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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Dez 20 2022
11:22

Grenzüberschreitende interreligiöse Forschung unter einem institutionellen Dach geht in die Pilotphase

Frankfurt-Tel Aviv Center startet nun offiziell mit einer Konferenz in Israel 

Vor einem Jahr wurde der „Letter of Intent“ unterzeichnet, nun geht das Frankfurt-Tel Aviv Center für Interreligiöse Studien mit einer zweitägigen Tagung in Israel an den Start. Vorträge von christlichen, jüdischen und islamischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Theologie, Religionswissenschaft, Philosophie und Geschichtswissenschaft loten die Verflechtungen, Beziehungen, Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen den Buchreligionen aus. Höhepunkt des gestrigen Auftakts war die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages durch die beiden Universitätspräsidenten.

FRANKFURT. Multikulturelle Gesellschaften, religiöse Konflikte, Migration, Fundamentalismus – und nicht zuletzt der interreligiöse Dialog: Dies sind nur einige der Themen, die das neue grenzüberschreitende Forschungsinstitut in den Blick nehmen könnte. Allesamt Themen von großer und gesellschaftlicher Brisanz. Und weil sich dies nur multiperspektivisch erforschen lässt, haben sich die Tel Aviv University und die Goethe-Universität Frankfurt zusammengetan, um der Forschung einen institutionellen Rahmen zu geben. Im Dezember 2021 wurde der „Letter of Intent“ unterzeichnet, im Juni folgte die Eröffnungskonferenz auf deutscher Seite. Nun ist die Kooperation auch in Israel mit einer Tagung offiziell gestartet geworden. Der Titel der gestern und heute stattfindenden Veranstaltung lautet: „Thinking Interreligiously: The Many Faces of Interreligious Interaction“.

Zusammenarbeit zwischen einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat es in den vergangenen Jahren häufig gegeben. Insbesondere die Martin-Buber-Professur am Fachbereich Evangelische Theologie pflegt intensive Kontakte, und das Buber-Rosenzweig-Institut für moderne und zeitgenössische jüdische Geistes- und Kulturgeschichte und das Center for Religious and Interreligious Studies an der Tel Aviv University sind eng vernetzt. Das neue Zentrum vereint nun außer Theologien, Religionswissenschaft, Judaistik und Islamischen Studien auch Fächer wie Geschichte, Philosophie und Politologie. Zum Auftakt in Israel ist die Goethe-Universität mit Prof. Christian Wiese, dem Inhaber der Martin-Buber-Professur, dem Philosophieprofessor Prof. Matthias Lutz-Bachmann, der Islamwissenschaftlerin Prof. Armina Omerika und dem Historiker Prof. Hartmut Leppin vertreten.

Feierlicher Höhepunkt der Tagung war die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages durch die beiden Universitätspräsidenten Prof. Ariel Porat (Tel Aviv) und Prof. Enrico Schleiff (Frankfurt) sowie den beiden Initiatoren und Gründungsdirektoren Christian Wiese (Frankfurt) und Menachem Fisch (Tel Aviv) am gestrigen (Montag) Abend. Das Forschungszentrum geht nun in eine dreijährige Pilotphase, die mit jährlich 50.000 Euro von der Goethe-Universität und jährlich 20.000 Euro von der Tel Aviv University finanziert wird. Das neue Zentrum wird von einem gemeinsamen Direktorium geleitet und soll sowohl erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch Forschende am Beginn ihrer Karriere miteinander verbinden. Bereits im Sommersemester gab es ein gemeinsames Symposium für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ab April 2023 beginnen gemeinsame englischsprachige Lehrveranstaltungen. Langfristig soll es auch zu einer intensiven Kooperation von religionswissenschaftlichen Masterprogrammen auf beiden Seiten kommen.

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität:
„Unser gemeinsames Zentrum ist mehr als eine wissenschaftliche Institution. In Zeiten des erstarkenden Nationalismus und Antisemitismus ist es auch ein wichtiges Zeichen der Freundschaft und Kooperation, das wir mit der Eröffnung in die Welt hinaus senden. Die wissenschaftliche Thematik, die wir gemeinsam in den Fokus nehmen, ist hochaktuell für Deutschland und Israel: Geschichte und aktuelle Herausforderungen religiöser Vielfalt, Differenz und Konflikt in pluralistischen Gesellschaften. Zu dieser Thematik waren unsere Universitäten bisher schon gut aufgestellt. Nun verbinden beide ihre Stärken zu einem gemeinsamen Zentrum, das den Start zu einer noch intensiveren Zusammenarbeit bildet. Darüber bin ich sehr froh. Ich danke unseren Partnerinnen und Partnern in Tel Aviv und insbesondere Prof. Wiese für ihren unermüdlichen Einsatz zur Gründung dieser wegweisenden Institution.“

Prof. Christian Wiese, Martin-Buber-Professor an der Goethe-Universität:
„Es gibt keine bessere Art und Weise, ein gemeinsames deutsch-israelisches Forschungszentrum zu eröffnen, als mit einer intensiven öffentlichen Diskussion der ihm zugrundeliegenden theoretischen Programmatik. Mit dieser Konferenz beginnt ein spannender gemeinsamer wissenschaftlicher und wissenschaftspolitischer Weg, auf den wir große Hoffnung setzen.“

Prof. Milette Shamir, Vizepräsidentin der Tel Aviv University:
„Die Universität Tel Aviv unterhält zahlreiche Kooperationen mit deutschen  Universitäten, mehr als mit irgendeinem anderen Land in Europa. Diese Zusammenarbeit beinhaltet Hunderte gemeinsamer Forschungsprojekte, aber auch Hunderte deutscher Studierender, die jedes Jahr auf unseren Campus kommen. Das gemeinsame Zentrum wird diese Zusammenarbeit auf eine bedeutende Art erweitern und unsere Beziehung mit der Goethe-Universität festigen, einer der führenden Universitäten in Deutschland. Wir hoffen, dass unsere beiden Hochschulen ihre Zusammenarbeit in naher Zukunft noch weiter ausbauen werden.“

Prof. Menachem Fisch, Mitinitiator des Zentrums an der Tel Aviv University:
„Ich freue mich sehr, Teil der Gründung eines in dieser Art so einzigartigen Zentrums zu sein, eines Zentrums für das Studium der monotheistischen Glaubensrichtungen und ihrer wechselseitigen Entwicklung. Dies ist eine würdige Initiative und ein weiterer Baustein in der akademischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern."

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/130011971

Bildtext:
(1) Prof. Ariel Porat (links), Präsident der Universität Tel Aviv, und Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main. (Foto: Tel Aviv University)
(2) Die beiden Unipräsidenten Prof. Ariel Porat (Tel Aviv, links) und Prof. Enrico Schleiff (Goethe-Universität). (Foto: Tel Aviv University)
(3) Die Initiatoren des neuen Zentrums Prof. Menachem Fisch (links) und  Prof. Christian Wiese. (Foto: Tel Aviv University)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Christian Wiese
Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie
Fachbereich Evangelische Theologie
Goethe-Universität
Telefon 069 798-33313
E-Mail c.wiese@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 16 2022
14:44

Sozialministerium und Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität präsentieren Hessischen Lohnatlas

Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros mit dem neuen Frauenpreis für Lohngleichheit ausgezeichnet

Auch wenn sich die Entgelte von Männern und Frauen in Hessen weiter angenähert haben – es gibt noch immer viel zu tun. Um einen weiteren Anreiz zu setzen, wurde jetzt der Hessische Frauenpreis für Lohngleichheit verliehen. Und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration stellte gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität die neuste Ausgabe des Lohnatlas vor.

FRANKFURT. In Sachen Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern verfolgt Hessen seit 2014 eine Doppelstrategie, deren Hauptinstrument der Hessische Lohnatlas ist. Erstmals 2017 erschienen, soll er einerseits für Transparenz sorgen und andererseits Schlüsselanreize setzen, die gezieltes Handeln ermöglichen. Die Strategie scheint Erfolg zu haben: Im Jahr 2021 betrug die Lohnlücke „nur“ noch 9 Prozent, sie hat sich damit seit 2012 fast halbiert. Der Lohnatlas wird in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität erstellt. In keinem anderen Bundesland gibt es bislang ein ähnliches Datenwerk wie den Lohnatlas, der – nach Regionen aufgegliedert – zeigt, wie sich die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern seit 2012 entwickelt hat.

Besonders auffällig: Fünf Jahre nach der ersten Auflage können Frauen mit akademischen Abschlüssen ihr Bildungskapital immer noch schlechter in Entgelte umsetzen als Männer. Dazu sagt Prof. Bernhard Brüne, der als Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung zuständig ist: „Wir sehen mit großer Sorge, dass die vielen Frauen, die bei uns an der Universität hervorragende Studienleistungen erbringen, bei ihrem Eintritt und ihren Karrieren in hessischen Betrieben nach wie vor deutlich geringere Entgelte als unsere männlichen Absolventen erreichen können.“ Er sei froh über den stabilen Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Politik, der durch die Kooperation von IWAK und Sozialministerium gelungen sei. „Schon seit 2016 sind unsere beiden Häuser zum Thema Entgeltgleichheit gemeinsam unterwegs, die Forscherinnen und Forscher des IWAK sind unermüdlich forschend in Sachen Entgeltgleichheit im Einsatz und haben drei Auflagen des Hessischen Lohnatlas auf den Weg gebracht. Eine wirklich gelungene Kooperation mit spürbar positiven Folgen für die Gesellschaft“, so Brüne.

Von Anfang an enthielt der Hessische Lohnatlas Entgeltdaten für jeden der 26 Kreise und kreisfreien Städte in Hessen, das ist auch bei der jüngsten Ausgabe der Fall. Die dritte inhaltlich erweiterte Auflage umfasst an die 700 Seiten, die diesmal allerdings ausschließlich im digitalen Format vorliegen. So lassen sich Einzelthemen leichter finden, Grafiken herunterladen und eigene Analysen durchführen. Außerdem in dem Datenwerk enthalten: textlich aufbereitete Forschungserkenntnissen zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Entgeltlücken. „Wir lernen aus den Erfahrungen der Nutzer. Die interaktive digitale Version wird die Nützlichkeit des Hessischen Lohnatlas sogar noch verbessern“, stellt Dr. Christa Larsen, Leitung des IWAK, fest. 

Noch immer gibt es große Unterschiede zwischen den Lohnlücken in ländlich geprägten Regionen einerseits und urbanen Gebieten in Hessen andererseits, das macht der Lohnatlas deutlich. So ist in den Großstädten des Rhein-Main-Gebiets rechnerisch bereits Entgeltgleichheit erreicht. In den Kreisen Hersfeld-Rotenburg oder Waldeck-Frankenberg indes verdienen Frauen brutto im Schnitt fast ein Fünftel weniger als Männer, selbst bei voller Erwerbstätigkeit. Mit Blick auf ganz Hessen gibt es die geringsten Lohnlücken bei den Fachkräften, vor allem in den sozialen Berufen wie Pflege und Erziehung, aber auch im kaufmännischen Bereich. Deutliche Lücken gibt es bei MINT-Berufen. Innerhalb der gewerblichen Branchen liegt die Pharmaindustrie vorn, wo fast Entgeltgleichheit erreicht ist – im Gegensatz zu Metall und Elektro.

Transparenz allein führt in Sachen Entgeltgleichheit jedoch noch nicht zum Ziel. Seit 2018 kommen die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft beim Sozialpartnerdialog zusammen. Die zehn großen Branchen in Hessen befassen sich bei regelmäßigen Treffen mit dem Thema Entgeltgleichheit und bringen die Ergebnisse über ihre Verbände in die Branchen ein. Die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten fungieren ebenfalls als Türöffner, Expertinnen und Multiplikatoren vor Ort in den hessischen Regionen. Daraus ist dann auch die Idee entstanden, besonders vorbildliche Beispiele mit einem Preis auszuzeichnen, der vorbildliches Engagement für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern würdigen soll.

Zum Auftakt erhielt die Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros die neue Auszeichnung, die mit 10.000 Euro dotiert ist. „Die LAG macht seit Jahren in besonderer Weise auf das Thema Lohngleichheit aufmerksam und sensibilisiert Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft durch ihre konsequente Arbeit“, unterstreicht Kai Klose, Hessischer Minister für Soziales und Integration, die Entscheidung der Jury. Die Verwendung des Preisgeldes steht schon fest: Es soll der Weiterbildung von kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zugutekommen. „Mit ihrem außerordentlichen Engagement für Lohngleichheit haben sich die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Hessen diesen Preis mehr als verdient“, sagte Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in ihrer Laudatio. Und führte weiter aus: „Wir wollen weg von Lippenbekenntnissen, echte Lohngleichheit realisieren. Frauen brauchen institutionelle Rückenstärkung, um Ungleichheiten in der Gesellschaft abzubauen.“

Der Hessische Lohnatlas 2022 ist am 16. Dezember ab 13 Uhr unter www.hessischer-lohnatlas.de freigeschaltet.

Weitere Informationen
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 15 2022
10:30

Forschungsprojekt bietet traumatisierten Kriegs- und Gewaltflüchtlingen psychotherapeutische Hilfe an

Wenn Flucht zum Trauma führt

FRANKFURT. Menschen, die vor Krieg und Gewalt nach Deutschland geflohen sind, haben oft traumatische Erlebnisse erlitten. Folter, Vergewaltigungen oder Angriffe können eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auslösen: Die Betroffenen leiden unter Symptomen wie Albträumen, lebhaften Erinnerungen an das Trauma, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Angst und anderen belastenden negativen Gefühlen. Viele geflüchtete Menschen benötigen deshalb dringend psychotherapeutische Hilfe.

Das Forschungsprojekt Brief Imagery Rescripting for Posttraumatic Stress Disorder in Refugees (ReScript) an der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität trägt dazu bei, die Versorgung von erwachsenen Geflüchteten mit einer solchen Störung zu verbessern. Das Projekt, geleitet von Prof. Dr. Regina Steil (Frankfurt), Prof. Dr. Thomas Ehring (München) und Prof. Dr. Nexhmedin Morina (Münster), untersucht die Wirksamkeit einer innovativen Behandlung für traumatisierte geflüchtete Menschen. Betroffenen ab 18 Jahren wird eine psychologische Diagnose und Therapie angeboten, bei Bedarf unterstützt durch einen Dolmetscher. Die Flucht kann in den letzten Jahren, etwa durch den Krieg in der Ukraine, aber auch vor Jahrzehnten stattgefunden haben; es können sich auch Geflüchtete melden, die vom Krieg im ehemaligen Jugoslawien oder Russland betroffen waren.

Die Behandlung besteht aus zehn Doppelsitzungen, die innerhalb von 12 Wochen durchgeführt werden. Eine Vergleichsgruppe erhält dieselbe Behandlung nach einer Wartezeit. Der Erfolg der Therapie wird in beiden Gruppen vor und nach der Behandlung sowie drei und 12 Monate später diagnostisch erfasst.

An der Goethe-Universität in Frankfurt stehen derzeit freie Behandlungsplätze zur Verfügung. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Anmeldung für betroffene Geflüchtete und weitere Informationen
Julia Reuter
Projektkoordinatorin
Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie
der Goethe-Universität
Tel.: 069 79825374
Reuter@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2022
11:12

Wirtschaftswissenschaftler:innen der Goethe-Universität und der Université Paris-Dauphine feiern 30-jährige Partnerschaft –  Delegation aus Paris besucht Goethe-Universität

344 Gesichter einer deutsch-französischen Freundschaft

Die Zusammenarbeit mit der Université Paris Dauphine-PSL ist eine der ältesten und intensivsten Kooperationen des Fachbereichs für Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität. Was sie einzigartig macht: zwei Doppelstudiengänge ermöglichen ein Studium mit den Abschlüssen beider Länder. Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens besuchte am Freitag, dem 9. Dezember, eine vielköpfige Delegation die Goethe-Universität.

FRANKFURT. Der Beitrag für die deutsch-französische Freundschaft der beiden Partneruniversitäten hat mindestens 344 Gesichter: Allein so viele Studentinnen und Studenten haben in den vergangenen 30 Jahren an den Doppelabschlussprogrammen der wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereiche von Goethe-Universität und Université Paris Dauphine-PSL teilgenommen – nicht mitgezählt die zahlreichen Studierenden, die sich über Erasmus-Auslandssemester zwischen den Partnerhochschulen bewegt haben. Was 1992 als „Versuchsballon“ für ein Doppeldiplom startete, so Lars Pilz, Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten des Fachbereichs, hat über die Jahre die Form eines gemeinsamen Doppelbachelor- und kürzlich auch eines Doppelmasterstudiengangs angenommen – was die Partnerschaft mit der Université Dauphine-PSL einzigartig macht. Insgesamt pflegt der Fachbereich für Wirtschaftswissenschaften mehr als 140 internationale Partnerschaften.

Ausdruck dieser intensiven und engen Kooperation mit Dauphine-PSL war nun der Besuch aus Paris anlässlich des Jubiläums: Angereist waren mit dem Präsidenten Prof. Dr. El-Mouhoub Mouhoud und Vizepräsidentin Prof. Dr. Sophie Meritet auch alle Programmverantwortlichen – und darüber hinaus die Studierenden, die im kommenden Jahr in das Doppelbachelorprogramm starten. Im Austausch mit dem Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, und den hiesigen Verantwortlichen für die Partnerschaft ging es auch um weitere Ziele der Zusammenarbeit.

„Ich freue mich über die hohe Anerkennung, die unsere Wirtschaftswissenschaftler:innen bei unseren Partnern genießen. Das Engagement, mit der alle Verantwortlichen diese internationale Partnerschaft über 30 Jahre gepflegt und entwickelt haben, sind nicht selbstverständlich. Dafür möchte ich ausdrücklich danken“, sagte Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Gerade jetzt, in Zeiten sich akkumulierender Krisen, brauchen wir mehr solcher Projekte – sie geben jungen Menschen nicht nur interkulturelles Wissen an die Hand und bereiten sie für einen internationalen Arbeitsmarkt vor. Sie schaffen auch ein Bewusstsein für ein Europa, das nur kenntnis- und vertrauensbasiert zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.“

„Unsere Studierenden sind Teil der sich ständig fortentwickelnden historischen, politischen und ökonomischen deutsch-französischen Zusammenarbeit", erklärte Prof. Dr. El-Mouhoub Mouhoud. „Sie setzen diese Partnerschaft aber moderner und integrativer um als zuvor, indem sie sie an die Globalisierung anpassen und insgesamt offener gegenüber Europa und der Welt sind. Dazu befähigen sie der dreisprachige Unterricht und die Kurse, die zunehmend auch die großen Themen unserer Zeit und die multipolare Dimension der heutigen Welt miteinbeziehen. Es sind solche konkreten Projekte auf individueller, akademischer und beruflicher Ebene, von denen die deutsch-französische Zusammenarbeit lebt – gerade deshalb ist die Zusammenarbeit unserer Universitäten so wichtig."

Zur Vertiefung der Partnerschaft ist eine intensivere Kooperation zum Themenbereich Künstliche Intelligenz sowie mit dem Frankfurt House of Finance geplant, dessen wissenschaftlicher Direktor und Verantwortlicher der Doppelprogramme, Prof. Dr. Rainer Klump, den Besuch begleitete. Mit ihrer Dependance in Tunesien eröffnet die Université Paris Dauphine den deutschen Partnern der Goethe-Universität zudem die Möglichkeit, Studienprogramme langfristig auf den afrikanischen Kontinent auszudehnen.

2019 war das Doppelbachelor-Programm in die Deutsch-Französische Hochschule, einen Verbund von 208 Hochschulen, aufgenommen worden. Mit dem Siegel dieses Verbunds können die Studierenden, die zwei Semester in zwei Ländern und ein gemeinsames Semester in Frankfurt verbringen, neben ihrer Erasmus-Förderung zusätzlich 300 Euro für ihren Auslandsaufenthalt erhalten. Die Studierenden des im Jahr 2019 eingeführten Doppelmasterstudiengangs im Bereich Wirtschaft und Finanzen erhalten ab diesem Wintersemester Stipendien von der BHF Bank Stiftung und der Willy Robert Pitzer Stiftung Bad Nauheim, die auch Sprachprogramme fördert. Beide Studiengänge umfassen darüber hinaus die Möglichkeit, Berufspraktika in beiden Ländern zu absolvieren, sowie eine gezielte Sprachausbildung in Französisch, Deutsch und Englisch.

Nur dank des regelmäßigen Feedbacks der Studierenden und der „Kreativität“ aller Beteiligten, so Lars Pilz und seine Kollegin Bianka Jäckel, seien in der Vergangenheit die eine oder andere verwaltungstechnische Hürde überwunden und auch ein gemeinsames Selbstverständnis der Studiengänge entwickelt worden. Diese beschreiben die Studierenden durchaus als anspruchsvoll: „Ich muss zugeben, dass das Studium an der Dauphine aufgrund des Workloads und der Organisation alles andere als ein Zuckerschlecken war“, äußert ein Student über seine Erfahrungen in Paris. “Dennoch hat es mir … die Türen zu einem coolen Auslandspraktikum geöffnet.“ Gleichzeitig betonen die Studierenden die „wunderbare Herausforderung, sich persönlich und akademisch weiterzuentwickeln“, wie Doppelbachelorstudent Victor Schäfer von der Goethe-Universität schreibt. Den Standort Frankfurt loben dagegen Studierende aus Paris wie Anita Poulou, die ihr Doppelmasterstudium gerade abgeschlossen hat: „Frankfurt is a wonderful city as it offers a wide range of professional opportunities that students can easily combine with their studies.“ Das hohe Ansehen des Masterstudiengangs bei Arbeitgebern im Finanzdienstleistungssektor habe ihr Türen für ihre berufliche Entwicklung geöffnet.

Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/129570622

Bildtext:
Die Programmverantwortlichen der Partnerschaft der Fachbereiche für Wirtschaftswissenschaften an der Université Paris Dauphine-PSL und der Goethe-Universität anlässlich des Besuchs aus einer Delegation aus Paris zum 30. Jubiläum (mit ihren Präsidenten Prof. Dr. El-Mouhoub Mouhoud und Prof. Dr. Enrico Schleiff, 5.u.6.v.r.) (Foto: Jürgen Lecher/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Lars O. Pilz
Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten
Goethe-Universität
Tel.: ++49 (0) 69-798-34608
e-Mail: lpilz@wiwi.uni-frankfurt.de
www.wiwi.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2022
10:06

Cornelia Goethe Centrum legt mit der vierten Ausgabe der CGC Online Papers eine Auseinandersetzung mit der Berliner Frauenzeitschrift vor.  

Radikal und provokant: Aktuelle Re-Lektüren der Schwarzen Botin

FRANKFURT. Seit 2017 gibt das Cornelia Goethe Centrum in loser Folge Arbeitspapiere als CGC Online Papers heraus. Die aktuelle Ausgabe erscheint am 12. Dezember 2022 und stellt den Anfang einer weiter zu vertiefenden interdisziplinären Aufarbeitung der Berliner Frauenzeitschrift Die Schwarze Botin dar.

Trotz ihres Alters – die Zeitschrift wurde von 1976-1987 veröffentlicht – sind die Auseinandersetzungen in der Schwarzen Botin weiterhin höchst aktuell: Wenig an Identitätspolitiken interessiert, positioniert sich die Schwarze Botin gegenüber Zeitschriften wie EMMA und Courage. Aus diesem Selbstverständnis geht eine eigene Ästhetik in Text- und Bildpraxis und eine spannungsreiche Stellung innerhalb der feministischen Öffentlichkeit und der Debatte der 1970er und 80er Jahre hervor, mit der sich die CGC Online Papers aus sozial-, kultur- und literaturwissenschaftlicher sowie historischer und kunstgeschichtlicher Perspektive befassen. Die vierte Ausgabe der Arbeitspapierreihe des Cornelia Goethe Centrums versammelt die neuesten Forschungen und Erkenntnisse zur Schwarzen Botin von Elisabeth Flucher, Elke Gaugele, Franziska Haug, Carola Hilmes, Gudrun Jäger, Ursula Krechel, Katharina Lux, Alina Sabransky, Sina Speit, Carolin Walberer und Ulla Wischermann.

Die Beiträge knüpfen an die Tagung „Die Schwarze Botin. Frauenhefte: radikal – provokant – aktuell“ an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. im November 2021 an. Dieser Studientag fand in Kooperation zwischen dem Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik der Goethe-Universität und dem Cornelia Goethe Centrum unter der Leitung der beiden Herausgeberinnen Dr.in phil. habil. Carola Hilmes und Franziska Haug statt.

Die CGC Online Papers sind auf der Webseite des Cornelia Goethe Centrum unter https://www.cgc.uni-frankfurt.de/forschung/cgc-online-papers/ abrufbar.


Kontakt zu den Herausgeberinnen
Apl. Prof. Carola Hilmes: c.hilmes@lingua.uni-frankfurt.de
Franziska Haug: f.haug@em.uni-frankfurt.de 

Kontakt zum Cornelia Goethe Centrum
Dr. Johanna Leinius: leinius@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 9 2022
10:35

18 Millionen Euro aus hessischem LOEWE-Programm für Krebsforschung unter Federführung der Goethe-Universität – danach Verstetigung als eigenständiges Institut angestrebt

LOEWE-Zentrum „Frankfurt Cancer Institute“ für weitere drei Jahre gefördert

Wegen seiner großen Erfolge in der Krebsforschung wird das seit 2019 bestehende LOEWE-Zentrum „Frankfurt Cancer Institute“ (FCI) für weitere drei Jahre mit 18 Millionen Euro aus Landesmitteln gefördert. Dies hat heute das Hessische Wissenschaftsministerium bekannt gegeben. An den Mechanismen der Tumorentwicklung, der Resistenzbildung sowie an neuen Therapien forschen unter Federführung der Goethe-Universität Frankfurt Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen des Georg-Speyer-Hauses, des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung, des Paul-Ehrlich-Instituts sowie des DRK-Blutspendedienstes - Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie zusammen mit weiteren Partnern.

FRANKFURT. Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, gratulierte den Forscher:innen zu ihrem Erfolg: „Die erneute Förderung durch das Land Hessen zeigt, wie gut die Goethe-Universität zusammen mit ihren Partnern in der Forschung und der Industrie im hoch kompetitiven Feld der Krebsforschung aufgestellt ist. Neben den qualitativen Fortschritten im Verständnis wichtiger Krebsarten hat unser ‚Frankfurt Cancer Institute' komplexe Technologie-Plattformen sowie sehr erfolgreiche Formate projektorientierter wissenschaftlicher und medizinischer Zusammenarbeit etabliert. Diese so genannten Querschnittsprogramme werden jetzt als Blaupause für die Kooperation in überregionalen Krebsforschungszentren dienen.“

Das FCI-Erfolgskonzept könne nun fortgesetzt werden, so Präsident Schleiff: „Die kommenden drei Jahre werden wir dazu nutzen, die Verstetigung des FCI voranzutreiben und damit diesen Leuchtturm der Krebsforschung dauerhaft in Frankfurt zu etablieren. Ein sichtbarer Ausdruck der Verstetigung sind die Bauvorbereitungen auf unserem Campus Niederrad für ein eigenes, hochmodernes FCI-Forschungsgebäude, das unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern optimale Arbeitsbedingungen bieten wird.“

Prof. Florian Greten, Sprecher des Frankfurt Cancer Institute, hob die Meilensteine des FCI der vergangenen vier Jahre hervor: „Es ist uns gelungen, in unseren Querschnittsprogrammen zu gastrointestinalen Tumoren, akuter myeloischer Leukämie (kurz AML) und Hirntumoren neue Therapiekonzepte zu entwickeln, und auf Basis dieser Konzepte sind schon erste klinische Studien gestartet. Damit haben wir es bereits in der Aufbauphase des FCI geschafft, den kompletten Prozess von der klinischen Fragestellung über die Grundlagenforschung und Therapieentwicklung bis hin zur klinischen Studie in einem interdisziplinären Zentrum abzubilden.“

Zur weiteren Entwicklung des FCI meinte Greten: „An unsere Erfolge werden wir nun mit der Etablierung eines vierten Querschnittprogramms zur Metastasierung anknüpfen. Wir sind überzeugt: Durch unsere zahlreichen Partner in Hessen, Deutschland und im Ausland können wir das FCI als Nukleus der hessischen Krebsmedizin festigen.“

Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt, wies auf die gemeinsame Tradition hin: „Ich gratuliere allen Verantwortlichen des FCI zu diesem Erfolg. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Universitätsmedizin Frankfurt im Allgemeinen und die Onkologie im Besonderen. Sie stehen in einer langen erfolgreichen Tradition. Paul Ehrlich, Gründungsordinarius der Frankfurter Universitätsmedizin und Nobelpreisträger, hat die ersten Chemotherapien entwickelt. Seit dieser Zeit sind viele wichtige Impulse für die onkologische Forschung und medizinische Versorgung hier aus Frankfurt gekommen.“

Graf betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit für diese Arbeit: „Das FCI ist eine Weiterentwicklung dieser Tradition und steht dafür, dass Ergebnisse aus der Forschung unmittelbar am Patientenbett ankommen. Dafür ist es entscheidend, dass Wissenschaft und Klinik an einem Strang ziehen. Die enge und exzellente Zusammenarbeit der Goethe-Universität, des Georg-Speyer-Hauses und der weiteren Forschungseinrichtungen mit dem Universitätsklinikum Frankfurt ist die Basis für diesen Erfolg. Die jetzt beschlossene Weiterförderung des FCI erlaubt es allen Partnern, diesen Weg zum Wohle der Patientinnen und Patienten konsequent weiter zu verfolgen, damit aus Wissen Gesundheit wird.“

Weitere Informationen
Prof. Dr. Florian R. Greten
Sprecher des LOEWE-Zentrums „Frankfurt Cancer Institute“
Georg-Speyer-Haus
Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie / Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 63395-232
Greten@gsh.uni-frankfurt.de
Twitter: @FCI_health


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 9 2022
09:37

Neue Publikationsreihe des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“ mit Beiträgen zur interdisziplinären Architekturforschung / Start mit einem Essay über Siegfried Kracauer

Nachdenken über Architektur und Kapitalismus

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen moderner Architektur und Kapitalismus? Dieser Frage geht ein Essay des Architekturhistorikers Carsten Ruhl nach, in dessen Zentrum der Soziologe, Philosoph und Journalist Siegfried Kracauer steht. Der Essay ist in der neuen Publikationsreihe „Architekturen des Ordnens“ erschienen. Seit 2020 forschen mehr als 20 Mitglieder im gleichnamigen LOEWE-Schwerpunkt an der Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt.

FRANKFURT. Unter dem Titel „Kracauer's Architecture“ ist nun der erste Band der Reihe „Architekturen des Ordnens“ erschienen, Verfasser des Essays ist Carsten Ruhl, Professor für Architekturgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt und Sprecher des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“. Ruhl befasst sich darin mit den Überlegungen des deutschen Soziologen, Philosophen und Journalisten Siegfried Kracauer zur Architektur. Während Kracauers Texte allgemein häufig Gegenstand soziologischer und medienwissenschaftlicher Forschung sind, wurden sie aus architekturwissenschaftlicher Perspektive bisher kaum beleuchtet. So ist auch wenig bekannt, dass Kracauer ein Architekturstudium absolviert hat, während des Ersten Weltkriegs als Architekt arbeitete und 1915 mit einer architekturhistorischen Arbeit promoviert wurde. Nach dem Krieg, mittlerweile war Kracauer Redakteur bei der „Frankfurter Zeitung“, äußerte er sich in seinen journalistischen Texten immer wieder zu zeitgenössischen architektonischen Entwicklungen. Von diesen Beiträgen bis zu seiner 1928 erschienenen autobiografischen Novelle „Ginster, von ihm selbst geschrieben“ zeigt sich ein starkes Interesse an architektonischen Phänomenen. Die Frage des Ornaments ist darin von zentraler Bedeutung für Kracauers Analyse der Gesellschaft und ihrer Architektur. Carsten Ruhl argumentiert mit Kracauer, dass die Abwesenheit des Ornaments in der modernen Architektur als ornamentales Konzept der neuen sozialen Ordnung des Kapitalismus verstanden werden kann.

Die Publikationsreihe erscheint in englischer Sprache innerhalb der CCSA Topics, der Publikationsreihe des Center for Critical Studies in Architecture, einer Kooperation der Goethe-Universität Frankfurt am Main (Kunstgeschichtliches Institut), der Technischen Universität Darmstadt (Fachbereich Architektur) und des Deutschen Architekturmuseums. Die Bände der AO-Reihe werden als Print- und mit zeitlicher Verzögerung als Open Access-Publikation veröffentlicht. Die nächsten Titel der Reihe sind bereits in Planung. Dabei wird es um so unterschiedliche Themen wie die Architektur der Herrnhuter Brüdergemeine gehen oder den Topos des Glashauses in weiblich codierten Entwürfen in der Literatur und Architektur der Moderne. Die Reihe bildet damit nicht nur die Bandbreite der im Schwerpunkt behandelten Forschungsthemen ab, sondern auch die disziplinäre Vielfalt der im Projekt forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Vertreten sind neben der Geschichte und Theorie der Architektur auch die Themen Digitales Gestalten, Entwerfen und Städtebau, Geschichte der Frühen Neuzeit, Kultur- und Wissenssoziologie, Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und Rechtsgeschichte.

„Architekturen des Ordnens“ ist ein auf vier Jahre (2020-2023) angelegtes interdisziplinäres Forschungsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt und Technischen Universität Darmstadt, mit dem Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie und dem Deutschen Architekturmuseum als außeruniversitären Partnern. Der Schwerpunkt besteht aus 26 Mitgliedern und widmet sich der Untersuchung von Architektur als einer Kulturtechnik, welche sich sowohl ästhetisch, materiell, räumlich, diskursiv als auch epistemologisch manifestiert.

Publikation:
Carsten Ruhl: Kracauer's Architecture. The Ornamental Nature of the New Capitalist Order, mit einer Respondenz von Philip Ursprung, herausgegeben vom Center for Critical Studies in Architecture (CCSA), Weimar: M BOOKS, 2022.
https://www.m-books.eu/store/kracauers-architecture/

Den Buchtitel zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/129252505

Bildtext: Der erste Band der neuen Publikationsreihe im Rahmen des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“ widmet sich den Schriften Siegfried Kracauers.

Weitere Informationen
Dr. Lena Holbein
Koordinatorin des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“
Kunstgeschichtliches Institut
Goethe-Universität
069-798-28705
holbein@kunst.uni-frankfurt.de
https://architecturesoforder.org


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 8 2022
15:19

Informatikprofessorin Haya Shulman spricht im neuen UniReport über die Gefahren von Cyberangriffen und den Schutz von Institutionen. 

Cybersicherheit: Schwachstellen im System

FRANKFURT. Auch der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat die Diskussion um mögliche Gefahren von Cyberattacken auf die kritische Infrastruktur westlicher Länder befeuert: Sind die Netze ausreichend geschützt? Welche Technologien müssen entwickelt werden? Wie kann man nicht-vertrauenswürdige Produkte künftig vermeiden? Und wie sieht es mit der Sicherheit von Hochschulen aus? Die Informatikerin Prof. Haya Shulman, seit letztem Jahr mit einer LOEWE-Spitzenprofessur an der Goethe-Universität tätig, erforscht mit ihrem Team die Schwachstellen in einem System: „Diejenigen, die eine Struktur aufbauen, müssen darüber nachdenken, dass und wie es funktioniert. Wer sich mit IT-Sicherheit beschäftigt, ob als Hacker oder als Verteidiger, muss im Gegensatz dazu darüber nachdenken, was schiefgehen kann“, erklärt sie im Gespräch mit dem UniReport. Für die Cyberabwehr sei nicht nur die Entwicklung neuer Technologien notwendig; man müsse ebenfalls die damit verbundenen rechtlichen und politischen Fragen im Auge behalten. Hochschulen, so Shulman, seien als Organisationen besonders gefährdet, gerade wegen sehr heterogener Nutzergruppen. Mitarbeitende und Studierende müssten noch stärker für die Gefahren sensibilisiert und entsprechend geschult werden.

Die Erforschung von Cybersicherheit, sagt Haya Shulman, benötige Interdisziplinarität; diese sei auf hervorragende Weise mit der Zusammenarbeit von Goethe-Universität und dem Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT gewährleistet. Shulman ist zugleich auch Leiterin der Abteilung Cybersecurity Analytics and Defences (CAD) am Fraunhofer SIT. Ebenfalls koordiniert sie einen Forschungsbereich am Nationalen Forschungszentrum für Angewandte Cybersicherheit ATHENE. Die Goethe-Universität ist kürzlich dem Forschungszentrum beigetreten, Haya Shulman wird die Goethe-Universität im ATHENE-Board vertreten.

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

Aktuelles

  • Zukunft der U4: Anhörung der Ortsbeiräte 2 und 9 zu den Planungen der neuen U-Bahn-Linie.
  • Naturwissenschaftliche Informationsversorgung ist digital, aber auch das gedruckte Buch ist noch wichtig: Porträt der Bibliothek Naturwissenschaften (BNat) auf dem Campus Riedberg.
  • Was ist „Gute Arbeit“? Die französische Soziologin Bénédicte Zimmermann hat die Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung übernommen.

Forschung

  • Bleibt die in den Erdmantel absinkende kontinentale Kruste ab einer bestimmten Tiefe für immer stecken? Der Geologe Prof. Frank Brenker hat darauf Antworten.
  • Begegnungen mit polizeilicher Gewalt: Ergebnisse des Forschungsprojekts KviAPol – „Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte und –beamtinnen“
  • Mit Modellen Klimasimulationen erstellen: Der Meteorologe Prof. Bodo Ahrens erforscht das Klima der Zukunft und greift dabei auch auf Daten der Vergangenheit zurück.
  • Ist nur der Vollzeitjob ein Garant für soziale Teilhabe? Interview mit der Soziologin Carlotta Giustozzi über die Folgen von Marginalisierung auf dem Arbeitsmarkt.
  • Von Fließbandforschung und Einzelkämpfern: Prof. Harald Schwalbe über das von ihm geleitete internationale Konsortium zur Forschung an SARS-CoV-2.

Studium, Lehre und Qualifikation

  • Wie kann die Arbeit von Fachschaften und studentischen Initiativen professionalisiert werden? Eine Workshopreihe im Wintersemester 2022/23 zeigt Perspektiven für studentische Nachhaltigkeitsprojekte auf
  • „Einfach machen!“: Podcasts an der Goethe-Universität mit studentischer Beteiligung.
  • Ausgezeichnet für exzellente Lehre: Der 1822-Universitätspreis ging in diesem Jahr an eine Romanistin, einen Biologen und einen Erziehungswissenschaftler.  

Campus

  • Der Ukraine-Krieg und seine psychologischen Folgen: Hilfe für Geflüchtete in Frankfurt und vor Ort.
  • Status „GO“: Erfahrungen und Erfolge im Goethe-Orientierungsstudium.
  • Vertiefender Diskurs über transatlantische Beziehungen: Das „John McCloy Transatlantic Forum“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften wurde eröffnet.

Kultur

  • Schwarze und queere Perspektiven auf deutsche Geschichte, Politik und Kultur: Prof. Antje Krause-Wahl hat den Künstler James Gregory Atkinson zu seinem Seminar und seine Ausstellung in der Studiengalerie 1.357 befragt.

International

  • Der britische Politikwissenschaftler Cain Shelley ist Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften und beschäftigt sich dort mit der Zukunft der Klassenfrage.

Rückblicke auf Veranstaltungen

  • Was hilft im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Ein Rückblick auf die Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur. 
  • „Jeden Einzelnen zum Nachhaltigkeitsbeauftragten machen“: 80 Hochschulangehörige diskutierten auf einer Veranstaltung des Nachhaltigkeitsbüros der Goethe-Universität.

Bibliothek

  • Neue Leitung der Bibliothek Sprach- und Kulturwissenschaften: Fragen an die Afrikanistin Dr. Aïsha Othman.
  • Senckenbergs Bücher: Wie rekonstruiert man eine Privatbibliothek des 18. Jahrhunderts?

Der UniReport 6/2022 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 8 2022
11:31

Der chinesische Künstler Lei XUE zu Gast am Forschungskolleg Humanwissenschaften

„Zwischen postdigital und Tradition. Klassische chinesische Kunst im Metaversum“

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Der Künstler Lei XUE setzt sich in seinen Werken mit der Bedeutung chinesischer Traditionen in der chinesischen Gegenwartskunst auseinander. Dabei arbeitet er vor allem mit Porzellan. In jüngster Zeit beschäftigt er sich zunehmend mit den Ausdrucksmöglichkeiten des „postdigitalen Zeitalters“. Dabei geht es ihm um eine Welt, in der die virtuelle und die soziale Realität ineinander überzugehen und miteinander zu verschmelzen scheinen - um das sogenannte „Metaversum“.

Zum Vortrag von Lei XUE mit dem Titel „Zwischen postdigital und Tradition. Klassische chinesische Kunst im Metaversum“

am Dienstag, 13. Dezember 2022, 18 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg
und im Zoom Meeting

lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität sehr herzlich ein. Am Beispiel eigener Digitalkunstwerke wird der Künstler über seine Methoden und die Möglichkeiten und Utopien von Kunst im Metaversum sprechen.

Lei XUE lebt und arbeitet in Darmstadt und Peking. Nach dem Studium der Malerei und der Freien Kunst an den Kunsthochschulen in Shandong und Kassel war er Meisterschüler von Urs Lüthi in Kassel. Seine mit vielen Preisen ausgezeichneten Porzellanarbeiten werden weltweit gesammelt, u.a. von Museen in Shenzhen, London, Wien und Berlin (Pergamon). In jüngster Zeit arbeitet er zunehmend mit den Neuen Medien. XUE lehrt an der Escola Superior de Cinema i Audiovisuals de Catalunya in Barcelona und an der Universität Renmin in Peking.

Der Vortrag ist der letzte im dritten Zyklus der Reihe „Sinophone Classicism - Chinese Cultural Memories in a Global Space“. Die Reihe soll im Sommersemester 2023 fortgesetzt werden. Das Konzept der Reihe hat Zhiyi Yang entwickelt, Professorin für Sinologie an der Goethe-Universität und derzeit Goethe-Fellow am Forschungskolleg. Einige frühere Vorträge können in der Playlist „Sinophone Classicism“ des YouTube-Kanals des Forschungskollegs Humanwissenschaften nachgehört werden.

Anmeldung
Teilnahme vor Ort: Zur besseren Planung wird um vorherige Anmeldung per Email gebeten: anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Teilnahme per Zoom: Anmeldung über diesen Registrierungslink: 
https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZMvcemgqD4pHtwbv3Xm1wsOHWP42K7I_RkN

Bilder zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/129438260Bildtext:
Der chinesische Küstler Lei XUE (Foto: privat) spricht in Bad Homburg über klassische chinesische Kunst im Metaversum. Dieses digitale Kunstwerk von Lei XUE (Foto: Lei XUE) trägt den Namen „Chinesischer Garten“ (algorithmische digitale Kunst, 2022).

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Zhiyi Yang
Institut für ostasiatische Philologien / Sinologie
Goethe-Universität
Email: z.yang@em.uni-frankfurt.de

Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften
Telefon 06172 13977-15
Email: b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 7 2022
10:38

Stellungnahme der Goethe-Universität

Präsidium reagiert auf Besetzung eines Hörsaals

FRANKFURT. Am Dienstag, 6. Dezember, gegen 10.00 Uhr, besetzte eine kleine Gruppierung mit dem Namen „End Fossil – Occupy“ einen der beiden größten Hörsäle auf dem Campus Westend der Goethe-Universität. Die Gruppe stellte breit gefächerte Forderungen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, welche vom Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis hin zur Aufgabe von bestehenden Kooperationen der Goethe-Universität mit bestimmten Firmen reichte. Die Gruppe wollte zunächst ein unbefristetes Veranstaltungsprogramm in den Räumlichkeiten des Hörsaalgebäudes durchführen.

Universitätskanzler Dr. Albrecht Fester stand früh mit der Gruppierung in Kontakt und hatte mehrfach angeboten, dass diese ihr Programm gerne in einem extra dafür durch Verlegung von Veranstaltungen verfügbar gemachten Hörsaal am Campus Bockenheim durchführen könne. Bedauerlicherweise nahmen die Mitglieder der Gruppe dieses Angebot nicht an und beharrten darauf, im Hörsaalzentrum am Campus Westend zu verbleiben. Im Zuge der Besetzung mussten daher über den Tag hinweg zahlreiche Lehrveranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmenden in andere Räumlichkeiten verlegt oder abgesagt werden.

Der Universitätskanzler hatte am frühen Abend daraufhin noch einmal verdeutlicht, dass die Besetzung eines der größten Hörsäle der Goethe-Universität während des laufenden Vorlesungsbetriebs von Seiten der Universitätsleitung nicht toleriert werden könne. Nach mehr als zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie und der gegenwärtig herrschenden Energiekrise stelle die mit großem Aufwand wiederhergestellte Präsenzlehre einen hohen Wert für den Lehrbetrieb im Interesse aller Studierenden und Lehrenden dar.

Nachdem das mehrfach unterbreitete Angebot der Verlagerung in einen anderen Hörsaal über den gesamten Tag seitens der Gruppen-Mitglieder nicht akzeptiert wurde, hatte sich das Präsidium am Abend dazu entschlossen, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und einen Strafantrag zu stellen. Mit ausschlaggebend für diese Entscheidung war neben den genannten Punkten auch die mangelnde Kompromissbereitschaft der Besetzer*innen.

Zwar handelt es sich bei den verschiedenen Standorten der Goethe-Universität um öffentlich zugängliche Gelände; gleichwohl ist die Universität Eigentümerin dieser Liegenschaften. Um 20.00 Uhr wurde dann die Räumung des Hörsaals durch die Polizei vorgenommen, nachdem mehrfache Aufforderungen des freiwilligen Verlassens des Raums von einigen Mitgliedern der Gruppe bis zuletzt ignoriert wurden.

Neben der Forschung, der Lehre, des Transfers von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft, der Aufnahme von Impulsen aus der Gesellschaft in Forschungsprojekte und der Politikberatung hat die Goethe-Universität in diesem Herbst – auch auf studentische Initiative hin – ein Büro für Nachhaltigkeit eingerichtet, welches eng mit dem selbstverwalteten Goethes Green Office zusammenarbeitet. Durch die Einrichtung des mit fünf Mitarbeiter*innen besetzten Nachhaltigkeitsbüros will die Universität ihren Beitrag bei der Umsetzung der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen leisten. Durch Veranstaltungen, Aktionen und konkreten Maßnahmen, bspw. für den Klimaschutz, trägt das Nachhaltigkeitsbüro zusammen mit dem Immobilienmanagement die mit den 17 Zielen verbundenen Ideen in die breite Universitätsöffentlichkeit.


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 6 2022
10:27

Neuer Energierekord bei Kollisionen von Blei-Ionen am CERN – höhere Kollisionsraten versprechen neue Erkenntnisse über die Anfänge des Universums

Urknall-Forschung: ALICE-Experiment am CERN startet Testbetrieb mit Blei-Ionen – Goethe-Uni koordinierte Detektor-Umbau

Den Materiezustand kurz nach dem Urknall, das sogenannte Quark-Gluon-Plasma, erforscht das ALICE-Experiment am Teilchenbeschleunigerzentrum CERN in Genf, wo Blei-Ionen miteinander kollidieren und für winzige Sekundenbruchteile ein solches Quark-Gluon-Plasma entstehen lassen. Jetzt wurden am CERN für das ALICE-Experiment in einem Testlauf erstmals Kollisionsenergien von 5,36 Teraelektronenvolt pro Blei-Blei-Kollision erzeugt, die weltweit höchste bislang erreichte Kollisionsenergie. Forschende um Harald Appelshäuser von der Goethe-Universität haben den zentralen ALICE-Detektor auf die nun höheren Kollisionsraten vorbereitet und hoffen auf neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums.

FRANKFURT. Wenige Sekundenbruchteile nach dem Urknall lag die gesamte Materie des Universums in einer Art „Elementarteilchen-Suppe“ als so genanntes Quark-Gluon-Plasma vor. Solch ein Quark-Gluon-Plasma lässt sich in Teilchenbeschleunigern für extrem kurze Zeit erzeugen, wenn man schwere Ionen kollidieren lässt. Daher sind die Kollisionen von Blei-Ionen von zentraler Bedeutung für das ALICE Experiment am Beschleunigerzentrum CERN, das die Eigenschaften von Materie, wie sie kurz nach dem Urknall vorgelegen hat, untersuchen möchte.

Während einer vierjährigen Umbauphase von 2018 bis 2022 wurde der weltweit stärkste Teilchenbeschleuniger, der Large Hadron Collider am CERN, nochmals verbessert und kann jetzt deutlich mehr Bleiionen beschleunigen als zuvor. Auch der ALICE Detektor wurde in dieser Zeit ertüchtigt, um die höheren Kollisionsraten, die der LHC in Zukunft liefern wird, aufzeichnen zu können. Hierzu war es notwendig, die Auslesedetektoren des zentralen Detektors des Experiments, der sogenannten Spurendriftkammer TPC (engl. Time Projection Chamber) komplett auszutauschen. Die Projektleitung dieses bislang zehnjährigen Unterfangens liegt bei Prof. Harald Appelshäuser vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität Frankfurt. Die neue TPC soll es unter anderem ermöglichen, die Temperatur des Quark-Gluon-Plasmas zu bestimmen, das während der der Blei-Blei-Kollision entsteht.

Mit den jetzt am CERN durchgeführten Tests mit Blei-Ionen können die ALICE-Forscherinnen und Forscher überprüfen, ob die Auslese und Signalverarbeitung wie erwartet funktionieren. Eine große Herausforderung sind dabei die enormen Datenmengen, die während der Messungen anfallen und allein für die TPC im Bereich von mehreren Terabyte pro Sekunde liegen. Dieser Datenstrom muss in Echtzeit mit effektiven Mustererkennungsmethoden prozessiert werden, um die gespeicherte Menge der Daten ausreichend reduzieren zu können.

Eigens hierzu wurde das Rechencluster EPN (Event Processing Nodes) für das Experiment aufgebaut. Das EPN-Cluster basiert sowohl auf konventionellen Prozessoren (CPUs) als auch auf speziellen Grafikprozessoren. Die Leitung dieses Projekts liegt bei Prof. Volker Lindenstruth, Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) und Institut für Informatik der Goethe-Universität.

Die ersten Messungen bei der neuen Energie sind ein großer Erfolg für das Schwerionenprogram am CERN. Prof. Harald Appelshäuser sagt: “Wir können es kaum erwarten, dass es nun wirklich losgeht mit den Messungen."

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/129304631

Bildtext: Der ALICE-Detektor wird für das Upgrade geöffnet. Foto: Sebastian Scheid, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Appelshäuser
Institut für Kernphysik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0) 69 798-47034 oder 47023
appels@ikf.uni-frankfurt.de
@ALICExperiment


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 6 2022
09:53

Kanadische Universität Saskatchewan wird Partneruniversität der Goethe-Universität - Antrittsbesuch der kanadischen Delegation mit Vertreter:innen aus Wissenschaft und Politik

Von Frankfurt bis Saskatchewan: Gemeinsame Forschung für die Gesundheit unseres Planeten

Gemeinsames Forschen verbindet: Das Engagement einzelner Wissenschaftler:innen für Nachhaltigkeit, Biodiversität und planetare Gesundheit hat vor Jahren die kanadische Universität Saskatchewan und die Goethe-Universität zusammengebracht. Nun haben beide Hochschulen eine umfassende internationale Partnerschaft beschlossen. Beim Antrittsbesuch einer kanadischen Delegation aus Wissenschaft und Politik am Montag, den 4. Dezember, ging es um Pläne für eine nachhaltige Zusammenarbeit.

FRANKFURT. Manchmal ist es Interesse an einem Studierendenaustausch, oft ein gemeinsames Forschungsprojekt, das den Anstoß für eine internationale Hochschulpartnerschaft gibt. Im Fall der neuen Partnerschaft zwischen der Universität Saskatchewan aus der gleichnamigen Provinz im Südenwesten Kanadas und der Goethe-Universität war es das gemeinsame Interesse an Wasserforschung: Biologe Prof. Dr. Henner Hollert vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität und seine kanadischen Kollegen Prof. Markus Brinkmann und Prof. Dr. Markus Hecker, beide am Toxicology Centre an der School of Environment and Sustainability der Universität Saskatchewan, forschen seit vielen Jahren gemeinsam. Inzwischen haben die Naturwissenschaftler ein transnationales Kolleg für Nachwuchswissenschaftler:innen zu Wassersicherheit und der Gesundheit eines Frischwasser-Ökosystems geplant – und ihre Universitäten haben vor einigen Monaten eine umfassende Partnerschaft beschlossen, die beide Institutionen über die Nachhaltigkeitsforschung hinaus verbinden soll.

Um die weitere umfassende Zusammenarbeit ging es gestern beim Antrittsbesuch des Vizepräsidenten für Forschung Prof. Baljit Singh und dem Biologen Prof. Markus Brinkmann, der auch Sonderberater seiner Universität für deutsche Hochschulpartnerschaften ist. Die Wissenschaftler wurden begleitet vom Bildungsminister des kanadischen Provinz Saskatchewan, Gordon Wyant, sowie weiteren Mitgliedern des Ministeriums.

„Wir freuen uns sehr über die neue transatlantische Partnerschaft", sagte Goethe-Universität-Präsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. “Uns verbindet mit der forschungsstarken University Saskatchewan nicht nur, dass exzellente Wissenschaftler*innen beider Universitäten seit vielen Jahren gemeinsam in den Bereichen Ecotoxikologie und Biodiversität forschen. Uns verbindet auch die Überzeugung, dass wir als Hochschulen aufgerufen sind, fachübergreifend kreative Lösungen für globale gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Wir wollen uns dazu wechselseitig stärken und nachhaltig inspirieren!"

Dr. Baljit Singh, Vizepräsident für Forschung an der Universität Saskatchewan, betonte: „Wir freuen uns, unsere langjährige Partnerschaft mit der Goethe-Universität, mit der wir uns nicht nur gemeinsame Werte, sondern auch das Engagement für akademische und wissenschaftliche Exzellenz teilen, nun auch formell zu beschließen. Dabei freuen wir uns auf die Zusammenarbeit zwischen den Forscherinnen und Forschern unserer Universität und der Goethe-Universität, um Lösungen für komplexe globale Herausforderungen zu entwickeln.“

Die weitere Zusammenarbeit umfasst unter anderem den Austausch und Praktika von Studierenden, Dozent:innen und Mitarbeiter:innen; vorgesehen sind außerdem der Ausbau von Forschungsprojekten und die Entwicklung gemeinsamer akademischer Programme. Schwerpunkte der Vereinbarung sind weitere Projekte in der Wasserforschung, insbesondere der Wassersicherheit und Wassergesundheit, Projekte zu Wechselwirkungen zwischen chemischer Verschmutzung und Biodiversitätsverlust sowie weitere inter- und transdisziplinäre Forschung in den Bereichen Nachhaltigkeit, Biodiversität und planetare Gesundheit.

Besonderes Interesse zeigten die kanadischen Gäste auch am neuen Nachhaltigkeitsbüro der Universität, dessen Team sich mit den Besuchern über aktuelle und geplante Projekte austauschte.

Die Universität Saskatchewan mit Sitz in Saskatoon, der größten Stadt der Provinz, gehört zu den Top-Forschungsuniversitäten in Kanada und zählt mit etwa 25.000 Studierenden zu den größten Hochschulen des Landes. Sie ist Mitglied der U15-Gruppe kanadischer Forschungsuniversitäten und bietet Bachelor- und Masterprogramme in mehr als 150 Studienrichtungen an. Zudem gehört sie der Universität der Arktis an, einem Netzwerk aus Universitäten und Instituten im Nordpolargebiet.  

Die Goethe-Universität ist neben Greifswald und der TU Darmstadt die dritte deutsche Partneruniversität der kanadischen Universität.

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/129306257

Bildtext:
Haben eine langjährige Partnerschaft beschlossen: Vertreter:innen der kanadischen Universität Saskatchewan (u.a. der Vizepräsident für Forschung Prof. Baljit Singh, 4.v.r.) und der Goethe-Universität, repräsentiert durch den Universitätspräsidenten Prof. Dr. Enrico Schleiff (3.v.r.) (Foto: Jürgen Lecher/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Cathrin Rieger
Internationale Hochschulpartnerschaften
Goethe-Universität
069/798-18156
c.rieger@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/international


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 5 2022
14:13

Goethe-Universität tritt dem Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE bei

Stärkung für Hessens Cybersecurity-Forschung 

Die Cybersicherheit von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat schützen und Bedrohungen abwehren – das ist das Ziel von ATHENE, dem Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit. Nun wirkt die Goethe-Universität durch ihre Forschung und Entwicklung an Europas größtem Forschungszentrum für Cybersicherheit mit.   

FRANKFURT. Nahezu jedes Unternehmen wird Opfer von IT-basierten Angriffen. Zudem werden die Angreifer immer professioneller, hat der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom ermittelt. Das Nationale Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE bündelt bereits die Cybersecurity-Aktivitäten verschiedener Spitzenforschungseinrichtungen. Neuerdings verstärkt und ergänzt die Goethe-Universität die Cybersicherheitsforschung von ATHENE.

Schwerpunktthemen der Cybersicherheitsforschung an der Goethe-Universität sind System- und Netzwerksicherheit, sichere Identitäten, datenschutzfreundliche Technologien und die rechtlichen Fragestellungen zu IT-Sicherheit und Datenschutz.

„Weltweit steigt die Zahl der Cyberattacken deutlich an. Laut Bitkom wird allein deutschen Unternehmen 2022 ein Schaden von über 200 Milliarden Euro durch Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage entstehen – und auch auf staatlicher Ebene sehen wir uns nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine zunehmend mit neuen Bedrohungslagen konfrontiert“, erklärt Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. „Das Nationale Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE der Fraunhofer-Gesellschaft adressiert aktuelle und zukünftige Herausforderungen durch anwendungsorientierte, innovative Spitzenforschung zur Verbesserung der Cybersicherheit und des Privatsphärenschutzes über alle Lebensbereiche und kritische Infrastrukturen hinweg. Mit ihrem ATHENE-Beitritt ergänzt die Goethe-Universität Frankfurt durch ihre Kompetenzen im Bereich der Rechtswissenschaften, Medizin und Finanzwissenschaften hervorragend die bestehende Expertise und wird die Beratungskompetenz sowie Innovationskraft dieses einzigartigen Kooperationsmodells weiter vorantreiben.“

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff ergänzt: „Das innovative Kooperationsmodell von ATHENE bietet uns einzigartige Möglichkeiten, die Herausforderungen einer zunehmend digitalen Welt zu erforschen und auch Lösungen und Antworten für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu entwickeln. Der Beitrag der Goethe-Universität liegt dabei besonders auf System- und Netzwerksicherheit, auf Sicherheit von Hochleistungsrechnen sowie Datenschutz und rechtlichen Aspekten der Cybersicherheit. Außerdem sehen wir ATHENE als bedeutendes Element für den weiteren Ausbau des Standorts Rhein-Main, der in der IT-Sicherheit international führend ist.“

Im ATHENE-Board wird die Goethe-Universität vertreten durch Prof. Dr. Haya Shulman, die im Februar dieses Jahres auf eine LOEWE-Spitzenprofessur für Cybersicherheit an das Institut für Informatik der Goethe-Universität berufen wurde. Sie leitet die Abteilung Cybersecurity Analytics and Defenses am Fraunhofer-Institut SIT in Darmstadt und koordiniert den Forschungsbereich Analytics Based Cybersecurity am Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE. Direktor von ATHENE ist Prof. Dr. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) und Professor an der TU Darmstadt, einer Partnerin der Goethe-Universität in der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU).

Das Nationale Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE ist ein Forschungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft, an dem die Fraunhofer-Institute für Sichere Informationstechnologie (SIT) und für Graphische Datenverarbeitung (IGD), die Technische Universität Darmstadt, die Hochschule Darmstadt und nun auch die Goethe-Universität mitwirken. Mit mehr als 600 beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter 50 Professorinnen und Professoren, ist ATHENE das größte Forschungszentrum für Cybersicherheit in Europa und die führende wissenschaftliche Forschungseinrichtung in Deutschland. In rund 100 Forschungsprojekten in aktuell 13 Forschungsbereichen widmet sich ATHENE den wichtigen Herausforderungen der Cybersicherheit für Gesellschaft, Wirtschaft und Staat. ATHENE arbeitet mit führenden Forschungseinrichtungen aus der ganzen Welt; besondere Beziehungen unterhält das Forschungszentrum mit Israel, wo es gemeinsam mit der Hebräischen Universität in Jerusalem die Fraunhofer-Innovationsplattform für Cybersicherheit betreibt.

ATHENE ist ein auf Dauer eingerichtetes Forschungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMKW) gefördert. Im Jahr 2022 betrug die Förderung rund 23 Mio. Euro.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Haya Shulman
Fachbereich Informatik und Mathematik 
Cybersicherheit
Goethe-Universität
Robert-Mayer-Str. 10
60486 Frankfurt am Main
shulman@em.uni-frankfurt.de

https://www.athene-center.de/


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 1 2022
10:49

Physiker Eckart erhält renommierte Förderung des European Research Council zur Erforschung des quantenmechanischen Tunneleffekts

Tunnelnde Teilchen in 3D: ERC Starting Grant für Sebastian Eckart von der Goethe-Universität

In der Welt der Quantenphysik gelingt es Elektronen zuweilen, die Bindungskräfte des Atomkerns zu überwinden und das Atom zu verlassen, obwohl sie eigentlich nicht genügend Energie dafür haben. Für die Erforschung dieses sogenannten quantenmechanischen Tunneleffekts erhält der Physiker Sebastian Eckart von der Goethe-Universität Frankfurt jetzt einen der begehrten ERC Starting Grants. Mit den Fördermitteln in Höhe von etwa 1,8 Millionen Euro über 5 Jahre wird er zusammen mit seinem Team den quantenmechanischen Tunneleffekt in drei Dimensionen analysieren. Die ERC Starting Grants sollen es junge Wissenschaftler ermöglichen, über mehrere Jahre eigenständige Forschungsprojekte voranzutreiben.

FRANKFURT. Der „Starting Grant“ des European Research Council (ERC) bietet dem Experimentalphysiker Sebastian Eckart vom Institut für Kernphysik der Frankfurter Goethe-Universität die Möglichkeit, mit seiner Arbeitsgruppe physikalisches Neuland zu betreten: „Wir wollen den quantenmechanischen Tunneleffekt in drei Dimensionen betrachten“, sagt Eckart. Das war in dieser Form bislang nicht möglich, obwohl der Tunneleffekt seit Jahrzehnten bekannt und gut untersucht ist, da er für die Quantenphysik von fundamentaler Bedeutung ist.

Beim Tunneleffekt durchdringt ein Teilchen eine Potenzialbarriere, die nach den Regeln der klassischen Physik für das Teilchen unüberwindbar ist. Ein analoges Beispiel aus der Mechanik ist ein Ball, der nur über einen Hügel rollen kann, wenn seine Bewegungsenergie höher ist als die potenzielle Energie, die er auf dem Scheitel des Hügels hat. In der Quantenmechanik können Teilchen gelegentlich selbst dann solche Hügel überwinden, wenn sie eigentlich nicht genügend Energie dafür besitzen: Sie bewegen sich dann „einfach“ durch den Hügel hindurch, was als „tunneln“ bezeichnet wird. Damit ist der Tunneleffekt eines der scheinbar paradoxen Quantenphänomene. Erklären lässt er sich in der Quantenmechanik ungefähr so: Aufgrund der Eigenarten der Quantenphysik sind Teilchen zugleich Wellen. Ein Ausläufer dieser Teilchenwellen kann durch die Potenzialbarriere hindurchreichen und ermöglicht es so dem Teilchen, sich auch jenseits der Barriere zu manifestieren und sich so aus ihr zu „befreien“.

„Als zu untersuchendes System nehmen wir einfache Argon-Atome, indem wir einen Strahl aus diesem Edelgas durch unsere Probenkammer schicken“, so Eckart. Die für den Tunneleffekt erforderliche Potenzialbarriere besteht aus der elektromagnetischen Anziehung, die der Atomkern auf die Elektronen der Argon-Atome ausübt. Mit extrem starken Laserpulsen, die aus verschiedenen Richtungen auf das Atom treffen und im Kreuzungspunkt eine Intensität von rund einer Billiarde Watt pro Quadratzentimeter erreichen, lassen sich die Elektronen im Atom dann hin und wieder zum Tunneln „überreden“. Denn auch wenn die Frequenz der eingestrahlten Laserpulse zu gering ist, um eine direkte Ionisation zu bewirken, so verschieben bei derartigen Starkfeld-Intensitäten die elektrischen Felder der Laserpulse die Elektronen-Teilchenwellen derart, dass der Tunneleffekt möglich wird und bei rund einem Viertel der Atome auch tatsächlich eintritt.

Besonders spannend für das Grundlagenverständnis des Tunneleffekts wird es sein, wie die Eigenschaften der Laserpulse – also ihre Schwingungsrichtungen in allen drei Raumdimensionen – mit den tunnelnden Elektronen wechselwirken. So ist zwar bekannt, dass die Drehimpulse der Lichtteilchen und der Elektronen einen starken Einfluss auf den Tunneleffekt haben können. Gewisse Kombinationen bei den Eigenschaften der Laserpulse und der freigesetzten Elektronen verstärken den Effekt oder schwächen ihn ab. In drei Dimensionen ist dies aber noch nie untersucht worden. Hierzu nutzt Eckart eine Frankfurter Co-Erfindung: das COLTRIMS-Reaktionsmikroskop, mit dem sich atomare Geschehnisse dreidimensional auflösen lassen. Das wird es erlauben, alte und grundlegende Fragen zur Quantenphysik sowie zur Licht-Materie-Wechselwirkung zu beantworten.

Bilder zum Download: https://uni-frankfurt.de/128953822

Bildtext: Dr. Sebastian Eckart, Institut für Kernphysik der Goethe-Universität. Foto: privat

Weitere Informationen
Dr. Sebastian Eckart
Institut für Kernphysik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 47019
eckart@atom.uni-frankfurt.de
https://www.atom.uni-frankfurt.de/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 1 2022
10:39

AIWG veröffentlicht Studie zum Berufseinstieg von Absolventinnen und Absolventen der islamischen Theologie und Religionspädagogik

„Islam“ als Beruf?

Welchen Beruf ergreifen Absolventinnen und Absolventen der islamisch-theologischen Studien, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen haben? Dazu gibt es jetzt erstmals eine Studie, erstellt von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität gemeinsam mit den Universitäten Gießen und Mainz. Die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie werden heute in der Publikationsreihe „WiFo paper“ der Akademie veröffentlicht.

FRANKFURT. Bis zu 2.500 junge Menschen studieren an deutschen Universitäten islamische Theologie oder Religionspädagogik. Doch wo arbeiten sie im Anschluss an ihr Studium? In der Schule, als Imam, in der Sozialen Arbeit, in den Medien? Dieser Frage ist ein interdisziplinäres Team der Universitäten Gießen, Mainz und Frankfurt nachgegangen. Die qualitativen und quantitativen Ergebnisse der Verbleibstudie „Berufsfeld Islam“ hat die AIWG nun in ihrem Publikationsformat „WiFo paper“ herausgegeben.

Für die Studie sind mehr als 200 Absolventinnen und Absolventen der universitären islamisch-theologischen Standorte in fünf Bundesländern befragt worden: Welche Berufe haben sie nach dem Islam-Studium ergriffen? Wie gut fühlen sie sich durch ihr Studium auf die Arbeitswelt vorbereitet? Und welche Faktoren begünstigen den Berufseinstieg? Die Ergebnisse zeigen, für welche Berufsbilder die 2011 an deutschen Universitäten eingeführten islamisch-theologischen Studien vor allem qualifizieren.

Soziale Arbeit und Schuldienst sind wichtige Beschäftigungsfelder

Zentrale Erkenntnisse der Studie „Berufsfeld Islam“ sind: Fast die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen ist in der Sozialen Arbeit oder verwandten Berufsfeldern beschäftigt. Weitere 40 Prozent arbeiten in pädagogischen Berufen. Kaum ein Studienteilnehmer arbeitet hingegen hauptberuflich als Imam. Rückblickend sehen die meisten Befragten das Studium der islamischen Theologie oder Religionspädagogik als eine Phase der intellektuellen und persönlichen Entfaltung. Allerdings wurde auch häufig geäußert, dass man sich eine fachlich passendere Vorbereitung auf ihre späteren Tätigkeiten gewünscht hätte.

Diejenigen, die einen Lehramtsstudiengang absolviert haben, würden sich zu zwei Dritteln noch einmal für diesen Weg entscheiden. Sie haben nach dem Studium ein relativ klares Berufsbild vor Augen und einen geregelten Übergang in den Schuldienst. Allerdings berichten sie häufig von erhöhten strukturellen Hürden und Belastungen, da sich der islamische Religionsunterricht noch im Aufbau befindet.

Den theologischen Schwerpunkt würde hingegen weniger als die Hälfte noch einmal wählen. Diese Absolventinnen und Absolventen müssen sich nach dem Studium erstmal selbständig Berufsbilder erschließen, in den ersten Jahren sind sie zumeist nur befristet beschäftigt. Die Quote der Erwerbstätigkeit liegt hier allerdings auf demselben Niveau wie bei anderen Geisteswissenschaften auch.

Grundsätzlich, so belegt die Studie, bringen sich die Absolventinnen und Absolventen überdurchschnittlich in die Gesellschaft ein. Mehr als die Hälfte von ihnen engagiert sich ehrenamtlich. Insbesondere diejenigen mit theologischem Schwerpunkt übernehmen häufig Verantwortung in religiösen und sozialen Einrichtungen.

„Mit der Verbleibstudie haben wir nun erstmalig wichtige, systematisch erhobene Informationen über den Berufseinstieg der Studierenden vorliegen. Zudem können die Ergebnisse der Studie dazu beitragen, dass Studierende und Studieninteressierte sich ein klareres Bild machen können, welche Möglichkeiten die Studiengänge bieten und welche zusätzlichen Schlüsselkompetenzen gerade in den Geisteswissenschaften wichtig sind für einen gelungenen Berufseinstieg“, kommentiert AIWG-Direktor Prof. Bekim Agai die Studienergebnisse. „Die Studie legt nahe, auch praxisorientierte Studienangebote, beispielsweise berufsbegleitend im Master, anzubieten. Für einen erfolgreichen Berufseinstieg sind zudem Praktika, ehrenamtliches Engagement oder Auslandssemester hilfreich“, sagt Prof. Naime Çakir-Mattner von der Universität Gießen, die das Forschungsprojekt gemeinsam mit Prof. Constantin Wagner von der Universität Mainz geleitet hat. Befragt wurden Absolventinnen und Absolventen, die zwischen 2016 und 2019 an den Universitäten in Frankfurt am Main, Erlangen-Nürnberg, Gießen, Münster, Osnabrück oder Tübingen einen Bachelor-Abschluss oder ein Staatsexamen in Islamischer Theologie oder Religionspädagogik erworben hatten. Von insgesamt rund 570 Absolventinnen und Absolventen aus dieser Zeit nahmen mehr als 200 Personen an der Studie teil.

Über die Projektleitung

Naime Çakir-Mattner ist Professorin für Islamische Theologie mit Schwerpunkt muslimische Lebensgestaltung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem Migration, Gender und Religion, Islamfeindlichkeit und Rassismus, Islam und Muslime im europäischen Kontext.

Constantin Wagner ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Heterogenität an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Heterogenität und soziale Ungleichheit in der postmigrantischen Gesellschaft sowie Islam(verständnisse) im postkolonialen Europa. Er ist Autor der AIWG-Expertise „Wer studiert Islamische Theologie? Ein Überblick über das Fach und seine Studierenden“.

Über das AIWG „WiFo paper“

In der Reihe WiFo papers erscheinen Projektberichte, Positionspapiere und explorative fachliche Beiträge aus den Wissenschaftsformaten der AIWG. Sie greifen islamtheologische Themen aus den universitätsübergreifenden Projekten auf und tragen damit zu fachwissenschaftlichen Diskursen und zum interdisziplinären Austausch bei.

Die Studie kann auf der Webseite der AIWG heruntergeladen werden:
https://aiwg.de/wp-content/uploads/2022/11/WiFo-paper-Berufsfeld-Islam.pdf

Grafiken und Buchtitel zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/129125771

Die angebotenen Bilder und Grafiken dürfen im Rahmen der Berichterstattung über die Publikation redaktionell verwendet werden.

Bildtext: Eine neue Studie der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) befasst sich mit dem Berufseinstieg von Absolventinnen und Absolventen der islamischen Theologie und Religionspädagogik. (Grafiken: Erkin Calisir/AIWG)

Weitere Informationen
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon 069 798-22459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 30 2022
14:55

Zweitägige Veranstaltung des europäischen Projekts CyberSec4Europe startet Donnerstag, 1. Dezember

Cybersicherheitskonferenz in Brüssel – Online-Teilnahme möglich

In dem Maße, in dem unsere Gesellschaft immer mehr digitale Technologien nutzt, werden digitale Infrastrukturen zunehmend Ziel von Cyber-Attacken. Das Horizon 2020-Pilotprojekt „CyberSec4Europe“, das federführend von der Goethe-Universität koordiniert wird, bereitet die Einrichtung des von der EU beschlossenen europäischen Kompetenzzentrums für Cybersicherheit in Industrie, Technologie und Forschung und des Netzes der nationalen Koordinierungszentren vor. Auf der Tagung „Momentum!“ von CyberSec4Europe stellen in den kommenden beiden Tagen internationale Experten ihre Vorstellungen über die künftige Zusammenarbeit der europäischen Cybersicherheit vor.

FRANKFURT. Prof. Kai Rannenberg, Wirtschaftsinformatiker an der Goethe-Universität Frankfurt und federführender Koordinator von CyberSec4Europe, ist überzeugt: "CyberSec4Europe bildet ein starkes Konsortium mit Partnern aus 20 EU-Mitgliedstaaten und zwei assoziierten Ländern. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, nicht nur die Position der EU im Bereich der Cybersicherheit zu stärken, sondern auch das Konzept der europäischen Cybersicherheit weiterzuentwickeln. Cybersicherheit muss mit europäischen Werten wie Freiheit und Respekt für den Einzelnen sowie dem Schutz der am meisten gefährdeten Personen verbunden bleiben. Unsere Tagung ‚Momentum!' wird die Breite und Kreativität der vielen Projektergebnisse und -ansätze zur Förderung der europäischen Cybersicherheitsagenda vorstellen und zeigen, wie Europa seine Bürger und die Gesellschaft in den kommenden Jahren schützen kann."

Momentum!
Cybersecurity Summit Event
Do, 01.Dezember 2022 (11 – 20:30 Uhr)
Fr, 02. Dezember 2022 (9 – 14 Uhr)
Räumlichkeiten der
Hessischen Landesvertretung in Brüssel
sowie online über
https://cybersec4europe.eu/events/momentum/

Die Veranstaltungssprache ist Englisch.

Weitere Informationen: https://cybersec4europe.eu/
Anmeldung: https://cybersec4europe.eu/events/momentum/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12498, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 28 2022
14:59

Prof. Londa Schiebinger (Stanford University) spricht an der Goethe-Universität über geschlechtsspezifische Innovationen und die Förderung von Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technologie.

Die kreative Kraft von Sex, Gender und intersektionaler Analyse

FRANKFURT. Prof. Londa Schiebinger, John L. Hinds Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Stanford University, wird an der Goethe-Universität über ein zukunftsträchtiges Thema sprechen: Wie kann man die kreative Kraft von Sex, Gender und intersektionaler Analyse für Entdeckungen und Innovationen in der Wissenschaft nutzen? Der Vortrag ist eingebettet in ein Symposium zum Thema „Let's talk about Sex, Gender & Research“, das vom Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität und dem Cornelia Goethe Centrum veranstaltet wird. Die Begrüßung übernimmt Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität. Der Vortrag findet auf Englisch statt, Anmeldungen unter training.gleichstellung@uni-frankfurt.de werden erbeten. Um 17.30 gibt es im Festsaal Casino bereits die Möglichkeit sich auszutauschen, zu vernetzen und bei Getränken und Häppchen zusammenzukommen.

Keynote und Diskussion
Prof. Londa Schiebinger: „Gendered Innovations -
Enhancing Excellence in Science & Technology“
1. Dezember, 18.00 – 20.00 Uhr, Festsaal Casino, Goethe-Universität,
Campus Westend (und online via ZOOM)

Der Vortrag von Prof. Londa Schiebinger wird sich mit Gesundheit und Biomedizin, KI/ML, Gendering von sozialen Robotern und Embedded EthiCS befassen. Es wird darum gehen, wie Geschlecht und Sex interagieren und wie intersektionale Forschung aussieht. Weitere Themen sind politische Initiativen von Förderorganisationen, Fachzeitschriften wie Nature sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen, die diskutiert werden.

Prof. Dr. Londa Schiebinger ist eine führende internationale Expertin für Gender in Wissenschaft und Technologie und hat vor den Vereinten Vereinten Nationen, dem Europäischen Parlament, der koreanischen Nationalversammlung, und zahlreichen Förderorganisationen zu diesem Thema gesprochen. Schiebinger promovierte an der Harvard University und ist gewähltes Mitglied der Amerikanischen Akademie der Künste und Wissenschaften. Sie ist Trägerin zahlreicher zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter der renommierte Alexander von Humboldt-Forschungspreis und das Guggenheim-Stipendium. Schiebinger ist ferner Gründungsdirektorin von Gendered Innovations in Science, Health & Medicine, Engineering, and Environment.

Weitere Informationen unter https://www.uni-frankfurt.de/123424517/Projekt__Geschlechterreflexiv_Forschen


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 28 2022
11:59

Goethe-Universität und Studierendenwerk Frankfurt am Main richten dringenden Appell an Bürgerinnen und Bürger, günstigen Wohnraum für Studierende anzubieten

Rund 3.000 Studierende suchen weiterhin eine Bleibe 

FRANKFURT. „Zimmer frei? Vermieten Sie an Studierende!“ Schon vor dem Start des Wintersemesters hat die Goethe-Universität gemeinsam mit den anderen Frankfurter Hochschulen, dem Studierendenwerk Frankfurt am Main und den Studierendenvertretungen sowie den Städten Frankfurt am Main und Wiesbaden Bürger:innen im Rhein-Main-Gebiet aufgefordert, bezahlbaren Wohnraum an Studierende zu vermieten. Angesichts von rund 3.000 weiterhin nach einem Zimmer suchenden jungen Menschen und vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und höherer Lebenshaltungskosten wiederholen Universität und Studierendenwerk nun eindringlich diesen Appell.

„Unsere Studienberaterinnen und -berater hören immer öfter den Satz: Ich habe einen Studienplatz, aber ich kann nicht kommen, denn ich finde kein Zimmer“, berichtet Prof. Dr. Christiane Thompson, Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Lehre, Studium und Weiterbildung. Dies gelte nicht nur für bereits in Deutschland wohnende junge Menschen, auch internationalen Studierenden erschwere Wohnraummangel ein Studium an der Goethe-Universität – dies in einer Zeit, in der es junge Menschen aus dem Ausland nach der Pandemie wieder zum Studium nach Frankfurt zieht. „Auch bezahlbarer Wohnraum entscheidet darüber, wie attraktiv Frankfurt im internationalen Vergleich ist“, so Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität. „Wir bitten deshalb Vermieterinnen und Vermieter in der Stadt und im Umland, die freien Wohnraum haben, ihn Studierenden zur Verfügung zu stellen, statt ihn beispielsweise auf Plattformen wie Airbnb anzubieten.“

Auch eine Kurzzeit-Vermietung helfe bereits weiter, betont Konrad Zündorf, Geschäftsführer des Studierendenwerks Frankfurt am Main, und weist auf die eigens eingerichtete Internetseite www.wohnraum-gesucht.de hin, über die einfach und kostenlos Wohnungsangebote inseriert werden können. Mittelfristig werde aber vor allem durch mehr Bauvorhaben zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Die Universität hatte in der Vergangenheit ihrerseits dazu einen Beitrag geleistet, indem sie universitäres Baugelände für Wohnhäuser zur Verfügung gestellt hatte. So konnte zum Start des Wintersemesters das Studierendenwohnheim am Campus Riedberg eröffnet werden, das in der Kombination mit einem International House auch den Austausch mit internationalen Wissenschaftler:innen fördert. Das hochwärmegedämmte, nachhaltig gebaute und mit einer Photovoltaikanlage versehene Holzwohngebäude war mit Zuschüssen von Land und Stadt gebaut worden.

Die Plätze in den Wohnheimen des Studierendenwerks Frankfurt am Main oder bei anderen Trägern von studentischen Wohnhäusern reichen jedoch bei weitem nicht aus, um den weiter steigenden Bedarf zu decken. In der Hochschulstadt Frankfurt bietet das Studierendenwerk Frankfurt am Main gegenwärtig 3.518 Plätze an; hinzu kommen 2.001 Plätze von anderen öffentlich geförderten Anbietern, so die Auskunft des Studierendenwerks. Dem gegenüber stehen mehr als 59.500 Studierende, die Wohnraum benötigen (Zahlen aus dem Wintersemester 2021/22).

Im deutschlandweiten Mietpreisvergleich liegt Frankfurt mit 580 Euro im Durchschnitt pro WG-Zimmer nach München an zweiter Stelle. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten »Hochschulstädte Scoring 2022« des Moses Mendelssohn Instituts hervor, das den bundesdeutschen Durchschnitt mit 435 Euro angibt. Die zum Wintersemester von 325 auf 360 Euro erhöhte BAföG-Wohnkostenpauschale reicht in den meisten Hochschulstädten nicht einmal für ein gewöhnliches WG-Zimmer.



Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 25 2022
14:05

581 neue Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität vergeben, zehn davon erstmals durch die Stipendiaten-Challenge „Ihr für Euch“ 

Wenn Stipendiaten selbst spenden

Aus eins mach zwei: Nach diesem Prinzip wird die von der Goethe-Universität eingeworbene Summe für Deutschlandstipendiaten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung jedes Jahr verdoppelt. 581 Stipendien konnten beim gestrigen geselligen Get-together vergeben werden. In diesem Jahr wurde mit einer Stipendiaten-Challenge erstmals ein Teil der Summe sogar vervierfacht.

FRANKFURT. Das Deutschlandstipendium fördert junge Menschen, die talentiert, vielseitig interessiert und ehrenamtlich engagiert sind. Für sie haben in diesem Jahr 400 Privatförderer, 43 Non-Profit-Organisationen und 38 Unternehmen die Gesamtsumme von 1.045.800 Euro gespendet. Das Jahresstipendium ermöglicht den Stipendiaten, von denen ein Drittel Migrationshintergrund haben, eine monatliche Förderung von 300 Euro. Darüber hinaus sind mit dem Stipendium vielfältige Formen des Austauschs verbunden: mit den Förderinnen und Fördern und deren Netzwerken selbst und innerhalb der Gruppe der Stipendiaten, die – unterstützt von ihren Mentorinnen und Mentoren aus der Frankfurter Wirtschaft und Kultur – fachübergreifend und interdisziplinär in Projekten zusammenarbeiten können. „In Zeiten, in denen Unternehmen zunehmend schwerer fällt, zu spenden, freuen wir uns sehr, dass uns viele private Spenderinnen und Spender unterstützt haben“, sagte Vizepräsident Bernhard Brüne auf der gestrigen Vergabefeier. In diesem Jahr hatten sich – mit kleineren Beiträgen – rund hundert Privatförderer mehr für das Stipendium engagiert als in den vergangenen Jahren.

Einen Förderer hat das Hebelprinzip des Deutschlandstipendiums zu einer besonderen „Challenge“ inspiriert: Gemeinsam mit einer weiteren Spenderin forderte er die ehemalige Stipendiaten-Community heraus, selbst zu spenden – und zwar die Summe von 9.000 Euro. In dem Fall würde der Beitrag von den Spendern verdoppelt werden, bevor er vom Bund erneut verdoppelt, also insgesamt vervierfacht wird. Die Stipendiaten haben diese Herausforderung angenommen und in einem spannenden Finale die 9.000 Euro-Hürde überwunden. Knapp sechzig aktuelle und rund hundert ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten trugen über zwei Monate zur Challenge bei. 10 neue Deutschlandstipendien konnten so vergeben werden.

Seit 2011 wurden 12,5 Mio. Euro von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern, Organisationen sowie Unternehmen gespendet. Nach dem matching-Prinzip des Bundes kamen Studierenden der Goethe-Universität bislang gut 25 Millionen Euro durch das Deutschlandstipendium zugute.

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/128749375

Bildtext:

581 Studierende haben in diesem Jahr ein Deutschlandstipendium erhalten: Bei der Vergabefeier holten sich viele ihr Dokument persönlich ab (Foto: Benjamin André)

Weitere Informationen
Marc Heinbücher
Referent des Deutschlandstipendiums
Private Hochschulförderung
Goethe-Universität
heinbuecher@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/44947252/


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 25 2022
13:54

Goethe-Universität lebt Gleichstellungs- und Diversitätsstandards der DFG

Vielfalt erweitert (Forschungs-)Perspektiven

FRANKFURT. Die Goethe-Universität Frankfurt am Main steht für Chancengerechtigkeit und engagiert sich seit nahezu vier Jahrzehnten mit Konzepten und gezielten Maßnahmen für Geschlechtergleichstellung und die Förderung von Diversität in Studium, Lehre und Forschung. Mit der Etablierung einer offenen Wissenschaftskultur sowie dem steten Abbau von Barrieren für Universitätsangehörige unterschiedlicher Herkunft, Lebensweisen und Identitäten wirkt sie Benachteiligungen und Diskriminierungen entgegen.

Vor dem Hintergrund ihres Selbstverständnisses als weltoffene und chancengerechte Hochschule widerspricht die Goethe-Universität daher prominent publizierten Privatmeinungen, die den Wert von Gleichstellungs- und Diversitätsstandards für Forschung und Forschungsförderung grundsätzlich bezweifeln. Eine solche Position entspricht nicht der Haltung der Goethe-Universität und steht im krassen Widerspruch zu den Zielen, auf die sich die Universitätsgemeinschaft z.B. im „Aktionsplan Chancengleichheit 2019 – 2024“ verständigt hat.

Als Mitgliedshochschule der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die Goethe-Universität sehr aktiv bei der Umsetzung der Forschungsorientierten Gleichstellungs- und Diversitätsstandards. Sie unterstützt daher ausdrücklich die kürzlich in der FAZ veröffentlichte Antwort der DFG-Präsidentin Katja Becker, die unterstreicht, wie wichtig für die Weiterentwicklung der Universitäten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Forschung solche Standards sind. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedshochschulen der DFG teilt die Goethe-Universität die Überzeugung, dass eine zunehmende Heterogenität ihrer Studierenden und Beschäftigten auch die Qualität von Forschung und Lehre steigert.

Universitätspräsident Enrico Schleiff stellt klar: „Gleichstellungs- und Diversitätsstandards sind Teil des Transformationsprozesses von Universitäten und Forschungseinrichtungen, in welchem überkommene Rollenmuster, Privilegien und stellenweise lähmende Organisationsprinzipien hinterfragt werden. Das Potenzial von Gleichstellung und Diversität für eine qualitätsorientierte und internationale Entwicklung von Forschung und Lehre mag den einen oder anderen erschrecken! Niemand kann ernsthaft in Abrede stellen, dass die neu entstehenden Räume, in denen immer mehr Menschen ihre Talente, Potenziale, verschiedenen Perspektiven und Ideen einbringen und entfalten können, den Wissenschaftsprozess bereichern.“

Erfolge dieses Engagements zeichnen sich bereits in dem steigenden Anteil von Professorinnen an der Goethe-Universität und einem Frauenanteil von 56 % unter den Neuberufungen im vergangenen Jahr ab. Um diese Ziele weiter zu verfolgen, arbeitet die Universität aktuell daran, die Diversität ihrer Wissenschaftler*innen und gegebenenfalls damit verbundene Diskriminierungserfahrungen durch eine Erhebung sichtbar zu machen. Parallel und auf Basis der Erhebung entwickelt sie ein Diversity-Konzept für den Wissenschaftsbereich. 


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de