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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Mär 12 2021
09:18

Modelle rechnen direkten Einfluss des Menschen heraus

Klimawandel verändert Abflussmenge von Flüssen

Die Wassermengen in Flüssen haben sich in den letzten Jahrzehnten weltweit stark verändert. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Goethe-Universität Frankfurt konnte nun belegen, dass der Klimawandel dafür eine entscheidende Rolle spielt. Die Leitung des Projekts lag bei der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. (Science, DOI 10.1126/science.aba3996)

FRANKFURT. Der Klimawandel beeinflusst den Wasserhaushalt der Erde: Je nach Region und Jahreszeit kann er zu mehr Überschwemmungen oder Dürren führen und sich auch auf die Wassermengen in Flüssen auswirken. Die Abflussmengen sind ein wichtiger Indikator für die Wasserressourcen, die Mensch und Umwelt zur Verfügung stehen. Wieviel Wasser regional verfügbar ist, hängt auch von weiteren Faktoren wie direkten Eingriffen in den Wasserhaushalt oder der Landnutzung ab: Wird beispielsweise Wasser zur Bewässerung abgezweigt, ändert sich die Landnutzung etwa durch Abholzung oder Aufforstung von Wäldern oder werden Staudämme gebaut, verändert dies ebenfalls die Wassermenge in Flüssen.

Wie stark sich die Abflussmengen in verschiedenen Weltregionen während der letzten Jahrzehnte verändert haben, wurde bisher auf globaler Ebene noch nicht anhand von konkreten Messdaten untersucht. Ebenso war die Frage, ob global sichtbare Veränderungen auf den Klimawandel oder auf den direkten Einfluss den Menschen zurückzuführen sind, bislang nicht geklärt.

Nun ist es einem internationalen Forschungsteam unter Leitung von Forschenden der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich gelungen, den Einfluss dieser Faktoren aufzuschlüsseln. Dazu analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von 7250 Durchfluss-Messstationen weltweit. Die Studie, die nun in der Fachzeitschrift Science erschienen ist, belegt: Wie viel Wasser Flüsse führen, hat sich zwischen 1971 und 2010 stark verändert. Es zeigen sich komplexe Muster: Manche Regionen sind trockener geworden, etwa der Mittelmeerraum, das südliche Afrika oder der Nordosten Brasiliens. Anderswo hingegen nahmen anderswo die Wassermengen zu, zum Beispiel in Skandinavien.

Suche nach den Ursachen

Wie es zu diesen Veränderungen kam, untersuchten die Forschenden in Computersimulationen, die sie im Rahmen des internationalen Klimaforschungsnetzwerks ISIMIP mit dem Ziel durchführten, mögliche Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen. Sie verwendeten insgesamt neun globale hydrologische Modelle, in die sie Klimadaten aus dem untersuchten Zeitraum einspeisten (1971 bis 2010). Eines der Modelle betreute federführend Dr. Hannes Müller Schmied von der Goethe-Universität Frankfurt und dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. „Modellrechnungen sind für die Interpretation von gemessenen Daten und für die Berechnung von verschiedenen Szenarien sehr wichtig“, erklärt der Frankfurter Geograph, „denn wir können quasi mit einem Schalter den Einfluss des Klimawandels und die direkten Einflüsse des Menschen ein- und ausschalten und die Ergebnisse mit den gemessenen Daten vergleichen.“

Die Ergebnisse der Modellrechnungen stimmten gut mit der Analyse der Flussmessdaten überein. «Das heißt, dass die klimatischen Bedingungen die beobachteten Trends erklären können», sagt Lukas Gudmundsson, Klimaforscher an der ETH Zürich und Erstautor der Studie. In einem zweiten Durchgang schlossen die Forschenden in ihre Simulationen zusätzlich direkte menschliche Veränderungen ein, um den Einfluss dieser Faktoren zu untersuchen. Das Ergebnis änderte sich dadurch jedoch nicht. Veränderungen in der Wasser- und Landnutzung sind also offenbar nicht die Ursache für die globalen Veränderungen in Flüssen. 

Gewässermanagement und Landnutzung können zwar lokal zu großen Schwankungen der Abflüsse führen. «Uns ging es aber nicht um lokale, sondern um globale Trends, die über längere Zeiträume sichtbar werden», sagt Gudmundsson. Deshalb betrachteten die Forschenden nicht isoliert die Daten einzelner Messstationen, sondern fassten diese für die Analyse zu größeren, subkontinentalen Regionen zusammen. Dadurch wurde es möglich, den Einfluss des Klimawandels in den Daten zu erkennen.

Einfluss der Treibhausgase

Die Rolle des Klimawandels konnten die Forschenden mit der sogenannten Attributions-Methode untermauern: Sie verglichen ihre Messdaten mit Simulationen von Klimamodellen, die einmal mit den menschengemachten Treibhausgasen berechnet wurden und einmal ohne diese. Im ersten Fall stimmte die Simulation mit den tatsächlichen Daten überein, im zweiten Fall jedoch nicht. Ohne den Klimawandel hätte es die beobachteten Veränderungen also wahrscheinlich nicht gegeben.

Die Studie ist die erste, die mit Messdaten nachweist, dass der Klimawandel einen global sichtbaren Einfluss auf das Fließgewässer hat. «Dies war nur durch die gute Zusammenarbeit der beteiligten Forschenden und Institutionen aus zwölf verschiedenen Ländern möglich», betont Gudmundsson. Auch die gesammelten Daten von den 7250 Messstationen weltweit waren ein Gemeinschaftswerk: Die Forschenden trugen sie mit australischen Kollaborationspartnern in einer Vorgängerstudie zusammen. Sie bilden den größten weltumspannenden Datensatz zum Wasserabfluss in Flüssen, der heute verfügbar ist.

„Dank der Modelle können wir nun verlässliche Szenarien berechnen, wie sich große Flüsse unter dem Einfluss des Klimawandels künftig weiter verändern werden“, meint Hannes Müller Schmied. Solche Projektionen werden für betroffene Regionen eine wichtige Planungsgrundlage darstellen, um die Wasserversorgung sicherzustellen und sich an den Klimawandel anzupassen.

Publikation: Lukas Gudmundsson, Julien Boulange, Hong X. Do, Simon N. Gosling, Manolis G. Grillakis, Aristeidis G. Koutroulis, Michael Leonard, Junguo Liu, Hannes Müller Schmied, Lamprini Papadimitriou, Yadu Pokhrel, Sonia I. Seneviratne, Yusuke Satoh, Wim Thiery, Seth Westra, Xuebin Zhang, Fang Zhao: Globally observed trends in mean and extreme river flow attributed to climate change. Science https://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.aba3996

Weitere Informationen
Dr. Hannes Müller Schmied
Institute für Physikalische Geographie
Goethe-Universität Frankfurt
und
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel.: +49 69 798-40216
hannes.mueller.schmied@em.uni-frankfurt.de
http://www2.uni-frankfurt.de/45217668/dl


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 11 2021
11:03

Studierende der Goethe-Universität präsentieren im Internet eine Sammlung von Tithu-Figuren aus Arizona

Hopi-Schnitzkunst als Online-Ausstellung

Die virtuelle Ausstellung „Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg“ zeigt die Vielfalt spiritueller Figuren aus der Tradition der Hopi. Erarbeitet haben die Schau Studierende der Goethe-Universität in einem interdisziplinären Lehrprojekt im Sommersemester 2020. Unter durch Corona deutlich erschwerten Bedingungen haben sie eine private Sammlung aus der Schweiz für das Publikum aufbereitet.

FRANKFURT. Manche sehen aus wie Adler im Menschengewand, manche wie bunt behangene Außerirdische. Eine Art Clown mit Kopf und Körper einer Biene schleckt an einem Lutscher. Ein überdimensionierter Kopf ist von Kaktusblättern umkränzt. – Die Phantasie der Hopi beim Schnitzen ihrer sogenannten Katsina-Puppen scheint grenzenlos zu sein. Und doch wiederholen sich bestimmte Themen und Figuren, deren spirituellen Vorbildern bestimmte Funktionen rund um das Thema Wasser und Fruchtbarkeit zugewiesen sind. Das Spektrum umfasst ungefähr 300 immer wiederkehrende Katsinam, doch verändert sich diese Zahl stetig. Wer sich ein Bild davon machen möchte, kann sich unter www.diewanderer.info die Ausstellung „Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg“ ansehen. Studierende der Kunstgeschichte und der Ethnologie haben im Rahmen eines Lehrprojekts eine Schweizer Sammlung aufgearbeitet.

Die virtuelle Ausstellung ist im Sommersemester 2020 entstanden – unter widrigen Bedingungen: Wegen der Pandemie konnten sich die Studierenden nur online besprechen; ein Besuch von Mitgliedern des Hopi-Stammes in Frankfurt musste abgesagt werden; und auch die bereits organisierte Exkursion nach Zürich fand nicht statt. Die 18 Studierenden, angeleitet durch den Ethnologen Dr. Markus Lindner und die Kunsthistorikerin Dr. Hilja Droste (inzwischen an der Universität Bonn) machten das Beste daraus und befassten sich intensiv mit dem Material, das ihnen vom Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich (NONAM) zur Verfügung gestellt worden war: Bilder und Informationen zu den knapp 200 so genannten Katsina-Puppen aus der Sammlung Antonio und Christin Ferretti, die die Hopi selbst als tithu (Singular tihu) bezeichnen. 30 Jahre lang haben die Ferrettis, die viele Jahre in Nordamerika lebten, die kleinen und größeren Skulpturen den Hopi-Künstlern abgekauft. Dann übergaben sie die wertvolle Sammlung dem Zürcher Museum.

Die Tithu, die von Hopi-Künstlern in Arizona aus dem Wurzelholz der Amerikanischen Pappel geschnitzt werden, dienten bis ins späte 19. Jahrhundert ausschließlich als zeremonielle Geschenke für Mädchen. Sie stellen spirituelle Wesen (Katsinam) dar, die im Lauf des zeremoniellen Jahreszyklus zu den Hopi kommen, um durch ihre Gebete und Tänze für Niederschlag zu sorgen und somit für eine erfolgreiche Ernte. Diesen Jahreszyklus der Tänze und Rituale lernen die Mädchen anhand der Puppen, während Jungen direkt in die Zeremonien eingeführt werden. Die Figuren erscheinen in unterschiedlicher Ausführung, je nach Stil und Zeit, in der sie entstanden sind.

Im späten 19. Jahrhundert wuchs das Interesse von Ethnologen und Touristen an den bunten Skulpturen und ihrer rituellen Bedeutung, so dass diese bald intensiv gesammelt wurden. Auch für den Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg, der 1895/96 die USA bereiste, wurde die Kultur der Hopi prägend für sein späteres Schaffen. Zur selben Zeit entwickelten viele internationale Künstler wie André Breton, Max Ernst und Marcel Duchamp ein großes künstlerisches Interesse Teil in ihren Werken abbildeten. Die Ausstellung im Internet zeigt zum einen die Figuren der Sammlung, die ausführlich eingeordnet und beschrieben sind. Zum anderen wird auch die Bedeutung Aby Warburgs skizziert. Warburg wird häufig auch als „Wanderer zwischen den Welten“ bezeichnet – ähnlich wie die Katsinam für die Hopi die Menschen waren, die für die Zeremonien von der spirituellen in unsere Welt wandern. Der Begriff des Wanderers im Titel verweist außerdem auch auf die „Wanderung“ der Tithu, der zeremoniellen Objekte, die als Kunstwerke in die westliche Welt eingewandert sind. 

Die Ausstellung steht zunächst unbefristet online zur Verfügung. Das Schweizer Museum NONAM, wo man von der Arbeit der Studierenden sehr begeistert ist, hat jedoch bereits Interesse signalisiert und plant die Webseite künftig in ihre Dauerausstellung zu integrieren. Derweil widmen sich Dr. Markus Lindner und Dr. Hilja Droste der Erstellung einer Onlinepublikation, zudem sollen alle Texte noch ins Englische übersetzt werden.

Das Projekt wurde durch den Förderfonds Lehre und durch das Projekt Starker Start ins Studium unterstützt.

Die Ausstellung finden Sie unter folgendem Link: www.diewanderer.info

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/98488779

Bildtext:
Bild 1: Clowns wie dieser mit dem Aussehen einer Biene sollen die Hopi für ihre Fehler sensibilisieren und inakzeptables Verhalten beleuchten. Sie sind Teil verschiedener Zeremonien und dienen besonders in den Pausen als Unterhaltung. (Foto: Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich)
Bild 2: Yung'a, der Opuntienfrucht-Katsina, erschien kurz vor dem Jahr 1900. Seine Aufgabe war unter anderem die Reinigung von Quellen. Die Kreuze an seinem Kopf und Oberkörper stellen Sterne dar. (Foto: Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich)
Bild 3: Diese stattliche Figur ist mehr als 50 Zentimer hoch. Sie zeigt eine Polimana (Schmetterlingsmädchen), die weibliche Begleitung der Polìitaqa-Katsinam beim Schmetterlingstanz. (Foto: Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich)
Bild 4: Screenshot der virtuellen Ausstellung „Die Wanderer. Katsinam, Tithu und Aby Warburg“. (Foto: Lindner)

Weitere Informationen
Dr. Markus Lindner
Institut für Ethnologie
Goethe-Universität
m.lindner@em.uni-frankfurt.de

Dr. Hilja Droste
Kunsthistorisches Institut
Universität Bonn
hdroste@uni-bonn.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 11 2021
09:49

Der studentische Podcast „Podcasting Populism“ gibt die aktuellen Diskussionen über einen umstrittenen Gegenstand wieder

Was genau ist Populismus?

Es gibt ihn von rechts, es gibt ihn von links, aber gibt es ihn auch aus der Mitte der demokratischen Gesellschaft? Vom „Populismus“ ist in diesen Tagen häufig die Rede, aber was genau sich dahinter verbirgt und welche Ausprägungen es gibt, dem wollten Studierende der Goethe-Universität auf den Grund gehen. Die Ergebnisse haben sie in einem sechsteiligen Podcast veröffentlicht.

FRANKFURT. Wer den Klimawandel leugnet, Migranten die Schuld an Arbeitslosigkeit zuschiebt oder gar an der Grenze auf Frauen und Kinder schießen lassen will, ist nach Meinung vieler Menschen ein Populist. Es gibt populistische Parteien, Bewegungen und Aktionen in den sozialen Netzwerken. Doch was genau macht Populismus aus? Wie wirkt er? Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ist das alles andere als klar. Im Seminar „Populismus als soziales Phänomen – aktuelle Diskussionen über einen strittigen Gegenstand" haben sich Studierende zusammen mit dem Seminarleiter Dr. Frieder Vogelmann dem Begriff angenähert und dazu einen Podcast produziert.

In sechs Folgen haben sie das Thema aufgefächert und die Teilaspekte in Kleingruppen bearbeitet. Sie haben sich mit Literatur beschäftigt und Interviews mit einschlägig Forschenden geführt. Das Ergebnis ist nachzuhören unter https://anchor.fm/podcasting-populism, wöchentlich wird eine Folge hochgeladen.

Ist der Populismus Sargnagel des demokratischen Zusammenlebens oder ein Korrektiv für in die Jahre gekommene Demokratien? Diese sehr grundsätzliche Frage schwebt über den sechs Beiträgen, in denen es zum Beispiel um das Verhältnis von Populismus und Demokratie, um Populismus auf Social Media, um Abstiegsängste, „Querdenken“ geht. Gesprächspartner in der ersten Folge ist unter anderem Prof. Dr. Dirk Jörke vom Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt. Die Soziologin und Politikwissenschaftlerin Verena Stern beantwortet in der zweiten Folge Fragen zum Spannungsfeld der Corona-Demos („Zwischen Existenzängsten, Freiheitsideologien und Verschwörungsmythen“) und spricht über ideologische Allianzen und die Handlungsoptionen der Politik. 

In der dritten Folge des Podcasts werden Paradoxien des Populismus diskutiert und die Frage erörtert, ob es sich um Tatsachen oder Mythen handelt. Die vierte Folge ist der sozialräumlichen Perspektive gewidmet: Gibt es „Geographien des (Rechts-)Populismus? Folge Nummer fünf beleuchtet das Phänomen, dass die etablierten Parteien während der Corona-Krise an Zustimmung gewonnen haben. Bedeutet das zugleich einen Rückzug des Populismus? Und wie wäre das zu erklären? Populismus ist gewiss kein neues Phänomen, aber wie sieht die moderne Erscheinungsform in Zeiten der Digitalisierung aus? Darum geht es in der sechsten und letzten Folge von Podcasting Populismus: Wie agieren Populistinnen und Populisten in sozialen Medien? Welche Strategien verwenden sie, um ihre Standpunkte unter die Menschen zu bringen?

80 Studentinnen und Studenten haben am Seminar teilgenommen, es gab verschiedene Möglichkeiten des Leistungsnachweises. Unter den 20 Studierenden, die sich dafür entschieden haben, zusätzlich zur Seminararbeit eine Podcastfolge zu produzieren, war auch Edith Schönig, die den Masterstudiengang internationale Beziehungen absolviert. „Die Inhalte in einem Podcast zu erarbeiten, das war sehr kreativ und hat viel Spaß gemacht“, sagt die 24-Jährige. Natürlich habe sie viel über Populismus gelernt – zum Beispiel, dass er nicht zwangsläufig undemokratisch sei –, aber dazu auch noch Gesprächsführung und Schnitttechnik.

Link zum Podcast: https://anchor.fm/podcasting-populism

Bild zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/98736323

Bildtext: Studierende am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften haben einen Podcast zum Thema Populismus erstellt – eine etwas andere Form des Leistungsnachweises.

Weitere Informationen
Dr. Frieder Vogelmann
Vertretungsprofessor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziologische Theorie und Theoriegeschichte
Telefon +49-(0)69 798-36694
E-Mail vogelmann@soz.uni-frankfurt.de
https://www.frieder-vogelmann.net
Instagram-Kanal zum Projekt: podcasting_populism


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 10 2021
12:57

Befragung von Kindern und Jugendlichen soll Aufschluss geben über die Entstehung von Krankheitsängsten

Und wenn ich krank werde?

Warum fürchten sich manche Menschen besonders vor Krankheiten? Und wie entstehen solche Ängste bereits bei Kindern und Jugendlichen? Eine psychologische Studie an der Goethe-Universität soll neue Erkenntnisse liefern. Für die Teilnahme werden Kinder und Jugendliche mit und ohne solche Ängste gesucht.

FRANKFURT. Krankheitsängste in jungen Jahren stehen im Zentrum des Projekts KaiKiJu (Krankheitsangst im Kindes und Jugendalter) am Zentrum für Psychotherapie an der Goethe-Universität: Wo liegen die Ursachen? Wie kann die Diagnostik anhand von wissenschaftlich geprüften Fragebögen verbessert werden? Und wie haben sich existierende Krankheitsängste in der Zeit der Pandemie verändert? Dazu werden Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 19 Jahren mit stärker ausgeprägten Krankheitsängsten und Kinder und Jugendliche mit keinen oder nur geringen Krankheitsängsten befragt.

Doch was genau versteht man unter „Krankheitsängsten“? „Menschen mit Krankheitsängsten“, erklärt Studienleiterin Vera Özak, „leiden besonders unter stark ausgeprägten Ängsten und Sorgen hinsichtlich ihrer Gesundheit und führen teilweise übertriebene gesundheitsbezogene Verhaltensweisen aus. Zum Beispiel gehen sie sehr häufig zum Arzt, um ihren Gesundheitszustand überprüfen zu lassen“. Wenig bekannt ist bislang jedoch über die Entwicklung und den Verlauf von Krankheitsängsten im Kindes- und Jugendalter. Zahlreiche Studien insbesondere aus dem Erwachsenenbereich deuten jedoch darauf hin, dass Krankheitsängste ihren Ursprung bereits im Kindesalter haben könnten.

Das Projekt KaiKiJu hat deshalb verschiedene Ziele: Zum einen sollen die Gründe für das Entstehen von Krankheitsängsten erforscht werden. Zum anderen soll die wissenschaftliche Qualität bereits vorhandener Fragebögen für die Diagnose von Krankheitsängsten im Kindes- und Jugendalter überprüft werden. Dazu will das Team Kinder und Jugendliche mit stärker ausgeprägten Krankheitsängsten und Kinder und Jugendliche mit keinen oder nur geringen Krankheitsängsten miteinander vergleichen. Außerdem soll untersucht werden, ob und wie sich Krankheitsängste bei Kindern- und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie verändern.

Für die Erhebung wurden verschiedene Fragebögen zusammengestellt, die u.a. Krankheitsängste, körperliche Symptome, andere Ängste, belastende Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen sowie Stärken und Schwächen erfassen. Außerdem werden Informationen über die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien erhoben. Darüber hinaus erhalten auch die Eltern ein Fragebogenpaket, das sich u.a. auf eigene Belastungen bezieht.

Alle Fragebögen werden online ausgefüllt. Die anonyme Umfrage dauert 40 bis 60 Minuten. Kinder und Jugendliche können entweder allein, gemeinsam mit einem Elternteil und/oder gemeinsam mit einem Geschwisterkind (8-19 Jahre) teilnehmen.

Die Teilnahme an der Studie ist unter den folgenden Links möglich:

Für Kinder und Jugendliche und Geschwister (8-19 Jahre): https://ww3.unipark.de/uc/f_uni_KiJuPsy/55c6/

Für Eltern: https://ww3.unipark.de/uc/f_uni_KiJuPsy/4aef/

Den Flyer finden Sie zum Download unter:
https://www.psychologie.uni-frankfurt.de/97121738/Flyer_KaiKiJu_2021_01_neu.pdf

Weitere Informationen
Prof. Dr. Katajun Lindenberg
Leiterin der Verhaltenstherapieambulanzen für Kinder und Jugendliche
Abteilung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
Goethe-Universität
Telefon +49 (0)69  798 23975
E-Mail lindenberg@psych.uni-frankfurt.de

Dipl.-Psych. Vera Özak
E-Mail oezak@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 10 2021
11:46

Rhein-Main-Forschungsverbund der Universitäten Frankfurt und Mainz untersucht die neuen Player Asien und Afrika

Wie die Digitalisierung die weltweite Kulturproduktion aufmischt

Wenn eine koreanische Boygroup weltweit von Millionen Fans gehört wird, wenn also Filme und Musik digital rund um den Erdball kreisen: was bedeutet dies für die Produktion für Kultur? Und welche Folgen hat das für die Wahrnehmung der regionalen Räume, in denen Kultur entsteht? Diesen Fragen geht ein interdisziplinäres Forschungsteam von Wirtschaftswissenschaften, Afrikanistik, Koreastudien, Sinologie, Ethnologie und Filmwissenschaft nach. Das Projekt von Goethe-Universität und Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird jetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für drei Jahre mit 2,1 Millionen Euro gefördert.

FRANKFURT. Es war ein nigerianischer Händler von Heimvideorekordern mit seiner Amateurkamera, der Anfang der neunziger Jahre den weltweiten Filmmarkt in Bewegung brachte: Um den Verkauf der Rekorder anzukurbeln, drehte der Händler kurzerhand einen Film. Der eigenproduzierte Thriller „Living in Bondage“ verkaufte sich überraschend eine Dreiviertelmillion Mal und fand prompt zahlreiche Nachahmer. Nahezu aus dem Nichts entstand in Nigeria in den folgenden Jahren eine Filmindustrie, die heute – nach Indien –  zu den zweitproduktivsten der Welt zählt. „Der Aufstieg von Nigeria und die globalen Erfolge von koreanischen Filmen, TV-Serien und Popbands im neuen Jahrtausend verändern die Landschaft der Kulturproduktion, aber auch der Rezeption grundlegend“, so der Frankfurter Filmwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Hediger, der das neue Forschungsprojekt leitet.

Ausgelöst wird die neue Weltordnung der Kulturproduktion durch die Digitalisierung. Dabei interessiert die Frankfurter und Mainzer Wissenschaftler:innen, inwieweit die neuen Kulturindustrien mit überregionaler Reichweite zum Faktor wirtschaftlicher Entwicklung ihrer Herkunftsregionen werden. Und sie fragen nach der Bedeutung von Region und Herkunft der Kulturschaffenden: „Noch offen ist“, sagt die Frankfurter Management-Forscherin Prof. Dr. Cornelia Storz, „ob Unternehmer in digitalen Industrien vielleicht noch mehr als früher von lokalen Ressourcen abhängig sind“. Dabei ist vor allem von Interesse, wie sie ihr kulturelles Erbe variieren und in immer neue, auch globale Kontexte einbinden.

Diesen Fragen geht das interdisziplinäre und internationale Forschungsprojekt anhand einer Reihe von Fallstudien zu Musik und Film in Afrika und Asien nach. Eine besondere Rolle spielt dabei das Archiv der Musik Afrikas (AMA) an der JGU Mainz - eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Aufzeichnungen afrikanischer Musik des 20. Jahrhunderts. Für die Teilprojekte, die sich mit Musik befassen, stellt das AMA eine unschätzbare Quelle dar – wie etwa für die Erforschung der als ‚Afrobeats' vermarkteten nigerianischen Popmusik, die unterschiedliche Genres auf neuartige Weise verbindet. „Auch im Globalen Norden hat sie bereits prominente Fans gefunden“, erklärt der Mainzer Ethnologe Prof. Dr. Matthias Krings, „darunter Beyoncé, die mit ihrem visuellen Album ‚Black is King' 2020 auch deshalb für Furore sorgte, weil es Gastauftritte von Afrobeats-Stars wie Burna Boy, Wizkid, Tiwa Savage und Yemi Alade enthält“.

Die Projektteile, die sich mit Asien befassen und dort etwa die globale Zirkulation und Rezeption zeitgenössischer koreanischer Populärkultur beleuchten, profitieren von engen Beziehungen zu außeruniversitären Partnern wie dem Koreanischen Filmarchiv.

Das Teilprojekt zu Taiwan richtet den Fokus auf das Kaohsiung Film Festival und seine Beziehungen zur koreanischen Filmproduktion. In Nigeria schließlich kooperiert das Projekt mit dem Nollywood Study Center der Pan Atlantic University in Lagos, einem film- und medienwissenschaftlichen Forschungsinstitut mit engen Beziehungen zur nigerianischen Film- und Musikindustrie.

Das BMBF-Förderprojekt bringt die Regionalstudien-Zentren im Rhein-Main-Universitätsverbund erstmals in einem interdisziplinären Forschungsauftrag zusammen – an der Goethe-Universität das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Ostasienstudien (IZO) und an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz das Zentrum für Interkulturelle Studien (ZIS).

Das Forschungsprojekt stärkt die Regionalstudien im Rhein-Main-Universitätsverbund außerdem durch eine enge Verknüpfung mit der Lehre: die Forschungsergebnisse des Projekts sollen in den Bachelor-Verbund-Studiengang „Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation“ einfließen, der sich gerade im Aufbau befindet.

Bild: http://www.uni-frankfurt.de/98633989
Bildtext: Globale Popstars mit twitter-Fan-Armee: K-Pop Superstars BTS (c) Kim-Hee Chu / dpa

Weitere Informationen

Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt: hediger@tfm.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Cornelia Storz, Professorin für Institutionen- und Innovationsökonomik mit Schwerpunkt Ostasien, Goethe-Universität Frankfurt: storz@wiwi.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Matthias Krings, Professor für Ethnologie und populäre Kultur Afrikas, Johannes Gutenberg-Universität Mainz: krings@uni-mainz.de

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mär 3 2021
11:28

Gemeinsame Veranstaltung des Hessischen Sozialministeriums und des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität anlässlich des Equal Pay Days

Erhöht Flexibilisierung von Arbeit die Chancen für Frauen?

Der Equal Pay Day erinnert daran, dass Frauen immer noch deutlich weniger verdienen als Männer. In diesem Jahr ist der 10. März als der Termin errechnet worden, im vergangenen Jahr war es noch der 17. März. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen statistisch gesehen umsonst, während Männer vom 1. Januar an für ihre Tätigkeit bezahlt werden. Doch in Hessen gibt es Licht am Horizont. Darüber informieren das Hessische Sozialministerium und das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität bei der Präsentation des Hessischen Lohnatlas.

„Arbeitgeberattraktivität durch Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern – der wichtige Beitrag der Hessischen Wirtschaft zur Geschlechtergerechtigkeit“ – unter diesem Titel laden die Staatssekretärin des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration und das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität

am Mittwoch, 17. März, von 9:30 bis 12 Uhr
zu einer virtuellen Konferenz

ein.

In Hessen beträgt die Lohnlücke gemäß dem Hessischen Lohnatlas im Jahr 2018 noch immer 11,9 Prozent. Allerdings wird die Lücke langsam aber stetig geringer. Seit 2012 hat die Differenz zwischen männlichen und weiblichen Einkommen um 4 Prozentpunkte abgenommen. „Dies ist eine sehr erfreuliche Entwicklung“, stellt Staatsekretärin Anne Janz fest, die auch das Grußwort spricht.

Bei der Veranstaltung geht es darüber hinaus auch um einen Blick auf die aktuelle Lage: Hat Corona für die Frauen beruflich eher Rückschläge gebracht? Oder können sie die während der Pandemie erfolgte Flexibilisierung sogar zu ihrem Vorteil nutzen? Und führt dies zu einer weiteren Verringerung der Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen? Damit würde die Pandemie einen Impuls setzen für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Aber wie müsste man dann die Weichen stellen für die Zeit danach?

Bei der Konferenz werden Befunde aus der einschlägigen Arbeitsmarktforschung, Erfahrungen aus Betrieben und Daten aus dem bereits 2020 veröffentlichen Hessischen Lohnatlas sowie Aktivitäten des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration zur Verbesserung der Entgeltgleichheit vorgestellt:

Die Arbeitsmarktforschung zeigt, dass sich Arbeit für viele Beschäftigte während der Pandemie wesentlich verändert hat. Zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten wird tagtäglich von vielen gelebt, die im Homeoffice tätig sind. „Bei manchem Arbeitgeber entsteht die Erkenntnis, dass die Arbeitsergebnisse nicht schlechter als vor der Pandemie sind und dass Führung auf ‚Distanz' gut möglich ist“, stellt Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK fest.  Lange Zeit wenig hinterfragte Annahmen kommen ins Wanken, denn feste Arbeitszeiten in Präsenz stellen nicht mehr die notwendige Voraussetzung für optimale Arbeitsergebnisse dar. Von diesem Umdenken können vor allem diejenigen Beschäftigten profitieren, die diese Flexibilität benötigen, um ihre familiären und beruflichen Anforderungen gut miteinander zu vereinbaren. Dies trifft in der Praxis vor allem auf Frauen zu. Relevant ist das Umdenken auch in Bezug auf Karrierefragen. Bisher waren Präsenz vor Ort im Betrieb und feste Arbeitszeiten Voraussetzungen dafür. Dementsprechend hatten Frauen, die mehr Flexibilität zur Vereinbarkeit benötigen, oft das Nachsehen, auch finanziell. „Zudem sehen wir während der Pandemie, dass sich die Arbeitsteilung bei hochqualifizierten Paaren zu Hause günstig entwickelt. Männer übernehmen während des Homeoffice mehr familiäre Verpflichtungen als vor der Pandemie“, sagt Dr. Claudia Globisch vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, die bei der Konferenz vortragen wird. Veränderung der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen begünstigt zudem die stärkere Teilhabe von Frauen an Erwerbsarbeit und eine Verbesserung ihrer Entgeltsituation.  

Aus Sicht von Betrieben hat der Wandel noch andere Gründe. Darüber sprechen die Vertreter von Adobe Systems, Salesforce und PwC: Der Fachkräftemangel ist während der Pandemie bei vielen nicht kleiner geworden. „Wir brauchen gerade jetzt mehr Fachkräfte und wollen unsere sehr gut ausgebildeten Beschäftigten halten“, sagt Frank Rohde von Adobe Systems: „Im Wettbewerb um Fachkräfte müssen wir als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen werden – ein Baustein dafür ist gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, aber auch die Möglichkeit, seine Arbeitszeit flexibel und mobil zu gestalten.“ Nina Gohlke von Salesforce bestätigt: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das sollte heute eine Selbstverständlichkeit sein. Wir überprüfen unsere Gehaltsstrukturen regelmäßig, um dies sicherzustellen. Gleiche Aufstiegschancen für Frauen und Männer sowie Entgeltgleichheit sind nicht nur im Sinne der Chancengleichheit relevant, sondern auch nötig, um als Arbeitgeber attraktiv für die besten Talente zu sein!“

Auch in vielen anderen Branchen und der öffentlichen Verwaltung werden Entgeltanalysen durchgeführt, um zunächst Transparenz zur Entgeltlage zu schaffen. „Das ist ein erster Schritt, der nicht selten bei dem einen oder anderen betrieblichem Entscheider zu einigem Erstaunen geführt hat“, berichten Pia Müller-Pleines und David Nowacki von PwC, die über Erfahrungen aus der Equal Salary-Zertifizierung verfügen. Der Transparenz folgen Maßnahmen, deren Ergebnisse regelmäßig beobachtet werden.

Dass die Entgeltlücken zwischen Frauen und Männern trotz alledem noch groß sind, verdeutlicht der Hessische Lohnatlas, der im vorigen Jahr in der zweiten Ausgabe erschienen ist und die Jahre 2012 bis 2018 umfasst. Besonders deutliche Lücken gibt es im Mittelstand und in Betrieben mit hohem Altersschnitt. „Wir zeigen mit dem Lohnatlas auf, wo die Betriebe in Hessen stehen und dass der Handlungsbedarf noch sehr groß ist“, stellt Staatssekretärin Anne Janz fest.  Ein wichtiges Ziel der Landesregierung ist die Verbesserung der Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern in Hessen. Der Austausch bei der geplanten Veranstaltung wird wichtige Impulse setzen, gerade um die Chancen, die sich während der Pandemie ergeben, zu nutzen. Als weitere Aktivitäten in diesem Jahr sind der Dialog der Sozialpartner aus den größten Branchen in Hessen vorgesehen und die Vorstellung und Diskussion der Befunde aus dem Lohnatlas in den Regionen vor Ort. „Wir haben viel vor und wollen einen lebendigen Diskurs im Land gestalten. Damit wir die neuen Chancen für Frauen gut nutzen“, betont Staatssekretärin Anne Janz.

Der Hessische Lohnatlas wird vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität erstellt. Dort finden kontinuierlich Forschungsbefunde Eingang. Über Veranstaltungen und Vorträge wird ein Diskurs mit der Praxis aus der Universität heraus gepflegt. „Dieser gelebte Wissenstransfer macht einen Unterschied“, meint Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident für Third Mission der Goethe-Universität.

Publikation: Den Hessischen Lohnatlas finden Sie zum Download unter dem folgenden Link: http://www.hessischer-lohnatlas.de und das Konferenzprogramm unter https://hessenlink.de/wNBk7)

Anmeldungen sind noch möglich unter lohnatlas@iwak-frankfurt.de

Weitere Informationen
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de
www.iwak-frankfurt.de/projekt/hessischer-lohnatlas/

Ein Interview mit Dr. Christa Larsen finden Sie unter: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/equal-pay-day-die-pandemie-ist-auch-eine-superchance/

 

Feb 26 2021
09:05

Gruppierungen von Rezeptoren können dieselbe Wirkung wie Bindung eines Signalmoleküls haben – Rezeptorcluster können Zellbewegungen lenken

Zellbiologie: Signalübertragung ohne Signal 

Wenn wir riechen, schmecken oder sehen oder wenn Adrenalin durch unsere Adern rauscht, werden diese Signale von unseren Zellen über eine bestimmte Gruppe von Empfänger-Proteinen empfangen, den sogenannten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Die Rezeptoren geben die Signale ins Zellinnere weiter. Dass solche Rezeptoren auch Signale produzieren können, obwohl ein äußerer Stimulus fehlt, haben jetzt Biochemikerinnen und Biochemiker der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Leipzig herausgefunden: Es reicht bei manchen Rezeptoren offenbar aus, wenn viele von ihnen an der Zelloberfläche eng zusammenrücken. (Science, doi/10.1126/science.abb7657)

FRANKFURT. Unser Körper besteht aus 100 Billionen Zellen, die miteinander kommunizieren, Signale aus der Außenwelt empfangen und darauf reagieren. Eine zentrale Rolle in diesem Kommunikationsnetz spielen Empfänger-Proteine, sogenannte Rezeptoren, die in der Zellmembran verankert sind. Dort empfangen sie Signale und leiten sie ins Zellinnere weiter, wo die Reaktion der Zelle ausgelöst wird.

Beim Menschen stellen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPC-Rezeptoren) mit rund 700 verschiedenen Typen die größte Gruppe dieser Empfängermoleküle. Im Fokus der Forschung der Frankfurter und Leipziger Wissenschaftler:innen stand ein GPC-Rezeptor, der in Zellen als Empfänger für das Neuropeptid Y dient und entsprechend Y2-Rezeptor genannt wird. Neuropeptid Y ist ein Botenstoff, der vor allem Signale zwischen Nervenzellen vermittelt, daher treten Y2-Rezeptoren vorwiegend in Nervenzellen auf und lösen die Bildung neuer Zellverbindungen aus.

Im Labor züchteten die Forscher:innen Zellen, die je rund 300.000 Y2-Rezeptoren an ihrer Oberfläche hatten und auf eigens entwickelten, mit Licht adressierbaren Matrizen wuchsen. Jeder der Y2-Rezeptoren war mit einem kleinen molekularen „Etikett“ versehen. Erzeugten die Wissenschaftler:innen nun mit einem feinen Laserstrahl einen Lichtpunkt auf der Zelle, so verbanden sich unter diesem Spot die Y2-Rezeptorfortsätze derart mit der belichteten Matrize, dass die Y2-Rezeptoren eng zu einer Gruppe zusammenrückten und einen sogenannten Cluster bildeten. Das Ganze passierte unmittelbar an Ort und Stelle und innerhalb weniger Sekunden.

Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität Frankfurt erklärt: „Das Erstaunliche an diesem Experiment ist, dass das Clustern der Rezeptoren ein Signal auslöst, das ähnlich dem von Neuropeptid Y ist. So konnten wir alleine durch diese Clusterbildung Zellbewegungen als Reaktion der Zelle auslösen. Durch die Laserspots konnten wir sogar steuern, in welche Richtung sich die Zelle bewegen soll.“ Weil die eingesetzten lichtempfindlichen Moleküle im Vergleich zu den Rezeptoren sehr klein sind, ist die Organisation der Rezeptoren in der Zellmembran mit dem Laserspot hoch präzise steuerbar. „Damit ist diese nicht-invasive Methode besonders gut geeignet, um die Auswirkungen des Rezeptorclusterings in lebenden Zellen zu untersuchen“, so Tampé weiter. „Mit diesem Verfahren lassen sich spannende wissenschaftliche Fragen verfolgen, zum Beispiel, wie Rezeptoren in Netzwerken organisiert sind und wie im Gehirn neue Schaltkreise entstehen.“


Publikation: M. Florencia Sánchez, Sylvia Els-Heindl, Annette G. Beck-Sickinger, Ralph Wieneke, Robert Tampé: Photo-induced receptor confinement drives ligand-independent GPCR signaling. Science abb7657
DOI: 10.1126/science.abb7657; https://science.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/science.abb7657

Bild / Video zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/98160408
Bildtext: Laserspots aktivieren in einer Matrix sehr kleine synthetische Schlüssel-Schloss-Paare und erzeugen so Rezeptorcluster in der Zellmembran. Diese Liganden-unabhängige Aktivierung löst Kalziumsignale und eine erhöhte Zellbewegung aus. (Copyright: M. Florencia Sánchez & Robert Tampé, Goethe-Universität Frankfurt).

http://www.uni-frankfurt.de/98150564
Beschreibung Video: Nach der Bestrahlung mit Laserlicht (weiße Ringe) gruppieren sich in der Zelle die Rezeptoren (hellgrüne Punkte). Die Zelle bewegt sich daraufhin in Richtung der Rezeptorcluster. (Copyright: M. Florencia Sánchez & Robert Tampé, Goethe-Universität Frankfurt). Reprinted with permission from M. F. Sánchez et al., Science 10.1126/science.abb7657(2021).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Robert Tampé
Institut für Biochemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798 29475
tampe@em.uni-frankfurt.de
http://www.biochem.uni-frankfurt.de/

 

Feb 25 2021
14:59

Bildungsdezernentin Weber: „Alltagsintegrierte Sprachförderung kann eine Lücke schließen“ / Initiative der BHF BANK Stiftung 

Fünf Jahre „Sprachentdecker“: Wie Kinder in Kita und Grundschule nebenbei Deutsch lernen

Das Modellprojekt „Sprachentdecker“ unter wissenschaftlicher Federführung der Goethe-Universität zeigt, wie Deutschförderung im Alltag gelingen kann. Die Evaluierung des Projekts bestätigt: Die Methode wirkt nachhaltig. In Pandemiezeiten sind die Fördertechniken auch digital vermittelbar.

FRANKFURT. Kitas und Grundschulen öffnen wieder. Erzieherinnen und Lehrkräfte sehen manche Kinder seit Monaten zum ersten Mal. Wie soll nun all das Versäumte aufgeholt werden? Besonders folgenreich waren die Schließungen für Kinder, die zuhause wenig Unterstützung bekommen – und für mehrsprachige Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist. Sie hatten kaum Kontakt mit der Landessprache.

Hier setzt das Modellprojekt „Sprachentdecker“, eine Initiative von BHF BANK Stiftung, Goethe-Universität und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, an. Pädagogische Fachkräfte, die am Projekt Sprachentdecker teilgenommen haben, verfügen über Strategien, um Kinder beim Deutschlernen im Alltag zu unterstützen. Sie haben gelernt, wie sie Mathematikaufgaben so besprechen können, dass die Kinder dabei auch sprachlich etwas lernen. Sie fordern die Kinder zum Beispiel dazu auf, nicht nur das Ergebnis einer Aufgabe zu nennen, sondern auch zu erklären, wie sie darauf gekommen sind. Dabei geben sie den Kindern Satzmuster vor, die beim Antworten helfen: „Als erstes habe ich...“ „Weil..., muss man ...“. Auch in der Kita regen die Erzieherinnen die sprachliche Entwicklung der Kinder an, indem sie deren Sätze aufgreifen und erweitern. Erzählt ein Kind: „Gestern hab ich Pferd geseht!“ antwortet die Fachkraft z.B.: „Stimmt, gestern haben wir beim Spaziergang ein großes braunes Pferd gesehen, das auf einer Weide stand“. So lernen die Kinder beiläufig richtige und variantenreiche Formulierungsmöglichkeiten im Deutschen.

Vor gut fünf Jahren ist das Projekt „Sprachentdecker - Alltagsintegrierte Sprachförderung in Kita und Grundschule“ in Frankfurt gestartet. Die jetzt von der Erziehungswissenschaftlerin und Doktorandin Christina Graf vorgelegte Evaluierung des Projekts unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Diemut Kucharz (Goethe-Universität, Erziehungswissenschaften) zeigt, dass gezielte und praxisorientierte Fortbildungen und individuell auf die Fragen und den Kenntnisstand von Pädagogen und Pädagoginnen abgestimmte Coachings wirken und die Landschaft bestehender  Sprachförder- und Sprachbildungsangebote sinnvoll ergänzen können.

„Alltagsintegrierte Sprachbildung ist kein Selbstläufer – und passiert nicht von selbst“, sagte Sylvia Weber, Stadträtin und Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt, bei der Präsentation der Evaluationsergebnisse. „Wir brauchen eine gezielte Qualifizierung der Fach- und Lehrkräfte und eine bewusste und langfristige Auseinandersetzung mit Sprache, Mehrsprachigkeit und Sprachförderung in den Teams und Kollegien von Kita und Schule. Gerade die individuellen Coachings des Programms sind hier sehr wertvoll. Vorlaufkurse und Seiteneinsteigerklassen (Intensivklassen) sowie gezielte Angebote für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache allein reichen nicht aus, um Sprachdefizite im Deutschen zu kompensieren und bildungssprachliche Kompetenzen zu entwickeln. Vielmehr müssen alle Fach- und Lehrkräfte, d.h. alle, die die regulären Bildungs- und Lernprozesse gestalten, für eine alltagsintegrierte Sprachbildung und sprachförderliches Verhalten qualifiziert werden.

Das Angebot Sprachentdecker kann hier eine Lücke schließen und andere Angebote wie Vorlaufkurse ergänzen und so die Sprachbildung der Kinder nachhaltig begleiten und fördern.“ Die positiven Ergebnisse der Evaluierung bestätigten dies. „Wenn ich sehe, wie viele Kinder Förderbedarf haben, weiß ich: Wir brauchen mehr Förderung im Regelbetrieb und im Alltag der Kinder. Hierzu leistet ‚Sprachentdecker' einen wertvollen Beitrag“, so Weber weiter.

Der Evaluation zufolge bewirkt „Sprachentdecker“ zum einen, dass Pädagoginnen und Pädagogen in Kita und Schule ihre Kenntnisse über das sprachliche Bildungspotential der Kinder und ihr eigenes Handlungsrepertoire in der Sprachförderung erweitern und einüben. Und zum anderen, dass Kinder ihre sprachlichen Kompetenzen verbessern, wenn Fachkräfte regelmäßig und gezielt alltagsintegrierte Fördertechniken anwenden.

„‚Die Evaluation hat gezeigt, dass Sprachentdecker' und die Techniken der alltagsintegrierten Förderung es den pädagogischen Fachkräften ermöglichen, ihr Wissen über die Sprache zu verbessern und es optimal einzusetzen, wenn sie mit den Kindern interagieren“, sagt Diemut Kucharz, Professorin für Grundschulpädagogik an der Goethe-Universität. „Viele Förderkräfte haben noch kein Instrumentarium, um zu erkennen, was die Kinder schon gut beherrschen und wo Einzelne noch Defizite haben. Hier setzt ‚Sprachentdecker' an: Wir schärfen den Blick der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und komplettieren ihr Repertoire – und das ohne zusätzliche Fördermaßnahmen für die Kinder, sondern integriert in deren Alltag. Die Evaluierung hat gezeigt: Dies ist ein sehr effizienter Ansatz.“  

„Unzureichende Deutschkenntnisse am Ende einer Schullaufbahn verringern die Chancen auf ein gutes Leben. Diese Problematik wollten wir in den Blick nehmen und möglichst früh ansetzen und innerhalb der bestehenden Strukturen effiziente Möglichkeiten der Förderung etablieren“, sagt Sigrid Scherer, Leiterin der BHF BANK Stiftung. „Man muss sich genau anschauen: Wie interagieren Kinder und Förderkräfte? Wie sollten Fehler korrigiert werden, damit Kinder daraus lernen können? Was kann ein Kind aufnehmen, was nicht? Das Projekt hat uns gezeigt, wie groß der Bedarf ist und wie notwendig passgenaue Qualifizierungen und die Coachings sind.“  

„Sprachentdecker“ ist eine Initiative der BHF BANK Stiftung. Das Projekt wurde von der Goethe-Universität und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und mit Unterstützung des Staatlichen Schulamts für die Stadt Frankfurt entwickelt. Seit Projektstart 2016 wurden im Rahmen von „Sprachentdecker“ aus zwölf Kitas und acht Grundschulen insgesamt etwa 100 Fach- und Lehrkräfte fortgebildet. Seit 2019 unterstützt das Projekt auch die nachhaltige Verankerung der Anwendung der Fördertechniken in die Teams und Kollegien der beteiligten Einrichtungen. Qualifizierung von Fachkräften, Sprachförderung im Übergang von Kita und Schule sowie Bildungskooperation mit Eltern – das sind die drei Säulen von „Sprachentdecker“. Insgesamt hat die BHF BANK Stiftung seit 2016 fast 200.000 Euro in das Projekt und die Evaluierung der Angebote investiert.

Bilder sowie Statements und Informationen zum Hintergrund finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/98184209

Bildtext: An der Frankfurter Liebfrauenschule wird das Programm „Sprachentdecker“ im Unterricht angewandt. (Foto: Susanna Kock)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Diemut Kucharz
Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe (WE II)
Goethe-Universität Frankfurt 
Telefon +49 (0)69 798-36266|
E-Mail: kucharz@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 25 2021
11:53

Goethe-Universität lädt in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium zu Online-Vortragsreihe ein – auch die interessierte Öffentlichkeit erhält Zugang

Corona-Wissen kompakt für alle Lehrkräfte

FRANKFURT. Freude über die Rückkehr, aber auch Unsicherheit – die ersten Öffnungsschritte an den Schulen sorgen unter Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern für gemischte Gefühle. Es stellen sich weiterhin wichtige Fragen: Wie gefährlich ist Corona für Kinder und Jugendliche? Was leisten Masken und Schnelltests? Was können Luftreinigungsgeräte – und was können sie nicht? Und wie hilft das Impfen? Eine besondere Online-Vortragsreihe gibt Schulleitungen und Lehrkräften nun Antworten der aktuellen Forschung zu Fragen rund um die Corona-Pandemie. Auch die interessierte Öffentlichkeit erhält nachträglich Zugang zu den aufgezeichneten Vorträgen.

Kurz, prägnant und mit wissenschaftlicher Expertise informieren unter anderen Mediziner, Virologen und Pharmazeuten der Goethe-Universität, welche die sechsteilige Vortragsreihe gemeinsam mit der Goethe-Lehrkräfteakademie und dem Hessischen Kultusministerium veranstaltet.

„Wir haben uns zu dieser Fortbildung entschlossen“, sagt Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, „weil wir es als unsere Aufgabe sehen, wissenschaftliche Erkenntnisse verstehbar und nahbar zu machen. Wir freuen uns, dass die Goethe-Uni so ganz konkret den hessischen Schulen helfen und aufklären kann.“ Professor Dr. Tim Engartner, Direktor der Goethe-Lehrkräfteakademie, ergänzt: „Aufklärung mittels Fakten an die Stelle von Verklärung mittels Fake News treten zu lassen, scheint mir gerade für Schulleitungen und Lehrkräfte als Multiplikatoren besonders wichtig zu sein.“

Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz begrüßt das neue Angebot: „Wir sind der Goethe-Uni für diese Informationsreihe sehr dankbar. Sie bietet unseren Lehrkräften und Schulleitungen in einer Zeit, in der Fakten schnell durcheinander geworfen werden, eine ideale Gelegenheit, sich prägnant und fundiert auf den neuesten Stand der Wissenschaft zu bringen“.

Für alle Veranstaltungen können Interessierte über die Mailadresse fragenzucorona@uni-frankfurt.de den Wissenschaftlern vorab Fragen zukommen lassen. Die Vortragsreihe umfasst sechs 30-minütige Beiträge mit moderierten Fragen.

Los geht es mit dem Eröffnungsbeitrag des biologischen Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann zu „Corona-Viren: Grundlagen und aktuelle Aspekte“ und einem Grußwort von Kultusminister Prof. Alexander R. Lorz.

Auch der interessierten Öffentlichkeit werden die Veranstaltungen zugänglich sein: Eine Aufzeichnung findet sich zu den unten genannten Terminen ab 12 Uhr unter www.uni-frankfurt.de/Corona-Wissen-kompakt


Das Programm:

ab 4. März
Corona-Viren: Grundlagen und aktuelle Aspekte
Prof. Dr. Theo Dingermann, Goethe-Universität (Pharmazeutische Biologie)

ab 11. März
COVID-19: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Dr. med. Sebastian Hoehl, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Institut für Klinische Virologie Frankfurt

ab 18. März
Impfungen gegen COVID-19: Grundlagen und aktuelle Aspekte
Prof. Theo Dingermann, Goethe-Universität (Pharmazeutische Biologie)

ab 24. März
Lüften, Luftreinigung, Masken und Schnelltests
Prof. Joachim Curtius, Goethe-Universität (Atmosphärenforschung), Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz (Pharmazeutische Chemie, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker)

ab 1. April
Produktion von Impfstoffen: Fokus Kinder
Prof. Jochen Maas, Sanofi Deutschland

ab 8. April
Podiumsdiskussion mit allen Referenten und Prof. Sandra Ciesek (Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität)

Die Veranstaltungen werden jeweils von Professor Dr. Tim Engartner und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz moderiert.

 

Feb 24 2021
14:06

Forschungsverbund MAPEX legt interaktive Datensammlung für die präventive Arbeit an Schulen und der Jugendhilfe vor - 1.533 Projekte und Maßnahmen erfasst 

Stärkung der Prävention bei jeder Form von islamistischer Radikalisierung

FRANKFURT. „Islamistischer Terrorismus kann nicht alleine mit repressiven Mitteln bekämpft werden. Deutschland braucht eine koordinierte wissensbasierte Prävention vor allem an Schulen und in der Jugendhilfe“, so die Projektpartner des Forschungsverbundes MAPEX in ihrem Abschlussbericht. In den vergangenen drei Jahren haben sie alle Präventions- und Interventionsprojekte im Bereich des islamistischen Extremismus in Deutschland auf einer interaktiven Online-Plattform (www.mapex-projekt.de) zusammengetragen. Sie fordern ein Zentrum praxisorientierter Präventionsforschung, in dem Wissen zu Extremismus- und Radikalisierungsphänomenen gespeichert, laufend analysiert und vermittelt wird. An dem Forschungsverbund MAPEX nahmen die Universitäten Bielefeld, Osnabrück, Frankfurt sowie die FH Münster teil.

Vor allem der Bund und im Besonderen das Innen- und Familienministerium stecken inzwischen viel Geld in die Präventionsarbeit. Alleine in den beiden großen Programmen „Demokratie leben!“ und „Nationales Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus“ werden jährlich jeweils 100 Millionen Euro verausgabt. „Ob das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird, und ob wirklich alle relevanten Partner beteiligt sind – dazu hatten wir bislang keine valide Datenbasis“, so Prof. Dr. Andreas Zick, der an der Universität Bielefeld das Verbundprojekt koordiniert.

Abhilfe verspricht das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von 2017 bis 2021 geförderte Forschungsprojekt MAPEX (Mapping und Analyse von Präventions- und Distanzierungsprojekten im Umgang mit islamistischer Radikalisierung), das systematisch alle Präventionsprojekte in Deutschland identifizierte und anschließend telefonisch befragte. Herausgekommen ist unter anderem eine interaktive Landkarte, der präzise entnommen werden kann, wo in Deutschland Prävention geleistet wird. Das Forschungsteam hat insgesamt 1.000 Projekte und Maßnahmen erfasst und 591 telefonische Interviews geführt.

Das Datenmaterial zeige eindrucksvoll auf, dass Bund, Länder und Kommunen und die von ihnen beauftragten Träger in den vergangenen Jahren viel Pionierarbeit geleistet haben. Dennoch gebe es Lücken und Mängel, so der Soziologe Dr. Sebastian Kurtenbach (FH Münster): „Die Versorgung des ländlichen Raumes kommt in der Präventionsarbeit gegen islamistische Radikalisierung nicht selten zu kurz.“

Der Islamwissenschaftler Dr. Michael Kiefer (Universität Osnabrück) ergänzt: „Verbessert werden muss auch die Zusammenarbeit zwischen Maßnahmenträgern. Nicht alle Maßnahmen und Angebote sind Schulen und Jugendhilfen bekannt.“ Ebenso bemängeln die Projektpartner, dass viele präventive Angebote nur für einen bestimmten Zeitraum angeboten werden. So haben die „Respekt Coaches“, die an 190 Schulen ihre Dienste verrichten, allesamt befristete Arbeitsverträge. Dies bedeutet, dass Ende 2021 die Schulen wichtige Präventionsakteure verlieren würden. Für Prof. Dr. Harry Harun Behr und Dr. Meltem Kulaçatan, die das Frankfurter Teilprojekt in MAPEX leiteten, ist dies „ein unerfreulicher Sachverhalt, der die nachhaltige Strukturbildung in der Präventionslandschaft einschränkt.“

Der Forschungsverbund hat neben der interaktiven Online-Plattform auch ein Buch veröffentlicht, in dem vertiefende Analysen sowie auch Teilstudien publiziert werden. Dort finden sich auch Praxisbeispiele an Schulen, in Kommunen sowie Maßnahmen, die vielversprechend sind für die Deradikalisierung und Distanzierung vom Extremismus. „Es bedarf aber noch größerer Anstrengungen zur Stärkung der Prävention bei jeder Form von Extremismus“, meint die Koordinatorin Manuela Freiheit von der Universität Bielefeld. Sie verweist auf eine zusätzliche Handreichung, die die Bedarfe an Politik und Institutionen richtet, die für die Stärkung und Entwicklung der Prävention zuständig sind.

„Forschung und Praxis müssen enger verzahnt werden und Wissen schneller in den Transfer gelangen können“, meint Andras Zick, und er ergänzt mit dem Blick auf die Herausforderungen, die mit neuen Extremismusphänomenen einhergehen: „Wir wünschen uns nach vielen Jahren der Forschung im Bereich Radikalisierung und Extremismus ein Wissenschaftszentrum für Radikalisierungsanalyse und Prävention.“

Zum Projektabschluss stellen die Partner des MAPEX-Forschungsverbundes am Freitag, 26. Februar, ihre Ergebnisse während einer Online-Fachtagung zur Diskussion. „Gleichzeitig wollen wir gemeinsam überlegen, an welchen strukturellen Stellschrauben noch gedreht und welche Themen stärker in der Forschung wie in der Praxis bedacht werden müssten, um die Präventions- und Interventionslandschaft gemeinsam weiterentwickeln zu können“, heißt es im Einladungstext.

Dem Forschungsverbund MAPEX gehörten an:
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld; Institut für Islamische Theologie (IIT), Universität Osnabrück;
Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islam, Goethe-Universität Frankfurt am Main; Fachbereich Sozialwesen, Fachhochschule Münster

Kontakt für Rückfragen:
E-Mail: mapex.ikg@uni-bielefeld.de

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Andreas Zick, Universität Bielefeld
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Tel. +49 521 106-3124; E-Mail: zick@uni-bielefeld.de

Dr. Michael Kiefer, Universität Osnabrück
Institut für Islamische Theologie
Tel. +49 541 969 6220; E-Mail: michael.kiefer@uni-osnabrueck.de

Dr. Meltem Kulaçatan, Goethe-Universität Frankfurt
FB Erziehungswissenschaft, Pädagogik der Sekundarstufe mit Schwerpunkt Islam
Tel. +49 69 798-36332; E-Mail: kulacatan@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 24 2021
11:40

Die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ widmet sich ab März in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität den aktuellen Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Solidarität_Aber wie?

FRANKFURT. Im Haus am Dom wird in diesem Frühjahr die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ fortgesetzt, die von Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin), Prof. Joachim Valentin (Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Mechtild M. Jansen (Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) konzipiert wurde. Der zweite Zyklus der Reihe widmet sich ab März dem Thema „Solidarität“.

Mehr denn je brauchen wir in Zeiten von Corona einen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jeder ist in dieser Krisensituation gefragt, Verantwortung auch für andere zu übernehmen, jeder muss sich beteiligen, wenn es gilt, die wirtschaftlichen Folgen gemeinsam zu tragen. Doch seit einiger Zeit zeichnet sich in unserer Gesellschaft eine Entwicklung ab, die unsere Öffentlichkeit in partielle Interessengruppen zerfallen lässt. Parallelwelten tun sich auf, Blasen, in denen wir uns einrichten und zugleich abgrenzen. Sei es in Fragen der Religion, der Herkunft, der sozialen Stellung, der politischen Haltung, des eigenen Lebensstils: die Gesellschaft ist divers und droht in dieser Vielfalt als Gemeinschaft zu zerfallen. Was verbindet uns noch, wenn Fake-News keine Wahrheit mehr zulassen, wenn Werte strittig geworden sind, wenn Meinungen statt Argumenten zählen, wenn das Soziale uns immer mehr spaltet? Nur mit Solidarität werden wir die Aufgaben der Zukunft bewältigen, und nur mit Solidarität lassen sich die demokratischen Rechte schützen. Aber wie ist Solidarität heute überhaupt noch möglich?

Am 9. März um 19.30 Uhr eröffnet die Autorin und Bloggerin Kübra Gümüşay die Reihe mit dem Vortrag „Solidarität - Wie ist Teilhabe für alle möglich?“. Im Anschluss spricht am 4. Mai der Autor und Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss zur Fragestellung „Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?“.  Zum Abschluss der Reihe folgt am 8. Juni schließlich Prof. Sighard Neckel, Soziologe der Universität Hamburg und assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, mit einem Vortrag zu der Frage „Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?“

Ziel der Reihe ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Daher werden im Anschluss an die Impulsvorträge die Zuschauer*innen miteinander ins Gespräch gebracht und erhalten die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen an die Gastredner*innen zu entwickeln. Da voraussichtlich nur wenige Plätze im Haus am Dom vergeben werden können, wird die Veranstaltung durch ein Live-Streaming-Angebot über www.youtube.com/hausamdom ergänzt bzw. gegebenenfalls ersetzt. Dieses soll über einen Chat weiteren Zuhörer*innen die Möglichkeit bieten, sich in die Diskussion zum jeweiligen Impulsvortrag einzubringen.

Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin). Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Die anstehenden Termine im Überblick:

Dienstag, 9. März 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie ist Teilhabe für alle möglich?
Kübra Gümüşay (Autorin und Bloggerin)
Moderation: Prof. Joachim Valentin, Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt

Dienstag, 4. Mai 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?
Lukas Bärfuss (Autor und Büchnerpreisträger)
Moderation: Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und Dramaturgin

Dienstag, 8. Juni 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?
Prof. Sighard Neckel (Soziologe)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 19.30 Uhr

Die Tickets erhalten Sie an der Rezeption im Haus am Dom, im Internet unter www.ticket.hausamdom.de oder an den AD-Ticket-Vorverkaufsstellen www.adticket.de/vorverkaufsstellen

Eintritt: 10 Euro / erm. 7 Euro

Übertragung auch per Livestream: www.youtube.com/hausamdom

Bitte beachten Sie, dass es gegebenenfalls kurzfristige Änderungen beim Ticketverkauf und Livestreaming-Angebot geben kann.

Detailliertes Programm und aktuelle Informationen:

www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
www.hausamdom-frankfurt.de

Pressekonferenz am 4. März 2021 via Zoom:

Wir möchten an dieser Stelle auch auf die Pressekonferenz zur partizipativen Vortragsreihe „DenkArt“ hinweisen, zu der Sie am Donnerstag, dem 4. März, um 11 Uhr herzlich eingeladen sind. Als GesprächspartnerInnen stehen Ihnen zur Verfügung: Prof. Marion Tiedtke (HfMDK), Prof. Joachim Valentin (KARM), Mechtild M. Jansen (Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) und Rebecca Caroline Schmidt (Forschungsverbund „Normative Ordnungen“).

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und danken für Ihre Anmeldung per E-Mail an: anke.harms@normativeorders.net

Weitere Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Feb 22 2021
14:26

Öffentliche Vortragsreihe „Theoretische und experimentelle quantitative Zellbiologie“ im Rahmen der Giersch - Summer School & International Conference

Internationale Zellbiologie-Tagung: Künstliche Intelligenz, Big Data und die Lebenswissenschaften

FRANKFURT. Eine allgemeine Künstliche Intelligenz (KI) zu schaffen ist das Ziel des Unternehmers Chris Boos. 1995 gründete er das Unternehmen arago und erweitert seitdem die bestehenden Grenzen Künstlicher Intelligenz. Die KI „HIRO“ von arago setzen heute vielen Unternehmen als Plattform ein, um ihre Geschäftsmodelle im digitalen Zeitalter neu zu erfinden. Auf der zweiwöchigen Online-Tagung „Theoretical and Experimental Quantitative Cell Biology“ hält Chris Boos den ersten öffentlichen Festvortrag:

22.02.2021, 17:00-19.30 Uhr
The AI world
Chris Boos, arago GmbH, Frankfurt

(Vortrag in englischer Sprache)
Livestream auf Youtube
https://youtu.be/0MIXNiBUJBM

Die öffentlichen Vorträge sind Teil der Giersch Summer School & Conference, die von der Stiftung Giersch und dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) in Kooperation mit den wissenschaftlichen Netzwerken LOEWE DynaMem, LOEWE CMMS, 'Xidian-FIAS Joint Research Center' (XF-JRC), den Rhein-Main-Universitäten und dem Graduiertenprogramm GRADE - IQbio ausgerichtet wird. Partner sind zudem die Goethe-Universität Frankfurt, die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, das Max-Planck-Institut für Biophysik und das Max-Planck-Institut für Polymerforschung.

Schon zum 5. Mal ermöglicht die Stiftung Giersch es dem FIAS, internationale Größen zu einem aktuellen Themengebiet zusammen zu bringen. Dieses Jahr findet die Veranstaltung zum ersten Mal komplett digital statt. 

Auf der Tagung kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen zusammen. In ihren jeweiligen Fachgebieten leisten sie einen Beitrag dazu, komplexe Prozesse zu verstehen – von der Wirkweise der Stoffwechsel- und Kommunikationsprozesse einer einzelnen Zelle bis hin zum Verhalten eines Organismus. Dabei spielt die Verarbeitung großer Datenmengen eine zentrale Rolle sowie mathematisch-physikalische Modelle zur Beschreibung dieser Vorgänge.

In einer öffentlichen Vortragsreihe können Interessierte vom 22. Februar bis 4. März 2021 spannende Einblicke in die vielfältige Welt der modernen Zellbiologie erfahren. Namhafte Experten aus der Wissenschaft und Industrie geben Einblicke in ihre Forschungsarbeit und Visionen über zukünftige Entwicklungen. Die Themen kommen aus der Künstlichen Intelligenz, Mikroskopie und Modellierung, aber auch die praktische Anwendung der Forschung wird angesprochen.

Weitere Termine und Themen im Überblick:
Alle Vorträge in englischer Sprache im Youtube-Livestream.
Informationen zu den Vorträgen:
https://fias.institute/gsic2020/vortragsreihe

23.02.2021, 13:00-14:00 Uhr, https://youtu.be/jQHB2PdQ6sA
High-resolution cryoEM of membrane protein complexes
Werner Kühlbrandt, Max Planck Institute of Biophysics Frankfurt, Germany

24.02.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/EyXDLsiCQ3c
Aim for mechanistic models!
Martin Meier-Schellersheim, National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), Bethesda, USA

25.02.2021, 17:00 - 18:00 Uhr, https://youtu.be/MvGd_2gfPk0
Molecular codes enabling brain function
Thomas Südhof, Stanford University, USA

01.03.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/KFZBCvjdzC8
Marine biodiversity advances in a digital era
Hanieh Saeedi, Senckenberg Research Institute and Natural History Museum

02.03.2021, 17:00 - 18:30 Uhr, https://youtu.be/0Hm2OSRPNcA
AI in industry
Andreas Widl, SAMSON AG

03.03.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/dcTuhUep1J8
Challenges in medicine
Peter Wild, Senckenberg Institute of Pathology

04.03.2021, 13:00 - 14:00 09:00 - 10:00 Uhr, https://youtu.be/A6CStI5h8H0
From image to brain function
Moritz Helmstädter, Max Planck Institute for Brain Research, Frankfurt am Main

Information und Anmeldung zur Teilnahme an der gesamten Konferenz:
https://fias.institute/de/events/gsic2020

 

Feb 19 2021
15:20

Goethe-Universität erfolgreich bei Industrie-Ausschreibung für Ersatz von tierischen Komponenten

Suche nach Alternativen zu Tierversuchen in der Toxikologie

In der toxikologischen Forschung finden schon viele Untersuchungen zwar in der Petrischale statt, doch benötigt man im manchen Prozessen immer noch tierische Komponenten wie Serum oder Leberzellgewebe. Ein Team von Forschenden unter Federführung der Goethe-Universität will nun als Ersatz eine neue Zellkulturtechnik entwickeln. Mit ihrem Projekt haben sie den „CRACK IT“-Innovationswettbewerb des NC3Rs gewonnen, einer britischen Organisation, die sich für den Ersatz von Tierversuchen in der Forschung einsetzt.  Der Wettbewerb wird von AstraZeneca und Unilever gesponsert.

FRANKFURT. Untersuchungen mit Zellkulturen sind für die toxikologische Forschung notwendig, weil man an ihnen prüfen kann, ob neue Wirkstoffe unerwünschte Wirkungen zeigen. Dabei wird in den Zellkulturen häufig das Serum ungeborener Kälber (Fetal Calf Serum, FCS) als tierische Zutat verwandt. Auch andere Toxizitätsversuche „im Reagenzglas“ verwenden häufig Komponenten tierischen Ursprungs. So wird aus der Leber von Laborratten ein Enzymcocktail gewonnen, mit dessen Hilfe untersucht wird, ob Leberenzyme die zu testende Substanz in giftige Produkte umwandeln.

Für beide Komponenten – Serum und Lebergewebe – wollen Pharmaproduzenten oder Firmen aus der kosmetischen Industrie Ersatz finden. Die Gründe dafür sind nicht nur ethischer Natur. Gewebe und Seren, die direkt aus Tieren entnommen werden, bringen auch Ungenauigkeiten im Prüfverfahren mit sich, denn ihre Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft. Zudem sind nicht alle Komponenten etwa des fötalen Kälberserums bekannt. Das gefährdet die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Im „CRACK IT 36: Animal-free in vitro“-Wettbewerb sollen deshalb von Tieren stammende Produkte durch genau definierte und reproduzierbare Alternativen ersetzt werden.

Keine tierischen Komponenten mehr in Zellkultur-Nährlösungen

Prof. Henner Hollert und Dr. Andreas Schiwy von der Abteilung für Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie der Goethe-Universität und LOEWE Zentrum TBG wollen in ihrem Projekt zusammen mit der Umwelttoxikologin Prof. Beate Escher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Leipzig sowie dem Unternehmen BiodetectionsSystems aus Amsterdam und Scinora aus Heidelberg Alternativen zu den Tierkomponenten finden.

In einem ersten Schritt sollen zunächst chemisch-definierte Nährlösungen – ohne tierische Komponenten – für Zellkulturen entwickelt werden. Solche Nährlösungen sind bei der Herstellung von Medikamenten bereits üblich, unter anderem aus Sicherheitsgründen. Denn so wird ausgeschlossen, dass über das Kälberserum Krankheiten wie zum Beispiel BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie) übertragen werden.

Bisher gibt es nur wenig solcher Systeme für toxikologische Prüfungen, weil die benötigten Mengen im Vergleich zur pharmazeutischen Produktion gering sind. Zu ihrer Entwicklung muss man die Stoffwechselprozesse der Zellen genau kennen.

Verzicht auf Laborratten

In einem zweiten Schritt wollen die Forscherinnen und Forscher den Enzymcocktail aus Laborratten ersetzen, indem sie stattdessen die zu testenden Substanzen von Leberzelllinien verstoffwechseln lassen. Die Leberzelllinien sollen unter chemisch definierten Kulturbedingungen gezüchtet werden. Anschließend sollen die Stoffwechselprodukte extrahiert und ihre Wirkung in den angepassten toxikologischen Zellkulturen getestet werden, die im ersten Schritt entwickelt wurden.

Hollert und sein Team prüfen das Verfahren zunächst an der Modellsubstanz Benzo[a]pyren testen, die zum Beispiel in Zigarettenrauch enthalten ist. In der menschlichen Leber wird Benzo[a]pyren in giftige Stoffe umgewandelt, die Schäden an der DNA von Zellen hervorrufen und das hormonelle Gleichgewicht beeinträchtigen.

Die Fördersumme beträgt im der ersten Phase 100.000 Pfund, umgerechnet rund 114.000 Euro. Die Forscher können sich nach erfolgreicher Evaluation noch im gleichen Jahr für eine zweite Phase des Wettbewerbs bewerben, in der umgerechnet rund 685.000 Euro über weitere drei Jahre möglich sind.

Weitere Informationen
Prof. Henner Hollert
Leiter der Abteilung für Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798-42171
hollert@bio.uni-frankfurt.de 
https://www.bio.uni-frankfurt.de/43970666/Abt__Hollert

 

Feb 19 2021
14:47

Senat und Präsidium der Goethe-Universität fordern Drittmittelgeber auf, dem Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu folgen

Drittmittelfinanzierte Forschende besser vor Härten schützen!

FRANKFURT. Drittmittelfinanzierte Wissenschaftliche Mitarbeitende müssen in Pandemiezeiten besser vor persönlichen und beruflichen Härten geschützt werden. Dies fordern Senat und Präsidium der Goethe-Universität: „Durch Corona sind nicht wenige unserer jungen Kolleginnen und Kollegen in eine schwierige finanzielle Situation geraten, da aufgrund der befristeten Beschäftigungsverhältnisse diese auszulaufen drohen bzw. trotz der Pandemie durch die Drittmittelgeber nicht verlängert werden (können). Diese Problematik verursacht zunehmende Härtefälle“, betonte Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff.

Als beispielhaft vorbildlich in der Krise erachten Präsidium und Senat die Vorgehensweise der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als wichtigster Drittmittelgebergeber im deutschen Wissenschaftssystem. Unbürokratisch habe die DFG auf Antrag ihre Finanzierungszeiträume für die Förderung drittmittelbasierter Stellen während der Pandemie verlängert. Präsidium und Senat appellieren daher auch an weitere Drittmittelgeber in der Wissenschaft, sich dem Beispiel der DFG anzuschließen und Drittmittelverlängerungen im Fall auslaufende Forderungen unbürokratisch zu gewähren.

Vom Auslaufen ihrer drittmittelfinanzierten Stellen seien derzeit allein in Hessen eine größere Zahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedroht. Universitätspräsident Schleiff: „Für Stiftungen und andere Drittmittelgeber mag dies im Einzelfall eine zusätzliche Anstrengung bedeuten. Der mögliche Schaden für talentierte Nachwuchsforschende und ihre Familien, die unverschuldet aus dem System fallen und deren Karrieren in der Wissenschaft dadurch gefährdet werden, ist jedoch kaum zu ermessen. Wir appellieren daher an alle Drittmittelgeber, diesen wichtigen Mitgliedern unserer Wissenschaftscommunity eine echte Perspektive zu geben.“

 

Feb 18 2021
11:35

Schreibzentrum der Goethe-Universität lädt zur ersten digitalen Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Schluss mit dem Vertagen

FRANKFURT. „Keine Chance der Aufschieberitis!“ – unter diesem Motto lädt das Schreibzentrum der Goethe-Universität

am Donnerstag, 4. März, von 18:30 bis 24 Uhr,

auf der online-Plattform Zoom

zum elften Mal zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. Erstmals findet die Veranstaltung im virtuellen Raum statt.


Das ursprünglich vom Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder ins Leben gerufene Event hat weltweit einen festen Platz im akademischen Kalender: den ersten Donnerstag im März. Die Frankfurter Studierenden können ihre wissenschaftlichen Texte – ob es sich nun um die erste Hausarbeit, die letzten Zeilen der Bachelor- oder gar Doktorarbeit oder eine andere wissenschaftliche Textsorte handelt – normalerweise in Gesellschaft zahlreicher anderer Kommilitoninnen und Kommilitonen und umgeben von den ehrwürdigen Beständen des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften verfassen. „Die Atmosphäre motiviert zum Schreiben“, wie eine Teilnehmerin der vergangenen Jahre resümiert. Dieses Gemeinschaftsgefühl wollen die Veranstalter auch im digitalen Raum entstehen lassen –sind Studierende aktuell beim Schreiben doch noch stärker isoliert als sonst, alleine in ihren vier Wänden mit dem Schreibprojekt im Kopf und dem Laptop auf den Knien.


Angeboten werden Workshops rund um das Lesen und Schreiben wissenschaftlicher Texte, von der Themenfindung bis hin zur Überarbeitung und zur professionellen Nutzung von Textverarbeitungsprogrammen. In Kooperation mit dem Zentrum für Schlüsselkompetenzen, der Psychotherapeutischen Beratungsstelle und dem Studentenwerk gibt es zudem Tipps gegen das Prokrastinieren. Für fachnahe individuelle Beratung und Textfeedback stehen Studierenden der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften durchgängig schreibdidaktisch ausgebildete Peer Tutorinnen und -tutoren des Schreibzentrums zur Seite. Unterstützung für Teilnehmende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, kommt vom Internationalen Studien- und Sprachenzentrum (ISZ). Das Zentrum für Hochschulsport stärkt mittels Schreibtisch-Yoga-Einheiten die Durchhaltekraft vor dem Bildschirm, und auch für informellen Austausch wird mit kleinen Spielemöglichkeiten virtueller Raum geschaffen.


Das 2009 gegründete Schreibzentrum ist Teil des Zentrums Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität. Seit 2016 besteht mit dem Schreibzentrum am Riedberg eine Dependance speziell für das Schreiben in den Naturwissenschaften. Mit Workshops, Beratung und Selbstlern-Materialien werden Studierende aller Fächer und Fachsemester, aber auch Doktoranden und Lehrende beim Aufbau von Schreibkompetenz unterstützt. Mit jährlich rund 200 Teilnehmenden ist die „Lange Nacht“ eines der Highlights im Jahresprogramm.


Medienvertreter sind herzlich eingeladen, nach Voranmeldung über die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ zu berichten.


Information:

Dr. Nora Hoffmann

Leitung Schreibzentrum

Goethe-Universität Frankfurt 

n.hoffmann@em.uni-frankfurt.de

https://www.starkerstart.uni-frankfurt.de/84888168/Lange_Nacht_der_aufgeschobenen_Hausarbeiten

 

Feb 16 2021
12:33

Astrid von Busekist, Professorin für Politische Theorie an der Sciences Po in Paris, hält am 23. Februar im Rahmen der Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung ihren stadtöffentlichen Vortrag an der Goethe-Universität. 

„Träume von Räumen“: Alfred Grosser-Gastprofessorin für Bürgergesellschaftsforschung spricht über faire Einwanderungspolitik

FRANKFURT. Professorin Dr. Astrid von Busekist, aktuelle Inhaberin der Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität, wird am 23. Februar digital über das Thema „Träume von Räumen. Exkurs über die Grenze“ sprechen. Die „Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung“ wurde 2009 auf Initiative der Deutsch-Französischen Gesellschaft von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main gestiftet. Mit dem Projekt sollen die Forschung und der öffentliche Diskurs über die Bürgergesellschaft am Standort Frankfurt vorangebracht und international sichtbar gemacht werden.

Astrid von Busekist ist seit 2001 Professorin für Politische Theorie an der Sciences Po in Paris. Daneben ist sie Leiterin des Studienprogramms Politische Theorie an der Graduiertenschule und Redakteurin der Fachzeitschrift „Raisons Politiques“. Ihr Studium in Politikwissenschaft, Geschichte, Informations- und Kommunikationswissenschaften und Moderner Literatur absolvierte sie an den Pariser Universitäten Sorbonne (III und IV) und Dauphine (IX) sowie der Tufts University in den USA. 1996 promovierte sie zu dem Thema “Nationalism and language policy. The making of Belgium". Zu ihren akademischen Stationen zählen die Henri Janne-Professur an der Université Libre de Bruxelles (1999-2000) und eine Professur an der Universität Nizza Sophia Antiopolis (1999-2001). Sie hatte Gastprofessuren an der New York University (2017-2020), der Tel Aviv University (2009-2011) sowie der Université Libre de Bruxelles (2001) inne. 

In ihrer Forschung widmet sich die Politikwissenschaftlerin den Themenfeldern Sprachpolitik, Grenzen, Nationen und Nationalismus sowie demokratischer Pluralismus. Ihr stadtöffentlicher Vortrag mit dem Titel „Träume von Räumen. Exkurs über die Grenze“ wird Wege hin zu einer gerechten und rationalen Öffnung der Grenzen und einer fairen Einwanderungspolitik behandeln. Der Vortrag wird

digital am Dienstag, 23.02.2021, um 19.00 Uhr c.t. stattfinden.
Anmeldung zum ZOOM-Meeting unter https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/9476997129

Alfred Grosser, 1925 in Frankfurt geboren, ist Professor für Politikwissenschaft und Soziologie und international als Publizist tätig. Er gilt unter anderem als ein wichtiger Wegbereiter der deutsch-französischen Verständigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Im November 2009 führte er die Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung mit drei Vorlesungen zum Thema „Bürgergesellschaft und Demokratie in Deutschland und Frankreich" ein. Jeweils zum Wintersemester bestimmt eine Auswahlkommission eine*n Gastprofessor*in. Höhepunkte der Gastprofessur sind jeweils ein Semestereröffnungsvortrag sowie ein stadtöffentlicher Vortrag.

Weitere Informationen unter https://www.fb03.uni-frankfurt.de/67822158/Alfred_Grosser_Gastprofessur

Ein Interview mit Prof. Astrid von Busekist ist kürzlich im UniReport erschienen: https://tinygu.de/wkLnj

 

Feb 15 2021
13:51

Amtsantritt am 1. Mai 2021 / Position eines vierten Präsidiumsmitglieds als CIO für den Schwerpunkt Digitalisierung öffentlich ausgeschrieben

Erweiterter Senat wählt neue Vizepräsidentin und Vizepräsidenten der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat drei neue Vizepräsident*innen. Der Erweiterte Senat wählte am 15. Februar 2021 Prof. Dr. Christiane Thompson als Vizepräsidentin für Lehre, Studium, Weiterbildung, Prof. Dr. Bernhard Brüne als Vizepräsidenten für Nachwuchs, Forschung und Transfer sowie Prof. Dr. Michael Huth als Vizepräsidenten für Qualitäts- und Organisationsentwicklung für eine Amtszeit von drei Jahren. Nach einer Übergangszeit mit den noch amtierenden Präsiden im April kann das neue Präsidialteam dann ab 1. Mai 2021 mit seiner Arbeit starten. Komplettiert werden soll das Präsidialteam zu einem etwas späteren Zeitpunkt noch durch eine*n hauptamliche*n Vizepräsidenten*in, die*der in der Rolle einer*s CIO (Chief Information Officer) ebenfalls durch den Erweiterten Senat gewählt wird. Die Position war öffentlich ausgeschrieben worden.

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff freut sich über die erfolgreiche Wahl: „Ich danke dem Erweiterten Senat für das in die neuen Präsiden gesetzte Vertrauen. In den verglichen mit dem Vorgängerpräsidium neuen Profilen bildet sich zugleich die inhaltlich-strategische Schwerpunktsetzung unserer künftigen Präsidiumsarbeit ab, auf die ich mich sehr freue. Ich bin überzeugt, dass diese inhaltlichen und strategischen Schwerpunktsetzungen helfen, das Forschungs- und Entwicklungspotenzial der Goethe-Universität noch besser zu mobilisieren. Zu diesen Kernfeldern zählen auch Internationalisierung, Diversität sowie gesellschaftliches Engagement für eine sich stark wandelnde Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.“

Schleiff dankte dem bisher amtierenden Präsidialteam für seinen unermüdlichen Einsatz: „In der Corona Pandemie hat sich zuletzt einmal mehr gezeigt, mit welcher hohen Professionalität und Beharrlichkeit alle Mitglieder des Präsidiums in einem intensiven Zusammenspiel mit Fachbereichen, Studierenden und Verwaltung die Goethe-Universität trotz aller Widrigkeiten auf Kurs gehalten haben. Dafür bin ich sehr dankbar, ebenso für die erfolgreiche inhaltliche Arbeit, die die Vizepräsident*innen in den letzten Jahren auf ihren Feldern geleistet haben.

Prof. Dr. Bernhard Brüne, Fachbereich Medizin, Institut für Biochemie I
Prof. Dr. Bernhard Brüne hat an der Universität Tübingen Biochemie studiert und an der Universität Konstanz promoviert. Nach Auslandsaufenthalten in den USA (GlaxoSmithKline) und in Schweden (Karolinska-Institut) erfolgte 1993 die Habilitation in Konstanz. Nach Professuren in Erlangen-Nürnberg und Kaiserslautern leitet er seit 2004 das Institut für Biochemie I am Fachbereich Medizin. Brünes Forschungsschwerpunkte sind Mechanismen der angeborenen Immunität mit Bezug auf Sauerstoffmangel und Lipidsignalmolekülen. Neben der curricularen Lehre für Human- und Zahnmediziner beteiligt sich Brüne an der Graduiertenausbildung und dem Studiengang Molekulare Medizin. Zudem leitet er seit 12 Jahren den Sonderforschungsbereich (SFB) 815 (Redox-Regulation) und seit 2017 das DFG-geförderte Graduiertenkolleg 2336 (Auflösung von Entzündungen). Derzeit ist er Forschungsdekan am Fachbereich 16, zuvor war Brüne sieben Jahre Studiendekan für die Vorklinik im Fachbereich Medizin.

Prof. Dr. Michael Huth, Fachbereich Physik, Physikalisches Institut
Prof. Dr. Michael Huth ist seit 2002 Professor für Experimentelle Festkörperphysik an der Goethe-Universität und beschäftigt sich mit Materialien, in denen Wechselwirkungen zu einem komplexen Vielteilchenverhalten führen. Die Eigenschaften komplexer Systeme zu verstehen und durch gezielte Beobachtung und Analyse Strategien zu ihrer gezielten Beeinflussung zu finden, ist der Hauptantrieb seiner wissenschaftlichen Arbeit. Huth war Geschäftsführender Direktor des Physikalischen Instituts sowie Prodekan und Dekan des Fachbereichs Physik der Goethe-Universität. 

Prof. Dr. Christiane Thompson, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft
Prof. Dr. Christiane Thompson forscht und lehrt seit 2014 an der Goethe-Universität. Frühere Stationen waren u.a. die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Universität Fribourg (CH). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind insbesondere die Bildungstheorie und kulturwissenschaftliche Bildungsforschung. Ein wichtiger Forschungsgegenstand ist zudem die Universität selbst: Thompson hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Lehr- und Studienkulturen nach ‚Bologna' befasst. Aktuell bildet die akademische Redefreiheit einen wichtigen Schwerpunkt. Thompson war Prodekanin des FB Erziehungswissenschaften, geschäftsführende Direktorin im Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft, Mitglied im Beirat der Lehre sowie der Senatskommission „W-Besoldung“. 

 

Feb 12 2021
15:41

Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität laden zur Debatte

Welches Theater für welche Stadt?

Frankfurts Theaterlandschaft steht vor wichtigen Weichenstellungen: Abriss und Neubau oder Renovierung? Wie sollen die Räume aussehen, die das städtisch subventionierte Theater bespielen darf? Dazu veranstaltet die Goethe-Universität eine Diskussion im Internet.

FRANKFURT. Frankfurts Theaterlandschaft wird sich stark verändern – zumindest so viel steht fest. Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden? Vier der fünf zukünftigen städtischen Theaterbauten sind derzeit – auf verschiedenen Stufen – in Planung. Einen Beitrag zur notwendigen öffentlichen Diskussion darüber wollen Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität mit zwei Veranstaltungen leisten.

Zum Thema „Theaterbauten, Kultur für alle“ diskutiert der Architekturhistoriker und Sprecher des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“ Prof. Carsten Ruhl

am Mittwoch, 17. Februar, um 18:15 Uhr
auf der Plattform „Zoom“

(Link: https://uni-frankfurt.zoom.us/webinar/register/WN_0FL0uylvSDu4CKhyYNULDQ)

mit der Theaterwissenschaftlerin Prof. Ulrike Haß (Bochum/Berlin) und dem Architekturhistoriker Dr. Frank Schmitz (Universität Hamburg). Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und ist auch im Nachhinein abrufbar.

Im Rahmen der ersten Veranstaltung „Theater 2040 – Konzeptionen und ihre Architekturen“ am 16. Dezember 2020 sprach Nikolaus Müller-Schöll (Theaterwissenschaftler, Goethe-Universität Frankfurt) mit der Leiterin des Kulturzentrums Kampnagel, Amelie Deuflhard sowie der Dramaturgin Rebecca Ajnwojner (Maxim Gorki Theater Berlin). Ein Mitschnitt der Veranstaltung ist online verfügbar unter: http://zukunft-buehnen-frankfurt.de

Der Hintergrund

Seit 2017 ein Gutachten ergab, dass die Stadt Frankfurt für die Sanierung oder Erneuerung der „Doppelanlage“ für Oper und Schauspiel am Willy-Brandt-Platz in jedem Fall eine knappe Milliarde wird investieren müssen, beschäftigt das Thema Neubau oder Sanierung Theaterleute, Theaterwissenschaftler, Architektinnen, Architekturtheoretiker, Denkmalschützerinnen und Stadtplaner – und darüber hinaus die Stadtöffentlichkeit. Nachdem anfangs die Zeichen auf Sanierung des derzeitigen, in mehreren Bauphasen entstandenen Gebäudes deuteten, schien Ende Januar 2020 festzustehen, dass neu gebaut werden soll: Bei geringeren Kosten, so die Argumentation der städtischen Kulturpolitik, können neue Gebäude für das Theater des 21. Jahrhunderts gebaut werden, die auch neue städtebauliche Lösungen erlauben.

Doch gegen diese Argumentation wurde Kritik laut: Sollte vor der Entscheidung über neue Bauten, ja selbst vor dem Ende der Debatte über Sanierung oder Neubau nicht genauer definiert werden, welche Art Theater die Stadt in Zukunft will – für wen, in welcher Form, mit welchen Akteurinnen und Akteuren, in welcher Art von Architektur? Darf die Stadt ein Gebäude, in dessen Räumen sich knapp 120 Jahre Geschichte überlagern, einfach abreißen? Wurden Belange des Denkmalschutzes, speziell in Bezug auf das zu Beginn der 1960er-Jahre erbaute „Wolkenfoyer“, angemessen berücksichtigt? Hat die Stadt nicht allen Grund, die Nachkriegsarchitektur der „zweiten Moderne“, zu der das Haus zählt, stärker zu würdigen? Und wurde die notwendige grundlegende Diskussion über das subventionierte Staatstheater der Zukunft überhaupt schon geführt?

Weitere Informationen
Lena Holbein
Wissenschaftliche Koordination LOEWE Schwerpunkt „Architekturen des Ordnens“
Kunstgeschichtliches Institut
Goethe-Universität
069-798-28705
holbein@kunst.uni-frankfurt.de
https://architecturesoforder.org

 

Feb 12 2021
12:20

Netzwerkforscher Christian Stegbauer spricht im neuen UniReport über die „Gesellschaft im Zeichen des Virus“ 

Corona - auch ein Indikator für Ungleichheit

FRANKFURT. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden weitreichende gesellschaftliche Folgen haben. Apl. Prof. Christian Stegbauer, Soziologe und Netzwerkforscher an der Goethe-Universität, hat zusammen mit seiner Kollegin Prof. Iris Clemens (Universität Bayreuth) das Buch „Corona-Netzwerke – Gesellschaft im Zeichen des Virus“ herausgegeben. Gemeinsam mit zahlreichen Fachkolleg*innen untersucht Stegbauer die Folgen der Krise für Alltag, Kultur, Wirtschaft, Gesundheit und Politik. In der aktuellen Ausgabe des UniReport erläutert Christian Stegbauer die spezifischen Potenziale der Netzwerkforschung, das Auftreten des Virus und die Maßnahmen zur Eindämmung zu untersuchen: „Das Virus verbreitet sich entlang der Strukturen sozialer Beziehungen und das ist das, womit sich die Netzwerkforschung beschäftigt.“

Ein wichtiger Aspekt der Diskussion um die Corona-Maßnahmen ist die Verschärfung der Ungleichheit: Während sich die angestellte Mittelschicht in ein relatives sicheres Home-Office zurückziehen könne, seien Arbeiter auf dem Bau, in den Schlachthöfen oder der Landwirtschaft der Gefahr einer Infizierung in viel höherem Maße ausgesetzt: „Diese neue Ungleichheitsdimension könnte man als den Grad der Netzwerkautonomie bezeichnen – inwiefern man selbst über Kontakte und deren Reduzierung bestimmen kann“, erklärt Stegbauer im Interview mit dem UniReport. Weitere Themen im Sammelband sind das sogenannte „Hamstern“, Digitales Lernen in der Krise und die Folgen der Corona-Maßnahmen für Geflüchtete in Deutschland.

Die ersten Wochen im neuen Amt: Im Gespräch mit dem UniReport spricht der neue Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff unter anderem über seine ersten Erfahrungen und die nächsten Ziele, über Digitalisierung und Internationalisierung sowie über die anstehende Wahl der Vizepräsident*innen.

Einige der weiteren Beiträge im aktuellen UniReport befassen sich mit der Corona-Pandemie aus pharmazeutischer, soziologischer und didaktischer Sicht:

  • mRNA-Impfstoffe können mehr: Corona-Vakzin-Entwickler und BioNTech-Gründer Uğur Şahin stellte seine Krebsforschung in einer Online-Lecture an der Goethe-Universität vor.
  • „Wir können die Impfskepsis nicht nachvollziehen“: die Pharmazeuten Theo Dingermann und Manfred Schubert-Zsilavecz über die Corona-Impfstoffe und mögliche Nebenwirkungen.
  • Lehre in Zeiten von Corona: Die Didaktik der Biowissenschaften hat sich einiges einfallen lassen, um eine hohe Lehrqualität auch in Zeiten der Pandemie zu gewährleisten.
  • Herausforderungen Europas diesseits und jenseits von Corona: Die Politikwissenschaftlerin Astrid von Busekist ist die neue Alfred-Grosser-Professorin.
  • Studienfinanzierung in Zeiten von Corona: ein Überblick über Darlehen und Kredite.
  • Biologische Vielfalt – Vielfalt in der Forschung: Klement Tockner ist der neue Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
  • Was wollen die Parteien in meiner Kommune? Der Politikwissenschaftler Thomas Zittel über das Projekt „Kommunalwahlkompass“ zur Hessischen Kommunalwahl 2021.
  • Namensänderung des Instituts: Thomas Duve, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, erläutert die Hintergründe.
  • Von der Sekunde zum Weltrekord: Seit der Erfindung der ersten Uhren wird die Zeit immer präziser gemessen, jetzt sind Physiker bei Zeptosekunden angekommen.
  • Zwischen Museum und Hörsaal: Die Curatorial Studies feiern zehnjähriges Jubiläum.
  • Das Mittelalter war gar nicht so finster: die Historikerin Dorothea Weltecke im Porträt.
  • Lichtkunst in Frankfurt: ein Nightwalk als Projekt praxisrelevanter Lehre.
  • Freier Zugang: befristet - ein Gespräch über die Folgen des Brexit für Auslandsstudium und Forschungsaufenthalte auf den britischen Inseln mit Jörn Weingärtner vom International Office.
  • Erziehung nach Auschwitz – revisited: Neuer Band der Reihe Frankfurter Beiträge zur Erziehungswissenschaft nimmt Adornos berühmten Radioessay als Ausgangs- und Bezugspunkt für vielfältige Interpretationen und Gegenwartsanalysen.
  • „Wir wollen etwas, das besser ist als das, was wir für normal hielten“: Rückblick auf eine virtuelle Lesung mit der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy.
  • Handelsreisende zwischen Kaukasus und Zentralasien: Die Ethnologin Susanne Fehlings untersucht den informellen ökonomischen Austausch nach dem Niedergang der Sowjetunion.
  • Der Film im Reich der Daten: neue Methoden zur Erforschung der Film- und Kinokultur.

Der UniReport 1/2021 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe.  

 

Feb 10 2021
14:34

Forscher aus Frankfurt und Grenoble beobachten im Ribosomentunnel erstmals Disulfidbrücken-Bildung bei Gamma-B-Kristallin

Wie die 3D-Struktur von Proteinen der Augenlinse entsteht

Chemische Bindungen innerhalb des Augenlinsen-Proteins Gamma-B-Kristallin halten das Protein zusammen und sind deshalb wichtig für die Funktion des Eiweißes in der Linse. Entgegen bisheriger Annahmen entstehen bestimmte dieser Bindungen, sogenannte Disulfidbrücken, bereits parallel zur Synthese des Proteins in der Zelle. Dies haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt, des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Biophysik und des französischen Institute de Biologie Structurale in Grenoble herausgefunden.

FRANKFURT. Die Linse des menschlichen Auges erhält ihre Transparenz und Brechkraft dadurch, dass in ihren Zellen bestimmte Proteine dicht gepackt sind. In der Hauptsache handelt es sich dabei um Kristalline. Kann diese dichte Packung zum Beispiel durch erblich bedingte Veränderungen in den Kristallinen nicht aufrechterhalten werden, sind Linsentrübungen die Folge, sogenannte Katarakte („Grauer Star“), die weltweit die häufigste Ursache für den Verlust des Sehvermögens darstellen.

Damit Kristalline in den Linsenfaserzellen dicht gepackt werden können, müssen sie stabil und richtig gefaltet werden. Die Proteinfaltung beginnt bereits während der Biosynthese von Proteinen in den Ribosomen, großen Eiweißkomplexen. Ribosomen helfen dabei, den genetischen Code in eine Abfolge von Aminosäuren zu übersetzen. Dabei bilden Ribosomen einen schützenden Tunnel um die neue Aminosäurekette, die gleich nach der Entstehung dreidimensionale Strukturen mit verschiedenen Elementen wie Helices oder gefalteten Strukturen annimmt. Die in Frankfurt und Grenoble untersuchten Gamma-B-Kristalline weisen darüber hinaus noch viele Verbindungen zwischen je zwei schwefelhaltigen Aminosäuren auf, so genannte Disulfidbrücken.

Die Herstellung solcher Disulfidbrücken ist für die Zelle nicht ganz einfach, herrschen doch im Zellmilieu biochemische Bedingungen, die solche Disulfidbrücken verhindern oder auflösen. Im fertigen Gamma-B-Kristallin-Protein werden die Disulfidbrücken daher durch andere Teile des Proteins nach außen abgeschirmt. Solange das Protein allerdings im Entstehen ist, ist das noch nicht möglich.

Doch weil der Ribosomentunnel als zu eng galt, nahm man – auch aufgrund von anderen Studien – an, dass die Disulfidbrücken der Gamma-B-Kristalline erst nach der Fertigstellung der Proteine entstehen. Zur Prüfung dieser Annahme nutzten die Forscher aus Frankfurt und Grenoble genetisch veränderte Bakterienzellen als Modellsystem, stoppten die Synthese der Gamma-B-Kristalline zu verschiedenen Zeitpunkten und untersuchten die Zwischenprodukte mit massenspektrometrischen, kernspinresonanzspektroskopischen und elektronenmikroskopischen Methoden, ergänzt um theoretische Simulationsrechnungen. Das Ergebnis: Die Disulfidbrücken entstehen bereits am noch nicht fertigen Protein während der Synthese der Aminosäurekette.

„Wir konnten damit zeigen, dass Disulfidbrücken bereits im Ribosomentunnel entstehen können, der genügend Raum dafür bietet und die Disulfidbrücken gegen das zelluläre Milieu abschirmt“ sagt Prof. Harald Schwalbe vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität. „Überraschenderweise handelt es sich jedoch nicht um dieselben Disulfidbrücken, die später im fertigen Gamma-B-Kristallin vorhanden sind. Wir schließen daraus, dass zumindest einige der Disulfidbrücken später wieder aufgelöst und anders geknüpft werden. Der Grund dafür liegt wahrscheinlich im optimalen Timing der Proteinherstellung: Die ‚vorläufigen' Disulfidbrücken beschleunigen die Bildung der ‚finalen' Disulfidbrücken, wenn das Gamma-B-Kristallin vom Ribosom freigesetzt wird.“

In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun testen, ob die Syntheseprozesse in den leicht unterschiedlichen Ribosomen höherer Zellen ähnlich wie im bakteriellen Modellsystem ablaufen.

Publikation: Linda Schulte, Jiafei Mao, Julian Reitz, Sridhar Sreeramulu, Denis Kudlinzki, Victor-Valentin Hodirnau, Jakob Meier-Credo, Krishna Saxena, Florian Buhr, Julian D. Langer, Martin Blackledge, Achilleas S. Frangakis, Clemens Glaubitz, Harald Schwalbe: Cysteine oxidation and disulfide formation in the ribosomal exit tunnel. Nature Communications https://doi.org/10.1038/s41467-020-19372-x

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Center for Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ)
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +496979829137
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de
http://schwalbe.org.chemie.uni-frankfurt.de/