

Goethe-Universität und Stiftung der Frankfurter Sparkasse verleihen 1822-Preis an einen Mediziner, eine Romanistin, einen Theologen und einen chemischen Biologen

Innovative Lehre in Zeiten von KI

Der Kinder- und Jugendmediziner Boris Wittekindt, die Romanistin Romana Radlwimmer, der evangelische Theologe Johannes Friedrich Diehl und der chemische Biologe Alexander Heckel – sie alle haben in diesem Jahr den begehrten 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre erhalten, den die Goethe-Universität zum 24. Mal gemeinsam mit der Stiftung der Frankfurter Sparkasse verliehen hat.

FRANKFURT. „Was bedeutet gute Lehre in einer Welt, in der Texte in Sekundenschnelle generiert und Hausarbeiten von Modellen geschrieben werden können?“ Mit dieser Frage dürfte Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Studium und Lehre, bei vielen im vollbesetzten Renate von Metzler-Saal einen Nerv getroffen haben. Doch auch in Zeiten von ChatGPT und Co. sei Lehre an der Goethe-Universität „ein gemeinsamer Suchprozess nach Wissen, Urteilsvermögen und Verantwortung“, so Pirker. Dafür brauche es Menschen, die nicht in gewohnten Mustern verharrten, sondern Lehre weiterdächten. Die mit dem 1822-Preis Ausgezeichneten stünden für besonderes Engagement: „Sie sehen ihre Aufgabe im Vermitteln von Wissen, aber wichtiger noch, im Ermöglichen eines Lernprozesses, der Selbsttätigkeit, kritische Reflexion und Teilhabe fördert.“

Dr. Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse: „Aus tiefer Überzeugung begleiten wir mit der Stiftung der Frankfurter Sparkasse seit mehr als zwei Jahrzehnten den 1822-Universitätspreis. Denn eine exzellente Lehre bringt neue Generationen begeisterter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hervor. Davon profitiert die universitäre Forschung, aber auch der gesamte Wirtschaftsstandort Rhein-Main.“

Ein Vortrag zu aktuellen Themen zur Lehre gehört zur Tradition der Preisverleihung. „Von Co-Creation zu Co-Teaching: Generative KI als Impulsgeber für eine zukunftsorientierte Hochschullehre“ lautete der Titel des Vortrags von Wirtschaftsinformatikerin Doris Weßels. ChatGPT & Co. hinterfragen die traditionelle Hochschullehre, so Weßels, die die Entwicklung bis hin zu agentenbasierten Formen des Co-Teachings von Mensch und Maschine skizzierte. Hochschulen stünden vor der Aufgabe, diesen tiefgreifenden Wandel zu gestalten. Weßels ist Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel und Mitgründerin des virtuellen Kompetenzzentrums Künstliche Intelligenz und wissenschaftliches Arbeiten (VK:KIWA). 


Mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Boris Wittekindt für sein außergewöhnlich breites und nachhaltiges Engagement in der Lehre. Seit vielen Jahren gestaltet er die Ausbildung im Fach Pädiatrie mit „didaktischer Exzellenz, organisatorischer Verantwortung und hoher Praxisnähe“, heißt es in der Begründung. Als Oberarzt der Neonatologie lehrt er in sämtlichen Phasen des Medizinstudiums und verbindet theoretische Grundlagen, patientenzentrierte Kommunikation und klinische Fallarbeit auf beispielhafte Weise. Mit interaktiven Vorlesungen, patientennahen Lehrformaten, Peer-Teaching-Angeboten, realistischen Prüfungssimulationen, digitalen Lehrmaterialien und einem eigenen Podcast schafft er vielfältige, praxisnahe Lernzugänge. Wittekindt lehrt nicht nur selbst, sondern gestaltet auch die medizinische Ausbildung weiter, setzt sich für die Evaluation der Lehre, die Curriculumsentwicklung sowie die Zusammenarbeit zwischen den Fachrichtungen ein. Die Studierenden erleben ihn als zugewandten, strukturierten und motivierenden Lehrer, der über das Fachliche hinaus Verbindungen zwischen Studierenden und medizinischem Personal schafft – zum Beispiel als Musiker im universitären Campus-Orchester.

Den 2. Preis erhält die Professorin für Romanische Literaturwissenschaft (Hispanistik und Lusitanistik) Romana Radlwimmer für ihre Lehre an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft, kultureller Praxis und interkulturellem Austausch. Ihre Lehre zeichnet sich laut Nominierungsschreiben dadurch aus, dass sie den Seminarraum öffnet für gesellschaftliche Fragen. Sie lädt international anerkannte Autorinnen und Übersetzerinnen zu Lesungen, Vorträgen und Workshops ein. Dadurch erhalten die Studierenden unmittelbare Einblicke in kreative Schaffensprozesse, literarische Berufsfelder und kulturelle Kontexte jenseits des universitären Curriculums. Darüber hinaus initiiert Radlwimmer Exkursionen in die Frankfurter Literatur- und Kulturlandschaft – etwa in Buchhandlungen, Museen oder zu literarischen Veranstaltungen –, wodurch die Stadt selbst zum Lernraum wird. Ihre Lehre ist methodisch abwechslungsreich und partizipativ, und sie legt Wert auf überfachliche Kompetenzen wie Schreiben, Feedbackkultur und Zeitmanagement. Sie fördert studentische Eigeninitiative, u. a. durch eine barrierearme Plattform für studentisches Publizieren.

Den 3. Preis teilen sich der evangelische Theologen Dr. Johannes Friedrich Diehl und der Chemische Biologe Professor Alexander Heckel. 

Dr. Johannes Friedrich Diehl wird für seine über Jahre hinweg herausragende Lehrtätigkeit im Fach Evangelische Theologie ausgezeichnet. Die studentische Begründung verweist darauf, dass Diehl fachliche Exzellenz mit didaktischer Innovationskraft verbinde, vor allem bei der Vermittlung der hebräischen Sprache. Mit einer eigens entwickelten Lernplattform stellt er Studierenden digitale Lernmaterialien wie Audioaufnahmen, Vokabel- und Formentrainer sowie Übungsklausuren zur Verfügung, die beim Lernen helfen. Seine Lehrveranstaltungen sind gut strukturiert, methodisch vielfältig und an den Lernbedarfen der Studierenden orientiert. Evaluationsergebnisse nutzt Diehl, um sein Lehrangebot weiterzuentwickeln. Studierende erleben ihn als engagierten, jederzeit ansprechbaren Dozenten, der sowohl die Studieneingangsphase als auch vertiefende Lehrangebote didaktisch überzeugend gestaltet. Über seine Lehrtätigkeit hinaus engagiert sich Dr. Diehl als Vorsitzender des Hebraisten-Verbands für die strukturelle Weiterentwicklung der Sprachlehre im Hochschulkontext.

Prof. Alexander Heckel erhält den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre für seine innovative und studierendenzentrierte Lehre in der Organischen Chemie. Seine Veranstaltungen zeichnen sich durch didaktische Klarheit, hohe Anschaulichkeit und Berücksichtigung heterogener Vorkenntnisse aus – insbesondere im interdisziplinären Studiengang Bioinformatik. Prof. Heckel gelingt es, komplexe Sachverhalte auch für fachfremde Studierende verständlich aufzubereiten, ohne die Tiefe des Stoffs zu vernachlässigen. Dabei nutzt er digitale und interaktive Lehrformate wie Virtual Reality und hybride Lernsettings, macht so abstrakte Inhalte greifbar und ermöglicht unterschiedliche Lernzugänge. Besonders hervorgehoben wird von den Studierenden seine motivierende Vortragsweise, die Nähe zur Forschung und zur Praxis – er arbeitet mit Beispielen u. a. aus seiner Tätigkeit als Rettungssanitäter. Sein kontinuierliches Engagement, seine hohe didaktische Kompetenz und Innovationsfreude machen ihn zu einem herausragenden Hochschullehrer im naturwissenschaftlichen Bereich.

Erstmals verliehen wurde der 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre 2001. Den ersten und dritten Preis fördert die Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit insgesamt 20.000 Euro, der 2. Preis in Höhe von 10.000 Euro wird von der Goethe-Universität finanziert. Der Preis wird jährlich vergeben. Die Studierenden selbst nominieren die Kandidatinnen und Kandidaten, die Entscheidung fällt eine Kommission, der Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Professoren und Professorinnen angehören und in der auch die Stiftung der Frankfurter Sparkasse durch ihre Geschäftsführung vertreten ist.

Moderiert wurde die Veranstaltung von den Studierenden Luca Malena Berger und Thessa König. Für die musikalische Umrahmung sorgte Bernhard Hollinger mit einer Darbietung im Spannungsfeld zwischen improvisierter Musik und experimenteller elektronischer Klangkunst.

Weitere Nominierungen:

Dr. Daria Bayer - FB01 Rechtswissenschaften
Dr. Veronika Brandis - FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften
Prof. Dr. Christoph Cornelißen - FB08 Philosophie und Geschichtswissenschaften
Prof. Dr. Axel Fanego Palat - FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften
Prof. Dr. Stefan Frank - FB16 Medizin
Prof. Kerstin Gottschalk - FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften
Prof. Dr. med. Oliver Habler - FB16 Medizin
Anne Marlene Hastenplug - FB10 Neuere Philologien
Dr. Silvia Heid - FB16 Medizin
Hannah Sabrina Hübner - FB08 Philosophie und Geschichtswissenschaften
Lilian Hümmler - FB03 Gesellschaftswissenschaften
Dr. Manuela Kalbermatten - FB10 Neuere Philologien
Prof. Dr. Dr. Judith Kasper/ Prof. Dr. Caroline Sauter - FB10 Neuere Philologien
Prof. Dr. Sven Klimpel - FB15 Biowissenschaften
Dr. Daniel Kostyra - FB02 Wirtschaftswissenschaften
Prof. Dr. Antje Krause-Wahl - FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften
Dr. Jana Liewald - FB14 Biochemie, Chemie und Pharmazie
Stéphanie Niepceron - FB10 Neuere Philologien
Dr. Stefan Rettenmayr - FB12 Informatik/Mathematik
Dr. Ingo Johannes Benjamin Sauer - FB02 Wirtschaftswissenschaften
Prof. Dr. med. Dr. phil. nat. Achim Schmidtko - FB14 Biochemie, Chemie und Pharmazie
Dr. Isabell Schmitz - FB15 Biowissenschaften
Prof. Dr. Heiko Schulz - FB06 Evangelische Theologie
Prof. Dr. Michael Sommer - FB07 Katholische Theologie
Prof. Dr. Annette Warner - FB08 Philosophie und Geschichtswissenschaften
Cosima Weisenburger - FB05 Psychologie und Sportwissenschaften
Dr. Sandro Wiesmann - FB05 Psychologie und Sportwissenschaften
Dr. Ulrike Zoch - FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften


Weitere Informationen
Julia Pirzer
Referentin für Hochschulpreise 
Telefon +49(0)173 265 8 058

Bilder zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/174337772

Bildunterschrift:

1822-Preis für innovative Lehre vergeben: (v.l.) Dr. Ingo Wiedemeier, Vorstandvorsitzender der Frankfurter Sparkasse, die Preisträger der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Boris Wittekindt, der chemische Biologe Prof. Alexander Heckel, die Professorin für Romanische Sprachwissenschaft Romana Radlwimmer, der Hebräischdozent Dr. Johannes Friedrich Diehl sowie die Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Studium und Lehre Prof. Viera Pirker (v.l.; Foto: Moritz Reich)


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 18 2025
13:29

Breites Kultur-, Sport- und Unterhaltungsangebot am 3. Juli auf dem Campus Westend – Musiker und DJ Shantel im Bühnenprogramm – Verbund der Rhein-Main-Universitäten feiert sein 10-jähriges Jubiläum

Goethe-Universität feiert ihr Sommerfest

FRANKFURT. Fünf Bands, ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, Sport, Spiele und Aktionen für Kinder – vom frühen Nachmittag bis kurz vor Mitternacht bietet die Goethe-Universität am 3. Juli bei ihrem jährlichen Sommerfest zahlreiche Gelegenheiten für einen sommerlich-leichten, unterhaltsamen Tag. Auf den Campus Westend geladen sind Studierende, Mitarbeitende der Goethe-Universität und alle Bürger*innen der Stadt, die sich der Goethe-Universität verbunden fühlen, sowie Studierende und Mitarbeitende der Universitäten Mainz und Darmstadt. Denn gefeiert wird beim Sommerfest auch ein Jubiläum: das 10-jährige Bestehen der Rhein-Main-Universitäten (RMU) Frankfurt, Mainz und Darmstadt, die am 3. Juli vor Ort auch den 7. Tag der RMU begehen.

Das Bühnenprogramm startet um 14.30 Uhr mit dem Ramatou-Orchestra, einer achtköpfigen Szenegröße aus Frankfurt am Main. Von tanzbarem Indie-Pop und intimen Balladen bis zu Afro reicht das musikalische Spektrum der bis in den späten Abend folgenden Gruppen Sun´s Sons, Urbannino und Kapa Tult. Um 23.30 Uhr schließt das Sommerfest mit dem international bekannten Musiker und DJ Shantel und Bucovina Club Orchestra, der in seiner Musik Popkultur mit kosmopolitischem Sound kreuzt.

Das bunte Rahmenprogramm für jedes Alter bietet außerdem Tanzgruppen auf wie Afrotudedancers, Modern Dance in Female Style und die 2022 gegründete K-Pop Cover-Gruppe The Odd Project aus Frankfurt. Sportfans treffen zwischen den zahlreichen Foodständen beispielsweise auf eine Kletterwand, und Tüftler können sich in drei Schwierigkeitsstufen ins Escape-Abenteuer stürzen.

Wer sich für Kunst auf dem Campus interessiert, kann zwischen Ausstellungen in den Ateliers des Malerei- und Grafikstudiums im Gebäude der Sprach- und Kulturwissenschaften und Kunst auf dem Campus wählen: In Kunstführungen stellt der ehemalige Kurator der Universität für Kunst, Dr. Carsten Siebert, ausgewählte Werke auf dem Campus Westend vor. Und Kunst live erleben die Besucher*innen über die Zeichenbox in den Open Studios der Studierenden der Malerei und Grafik: angefertigt werden besondere Porträts, in Farbe, Schwarz-Weiß, alleine oder in der Gruppe.

Die akademische Fliegergruppe der Goethe-Universität Akaflieg ist mit einem Flugzeug vor Ort und informiert über sein Programm für Studierende, Alumni und andere fliegerisch Interessierte. Neugierige können erfahren, wie die Fliegergruppe neben Sommerschulen und Flugkursen, Streckenflug, Fliegerlager und der Teilnahme an Wettbewerben auch wissenschaftlich aktiv ist.

Am Tag des Sommerfests findet auch der 7. Tag der RMU auf dem Campus Westend statt. Unter dem diesjährigen Motto „RMU – Wissen für die Welt von morgen“ diskutieren die Teilnehmer*innen bis zum Mittag die Rolle der Rhein-Main-Universitäten (RMU) für die Lebenswelt und Forschung der Zukunft. Das Jubiläum „10 Jahre RMU“ wird anschließend auf dem Sommerfest gefeiert: Ab 15 Uhr lädt der Verbund zu einer Olympiade zu Projekten der Rhein-Main-Universitäten Frankfurt, Darmstadt und Mainz ein; um 17 Uhr treten dann die Präsident*innen der drei Universitäten für ein gemeinsames Grußwort auf die Bühne.

Das Programm des Sommerfests (3. Juli, 14.30 – 23.30 Uhr) ist einsehbar auf der Webseite der Goethe-Universität unter https://tinygu.de/8JAxX 
Der Eintritt ist kostenfrei.

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/174329678

Bildtext: Viel Musik, Sport, Kultur und gutes Essen: Das Sommerfest der Goethe-Universität auf dem Campus Westend bietet alles für einen gelungenen Tag. Foto: Peter Kiefer


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 17 2025
12:18

DFG fördert neue geisteswissenschaftliche Doktorand*innenschule und verlängert Förderung für Kolleg zu Bildgebung in Lebenswissenschaften

Neues Graduiertenkolleg zur Ästhetik der Demokratie

Demokratie ist nicht nur eine Staatsform, sondern auch eine Form des Zusammenlebens: Auf dieser Grundannahme basiert das Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ an der Goethe-Universität Frankfurt, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt hat. Ebenfalls bewilligt wurde die Verlängerung des Graduiertenkollegs „Verknüpfung von Bildanalyse und Molekularen Lebenswissenschaften“, das nun weitere 4,5 Jahre arbeiten kann.

FRANKFURT. „Die Demokratieforschung führt in den geisteswissenschaftlichen Fächern bislang ein eher randständiges Dasein. Das wollen wir ändern“, sagt Prof. Johannes Völz, Amerikanist an der Goethe-Universität und Sprecher des neuen Graduiertenkollegs „Ästhetik der Demokratie“. Praktiken, Rituale und Normen der gelebten Demokratie seien durch die sozialwissenschaftlichen Disziplinen ausgiebig erforscht, nicht jedoch die sinnliche Dimension. Gerade in Zeiten, da die demokratisch verfassten Gesellschaften weltweit in die Defensive gerieten, sei aber das Wissen um die ästhetisch-emotionalen Bedingungen demokratischen Zusammenlebens wichtig. Die kritische Auseinandersetzung, das ständige Ringen um die richtige Form des Zusammenlebens gehöre zum Wesenskern des demokratischen Prinzips: „Die Aushandlung ihrer Form ist ihre Form“, heißt es im Antrag. Während die Ästhetik des Faschismus gut erforscht sei, gebe es zur Ästhetik der Demokratie kaum Literatur, betont Johannes Völz.

Dies soll sich mit Hilfe des neuen Graduiertenkollegs nun ändern. Was macht die Demokratie jenseits von Institutionen und Prozessen aus? Wie manifestiert sie sich in sinnlichen Erfahrungen? „Solange uns nicht bewusst ist, was das demokratische Zusammenleben ausmacht, wird es uns schwerfallen, die Demokratie zu verteidigen“, so Völz. Der geisteswissenschaftliche Blick auf die Demokratie verspricht dabei auch ungewohnte Perspektiven. So gehen die Antragsteller davon aus, dass sich auch in autoritären Staaten vereinzelt demokratische Formen des Zusammenlebens ausmachen lassen, etwa in der Populärkultur Chinas, in der Casting Shows im Staatsfernsehen Anfang der 2000er Jahre als demokratische Praxis verstanden und gefeiert wurden.

Internationaler Schwerpunkt für ästhetische und kulturelle Demokratieforschung
Knapp sechs Millionen Euro hat die DFG für die erste Förderphase zugesagt. Zwei Kohorten von je zwölf Doktorand*innen werden in den nächsten fünf Jahren an einschlägigen Themen arbeiten. Zum Sprecher*innenteam gehört neben dem Amerikanisten Völz, der an der Goethe-Universität die Professur für Amerikanistik mit Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ innehat, die Philosophin Sophie Loidolt von der Technischen Universität Darmstadt. Hinzu kommen zehn weitere Wissenschaftler*innen aus einem breiten Fächerspektrum der Geisteswissenschaften. Vertreten sind Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, Amerikanistik, Film- und Medienwissenschaften, Germanistik, Kunstgeschichte, Neuere Geschichte, Philosophie, Skandinavistik und Sinologie. Hervorgegangen ist das Graduiertenkolleg aus dem Verbund „Democratic Vistas: Reflections on the Atlantic World“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften, dem sämtliche beteiligten Wissenschaftler*innen angehören. 18 internationale Partnerinstitute auf fünf Kontinenten werden mit dem Kolleg kooperieren. Zudem werden die Doktorand*innen ihre Forschung mit regionalen Einrichtungen aus Kultur und Politik in der Zivilgesellschaft verankern. Die Ausschreibung wird im Spätsommer beginnen, der Start ist für April 2026 geplant.

Graduiertenkolleg zur Bildgebung in den Lebenswissenschaften verlängert
Auch das interdisziplinäre Graduiertenkolleg „Verknüpfung von Bildanalyse und Molekularen Lebenswissenschaften“ (Interfacing Image Analysis and Molecular Life Science, iMOL) an der Goethe-Universität hat einen positiven Bescheid erhalten: Das Kolleg, das seit 2020 junge Wissenschaftler*innen an der Schnittstelle von Lebenswissenschaften und Informatik ausbildet, kann seine Arbeit für weitere 4,5 Jahre fortsetzen.

Hintergrund des Graduiertenkollegs, an dem auch das Max-Planck-Institut für Biophysik beteiligt ist, ist die rasante Entwicklung von Methoden der Bildverarbeitung und Bildanalyse, etwa durch neuronale Netzwerke, sowie die Weiterentwicklung neuer Mikroskopietechniken. Die Kombination dieser Fortschritte ermöglicht Bilder mit beeindruckender Informationsdichte und einer stetig wachsenden Zahl von Anwendungsmöglichkeiten.

„Im Zentrum unseres Kollegs steht die Bildanalyse mittels neuronaler Netzwerke zur Extraktion von Informationen aus hochkomplexen biologischen Datensätzen der Licht- und Elektronenmikroskopie“, erklärt Professor Achilleas Frangakis, Sprecher des Graduiertenkollegs und Mitglied im jüngst bewilligten Exzellenzcluster SCALE an der Goethe-Universität. In den Lebenswissenschaften würden kaum Informatiker*innen ausgebildet, während Biolog*innen oft das notwendige Wissen zur Datenverarbeitung fehle. Diese Lücke schließt das iMOL-Graduiertenkolleg durch ein wissenschaftliches Programm, das innovative Technologieentwicklung mit hypothesengeleiteten Anwendungen in den Lebenswissenschaften kombiniert.

Drei zyklisch verbundene Forschungsbereiche
Das Forschungsprogramm gliedert sich in drei zentrale Bereiche: Der erste Bereich konzentriert sich auf die technologische Verbesserung der Mikroskopietechniken, etwa durch die Entwicklung spezieller neuronaler Netzwerke, um die Datenaufnahme schneller und mit einem besseren Signal-zu-Rausch-Verhältnis zu gestalten. Der zweite Bereich fokussiert sich auf Anwendungen in den Lebenswissenschaften – beispielsweise bei Gewebeproben – zur Gewinnung hochwertiger Bilddaten. Der dritte Bereich entwickelt neue Algorithmen zur Bildverarbeitung und -interpretation, die bislang unzugängliche Informationen erschließen.

Von besonderer Bedeutung ist der interdisziplinäre Ansatz: Die Datenanalyse fließt zurück in das Mikroskopdesign und in die Entwicklung neuer Hypothesen – ein geschlossener Kreislauf entsteht. Das Graduiertenkolleg bietet Absolvent*innen beider Fachrichtungen klare Einstiegsmöglichkeiten in Mikroskopdesign und Datenerfassung. „Die Lebenswissenschaften liefern die komplexesten und herausforderndsten Proben, und wir entwickeln herausragende Algorithmen, insbesondere auf der Basis neuronaler Netzwerke, um diese Daten zu analysieren und zu interpretieren“, betont Frangakis. Die interdisziplinären Kompetenzen, die die Kollegiat*innen dabei erwerben, sind sowohl in der akademischen Forschung als auch in der Industrie äußerst gefragt.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Johannes Völz 
Institut für Amerikanistik
Goethe-Universität
Telefon 069 798-32364
E-Mail voelz@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Achilleas Frangakis
Direktor Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Institut für Biophysik
Goethe-Universität 
Telefon 069 798-46462
E-Mail achilleas.frangakis@biophysik.uni-frankfurt.de
https://imol.uni-frankfurt.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Dr. Phyllis Mania, Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 17 2025
11:14

Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität veröffentlicht Handreichung für Lehrkräfte

Umweltbildung als Teil des Islamunterrichts

Menschengemachter Klimawandel und Artensterben gehören zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Doch wie können Lehrkräfte des Islamischen Religionsunterrichts umweltethische Themen behandeln und junge Menschen zu umweltbewusstem Handeln motivieren?

FRANKFURT. Im Rahmen ihrer Reihe WiFo paper hat die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main eine neue Handreichung zur „Umweltbildung für den Islamischen Religionsunterricht" veröffentlicht, die sich an Lehrkräfte richtet.

„Umweltbildung in islamisch-theologischer Perspektive bedeutet mehr als die Vermittlung von Wissen über Klima, Natur und Ressourcen: Sie will junge Menschen dazu befähigen, sich als verantwortliche Akteur_innen in einer verletzlichen Mitwelt zu begreifen – religiös verankert, ethisch geleitet und gesellschaftlich wirksam. Indem wir dabei Fragen ökologischer Gerechtigkeit mit religiöser Sinnstiftung verknüpfen, schaffen wir Lernräume, in denen muslimische Jugendliche mit ihren Erfahrungen, Perspektiven und Zukunftsfragen ernstgenommen werden", so Asmaa El Maaroufi, Autorin und Juniorprofessorin für Islamische Ethik am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster.

In der Handreichung werden sowohl koranische Perspektiven auf Umwelt als auch islam-ethische Ansätze wie das halīfa-Konzept als Ausdruck menschlicher Verantwortung und weitere Schlüsselbegriffe wie Gerechtigkeit (ʿadl) vorgestellt. Daneben liefert die Publikation praxisorientierte Anknüpfungspunkte für Lehrkräfte des Islamischen Religionsunterrichts. Konkrete Unterrichtsentwürfe, die sich für die Klassenstufen 5 bis 10 eignen, ermöglichen es Lehrenden, Themen wie Artenschutz, Plastikvermeidung oder nachhaltigen Konsum im Unterricht zu behandeln. Ergänzt wird die Handreichung durch umfangreiche Angaben zu weiterführender Literatur sowie eine digital verfügbare Materialsammlung, die zusätzliche Unterrichtsentwürfe und Unterrichtsmaterialien umfasst. Die Unterrichtsentwürfe wurden von Lehrkräften des Islamischen Religionsunterrichts entwickelt und bereits erfolgreich im Unterricht eingesetzt.

„Mit der Publikation möchten wir die islamisch-theologische Umweltethik mit didaktischen Konzepten verbinden und so eine Brücke zwischen Wissenschaft und pädagogischer Praxis schlagen. Die in der Handreichung versammelten Beiträge zeigen, religiöse Umweltbildung kann ein Motor für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln sein. Denn die Bewahrung der Schöpfung ist ein Anliegen, das Christ_innen, Muslim_innen und andere Glaubensgemeinschaften gleichermaßen verbindet“, so AIWG-Geschäftsführern Dr. Raida Chbib.

Die Autorinnen
Dr. Asmaa El Maaroufi ist Juniorprofessorin für Islamische Philosophie mit dem Schwerpunkt Islamische Ethik am Zentrum für Islamische Theologie in Münster (ZIT). Sie hat Philosophie, Geschichte und Germanistik für das Lehramt an Gymnasien an der Technischen Universität in Darmstadt und Islamisch-Theologische Studien an der Goethe-Universität studiert. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen insbesondere die Anthropologie und die Islamische Ethik, wozu auch die Auseinandersetzung mit umwelt- und tierethischen Fragen gehört.

Esra Doğanay hat an der Technischen Universität Hamburg Bau- und Umweltingenieurwesen mit den Vertiefungen Umwelt, Stadt und Verkehr studiert. Seit 2014 ist sie ehrenamtlich bei NourEnergy e. V. in leitender Funktion tätig. Hier entwickelt sie mit ihrem Team u. a. Konzepte und Kampagnen für muslimische Organisationen zum Thema Nachhaltigkeit.

Laura Pusch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin im Projekt „Zukunft schmackhaft machen – Utopien für eine inklusive Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie im Reallabor Tecklenburg". Zuvor war sie wissenschaftliche Hilfskraft am Arbeitsbereich Islamische Philosophie mit dem Schwerpunkt Ethik am Zentrum für Islamische Theologie Münster (ZIT).

In ihrer Reihe WiFo paper präsentiert die AIWG Projektberichte, Positionspapiere und explorative fachliche Beiträge aus den Wissenschaftsformaten der AIWG. Sie greifen verschiedene islamtheologische Themen aus den universitätsübergreifenden Projekten auf und tragen damit zu fachwissenschaftlichen Diskursen und zum interdisziplinären Austausch bei.

Die Handreichung und die digitale Materialsammlung kann auf der Webseite der AIWG heruntergeladen werden unter: https://aiwg.de/publikationen_wifo_paper/

Weitere Informationen
Stefanie Golla-Dehmamy
Referentin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft an der Goethe-Universität
Telefon 069 798-22459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 16 2025
12:40

Ausstellung zum 110-jährigen Jubiläum des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität / Vernissage am 26. Juni 2025.

Unboxing (Art-)History. Ein Fach und seine (Bild-)Medien

FRANKFURT. Mit einem feierlichen Akt wurde am 5. April 1916 das Kunstgeschichtliche Seminar der Goethe-Universität, das ein Jahr zuvor seinen Lehrbetrieb aufgenommen hatte, in den Räumen des Städelschen Kunstinstituts eröffnet. Die Zeit zwischen den Weltkriegen war von Euphorie und Tatendrang, zugleich von finanziellen Entbehrungen gekennzeichnet. Entlassungen im Zuge der nationalsozialistischen Machtübernahme führten beinahe zur Schließung des Instituts. Hinzu kamen erhebliche Verluste innerhalb der Lehrmittelsammlung durch Kriegsschäden. Die unmittelbare Nachkriegszeit war daher stark von den Bemühungen um den Wiederaufbau des kunstwissenschaftlichen Apparats geprägt.

Von diesen Ereignissen handelt ein Lehr- und Ausstellungsprojekt, das sich unter dem Titel „Unboxing (Art-)History. Ein Fach und seine (Bild-)Medien“ ab dem 26. Juni 2025 im Schopenhauer-Studio der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main präsentiert. Ausgestellt wird eine exemplarische Auswahl an Objekten, die die Geschichte des Instituts greifbar machen. Dabei werden zugleich zentrale Aspekte wissenschaftlicher Arbeit, ihre historische Entwicklung sowie aktuelle Perspektiven anschaulich vermittelt. Im Zentrum des Projekts stehen die Erforschung historischer Lehrmittel und Medien sowie deren heutige Relevanz in Forschung und Lehre. Ziel ist es, durch die gemeinsame Analyse dieser Materialien nicht nur wissenschaftliche Arbeitstechniken zu vermitteln, sondern auch historische und aktuelle Methoden des kunstgeschichtlichen Fachs kritisch zu reflektieren.

Unter den Exponaten finden sich historische Glasdias, deren älteste Beispiele bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreichen, ebenso wie Albumindrucke mit hochwertigen Gemäldereproduktionen. Für den Titel ausschlaggebend war eine Box aus dem Nachlass von Rudolf Kautzsch (1868–1945), dem ersten Ordinarius des Kunstgeschichtlichen Instituts und einstigem Rektor der Goethe-Universität (1919/1920). Darin fand sich ein Konvolut mit rund 800 Fotografien, von denen sich, wie die Recherche erbrachte, zahlreiche mit Publikationen von Kautzsch in Verbindung bringen lassen. So auch 60 Fotografien von Albert Renger-Patzsch (1897–1966), der neben seiner Rolle als ein prominenter Vertreter der Neuen Sachlichkeit ein Studio für wissenschaftliche Fotografie betrieb.

Die Ausstellung bündelt Ergebnisse, die seit dem Sommersemester 2024 im Rahmen mehrerer Lehrveranstaltungen gesammelt und gemeinsam mit den Student*innen aufbereitet wurden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den bislang nur unzureichend ausgeleuchteten Stationen und Aspekten der Institutsgeschichte. So wird am Beispiel von vier Kunsthistorikerinnen, die in Frankfurt studierten, die Seite des Studiums beleuchtet. Bemerkenswert ist etwa die 1922 eingereichte Dissertation von Ottilie Rady (1890–1987), die ein beachtliches Konvolut selbst angefertigter Zeichnungen enthielt, oder die Biografie von Erna Auerbach (1897–1975), die neben ihrer wissenschaftlichen Laufbahn außerdem eine Karriere als Malerin verfolgte.

Vernissage am 26. Juni 2025 
Die Vernissage der Ausstellung mit einer Begrüßung durch Vertreter*innen der Universitätsbibliothek sowie des kuratorischen Teams findet am 26. Juni 2025 ab 19 Uhr im Foyer der Zentralbibliothek (Freimannplatz 1, 60325 Frankfurt am Main) statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Ausstellung wird bis zum 31. August 2025 geöffnet sein und kann ohne Voranmeldung zu folgenden Zeiten besucht werden: dienstags bis freitags von 10:30 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 10:30 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Parallel werden die Ergebnisse auf einer Webseite dokumentiert, die fortan als Plattform zur öffentlichen Darstellung der Geschichte des Kunstgeschichtlichen Instituts fungieren soll. 

Mehr Informationen unter https://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/kgi-geschichte/

Kurator: Dr. Thomas Helbig, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunstgeschichtlichen Institut.

Unterstützung erhielt das Projekt vom Schreibzentrum der Goethe-Universität und von der Vereinigung der Freunde und Förderer der Universität sowie der Benvenuto Cellini-Gesellschaft.

Das Pressefoto zu „Unboxing (Art-)History. Ein Fach und seine (Bild-)Medien“ erhalten Sie als Download hier: https://next.hessenbox.de/index.php/s/DTRXHCEnyHapB7J

Weitere Informationen und Kontakt für Pressefragen allgemein: 
Melanie Baunemann, Stabsstelle Kommunikation & Ausstellungen der Universitätsbibliothek JCS, Tel. +49 (152) 023 506 97; E-Mail: kom@ub.uni-frankfurt.de

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS) zählt mit ihren umfangreichen Beständen und Sammlungen zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands. Sie vereinigt in sich die Funktionen einer Universitätsbibliothek mit zahlreichen Landesaufgaben, einer wissenschaftlichen Bibliothek für die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet sowie einer Schwerpunktbibliothek innerhalb der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung. https://www.ub.uni-frankfurt.de/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 13 2025
09:56

Studiengalerie 1.357 an der Goethe-Universität zeigt den Film „The Undercurrent“ des britischen Künstlers Rory Pilgrim.  

Die Instabilität der Adoleszenz in Zeiten der Klimakrise

FRANKFURT. Rory Pilgrim führt in „The Undercurrent“ das Lebensgefühl einer Generation vor Augen, die mit sich selbst und einer Welt voller Krisen ringt. Der Film begleitet Heranwachsende in einer Zeit voller Zweifel, Widersprüche und dem Wunsch nach Orientierung. Ihre persönlichen Geschichten spiegeln globale Herausforderungen wie Klimawandel und soziale Ungleichheit.

Ausstellung: 
Rory Pilgrim, „The Undercurrent“ (2019/ongoing, HD Film, 50:00)
18.06. - 09.07.2025, Studiengalerie 1.357, IG-Farben-Haus 
Eröffnung: 18.06.2025, 20.00 Uhr
Artist Talk: Lecture Rory Pilgrim
01.07.2025, 19.00 Uhr, Städelschule
Dürerstraße 10, Frankfurt am Main.

In „The Undercurrent“ hält ein Junge den Betrachter*innen ein Handyfoto einer Pflanze entgegen – obwohl er mitten in der Natur steht. Statt direkt hinzusehen, zoomt er in das digitale Bild. Eine Geste, in der Entfremdung, aber auch das Bedürfnis nach Nähe zum Ausdruck kommt. Eine junge Frau entdeckt ein verrostetes Fahrzeug in der Natur. Sie setzt sich hinein, greift ans Lenkrad und stellt das Fahren nach. Ein Bild für Orientierungssuche – und für den Widerspruch, dass wir Veränderung wollen, aber Technologien nutzen, die die Krise mitverursachen. Heranwachsen bedeutet nicht zu wissen, wo man steht. Sich ausprobieren, verlieren und neu finden. Technologien versprechen Freiheit, erzeugen aber Abhängigkeit: Wie frei sind wir, wenn die Werkzeuge unserer Freiheit Teil des Problems sind?

„The Undercurrent“ ist aus einem Workshop hervorgegangen, in dem Rory Pilgrim mit jungen Klimaaktivist*innen zusammenarbeitete. Sie lernten sich kennen, tauschten Erfahrungen aus und bauten Vertrauen auf. Aus diesen Begegnungen entstand eine kollektive Dynamik, die den Film strukturell und inhaltlich prägt. Gedreht wurde in Boise, der Hauptstadt des Bundestaates Idaho, die von vertrocknenden und wüsten Landschaften umgeben ist. Pilgrim arbeitet mit metaphorischen Bildern: Immer wieder blickt die Kamera durch Fenster und Türen von Häusern, die als fragile Zufluchtsorte erscheinen, in denen die Nähe der Beteiligten untereinander aber auch ihre Distanz gegenüber der Welt aufscheint. 

Die Phase der Adoleszenz und der Klimawandel: beide markieren einen instabilen Zustand. In der Sorge um- und füreinander, die in den leisen, fragmentarischen Geschichten und einer emotionalen Bildsprache zum Ausdruck kommt, scheint für den Künstler die Perspektive für eine Zukunft zu liegen. Eine eigens entwickelte musikalische Komposition trägt den Film und unterstreicht diese Stimmung.

Rory Pilgrim (*1988, Bristol, Großbritannien) ist ein interdisziplinär arbeitender Künstler. Er verbindet Film, Musik, Zeichnung und Performance mit gesellschaftlichen Themen wie Klima, Fürsorge und sozialer Gerechtigkeit. Pilgrim studierte am Chelsea College of Art and Design in London und bei De Ateliers in Amsterdam. Seine Arbeiten entstehen oft in Zusammenarbeit mit Jugendlichen, Aktivist*innen oder Menschen mit Behinderung. Ausstellungen u. a. im Van Abbemuseum (Eindhoven), in den Serpentine Galleries (London) und bei der Biennale de Lyon. 2019 erhielt er den Prix de Rome, 2023 wurde er für den Turner Prize nominiert.

STUDIENGALERIE 1.357
Öffnungszeiten im Semester: Montag bis Donnerstag 12–17 Uhr, freier Eintritt.
Goethe-Universität, Campus Westend, IG-Farben-Haus,
Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Die seit 2010 existierende STUDIENGALERIE 1.357 ist ein Lehr- und Lernprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften. Die Studiengalerie versteht sich als Lehr- und Lernort, in dem durch Kunst aktuelle gesellschaftspolitisch relevante Themen in die Universität hineingetragen werden. Studierende lernen komplexe Thematiken international anerkannter Künstler*innen aufzubereiten. Die Studiengalerie 1.357 ist öffentlich zugänglich und richtet sich sowohl an ein universitäres Publikum als auch an die Frankfurter Öffentlichkeit. studiengalerie.uni-frankfurt.de    

Kontakt: Emma Tomberger, Studiengalerie 1.357, e.tomberger@web.de 


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 12 2025
11:33

Neuer Katalysator zur Spaltung der starken Kohlenstoff-Fluor-Bindung an Goethe-Universität entwickelt – Potenzial auch in der Herstellung medizinischer Wirkstoffe

PFAS: Neuer Weg zum Abbau von „Ewigkeitschemikalien“

Chemiker der Goethe-Universität haben einen Katalysator entwickelt, mit dem sich per- und polyfluorierte organische Verbindungen (PFAS) ‒auch bekannt als „Ewigkeitschemikalien“ ‒ gezielt abbauen lassen könnten. Wegen ihrer günstigen Eigenschaften werden PFAS vor allem dazu genutzt, um Oberflächen schmutz- und wasserabweisend zu machen. In der Umwelt sind sie extrem langlebig und werden kaum zersetzt; einige PFAS gelten als gesundheitsgefährdend. Besonders macht den neuen Katalysator, dass er ohne kostspielige oder giftige Schwermetalle wie Platin, Palladium oder Iridium auskommt. Er könnte nicht nur zum PFAS-Abbau genutzt werden, sondern auch zur Herstellung von Medikamenten. 

FRANKFURT. Eigentlich sind PFAS großartige Moleküle: Schon eine dünne PFAS-Schicht lässt Wasser ebenso abperlen wie Öl und Schmutz. Gleichzeitig sind PFAS äußerst widerstandsfähig gegenüber Hitze und UV-Licht. Das macht sie zur beliebten Beschichtung von atmungsaktiver Outdoor-Kleidung, schmutzabweisenden Teppichen, Einweggeschirr, Bügeleisen oder Pfannen, in denen die Bratkartoffeln geröstet werden anstatt anzubrennen. Industriell werden PFAS als Schmiermittel verwandt, als Tenside und Netzmittel, bei der Verchromung oder in Feuerlöschmitteln. Die Liste ist lang, PFAS finden sich fast überall.

Diese Vorzüge haben ihren Preis: Da PFAS so widerstandfähig sind, bleiben sie auch dann in der Umwelt, wenn sie eigentlich nicht mehr gebraucht werden. Zwar lassen sich PFAS in Müllverbrennungsanlagen nahezu vollständig verbrennen. Werden Materialien wie zum Beispiel Textilien oder Klärschlamm jedoch recycelt, können sich PFAS im Stoffkreislauf anreichern und in die Umwelt gelangen, wo sie in Gewässern, Böden, Pflanzen und auch im menschlichen Körper nachweisbar sind. Dies ist besonders problematisch, weil einige der rund 4700 PFAS-Verbindungen im Verdacht stehen, krebserregend zu sein oder andere Gesundheitsschäden hervorzurufen.

Das Erfolgsrezept ‒ und gleichzeitig die Problematik ‒ der PFAS liegen in ihren molekularen Strukturen, die äußerst stabile Bindungen zwischen Kohlenstoff- (C) und Fluoratomen (F) aufweisen. Chemikern um Prof. Matthias Wagner vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt ist es nun gelungen, einen Katalysator zu entwickeln, der solche C-F-Bindungen spaltet, und das innerhalb von Sekunden und bei Raumtemperatur. Herzstück des Katalysators sind zwei Bor-Atome, die so in ein Kohlenstoffgerüst eingebettet sind, dass sie unempfindlich gegenüber Luft und Feuchtigkeit sind. Diese für Borverbindungen ungewöhnliche Eigenschaft erleichtert den Umgang mit dem Katalysator erheblich.

Christoph Buch, Doktorand in der Arbeitsgruppe von Prof. Wagner und Erstautor der Studie über den neuen Katalysator, erläutert: „Für die Spaltung der C-F-Bindungen benötigen wir Elektronen, die unser Katalysator besonders effizient überträgt. Als Quelle dieser Elektronen verwenden wir bislang noch Alkalimetalle wie Lithium. Wir arbeiten aber bereits daran, stattdessen elektrischen Strom als Elektronenquelle zu nutzen, was zu einem deutlich einfacheren und effizienteren Verfahren führen wird.“ 

Wagner sieht für den Katalysator neben dem Abbau von PFAS noch weitere Anwendungsfelder: „Sehr viele pharmakologisch wichtige Substanzen enthalten Fluoratome, um die physiologische Stabilität zu erhöhen und die Wirkung zu optimieren. Auch die Aufnahme eines Wirkstoffs kann durch den gezielten Einbau von Fluoratomen verbessert werden. Mit dem Katalysator haben wir jetzt ein Werkzeug geschaffen, mit dem man sehr gezielt den Fluorierungsgrad solcher Substanzen steuern kann.“

Publikation: Christoph D. Buch, Alexander Virovets, Eugenia Peresypkina, Burkhard Endeward, Hans-Wolfram Lerner, Felipe Fantuzzi, Shigehiro Yamaguchi, Matthias Wagner: Planarity Is Not Plain: Closed- vs Open-Shell Reactivity of a Structurally Constrained, Doubly Reduced Arylborane toward Fluorobenzenes. Journal of the American Chemical Society (JACS, 2025), https://doi.org/10.1021/jacs.5c05588  

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/174065098

Bildtexte: 

1 Anti-Haftbeschichtungen: PFAS-haltige Beschichtungen sorgen dafür, dass das Ei in der Pfanne nicht anbackt. In der Umwelt werden PFAS kaum abgebaut und gelten daher als daher als „Ewigkeitschemikalien“. Foto: Markus Bernards für Goethe-Universität Frankfurt

2 Neue Katalysator spaltet C-F-Bindungen: Zwei Bor-Atome (grüne Kugeln) sind in ein Gerüst aus Kohlenstoffatomen (schwarz) eingebettet. Die für die C-F-Spaltung nötigen Elektronen stammen derzeit noch aus Lithium (pink), künftig aus elektrischem Strom. Bild: Gruppe von Matthias Wagner, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen

Prof. Dr. Matthias Wagner
Institut für Anorganische und Analytische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +4969 798 29156
matthias.wagner@chemie.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/58708118/Group_of_Prof__Dr__Matthias_Wagner

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Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de