​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2022
13:46

Bürger-Universität: Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, spricht über nachhaltigen Umgang mit der Natur

Mit der Natur, nicht gegen sie 

FRANKFURT. Hochwasser, Hitzewellen, Waldbrände – dies sind nicht unbedingt Naturkatastrophen; es sind menschengemachte Folgen davon, dass der Mensch die Natur zu seinem größtmöglichen Nutzen hin verändert. Zur Lösung werden wiederum großtechnische Maßnahmen aufgefahren: Flüsse werden umgelenkt, Dämme gebaut, das Meer entsalzt. Doch wie sehen nachhaltige Lösungen aus, die mit der Natur denken und nicht gegen sie? Wie kann Natur als wertvoller Lebensraum erhalten und für Menschen nachhaltig genutzt werden?

Diesen Fragen widmet sich Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor für Ökosystemwissenschaften an der Goethe Universität Frankfurt, in seinem Vortrag

„Die Domestizierung der Natur“
am 17. Mai 2022,
15:00 – 16:30 Uhr,
im Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, Arthur von Weinberg-Haus, Grüner Hörsaal, 1.OG, Robert-Mayer-Str. 2, 60325 Frankfurt am Main.

Anmeldung über folgende Mailadresse: generaldirektion@senckenberg.de

Der Vortrag findet statt im Rahmen der Bürger-Universität. Ziel des von der Goethe-Universität zusammengestellten und organisierten Programms ist, den Dialog zwischen Wissenschaftler:innen und Bürger:innen zu fördern. Das Programm der Bürger-Universität ist auf der Webseite der Goethe-Universität einsehbar unter: http://www.buerger.uni-frankfurt.de/

Information:
Senckenberg Pressestelle, Judith Jördens, Tel. 069 75421434, pressestelle@senckenberg.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & und Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 6 2022
11:21

Baker McKenzie-Preis 2021 geht an Dr. Lara Maria Panosch

Ausgezeichnet: Doktorarbeit zum Menschenrecht auf die Ressource Wasser im Verhältnis zum Investitionsrecht

Der Baker McKenzie-Preis 2021 geht an eine Arbeit aus dem Bereich Völkerrecht: Dr. Lara Maria Panosch hat sich mit Fragen rund um das Menschenrecht auf Wasser beschäftigt. Die Anwaltssozietät Baker McKenzie zeichnet seit 1988 herausragende rechtswissenschaftliche Arbeiten aus. 

FRANKFURT. „Das Menschenrecht auf Wasser und internationales Investitionsrecht“ - so lautet der Titel der Arbeit, die Dr. Lara Maria Panosch als Dissertation am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität verfasst hat. Die völkerrechtliche Untersuchung ist in diesem Jahr vom Auswahlgremium als herausragend und preiswürdig ausgewählt worden. Seit 1988 vergibt die Anwaltssozietät Baker McKenzie den mit 6.000 Euro dotierten Preis für herausragende Dissertationen oder Habilitationen, die im Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität entstanden sind.

„Schon bald nach dem Aufstieg des Internationalen Investitionsrechts zu einem der am schnellsten expandierenden Bereiche des internationalen Rechts wurde immer öfter die Frage nach seinem Verhältnis zu den Menschenrechten gestellt“, sagt Prof. Dr. Dr. Rainer Hofmann, der an der Goethe-Universität Öffentliches Recht mit Schwerpunkt im Völkerrecht lehrt und die Arbeit betreut hat.  In dieser Arbeit hat Dr. Lara Maria Panosch untersucht, inwiefern einem Menschenrecht auf Wasser im Rahmen des Investitionsschutzrechts Rechnung getragen werden kann. „Die Arbeit ist ein Versuch, den Konflikt zwischen den Anliegen des Investitionsschutzrechts und den Bedürfnissen des Menschenrechtsrechtsschutzes angemessen auszugleichen. Sie ist ein überzeugendes Plädoyer für die Ansicht, dass diese beiden Rechtsgebiete miteinander in Einklang gebracht werden können“, fasst Hofmann zusammen.

„Es ist uns ein zentrales Anliegen, Nachwuchsjuristinnen und -juristen zu fördern. Der Baker McKenzie-Preis bildet seit mehr als drei Dekaden einen wesentlichen Bestandteil unserer Nachwuchsförderung", sagt Baker McKenzie-Partner Prof. Dr. Joachim Scherer, der selbst Alumnus der Goethe-Universität ist und seit 1995 als apl. Professor für Öffentliches Recht in der Lehre tätig ist.

Über Baker McKenzie
Als eine der führenden deutschen Anwaltskanzleien berät Baker McKenzie nationale und internationale Unternehmen und Institutionen auf allen Gebieten des Wirtschaftsrechts. In mehr als 70 Büros weltweit arbeitet die Kanzlei mit Mandanten zusammen, um Lösungen für eine vernetzte Welt zu bieten.
In Deutschland vertreten rund 200 Anwältinnen und Anwälte an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main und München mit ausgewiesener fachlicher Expertise und internationaler Erfahrung die Interessen ihrer Mandanten.

Ein Bild der Preisträgerin finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/118264160

Bildtext: Dr. Lara Maria Panosch wird für ihre rechtswissenschaftliche Dissertation mit dem Baker McKenzie-Preis 2021 ausgezeichnet. (Foto: privat)

Informationen:
Iris Meinking
Senior Manager
HR Communications
Telefon 069 29908322
E-Mail iris.meinking@bakermckenzie.com


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 3 2022
10:41

Deitelhoff und Friedman diskutieren im „StreitClub“ über ein aktuelles Debattenthema – Als Gäste geladen: Armin Nassehi und Roger Köppel

„Wie viel Identität verträgt die Demokratie?“

FRANKFURT. Die Veranstaltungsreihe „StreitClub“ wird fortgesetzt. Nicole Deitelhoff, Professorin für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität und Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt, lädt gemeinsam mit dem Publizisten und Moderator Michel Friedman

am Montag, 9. Mai, um 19:30 Uhr
im The English Theatre Frankfurt,
Gallusanlage 7
60329 Frankfurt am Main

zum Streitgespräch ein. Zu Gast sind diesmal der Soziologe Armin Nassehi und der Journalist Roger Köppel. Sie stellen sich einem weiteren aktuellen Streitthema: „Wie viel Identität verträgt die Demokratie?“

Als die 1968er-Generation über Identität sprach, ging es noch um das Abstreifen alter Identitäten, das Experimentieren mit neuen Identitäten und um Rollenerwartungen. Die heutige Diskussion um Identität hat eine andere Ausrichtung: Identität ist zum Schutzwall einerseits und zur Waffe in der politischen Auseinandersetzung andererseits geworden. In der Frage, wer wen repräsentieren kann oder darf und wer wem etwas schuldet, treffen auf den ersten Blick nahezu unvereinbare Ansprüche aufeinander. Verträgt das die Demokratie? Muss sie das sogar ertragen und wenn ja, wie viel davon?

Prof. Dr. Armin Nassehi lehrt Soziologie in München. Aufgewachsen in Tübingen, München, Landshut, Teheran und Gelsenkirchen, studierte von 1979 bis 1985 Erziehungswissenschaften, Philosophie und Soziologie an der Universität Münster sowie an der Fernuniversität in Hagen. Für seine Rolle als Wissenschaftler in der Öffentlichkeit wurde er mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Er ist u.a. Mitglied im Bayerischen Ethikrat. Der Schweizer Roger Köppel ist Journalist, Medienunternehmer, Publizist und Politiker. Seit 2001 ist er Chefredaktor und Verleger des Wochenmagazins „Die Weltwoche“, mit einem zweieinhalbjährigen Intermezzo als Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“. Seit 2015 ist Köppel Mitglied im Schweizer Nationalrat.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), dem Center for Applied European Studies (CAES) und dem English Theatre Frankfurt (ETF). Sie findet im Hybridformat statt. Der Livestream ist auf YouTube abrufbar, den Link finden Sie auf der Homepage des StreitClubs unter https://cutt.ly/streitclub.

Der StreitClub ist ebenso wie die Formate „StreitBus“ (in Kooperation mit dem DemokratieWagen von mehralswählen e.V. und dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) und die Online-Debattenreihe „Kontrovers: Aus dem FGZ“ Teil des Projekts „Frankfurt streitet!“ des Frankfurter FGZ-Standorts. Dabei geht es um die Bedeutung von Streitkultur für die Demokratie. Tickets für den StreitClub sind für 12 bzw. 10 Euro über das English Theatre Frankfurt erhältlich, Pressekarten bei Katja Maasch, maasch@em.uni-frankfurt.de.

Das Veranstaltungsplakat und Porträtfotos von Armin Nassehi und Roger Köppel zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/118435305


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Apr 28 2022
10:23

Der Goethe-Unibator/Innovectis prämiert mit Unterstützung von Santander Universitäten Start-ups, die mit ihren Dienstleistungen und Produkten zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Grünes Düngemittel, nachhaltige Lieferketten und ökologische Softwarelösungen

FRANKFURT. Am 21. April 2022 fand zum ersten Mal die Preisverleihung des Goethe SDG (=Sustainable Development Goals) Contests statt, bei der fünf Teams mit zukunftsweisenden und nachhaltigen Gründungsideen ausgezeichnet wurden. Der erste Platz ging an das Team von NUNOS, der zweite Platz an Cybery und der dritte Platz an SURAP. Die drei Teams haben Geldpreise in Höhe von jeweils 5.000, 3.000 und 2.000 Euro und eine Teilnahme am Unibator Startup Programm für drei Monate gewonnen. Außerdem erhielten zwei weitere Finalisten einen Geldpreis in Höhe von 1000 Euro und ebenfalls eine Teilnahme am Unibator Startup Programm für drei Monate.

Prof. Michael Huth, Vizepräsident der Goethe-Universität, begrüßte die fünf Finalisten des Nachhaltigkeitswettbewerbs für Gründungsideen sowie das zahlreich erschienene Publikum. Jedes Team hatte fünf Minuten Zeit, um dem Publikum seine Idee und die Innovation dahinter darzulegen und die dreiköpfige Jury (Vizepräsident Prof. Michael Huth, Alberto Dörr, Santander Universitäten und Dr. Dania Hückmann) von sich zu überzeugen.

Für den Wettbewerb hatten sich zuvor 64 Gründungsteams aus 22 verschiedenen Hochschulen beworben. Die Voraussetzungen für die Teilnahme am SDG Contest waren, dass mindestens ein Mitglied des Gründerteams in den vergangenen fünf Jahren an einer Universität oder Hochschule studiert hatte und dass das Projekt die Erreichung mindestens eines der 17 SDGs der Vereinten Nationen unterstützt.

Für die Vorrunde hatten sich 12 Startups qualifiziert und an einem Bootcamp teilgenommen. Die Teams arbeiteten während des Bootcamps mit Experten an der Weiterentwicklung ihres Gründungsvorhabens. Am letzten Tag des Bootcamps fand ein Qualifizierungspitch statt, bei dem sich die fünf Finalisten: Cybery, Niocycle, Nunos, Surap und Veynou durchsetzen konnten.

Nach den dreiminütigen Vorstellungen der Geschäftsideen gab Dr. Martin Raditsch, Geschäftsführer der Innovectis GmbH, einen Überblick über das Gründungskonzept der Goethe-Universität und ihrer Transfer-Tochtergesellschaft Innovectis sowie über das Angebot für potentielle Gründer an der Universität. „Wir freuen uns sehr über die überregionale Resonanz, die unser erster Nachhaltigkeits-Wettbewerb erzeugt hat. Die hohe Qualität der Bewerbungen zeigt, dass das die junge Gründerszene an den Universitäten und Hochschulen intensiv die Themen Nachhaltigkeit und Innovation zukunftsweisend verknüpft“, betonte Raditsch.

Andrés Felipe Macias, Leiter des Innovectis-Unibators, ergänzte: „Gerade in der aktuellen Zeit stimmt es mich optimistisch, dass es so viele junge Menschen gibt, die an Ideen arbeiten, die unsere Welt und unsere Zukunft besser machen können. Damit haben nicht nur diese fünf Startups etwas gewonnen, sondern mit ihren Innovationen, Elan und harter Arbeit wir alle.“

Die Finalisten des Goethe SDG Contests:

NUNOS nutzt eine Raumfahrttechnologie, um Rindergülle zu einem höherwertigen, grünen Düngemittel aufzubereiten. Landwirte können damit teure Industriedünger einsparen und regionale Nährstoffkreisläufe etablieren.

Cybery: Lieferketten werden immer komplexer. Gleichzeitig gewinnt Nachhaltigkeit in allen Lebens- und Unternehmensbereichen an Bedeutung. Cybery ist darauf spezialisiert, Lieferketten robust, transparent und insbesondere nachhaltig zu gestalten. Dabei ermöglichen datengetriebene Analysen und maschinelles Lernen in Cybery's Software-Lösung, die Lieferketten von Unternehmen zukunftsfähig auszurichten. Mit dem Slogan "Technology for Sustainability" steht Cybery für einen technologiebasierten Ansatz, Nachhaltigkeit in Lieferketten zu implementieren.

SURAP steht für Sustainable Resource Application und ist eine Softwarelösung zur ökologischen Bewertung von Bauprojekten mit Hilfe einer Ökobilanz. Mit SURAP sind die Planenden in der Lage die Klima- und Ressourcenfußabdrücke von Bauteilen und Gebäuden selbst zu berechnen und zu optimieren.

Niocycle hat es sich zur Aufgabe gemacht unsere Transformation in eine neue Mobilität *wirklich* nachhaltig zu machen, wobei sie Lithium Ionen Batterien mit einem neuen Recyclingansatz in eine Circular Economy überführen möchten.

Veynou: Diamantschmuck neu gedacht. Geschaffen für die Ewigkeit, ohne Kompromisse. Dahinter steht die Vision von Paulina Kurka, Cem Dogan und Philip Deml eine ethisch und ökologisch nachhaltige globale Schmuckmarke mit laborgezüchteten Diamanten und recyceltem Gold aufzubauen, die die herkömmliche Schmuckindustrie innovativ neu gestalten wird. Getreu dem Motto “Diamonds are forever, mining is not".

Der Unibator ist das Innovectis-Gründungszentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Betrieben wird es von Innovectis, der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Goethe-Universität. Es bietet allen Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Alumni tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung ihres Gründungsvorhabens an und dient dabei als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Kontakt:
Andrés Felipe Macias, Leiter des Gründungszentrums der Goethe-Universität Frankfurt.  
Tel.:(069) 380784912 I E-Mail: felipe.macias@innovectis.de; https://goetheunibator.de/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Apr 28 2022
10:08

Spezialistin für Cybersicherheit eröffnet Vorlesungsreihe zu Unsicherheit und Risiken von Algorithmen an der Goethe-Universität

Wie Algorithmen Entscheidungen treffen

FRANKFURT. Wie Individuen und Gruppen sich zukünftig verhalten, war lange Zeit geprägt von rechtlichen und institutionellen Vorgaben und individuellen Erfahrungen. Seit der sogenannten „algorithmischen Wende“ jedoch werden individuelles und Gruppenverhalten konsequent in großem Stil ausgewertet und Zukunft auf Basis von Wahrscheinlichkeiten und Statistiken gestaltet. Damit wird Zukunft vorhersehbarer; sie wird aber auch anfälliger für Ereignisse, die von solchen Vorhersagen nicht erfasst werden – zum Beispiel, weil sie zu selten auftreten oder durch Zufälle bedingt sind. Gleichzeitig ändert sich die Kontrolle (rechtlicher) Entscheidungen, denn sie muss nun die Entscheidungsfindung stärker im Blick haben.

Die virtuelle Ringvorlesung „Algorithms, Uncertainty and Risk" greift dieses Thema auf; sie wird eröffnet durch den Vortrag von Prof. Dr. Haya Shulman, Spezialistin für Cybersicherheit und seit dem 1. März 2022 Inhaberin der LOEWE-Spitzen-Professur am Institut für Informatik der Goethe-Universität:

State of cybersecurity and overview of the challenges for Germany
am 4. Mai 2022
um 18.00 Uhr.

Die Ringvorlesung wird veranstaltet von Prof. Christoph Burchard und Prof. Indra Spiecker genannt Döhmann von der Forschungsinitiative „ConTrust“ am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ und den Frankfurter Gesprächen zum Informationsrecht des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Informationsrecht und Verwaltungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Die Veranstaltungstermine online via Zoom im Einzelnen:

Mittwoch, 4. Mai 2022, 18.00 Uhr
State of cybersecurity and overview of the challenges for Germany
Prof. Dr. Haya Shulman
(Goethe-Universität Frankfurt, Professorin für Informatik)

Mittwoch, 18. Mai 2022, 18.00 Uhr
Die Sicherheit der Zukunft – Künstliche Intelligenz und soziale Kontrolle
Prof. Dr. Tobias Singelnstein
(Ruhr Universität Bochum, Professor für Kriminologie)

Montag, 30. Mai 2022, 18.00 Uhr
Automating the Preconditions of Judgment?
Prof. Kiel Brennan-Marquez
(UConn School of Law, Associate Professor of Law)

Montag, 13. Juni 2022, 18.00 Uhr
What – if? The cunning of uncertainty meets predictive algorithms
Prof. em. Dr. Helga Nowotny
(ETH Zürich, Professorin em. für Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsforschung)

Dienstag, 14. Juni 2022, 18.00 Uhr
Herrschaft und Wissen im medialen Wandel
Prof. Dr. Gunnar Folke Schuppert
(Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Professor em. für Staats- und Verwaltungswissenschaft)

Montag, 20. Juni 2022, 18.00 Uhr
Subjekt und Bildung - zu Formen der Ungewissheit in postdigitalen Welten
Prof. Dr. Juliane Engel
(Goethe-Universität Frankfurt, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Unterricht)

Dienstag, 21. Juni 2022, 18.00 Uhr
Ein formaler Rahmen für eine einheitliche quantitative Beschreibung des Risikos bezüglich Safety und Security
Prof. Dr. Jürgen Beyerer
(Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Professor für Interaktive Echtzeitsysteme)

Die Vortragsreihe setzt die Ringvorlesungen zu „Algorithmen und die Transformation von Demokratie“, „Machtverschiebungen durch Algorithmen“ und „Algorithmen zwischen Vertrauen und Kontrolle“ fort.

Eine Anmeldung an office@normativeorders.net ist erforderlich. Die Logindaten werden nach Anmeldung übermittelt.

Weitere Informationen unter: https://contrust.uni-frankfurt.de/algorithms-uncertainty-and-risk/

Weitere Informationen
Anke Harms
Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main
069/798-31407
anke.harms@normativeorders.net
www.normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Apr 27 2022
12:59

Die Cornelia Goethe Colloquien beschäftigen sich im Sommersemester mit ‚schlechten‘ Gefühlen und ihren vergeschlechtlichen Bedeutungen. 

Ärger, Hass, Wut, Neid – Zum widersprüchlichen Verhältnis von Geschlecht und bad feelings

FRANKFURT. Gefühle sind spürbares Produkt und körperlicher Ausdruck sozialer Macht- und Geschlechterverhältnisse. Sie sind mit normativen Erwartungen und moralischen Zuschreibungen verknüpft. Menschen erleben Gefühle je für sich und dennoch sind Gefühle keine Privatsache. Sie werden von kulturellen Diskursen mitgestaltet und hervorgebracht.

Im Mittelpunkt der Cornelia Goethe Colloquien in diesem Sommersemester stehen diese so genannten ‚schlechten' Gefühle –  bad feelings. In sieben Vorträgen befragen die Colloquien bad feelings. Zur Ambivalenz von Geschlecht und Gefühl aus sozial- und geschlechtertheoretischer Perspektive.

Eröffnet werden die Colloquien mit dem Vortrag

„Bad Boys. Affektive Männlichkeit und Hooliganismus.“
am Mittwoch, 4. Mai, um 18 Uhr c.t.
im PEG-Gebäude, PEG 1.G191,
Theodor-W.-Adorno-Platz 6, 60323 Frankfurt am Main,

von Stefan Wellgraf. Der Vortrag hinterfragt gängige kulturelle Zuschreibungen von ‚Hooligans' und den gegenwärtigen, emotional aufgeladenen Umgang mit ihnen. Entlang seiner ethnografischen Forschungen zu ostdeutschen Fankulturen befasst sich der Vortrag mit den Selbstbildern der als ‚Hooligans' markierten Akteure.

Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse lädt in Kooperation mit dem GRADE Center Gender, dem Fachbereich Erziehungswissenschaften und dem Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität zu dieser öffentlichen Veranstaltung ein. Der Eintritt ist frei.

Weitere Termine:

04.05.2022
Bad Boys. Affektive Männlichkeit und Hooliganismus.
Stefan Wellgraf

11.05.2022
Kränkung. Zur Dynamik von Unrechts- und Aggressionsgefühlen in Geschlechterverhältnissen.
Hilge Landweer

18.05.2022
Paraphilien. Versuch einer Orientierung aus sexualethischer Sicht.
Gerhard Schreiber

01.06.2022
Bad Feelings in Contemporary American Fiction.
Christine Vogt-William

08.06.2022
Wann und warum und für wen ist Neugier ein schlechtes Gefühl?
Ute Frevert

29.06.2022
Feeling apocalyptic: Über ein letztes Gefühl im Angesicht von Klimakatastrophe und Pandemie.
Christine Hentschel

06.07.2022
Zum ambivalenten Gefühl der Scham. Ungleichheitstheoretische Zugänge.
Veronika Magyar-Haas

Detaillierte Informationen zum Programm: http://www.cgc.uni-frankfurt.de/en/news-and-events/cornelia-goethe-colloquien/  

Weitere Informationen:
Amanda Glanert, Cornelia Goethe Centrum, Telefon: 069/798-36502, Mail: glanert@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 27 2022
11:24

Physik-Nobelpreisträger Reinhard Genzel über Schwarze Löcher

Vortrag: Im Zentrum unserer Milchstraße (Präsenzveranstaltung + Livestream)

FRANKFURT. In den letzten 50 Jahren haben sich die Indizien gehäuft, dass in den Zentren von Galaxien massive Schwarze Löcher sitzen, die durch das Zusammenballen von Gas und Sternen Gravitationsenergie in Strahlung umwandeln. Durch hochauflösende Messungen im Infrarot- und Radiobereich ist es Prof. Reinhard Genzel im Zentrum unserer eigenen Milchstraße gelungen, einen überzeugenden Beweis für ein Schwarzes Loch zu liefern und neue unerwartete Entdeckungen über seine unmittelbare Umgebung zu machen. Dabei ist klargeworden, dass die meisten Galaxien massive Schwarze Löcher beherbergen und dass diese bereits etwa eine Milliarde Jahre nach dem Urknall entstanden sein müssen. Für diese Erkenntnisse wurde Prof. Reinhard Genzel im Jahr 2020 der Nobelpreis für Physik verliehen.

Das Clusterprojekt ELEMENTS lädt ein, gemeinsam mit dem Nobelpreisträger Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik auf die Reise zu den Anfängen des Universums zu gehen und mehr über Schwarze Löcher und ihre unmittelbare Umgebung zu erfahren.

Mittwoch, 04.05.2022 um 19 Uhr
Empfang ab 18.30 Uhr
Casino Anbau West, Campus Westend
und Livestream

Für die Teilnahme an der Veranstaltung vor Ort ist eine Anmeldung erforderlich (https://tinygu.de/milchstrasse). Der Vortrag wird live auf dem YouTube-Kanal der Goethe Universität übertragen (https://www.youtube.com/GoetheUniversitaet).

Weitere Informationen:
Dr. Phyllis Mania
Referentin für Wissenschaftskommunikation
Clusterprojekt ELEMENTS
Tel 069 798-13001
mania@physik.uni-frankfurt.de
www.elements.science


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de  

 

Apr 26 2022
12:17

Drei ERC Advanced Grants und zwei ERC Starting Grants: Mehr als 10 Millionen Euro für ambitionierte Forschungsprojekte in den Lebens-, Geistes- und Sozialwissenschaften

Fünf Europäische ERC-Förderungen für Spitzenforschung an der Goethe-Universität

Für ihre visionären Forschungsvorhaben erhalten jetzt fünf Spitzenforscher:innen der Goethe-Universität für die kommenden fünf Jahre Fördergelder des Europäischen Forschungsrats (ERC). Mit einem ERC Advanced Grant forschen Prof. Ivan Đikić zur Membran-Feinstruktur von Zellen, Prof. Stefanie Dimmeler zu Alterungsprozessen im Herzen und Prof. Andreas Zeiher zur Genetik von Herzklappenerkrankungen. Einen ERC Starting Grant erhalten Prof. Mirco Göpfert zum Verhältnis von Humor und Politik und Prof. Lisbeth Zimmermann zur transnationalen Neuen Rechten. Stefanie Dimmeler und Ivan Đikić sind damit bereits zum dritten Mal in der Einwerbung eines ERC Grants erfolgreich.

FRANKFURT. Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, gratuliert den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: „Die Auszeichnung von gleich fünf brillanten Köpfen der Goethe-Universität in dem hoch kompetitiven Auswahlverfahren der ERC Grants zeigt die Stärke der Goethe-Universität, die durch die Exzellenz ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler getragen wird. Die vielversprechenden Forschungsprojekte, die jetzt eine langfristige Förderung durch die Europäische Union erhalten, sind in der Grundlagenforschung verwurzelt und an großen Zukunftsfragen unserer Gesellschaft orientiert und spiegeln die Breite der Forschung an der Goethe Universität wider.“

Die Europäischen Auszeichnungen unterstreichen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Goethe-Universität und verleihen auch den Forschungsverbünden Rückenwind, an denen die ERC-Grantees zum Teil gemeinsam beteiligt sind. Dies betrifft insbesondere den bereits von der DFG geförderten Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary Institute (CPI), geleitet von Stefanie Dimmeler als Sprecherin, in dem auch der weltweit renommierte Forscher Andreas Zeiher wirkt. Ebenso gehört das von Ivan Đikić als Sprecher verantwortete Projekt ENABLE dazu, das vom Hessischen Wissenschaftsministerium und der Goethe Universität in Vorbereitung der nächsten Runde der Exzellenzstrategie eine signifikante Anschubfinanzierung erhält.

„Besonders freuen wir uns darüber, dass Stefanie Dimmeler und Ivan Đikić bereits zum dritten Mal ERC-Grants einwerben und damit deutlich machen konnten, dass sich das Setzen hoher Ziele lohnt“, fügt Schleiff hinzu. „Die beiden ERC Starting Grants für Mirco Göpfert und Lisbeth Zimmermann – sie ist unter anderem Mitglied in dem aus der Exzellenzinitiative hervorgegangenen Forschungsverbund Normative Ordnungen und des vom Land Hessen und der Goethe-Universität geförderten Projekts ConTrust – zeigen, dass es uns auch gelingt, junge Spitzenforscherinnen und –forscher an die Goethe-Universität zu holen und unser Profil als eine in der Forschung exzellent aufgestellte Universität Deutschlands weiter zu schärfen.“

Die neuen ERC Grants für die Goethe-Universität:

ERC Advanced Grant „ER-REMODEL“
„Endoplasmic reticulum remodelling via ER-phagy pathways"
2,5 Millionen Euro, 2022 bis 2027

Prof. Dr. Ivan Đikić widmet sich in seinem ERC-Antrag einer Feinstruktur der Zelle, dem Endoplasmatischen Retikulum (ER). Das ER ist das größte Membransystem innerhalb von Zellen und nimmt sehr wichtige Funktionen bei der Synthese und dem Transport von zellulären Bestandteilen wahr. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, verändert das ER kontinuierlich und in sehr prägnanter Weise seine Form. Diese Prozesse sind äußerst dynamisch und bislang weitestgehend unerforscht – Đikić will nun seinen Grant nutzen, um die zugrundeliegenden, genau regulierten Mechanismen. Damit will er den Einfluss des ER auf neurodegenerative Erkrankungen, Krebs und Infektionen besser verstehen helfen.

Ivan Đikić ist Direktor des Instituts für Biochemie II an der Goethe-Universität Frankfurt und Max Planck Fellow am MPI für Biophysik in Frankfurt. Er ist Sprecher des BMBF-geförderten Zukunftsclusters PROXIDRUGS, des Projekts ENABLE und des Sonderforschungsbereichs 1177 zur selektiven Autophagie. Für seine biomedizinische Forschung wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem 2013 mit den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Er ist gewähltes Mitglied zahlreicher europäischer Fachgesellschaften und wurde außerdem in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen. Es ist bereits das dritte Mal, dass Ivan Đikić einen ERC Advanced Grant gewinnt.


ERC Advanced Grant „Neuroheart“
„The cardiac neurovascular interface in aging"
2,5 Millionen Euro, 2022 bis 2027

Prof. Dr. Stefanie Dimmeler untersucht die Reparaturmöglichkeiten und Regeneration im Gefäßsystem und im Herzen. Damit möchte sie langfristig dazu beitragen, die molekularen Mechanismen der Herz-Reparatur zu entschlüsseln, um die Heilung nach Herzinfarkt und Herzmuskelschwäche zu beschleunigen oder deren Auftreten zu vermeiden. Mit ihrem Grant will Dimmeler das Zusammenwirken von Nerven und Gefäßen im alternden Herzen untersuchen, das wahrscheinlich die Entwicklung altersbedingter Erkrankungen des Herzmuskels mit verursacht. Langfristig soll die Grundlage für die Entwicklung von Therapien gelegt werden, die zu einer gesunden Alterung des Herzens beitragen.

Stefanie Dimmeler ist Professorin für Molekulare Kardiologie und Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration der Goethe-Universität. Sie ist Sprecherin des durch die DFG geförderten Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary Institute (CPI), Vorstandssprecherin des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und war 2008 bis 2012 Mitglied des deutschen Ethikrats. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen – darunter jüngst die Otto-Warburg-Medaille der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie und die Goldmedaille der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie – hat sie für ihre Forschung über programmierten Zelltod 2005 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis erhalten. Es ist bereits das dritte Mal, dass Stefanie Dimmeler einen ERC Advanced Grant einwirbt.


ERC Advanced Grant „CHIP-AVS“
„Clonal hematopoesis of indeterminate potential and degenerative aortic valve stenosis"
2,2 Millionen Euro, 2022 bis 2027

Prof. Dr. Andreas M. Zeiher befasst sich im Schwerpunkt mit der Diagnostik und Therapie von Patienten mit koronarer Herzerkrankung und Herzinsuffizienz, einschließlich sämtlicher interventioneller Behandlungsverfahren. In seinem ERC-Projekt „CHIP-AVS“ wird Zeiher die Risikofaktoren für die häufigste erworbene Herzklappenerkrankung untersuchen, die degenerative Aortenklappenstenose. Bei dieser Krankheit ist das Klappengewebe verdickt und verkalkt. Dabei spielen offenbar Mutationen in weißen Blutzellen (Leukozyten) eine Rolle, die im Projekt genauer charakterisiert werden sollen. Ziele sind die Entdeckung prognostischer Biomarker sowie die Identifikation von Ansatzpunkten für mögliche Therapien.

Andreas M. Zeiher, Internist und Kardiologe, ist Professor für Innere Medizin/Kardiologie an der Goethe-Universität. Bis 2021 war er Direktor der Medizinischen Klinik III – Kardiologie/Angiologie/Nephrologie des Universitätsklinikums Frankfurt, seit 2021 bekleidet er eine Distinguished Professorship an der Goethe-Universität. Seit 2015 gehört Zeiher zu den weltweit meistzitierten klinischen Forschern und erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen. Er war Mitbegründer und Sprecher des Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary System und ist im Lenkungsausschuss des nachfolgenden Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary Institute (CPI) aktiv. Seit 2011 ist Zeiher Standort-Sprecher Rhein-Main des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).


ERC Starting Grant „NoJoke“
„Humour as an epistemic practice of the political present"
1,9 Millionen Euro, 2022 bis 2027

Die bisherigen Forschungsinteressen von Prof. Dr. Mirco Göpfert kreisen um die Frage des Politischen. Zu seinen Schwerpunkten zählen Bürokratie, Gewalt, Verbrechen und Strafen sowie die Verknüpfung von Macht und Ästhetik anhand der Praxis des Komischen. Sein Forschungsprojekt „NoJoke“ reagiert auf eine politische Gegenwart, in der es immer schwerer wird, das Ernste vom Lächerlichen, die Parodie vom Aufrichtigen, das Wirkliche vom Fake zu unterscheiden. Im Projekt wird er untersuchen, wie die Praxis des Karikierens, der Satire und der Comedy zum Verständnis dieser mit Dissonanzen durchsetzten politischen Gegenwart beiträgt und inwieweit das Erkenntnispotenzial von Komik für die Wissenschaft selbst fruchtbar gemacht werden kann.

Mirco Göpfert ist Professor für Ethnologie am Institut für Ethnologie der Goethe-Universität. Nach seiner Promotion im Fach Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Jahr 2014 lehrte er am Fachbereich Geschichte und Soziologie der Universität Konstanz, bevor er im Jahr 2018 den Ruf an die Goethe-Universität erhielt.


ERC Starting Grant “FARRIO"
„The Effects of Far Right Challenges on International Organizations"
1,5 Millionen Euro, 2022 bis 2027

Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann liegen in den Bereichen aktueller Herausforderungen einer multilateralen Weltordnung, Internationaler Organisationen, Normen in den internationalen Beziehungen, Demokratie- und Rechtstaatlichkeitsförderung sowie Peacebuilding. Ihr Forschungsprojekt FARRIO ist dem Erstarken der Neuen Rechten in der internationalen Politik gewidmet. Die Politologin wird darin untersuchen, welche Effekte transnationale Aktivitäten der Neuen Rechten auf die Europäische Union, die Vereinten Nationen sowie ihre Unterorganisationen in verschiedenen Politikbereichen haben.

Lisbeth Zimmermann ist seit 2022 Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt internationale Institutionen und Friedensprozesse am Institut für Politikwissenschaft der Goethe-Universität und verstärkt hier zugleich die Forschungen im Kontext des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ und des Projekts ConTrust. Nach mehrjähriger Mitarbeit am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), deren assoziierte Wissenschaftlerin sie gegenwärtig ist, hatte sie seit 2018 eine Professur für Internationale Beziehungen an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen inne.


Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine von der Europäischen Kommission eingerichtete Institution zur Finanzierung grundlagenorientierter Forschung. Er besteht seit 2007 unter mehreren EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation. An seiner Spitze steht der Scientific Council, ein Gremium internationaler Spitzenwissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern, der für die strategische Ausrichtung des ERC verantwortlich ist.

Mit den ERC Advanced Grants fördert der ERC bahnbrechende Forschungsvorhaben von erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Für die Projekte erhalten sie bis zu 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. https://erc.europa.eu/funding/advanced-grants

ERC Starting Grants unterstützen exzellente Forscherinnen und Forscher, die sich in den ersten Jahren nach ihrer Promotion ein eigenes Forschungsteam aufbauen und sich mit einem viel versprechenden Forschungsprojekt wissenschaftlich etablieren wollen. Für die Projekte erhalten sie bis zu 1,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. https://erc.europa.eu/funding/starting-grants

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/117951556

Bildtexte:
Prof. Dr. Ivan Đikić, Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Stefanie Dimmeler, Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Andreas M. Zeiher, Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Mirco Göpfert, Foto: privat

Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann, Foto: Samuel Groesch für Zeppelin Universität


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 26 2022
11:54

Projektteam der Goethe-Universität veranstaltet mehrsprachige Online-Artenschutzkonferenz für Schulklassen. 

#savetheblueplanet

FRANKFURT. Am 24. Juni 2022 veranstaltet das Projekt „The Blue Planet“ der Goethe-Universität Frankfurt eine mehrsprachige Online-Artenschutzkonferenz für Schulklassen. Unter dem Titel #savetheblueplanet setzen sich Schüler*innen der Stufen 8-13 mit der Bedrohung des Lebensraumes Meer sowie mit den Akteur*innen und Strategien des globalen Artenschutzes auseinander. Sie schlüpfen dazu in einem interaktiven Planspiel, das Natur-, Gesellschafts- und Sprachwissenschaften verbindet, in die Rollen von Klimaschützer*innen, Weltkonzernen, Fischfangnationen und Politiker*innen. Sie debattieren in Deutsch, Englisch und weiteren Erst-, Zweit- bzw. Fremdsprachen, um globale Diskurskompetenz zu entwickeln und zu erkennen, dass die weltweiten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nur mehrsprachig bewältigt werden können.

#savetheblueplanet fördert dabei gleichermaßen das Demokratieverständnis und die digitalen Kompetenzen der Teilnehmenden. Diese Befähigungen gelten als zentrale didaktische Ziele in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). #savetheblueplanet ist Teil des interdisziplinären Projektes „The Blue Planet“, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für 1,5 Jahre an der Goethe-Universität gefördert wird. Unter der Leitung von Prof. Dr. Britta Viebrock entstehen hier bilinguale Lehrmaterialien für die digitale Nachhaltigkeitsbildung in den Sekundarstufen I und II.

Die Online-Artenschutzkonferenz findet über ein Videokonferenz-Tool aus dem Klassenzimmer statt. Mitwirken können Schüler*innen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie an deutschen Schulen im europäischen Ausland. Die Anmeldung der Schulklassen erfolgt zentral über die Lehrkraft und ist bis 31.05.2022 unter www.theblueplanetproject.de/event möglich. Die Teilnahme an der Online-Artenschutzkonferenz ist kostenlos.

Weitere Informationen zu #savetheblueplanet und dem Projekt „The Blue Planet“ unter: www.theblueplanetproject.de 

Kontakt:
Dr. Subin Nijhawan, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Institut für England- und Amerikastudien, Abteilung Sprachlehrforschung und Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. 069-798 32508; Sekretariat: 069 - 798 32 534. E-Mail: nijhawan@em.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/62690055/Nijhawan  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Apr 26 2022
10:48

51. Römerberggespräche in Kooperation mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen der Goethe-Universität zum Thema „Der Ukraine-Krieg und die neue Welt-Unordnung“

Nie wieder Frieden?

FRANKFURT. Der Angriff auf die Ukraine hat die Vorstellung einer auf Kooperation gegründeten globalen Ordnung erschüttert. Denn der Krieg zielt nicht nur auf die Ukraine, sondern auch auf die Stabilität und den inneren Frieden westlicher Demokratien. Diese sehen sich über Nacht mit geostrategischen Ambitionen konfrontiert, bei denen Russland von Atommächten wie China und Indien Rückendeckung erhält. Damit scheint die mit dem Fall der Mauer entstandene Hoffnung auf ewigen Frieden in Europa als Illusion entlarvt worden zu sein.

Was bedeutet dies für die offenen Gesellschaften? Wie können sie beweisen, dass sie der militärischen und geistigen Mobilmachung ihrer Gegner gewachsen sind? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Dies fragen die

51. Römerberggespräche
„Nie wieder Frieden? Der Ukraine-Krieg und die neue Welt-Unordnung“
am Samstag, dem 30. April 2022
im Chagall Saal des Schauspiel Frankfurt. Der Eintritt ist frei.

Für den Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität sprechen die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Nicole Deitelhoff und der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Stefan Kadelbach.

Weitere Redner*innen und Diskussionsgäste sind die Journalistin und Autorin Alice Bota, der Autor Viktor Jerofejew, die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Charlotte Klonk (HU Berlin), der Historiker Prof. Dr. Jannis Panagiotidis (Universität Wien), der Essayist Jurko Prochasko, der Osteuropahistoriker und Publizist Prof. Dr. Karl Schlögel (Stiftung Europa-Universität Viadrina) und Prof. Adam Tooze, Wirtschaftshistoriker von der Columbia University. Moderiert wird die Veranstaltung von Hadija Haruna-Oelker (Journalistin) und Alf Mentzer (Leiter der Literaturredaktion von hr2-kultur).

Die Frankfurter Römerberggespräche bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge und sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Vorsitzender des Trägervereins Römerberggespräche e.V. ist Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und seit 2013 assoziiertes Mitglied des Frankfurter Forschungsverbundes Normative Ordnungen.
 
Das Programm im Überblick:
 
10.00 Uhr
Begrüßung
Angela Dorn, Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main

10.15 Uhr
Karl Schlögel (Osteuropahistoriker und Publizist, Stiftung Europa-Universität Viadrina)
Die Ordnung im Kopf und die Unordnung der Welt

11.00 Uhr
Alice Bota (Journalistin und Autorin) – Jurko Prochasko (Essayist)
(K)ein neuer Krieg – Osteuropäische Perspektiven

12.00 Uhr
Viktor Jerofejew (Autor)
Putin and Europe

13.00 Uhr
Mittagspause

14.00 Uhr
Charlotte Klonk (Kunsthistorikerin, HU Berlin)
Wieder “Nie Wieder" – Bilder des Krieges

14.45 Uhr
Stefan Kadelbach (Rechtswissenschaftler, Normative Orders, Goethe-Universität) – Adam Tooze (Wirtschaftshistoriker, Columbia University)
Verbrechen und Strafe: Wie sanktioniert die Weltgemeinschaft Putins Aggression?

15:30 Uhr
Jannis Panagiotidis (Historiker, Universität Wien)
Flucht aus der Ukraine, postsowjetische Migration und die Zukunft der Migrationsgesellschaft

16.15 Uhr
Nicole Deitelhoff (Politikwissenschaftlerin, Normative Orders, Goethe-Universität)
Zurück auf Null? Der Ukrainekrieg und seine Folgen

17.00 Uhr
Ende

Details zum Programm:
www.roemerberggespraeche-ffm.de, www.normativeorders.net

Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, Tel.: 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Apr 26 2022
10:42

AIWG veröffentlicht Publikation zu Islam und Medizin 

Islamrechtliche Fragen in der Akutmedizin 

Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität hat heute ihre neue Ausgabe der Publikationsreihe „Praxisperspektive“ veröffentlicht. Darin beschäftigen sich der Mediziner Dr. Assem Aweimer und der Islamtheologe Prof. Dr. Serdar Kurnaz mit islamrechtlichen Fragen in akut-intensivmedizinischen Entscheidungssituationen.

FRANKFURT. Muss im Islam alles Menschenmögliche getan werden, um einen kranken Menschen am Leben zu erhalten? Wann dürfen muslimische Patient_innen auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichten? Und welche Behandlungsmethoden sind aus islamrechtlicher Sicht für Muslim_innen überhaupt zulässig? Bislang gibt es in der islamischen Theologie und der Islamwissenschaft nur vereinzelte Studien, die sich mit bioethischen Fragen beschäftigen. Eine Auseinandersetzung aus islamtheologischer Warte mit Fragen zu modernen medizinischen Therapiemaßnahmen steckt noch in den Anfängen.

Der Mediziner Dr. Assem Aweimer und der Islamtheologe Prof. Dr. Serdar Kurnaz legen mit der aktuellen AIWG-Praxisperspektive „Islamrechtliche Fragestellungen in der Akutmedizin“ einen ersten Grundstein für den Austausch zwischen medizinischer Praxis und Forschung sowie den islam-theologischen Wissenschaften im deutschsprachigen Raum.

Anhand konkreter Praxisbeispiele stellt der Oberarzt für Innere Medizin und Kardiologie am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum Fragen an die islamisch-theologischen Wissenschaften. Diese greift Prof. Dr. Serdar Kurnaz im zweiten Teil der Publikation auf und formuliert aus islamrechtlicher Sicht Grundprinzipien für Entscheidungsfindungen in akut-intensivmedizinischen Situationen. Der Theologe vom Berliner Institut für Islamische Theologie zeigt dabei, dass es aufgrund der Meinungspluralität in der islamischen Tradition die eine „islamische Antwort“ auf eine bestimmte medizinethische Frage nicht gibt. „Eine Vereinfachung in Erlaubtes und Verbotenes ist aufgrund der Komplexität und der Tragweite vieler Entscheidungen, seien sie medizinisch oder theologisch begründet, nicht möglich“, so Prof. Dr. Serdar Kurnaz.

Die AIWG-Praxisperspektive präsentiert dennoch aufgrund eines engen Austauschs zwischen Medizin und islamischer Theologie für Abwägungssituationen im Spannungsfeld zwischen medizinischer Identifikation und Patientenwille anschaulich Handlungsvorschläge und regt zur weiteren Forschung in dem Bereich an. Mitte Mai veranstaltet die AIWG einen Live-Talk auf YouTube zum Thema. Gäste sind unter anderem die Autoren. Informationen zur Veranstaltung sind in Kürze abrufbar unter https://aiwg.de/aktuelles/

Dr. med. Assem Aweimer ist Oberarzt für Innere Medizin und Kardiologie am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Er hat Medizin in Bochum studiert und sich im Schwerpunkt Innere Medizin und Kardiologie weitergebildet.

Prof. Dr. Serdar Kurnaz hat in Frankfurt am Main an der Goethe-Universität Islamische Religion, jüdisch-christliche Religionswissenschaften und Pädagogik studiert und im Fach Islamische Studien promoviert. Seit 2020 ist er Professor für Islamisches Recht in Geschichte und Gegenwart am Berliner Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Publikation kann auf der Website der AIWG kostenfrei heruntergeladen werden unter https://aiwg.de/praxisperspektiven/

Mit ihrer Publikationsreihe AIWG-Praxisperspektiven präsentiert die AIWG Beiträge und Gedanken aus der Praxis zu Fragen des Islams in der Gesellschaft. Mit ihren Praxisperspektiven liefert die AIWG Anregungen für die wissenschaftliche Erforschung verschiedener islamtheologisch relevanter Fragen, zugleich richtet sich die Publikation an eine breite Öffentlichkeit.

Weitere Informationen
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon 069 798-22459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Apr 22 2022
12:50

DITIB-Studie 2021: Lebensweltliche Einstellungen junger Muslim:innen in Deutschland

„Das gute Gefühl wird mir oft genommen“

Wie stehen junge Muslim:innen zu Heimat und Religion? Welche Vorstellungen haben sie von Liebe, Heirat und Familie? Zu diesen und anderen Themen hat die DITIB-Jugendstudie der Goethe-Universität junge Muslim:innen befragt.

FRANKFURT. Sie fühlen sich in Deutschland zu Hause, empfinden aber zugleich eine gewisse Unentschlossenheit gegenüber dem Land, in dem sie leben. Sie planen ihre Zukunft in Deutschland und engagieren sich etwa in der Flüchtlingshilfe, in der Politik und in der Feuerwehr, können sich aber nicht vorstellen, in Deutschland beerdigt zu sein. Sie finden im DITIB-Moscheeverband mit seinem außerschulischen Bildungsangebot einen Ersatz für die türkische Heimat ihrer Eltern und Familien, fordern aber mehr deutschsprachige Imame in ihrer Gemeinde und ein stärkeres Zugehen des Verbands auf nicht-muslimische Bürger. Sie wünschen sich einen selbstbewussteren Umgang mit dem eigenen Glauben, sind der Meinung, die islamische Religion sei nur für Muslim:innen offen, lehnen aber religiöse Übertreibungen wie Kopftuchzwang und Zwangsehen ab. Sie betonen biologische und Rollen-Unterschiede zwischen Mann und Frau, gehen aber selbstverständlich von deren Gleichberechtigung aus.

Dies sind Ergebnisse der soeben erschienenen DITIB-Studie 2021, die von Harry Harun Behr, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Islam, und der wissenschaftliche Projektleiterin Meltem Kulaçatan am Fachbereich Erziehungswissenschaften, beide Goethe-Universität, durchgeführt wurde. Befragt wurden junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren, die sich selbst als muslimisch bezeichnen, sich ehrenamtlich im Jugendverband des DITIB-Moscheeverbands engagieren und in Deutschland beheimatet sind. Ihre Ankünfte weisen die Befragten als überdurchschnittlich gut ausgebildet aus und als Angehörige einer bürgerlich orientierten Mittelschicht; sie sind an Normalität interessiert, möchten nicht als migrantisch und muslimisch definiert werden und sind positiv gegenüber staatlichen Regelsystemen eingestellt. Gleichwohl geben die jungen Menschen an, prägende Diskriminierungserfahrungen, etwa in der Schule, gemacht zu haben.

Initiiert wurde die Studie vom Jugendverband des DITIB-Moscheeverbands (BDMJ), verbunden mit dem Wunsch, seine Angebote besser an die Bedürfnisse der jugendlichen Zielgruppen anpassen zu können. Da auch das postmigrantische Selbstverständnis junger Menschen, also auch das Generationenverhältnis in der Studie erfragt werden sollte, äußerte auch der von den Jugendlichen als „Erwachsenenverband“ bezeichnete Bundesverband DITIB Interesse an den Ergebnissen. Die Studie wurde schließlich vom Bundesverband in Auftrag gegeben. Die Wissenschaftler der Studie weisen darauf hin, dass eine Einflussnahme des Auftraggebers auf Ergebnisse vorab ausgeschlossen wurde.

Die Studie verbindet quantitative Ergebnisse mit qualitativen Aussagen, in denen die Befragten anonym zu Themen Stellung nehmen konnten. „Ich möchte mich hier wohl fühlen“, lautet etwa ein Kommentar. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen, kenne mich mit der deutschen Kultur aus und beherrsche die Sprache sehr gut. Aufgrund meiner Religion und meiner Herkunft werde ich in vielen Bereichen des Lebens ausgegrenzt, und das finde ich sehr schade, denn ich sehe Deutschland auch als Heimat an. Genauso wie die Türkei. Dieses gute Gefühl wird mir leider oftmals genommen.“ In Bezug auf die Jugendarbeit des DITIB enthält die Studie Äußerungen wie „mehr nicht-muslimische Referenten einladen, Kooperation mit anderen religiösen Vereinen (auch nicht-muslimische), bessere Zusammenarbeit mit Bürgermeistern.“ Einen hohen quantitativen Zustimmungswert erreicht die Aussage: „Ich würde nur eine Muslimin oder einen Muslim heiraten.“

Die gesellschaftliche Funktion des DITIB bewerten die Wissenschaftler insgesamt positiv. Sie sprechen dem Moscheeverband die Fähigkeit zu, über eine religiöse Grundbildung zur Stabilisierung der Persönlichkeit beizutragen und somit über intellektuell und spirituell gebildete und interessierte junge Menschen Integration zu gestalten. „Es ist genau diese religiöse Matrix für lebensweltliche Orientierung, die radikalen Muslimen oft fehlt“, sagt Harry Harun Behr.

Allerdings ermuntern die Erziehungswissenschaftler den Moscheeverband auch, „kritische Reflexion als Chance für bewusstere Religion zu begreifen und nicht als Angriff auf den Glauben.“ Die große Herausforderung bestehe darin, die veränderte, eher „säkulare Spiritualität“ der jungen Generation aufzugreifen und einen religionsgemeinschaftlichen Raum auch für diejenigen zu gestalten, die bislang als „abweichend“ markiert werden. 

Publikation:
Behr, Harry Harun Behr/ Kulaçatan, Meltem (2022): DİTİB Jugendstudie 2021. Lebensweltliche Einstellungen junger Muslim:innen in Deutschland. Weinheim: Beltz Juventa, 185 Seiten, 24,95 Euro

Weitere Informationen
Harry Harun Behr
Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik des Islamischen Religionsunterrichts

Meltem Kulaçatan
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Goethe-Universität
FB 04, Institut für Pädagogik der Sekundarstufe
Campus Westend, Gebäude PEG, Raum 4. G 113
Theodor-W.-Adorno-Platz 6, D-60323 Frankfurt am Main
+49 (0)69 798 36306
hb@em.uni-frankfurt.de
kulacatan@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Apr 20 2022
13:37

Internationales Forschungsteam unter Federführung der Goethe-Universität widerlegt ein jahrzehntelang populäres Konzept

Aktive Auflösung von Entzündungen: Keine Evidenz für Beteiligung spezialisierter Lipidbotenstoffe

Entzündungen werden entgegen einem seit fast 30 Jahren propagierten Konzept offenbar nicht aktiv mit spezialisierten Lipiden beendet, die unser Körper aus mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren bildet. Zwar lassen sich solche Resolvine oder Lipoxine unter Laborbedingungen herstellen, physiologisch spielen sie jedoch höchstwahrscheinlich keine Rolle. Das belegt ein Review eines internationalen Forschungsteams um Prof. Dieter Steinhilber von der Goethe-Universität Frankfurt. Ausgangspunkt dieser Arbeit, die unter Fachleuten viel Aufsehen erregt hat, waren experimentelle Befunde des DFG-Graduiertenkollegs „Auflösung von Entzündungsreaktionen“ (AVE) an der Goethe-Universität.

FRANKFURT. Entzündungen entspringen einer aktiven Abwehrreaktion unseres Immunsystems. Sie klingen normalerweise von selbst ab. Einst wurde angenommen, dass sei ein passiver Prozess, weil die beteiligten Immunzellen nach getaner Arbeit allmählich absterben oder abwandern. Heute wissen wir, dass unser Körper auch das Abklingen einer Entzündung aktiv steuert. Zu diesem Zweck verwandeln sich unter anderem bestimmte Zellen des angeborenen Immunsystem, so genannte entzündungsfördernde M1-Makrophagen, die primär der Verteidigung dienen, in entzündungsauflösende M2-Makrophagen, die primär in der Wundheilung wirken.

Als ein wichtiger molekularer Effekt dieser Verwandlung galt bisher die Bildung spezialisierter entzündungsauflösender Mediatoren (SPMs). Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1984 gaben sie einer weltweit immer größer werdenden Gruppe von „Resolutionisten“ Anlass zu der Hoffnung, eines Tages mit synthetischen „Entzündungsauflösern“ (Resolvinen) therapeutisch in entzündliche Prozesse eingreifen zu können.

Die derzeit verfügbaren Medikamente gegen Entzündungen und deren Symptome – wie zum Beispiel die Acetylsalicylsäure und die Cox-2-Inhibitoren – wirken dagegen als Gegenspieler (Antagonisten) bestimmter Reaktionen des Arachidonsäurestoffwechsels, die proinflammatorische Gewebshormone generieren. Dazu gehören einerseits Thromboxan und die Prostaglandine, andererseits die Leukotriene. Nur zwei Stoffwechselschritte von der Arachidonsäure entfernt entstehen auch die SPMs, denen bislang eine anti-inflammatorische Wirkung zugeschrieben wurde.

Tatsächlich zeigte eine Doktorarbeit am 2017 etablierten Graduiertenkolleg AVE der Goethe-Universität, dass entzündungsauflösende Makrophagen die beiden Enzyme bilden, die für die Herstellung von SPMs notwendig sind. Allerdings konnten erst unter nicht-physiologischen Bedingungen – die Forscher:innen gaben Stimulatoren dazu, die die Durchlässigkeit der Membran der Makrophagen für Kalzium erhöhten (Ionophore) – , winzige Mengen von SPMs nachgewiesen werden. Selbst wenn man, wie eine weitere Dissertation zeigte, Zellkulturen bestimmter weißer Blutzellen (neutrophiler Leukozyten) bereits vorbehandelte Substrate dieser Enzyme zufügte, wurden diese Substrate darin kaum umgesetzt.

Ein weiteres Verdachtsmoment ergab sich durch frühere Arbeiten über SPM-Rezeptoren von Prof. Stefan Offermanns, der wie Prof. Steinhilber Projektleiter im an der Goethe-Universität verankerten Sonderforschungsbereich „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“ ist. Bei der Studie konnte keine Wirkung von Lipoxin A über den entsprechenden G-Protein-gekoppelten Rezeptor festgestellt werden. Über diese Rezeptoren übermitteln Lipidmediatoren ihre Signale. Im Blutplasma von gesunden Probanden ließen sich SPMs selbst mittels sensitivster und selektivster Verfahren (Kopplung von Chromatographie und Massenspektrometrie) zudem bestenfalls im einstelligen Pikogrammbereich finden.

Ausgehend von diesen Befunden durchforstete das Forschungsteam um Prof. Dieter Steinhilber alle bisher erschienenen Publikationen zum Thema SPMs. Dieses Review bestätigte ihre Dekonstruktion des SPM-Konzeptes: Menschliche Leukozyten, zu denen auch Makrophagen gehören, können bestenfalls geringe Mengen an SPMs synthetisieren. Diese Mengen sind so winzig, dass sie auch mit modernster Analytik nicht verlässlich zu quantifizieren sind. Die SPM-Synthese steht weder im Zusammenhang mit dem Abklingen einer Entzündungsreaktion noch mit einer gezielten Zufuhr mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren. SPM-Rezeptoren sind bisher nicht valide nachgewiesen worden.

„Insidern war schon lange klar, dass das SPM-Konzept fragwürdig ist“, sagt Dieter Steinhilber. „Bisher hat sich jedoch niemand die Mühe gemacht, alle Zweifel zusammenzutragen.“ Es müsse einen anderen Mechanismus der aktiven Entzündungsauflösung geben. „Denn der Wechsel von entzündungsfördernden M1-Makrophagen zu entzündungsauflösenden M2-Makrophagen geht eindeutig mit einer Veränderung des Lipid- und Zytokinprofils einher.“

„Die Suche nach den molekularen Signalen, mit denen unser Körper überschießende oder chronische Entzündungen aktiv verhindert, bleibt spannend“, sagt Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität und Sprecher des Graduiertenkollegs AVE. „Sie motiviert unsere weitere Forschung.“

Publikation: Nils Helge Schebb, Hartmut Kühn, Astrid S. Kahnt, Katharina M. Rund, Valerie B. O'Donnell, Nicolas Flamand, Marc Peters-Golden, Per-Johan Jakobsson, Karsten H. Weylandt, Nadine Rohwer, Robert C. Murphy, Gerd Geisslinger, Garret A. FitzGerald, Julien Hanson, Claes Dahlgren, Mohamad Wessam Alnouri, Stefan Offermanns, Dieter Steinhilber: Formation, Signaling and Occurrence of Specialized Pro-Resolving Lipid Mediators—What is the Evidence so far? Frontiers in Pharmacology (2022) https://doi.org/10.3389/fphar.2022.838782

Weitere Informationen
Prof. Dr. Dieter Steinhilber
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798-29324
Steinhilber@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/53483647/Arbeitskreis_Prof__Dr__Steinhilber


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 20 2022
10:56

Skulpturen des Künstlers Herbert Mehler noch bis Mitte Juli auf dem Campus Westend – Kunstpädagogische Projekte auch für junge Menschen

Mehler-Freiluftausstellung auf dem Campus verlängert

Die temporäre Skulpturenausstellung “Herbert Mehler: Wachstum – Körper – Raum. Dialog mit der Goethe-Universität" wird noch bis zum 17. Juli zu sehen sein. Seit Mai letzten Jahres werden auf dem Campus Westend 18 Großskulpturen des Bildhauers Herbert Mehler von der Goethe-Universität und dem Frankfurter Ausstellungshaus DIE GALERIE präsentiert. Ein kunstpädagogisches Projekt begleitet die Ausstellung mit digitalen Formaten auch für Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen.

FRANKFURT. Erstmals sind sie im Ensemble zu sehen: die 18 großen Corten-Stahlskulpturen des Bildhauers Herbert Mehler, die seit Mai 2021 die Besucher:innen mitten in Frankfurt zu einem Dialog einladen. Der Bildhauer, 1949 in Steinau bei Fulda geboren, genießt mit seinen unverkennbaren, abstrakten Skulpturen sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international ein hohes Ansehen. Auf dem weitläufigen Parkgelände des Campus Westend sind sie an sieben Stellplätzen sowie im Eingangsfoyer nach Themen wie Vielfalt und Differenz, Nachhaltigkeit, Wissenschaft und Kunst gruppiert. Die Besucherinnen und Besucher können sich nun noch bis zum 17. Juli auf dem Campus durch die mit bis zu sechs Meter hohen rostbraunen Skulpturen inspirieren lassen, die einerseits an organische Gebilde, andererseits an architektonische Elemente erinnern.

Ursprünglich war die von der Goethe-Universität mit dem Frankfurter Ausstellungshaus DIE GALERIE kuratierte Freiluftausstellung bis Ende April geplant. Mit der Ausstellung wollte die Goethe-Universität der Stadtgesellschaft in der Pandemie zurückgeben, was in den vergangenen zwei Jahren besonders stark vermisst wurde: einen öffentlichen Raum, der gemeinsame ästhetische Erfahrungen ermöglicht.

Mit allen Sinnen wahrnehmen lässt sich die nun verlängerte Ausstellung auch durch die Projekte, zu denen Mehlers Skulpturen vierzig Studierende am Institut für Kunstpädagogik in den vergangenen Monaten inspiriert haben. Im Rahmen des Projektseminares „Kultur für alle?! Kunst auf dem Campus Westend und Wege der Kunstvermittlung im öffentlichen Raum“ haben die Studierenden verschiedene Formate entwickelt, die Interessierten aller Altersstufen digital einen Zugang zur Ausstellung erleichtern.

Entstanden sind etwa Bastelanleitungen für Kinder in Form von Videos, eine digitale Rallye für Jugendliche, Podcasts, ein raumatmosphärisches Video für Hörende, Taube und Menschen mit Hörbeeinträchtigung, ein Kurzquiz (auch in englischer Sprache) sowie eine kleine Publikation in Formeines Mitmachheftes und eine studentische Homepage, welche die einzelnen Angebote bündelt. Der Instagram-Accountcampuskunstffm informiert über je aktuelle Angebote. Daneben sind Überlegungen zu einem Audioguide für Sehende, Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigung sowie ein Konzept zur personellen Vermittlung in einfacher Sprache entwickelt worden.

Über die Ausstellung informiert zudem ein umfassender Katalog, der neben zahlreichen Fotografien der ausgestellten Werke vor Ort auch Informationen zum Künstler und dessen Arbeit enthält. Der Katalog „Herbert Mehler – Wachstum, Körper, Raum“ mit Beiträgen des Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, und des Galeristen Peter Femfert sowie interdisziplinären Texten von Wissenschaftler:innen und einem Studenten ist über den Buchhandel erhältlich.

Unterstützt werden die kooperative Ausstellung sowie das Projektseminar unter anderem von der Johanna Quandt Universitäts-Stiftung, der Sparda-Bank, Santander Universitäten und der Georg und Franziska Speyer'schen Hochschulstiftung.

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/117725137

Bildtext: Stahlskulpturen im Mittelpunkt der Stadt: Werke des Bildhauers Herbert Mehler auf dem Campus Westend der Goethe-Universität (Foto: Lars Wiedemann/Berlin)

Weitere Informationen zum kunstpädagogischen Projekt:
CLAUDIA SPEZZANO
T + 69 956 459 46
M +178 814 25 56
spezzano.em@uni-frankfurt.de

Homepage: www.kulturfueralle.wordpress.com
Instagram: www.instagram.com/campuskunstffm/
Der YouTube-Kanal „Campus Kunst entdecken“: www.youtube.com/channel/UCQnmjsPAhJB1cyKdcRR5QTQ/featured
Die Podcasts „Campuskreaturen“ auf Spotify: https://open.spotify.com/show/2pj8EmfbS7WDNrVzlc4uAO
Die Actionbound „Mehler meets Goethe“: https://de.actionbound.com/bound/MehlermeetsGoethe
Zum Kurzquiz „Have you seen me?“: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSdDQUKWciF-2w4QOJWYrBYiJEskxQ61ryaHdDB0uxiJ9MA5kQ/viewform
English Version: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSe6obrksbyCLSBaNAej3JPOxPyGH4YX3dBkjFCPq_jADrw4RQ/viewform
Das Audiointerview zur Campustour für Sehende, Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigung: https://padlet.com/paulaalinageorg/c226hjfu6nd5x0jm


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 20 2022
10:28

Öffentliche Vortragsreihe der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur zum Thema „Christen in Ostafrika und Westasien“

Friedliche Nachbarschaft, blutige Konflikte

FRANKFURT. Ostafrika und Westasien werden im breiteren öffentlichen Bewusstsein mit dem Islam verbunden. Doch schon ein rascher Blick in die Vergangenheit – und auf jüngere politische Ereignisse – lässt die religiöse Vielfalt in der Region erkennen: Juden, Christen und Muslime lebten nebeneinander, in denselben Orten, teils in Nachbarschaft. Neben friedlichen Nachbarschaftsbeziehungen der Religionen und den Machthabern gab es allerdings auch blutige Konflikte.

Die öffentliche Vortragsreihe der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur Christen in Ostafrika und Westasien – Alte Traditionen und neue Herausforderungen widmet sich den Christentümern dieser Regionen, die traditionell als „orientalisches Christentum“ bezeichnet werden. Dabei vermitteln ausgewiesene Referenten in einem weiten historischen Blick Perspektiven verschiedener Fachrichtungen – von der Kirchengeschichte über die Byzantinistik bis hin zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Die Reihe schließen eine Lesung sowie ein Gespräch mit dem Schriftsteller Martin Mosebach und Asfa-Wossen Asserate ab.

Termine und Themen im Überblick:

  • 27. April 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Karl Pinggéra (Kirchengeschichte, Marburg)
    „Die Entstehung und Ausbreitung orientalischer Christentümer bis zum Aufkommen des Islam“ 
  • 11. Mai 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch (Byzantinistik, Mainz)
    „Das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen und die Kultur des Nahen Ostens“
  • 18. Mai 2022, 20:15 Uhr:
    Jun.-Prof. Dr. Verena Krebs (Mittelalterliche Kulturräume, Bochum):
    „Salomos Erben: Das äthiopische Christentum zwischen Spätantike und Mittelalter“
  • 8. Juni 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Dietmar Winkler (Patristik und Kirchengeschichte, Salzburg)
    „Die Kirche des Ostens im Persischen Sassanidenreich und ihre weitere Ausbreitung nach Zentralasien und China“ 
  • 22. Juni 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Boris Barth (Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Prag)
    „Die Christen im Osmanischen Reich – von der Duldung zum Völkermord“
  • 29. Juni 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Klaus Koschorke (Ältere und Weltweite Christentumsgeschichte, München)
    „Orientalische Christentümer als antikoloniale Alternative. Indische Thomaschristen und das christliche Äthiopien in den Debatten asiatischer und afrikanischer Eliten um die Wende vom 19. zum 20 Jh.“ 
  • 6. Juli 2022, 20:15 Uhr:
    Lesung aus Martin Mosebach, „Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer“ und Gespräch mit Martin Mosebach und Dr. Asfa-Wossen Asserate (beide Frankfurt am Main)

Die Vorträge finden in Präsenz statt. Veranstaltungsort ist der Campus Westend, Trude-Simonsohn-Saal (Cas. 1.811), am 6. Juli ausnahmsweise das Hörsaalzentrum 3 auf dem Campus Westend.

Die Federführung der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Dr. Hartmut Leppin, Goethe-Universität Frankfurt, und Prof. Dr. Dorothea Weltecke, Humboldt-Universität zu Berlin; veranstaltet wird die Reihe vom DFG-Leibnizpreisprojekt »Polyphonie des spätantiken Christentums«, der DFG-Kollegforschungsgruppe »POLY – Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer«, dem Leibniz-WissenschaftsCampus »Byzanz zwischen Orient und Okzident« und der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität.

Weiterführende Informationen zur Reihe sowie zur Anmeldung sind unter www.uni-frankfurt.de/deutsche-bank-stiftungsgastprofessur abrufbar.

Die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG wurde im Jahr 1985 ins Leben gerufen. Sie soll Brücken schlagen zwischen Bürgern der Stadt und Region einerseits und der Forschung andererseits, um anhand wissenschaftlicher Expertise und ihrer verständlichen Vermittlung Orientierung in einer Welt der globalen Umwälzungsprozesse zu bieten.


Information und Anmeldung:
Marius Kalfelis
Leibnizpreis-Projekt »Polyphonie des spätantiken Christentums«
Historisches Seminar, Abt. für Alte Geschichte Norbert-Wollheim-Platz 1 60629 Frankfurt/M.
E-Mail: kalfelis@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 13 2022
12:34

Semesterstart an der Universität des 3. Lebensalters 

Erste Schritte zurück auf den Campus 

FRANKFURT. Nach zwei Jahren digitaler Studienprogramme können im Sommersemester 2022 nun auch die Studierenden der Universität des 3. Lebensalters (U3L) wieder in die Hörsäle und Seminarräume zurückkehren. Diejenigen, die das Präsenzangebot wahrnehmen, zeigen sich sehr glücklich über die Möglichkeit, Ihre Dozent*innen und Mitstudierenden wieder von Angesicht zu Ansicht erleben. Auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität, dem Sitz der U3L, herrscht eine Art Aufbruchsstimmung, die auch durch das strahlende Frühlingswetter begünstigt wird.

„Die U3L wünscht allen Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten auf den verschiedenen Campusstandorten einen schönen Semesterbeginn“ sagt Silvia Dabo-Cruz, die Leiterin der Geschäftsstelle der U3L. „Für das U3L-Angebot hatten wir entschieden, sowohl Präsenz- als auch digitale Veranstaltungen anzubieten, um eine möglichst breite Gruppe anzusprechen. Nun können diejenigen endlich zurückkehren, die Online-Lehre nicht in Anspruch genommen haben. Und alle, die in den Corona-Semestern die Teilnahme aus der Ferne schätzen gelernt haben, finden bei der U3L weiterhin ein breites Online-Angebot. Auch eine Mischung ist für viele eine gute Option, wenn die Veranstaltungszeiten zusammenpassen. Die ersten Präsenzveranstaltungen sind bei Weitem nicht überfüllt. Das ist im Moment auch gut so. Es zeigt sich, dass der gefasste Plan einer vorsichtigen und umsichtigen Rückkehr auf den Campus aufgeht. In den Räumen ist ausreichend Platz, um sich schrittweise an die neue Nähe zu gewöhnen.“

Die Anmeldezeit für das Sommersemester endet erst am 30. April. Bis dahin ist ein Einstieg in die Vorlesungen, Seminare und Arbeitsgruppen ohne weiteres möglich – diese finden im Sommersemester in der Zeit zwischen dem 11. April und dem 15. Juli 2022 statt. Eine Veranstaltungsliste ist auf der Homepage der U3L abrufbar.


Kontakt:
Die Mitarbeiter*innen der U3L-Geschäftsstelle freuen sich über eine Kontaktaufnahme und geben gerne Auskunft. Im Moment sind sie allerdings nur telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Auch hier gilt es, die Öffnung der Geschäftsstelle vorsichtig zu planen.

Weitere Informationen:
Claudia Koch-Leonhardi, Universität des 3. Lebensalters an der Goethe-Universität. Tel. (069)-798 28861; u3l@em.uni-frankfurt.de; http://www.u3l.uni-frankfurt.de
Homepage der U3L: www.u3l.uni-frankfurt.de. Telefonische Sprechzeiten: Mo-Do 9.30-12.30 Uhr, Mi 13.30-16 Uhr und n.V., Tel. (069) 798-28861


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 11 2022
12:06

Zellkulturuntersuchungen aus Frankfurt und Canterbury zeigten zuvor Aprotinin-Effekte gegen SARS-CoV-2

Studie: Aprotinin wirkt bei COVID-19-Patienten – Basis legten Forscher von Goethe-Universität und University of Kent

Eine klinische Studie aus Spanien bestätigte kürzlich Laborversuche der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Kent, nach denen der Protease-Inhibitor Aprotinin die Infektion von Zellen mit SARS-CoV2 verhindert. Die Autor:innen der klinische Studie berichten, dass Patient:innen, die ein Aprotinin-Aerosol erhielten, unter anderem deutlich früher aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten.

FRANKFURT. Bevor SARS-CoV-2 über sein Spike-Protein an Proteine (ACE2-Rezeptoren) auf der Oberfläche der Wirtszellen andocken kann, müssen Teile des Spike-Proteins durch Enzyme der Wirtszellen – Proteasen – abgespalten werden. 2020 konnte ein Wissenschaftsteam um Prof. Jindrich Cinatl von der Goethe-Universität und Prof. Martin Michaelis sowie Prof. Mark Wass von der britischen University of Kent in Zellkultur-Experimenten zeigen, dass der Protease-Inhibitor Aprotinin in der Lage ist, die für das Eindringen der SARS-CoV-2-Viren nötige Proteasen zu hemmen und die Vermehrung des Erregers zu stoppen.

In einer weiteren Studie wies das Wissenschaftsteam ebenfalls anhand von Zellkultur-Experimenten nach, dass Aprotinin auch gegen die Delta- und Omikron-Variante von SARS-CoV-2 wirkt.

Jetzt hat eine klinische Phase-III-Studie eines spanischen Forschungsteams unter anderem gezeigt, dass ein Aprotinin-Aerosol die durchschnittliche Verweildauer von COVID-19-Patient:innen im Krankenhaus um fünf Tage verkürzen kann.

Prof. Jindrich Cinatl meint: „Dies zeigt, wie wissenschaftliche Kooperationen auch ohne direkte Verbindungen zwischen Forschungsteams funktionieren. Ich freue mich sehr, dass unsere Zellkulturstudie diese erfolgreiche klinische Studie angestoßen hat.“

Prof. Martin Michaelis sagt: „Die Ergebnisse unserer Zellkulturstudien waren bereits sehr vielversprechend. Es ist toll, dass sich Aprotinin nun auch bei Patientinnen und Patienten als wirksam gegen COVID-19 erwiesen hat.“


Spanische Studie:
Francisco Javier Redondo-Calvo et. al.: Aprotinin treatment against SARS-CoV-2: A randomized phase III study to evaluate the safety and efficacy of a pan-protease inhibitor for moderate COVID-19. Eur. J. Clin. Invest. (2022) https://doi.org/10.1111/eci.13776

Zu den Studien von Goethe-Universität und University of Kent:
1) Wirkstoff Aprotinin verhindert Eindringen von SARS-CoV2 in Wirtszellen:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/wirkstoff-aprotinin-verhindert-eindringen-von-sars-cov2-in-wirtszellen/ 

2) Forscher:innen von Goethe-Universität und University of Kent finden Erklärung für mildere Omikron Verläufe:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/forscherinnen-von-goethe-universitaet-und-university-of-kent-finden-erklaerung-fuer-mildere-omikron-verlaeufe/


Weitere Informationen
Prof. Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Institut für Medizinische Virologie
Universitätsklinikum Frankfurt und Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 (0) 69 6301-6409
cinatl@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Martin Michaelis
School of Biosciences
University of Kent
Tel: +44 (0)1227 82-7804
Handy: +44 (0)7561 333 094
m.michaelis@kent.ac.uk


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 8 2022
13:46

Prof. Frank Brenker ins Voruntersuchungsteam der NASA-Mission OSIRIS-REx berufen – Raumsonde mit 60 Gramm Material vom Asteroiden Bennu auf dem Rückflug – Untersuchung mit neuartigen Methoden

Geowissenschaftler der Goethe-Universität wird ab 2023 erneut exklusive Proben von Asteroiden untersuchen 

Als einer der ersten Wissenschaftler wird der Geowissenschaftler Prof. Frank Brenker von der Goethe-Universität Frankfurt ab 2023 Gesteinsproben des Asteroiden Bennu untersuchen können. Dies gab die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA bekannt. 2020 hatte die NASA-Raumsonde OSIRIS-REx Gesteinsproben von Bennu genommen und befindet sich seitdem auf dem langen Rückflug zur Erde. Die Proben versprechen neue Erkenntnisse über die frühe Geschichte des Sonnensystems und Bildung der Erde.

FRANKFURT. Asteroiden haben im Laufe der Erdgeschichte das Aussehen unseres blauen Planeten stark mitbestimmt: Einschläge dieser Himmelskörper brachten wahrscheinlich das Wasser für unsere Ozeane auf die Erde, auch Bausteine des Lebens und viele Edelmetalle stammen wohl von diesen Himmelskörpern.

Um mehr über Asteroiden und ihren Einfluss auf die Erdgeschichte und die Entstehung des Lebens zu erfahren, hat die US-amerikanische Weltraumbehörde 2016 die Raumsonde OSIRIS-REx zu dem erdnahen Asteroiden Bennu geschickt. Bennu ist ein 500 Meter großer Asteroid der C-Klasse und gehört damit zu den ursprünglichsten Objekten unseres Sonnensystems. Forscher gehen davon aus, dass sich diese Asteroiden seit mehr als 4,56 Milliarden Jahren nicht mehr entscheidend verändert haben. Damit erlauben sie einen ungestörten Blick in die Kinderstube unseres Sonnensystems.

Ende 2020 hat OSIRIS-REx Proben der Oberfläche von Bennu entnommen und wird 2023 mit mehr als 60 Gramm Asteroidenmaterial auf der Erde zurückerwartet. Die Proben sollen während des Vorbeiflugs der Raumsonde an der Erde über eine Rückkehrkapsel auf die Erdoberfläche gelangen. Zu den ersten Wissenschaftlern, die diese Proben dann untersuchen werden, gehört nun auch Prof. Frank Brenker vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Er wurde zusammen mit seinem Kollegen Prof. Laszlo Vincze, Universität Gent, von der NASA in das Voruntersuchungsteam berufen.

Der Grund: Prof. Frank Brenker hat zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Jahren ein präzises und hoch-ortsauflösendes Messverfahren entwickelt, das mithilfe von Supermikroskopen dreidimensional und berührungsfrei die chemische Zusammensetzung und die Struktur der Materie in den kostbaren Proben bestimmen kann. Die Supermikroskope arbeiten dazu mit energiereicher Röntgenstrahlung (Synchrotron-Strahlung), die an den Beschleunigeranlagen DESY in Hamburg und ESRF im französischen Grenoble erzeugt wird.

„Wir sind äußerst gespannt auf die einzigartigen Proben und sehr stolz über die Aufnahme in das Voruntersuchungsteam“, erklärt Frank Brenker. „In den Proben werden wir mit unserem Verfahren unter anderem die Gehalte und die Verteilung der so genannten seltenen Erden bestimmen, die für eine geowissenschaftliche und kosmochemische Interpretation von großer Bedeutung sind. Wir machen also quasi eine Spurenelement-Tomographie der Proben. Dies können außer uns nur wenige Wissenschaftsteams weltweit.“

Derzeit arbeitet das deutsch-belgische Wissenschaftsteam noch intensiv an der Untersuchung der Proben vom Asteroiden Ryugu, die die japanische Weltraumorganisation im Dezember 2020 zur Erde geholt hatte.

Links: Proben vom Asteroiden Ryugu / Raumsonde Hayabusa 2
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/raumsonde-hayabusa-2-wasser-auf-der-erde-stammt-womoeglich-von-asteroiden/

https://www.puk.uni-frankfurt.de/75129455/Erste_Proben_des_Asteroiden_Ryugu_kommen_nach_Frankfurt?

Weitere Informationen
Prof. Dr. Frank Brenker
Institut für Geowissenschaften
Mineralogie
Tel.: (069)-798 40134
Mobil: 0151 68109472
f.brenker@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 8 2022
09:31

Podiumsgespräch zur Buchvorstellung „Ein Verbrechen ohne Namen“

Zum neuen Streit über den Holocaust

FRANKFURT. Wie an den Holocaust erinnern? Die Einzigartigkeit des Holocaust im kollektiven Gedächtnis der Deutschen wurde immer wieder diskutiert –  auch in jüngster Zeit. So wurde die Auffassung laut, andere historische Verbrechen sollten ausgeblendet und dem Mord an den Juden eine singuläre Rolle im kollektiven Gedächtnis der Deutschen eingeräumt werden.

Das Buch Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust der Historikerin Sybille Steinbacher sowie der Historiker Dan Diner, Norbert Frei und Saul Friedländer tritt solchen Thesen entgegen und will zeigen, warum das Argument der Präzedenzlosigkeit des Holocaust historisch gut begründet ist. Zugleich macht es deutlich, dass die Erinnerung insbesondere an die Kolonialverbrechen einen größeren Platz erhalten sollte, ohne deshalb die kritische Auseinandersetzung mit dem Holocaust beiseitezuschieben.

Im Rahmen einer Podiumsveranstaltung mit drei seiner Autor*innen wird das Buch

„Ein Verbrechen ohne Namen“
am 13. April 2022 um 20.00 Uhr

in der Deutschen Nationalbibliothek
vorgestellt.

Die Veranstaltung kann ohne Anmeldung auch per Livestream auf YouTube unter folgendem Link verfolgt werden: https://youtu.be/s0CDczEX2oU

Die Autorin und Autoren des Buchs und Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind ausgewiesene Zeithistoriker: Prof. Dr. Dan Diner ist Historiker für Moderne Geschichte und lehrte an den Universitäten Jerusalem und Leipzig. Prof. Dr. Norbert Frei ist Seniorprofessor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Prof. Dr. Sybille Steinbacher ist Zeithistorikerin und Direktorin des Fritz Bauer Instituts; sie lehrt zudem an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Moderieren wird Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds »Normative Ordnungen«.

Die Buchvorstellung mit anschließender Podiumsdiskussion findet in Kooperation des Fritz Bauer Instituts mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek und dem Forschungsverbund »Normative Ordnungen« der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt.

Das Buch „Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust“ der Autoren Saul Friedländer, Norbert Frei, Sybille Steinbacher und Dan Diner und einer Einleitung von Jürgen Habermas ist kürzlich im C.H.BECK-Verlag erschienen.

Anmeldung:

Für die Teilnahme vor Ort wird um Anmeldung an anmeldung@fritz-bauer-institut.de gebeten.

Weitere Informationen:

Fritz Bauer Institut, 069/798 322-40, info@fritz-bauer-institut.de, www.fritz-bauer-institut.de

Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 7 2022
16:47

Im neuen UniReport analysieren Expert*innen der Goethe-Universität den Ukraine-Konflikt. 

Krieg gegen die Ukraine: Wie groß ist der Rückhalt in der russischen Bevölkerung?

FRANKFURT. Expert*innen aus Politik- und Geschichtswissenschaft sowie aus Soziologie und Psychologie analysieren in der neuen Ausgabe des UniReports den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Prof. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin und Leiterin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), ist skeptisch, ob sich in Russland die Kritik an Putins Kriegspolitik mehr Gehör und Einfluss verschaffen kann. Man wisse gegenwärtig nicht, wie Putin-freundlich die Stimmung in der russischen Bevölkerung wirklich sei. Grundsätzlich gelte: „Was wir wissen ist, dass jede Herrschaft in Bedrängnis gerät, wenn sie nicht mehr ‚liefern' kann, das heißt, wenn wichtige Unterstützerkreise den Eindruck gewinnen, dass sie ohne den jeweiligen Herrscher oder die Herrscherin besser dran wären. Das kann, je nachdem, wie sich die Lage in Russland unter dem Eindruck der Sanktionen und des Kriegs entwickelt, auch dort geschehen.“

Den von Bundeskanzler Scholz bemühten Begriff der „Zeitenwende“ hält der Wirtschaftshistoriker Prof. Werner Plumpe aus europäischer Sicht durchaus für zutreffend; in globaler Perspektive müsste er aber relativiert werden. Dass Großmächte ihre Einflusszonen militärisch sichern, auch militärisch eingreifen, wenn sie ihre Interessen bedroht sehen, ist seiner Einschätzung nach nicht so selten. Sanktionen allein hätten in historischer Perspektive wenig bewegt, so Plumpe; ihre Wirkungen seien diffus, weil ja nicht nur Regierungen, sondern eben auch die Bevölkerung getroffen würden.

Der Sozialpsychologe Prof. Rolf van Dick, der gerade zusammen mit einem Marburger Kollegen einen Offenen Brief an Putin veröffentlicht hat, dem sich bereits viele Fachkolleg*innen angeschlossen haben, weist die Annahme zurück, nach denen der Krieg einzig und allein von Putin ausgehe: „Es ist ja nicht Putin selber, der Bomben abfeuert, es sind Soldaten auf allen Ebenen beteiligt, die sich diesem sinnlosen Krieg durchaus verweigern könnten.“

Was macht die Auseinandersetzung mit dem Krieg in der Ukraine mit der deutschen Gesellschaft, welche Rolle spielen die Medien im öffentlichen Diskurs? Damit beschäftigt sich der Soziologe Prof. Thomas Scheffer, der den Medien eine wichtige Aufgabe zuschreibt: „Sie schärfen durchaus unsere Sinne für die allgemeine Lage, in der wir uns befinden.“ Er sieht aber auch das Problem, dass Themen in der Konkurrenz um Aufmerksamkeit einander verdrängen: „Die täglichen 300 Toten der Corona-Pandemie lassen viele heute kalt, weil sie nun jahrelange Realität sind. Anders mit den Toten, Verletzten und Verfolgten im Ukraine-Krieg. Sie berühren uns und drängen zum Handeln. Die Aufmerksamkeit schließt unsere Emotionen mit ein.“

Im neuen UniReport begrüßt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff die Studierenden der Goethe-Universität zum Sommersemester 2022 – erstmals (auch) auf Ukrainisch, um damit ein Zeichen zu setzen. Schleiff sagt: „Unsere Solidarität gilt den Menschen in der Ukraine, allen Ukrainer*innen im In- und Ausland, aber auch all jenen, die sich in Russland und weltweit entschieden für Frieden und Freiheit engagieren.“

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

  • Auf dem Weg zu einer digitalen Wissenskultur: Ulrich Schielein, neuer Chief Information Officer und hauptamtlicher Vizepräsident der Goethe-Universität, im Gespräch.
  • Mit 150 Sachen durch den Eiskanal: Deborah Levi, Studierende der Goethe-Universität, über den Gewinn der Goldmedaille im Zweierbob bei den Olympischen Winterspielen.
  • Auf die ethischen Anforderungen im Gesundheitswesen vorbereiten: Der neue duale Masterstudiengang „Sozialethik im Gesundheitswesen“ ist im vergangenen Wintersemester gestartet.
  • Die Zukunft des Mathematikunterrichts: Die größte deutschsprachige Tagung für Mathematikdidaktik findet vom 29. August bis 2. September 2022 auf dem Campus Westend statt.
  • Dank der Forschung von Prof. Thomas Wilhelm haben Tausende Schüler*innen die Physik zwar nicht lieben, aber doch besser verstehen gelernt:  Für seine Forschungen erhält er den mit 5000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Frankfurter Physik 2021.
  • Ein Freidenker der Frankfurter Schule: Eine Internationale Konferenz an der Goethe-Universität soll das vielschichtige Werk Siegfried Kracauer beleuchten.
  • Können Investoren die Welt verändern? Der Humboldt-Preisträger Marcus Opp will Green Finance auf den Grund gehen.
  • Zwischen den Räumen: In seinem Projekt „Durchgang“ erforscht der Architekturhistoriker Markus Dauss Orte, die wir en passant wahrnehmen.
  • Kant und seine sozialistischen Interpreten: Der Amerikaner William Levine arbeitet als Postdoctoral Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften über einen etwas in Vergessenheit geratenen „linken“ Zweig der Neokantianer.
  • Literatur in Pandemiezeiten: Judith Hermann hält im Mai ihre Frankfurter Poetikvorlesungen.
  • Von Tradition und Moderne in der chinesischen Ökonomie: Prof. Bertram Schefold und Prof. Iwo Amelung über ihren Sammelband „European and Chinese Histories of Economic Thought“.
  • Wie Zootiere kommunizieren: Der Biologe Sebastian Schneider hat sich in seiner Dissertation damit beschäftigt, wie Tierlaute mittels digitaler Technologien differenziert erfasst und ausgewertet werden können.
  • Erste Ergebnisse der dritten bundesweiten Studie „JuCo“ liegen vor: Ergänzend zum Beitrag spricht Prof. Sabine Andresen mit dem UniReport im Audio-Interview über Befunde der dritten Befragung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Corona-Zeit. https://tinygu.de/u7qKP

Der UniReport 2/2022 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de