​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Feb 26 2021
09:05

Gruppierungen von Rezeptoren können dieselbe Wirkung wie Bindung eines Signalmoleküls haben – Rezeptorcluster können Zellbewegungen lenken

Zellbiologie: Signalübertragung ohne Signal 

Wenn wir riechen, schmecken oder sehen oder wenn Adrenalin durch unsere Adern rauscht, werden diese Signale von unseren Zellen über eine bestimmte Gruppe von Empfänger-Proteinen empfangen, den sogenannten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Die Rezeptoren geben die Signale ins Zellinnere weiter. Dass solche Rezeptoren auch Signale produzieren können, obwohl ein äußerer Stimulus fehlt, haben jetzt Biochemikerinnen und Biochemiker der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Leipzig herausgefunden: Es reicht bei manchen Rezeptoren offenbar aus, wenn viele von ihnen an der Zelloberfläche eng zusammenrücken. (Science, doi/10.1126/science.abb7657)

FRANKFURT. Unser Körper besteht aus 100 Billionen Zellen, die miteinander kommunizieren, Signale aus der Außenwelt empfangen und darauf reagieren. Eine zentrale Rolle in diesem Kommunikationsnetz spielen Empfänger-Proteine, sogenannte Rezeptoren, die in der Zellmembran verankert sind. Dort empfangen sie Signale und leiten sie ins Zellinnere weiter, wo die Reaktion der Zelle ausgelöst wird.

Beim Menschen stellen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPC-Rezeptoren) mit rund 700 verschiedenen Typen die größte Gruppe dieser Empfängermoleküle. Im Fokus der Forschung der Frankfurter und Leipziger Wissenschaftler:innen stand ein GPC-Rezeptor, der in Zellen als Empfänger für das Neuropeptid Y dient und entsprechend Y2-Rezeptor genannt wird. Neuropeptid Y ist ein Botenstoff, der vor allem Signale zwischen Nervenzellen vermittelt, daher treten Y2-Rezeptoren vorwiegend in Nervenzellen auf und lösen die Bildung neuer Zellverbindungen aus.

Im Labor züchteten die Forscher:innen Zellen, die je rund 300.000 Y2-Rezeptoren an ihrer Oberfläche hatten und auf eigens entwickelten, mit Licht adressierbaren Matrizen wuchsen. Jeder der Y2-Rezeptoren war mit einem kleinen molekularen „Etikett“ versehen. Erzeugten die Wissenschaftler:innen nun mit einem feinen Laserstrahl einen Lichtpunkt auf der Zelle, so verbanden sich unter diesem Spot die Y2-Rezeptorfortsätze derart mit der belichteten Matrize, dass die Y2-Rezeptoren eng zu einer Gruppe zusammenrückten und einen sogenannten Cluster bildeten. Das Ganze passierte unmittelbar an Ort und Stelle und innerhalb weniger Sekunden.

Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität Frankfurt erklärt: „Das Erstaunliche an diesem Experiment ist, dass das Clustern der Rezeptoren ein Signal auslöst, das ähnlich dem von Neuropeptid Y ist. So konnten wir alleine durch diese Clusterbildung Zellbewegungen als Reaktion der Zelle auslösen. Durch die Laserspots konnten wir sogar steuern, in welche Richtung sich die Zelle bewegen soll.“ Weil die eingesetzten lichtempfindlichen Moleküle im Vergleich zu den Rezeptoren sehr klein sind, ist die Organisation der Rezeptoren in der Zellmembran mit dem Laserspot hoch präzise steuerbar. „Damit ist diese nicht-invasive Methode besonders gut geeignet, um die Auswirkungen des Rezeptorclusterings in lebenden Zellen zu untersuchen“, so Tampé weiter. „Mit diesem Verfahren lassen sich spannende wissenschaftliche Fragen verfolgen, zum Beispiel, wie Rezeptoren in Netzwerken organisiert sind und wie im Gehirn neue Schaltkreise entstehen.“


Publikation: M. Florencia Sánchez, Sylvia Els-Heindl, Annette G. Beck-Sickinger, Ralph Wieneke, Robert Tampé: Photo-induced receptor confinement drives ligand-independent GPCR signaling. Science abb7657
DOI: 10.1126/science.abb7657; https://science.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/science.abb7657

Bild / Video zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/98160408
Bildtext: Laserspots aktivieren in einer Matrix sehr kleine synthetische Schlüssel-Schloss-Paare und erzeugen so Rezeptorcluster in der Zellmembran. Diese Liganden-unabhängige Aktivierung löst Kalziumsignale und eine erhöhte Zellbewegung aus. (Copyright: M. Florencia Sánchez & Robert Tampé, Goethe-Universität Frankfurt).

http://www.uni-frankfurt.de/98150564
Beschreibung Video: Nach der Bestrahlung mit Laserlicht (weiße Ringe) gruppieren sich in der Zelle die Rezeptoren (hellgrüne Punkte). Die Zelle bewegt sich daraufhin in Richtung der Rezeptorcluster. (Copyright: M. Florencia Sánchez & Robert Tampé, Goethe-Universität Frankfurt). Reprinted with permission from M. F. Sánchez et al., Science 10.1126/science.abb7657(2021).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Robert Tampé
Institut für Biochemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798 29475
tampe@em.uni-frankfurt.de
http://www.biochem.uni-frankfurt.de/

 

Feb 25 2021
14:59

Bildungsdezernentin Weber: „Alltagsintegrierte Sprachförderung kann eine Lücke schließen“ / Initiative der BHF BANK Stiftung 

Fünf Jahre „Sprachentdecker“: Wie Kinder in Kita und Grundschule nebenbei Deutsch lernen

Das Modellprojekt „Sprachentdecker“ unter wissenschaftlicher Federführung der Goethe-Universität zeigt, wie Deutschförderung im Alltag gelingen kann. Die Evaluierung des Projekts bestätigt: Die Methode wirkt nachhaltig. In Pandemiezeiten sind die Fördertechniken auch digital vermittelbar.

FRANKFURT. Kitas und Grundschulen öffnen wieder. Erzieherinnen und Lehrkräfte sehen manche Kinder seit Monaten zum ersten Mal. Wie soll nun all das Versäumte aufgeholt werden? Besonders folgenreich waren die Schließungen für Kinder, die zuhause wenig Unterstützung bekommen – und für mehrsprachige Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist. Sie hatten kaum Kontakt mit der Landessprache.

Hier setzt das Modellprojekt „Sprachentdecker“, eine Initiative von BHF BANK Stiftung, Goethe-Universität und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, an. Pädagogische Fachkräfte, die am Projekt Sprachentdecker teilgenommen haben, verfügen über Strategien, um Kinder beim Deutschlernen im Alltag zu unterstützen. Sie haben gelernt, wie sie Mathematikaufgaben so besprechen können, dass die Kinder dabei auch sprachlich etwas lernen. Sie fordern die Kinder zum Beispiel dazu auf, nicht nur das Ergebnis einer Aufgabe zu nennen, sondern auch zu erklären, wie sie darauf gekommen sind. Dabei geben sie den Kindern Satzmuster vor, die beim Antworten helfen: „Als erstes habe ich...“ „Weil..., muss man ...“. Auch in der Kita regen die Erzieherinnen die sprachliche Entwicklung der Kinder an, indem sie deren Sätze aufgreifen und erweitern. Erzählt ein Kind: „Gestern hab ich Pferd geseht!“ antwortet die Fachkraft z.B.: „Stimmt, gestern haben wir beim Spaziergang ein großes braunes Pferd gesehen, das auf einer Weide stand“. So lernen die Kinder beiläufig richtige und variantenreiche Formulierungsmöglichkeiten im Deutschen.

Vor gut fünf Jahren ist das Projekt „Sprachentdecker - Alltagsintegrierte Sprachförderung in Kita und Grundschule“ in Frankfurt gestartet. Die jetzt von der Erziehungswissenschaftlerin und Doktorandin Christina Graf vorgelegte Evaluierung des Projekts unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Diemut Kucharz (Goethe-Universität, Erziehungswissenschaften) zeigt, dass gezielte und praxisorientierte Fortbildungen und individuell auf die Fragen und den Kenntnisstand von Pädagogen und Pädagoginnen abgestimmte Coachings wirken und die Landschaft bestehender  Sprachförder- und Sprachbildungsangebote sinnvoll ergänzen können.

„Alltagsintegrierte Sprachbildung ist kein Selbstläufer – und passiert nicht von selbst“, sagte Sylvia Weber, Stadträtin und Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt, bei der Präsentation der Evaluationsergebnisse. „Wir brauchen eine gezielte Qualifizierung der Fach- und Lehrkräfte und eine bewusste und langfristige Auseinandersetzung mit Sprache, Mehrsprachigkeit und Sprachförderung in den Teams und Kollegien von Kita und Schule. Gerade die individuellen Coachings des Programms sind hier sehr wertvoll. Vorlaufkurse und Seiteneinsteigerklassen (Intensivklassen) sowie gezielte Angebote für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache allein reichen nicht aus, um Sprachdefizite im Deutschen zu kompensieren und bildungssprachliche Kompetenzen zu entwickeln. Vielmehr müssen alle Fach- und Lehrkräfte, d.h. alle, die die regulären Bildungs- und Lernprozesse gestalten, für eine alltagsintegrierte Sprachbildung und sprachförderliches Verhalten qualifiziert werden.

Das Angebot Sprachentdecker kann hier eine Lücke schließen und andere Angebote wie Vorlaufkurse ergänzen und so die Sprachbildung der Kinder nachhaltig begleiten und fördern.“ Die positiven Ergebnisse der Evaluierung bestätigten dies. „Wenn ich sehe, wie viele Kinder Förderbedarf haben, weiß ich: Wir brauchen mehr Förderung im Regelbetrieb und im Alltag der Kinder. Hierzu leistet ‚Sprachentdecker' einen wertvollen Beitrag“, so Weber weiter.

Der Evaluation zufolge bewirkt „Sprachentdecker“ zum einen, dass Pädagoginnen und Pädagogen in Kita und Schule ihre Kenntnisse über das sprachliche Bildungspotential der Kinder und ihr eigenes Handlungsrepertoire in der Sprachförderung erweitern und einüben. Und zum anderen, dass Kinder ihre sprachlichen Kompetenzen verbessern, wenn Fachkräfte regelmäßig und gezielt alltagsintegrierte Fördertechniken anwenden.

„‚Die Evaluation hat gezeigt, dass Sprachentdecker' und die Techniken der alltagsintegrierten Förderung es den pädagogischen Fachkräften ermöglichen, ihr Wissen über die Sprache zu verbessern und es optimal einzusetzen, wenn sie mit den Kindern interagieren“, sagt Diemut Kucharz, Professorin für Grundschulpädagogik an der Goethe-Universität. „Viele Förderkräfte haben noch kein Instrumentarium, um zu erkennen, was die Kinder schon gut beherrschen und wo Einzelne noch Defizite haben. Hier setzt ‚Sprachentdecker' an: Wir schärfen den Blick der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und komplettieren ihr Repertoire – und das ohne zusätzliche Fördermaßnahmen für die Kinder, sondern integriert in deren Alltag. Die Evaluierung hat gezeigt: Dies ist ein sehr effizienter Ansatz.“  

„Unzureichende Deutschkenntnisse am Ende einer Schullaufbahn verringern die Chancen auf ein gutes Leben. Diese Problematik wollten wir in den Blick nehmen und möglichst früh ansetzen und innerhalb der bestehenden Strukturen effiziente Möglichkeiten der Förderung etablieren“, sagt Sigrid Scherer, Leiterin der BHF BANK Stiftung. „Man muss sich genau anschauen: Wie interagieren Kinder und Förderkräfte? Wie sollten Fehler korrigiert werden, damit Kinder daraus lernen können? Was kann ein Kind aufnehmen, was nicht? Das Projekt hat uns gezeigt, wie groß der Bedarf ist und wie notwendig passgenaue Qualifizierungen und die Coachings sind.“  

„Sprachentdecker“ ist eine Initiative der BHF BANK Stiftung. Das Projekt wurde von der Goethe-Universität und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und mit Unterstützung des Staatlichen Schulamts für die Stadt Frankfurt entwickelt. Seit Projektstart 2016 wurden im Rahmen von „Sprachentdecker“ aus zwölf Kitas und acht Grundschulen insgesamt etwa 100 Fach- und Lehrkräfte fortgebildet. Seit 2019 unterstützt das Projekt auch die nachhaltige Verankerung der Anwendung der Fördertechniken in die Teams und Kollegien der beteiligten Einrichtungen. Qualifizierung von Fachkräften, Sprachförderung im Übergang von Kita und Schule sowie Bildungskooperation mit Eltern – das sind die drei Säulen von „Sprachentdecker“. Insgesamt hat die BHF BANK Stiftung seit 2016 fast 200.000 Euro in das Projekt und die Evaluierung der Angebote investiert.

Bilder sowie Statements und Informationen zum Hintergrund finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/98184209

Bildtext: An der Frankfurter Liebfrauenschule wird das Programm „Sprachentdecker“ im Unterricht angewandt. (Foto: Susanna Kock)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Diemut Kucharz
Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe (WE II)
Goethe-Universität Frankfurt 
Telefon +49 (0)69 798-36266|
E-Mail: kucharz@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 25 2021
11:53

Goethe-Universität lädt in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium zu Online-Vortragsreihe ein – auch die interessierte Öffentlichkeit erhält Zugang

Corona-Wissen kompakt für alle Lehrkräfte

FRANKFURT. Freude über die Rückkehr, aber auch Unsicherheit – die ersten Öffnungsschritte an den Schulen sorgen unter Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern für gemischte Gefühle. Es stellen sich weiterhin wichtige Fragen: Wie gefährlich ist Corona für Kinder und Jugendliche? Was leisten Masken und Schnelltests? Was können Luftreinigungsgeräte – und was können sie nicht? Und wie hilft das Impfen? Eine besondere Online-Vortragsreihe gibt Schulleitungen und Lehrkräften nun Antworten der aktuellen Forschung zu Fragen rund um die Corona-Pandemie. Auch die interessierte Öffentlichkeit erhält nachträglich Zugang zu den aufgezeichneten Vorträgen.

Kurz, prägnant und mit wissenschaftlicher Expertise informieren unter anderen Mediziner, Virologen und Pharmazeuten der Goethe-Universität, welche die sechsteilige Vortragsreihe gemeinsam mit der Goethe-Lehrkräfteakademie und dem Hessischen Kultusministerium veranstaltet.

„Wir haben uns zu dieser Fortbildung entschlossen“, sagt Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, „weil wir es als unsere Aufgabe sehen, wissenschaftliche Erkenntnisse verstehbar und nahbar zu machen. Wir freuen uns, dass die Goethe-Uni so ganz konkret den hessischen Schulen helfen und aufklären kann.“ Professor Dr. Tim Engartner, Direktor der Goethe-Lehrkräfteakademie, ergänzt: „Aufklärung mittels Fakten an die Stelle von Verklärung mittels Fake News treten zu lassen, scheint mir gerade für Schulleitungen und Lehrkräfte als Multiplikatoren besonders wichtig zu sein.“

Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz begrüßt das neue Angebot: „Wir sind der Goethe-Uni für diese Informationsreihe sehr dankbar. Sie bietet unseren Lehrkräften und Schulleitungen in einer Zeit, in der Fakten schnell durcheinander geworfen werden, eine ideale Gelegenheit, sich prägnant und fundiert auf den neuesten Stand der Wissenschaft zu bringen“.

Für alle Veranstaltungen können Interessierte über die Mailadresse fragenzucorona@uni-frankfurt.de den Wissenschaftlern vorab Fragen zukommen lassen. Die Vortragsreihe umfasst sechs 30-minütige Beiträge mit moderierten Fragen.

Los geht es mit dem Eröffnungsbeitrag des biologischen Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann zu „Corona-Viren: Grundlagen und aktuelle Aspekte“ und einem Grußwort von Kultusminister Prof. Alexander R. Lorz.

Auch der interessierten Öffentlichkeit werden die Veranstaltungen zugänglich sein: Eine Aufzeichnung findet sich zu den unten genannten Terminen ab 12 Uhr unter www.uni-frankfurt.de/Corona-Wissen-kompakt


Das Programm:

ab 4. März
Corona-Viren: Grundlagen und aktuelle Aspekte
Prof. Dr. Theo Dingermann, Goethe-Universität (Pharmazeutische Biologie)

ab 11. März
COVID-19: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
Dr. med. Sebastian Hoehl, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Institut für Klinische Virologie Frankfurt

ab 18. März
Impfungen gegen COVID-19: Grundlagen und aktuelle Aspekte
Prof. Theo Dingermann, Goethe-Universität (Pharmazeutische Biologie)

ab 24. März
Lüften, Luftreinigung, Masken und Schnelltests
Prof. Joachim Curtius, Goethe-Universität (Atmosphärenforschung), Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz (Pharmazeutische Chemie, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker)

ab 1. April
Produktion von Impfstoffen: Fokus Kinder
Prof. Jochen Maas, Sanofi Deutschland

ab 8. April
Podiumsdiskussion mit allen Referenten und Prof. Sandra Ciesek (Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität)

Die Veranstaltungen werden jeweils von Professor Dr. Tim Engartner und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz moderiert.

 

Feb 24 2021
14:06

Forschungsverbund MAPEX legt interaktive Datensammlung für die präventive Arbeit an Schulen und der Jugendhilfe vor - 1.533 Projekte und Maßnahmen erfasst 

Stärkung der Prävention bei jeder Form von islamistischer Radikalisierung

FRANKFURT. „Islamistischer Terrorismus kann nicht alleine mit repressiven Mitteln bekämpft werden. Deutschland braucht eine koordinierte wissensbasierte Prävention vor allem an Schulen und in der Jugendhilfe“, so die Projektpartner des Forschungsverbundes MAPEX in ihrem Abschlussbericht. In den vergangenen drei Jahren haben sie alle Präventions- und Interventionsprojekte im Bereich des islamistischen Extremismus in Deutschland auf einer interaktiven Online-Plattform (www.mapex-projekt.de) zusammengetragen. Sie fordern ein Zentrum praxisorientierter Präventionsforschung, in dem Wissen zu Extremismus- und Radikalisierungsphänomenen gespeichert, laufend analysiert und vermittelt wird. An dem Forschungsverbund MAPEX nahmen die Universitäten Bielefeld, Osnabrück, Frankfurt sowie die FH Münster teil.

Vor allem der Bund und im Besonderen das Innen- und Familienministerium stecken inzwischen viel Geld in die Präventionsarbeit. Alleine in den beiden großen Programmen „Demokratie leben!“ und „Nationales Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus“ werden jährlich jeweils 100 Millionen Euro verausgabt. „Ob das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird, und ob wirklich alle relevanten Partner beteiligt sind – dazu hatten wir bislang keine valide Datenbasis“, so Prof. Dr. Andreas Zick, der an der Universität Bielefeld das Verbundprojekt koordiniert.

Abhilfe verspricht das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von 2017 bis 2021 geförderte Forschungsprojekt MAPEX (Mapping und Analyse von Präventions- und Distanzierungsprojekten im Umgang mit islamistischer Radikalisierung), das systematisch alle Präventionsprojekte in Deutschland identifizierte und anschließend telefonisch befragte. Herausgekommen ist unter anderem eine interaktive Landkarte, der präzise entnommen werden kann, wo in Deutschland Prävention geleistet wird. Das Forschungsteam hat insgesamt 1.000 Projekte und Maßnahmen erfasst und 591 telefonische Interviews geführt.

Das Datenmaterial zeige eindrucksvoll auf, dass Bund, Länder und Kommunen und die von ihnen beauftragten Träger in den vergangenen Jahren viel Pionierarbeit geleistet haben. Dennoch gebe es Lücken und Mängel, so der Soziologe Dr. Sebastian Kurtenbach (FH Münster): „Die Versorgung des ländlichen Raumes kommt in der Präventionsarbeit gegen islamistische Radikalisierung nicht selten zu kurz.“

Der Islamwissenschaftler Dr. Michael Kiefer (Universität Osnabrück) ergänzt: „Verbessert werden muss auch die Zusammenarbeit zwischen Maßnahmenträgern. Nicht alle Maßnahmen und Angebote sind Schulen und Jugendhilfen bekannt.“ Ebenso bemängeln die Projektpartner, dass viele präventive Angebote nur für einen bestimmten Zeitraum angeboten werden. So haben die „Respekt Coaches“, die an 190 Schulen ihre Dienste verrichten, allesamt befristete Arbeitsverträge. Dies bedeutet, dass Ende 2021 die Schulen wichtige Präventionsakteure verlieren würden. Für Prof. Dr. Harry Harun Behr und Dr. Meltem Kulaçatan, die das Frankfurter Teilprojekt in MAPEX leiteten, ist dies „ein unerfreulicher Sachverhalt, der die nachhaltige Strukturbildung in der Präventionslandschaft einschränkt.“

Der Forschungsverbund hat neben der interaktiven Online-Plattform auch ein Buch veröffentlicht, in dem vertiefende Analysen sowie auch Teilstudien publiziert werden. Dort finden sich auch Praxisbeispiele an Schulen, in Kommunen sowie Maßnahmen, die vielversprechend sind für die Deradikalisierung und Distanzierung vom Extremismus. „Es bedarf aber noch größerer Anstrengungen zur Stärkung der Prävention bei jeder Form von Extremismus“, meint die Koordinatorin Manuela Freiheit von der Universität Bielefeld. Sie verweist auf eine zusätzliche Handreichung, die die Bedarfe an Politik und Institutionen richtet, die für die Stärkung und Entwicklung der Prävention zuständig sind.

„Forschung und Praxis müssen enger verzahnt werden und Wissen schneller in den Transfer gelangen können“, meint Andras Zick, und er ergänzt mit dem Blick auf die Herausforderungen, die mit neuen Extremismusphänomenen einhergehen: „Wir wünschen uns nach vielen Jahren der Forschung im Bereich Radikalisierung und Extremismus ein Wissenschaftszentrum für Radikalisierungsanalyse und Prävention.“

Zum Projektabschluss stellen die Partner des MAPEX-Forschungsverbundes am Freitag, 26. Februar, ihre Ergebnisse während einer Online-Fachtagung zur Diskussion. „Gleichzeitig wollen wir gemeinsam überlegen, an welchen strukturellen Stellschrauben noch gedreht und welche Themen stärker in der Forschung wie in der Praxis bedacht werden müssten, um die Präventions- und Interventionslandschaft gemeinsam weiterentwickeln zu können“, heißt es im Einladungstext.

Dem Forschungsverbund MAPEX gehörten an:
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld; Institut für Islamische Theologie (IIT), Universität Osnabrück;
Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islam, Goethe-Universität Frankfurt am Main; Fachbereich Sozialwesen, Fachhochschule Münster

Kontakt für Rückfragen:
E-Mail: mapex.ikg@uni-bielefeld.de

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Andreas Zick, Universität Bielefeld
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Tel. +49 521 106-3124; E-Mail: zick@uni-bielefeld.de

Dr. Michael Kiefer, Universität Osnabrück
Institut für Islamische Theologie
Tel. +49 541 969 6220; E-Mail: michael.kiefer@uni-osnabrueck.de

Dr. Meltem Kulaçatan, Goethe-Universität Frankfurt
FB Erziehungswissenschaft, Pädagogik der Sekundarstufe mit Schwerpunkt Islam
Tel. +49 69 798-36332; E-Mail: kulacatan@em.uni-frankfurt.de

 

Feb 24 2021
11:40

Die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ widmet sich ab März in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität den aktuellen Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Solidarität_Aber wie?

FRANKFURT. Im Haus am Dom wird in diesem Frühjahr die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ fortgesetzt, die von Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin), Prof. Joachim Valentin (Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Mechtild M. Jansen (Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) konzipiert wurde. Der zweite Zyklus der Reihe widmet sich ab März dem Thema „Solidarität“.

Mehr denn je brauchen wir in Zeiten von Corona einen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jeder ist in dieser Krisensituation gefragt, Verantwortung auch für andere zu übernehmen, jeder muss sich beteiligen, wenn es gilt, die wirtschaftlichen Folgen gemeinsam zu tragen. Doch seit einiger Zeit zeichnet sich in unserer Gesellschaft eine Entwicklung ab, die unsere Öffentlichkeit in partielle Interessengruppen zerfallen lässt. Parallelwelten tun sich auf, Blasen, in denen wir uns einrichten und zugleich abgrenzen. Sei es in Fragen der Religion, der Herkunft, der sozialen Stellung, der politischen Haltung, des eigenen Lebensstils: die Gesellschaft ist divers und droht in dieser Vielfalt als Gemeinschaft zu zerfallen. Was verbindet uns noch, wenn Fake-News keine Wahrheit mehr zulassen, wenn Werte strittig geworden sind, wenn Meinungen statt Argumenten zählen, wenn das Soziale uns immer mehr spaltet? Nur mit Solidarität werden wir die Aufgaben der Zukunft bewältigen, und nur mit Solidarität lassen sich die demokratischen Rechte schützen. Aber wie ist Solidarität heute überhaupt noch möglich?

Am 9. März um 19.30 Uhr eröffnet die Autorin und Bloggerin Kübra Gümüşay die Reihe mit dem Vortrag „Solidarität - Wie ist Teilhabe für alle möglich?“. Im Anschluss spricht am 4. Mai der Autor und Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss zur Fragestellung „Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?“.  Zum Abschluss der Reihe folgt am 8. Juni schließlich Prof. Sighard Neckel, Soziologe der Universität Hamburg und assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, mit einem Vortrag zu der Frage „Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?“

Ziel der Reihe ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Daher werden im Anschluss an die Impulsvorträge die Zuschauer*innen miteinander ins Gespräch gebracht und erhalten die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen an die Gastredner*innen zu entwickeln. Da voraussichtlich nur wenige Plätze im Haus am Dom vergeben werden können, wird die Veranstaltung durch ein Live-Streaming-Angebot über www.youtube.com/hausamdom ergänzt bzw. gegebenenfalls ersetzt. Dieses soll über einen Chat weiteren Zuhörer*innen die Möglichkeit bieten, sich in die Diskussion zum jeweiligen Impulsvortrag einzubringen.

Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin). Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Die anstehenden Termine im Überblick:

Dienstag, 9. März 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie ist Teilhabe für alle möglich?
Kübra Gümüşay (Autorin und Bloggerin)
Moderation: Prof. Joachim Valentin, Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt

Dienstag, 4. Mai 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Wie lässt sich ein alter Wert neu denken?
Lukas Bärfuss (Autor und Büchnerpreisträger)
Moderation: Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und Dramaturgin

Dienstag, 8. Juni 2021, 19.30 Uhr
Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?
Prof. Sighard Neckel (Soziologe)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds Normative Ordnungen der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 19.30 Uhr

Die Tickets erhalten Sie an der Rezeption im Haus am Dom, im Internet unter www.ticket.hausamdom.de oder an den AD-Ticket-Vorverkaufsstellen www.adticket.de/vorverkaufsstellen

Eintritt: 10 Euro / erm. 7 Euro

Übertragung auch per Livestream: www.youtube.com/hausamdom

Bitte beachten Sie, dass es gegebenenfalls kurzfristige Änderungen beim Ticketverkauf und Livestreaming-Angebot geben kann.

Detailliertes Programm und aktuelle Informationen:

www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
www.hausamdom-frankfurt.de

Pressekonferenz am 4. März 2021 via Zoom:

Wir möchten an dieser Stelle auch auf die Pressekonferenz zur partizipativen Vortragsreihe „DenkArt“ hinweisen, zu der Sie am Donnerstag, dem 4. März, um 11 Uhr herzlich eingeladen sind. Als GesprächspartnerInnen stehen Ihnen zur Verfügung: Prof. Marion Tiedtke (HfMDK), Prof. Joachim Valentin (KARM), Mechtild M. Jansen (Heinrich-Böll-Stiftung Hessen) und Rebecca Caroline Schmidt (Forschungsverbund „Normative Ordnungen“).

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und danken für Ihre Anmeldung per E-Mail an: anke.harms@normativeorders.net

Weitere Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Feb 22 2021
14:26

Öffentliche Vortragsreihe „Theoretische und experimentelle quantitative Zellbiologie“ im Rahmen der Giersch - Summer School & International Conference

Internationale Zellbiologie-Tagung: Künstliche Intelligenz, Big Data und die Lebenswissenschaften

FRANKFURT. Eine allgemeine Künstliche Intelligenz (KI) zu schaffen ist das Ziel des Unternehmers Chris Boos. 1995 gründete er das Unternehmen arago und erweitert seitdem die bestehenden Grenzen Künstlicher Intelligenz. Die KI „HIRO“ von arago setzen heute vielen Unternehmen als Plattform ein, um ihre Geschäftsmodelle im digitalen Zeitalter neu zu erfinden. Auf der zweiwöchigen Online-Tagung „Theoretical and Experimental Quantitative Cell Biology“ hält Chris Boos den ersten öffentlichen Festvortrag:

22.02.2021, 17:00-19.30 Uhr
The AI world
Chris Boos, arago GmbH, Frankfurt

(Vortrag in englischer Sprache)
Livestream auf Youtube
https://youtu.be/0MIXNiBUJBM

Die öffentlichen Vorträge sind Teil der Giersch Summer School & Conference, die von der Stiftung Giersch und dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) in Kooperation mit den wissenschaftlichen Netzwerken LOEWE DynaMem, LOEWE CMMS, 'Xidian-FIAS Joint Research Center' (XF-JRC), den Rhein-Main-Universitäten und dem Graduiertenprogramm GRADE - IQbio ausgerichtet wird. Partner sind zudem die Goethe-Universität Frankfurt, die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, das Max-Planck-Institut für Biophysik und das Max-Planck-Institut für Polymerforschung.

Schon zum 5. Mal ermöglicht die Stiftung Giersch es dem FIAS, internationale Größen zu einem aktuellen Themengebiet zusammen zu bringen. Dieses Jahr findet die Veranstaltung zum ersten Mal komplett digital statt. 

Auf der Tagung kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen zusammen. In ihren jeweiligen Fachgebieten leisten sie einen Beitrag dazu, komplexe Prozesse zu verstehen – von der Wirkweise der Stoffwechsel- und Kommunikationsprozesse einer einzelnen Zelle bis hin zum Verhalten eines Organismus. Dabei spielt die Verarbeitung großer Datenmengen eine zentrale Rolle sowie mathematisch-physikalische Modelle zur Beschreibung dieser Vorgänge.

In einer öffentlichen Vortragsreihe können Interessierte vom 22. Februar bis 4. März 2021 spannende Einblicke in die vielfältige Welt der modernen Zellbiologie erfahren. Namhafte Experten aus der Wissenschaft und Industrie geben Einblicke in ihre Forschungsarbeit und Visionen über zukünftige Entwicklungen. Die Themen kommen aus der Künstlichen Intelligenz, Mikroskopie und Modellierung, aber auch die praktische Anwendung der Forschung wird angesprochen.

Weitere Termine und Themen im Überblick:
Alle Vorträge in englischer Sprache im Youtube-Livestream.
Informationen zu den Vorträgen:
https://fias.institute/gsic2020/vortragsreihe

23.02.2021, 13:00-14:00 Uhr, https://youtu.be/jQHB2PdQ6sA
High-resolution cryoEM of membrane protein complexes
Werner Kühlbrandt, Max Planck Institute of Biophysics Frankfurt, Germany

24.02.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/EyXDLsiCQ3c
Aim for mechanistic models!
Martin Meier-Schellersheim, National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), Bethesda, USA

25.02.2021, 17:00 - 18:00 Uhr, https://youtu.be/MvGd_2gfPk0
Molecular codes enabling brain function
Thomas Südhof, Stanford University, USA

01.03.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/KFZBCvjdzC8
Marine biodiversity advances in a digital era
Hanieh Saeedi, Senckenberg Research Institute and Natural History Museum

02.03.2021, 17:00 - 18:30 Uhr, https://youtu.be/0Hm2OSRPNcA
AI in industry
Andreas Widl, SAMSON AG

03.03.2021, 13:00 - 14:00 Uhr, https://youtu.be/dcTuhUep1J8
Challenges in medicine
Peter Wild, Senckenberg Institute of Pathology

04.03.2021, 13:00 - 14:00 09:00 - 10:00 Uhr, https://youtu.be/A6CStI5h8H0
From image to brain function
Moritz Helmstädter, Max Planck Institute for Brain Research, Frankfurt am Main

Information und Anmeldung zur Teilnahme an der gesamten Konferenz:
https://fias.institute/de/events/gsic2020

 

Feb 19 2021
15:20

Goethe-Universität erfolgreich bei Industrie-Ausschreibung für Ersatz von tierischen Komponenten

Suche nach Alternativen zu Tierversuchen in der Toxikologie

In der toxikologischen Forschung finden schon viele Untersuchungen zwar in der Petrischale statt, doch benötigt man im manchen Prozessen immer noch tierische Komponenten wie Serum oder Leberzellgewebe. Ein Team von Forschenden unter Federführung der Goethe-Universität will nun als Ersatz eine neue Zellkulturtechnik entwickeln. Mit ihrem Projekt haben sie den „CRACK IT“-Innovationswettbewerb des NC3Rs gewonnen, einer britischen Organisation, die sich für den Ersatz von Tierversuchen in der Forschung einsetzt.  Der Wettbewerb wird von AstraZeneca und Unilever gesponsert.

FRANKFURT. Untersuchungen mit Zellkulturen sind für die toxikologische Forschung notwendig, weil man an ihnen prüfen kann, ob neue Wirkstoffe unerwünschte Wirkungen zeigen. Dabei wird in den Zellkulturen häufig das Serum ungeborener Kälber (Fetal Calf Serum, FCS) als tierische Zutat verwandt. Auch andere Toxizitätsversuche „im Reagenzglas“ verwenden häufig Komponenten tierischen Ursprungs. So wird aus der Leber von Laborratten ein Enzymcocktail gewonnen, mit dessen Hilfe untersucht wird, ob Leberenzyme die zu testende Substanz in giftige Produkte umwandeln.

Für beide Komponenten – Serum und Lebergewebe – wollen Pharmaproduzenten oder Firmen aus der kosmetischen Industrie Ersatz finden. Die Gründe dafür sind nicht nur ethischer Natur. Gewebe und Seren, die direkt aus Tieren entnommen werden, bringen auch Ungenauigkeiten im Prüfverfahren mit sich, denn ihre Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft. Zudem sind nicht alle Komponenten etwa des fötalen Kälberserums bekannt. Das gefährdet die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Im „CRACK IT 36: Animal-free in vitro“-Wettbewerb sollen deshalb von Tieren stammende Produkte durch genau definierte und reproduzierbare Alternativen ersetzt werden.

Keine tierischen Komponenten mehr in Zellkultur-Nährlösungen

Prof. Henner Hollert und Dr. Andreas Schiwy von der Abteilung für Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie der Goethe-Universität und LOEWE Zentrum TBG wollen in ihrem Projekt zusammen mit der Umwelttoxikologin Prof. Beate Escher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Leipzig sowie dem Unternehmen BiodetectionsSystems aus Amsterdam und Scinora aus Heidelberg Alternativen zu den Tierkomponenten finden.

In einem ersten Schritt sollen zunächst chemisch-definierte Nährlösungen – ohne tierische Komponenten – für Zellkulturen entwickelt werden. Solche Nährlösungen sind bei der Herstellung von Medikamenten bereits üblich, unter anderem aus Sicherheitsgründen. Denn so wird ausgeschlossen, dass über das Kälberserum Krankheiten wie zum Beispiel BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie) übertragen werden.

Bisher gibt es nur wenig solcher Systeme für toxikologische Prüfungen, weil die benötigten Mengen im Vergleich zur pharmazeutischen Produktion gering sind. Zu ihrer Entwicklung muss man die Stoffwechselprozesse der Zellen genau kennen.

Verzicht auf Laborratten

In einem zweiten Schritt wollen die Forscherinnen und Forscher den Enzymcocktail aus Laborratten ersetzen, indem sie stattdessen die zu testenden Substanzen von Leberzelllinien verstoffwechseln lassen. Die Leberzelllinien sollen unter chemisch definierten Kulturbedingungen gezüchtet werden. Anschließend sollen die Stoffwechselprodukte extrahiert und ihre Wirkung in den angepassten toxikologischen Zellkulturen getestet werden, die im ersten Schritt entwickelt wurden.

Hollert und sein Team prüfen das Verfahren zunächst an der Modellsubstanz Benzo[a]pyren testen, die zum Beispiel in Zigarettenrauch enthalten ist. In der menschlichen Leber wird Benzo[a]pyren in giftige Stoffe umgewandelt, die Schäden an der DNA von Zellen hervorrufen und das hormonelle Gleichgewicht beeinträchtigen.

Die Fördersumme beträgt im der ersten Phase 100.000 Pfund, umgerechnet rund 114.000 Euro. Die Forscher können sich nach erfolgreicher Evaluation noch im gleichen Jahr für eine zweite Phase des Wettbewerbs bewerben, in der umgerechnet rund 685.000 Euro über weitere drei Jahre möglich sind.

Weitere Informationen
Prof. Henner Hollert
Leiter der Abteilung für Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798-42171
hollert@bio.uni-frankfurt.de 
https://www.bio.uni-frankfurt.de/43970666/Abt__Hollert

 

Feb 19 2021
14:47

Senat und Präsidium der Goethe-Universität fordern Drittmittelgeber auf, dem Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu folgen

Drittmittelfinanzierte Forschende besser vor Härten schützen!

FRANKFURT. Drittmittelfinanzierte Wissenschaftliche Mitarbeitende müssen in Pandemiezeiten besser vor persönlichen und beruflichen Härten geschützt werden. Dies fordern Senat und Präsidium der Goethe-Universität: „Durch Corona sind nicht wenige unserer jungen Kolleginnen und Kollegen in eine schwierige finanzielle Situation geraten, da aufgrund der befristeten Beschäftigungsverhältnisse diese auszulaufen drohen bzw. trotz der Pandemie durch die Drittmittelgeber nicht verlängert werden (können). Diese Problematik verursacht zunehmende Härtefälle“, betonte Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff.

Als beispielhaft vorbildlich in der Krise erachten Präsidium und Senat die Vorgehensweise der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als wichtigster Drittmittelgebergeber im deutschen Wissenschaftssystem. Unbürokratisch habe die DFG auf Antrag ihre Finanzierungszeiträume für die Förderung drittmittelbasierter Stellen während der Pandemie verlängert. Präsidium und Senat appellieren daher auch an weitere Drittmittelgeber in der Wissenschaft, sich dem Beispiel der DFG anzuschließen und Drittmittelverlängerungen im Fall auslaufende Forderungen unbürokratisch zu gewähren.

Vom Auslaufen ihrer drittmittelfinanzierten Stellen seien derzeit allein in Hessen eine größere Zahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedroht. Universitätspräsident Schleiff: „Für Stiftungen und andere Drittmittelgeber mag dies im Einzelfall eine zusätzliche Anstrengung bedeuten. Der mögliche Schaden für talentierte Nachwuchsforschende und ihre Familien, die unverschuldet aus dem System fallen und deren Karrieren in der Wissenschaft dadurch gefährdet werden, ist jedoch kaum zu ermessen. Wir appellieren daher an alle Drittmittelgeber, diesen wichtigen Mitgliedern unserer Wissenschaftscommunity eine echte Perspektive zu geben.“

 

Feb 18 2021
11:35

Schreibzentrum der Goethe-Universität lädt zur ersten digitalen Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Schluss mit dem Vertagen

FRANKFURT. „Keine Chance der Aufschieberitis!“ – unter diesem Motto lädt das Schreibzentrum der Goethe-Universität

am Donnerstag, 4. März, von 18:30 bis 24 Uhr,

auf der online-Plattform Zoom

zum elften Mal zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. Erstmals findet die Veranstaltung im virtuellen Raum statt.


Das ursprünglich vom Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder ins Leben gerufene Event hat weltweit einen festen Platz im akademischen Kalender: den ersten Donnerstag im März. Die Frankfurter Studierenden können ihre wissenschaftlichen Texte – ob es sich nun um die erste Hausarbeit, die letzten Zeilen der Bachelor- oder gar Doktorarbeit oder eine andere wissenschaftliche Textsorte handelt – normalerweise in Gesellschaft zahlreicher anderer Kommilitoninnen und Kommilitonen und umgeben von den ehrwürdigen Beständen des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften verfassen. „Die Atmosphäre motiviert zum Schreiben“, wie eine Teilnehmerin der vergangenen Jahre resümiert. Dieses Gemeinschaftsgefühl wollen die Veranstalter auch im digitalen Raum entstehen lassen –sind Studierende aktuell beim Schreiben doch noch stärker isoliert als sonst, alleine in ihren vier Wänden mit dem Schreibprojekt im Kopf und dem Laptop auf den Knien.


Angeboten werden Workshops rund um das Lesen und Schreiben wissenschaftlicher Texte, von der Themenfindung bis hin zur Überarbeitung und zur professionellen Nutzung von Textverarbeitungsprogrammen. In Kooperation mit dem Zentrum für Schlüsselkompetenzen, der Psychotherapeutischen Beratungsstelle und dem Studentenwerk gibt es zudem Tipps gegen das Prokrastinieren. Für fachnahe individuelle Beratung und Textfeedback stehen Studierenden der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften durchgängig schreibdidaktisch ausgebildete Peer Tutorinnen und -tutoren des Schreibzentrums zur Seite. Unterstützung für Teilnehmende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, kommt vom Internationalen Studien- und Sprachenzentrum (ISZ). Das Zentrum für Hochschulsport stärkt mittels Schreibtisch-Yoga-Einheiten die Durchhaltekraft vor dem Bildschirm, und auch für informellen Austausch wird mit kleinen Spielemöglichkeiten virtueller Raum geschaffen.


Das 2009 gegründete Schreibzentrum ist Teil des Zentrums Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität. Seit 2016 besteht mit dem Schreibzentrum am Riedberg eine Dependance speziell für das Schreiben in den Naturwissenschaften. Mit Workshops, Beratung und Selbstlern-Materialien werden Studierende aller Fächer und Fachsemester, aber auch Doktoranden und Lehrende beim Aufbau von Schreibkompetenz unterstützt. Mit jährlich rund 200 Teilnehmenden ist die „Lange Nacht“ eines der Highlights im Jahresprogramm.


Medienvertreter sind herzlich eingeladen, nach Voranmeldung über die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ zu berichten.


Information:

Dr. Nora Hoffmann

Leitung Schreibzentrum

Goethe-Universität Frankfurt 

n.hoffmann@em.uni-frankfurt.de

https://www.starkerstart.uni-frankfurt.de/84888168/Lange_Nacht_der_aufgeschobenen_Hausarbeiten

 

Feb 16 2021
12:33

Astrid von Busekist, Professorin für Politische Theorie an der Sciences Po in Paris, hält am 23. Februar im Rahmen der Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung ihren stadtöffentlichen Vortrag an der Goethe-Universität. 

„Träume von Räumen“: Alfred Grosser-Gastprofessorin für Bürgergesellschaftsforschung spricht über faire Einwanderungspolitik

FRANKFURT. Professorin Dr. Astrid von Busekist, aktuelle Inhaberin der Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität, wird am 23. Februar digital über das Thema „Träume von Räumen. Exkurs über die Grenze“ sprechen. Die „Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung“ wurde 2009 auf Initiative der Deutsch-Französischen Gesellschaft von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main gestiftet. Mit dem Projekt sollen die Forschung und der öffentliche Diskurs über die Bürgergesellschaft am Standort Frankfurt vorangebracht und international sichtbar gemacht werden.

Astrid von Busekist ist seit 2001 Professorin für Politische Theorie an der Sciences Po in Paris. Daneben ist sie Leiterin des Studienprogramms Politische Theorie an der Graduiertenschule und Redakteurin der Fachzeitschrift „Raisons Politiques“. Ihr Studium in Politikwissenschaft, Geschichte, Informations- und Kommunikationswissenschaften und Moderner Literatur absolvierte sie an den Pariser Universitäten Sorbonne (III und IV) und Dauphine (IX) sowie der Tufts University in den USA. 1996 promovierte sie zu dem Thema “Nationalism and language policy. The making of Belgium". Zu ihren akademischen Stationen zählen die Henri Janne-Professur an der Université Libre de Bruxelles (1999-2000) und eine Professur an der Universität Nizza Sophia Antiopolis (1999-2001). Sie hatte Gastprofessuren an der New York University (2017-2020), der Tel Aviv University (2009-2011) sowie der Université Libre de Bruxelles (2001) inne. 

In ihrer Forschung widmet sich die Politikwissenschaftlerin den Themenfeldern Sprachpolitik, Grenzen, Nationen und Nationalismus sowie demokratischer Pluralismus. Ihr stadtöffentlicher Vortrag mit dem Titel „Träume von Räumen. Exkurs über die Grenze“ wird Wege hin zu einer gerechten und rationalen Öffnung der Grenzen und einer fairen Einwanderungspolitik behandeln. Der Vortrag wird

digital am Dienstag, 23.02.2021, um 19.00 Uhr c.t. stattfinden.
Anmeldung zum ZOOM-Meeting unter https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/9476997129

Alfred Grosser, 1925 in Frankfurt geboren, ist Professor für Politikwissenschaft und Soziologie und international als Publizist tätig. Er gilt unter anderem als ein wichtiger Wegbereiter der deutsch-französischen Verständigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Im November 2009 führte er die Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung mit drei Vorlesungen zum Thema „Bürgergesellschaft und Demokratie in Deutschland und Frankreich" ein. Jeweils zum Wintersemester bestimmt eine Auswahlkommission eine*n Gastprofessor*in. Höhepunkte der Gastprofessur sind jeweils ein Semestereröffnungsvortrag sowie ein stadtöffentlicher Vortrag.

Weitere Informationen unter https://www.fb03.uni-frankfurt.de/67822158/Alfred_Grosser_Gastprofessur

Ein Interview mit Prof. Astrid von Busekist ist kürzlich im UniReport erschienen: https://tinygu.de/wkLnj

 

Feb 15 2021
13:51

Amtsantritt am 1. Mai 2021 / Position eines vierten Präsidiumsmitglieds als CIO für den Schwerpunkt Digitalisierung öffentlich ausgeschrieben

Erweiterter Senat wählt neue Vizepräsidentin und Vizepräsidenten der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat drei neue Vizepräsident*innen. Der Erweiterte Senat wählte am 15. Februar 2021 Prof. Dr. Christiane Thompson als Vizepräsidentin für Lehre, Studium, Weiterbildung, Prof. Dr. Bernhard Brüne als Vizepräsidenten für Nachwuchs, Forschung und Transfer sowie Prof. Dr. Michael Huth als Vizepräsidenten für Qualitäts- und Organisationsentwicklung für eine Amtszeit von drei Jahren. Nach einer Übergangszeit mit den noch amtierenden Präsiden im April kann das neue Präsidialteam dann ab 1. Mai 2021 mit seiner Arbeit starten. Komplettiert werden soll das Präsidialteam zu einem etwas späteren Zeitpunkt noch durch eine*n hauptamliche*n Vizepräsidenten*in, die*der in der Rolle einer*s CIO (Chief Information Officer) ebenfalls durch den Erweiterten Senat gewählt wird. Die Position war öffentlich ausgeschrieben worden.

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff freut sich über die erfolgreiche Wahl: „Ich danke dem Erweiterten Senat für das in die neuen Präsiden gesetzte Vertrauen. In den verglichen mit dem Vorgängerpräsidium neuen Profilen bildet sich zugleich die inhaltlich-strategische Schwerpunktsetzung unserer künftigen Präsidiumsarbeit ab, auf die ich mich sehr freue. Ich bin überzeugt, dass diese inhaltlichen und strategischen Schwerpunktsetzungen helfen, das Forschungs- und Entwicklungspotenzial der Goethe-Universität noch besser zu mobilisieren. Zu diesen Kernfeldern zählen auch Internationalisierung, Diversität sowie gesellschaftliches Engagement für eine sich stark wandelnde Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.“

Schleiff dankte dem bisher amtierenden Präsidialteam für seinen unermüdlichen Einsatz: „In der Corona Pandemie hat sich zuletzt einmal mehr gezeigt, mit welcher hohen Professionalität und Beharrlichkeit alle Mitglieder des Präsidiums in einem intensiven Zusammenspiel mit Fachbereichen, Studierenden und Verwaltung die Goethe-Universität trotz aller Widrigkeiten auf Kurs gehalten haben. Dafür bin ich sehr dankbar, ebenso für die erfolgreiche inhaltliche Arbeit, die die Vizepräsident*innen in den letzten Jahren auf ihren Feldern geleistet haben.

Prof. Dr. Bernhard Brüne, Fachbereich Medizin, Institut für Biochemie I
Prof. Dr. Bernhard Brüne hat an der Universität Tübingen Biochemie studiert und an der Universität Konstanz promoviert. Nach Auslandsaufenthalten in den USA (GlaxoSmithKline) und in Schweden (Karolinska-Institut) erfolgte 1993 die Habilitation in Konstanz. Nach Professuren in Erlangen-Nürnberg und Kaiserslautern leitet er seit 2004 das Institut für Biochemie I am Fachbereich Medizin. Brünes Forschungsschwerpunkte sind Mechanismen der angeborenen Immunität mit Bezug auf Sauerstoffmangel und Lipidsignalmolekülen. Neben der curricularen Lehre für Human- und Zahnmediziner beteiligt sich Brüne an der Graduiertenausbildung und dem Studiengang Molekulare Medizin. Zudem leitet er seit 12 Jahren den Sonderforschungsbereich (SFB) 815 (Redox-Regulation) und seit 2017 das DFG-geförderte Graduiertenkolleg 2336 (Auflösung von Entzündungen). Derzeit ist er Forschungsdekan am Fachbereich 16, zuvor war Brüne sieben Jahre Studiendekan für die Vorklinik im Fachbereich Medizin.

Prof. Dr. Michael Huth, Fachbereich Physik, Physikalisches Institut
Prof. Dr. Michael Huth ist seit 2002 Professor für Experimentelle Festkörperphysik an der Goethe-Universität und beschäftigt sich mit Materialien, in denen Wechselwirkungen zu einem komplexen Vielteilchenverhalten führen. Die Eigenschaften komplexer Systeme zu verstehen und durch gezielte Beobachtung und Analyse Strategien zu ihrer gezielten Beeinflussung zu finden, ist der Hauptantrieb seiner wissenschaftlichen Arbeit. Huth war Geschäftsführender Direktor des Physikalischen Instituts sowie Prodekan und Dekan des Fachbereichs Physik der Goethe-Universität. 

Prof. Dr. Christiane Thompson, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft
Prof. Dr. Christiane Thompson forscht und lehrt seit 2014 an der Goethe-Universität. Frühere Stationen waren u.a. die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Universität Fribourg (CH). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind insbesondere die Bildungstheorie und kulturwissenschaftliche Bildungsforschung. Ein wichtiger Forschungsgegenstand ist zudem die Universität selbst: Thompson hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Lehr- und Studienkulturen nach ‚Bologna' befasst. Aktuell bildet die akademische Redefreiheit einen wichtigen Schwerpunkt. Thompson war Prodekanin des FB Erziehungswissenschaften, geschäftsführende Direktorin im Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft, Mitglied im Beirat der Lehre sowie der Senatskommission „W-Besoldung“. 

 

Feb 12 2021
15:41

Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität laden zur Debatte

Welches Theater für welche Stadt?

Frankfurts Theaterlandschaft steht vor wichtigen Weichenstellungen: Abriss und Neubau oder Renovierung? Wie sollen die Räume aussehen, die das städtisch subventionierte Theater bespielen darf? Dazu veranstaltet die Goethe-Universität eine Diskussion im Internet.

FRANKFURT. Frankfurts Theaterlandschaft wird sich stark verändern – zumindest so viel steht fest. Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden? Vier der fünf zukünftigen städtischen Theaterbauten sind derzeit – auf verschiedenen Stufen – in Planung. Einen Beitrag zur notwendigen öffentlichen Diskussion darüber wollen Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität mit zwei Veranstaltungen leisten.

Zum Thema „Theaterbauten, Kultur für alle“ diskutiert der Architekturhistoriker und Sprecher des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“ Prof. Carsten Ruhl

am Mittwoch, 17. Februar, um 18:15 Uhr
auf der Plattform „Zoom“

(Link: https://uni-frankfurt.zoom.us/webinar/register/WN_0FL0uylvSDu4CKhyYNULDQ)

mit der Theaterwissenschaftlerin Prof. Ulrike Haß (Bochum/Berlin) und dem Architekturhistoriker Dr. Frank Schmitz (Universität Hamburg). Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und ist auch im Nachhinein abrufbar.

Im Rahmen der ersten Veranstaltung „Theater 2040 – Konzeptionen und ihre Architekturen“ am 16. Dezember 2020 sprach Nikolaus Müller-Schöll (Theaterwissenschaftler, Goethe-Universität Frankfurt) mit der Leiterin des Kulturzentrums Kampnagel, Amelie Deuflhard sowie der Dramaturgin Rebecca Ajnwojner (Maxim Gorki Theater Berlin). Ein Mitschnitt der Veranstaltung ist online verfügbar unter: http://zukunft-buehnen-frankfurt.de

Der Hintergrund

Seit 2017 ein Gutachten ergab, dass die Stadt Frankfurt für die Sanierung oder Erneuerung der „Doppelanlage“ für Oper und Schauspiel am Willy-Brandt-Platz in jedem Fall eine knappe Milliarde wird investieren müssen, beschäftigt das Thema Neubau oder Sanierung Theaterleute, Theaterwissenschaftler, Architektinnen, Architekturtheoretiker, Denkmalschützerinnen und Stadtplaner – und darüber hinaus die Stadtöffentlichkeit. Nachdem anfangs die Zeichen auf Sanierung des derzeitigen, in mehreren Bauphasen entstandenen Gebäudes deuteten, schien Ende Januar 2020 festzustehen, dass neu gebaut werden soll: Bei geringeren Kosten, so die Argumentation der städtischen Kulturpolitik, können neue Gebäude für das Theater des 21. Jahrhunderts gebaut werden, die auch neue städtebauliche Lösungen erlauben.

Doch gegen diese Argumentation wurde Kritik laut: Sollte vor der Entscheidung über neue Bauten, ja selbst vor dem Ende der Debatte über Sanierung oder Neubau nicht genauer definiert werden, welche Art Theater die Stadt in Zukunft will – für wen, in welcher Form, mit welchen Akteurinnen und Akteuren, in welcher Art von Architektur? Darf die Stadt ein Gebäude, in dessen Räumen sich knapp 120 Jahre Geschichte überlagern, einfach abreißen? Wurden Belange des Denkmalschutzes, speziell in Bezug auf das zu Beginn der 1960er-Jahre erbaute „Wolkenfoyer“, angemessen berücksichtigt? Hat die Stadt nicht allen Grund, die Nachkriegsarchitektur der „zweiten Moderne“, zu der das Haus zählt, stärker zu würdigen? Und wurde die notwendige grundlegende Diskussion über das subventionierte Staatstheater der Zukunft überhaupt schon geführt?

Weitere Informationen
Lena Holbein
Wissenschaftliche Koordination LOEWE Schwerpunkt „Architekturen des Ordnens“
Kunstgeschichtliches Institut
Goethe-Universität
069-798-28705
holbein@kunst.uni-frankfurt.de
https://architecturesoforder.org

 

Feb 12 2021
12:20

Netzwerkforscher Christian Stegbauer spricht im neuen UniReport über die „Gesellschaft im Zeichen des Virus“ 

Corona - auch ein Indikator für Ungleichheit

FRANKFURT. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden weitreichende gesellschaftliche Folgen haben. Apl. Prof. Christian Stegbauer, Soziologe und Netzwerkforscher an der Goethe-Universität, hat zusammen mit seiner Kollegin Prof. Iris Clemens (Universität Bayreuth) das Buch „Corona-Netzwerke – Gesellschaft im Zeichen des Virus“ herausgegeben. Gemeinsam mit zahlreichen Fachkolleg*innen untersucht Stegbauer die Folgen der Krise für Alltag, Kultur, Wirtschaft, Gesundheit und Politik. In der aktuellen Ausgabe des UniReport erläutert Christian Stegbauer die spezifischen Potenziale der Netzwerkforschung, das Auftreten des Virus und die Maßnahmen zur Eindämmung zu untersuchen: „Das Virus verbreitet sich entlang der Strukturen sozialer Beziehungen und das ist das, womit sich die Netzwerkforschung beschäftigt.“

Ein wichtiger Aspekt der Diskussion um die Corona-Maßnahmen ist die Verschärfung der Ungleichheit: Während sich die angestellte Mittelschicht in ein relatives sicheres Home-Office zurückziehen könne, seien Arbeiter auf dem Bau, in den Schlachthöfen oder der Landwirtschaft der Gefahr einer Infizierung in viel höherem Maße ausgesetzt: „Diese neue Ungleichheitsdimension könnte man als den Grad der Netzwerkautonomie bezeichnen – inwiefern man selbst über Kontakte und deren Reduzierung bestimmen kann“, erklärt Stegbauer im Interview mit dem UniReport. Weitere Themen im Sammelband sind das sogenannte „Hamstern“, Digitales Lernen in der Krise und die Folgen der Corona-Maßnahmen für Geflüchtete in Deutschland.

Die ersten Wochen im neuen Amt: Im Gespräch mit dem UniReport spricht der neue Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff unter anderem über seine ersten Erfahrungen und die nächsten Ziele, über Digitalisierung und Internationalisierung sowie über die anstehende Wahl der Vizepräsident*innen.

Einige der weiteren Beiträge im aktuellen UniReport befassen sich mit der Corona-Pandemie aus pharmazeutischer, soziologischer und didaktischer Sicht:

  • mRNA-Impfstoffe können mehr: Corona-Vakzin-Entwickler und BioNTech-Gründer Uğur Şahin stellte seine Krebsforschung in einer Online-Lecture an der Goethe-Universität vor.
  • „Wir können die Impfskepsis nicht nachvollziehen“: die Pharmazeuten Theo Dingermann und Manfred Schubert-Zsilavecz über die Corona-Impfstoffe und mögliche Nebenwirkungen.
  • Lehre in Zeiten von Corona: Die Didaktik der Biowissenschaften hat sich einiges einfallen lassen, um eine hohe Lehrqualität auch in Zeiten der Pandemie zu gewährleisten.
  • Herausforderungen Europas diesseits und jenseits von Corona: Die Politikwissenschaftlerin Astrid von Busekist ist die neue Alfred-Grosser-Professorin.
  • Studienfinanzierung in Zeiten von Corona: ein Überblick über Darlehen und Kredite.
  • Biologische Vielfalt – Vielfalt in der Forschung: Klement Tockner ist der neue Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
  • Was wollen die Parteien in meiner Kommune? Der Politikwissenschaftler Thomas Zittel über das Projekt „Kommunalwahlkompass“ zur Hessischen Kommunalwahl 2021.
  • Namensänderung des Instituts: Thomas Duve, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, erläutert die Hintergründe.
  • Von der Sekunde zum Weltrekord: Seit der Erfindung der ersten Uhren wird die Zeit immer präziser gemessen, jetzt sind Physiker bei Zeptosekunden angekommen.
  • Zwischen Museum und Hörsaal: Die Curatorial Studies feiern zehnjähriges Jubiläum.
  • Das Mittelalter war gar nicht so finster: die Historikerin Dorothea Weltecke im Porträt.
  • Lichtkunst in Frankfurt: ein Nightwalk als Projekt praxisrelevanter Lehre.
  • Freier Zugang: befristet - ein Gespräch über die Folgen des Brexit für Auslandsstudium und Forschungsaufenthalte auf den britischen Inseln mit Jörn Weingärtner vom International Office.
  • Erziehung nach Auschwitz – revisited: Neuer Band der Reihe Frankfurter Beiträge zur Erziehungswissenschaft nimmt Adornos berühmten Radioessay als Ausgangs- und Bezugspunkt für vielfältige Interpretationen und Gegenwartsanalysen.
  • „Wir wollen etwas, das besser ist als das, was wir für normal hielten“: Rückblick auf eine virtuelle Lesung mit der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy.
  • Handelsreisende zwischen Kaukasus und Zentralasien: Die Ethnologin Susanne Fehlings untersucht den informellen ökonomischen Austausch nach dem Niedergang der Sowjetunion.
  • Der Film im Reich der Daten: neue Methoden zur Erforschung der Film- und Kinokultur.

Der UniReport 1/2021 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe.  

 

Feb 10 2021
14:34

Forscher aus Frankfurt und Grenoble beobachten im Ribosomentunnel erstmals Disulfidbrücken-Bildung bei Gamma-B-Kristallin

Wie die 3D-Struktur von Proteinen der Augenlinse entsteht

Chemische Bindungen innerhalb des Augenlinsen-Proteins Gamma-B-Kristallin halten das Protein zusammen und sind deshalb wichtig für die Funktion des Eiweißes in der Linse. Entgegen bisheriger Annahmen entstehen bestimmte dieser Bindungen, sogenannte Disulfidbrücken, bereits parallel zur Synthese des Proteins in der Zelle. Dies haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt, des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Biophysik und des französischen Institute de Biologie Structurale in Grenoble herausgefunden.

FRANKFURT. Die Linse des menschlichen Auges erhält ihre Transparenz und Brechkraft dadurch, dass in ihren Zellen bestimmte Proteine dicht gepackt sind. In der Hauptsache handelt es sich dabei um Kristalline. Kann diese dichte Packung zum Beispiel durch erblich bedingte Veränderungen in den Kristallinen nicht aufrechterhalten werden, sind Linsentrübungen die Folge, sogenannte Katarakte („Grauer Star“), die weltweit die häufigste Ursache für den Verlust des Sehvermögens darstellen.

Damit Kristalline in den Linsenfaserzellen dicht gepackt werden können, müssen sie stabil und richtig gefaltet werden. Die Proteinfaltung beginnt bereits während der Biosynthese von Proteinen in den Ribosomen, großen Eiweißkomplexen. Ribosomen helfen dabei, den genetischen Code in eine Abfolge von Aminosäuren zu übersetzen. Dabei bilden Ribosomen einen schützenden Tunnel um die neue Aminosäurekette, die gleich nach der Entstehung dreidimensionale Strukturen mit verschiedenen Elementen wie Helices oder gefalteten Strukturen annimmt. Die in Frankfurt und Grenoble untersuchten Gamma-B-Kristalline weisen darüber hinaus noch viele Verbindungen zwischen je zwei schwefelhaltigen Aminosäuren auf, so genannte Disulfidbrücken.

Die Herstellung solcher Disulfidbrücken ist für die Zelle nicht ganz einfach, herrschen doch im Zellmilieu biochemische Bedingungen, die solche Disulfidbrücken verhindern oder auflösen. Im fertigen Gamma-B-Kristallin-Protein werden die Disulfidbrücken daher durch andere Teile des Proteins nach außen abgeschirmt. Solange das Protein allerdings im Entstehen ist, ist das noch nicht möglich.

Doch weil der Ribosomentunnel als zu eng galt, nahm man – auch aufgrund von anderen Studien – an, dass die Disulfidbrücken der Gamma-B-Kristalline erst nach der Fertigstellung der Proteine entstehen. Zur Prüfung dieser Annahme nutzten die Forscher aus Frankfurt und Grenoble genetisch veränderte Bakterienzellen als Modellsystem, stoppten die Synthese der Gamma-B-Kristalline zu verschiedenen Zeitpunkten und untersuchten die Zwischenprodukte mit massenspektrometrischen, kernspinresonanzspektroskopischen und elektronenmikroskopischen Methoden, ergänzt um theoretische Simulationsrechnungen. Das Ergebnis: Die Disulfidbrücken entstehen bereits am noch nicht fertigen Protein während der Synthese der Aminosäurekette.

„Wir konnten damit zeigen, dass Disulfidbrücken bereits im Ribosomentunnel entstehen können, der genügend Raum dafür bietet und die Disulfidbrücken gegen das zelluläre Milieu abschirmt“ sagt Prof. Harald Schwalbe vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität. „Überraschenderweise handelt es sich jedoch nicht um dieselben Disulfidbrücken, die später im fertigen Gamma-B-Kristallin vorhanden sind. Wir schließen daraus, dass zumindest einige der Disulfidbrücken später wieder aufgelöst und anders geknüpft werden. Der Grund dafür liegt wahrscheinlich im optimalen Timing der Proteinherstellung: Die ‚vorläufigen' Disulfidbrücken beschleunigen die Bildung der ‚finalen' Disulfidbrücken, wenn das Gamma-B-Kristallin vom Ribosom freigesetzt wird.“

In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun testen, ob die Syntheseprozesse in den leicht unterschiedlichen Ribosomen höherer Zellen ähnlich wie im bakteriellen Modellsystem ablaufen.

Publikation: Linda Schulte, Jiafei Mao, Julian Reitz, Sridhar Sreeramulu, Denis Kudlinzki, Victor-Valentin Hodirnau, Jakob Meier-Credo, Krishna Saxena, Florian Buhr, Julian D. Langer, Martin Blackledge, Achilleas S. Frangakis, Clemens Glaubitz, Harald Schwalbe: Cysteine oxidation and disulfide formation in the ribosomal exit tunnel. Nature Communications https://doi.org/10.1038/s41467-020-19372-x

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Center for Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ)
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +496979829137
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de
http://schwalbe.org.chemie.uni-frankfurt.de/

 

Feb 9 2021
12:26

Betroffene gesucht: Zentrum für Psychotherapie untersucht die Wirkung buddhistischer Meditationen bei Schuld- und Schamgefühlen

Hilft Meditation gegen die Folgen von Traumatisierung?

Ab sofort bietet das Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt eine spezifische Intervention für Patientinnen und Patienten an, die nach traumatischen Erlebnissen unter starken Scham- und Schuldgefühlen leiden. Die Intervention wird in Einzelsitzungen angeboten und kombiniert kognitive Therapie und Metta-Meditation. Metta heißt übersetzt „liebende Güte“.

FRANKFURT. Mehr als jeder zweite Mensch erlebt im Laufe seines Lebens ein traumatisches Ereignis wie einen schweren Verkehrsunfall, körperliche oder sexuelle Gewalt (z.B. einen Überfall, eine Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauch). Als Folge können sich unterschiedliche psychische Störungen wie eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Depressionen oder Angststörungen entwickeln.

Häufig leiden die Betroffenen auch unter Schuld- und Schamgefühlen. Sie machen sich beispielsweise Vorwürfe dafür, wie sie sich während des traumatischen Ereignisses verhalten haben. „Hierzu gehören Gedanken wie: ‚Ich hätte mich wehren müssen' oder ‚Ich bin selbst schuld daran, dass ich vergewaltigt wurde, weil ich an dem Abend noch so spät unterwegs war'“, erklärt die Leiterin des Projekts Dr. Meike Müller-Engelmann. Besonders belastend sei für die Betroffenen das Gefühl, von anderen für das Erlebte abgelehnt zu werden. „Manche glauben, dass niemand mehr mit ihnen befreundet sein wollte, wenn bekannt wäre, was sie erlebt haben“, beschreibt Müller-Engelmann weiter.

Um Betroffenen zu helfen, diese belastenden Gefühle von Schuld und Scham zu reduzieren, haben Dr. Meike Müller-Engelmann und Stella Kümmerle (Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt am Main) ein auf Metta-Meditation (deutsch: Liebende-Güte-Meditation) basierendes Behandlungsprogramm entwickelt. Metta-Meditationen stammen aus dem Buddhismus und zielen darauf ab, sich selbst und anderen Menschen bedingungsloses Wohlwollen und Freundlichkeit entgegen zu bringen. Durch das Üben von Metta-Meditationen kann Selbstkritik verringert und das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen gefördert werden. Es gibt außerdem erste vielversprechende Hinweise auf die Wirksamkeit von Metta-Meditationen und vergleichbaren Verfahren zur Behandlung psychischer Erkrankungen wie der PTBS oder Depressionen. So zeigte sich u.a. in einer Untersuchung von Müller-Engelmann und anderen aus dem Jahre 2019, dass eine Kombination aus Achtsamkeitsübungen und Metta-Meditationen PTBS-Symptome nach Gewalterfahrungen verringern konnte.

In sechs wöchentlichen Einzelsitzungen mit einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin reflektieren die Betroffenen zunächst über den Inhalt ihrer Schuld- und Schamgefühle. Danach lernen sie verschiedene Metta-Meditationsübungen kennen, in deren Rahmen sie gute Wünsche an sich selbst und an andere richten. Zwischen den Sitzungen sind tägliche Übungen für zu Hause vorgesehen. „Momentan gibt es noch freie Behandlungsplätze. Teilnehmen können Menschen, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben und in dessen Folge unter Schuld- und Schamgefühlen leiden, zwischen 18 und 65 Jahren alt sind und aktuell noch nicht psychotherapeutisch behandelt werden. Darüber hinaus sollte keine Abhängigkeit von Drogen oder Medikamenten vorliegen“, erklärt die Projektkoordinatorin Stella Kümmerle.

Das Behandlungsprogramm wird im Rahmen einer von der Eden-Stiftung und den Freunden der Goethe-Universität geförderten Therapiestudie wissenschaftlich begleitet.

Wer sich für die Behandlung interessiert, kann sich an Stella Kümmerle (Projektkoordinatorin) und Luisa Bahnemann (Projektmitarbeiterin) wenden. Telefon: 069-798 23994, E-Mail: schuld-scham-studie@uni-frankfurt.de.


Den Flyer zum Projekt können Sie unter dem folgenden Link herunterladen: http://www.uni-frankfurt.de/97585527

Publikation: Müller-Engelmann, M., Schreiber, C., Kümmerle, S., Heidenreich, T., Stangier, U., & Steil, R. (2019). A trauma-adapted mindfulness and loving-kindness intervention for patients with PTSD after interpersonal violence: A multiple-baseline study. Mindfulness, 10(6), 1105-1123.

Weitere Informationen
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität  
Dr. Meike Müller-Engelmann
Projektleitung
Mueller-Engelmann@psych.uni-frankfurt.de

Stella Kümmerle (M.Sc.)
Projektkoordination
Kuemmerle@psych.uni-frankfurt.de

 

Feb 8 2021
15:19

Goethe-Universität baut wissenschaftlichen Schwerpunkt weiter aus

Neugründung: Buber-Rosenzweig-Institut als zentrale Forschungsstätte zum Judentum der Moderne

An der Goethe-Universität wird ein neues Institut gegründet: Das Buber-Rosenzweig-Institut soll sich der Erforschung des Judentums in Moderne und Gegenwart widmen. Es fasst zahlreiche und im großen Maße drittmittelgeförderte Projekte zusammen und trägt weiter zur Verstetigung des Forschungsbereichs an der Goethe-Universität bei. Angefangen hatte alles mit einer Stiftungsgastprofessur für jüdische Religionsphilosophie, die Martin Buber gewidmet war. Er wurde heute vor 143 Jahren geboren.

FRANKFURT. Das Profil zu schärften und Forschungsenergien zu bündeln – dafür soll das neue Buber-Rosenzweig-Institut den notwendigen Rahmen bieten. Dazu sind weder Mittel des Landes noch Mittel von Fachbereich oder Universität notwendig: Durch die erfolgreiche Drittmitteleinwerbung gerade auch in jüngster Zeit steht die Gründung auf solidem finanziellen Fundament. „Das Präsidium hat der Institutsgründung unisono zugestimmt. Wir freuen uns sehr über die Initiative von Christian Wiese. Das neue Institut birgt ein hohes Potenzial, die Kooperationen mit anderen Institutionen, vor allem auch im internationale Raum, weiter auszubauen und künftig weitere wichtige Projekte anzustoßen“, sagt Prof. Enrico Schleiff, der Präsident der Goethe-Universität.

Der Ursprung der heutigen Institutsgründung war bescheiden, aber fruchtbar: 1989 hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau die Martin-Buber-Professur als Gastprofessur am Fachbereich Evangelische Theologie ins Leben gerufen. Sie sollte Studierenden aller Fachbereiche, insbesondere aus Theologie und Philosophie, aber auch der interessierten Öffentlichkeit Einblick in Geschichte und Gegenwart des Judentums und in die jüdische Religionsphilosophie vermitteln. Im Jahr 2005 übernahm das Land Hessen die Finanzierung dauerhaft, 2010 wurde die ehemalige Stiftungsgastprofessur in eine dauerhafte Professur umgewandelt. Seither lehrt Prof. Christian Wiese über Fachbereichsgrenzen hinweg in den theologischen und religionswissenschaftlichen Fächern, aber auch in der Geschichtswissenschaft und Philosophie. Wiese hat die Professur systematisch zu einer international sichtbaren, drittmittelstarken und kooperierenden Forschungsstätte ausgebaut. Christian Wiese ist Sprecher des LOEWE-Forschungsschwerpunkts „Religiöse Positionierung“ und Hauptantragsteller beim Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft“, zudem internationaler Präsident der Hermann-Cohen-Gesellschaft und Vizepräsident der Internationalen Franz Rosenzweig-Gesellschaft. Der jüngste Erfolg war die Einwerbung eines über 24 Jahre laufenden Akademieprojekts „Buber-Korrespondenzen Digital“.

„Mit ihren zahlreichen Drittmittelprojekten, dem Fokus auf der Nachwuchsförderung und der internationalen Vernetzung ist die Martin-Buber-Professur bereits jetzt eine feste Größe unter den Forschungsinstitutionen zur modernen jüdischen Geschichte und Kultur. Der Status als Forschungsinstitut eröffnet uns die Chance, noch besser wahrgenommen, fokussierter handeln und junge internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anziehen zu können“, sagt Prof. Wiese. Gerade der Umstand, dass man sich auf einen bestimmten Abschnitt jüdischer Geistes- und Kulturgeschichte beschränke, biete ein großes Potenzial: Unter dem Dach eines auf diese Weise profilierten Instituts könnten in Zukunft weitere Projekte entstehen. Im Entstehen begriffen sei das Projekt „Synagogengedenkbuch Hessen“ mit sieben bis acht Mitarbeiterstellen, weitere Forschungsinitiativen seien geplant. Als Institut könne man zudem im Wettstreit mit anderen Einrichtungen besser bestehen. Große Chancen biete auch die Kooperation mit dem Seminar für Judaistik und dem Fritz Bauer Institut für Geschichte und Wirkung des Holocaust innerhalb der Goethe-Universität.

Der Institutsname verweist auf die beiden jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929), die für die Geschichte der Goethe-Universität von großer Bedeutung sind. Martin Buber, der heute vor 143 Jahren zur Welt kam, erhielt 1924 einen Lehrauftrag für jüdische Religion und Ethik, der zunächst Franz Rosenzweig zugedacht war, später wurde Buber Honorarprofessor. Buber und Rosenzweig bauten gemeinsam das Freie Jüdische Lehrhaus in Frankfurt auf, eine jüdische Bildungsstätte für Erwachsene. Gemeinsam unternahmen die beiden Religionsphilosophen eine Übersetzung der Hebräischen Bibel ins Deutsche, die Martin Buber nach dem frühen Tod Rosenzweigs 1929 fortführte und 1961 in Jerusalem vollendete. Das Lehrhaus wurde spätestens seit 1933, dem Jahr der „Machtübernahme“ und dem Rückzug Bubers aus der Universität, Teil des jüdischen Widerstandes gegen die nationalsozialistische Verfolgung.


Weitere Informationen
Prof. Dr. Christian Wiese
Martin-Buber-Professur für Religionsgeschichte
Buber-Rosenzweig-Institut
Goethe-Universität
Telefon: 069/798-33313
E-Mail: c.wiese@em.uni-frankfurt.de
Homepage: https://www.uni-frankfurt.de/40082634/Martin_Buber_Professur_für_Jüdische_Religionsphilosophie

 

Feb 8 2021
14:57

Forscherteam der Goethe-Uni untersucht im internationalen CLOUD-Projekt Aerosolbildung aus jodhaltigen Dämpfen

Klimaforschung: Rasante Bildung von Jodpartikeln über der Arktis – mehr Wolken könnten Eis schneller schmelzen lassen

Wenn das Meereis schmilzt und sich die Wasseroberfläche vergrößert, steigen mehr jodhaltige Dämpfe aus dem Meer auf. Dass sich aus solchen Joddämpfen rasant Aerosolpartikel bilden, die als Kondensationskeime für die Wolkenbildung dienen können, haben jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsverbunds CLOUD herausgefunden. Die CLOUD-Forscher:innen, unter ihnen Atmosphärenforscher:innen der Goethe-Universität Frankfurt, befürchten eine gegenseitige Verstärkung von Meereis-Schmelze und Wolkenbildung, die die Erwärmung von Arktis und Antarktis beschleunigen könnte.

FRANKFURT. Über zwei Drittel der Erde sind von Wolken bedeckt. Je nachdem, ob sie hoch oder niedrig schweben, wie groß ihr Wasser- und Eisgehalt ist, wie dick sie sind oder über welcher Erdregion sie sich bilden, wird es unter ihnen wärmer oder kühler. Durch den Einfluss des Menschen gibt es heute höchstwahrscheinlich mehr abkühlende Effekte durch Wolken als in vorindustrieller Zeit, doch inwiefern Wolken zum Klimawandel beitragen, ist noch nicht gut verstanden. Forscher:innen gehen derzeit davon aus, dass zum Beispiel niedrige Wolken über Arktis und Antarktis zur Erwärmung dieser Regionen beitragen, indem sie die direkte Abstrahlung langwelliger Wärmestrahlung von der Erdoberfläche zurückhalten.

Alle Wolken bilden sich über Aerosole, Schwebpartikel in der Luft, an die sich Wasserdampf anlagert. Solche Schwebteilchen oder Aerosole bestehen natürlicherweise etwa aus Stäuben, Salzkristallen oder Molekülen, die von Pflanzen freigesetzt werden. Durch menschliche Aktivitäten gelangen vor allem Rußpartikel in die Atmosphäre, aber auch Schwefelsäure- und Ammoniakmoleküle, die sich zusammenlagern und in der Atmosphäre neue Aerosolpartikel bilden können. Modellrechnungen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Wolkentröpfchen aus Aerosolpartikeln entsteht, die sich erst in der Atmosphäre neu gebildet haben. Für die Wolkenbildung ist nicht entscheidend, woraus die Aerosolpartikel bestehen, es kommt vor allem auf ihre Größe an: Erst ab einem Durchmesser von etwa 70 Nanometer werden Aerosolpartikel zu Kondensationskeimen für Wolkentröpfchen.

In der Atmosphäre über dem Meer spielen von Menschen freigesetzte Aerosole eine viel geringere Rolle für die Bildung niedriger Wolken als über dem Land. Neben Salzkristallen, die aus der Gischt stammen, stammen Aerosolpartikel über dem Meer vorwiegend aus bestimmten Schwefelverbindungen (Dimethylsufiden), die aus Phytoplankton freigesetzt werden und beispielsweise zu Schwefelsäure reagieren. So jedenfalls lauteten die bisherigen Forschungsergebnisse.

Wissenschaftler:innen des CLOUD-Konsortiums haben jetzt die Bildung von Aerosolpartikeln aus jodhalten Dämpfen untersucht. Der leicht stechende Geruch von Jod gehört zum Aroma der Meeresluft, die man bei einem Spaziergang an der Nordsee einatmet. In jedem Liter Meerwasser sind 0,05 Milligramm Jod enthalten, und wenn es in die Atmosphäre gelangt, bildet sich mit Sonnenlicht und Ozon Jodsäure oder jodige Säure. Die Wissenschaftler:innen haben in der CLOUD-Experimentierkammer beim Teilchenbeschleunigerzentrum CERN in Genf die Atmosphärenbedingungen in mittleren Breiten und arktischen Regionen simuliert, einschließlich der kosmischen Höhenstrahlung, die durch einen Teilchenstrahl nachgestellt wurde.

Ihr Ergebnis: Die Aerosolpartikelbildung durch Jodsäure läuft extrem schnell ab, viel schneller als die Partikelbildung von Schwefelsäure und Ammoniak unter vergleichbaren Bedingungen. Ionen, die durch die kosmische Höhenstrahlung entstehen, begünstigen die Partikelbildung weiter. Zur Umwandlung des molekularen Jods in die jodhaltigen Säuren sind noch nicht einmal UV-Strahlung und nur wenig Tageslicht nötig. Auf diese Weise können sehr schnell sehr große Aerosolmengen entstehen.

Der Atmosphärenforscher Prof. Joachim Curtius von der Goethe-Universität erklärt: „Jod-Aerosole können sich schneller bilden als fast alle anderen Aerosoltypen, die wir kennen. Wenn noch Ionen hinzukommen, die durch kosmische Strahlung entstehen, führt jeder Zusammenstoß zum Anwachsen der Molekülcluster.“ Dies sei besonders wichtig, da sich in den vergangenen 70 Jahren die globalen Jodemissionen auf der Erde bereits verdreifacht hätten, so Curtius weiter. „Womöglich wurde hier ein Teufelskreis in Bewegung gesetzt: Das Packeis taut, dadurch vergrößert sich Wasseroberfläche und mehr Jod gelangt in die Atmosphäre. Das führt zu mehr Aerosolpartikeln, die Wolken bilden, welche die Pole weiter erwärmen. Der von uns gefundene Mechanismus kann jetzt Teil von Klimamodellen werden, denn Jod spielt möglicherweise vor allem in den Polarregionen eine dominante Rolle in der Aerosolbildung, und dies könnte die Vorhersagen von Klimamodellen für diese Regionen verbessern.“

Das Experiment CLOUD (Cosmics Leaving OUtdoor Droplets) am CERN untersucht, wie neue Aerosolpartikel in der Atmosphäre aus Vorläufergasen gebildet werden und weiter zu Kondensationskeimen wachsen. Damit liefert CLOUD ein grundlegendes Verständnis zur Entstehung von Wolken und Feinstaub.  CLOUD wird von einem internationalen Konsortium – bestehend aus 21 Instituten – durchgeführt. Die CLOUD-Messkammer wurde mit CERN-Know-how entwickelt und ist eine der reinsten Experimentierräume der Welt. Bei CLOUD-Messkampagnen wird mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Messgeräten der physikalische und chemische Zustand der Teilchen und Gase charakterisiert, aus denen die Atmosphäre besteht. Das Team um Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt entwickelt und betreibt im CLOUD-Projekt zwei Massenspektrometer, um Spurengase wie Jodsäure und jodige Säure auch in kleinsten Konzentrationen nachzuweisen.


Publikation: Xu-Cheng He, Yee Jun Tham, Lubna Dada, Mingyi Wang, Henning Finkenzeller, Dominik Stolzenburg, Siddharth Iyer, Mario Simon, Andreas Kürten, et. al. Role of iodine oxoacids in atmospheric aerosol nucleation, Science  05 Feb 2021: Vol. 371, Issue 6529, pp. 589-595, https://doi.org/10.1126/science.abe0298

Weitere Informationen
Prof. Dr. Joachim Curtius
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel: +49 (69) 798-40258
curtius@iau.uni-frankfurt.de

Dr. habil. Andreas Kürten
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel: +49 (69) 798-40256
kuerten@iau.uni-frankfurt.de

 

Feb 5 2021
11:27

AIWG Praxisfellow startet Multimedia-Blog zu muslimischem Leben in Deutschland

„Moin und Salam“

Julius Matuschik, Fotojournalist und Praxisfellow an der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft an der Goethe-Universität, hat heute seinen Blog „Moin und Salam“ gelauncht. In sechs Kapiteln wird der Fotojournalist darin die Geschichte und Gegenwart des Islams in Deutschland anhand von eigenen Bildern, historischem Bildmaterial sowie Audio- und Videobeiträgen nachzeichnen. Autorin der Texte ist die Politologin und Religionswissenschaftlerin Dr. Raida Chbib. Der Blog ist abrufbar unter: www.moinundsalam.de

FRANKFURT. Kopftuch tragende Frauen, bärtige Männer ins Gebet vertieft: Die mediale Berichterstattung zu Musliminnen und Muslimen und zum Islam in Deutschland ist häufig immer noch von Klischees und Stereotypen geprägt. Einzelne Gläubige werden auf Fotos oft als Teil einer kollektiven Gruppe dargestellt, werden auf diese Weise gewissermaßen entindividualisiert. „Leider sieht man in deutschen Medien oft sehr stereotype Fotografien, die den Islam bebildern sollen. Die islamische Vielfalt, muslimisches Leben und der Islam als Teil der deutschen Gesellschaft werden zu wenig sichtbar. Ich hoffe, Medienschaffende in Deutschland dazu anregen zu können, verantwortungsbewusster bei der Bildauswahl vorzugehen. Fotografien sind sehr machtvoll. Es ist nicht einfach nur ein Bild, das in die Welt gesendet wird. Immer gleiche Bilder sorgen zusammengenommen für einen Framing-Effekt und reproduzieren den Islam als etwas Fremdes und Exotisches“, sagt AIWG Praxisfellow Julius Matuschik.

„Der Islam kam nicht erst mit den Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern nach Deutschland“

Der Fotojournalist aus Hannover will mit seinem Praxisprojekt zu einem aktualisierten Narrativ über den Islam in Deutschland beitragen, das die zahlreichen Identitäten des Islams und der in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslime abbildet.

Mit dem jetzt gestarteten Blog soll ein möglichst differenziertes Bild des Islams in Deutschland abseits gängiger Klischees entstehen, die muslimische Vielfalt soll sichtbar gemacht und deutsche Musliminnen und Muslime in Porträts vorgestellt werden. In insgesamt sechs Kapiteln beleuchtet die Reportage die Entstehung des Islams in Deutschland, reflektiert gesellschaftliche Debatten und stellt Grundwissen zum Islam und zu deutschen Musliminnen und Muslimen zur Verfügung.

Die Kapitel werden nach und nach veröffentlicht. Die ersten beiden beschäftigen sich zunächst mit der Geschichte des Islams in Deutschland und zeigen ausgewählte historische Fotografien oder Illustrationen. Neben Fotos und erläuternden Texten beinhaltet der Blog auch ergänzende Audio-Interviews mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen sowie Musliminnen und Muslimen zu ausgewählten Themenschwerpunkten. Die Bildrecherche, Fotografien und Videos übernimmt Julius Matuschik im Rahmen seines Praxisfellowships an der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft. Die Texte erstellt die Politologin, Religionswissenschaftlerin und Geschäftsführerin an der AIWG Dr. Raida Chbib.

„Das Innovative und zugleich Knifflige an dem Projekt besteht darin, geleitet vom fotografischen Material, fundierte Informationen in gemeinverständlicher Form einfließen zu lassen. Nicht der Text, sondern Bild-, Video- und Audiomaterialien sind hier die Hauptzugänge, um festgefahrene öffentliche Bilder von Deutschlands Muslimen und Musliminnen aufzubrechen. Viele von diesen vorherrschenden Bildern basieren noch auf älteren Informationsbeständen oder auf einer einseitigen Betonung problematischer Aspekte, wie dem der Radikalisierung. Diese bilden nicht den fortgeschrittenen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu muslimischem Leben und seiner Geschichte in Deutschland ab. Der Blog präsentiert über vielfältige und lebensnahe Fotografien und entsprechende Begleittexte gewissermaßen ein wissenschaftlich fundiertes Update zum Islam in Deutschland“, so Dr. Chbib.

Julius Matuschik über die Entstehung seines Praxisprojekts: „Die Idee zur Online-Reportage ist bei der Durchsicht von historischen Fotos aus Archivbeständen von deutschen Musliminnen und Muslimen in Berlin um die Jahrhundertwende und aus den 1920er-Jahren entstanden. Es war faszinierend für mich, solche Fotos zu sichten. Diese Bilder brechen mit der Erzählung, das der Islam erst mit den Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen nach Deutschland gekommen ist. Solche Fotografien sind unser kollektives Erbe. Ich fand die Idee spannend, die Erzählung fotografisch weiterzuführen und neue Fotos mit den historischen Bildern gemeinsam zu präsentieren.“

Auf dem gleichnamigen Instagram Kanal „Moin und Salam“ kann sich jede/jeder interaktiv einbringen und unter dem Hashtag #moinundsalam eigene Bilder zum Thema teilen. Parallel zur Reportage entsteht eine Bilddatenbank, die für journalistische und wissenschaftliche Zwecke genutzt werden kann.

Über die Projektbeteiligten

Julius Matuschik arbeitet als Fotojournalist für verschiedene Online- und Offlinemedien. Er engagiert sich im Cameo Kollektiv e.V., wo er gemeinsam mit anderen Kreativen soziokulturelle Projekte realisiert und Maßnahmen der kulturellen und politischen Bildung durchführt. Seit 2013 dokumentiert er fotografisch den Islam in Deutschland.

Dr. Raida Chbib ist Geschäftsführerin der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft. Sie studierte Politikwissenschaft, Völkerrecht und Islamwissenschaft an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und wurde an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in den Religionswissenschaften promoviert. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Migration und Religion, religiöse Vielfalt, Organisationsprozesse von Religion, insbesondere des Islams, sowie Politik und Islam in Deutschland.

Über das AIWG Praxisfellowship
Das AIWG-Praxisfellowship richtet sich an ideenreiche Persönlichkeiten mit praktischen Erfahrungen zu Fragen der Religion und der gesellschaftlichen Teilhabe von Musliminnen und Muslimen in Deutschland. Es unterstützt ihr persönliches Engagement und ihre individuellen Projektideen und ermöglicht ihnen, ihre bisherigen Kenntnisse zu islambezogenen Themen auszubauen und sie in die Wissenschaft einzubringen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Über die AIWG
Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteurinnen und Akteuren aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Stiftung Mercator.

Bilder zum Download: [https://aiwg.de/pressemitteilung_multimediablog_moinundsalam]


Weitere Informationen
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon 069 79822-459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/

 

Feb 3 2021
15:54

Bundesforschungsministerium fördert Zukunftscluster PROXIDRUGS – Goethe-Universität und Partner aus Wissenschaft und Industrie setzen sich im bundesweiten Wettbewerb durch 

Neue Wirkstoffe für Medikamente der Zukunft: Bis zu 15 Millionen Euro für Goethe-Uni und ihre Partner 

Die Entwicklung neuartiger Wirkstoffe, die gezielt krankheitsrelevante Proteine im Körper abbauen, steht im Fokus des Zukunftsclusters PROXIDRUGS. Die Goethe-Universität Frankfurt koordiniert den Verbund, zu dem Forscher:innen der TU Darmstadt, der Universität Heidelberg, des Fraunhofer-Instituts für Translationale Medizin und Pharmakologie, des Max-Planck-Instituts für Biophysik sowie pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet gehören. PROXIDRUGS konnte sich in der Finalrunde des Clusters4Future Wettbewerbs des Bundesforschungsministeriums als eines von sieben geförderten Projekten durchsetzen und wird nun mit bis zu 15 Millionen Euro gefördert.

FRANKFURT. Viele Krankheiten werden durch außer Kontrolle geratene oder fehlerhaft funktionierende Proteine verursacht. Etablierte Strategien der Wirkstoff-Forschung zielen daher darauf ab, Proteine zu blockieren, um beispielsweise das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen zu stoppen. Allerdings lassen sich nur 20 Prozent aller krankheitsrelevanten Proteine, die zum Beispiel bei neurodegenerativen Leiden, bei Herz-Kreislauf- und Entzündungskrankheiten sowie bei Infektionen eine Rolle spielen, durch klassische, kleine Moleküle blockieren. Die verbleibenden 80 Prozent der krankheitsrelevanten Proteine sind bislang therapeutisch nicht zugänglich.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von PROXIDRUGS wollen jetzt die Entwicklung einer neuen Wirkstoffklasse vorantrieben, die das zelleigene Verwertungssystem für Proteine einbezieht. PROXIDRUGS-Koordinator Prof. Ivan Dikić vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität erläutert: „Unser Körper besitzt ein ausgeklügeltes System, um defekte, überflüssige oder schädliche Proteine zu entsorgen. Dieses System werden wir nutzen, um krankheitsrelevante Proteine gezielt abzubauen.“

Im Stoffwechsel jeder Zelle werden ständig Proteine gebildet und wieder abgebaut. An abzubauende Proteine hängt die Zelle das kleine Protein Ubiquitin an. Dies geschieht mithilfe bestimmter Enzyme, sogenannter E3-Ligasen. Die Ubiquitin-Markierung signalisiert dem „Schredder“ der Zelle (Proteasom), dass die markierten Proteine nicht mehr gebraucht und stattdessen abgebaut und recycelt werden können.

PROXIDRUGS-Forscherinnen und Forscher wollen nun Wirkstoffe entwickeln, die krankheitsrelevante Proteine in die räumliche Nähe („proximity“) solcher E3-Ligasen bringen. Damit erhalten krankheitsrelevante Proteine die Abbau-Markierung mit Ubiquitin und werden von der Zelle selbst entsorgt.

Prof. Dikić: „Proximitäts-induzierende Wirkstoffe, kurz Proxidrugs, sind eine der vielversprechendsten neuen Arzneimittelklassen in der biomedizinischen Forschung. Gemeinsam mit den Partnern aus der Industrie wollen wir diese innovativen Wirkstoffe systematisch erforschen und neuartige Arzneimittel gegen Krebs, neurodegenerative Erkrankungen sowie bakterielle und virale Infektionen entwickeln. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, haben wir das ‚Frankfurt Center for Innovation and Technologies' an der Goethe-Universität als akademischen Hub etabliert, in dem alle notwendigen Technologien gebündelt werden.“

Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Enrico Schleiff, unterstreicht die Bedeutung des Zukunftsclusters PROXIDRUGS als „Transfer-Beschleuniger“ für die Rhein-Main-Region: „Mit PROXIDRUGS treiben wir die Erforschung einer neuartigen Wirkstoffklasse voran, aus der durch die Einbindung unserer Partner schneller als bisher anwendungsreife Medikamente entwickelt werden können. PROXIDRUGS stellt eine konsequente Weiterentwicklung der Transferstrategie der Goethe-Universität aufbauend auf unseren Leuchtturmprojekten in der biomedizinischen und pharmazeutischen Forschung dar, zu denen seit wenigen Tagen auch das durch Hessen geförderte Clusterprojekt ENABLE zählt. Mit PROXIDRUGS können wir die Erkenntnisse aus unseren Forschungsfeldern in der Strukturbiologie, chemischen Biologie, Biochemie, Pharmazie und Zellbiologie auch in wirtschaftliche Wertschöpfung transferieren. Zusammen mit unseren starken Partnern in Wissenschaft und forschender Industrie der Rhein-Main-Region werden wir dadurch einen entscheidenden Beitrag in einem hochaktuellen Feld der Wirkstoff-Forschung leisten.“

Der „Clusters4Future“-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums startete im Sommer 2019 als Teil der Hightech-Strategie 2025 mit dem Ziel, in regionalen Spitzenstandorten den Wissens- und Technologietransfer zu fördern. Aus 137 Wettbewerbsskizzen wurden zunächst 16 Finalisten ausgewählt, die ab Mai 2020 die Skizzen zu einem Konzept ausarbeiten konnten. PROXIDRUGS wird jetzt als eines von 7 Zukunftsclustern zunächst für die Dauer von drei Jahren gefördert.


Koordinator PROXIDRUGS:
Prof. Dr. Ivan Dikić
Institut für Biochemie II, Universitätsklinikum der Goethe-Universität Frankfurt
und Buchmann-Institut für molekulare Lebenswissenschaften
Tel: +49 (0) 69 6301-5964,
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de

 

Feb 2 2021
11:29

Ergebnisse der PREDICT-Studie zu akuter Dekompensation und Akut-auf-chronischem Leberversagen

Internationaler Forschungsverbund ermittelt Auslöser für schwere Verlaufsform einer Leberzirrhose

Die häufigste Todesursache von Patienten mit Leberzirrhose ist ein Akut-auf-chronisches Leberversagen (ACLF), bei dem die fortschreitenden Funktionsausfälle der vernarbten Leber nicht mehr ausgeglichen werden können (akute Dekompensation). Die Folge: Weitere Organe wie Niere oder Gehirn versagen. Auslöser für die akute Dekompensation einer Leberzirrhose und ein ACLF sind am häufigsten bakterielle Infektionen, eine durch Alkohol verursachte Leberentzündung oder eine Kombination beider Faktoren. Dies hat die Auswertung der PREDICT-Studie ergeben, die von einem internationalen Team von Forschenden unter der Leitung von Prof. Jonel Trebicka vom Universitätsklinikum Frankfurt durchgeführt wurde.

FRANKFURT. Chronische Leberkrankheiten und sogar eine Leberzirrhose können lange unbemerkt bleiben, weil viele Patienten keine Symptome haben: Die Leber leidet still. Wenn der Körper dann nicht mehr in der Lage ist, die nachlassenden Leistungen der Leber zu kompensieren, verschlechtert sich der Zustand in kürzester Zeit dramatisch: Gewebsflüssigkeit sammelt sich im Bauchraum (Aszites), es kommt zu inneren Blutungen etwa in der Speiseröhre, das Gehirn droht durch Stoffwechselprodukte vergiftet zu werden. Diese akute Dekompensation der Leberzirrhose kann sich zu einem Akut-auf-chronischem Leberversagen weiterentwickeln mit Entzündungsreaktionen überall im Körper und Versagen mehrerer Organe. 

In der PREDICT-Studie unter der Leitung von Prof. Jonel Trebicka haben Wissenschaftler:innen aus 15 europäischen Ländern 1273 Patienten beobachtet, die mit einer akuten Dekompensation ihrer Leberzirrhose ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Im Fokus der aktuellen Auswertung der Studie stand die Frage, was eine akute Dekompensation einer Leberzirrhose auslösen kann. Das Ergebnis: In knapp der Hälfte der Krankheitsfälle konnte eine bakterielle Infektion, eine durch Alkoholkonsum verursachte Leberentzündung oder beides gemeinsam als Auslöser bestimmt werden.

Kaum eine Rolle als Auslöser hatten Blutungen im Verdauungstrakt und durch Schmerz- oder Beruhigungsmittel verursachte Gehirnerkrankung (medikamentös-toxische Enzephalopathie).

Schädigungen der Leber durch Medikamente, zu denen Schmerz- und Narkosemittel, Krebsmedikamente oder auch pflanzliche Heilmittel zählen können, traten ebenso wie medikamentös verursachte Nierenschädigungen nicht als Auslöser der akuten Dekompensation auf.

Studienleiter Prof. Jonel Trebicka, Gastroenterologe und Hepatologe an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Frankfurt, erklärt: „Bei der akuten Dekompensation einer Leberzirrhose ist rasches und gezieltes Handeln erforderlich. In der PREDICT-Studie möchten wir daher viel über die auslösenden Faktoren dieser lebensbedrohlichen Erkrankung lernen, um daraus Empfehlungen für Diagnostik und Therapie ableiten zu können. Zu wissen, welches die wahrscheinlichsten Auslöser einer akuten Dekompensation sind, wird helfen, Diagnose- und Behandlungsstrategien für diese lebensbedrohlich erkrankten Patienten weiterzuentwickeln.“

Die europaweiten Studie PREDICT hat den klinischen Verlauf akuter Dekompensationen der Leberzirrhose beobachtet, um frühe Anzeichen für die Entwicklung des Akut-auf-chronische Leberversagen (ACLF) zu finden. PREDICT wird von der Europäischen Stiftung zur Untersuchung chronischen Leberversagens (European Foundation for the Study of Chronic Liver Failure) gefördert. An PREDICT sind 136 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 47 Zentren und Institutionen in 15 europäischen Ländern beteiligt.

Publikation: Jonel Trebicka, Javier Fernandez, et al. for the PREDICT STUDY group of the EASL-CLIF CONSORTIUM: PREDICT identifies precipitating events associated with the clinical course of acutely decompensated cirrhosis. Journal of Hepatology (2020), https://doi.org/10.1016/j.jhep.2020.11.019


Weitere Informationen
Universitätsklinikum Frankfurt
Medizinische Klinik I
Sektion Translationale Hepatologie
Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Jonel Trebicka
Tel. +49 (0)69 6301 80789 (Jennifer Biondo, Sekretariat)
Jonel.Trebicka@kgu.de

Die European Foundation for the Study of Chronic Liver Failure (EF Clif) ist eine private, gemeinnützige Stiftung, die das Ziel verfolgt, die Forschung über Akut-auf-chronisches Leberversagen (Acute-on-Chronic Liver Failure, ACLF) zu fördern und damit die Lebensqualität und die Überlebensrate von Patienten mit Leberzirrhose zu verbessern. EL Clif wurde 2015 gegründet und unterstützt die Arbeit des EASL Clif Konsortiums, einem Forschungsnetz von mehr als 100 europäischen Universitätskliniken und 200 klinischen Forschern. 2013 beschrieb das Konsortium ein neues Syndrom: Akut-auf-chronisches Leberversagen, die häufigste Todesursache von Patienten mit Leberzirrhose.

Derzeit werden die EF Clif-Forschungsaktivitäten über zwei „Chairs“ gefördert: dem EASL Clif Chair, der Beobachtungs-, pathophysiologische und therapeutische Studien im Krankenhaus-Netz des EASL-Clif-Konsortiums unterstützt, und dem Grifols Chair, der die Entwicklung translationaler Forschungsprojekte über die Bildung eines Netzwerks aus Zentren in Europa unterstützt: Das Europäische Netzwerk für Translationale Forschung in chronischem Leberversagen (European Network for Translational Research in Chronic Liver Failure, ENTR-CLIF). Mehr über EF Clif: http://www.efclif.com Twitter: @ef_clif