​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Feb 9 2023
16:22

Die Universitätsbibliothek Frankfurt im Strategie- und Transformationsprozess: Direktorin Daniela Poth spricht im neuen UniReport darüber, wo es hingehen soll. 

Ein „Hub“ für Menschen, Wissen und Services

FRANKFURT. Die Herausforderungen sind gewaltig, vor allem die Digitalisierung hat für einen gewaltigen Veränderungsdruck gesorgt: Wie sieht die Zukunft der wissenschaftlichen Bibliotheken aus? Im Spätherbst 2021 machte sich die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg auf den Weg: Es sollte eine eigene Strategie entwickelt werden, um die Institution gut für die Zukunft aufzustellen. Noch stärker als in der Vergangenheit soll die Bibliothek zu einem Knotenpunkt des interdisziplinären Austauschs und der Wissenschaftsunterstützung werden. Mitarbeitende und Expert*innen waren im Prozess involviert, am Ende stand das „strategische Zielbild 2032“. Nun geht es um die Umsetzung, erste Schritte sind getan.  

Daniela Poth, Direktorin der Universitätsbibliothek, spricht im Interview mit dem UniReport über den Strategie- und Transformationsprozess, über die technologische Entwicklung, über das veränderte Nutzerverhalten und die neuen Anforderungen an die Kompetenz ihrer Mitarbeitenden. Auch wenn die Bibliothek der Zukunft als ein sich ständig verändernder Organismus gedacht werden sollte: In der Rolle einer Universitätsbibliothek in der Informationsversorgung sieht Poth zugleich ein Kontinuum: Die Rolle „beinhaltet weiter das Auswählen, Bereitstellen und Kontextualisieren von Informationen, um unseren Nutzenden Orientierung zu geben“, so Daniela Poth im neuen UniReport.

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

Aktuelles
  • „Biodiversität stärker ins öffentliche Bewusstsein zu tragen – darin sehe ich meine Aufgabe“: Prof. Karin Böhning-Gaese über ihre Berufung in den Rat für Nachhaltige Entwicklung.
  • Die Zukunft hat schon begonnen: Prof. Uwe Walz, Professor für VWL, hat ChatGPT bereits im laufenden Wintersemester mit Studierenden analysiert.
  • „Ich möchte Deutschlands beste Uni-App für Studierende entwickeln“: Chief Information Officer Ulrich Schielein erläutert im Interview, wie die App noch besser werden kann.
Forschung
  • Weniger hilft mehr: Das mildere Gift von Wildbienen verspricht ein größeres pharmazeutisches Anwendungspotenzial als das der Honigbiene, zeigt eine Studie von Forschenden aus Frankfurt und Gießen
  • „Manchmal ist Verdecken von Widerstand notwendig“: Wo und warum es verdeckten Widerstand in demokratischen Gesellschaften gibt, erkundet ein neuer Sammelband des Instituts für Sozialforschung.
  • Auf den Spuren einer gefährlichen Infektionskrankheit: Der Mikrobiologe Volkhard Kempf hat mit einem Team Peru bereist, um mit einem kürzlich entwickelten Test die Bekämpfung des tödlichen Oroya-Fiebers voranzutreiben.
  • Substanzkonsum weiterhin auf niedrigem Niveau: Studie „MoSyD“ zu Drogentrends Jugendlicher in Frankfurt zeigt auf einigen Feldern zwar eine leichte Zunahme, aber nur auf den Stand der Vor-Corona-Zeit.
  • Und ruckzuck entstehen Bilder im Kopf: Kathryn Barnes forscht zu ikonischen Wörtern im Deutschen und deren Wirkung auf Leser und Zuhörer.  

Studium, Lehre und Qualifikation

  • Wissenschaftliches Schreiben will gelernt sein: Eine Interviewserie mit Lehrenden der Goethe-Universität zeigt auf, dass auch ‚Profis' mitunter Schreibprobleme haben.
  • Tenure-Track-Professur: Ein „Kulturwandel“ vonnöten? Einblicke aus dem „Tenure-Track-Netzwerk.  
  • Einsatz für ihre Landsleute: Die ukrainische Promovierende Mariana Shumliakivska ist mit dem „Stipendium für herausragendes Engagement internationaler Studierender an der Goethe-Universität“ ausgezeichnet worden.
Campus
  • Auch Tiere trauern und zeigen Mitgefühl: Lisa Czellnik, Masterstudentin an der Goethe-Universität, konnte mit der renommierten Philosophin Prof. Martha Nussbaum ein Interview über ihr neues Buch führen.
  • Geburtstag des Studierendenhauses: Am 21. Februar 2023 jährt sich die Eröffnung zum 70. Mal, eine Ausstellung würdigt die Geschichte des weit über Frankfurt hinaus bekannten Gebäudes.
Kultur
  • Über die „Geister“ eines Gebäudes: Die Künstlerin und Filmdozentin Laura J. Padgett möchte das IG-Farben-Haus und den Campus Westend in ihrer historischen Vielschichtigkeit erkunden.
  • Polyphone Angst und Verwirrung: Die Frankfurter Literaturwissenschaftlerin Anna Yeliz Schentke hat mit ihrem Debütroman „Kangal“ eine erstaunliche Resonanz im Literaturbetrieb geerntet.

International

  • Über Erzählungen eine gemeinsame Welt teilen: Der Politikwissenschaftler Dr. Nojang Khatami erforscht am Forschungskolleg Humanwissenschaften, wie die liberalen demokratischen Ordnungen mit einem stärkeren Ethos der Solidarität belebt werden können.

Bibliothek

  • Open-Access-Publikationsfonds der Goethe-Goethe-Universität: Mit frischen Fördermitteln ins Förderjahr 2023.
  • Wer bin ich, und wenn ja, mit wem bin ich affiliert? Mit eindeutigen Angaben und einem ORCID-Profil für Klarheit sorgen.

Der UniReport 1/2023 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe


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Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 8 2023
16:14

StreitClub mit Nicole Deitelhoff und Michel Friedman / Diesmal als Gäste: Carlo Masala und Johannes Varwick

„Europas Sicherheit – Sind wir auf Krieg vorbereitet?“

FRANKFURT. In der Reihe „StreitClub“ treffen diesmal zwei Polit-Experten aufeinander, die sich bisher nur auf Twitter duelliert haben: Prof. Carlo Masala und Prof. Johannes Varwick. Nicole Deitelhoff, Politikprofessorin an der Goethe-Universität und Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt, lädt gemeinsam mit dem Publizisten und Moderator Michel Friedman

am Montag, 13. Februar, um 19:30 Uhr
im The English Theatre Frankfurt,
Gallusanlage 7
60329 Frankfurt am Main

wieder zum Diskutieren ein – diesmal unter dem Titel „Europas Sicherheit – Sind wir auf Krieg vorbereitet?“.

Die Unsicherheit der Europäer ist angesichts des Krieges in der Ukraine groß. Wie lässt sich ein Frieden überhaupt wiederherstellen? Und was braucht es dafür? Strategische Autonomie? Eine europäische Armee? Schon die Präsidentschaft Donald Trumps hat viele in Europa zum Nachdenken gebracht. Das Gefühl breitet sich aus, dass Europa seine Sicherheit selbst mitverantworten muss. Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine steht das Thema Krieg nun unmittelbar auf der politischen Tagesordnung. Wie kann Europa selbst für seine Sicherheit sorgen?

Darüber diskutieren Deitelhoff und Friedman mit den beiden Politikwissenschaftlern Prof. Johannes Varwick (Universität Halle) und Prof. Carlo Masala (Universität der Bundeswehr). Während Johannes Varwick vor den Gefahren eines Stellvertreterkrieges warnt und für Verhandlungen plädiert, sieht Carlo Masala die Anfänge eines Weltordnungskonflikts, der nur mittels Waffenlieferungen eingehegt werden kann. Die Fortsetzung des hitzigen Twitterschlagabtauschs live auf der Bühne!

Prof. Johannes Varwick (Jahrgang 1968) hat an der Universität Halle den Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und europäische Politik inne. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Publizistik und Wirtschaftspolitik in Münster und Leeds wurde er 1998 mit einer Arbeit zu „Sicherheit und Integration in Europa“ promoviert. Von 2019 bis 2021 war er Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), seit 2010 ist er Mitglied im VN-politischen Beirat des Auswärtigen Amts, sowie seit 2013 im Editorial Advisory Board der Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik.

Prof. Carlo-Antonio Masala (Jahrgang 1968) hat seit 2007 die Professur für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr in München inne. Nach seinem Studium der Politikwissenschaften, Germanistik und Romanischen Philologie wurde er 1996 mit einer Arbeit über die deutsch-italienischen Beziehungen zwischen 1963 und 1969 promoviert. Anfang 2004 wurde er Research Advisor und 2006 Deputy Director in der Forschungsabteilung des NATO Defense College in Rom. Masala ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Politik (ZfP), der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB) und der Zeitschrift für Strategische Analysen (ZfSA). Außerdem ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik sowie ständiger Sachverständiger in der Enquete Kommission des Deutschen Bundestags zum Afghanistaneinsatz.

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff ist Professorin für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität und Direktorin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Sie forscht und lehrt zu internationaler politischer Theorie, globalem Regieren und Konflikten um Institutionen und Normen sowie zu sozialen Bewegungen und der Zukunft der Demokratie. 2008 erhielt sie den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2017 wurde ihre Arbeit mit dem Schader-Preis prämiert. Sie ist Sprecherin des bundesweiten Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), Sprecherin des Leibniz-Forschungsverbunds „Krisen einer globalisierten Welt“ und Co-Sprecherin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ sowie der Forschungsinitiative „ConTrust – Vertrauen im Konflikt“. Im August 2022 hat sie außerdem die Leitung des Expertengremiums zur fachwissenschaftlichen Begleitung der documenta15 übernommen.

Dr. Dr. Julien Michel Friedman ist ein deutsch-französischer Jurist, Philosoph, Publizist und Autor. Von 2016 bis 2021 war er zudem Honorarprofessor an der Frankfurt University of Applied Sciences und Geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies (CAES). Aktuell moderiert er für den Südwestrundfunk (SWR) das Demokratieforum im Hambacher Schloss und empfängt seit 2017 beim Berliner Ensemble regelmäßig Gäste für das Format „Friedman im Gespräch“. Seit September 2020 ist Michel Friedman außerdem Moderator der Veranstaltungsreihe „Denken ohne Geländer“ des Jüdischen Museums in Frankfurt. Folgende Bücher von ihm sind bisher erschienen: „Kaddisch vor Morgengrauen“ (2005), „Zeitenwende“ (2020), das in Zusammenarbeit mit Harald Welzer entstand, „Streiten? Unbedingt!“ (2021) und jüngst „Fremd“.

Beim StreitClub sind außerdem immer Schülerinnen und Schüler einer Schule aus Frankfurt und Umgebung zu Gast, diesmal sind dies Oberstufenschüler der Frankfurter Ziehenschule. Sie werden den Streit hinter der Bühne kritisch analysieren, Wortmeldungen des Online-Publikums entgegennehmen und sich via Tablet live mit den Moderatoren verständigen. Die letzte halbe Stunde des StreitClubs kommen zudem zwei dieser Jugendlichen als Co-Moderatoren auf die Bühne.

Der StreitClub ist neben anderen Formaten Teil des Projekts „Frankfurt streitet!“ des Frankfurter FGZ-Standorts. 

Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft, eine Online-Teilnahme ist möglich unter https://www.youtube.com/watch?v=NeP5NpCeSnE. Wenige Pressekarten sind erhältlich bei Katja Maasch, maasch@em.uni-frankfurt.de.

Das Veranstaltungsplakat und Porträtfotos von Nicole Deitelhoff, Michel Friedman, Johannes Varwick und Carlo Masala finden Sie zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/132147511

Informationen und Aufzeichnungen zum StreitClub finden Sie hier: https://fgz-risc.uni-frankfurt.de/category/veranstaltungen/streitclub/

Informationen:
Katja Maasch
Referentin für Wissenstransfer
maasch@em.uni-frankfurt.de
069 798 31548


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 8 2023
12:19

Spieltheoretische Studie des theoretischen Physikers Prof. Claudius Gros 

Studie der Goethe-Universität: Auch die Investoren leiden bei unkontrolliertem Wettbewerb um frei zugängliche Ressourcen

Der unkontrollierte Wettbewerb um frei zugängliche Ressourcen wie Fischbestände oder Wasser kann nicht nur für die Ressourcen fatale Folgen haben. Auch die Investoren werden in solch einem Wettbewerb letztlich an ihr Existenzminimum getrieben. Dies hat Prof. Claudius, theoretischer Physiker an der Goethe-Universität, jetzt in einer spieltheoretischen Studie gezeigt.

FRANKFURT. Der Zustand von frei zugängliche Ressourcen wie Fischbestände, Wasser oder Luft kann sich bei unkontrollierter Nutzung dramatisch verschlechtern. In den Volkswirtschaften spricht man von der „Tragedy of the Commons“ („Tragödie der Allmende“). Für ihre Studien zu diesem Thema hat Elinor Ostrom 2009 als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Ostroms Fragestellung, wie man die „Tragödie“ verhindern kann, ist heute gleichermaßen aktuell wie vor 20 Jahren.

Die Spieltheorie beschäftigt sich mit Situationen, in denen eine Anzahl von Akteuren miteinander konkurrieren. Der einzelne Teilnehmer versucht dabei, den eigenen Gewinn zu maximieren. Man spricht von einem „Nash-Gleichgewicht“, wenn es für keinen der Akteure eine Möglichkeit gibt, den Gewinn weiter zu steigern. Die „Tragedy of the Commons“ ist ein typisches spieltheoretisches Szenario. In diesem Fall konkurrieren die Akteure nicht direkt, sondern indirekt: Wenn sich jemand ein Stück vom einem gemeinsamen Kuchen abscheidet, dann ist danach für andere weniger da.

In einer Studie hat Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität Frankfurt nun das Nash-Gleichgewicht für die „Tragedy of the Commons“ untersucht und dabei ein unerwartetes Ergebnis gefunden: Wenn ein gemeinsames Gut unter N Interessenten mehr oder weniger gleichmäßig aufgeteilt wird, dann erhält jeder einen Anteil von der Größenordnung 1/N. Davon sind allerdings noch die jeweiligen Investitionskosten abzuziehen. Gros' Berechnungen zeigen nun, dass die Akteure im Gleichgewicht ihre Investitionen so weit erhöhen, bis die Investitionskosten nahezu den Wert der Ressourcen erreichen, die sich der einzelne Investor sichern kann. Mathematisch konnte der theoretische Physiker zeigen, dass der endgültige Gewinn des einzelnen Investors wie 1/N² skaliert.

Die ursprüngliche Erwartung, dass die Investoren einen jeweils proportionalen Anteil von der Ressource erhalten, bleibt nach den Untersuchungen von Claudius Gros richtig. Dies führt jedoch nicht zu einem Gewinn in demselben Verhältnis, da der Gewinn um eine Potenz in der Anzahl der Investoren kleiner ist. Dass sich das endgültige Ergebnis, also der Nettogewinn, so dramatisch verschlechtert, wird von Gros als „katastrophale Armut“ bezeichnet. Es bedeutet, dass der ungeregelte Wettbewerb den einzelnen Akteur an die Grenze zur Profitabilität treibt, dem Existenzminimum. Gleichfalls konnte Gros zeigen, dass ein Abrutschen in katastrophale Armut vermieden wird, wenn die Akteure untereinander kooperieren. Kooperation führt zu einem Nettogewinn, der der Anzahl der Investoren klassisch in einfacher Potenz entspricht.

Das Ergebnis der Untersuchungen ist daher, dass die „Tragödie der Allmende“ um eine Potenz mehr Schaden anrichten kann als bisher angenommen. Bei einer unkontrollierten Nutzung kann es nicht nur zur übermäßigen Ausbeutung einer Ressource kommen, worauf der Fokus bisheriger Untersuchungen lag. Darüber hinaus leiden auch die Investoren selbst darunter, dass sie lediglich den eigenen Profit maximieren. Mathematisch konnte Gros zeigen, dass technologischer Fortschritt diesen Prozess intensiviert und dass entweder alle oder aber die große Mehrheit der teilnehmenden Investoren letztendlich von der katastrophalen Armut betroffen sind. Wenn überhaupt, dann können lediglich einige wenige Investoren – die Oligarchen – einen größeren Gewinn erwirtschaften.

Publikation: Claudius Gros, „Generic catastrophic poverty when selfish investors exploit a degradable common resource“, Royal Society Open Science (2023) https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.221234

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/131929975

Bildtext: Prof. Dr. Claudius Gros, Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Weitere Informationen
Prof. Dr. Claudius Gros
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798-47818
gros07@itp.uni-frankfurt.de
https://itp.uni-frankfurt.de/~gros/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 7 2023
12:06

Drei Frankfurter Fachinformationsdienste gehen in die nächste Förderphase.

DFG bewilligt Mittel für weiteren Ausbau der Informationsangebote an der Universitätsbibliothek

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt umfangreiche Mittel für den weiteren Ausbau der drei Fachinformationsdienste (FID) "Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft", "Biodiversitätsforschung" und "Linguistik" und fördert die drei Projekte in den nächsten Jahren an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main mit knapp 3,5 Millionen Euro. Damit stellt die Frankfurter Universitätsbibliothek sechs von aktuell 37 Fachinformationsdiensten im nationalen DFG-Programm zur Unterstützung von Wissenschaft, Forschung und Lehre.

Die DFG fördert seit 2016 den FID Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL). In der nunmehr dritten Projektphase wird der Ausbau des mittlerweile etablierten Fachportals avldigital.de fortgesetzt, das die komparatistische Community in ihrer Recherche-, Publikations- und Kommunikationspraxis ganz wesentlich unterstützt. Neben der Integration zusätzlicher Spezialkataloge wie der maßgeblichen Comic-Bibliografie BOBC sowie Babelkat, der größten deutschsprachigen Bibliografie-Datenbank des Übersetzerwissens, wird der FID AVL völlig neue Serviceangebote aufbauen. Dazu zählen u.a. Verzeichnisse von laufenden Habilitationsvorhaben und literaturwissenschaftlichen Übersetzungsprojekten sowie ein Nachweissystem für komparatistische Forschungsdaten. Die Open-Access-Kultur in der Komparatistik wird u.a. durch einen eigenen kleinen Publikationsfonds gestärkt. Ebenfalls neu: auf dem FID-eigenen Repositorium CompaRe finden künftig auch ausgewählte Beiträge aus Wissenschaftsblogs sowie Podcasts Aufnahme. Nach wie vor gepflegt wird der umfassende Erwerb gedruckter Spezialliteratur. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Nachnutzbarkeit von Infrastruktur sowie der Aktualität der Inhalte von avldigital.de, was durch kooperatives Arbeiten im Rahmen eines stabilen Netzwerks sichergestellt wird. Die Bereitschaft zahlreicher Institutionen, mit dem FID AVL zu kooperieren, belegt die breite Akzeptanz des bisher eingeschlagenen Weges.

Dass die Biodiversitätsforschung vor großen Herausforderungen steht, ist beispielsweise durch das Insektensterben und die Folgen eines Klimawandels ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Für die Forschungen in diesem Bereich ist es erforderlich, Informationen aus der Literatur der letzten 250 Jahre zu extrahieren und für effiziente IT-gestützte Analysen bereitzustellen. Nur wenn diese umfangreichen Daten mobilisiert werden können, ist eine zuverlässige Beurteilung aktuell ablaufender ökologischer Veränderungen möglich. Der FID Biodiversitätsforschung (BIOfid) leistet hierzu einen grundlegenden Beitrag. In der dritten Projektphase des seit 2017 geförderten FID wird vor allem Literatur zu Themenfeldern wie Bodenökologie oder Insektensterben digitalisiert, mit fortgeschrittenen Text-Mining-Methoden verarbeitet und verfügbar gemacht. Weitere Ziele von BIOfid sind die Förderung von Open Access, die Verfügbarmachung von fachspezifischen Text-Mining-Werkzeugen und eine umfassende Versorgung mit Spezialliteratur zur Biodiversität.

Der FID Linguistik ist eine zentrale Serviceeinrichtung für die Allgemeine Linguistik, die Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft und die einzelphilologischen Sprachwissenschaften. In der dritten Förderphase wird die Informationsplattform des FID, das Linguistik-Portal, weiter ausgebaut. Dies geschieht durch die konsequente Vernetzung des Portals mit Linked Open Data, durch die Einbindung von weiteren einschlägigen Informationsquellen und durch den Einsatz von Semantic-Web-Technologien. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Optimierung der Recherche nach Forschungsdaten und der Erhöhung ihrer Sichtbarkeit. Die Sichtbarkeit wird bspw. dadurch erhöht, dass Sekundärliteratur mit Sprachkorpora, elektronischen Wörterbüchern und korpuslinguistischen Tools verknüpft wird. Ein zusätzlicher Fokus liegt auf kleinen und bedrohten Sprachen. Zur Versorgung der Fachcommunity mit relevanten Informationsressourcen betreibt der FID Linguistik konventionellen Literaturerwerb und stellt überregionale Lizenzen für kommerzielle Sprachkorpora, korpuslinguistische Zeitschriften und ausgewählte, hochspezielle Datenbanken bereit. Zur Stärkung der Open-Access-Infrastruktur plant der FID Linguistik Maßnahmen zur Verbesserung der Suchbarkeit von linguistischen Open-Access-Publikationen und setzt sein Engagement für das Hosting und die organisatorische Unterstützung von E-Journals fort.

Mit den sechs Fachinformationsdiensten Afrikastudien, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Biodiversitätsforschung, Darstellende Kunst, Jüdische Studien sowie Linguistik positioniert sich die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg als feste Größe im System der Infrastruktureinrichtungen für Wissenschaft und Forschung und leistet einen wertvollen Beitrag für das gesamte FID-Netzwerk in Deutschland.

Information:
https://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_foerderangebote/fachinfodienste_wissenschaft/index.html

Kontakt:
FID Allgemeine u. Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL): Dr. Volker Michel, v.michel@ub.uni-frankfurt.de - https://www.avldigital.de/
FID Biodiversitätsforschung (BIOfid): Dr. Gerwin Kasperek, g.kasperek@ub.uni-frankfurt.de - https://www.biofid.de/de/
FID Linguistik: Heike Renner-Westermann, h.renner-westermann@ub.uni-frankfurt.de - https://www.linguistik.de/

Kontakt für Pressefragen allgemein:
Bernhard Wirth, Stabsabteilungen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 2 2023
17:25

Institut franco-allemand de sciences historiques et sociales wird künftig von deutsch-französischer Doppelspitze geleitet 

Deutsch-französische Forschung als Ausdruck deutsch-französischer Freundschaft

Das Institut franco-allemand de sciences historiques et sociales (Deutsch-französisches Institut für Geschichts- und Sozialwissenschaften) hat eine neue Leitung: Nach elf Jahren hat Prof. Pierre Monnet den Stab in die Hände der Historikerin Prof. Xenia von Tippelskirch und des Historikers Dr. habil. Falk Bretschneider übergeben.  

FRANKFURT. „Frankreich ist Ihnen zu großem Dank verpflichtet“: Um das zu sagen, war der französische Botschafter S.E. François Delattre eigens aus Berlin angereist. Seine Worte galten Prof. Pierre Monnet, dem scheidenden Leiter des Institut franco-allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS / Institut français Frankfurt). Bei einer Feier im Trude Simonsohn und Irmgard Heydorn-Saal auf dem Campus Westend wurde Monnet verabschiedet, die neue Doppelspitze vorgestellt. Künftig werden Prof. Xenia von Tippelskirch und Dr. habil Falk Bretschneider, beide Geschichtswissenschaftler, die Geschicke des Instituts lenken.

Der Mittelalter-Historiker Pierre Monnet war von 2011 bis 2022 Direktor des Instituts, das zunächst Institut français d'histoire en Allemagne hieß, 2015 dann zum Institut franco-allemand de science historiques et sociales wurde. 2013 erhielt Monnet eine Kooperationsprofessur an der Goethe-Universität. Seit 2005 bereits hatte er eine Professur an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) inne. Unter Monnets Leitung wurden sowohl die wissenschaftlichen Projekte und Netzwerke des Instituts weiterentwickelt als auch die Wirkung in die Frankfurter Stadtgesellschaft verstärkt mit Formaten wie dem „Café Europa“ in der Romanfabrik und den EuropaDialogen im Rahmen des Forschungskollegs Humanwissenschaften. Die Vertiefung und Verdichtung der deutsch-französischen Zusammenarbeit habe sich wie ein roter Faden durch Monnets Amtszeit gezogen, fasste Prof. Christophe Duhamelle, Direktor des Centre interdisciplinaire d'études et de recherches sur l'Allemagne Paris, das Wirken Monnets in seiner Laudatio zusammen.

„Die Goethe-Universität dankt Herrn Monnet für sein langjähriges Engagement beim Aufbau des IFRA und wünscht der neuen deutsch-französischen Doppelspitze, die das Institut in die Zukunft führen wird, viel Ehrgeiz, Energie und Erfolg bei der Umsetzung ihrer Vorhaben. Das IFRA ist unser klares Bekenntnis zur deutsch-französischen Wissenschaftskooperation und zur strategischen Partnerschaft mit der EHESS. Durch die Forschungsschwerpunkte des IFRA ergeben sich Synergien mit universitätsweit verfolgten Themen der Goethe-Universität und im Rahmen der Rhein-Main-Universitätsallianz und in Frankreich“, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff und ergänzte: „Unser Tun hat starke Signalwirkung und wird positive Entwicklungen im Europäischen Forschungsraum fördern.“

Das IFRA-SHS / Institut français Frankfurt ist eine deutsch-französische Einrichtung, die vom französischen Außen- und Europaministerium (MEAE), der Goethe-Universität und der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) Paris getragen wird. Es erfüllt einerseits Forschungsaufgaben und fördert den wissenschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich im Bereich der Geistes-und Sozialwissenschaften, ist andererseits aber auch als Institut français Frankfurt ein französisches Kulturinstitut, das sich mit einem reichhaltigen Kulturprogramm ganzjährig an ein breites Publikum wendet. Mit seiner deutsch-französischen Direktion, seinem internationalen Team und seinem dichten Netz an Kooperationspartnern ist es ein wichtiger Bestandteil des deutsch-französischen sowie europäischen Wissenschaftsaustauschs und der interkulturellen Zusammenarbeit.

Nachdem der bisherige Direktor Pierre Monnet von der französischen EHESS aus abgeordnet worden war, teilen sich künftig Falk Bretschneider von der EHESS und Xenia von Tippelskirch von der Goethe-Universität die Verantwortung für das Institut.

Xenia von Tippelskirch, Jahrgang 1971, arbeitet seit Ende 2022 als Professorin für Geschichtswissenschaften an der Goethe-Universität. Ihr Schwerpunkt ist die Kultur- und Religionsgeschichte der Frühen Neuzeit, insbesondere hat sie zu Frömmigkeitspraktiken und Wissenstransfer zwischen Frankreich und dem Alten Reich gearbeitet. Falk Bretschneider, Jahrgang 1974, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Frankreich und befasst sich in seiner Forschung vor allem mit der Geschichte des Alten Reichs sowie mit der Geschichte der frühneuzeitlichen Strafjustiz. Sowohl Tippelskirch als auch Bretschneider sind seit langem in der deutsch-französischen Wissenschaftskooperation engagiert, u.a. bei der Leitung des Deutsch-Französischen Doktorandenkollegs „Unterschiede denken“, dessen Partner zukünftig auch die Goethe-Universität werden soll. Unter ihrer Leitung werden zwei zentrale Forschungsachsen die Arbeit des IFRA-SHS in den kommenden Jahren bestimmen: Das Verbundprojekt „Dynamiken des Religiösen“ und das Projekt „Imperiale Räume“. Daneben gibt es zahlreiche weitere Projekte am Institut, viele davon werden mit Partnereinrichtungen in Deutschland oder Frankreich durchgeführt.

Bei der Feier im Casinogebäude waren rund 90 Gäste anwesend, darunter zahlreiche Forscherinnen und Forscher aus der Universität, aber auch etliche Frankfurter Kulturschaffende.

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/131906314

Bildtexte:
Bild 1: Matthieu Osmont, Direktor des Institut français Bonn und Attaché der frz. Botschaft, Dr. Leopoldo Iribarren. Vizepräsident Internationales der École des hauts études en sciences sociales Paris, S.E. François Delattre, französischer Botschafter in Deutschland, Prof. Xenia von Tippelskirch, Prof. Pierre Monnet, Unipräsident Prof. Enrico Schleiff, Ilde Gorguet, frz. Generalkonsulin Frankfurt, Dr. habil. Falk Bretschneider, Prof. Rainer Maria Kiesow, Vizepräsident Forschung der École des hautes études en sciences sociales. (Foto: Jürgen Lecher)
Bild 2: Die neue Doppelspitze des Institut franco-allemand: Falk Bretschneider und Xenia von Tippelskirch. (Foto: Jürgen Lecher)
Bild 3: Die neue Doppelspitze mit ihrem Amtsvorgänger: Falk Bretschneider und Xenia von Tippelskirch mit Pierre Monnet (Mitte). (Foto: Jürgen Lecher)

Weitere Informationen
Dominique Petre
Kulturbeauftragte IFRA-SHS / Institut français Frankfurt
dominique.petre@institutfrancais.de
Telefon +49 69 798-31900
https://ifra-francfort.fr/de/forschung-1


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 2 2023
13:53

Kathryn Barnes forscht zu ikonischen Wörtern im Deutschen und deren Wirkung 

„Plitschplatsch“ ist glaubwürdiger als einfach nur nass

Wörter wie „ratzfatz“, „ruckzuck“ oder „pillepalle“ nennt man Ideophone. Sie kommen vor allem in der gesprochenen Sprache vor. Ihre Rolle im System Sprache ist bislang kaum erforscht. Eine junge Linguistin an der Goethe-Universität will das ändern. Sie schreibt ihre Doktorarbeit über die Semantik und Pragmatik von Ideophonen.

FRANKFURT. Natürliche Sprachen gelten als „arbiträr“: Die sprachlichen Zeichen und deren Bedeutung stehen in einem freien Verhältnis zueinander und beruhen nicht auf Ähnlichkeit. Wer zum Beispiel das Wort „Buch“ nicht kennt, kann sich die Bedeutung nicht aus der Form und Beschaffenheit des Wortes erschließen.

Aber es gibt auch Zeichen mit ikonischen Eigenschaften, die durchaus ohne Vorkenntnis auf die Bedeutung schließen lassen. Gesten und Mimik etwa: Als Begleiter der gesprochenen Sprache bringen sie zusätzlichen Bedeutungsinhalt ein. Und es gibt Ideophone. Das sind Wörter, die das Gemeinte klangmalerisch beschreiben; meist handelt es sich um Geräusche oder Bewegungen. Ein Ideophon kann ein Verb, ein Adjektiv oder ein Adverb sein, es beschreibt Art und Weise, Farbe, Geräusch, Geruch, Handlung, Zustand oder Intensität. In afrikanischen Sprachen sind Ideophone besonders häufig, im Deutschen gibt es sie weit seltener. Aber es gibt sie: „zickzack“, „holterdiepolter“, „ratzfatz“, „pille-palle“ oder „plemplem“. Und mit dieser Art von Wörtern befasst sich Kathryn Barnes.

Sie sind nicht nur Thema ihrer gerade entstehenden Dissertation, sondern auch eines jüngst in der linguistischen Zeitschrift „Glossa“ erschienenen Aufsatzes. Betreut wird ihre Arbeit von der Linguistin Prof. Cornelia Ebert, die auch das hochschulübergreifende DFG-Schwerpunktprogramm „Visuelle Kommunikation. Theoretische, empirische und angewandte Perspektiven (ViCom)“ koordiniert. Ebert hat in Bezug auf Gesten herausgefunden, dass diese auf einer anderen Ebene Bedeutung vermitteln als arbiträre Zeichen. Sie werden vom kommunikativen Gegenüber weniger in Frage gestellt. Barnes erforscht nun, ob dies auch auf Ideophone übertragen werden kann.

„Solche vermeintlichen Sonderfälle können viel über das Funktionieren von Sprache aussagen“, sagt Barnes. Für die als Aufsatz erschienene Studie musste Barnes wegen der Pandemie die notwendige Befragung als Onlineexperiment konzipieren. Insgesamt 40 Deutsch-Muttersprachler haben den Fragebogen ausgefüllt, der die Verwendung (Pragmatik) und Bedeutung (Semantik) von 20 Ideophonen beleuchten sollte.

Als ein Beispiel wird eine Szene aus dem Froschkönig verwendet, wo der Frosch plitschplatsch die Treppe zum Schloss hinaufsteigt. Im einen Beispiel wurde er zuvor als nass beschrieben, im anderen geschildert, dass die Sonne ihn bei der Ankunft an der Treppe vollkommen ausgetrocknet hatte. Bei Verwendung des Ideophons plitschplatsch konnten die Probanden die Schilderung auch dann akzeptieren, als die Aussage eigentlich unlogisch erscheinen musste. Anders bei Verwendung eines Adverbs – ganz ähnlich wie im Fall von Gesten wurde der Fehler von den Teilnehmern weniger beanstandet.

„Dies ist meines Erachtens die erste experimentelle Arbeit zum At-issue-Status von Ideophonen, die mit deutschen Sprechern durchgeführt wurde – und eine der ganz wenigen überhaupt zum Informationsstatus von Ideophonen“, sagt Prof. Cornelia Ebert. Im Deutschen jedenfalls seien Ideophone, die wie Satzglieder verwendet würden, „not at issue“, das heißt: Ihr Wahrheitsgehalt werde nicht im gleichen Maße in Frage gestellt wie der anderer Satzglieder. Ob das, was anhand deutschsprachiger Ideophone gezeigt werden konnte, auch auf andere Sprachen übertragbar sei, insbesondere auf solche, in denen die Verwendung von Ideophonen viel üblicher ist als im Deutschen, müsse sich noch zeigen.

Warum aber haben Ideophone (ebenso wie Gesten) eine höhere Glaubwürdigkeit? Weil sie Bilder im Kopf erzeugen, also auf einer anderen Verständnisebene wahrgenommen werden? Das will Kathryn Barnes weiter erforschen und dabei auch andere Sprachen, etwa das Spanische einbeziehen.    

Publikation: Barnes, K. R. & Ebert, C. & Hörnig, R. & Stender, T., (2022) “The at-issue status of ideophones in German: An experimental approach", Glossa: a journal of general linguistics 7(1). doi: https://doi.org/10.16995/glossa.5827

Weitere Informationen
Kathryn Barnes
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Institut für Linguistik
Goethe-Universität
069 798-32401
barnes@lingua.uni-frankfurt.de
https://sites.google.com/view/kathrynbarnes/home


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 1 2023
13:06

Ausstellung in der Universitätsbibliothek wird noch bis zum 26. Februar 2023 verlängert.

„ein/aus gepackt. Die Kinderbuchsammlung Benjamin“ nominiert für Dr. Marschner Ausstellungspreis

FRANKFURT. Fünf Ausstellungen des Jahres 2022 stehen auf der Shortlist des Preises "Ausgezeichnet Ausgestellt" der Dr. Marschner Stiftung. Auch die Ausstellung "ein/aus gepackt. Die Kinderbuchsammlung Benjamin" findet sich neben Ausstellungen in bekannten Häusern der Frankfurter Museumsszene (Museum für Moderne Kunst, Jüdisches Museum, Historisches Museum und Portikus) auf der Liste. „Die Nominierung“, so die Bibliotheksdirektorin Daniela Poth, „war für uns eine große Überraschung und noch größere Freude. Als eher kleiner Ausstellungsort, der zudem stark unter den Auflagen der Pandemie gelitten hat, ist es nicht immer leicht, innerhalb der großen Museumslandschaft Frankfurts wahrgenommen zu werden.“

Die in der Ausstellung präsentierte Kinderbuchsammlung ist der einzige Teil der Bibliothek von Walter Benjamin, der bis heute weitgehend geschlossen erhalten blieb. 1985 konnte das Institut für Jugendbuchforschung die reich illustrierten Märchen-, ABC- und Sachbücher an die Goethe-Universität holen. Anlass der Ausstellung ist die als Kooperation zwischen Universitätsbibliothek und Institut für Jugendbuchforschung jüngst erfolgte Digitalisierung sowie die konservatorische Sicherung der gut 200 historischen Bände. Die Ausstellung beleuchtet Inhalt und Bedeutung des Bestandes: Welche Stationen hat die Sammlung durchlaufen? Welche Rolle spielte sie für Benjamins Denken und Schreiben? Welche Fragen werfen die Bände und ihre Illustrationen heute auf?

Die Ausstellung nimmt den Moment des Ein- und Auspackens zum Ausgangspunkt und greift damit die dialektische Spannung zwischen Ordnung und Unordnung auf, die Benjamin in Bezug auf das Sammeln hervorgehoben hat. Mit der Geste des Auspackens öffnet sie den Bestand für neue Zugänge und ungewohnte Perspektiven. Die eigens für die Ausstellung entstandene Arbeit des Medienkünstlers Ilan Manouach, in der ein mit den Illustrationen der Sammlung trainierter Algorithmus neue Bilder generiert, lässt die Besucher*innen in den Bilderkosmos der Bücher eintauchen und fordert gleichzeitig zur kritischen Auseinandersetzung mit den dort aufgerufenen Welten auf. Der Soundtrack von Ketty van Doln setzt diese Aufforderung einem anderen Sinn ansprechend fort.

Das Schopenhauer-Studio, der Kommunikations- und Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, bietet Raum für Einblicke in Forschungs- und Lehrprojekte mit den universitären Sammlungen der Goethe-Universität. Auch an der nun nominierten Ausstellung waren neben den beiden Kurator*innen Dr. Judith Blume und Dr. Felix Giesa Studierende und Forschende der Goethe-Universität sowie Beschäftigte der Bibliothek beteiligt. Das so entstandene Konzept spiegelt diese Vielfalt wider: „Mit der Ausstellung möchten wir die Sammlung auspacken und sie für viele verschiedene Zugänge öffnen. Deshalb haben wir uns entschieden, wissenschaftliche, künstlerische, restauratorische und bibliothekarische Perspektiven auf die Sammlung sichtbar zu machen und so vielfältige Möglichkeiten der Auseinandersetzung anzubieten“, erläutert Judith Blume. „Die Sammlung ist innerhalb der Kinder- und Jugendbuchforschung, aber auch innerhalb der Benjamin-Forschung kaum beforscht. Genau das wird sich nun hoffentlich ändern“, ergänzt Felix Giesa.

Anlässlich der Nominierung wird die Laufzeit der Ausstellung bis zum 26.02.2023 verlängert. Die ursprünglich als Finissage geplante Veranstaltung am 7.2.2023, 18 Uhr wird nun unter dem Motto „Ceci n'est pas un finissage!“ eher eine Feier der Nominierung - mit kurzen Rück- und Ausblicken sowie mit groovigen Sounds.

Der Preis
Seit 2018 vergibt die Dr. Marschner Stiftung den mit 25.000 Euro dotierten Preis für ein herausragendes kuratorisches Konzept eines Ausstellungsprojektes. Der Dr. Marschner-Ausstellungspreis „Ausgezeichnet Ausgestellt“ richtet sich an alle Institutionen gemeinnütziger und öffentlicher Trägerschaften in Frankfurt am Main und Offenbach. Die Jury erstellt für das jeweilige Jahr eine Shortlist, aus der im folgenden Frühjahr dann der Preisträger verkündet wird. Ausgewählt werden Projekte, die sich durch ihre substanzielle kuratorische Arbeit sowohl für eine breite Öffentlichkeit als auch für ein Fachpublikum auszeichnen.

Förderung des Projektes
Ausstellung: Freundeskreis des Instituts für Jugendbuchforschung, Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst, Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität.
Digitalisierung: Programm „Neustart Kultur“ der Bundesregierung.
Konservatorische Sicherung: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK).

Ausstellung ein/aus gepackt. Die Kinderbuchsammlung Benjamin
Universitätsbibliothek
- Schopenhauer-Studio -
Bockenheimer Landstraße 134-138
60325 Frankfurt am Main
19. Oktober 2022 – (verlängert bis) 26. Februar 2023
Dienstag - Sonntag 13:00 - 18:00 Uhr
7. Februar 2023, 18 Uhr: "Ceci n'est pas un finissage!"
Information zur Ausstellung: https://www.ub.uni-frankfurt.de/ausstellung/benjamin.html
Information zum Ausstellungspreis: https://t1p.de/ausgezeichnet-ausgestellt-2022

Information:
Dr. Judith Blume, Koordinatorin universitäre Sammlungen, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel: +49 (69) 798 39197, E-Mail: j.blume@ub.uni-frankfurt.de und Dr. Felix Giesa, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kustos am Institut für Jugendbuchforschung, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: +49 (69) 798 33008, E-Mail: giesa@em.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein:
Bernhard Wirth, Stabsabteilungen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 30 2023
14:45

Online JOB-MESSE des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität. Freitag, 3.02.2022, von 13–18 Uhr

Die Vielfalt der pädagogischen Arbeit: Berufsperspektiven für Pädagog*innen

FRANKFURT. Die Online JOB-MESSE für Erziehungswisssenschaftler*innen und Pädagog*innnen startet um 13 Uhr mit einem Impuls zum Auftakt. Zwei ehemalige Studierende der Goethe-Universität beschreiben Ihren Weg „… von der Uni in die Bereichsleitung“. Befragt werden sie von der Dekanatsleitung des Fachbereichs Erziehungswissenschaften, Dr. Birte Egloff. Das Interview ermöglicht einen exklusiven Einblick in die Praxis.

Anschließend stehen 16 unterschiedliche Einrichtungen aus der pädagogischen Praxis in virtuellen Räumen bereit, ihre Arbeit und ihre laufenden Projekte vorzustellen und Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu beantworten. Das ist die Chance, direkt Kontakt zu einem*r gewünschten, neuen Arbeitgeber*in zu knüpfen. Ziel der JOB-MESSE ist es, Studierenden, Absolventinnen und Absolventen sowie pädagogischen Fachkräften durch die Auswahl an verschiedenen Institutionen zu zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten in dieser Branche sind und wie bedeutsam die Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen ganz besonders in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten ist.

Seit nunmehr 10 Jahren, seit 2012, veranstalten der Fachbereich Erziehungswissenschaften, das Paritätische Bildungswerk Hessen e.V. und das Team des Career Service von CAMPUSERVICE unter dem Titel „Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ die Jobmesse für Pädagog*innen. Dr. Birte Egloff, Dekanatsleitung des Fachbereichs Erziehungswissenschaften, erläutert die Besonderheit der Veranstaltung: „Viele Jahre war der Arbeitsmarkt für Pädagog*innen eher schwierig: auf wenige Stellen kamen viele Bewerber*innen, die Weiterentwicklungsmöglichkeiten waren beschränkt und die Arbeitsbedingungen wenig ansprechend – das hat sich inzwischen in vielen Aspekten geändert. Der Bedarf an pädagogischen Fachkräften in allen Bereichen der außerschulischen Bildung ist riesig. Bildungs- und Sozialeinrichtungen geben sich große Mühe, attraktive Arbeitsplätze anzubieten und Studierende und Absolvent*innen für sich zu gewinnen. Die Jobmesse bietet die Möglichkeit, sich entsprechend zu präsentieren. Für Studierende ist es eine großartige Chance, die Vielfalt der pädagogischen Arbeitsfelder kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. In den vergangenen Jahren wurden einige der Studierenden, die als Besucher auf der Jobmesse waren, ‚vom Fleck weg' auf freie Stellen übernommen.“

Interessierte können sich für die Jobmesse für Pädagog*inne anmelden unter: www.jobmesse-paedagogik.uni-frankfurt.de

 

Jan 30 2023
14:40

Die Musikensembles des Collegium Musicum der Goethe-Universität präsentieren ihre Abschlusskonzerte

Von Mozarts „Requiem“ bis zu deutscher Erstaufführung

FRANKFURT. Zum Abschluss des Wintersemesters 2022/23 laden das Sinfonieorchester, das Kammerorchester und der Chor sowie das Sinfonische Blasorchester der Goethe-Universität zu Konzerten ein. Das Semesterabschlusskonzert des Sinfonieorchesters findet am Donnerstag, den 2. Februar, um 20 Uhr im Casino-Festsaal auf dem Campus Westend statt. 

Auf dem Programm stehen die 5. Sinfonie von Peter I. Tschaikowski sowie die deutsche Erstaufführung der Sinfonie Nr. 2 „Un mondo nuovo“ von Nicola Campogrande (geb. 1969). Campogrande ist ein zeitgenössischer italienischer Komponist und Musikjournalist, der mehrere Opern und Orchesterwerke sowie Stücke für Kammermusik verfasst hat. 

Die Leitung des Konzerts hat Universitätsmusikdirektor Jan Schumacher. 

Das Kammerorchester veranstaltet am Dienstag, den 7. Februar, um 19 Uhr einen Kammermusikabend in der Lobby des PA-Gebäudes (EG) auf dem Campus Westend, u.a. mit dem Eliot-Quartett und Werken von Christian Ridil. Der Komponist, Chorleiter und Musikwissenschaftler Christian Ridil leitete bis 2008 die Frankfurter Universitätsmusik. 

Auf dem Programm des Universitätschors steht das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart, am Donnerstag, den 9. Februar, um 20 Uhr im Casino-Festsaal auf dem Campus Westend. 

Die Solisten Katharina Blattmann (Sopran), Nicole Schumann (Alt), Christian Rathgeber (Tenor) und Johannes Hill (Bass) werden am Klavier begleitet von Andreas Frese und Jonas Pinto (Klavierfassung von Carl Czerny). Es singt der Chor des Collegium Musicum der Goethe-Universität unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Jan Schumacher.

Das Konzert des Sinfonischen Blasorchesters findet am Montag, 6. Februar, um 20 Uhr im Casino-Festsaal auf dem Campus Westend statt. 

Auf dem Programm stehen Kompositionen und Arrangements unter anderem von Johan de Meij, Adam Gorb, Eric Whitacre und Jan Van Der Roost. Geleitet wird das Sinfonische Blasorchester seit seiner Gründung im Wintersemester 2016/2017 von Lisa Marie Bodem. 

Weitere Informationen https://unimusik-frankfurt.de/

 

Jan 26 2023
11:01

Collegium Musicum lädt zum Konzert des Sinfonischen Blasorchesters

Musikalischer Semesterabschluss 

FRANKFURT. Zum Abschluss des Wintersemesters 2022/23 lädt das Collegium Musicum der Goethe-Universität zum Konzert mit dem Sinfonischen Blasorchester. Die Veranstaltung findet am

Montag, 6. Februar, um 20 Uhr
im Casino-Festsaal
auf dem Campus Westend

statt. Das rund 60 Mitglieder starke Orchester spielt ein abwechslungsreiches Programm mit Kompositionen und Arrangements unter anderem von Johan de Meij, Adam Gorb, Eric Whitacre und Jan Van Der Roost. Geleitet wird das Sinfonische Blasorchester seit seiner Gründung im Wintersemester 2016/2017 von Lisa Marie Bodem. Die junge Dirigentin, die an der Goethe-Universität Musikwissenschaft und Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert hat, absolviert derzeit eine berufsbegleitende Ausbildung im Fach „Leitung von Blasorchestern-Metafoor“ bei Prof. Alex Schillings und Rob Goorhuis an der BDB-Musikakademie in Staufen im Breisgau. Zudem studiert sie Schulmusik (StEx Lehramt an Gymnasien, Hauptfach Posaune) an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/131288010

Bildtext: Am 6. Februar spielt zum Abschluss des Wintersemesters das Sinfonische Blasorchester des Collegium Musicum. (Foto: privat)

Informationen:
https://unimusik-frankfurt.de/sinfonisches-blasorchester/
https://www.facebook.com/Sinfonisches-Blasorchester-der-Goethe-Universit%C3%A4t-Frankfurt-374196172926844/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 25 2023
11:41

Podiumsgespräch Bürger-Universität über Vertrauen und Protest in der Demokratie 

Wenn Widerstand sich im Verborgenen äußert

FRANKFURT. Demokratie ist eine lernfähige Form des Zusammenlebens. Sie lebt von loyaler Opposition – von öffentlich geäußerter Kritik, dem Einspruch, dem argumentierenden Protest ihrer Mitglieder. Doch nicht immer wird Kritik offen formuliert – weil sich etwa wie bei den sogenannten Reichsbürgern hinter dem Widerspruch eine destruktive Haltung verbirgt, die Rechtsstaatlichkeit attackiert. Oder weil Gruppen nicht gleichberechtigt in das demokratische Zusammenleben eingebunden sind und Bürger:innen mitunter so machtunterlegen sind, dass sie mit ihrer Position gar nicht durchdringen können.

Was ist an Demokratien falsch, wenn sich dieser Widerstand oft nur im Verborgenen äußern will oder kann? Was bedeutet dies für Bürgerinitiativen und ihre Protestformen?

Das Podiumsgespräch der Bürger-Universität

Unsichtbarer Widerstand – Vertrauen und Protest in der Demokratie
am 2. Februar 2023, 19 Uhr
im Normative Orders-Gebäude, Max-Horkheimer-Straße 2
60323 Frankfurt am Main

fragt nach Formen von Widerstand in der Demokratie, unter welchen Bedingungen sie entstehen und wie mit ihnen umgegangen werden kann.

Auf dem Podium diskutieren: Dominik Herold, (Mit-)Gründer und Sprecher des Netzwerks Paulskirche und der Nichtregierungsorganisation (NGO) mehr als wählen e. V., der Humangeograph Dr. Daniel Mullis vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, der Familien- und Jugendsoziologe Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty an der Goethe-Universität sowie die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann, die an der Goethe-Universität u.a. zu Internationalen Institutionen und Friedensprozessen forscht.

Veranstaltet wird das Podiumsgespräch von der Goethe-Universität in Kooperation mit der Clusterinitiative ConTrust am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität.

Weitere Informationen:
www.buerger.uni-frankfurt.de

Anmeldung unter: buergeruni@uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 25 2023
11:29

Juliane Rebentisch spricht zum Abschluss der partizipativen Redenreihe DenkArt „Kunst_weggespart oder systemrelevant?“ 

Keine Gesellschaft ohne Kunst? 

RANKFURT. Ist Kunst „systemrelevant“? Hilft sie, Probleme zu lösen? Stiftet sie Sinn? Oder kann im Ausnahmefall auf Kunst und kulturelle Einrichtungen verzichtet werden? Die Reihe DenkArt „Kunst weggespart oder systemrelevant?“ greift die Debatte über die Funktion von Kunst in der Gesellschaft in Vorträgen seit dem Herbst auf.

Zum Abschluss der partizipativen Redenreihe

am Montag, dem 30. Januar 2023,
um 19.30 Uhr
spricht
Prof. Dr. Juliane Rebentisch
über „Keine Gesellschaft ohne Kunst?“
im Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main.

In dem Vortrag der renommierten Philosophin und Ästhetikerin und der anschließenden Diskussionsrunde geht es unter anderem um die Position, die Kunst zwischen ihrer Autonomie und Eigenlogik als Bestandteil der Gesellschaft einnimmt, und um die Frage, ob es auch eine Politikerwartung an Kunst gibt und welche ästhetischen Dimensionen Politik und Demokratie auszeichnen.

Juliane Rebentisch ist Professorin an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und Assoziiertes Mitglied des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“.

Der Vortrag kann im Haus am Dom oder via Livestream online verfolgt werden. Die Tickets sind erhältlich an der Rezeption im Haus am Dom, im Internet unter https://hausamdom.reservix.de/events oder an den AD-Ticket-Vorverkaufsstellen adticket.de/vorverkaufsstellen. Die Übertragung via Livestream erfolgt über den folgenden Link https://youtu.be/TFbzpj_9QXI

Ziel der Reihe „DenkArt“ ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Daher werden im Anschluss an die Impulsvorträge die Zuschauer*innen miteinander ins Gespräch gebracht und erhalten die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen an die Gastredner*innen zu entwickeln.

Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Weitere Informationen
Anke Harms
Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität
anke.harms@normativeorders.net
069/798-31407
www.normativeorders.net
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
www.hausamdom-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 24 2023
11:57

Frankfurter Institut für Sozialforschung feiert 100-jähriges Jubiläum mit Festakt

Gesellschaftskritik auf der Höhe der Zeit

FRANKFURT. Am Montag, den 23. Januar 2023, jährte sich der Erlass des preußischen Kultusministers zur »Errichtung eines Instituts für Sozialforschung an der Universität Frankfurt als einer wissenschaftlichen Anstalt, die zugleich Lehrzwecken der Universität dient«, zum hundertsten Mal. Zu diesem Anlass hat das Institut für Sozialforschung (IfS) im Rahmen seines 100-jährigen Jubiläums zu einem presseöffentlichen Festakt eingeladen. Anwesend waren u.a. Vertreter:innen der hessischen Landesregierung, der Stadt Frankfurt, der Goethe-Universität sowie von zahlreichen akademischen wie zivilgesellschaftlichen Institutionen und Organisationen.

Der Direktor des IfS, Prof. Dr. Stephan Lessenich, verwies in seinem Redebeitrag auf die gegenwärtig stattfindende Entwicklung eines neuen Forschungsprogramms. Für die kritische Gegenwartsanalyse im Lichte einhundertjähriger Bemühungen um eine Gesellschaftskritik auf der Höhe der Zeit gelte es »mit dem konzeptionellen Fundus der Kritischen Theorie zu operieren, ohne seiner historischen Schwerkraft zu erliegen; mit der Dynamik der neuen Zeit zu gehen, ohne die kritische Distanz zu ihr zu verlieren. Die Tradition kritischer Theoriebildung und Sozialforschung verändernd fortschreiben: Das ist die ebenso erfüllende wie herausfordernde Aufgabe, vor die sich das IfS im Jahre 2023 gestellt sieht. Wie wollen wir an diese Aufgabe herangehen? In dem Bewusstsein, dass wir das Rad nicht neu erfinden werden, aber eben auch nicht müssen; dass es heute ums Ganze geht, um das Ganze der Gesellschaft und die Zukunft der Menschheit; dass die wissenschaftliche Ergründung des Ganzen, seiner Bewegung, seiner Widersprüche, seiner Grenzen, seiner Überwindung, nicht anders bewältigt werden kann als in einem kollektiven, kooperativen, kollegialen Arbeitszusammenhang.«

Zu seinem 100-jährigen Bestehen hat die Wissenschaftsministerin Angela Dorn die wichtige Rolle des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt für eine lebendige Demokratie hervorgehoben: »Das IfS steht seit Horkheimer, Benjamin und Adorno in einer philosophischen Tradition, die sich nicht damit begnügt, die Welt verschieden zu interpretieren, sondern sie auch verändern will. Es begann als Forschungsstätte zur Theorie und Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, der es um die Aufdeckung von Unrecht, um Emanzipation und Veränderung ging. Nach den Verbrechen des Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg eröffnete es 1951 wieder; der Zivilisationsbruch wurde zum Forschungsgegenstand. Die Kritische Theorie hat seit dem Anfang des IfS an Relevanz und Bedeutung nichts verloren. Wir brauchen dringend solche Einrichtungen. Um diese wichtige Rolle zu stärken, haben wir die Förderung des Landes von 2021 an gern von rund 620.000 auf nunmehr gut 870.600 Euro im Jahr erhöht.«

Die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt Dr. Ina Hartwig betonte in ihrer Rede die enge Verbindung von IfS und der Stadt Frankfurt: »Ich gratuliere dem Institut für Sozialforschung von Herzen zu seinem runden Geburtstag. Seit seiner Gründung strahlt es weit über die Grenzen Frankfurt hinaus und gilt national wie international als bedeutender Ort kritischer Gesellschaftstheorie und Sozialforschung. Das Institut für Sozialforschung hat – zuletzt mit dem langjährigen Direktor Axel Honneth, nun mit Stephan Lessenich an der Spitze – in den vergangenen 100 Jahren seine gesellschaftskritischen Positionen und eine empirische Forschungspraxis stets beibehalten. Zu sehen ist in den Veranstaltungen heute eine noch stärkere Öffnung des Hauses. Ein Ort nicht nur für Wissenschaftler und Studierende, sondern auch für Künstler und Kulturschaffende, für die Stadtgesellschaft. Ich bin mir sicher, dass das Institut für Sozialforschung auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine ›Frankfurter Schule‹ im besten Sinne bleiben wird!« Die Stadt Frankfurt unterstützt das IfS mit rund 356.000 Euro jährlich.

Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Enrico Schleiff, gratulierte in seinem Grußwort dem Institut für Sozialforschung herzlich zum 100. Geburtstag: »Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule ist eine der wissenschaftlichen Visitenkarten Frankfurts, die trotz der immer kürzer werdenden Halbwertszeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen und wissenschaftlichen Reputationen nach wie vor auch international glänzt.« Das Institut für Sozialforschung, so Schleiff, habe sich der aktiven Gestaltung der Gesellschaft durch wissenschaftliche Erkenntnisse auf höchstem Niveau verschrieben. Und diesem Anspruch sehe sich auch die Goethe-Universität verpflichtet. Schon jetzt seien die Beziehungen zwischen Universität und Institut eng, kooperiere man seit Anfang an auf vielfältigen Ebenen miteinander. Schleiff wünschte sich abschließend vom IfS: »Erforschen Sie in der Tradition der Kritischen Theorie Überraschungen, Verunsicherungen, Herausforderungen, damit eine unter wissenschaftlichen Vorzeichen stehende ›politische Aufklärung‹ gelingt!«

Kontakt:
Mirko Broll, Referent für Öffentlichkeitsarbeit am Institut für Sozialforschung
broll@em.uni-frankfurt


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 24 2023
11:08

Auszeichnung gemeinsam mit Brenda Schulman vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried – Grundlegende Arbeiten zum zellulärem Recyclingsystem durch Ubiquitin – Preisgeld 500.000 Schweizer Franken

Ausgezeichnet: Ivan Đikić von der Goethe-Universität erhält schweizerischen Louis-Jeantet-Preis für Medizin

Für seine Beiträge zur Erforschung eines der zentralen Regulationssysteme der Zelle, des Ubiquitin-Systems, wird Prof. Ivan Đikić, Direktor des Instituts für Biochemie II der Goethe-Universität Frankfurt, mit dem Louis-Jeantet-Preis für Medizin ausgezeichnet. Der Preis wird Đikić gemeinsam mit seiner Kooperationspartnerin Prof. Brenda Schulman vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München verliehen. Dies gab die schweizerische Louis-Jeantet-Stiftung heute bekannt. Der Louis-Jeantet-Preis für Medizin gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen für die biomedizinische Forschung und ist mit 500.000 Schweizer Franken (etwa 500.000 Euro) dotiert.

FRANKFURT. Für Wachstum, Stoffwechsel und Signalverarbeitung benötigen die Zellen unseres Körpers Tausende Proteine, die sie in orchestrierten Prozessen herstellen und auch wieder abbauen müssen. Bestimmte Enzyme, sogenannte E3-Ligasen, hängen kleine Eiweißketten aus Ubiquitin-Einheiten an defekte, überflüssige oder schädliche Proteine. So signalisieren sie dem „Schredder“ der Zelle, dem Proteasom, dass die jeweiligen Proteine wieder in ihre Bestandteile zerlegt werden soll. Seit vielen Jahren erforscht Prof. Ivan Đikić dieses Ubiquitin-System und entwickelt Methoden, es auch für die Bekämpfung von Krankheiten nutzen zu können.

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, gratulierte dem Preisträger: „Mit seinen Pionierarbeiten hat Ivan Đikić gezeigt, dass die Ubiquitinierung nicht nur Abbau- und Selbsterneuerungsprozesse in der Zelle steuert, sondern dass es verschiedene Arten von Ubiquitinketten gibt, die in der Summe in die Regulierung nahezu aller zellulärer Funktionen eingreifen. Damit hat er unser Verständnis des Ubiquitinsystems radikal erweitert und dessen Beziehungen zu Krankheiten wie Krebs oder neurodegenerativen Störungen offengelegt.“

Präsident Schleiff hob außerdem das innovative Anwendungspotenzial von Đikićs Forschungsarbeiten hervor: „Ivan Đikić ist ein brillanter Forscher. Er leitet unter anderem den Zukunftscluster PROXIDRUGS, der neue Wege zur Entwicklung von medizinischen Wirkstoffen auf Basis des Ubiquitinsystems beschreitet. Auf diese Weise sollen etwa krebsfördernde Proteine gezielt dem zellulären Abbausystem zugeführt werden, aber das wäre nur eine Möglichkeit der Anwendung. Dies eröffnet den Weg zu einer völlig neuen medikamentösen Substanzklasse, mit deren Hilfe sich auch die zahlreichen krankheitsrelevanten Proteine adressieren lassen, die bisher durch klassische, kleine Moleküle nicht erreichbar sind. Die Entwicklung solch neuartiger Substanzklassen ist auch ein wichtiges Thema in unserer Clusterinitiative EMTHERA, die wir zusammen mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gestartet haben und die von Ivan Đikić gemeinsam mit der Vorjahrespreisträgerin Özlem Türeci geleitet wird."

Đikić sagte: „Ich bin sehr stolz darauf, den Louise-Jeantet-Preis für Medizin gemeinsam mit meiner Kollegin und Freundin Brenda Schulman zu erhalten. Ich bin allen Mitgliedern meines Labors, den Kollegen in Frankfurt und allen Kooperationspartnern auf der ganzen Welt zu Dank verpflichtet, die bewiesen haben, dass die Kultur der Zusammenarbeit und des Datenaustauschs nicht nur Freude bereitet, sondern auch entscheidend für die Förderung wirkungsvoller wissenschaftlicher Entdeckungen ist. Unsere Forschung hat dazu beigetragen, Frankfurt und die Goethe-Universität unter den führenden Zentren für biomedizinische Forschung in Deutschland zu positionieren.“

Ivan Đikić, Jahrgang 1966, studierte an der Universität Zagreb Medizin und promovierte an der New York University. Er gründete seine erste unabhängige Gruppe am Ludwig-Institut für Krebsforschung in Uppsala, bevor er als Professor für Biochemie an die Goethe-Universität Frankfurt berufen wurde. Seit 2009 leitet Đikić hier als Direktor das Institut für Biochemie II. Von 2009 bis 2013 war er zudem Gründungsdirektor des Buchmann Instituts für Molekulare Lebenswissenschaften. Im Jahr 2018 wurde Đikić zum Fellow des Max-Planck-Instituts für Biophysik in Frankfurt ernannt. Er ist Sprecher des BMBF-geförderten Zukunftsclusters PROXIDRUGS, des DFG-geförderten Sonderforschungsbereichs 1177 zur selektiven Autophagie sowie Co-Sprecher des Clusterprojekts ENABLE und designierter Sprecher der geplanten Exzellenzinitiative EMTHERA. Ferner konnte er kürzlich bereits zum dritten Mal einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) einwerben. Für seine biomedizinische Forschung wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem 2013 mit den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Er ist gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der European Molecular Biology Organization (EMBO) und wurde außerdem in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.

Die Schweizer Louis-Jeantet-Stiftung verleiht seit 1986 jährlich die Louis-Jeantet-Preis an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die herausragende Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin leisten. Die Preisträgerinnen und -träger müssen in einem der Mitgliedsstaaten des Europarats tätig sein. Der Louis-Jeantet-Preis für Medizin ist mit 500.000 Schweizer Franken dotiert, von denen 450.000 für die Weiterführung der Forschung der Preisträger:innen und 50.000 für ihre persönliche Verwendung bestimmt sind.

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 26. April 2023, in Genf in der Schweiz statt.
Link: https://www.jeantet.ch/en/

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/123390769

Bildtext: Prof. Dr. Ivan Đikić. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Ivan Ðikić
Institut für Biochemie II, Universitätsklinikum Frankfurt und Goethe-Universität Frankfurt
sowie Buchmann Institut für molekulare Lebenswissenschaften
Tel: +49 (0) 69 6301-5964
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de
Twitter: @iDikic2


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 24 2023
10:15

Biochemiker und Arzt des Berlin Institute of Health erforscht Bildung unseres Blutes

Ein wegweisendes Verfahren für die Stammzelldiagnostik: Leif S. Ludwig erhält Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis

Der Biochemiker und Arzt Dr. Dr. Leif S. Ludwig (40) vom Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und vom Max Delbrück Centrum erhält den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2023. Das gab der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung heute bekannt. Basierend auf den neuesten Technologien zur Gensequenzierung einzelner Zellen hat der Preisträger ein Verfahren entwickelt, das die lebenslange Neubildung der Zellen des menschlichen Bluts bis zu 1.000-mal preiswerter, schneller und zuverlässiger analysieren kann als bisher möglich. Damit versetzt er die Medizin zum ersten Mal in die Lage, die Aktivität einzelner Blutstammzellen im Menschen mit vertretbarem Aufwand zu bestimmen.

FRANKFURT. Unser Blut erneuert sich ständig. In jeder Sekunde fließen ihm Millionen neuer Zellen zu, die absterbende Blutkörperchen ersetzen. Sie entspringen aus hämatopoetischen (blutbildenden) Stammzellen im Knochenmark und reifen dann Schritt für Schritt über mehrere Vorläuferstufen aus. Dabei werden traditionell vier große Entwicklungslinien unterschieden: Die erste Linie produziert die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren, die zweite liefert die Thrombozyten, die Blutungen stoppen und Wunden heilen lassen. In der dritten Linie entwickeln sich die weißen Blutkörperchen, die uns mit einer angeborenen Immunabwehr ausstatten, wie beispielsweise die Granulozyten, und in der vierten die B- und T-Zellen, auf deren Einsatz unsere im Infektionsfall erworbene Immunabwehr gründet. Je weiter die Forschung voranschritt, desto undeutlicher ließen sich diese Linien jedoch gegeneinander abgrenzen.

Die hämatopoetischen Stammzellen wurden 1961 entdeckt. Diese Entdeckung ermöglichte in den 1970-er Jahren die Einführung von Knochenmarkstransplantationen zur Behandlung bestimmter Formen von Blutkrebs. Aus der Beobachtung, wie sich transplantierte Zellen im Organismus des Empfängers verhalten, ergaben sich viele neue Erkenntnisse über die Blutbildung. Deren Aussagewert war aber dadurch eingeschränkt, dass sie unter künstlichen Bedingungen gewonnen wurden. Die transplantierten Stammzellen waren ja zuvor ihrem natürlichen Zusammenhang entrissen worden. Mit Hilfe von genetischen Markern gelang es jedoch, die Entwicklung von Blutzellen seit den 1980er Jahren in ihrem natürlichen Kontext zu erforschen. Dieses als Lineage Tracing bezeichnete Verfahren wurde in den folgenden Jahrzehnten mit immer größerer Präzision angewandt – allerdings nur in Tierversuchen, denn es verbietet sich von selbst, Menschen mit künstlichen genetischen Markern auszustatten.

Im menschlichen Blut ist Lineage Tracing nur durch die Beobachtung natürlicher Mutationen in der DNA möglich, die nach einer Zellteilung in der einen Tochterzelle vorkommen, in der anderen aber nicht, und sich so nur in bestimmten Zellfamilien (Klonen) weiterverbreiten. In den 2010er Jahren wurde versucht, solchen Mutationen im gesamten Genom von Blutzellen auf die Spur zu kommen. Das ist aber angesichts der mehr als drei Milliarden „Buchstaben“ (Basenpaaren) unseres Genoms trotz modernster Methoden sehr teuer und fehleranfällig. Leif Ludwig verlegte sich daher auf den Nachweis natürlicher Mutationen in den Mitochondrien von Blutzellen. Diese Zellkraftwerke verfügen über ein eigenes, viel kleineres Genom von rund 16.600 Basenpaaren. Leif Ludwig verknüpfte deren Analyse mit den neuesten Einzelzell-Sequenzierungstechnologien (Single Cell-Omics) und konnte dadurch gleichzeitig Aussagen über den aktuellen Gesundheitszustand der untersuchten Zellen treffen. Inzwischen haben er und sein Team die von ihnen entwickelte Methode so verfeinert, dass sie in Knochenmarks- und Blutproben eines Patienten viele Zehntausende Zellen analysieren können.

Seit langem wird vermutet, dass hämopoetische Stammzellen keine einheitliche Quelle sind, sondern vielmehr einen heterogenen Pool bilden, aus dem bei der unaufhörlichen Bildung neuen Blutes verschiedene, sich vielfältig verzweigende Entwicklungsflüsse entspringen. Aus einer Stammzelle könnten etwa nur Thrombozyten entstehen, aus einer anderen alle möglichen Blutzellen. Die Verwandtschaftsverhältnisse in unserem Blut sind also sehr unübersichtlich. Leif Ludwigs Analyseverfahren erlaubt nun, sie besser zu entwirren, um zum Beispiel zu erkennen, an welcher Abzweigung eine Leukämiezelle oder eine degenerative Veränderung entsteht. Es eröffnet der Humanmedizin erstmals die Möglichkeit, solche Untersuchungen in Zukunft im klinischen Alltag vorzunehmen und daraus therapeutische Konsequenzen abzuleiten.

Dr. rer. nat. Dr. med. Leif Si-Hun Ludwig studierte seit 2003 zunächst Biochemie an der Freien Universität Berlin, dann Humanmedizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Als Doktorand der Biochemie forschte er von 2011 bis 2015 am Whitehead Institute of Biomedical Research, als Post-Doc von 2016 bis 2020 am Broad Institute of MIT and Harvard, beide in Cambridge/USA. Seit November 2020 leitet er eine Emmy Noether-Forschungsgruppe am Berlin Institute of Health in der Charité und dem Berlin Institute for Medical Systems Biology (Max Delbrück Center).

Der Preis wird – zusammen mit dem Hauptpreis 2023 ­– am 14. März 2023 um 17 Uhr vom Vorsitzenden des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung in der Frankfurter Paulskirche verliehen.

Bilder des Preisträgers und ausführliche Hintergrundinformation „Was uns das Mitochondrium erzählt“ zum Download auf: www.paul-ehrlich-stiftung.de

Weitere Informationen
Pressestelle Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
E-Mail: j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de


Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 20 2023
11:25

Unabhängige Kommission stellt in einem Abschnitt wissenschaftliches Fehlverhalten fest, welches aber keine Aberkennung des Doktorgrads begründet

Dissertation von Dr. Mathias Döpfner: Kommission legt Prüfungsergebnis vor

FRANKFURT. Nach eingehender Prüfung der Dissertation von Herrn Dr. Mathias Döpfner, der 1990 an der Goethe-Universität mit der Arbeit „Musikkritik in Deutschland nach 1945 – Inhaltliche und formale Tendenzen – Eine kritische Analyse“ promoviert wurde, stellt die Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten aufgrund der mehrfachen wörtlichen oder gedanklichen Übernahme fremder geistiger Autorenschaft zwar ein wissenschaftliches Fehlverhalten fest. Die einzelnen Befunde seien jedoch in ihrer Summe und hinsichtlich ihrer Bedeutung für den wissenschaftlichen Kern der Arbeit nicht ausreichend, um eine Aberkennung des Doktorgrades zu begründen.

Die Kommission war im Februar 2022 tätig geworden, nachdem die Hochschulleitung durch Hinweise von zwei auf die Findung von Plagiaten spezialisierten Experten auf ein mögliches Fehlverhalten aufmerksam gemacht worden war.  Auf Grundlage der erhobenen Vorwürfe hatte die Kommission auf Antrag des Präsidiums ein Verfahren eingeleitet, um eine unabhängige Prüfung der Dissertation von Herrn Dr. Döpfner vornehmen zu können. Zur fachlichen Ergänzung ihrer Expertise hatte die Kommission zusätzlich einen musikwissenschaftlich ausgewiesenen Forschenden kooptiert.

Nach Prüfung der Arbeit gelangte die Kommission übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass in der Dissertation im Abschnitt „Historische Determinanten der Deutschen Musikkritik bis 1945“ (S. 29 - 50) der Vorwurf des wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Form mehrfach ungekennzeichneter Übernahmen oder Aneignungen fremden Gedankenguts erfüllt sei. Ein wissenschaftliches Fehlverhalten liege dort vor, wo – namentlich in Form eines Text- oder Ideenplagiats – ungeprüft originäre Formulierungen oder Gedanken der Quelle als eigene übernommen werden oder sonst eine zu enge Anlehnung an die Quelle erfolgt, die als solche hätte ausgewiesen werden müssen. Ein solches Vorgehen habe auch schon vor über 30 Jahren einen Verstoß gegen die damals geltenden Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis dargestellt. Daneben wurde eine Reihe von Blindzitaten und ungeprüft übernommenen Literaturangaben festgestellt, die nach geltender Rechtsprechung ebenfalls als Plagiate zu werten sind.

Allerdings konnte die Kommission den Vorwürfen in den Verdachtsanzeigen der beiden Plagiatssucher nicht in allen Punkten folgen, sodass sich nach ihrer Ansicht im Ergebnis eine deutlich geringere Anzahl an Verstößen ergibt, als dort jeweils moniert. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der sehr umfassende Hauptteil der Arbeit nach gegenwärtigem Stand nicht von den Plagiatsvorwürfen betroffen ist und auch keine Anhaltspunkte für wissenschaftliches Fehlverhalten ersichtlich sind.

Im Interesse einer möglichst transparenten Darstellung des Verfahrens macht die Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten auf Bitten des Universitätspräsidenten den gesamten Beschluss öffentlich. Dieser kann unter folgendem Link eingesehen werden: https://www.uni-frankfurt.de/131192024/

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff dankte der von Weisungen des Präsidiums und anderer Instanzen unabhängigen Kommission für ihre gründliche und sorgfältige Arbeit, die einen wichtigen Beitrag zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis darstelle. Die Goethe-Universität leiste mit der Transparenz einen aktiven Beitrag zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung und öffentlichen Nachvollziehbarkeit universitätsinterner Prüfungsprozesse. 

Herr Dr. Döpfner wurde am 17.01.2023 über die Ergebnisse der Prüfung unterrichtet. Der begründete Beschluss liegt ihm vor. Gegen den Beschluss kann Widerspruch eingelegt werden.

Die Kommission arbeitet nach der Satzung der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main zur Sicherung guterwissenschaftlicher Praxis. Diese ist unter folgendem Link verfügbar: https://www.uni-frankfurt.de/84252590/20191209_ck-neufassung-grundsatze-final.pdf


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 19 2023
15:52

Sozialministerium und Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität stellen regionale Prognosen vor

Bis 2028 fehlen 200.000 Fachkräfte – und das ist noch nicht der Höhepunkt 

Die Generation der Babyboomer geht nach und nach in Rente. Sie hinterlässt große Lücken im Arbeitsmarkt, die nur teilweise durch jüngere Arbeitskräfte geschlossen werden können. Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität hat im Auftrag des Hessischen Sozialministeriums Prognosen erstellt, welche Zahlen bis 2028 in den unterschiedlichen Regionen und Berufsfeldern zu erwarten sind. Gegenmaßnahmen sind möglich – und offenbar dringend geboten.

FRANKFURT. Der Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie haben verglichen mit dem demographischen Wandel nur geringe Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Hessen. Durch den altersbedingten Austritt vieler Beschäftigter der Babyboomer-Generation entstehen große Lücken, die durch die geringere Zahl an jungen Menschen, die neu in den Arbeitsmarkt eintreten, nur bedingt geschlossen werden können. Fachkräftemangel ist die Folge. In Hessen ist diese Entwicklung regional unterschiedlich ausgeprägt, und auch die verschiedenen Berufe sind unterschiedlich stark betroffen. Ein genaues Bild der zu erwartenden Lage zeichnen die regionalen Berufsprognosen, die durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erstellt werden. Damit habe man „Transparenz geschaffen, um die Entwicklung neuer bzw. das Nachschärfen bestehender Fachkräftestrategien und ihre Ausrichtung auf mittelfristige Entwicklungen zu ermöglichen“, sagt Kai Klose, Hessischer Minister für Soziales und Integration.  

Die Prognosen (ab 16:30 Uhr unter www.hessische-berufsprognosen.de) sind heute der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Danach fehlen in Hessen im Zeitraum von 2021 bis 2028 insgesamt 200.000 Fachkräfte – gut 130.000 Fachkräfte mit Berufsabschluss und knapp 70.000 Fachkräfte mit Hochschulabschluss. Das Potenzial von Personen ohne Abschluss, die nach einer Nachqualifizierung möglicherweise Fachkraftaufgaben übernehmen können, ist demgegenüber mit rund 20.000 Personen denkbar gering. Die Option der Nachqualifizierung besteht ohnehin nur in den Großstädten, denn in den ländlich geprägten Regionen des Landes fehlt es auch an Personen ohne Berufsabschluss. Grundsätzlich gilt, je weiter man sich von urbanen Gebieten entfernt, desto größer ist der Mangel an Arbeits- und Fachkräften.

Was die unterschiedlichen Branchen angeht, trifft der Fachkräftemangel besonders stark die Sozialberufe. Den Prognosen zufolge werden bis 2028 im Bereich Gesundheit 13.000 und im Bereich Erziehung mehr als 16.000 Beschäftigte fehlen. Die Lücken sind hier besonders groß, weil in den kommenden Jahren nicht nur viele Beschäftigte altersbedingt ausscheiden werden, sondern auch, weil sich der Bedarf an Gesundheits- und Erziehungsleistungen weiter erhöhen wird. Denn die Zahl älterer Menschen, die Gesundheitsdienstleistungen benötigen, steigt an, und durch den weiteren Ausbau der Kindertagesbetreuung werden auch mehr Erzieherinnen benötigt. Ein passgenaues Kinderbetreuungsangebot ermöglicht es Frauen, umfangreicher erwerbstätig werden zu können – ebenfalls ein wichtiger Baustein beim Kampf gegen den Fachkräftemangel. Auch bei Handwerks- und IT-Berufen hat Fachkräftegewinnung und -sicherung Priorität, in Zusammenhang mit Energiewende und Digitalisierung ist auch dort ein Aufwuchs zu erwarten.

Und der Höhepunkt der altersbedingten Austritte der Babyboomer-Generation ist 2028 noch längst nicht erreicht. „Den Peak erwarten wir erst in zehn Jahren. Aber auch ab 2033 werden die Austritte nur langsam zurückgehen. Selbst im Jahr 2040 werden die altersbedingten Austritte aus dem Erwerbsleben noch um 10.000 Personen höher als heute liegen“, erklärt Dr. Christa Larsen, Leiterin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität. Die hessischen Arbeitsmärkte würden, so Larsen, bis weit in die 2040er-Jahre hinein maßgeblich durch die demografische Entwicklung bestimmt werden.

Um die hessische Wirtschaft für diese Herausforderung zu rüsten, bedarf es schnell gezielter Strategien für deren Abmilderung. Regionale Strategien könnten gezielt helfen, Fachkräfte zu sichern. Dafür braucht es ein gutes Zusammenspiel aller Arbeitsmarktakteure. Die Stabstelle Fachkräftesicherung in Hessen, die am Hessischen Ministerium für Soziales und Integration angesiedelt ist, leistet hier im Auftrag der Hessischen Landesregierung wesentliche Unterstützung. 2023 wird jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt die Möglichkeit bekommen, eine fachlich fundierte Zukunftswerkstatt durchzuführen. Eine solche Werkstatt dient dazu, zum Bedarf passende Maßnahmen zu entwickeln bzw. bereits bestehende passgenau fortzuschreiben.

„Wir können stolz darauf sein, dass die Goethe-Universität gemeinsam mit dem Land Hessen Transparenz zur Fachkräftelage schafft und eine darauf abgestimmte Fachkräftesicherung entwickelt wird. Damit kann unsere Kooperation einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und damit zur Stabilität des Wirtschaftsstandorts Hessen leisten“, sagte Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, in seinem Grußwort. 

Die Prognosen zur Entwicklung von Berufen zwischen 2021 und 2028 können am heutigen Donnerstag, 19. Januar, von 16.30 Uhr an unter www.hessische-berufsprognosen.de heruntergeladen werden.

Weitere Informationen und Anmeldung
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 17 2023
09:38

Kunst auf dem Campus Westend: Dialogischer Spaziergang „DenkMalDemokratie“ im Rahmen der Bürger-Universität

Einspruch erwünscht!

FRANKFURT. Ist das Kunst oder kann das weg? Oder muss das vielleicht sogar weg? Nicht erst in jüngerer Zeit wird diese Frage an Kunstwerke gerichtet, die in öffentlich zugänglichen Räumen aufgestellt sind – inzwischen aber zunehmend häufig an Denkmäler, deren Widmungen sich aus der Gegenwartsperspektive als problematisch, wenn nicht gar untragbar erweisen. Gegen sie erheben sich zu Recht Stimmen des Protests. Zugleich stellt sich die Frage, ob das Entfernen allein als Mittel zur Lösung der Probleme taugt, für die manche Monumente aus heutiger Sicht stehen. Wie könnte eine angemessene Erinnerungskultur im öffentlichen Raum aussehen?

Die Bürgeruniversität lädt ein im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „DenkMalDemokratie. Dialogische Spaziergänge zur Kunst“

25. Januar 2023
12 – 13:30 Uhr
zum
Mittags-Spaziergang Campus Westend.

Dabei geht es darum, welche Rolle die auf dem Campus Westend aufgestellten Kunstwerke und Denkmäler für die Demokratie spielen und welche Potenziale sie für eine Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft besitzen.

Gesprächspartnerinnen während des Spaziergangs sind: Prof. Dr. Antje Schlottmann, Humangeographie/Goethe-Universität, und Prof. Dr. Verena Kuni, Visuelle Kultur/Goethe-Universität, die die Veranstaltung konzipiert hat.

Der dialogische Spaziergang auf dem Campus Westend ist die zweite Veranstaltung der Diskussionsreihe der Bürger-Universität, die mit einem Dialog-Spaziergang in der Gallusanlage und der Taunusanlage begonnen hat. Abgeschlossen wird die Reihe der Bürger-Universität am 2. Februar 2023 um 19 Uhr mit der Podiumsdiskussion „Unsichtbarer Widerstand. Vertrauen und Protest in der Demokratie“.

Die Dialog-Spaziergänge zu Kunst und Demokratie werden im Sommersemester fortgesetzt. In Vorbereitung ist ein weiteres Format der Dialog-Spaziergänge: CAMPUS WANDELN. Spaziergänge und Ortstermine zur Nachhaltigkeit, konzipiert und durchgeführt von Prof. Dr. Verena Kuni, Visuelle Kultur/Goethe-Universität, und dem Nachhaltigkeitsbüro der Goethe-Universität.

Die aktuelle Reihe wird veranstaltet von der Goethe-Universität in Kooperation mit der Clusterinitiative ConTrust am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität.

Anmeldung und Treffpunkt unter buergeruni@uni-frankfurt.de; weitere Informationen: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/_events/


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531; E-Mail: p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 16 2023
17:04

Internationales Wissenschaftsteam um Forscher:innen der Goethe-Universität und des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseum Frankfurt erklärt Unterschiede in der Ernährung zwischen Homo erectus und Menschenaffen

Frühmenschen: Jahreszyklen im Zahnschmelz geben Einblicke in Lebensgeschichten

Wie sich unsere Vorfahren der Art Homo erectus vor Hundertausenden von Jahren auf der Insel Java in Südostasien ernährt haben, konnte jetzt ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, koordiniert von Goethe-Universität Frankfurt und Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, anhand von Zahnanalysen herausfinden: Im Laufe eines Jahres wechselten die Frühmenschen von pflanzlicher Nahrung zu Mischkost, waren dabei aber weit weniger vom saisonalen Nahrungsangebot abhängig als zum Beispiel Orang-Utans, die ebenfalls die Insel bewohnten.

FRANKFURT. Wer ein Vergrößerungsglas und eine Taschenlampe zur Hand nimmt und im Spiegel ganz genau seine Zähne betrachtet, kann hier und da ein Muster aus feinen, parallelen Linien entdecken, die quer über den Zahn laufen. Diese entsprechen den Retzius-Streifen, die das Wachstum unseres Zahnschmelzes markieren. Der Schmelz wird bereits im Mutterleib angelegt und bis zur Jugend neu gebildet, wenn die letzten Milchzähne ausfallen und durch bleibende Zähne ersetzt werden. Wie bei allen landlebenden Wirbeltieren wird auch beim Menschen der Zahnschmelz in mikroskopisch kleinen Schichten schubweise angelagert, was die Retzius-Steifen formt. Am Abstand dieser Streifen zueinander ist die Entwicklungsgeschwindigkeit eines Menschen ablesbar. Physiologische Wechsel wie zum Beispiel die Geburt, das Abstillen oder Krankheiten hinterlassen markante Spuren. Die Retzius-Steifen bilden auch den chronologischen Rahmen für die zeitlich-variierende chemische Zusammensetzung des Zahnschmelzes, die wiederum den Wechsel in der Ernährung widerspiegelt.

Ein internationales Wissenschaftsteam der Goethe-Universität Frankfurt um Prof. Wolfgang Müller und seiner MSc-Studentin Jülide Kubat, heute Doktorandin an der Universität Paris Cité, hat anhand der Zähne die Ernährungsgewohnheiten eines Vorfahrens des modernen Menschen – Homo erectus, „der aufrechte Mensch“ – mit denen von zeitgleichen Orang-Utans sowie weiteren Tieren verglichen. Alle lebten im Pleistozän vor 1,4 Millionen bis 700.000 Jahren auf der indonesischen Insel Java, auf der es damals Regionen mit Monsun-Regenwäldern sowie offene Baumlandschaften und grasbewachsene Savannen gab.

Zur Analyse des Zahnschmelzes betteten die Wissenschaftler:innen die Zähne in ein Harz ein und schnitten sie dann in hauchdünne Scheiben von 150 Mikrometern Dicke. Diese äußerst kostbaren Proben sind im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt Teil der Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald Sammlung, einer Dauerleihgabe der Werner Reimers Stiftung. Anschließend trug ein spezieller Laser Zahnmaterial ab, das mittels Massenspektrometrie unter anderem auf den Gehalt der Elemente Strontium und Kalzium untersucht wurde, die beide in Zähnen und Knochen enthalten sind (Laser-basierte Plasma-Massenspektrometrie, LA-ICPMS). Das Verhältnis von Strontium zu Kalzium (Sr/Ca) ist von der Nahrung abhängig, erklärt Wolfgang Müller: „Strontium wird - quasi als Verunreinigung des essentiellen Kalziums - vom Körper nach und nach ausgeschieden. In der Nahrungskette führt das dazu, dass das Strontium-Kalzium-Verhältnis von Pflanzenessern über Allesesser bis hin zu Fleischessern kontinuierlich abnimmt.“

Dies konnte das Wissenschaftsteam mit dem Vergleich verschiedener pleistozäner Tierzähne aus Java bestätigen: Raubkatzen wiesen ein niedriges Strontium-Kalzium-Verhältnis auf, Vorläufer der heutigen Nashörner, Hirsche und Flusspferde ein hohes Strontium-Kalzium-Verhältnis und pleistozäne Schweine als Allesesser lagen in der Mitte. Spannend wurde es bei den Zähnen der Hominiden Orang-Utan und Homo erectus, denn hier entdeckten die Forscher:innen im Zeitverlauf Jahreszyklen, in denen sich die Nahrungszusammensetzung von Menschenaffen und Menschen änderte: Beide zeigten im Jahresrhythmus Variationen, wobei die regelmäßigen Sr/Ca-„Spitzen“ beim Orang-Utan viel deutlicher ausgeprägt waren als bei Homo erectus. Jülide Kubat, Erstautorin der Publikation, erklärt: „Diese Peaks deuten auf ein reichhaltiges pflanzliches Nahrungsangebot in der Regenzeit hin, während der im Regenwald zum Beispiel viele Früchte gebildet wurden. In der Trockenzeit mussten vor allem Orang-Utans auf andere Nahrungsquellen umsteigen, die vielleicht Insekten oder Eier einschlossen. Homo erectus dagegen war - so zeigen die weniger ausgeprägten Peaks und niedrigeren Sr/Ca-Werte – als Allesesser und zeitweise Fleischkonsument weniger vom saisonalen Nahrungsangebot abhängig.“

Insgesamt zeige die Analyse, so Müller, dass die räumlich hoch-aufgelöste Laser-Analyse von Spurenelementen zusammen mit Zahnschmelzchronologie einen zeitlich bemerkenswert detaillierten Einblick in die Lebensgeschichte unserer Vorfahren geben kann: „Plötzlich ist man ganz nahe dran an diesen frühen Menschen, die so lange vor unserer Zeit gelebt haben. Man kann erspüren, was der jahreszeitliche Wechsel für sie bedeutet haben mag und wie sie mit ihrer Welt interagiert haben. Das ist absolut faszinierend.“


Publikation: Jülide Kubat, Alessia Nava, Luca Bondioli, M. Christopher Dean, Clément Zanolli, Nicolas Bourgon, Anne-Marie Bacon, Fabrice Demeter, Beatrice Peripoli, Richard Albert, Tina Lüdecke, Christine Hertler, Patrick Mahoney, Ottmar Kullmer, Friedemann Schrenk, Wolfgang Müller: Dietary strategies of Pleistocene Pongo sp. and Homo erectus on Java (Indonesia). Nature Ecology and Evolution (2023) DOI: 10.1038/s41559-022-01947-0 https://www.nature.com/articles/s41559-022-01947-0

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten an den folgenden Instituten:

Dänemark
Lundbeck Foundation GeoGenetics Centre, University of Copenhagen, Copenhagen, Denmark

Deutschland
Institute of Geosciences, Goethe University Frankfurt
Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE), Goethe University Frankfurt
Department of Paleobiology and Environment, Institute of Ecology, Evolution, and Diversity, Goethe University Frankfurt
Senckenberg Research Institute and Natural History Museum Frankfurt
Senckenberg Biodiversity and Climate Research Centre, Frankfurt
Department of Human Evolution, Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology, Leipzig
Emmy Noether Group for Hominin Meat Consumption, Max Planck Institute for Chemistry, Mainz
ROCEEH Research Centre, Heidelberg Academy of Sciences and Humanities

Frankreich
Université Paris Cité, CNRS
Université de Bordeaux, CNRS, Pessac
Eco-anthropologie (EA), Muséum national d'Histoire naturelle, CNRS, Université de Paris, Musée de l'Homme

Großbritannien
Skeletal Biology Research Centre, School of Anthropology and Conservation, University of Kent, Canterbury
Department of Earth Sciences, Natural History Museum, London

Italien
Bioarchaeology Service, Museum of Civilizations, Rome
Department of Cultural Heritage, University of Padova

Hintergrundinformationen:

Frühe Urmenschen ernährten sich äußerst flexibel (2018)
https://www.puk.uni-frankfurt.de/75395991/Fr%C3%BChe_Urmenschen_ern%C3%A4hrten_sich_%C3%A4u%C3%9Ferst_flexibel

Was Milchzähne verraten: Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab (2020)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/kein-grund-fuers-aussterben-neanderthaler-muetter-stillten-nach-fuenf-bis-sechs-monaten-ab/

Zähne vom Urahn: Der Fund eines Unterkiefers in Malawi und die Folgen (Forschung Frankfurt 1/2022)
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/122805183.pdf

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/130763620

Bildtexte:
1_Homo_tooth_blocks
In Epoxy-Harz eingebetteter Homo erectus Zahn nach dem Schneiden. Bild: Alessia Nava/ Luca Bondioli

2_Homo_tooth_thin slice
Polierter Dünnschliff eines Homo erectus Zahns vor der chemischen Analyse mittels Laser-Ablation Plasma Massenspektrometrie (LA-ICPMS). Bild: Alessia Nava/ Luca Bondioli

3_Pongo_tooth_composit
Mikroskopisches Bild eines Orang-Utan Zahn-Dünnschliffs, wodurch man die interne Wachstumsstruktur des Zahnschmelzes sehr gut erkennen kann; im rechten Bild sind die unterschiedlichen Laser-Ablations Pfade in pink, einzelne Retzius-Linien in grün hervorgehoben. Bild: Alessia Nava/ Luca Bondioli

4_Kubat_Julide_Lab
Jülide Kubat beim Auswählen von Ablationspfaden (blau) am Computer des Laser-Ablation Plasma Massenspektrometers (LA-ICPMS). Bild: Wolfgang Müller

5_Kubat_Julide_Muller_Wolfgang_LA_ICPMS
Jülide Kubat und Wolfgang Müller beladen das LA-ICPMS mit einem Zahn-Dünnschliff zur Analyse. Bild: Jülide Kubat

Weitere Informationen
Prof. Dr. Wolfgang Müller
Institut für Geowissenschaften /
Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE)
Goethe Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 40291
w.muller@em.uni-frankfurt.de
http://www.uni-frankfurt.de/49540288/Homepage-Mueller

Jülide Kubat
Faculté de Chirurgie Dentaire
Université Paris Cité
julide.kubat@parisdescartes.fr
Twitter: @julide_kubat_


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 12 2023
11:30

Theatergruppe des Instituts für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität zeigt The Dumb Waiter von Harold Pinter und Arthur Kopits Chamber Music. 26./27. Januar sowie 2./3./4. Februar 2023

Die Absurdität der Macht: Chaincourt Theatre Company kehrt zurück mit zwei Stücken

FRANKFURT. Was geschieht, wenn man Jeanne D'Arc, Amelia Earhart und Gertrude Stein mit vier weiteren berühmten Frauen in einen Raum bringt? Die Frage mag absurd klingen – die Antwort wirkt es zunächst auch. Denn in Arthur Kopits Stück Chamber Music befindet sich besagter Raum in einer Nervenheilanstalt– und ob die Frau in der Rüstung („das Kreuz war mit dabei!“) dann wirklich Jeanne D'Arc ist, darf wohl bezweifelt werden. Zweifelhaft ist aber auch die Institution, die die Frauen zusammenbringt, und zulässt, vielleicht sogar forciert, dass sie sich immer tiefer in eine gewähnte tödliche Gefahr hineinsteigern – bis zur fatalen Eskalation. Die Absurdität der Situation verleiht dem Stück dabei sowohl Witz als auch Tragik; wer hier am Ende verrückt ist, bleibt offen.

Auch Nobelpreisträger Harold Pinter deckt in The Dumb Waiter schonungslos die Absurdität menschlicher Kommunikation auf – ob zwischen den Protagonisten oder seitens des Unbekannten, der ihnen von abseits der Bühne scheinbar sinnlose Nachrichten sendet. Die Handlung des Stücks, das seine Uraufführung in Frankfurt hatte, ist einfach erklärt: Zwei Auftragskiller warten auf ihr nächstes Opfer. Doch das Warten zieht sich hin und die Spannung im Raum wird beinahe greifbar. Der Auftraggeber ist der ungesehene Dritte – der Einzige, der die Macht hat, die Spannung aufzulösen und es dann auf gänzlich unerwartete Weise tut.

Mit den beiden Einaktern meldet sich die Chaincourt Theatre Company auf ihrer Heimatbühne an der Goethe-Universität zurück. Die seit den fünfziger Jahren bestehende Theatergruppe des Instituts für England- und Amerikastudien musste zuletzt aufgrund der Covid-19-Pandemie pausieren. Inszeniert werden die Stücke vom langjährigen künstlerischen Direktors James Fisk, Dozent in der Amerikanistik. Die Hauptrollen auf und hinter der Bühne übernehmen Studierende des Fachbereichs. Beide Werke werden in der Originalsprache Englisch aufgeführt.

Chaincourt Theatre Company:
The Dumb Waiter u. Chamber Music
26./27. Januar sowie 2./3./4. Februar 2023,
Einlass: 18:30 Uhr, Beginn der Vorstellung: 19:30 Uhr
Nebengebäude des IG-Farben-Hauses, Raum NG 1.741
Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt,
10 Euro bzw. 5 Euro (ermäßigt)

Karten sind eine Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse erhältlich.

Kontakt:
James Fisk, Institut für England- und Amerikastudien, Goethe-Universität Frankfurt, fisk@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de