​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​

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Pressestelle Goethe-Universität

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Mär 11 2026
11:03

Studie im Auftrag der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität zeigt große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Neue Studie zu muslimischer Gefängnisseelsorge 

Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität hat heute (am 11.03.2026) eine neue Studie zur islamischen Gefängnisseelsorge in Deutschland veröffentlicht. Autorin ist die Religionswissenschaftlerin Dr. Sarah Jadwiga Jahn. Sie zeichnet die Entwicklungen und Diskussionen zum Thema nach, legt den Stand der Umsetzung in den einzelnen Bundesländern dar und formuliert Handlungsempfehlungen für bislang ungelöste Herausforderungen.

FRANKFURT. Die von der AIWG in Auftrag gegebene Studie zur Gefängnisseelsorge knüpft an die Ergebnisse der Deutschen Islam Konferenz an, die 2017 grundlegende Empfehlungen zur Seelsorge in Justizvollzugsanstalten formuliert hatte, eine davon war die Einrichtung einer länderoffenen Arbeitsgruppe der Konferenz der Justizministerinnen und Justizminister der Länder. Seitdem ist die seelsorgerische Betreuung für Muslime auf Landesebene deutlich ausgebaut worden. Wie die AIWG-Expertise mit dem Titel „Islamische Gefängnisseelsorge in Deutschland. Strukturelle Grundlagen und Modelle im Justizvollzug der Bundesländer“ zeigt, gibt es allerdings eine große Bandbreite im Angebot: Diese reicht vom Einsatz Ehrenamtlicher bis hin zu Vereinbarungen zwischen einzelnen Justizvollzugsanstalten und islamischen Gemeinden oder Vereinen. Während beispielsweise Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie das Saarland keine islamische Gefängnisseelsorge vorhalten, haben andere Bundesländer Übergangsmodelle entwickelt oder arbeiten auf Grundlage von Modellprojekten. Manche Bundesländer bieten islamische Seelsorge regulär an. Der deutsche Justizvollzug hat das erklärte Ziel, zur Resozialisierung von Inhaftierten beizutragen; insofern kann islamische Seelsorge als Bestandteil ganzheitlicher Rehabilitationsmaßnahmen für jene muslimischen Gefangenen einen unterstützenden Beitrag leisten, die religiöse Angebote annehmen, und dadurch potenziell positive gesellschaftliche Effekte begünstigen.

Trotz positiver Entwicklungen auf diesem Gebiet bestehen weiterhin ungelöste Herausforderungen, die einem flächendeckenden Ausbau des seelsorgerischen Angebots für Musliminnen und Muslime entgegenstehen. So wäre eine klare Abgrenzung der islamischen Gefängnisseelsorge von Extremismusprävention und Deradikalisierung erforderlich, außerdem müsste ein Zeugnisverweigerungsrecht erarbeitet werden, das islamische Seelsorgerinnen und Seelsorger mit christlichen rechtlich gleichstellt und sie in ihrer Tätigkeit schützt. Die Studie gibt Impulse und Beispiele dafür, wie Mindeststandards sowohl in der Aus- und Weiterbildung bundesweit gesichert und angeglichen werden können als auch für die genauere Definition der Aufgaben von Seelsorge in Justizvollzugsanstalten. Wie eine dauerhafte Finanzierung durch die Haushaltsmittel der Länder sichergestellt werden kann, ist noch offen.

Prof. Dr. Bekim Agai, Direktor der AIWG, über die Ergebnisse der Expertise:

„An den Zentren für islamisch-theologische Studien in Tübingen und Osnabrück bestehen etablierte Ausbildungsstrukturen für die islamische Seelsorge. Gleichzeitig gibt es in der Praxis noch kein klar definiertes Berufsbild und kaum verlässliche Beschäftigungsperspektiven. Solche müssten jedoch für Absolventinnen und Absolventen gegeben sein, damit sie mit ihrer Qualifikation für eine qualitätsgesicherte seelsorgerische Praxis einen Einstieg in den anspruchsvollen Beruf finden können.“

Die AIWG-Expertise „Islamische Gefängnisseelsorge in Deutschland. Strukturelle Grundlagen und Modelle im Justizvollzug der Bundesländer“ kann auf der AIWG-Homepage kostenfrei heruntergeladen werden unter: AIWG-Expertisen - AIWG - Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft

Über die Autorin

Dr. Sarah Jadwiga Jahn forscht als Religions- und Organisationswissenschaftlerin zur Wahrnehmung und zum Umgang mit religiöser und kultureller Vielfalt in öffentlichen Einrichtungen (Polizei, Strafvollzug und kommunale Verwaltung). Seit 2018 ist Jahn hauptamtliche Dozentin an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW). Jahn wurde an der Universität Leipzig in Religionswissenschaft und Soziologie zur positiven Religionsfreiheit im Strafvollzug promoviert. Seit 2012 publiziert sie zum Umgang mit religiöser Vielfalt im Strafvollzug.

Buchcover zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/183596270

Weitere Informationen
Stefanie Golla-Dehmamy
Referentin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon 069 798-22459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 10 2026
16:06

Studie fragt junge Menschen, was sie denken

Nach der Schule in den Wehrdienst? 

FRANKFURT. Die neuen Regelungen für den Wehrdienst gelten seit dem 1. Januar. Doch wie geht es jungen Menschen damit? Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt haben eine bundesweite Onlinebefragung von 15- bis 30-Jährigen im Kontext der aktuellen Debatte gestartet. Für PD Dr. Severine Thomas und Dorothee Kochskämper, Universität Hildesheim, und Dr. Johanna Wilmes, Goethe-Universität Frankfurt aus dem Forschungsteam, besonders interessant: was die aktuelle Lage mit jungen Menschen macht. „Wir wollen wissen, was junge Menschen über den neuen Wehrdienst denken und wie es ihnen damit geht“, erklärt Thomas. „Und welche Stimmungen und Sorgen junge Menschen haben - auch angesichts aktueller Kriege und Krisen“, ergänzt Wilmes. 

Grundlage für diese Überlegungen sind auch die Ergebnisse aus den bisherigen Befragungen zu Jugend und Corona. Diese haben gezeigt, wie belastet sich junge Menschen durch aktuelle Krisen fühlen. Viele fühlen sich von der Politik ungesehen und sorgen sich um ihre Zukunft. Von den neuen Wehrdienstregelungen sind sie nun direkt betroffen – und erleben eine verschärfte Sicherheitslage. Seit dem 1. Januar 2026 sind junge Männer ab Geburtsjahrgang 2008 verpflichtet, einen Fragebogen zu Motivation und Eignung auszufüllen. Für junge Frauen ist die Wehrerfassung freiwillig. Auch die Teilnahme am Wehrdienst selbst bleibt bisher freiwillig.

Weitere Informationen
Die Befragung läuft bis zum 27. März 2026 unter https://www.soscisurvey.de/JugendundWehrdienst
Die Teilnahme dauert ca. 10 Minuten. Bisherige Veröffentlichungen zur vorangegangenen Studienreihe Jugend und Corona I-V finden sich unter https://t1p.de/studien-corona 

Kontakt zum Forschungsteam:
Universität Hildesheim | Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Dorothee Kochskämper: kochskaemper@uni-hildesheim.de 
PD Dr. Severine Thomas: severine.thomas@uni-hildesheim.de
Universität Frankfurt | Fachbereich Erziehungswissenschaften
Johanna Wilmes: wilmes@em.uni-frankfurt.de 

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 6 2026
11:00

Bundesforschungsministerium fördert Projekt PREVENT in Frankfurt, Bonn und München mit 3 Millionen Euro

Verhütung ohne Hormone: Goethe-Universität forscht an Alternativen zur „Pille“

Einst galt die „Pille“ als revolutionär, dann wurde sie zum gängigsten Verhütungsmittel, heute sehen Menschen die Kontrazeption mithilfe von Hormonen vielfach kritisch. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität und ihrer Kooperationspartner am Universitätsklinikum Bonn (UKB) und der Ludwig-Maximilians-Universität München hat jetzt das Projekt PREVENT zur Entwicklung nicht-hormoneller Verhütungsmittel gestartet. Die Forschenden wollen ein Verfahren zur Entwicklung neuartige Wirkstoffe zur Empfängnisverhütung bei Frau und Mann etablieren. PREVENT wird vom Bundesforschungsministerium bis 2029 mit 3 Millionen Euro gefördert. 

FRANKFURT. In den 1970er-Jahren war die Antibabypille in den westlichen Staaten das am häufigsten verwendet Verhütungsmittel, in Deutschland zum Beispiel nahm jede dritte Frau „die Pille“. Sie ist sicher und zuverlässig, wird von der Krankenkasse bezahlt und galt vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren auch als Instrument weiblicher Selbstbestimmung.

Im Laufe der Zeit wurden jedoch eine Reihe Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmethoden bekannt, die – je nach Präparat – von beispielsweise Übelkeit, Gewichtszunahme und Spannungsgefühlen in den Brüsten bis zu Bluthochdruck, Leberfunktionsstörungen und Thrombosen reichen können. Einige Medikamente wie bestimmte Antibiotika oder Johanniskrautprodukte mindern die Wirksamkeit der Pille, bei verschiedenen Erkrankungen sollte sie nicht genommen werden.

Pille wird häufiger abgelehnt

Die Nebenwirkungen treten zwar vergleichsweise selten auf, tragen aber zur abnehmenden Akzeptanz der Pille bei: Jüngeren Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge verhüten seit 2023 weniger Frauen und Paare mit der Pille; insbesondere bei jüngeren Erwachsenen hat das Kondom die Pille als Verhütungsmittel Nummer eins abgelöst.

Ein Forschungsteam um Dr. Claudia Tredup und Prof. Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität, Prof. Daniel Merk von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Prof. Hubert Schorle vom UKB, der auch Mitglied in dem Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Life & Health“ der Universität Bonn ist, und Prof. Jean-Pierre Allam, Leiter der Andologie am UKB, arbeiten jetzt daran, besonders nebenwirkungsarme Verhütungsmittel zu entwickeln, die nicht auf Hormonwirkungen beruhen. Dazu haben sie das Projekt PREVENT („Precision Reproductive and contraceptive target discovery Network“) gestartet und eine dreijährige Projektförderung vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eingeworben.

Wirkstoffe für neue Verhütungsstrategien

PREVENT-Projektleiterin Dr. Claudia Tredup vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität erläutert: „Hormonelle Verhütungsmethoden wie zum Beispiel die Antibabypille verändern die Hormon-Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken und greifen so in den endokrinen Regelkreis ein. Daher sind sie nicht für alle Frauen geeignet oder werden nicht gewünscht. Bei PREVENT suchen wir nach alternativen, nichthormonellen Ansätzen für Frau und Mann, damit Paaren weitere Angebote der Kontrazeption gemacht werden können.“ Der Forschungsansatz des PREVENT-Teams fokussiert sich dabei auf so genannte kleine Moleküle, die spezifisch solche Proteine blockieren, die ausschließlich in Spermien oder in Eizellen vorkommen. So kann zum Beispiel die Beweglichkeit der Spermien herabgesetzt werden, damit diese die Eizelle nicht mehr erreichen. Tredup führt aus: „Da Verhütungsmittel gesunden Menschen verabreicht werden, müssen sie nicht nur zuverlässigen und reversiblen sein, sondern auch sehr gut verträglich und ein möglichst nebenwirkungsarm sein.“

Bei derart komplexen Anforderungen ist die Suche nach guten Wirkstoffen ein höchst aufwändiges Verfahren. Das PREVENT-Team wird daher eine sogenannte Wirkstoffentwicklungsplattform entwickeln, um Technologien und Werkzeuge zur Validierung von nicht-hormonellen Verhütungskonzepten zu etablieren. Dafür sollen hochselektive und wirksame Wirkstoffe, sogenannte „chemical probes“, ermöglichen, neue Verhütungsstrategien gezielt zu testen und eine belastbare Grundlage für die präklinische und spätere klinische Entwicklung zu schaffen.

Die Biochemikerin Tredup meint: „Wir kennen zwar schon eine Reihe an Genen, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen. Im PREVENT-Team wollen wir nun das Knowhow schaffen, um die entsprechenden Proteine als Zielstrukturen für sichere, nichthormonelle Verhütungsstrategien zu nutzen.“ Es sei nicht nur ein klassisches, pharmazeutisches Forschungsprojekt, ist Tredup überzeugt: „Mit PREVENT adressieren wir auch zentrale gesellschaftliche Ziele der der reproduktiven Selbstbestimmung und der globalen Gesundheitspolitik.“

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/183787535

Bildtext: Nicht-hormonelle Alternativen zur Antibabypille zu finden ist das Forschungsziel des Projekts PREVENT von Goethe-Universität, Universitätsklinikum Bonn und LMU München. Foto: Markus Bernards/KI für Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Dr. Claudia Tredup
Projektleiterin PREVENT
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 29401
tredup@pharmchem.uni-frankfurt.de
https://www.sgc-frankfurt.de/Pages/research.html

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @unibonn.bsky.social @lmu.de
LinkedIn: @Goethe-Universität Frankfurt @Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn @Universitätsklinikum Bonn @Ludwig-Maximilians-Universität München


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 27 2026
12:35

Bundesforschungsministerium fördert gemeinsame biologische Forschung von Goethe-Universität und Universidad de Costa Rica

Eine Partnerschaft für Biodiversitätsforschung in Costa Rica

Mit vereinten Kräften erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und aus Costa Rica künftig die Artenvielfalt in dem lateinamerikanischen Land. Prof. Meike Piepenbring, Pilzforscherin an der Goethe-Universität, hat beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) erfolgreich ein Projekt beantragt: Für die Anbahnung der Partnerschaft fließen in den nächsten drei Jahren 450.000 Euro.

FRANKFURT. Costa Rica liegt in einem Hotspot der Biodiversität von Pilzen, Pflanzen und Tieren, die in vielfältiger Weise zusammenleben. Diese Vielfalt besser kennenzulernen und sie somit auch besser schützen zu können, dafür soll im Projekt GeCoBio (German-Costa Rican Network for Tropical Biodiversity Research) eine langfristige Partnerstruktur zwischen der Goethe-Universität Frankfurt und der Universidad de Costa Rica (UCR) eingerichtet werden. 450.000 Euro für drei Jahre hat Meike Piepenbring, Professorin am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für diesen Zweck eingeworben. Das Geld wird verwendet, um ein Konzept für die Partnerschaft zu entwickeln, entsprechende Verträge vorzubereiten und Begegnungen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Costa Rica und Deutschland zu ermöglichen. Diese können dann – auch unter Einbeziehung anderer Experten – gemeinsame Forschungsideen generieren und in die Tat umsetzen. 

Der Verlust der biologischen Vielfalt ist eine dringende Herausforderung für den globalen Erhalt gesunder Ökosysteme und das langfristige gesellschaftliche Wohlergehen. Gleichzeitig ist die biologische Vielfalt in dieser Region noch nicht annähernd vollständig erfasst, und so weiß man auch wenig über den Zustand der unterschiedlichen Arten – geschweige denn, wie man sie gegen Bedrohungen schützen kann. „Wir müssen unsere Bemühungen auf diesem Gebiet dringend intensivieren“, sagt Piepenbring. Zwar seien in Costa Rica 25 Prozent der Fläche geschützt, dennoch komme es weiterhin zu schweren Waldschäden – vor allem durch die Umwandlung von Flächen mit Primärwäldern zu Weiden oder Siedlungen. 

Im neu eingeworbenen Projekt sollen vielfältige Themen rund um Biodiversität und Naturschutz von costaricanischen und deutschen Biologen gemeinsam erforscht werden. Mit der Universidad de Costa Rica habe man einen Partner auf hohem Niveau, was Ausstattung, Ausbildung und Qualifikation angeht – exzellent für die gemeinsame Biodiversitätsforschung, freut sich Piepenbring. Gleich in der ersten Phase der Projektförderung wird es eine Expedition in den Urwald geben. Piepenbring ist überzeugt: „Selbst vor Ort zu sein, das öffnet einem die Augen für die biologische Vielfalt und ist wichtig für gute kollegiale Beziehungen.“ Die Pilzforscherin hat schon als Doktorandin in Costa Rica geforscht und war seit 1992 mehrfach im Land. Ihre Partnerin in Costa Rica, Professorin Melissa Mardones, kennt die Goethe-Universität, da sie hier promoviert wurde und danach mehrfach für Forschungsaufenthalte nach Frankfurt kam. Im Antrag vorgesehen sind zwei Pilot-Forschungsprojekte zur Vielfalt von Pilzen in Costa Rica sowie der Aufbau einer Stammsammlung von lebenden Mikroorganismen in Kultur. Eine solche Stammsammlung ist wichtig, damit Forschende, die Stämme von Mikroorganismen aus Costa Rica heraus exportieren möchten, den Vorschriften entsprechend Kopien der Stämme in Costa Rica lassen können. Das Projekt soll Forscherinnen und Forscher auch bei der Beantragung von Sammel- und Exportgenehmigungen unterstützen.

Im Rahmen der Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung fördert die Bundesregierung Projekte in der Forschungs- und Innovationszusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik – mit dem Ziel, langfristig bestehende bilaterale Forschungsstrukturen zu schaffen. Die Themen konnten in den Bereichen Rohstoffe, Biodiversität oder Klima verortet sein. Mehr als 100 Anträge sind auf den Förderaufruf hineingegangen, zwölf wurden bewilligt – darunter das von Piepenbring eingereichte Projekt GeCoBio. An der Goethe-Universität ist die Biodiversitätsforschung an den Fachbereichen Biowissenschaften und Geowissenschaften sowie in Kooperation mit der Senckenbergischen Gesellschaft für Naturforschung traditionell sehr gut aufgestellt. Sie ist an der Goethe-Universität verankert im Profilbereich „Biodiversity and Sustainability“ sowie im Frankfurter Raum durch BioFrankfurt e.V und international durch das Frankfurt Conservation Center. 

Publikation: Mardones M, Umañana Tenorio L, Granados Montero M del M, Mata Hidalgo M, Ruiz-Boyer A, Piepenbring M, Minter D, Coto-López C, Carranza Velásquez J (2024) The first annotated checklist of Costa Rican fungi. Funga Latina 2:V2A7.

Bilder zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/183588386


Bildtexte:
Bild 1 Blick von unten in die Baumkronen eines Tieflandwalds in Costa Rica. (Foto: Piepenbring)
Bild 2 Eine Tramete (Cubamyces menziesii) an totem Holz in Costa Rica. (Foto: Piepenbring)
Bild 3 Eine Raupe im Tieflandsregenwald von Costa Rica. (Foto: Piepenbring)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Meike Piepenbring
Institut für Ökologie,  Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-42222
E-Mail piepenbring@bio.uni-frankfurt.de

https://biofrankfurt.de/
https://frankfurtconservation.org/de/

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 26 2026
13:03

„Brüche – Demokratie in Zeiten der Regression“: Kooperation mit der Oper Frankfurt im Rahmen des Forschungsverbunds DemoReg

Wissenschaft und Kunst im Einsatz für die Demokratie

Wie kann die Demokratie gestärkt werden angesichts zunehmender Angriffe von innen und außen? Unter dem Titel „Brüche – Demokratie in Zeiten der Regression“ soll eine neue Veranstaltungsreihe Erhellendes dazu beitragen. Durch die Kooperation von Goethe-Universität, Institut für Sozialforschung und Sigmund-Freud-Institut mit der Oper Frankfurt sollen neue Perspektiven entstehen. Die Initiative ist im Frankfurter Teil des Forschungsverbunds DemoReg angesiedelt.

FRANKFURT. Der hessenweite Forschungsverbund „Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression – Zeiten, Räume und Diskurse“ (kurz „DemoReg“) nimmt Ursachen und Folgen demokratiegefährdender Entwicklungen in den Blick. Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, verbindet die Initiative Grundlagenforschung mit empirischer Analyse und anwendungsorientierter Wissensproduktion – auch mit Blick auf mögliche Maßnahmen zur Demokratiestärkung. 

„Indem wir als interdisziplinärer wissenschaftlicher Verbund mit der Oper zusammenarbeiten, erhoffen wir uns zusätzliche Perspektiven auf das Thema“, sagt Vera King, Professorin für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität und zugleich Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts. Bei der Tagung „Nach uns die Sintflut“ im vorigen Jahr habe sich die Kooperation mit der Oper als äußerst fruchtbar erwiesen. Gerade das Musiktheater verfüge durch die Musik und die Macht der Inszenierung über große emotionale Schubkraft. „Kunst kann die affektiven Seiten des Zusammenlebens auf eigene Weise beleuchten, das ist wertvoll für das Verständnis gesellschaftlicher und politischer Dynamiken“, so King.

Den Auftakt zur Kooperation wird am 20. Juni ein öffentliches Panel in der Oper Frankfurt mit Kurzbeiträgen und Diskussion machen zum Thema „Antidemokratische Mobilisierung und die Macht der Gefühle“. Anlässlich der Neuproduktion der Oper „Tancredi“ von Gioachino Rossini kommen, moderiert vom Frankfurter Dramaturgen Konrad Kuhn, der Opernregisseur Manuel Schmitt mit der Sozialpsychologin Vera King und dem Soziologen Stephan Lessenich ins Gespräch. Die Handlung der Oper bietet zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten: Die Oper erzählt von der Bedrohung einer Gemeinschaft durch innere und äußere Gefährdungen, von gesellschaftlicher Schließung und Radikalisierung als regressiven Reaktionsweisen. Für das Opernpublikum besteht nach der Veranstaltung die Möglichkeit einer Fortsetzung des Austauschs im Rahmen des Formats „Oper im Dialog“. 

„Musiktheater ist eine vielschichtige Kunstform. Ein großer Reiz liegt immer auch darin, Werke aus vergangenen Epochen mit unserer Gegenwart in Beziehung zu setzen. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen und bildet den Kern unseres kulturellen Auftrags. Von daher ist es für die Oper Frankfurt ein Glücksfall, wenn unsere Aufführungen mit wissenschaftlichen Diskursen in einen Dialog treten können – noch dazu mit so traditionsreichen und für Frankfurt prägenden Partnern wie dem Institut für Sozialforschung und dem Sigmund-Freud-Institut“, sagt Dramaturg Konrad Kuhn. 

Am 10. Dezember dann soll unter Beteiligung der Oper ein ganztägiges interdisziplinäres wissenschaftliches Symposium in der ehemaligen Dondorf-Druckerei stattfinden. „Zukunftsbilder – Demokratie nach den Zeiten ihrer Regression“ lautet der Titel. „In einer Zeit, in der Zukunft verstellt zu sein scheint, ist die Öffnung von Vorstellungshorizonten ein wichtiger Beitrag zur Revitalisierung der Demokratie“, so Stephan Lessenich, Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität und Direktor des Instituts für Sozialforschung. Vorgesehen sind Beiträge aus Politik- und Sozialwissenschaften, Philosophie, Psychoanalyse und Sozialpsychologie sowie aus künstlerischen Perspektiven. Um welche Oper es dann gehen wird, wird Ende April bekannt gegeben.


Weitere Informationen
Prof. Dr. Vera King
Professur für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-36531
E-Mail king@soz.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 25 2026
15:44

Neue Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität / Pressekonferenz am 27.3.2026

Multispezies Members Club: Fürsorge, Teilhabe und Technologie 

FRANKFURT. „Wie kann eine technologisierte Gesellschaft auf Fürsorge und Teilhabe statt auf Konkurrenz bauen?“ – diese Frage steht im Zentrum der Ausstellung „Multispezies Members Club. Neue Allianzen zwischen lebendigen und künstlichen Systemen“, die vom 28.3. – 6.9.2026 im Museum Giersch der Goethe-Universität im Rahmen der World Design Capital 2026 stattfindet. Die Ausstellung entwirft ein zukunftsweisendes Modell des Zusammenlebens, in dem Menschen, Tiere, Pflanzen und Maschinen gleichberechtigt agieren. Besucher*innen sind eingeladen, Fürsorge, Kooperation und Teilhabe nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu erleben, und zu reflektieren, wie Technologie Kommunikation zwischen unterschiedlichen Spezies ermöglichen kann. Gleichzeitig macht die Ausstellung deutlich, dass Technik nicht neutral ist: Sie verbraucht Ressourcen, kann bestehende Machtverhältnisse verstärken und stößt dort an Grenzen, wo natürliche Systeme zu komplex sind, um sie vollständig zu steuern. 

Die Highlights der Ausstellung sind interaktiv und vielseitig: Andreas Greiners neu entstandene Installation Garden Protocol verbindet Pflanzen auf dem Balkon, Menschen und technische Systeme über Wasser als gemeinsame Ressource und fungiert als lebendiges Versuchsfeld für neue Formen des Zusammenwirkens von Natur und Technologie. Greiner agiert dabei sowohl als Künstler als auch als Kurator der Ausstellung, gemeinsam mit Ina Neddermeyer und Susanne Wartenberg. Im Multispezies Café knüpft er an die Tradition des Salons an und bringt aktuelle Diskurse über Künstliche Intelligenz in den Raum, während im Klangkunstwerk Conspiracy Theory (2023) drei KI-Systeme – Grok, DeepSeek und Mistral – in einen Trialog treten und globale Machtverhältnisse sowie politische und gesellschaftliche Modelle reflektieren.

Weitere künstlerische Positionen hinterfragen die Grenzen zwischen Mensch, Natur und Technologie auf vielfältige Weise: Xenia Snow zeigt mit Cyber Chimären (2025) fiktive Mischwesen aus biologischen und technologischen Systemen; allapopp präsentiert die Installation Songs of Cyborgeoisie, in deren Rahmen Computerspiel, Tarotdeck und Soundinstallation zu einer interaktiven Auseinandersetzung mit KI und Robotik einladen; Andreas Greiner präsentiert mit Replicating Seed, Panorama of a Landscape und Hybrid Matter Study 01 + 02 (alle 2018) menschliche und künstliche Zellen im direkten Vergleich. Laleh Khabbazy Oskouei und Farhang Rafiee führen mit Arih Baji (2026) einen Dschinn aus der islamischen Kosmologie in digitale und visuelle Räume ein. Aktivistisch und interaktiv ist Tree and Rockets Truth Gate (2026), das Besucher*innen über umgebaute Arcade-Spielautomaten in die Analyse und Korrektur von Online-Inhalten einbindet.

Auch der Museumsgarten wird Teil des Multispezies-Clubs: Mit der Klanginstallation What do birds tweet about? (2025, Neukonzeption 2026, Baltic Raw Org) werden Vogelstimmen in kurze Textfragmente übersetzt und als eigenständige, nichtmenschliche Stimme erfahrbar. Der Convivial Commons Congress (2025) von Matthias Einhoff (ZK/U Proxylab) lässt symbolisch nichtmenschliche Akteure wie ein Gewässernetz, einen Regenbaum, eine Indische Python, eine Braunkopfmöwe oder einen Perlfleckbuntbarsch an Entscheidungsprozessen teilnehmen und erforscht so neue Formen ökologischer Gerechtigkeit. 

Beiträge von Künstler*innen – darunter auch Studierende der Muthesius Kunsthochschule Kiel und der HfG Offenbach, die im Rahmen eines Open Calls ausgewählt wurden – eröffnen vielschichtige Perspektiven auf Künstliche Intelligenz, Ökologie und gesellschaftliche Verantwortung. Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt ergänzen das Programm mit Perspektiven aus der KI-Forschung, Bioinformatik, Kunstpädagogik, Anthropologie sowie Erziehungs-, Kultur- und Literaturwissenschaften. Die Ausstellung verbindet Kunst, Wissenschaft und Nachhaltigkeit und lädt dazu ein, über ein mehr-als-menschliches Zusammenleben nachzudenken sowie die Möglichkeiten und Grenzen algorithmischer Prozesse kritisch zu reflektieren.

Ein vielfältiges Vermittlungsprogramm begleitet die Ausstellung und lädt Besucher*innen aller Altersgruppen zur aktiven Teilhabe ein. Den Auftakt bildet die Vernissage am 27. März ab 18 Uhr mit Grußworten aus Kultur und Wissenschaft sowie dazu ab 20 Uhr live Beats von den Frankfurter DJs JUCI VISION. Höhepunkte sind die Nacht der Museen am 25. April, bei der Führungen in Deutscher Gebärdensprache, mehrsprachige Tarot-Readings und die Inklusive Clubnight für Taube und Hörende angeboten werden, sowie der Digitaltag am 26. Juni mit der Lecture-Performance Cyborgs und Chimären, in der Kunst und Wissenschaft im Dialog über Mensch, Technologie und Gesellschaft stehen. Ergänzt wird das Programm durch Führungen, Film- und Vortragsreihen, Workshops sowie Kinder- und Schulangebote.

Für den Workshop „Datendetektiv*innen im Museum“ für Kitas und Grundschulen (Alter: ca. 5–10 Jahre) stehen im Rahmen der Kampagne Stadt der Kinder kostenlose Plätze zur Verfügung. Die Kosten übernimmt das Kinderbüro der Stadt Frankfurt. Das Angebot ist begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung wird empfohlen. Das Vermittlungsangebot entsteht in Kooperation mit dem C3S – Center for Critical Computational Studies der Goethe-Universität Frankfurt und dem Museum Giersch der Goethe-Universität. Terminvereinbarung: vermittlung@mggu.de

Beteiligte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen: allapopp, Baltic Raw Org (Móka Farkas & Berndt Jasper), Literaturwissenschaftler Roland Borgards, Erziehungswissenschaftlerin Juliane Engel, Anthropologe Steven Gonzalez Monserrate, Kulturanthropologin Katharina Graf, Andreas Greiner, Dženeta Hodžić, David Kuhn & Markus Rauchecker, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Anne Duk Hee Jordan, Laleh Khabbazy Oskouei & Farhang Rafiee, Nadine Kolodziey, Kunstpädagogin Verena Kuni, Biophysikerin Franziska Matthäus, Xenia Snow, terra0 (Paul Kolling & Paul Seidler), Tree and Rocket, Medienpädagoge Dan Verständig, ZK/U Proxylab.

Ina Neddermeyer, Museumsdirektorin und Kuratorin, sagt: „Die Ausstellung fragt, wie wir in einer technologisierten Welt zusammenleben wollen: Können wir auch nicht-menschliche Akteur*innen durch Künstliche Intelligenz oder Blockchain in Entscheidungsprozesse einbeziehen? Wie kann ein zukunftsweisendes Modell des Zusammenlebens aussehen?“

Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, betont: „Dieses Ausstellungsprojekt zeigt eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Forschung und künstlerische Strategien gemeinsam neue Perspektiven auf Technologie, Ökologie und gesellschaftlichen Wandel eröffnen. Die enge Zusammenarbeit unserer Einrichtungen – vom C3S über studiumdigitale bis zum Institut für Kunstpädagogik – steht exemplarisch für diesen interdisziplinären Anspruch.“

Andreas Greiner, Künstler und Kurator der Ausstellung: „Ich interessiere mich für Systeme, in denen Menschen nicht die einzigen Akteur*innen sind. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie stark wir auf andere Spezies und technische Infrastrukturen angewiesen sind – und wie fragil diese Beziehungen sind.“

Susanne Wartenberg, Stellvertretende Museumsleitung und Kuratorin, ergänzt: „Die künstlerischen Positionen eröffnen – im Dialog mit wissenschaftlichen Perspektiven – vielfältige Zugänge beispielsweise zu ökologischen Verflechtungen, digitalen Strukturen und Formen der Koexistenz. Der Multispezies Members Club versteht sich als offenes Experiment und als Einladung zum Mitdenken.“

Pressekonferenz: Freitag, 27.3.2026, 11 Uhr - Einführung & Rundgang mit:
Andreas Greiner (Künstler, Kurator)
Ina Neddermeyer (Kuratorin, Direktorin)
Dr. Tim Pickartz (Kurator für Vermittlung und Diskurs)
Dr. Susanne Völker (Kulturfonds Frankfurt RheinMain)
Susanne Wartenberg (Kuratorin, Stellvertretende Leitung).

Die weiteren an der Pressekonferenz teilnehmenden Künstler*innen und Wissenschaftler*innen werden auf der Website bekannt gegeben. Bitte um Anmeldung an: presse@mggu.de

Förderer und Kooperationspartner: STIFTUNG GIERSCH, Goethe-Universität, Kulturfonds Frankfurt RheinMain, World Design Capital 2026 in Frankfurt RheinMain, Stadt der Kinder, C3S - Center for critical computational studies, DFG-gefördertes Graduiertenkolleg „Fixing Futures“, DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main
Eintritt: Erwachsene 7 € / Ermäßigt 5 €. Freier Eintritt für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen.
MGGU x Klima-Taler App: Das Museum Giersch der Goethe-Universität ist neuer Partner der Klima-Taler App. Die Ausstellung kann zum ermäßigten Eintritt besucht werden – gleichzeitig lässt sich klimafreundliches Verhalten belohnen.
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr. An Feiertagen 10–18 Uhr geöffnet, auch wenn diese auf einen Montag fallen. Sonderöffnungszeiten nach Vereinbarung
Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann. Fon: 069/138210121; E-Mail: presse@mggu.de 
Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse 

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de


 

Feb 25 2026
11:16

Erweiterter Senat wählt Amtsinhaber für zweite Amtszeit ab Januar 2027

Enrico Schleiff als Präsident der Goethe-Universität wiedergewählt

Prof. Dr. Enrico Schleiff, Professor für Zellbiologie an der Goethe-Universität und seit 2021 deren Präsident, ist am Mittwoch vom Erweiterten Senat für eine weitere Amtszeit zum Präsidenten gewählt worden. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre und beginnt nach der Ernennung durch den Hochschulrat am 1. Januar 2027.

FRANKFURT. Erstmals seit der Wiederwahl von Prof. Rudolf Steinberg 2006 ist mit Prof. Dr. Enrico Schleiff ein Präsident der Goethe-Universität für eine zweite Amtszeit gewählt worden. Der Professor für Molekulare Zellbiologie der Pflanzen und frühere Vizepräsident der Universität erreichte im zweiten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit von 18 Stimmen. Stimmberechtigt waren 34 Mitglieder des Erweiterten Senats, der aus den regulären Senatsmitgliedern und ihren Stellvertreterinnen und Stellvertretern besteht. Der zweite Kandidat, der Physikdidaktiker Prof. Roger Erb, erhielt 16 Stimmen. 

„Ich bin sehr froh über die Wahl und danke dem Erweiterten Senat für das damit gewährte Vertrauen“, erklärt Schleiff. „Ich habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt, positive Rückmeldungen, Anregungen wie Kritik gleichermaßen aufgenommen und auch in der Anhörung, in der ich mich gemeinsam mit Roger Erb den Fragen der Universitätsangehörigen gestellt habe, gut zugehört. In der kommenden Amtszeit möchte ich – aufbauend auf sechs Jahren Erfahrung als Vizepräsident und meiner ersten Amtszeit als Präsident – die gemeinsam entwickelten Konzepte weiter umsetzen, Begonnenes fortführen und dabei integrieren, was ich gelernt und aus den Gesprächen mitgenommen habe.“

„Meine erste Amtszeit fiel in für die Universität herausfordernde Jahre, in denen wir auf universitäre und gesellschaftliche Bedingungen reagieren mussten“, so Schleiff weiter. „Das hat zu einer hohen Veränderungsdynamik geführt; schnelle Entscheidungen waren nötig. Unsere Organisation kann dieses Tempo der Veränderung nicht auf Dauer leisten, ohne sich und ihre Beschäftigten zu überfordern. Zugleich ist das Erreichte noch nicht dauerhaft gesichert, stellenweise sogar gefährdet, weil sich die finanziellen und politischen Rahmenbedingungen verschlechtern. In den kommenden Jahren gilt es daher zu entschleunigen und auf Basis unseres Hochschulentwicklungsplans Verlässlichkeit für unsere Kolleg*innen und Studierenden zu schaffen. Ich lade alle Mitglieder unserer Goethe-Universität dazu ein, gemeinsam mit mir, Präsidium, Senat, Hochschulrat und allen weiteren Gremien Lehre, Forschung und den Dialog mit der Gesellschaft zu gestalten – und jetzt als erstes die Begutachtung im Rahmen unseres Exzellenzantrags als RMU gemeinsam mit TU Darmstadt und JGU Mainz bestmöglich über die Bühne zur bringen.“

Die Vorsitzende des Hochschulrats, Silke Lautenschläger, gratulierte Schleiff zur Wahl: „Wir hatten zwei hervorragende Persönlichkeiten auf der Wahlliste; ich danke Prof. Erb für sein Engagement. Der Hochschulrat wird dem alten und neuen Präsidenten weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Prof. Schleiff hat insbesondere mit den Erfolgen in der Exzellenzstrategie und dem gemeinsamen Antrag der Rhein-Main-Universitäten, aber auch mit vielen strategischen Weichenstellungen einen für die Goethe-Universität sehr vielversprechenden Kurs gestaltet. Der Hochschulrat freut sich sehr auf die weitere Zusammenarbeit.“

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Feb 20 2026
12:07

Forschungsteam unter Leitung der Goethe-Universität zeigt, dass durch quantenphysikalische Effekte auch „flache“ Moleküle immer dreidimensional sind

Das Quanten-Zittern: Warum es in Wirklichkeit keine flachen Moleküle gibt

Ameisensäure gilt als ein Molekül, bei dem sich alle Atome in einer Ebene befinden. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität hat nun gemeinsam mit Kooperationspartnern in Experimenten nachgewiesen, dass die Atome der Ameisensäure die ganze Zeit minimal hin- und herschwingen. Daher ist das Molekül die meiste Zeit nicht flach, sondern dreidimensional, und verliert damit seine Symmetrie. Die Bewegungen der Atome sind Ausdruck quantenphysikalischer Effekte, denen zufolge Teilchen nie ruhen.

FRANKFURT. In traditionellen Chemiebüchern herrscht noch Ordnung: Atome in Molekülen sitzen an festen Plätzen, verbunden durch starre Stäbchen. Ein Molekül wie die Ameisen- oder Methansäure (HCOOH) stellen wir uns zweidimensional vor – flach wie ein Blatt Papier. Doch die Quantenphysik zeichnet ein anderes Bild, denn in Wahrheit verweigert sich die Natur der Starrheit und zwingt selbst einfachste Strukturen in die dritte Dimension.

Forschende unter der Leitung von Prof. Reinhard Dörner vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität habe jetzt gemeinsam mit Kolleg*innen der Universitäten Kassel, Marburg und Nevada, des Fritz-Haber-Instituts sowie des Max-Planck-Instituts für Kernphysik die genaue räumliche Struktur der „flachen“ Ameisensäure mithilfe eines Röntgenstrahls der Röntgenstrahlungsquelle PETRA III am Beschleunigerzentrum DESY in Hamburg bestimmt.

Dazu nutzten sie zwei Effekte, die auftreten, wenn Röntgenstrahlung auf ein Molekül trifft: Zunächst löst die Röntgenstrahlung mehrere Elektronen aus dem Molekül heraus, die wegfliegen (photoelektrischer Effekt und Auger Effekt). Dadurch werden die Atome so stark geladen, dass das Molekül in einer Explosion zerplatzt (Coulomb-Explosion). Den Wissenschaftler*innen gelang es, diese Prozesse, die sich innerhalb von Femtosekunden abspielen – Millionstel einer Milliardstel Sekunde –, nacheinander zu vermessen.

Dazu nutzten sie eine Apparatur, die an der Goethe-Universität erfunden und seither immer weiterentwickelt wurde, das COLTRIMS-Reaktionsmikroskop. Auf Basis der Messdaten konnten sie anschließend die ursprüngliche Geometrie des Ameisensäuremoleküls errechnen. Das Ergebnis: Die beiden Wasserstoffatome der Ameisensäure schwingen minimal hin und her, sodass das Molekül nicht flach ist.

Reinhard Dörner erklärt: „In der Quantenwelt sind Atomkerne keine winzigen Kugeln, die an ihrem Platz verharren. Sie sind eher wie vibrierende Wolken. Selbst wenn wir ein Molekül bis zum absoluten Nullpunkt abkühlen, hört dieses Zittern – die sogenannte Nullpunktschwingung – niemals auf.“

Die Konsequenz ist radikal: Ein Atomkern hat keinen exakten Ort, sondern nur eine Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Er ist gewissermaßen „überall ein bisschen“. Dadurch ist ein Ameisensäure-Molekül in fast jedem Moment faktisch dreidimensional.

Dörner: „Durch diesen winzigen Schritt in die dritte Dimension verliert das Molekül seine Symmetrie, und es lässt sich nicht mehr mit seinem Spiegelbild in Deckung bringen, ähnlich wie das mit unserer linken und rechten Hand ist. Die Ameisensäure ist chiral – sie besitzt in der Hälfte der Zeit eine linkshändige und in der anderen Hälfte eine rechtshändige Form.“

In der Chemie können zwei solche chiralen Formen – sogenannte „Enantiomere“ – völlig unterschiedliche Wirkungen haben: Während die eine Form eines Moleküls als Heilmittel wirkt, kann ihr Spiegelbild wirkungslos sein. Normalerweise entsteht diese Händigkeit durch den festen Aufbau eines Moleküls. 

Dörner: „Wie wir am Beispiel der Ameisensäure zeigen konnten, kann allein das Quantenzittern aus einem symmetrischen Molekül zwei unterschiedliche spiegelbildliche Realitäten erzeugen. Das bedeutet: Die Händigkeit, eine wichtige Eigenschaft des Lebens, entsteht hier nicht durch den statischen Bauplan des Moleküls, sondern allein durch das unaufhörliche Zittern in der Quantenwelt. Generell konnten wir anhand der Ameisensäure sehen: Geometrie ist keine statische Eigenschaft, sondern ein dynamisches Ereignis, und ein flaches Molekül ist in Wirklichkeit nur der Durchschnittswert eines Zitterns seiner Atome in alle Richtungen.“

Publikation: D. Tsitsonis, M. Kircher, N. M. Novikovskiy, F. Trinter, J. B. Williams, K. Fehre, L. Kaiser, S. Eckart, O. Kreuz, A. Senftleben, Ph. V. Demekhin, R. Berger, T. Jahnke, M. S. Schöffler, R. Dörner. Probing Instantaneous Single-Molecule Chirality in the Planar Ground State of Formic Acid. Physical Review Letters (2026) https://doi.org/10.1103/bvqj-pm3n

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(1) Zitternder Wasserstoff: Auch am absoluten Nullpunkt vibrieren die beiden Wasserstoffatome H1 und H2 der Ameisensäure und ragen dadurch aus der Ebene von Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O) heraus. Bild: Institut für Kernphysik, Goethe-Universität Frankfurt

(2) Wie rechte und linke Hand: Die quantenmechanische Nullpunktschwingung, das „Zittern“ der Atome, macht die Ameisensäure zu einem chiralen (händischem) Molekül, dessen beide Formen sich wie die rechte und linke Hand nicht in Deckung bringen lassen. Bild: Institut für Kernphysik, Goethe-Universität Frankfurt

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Feb 11 2026
18:13

Hochschulrat schlägt Erweitertem Senat Prof. Dr. Roger Erb und Prof. Dr. Enrico Schleiff zur Wahl vor

Zwei Kandidaten für Präsidentschaft der Goethe-Universität

In einer hochschulöffentlichen Anhörung im Rahmen einer Sitzung des Erweiterten Senats der Goethe-Universität haben sich am Mittwoch zwei potenzielle Kandidaten für das Amt des Präsidenten vorgestellt. Im Anschluss hat der Hochschulrat einstimmig beschlossen, beide Kandidaten dem Erweiterten Senat zur Wahl vorzuschlagen. Diese wird am 25. Februar 2026 stattfinden.

FRANKFURT. Zur Wahl für das Amt des Präsidenten der Goethe-Universität durch den Erweiterten Senat stehen (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Prof. Dr. Roger Erb, Professor für Didaktik der Physik an der Goethe-Universität
  • Prof. Dr. Enrico Schleiff, Professor für Molekulare Zellbiologie der Pflanzen an der Goethe-Universität und amtierender Präsident

Prof. Dr. Roger Erb promovierte und habilitierte sich nach dem Lehramtsstudium in Gießen an der Universität Kassel. Nach zwei Jahren als Gymnasiallehrer in Kassel war er von 2002 bis 2010 Professor für Physik und Physikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, dort zuletzt als Prorektor für Studium und Lehre. Seit 2010 ist er Professor für Didaktik der Physik an der Goethe-Universität Frankfurt, seit 2011 Mitglied im Direktorium der Akademie für Bildungsforschung und Lehrkräftebildung (ABL) und seit 2021 Leiter der Goethe-Lehrkräfteakademie. An der Goethe-Universität war er von 2018 bis 2021 Vizepräsident für Studium und Lehre und von 2022 bis 2025 Dekan des Fachbereichs Physik. Von 2019 bis 2023 war Roger Erb Mitglied im Stiftungsrat des DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, seit 2025 ist er Vorstand Wissenschaft der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.

Prof. Dr. Enrico Schleiff studierte Physik an den Universitäten Prag, Mainz und Basel, promovierte 1999 in Biochemie an der McGill University (Kanada) und habilitierte sich 2003 in Zellbiologie und Botanik an der LMU München. Nach Forschungs- und Nachwuchsleitungspositionen in Kiel und München wurde er 2007 auf eine Professur für Molekulare Zellbiologie der Pflanzen an die Goethe-Universität berufen. Er war u.a. als Direktor des Buchmann Institute for Molecular Life Sciences (BMLS) und als Direktor des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) tätig und leitete von 2012 bis 2017 das International Training Network SPOT-ITN. Er war Vize-Sprecher des Exzellenzclusters „Makromolekulare Komplexe“ und leitete den RMU-LOEWE Schwerpunkt „DynaMem“. Von April 2012 bis März 2018 war Enrico Schleiff Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Ressort wissenschaftlicher Nachwuchs, Gleichstellung und akademische Infrastrukturen. Seit 2021 ist er Präsident der Goethe-Universität.

Die Wahlordnung der Goethe-Universität sieht vor, dass der Hochschulrat unter Beteiligung von Senatsmitgliedern eine Findungskommission einsetzt, der die Ausschreibung der Stelle und die Prüfung der eingegangenen Bewerbungen obliegt. Die Kommission legt fest, welche Bewerberinnen und Bewerber zu einer hochschulöffentlichen Anhörung eingeladen werden. Diese Anhörung fand am Mittwoch, 11. Februar 2026, mit Professor Erb und Professor Schleiff statt. Es handelte sich dabei um eine Sitzung des Erweiterten Senats, der den Präsidenten auch wählt. Der Erweiterte Senat besteht aus den Mitgliedern des Senats und ihren Stellvertreterinnen und Stellvertretern.

Nach der Anhörung hatte der Hochschulrat die Aufgabe, dem Erweiterten Senat einen Wahlvorschlag vorzulegen. Die Wahl findet im Rahmen einer Präsenzsitzung des Erweiterten Senats am Mittwoch, 25. Februar 2026, statt. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen der 34 Mitglieder des Erweiterten Senats erreicht, also mindestens 18 Stimmen. Wenn kein Kandidat diese Stimmenzahl erreicht, gibt es weitere Wahlgänge. 

Die Amtszeit für die Präsidentschaft an der Goethe-Universität beträgt sechs Jahre und beginnt am 1. Januar 2027. 


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Feb 9 2026
15:17

Provenienzforschung erwartet weitere umfangreiche Rückgaben

Universitätsbibliothek übergibt erstmals Bücher an Jüdische Gemeinde Frankfurt

Seit 2020 durchforstet die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB) der Goethe-Universität Frankfurt ihre Bestände systematisch, um NS-Raubgut identifizieren und an die rechtmäßigen Eigentümer übergeben zu können. Erstmals wurden nun Bände an die Frankfurter Jüdische Gemeinde restituiert, darunter Bücher aus dem Besitz einer prominenten jüdischen Familie.

FRANKFURT. Der Umfang der Restitution war überschaubar: Insgesamt fünf Bände haben in den Räumen der Frankfurter Universitätsbibliothek (UB) die Besitzer gewechselt. Die Besonderheit: Zum ersten Mal konnte die UB Bücher an die Jüdische Gemeinde Frankfurt übergeben. Bei dreien waren die Vorbesitzer Persönlichkeiten von zentraler Bedeutung für die Vorgängergemeinde: Julius Blau (*1861), Rechtsanwalt und Notar, stand von 1903 bis zu seinem Tod 1939 als Vorsitzender an der Spitze der Israelitischen Gemeinde und war in zahlreichen jüdischen Hilfsorganisationen aktiv. In seine Amtszeit fielen Meilensteine wie der Bau der Westendsynagoge (1910) oder des Philanthropins an der Hebelstraße (1908) – aber eben auch die ersten Jahre der NS-Zeit. Sein Sohn Ernst (*1892) wiederum war Bibliothekar der Israelitischen Gemeinde, wanderte 1939 nach Frankreich aus, starb 1941 im Lager Gurs. Zwei weitere Bücher stammen aus der Gemeindebibliothek selbst bzw. aus dem „Tagesheim der erwerbslosen jüdischen Jugend“.

„Herrn Justizrat Dr. Blau mit besten Empfehlungen vom Vf“ ist mit Hand in eine Schrift über den „Frankfurter Sammelkatalog“ eingetragen, die mit anderen Heften in einem Band zusammengefasst ist. Ein anderes Heft darin enthält ein individuelles Exlibris, das auf „Dr. Ernst Blau“, den Sohn von Julius Blau, als Eigentümer verweist. Die Ausgabe von Nahum Norbert Glatzers „Geschichte der talmudischen Zeit“ wiederum ist durch einen Stempel der Israelitischen Gemeinde direkt zuzuordnen, das „General-Lexikon“ trägt einen Stempel des „Tagesheims der erwerblosen jüdischen Jugend“. – Nicht immer findet das Provenienzforschungsteam der UB so eindeutige Hinweise auf die Vorbesitzer. Auf welchem Weg die Bücher in die UB gelangt sind, lässt sich jedoch nicht mehr nachzeichnen. Aufgrund der Signatur ist nur sicher, dass sie vor dem Ende der NS-Herrschaft hierher gelangt sein müssen.

Bei den restituierten Büchern handelt es sich keineswegs um wertvolle oder seltene Exemplare. Für die Jüdische Gemeinde ist die Rückgabe trotzdem ein bedeutendes Ereignis: „Für uns ist das sehr wichtig als Anerkennung des Unrechts, das den Juden in Frankfurt angetan wurde“, sagt Rachel Heuberger, Mitglied des fünfköpfigen Vorstands der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und selbst ehemalige Mitarbeiterin der Universitätsbibliothek – sie leitete bis 2019 die renommierte Judaica-Sammlung. Heuberger ist froh, dass die Universitätsbibliothek dank der Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste nun endlich in der Lage sei, die Bestände systematisch zu untersuchen. Julius und Ernst Blau seien bekannte Namen in der Gemeinde, deren Andenken in Ehren gehalten werde. Die Israelitische Gemeinde war von den Blaus durch einen Erbvertrag von 1936 als Alleinerbin eingesetzt worden. Als solche wurde sie 1964 für die Verluste der Familie in geringem Umfang „entschädigt“ für damals geleistete Abgaben wie Judenvermögenssteuer, Reichsfluchtsteuer und die Dego-Abgabe bei der Ausreise von Ernst Blau. Das Haus der Blaus war 1938 in der Pogromnacht abgebrannt worden.

Vor der NS-Zeit umfasste die Bibliothek der Israelitischen Gemeinde 11.531 Werke in 14.085 Bänden, wie Bibliothekar Dr. Ernst Blau 1932 vermerkt hat. Darunter befand sich die wertvolle Büchersammlung des Marburger Philosophen Hermann Cohen und – als Leihgabe – die Sammlung des Frankfurter Orientalisten Raphael Kirchheim. Später wurde die Bibliothek wie das meiste jüdische Eigentum von den Nationalsozialisten geraubt. Die zurückerhaltenen Bücher werden nun in den aktuellen Bestand der Jüdischen Gemeinde aufgenommen. Eine Rekonstruktion der ursprünglichen Bibliothek sei wegen der umfangreichen Verluste nicht möglich, sagt Heuberger. Aus der UB indes sind weitere Restitutionen zu erwarten; dort wurden inzwischen weitere Verdachtsfälle entdeckt. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, sagt Provenienzforscherin Darleen Pappelau.

An der Goethe-Universität wurde auf Initiative des Präsidiums der Goethe-Universität eigens das Forum Universitätsgeschichte gegründet, das Projekte zur Aufarbeitung der Geschichte der Universität und ihrer Sammlungen zusammenführen und verfügbar machen wird. Auch die Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek ist Teil dieses entstehenden Netzwerks.

Über die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS)

Die Universitätsbibliothek JCS zählt mit ihren umfangreichen Beständen und Sammlungen zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands. Sie vereinigt in sich die Funktionen einer Universitätsbibliothek mit zahlreichen Landesaufgaben, einer wissenschaftlichen Bibliothek für die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet und einer Schwerpunktbibliothek innerhalb der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung.

https://www.ub.uni-frankfurt.de/

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Bildtexte:

Bild 1: Nach der Übergabe der Bücher im Bockenheimer Bibliotheksgebäude: Dr. Daniel Korn (Vorstandsmitglied Jüdische Gemeinde), Dr. Rachel Heuberger (Vorstandsmitglied Jüdische Gemeinde), Bernhard Wirth (Projektleiter Provenienzforschung), Daniel Dudde (Projektmitarbeiter Provenienzforschung), Darleen Pappelau (Projektmitarbeiterin Provenienzforschung), Dr. Mathias Jehn (Abteilungsleitung Kuratieren, Fachinformation, Vermittlung). (Foto: Baunemann)

Bild 2: Die ersten fünf Bücher, die die Universitätsbibliothek an die Jüdische Gemeinde übergeben konnte. (Foto: Baunemann)

Bild 3: Die Bände aus dem Besitz des Bibliothekars Dr. Ernst Blau ziert ein schönes Ex Libris. (Foto: Baunemann)

Bild 4: Stempel weisen auf die Israelitische Gemeinde bzw. das Heim für erwerbslose jüdische Jugendliche als ehemalige Eigentümer hin. (Foto: Baunemann)

Weitere Informationen
Dr. Mathias Jehn
Leiter der Abteilung Kuratieren, Fachinformation und Vermittlung (KFV) der Universitätsbibliothek
Freimannplatz 1
60325 Frankfurt am Main
Telefon ++49(0) 69 798-39007
E-Mail m.jehn@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 6 2026
15:15

Frankfurter Forscher entdecken ungewöhnlichen Stoffwechselweg im Darmbakterium Blautia luti

Mit dem Taxi durch den Darm: Ameisensäure als Verbindung im Mikrobiom

Forscher der Goethe-Universität haben eine überraschende Rolle der Ameisensäure im menschlichen Darm entdeckt: Das kleine Molekül fungiert als eine Art „Taxi“ für Elektronen – sowohl innerhalb von Bakterien als wahrscheinlich auch zwischen verschiedenen Mikroorganismen. Das Darmbakterium Blautia luti bildet die Ameisensäure für einen Stoffwechseltrick, mit dem es flexibel auf das Angebot im Darm reagieren kann. Neben Kohlenhydraten kann es giftiges Kohlenmonoxid aus dem körpereigenen Hämoglobin-Abbau abbauen.

FRANKFURT. Zu den vielen Trillionen Mikroorganismen im menschlichen Darm gehört auch Blautia luti. Wie viele Darmbakterien baut es unverdauliche Nahrungsbestandteile, etwa Ballaststoffe wie Kohlenhydrate, ab. Bei diesem Prozess entsteht unter anderem Essigsäure (Acetat) – ein wichtiger Energielieferant für unsere Darmzellen und ein Signalstoff, der über die Darm-Hirn-Achse sogar unser Wohlbefinden beeinflussen kann.

Taxis für den Elektronentransport
B. luti lebt im Darm unter Luftabschluss und kann nicht atmen, sondern nur gären. Dabei werden Kohlenhydrate zu Laktat, Succinat, Ethanol, Kohlendioxid und Wasserstoff umgesetzt, die als Endprodukte des Stoffwechsels ausgeschieden werden. Zu viel Wasserstoff im Darm ist ungesund, da es die weitere Vergärung hemmt. Daher verbrauchen kleine einzellige Lebewesen, die sogenannten Archaeen, den Wasserstoff. Sie stellen daraus Methan her und regulieren so den Wasserstoffhaushalt im Darm. Wasserstoff agiert sozusagen als Elektronentaxi innerhalb eines Bakteriums und zwischen unterschiedlichen Bakterien.

Dieser Vorgang ist jedoch mit einem starken Energieverlust verbunden und daher unvorteilhaft für die Bakterien. B. luti hat eine zusätzliche, bessere Möglichkeit. Wie Raphael Trischler und Prof. Volker Müller vom Lehrstuhl für molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik der Goethe-Universität Frankfurt zeigen, produziert B. luti an Stelle von Kohlendioxid (CO₂) und Wasserstoff Ameisensäure (Formiat), in der Wasserstoff an CO₂ gebunden ist. In diesem Fall ist die Ameisensäure das Elektronentaxi und die aufwendige Wasserstoffproduktion kann so umgangen werden.

Ameisensäure als Elektronenspeicher
Für die Ameisensäureproduktion nutzt B. luti das Enzym Pyruvat-Formiat-Lyase. Dieses Enzym ist bei acetogenen Bakterien eher ungewöhnlich. „Die Elektronen werden quasi in der Ameisensäure gespeichert“, erläutert Trischler.

Aber auch Ameisensäure ist ungesund, wenn die Konzentrationen zu hoch werden. B. luti entgiftet die Ameisensäure zusammen mit CO₂ in einem speziellen Stoffwechselweg, dem Wood-Ljungdahl-Weg (WLW), zu Acetat. Im WLW wird CO₂ über zwei verschiedene „Äste“ umgewandelt und am Ende zu Essigsäure zusammengesetzt. Im ersten Ast wird CO₂ normalerweise durch ein spezielles Enzym – die Formiat-Dehydrogenase – mit Wasserstoff zu Ameisensäure umgewandelt. „Doch B. luti fehlt die Formiat-Dehydrogenase komplett“, erklärt Raphael Trischler, der das Bakterium für seine Doktorarbeit untersucht hat. Stattdessen verwendet B. luti die Ameisensäure direkt. Der Zucker-Abbau auf der einen Seite und die Essigsäure-Produktion auf der anderen sind somit über die Ameisensäure miteinander verbunden – ein geschickter Weg, der dem Bakterium einen energetischen Vorteil verschafft.

Nützliche Nebeneffekte
In der beobachteten Laborkultur scheidet B. luti Ameisensäure aus. Im komplexen Nahrungsgeflecht des Darms ist das anders, Ameisensäure reichert sich dort nicht an. Methanbildende Archaeen können Ameisensäure zu Methan umsetzen, aber auch B. luti hat noch einen Trick parat. Für die Reduktion von Ameisensäure im WLW braucht es Elektronen, die bei der Gärung aus dem Kohlenhydrat stammen. Aber auch Gase, die von anderen Bakterien produziert werden, kann B. luti dafür nutzen. „In Gegenwart von Wasserstoff verschwindet die Ameisensäure komplett“, berichtet Trischler.

Bemerkenswert sei dabei die Fähigkeit von B. luti, Kohlenmonoxid zu verwerten. Dieses hochgiftige Gas entsteht im menschlichen Körper beim natürlichen Abbau von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff. „Bakterien wie B. luti können dadurch vom Körper selbst produziertes Kohlenmonoxid mit Ameisensäure entgiften“, erläutert Müller. Das erkläre auch, warum so viele Darmmikroben das Enzym Kohlenmonoxid-Dehydrogenase besitzen.

B. luti hat aber noch eine weitere, nützliche Eigenschaft für den Menschen: Neben Acetat produziert es Succinat (Bernsteinsäure). Succinat fördert das Wachstum anderer nützlicher Darmbakterien, stimuliert das Immunsystem und ist zudem ein industriell wertvoller Rohstoff für biotechnologische Anwendungen.

Die Studie verdeutlicht, wie vielfältig die Stoffwechselstrategien im Darm sind. „Selbst innerhalb verwandter Bakteriengruppen gibt es faszinierende Unterschiede“, sagt Müller. „Das zu verstehen, hilft uns, die Interaktionen verschiedener Darmbakterien und ihre Rolle für das menschliche Wohlbefinden besser zu entschlüsseln.“

Publikation: Raphael Trischler, Volker Müller: Formate as electron carrier in the gut acetogen Blautia luti: a model for electron transfer in the gut microbiome. Gut Microbes (2026) https://doi.org/10.1080/19490976.2025.2609406

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1) Formiat-Transfer zwischen Arten: Formiat wird von verschiedenen Bakterien produziert und von Blautia luti aufgenommen, das daraus Acetat produziert. B. luti kann Formiat auch selbst herstellen. Bild: Raphael Trischler, Goethe-Universität Frankfurt/KI

2) Im Labor: Raphael Trischler (sitzend) und Volker Müller im Labor an einer Anaerobenkammer. Diese enthält keinen Sauerstoff, sondern Stickstoff, so dass Sauerstoff-sensible Bakterien wie Blautia luti darin gefahrlos gehalten werden können. Foto: Jennifer Roth, Goethe-Universität Frankfurt

3) Formiat als Taxi für Elektronen. Oben: Beim Formiat-Transfer zwischen Blautia luti und anderen Darmbakterien (Interspezies Formiat-Transfer) frisst B. luti Kohlenhydrate und produziert daraus kurzkettige Fettsäuren wie Laktat, Acetat oder Succinat, aber auch Formiat. Die kurzkettigen Fettsäuren werden dann vom Darm aufgenommen. Formiat wird von anderen Darmmikroben aufgenommen und zu kurzkettigen Fettsäuren und Methan (nicht gezeigt) umgesetzt. Unten: Beim Formiat-Transfer innerhalb des Bakteriums (Intraspezies Formiat-Transfer) verstoffwechselt B. luti das Formiat mit Kohlenmonoxid (CO) oder Wasserstoff (nicht gezeigt) zu kurzkettigen Fettsäuren wie Acetat. Die kurzkettigen Fettsäuren tragen zur Darmgesundheit bei. Bild: Volker Müller, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Volker Müller
Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798-29507
vmueller@bio.uni-frankfurt.de
http://www.www.mikrobiologie-frankfurt.de
http://acinetobacter.de


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de 

 

Feb 4 2026
15:45

Deutsche Forschungsgemeinschaft nimmt „Advanced Clinician Scientist“ Dr. Sebastian Scheich in Programm für Forschende in früher Karrierephase auf

Emmy-Noether-Förderung: Zwei Millionen Euro für Frankfurter Krebsforscher

Für die Erforschung einer aggressiven Lymphdrüsenkrebsart, des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms, erhält Dr. Sebastian Scheich von der Universitätsmedizin Frankfurt jetzt im Rahmen des Emmy-Noether-Programms für die kommenden sechs Jahre rund 2 Millionen Euro. Mit dem Programm fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, damit sie sich für eine Berufung als Hochschullehrer qualifizieren können.

FRANKFURT. Eine aggressive und schnell fortschreitende Form des Lymphdrüsenkrebses ist das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL), an dem in Deutschland jährlich rund 6000 Menschen erkranken. Bei dieser Krebsart sind bestimmte Immunzellen, die B-Zellen, entartet. Die Wirksamkeit von Therapien und die Prognose über den Krankheitsverlauf ist bei Patientinnen und Patienten sehr unterschiedlich. Dies ist darauf zurückzuführen, dass DLBCL in mehreren Varianten auftritt, die sich genetisch unterscheiden.

Im Rahmen der Emmy Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) untersucht Dr. Sebastian Scheich mit seiner Arbeitsgruppe an der Medizinischen Klinik 2 der Universitätsmedizin Frankfurt, welche Signalnetzwerke DLBCL-Krebszellen nutzen, um das eigene Wachstum zu fördern und Überleben zu sichern. 

Dazu wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ergründen, wie in den entarteten B-Zellen verschiedene Proteine mit Zuckerresten versehen werden. Diese sogenannte Glykosylierung beeinflusst unter anderem, wie stabil die Proteine sind, wie sie funktionieren und wo in oder auf der Zelle sie platziert werden. Zudem ist die Glykosylierung noch dafür verantwortlich, wie die Zelle Signale empfängt und verarbeitet, denn die Glykosylierung steuert auch die Organisation von Signalrezeptoren an der Zelloberfläche.

In aktuelle Studien konnte Scheichs Arbeitsgruppe nachweisen, dass Veränderungen in den Enzymen, die die Glykosylierungen katalysieren, zur Aktivierung krankheitsrelevanter Signalnetzwerke beitragen. Ein zentrales dieser Netzwerke ist der sogenannte NF-B-Signalweg. Er übermittelt der Krebszelle die Botschaft: „Wachse, teile dich und stirb nicht!“. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse von Scheichs Arbeitsgruppe darauf hin, dass Glykosylierungsmechanismen auch beeinflussen können, wie gut das DLBCL auf zielgerichtete, zelluläre und Immuntherapien anspricht.

Die Emmy Noether-Förderung ermöglicht es Scheich, seine Nachwuchsgruppe zu erweitern und unterstützt seinen dualen Karriereweg in der Forschung und der Tätigkeit als Arzt. Der Mediziner erläutert: „Wir wollen systematisch untersuchen, wie die veränderte Glykosylierung onkogene Signalwege in Lymphomzellen steuert. Damit verfolgen wir das Ziel, Ansatzpunkte für innovative Therapien bei aggressiven Lymphomen zu finden. Als Advanced Clinician Scientist bin ich als Laborleiter tätig und behandle zudem täglich Patientinnen und Patienten. Das hilft mir, die wissenschaftlichen Fragestellungen an der klinischen Relevanz auszurichten.“

Dr. Sebastian Scheich, Jahrgang 1988, studierte Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und promovierte dort. 2019 arbeitete er für vier Jahre als Postdoc am National Cancer Institute in den USA. Seit 2023 forscht und arbeitet er in der Medizinischen Klinik 2 - Hämatologie/Onkologie der Universitätsmedizin Frankfurt und dem Universitären Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt (UCT). Im gleichen Jahr begann er mit dem Aufbau und der Leitung einer Nachwuchsgruppe am LOEWE-Zentrum Frankfurt Cancer Institute (FCI). Sebastian Scheich wird als Advanced Clinician Scientist durch das Programm INITIALISE (Innovations in Infection Medicine) des Bundesforschungsministeriums gefördert und ist mit dem Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt-Marburg assoziiert. Außerdem ist er über den Standort Frankfurt/Mainz des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) aktiv in der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU).

Das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt herausragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Phase ihrer Karriere und ermöglicht ihnen, durch die Leitung einer unabhängigen Nachwuchsgruppe über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren die Qualifikation für eine Professur zu erwerben.

Bilder zum Download:
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Bildtext: Dr. Sebastian Scheich, Leiter der Emmy-Noether-Gruppe an der Medizinischen Klinik 2 – Hämatologie und Onkologie, Universitätsmedizin Frankfurt. Foto: Klaus Wäldele

Weitere Informationen
Dr. Sebastian Scheich
Medizinische Klinik 2 – Hämatologie und Onkologie
und Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel: +49 (0)69 6301–3767
sebastian.scheich@unimedizin-ffm.de
https://lymphoma-leukemia-research-frankfurt.de/ag-scheich-home/research-scheich-lab

Bluesky: @goetheuni.bsky.social

LinkedIn: @Goethe-Universität Frankfurt @Universitätsmedizin Frankfurt @UCT University Cancer Center Frankfurt @Georg Speyer Haus @Sebastian Scheich



Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 30 2026
12:25

Inhaber der Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur 2025 der Goethe-Universität hält Vorlesung für interessierte Bürgerinnen und Bürger

Bürgervorlesung an der Goethe-Universität: MPG-Präsident Cramer spricht über das „System Leben“

Wann die Zelle welche Gene aktiviert, ist zentrales Forschungsthema von Patrick Cramer, dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft. Im Rahmen seiner Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur an der Goethe-Universität spricht Cramer darüber, wie Gene reguliert werden und wie Störungen dieser Prozesse zu Krankheiten beitragen.

FRANKFURT. Die DNA enthält zwar den Bauplan des Lebens, doch damit sich das Leben auch entfalten kann, muss dieser Bauplan gelesen und – in zeitlich wohl koordinierter Weise – in Proteine umgesetzt werden. Einige dieser Proteine sind Teil von Strukturen, die meisten jedoch setzen als Enzyme biochemische Reaktionen in Gang. So sorgen sie zum Beispiel für Stoffwechsel und Kommunikation, für Wachstum und die zahlreichen Spezialaufgaben, die Zellen in höheren Organismen übernehmen.

Nichts weniger als dieses „System Leben“ ist das Forschungsgebiet von Prof. Patrick Cramer, Chemiker und Strukturbiologe, Direktor am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und seit 2023 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Nach der Aufklärung der dreidimensionalen Struktur der RNA-Polymerase II lieferten er und sein Labor viele grundlegende Beiträge zum Verständnis der Transkription von Genen in höheren – eukaryotischen – Zellen, aus denen Pflanzen, Tiere und auch der Mensch bestehen. Seine Arbeitsgruppe verbindet moderne Strukturbiologie mit der funktionellen Analyse des Zusammenspiels aller Gene, um zu verstehen, wie Gene an- und abgeschaltet werden und wie Störungen dieser Prozesse zu Krankheiten beitragen.

Kurz nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie machte sein Team sichtbar, wie das SARS-CoV2-Virus sein Erbgut in menschlichen Zellen vermehrt, indem es die Struktur der SARS-CoV2-Polymerase charakterisierte. Damit schufen Cramer und sein Labor eine Grundlage für die Entwicklung antiviraler Therapien.

Die Rolf Sammet-Stiftungsgastprofessur umfasst eine Reihe von Vorlesungen: Nach der Vorlesung zur Verleihung der Gastprofessur am 15. Januar hielt Patrick Cramer am 16. Januar auf dem Campus Riedberg je eine Vorlesung für Studierende und für Wissenschaftler*innen. Am 12. Februar folgt eine Vorlesung auf dem Campus Niederrad für Mediziner*innen. Zum Abschluss der Gastprofessur wird Patrick Cramer am 13. Februar beim Biopharma-Unternehmen Sanofi im Industriepark Höchst sprechen. Die Bürgervorlesung der Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur richtet sich an interessierte Laien.

Bürgervorlesung
„Wie Gene funktionieren“
Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
Donnerstag, 12. Februar 2026, 18:00 Uhr
Hörsaal 3, Otto-Stern-Zentrum
Ruth-Moufang-Str. 2, 60438 Frankfurt (Campus Riedberg)

Die Rolf Sammet-Gastprofessur, gestiftet von der Aventis Foundation, ist eine der ältesten Stiftungsgastprofessuren an der Goethe-Universität. Sie wurde 1985 von der Hoechst AG gegründet zu Ehren ihres langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Prof. Rolf Sammet, der seit 1975 auch Honorarprofessor an der Goethe-Universität war. Seit Januar 2015 wird sie von der Universität in Eigenregie weitergeführt. Die Aventis Foundation hat dafür den Rolf Sammet-Stiftungsfonds an der Goethe-Universität mit einer Million Euro ausgestattet. Jedes Jahr wird ein international renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Naturwissenschaften nach Frankfurt eingeladen, um sein Forschungsgebiet und seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte in kompakter Form vorzustellen.

Programm der Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur 2025:
https://www.uni-frankfurt.de/46321548/Rolf_Sammet_Stiftungsgastprofessur

Bilder zum Download:
https://mpg.canto.de/b/HBTKR

Bildtext: Prof. Dr. Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Foto: Katrin Binner / MPG

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dieter Steinhilber
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: 069 798-29324
Steinhilber@em.uni-frankfurt.de

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @patrick-cramer.maxplanck.de @maxplanck.de
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Patrick Cramer @Max Planck Society @Aventis Foundation


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 30 2026
08:52

Studie der Goethe-Universität zeigt, wie Mutationen im Reparaturenzym SPRTN Entzündungen und vorzeitiges Altern auslösen – neue Erkenntnisse zum Ruijs-Aalfs-Syndrom

Kaputtes DNA-Reparaturwerkzeug beschleunigt Alterung

Werden schwere DNA-Schäden nicht repariert, hat dies dramatische Folgen für die Gesundheit von Zellen und Geweben. Eine Studie unter Leitung von Forschenden der Goethe-Universität Frankfurt als Teil der Rhein-Main-Universitätsallianz zeigt: Der Ausfall eines zentralen DNA-Reparaturenzyms namens SPRTN verursacht nicht nur genetische Schäden. Darüber hinaus werden auch chronische Entzündungen ausgelöst, die den Alterungsprozess beschleunigen und zu Entwicklungsstörungen führen. Die Ergebnisse verbessern das Verständnis der seltenen Erbkrankheit Ruijs-Aalfs-Syndrom und könnten Ansätze für therapeutische Interventionen eröffnen.

FRANKFURT. Obwohl die DNA im Zellkern dicht gepackt und gut geschützt ist, ist sie ständig Gefahren ausgesetzt – etwa durch normale Stoffwechselprozesse oder äußere Einflüsse wie Strahlung oder chemische Substanzen. Um dem entgegenzuwirken, verfügen Zellen über ein komplexes Netz an Reparaturmechanismen. Versagen diese Systeme, können sich DNA-Schäden ansammeln, die das Funktionieren der Zelle beeinträchtigen und zur Entstehung von Krebs, Alterungsprozessen und degenerativen Erkrankungen beitragen.

Eine besonders schwerwiegende Form von DNA-Schäden sind sogenannte DNA-Protein-Quervernetzungen (DNA-Protein Crosslinks, DPCs), bei denen Proteine an die DNA geheftet werden. DPCs können durch Alkoholkonsum, durch die Einwirkung von Substanzen wie Formaldehyd oder anderen Aldehyden oder durch Fehler von Enzymen entstehen, die an der Verdopplung oder Reparatur der DNA beteiligt sind. Weil DPCs die Verdopplung der DNA blockieren, können sie schwere Fehler bei der Zellteilung verursachen. Daher stellen DPCs eine erhebliche Bedrohung für die Integrität des Genoms dar.

Das Enzym SPRTN beseitigt DPCs, indem es die Verbindung zwischen DNA und Proteinen spaltet. Menschen, bei denen SPRTN mutiert ist und nicht mehr korrekt funktioniert, können bereits im Jugendalter Knochenfehlbildungen und Leberkrebs entwickeln. Diese seltene genetische Erkrankung ist als Ruijs-Aalfs-Syndrom bekannt. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang nur unzureichend verstanden, spezifische Therapien gibt es nicht.

Jetzt konnte ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Ivan Ðikić vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität zeigen, dass der Verlust eines funktionsfähigen SPRTN-Enzyms nicht nur dazu führt, dass die DNA im Zellkern immer mehr Defekte aufweist. In Zellkulturexperimenten und mithilfe genetisch veränderter Mäuse stellten die Forschenden fest, dass zusätzlich DNA aus dem Zellkern ins Zellinnere, das Zytoplasma, gelangt.

DNA im Zytoplasma ist für die Zelle ein Alarmsignal. Denn solche DNA stammt normalerweise von eindringenden Viren oder Bakterien oder ist ein Zeichen für eine Entartung der Zelle. Zytoplasmatische DNA aktiviert daher Abwehrmechanismen der Zelle, indem sie den sogenannten cGAS-STING-Signalweg auslöst. Zudem setzt die Zelle Botenstoffe frei, die Immunzellen anlocken, die zu einer chronischen Entzündung führen.

Das Forschungsteam beobachtete, dass diese chronische Entzündungsreaktion besonders stark in Maus-Embryonen ausgeprägt ist. Sie hält an, bis die Mäuse ausgewachsen sind und zeigt sich dann vor allem in Lunge und Leber. In der Folge starben die Mäuse früh oder sie zeigten Symptome eines vorzeitigen Alterns, die denen von Menschen mit Ruijs-Aalfs-Syndrom ähneln. Blockierten die Forschenden die betreffende Immunreaktion, ließen sich viele der Symptome lindern.

„DNA-Protein-Quervernetzungen, die nicht repariert werden können, haben weitreichende systemische Konsequenzen“, erklärt Ðikić. „Sie gefährden nicht nur die Stabilität des Genoms, sondern treiben auch chronische Entzündungen an, die die Lebensspanne erheblich beeinflussen können.“

Der Mediziner und Molekularbiologe sieht darin das Potenzial für die Entwicklung neuer Therapien: „Neben dem Ruijs-Aalfs-Syndrom gibt es weitere seltene genetische Erkrankungen, bei denen DNA-Protein-Quervernetzungen eine wichtige Rolle spielen. Mit unserer Arbeit haben wir eine wichtige Grundlage geschaffen, um neue therapeutische Ansätze auch für diese Krankheiten zu entwickeln. Durch die Untersuchung der zugrunde liegenden Mechanismen seltener Erkrankungen haben wir einen neuen Zusammenhang zwischen DNA-Schäden, Entzündungsreaktionen und der Lebensspanne eines Organismus entdeckt. Das trägt auch dazu bei, die Biologie des Alterns besser zu verstehen.“

Zu den Partnern des Forschungsprojekts gehörten die Goethe-Universität und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Molekularbiologie/Professorin Petra Beli und Institut für Transfusionsmedizin/Professorin Daniela Krause) innerhalb der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU), das Deutsche Konsortium für translationale Krebsforschung (DKTK), das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die EPFL Lausanne, die Charité Berlin sowie die Universitäten Köln und Split (Kroatien).

Publikation: Ines Tomaskovic, Cristian Prieto-Garcia, Maria Boskovic, Mateo Glumac, Tsung-Lin Tsai, Thorsten Mosler, Rubina Kazi, Rajeshwari Rathore, Jorge Andrade, Marina Hoffmann, Giulio Giuliani, Anne-Claire Jacomin, Raquel S. Pereira, Elias Knop, Laurens Wachsmuth, Petra Beli, Koraljka Husnjak, Manolis Pasparakis, Andrea Ablasser, Daniela S. Krause, Michael Potente, Stamatis Papathanasiou, Janos Terzic, Ivan Dikic: DNA-Protein crosslinks promote cGAS-STING-driven premature aging and embryonic lethality. Science (2026) https://doi.org/10.1126/science.adx9445

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/182738939

Bildtexte:
1 Fataler Fehler: Der Ausfall des Reparaturenzyms SPRTN in diesen kultivierten Zellen führt zu tödlichen Pannen bei der Zellteilung, indem zum Beispiel die Chromosomen (rot) auf drei statt auf zwei Tochterzellkerne verteilt werden (Pfeil). Grün: Zellteilungsapparat/Zytoskelett. Foto: Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt

2 SPRTN schützt die DNA wie ein Helm, indem es DNA-Protein-Crosslinks repariert. Künstlerische Darstellung: Anne-Claire Jacomin, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Ivan Ðikić
Institut für Biochemie II
und Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 6301-5964
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de
https://biochem2.com/research-group/molecular-signaling

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @ibc2-gu.bsky.social @idikic.bsky.social @rheinmainunis.bsky.social @unimainz.bsky.social @Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Institute of Biochemistry II (IBC2) @Rhein-Main-Universitäten @Universitätsmedizin Mainz @Johannes Gutenberg-Universität Mainz


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de


 

Jan 29 2026
10:10

Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ nimmt Risiken, Heilungschancen und Nebenwirkungsraten bei der Aufklärung von Patient*innen in den Blick. 

Einer von 1000 stirbt: Wie verstehen wir Zahlen, wenn es um die Gesundheit geht? 

FRANKFURT, MARBURG, ESSEN. Gleich, aber doch ganz anders: Viele Studien belegen, dass Patientinnen und Patienten Zahlenvergleiche im medizinischen Kontext nur schwer einordnen können, wenn es um Heilungschancen und Nebenwirkungen geht. Welche Formulierungen Nocebo-Effekte bei der Kommunikation in der Praxis und Klinik vermeiden können, erklären die beiden Psychologen Prof. Tobias Kube von der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Winfried Rief von der Universität Marburg in dem aktuell veröffentlichten „Letter“ in der renommierten Fachzeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association).

Ist drei von hundert das Gleiche wie 3 %? Ja und nein. Numerisch ist es gleich, aber emotional empfinden PatientInnen die Beschreibung unterschiedlich. Darauf weist der Beitrag von Prof. Tobias Kube von der Klinischen Psychologie und Psychopathologie der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Winfried Rief, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Marburg, hin. Rief ist auch stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Treatment Expecation“, der Placebo-und Nocebo-Effekte erforscht, Kube ist assoziiertes Mitglied des SFB. Ein zentraler Forschungsaspekt des Verbundes ist: Wie können BehandlerInnen in der ärztlichen Kommunikation Placebo-Effekte fördern und Nocebo-Effekte vermeiden? Welche besonderen Fallstricke sind zu vermeiden, wenn es darum geht Risiken, Heilungschancen und Nebenwirkungsraten bei der Aufklärung von PatientInnen zu kommunizieren?

Mathematik und das Verständnis von Zahlen
An einfachen mathematischen Fragestellungen scheitern viele von uns. In einer Studie mit 4637 erwachsenen US-Amerikanern konnten nur 34 Prozent in einer ungeordneten Zahlenreihe sagen, welcher Wert am höchsten ist. So schrieb es Brian Zikmund-Fisher, Professor für Gesundheitsverhalten und Gesundheitsgerechtigkeit an der Universität von Michigan, Ende Oktober 2025 im JAMA. Das dürfte in Deutschland nicht grundlegend unterschiedlich sein. Zikmund-Fisher empfiehlt fünf klare Strategien, wie Zahlen verständlich zu verwenden seien und rät von verbalen Umschreibungen wie „häufig“, „sehr selten“ oder „unwahrscheinlich“ ab. Ohne Kontext und Vergleich besäßen die Begriffe eine geringe Aussagekraft und könnten Ängste sowie unerwünschte Erwartungseffekte fördern.

Allerdings, so Kube in dem aktuellen Kommentar in JAMA, bergen auch Zahlen im medizinischen Kontext dieses Risiko. Was der US-Professor in seinem JAMA-Beitrag nicht erwähnt, sind die sogenannten Framing-Effekte. Deshalb zeigen Kube und Rief, dass bei der Wahrnehmung von numerisch dargestellten Testergebnissen und von Wahrscheinlichkeitsbeschreibungen gravierende Unterschiede bestehen.

Positive Prozentzahlen
„'90 Prozent der Patienten überstehen die Infektion', ist mathematisch die gleiche Aussage wie ‚zehn Prozent überstehen es nicht', aber mit der ersten Aussage wird für einen Patienten die hohe Wahrscheinlichkeit, dass alles gut wird, in den Vordergrund gerückt. Das nennt man positives Framing“, erklärt Prof. Tobias Kube von der Goethe-Universität. Die erste Formulierung wirkt daher eher beruhigend, während die zweite Ängste auslösen kann. „Deshalb sollten wir in der Praxis immer ein positives Framing anstreben, vor allem wenn es um potenziell negative und bedrohliche Nachrichten geht. Gerade dann sollten Erklärungen, zum Beispiel wie häufig die Behandlung erfolgversprechend ist oder mit welcher Wahrscheinlichkeit mit gravierenden Nebenwirkungen zu rechnen ist, positiv eingebettet sein.“

Der Framing -Effekt
Dieser „Rahmungseffekt“ erklärt, warum wir eine gleiche Information unterschiedlich bewerten, je nachdem wie sie sprachlich formuliert wird. Die Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky zeigten in ihren frühen Pionierarbeiten zur Entscheidungstheorie, dass zwei Aussagen mit identischem Inhalt durch unterschiedliche sprachliche Rahmen (Frames) gänzlich unterschiedliche emotionale Wirkungen und damit Entscheidungen bei Menschen auslösen. Gleicher Inhalt, aber gänzlich andere Wahrnehmung, andere Gefühlslage, andere Bewertung. Deshalb ist die genaue Sprache so wichtig, weil unser Gehirn nicht nur auf den Inhalt, sondern stark auf die emotionale Färbung reagiert. Der Psychologie-Professor Kube geht aber noch weiter: „Neben positivem und negativem Framing ist es auch wichtig, ob Wahrscheinlichkeiten in Prozent oder als Häufigkeiten angegeben werden“. So wirke beispielsweise die Aussage „einer von hundert stirbt“ deutlich bedrohlicher als die Aussage „ein Prozent stirbt“. „Wenn man bei medizinischen Risiken ein negatives Framing in der Kommunikation einsetzt, ist es deutlich besser Prozentsätze zu verwenden, weil dies abstrakter von Patienten wahrgenommen wird und man sich nicht gleich als die eine mögliche Person von Hundert sieht, die betroffen sein könnte“, rät Prof. Rief von der Universität Marburg.

Die Empfehlung
Zahlen sind in der medizinischen Kommunikation ein zentraler Bestandteil, sollten aber in Bezug auf die Framing-Effekte mit Bedacht gewählt werden und vor allem Patienten, die sehr ängstlich sind, bedürfen einer besonderen Ansprache und erweiterten Kommunikation. „Den ängstlichen und sehr besorgten Patienten sollte ausführlich erklärt werden, wie diese Zahlen zu verstehen sind“, erklärt Kube.

Fazit
„Viele PatientInnen verstehen in der Praxis nicht genau, was ein Arzt oder eine Ärztin gesagt und vor allem gemeint hat“, bestätigt die Neurologin Prof. Ulrike Bingel, Leiterin der Universitären Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Essen und Sprecherin des SFB „Treatment Expectation“, „denn Gesundheitskommunikation braucht vor allem Zeit, die in der Praxis oft fehlt“. Gerade vor dem Hintergrund knapper zeitlicher Ressourcen im Gesundheitssystem sieht Tobias Kube besonders viel Potential in der sorgsamen Wahrscheinlichkeitsdarstellung: „Positives Framing kostet nichts und erfordert keine extra Zeit in Gesprächen mit Patienten und wäre somit besonders leicht umzusetzen“.

„Jeder Patient und jede Patientin fragt nach Chancen und Risiken, weil Informationen Sicherheit geben, genau deshalb müssen wir TherapeutInnen schulen, wie sie über Diagnosen, Therapien und mögliche Nebenwirkungen erwartungssensibel aufklären“, fordert Prof. Bingel. Die aktuellen Studien zeigten konkret, worauf zu achten sei. Man dürfe die PatientInnen nicht allein lassen und sie die Erklärungen im Internet suchen lassen, warnt die Neurologin Ulrike Bingel.


Link zum Jama Letter:
https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2844450#

Originalarbeiten:
Zikmund-Fisher, B. J., Thorpe, A. & Fagerlin, A. How to Communicate Medical Numbers. JAMA (2025). https://doi.org:10.1001/jama.2025.13655

Kube T, Riecke J, Heider J, Glombiewski JA, Rief W, Barsky AJ. Same same, but different: effects of likelihood framing on concerns about a medical disease in patients with somatoform disorders, major depression, and healthy people. Psychol Med. 2023 Dec;53(16):7729-7734. doi: 10.1017/S0033291723001654. Epub 2023 Jun 13. PMID: 37309182.


Der Sonderforschungsbereich 289 „Treatment Expectation“
Der überregionale, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio 289) „Treatment Expectation“ untersucht seit dem Jahr 2020 mit einem interdisziplinären Team an den Universitäten Duisburg-Essen, Marburg und Hamburg den Einfluss der Erwartung von PatientInnen auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen. Deutschland nimmt international eine Spitzenposition in der Erforschung von Placebo-und Noceboeffekten ein. Im Mai 2024 hat der SFB rund 15 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für eine weitere vierjährige Förderphase eingeworben. Das Ziel des interdisziplinären Verbunds ist, die äußerst komplexen Mechanismen von Erwartungseffekten von der molekularen bis zur systemischen Ebene mit modernsten wissenschaftlichen Methoden zu entschlüsseln, psychologische und neurobiologische Unterschiede zwischen einzelnen PatientInnen und Erkrankungen so exakt wie möglich zu verstehen und zu prüfen, wie diese Effekte etablierte pharmakologische und andere Behandlungsansätze optimieren können. Hierzu erforscht ein Team von rund 100 Forschenden aus den Bereichen Medizin, Psychologie und den Neurowissenschaften. Ziel der Forschung ist es, bestehende Medikamente verträglicher zu machen, ihre Wirksamkeit zu steigern und ihre Nebenwirkungen zu verringern, indem man die Effekte positiver Erwartung nutzt. Sprecherin des Forschungsverbundes ist Prof. Dr. Ulrike Bingel von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen: „Erwartungen von PatientInnen haben einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf von Erkrankungen und die Wirksamkeit von Behandlungen. Unser Ziel ist es das wissenschaftliche fundierte Wissen, dass Erwartung, Kontext und Kommunikation eine wichtige Rolle spielen, in die Schulmedizin zu integrieren.“

Weitere Informationen zur aktuellen Forschung sowie Ratschläge für Patient*innen sind auf der Webseite www.treatment-expectation.de  nachzulesen.

Bilder von Prof. Ulrike Bingel, Prof. Tobias Kube und Prof. Winfried Kief zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/182668122.  

Kontakt:
Prof. Dr. Tobias Kube, Klinische Psychologie und Psychopathologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Varrentrappstr. 40-42, 60486 Frankfurt a.M. kube@psych.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Winfried Rief, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Leiter der Psychotherapie-Ambulanz, Universität Marburg, Gutenbergstraße 18, 35032 Marburg. riefw@staff.uni-marburg.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 28 2026
11:58

US-amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Prostatakrebsforschung verleiht Nachwuchspreis an Wissenschaftlerin der Universitätsmedizin Frankfurt

Wissenschaftspreis: Frankfurter Krebsforscherin Anne Fassl erhält 225.000 Dollar von Prostate Cancer Foundation

Für ihre Forschung zum Zusammenspiel von Genen und dem Immunsystem bei fortgeschrittenem Prostatakrebs ist die Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Anne Fassl von der Klinik für Urologie der Universitätsmedizin Frankfurt von der US-amerikanischen Prostate Cancer Foundation mit einem Young Investigator Award 2025 ausgezeichnet worden. Damit verbunden ist eine dreijährige finanzielle Förderung in Höhe von umgerechnet 195.000 Euro.

FRANKFURT. Bei fast jeder vierten Krebserkrankung in Deutschland ist die Vorsteherdrüse oder Prostata betroffen. In ihrem durch die Prostate Cancer Foundation geförderten Projekt erforscht Dr. Anne Fassl eine bestimmte Form des Prostatakarzinoms, bei dem eine Kopie eines bestimmten Gens der Patienten seit Geburt und in allen Körperzellen defekt ist, das BRCA2-Gen. Es unterstützt die Reparatur von DNA-Schäden.

Da das BRCA2-Gen in jeder Zelle in zwei Kopien vorliegt, wird es erst kritisch, wenn durch eine nachträglich erworbene Mutation auch die zweite Genkopie beschädigt wird und die betroffene Zelle so einen wichtigen Kontrollpunkt für die DNA-Reparatur verliert. Damit können sich Mutationen anhäufen, in deren Folge die Zelle die Kontrolle über die Zellteilung verliert. Weil das Immunsystem gealterte und geschädigte Körperzellen vernichtet, müssen die entstehenden Krebszellen auch dieses austricksen, damit ein Tumor entstehen kann.

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, also wenn der Tumor Metastasen außerhalb der Prostata gebildet hat, verfolgen neuere Therapieansätze eine Doppelstrategie: Zum einen wird gezielt ein Protein namens PARP gehemmt, das ebenfalls wichtig für die DNA-Reparatur ist. In den Tumorzellen, die bereits durch das defekte BRCA2-Gen vorgeschädigt sind, entstehen auf diese Weise derart viele DNA-Schäden, dass sie zugrunde gehen. Flankiert wird die PARP-Inhibition durch Medikamente, die die Blockade des Immunsystems durch die Tumoren aufheben, sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Dadurch soll das Immunsystem die Tumorbekämpfung unterstützen.

Das Problem: Auch die Zellen des Immunsystems besitzen nur eine intakte BRCA2-Kopie. Ob sich dies auf das Therapieansprechen auswirkt, untersucht Fassl in ihrem jetzt von der Prostate Cancer Foundation geförderten Projekt „Evaluating the impact of BRCA2 immune cell heterozygosity on therapeutic approaches for advanced prostate cancer". Ihr Ziel ist es, in Laborversuchen verschiedene Wirkstoffkombinationen hinsichtlich besonders vielversprechender Therapieoptionen zu testen.

Prof. Felix Chun, Direktor der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt, sagt: „Anne Fassl ist eine sehr talentierte Wissenschaftlerin, und ich beglückwünsche sie zu dieser Auszeichnung. Die Verleihung des Young Investigator Awards unterstreicht das große Potenzial, das ihre Forschung zu genetischen Veränderungen des Immunsystems im Kontext der Prostatakrebstherapie besitzt. Die Förderung wird es Anne Fassl ermöglichen, sich im Feld der Prostatakrebsforschung weiter zu etablieren, da durch ihre Forschung in den nächsten Jahren ein bedeutender Beitrag zur genbasierten, personalisierten Behandlung von Menschen mit Prostatakarzinom zu erwarten ist.“

Dr. rer. nat. Anne Fassl studierte Biologie in Leipzig und promovierte am Deutschen Krebsforschungszentrum, Postdoc am Dana-Faber Cancer Institute und an der Harvard Medical School in Boston wurde als Nachwuchsgruppenleiterin durch das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum Frankfurt-Marburg von den USA nach Frankfurt rekrutiert und forscht seit 2023 in der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt. Aufbauend auf ihrer Forschung und den Erfahrungen aus ihrer Postdoc-Zeit an der Harvard Medical School in Boston widmet sie sich in Frankfurt der Präzisionsmedizin bei hormongesteuerten Tumoren, mit einem besonderen Fokus auf das Prostata- und das Mammakarzinom.

Die gemeinnützige Prostate Cancer Foundation (PCF) ist weltweit führend in der Unterstützung und Finanzierung der Erforschung des Prostatakarzinoms. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 hat sie rund eine Milliarde US-Dollar für die Spitzenforschung in mehr als 2.000 Forschungsprojekten an 245 führenden Krebszentren in 28 Ländern zur Verfügung gestellt. Das Young Investigator Awards-Programm der PCF identifiziert vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und bietet Karriere- und Projektunterstützung für innovative Forschungsideen zur Bekämpfung von Prostatakrebs. Durch die gezielte Förderung der nächsten Generation führender Forschender auf diesem Gebiet soll von der Krankheit Betroffenen auf der ganzen Welt ein längeres Überleben, weniger Komplikationen und eine höhere Lebensqualität ermöglicht werden.

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/182499636

Bildtext: Dr. rer. nat. Anne Fassl, Klinik für Urologie der Universitätsmedizin Frankfurt, erhält den Young Investigator Award der Prostate Cancer Foundation. Foto: privat

Weitere Informationen
Dr. rer. nat. Anne Fassl
Leitung Forschungslabor
Klinik für Urologie
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel.: +49 69 6301 - 80073
anne.fassl@unimedizin-ffm.de
https://www.uct-frankfurt.de/msnz/fellows/anne-fassl.html

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Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Universitätsmedizin Frankfurt @Felix KH Chun @UCT University Cancer Center Frankfurt

Das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt-Marburg wird von der Deutschen Krebshilfe als eines von fünf Mildred-Scheel-Nachwuchszentren in Deutschland gefördert. Im Rahmen des Exzellenzförderprogramms des MSNZ Frankfurt-Marburg werden forschende Ärztinnen und Ärzte (Clinician Scientists) sowie nicht-klinisch tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Medical Scientists) in der Krebsforschung auf allen Karrierestufen von der Promotion bis zur Leitungsposition gezielt unterstützt: Geschützte Zeit für Forschung, eigene Sachmittelbudgets und der Zugang zu exzellenten wissenschaftlichen Infrastrukturen ermöglichen die Durchführung eines eigenen Forschungsprojekts in einem international ausgewiesenen Umfeld. Mit international anschlussfähigen, kontinuierlichen Karrierewegen und attraktiven Zielpositionen will das MSNZ beste Voraussetzungen sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der translationalen und klinischen Forschung schaffen. Ein besonderes Anliegen des MSNZ ist dabei die Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Universitätsmedizin Frankfurt, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden hochschulmedizinischen Einrichtungen Deutschlands. Sie bietet ihren Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 33 Kliniken und klinischen Instituten. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Universitätsmedizin und Fachbereich Medizin betreiben mehr als 20 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die diagnostische und therapeutische Praxis. Rund 1.300 stationäre und tagesklinische Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Kliniken und Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen.
Jährlich werden circa 46.000 stationäre und mehr als 480.000 ambulante Patientinnen und Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt die Universitätsmedizin unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie und Neurochirurgie nimmt sie besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Das Leberzentrum ist die einzige Einrichtung für Lebertransplantation in Hessen. Ein Alleinstellungsmerkmal gemäß Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz besteht für die Region Frankfurt-Offenbach neben der Herzchirurgie auch für die Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Dermatologie und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mehr als 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.

Die Goethe-Universität ist eine weltoffene Werkstatt der Zukunft mitten in Europa. Sie entstand 1914 als Gründung Frankfurter Bürger und knüpft seit 2008 als Stiftungsuniversität wieder an diese Tradition an: als autonome Bürger*innen-Universität eingebettet in die Stadtgesellschaft und mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Teilhabe und Förderung. Die Goethe-Universität gehört mit mehr als 40.000 Studierenden zu den größten und forschungsstärksten Universitäten Deutschlands und zu den größten Arbeitgebern in Frankfurt.
Die Goethe-Universität ist eine international aufgestellte Volluniversität, die sich durch exzellente Forschungsschwerpunkte in sechs interdisziplinären, fachbereichsübergreifenden Profilbereichen ebenso auszeichnet wie durch die Vielfalt ihrer Fächer in Geistes-, Sozial-, Gesellschafts-, Natur- und Lebenswissenschaften und Medizin. Mit der TU Darmstadt und der Universität Mainz bildet sie das Bündnis Rhein-Main-Universitäten (RMU, https://www.rhein-main-universitaeten.de/). Sie gehört den „German U15“ an, dem Zusammenschluss der 15 forschungsstärksten medizinführenden Universitäten Deutschlands, und bildet zusammen mit 15 außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet das Wissenschaftsnetzwerk „Frankfurt Alliance“. 
www.goethe-universitaet.de


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Jan 28 2026
11:07

Studierende präsentieren ihre Arbeiten aus dem Wintersemester 

Öffentlicher Rundgang des Instituts für Kunstpädagogik 

FRANKFURT. Zum Abschluss des Wintersemesters 2025/26 lädt das Institut für Kunstpädagogik wieder alle Interessierten ein zum öffentlichen Rundgang. Gemeinschaftlich präsentieren die Studierenden am 10. und 11. Februar die künstlerischen Arbeiten des Wintersemesters aus den Grundlagenseminaren und den Schwerpunkten der Bereiche Grafik/Malerei, Plastik und Neue Medien sowie der Didaktik und der Visuellen Kultur.  Die Material- und Themenvielfalt der studentischen Arbeiten ist dementsprechend groß und verortet sich im künstlerischen Diskurs der Gegenwart.

Am Institut für Kunstpädagogik angesiedelt sind sowohl die Lehramtsstudiengänge Kunst als auch die Bachelor- und Masterstudiengänge Kunst – Medien – Kulturelle Bildung. Der Rundgang gewährt einen Einblick in die künstlerische Arbeit der Studierenden, die auf dem Campus-Westend der Goethe-Universität nicht zuletzt durch Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Fachbereichen vom interdisziplinären Forschen und Arbeiten geprägt ist. Die Eröffnung des Rundgangs findet am Vorabend der Veranstaltung, am 10. Februar, um 18.30 Uhr im Hörsaal B des Gebäudes der Sprach- und Kulturwissenschaften statt.

Ausstellung: Rundgang
Dienstag, 10. Februar, 18.30- 21.00 (zugleich Eröffnung)
Mittwoch, 11.02.2026 12.00-20.00 Uhr
Institut für Kunstpädagogik
SKW-Gebäude, Campus Westend
Rostocker Str. 2 und
Seminarpavillon, Stralsunder Str. 32-38


Kontakt:

Prof'in. Leunora Salihu, salihu@em.uni-frankfurt.de
Prof'in. Kerstin Gottschalk, Ke.Gottschalk@em.uni-frankfurt.de
Institut für Kunstpädagogik, Fachbereich 09, Sprach- und Kulturwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt. https://www.uni-frankfurt.de/107557243/Institut_f%C3%BCr_Kunstp%C3%A4dagogik

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 27 2026
11:12

Neue Studie soll zeigen, warum Menschen unterschiedlich auf Traumata reagieren

Wie sich Gewalterfahrungen auf die Psyche auswirken

Gewalterfahrungen hinterlassen bei vielen Menschen tiefe Spuren, die sie ihr Leben lang begleiten – andere hingegen erholen sich und können das Erlebte irgendwann hinter sich lassen. Warum das so ist und wie es zu diesen Unterschieden kommt, diesen Fragen widmet sich die Studie „Leben nach Gewalt“ unter Beteiligung der Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg.

FRANKFURT. Mit der neuen Studie „Leben nach Gewalt“ wollen Forscherinnen und Forscher der Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg herausfinden, wie sich Gewalterfahrungen auf die psychische Gesundheit auswirken – und warum Menschen unterschiedlich auf solche Erlebnisse reagieren. Die Studie wird vom Land Hessen im Rahmen des LOEWE-Programmes (Landes-Initiative zur Entwicklung von Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) finanziert, womit das Land Hessen gezielt Spitzenforschung fördert; es ist Teil des großen Forschungsprojektes DYNAMIC, in dem Forscher und Forscherinnen wissenschaftlicher Einrichtungen in Frankfurt, Gießen, Marburg und Darmstadt zusammenarbeiten, geleitet von Winfried Rief und Andreas Reif. Gestellt haben den Antrag Regina Steil und Rolf van Dick von der Universität Frankfurt, Christiane Hermann von der Universität Gießen, und Nina Alexander von der Universität Marburg, gemeinsam leiten sie die Studie auch.

Was untersucht die Studie?
Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, welche seelischen Beschwerden nach Gewalterfahrungen vorliegen, wie sie sich im Alltag zeigen, mit der Zeit verändern und miteinander zusammenhängen. Dazu werden psychologische, biologische und soziale Faktoren zusammen betrachtet – ein Ansatz, der in dieser Form neu ist.
Die Teilnehmenden werden über mehrere Wochen begleitet: Ihre Situation wird mit Hilfe von Fragebögen, Interviews und biologischen Messungen (z. B. Haarproben) untersucht. Darüber hinaus berichten sie über eine speziell entwickelte Smartphone-App, wie es ihnen im Alltag geht, was sie belastet oder stärkt. So entsteht ein differenziertes Bild des seelischen Erlebens im Alltag nach Gewalterfahrungen. Für die Studie werden Menschen gesucht, die nach einer Gewalterfahrungen psychisch krank sind, aber auch solche, die nach einer Gewalterfahrung nur wenige Beschwerden haben. 

Warum ist das wichtig?
Gewalt kann tiefgreifende seelische und körperliche Folgen haben. Manche Betroffene entwickeln eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine komplexe PTBS, andere bleiben trotz ähnlicher Erfahrungen erstaunlich stabil. Die Forschenden wollen besser verstehen, welche Prozesse und Voraussetzungen dabei eine Rolle spielen – etwa, wie Symptome wie Schlafstörungen, Anspannung oder Selbstzweifel miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Mit Hilfe moderner Analysemethoden, sogenannter dynamischer psychologischer Netzwerke, soll ein neues, ganzheitliches Modell der Traumafolgen entstehen. Dieses Wissen könnte langfristig dazu beitragen, Diagnostik und Therapie individuell besser abzustimmen und Betroffene gezielter zu unterstützen.

Teilnahmebedingungen
Gesucht werden Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren, die mindestens einmal in ihrem Leben körperliche Gewalt (z.B. eine körperliche Attacke, ein sexueller Kindesmissbrauch, eine Vergewaltigung oder eine andere Form von körperlicher Gewalt) erlebt haben. Die Teilnahme an der ca. vierwöchigen Untersuchungsphase wird mit bis zu 420 Euro vergütet. Teilnehmende erhalten außerdem eine umfassende Einschätzung Ihrer psychischen Gesundheit und bei Vorliegen von psychischen Störungen eine Beratung zu passenden Behandlungsmöglichkeiten.

Ablauf der Studie
Nach einer telefonischen Kontaktaufnahme findet zunächst ein kurzes Screening zur Prüfung der Eignung für die Studienteilnahme statt. Die Studie selbst umfasst insgesamt drei Termine.
Die ersten beiden Termine dauern jeweils etwa drei bis vier Stunden. Dabei werden ausführliche strukturierte Interviews zu traumatischen Erfahrungen sowie zu psychischen Symptomen durchgeführt. Zusätzlich bearbeiten die Teilnehmenden standardisierte Fragebögen. Am zweiten Termin werden zusätzlich Bioproben (Speichel- und Haarproben) entnommen, und die Teilnehmer erhalten eine Einweisung in die tägliche Datenerhebung am Smartphone via mPath.
Anschließend folgt eine dreiwöchige Phase der Erfassung im Alltag (Ecological Momentary Assessment, EMA). In dieser Zeit beantworten die Teilnehmenden mehrmals täglich kurze Fragen per Smartphoneapp zu aktuellen Gefühlen, Gedanken und Symptomen, um deren zeitliche Dynamik im Alltag abzubilden.
Den Abschluss bildet eine Sitzung von etwa einer Stunde, in der offene Fragen geklärt, Erfahrungen mit der Studie besprochen werden und die Teilnahme abgeschlossen wird. 

Zitat der Studienleitung
„Wir möchten verstehen, was genau im Menschen passiert, wenn dieser eine körperliche Gewalterfahrung macht, was sich dadurch genau verändert“, erklärt Regina Steil, eine der Studienleiterinnen. „Wenn wir die zugrundeliegenden Mechanismen kennen, können wir Betroffene besser unterstützen.“


Kontakt und weitere Informationen
Homepage der Studie: https://www.dynamic-center.net/leben-nach-gewalt/
E-Mail-Kontakt: Lebennachgewalt@psych.uni-frankfurt.de bzw. Lebennachgewalt@uni-giessen.de

Kontakt zur den Studienleitungen (für Pressevertreterinnen und -vertreter): 
Apl. Prof. Dr. Regina Steil
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: steil@psych.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Christiane Hermann
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Justus-Liebig-Universität Gießen 
E-Mail: Christiane.Hermann@psychol.uni-giessen.de

Prof. Dr. Rolf van Dick
Abteilung Sozialpsychologie
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: van.dick@psych.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Nina Alexander
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Marburg
E-Mail: nina.alexander@uni-marburg.de


Die Studie wird vom DYNAMIC Center finanziert, das vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur finanziert wird. (LOEWE1/16/519/03/09.001(0009)/98)

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 27 2026
09:59

Krebszellen nutzen das Stromnetz der Nerven: Heidelberger Neurologe hat das Forschungsgebiet der „Cancer Neuroscience“ mitbegründet

Dem Tumor den Stecker ziehen: Varun Venkataramani erhält Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2026

Der Neurologe Dr. Dr. Varun Venkataramani (36) vom Universitätsklinikum Heidelberg wird mit dem Paul Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2026 ausgezeichnet. Das gab der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung heute bekannt. Der Preisträger hat unser Wissen über Glioblastome fundamental erweitert. Das sind besonders bösartige Gehirntumore. Sie entstehen aus Gliazellen, deren Aufgabe es ist, Nervenzellen zu schützen und zu ernähren. Venkataramani hat entdeckt, dass und wie Glioblastome das Nervensystem kapern, um dort Strom abzugreifen, mit dessen Hilfe sie ihr tödliches Wachstum beschleunigen. Ein Medikament zur Unterbrechung dieses Stromflusses wird bereits an Patienten erprobt.

FRANKFURT. Gehirntumore bestehen nicht aus Nervenzellen. Denn ausgereifte Nervenzellen haben – mit ganz wenigen Ausnahmen – die Fähigkeit verloren, sich zu teilen. Die meisten Gehirntumore sind Gliome. Sie stammen vermutlich von Vorläufern von Gliazellen ab. Deren Zahl entspricht im Gehirn eines Erwachsenen etwa der seiner Nervenzellen (annähernd 100 Milliarden), denen sie vor allem als Gerüst und als Nahrungslieferant dienen. Besonders gefährlich sind die Glioblastome. Selbst bei einer nach heutigem Stand optimalen Therapie beträgt die mittlere Überlebenszeit zwischen Diagnose und Tod für Patienten mit dieser Tumorart maximal 18 Monate. Glioblastome verdoppeln ihr Volumen innerhalb eines Monats. Aus dem Tumorherd heraus ziehen ihre Zellen entlang der Nervenbahnen diffus durch das Gehirn. Dabei formen sie ein Netz, mit welchem sie das Netz der Nervenzellen durchschlingen, indem sie sich über extrem lange und dünne Fortsätze mit anderen Gliomzellen verknüpfen. 

Als Varun Venkataramani vor elf Jahren im Rahmen seiner medizinischen Doktorarbeit diese Fortsätze unter dem Elektronenmikroskop untersuchte, blieb sein Blick geistesgegenwärtig an einem Bildausschnitt hängen: Was er darin sah, war nicht die Verknüpfung zweier Tumorzellen, sondern die Verbindung einer Tumorzelle mit einer Nervenzelle, über eine Struktur, die aussah wie eine Synapse, also eine klassische elektrochemische Verbindung zwischen zwei Nervenzellen. Das schien so unglaublich zu sein, dass sowohl er als auch seine Doktorväter zunächst ein Artefakt vermuteten. Aber Venkataramani ließ nicht locker. In beharrlicher Arbeit und mit außerordentlichem methodischen Geschick gelang es ihm in den folgenden Jahren, unterstützt von seinen Mitarbeiteren und Mentoren, seine Beobachtung experimentell zu belegen und 2019 in eine Aufsehen erregende Publikation im Top-Journal Nature münden zu lassen. Gliomzellen, die sich ausbreiten wollen, stellen proaktiv synaptische Kontakte zu Nervenzellen her. Sie imitieren dabei das Verhalten unreifer Nervenzellen während der Gehirnentwicklung. Über diese Synapsen greifen sie elektrische Impulse aus präsynaptischen Nervenfasern ab, wodurch sie ihre Teilung fördern und ihre Ausbreitung beschleunigen. 

Die elektrischen Signale, die das Tumorwachstum triggern, werden im synaptischen Spalt zwischen Nervenzellen und Gliomzellen vor allem durch die Ausschüttung der Aminosäure Glutamat vermittelt. Dieser Botenstoff dockt an sogenannten AMPA-Rezeptoren der Tumorzellen an, woraufhin Kalziumionen in die Zellen einströmen und einen elektrischen Strom auslösen. Diese Rezeptoren sind, wenn sie überaktiviert werden, auch in die Entstehung epileptischer Anfälle eingebunden. Der selektive AMPA-Rezeptorblocker Perampanel ist seit 2012 für die Behandlung von Epilepsien zugelassen. Er könnte also auch die Übermittlung von Nervensignalen an Tumorzellen unterbrechen. Venkataramani und seine Kolleginnen und Kollegen treiben das „Repurposing“ dieses Medikamentes für die bisher nicht zugelassene Indikation Glioblastom deshalb zügig voran. Präklinisch haben sie dessen Wirksamkeit bereits festgestellt. Eine prospektive klinische Phase-II-Studie läuft aktuell. 

Die Perampanel-Studie markiert für Venkataramani nur den Anfang der möglichen Entwicklung effektiver Gliom-Therapien. Jüngst hat seine Forschungsgruppe, in der Technologie- und Therapieentwicklung Hand in Hand gehen, den Machbarkeitsnachweis für ein gentherapeutisches Verfahren erbracht, das eines Tages für die Diagnose und für die Therapie von Gliomen eingesetzt werden könnte. In diesem Verfahren werden exklusiv nur diejenigen Nervenzellen mit Farbstoffen markiert, die über Synapsen mit Tumorzellen verbunden sind. Diese Nervenzellen werden damit auf einen programmierten Selbstmord (Apoptose) vorbereitet. Vollziehen sie ihn, verlieren die Tumorzellen dadurch die Verbindung, die für ihr Wachstum essenziell war. Sie sind vom Stromnetz des Nervensystems genommen worden.

Das Forschungsgebiet „Cancer Neuroscience“ gab es vor Venkataramis Entdeckung nicht. Er hat es mitbegründet und ist an dessen Entwicklung maßgeblich beteiligt. Seine vordringliche Aufgabe sieht er darin, das „Tumorkonnektom“ im Gehirn immer genauer zu entschlüsseln. Je weiter sich das Gebiet der „Cancer Neuroscience“ erschlossen wird, desto mehr stellt sich heraus, dass Interaktionen zwischen Nervensystem und Krebszellen auch in anderen Organen das Tumorwachstum begünstigen.

Dr. med. Dr. rer. nat. Varun Venkataramani studierte von 2009 bis 2016 Humanmedizin an der Universität Heidelberg. Dort wurde er für das strukturierte Doktorandenprogramm ausgewählt, das besonders begabten Studierenden der Medizin eine Doppelpromotion ermöglicht. 2019 wurde er zum Dr. med. und ein Jahr später zum Dr. rer. nat. promoviert. Seit 2022 führt er eine 15-köpfige Forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und ist gleichzeitig als Neurologe in der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg tätig. 

Der Preis wird – zusammen mit dem Hauptpreis 2026 – am 14. März 2026 um 17 Uhr vom Vorsitzenden des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung in der Frankfurter Paulskirche verliehen. 

Bilder des Preisträgers und ausführliche Hintergrundinformation „Im Stromnetz des Gehirntumors“ zum Download auf: www.paul-ehrlich-stiftung.de

Weitere Informationen
Pressestelle Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
E-Mail: j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de

Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de


 

Jan 26 2026
14:56

Internationales Forschungsteam wirbt mehr als eine Million Euro zur Untersuchung des neu entdeckten römischen Heiligtums in Frankfurt ein

Kultbezirk im Herzen des römischen Nida wird weiter erforscht

Bei Bauarbeiten für eine Frankfurter Schule kam vor einigen Jahren ein Fund von überregionaler Tragweite zutage: ein großes römisches Heiligtum. Umfangreiche Grabungen des Denkmalamts Frankfurts folgten. Deren Ergebnisse können nun von einem interdisziplinären Verbund wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Mittel hierfür haben das Archäologische Museum Frankfurt, die Goethe-Universität und die Universität Basel gemeinsam eingeworben.

FRANKFURT. Es ist ein weiterer Meilenstein für die Archäologie der Römerzeit in Hessen: Für die Auswertung der Grabungen in dem großen römischen Heiligtum auf dem Areal der antiken Stadt Nida (Frankfurt am Main-Heddernheim) haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) zusammen mehr als eine Million Euro bewilligt. Damit erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den nächsten drei Jahren die Gelegenheit, eine der herausragenden neuen archäologischen Entdeckungen auf dem Gebiet des römischen Germaniens umfassend zu erforschen. 

Förderantrag länderübergreifend aus Frankfurt und Basel
Antragsteller des Projektes „Der zentrale Kultbezirk von Nida (Frankfurt a. M.-Heddernheim): interdisziplinäre Studien zu Raumgestaltung und Deponierungen“ sind das Archäologische Museum Frankfurt (Dr. Carsten Wenzel), das Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Anja Klöckner (Klassische Archäologie), Prof. Markus Scholz (Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen), Prof. Astrid Stobbe (Archäobotanik)) sowie das Institut für Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA) der Universität Basel (Prof. Sabine Deschler-Erb (ⴕ), Dr. Barbara Stopp). Kooperationspartner sind das Denkmalamt der Stadt Frankfurt sowie die ebenfalls in Frankfurt ansässige Römisch-Germanische Kommission (RGK) des Deutschen Archäologischen Institutes. Das bewilligte Forschungsprojekt wurde heute bei einer Pressekonferenz im Archäologischen Museum der Stadt Frankfurt vorgestellt.

Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, äußert sich folgendermaßen zu dem Projekt: „Der zentrale Kultbezirk von Nida ist ein archäologischer Befund von europaweit nahezu einzigartiger Bedeutung. Dadurch, dass er jetzt so umfangreich wissenschaftlich untersucht werden kann, wird sich Frankfurt in der internationalen Spitzenforschung weiter etablieren. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie leistungsfähig unser Wissenschaftsstandort ist, wenn Museum, Universitäten, außeruniversitäre Forschungsinstitutionen und Denkmalpflege eng zusammenarbeiten und Forschung sichtbar in die Stadtgesellschaft tragen.“


Bauarbeiten für die neue „Römerstadtschule“ führen zur Entdeckung des römischen Kultbezirks
Entdeckt wurde der Kultbezirk von Nida bei Ausgrabungen des Denkmalamts in den Jahren 2016 bis 2018 und 2022 in der Frankfurter Nordweststadt. Im Rahmen des Neubaus der „Römerstadtschule“ wurde auf mehr als 4.500 Quadratmetern Fläche im Zentrum der römischen Stadt das von einer Mauer umgebene Areal freigelegt. Es konnte nahezu vollständig mit moderner Ausgrabungstechnik untersucht und dokumentiert werden; die Befunde sind zusammenhängend und beinahe ohne nachrömische Eingriffe erhalten. 

„Der neu entdeckte Kultbezirk der römischen Stadt Nida ist eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahre in Frankfurt. Die Förderung ermöglicht es, diesen außergewöhnlichen Fund nun wissenschaftlich gründlich zu erforschen und auszuwerten. Zugleich ist sie eine Anerkennung der kontinuierlichen und fachlich anspruchsvollen Arbeit unseres städtischen Denkmalamts – und ein gutes Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung und Forschung in Frankfurt zusammenwirken. Dass diese Entdeckung im Zuge des Neubaus der Römerstadtschule möglich wurde, zeigt, wie sich Vergangenheit und Zukunft in unserer Stadt konkret verbinden“, sagte Marcus Gwechenberger, Dezernent für Planen und Wohnen.

Archäologische Zeugnisse römischer Kultpraxis
Der Kultbezirk umfasst elf Steinbauten, die in mehreren Phasen errichtet worden waren, sowie etwa 70 Schächte und zehn Gruben für (rituelle) Deponierungen. Die Gebäudegrundrisse sind ungewöhnlich; sie finden keinen Vergleich in den germanischen und gallischen Provinzen des Römischen Reiches. Mehr als 5.000 Fragmente von bemaltem Wandverputz sowie bronzene Beschläge von Türen und Fenstern belegen eine aufwändige architektonische Gestaltung der Gebäude. 

In den Schächten und Gruben fanden sich neben zahlreichen Keramikgefäßen große Mengen an pflanzlichen und tierischen Überresten, darunter von Fischen und Vögeln. Dabei handelt es sich vermutlich um die Reste kultischer Mahlzeiten und Opferhandlungen für die Götter. Um diese im Detail auswerten zu können, wurden unter anderem 150 Proben für archäozoologische und archäobotanische Untersuchungen genommen. 

Für das Verständnis der im Kultbezirk praktizierten Kult- und Opferhandlungen kommt der Auswertung der bei den Grabungen geborgenen 254 römischen Münzen und mehr als 70 zum Teil vollständig erhaltenen Gewandspangen (Fibeln) aus Silber und Bronze eine besondere Bedeutung zu. Derartige Funde sind vielerorts in römischen Heiligtümern als Weihe- und Votivgaben für die Götter gut belegt. Völlig ungewöhnlich sind hingegen die Hinweise auf mögliche Menschenopfer im Kultbezirk von Nida. Rückschlüsse auf die am Ort verehrten Gottheiten sind trotz der bemerkenswert guten Überlieferung und Erhaltung bislang nur eingeschränkt möglich. Durch Inschriften und bildliche Darstellungen bezeugt sind neben dem höchsten römischen Gott Jupiter der vor allem von Soldaten verehrte Jupiter Dolichenus, der Gott für Handel und Wirtschaft Mercurius Alatheus, die Naturgöttin Diana, der Heilgott Apollon und die keltisch-römische Fruchtbarkeitsgöttin Epona. Das lässt darauf schließen, dass es sich um ein überregional bedeutendes Heiligtum handelt, in dem mehrere Gottheiten nebeneinander verehrt wurden. 

Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde der Kultbezirk zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. angelegt. Die Weihinschrift eines Soldaten für Mercurius Alatheus vom 9. September 246 n. Chr. belegt, dass er zumindest bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bestanden hat. 

Interdisziplinäres Wissenschaftsteam ermöglicht umfassende Erforschung
Die Bewilligung dieses umfangreichen Forschungsprojektes unterstreicht die Bedeutung der archäologischen Forschung im Raum Frankfurt. Es ist ein gutes Beispiel für die Vernetzung der wissenschaftlichen Institutionen innerhalb der Rhein-Main-Region – untereinander sowie mit deren internationalen Partnerinstitutionen. 

Die bewilligten Fördermittel eröffnen die einzigartige Chance, diesen überregional bedeutenden Komplex im Rahmen eines interdisziplinären Projektes umfassend aufzuarbeiten. Ausgehend von der Analyse der Raumgestaltung des Heiligtums und der Auswertung der Deponierungen sollen die vor Ort geübten rituellen Praktiken rekonstruiert werden. Auf diese Weise kann der Kultbezirk von Nida schließlich kulturhistorisch in die Sakrallandschaft der römischen Nordwestprovinzen eingeordnet werden. Am Projekt werden an den unterschiedlichen Institutionen fünf Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf Doktoranden- bzw. Postdocstellen forschen.

Ein Jahr nach Vorstellung der „Frankfurter Silberinschrift“: die Erforschung von Nida geht in die nächste Phase
Die Grabungen des Denkmalamts erbringen seit Jahrzehnten bedeutende Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte und -topographie von Nida. Gut ein Jahr nach der Präsentation der „Frankfurter Silberinschrift“, des ältesten christlichen Schriftzeugnisses nördlich der Alpen, rückt die antike Stadt auf Frankfurter Boden somit erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nun hat das Forschungsteam die einmalige Gelegenheit, sich gemeinsam den römischen Religionen in Frankfurt am Main zu widmen und Tempel, Opfer und Ritual zu erforschen. Die hochwertigen, sehr gut erhaltenen Befunde unterstreichen die herausragende Bedeutung dieser Fundstätte für die Archäologie der Römerzeit in Deutschland: Von einem militärischen Knotenpunkt aus den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. entwickelte sich Nida im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Limesregion. Die Stadt zeichnete sich durch eine außergewöhnliche kulturelle Vielfalt aus und gehörte bis zu ihrer Aufgabe um 275/280 n. Chr. zu den bedeutendsten Siedlungen im römischen Germanien.

Bilder und Bildtexte zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/182413177

Stimmen zum Projekt „Der zentrale Kultbezirk von Nida“

„Die römische Stadt NIDA beschäftigt die Frankfurter Bodendenkmalpflege seit vielen Jahren mit herausragenden Funden und Befunden, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. Dadurch werden das Bild der Stadt und ihre herausragende Bedeutung im Römerreich rechts des Rheins immer deutlicher. Dank der präzisen Arbeit der Ausgräberinnen und Ausgräber bei Freilegung und Dokumentation vor Ort offenbart sich uns in NIDA ein römischer Sakralbezirk, der im gesamten Imperium seinesgleichen sucht.“
Dr. Andrea Hampel, Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main


„Deponierungen können sowohl bei der Sakralisierung als auch bei der Profanisierung von Räumen eine zentrale Rolle spielen. Am Beispiel des römischen Nida untersuchen wir dies nun in einem internationalen und interdisziplinären Forschungsprojekt und zeigen dabei, welche Schlüsselrolle religiöse Praktiken für ein bedeutendes städtisches Zentrum im Limesgebiet einnahmen.“ 
Dr. Kerstin P. Hofmann, Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts


„In vielen antiken Heiligtümern kennt man nur die Grundrisse der Kultbauten. In Nida eröffnet sich die Chance, anhand der vielen erhaltenen Wandmalereifragmente auch etwas über die Raumhöhen, die Raumgliederung und die Innenausstattung zu erfahren. Das wird uns helfen, die Raumfunktion des Kultbezirks und die daraus ablesbaren rituellen Praktiken besser zu verstehen.“
Prof. Dr. Anja Klöckner, Goethe-Universität Frankfurt, Klassische Archäologie

„Im Zentrum einer römischen Stadt befindet sich normalerweise das Forum. Nicht so in Nida. Dort entdeckte man stattdessen ein mehrphasiges Heiligtum mit verschiedenen Tempeln. Das ist singulär. Es bildete wohl das ideelle Zentrum der Siedlung und darüber hinaus vielleicht auch der Region. War es sogar ein Pilgerzentrum? Einflüsse aus Gallien, dem Mittelmeerraum und dem Orient zeichnen sich ab. Die Verfüllungen von 80 Schächten und Gruben bergen Hinterlassenschaften von rituellen Handlungen, z. B. Kultmahlzeiten, also heiligen Müll? Zeugen einige von Ihnen von der planmäßigen Auflassung und Entweihung des Heiligtums im 3. Jahrhundert?“
Prof. Dr. Markus Scholz, Goethe-Universität Frankfurt, Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen

„Tiere und tierische Produkte besaßen in der antiken Religion vermutlich eine zentrale Bedeutung, etwa bei Kultmahlzeiten, als Kommunikationsmedien oder als Opfergaben. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt ermöglicht es, diese Funktionen erstmals umfassend und systematisch für das römische Nida zu untersuchen.“ 
Dr. des. Benjamin Sichert, IPNA, Universität Basel

„Pflanzen und pflanzliche Produkte spielten im Alltag, wie auch im Rahmen religiöser Praktiken in der Antike eine wichtige Rolle. Im römischen Nida bietet sich die einzigartige Möglichkeit, mithilfe archäobotanischer Untersuchungen diese Funktionen differenziert zu erfassen und zugleich Aussagen zu Anbau, Import und Umwelt zu treffen.“ 
Prof. Dr. Astrid Stobbe, Goethe-Universität Frankfurt, Labor für Archäobotanik

„Die Entdeckung des Kultbezirks von Nida war eine große Überraschung, die just mit meinem Dienstantritt am Archäologischen Museum im Sommer 2016 zusammenfiel. Für mich als Kustos der Abteilung Römerzeit war das ein Geschenk zum Einstieg und bot zugleich die Möglichkeit, daraus gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen für die nächsten Jahre ein Projekt zu gestalten. Der Kultbezirk mit seinen zahlreichen Besonderheiten unterstreicht nicht nur die besondere Bedeutung von Nida im römischen Germanien; die Aufarbeitung im Rahmen des DFG-Projekts wird uns weitreichende neue Erkenntnisse zum religiösen Leben und kultischen Praktiken im Norden des Römischen Reiches liefern.“ 
Dr. Carsten Wenzel, Archäologisches Museum Frankfurt

Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Markus Scholz
Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen
Goethe-Universität
Institut für Archäologische Wissenschaften, Abt. II
Telefon +49 (0)69 798-32265
E-Mail m.scholz@em.uni-frankfurt.de

Holger Kieburg M.A.
Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation
Archäologisches Museum Frankfurt
Telefon +49 (0)69 212-36747
Mobil 0151 184 01046
E-Mail: holger.kieburg@stadt-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de