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Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
presse@uni-frankfurt.de
Cornelia Goethe Colloquien widmen sich in einer öffentlichen Vortragsreihe dem Aufstieg des Autoritarismus.
FRANKFURT. Die globale politische Landschaft ist von schweren Angriffen auf die parlamentarische Demokratie geprägt. Der Aufstieg rechter Parteien, Bewegungen und Regierungen spiegelt die wachsende Zustimmung zum Autoritarismus und die Aushöhlung demokratischer Normen und Institutionen wider. Obwohl sich dieser Trend in verschiedenen nationalen und regionalen Kontexten unterschiedlich zeigt, gibt es erkennbare Gemeinsamkeiten, die die verschiedenen konservativen, religiösen und rechtsgerichteten politischen Agenden miteinander verbinden. Eine besonders auffällige Gemeinsamkeit all dieser Bewegungen ist ihre Fixierung auf Geschlechtergleichheit und -vielfalt als grundlegende ideologische Bedrohung.
Die Vortragsreihe des Cornelia Goethe Centrums für Geschlechterforschung wird die miteinander verknüpften Dynamiken der demokratischen Erosion und der Rückschläge im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit untersuchen und die aktuellen Entwicklungen historisch und vergleichend einordnen. Sie stellt die Frage, inwieweit die Angriffe auf Geschlechtergleichheit und -vielfalt mit den Prozessen der demokratischen Regression sowie mit autoritären Wünschen und Politiken zusammenhängen.
Cornelia Goethe Colloquien im Wintersemester 2025/26:
„Demokratie unter Beschuss - der Aufstieg des Autoritarismus aus Perspektiven der Gender Studies“.
18.15 – 19:45 Uhr, Campus Westend, PEG-Gebäude,
Raum 1.G191, Theodor-W.-Adorno-Platz 6.
Die Veranstaltung am 29. Januar findet abweichend im Hörsaalzentrum HZ 5 statt.
Termine
30. Oktober
Annette Henninger, Anti-Feminismus und Entdemokratisierung
6. November
Andrea Pető, Gender Illiberalism in the Anthropocene*
27. November
Andrea Maihofer, Zentrale Aspekte der Faschisierung damals und heute: Eine Relektüre von Virginia Woolfs , Drei Guineen'
4. Dezember
Vanessa E. Thompson, Radical Fascism, Surplus and Abolition Feminist Resistance*
18. Dezember
Newal Yalcin und Sarah Speck, Autoritarismus, Verschwörungstheorien, Geschlecht: Kritisch-theoretische Perspektiven
15. Januar 2026
Gabriella Hauch, Frausein allein ist kein Programm!? Ein geschlechterhistorischer Blick auf Europa im 20. Jahrhundert
29. Januar
Eva von Redecker, Eigentumsrausch: Neo-Faschismus als Liquidierung von Phantombesitz
12. Februar
Renee Heberle, Masculinity and Authoritarianism in the United States*
* Vortrag auf Englisch
Weitere Informationen: https://cgc.uni-frankfurt.de/
Kontakt: Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798 35100; E-Mail: cgcentrum@soz.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Eröffnung des deutschen Instruct-Zentrums an der Goethe-Universität
FRANKFURT. An der Goethe-Universität nimmt am 17. Oktober das deutsche Instruct-Zentrum Instruct-DE offiziell seine Arbeit auf. Instruct-ERIC (European Research Infrastructure Consortium) ist eine von der Europäischen Union anerkannte Forschungsinfrastruktur im Bereich der Strukturbiologie. Ziel des Konsortiums ist es, modernste Technologien und Methoden aus 17 Partnerländern Forschenden europaweit zugänglich zu machen. Nach einem mehrjährigen Sondierungsprozess wurde Deutschland 2024 als Partnerland in Instruct-ERIC aufgenommen. Damit erhalten deutsche Forschende Zugang zu Technologien in den europäischen Partnerländern. Gleichzeitig eröffnet Instruct-DE Forschenden aus ganz Europa den Zugang zu exzellenten deutschen Infrastrukturen.
Das neue deutsche Zentrum ist dezentral organisiert und wird von der Goethe-Universität koordiniert. Zu den Partnerinstitutionen zählen das Helmholtz Zentrum München, das Helmholtz-Zentrum Berlin, DESY Hamburg, EuXFEL Hamburg, die Universität Hamburg mit dem Center for Structural Systems Biology (CSSB) sowie das Forschungszentrum Jülich. Darüber hinaus beteiligen sich vier weitere Einrichtungen als nationale assoziierte Partner: das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig, die Universität Bayreuth, das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie Berlin sowie die Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Mit Instruct-DE werden die in Deutschland vorhandenen Spitzentechnologien Teil des frei zugänglichen europäischen Instruct-Technologiekatalogs, den Forschende aus allen Partnerländern kostenfrei nutzen können, wie dessen Sprecher Prof. Dr. Clemens Glaubitz erläutert. „Die bisherige, sehr erfolgreiche gegenseitige Nutzung von Forschungsinfrastrukturen erfährt durch die Beteiligung Deutschlands in Form von Instruct-DE einen entscheidenden Fortschritt“, betont Prof. Dr. Harald Schwalbe, Direktor von Instruct-ERIC. „Da die Strukturbiologie in Deutschland auf höchstem Niveau betrieben wird, stärkt Instruct-DE nicht nur die europäische Forschung, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für europäische Kooperationen für deutsche Forschende.“
Kontakt: Prof. Dr. Clemens Glaubitz, Sprecher von Instruct-DE, Institut für Biophysikalische Chemie, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (0)69 798 29927; E-Mail: glaubitz@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Vortragsreihe Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ startet am 23. Oktober.
FRANKFURT. Die geistige Bewegung des Humanismus wurzelt bereits in der griechisch-römischen Antike. Im Zentrum ihrer Betrachtung steht der Mensch als Individuum mit seinen Fähigkeiten zu schöpferischer Tätigkeit im Dienste einer Verbesserung seiner eigenen Existenz. In einem Spannungsverhältnis hierzu steht die fortschreitende Globalisierung in allen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen, deren erste Ansätze sich ebenfalls bereits in der Antike finden. Individuen spielen in diesem unumkehrbaren Prozess im Vergleich zu Gemeinschaften eine vergleichsweise geringe Rolle.
Die Vortragsreihe „Humanismus und Globalisierung – Herausforderungen und Antworten“ im Rahmen der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur soll die epochale Rolle des Humanismus für die europäische Geistes- und Politikgeschichte verdeutlichen. Und sie soll vorneuzeitliche Ansätze zur Globalisierung in den Blick nehmen und die Herausforderungen beleuchten, denen humanistische Konzepte in einer globalisierten Welt ausgesetzt sind. Inwieweit, wird gefragt, kann das gegensätzliche Verhältnis von Humanismus und Globalisierung in ein konstruktives Miteinander verwandelt werden?
Die Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ findet seit 1988 jährlich statt und zählt damit zu einer der ältesten und bekanntesten Gastprofessuren in Deutschland. Ziel der Gastprofessur ist es, den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern, indem renommierte internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachrichtungen an die Goethe-Universität eingeladen werden.
Vortragsreihe „Humanismus und Globalisierung – Herausforderungen und Antworten“
17.00 Uhr, HZ 8, Hörsaalzentrum,
Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 5.
Ausnahme: 12. Februar: Freies Deutsches Hochstift,
Großer Hirschgraben 21, 60311 Frankfurt am Main.
Termine:
23. Oktober:
Prof. Dr. Bernhard Zimmermann (Freiburg), Geschichte und Formen des europäischen Humanismus
30. Oktober:
Prof. Dr. Sven Günther (Changchun, China), Humanismus versus Globalisierung am Beispiel Chinas
11. Dezember:
Prof. Dr. Sitta von Reden (Freiburg), Humanismus und Kolonialisierung in der Antike
15. Januar 2026:
Dr. Gerhard Köhler (Frankfurt), Humanismus und Globalisierung im Schulunterricht
22. Januar:
Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin (München), Herausforderungen des Humanismus im 21. Jahrhundert
29. Januar:
Prof. Dr. Gala Rebane (Passau), Vereinbarkeit eines eurozentrischen Humanismus mit der Globalisierung
12. Februar:
Prof. Dr. Stefan Alkier (Frankfurt), Humanismus versus Globalisierung im 21. Jahrhundert aus theologischer Perspektive
„Humanismus und Globalisierung“ ist eine Veranstaltungsreihe des Instituts für Klassische Philologie im Rahmen der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, kuratiert von Prof. Dr. Thomas Paulsen in Zusammenarbeit mit dem Büro für PR & Kommunikation der Goethe-Universität.
Weitere Informationen zur Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur unter https://tinygu.de/izjJM
Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Paulsen, Institut für Klassische Philologie, Goethe-Universität Frankfurt. thomas.w.paulsen@gmx.net
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Zehn Jahre Academic Welcome Program an der Goethe-Universität: Jubiläumsfeier am 22. Oktober 2025
FRANKFURT. Das Academic Welcome Program (AWP) der Goethe-Universität Frankfurt feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Seit seiner Gründung im Jahr 2015 unterstützt das Programm geflüchtete Studieninteressierte durch kostenlose Deutschkurse und begleitende Angebote beim Einstieg in Studium und Gesellschaft und bei der Weiterführung ihrer akademischen Karriere. Besonders seit 2022 haben zahlreiche junge Menschen aus der Ukraine von diesen Angeboten profitiert. Aus Anlass des Jubiläums und des anhaltenden Erfolges des Programms lädt die Goethe-Universität am 22. Oktober 2025 um 18 Uhr zur Feier in den Casino Festsaal am Campus Westend ein.
Über die zehn Jahre hinweg haben insgesamt über 800 Menschen am AWP teilgenommen. 80% von ihnen konnten innerhalb von ein bis zwei Jahren ihre Deutschkenntnisse bis zum Eintritt in das Niveau C1 verbessern. Das ist das Niveau, um einen deutschsprachigen Studiengang studieren zu können. Viele Alumni haben inzwischen ihre universitäre Heimat an der Goethe-Universität gefunden oder ihr Studium auch bereits abgeschlossen, einzelne promovieren und viele weitere sind an anderen Hochschulen in ganz Deutschland erfolgreich ins Studium gestartet. Damit zeigt das Programm in besonderer Weise seine nachhaltige Wirkung.
Weitere Erfolgsgeschichten ehemaliger Teilnehmender werden am Abend der Jubiläumsfeier zu hören sein. Das Programm des Abends umfasst einen Rückblick auf die Entwicklung des AWP, Grußworte von Vertreter*innen des Landes Hessen und des Präsidiums der Goethe-Universität sowie Erfahrungsberichte und Ehrungen von Alumni. Im Anschluss besteht die Gelegenheit, mit Alumni und Mitarbeitenden des Programms bei festlichem Buffet und Musik ins Gespräch zu kommen.
Die Jubiläumsfeier würdigt nicht nur die zehnjährige Erfolgsgeschichte des Programms, sondern hebt auch die gesellschaftliche Verantwortung der Goethe-Universität als Stiftungsuniversität hervor, der sie unter anderem mit dem Academic Welcome Program nachkommt. Diese Verantwortung wird künftig im Nachfolgeprojekt „Academic Bridge Program“, das aus Mitteln der Europäischen Union kofinanziert wird, fortgeführt und weiter ausgebaut.
Medienvertreter*innen sind herzlich eingeladen, sich auf der Jubiläumsfeier einen Eindruck vom Programm zu verschaffen und mit Teilnehmenden über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Weitere Informationen und Anmeldung:
Johannes Nebe, Projektmitarbeiter, Academic Bridge Program, Goethe-Universität Frankfurt am Main. E-Mail:
Redaktion
Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Professorin der Columbia Law School spricht an drei Abenden über die Neuordnung des Geldwesens.
FRANKFURT. Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. Im Rahmen der diesjährigen Adorno-Vorlesungen verbindet Prof. Katharina Pistor (Columbia Law School) institutionenökonomische und gesellschaftspolitische Ansätze zu einer kritischen Analyse der gegenwärtigen Geldordnung. Sie untersucht Geld als relationales Gut, das nur durch Partizipation vieler Akteure entstehen und wirken kann, und beleuchtet die hierarchische Struktur des Geldwesens aus dieser neuen Perspektive. Kryptowährungen können diese Ordnung aufbrechen, doch haben sich die meisten dezentral geschaffenen Währungen in die bestehende Hierarchie eingefügt. Dass eine andere Ordnung möglich ist und alternative Modelle sowohl institutionell als auch technologisch realisierbar sind, ist die Kernthese ihrer Vorlesungen.
Adorno-Vorlesungen 2025:
Katharina Pistor – In guter Verfassung? Zur Neuordnung des Geldwesens
22. bis 24. Oktober 2025, jeweils um 18.30 Uhr
Hörsaal IV, Campus Bockenheim, Goethe-Universität
In ihrer Auftaktvorlesung setzt sich Katharina Pistor mit dem Wesen des Geldes auseinander, das Sozialtheoretiker:innen seit Aristoteles beschäftigt. Im gesellschaftspolitischen Diskurs wird das Geldwesen oftmals stiefmütterlich behandelt und als technokratisches System naturalisiert, das sozialtheoretischen Ansätzen nicht zugänglich ist bzw. vor diesen geschützt werden muss. In der Tat verkürzt die gegenwärtige Ordnung des Geldwesens als privates, jedoch öffentlich garantiertes Medium das Potenzial des Geldes als relationales Gut. Ein solches Gut entsteht erst durch seine Nutzung durch viele Akteur:innen und gewinnt an Wert, je mehr Menschen es verwenden. Diese Reklassifizierung entzieht sich herkömmlichen Klassifikationen von Gütern als privat, öffentlich oder gemeinschaftlich und eröffnet somit neue Wege für die Verfassung des Geldes als demokratisches Medium.
In der zweiten Vorlesung beschäftigt sich Pistor mit der Geldverfassung der Gegenwart und plädiert für deren Neuordnung. Diese Verfassung ist nicht in einem einzigen Dokument festgeschrieben, sondern das Produkt von Praktiken, die sich durch Wiederholungen verfestigt haben und auf diese Weise Erwartungen stabilisieren. Eine Vielzahl öffentlicher und privater Akteur:innen und eine noch größere Bandbreite öffentlich bzw. privat emittierter Gelder sind die bestimmenden Elemente dieser Verfassung, wobei nicht alle Akteur:innen gleichgestellt und nicht alle Gelder gleichwertig sind. Die Geldverfassung ist hierarchisch und die Spitze der Hierarchie wird von jenem Geld eingenommen, das die weiteste Verbreitung gefunden hat – nicht zuletzt, weil es von dem Schatten einer Staatsmacht profitiert, die bereit und in der Lage ist, für seinen nominalen Wert und somit seine Zukunft einzustehen. Die Geldverfassung ist somit nicht unveränderlich, sondern spiegelt bestehende Machtverhältnisse wider.
Diese Überlegungen führen in der dritten Vorlesung zur Frage der Neuordnung des Geldwesens, insbesondere der Frage, welche Alternativen zu dieser Geldverfassung existieren und wie der Übergang zu einer neuen Geldverfassung gestaltet werden könnte. Anhand zahlreicher Beispiele aus der historischen und soziologischen Forschung beleuchtet Pistor die politische Ökonomie des Geldwesens und seiner Wandlungsmöglichkeiten. Krisen können Auslöser solcher Wandlungsprozesse sein, führen jedoch häufig dazu, das bestehende System zu stabilisieren. Dezentrale Ansätze sind mit heutiger Technologie möglich, wie das Beispiel der Verbreitung von Kryptowährungen zeigt. Ob diese Technologien dazu genutzt werden, ein weiteres spekulatives Gut in Umlauf zu bringen oder eine Neuordnung des Geldes zu bewirken, hängt von ihrer Gestaltung ab. Eine Neuordnung, die dem Wesen des Geldes als relationales Gut gerecht würde, wirft eine Reihe von Fragen auf: Unter welchen Bedingungen entstehen dezentrale Geldsysteme? Welche Möglichkeiten gibt es, diese zu vernetzen und interoperabel zu machen? Und welche Rolle könnten die hütenden Instanzen der gegenwärtigen Geldverfassung, insbesondere die Zentralbanken, als treibende Kräfte für eine Transformation des Geldes spielen?
Katharina Pistor lehrt als Edwin B. Parker-Professorin für Vergleichende Rechtswissenschaft an der Columbia Law School und ist Ko Direktorin des Center for Political Economy an der Columbia University in New York. Die Schwerpunkte ihrer Forschung liegen im vergleichenden Finanzmarkt- und Unternehmensrecht. Nach der eingehenden Beschäftigung mit der Transformation ehemals sozialistischer Länder widmet sie sich seit der Finanzkrise 2008 den rechtlichen Grundlagen kapitalistischer Wirtschaftsordnungen. Für ihre Forschung wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2012 mit dem Max Planck-Forschungspreis. Ihr 2019 erschienenes Buch “The Code of Capital: How the Law Creates Wealth and Inequality" (deutsch: “Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft“, Suhrkamp 2020) wurde in acht Sprachen übersetzt. Ihre Monografie „Law of Capitalism and How to Transform It“ erscheint im Herbst 2025.
Kontakt:
Dr. Mirko Broll, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung.
Mail: broll@em.uni-frankfurt.de
Musikwissenschaftlerin Daniela Philippi bei Frankfurter Telemann-Tagen
FRANKFURT. Mit dem Barockkomponisten Georg Philipp Telemann befasst sich ein Vortrag von Daniela Philippi, Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Goethe-Universität,
am Dienstag, 21. Oktober, 16.15 Uhr
im Hörsaal B, Rostocker Straße 2, SKW-Gebäude, Campus Westend
im Rahmen der Frankfurter Telemann-Tage 2025. Der Titel des Vortrags lautet: „Telemanns Spekulationen und erreichte Ziele“.
Georg Philipp Telemann (1681–1767) wirkte von 1712 bis 1721 als Städtischer Musikdirektor in Frankfurt. In dieser Zeit komponierte er Werke aller damals üblichen Musikgattungen und führte sie im Rahmen seiner musikalischen Tätigkeiten in Frankfurt auf. Diese Aufführungen zählten teils zu Telemanns direkten Dienstpflichten, teils erwuchsen sie aus seinen Projekten, wie etwa den wöchentlichen Konzerten des von ihm wiederbelebten und geleiteten Collegium musicum. Zudem publizierte er einige Kompositionen in seinem 1715 gegründeten Selbstverlag. Die Möglichkeiten in der Freien Reichsstadt Frankfurt, die gegenüber einer höfischen Anstellung zahlreicher waren, nutzte Telemann auf vielfältige und erfolgreiche Weise.
Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Veranstalter sind das Institut für Musikwissenschaft der Goethe-Universität und
Frankfurter Telemann-Gesellschaft.
Information:
https://telemann.info/frankfurter-telemann-tage-2025
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Veranstaltungsreihe des Graduiertenkollegs „Gewohnter Wandel“
FRANKFURT. Wie wirkt sich Krieg auf das Wohnen aus, und was können wir durch den Blickwinkel des Wohnens über Krieg lernen? Das Graduiertenkolleg
„Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens“ an Goethe-Universität und Bauhaus-Universität Weimar lädt zu einer Veranstaltungsreihe über die politischen, ökonomischen, baulichen und sozialen Dimensionen der Wohnungsversorgung in Zeiten drohender Kriege, andauernder bewaffneter Konflikte und Nachkriegsperioden. Den Auftakt der zwischen Frankfurt und Weimar wechselnden Veranstaltungen macht
am Dienstag, 21. Oktober
in Weimar und online
die Rechtswissenschaftlerin Prof. Pia Lange von der Universität Bremen, die über die Verrechtlichung des Wohnens sprechen wird.
Wie begegnen die Menschen den alltäglichen Herausforderungen des Wohnens in kriegsbelasteten Ländern? Und wie dauerhaft prägen bewaffnete Konflikte gesellschaftliche Wohnrealitäten und -identitäten? Dies erkunden Forschende aus Stadtplanung, Humangeographie, Architektur, Kunstgeschichte, Rechtswissenschaft und Anthropologie. Dabei geht es auch um die Frage, wie Krieg bestehende Ordnungen und Strukturen zerstört und wie sich staatliche Planungen zur Versorgung mit Wohnraum daraus entwickelt haben.
Die Termine
Dienstag, 21. Oktober (in Weimar und online)
Prof. Dr. Pia Lange (Öffentliches Recht, Europa- und Sozialrecht/Universität Bremen)
Die Verrechtlichung des Wohnens – Anfänge und Kontinuitäten im und nach dem Krieg
Dienstag, 4. November (in Weimar und online)
Prof. Dr. Frank Eckardt (Stadtsoziologe/Bauhaus-Universität Weimar)
Ansgar Frerich, Filmproduzent und Mischtonmeister „Taste of Cement“
Prof. Dr. Aref Swaidani, Bauingenieur/Bauhaus-Universität Weimar
Gesellschaftlicher Alltag zwischen Kriegszerstörung
und Wiederaufbau in Libanon und Syrien
Filmvorführung und Gespräch „Taste of Cement“ (2018)
Dienstag, 18. November (in Weimar und digital)
Dr. Ayham Dalal (Architekt und Stadtplaner/German University Cairo)
Housing refugees in camps? From shelters to dwellings in Germany and Jordan – Vortrag und Diskussion (in englischer Sprache)
Dienstag, 2. Dezember (in Weimar und online)
Galyna Sukhomud (Stadtplanerin und Stadtforscherin/Technische
Universität Berlin)
Housing in Ukraine: War-induced Housing Crisis and Policy Response
(in englischer Sprache)
Dienstag, 16. Dezember (in Frankfurt)
Dr. Yael Allweil (Architektin/Technion Israel)
Homeland Revisited: From Homing to Homecide
(in englischer Sprache)
Dienstag, 20. Januar 2026 (in Frankfurt)
Prof. Dr. Stef Jansen (Sozialanthropologe/University of Sarajevo)
Shifting values of housing in Bosnia and Herzegovina
(in englischer Sprache)
Dienstag, 3. Februar (in Weimar und online)
Prof. Dr. Mona Schieren (Kunstwissenschaftlerin/Hochschule für Künste Bremen)
Prepper, Privatbunker und Co. – Wohnen und Kriegsangst in Deutschland
Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18.30 Uhr. Veranstaltungsort in Frankfurt ist am 18. November, 16. Dezember und 20. Januar Hörsaal 10 im Hörsaalzentrum am Campus Westend.
Die anderen Termine finden in der Partneruniversität Bauhaus-Universität Weimar statt.
Der Link zur Online-Teilnahme für alle Termine abrufbar unter https://gewohnter-wandel.de/veranstaltungen/
Veranstalter ist das DFG-Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche
Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens“.
Information:
kathrin.meissner@uni-weimar.de
https://gewohnter-wandel.de/veranstaltungen/
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Tiny Forests sollen demnächst auch an der Goethe-Universität angepflanzt werden. Landschaftsarchitekt Robert Anton erläutert im neuen UniReport den ökologischen Nutzen.
FRANKFURT. Mit dieser Idee hat sich der japanische Vegetationskundler Akira Miyawaki unsterblich gemacht: Nach der Miyawaki-Methode wird auf einer kleinen Fläche ein Miniaturwald angepflanzt. Man überlässt die Fläche mehr oder minder sich selbst und lässt sie sich zu einer kleinen Wildnis entwickeln. Robert Anton, technischer Leiter für den Wissenschaftsgarten und die Außenanlagen der Goethe-Universität, ist Experte für die Pflege von Pflanzen und Tieren. Er ist begeistert von der Idee. Im Gespräch mit dem UniReport betont er: „Natürlich könnte man sofort entgegnen, dass ein großer Wald noch besser wäre. Aber worum geht es hier: Wir sprechen hier vor allem von stark besiedelten Großstädten, die im zunehmenden Maße auch unter der klimatisch bedingten Aufheizung leiden, aber gleichwohl Resträume zur Begrünung bieten. Nach Miyawakis ökologischem Ansatz kann man selbst kleinste Flächen – er selbst sah die Untergrenze ungefähr bei einem Tennisplatz – nutzen.“
Noch in diesem Jahr soll auf dem Campus Riedberg und dem Campus Ginnheim jeweils mit einem Tiny Forest gestartet werden, nächstes Jahr ist dann der Campus Westend an der Reihe. Ermöglicht wird die Aktion durch einen Spender. Die Bepflanzung und das Wachstum der Miniaturwälder werden wissenschaftlich begleitet. Die Tiny Forests sollen ferner eine Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen und damit Umweltbildung in die Gesellschaft tragen. Der Termin für die erste öffentliche Pflanzung steht bereits: Am 22. November können alle Interessierten auf dem Campus Riedberg mithelfen, den ersten Miniaturwald der Goethe-Universität ins Leben zu rufen.
Weitere Themen im neuen UniReport:
Aktuelles
- „Wir wollen eine leistungsfähige Volluniversität bleiben“: Universitätspräsident Enrico Schleiff über die Konsequenzen des Hessischen Hochschulpakts.
- Zwischen WG-Casting, Pendeln und Glücksfällen: Studierende berichten über die Wohnungssuche in Frankfurt.
- Beeinträchtigungen anders denken und leben: Der Tag der Menschen mit Behinderung ist in diesem Jahr auf die Mitarbeitenden fokussiert.
- Über gezielten Proteinabbau Krebs heilen: Prof. Dr. Raymond Deshaies vom California Institute of Technology (USA) übernimmt die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur 2025.
Forschung
- Goethe, Deine Forscher: Karen Zentgraf, Sportwissenschaftlerin.
- KI-Regulierung made in Frankfurt: Rechtswissenschaftler Alexander Peukert entwirft Urheberrechtsregeln des ersten EU-Praxisleitfadens für KI-Modelle.
- „Mein Beruf war und ist weiterhin mein Hobby“: Der emeritierte Biologe Rüdiger Wittig ist auch mit fast 79 Jahren noch forschend unterwegs.
- Die rätselhafte Stille nach der Dozentenfrage: Felix Glenk hat das Phänomen der Atmosphäre in einem sportsoziologischen Seminar untersucht.
- „Zeitenwenden. Normative Ordnungen im Umbruch?“ Das Forschungszentrum Normative Ordnungen startet neue Projekte zur Demokratieforschung.
- Fotografische Spurensuche: Ein Workshop in Kooperation mit der VHS Frankfurt erkundet „Religiöse Nachbarschaften“.
Studium, Lehre und Qualifikation
- #GoetheDataDive: Zahl des Monats Oktober - 72,3 Prozent der Studierenden der Goethe-Universität sind erwerbstätig.
- Ausgeprägte Willkommenskultur: Die BintHo-Studie attestiert deutschen Hochschulen, dass sich internationale Studierende wohlfühlen.
- Internationale Studierende an der Goethe-Universität erhalten auf Wunsch einen „Buddy“: eine studentische Begleitperson, die bei fachlichen, aber auch alltäglichen Themen unterstützt.
Campus
- Von Entrepreneurship-Lehre bis Community Building: Wie Goethe-Unibator und Futury künftig gemeinsam Gründungen stärken.
- Japanologentag an der Goethe-Universität: Prof. Lisette Gebhardt blickt zurück auf eine spannende Veranstaltung mit 350 Teilnehmenden.
- Formale Semantik, Pragmatik und Sprachphilosophie: Ein Rückblick auf die Tagung „Sinn und Bedeutung“.
- „Healing Classrooms“: Resilienzförderung für Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrung in Hessen.
- Wissenschaftliche Gesellschaft: Die Neuroradiologin Dr. Katharina Wenger-Alakmeh erhielt den Förderpreis, vier Promovierende wurden als Young Fellows der Wissenschaftlichen Gesellschaft aufgenommen.
- Das Universitätsarchiv Frankfurt bezieht sein neues Haus: Michael Maaser und Wolfgang Schopf über eine vielschichtige Eröffnung.
International
- Mehrwert für die gesamte Universität: 15 Jahre Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen.
Kultur
- Zwischen Idylle und Veränderung: Museum Giersch der Goethe-Universität zeigt die Ausstellung „SOLASTALGIE. Spaziergänge durch veränderte Landschaften“.
- Oktober ist Buchmessezeit: Auch Wissenschaftler*innen und Studierende der Goethe-Universität sind jedes Jahr Teil des umfangreichen Kulturprogramms.
Bibliothek
- „The Future of Libraries is Open“: Digitaler Wandel an der Universitätsbibliothek Frankfurt.
Der UniReport 5/2025 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe
Global Tipping Points Report 2025 zeigt auf: Absterben vieler Korallenriffe nur noch unter größtem Aufwand vermeidbar.
FRANKFURT. In einem heute (am 13.10.2025) vorgelegten Bericht gehen internationale Klimawissenschaftler und Klimawissenschaftlerinnen davon aus, dass das Absterben zahlreicher tropischer Korallenriffe infolge steigender Temperaturen der Weltmeere nur noch unter größten Anstrengungen verhinderbar ist. Auch Teile der polaren Eiskappen haben möglicherweise bereits Kipppunkte überschritten. Ihr weiteres Schmelzen könnte zu einem irreversiblen Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter führen.
Zu den Leitautoren und Leitautorinnen des Global Tipping Points Report 2025 (GTPR 2025) zählt Nico Wunderling, Professor für Computational Earth System Sciences am Center for Critical Computational Studies | C3S der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Forscher am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, der gemeinsam mit weiteren Leitautor:innen das GTPR-Kapitel „Earth System Tipping Points and Risks“ geleitet hat. „Die verheerenden Folgen des Überschreitens von Klimakipppunkten bedrohen unsere Gesellschaften massiv“, sagt Nico Wunderling. „Es besteht sogar das Risiko, dass das Kippen eines Klimasystems das Kippen anderer Systeme auslöst oder beschleunigt. Dieses Risiko nimmt mit einem Überschreiten der 1,5°C-Marke deutlich zu.“
Von rund zwei Dutzend Teilsystemen des Klimasystems ist bekannt, dass sie über Kipppunkte verfügen. Der erste dieser Kipppunkte, nämlich der für die tropischen Korallenriffe, sei nun erreicht, so der Bericht. Weiter geht er davon aus, dass sich die globale Durchschnittstemperatur in wenigen Jahren um 1,5 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit erhöht haben wird. Damit trete die Welt in eine Phase ein, in der das Überschreiten weiterer Klimakipppunkte riskiert werde, die dann wiederum weitreichende Folgen haben könnten wie den Anstieg des Meeresspiegels durch das Abtauen der großen Eisschilde oder globale Temperaturveränderungen im Falle eines Kippens der atlantischen Ozeanzirkulation. Der Bericht schlägt auch Maßnahmen vor, wie der weiteren Temperaturerhöhung begegnet werden kann.
Koordinierender Leitautor des GTPR 2025 ist Tim Lenton, Professor am Global Systems Institute der britischen University of Exeter. Zu dem Bericht haben über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 20 Ländern beigetragen. Er ist nun rechtzeitig zur 30. Weltklimakonferenz erschienen, die am 10. November 2025 im brasilianischen Belém beginnt. Der GTPR, der erstmals 2023 veröffentlicht wurde und schon damals weltweit beachtet wurde, gilt als maßgebliche Publikation auf dem Feld der Bewertung von Risiken und Chancen sowohl negativer als auch positiver Kipppunkte im Erdsystem und in der Gesellschaft.
Klimakipppunkte erfahren erst seit etwa 20 Jahren größere Aufmerksamkeit in den Klimawissenschaften. Unter einem klimabedingten Kipppunkt von Erdsystemen wie den Korallenriffen, dem Amazonas-Regenwald oder großflächigen Meeresströmungen verstehen die Autor*innen des Berichts das Erwärmungsniveau, ab dem solche Systeme selbstverstärkenden und oft unumkehrbaren Veränderungen unterliegen. So würden z.B. viele der tropischen Korallenriffe nach einer Überschreitung ihres Kipppunkts absterben, selbst wenn die Menschheit die weitere Klimaerhitzung begrenzt. Das Überschreiten weiterer Kipppunkte in den nächsten Jahrzehnten, so erwarten die Wissenschaftler*innen, ist durchaus möglich, da einige weitere bereits bei etwa 1.5°C globaler Erwärmungen liegen könnten, unter anderem der Kipppunkt des Amazonas-Regenwalds (Folge: Versteppung), der Eisschilde auf Grönland und der Westantarktis (Folge: mehrere Meter Meeresspiegelanstieg) oder der atlantischen Ozeanzirkulation (Folge: starke Abkühlung des europäischen Kontinents).
Der GTPR beinhaltet auch eine Reihe von Fallstudien zu verschiedenen Kippelementen des Klimasystems, unter anderem zu diesen:
• Korallenriffe: Weltweit sind Korallenriffe in tropischen Breiten aufgrund wiederholter Massenbleichereignisse von einer beispiellosen Sterblichkeit betroffen. Die aktuelle Erderwärmung von etwa 1,4 °C liegt oberhalb ihres thermischen Kipppunkts, den Wissenschaftler mit etwa 1,2 °C abschätzen. Selbst im unrealistischen Fall, dass die Erwärmung bei 1,5 °C stabilisiert werden könnte, ist die Wahrscheinlichkeit äußerst hoch, dass die Riffe kippen werden. Viele von ihnen werden dauerhaft verloren gehen, wenn die globale Temperatur nicht wieder auf 1 °C oder weniger sinkt. Je länger diese Temperatur überschritten bleibt und je stärker sie überschritten wird, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich die Riffe wieder erholen werden.
• Amazonas-Regenwald: Die Klimaerhitzung verbunden mit teilweiser Abholzung des Amazonas-Regenwalds setzen diesen bereits bei einer globalen Erwärmung von 1,5 bis 2 °C der Gefahr einer großflächigen Versteppung aus. Diese kann ihrerseits zu einer weiteren Verstärkung des Klimawandels führen.
• AMOC: Der Zusammenbruch der Atlantischen Meridionalen Umwälzströmung (AMOC), zu der auch der Golfstrom gehört, könnte bereits bei einer globalen Erwärmung von unter 2 °C zusammenbrechen. Dies würde zu viel kälteren Wintern in Nordwesteuropa führen, globale Monsunsysteme stören und die landwirtschaftlichen Erträge in weiten Teilen der Welt verringern.
Die GTPR-Autor*innen weisen darauf hin, dass neben negativen Kipppunkten im Klimasystem auch positive Kipppunkte in unseren Gesellschaften existieren. Ihr Überschreiten kann schnelle Transformationen hin zu klimafreundlicherem Verhalten fördern. Einige Beispiele:
• Erneuerbare Energien sind in den meisten Teilen der Welt schon heute günstiger als fossile Brennstoffe, Elektrofahrzeuge verdrängen Benzin- und Dieselfahrzeuge von den Straßen. Dies könnte sich als unumkehrbare und sich selbst verstärkende Entwicklung erweisen.
• Die schrittweise Einführung und Förderung klimafreundlicher Technologien durch die Politik kann das Auftreten positiver Kipppunkte etwa beim Einsatz klimafreundlicher Heizungen oder beim Gütertransport beschleunigen.
• Mechanismen „sozialer Ansteckung“ können dazu führen, dass die Mehrheit der Menschen Verhaltensänderungen einer Minderheit übernimmt, die zum Beispiel ihren Fleischkonsum eingeschränkt oder ihr Mobilitätsverhalten verändert hat.
Website des Global Tipping Points Report: https://global-tipping-points.org/
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Erster Bericht einer wirksamen tiefen Hirnstimulation zur Therapie von Stottern – Pilotprojekt von Universitätsmedizin Frankfurt und Universitätsklinikum Münster
Die tiefe Hirnstimulation, bei der bestimmte Hirnregionen durch eingepflanzte Elektroden angeregt werden, ist eine vielfach erprobte Methode zur Behandlung von Bewegungserkrankungen wie Morbus Parkinson. Forschende um Christian Kell von der Universitätsmedizin Frankfurt und Nils Warneke und Katrin Neumann vom Universitätsklinikum Münster haben jetzt erstmals mit dieser Methode das starke Stottern eines Menschen mit Entwicklungsstottern erfolgreich lindern können. Die Wissenschaftler*innen bereiten jetzt eine Studie vor, in der die Therapie an weiteren Menschen, die stark stottern, getestet werden soll.
FRANKFURT. Während als Ursache für das Stottern bis vor rund 30 Jahren noch rein psychische Ursachen vermutet wurden, gehen Wissenschaftler*innen heute von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren aus, die Stottern begünstigen. So wurden zum Beispiel eine Reihe von Genen identifiziert, die das Risiko für Stottern erhöhen, und anatomisch lassen sich im Gehirn von Menschen mit Redeflussstörungen Verschaltungen der Nervenbahnen und Hirnaktivitäten erkennen, die anders sind als bei Menschen, die flüssig sprechen können.
PD Dr. Christian Kell, Neurologe und Direktor des Cooperative Brain Imaging Center an der Goethe-Universität, erläutert: „Die linke Hirnhälfte kann Signale verarbeiten, die schnell aufeinander folgen. Bei stotternden Menschen allerdings interagiert in der linken Hirnhälfte die Hörrinde nicht so viel mit der motorischen Hirnrinde, die die Muskeln des Sprechapparates steuert. Das Gehirn lagert möglicherweise deshalb die Aufgaben an die rechte Hirnhälfte aus. Diese kommt allerdings mit den schnellen Signalen, wie sie der Sprache eigen sind, nicht so gut zurecht.“ Die Folge: Obwohl die betroffenen Menschen genau wissen, was sie sagen wollen, bleiben sie an einzelnen Wörtern hängen.
Stottern sieht Kell nicht zwingend als Krankheit, die geheilt werden muss. „Ich fände es richtig, wenn die Gesellschaft akzeptieren würde, dass ein Mensch stottert“, so der Neurologe. Andererseits sei er davon überzeugt, dass die Medizin Angebote machen sollte, wenn die Betroffenen unter ihrer Redeflussstörung leiden und Hilfe suchen.
Die Teams aus Frankfurt und Münster haben jetzt – nach intensiver wissenschaftlicher Vorbereitung und auf nachdrückliche Bitte des Patienten – einem stotternden Mann einen haarfeinen Draht in den linken Thalamus einpflanzen lassen, einer zentralen Schaltstelle im Innern des Gehirns. Über diesen Draht konnte die Hirnpartie durch leichte elektrische Ströme angeregt werden. Anschließend wurde über standardisierte Tests erfasst, wie sich das Stottern des Mannes veränderte.
Von dem Ergebnis ist Kell begeistert: „In den Monaten nach Beginn der Stimulation nahm die Häufigkeit des Stotterns langsam um 46 Prozent ab, und das Stottern war deutlich weniger gravierend. Wenn wir die tiefe Hirnstimulation ausschalteten, ohne dass der Patient den Zeitpunkt kannte, war das Stottern wieder stärker, wir konnten also einen echten biologischen Effekt in Abhängigkeit von der Stärke der Hirnstimulation erzielen.“ Anders als etwa bei Parkinsonpatient:innen, deren Zittern typischerweise unmittelbar nach Start der Hirnstimulation vermindert wird und sofort nach dem Abschalten der Stimulation wieder zurückkehrt, nahm das Stottern nach dem Abschalten der Stimulation sehr verzögert wieder zu – aber nicht so stark, wie es vorher war. Kell macht für einen Teil dieses Effekts den Patienten selbst verantwortlich: „Dadurch, dass er durch die Stimulation die Erfahrung gemacht hat, weniger zu stottern, haben er und sein Gehirn wahrscheinlich Wege gefunden, dass Stottern zu verringern.“
Jetzt bereitet das Wissenschaftsteam eine Studie vor, um herauszufinden, ob die tiefe Hirnstimulation auch anderen Menschen, die stark stottern, helfen kann. Kell dämpft jedoch zu große Erwartungen: „Die tiefe Hirnstimulation ist ein aufwändiger körperlicher Eingriff und birgt wie jede Operation Risiken. Die gilt es sorgfältig abzuwägen gegen den Leidensdruck, den ein stotternder Mensch verspürt. Zudem wollen wir auch untersuchen, ob wir das Gehirn von außen – ohne Operation – mit ähnlichen Effekten stimulieren können.“
Publikation: Christian A. Kell, Nils Warneke, Verena Zentsch, Johannes Kasper, Melanie Vauth-Weidig, Tobias Warnecke, Katrin Neumann: Left thalamic deep brain stimulation for persistent developmental stuttering. Journal of Fluency Disorders (2025) https://doi.org/10.1016/j.jfludis.2025.106147
Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/178840084
Bildtext:
Die Lage der implantierten Elektroden in den Basalganglien des Patienten. (1)
Die Intensität des Stotterns hat durch die tiefe Hirnstimulation deutlich angenommen. Das Diagramm zeigt die Stärke des Stotterns in der Zeit von bis zu neun Jahren vor und ab drei Monaten nach der Operation. (2)
Bildquelle beider Bilder: Kell et al., J Fluency Dis 2025, doi: https://doi.org/10.1016/j.jfludis.2025.106147
Hintergrundinformationen
„Die Entstehung des Worts: Wie das Gehirn aus Schallwellen Sprache macht“, in: Forschung Frankfurt 1/2025
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/176317635/forschung-frankfurt-ausgabe-1-2025-sprache-wir-verstehen-uns-die-entstehung-des-worts.pdf
Kontakt
PD Dr. Christian Kell
Cooperative Brain Imaging Center (CoBIC), Direktor
Goethe-Universität Frankfurt
Tel +49 (0)69 6301-6395
c.kell@em.uni-frankfurt.de
https://www.izn-frankfurt.de/mitglied/kell/
Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de
Science Talk „Wissen angezapft“ der Goethe-Universität auf der Buchmesse und im Kunstverein Montez
FRANKFURT. Welche geheimen Signale senden Frösche bei der Paarung? Was verraten Tagelied, Minnesang und Heldenepos über das Mittelalter? Geht Seelsorge auf Social Media? Und was uns erzählen Ozeane über die Erdgeschichte? Beim Science Talk „Wissen angezapft“ der Goethe-Universität sorgen zwei Wissenschaftler*innen, ein Moderator und Live-Musik für spannende Einblicke und überraschende Momente. Es geht um die großen Fragen der Wissenschaft, kleine Zufälle, Durchbrüche und Flops – und um die Geschichten dahinter.
Beim kommenden Science Talk gibt es eine Besonderheit – „Wissen angezapft“ ist auf der Buchmesse:
am Samstag, dem 18. Oktober, um 10 Uhr, mit den Gästen:
der Biowissenschaftlerin Lisa M. Schulte zum Thema "Da stimmt die Chemie - wie Amphibien bei der Paarung kommunizieren"
und dem Mittelalterphilologe Holger Runow zum Thema "Vom Sound des Mittelalters – was König Artus und Walther von der Vogelweide uns zu sagen haben".
Es moderiert Stephan M. Hübner/HR; musikalisch begleitet der Pianist Lorenzo Huthmacher.
Ort: Buchmesse, Kongresszentrum, Halle 4.0, Innovation Stage, Ludwig-Erhard-Anlage, 60327 Frankfurt am Main
Der folgende Science Talk findet statt
am 9. Dezember, 19.30 Uhr mit den Gästen
Prof. Jens Herrle, Mikropaläontologe und Paläozeanograph, zum Thema „Spuren im Stein – was Ozeane uns über die Erdgeschichte erzählen“
und Christine Wenona Hoffmann, evangelische Theologin, zum Thema "Wie Sinnfluencer:innen die Seelsorge und Kirche umbauen".
Es moderiert Britta Hoffmann; musikalisch begleitet erneut der Pianist Lorenzo Huthmacher.
Ort: Kunstverein Familie Montez, Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt
Der Science Talk findet statt in Zusammenarbeit mit den Freunden und Fördern der Goethe-Universität.
Weitere Informationen
https://buerger.uni-frankfurt.de
Die Bürger-Universität bietet im Wintersemester rund 200 Veranstaltungen für die Stadtgesellschaft an
FRANKFURT. Welche Rolle spielt die Mathematik für den gesellschaftlichen Wandel? Und in welchem Verhältnis stehen Humanismus und Globalisierung zueinander? Die beiden Veranstaltungsreihen von Mathematikern und klassischen Philologen der Goethe-Universität reihen sich ein in einen Themenkomplex, der in der aktuellen Bürger-Universität großen Raum einnimmt: Das Programm umfasst Veranstaltungen zu unserer Gesellschaft unter Druck, zu Ursachen für autoritäre Entwicklungen, sozialer Ungleichheit, Klimaethik und -gerechtigkeit, zu unserer verfassungsrechtlichen Ordnung und dem Völkerrecht, zu aktuellen Konflikten und – ja, auch das – zum Kompromiss.
Mit der Bürger-Universität lässt die Goethe-Universität die Stadtgesellschaft jedes Semester an ihrer Forschung teilhaben. Rund 200 Veranstaltungen stark ist das aktuelle Programm und enthält so unterschiedliche Formate wie Vorträge, Podiumsdiskussionen und Streitgespräche, Filmreihen, Buchpräsentationen und Konzerte, Führungen, Dialog-Spaziergänge und Ausstellungen – so etwa die Ausstellung „SOLASTALGIE“ über veränderte Landschaften im Museum Giersch der Goethe-Universität und die Ausstellung „Anatomie der Fragilität“ über Körperbilder in Kunst und Wissenschaft des Frankfurter Kunstvereins in Kooperation mit der Universität.
Zum zweiten Mal wird die Monika-Schoeller-Dozentur für literarisches Übersetzen angeboten, die fortan in regelmäßigem Wechsel mit der Poetikvorlesung stattfindet: Gewonnen für Vorlesungen und Workshops wurde die vielfach ausgezeichnete Übersetzerin Eva Schestag, spezialisiert auf Übertragungen aus dem Chinesischen und Englischen.
Weitere Veranstaltungen der Bürger-Universität greifen die aktuelle Forschung zu medizinischen Themen wie Krebs auf oder informieren – wie die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur – über moderne Arzneimittelforschung. Ein neues Format, das neugierig macht: Das 2024 eröffnete Hirnforschungszentrum CoBIC lädt unter dem Titel „Hirngespinste“ zu wissenschaftlichen Vorträgen kombiniert mit hochkarätig besetzten klassischen Konzerten ein.
Der Science Talk der Goethe-Universität „Wissen angezapft“ startet diesmal auf der Buchmesse und wechselt beim Folgetermin in den Kunstverein Familie Montez: Themen sind „Wie Amphibien bei der Paarung kommunizieren“, „Vom Sound des Mittelalters“, „Was Ozeane über die Erdgeschichte erzählen“ und „Wie Sinnfluencer*innen die Seelsorge und Kirche umbauen“.
Das Programm der Bürger-Universität liegt an öffentlichen Einrichtungen der Stadt aus und ist im Online-Kalender der Goethe-Universität einsehbar unter: www.buerger.uni-frankfurt.de/
Die Teilnahme ist in der Regel ohne Anmeldung möglich, der Eintritt ist frei.
Die erste Bürger-Universität startete im Jahr 2008. In diesem Jahr kehrte die Goethe-Universität zu ihren Wurzeln als Stiftungsuniversität zurück, als die sie 1914 von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern gegründet worden war.
Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de
Zentrale Informationsveranstaltung für alle Erstsemester am 9. Oktober auf dem Campus Westend
FRANKFURT. Viele neue Gesichter auf dem Campus: Knapp 10.000 „Erstis“ sind zur UNISTART-Messe der Goethe-Universität eingeladen. Die offizielle Begrüßung der neuen Studierenden erfolgt um 14.00 Uhr im Hörsaal HZ 2: Dann werden Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff, Frankfurts Stadtkämmerer Dr. Bergerhoff und das AStA-Vorstandskollektiv Alessio Dale und Bleta Berisha ihre Grußworte sprechen. Auf der begleitenden Messe im Hörsaalzentrum kann man sich von 11.30 bis 16.00 Uhr an über 70 Ständen informieren und beraten lassen: Das breitgefächerte Angebot reicht von der Agentur für Arbeit über Campusradio, den Hochschulgemeinden, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt und dem Studierendenwerk Frankfurt bis hin zum Zentrum für Hochschulsport.
Ein vielseitiges Workshop-Programm bietet zudem niedrigschwellige Einstiege in das universitäre Leben: Rhetorische Fähigkeiten, in allen Fächern nützlich, werden vom Debattierclub Goethes Faust e.V. vermittelt. Mehr zum Thema Unternehmertum erfährt man vom Founders Club Frankfurt. Wer mehr über das unieigene Museum erfahren möchte, besucht am besten den Workshop vom MGGU (= Museum Giersch der Goethe-Universität). Wer hingegen wissen möchte, was Recht und Digitalisierung miteinander zu tun haben, kann sich im Workshop des Legal Tech Lab Frankfurt am Main e.V. informieren. Apropos Recht: Die Fachschaft Recht bietet Tipps und Tricks für Erstsemester der Rechtswissenschaften. Dass Schreiben im Studium mehr ist, als nur Wissen festzuhalten, steht im Fokus einer Veranstaltung des Schreibzentrums. Viele Erstis werden bereits darüber nachgedacht haben, im Studium einmal ins Ausland zu gehen. Das Global Office der Goethe-Universität informiert, wie das gelingen kann. Computer und weitere digitale Endgeräte sind für Studium und Lehre von großer Bedeutung. Das Hochschulrechenzentrum (HRZ) stellt im Workshop die IT-Services für Studierende vor.
UNISTART Wintersemester 2025/26
Donnerstag, 9. Oktober 2025, 11:30 bis 16:00 Uhr,
Hörsaalzentrum, Campus Westend.
Der reguläre Vorlesungs- und Seminarbetrieb für alle Studierenden beginnt ab dem kommenden Montag. Insgesamt werden knapp 42.000 Studierende im Wintersemester an der Goethe-Universität erwartet. Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich eingeladen, sich einen Eindruck von den neuen Studierenden vor Ort zu verschaffen.
Weitere Informationen zum Programm der UNISTART unter https://goethe.link/isYvw
Kontakt:
UNISTART-Team Kerstin Rozsa, Patrick Schmitz & Joshua Goede, CAMPUSERVICE der Goethe-Universität, Tel: 069 71 58 57 19; unistart@uni-frankfurt.campuservice.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Neues Koselleck-Projekt an der Goethe-Universität: Neurobiologin Prof. Amparo Acker-Palmer wirbt 1,25 Millionen Euro für neurovaskuläre Forschung ein
Blutgefäße sind mehr als nur Transportwege für Sauerstoff und Nährstoffe; auch kommunikative Prozesse finden darin statt, die die Entwicklung des Gehirns steuern und dessen Funktion aufrechterhalten. Diese vaskulär-neuronalen Schnittstellen stehen im Zentrum einer neuen Forschung von Prof. Amparo Acker-Palmer, die im Rahmen eines Koselleck-Projekts von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 1,25 Millionen Euro gefördert wird.
FRANKFURT. In den Blutgefäßen tauschen so genannte Endothelzellen, die Zellen, die die innere Auskleidung aller Gefäße bilden, mit Nervenzellen und Gliazellen Signale aus, die die Bildung von Gehirnschaltkreisen und die Entstehung der Gehirnarchitektur entscheidend beeinflussen. Ist dieser Austausch gestört, kann es sowohl zu Entwicklungsstörungen als auch zu Neurodegeneration kommen. In ihrem nun von der DFG bewilligten Koselleck-Projekt will Prof. Amparo Acker-Palmer die verborgenen Funktionen der vaskulär-neuronalen Schnittstellen erforschen. Mit Hilfe modernster Bildgebung, der Erstellung molekularer Profile und genetischer Modelle will sie zeigen, wo und wie Endothelzellen mit Neuronen und anderen Gehirnzellen interagieren und nach welchen Prinzipien diese Kontakte die Konnektivität und Struktur des Gehirns beeinflussen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Kleinhirn, das für Bewegung und bestimmte kognitive Prozesse von großer Bedeutung ist, ein weiterer auf der Rolle der Blutgefäße für die Hirnfaltung, die die Funktionen des Gehirns ausdifferenziert und erweitert. Defekte in der Faltung können neurologische Störungen verursachen, die zu geistiger Behinderung, Epilepsie und motorischen Problemen führen können.
„Indem wir Gefäßbiologie und Neurowissenschaften zusammenführen, schlagen wir ein neues Kapitel in der neurovaskulären Forschung auf. Wenn wir verstehen, wie Blutgefäße die Entwicklung des Gehirns steuern, ist das von großer Bedeutung nicht nur für die Grundlagenbiologie, sondern auch für neue therapeutische Strategien gegen Erkrankungen, die auf gestörter Kommunikation zwischen Gefäßen und Neuronen beruhen“, sagt Professorin Acker-Palmer. Die Studie habe das Potenzial, die neurovaskuläre Biologie zu revolutionieren und bislang unbekannte Therapien zu erschließen. Acker-Palmer hat an der Goethe-Universität die Professur für Molekulare Neurobiologie inne. Für ihre bahnbrechende Forschung zur neurovaskulären Kommunikation ist sie international anerkannt. Mehrere bedeutende Auszeichnungen wurden ihr bereits zuteil, darunter ein ERC Advanced Grant.
Acker-Palmers Labor zeichnet sich dadurch aus, dass es Gefäßbiologen und Neurowissenschaftler in einem kooperativen, interdisziplinären Umfeld zusammenbringt und so einen nahtlosen Wissensaustausch, Innovation und Entdeckungen gewährleistet. Dies seien gute Voraussetzungen für die Bewältigung des ehrgeizigen Vorhabens, so die Neurobiologin. Das ehrgeizige Projekt passe gut in das Koselleck-Programm, das besonders visionäre, risikoreiche Forschung unterstützen soll mit dem Potenzial, völlig neue Wissenschaftsfelder zu erschließen.
Die seit 2008 vergebene Förderlinie ist nach Reinhart Koselleck (1923-2006) benannt, einem der bedeutendsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts, der als Mitbegründer der modernen Sozialgeschichte gilt. Reinhart Koselleck-Projekte werden an „durch besondere wissenschaftliche Leistung ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ vergeben. Voraussetzung für eine Bewilligung sind besonders innovative Denkansätze sowie eine gewisse Risikobehaftung.
Bilder zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/178767283
Bildtexte:
Die Neurowissenschaftlerin Amparo Acker-Palmer hat bei der DFG ein Koselleck-Projekt eingeworben. Im Mittelpunkt stehen die Zusammenhänge zwischen Blutgefäßen und Gehirnentwicklung. (Foto: Till Acker) (1)
3D-Rekonstruktion der Blutgefäße im Kleinhirn einer Maus, dargestellt mit der Künstlichen Intelligenz von iDISCO+. (Abbildung: Marta Parilla Monge and Jimena Redondo Nectalí, AG Acker-Palmer) (2)
Weitere Informationen
Prof. Dr. Amparo Acker-Palmer
Direktorin des Interdisziplinären Zentrums für Neurowissenschaften
Goethe University Frankfurt
Telefon +49 (0)69798-42563
E-Mail: acker-palmer@bio.uni-frankfurt.de
http://neuro-vessel-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Kooperationsprojekt von Goethe-Universität und Universität Köln erforscht die Landwirtschaft im vorgeschichtlichen Rheinland und Hessen
Schon in der frühen Jungsteinzeit haben die Bauern im heutigen Rheinland und in Hessen den Getreideanbau diversifiziert, bauten also unterschiedliche Getreidearten an. Früher als bisher angenommen sorgten landwirtschaftliche Innovationen dafür, dass die Lebensmittelversorgung widerstandsfähiger und flexibler wurde. Erste Ergebnisse aus dem Kooperationsprojekt von Goethe-Universität und Universität Köln wurden jetzt im „Journal of Archaeological Science“ veröffentlicht.
FRANKFURT. „Diversifizierung und Wandel. Untersuchungen zu Besiedlung und Landwirtschaftspraktiken im 5. Jt. v. Chr. im zentralen Mitteleuropa“ – so lautet der Titel des interdisziplinären Projekts von Goethe-Universität und Universität zu Köln, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Beteiligt sind die Disziplinen prähistorische Archäologie, Archäobotanik, Vegetationsgeschichte, Archäozoologie und Dendroarchäologie. Das Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Dr. Silviane Scharl, Dr. Astrid Röpke (beide vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln) und apl. Professorin Dr. Astrid Stobbe (Goethe-Universität Frankfurt am Main) hat herausgefunden, dass bäuerliche Gesellschaften bereits vor knapp 7000 Jahren begannen, neue Getreidesorten in ihr Kulturpflanzenspektrum zu integrieren. Es wurden tiefere Einblicke in die zugrundeliegenden Prozesse erarbeitet und diese Innovationen in der Landwirtschaft zeitlich eingeordnet. Die Ergebnisse der Studie „Dynamics of early agriculture – multivariate analysis of changes in crop cultivation and farming practices in the Rhineland (Germany) between the 6th and early 4th millennium BCE“ sind im Journal of Archaeological Science erschienen.
Die ersten Bauern in Mitteleuropa gehörten der sogenannten Linearbandkeramischen Kultur an und bevölkerten den Kontinent zwischen etwa 5400 und 5000/4900 v. Chr. Sie kultivierten fast ausschließlich die Urweizenarten Emmer und Einkorn, beides Spelzgetreide. Bei diesen Getreidearten muss das Getreidekorn vor der Weiterverarbeitung von der äußeren Hülle befreit werden (Entspelzen). Bisher war bekannt, dass neue Getreidesorten wie Nacktweizen, bei denen das Entspelzen entfällt, und Gerste im Verlauf der Jungsteinzeit, genauer während des sogenannten Mittelneolithikums (ca. 4900 bis ca. 4500 v. Chr.) eingeführt wurden, wobei der zeitliche Rahmen und die genauen Prozesse bislang nicht bekannt waren. Um diese Prozesse auf regionaler Ebene besser zu verstehen, hat das Forschungsteam Daten zu archäobotanischen Makroresten aus 72 neolithischen Fundstätten im Rheinland (Deutschland) gesammelt und ausgewertet. Die Proben bestehen aus verkohlten Resten von Sämereien und datieren aus der Zeit vom späten 6. bis zum frühen 4. Jahrtausend v. Chr. Sie wurden aus Siedlungsgruben der jungsteinzeitlichen Bauern geborgen.
Mithilfe aufwendiger Statistikverfahren konnte gezeigt werden, dass es signifikante Unterschiede zwischen den neolithischen Phasen gibt. Überraschenderweise ergab die Studie, dass die für das Mittelneolithikum charakteristischen landwirtschaftlichen Veränderungen bereits zu Beginn dieser Periode erkennbar waren. „Die Integration neuer Getreidearten machte die Landwirtschaft resilienter und flexibler. Sie ermöglichte nicht nur den Anbau von Winter-, sondern auch von Sommerkulturen und die potenzielle Nutzung einer größeren Vielfalt von Böden sowie eine mögliche Verringerung des Arbeitsaufwands“, sagt Professorin Scharl. Eine stetige Zunahme der Getreidevielfalt wurde auch durch eine Diversitätsanalyse nachgewiesen. Diese Analyse zeigt, dass die steinzeitlichen Bauern die größte Diversität im Anbauspektrum um 4350 v. Chr. erreichten. Danach geht sie wieder deutlich zurück, was auf eine erneute Transformation des Agrarsystems hindeutet, die Gegenstand weiterer Forschung ist. Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass in der Folgezeit die Viehwirtschaft, vor allem die Rinderhaltung, zugenommen hat.
Die aktuelle Studie verdeutlicht, dass jungsteinzeitlichen Bauern im Laufe der Zeit landwirtschaftliche Techniken und Praktiken entwickelt haben, die es ihnen erlaubten, sehr flexibel auf regionale und sich wandelnde Umweltbedingungen zu reagieren. In Regionen mit schwierigeren Umweltbedingungen wurden Getreidearten angebaut, die auch unter diesen Bedingungen einen Ertrag lieferten. Dies zeigt, dass die Bauern sehr gut über die Umweltbedingungen in ihrer Region Bescheid wussten und ihre Strategien zur Nahrungsmittelproduktion entsprechend angepasst haben. Auch die von der Universität Frankfurt durchgeführten und noch laufenden Untersuchungen zu den Landschaftsveränderungen in Hessen zu dieser Zeit belegen, dass die Menschen das Land um ihre Siedlungen strategisch nutzten und je nach verfügbaren Ressourcen unterschiedliche Wege in der Viehzucht fanden, um ihre Tiere zu ernähren.
Publikationen:
https://doi.org/10.1016/j.jas.2025.106369
Ein Bild zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/178767296
Bildunterschrift:
Verkohlte Emmerkörner aus einem Vorratsfund einer linearbandkeramischen Siedlung bei Werl, Nordrhein-Westfalen. (Foto: Tanja Zerl, Universität zu Köln)
Weitere Informationen
Apl. Prof. Dr. Astrid Stobbe
Institut für archäologische Wissenschaften, Vor- und Frühgeschichte
Labor für Archäobotanik
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail stobbe@em.uni-frankfurt.de
Telefon +49 (0)69 798-32109
https://www.uni-frankfurt.de/78636541/Vor__und_Frühgeschichte
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Öffentliche Diskussion in der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg im Rahmen der Herbstakademie.
FRANKFURT. Wie kann ein Zusammenleben in Städten angesichts multipler Krisen zukünftig gelingen? Dies soll im Rahmen der diesjährigen Herbstakademie erörtert werden. Als Teil des Rahmenprogramms widmet sich das Podiumsgespräch in der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg den Herausforderungen von Kultur- und Stadtentwicklung mit Blick auf den Kulturcampus. Die Diskussion nimmt historische Impulse des Neuen Frankfurt auf und richtet einen vergleichenden Blick auf das „Friche La Belle de Mai“ in Marseille, einem durch Umnutzung neu geschaffenen Ort künstlerischer und sozialer Praxis.
Gemeinsam mit Expert_innen aus Kultur, Stadtplanung und Wissenschaft soll diskutiert werden, welche Strategien, Allianzen und Konzepte notwendig sind, um offene, inklusive und vielfältige Kulturorte der Zukunft zu schaffen, die mehr sind als Funktionsbauten, sondern Möglichkeitsräume für Begegnung und gemeinsames Gestalten eröffnen. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Kulturdezernat Frankfurt am Main statt.
Podiumsdiskussion:
„Kultur Raum Stadt.
Offene Areale als gemeinsame Möglichkeitsräume –
vom neuen Frankfurt zum Kulturcampus?“
Freitag, 10.10.2025, 19:30–21:30 Uhr,
Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg.
Auf dem Podium diskutieren:
Helen Barr, Kunsthistorikerin, Kunstgeschichtliches Institut, Goethe-Universität Frankfurt
Julius Reinsberg, Historiker und Referent im Kulturdezernat der Stadt Frankfurt
Philipp Schulte, Vorsitzender Frankfurt LAB und Geschäftsführer Hessische Theaterakademie
Renée Tribble, Professur für Städtebau, Bauleitplanung und Stadtgestaltungsprozesse, TU Dortmund
Moderation: Andrea Jürges, stellv. Direktorin Deutsches Architekturmuseum.
Zum Hintergrund: Während der Herbstakademie werden aktuelle stadt- und wohnpolitische Fragestellungen bearbeitet und diskutiert: Welche Lösungsansätze gibt es für eine gemeinwohlorientierte Wohnungs- und Bodenpolitik? Wie kann der aktuelle Bestand umgenutzt werden? Welche Infrastrukturen der urbanen Fürsorge brauchen wir? Und wie lassen sich Küchen vergemeinschaften? Die Herbstakademie sucht anhand der Begriffe „City / Care / Commons“ nach Perspektiven für eine ökonomisch, ökologisch und sozial gerechte Stadt.
Die Herbstakademie „City Care Commons“ ist eine Kooperation vom Deutschen Architekturmuseum (DAM), dem Museum Angewandte Kunst und dem Historischen Museum Frankfurt im Rahmen von 100 Jahre Neues Frankfurt, gefördert durch die Stadt Frankfurt am Main und dem Projekt Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren. Akademische Partnerin ist das Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Goethe-Universität.
Weitere Informationen zur Herbstakademie und zu den öffentlichen Veranstaltungen unter https://dam-online.de/herbstakademie2025/
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Theoretische Physiker der Goethe-Universität beschreiben mit komplexen Simulationen die Entstehung mächtiger Jets
Schon 100 Jahre bevor die Event Horizon Telescope Collaboration 2019 das erste Bild eines Schwarzen Lochs – im Herzen der Galaxie M87 – veröffentlichte, hatte der Astronom Heber Curtis einen seltsamen Strahl entdeckt, der aus dem Zentrum der Galaxie herauszeigt. Heute ist bekannt, dass es sich um den Jet des Schwarzen Lochs M87* handelt. Solche Jets werden auch von anderen Schwarzen Löchern ausgeschickt. Theoretische Astrophysiker der Goethe-Universität haben jetzt einen numerischen Code entwickelt, mit dem sie mathematisch hoch präzise beschreiben können, wie Schwarze Löcher die Energie aus ihrer Rotation in einen solchen ultraschnellen Jet umsetzen.
FRANKFURT. Knapp zwei Jahrhunderte lang war nicht klar, dass es sich bei dem hellen Fleck im Sternbild der Jungfrau, den Charles Messier 1781 als „87: Nebel ohne Sterne“ beschrieb, um eine sehr große Galaxie handelt. Daher fand sich zunächst auch keine Erklärung für den 1918 entdeckten seltsamen Strahl, der aus dem Zentrum des „Nebels“ entspringt.
Dort, im Herzen der Riesengalaxie M87, befindet sich das Schwarze Loch M87*, das stolze sechseinhalb Milliarden Sonnenmassen vereint und sich mit großer Geschwindigkeit um sich selbst dreht. Mit der Energie aus dieser Rotation treibt M87* einen Teilchenstrahl an, einen Jet, der mit nahezu Lichtgeschwindigkeit ausgestoßen wird und sich über gewaltige 5000 Lichtjahre erstreckt. Solche Jets entstehen auch durch andere rotierende Schwarze Löcher. Sie tragen dazu bei, Energie und Materie im Universum zu verteilen, und sie können die Entwicklung ganzer Galaxien beeinflussen.
Das Team von Astrophysikern an der Goethe-Universität Frankfurt unter der Leitung von Prof. Luciano Rezzolla hat einen numerischen Code entwickelt, den „Frankfurt particle-in-cell code for black hole spacetimes (FPIC)“, der mit hoher Genauigkeit die Prozesse beschreibt, die zur Umwandlung von Rotationsenergie in einen Teilchenstrahl führen. Das Ergebnis: Die Wissenschaftler fanden heraus, dass neben dem sogenannten Blandford-Znaiek-Mechanismus, demzufolge starke Magnetfelder für die Umwandlung der Rotationsenergie verantwortlich sind, ist ein weiterer Prozess an der Energieentnahme beteiligt ist: die magnetische Rekonnexion. Hierbei brechen Magnetfeldlinien auf und sich verbinden sich neu, wodurch magnetische Energie in Wärme, Strahlung und Plasmaeruptionen umgewandelt wird.
Der FPIC-Code simulierte die Entwicklung einer riesigen Anzahl geladener Teilchen und extremer elektromagnetischer Felder unter dem Einfluss der starken Gravitation des Schwarzen Lochs. Dr. Claudio Meringolo, Hauptentwickler des Codes, erklärt: Die Simulation solcher Prozesse ist entscheidend für das Verständnis der komplexen Dynamik relativistischer Plasmen in gekrümmten Raumzeiten in der Nähe kompakter Objekte, die durch das Zusammenspiel extremer Gravitations- und Magnetfelder bestimmt werden.
Für die Untersuchungen waren höchst aufwendige Supercomputer-Simulationen erforderlich, die Millionen von CPU-Stunden auf dem Frankfurter Supercomputer „Goethe“ sowie auf dem Stuttgarter Supercomputer „Hawk“ beanspruchten. Die enorme Rechenleistung war notwendig, um Maxwells Gleichungen und die Gleichungen für die Bewegung von Elektronen und Positronen gemäß Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie zu lösen.
In der Äquatorebene des Schwarzen Lochs zeigten die Berechnungen der Wissenschaftler intensive Rekonnexionsaktivität, die zur Bildung einer Kette von Plasmoiden führt – kondensiertem Plasma in Energie-„Blasen“ – die sich mit Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit bewegen. Den Wissenschaftlern zufolge geht dieser Prozess geht mit der Erzeugung von Teilchen mit negativer Energie einher, die extreme astrophysikalische Erscheinungen wie Jets und Plasmaeruptionen antreibt.
„Unsere Ergebnisse eröffnen die faszinierende Möglichkeit, dass der Blandford-Znajek-Mechanismus nicht der einzige astrophysikalische Prozess ist, der Rotationsenergie aus einem Schwarzen Loch extrahieren kann“, sagt Dr. Filippo Camilloni, ebenfalls am FPIC arbeitete, „sondern dass auch die magnetische Rekonnexion dazu beiträgt.“
„Wir können mit unserer Arbeit zeigen, wie Energie effizient aus rotierenden Schwarzen Löchern extrahiert und in Jets kanalisiert wird“, sagt Rezzolla. „So können wir dazu beitragen, die extremen Leuchtkräfte aktiver Galaxienkerne sowie die Beschleunigung von Teilchen bis fast auf Lichtgeschwindigkeit erklären“. Es sei unglaublich spannend und faszinierend, über ausgefeilte numerische Codes besser verstehen zu können, was in der Nähe eines Schwarzen Lochs geschehe. „Gleichzeitig ist es noch lohnender, die Ergebnisse dieser komplexen Simulationen mit einer strengen mathematischen Behandlung erklären zu können – so wie wir es in unserer Arbeit getan haben.“
Publikation: Claudio Meringolo, Filippo Camilloni, Luciano Rezzolla: Electromagnetic Energy Extraction from Kerr Black Holes: Ab-Initio Calculations. The Astrophysical Journal Letters (2025) https://doi.org/10.3847/2041-8213/ae06a6
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/178567801
Bildtext: Auf der Äquatorialebene entlang der Stromschicht, wo die Teilchendichte (linker Teil) höher ist, entsteht eine Kette von Plasmoiden. Hier findet eine magnetische Rekonnexion statt, die Teilchen auf sehr hohe Energien beschleunigt (rechts). Die Teilchen erreichen auch relativistische Geschwindigkeiten entlang der Drehachse und bilden schließlich den Jet, der durch den Blandford-Znajek-Mechanismus angetrieben wird. Grau: Magnetfeldlinien.
Bild: Meringolo, Camilloni, Rezzolla (2025)
Weitere Informationen
Prof. Dr. Luciano Rezzolla
Institut für Theoretische Physik
Goethe Universität Frankfurt
Tel: +49 (69) 798-47871
rezzolla@itp.uni-frankfurt.de
https://astro.uni-frankfurt.de/rezzolla/
Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de
Bürgerveranstaltung der Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur zu neuen Wirkstoff-Konzepten gegen Krebs und andere Krankheiten
FRANKFURT. Zahlreiche schwere Erkrankungen – von Krebs über Alzheimer bis hin zu Infektionen – basieren auf krankmachenden Proteinen, die sich mit herkömmlichen Wirkstoffen kaum beeinflussen lassen. Eine neue Wirkstoffklasse, die sogenannten PROTACs (Proteolysis Targeting Chimeras), hat aber genau dieses Potenzial: Ihre Moleküle können krankheitsrelevante Proteine gezielt den körpereigenen Abbaumechanismen zuführen und so selbst bislang „unbehandelbare“ Zielstrukturen therapeutisch angreifbar machen.
Der Träger der diesjährigen Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur Prof. Raymond J. Deshaies (California Institute of Technology, USA) ist einer der Entdecker dieser Wirkstoffe. Mit seiner Forschung legte er den Grundstein für die Entwicklung neuer Medikamente, die über den gezielten Proteinabbau beispielsweise Krebs heilen können.
In einem Podiumsgespräch erklären und diskutieren Forscher*innen der Goethe-Universität mit Deshaies das neue Konzept. Dabei gehen sie Fragen nach wie: Wie funktioniert der gezielte Proteinabbau? Welche Krankheiten können mit dem neuen Wirkprinzip adressiert werden? Wie können die neuen Wirkstoffe in den Körper aufgenommen werden? Wie funktioniert die Translation von neuen Wirkstoffen aus der Forschungspipeline in wirksame und sichere Medikamente für Patienten?
Podiumsgespräch
Krebs, Alzheimer & Co.:
Eine Revolution in der Behandlung zum Greifen nah?
4. November 2025
19:00 bis 21:00
Otto-Stern-Zentrum
Hörsaal H1
Ruth-Moufang-Str. 2
Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt bzw. wird simultan übersetzt.
Anmeldung erbeten unter: https://tinygu.de/merz0411
Veranstalter: Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur der Goethe-Universität
www.uni-frankfurt.de/Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur
Hintergrund zu PROTACs:
„Krankmacher gezielt entsorgen“ – Forschung Frankfurt 1-2024
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/krankmacher-gezielt-entsorgen/
Die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur wurde im Dezember 1985 anlässlich des 100. Geburtstags von Firmengründer Friedrich Merz gestiftet, der als einer der ersten Mitglieder der Senckenbergischen Gesellschaft mit der Frankfurter Universität eng verbunden war und die Wissenschaft gefördert hat. Ziel der Stiftungsgastprofessur ist, besonders angesehene Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Pharmazie oder Humanmedizin an die Goethe-Universität Frankfurt zu berufen. 1987 zum ersten Mal verliehen, wurde die Gastprofessur bis auf zwei Ausnahmen jährlich vergeben. Die Gastprofessur und das Symposium, dessen Themenspektrum von der Grundlagen- bis zur Versorgungsforschung reicht, bieten Forscher*innen aus Hochschule und Industrie jährlich die Gelegenheit zum Wissensaustausch und zu einer weitergehenden Zusammenarbeit.
Die Veranstaltung wird gefördert von der Merz Foundation gGmbH.
Landesweite und regionale Forschung zur Bevölkerungsgesundheit im Fokus – Stärkung von Studium und Lehre – Begleitung der Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes – Finanzierung durch Hessisches Gesundheitsministerium
Zur nachhaltigen Stärkung des Öffentlichen Zur nachhaltigen Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes finanziert das Hessische Gesundheitsministerium an der Goethe-Universität eine Professur für Öffentliches Gesundheitswesen. Jetzt tritt der neue Amtsinhaber Prof. Dr. med. Jon Genuneit seine Stelle an. Er wird unter anderem die regionale Forschung im Bereich Bevölkerungsgesundheit aufbauen, ein Schwerpunktcurriculum weiterentwickeln, Forschungsprojekte zur Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes durchführen und begleiten und eng mit dem Landesamt für Gesundheit und Pflege zusammenarbeiten. Gesundheit und Pflege zusammenarbeiten.
FRANKFURT. Die Hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz erklärt: „Mit der Einrichtung einer Professur für Öffentliches Gesundheitswesen schafft Hessen eine zentrale Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis: Sie stärkt die evidenzbasierte Arbeit der Gesundheitsämter, vernetzt Studierende, Wissenschaft und das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege und trägt so zu einem modernen und zukunftsfesten Öffentlichen Gesundheitsdienst in Hessen bei.“
Prof. Bernhards Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung, ist überzeugt: „Wir schätzen uns glücklich, dass wir Prof. Jon Genuneit mit seinem epidemiologischen Fachschwerpunkt für die Professur für Öffentliches Gesundheitswesen gewinnen konnten – hat sich doch gerade während der SARS-CoV2-Pandemie gezeigt, wie wichtig die enge Verzahnung von Wissenschaft, Praxis und Politik ist. Wir sind überzeugt, dass Herr Genuneit durch Forschung und Lehre die Weiterentwicklung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes begleiten und nachhaltig stärken wird.“
Die Professur wird vorerst nur für einen Zeitraum von fünf Jahren bestehen und wird aus Mitteln des hessischen Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst finanziert.
Hintergrundinformationen:
Meldung „Professur für öffentliches Gesundheitswesen eingerichtet“, Januar 2024
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/en/gesellschaft/professur-fuer-oeffentliches-gesundheitswesen-eingerichtet
„Die Bettenvorhersage – Datenmodelle ermitteln Intensivbettenbedarf“, Forschung Frankfurt 1/2021
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/103063294.pdf
„Wir müssen das System überdenken“, Forschung Frankfurt 1/2021
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/103063278.pdf
Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/178314910
Bildtext: Prof. Dr. med. Jon Genuneit, MSc. Foto: Swen Reichold
Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de
Die Preisträger öffneten mit der Entdeckung der genomischen Prägung das Tor zur Epigenetik
Die Entwicklungsbiologen Davor Solter und Azim Surani erhalten den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2026. Das gab der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung heute bekannt. Die Preisträger haben das Phänomen der genomischen Prägung entdeckt. Das Erbgut von Eizellen und Spermien ist demnach bei Säugetieren funktional verschieden. Manche Gene sind zusätzlich zu ihrer genetischen Information molekular so markiert, dass sie nur aus den Erbanlagen eines Elternteils ablesbar sind. Deshalb brauchen wir den vollen genetischen Beitrag von Vater und Mutter. Diese Entdeckung erschütterte das Gebäude der klassischen Genetik und öffnete das Tor zum weiten Feld der modernen Epigenetik.
FRANKFURT. Die Gene, die unsere Erbinformation tragen, sind in den Chromosomen des Zellkerns zusammengepackt. Es gibt 22 Autosomen sowie die Geschlechtschromosomen X und Y. Jede Keimzelle enthält einen einfachen Satz von 23 Chromosomen. Jede Körperzelle enthält einen doppelten Chromosomensatz. Einer davon stammt aus der Eizelle der Mutter, der andere aus der Spermazelle des Vaters. Alle Körperzellen enthalten also zwei Kopien desselben Gens. Sie nutzen beide Kopien, die in unterschiedlichen Ausprägungen (Allele) auftreten können, als Anleitung zur Produktion von Proteinen oder RNA-Molekülen. Beide Kopien können sich auf das Erscheinungsbild (den Phänotyp) eines Kindes auswirken. Wenn eine Kopie mutiert oder beschädigt ist, springt die andere ein und sorgt für Ersatz. Diese Grundregeln der klassischen Genetik setzten Solter und Surani teilweise außer Kraft, als sie entdeckten, dass Säugetier-Eltern ihrem Nachwuchs manche Gene offenbar nur in einer aktiven Kopie vererben. „Diese Entdeckung war ein Wendepunkt der modernen Genetik“, erklärt der Vorsitzende des Stiftungsrates, Prof. Thomas Boehm. „Sie zeigte, dass unser Phänotyp nicht allein von unserem Genotyp bestimmt wird, sondern auch von epigenetischen Zeichen geprägt ist. Das hat unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit fundamental verändert.“
Zu Beginn der 1980er Jahre hatten sich Davor Solter in Philadelphia (USA) und Azim Surani in Cambridge (Großbritannien) zeitgleich daran gemacht, ein Grundproblem der Genetik zu lösen: Warum ist bei Säugetieren keine Jungfernzeugung (Parthenogenese) möglich? Weibliche Ameisen, Bienen, Eidechsen oder Schnecken zum Beispiel können sich ohne männlichen Beitrag fortpflanzen und ihren Nachwuchs aus unbefruchteten Eizellen heranreifen lassen. Solter und Surani beantworteten diese Frage, indem sie unabhängig voneinander eine Technik anwandten, die Solter zuvor entwickelt und verbessert hatte, nämlich die Transplantation der Kerne von Keimzellen. Nachdem Eizelle und ein Spermium zu einer Zelle verschmolzen sind, bleiben deren Kerne vorrübergehend noch separiert, und werden deshalb Pronuclei genannt. Solter und Surani ersetzten nun einen der beiden Pronuclei durch einen aus einem anderen Mäusestamm, und generierten damit Embryonen, die entweder zwei weibliche oder zwei männliche Pronuclei enthielten. Unerwarteterweise starben alle diese Embryonen ab. Bei Kombinationen von zwei väterlichen Pronuclei blieb der Embryo unterentwickelt, die Plazenta dagegen nicht. Umgekehrt entwickelte sich bei Kombinationen von zwei mütterlichen Pronuclei die Plazenta unzureichend, was zu einer Unterernährung des Embryos führte. Einzig Embryonen aus einer Kontrollgruppe mit zwei geschlechtsverschiedenen Pronuclei entwickelten sich zu gesunden Mäusen. Bei Säugetieren, so folgerten die beiden Forscher, bringen die mütterlichen Chromosomen Informationen mit, die auf den väterlichen fehlen – und umgekehrt. Die vollständige Übermittlung beider elterlichen Chromosomensätze ist daher unabdingbar für die Entwicklung der Nachkommen. Offensichtlich werden manche Gene in aktiver Form nur von der Mutter, manche nur vom Vater weitergegeben. Surani prägte dafür den Begriff genomic imprinting. Kurz darauf stellte sich heraus, dass die molekulare Aufschrift, die dieses Imprinting anzeigt, vorwiegend aus winzigen Methylgruppen besteht, die an eine der vier Basen der DNA eingeführt werden.
Sieben Jahre nach der Entdeckung der beiden Preisträger wurden 1991 die ersten imprinted genes identifiziert. Es handelte sich um das wachstumshemmende Gen IGF2R, das in aktiver Form nur von der Mutter, und um das wachstumsfördernde Gen IGF2, das in aktiver Form nur vom Vater vererbt wird. Das sprach dafür, dass die genomische Prägung ein Mittel ist, um zwischen dem Interesse des Embryos zu wachsen und dem Interesse der Mutter, ihre Kräfte dabei nicht überzustrapazieren, ein gesundes Gleichgewicht zu wahren – die Evolution hat sie wahrscheinlich erfunden, um Säugetiere mit einer Gebärmutter überhaupt erst möglich zu machen. Tatsächlich haben die meisten bekannten geprägten Gene – sie machen rund ein Prozent unseres Genoms aus – mit dem Ausbalancieren von Wachstumsimpulsen und der Entwicklung des Gehirns zu tun. Beim Beckwith-Wiedemann-Syndrom geraten Wachstumsprozesse einzelner Organe oder deren seitengleiche Entwicklung während der Embryonalentwicklung aus dem Gleichgewicht; beim Angelmann-Syndrom kommt es zu schweren neurologischen Defiziten, weitere Fehlfunktionen begünstigen das Entstehen von Autismus oder Epilepsie. Auch beim Erwachsenen sind geprägte Gene in Signalkaskaden eingebunden, die über Gesundheit oder Krankheit entscheiden. Im Laufe des Lebens erworbene Störungen der genomischen Prägung werden zum Beispiel bei Darmkrebs, Glioblastomen und kindlichen Nierentumoren beobachtet.
Erst die Entdeckung der genomischen Prägung und die Erforschung der DNA-Methylierung haben das Tor zu einer experimentell fundierten Epigenetik geöffnet. Tausende von Forschenden haben dieses Tor seither durchschritten und mit ihrer Arbeit ein Feld erschlossen und bestellt, das sich für die Biomedizin als äußerst fruchtbar erweist. Dank der Pioniertat von Solter und Surani blüht die Epigenetik heute als die Wissenschaft der molekularbiologischen Vorgänge, die die Expression von Genen unabhängig von Veränderungen in deren Sequenz steuern.
Davor Solter, US-amerikanischer Staatsbürger des Jahrgang 1941, ist Direktor Emeritus der Abteilung für Entwicklungsbiologie des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie in Freiburg im Breisgau, die er von 1991 bis 2006 leitete. Heute lebt er in Bar Harbor im US-Bundesstaat Maine und ist Visiting Professor an der Mahidol University in Bangkok/Thailand und der Universität von Zagreb in Kroatien.
Azim Surani, britischer Staatsbürger des Jahrgangs 1945, forscht als Director of Germline and Epigenetics Research am Gurdon Institute der University of Cambridge in England und Fellow des dortigen King's College. https://www.gurdon.cam.ac.uk/people/azim-surani/
Fotos der Preisträger sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur Verwendung hinterlegt.
Eine ausführliche Hintergrundinformation unter dem Titel „Nicht ohne beide Eltern“: https://www.uni-frankfurt.de/177981672/2026_solter_surani.
Der Preis wird am 14. März 2026 um 17 Uhr vom Vorsitzenden des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Wir bitten Sie, dies bei Ihrer Terminplanung zu berücksichtigen. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Weitere Informationen
Pressestelle Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ist der renommierteste Medizinpreis Deutschlands. Er ist mit 120.000 Euro dotiert und wird traditionell an Paul Ehrlichs Geburtstag, dem 14. März, in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Mit ihm werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt, die sich auf dem von Paul Ehrlich vertretenen Forschungsgebiet besondere Verdienste erworben haben, insbesondere in der Immunologie, der Krebsforschung, der Hämatologie, der Mikrobiologie und der Chemotherapie. Finanziert wird der seit 1952 verliehene Preis vom Bundesgesundheitsministerium, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. und durch zweckgebundene Spenden folgender Unternehmen, Stiftungen und Einrichtungen: Else Kröner-Fresenius-Stiftung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, C.H. Boehringer Sohn AG & Co. KG, Biotest AG, Hans und Wolfgang Schleussner-Stiftung, Fresenius SE & Co. KGaA, F. Hoffmann-LaRoche Ltd., GSK GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, Grünenthal Group, Janssen-Cilag GmbH, Merck KGaA, Bayer AG, Georg von Holtzbrinck GmbH & Co.KG,, B. Metzler seel. Sohn & Co AG. Die Preisträger werden vom Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung ausgewählt. Eine Liste der Stiftungsratsmitglieder ist auf der Internetseite der Paul Ehrlich-Stiftung hinterlegt.
Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung, die treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität verwaltet wird. Ehrenpräsidentin der 1929 von Hedwig Ehrlich eingerichteten Stiftung ist Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die auch die gewählten Mitglieder des Stiftungsrates und des Kuratoriums beruft. Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung ist Professor Dr. Thomas Boehm, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Vorsitzender des Kuratoriums ist Professor Dr. Jochen Maas. Prof. Dr. Wilhelm Bender ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität zugleich Mitglied des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Der Präsident der Goethe-Universität ist in dieser Funktion zugleich Mitglied des Kuratoriums.
Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de