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Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
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Keynote von Eva Illouz bei Jahresworkshop von Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ und Forschungsschwerpunkt „Democratic Vistas“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg
BAD HOMBURG. Gefühle prägen die politische Kultur der Demokratie entscheidend mit. Die israelisch-französische Soziologin Eva Illouz hat in vieldiskutierten Werken wie „Undemokratische Emotionen“ und „Explosive Moderne“ herausgearbeitet, wie Furcht, Ressentiment, Angst, Abscheu und Liebe aus gesellschaftlichen Verhältnissen erwachsen und sich auf die Demokratie auswirken. In ihrer Keynote beim gemeinsamen Jahresworkshop des neuen DFG-Graduiertenkollegs „Ästhetik der Demokratie“ und des Forschungsschwerpunkts „Democratic Vistas“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität geht sie diesem Thema erneut nach – diesmal mit dem Fokus auf ein Gefühl, das in Deutschland besonders kontrovers diskutiert wird: Schuld.
In ihrem englischsprachigen Vortrag „Is Guilt Good for Democracy?“ untersucht Illouz die kulturellen und historischen Prozesse, durch die das Schuldgefühl seit den 1980er Jahren zu einer zentralen Emotion im Selbstverständnis liberaler Demokratien geworden ist. Sie beleuchtet die normativen und politischen Implikationen dieser Entwicklung und fragt, inwiefern Schuld produktiv oder hemmend auf demokratische Gesellschaften wirkt.
Der Vortrag findet am Freitag, 24. April, um 19 Uhr, in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, in Bad Homburg, statt. Ins Thema einführen wird Prof. Johannes Völz, Sprecher des Graduiertenkollegs und Ko-Sprecher von „Democratic Vistas“.
Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebrew University of Jerusalem und der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris. Sie hat zahlreiche Bücher zur Soziologie der Emotionen, zum Konsumkapitalismus und zur Soziologie der Liebe publiziert. Für ihr Werk erhielt sie u.a. den Frank-Schirrmacher-Preis 2024, den Aby Warburg Preis 2024 und den EMET-Preis für Sozialwissenschaften. Zuletzt erschienen: Undemokratische Emotionen. Das Beispiel Israel (Suhrkamp, 2023), Explosive Moderne (Suhrkamp, 2024) und Der 8. Oktober. Über die Ursprünge des neuen Antisemitismus (Suhrkamp, 2025).
Anmeldung: Anmeldung bis 21. April an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Ein Porträt von Eva Illouz und das Plakat der Veranstaltung finden Sie zum Download https://www.uni-frankfurt.de/184956955
Anfahrt: Öffentliche Verkehrsmittel: Die nächsten Haltestellen sind Kaiser-Wilhelms-Bad (Bus 6), Bahnhof Bad Homburg (S 5) und Ober-Eschbach (U 2). PKW: Bitte nutzen Sie die nahegelegenen Parkmöglichkeiten – das Casino-Parkhaus mit Zufahrt über den Weinbergsweg oder den Parkplatz des Tennisclubs und des Kur Royal Aktiv in der Kisseleffstraße 20.
Information: Monika Hellstern, Wissenschaftskommunikation. Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Telefon 06172 13977-45; E-Mail hellstern@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; @FKHbadhomburg
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Öffentliche Veranstaltungen anlässlich des wissenschaftlichen Eröffnungssymposiums des Cooperative Brain Imaging Center Frankfurt
FRANKFURT. Mit einem wissenschaftlichen Symposium feiert das Cooperative Brain Imaging Center Frankfurt (CoBIC) seine Eröffnung, nachdem das Gebäude vor einem Jahr offiziell in Betrieb genommen wurde. Das CoBIC ist eine Kooperation der Goethe-Universität Frankfurt, des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik und des Ernst Strüngmann Instituts (ESI) der Max-Planck-Gesellschaft. Die enge Zusammenarbeit von grundlagenwissenschaftlichen Instituten und der Universitätsmedizin Frankfurt bietet Forscherinnen und Forschern ein dynamisches Umfeld für innovative Forschungsprojekte.
Im Rahmen des Symposiums werden neben zahlreichen Fachvorträgen zwei Veranstaltungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger angeboten, die – in englischer Sprache – Hirnforschung allgemeinverständlich erklären.
Prof. Robert Turner vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig beschäftigt sich damit, wie Musik in unserem Gehirn wahrgenommen und verarbeitet wird. Wie verändert sich das Gehirn, wenn wir lernen, ein Musikinstrument zu spielen oder Noten zu lesen? Wie unterscheidet sich Musik- von Sprachverarbeitung im Gehirn? Und wie kann es sein, dass musikalische Erinnerungen trotz Demenz bestehen bleiben, dass also zum Teil Menschen, die krankheitsbedingt nicht mehr sprechen können, immer noch in der Lage sind, Lieder zu singen? Im musikalischen Dialog mit Prof. Fredrik Ullén, Direktor des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik, spricht Turner in seinem Vortrag darüber, wie Musik ein „Fenster zu allgemeinen Hirnfunktionen“ ist.
„Imaging Music in Our Brain“
Prof. Robert Turner, MPI Leipzig
moderiert und musikalisch abgerundet von
Prof. Fredrik Ullén, MPI Frankfurt am Main
(in englischer Sprache)
Montag, 20. April 2026, 18:15 Uhr
Festsaal im Casino, Campus Westend
Theodor-W.-Adorno-Platz 1
Goethe-Universität Frankfurt
Welchen Fragestellungen CoBIC-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler bei der Erforschung des menschlichen Gehirns nachgehen, ist Thema einer Reihe interaktiver Sessions im Neubau des CoBIC in Frankfurt-Niederrad. Wie fühlt sich eine Nervenzelle in einem Netzwerk? Wie unterscheiden sich Gedankengänge von Menschen mit und ohne ADHS? Wie kann man mithilfe von Hochfeld-MRT medizinische Diagnosen verbessern oder dem Gehirn beim Arbeiten zusehen? Was passiert im Gehirn, wenn jemand im MRT liegend Klavier spielt? Welchen Einfluss hat Ernährung auf die Hirnleistung? Diesen Fragen spüren die Forschenden allgemeinverständlich und auf unterhaltsame Weise nach.
„Research at CoBIC“
Frankfurter Wissenschaftler*innen
(in englischer Sprache)
Dienstag, 21. April 2026, 15:00 Uhr
Cooperative Brain Imaging Center (CoBIC)
Heinrich-Hoffmann-Straße 9
Campus Niederrad
Goethe-Universität Frankfurt
Information und Anmeldung:
Die beiden Veranstaltung sind öffentlich und kostenlos.
Um Anmeldung bis zum 16.4.2026 wird gebeten über info@cobic.de
Website CoBIC: https://cobic.de/
Exzellenzcluster startete im Rahmen der 7. Internationalen Giersch-Konferenz 2026 am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) / Nachbericht im neuen UniReport
FRANKFURT. Kick-Off nach Maß: Für den Forschungsverbund SCALE (Sub-Cellular Architecture of LifE) war die 7. Internationale Giersch-Konferenz 2026 am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) zugleich der Startschuss. SCALE gehört seit diesem Jahr zur Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Forschende der Goethe-Universität, der Max-Planck-Institute für Biophysik und Hirnforschung, der Universität des Saarlandes, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie des Frankfurt Institute for Advanced Studies haben sich zusammengeschlossen, um die Prinzipien der Selbstorganisation in Zellen zu entschlüsseln. Ihr Ziel ist es, zu verstehen, wie sich die zelluläre Architektur herausbildet und wie sie die vielfältigen Funktionen einer Zelle ermöglicht.
Die Giersch-Konferenz unter dem Leitthema „Towards Digital Twins for Structural Cell Biology – Criteria, Chances and Challenges“ vereinte international führende Forschende aus den Bereichen Computational Science, Struktur- und Systembiologie, um gemeinsam die Chancen und Herausforderungen digitaler Zwillinge in der Zellbiologie zu erörtern. Beispielsweise stellte Samantha Wood von der Indiana University Bloomington vor, dass mithilfe eines digitalen Zwillings untersucht werden kann, wie Küken in einer Umgebung Wahrnehmung, Sozialverhalten und Intelligenz entwickeln.
Wie SCALE-Sprecherin Prof. Michaela Müller-McNicoll und FIAS-Mitarbeiterin Dr. Anja Störiko im neuen UniReport berichten, standen auf der Konferenz neben innovativen wissenschaftlichen Ansätzen insbesondere Fragen der interdisziplinären Zusammenarbeit im Mittelpunkt, ebenso wie die Integration künstlicher Intelligenz und heterogener Datensätze. Darüber hinaus wurden Konzepte für Open Science und den offenen Austausch von Forschungsdaten diskutiert – zentrale Anliegen des SCALE-Konsortiums.
Weitere Themen im neuen UniReport:
Aktuelles
- Nachrufe auf Jürgen Habermas: Von Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff, von Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther.
- „Bewusstsein von dem, was fehlt“: Eine Collage zum Werk von Jürgen Habermas, zusammengestellt von Wolfgang Schopf, Literaturarchiv im Universitätsarchiv.
- Nachts in der Bibliothek: Ein Nachbericht zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“.
Forschung
- Wie lassen sich hochkomplexe geometrische und arithmetische Strukturen durch einfachere Räume beschreiben? Der Sonderforschungsbereich /Transregion 326 GAUS – ein Projekt der Rhein-Main-Universitäten und deren Partner.
- Lehrforschung mitten im Alltag Kenias: Eine Exkursion nach Mombasa im Rahmen des RMU-Bachelor-Studiengangs „Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation“.
- Was machen „Standards des Regierens“ mit der Demokratie? Ein Interview mit Ko-Sprecherin Prof. Sandra Seubert zum Graduiertenkolleg der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt.
- Goethe, Deine Forscher: Britta Baumert, katholische Theologin, im Porträt.
- Wie stark wachsen die Einkommen einer Volkswirtschaft? Das Nettoinlandsprodukt (NIP) liefert ein realistischeres Bild als das BIP.
Studium, Lehre und Qualifikation
- #Goethe DataDive - Zahl des Monats April lautet 75,3: Im Jahr 2025 waren ca. 75,3 % aller (elektronischen) Publikationen Open Access.
- Auf den Spuren islamischer Handschriften: Exkursion nach Gotha - ein Nachbericht von Fatma Karakaşlı.
Campus
- Der Biologe Horst Lange-Bertalot hat sich der Erforschung der Kieselalge verschrieben: Der international bekannte Wissenschaftler ist im Februar 90 geworden.
- Der volkswirtschaftliche Blick auf China: Philipp Böing, Professor für Empirische Innovationsforschung, im Porträt.
- Die Angst vor der Geschichte verlieren: Der US-amerikanische Künstler, Design-Dozent- und Anwalt Ryan Lilienthal wird in seiner Arbeit vom Lehr- und Forschungsforum „Erziehung nach Auschwitz“ unterstützt.
- Übersetzung als Dichtung: Die Literaturwissenschaftlerinnen Frederike Middelhoff und Judith Kasper über die Schoeller-Dozentur mit Eva Schestag.
- 1922: die Geburt der Quantenphysik in Frankfurt. Ein Seibert-Mikroskop aus Wetzlar war dabei und ersetzte die Hebamme.
- Über Kunst reden und Suppe essen: Prof. Kerstin Gottschalk, Leiterin des Schwerpunkts Malerei und Grafik am Institut für Kunstpädagogik, über eine ungewöhnliche Veranstaltungsreihe.
- Zwischen Gletscher, Gestein und Geopolitik: Lucas Bek, Masterstudent der Geowissenschaften, über die Begeisterung für seine Disziplin.
- Provenienzforschung als Lehrprojekt: Studierende erforschen Kulturgut und seine Herkunft.
International
- Perspektiven der Demokratie: Drei neue Fellows arbeiten auf Einladung des Schwerpunktes „Democratic Vistas“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften.
Kultur
- „Marie Luise Kaschnitz. Hier.“ Die Poetikdozentin von 1960 und Ehrendoktorin der Goethe-Universität ist die Autorin von Frankfurt liest ein Buch 2026.
Bibliothek
- Open Access erhält neuen Schub: Publikationsfonds der UB Frankfurt wird weiter gefördert.
Der UniReport 1/2026 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Frankfurter Kinder-Uni zu Gast im NordWestZentrum
FRANKFURT. Am 11. April 2026 ist die Frankfurter Kinder-Uni zu Gast im NordWestZentrum. Bereits zum zweiten Mal bietet die Veranstaltung Kindern und Familien ein abwechslungsreiches Mitmachprogramm, bei dem Wissenschaft kindgerecht vermittelt wird. Biologieprofessor Paul Dierkes eröffnet spannende Perspektiven auf die Welt der Tiere und erklärt anschaulich ihre Verhaltensweisen. An den Experimentierständen erhalten Kinder und Familien praxisnahe Eindrücke in die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
Begleitet wird der Nachmittag von dem Magier Harry Keaton, der durch das Programm führt und mit kleinen Zaubertricks für zusätzliche Überraschungen sorgt. In unterhaltsamen Quizrunden können Kinder spielerisch ihr Wissen testen. Und last not least laden kreative, wissenschaftliche Fotoaccessoires Eltern dazu ein, ihre Nachwuchsforscher in besonderen Momenten festzuhalten:
Frankfurter Kinder-Uni im NordWestZentrum
Samstag, 11. April 2026, von 13.00 bis 17.00 Uhr
NordWestZentrum Frankfurt, Limescorso 8,
60439 Frankfurt (auf der großen Aktionsbühne)
Medienvertreter*innen sind herzlich eingeladen, die Veranstaltung zu begleiten. Interviewmöglichkeiten mit Vertreter*innen der Goethe-Universität, des NordWestZentrums sowie der Projektkoordination sind gegeben. Vor Ort entstehen lebendige Bildmotive: begeisterte Kinder beim Experimentieren und gemeinsamen Entdecken der Welt der Wissenschaft; magische Bühnenmomente mit Moderator und Zauberer Harry Keaton im Dialog mit (Kinder-Uni-) Professor Dierkes; stolze Kinder, die in die Rolle von kleinen Forscherinnen und Forschern schlüpfen.
Kontakt: Susanne Honnef, Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt. honnef@pvw.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Groß angelegte Multi-Analysten Studie zur Objektivität statistischer Analysen erschienen. Marketing-Professor Jan Landwehr von der Goethe-Universität sieht dadurch die Bedeutung wissenschaftlicher Zusammenarbeit unterschiedlicher Forschungsgruppen bestätigt.
FRANKFURT. Eine neue Studie, die in Nature unter dem Titel „Investigating the analytical robustness of the social and behavioural sciences" veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass wissenschaftliche Schlussfolgerungen davon abhängen können, wer die statistische Analyse durchführt. Die Ergebnisse stammen aus einer groß angelegten internationalen Zusammenarbeit unter der Leitung von Balázs Aczél und Barnabás Szászi (Eötvös Loránd Universität und Corvinus Universität), die im Rahmen des Programms „Systematizing Confidence in Open Research and Evidence" (SCORE) durchgeführt wurde. Ein Team von 457 unabhängigen Analysten aus Institutionen auf der ganzen Welt, davon etwa 60 aus Deutschland und vier von der Goethe Universität Frankfurt, führte 504 Reanalysen von Daten aus 100 zuvor veröffentlichten Studien aus den Sozial- und Verhaltenswissenschaften durch. Je fünf Analysten erhielten denselben Datensatz und dieselbe zentrale Forschungsfrage, konnten jedoch die Analyse nach eigenem Ermessen durchführen.
Das Projekt knüpft konzeptuell an umfangreiche Reformen der letzten zehn Jahre in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften an, die wissenschaftliche Forschung transparenter, vertrauenswürdiger und zuverlässiger machen sollen. Vorabregistrierung von empirischen Studien, registrierte Berichte („Registered Reports“), Replikationsstudien und Überprüfungen der analytischen Reproduzierbarkeit zielen alle darauf ab, die Häufigkeit von Zufallsbefunden und verzerrten Ergebnissen zu reduzieren. Eine wichtige Frage hat jedoch bislang relativ wenig Beachtung gefunden: Inwieweit hängen Forschungsergebnisse von der spezifischen Art und Weise ab, wie Daten analysiert werden?
In der wissenschaftlichen Standardpraxis wird ein Datensatz in der Regel von einem einzelnen Forscher oder einem Forschungsteam analysiert, und die daraus resultierende Veröffentlichung präsentiert das Ergebnis eines bestimmten Analysepfades. Während Peer-Review Verfahren die methodische Akzeptierbarkeit des gewählten Analysepfads bewerten, decken sie i.d.R. nicht auf, welche Ergebnisse unter alternativen, aber ebenso vertretbaren statistischen Entscheidungen hätten erzielt werden können.
Empirische Forschung beinhaltet jedoch zahlreiche Entscheidungspunkte: wie Daten bereinigt werden, wie Variablen definiert oder transformiert werden, welche statistischen Modelle oder welche Software verwendet werden und wie Ergebnisse interpretiert werden. Zusammen bilden diese Entscheidungen die sogenannte analytische Variabilität – die Flexibilität, die die endgültigen Schlussfolgerungen grundlegend beeinflussen kann.
Wichtigste Ergebnisse
Die aktuelle Nature Publikation zeigt, dass erhebliche Abweichungen in den Ergebnissen unabhängiger Analysen derselben Fragestellung unter Verwendung derselben Daten in 100 Studien auftreten. Obwohl die meisten Reanalysen die Hauptthesen der Originalstudien weitgehend bestätigten, unterschieden sich die Effektgrößen, statistischen Schätzungen und Unsicherheitsgrade oft erheblich. Nur in etwa einem Drittel der Fälle kamen alle Analysten zu dem gleichen Ergebnis wie die ursprünglichen Autoren.
Wichtig ist, dass diese Diskrepanzen nicht auf mangelnde Fachkenntnisse zurückzuführen waren. Erfahrene Forscher mit fundierten statistischen Kenntnissen kamen ebenso häufig zu abweichenden Ergebnissen wie andere. Gleichzeitig erwiesen sich Beobachtungsstudien als weniger robust als experimentelle Studien, was darauf hindeutet, dass komplexere Datenstrukturen eine größere analytische Flexibilität – und damit eine größere Unsicherheit – ermöglichen.
Prof. Dr. Jan Landwehr von der Goethe-Universität Frankfurt, der als Analyst an der Studie beteiligt war, kommentiert das Ergebnis so: „Ebenso wie man wichtige Entscheidungen nicht durch eine einzelne Studie begründen sollte, erscheint es bedeutsam, nicht nur das Ergebnis einer Datenanalyse heranzuziehen. Nur wenn unterschiedliche, gut begründbare Analyseansätze ein konsistentes Muster zeigen, erscheint ein empirisches Ergebnis wirklich belastbar zu sein. Unsere Studie ist damit auch ein Aufruf zu verstärkter wissenschaftlicher Zusammenarbeit unterschiedlicher Forschungsgruppen und zur Intensivierung des wissenschaftlichen Austauschs.“
Die in Nature veröffentlichte Studie ist hier verfügbar: https://www.nature.com/articles/s41586-025-09844-9
Kontakt: Prof. Dr. Jan Landwehr, Professur für Markt- und Konsumentenpsychologie, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798-34631; landwehr@wiwi.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Ausgezeichnet werden 2026 der Philosoph Dr. Kirill Chepurin und die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Ansel.
FRANKFURT. ‚Seligkeit' und ‚Ossian': Mit diesen zwei Schlagworten sind die Themenfelder umrissen, mit denen sich die beiden Wissenschaftler*innen beschäftigten, die 2026 mit dem Klaus Heyne-Preis zur Erforschung der Deutschen Romantik an der Goethe-Universität Frankfurt ausgezeichnet werden. Der Philosoph und Theologe Dr. Kirill Chepurin erhält den Preis für seine Monografie „Bliss against the World: Schelling, Theodicy, and the Crisis of Modernity" (2024 bei Oxford University Press erschienen), die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Ansel erhält den Preis für ihren Aufsatz „Ossianic images and visual translation processes in J.M.W. Turner and Carl Gustav Carus“ (2025 bei Manchester University Press in einem Band mit dem Titel „Picturing the Romantic“ veröffentlicht).
Das Jahr 2026 markiert die dritte Verleihung des Klaus Heyne-Preises, den der Kinderarzt und Romantikliebhaber Prof. Dr. Klaus Heyne (1937–2017) aus Kiel der Goethe-Universität Frankfurt stiftete. Heynes erklärtes Ziel war die Förderung herausragender Beiträge von Wissenschaftler*innen in der Qualifikationsphase, die zur Epoche der Romantik forschen. 2026 wird der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis erstmalig in zwei Kategorien vergeben: Für eine Monografie, die mit 4.000 Euro Preisgeld und 10.000 Euro für die Organisation einer Tagung an der Goethe-Universität dotiert ist, und für einen Aufsatz oder Essay, der mit 1.000 Euro Preisgeld ausgeschrieben wurde.
Chepurins Monografie, die auf seiner 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit summa cum laude verteidigten Dissertationsschrift beruht, beschäftigt sich mit einem bislang vernachlässigten Konzept des wohl bekanntesten Philosophen der Romantik im deutschsprachigen Raum: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854). „Bliss“ (‚Seligkeit'), so argumentiert Chepurin, nicht „happiness“ (‚Glück-Seligkeit)'), kann als ein Schlüsselbegriff des Schelling'schen Nachdenkens an der konflikt- und krisenbehafteten Schwelle zur Moderne betrachtet werden – und zwar von Schellings frühen naturphilosophischen Texten bis hin zu seinen späten metaphysischen Schriften. Chepurin arbeitet ‚Seligkeit' als ein Konzept heraus, das für Schelling freiheitstheoretisch und naturphilosophisch relevant ist: Im doppelten Antagonismus zu Moderne und Christentum kann mit ‚Seligkeit' eine für die Romantik zentrale Vision der Auflösung der ‚unseligen' Gegenwart entfaltet werden – ein Zustand ungeteilter Immanenz, absoluter Indifferenz, eines Seins in Freiheit, das keine Hierarchien, Besitzverhältnisse, Aneignungen und Imperative kennt.
Chepurins Arbeit, so die Jury des Heyne-Preises, bestehend aus Prof. Dr. Roland Borgards (Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität), Prof. Dr. Mechthild Fend (Kunstgeschichtliches Institut, Goethe-Universität), Dr. Aurelio Fichter (Benvenuto Cellini Gesellschaft e.V.), Dr. Mareike Hennig (Freies Deutsches Hochstift Frankfurt), Prof. Dr. Heidi Lucja Liedke (Institute of English and American Studies, Goethe-Universität) und Prof. Dr. Frederike Middelhoff (Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität), beschreitet gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland: Erstens wurde hier eine Arbeit vorgelegt, die Schellings jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem Konzept ‚Seligkeit' unter Beweis stellt und damit die in der Schelling-Forschung gängige Periodisierung (‚früher' vs. ‚später' Schelling) in Frage stellt; zweitens arbeitet Chepurin die bisher unbeachtete Salienz von „Schellingian bliss“ für romantische Theorien und Denkformen heraus; drittens befasst sich die Arbeit erstmalig differenziert mit Schellings Reproduktion rassistischer und kolonialistischer Denkgebäude, die mit seiner Vorstellung von ‚Seligkeit' eng verknüpft ist.
Die Jury betont: „Wir haben es hier mit einer hochoriginellen Arbeit zu tun, die nicht nur eine Neuinterpretation der Romantik vorschlägt, indem sie verdeutlicht, wie stark ‚Seligkeit' – das um 1800 im Bedeutungsumfeld von ‚Segen' und ‚Erlösung' diskutiert wurde – Schellings Philosophie und das Denken der Romantik bewegte. Vielmehr befragt die Studie das Konzept ‚Seligkeit' auch hinsichtlich seiner Anschlussfähigkeit für ethische Fragestellungen und visionäre Entwürfe unserer heutigen Gegenwart.“ Diese Perspektiven und Aktualitätsbezüge möchte Chepurin auch im Rahmen der internationalen Tagung beleuchten, die er 2027 an der Goethe-Universität mithilfe des Heyne-Preises in Frankfurt ausrichten wird.
Chepurin studierte Mathematik und Mathematische Logik in Moskau und trat ebendort 2012 eine Doktorats- und Lecturer-Stelle in Bereich der Philosophiegeschichte an. Im Jahr 2022 wechselte er nach Berlin und wurde im Mai desselben Jahres an der theologischen Fakultät und am Institut der Philosophie der Humboldt-Universität promoviert. Fellowships und Forschungsaufenthalte führten ihn nach Berlin, Hamburg und Berkeley. Derzeit ist er Research Fellow am Institute for Cultural Inquiry in Berlin. Im September 2026 tritt er eine Stelle als Assistant Professor of the Humanities an der Bilkent-Universität in Ankara an.
Dr. Elisabeth Ansels kunstgeschichtlicher Aufsatz, der mit dem Heyne-Preis für herausragende Aufsätze ausgezeichnet wird, untersucht, wie der englische Maler William Turner (1775–1851) und der deutsche Arzt, Naturphilosoph und Maler Carl Gustav Carus (1789–1869) mit ihren Bildern und Zeichnungen den zeitgenössischen ossianischen Mythos mitgestalteten. Der fiktive Ossian und seine altgälischen Liedtexte, die der schottische Schriftsteller James Macpherson in den 1760ern als ‚wiedergefundene' „Fragments of Ancient Poetry“ publizierte, entfalteten Ende des 18. Jahrhunderts eine bislang nur von den Schriften William Shakespeare gekannte internationale Resonanz. Und obwohl schon früh bestritten wurde, dass es sich um authentische Dokumente ‚alter' Lieder handele, riss die Faszinationsgeschichte rund um den schottischen Barden und seine ‚romantischen' Gesänge nicht ab. Ansel geht nun auf Distanz zu einer rezeptions- und einflussgeschichtlichen sowie im Paradigma des Nationalen verhafteten Analyse von Gemälden wie „Staffa, Fingal's Cave“ (Turner, 1831/32) und „Insel Staffa“ (Carus, vor 1846). Statt die Bilder als Beispiele für eine deutsche, respektive britische Romantik zu interpretieren, untersucht Ansel vergleichend, wie der Ossian-Stoff in unterschiedliche kulturelle Kontexte übersetzt und bildkünstlerisch produktiv gemacht wird. Turners und Carus' visuelle Annäherungen an die ‚ossianische' Hebrideninsel Staffa deutet Ansel im Horizont einer transnationalen Romantisierung des Ossian-Mythos bzw. einer ‚ossianischen Kultur'. Ihr Aufsatz, so war sich die Jury des Heyne-Preises einig, zeigt das große Potenzial einer kunstgeschichtlichen Romantikforschung, die sich für Zirkulations-, Übertragungs- und Adaptionsprozesse jenseits der Nationallogiken von ‚Schulen' interessiert. Sichtbar wird hier, was sich erst aus einer transnationalen Perspektive als ‚hybride' oder ‚pluriforme' Romantik beschreiben lässt.
Ansel studierte Klassische Philologie in Dublin, Rechtswissenschaften in Leipzig sowie Kunstgeschichte, Soziologie und Rechtswissenschaft an der Technischen Universität Dresden. 2021 wurde sie ebendort im Fach Kunstgeschichte mit einer Arbeit über Jack. B. Yeats und die irische Moderne promoviert (summa cum laude). Stipendien und Fellowships führten sie nach Cork, Dublin, Greifswald, New Haven und New York. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle Europäische Romantik der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Beiden Preistragenden wird die Auszeichnung mit dem Klaus Heyne-Preis am 22. Juni 2026 im Rahmen eines Festakts an der Goethe-Universität verliehen.
Weitere Informationen:
https://romantikforschung.uni-frankfurt.de/klaus-heyne-preis-zur-erforschung-der-deutschen-romantik/
Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/184555229
Foto Ansel: Frank Pawella
Foto Chepurin: Claudia Peppel (ICI)
Kontakt: Prof. Dr. Frederike Middelhoff, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798 328 53; middelhoff@em.uni-frankfurt.de; Website: https://www.uni-frankfurt.de/Middelhoff
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Internationale Studie beobachtet fünf Jahre lang genetische Veränderungen von Arabidopsis thaliana an 30 Standorten weltweit
In einem bislang einzigartigen Feldexperiment hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Goethe-Universität, der University of California, Berkeley, und dem CNRS Montpellier die evolutionäre Anpassung der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana an verschiedensten Klimazonen von den Alpen bis zur Negevwüste untersucht. An weltweit 30 Standorten säten die Teammitglieder die Pflanzen aus, beobachteten deren Entwicklung und werteten genetische Veränderungen aus. Das Ergebnis: Viele Arabidopsis-Populationen passten sich rasch den Klimaverhältnissen an – einige jedoch starben aus. Die Ergebnisse zeigen, wie genetische Vielfalt das Überleben von Populationen sichert.
FRANKFURT. Das große Experiment startete im Herbst 2017 mit 360 kleinen Plastikröhrchen, in denen sich eine Mischung aus Samen der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana befand, einer unscheinbaren, einjährigen Pflanze mit kleinen, weißen Blüten. Die Röhrchen wurden an 30 verschiedene Orte in West- und Nordeuropa, dem Mittelmeerraum und den USA verschickt, wo sie von den Biologinnen und Biologen eines weltweiten Netzwerks in je zwölf jeweils rund ein Viertel Quadratmeter große Beete eingesät wurden und dort zwölf Arabidopsis-Populationen bildeten, die mit ihren Samen das Fortbestehen im jeweils kommenden Jahr sicherten. Bis zu fünf Jahre lang dokumentierten die Forscherinnen und Forscher das Wachsen und Gedeihen der Pflanzen und nahmen jährlich Gewebeproben für genetische Analysen. Ihr gemeinsames Ziel: die Evolution der Pflanzen nachzuvollziehen, die sich an so unterschiedliche Standorte anpassen mussten.
Mit dem Aufbau des Netzwerks „Genomics of Rapid Evolution in Novel Environment“ – kurz GrENE-net – hatte 2016 Niek Scheepens, Professor für evolutionäre Pflanzenökologie an der Goethe-Universität Frankfurt, gemeinsam mit Dr. François Vasseur vom französischen Centre d'Écologie Fonctionelle et Évolutive in Montpellier und Prof. Moisés Expósito-Alonso von der University of California in Berkeley begonnen.
Die Pflanzenproben aus den ersten drei Jahren wurden nun vom US-amerikanischen Team genetisch analysiert. Das Ergebnis: In den meisten Klimazonen überlebten die Populationen und passten sich an die Umweltbedingungen an. Sichtbar wurde das durch Millionen Änderungen in der Gesamtheit ihrer Gene, dem Genom. Dabei waren die genomischen Veränderungen häufig in allen zwölf Populationen eines Standorts statistisch ähnlich, und Standorte mit ähnlichem Klima wiesen ähnliche genetische Veränderungen auf und betrafen etwa Gene, die die Trockentoleranz oder die Blütezeit beeinflussen.
Scheepens kommentiert: „Beide Ergebnisse zeigen, wie das Klima offenbar einen evolutionären Selektionsdruck ausübt und die Auswahl solcher Gene und Genvarianten begünstigt, die die Pflanze besser an das Klima anpassen.“
Einige Ackerschmalwand-Populationen, meist an besonders heißen und trockenen Standorten, waren jedoch nach den drei Jahren ausgestorben, und ihre Beete blieben kahl. Dem gingen, wie die Genomanalysen jetzt zeigten, starke genetische Schwankungen voraus, und die 12 Populationen entwickelten sich nicht alle in dieselbe Richtung. Scheepens: „In diesen Populationen gab es offenbar zufällige Veränderungen als Folge einer am Ende doch recht kleinen Population in einem Beet. Statt einer erfolgreichen Anpassung hat hier also die sogenannte ‚genetische Drift' überwogen.“
Evolutionsökologe Niek Scheepens fasst zusammen: „Mit diesem Experiment können wir der Evolution sozusagen live über die Schulter schauen. Es zeigt uns: Evolutionäre Anpassung kann sehr rasch verlaufen, sofern ausreichende genetische Vielfalt vorhanden ist. Daher können seltene Pflanzen mit kleinen Populationen und entsprechend geringer genetische Vielfalt nur schlecht mit Veränderungen wie dem Klimawandel umgehen. Insgesamt ist unser Experiment ein eindringlicher Appell für den Erhalt der Biodiversität ganz allgemein: Vielfalt sichert Überleben!“
Publikation: Xing Wu, Tatiana Bellagio, Yunru Peng, Lucas Czech, Meixi Lin, Patricia Lang, Ruth Epstein, Mohamed Abdelaziz, Jake Alexander, Carlos Alonso- Blanco, Heidi Lie Andersen, Modesto Berbel, Joy Bergelson, Oliver Bossdorf, Liana Burghardt, Mireille Caton- Darby, Robert Colautti, Carolin Delker, Panayiotis G. Dimitrakopoulos, Kathleen Donohue, Walter Durka, Gema Escribano- Avila, Steven J. Franks, Felix B. Fritschi, Alexandros Galanidis, Alfredo Garcia-Fernández, Ana García- Muñoz, Elena Hamann, Allison Hutt, José M. Iriondo, Thomas E. Juenger, Stephen R. Keller, Karin Koehl, Arthur Korte, Pamela Korte, Alexander Kutschera, Carlos Lara-Romero, Laura Leventhal, Daniel Maag, Arnald Marcer, Martí March- Salas, Juliette de Meaux, Belén Méndez-Vigo, Javier Morente-López, Timothy C. Morton, Zuzana Münzbergova, Anne Muola, Hanna Akiko Nomoto, Meelis Pärtel, F. Xavier Picó, Brandie Quarles- Chidyagwai, Marcel Quint, Niklas Reichelt, Agnieszka Rudak, Johanna Schmitt, Gregor Schmitz, Merav Seifan, Basten L. Snoek, Remco Stam, Marc Stift, John R. Stinchcombe, Mark A. Taylor, Peter Tiffin, Irène Till-Bottraud, Anna Traveset, Jean- Gabriel Valay, Martijn Van Zanten, Vigdis Vandvik, Cyrille Violle, Detlef Weigel, Maciej Wódkiewicz, François Vasseur, J. F. Scheepens, Moises Exposito- Alonso. Rapid adaptation and extinction in synchronized outdoor evolution experiments of Arabidopsis. Science (2026) https://doi.org/10.1126/science.adz0777
Hintergrundinformationen
Website des Projekts GrENE-net: https://grene-net.org/
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/184316322
Bildtexte:
1 Lehrt uns, dass genetische Vielfalt das Überleben sichert: die Ackerschmalwand, Arabidopsis thaliana. Foto: Niek Scheepens, Goethe-Universität Frankfurt
2 In je zwölf Beeten von einem Viertel Quadratmeter Fläche wuchsen die Ackerschmalwandpflanzen. Foto: Niek Scheepens, Goethe-Universität Frankfurt
3 Jedes Jahr während der Blüte wurden von allen Pflanzen Gewebeproben für die genetische Analyse genommen. Foto: Niek Scheepens, Goethe-Universität Frankfurt
4 Die Standorte waren klimatisch verschieden und reichten vom Gebirge bis zur Wüste. Foto: Jean-Gabriel Valay, Jardin du Lautaret
Weitere Informationen
Prof. Dr. J.F. Niek Scheepens
Evolutionäre Ökologie der Pflanzen
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Fachbereich Biowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798-42132
Scheepens@bio.uni-frankfurt.de
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Internationales Forschungsteam wertet 27000 CT-Scans aus zwei US-amerikanischen Langzeitstudien aus
Wer eine gesunde Thymusdrüse hat, lebt länger und wird seltener krank. Außerdem sind Immuntherapien bei Patient*innen mit gesundem Thymus häufiger erfolgreich. Dies zeigen zwei internationale Studien unter Beteiligung der Universitätsmedizin Frankfurt. Aus den Ergebnissen, die jetzt in der Fachzeitschrift Nature erschienen sind, ergeben sich neue Ansätze für den Erhalt der Gesundheit im Alterungsprozess.
FRANKFURT. Der Thymus ist ein kleines Organ im oberen Brustraum, das eine zentrale Rolle für das Immunsystem spielt: Er bildet T-Zellen aus – spezialisierte Immunzellen, die Krankheitserreger erkennen und bekämpfen. Lange galt der Thymus als „Kinderorgan“, das im Erwachsenenalter kaum noch Bedeutung hat, da es sich im Laufe des Lebens zurückbildet bzw. verfettet. Neue Studien stellen diese Annahme grundlegend infrage.
„Die Veröffentlichungen in Nature unterstreichen die außergewöhnliche wissenschaftliche und klinische Relevanz dieser Arbeiten. Sie zeigen eindrucksvoll, welchen Beitrag moderne Bildgebung leisten kann, um bislang unterschätzte biologische Zusammenhänge sichtbar zu machen“, sagt Prof. Dr. Thomas Vogl, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Universitätsmedizin Frankfurt. „Wenn es gelingt, die Thymusgesundheit rechtzeitig und zuverlässig zu analysieren, lassen sich individuelle Krankheitsrisiken deutlich früher erkennen und gezielt gegensteuern – lange bevor klinische Symptome auftreten.“ Die Thymusgesundheit, bestimmt anhand routinemäßig erhobener computertomographischer Bilddaten, könnte damit einen neuen Ansatz bieten, Krankheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und gezielt präventive Maßnahmen einzuleiten. In der Bildgebung lässt sich die Thymusgesundheit über den Grad der Verfettung beurteilen. Weniger Verfettung spricht dabei tendenziell für eine bessere Immunfunktion.
Bahnbrechende Erkenntnisse aus Langzeitstudien
Zwei internationale Studien unter Federführung der Harvard University (Boston) und weiterer Forschungspartner in Maastricht, Aarhus, London und Frankfurt stützen diese These. Dr. Simon Bernatz, Erstautor der Publikation, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt, erklärt: „Unsere Analysen zeigen erstmals, dass die Thymusgesundheit ein unabhängiger Vorhersagewert für Überleben und Krankheitsrisiken ist. Besonders bemerkenswert ist, dass wir diese Informationen aus routinemäßigen computertomographischen (CT) Aufnahmen gewinnen konnten.“
Die Forschenden entwickelten ein Deep-Learning-Framework, eine künstliche Intelligenz, um CT-Aufnahmen zu quantifizieren. Sie analysierten mehr als 27.000 CT-Scans, die im Rahmen zweier großer US-amerikanischer Langzeitstudien angefertigt wurden: das National Lung Screening Trial (NLST), das sich über zwölf Jahre lang mit der Lungengesundheit bei aktuellen oder ehemaligen Raucherinnen und Rauchern beschäftigt hat, und die Framingham Heart Study (FHS), eine der bekanntesten und beständigsten medizinischen Studien zur Herz-Kreislauf-Gesundheit.
In beiden unabhängigen Kohorten war eine gute Thymusgesundheit eng mit besseren gesundheitlichen Ergebnissen verknüpft. In der NLST-Studie ging sie mit niedrigerer Gesamtsterblichkeit (50 Prozent), geringerer Lungenkrebsinzidenz (36 Prozent) und reduzierter kardiovaskulärer Mortalität (63 bis 92 Prozent) einher. Die FHS-Kohorte bestätigte den Zusammenhang niedrigerer Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Rauchen.
Neue Perspektiven in der Krebsmedizin: Thymus als Biomarker
Eine zweite aktuelle Studie derselben Autorinnen und Autoren erweitert diese Erkenntnisse entscheidend und legt nahe, dass die Gesundheit des Thymus auch den Erfolg moderner Immuntherapien bei Krebs vorhersagen kann. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 3.400 Krebspatientinnen und -patienten analysiert, die mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurden. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen und Patienten mit einer hohen Thymusgesundheit deutlich bessere Behandlungsergebnisse aufwiesen. Dies galt insbesondere für Lungenkrebs und Melanome, aber auch für Brust- und Nierenkrebs.
Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang unabhängig von etablierten tumorbasierten Biomarkern wie PD-L1 oder der Tumormutationslast (TMB) bestand. Die Thymusgesundheit liefert somit zusätzliche Informationen, da sie nicht den Tumor selbst, sondern die Leistungsfähigkeit des Immunsystems widerspiegelt. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass eine gute Thymusfunktion mit einer höheren Vielfalt von T-Zell-Rezeptoren und einer insgesamt stärkeren Immunantwort verbunden ist.
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Thymusgesundheit auch ein entscheidender, bislang unterschätzter Faktor für den Erfolg von Immuntherapien ist. Sie könnte künftig helfen, Therapien gezielter auszuwählen und individueller auf Patientinnen und Patienten abzustimmen“, so Dr. Simon Bernatz.
Thymus als Schlüsselorgan für gesundes Altern
Die Ergebnisse belegen erstmals umfassend, dass der Thymus auch im Erwachsenenalter eine aktive und entscheidende Rolle spielt. Ein gesunder Thymus scheint dazu beizutragen, dass das Immunsystem langfristig stabil bleibt, Entzündungsprozesse besser kontrolliert werden und der Körper wirksamer vor altersbedingten Erkrankungen geschützt ist. Damit rückt der Thymus in den Fokus als zentraler Regulator des immunvermittelten Alterns und der allgemeinen Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter.
Eine weitere Erkenntnis: Thymusgesundheit hängt eng mit beeinflussbaren Lebensstilfaktoren zusammen. Negative Einflüsse ergeben sich insbesondere durch Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel, aber auch durch chronische Entzündungsprozesse, wie sie etwa durch ungesunde Ernährung oder anhaltenden Stress begünstigt werden. Umgekehrt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil die Funktion des Thymus positiv beeinflussen kann und damit sowohl die allgemeine Gesundheit als auch möglicherweise den Erfolg medizinischer Behandlungen verbessert.
Bedeutung für Forschung und Therapie
Die Ergebnisse verschieben das Bild des Thymus grundlegend: von einem vernachlässigten Organ der Kindheit zu einem zentralen Regulator von Immunalterung und Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter. Als Biomarker könnte er künftig die Früherkennung von Risikopatientinnen und -patienten verbessern, die Auswahl geeigneter Immuntherapien steuern und den Behandlungszeitpunkt optimieren. Darüber hinaus rücken gezielte Strategien zur Stärkung oder Regeneration des Thymus in den Fokus der Forschung. Die Gesundheit dieses kleinen Organs kann entscheidenden Einfluss auf Lebensqualität, Lebenserwartung und Therapieerfolg haben.
Publikationen:
(1) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Yumeng Cao, Jiachen Chen, Asya Lyass, Borek Foldyna, Leonard Nürnberg, Keno Bressem, Christopher Abbosh, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Michael T. Lu, Joanne M. Murabito, Kathryn L. Lunetta, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health consequences in adults. Nature (2026) https://doi.org/10.1038/s41586-026-10242-y
(2) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Alessandro Di Federico, Andrew Rowan, Selvaraju Veeriah, Lars Dyrskjøt, Leonard Nürnberg, Joao V. Alessi, Patrick A. Ott, Elad Sharon, Allan Hackshaw, Nicholas McGranahan, Christopher Abbosh, Raymond H. Mak, Danielle Bitterman, Mark Awad, Biagio Ricciuti, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health and immunotherapy outcomes in patients with cancer. Nature (2026) https://www.nature.com/articles/s41586-026-10243-x
Bilder zum Download:
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Bildtext: Der Thymus kann unterschiedlich gesund sein: Computertomographie eines gesünderen (links) und eines weniger gesunden Thymus (rechts). Foto: Bernatz et al., Nature (2026) https://doi.org/10.1038/s41586-026-10243-x
Weitere Informationen
Dr. Simon Bernatz
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Die Universitätsmedizin Frankfurt, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden hochschulmedizinischen Einrichtungen Deutschlands. Sie bietet ihren Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 33 Kliniken und klinischen Instituten. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Universitätsmedizin und Fachbereich Medizin betreiben mehr als 20 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die diagnostische und therapeutische Praxis. Rund 1.300 stationäre und tagesklinische Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Kliniken und Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen. Jährlich werden circa 46.000 stationäre und mehr als 480.000 ambulante Patientinnen und Patienten betreut.
Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt die Universitätsmedizin unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie und Neurochirurgie nimmt sie besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Das Leberzentrum ist die einzige Einrichtung für Lebertransplantation in Hessen. Ein Alleinstellungsmerkmal gemäß Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz besteht für die Region Frankfurt-Offenbach neben der Herzchirurgie auch für die Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Dermatologie und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mehr als 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.
Die Goethe-Universität ist eine weltoffene Werkstatt der Zukunft mitten in Europa. Sie entstand 1914 als Gründung Frankfurter Bürger und knüpft seit 2008 als Stiftungsuniversität wieder an diese Tradition an: als autonome Bürger*innen-Universität eingebettet in die Stadtgesellschaft und mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Teilhabe und Förderung. Die Goethe-Universität gehört mit mehr als 40.000 Studierenden zu den größten und forschungsstärksten Universitäten Deutschlands und zu den größten Arbeitgebern in Frankfurt.
Die Goethe-Universität ist eine international aufgestellte Volluniversität, die sich durch exzellente Forschungsschwerpunkte in sechs interdisziplinären, fachbereichsübergreifenden Profilbereichen ebenso auszeichnet wie durch die Vielfalt ihrer Fächer in Geistes-, Sozial-, Gesellschafts-, Natur- und Lebenswissenschaften und Medizin. Mit der TU Darmstadt und der Universität Mainz bildet sie das Bündnis Rhein-Main-Universitäten (RMU, https://www.rhein-main-universitaeten.de/). Sie gehört den „German U15“ an, dem Zusammenschluss der 15 forschungsstärksten medizinführenden Universitäten Deutschlands, und bildet zusammen mit 15 außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet das Wissenschaftsnetzwerk „Frankfurt Alliance“. www.goethe-universitaet.de
500 Teilnehmende werden an der Goethe-Universität erwartet: 7.-11. April 2026, Campus Westend
FRANKFURT. Unter der Schirmherrschaft des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein hält der Deutsche Altphilologenverband vom 7. bis zum 11. April 2026 seinen Bundeskongress in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klassische Philologie an der Goethe-Universität ab. Dabei handelt es sich um die größte, alle zwei Jahre ausgerichtete Fortbildungsveranstaltung für Latein- und Griechischlehrer, zumindest im deutschsprachigen Raum, wahrscheinlich sogar weltweit (ca. 500 erwartete Teilnehmer).
In Vorlesungen und Workshops sprechen Fachwissenschaftler (darunter drei Leibnizpreisträger) und Fachdidaktiker zum Oberthema „Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen – exempla et errores“. Daneben wird aber auch zu spektakulären Neufunden aus dem Bereich der Gräzistik vorgetragen: Prof. Oliver Primavesi (München) zum neuesten Fragment des frühgriechischen Philosophendichters Empedokles, Prof. Christian Marek (Zürich) zu einer im kleinasiatischen Teos gefundene Schmähinschrift, die er dem Dichter Anakreon zuschreibt. Die Verbundenheit zwischen Universität und Stadt zeigt sich nicht nur in Exkursionen in das Städel, das Liebieghaus und die Saalburg, sondern auch darin, dass das altsprachliche Lessing-Gymnasium einige Räume für den Kongress zur Verfügung stellt.
In der feierlichen Eröffnung am Abend des 7. April, an dem neben der Universitätsleitung auch Bürgermeisterin Dr. Eskandari-Grünberg und Staatssekretär Dr. Lösel vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen Grußworte sprechen werden, soll unter anderem der Humanismuspreis des Deutschen Altphilologenverbandes an die britische Altertumswissenschaftlerin Mary Beard verliehen werden, die durch ihre Bücher und ihre Beiträge in Presse und Fernsehen ein breites Publikum für Geschichte und Kultur der Römer begeistert.
Der Leiter des mit der Organisation betrauten Ortkommitees, Prof. Hans Bernsdorff vom Institut für Klassische Philologie, erklärt dazu: „Mit der Wahl von Frankfurt als Austragungsort seines Bundeskongresses unterstreicht der Deutsche Altphilologenverband die Bedeutung der Gräzistik, der Latinistik und der anderen Altertumswissenschaften an der Goethe-Universität. Zugleich wird die Verbindung zwischen dem Institut für Klassische Philologie und Museen und den altsprachlichen Gymnasien der Stadt Frankfurt unterstrichen, die eine bis auf die Reformation zurückgehende humanistische Tradition besitzt.“
Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich eingeladen, von der Veranstaltung zu berichten.
Weitere Informationen:
https://bundeskongress.altphilologenverband.de/
Kontakt: Prof. Dr. Hans Bernsdorff, Institut für Klassische Philologie, Goethe-Universität Frankfurt. bernsdorff@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Die Daten der Frankfurter Arbeitsmediziner*innen tragen zu Prävention und besserer Anerkennung der Arbeitsbelastung bei
Professioneller Tanz ist Hochleistungssport und birgt viele Risiken für Verschleiß und Verletzungen. Forschende der Goethe-Universität Frankfurt haben die Belastungen für das Muskel-Skelett-System nun erstmals exakt vermessen. Als Versuchspersonen dienten ihnen 28 professionelle Tänzerinnen und Tänzer. Diese trugen während des Ballett-Trainings Spezialanzüge mit eingebetteten Sensoren. Die Analyse der aufgezeichneten Daten ergab für sämtliche Trainingsphasen hohe Belastungen. Die Ergebnisse tragen dazu bei, Maßnahmen zu entwickeln, um die Verletzungsrisiken zu reduzieren. Außerdem verbessern sie die Anerkennung der hohen Arbeitsbelastung.
FRANKFURT. Ballett ist nicht zuletzt die Kunst der Illusion: Die Tanzenden schweben über die Bühne und scheinen bei ihren Sprüngen für einen Moment den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen. Von der Anstrengung, die diese Leichtfüßigkeit und Anmut erfordern, bekommt das Publikum meist nichts mit. „Doch professioneller Tanz ist Hochleistungssport“, betont Prof. Eileen Wanke vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universität Frankfurt. „Er erfordert enorme Körperbeherrschung und Athletik, die sich nur durch viele Jahre intensives Training ausbilden lassen.“
Wanke weiß, wovon sie spricht: Sie ist früher selbst als Tänzerin aufgetreten. Heute steht sie nicht mehr auf der Bühne, sondern interessiert sich aus dem medizinischen Blickwinkel für ihre Leidenschaft. Denn die hohe Belastung bei Training, Proben und Auftritten fordert ihren Tribut: Die Hälfte aller Tänzerinnen und Tänzer haben mindestens einmal pro Jahr einen Arbeitsunfall. Besonders häufig sind Zerrungen und Verstauchungen an Beinen, Sprunggelenken und Füßen sowie Verletzungen des unteren Rückens. Viele arbeiten temporär unter Schmerzen und nehmen das auf sich, weil sie für ihren Beruf brennen. 25 Prozent von ihnen haben mit Ende 20 mindestens eine Arthrose; in der Allgemeinbevölkerung liegt diese Zahl deutlich unter 5 Prozent.
Spezialanzüge mit Sensoren
Objektive Messungen zu den Belastungen beim professionellen Tanz sind bislang rar. In diese Lücke stößt nun die neue Studie, an der auch das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen sowie die Unfallkassen Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen beteiligt waren. Für die Datenerhebung nutzten Wanke und ihr Team zusammen mit dem österreichischen Physiker und Biomechaniker PD Dr. Christian Maurer-Grubinger eine innovative Methode: Die Versuchspersonen – 16 Tänzerinnen und 12 Tänzer des Oldenburger Staatstheaters sowie des Theaters Kiel – trugen während des Trainings Spezialanzüge mit eingebetteten Sensoren. Diese registrierten 240-mal pro Sekunde Beschleunigung und Lage von Kopf, Torso, Armen, Handgelenken, Beinen und Füßen der Beteiligten. Diese Werte wurden per Funk an einen Computer übermittelt und dort analysiert.
„Wir nutzten dazu ein System, das in der Arbeitsmedizin zur Ermittlung von Belastungen weit verbreitet ist“, betont Wanke. „Normalerweise werten dazu menschliche Beobachterinnen und Beobachter die typischen Bewegungen in bestimmten Berufen aus, beispielsweise durch die Analyse von Videoaufzeichnungen. Bei unserem System erfolgt die Datenerfassung dagegen über ein Programm, das speziell für unser Projekt entwickelt wurde.“ Jeder Bewegung oder Körperhaltung wird ein bestimmter Punkwert zugeschrieben. Je stärker Gelenke, Muskeln, Bänder und Sehnen beansprucht werden, desto höher fällt dieser REBA-Score aus (das Kürzel steht für „Rapid Entire Body Assessment“).
Verletzungsrisiko beim Training
„Unsere Versuchspersonen verbrachten mehr als 60 Prozent der Trainingszeit in einem Bereich mit einem mittleren und 30 Prozent mit einem hohen Verletzungsrisiko“, nennt Wanke ein zentrales Ergebnis der Analyse. Bereits im Training ist das Risiko also sehr hoch, obwohl es ja eigentlich nicht nur dem Erhalt der Technik, sondern gerade auch der Verletzungsprophylaxe dienen soll. Die Tänzerinnen trainierten zudem in einem höheren Risikobereich als die Tänzer; sie waren also im Schnitt einem höheren ergonomischen Stress ausgesetzt. Das liegt unter anderem an ihrem etwas anderen Körperbau, wodurch manche Bewegungen oder Körperhaltungen mit größeren Belastungen einhergehen.
Das klassische Tanz-Training hat sich seit mehr als 300 Jahren kaum verändert. Es gliedert sich in drei Phasen: In Phase 1 erfolgen Übungen an der Stange, in Phase 2 und 3 im gesamten freien Raum - zunächst langsame Bewegungsfolgen, dann Pirouetten und zum Abschluss schließlich weite Sprünge. Die Dynamik der Übungen nimmt also im Verlauf des Trainings zu. Damit steigen auch die Anforderungen an das Herzkreislaufsystem sowie an Konzentration, Koordination und Körperbeherrschung. „Studien zeigen, dass gerade in Phase 3 die Konzentration bereits nachlässt und sich daher Fehler und Ungenauigkeiten häufen“, erklärt Wanke.
Möglichkeiten zur Optimierung
Insgesamt legen die Daten nahe, besonders anspruchsvolle dynamische Übungen vorzuziehen. So ähnlich macht man es in anderen Sportarten auch. Möglicherweise könnte man das Training zudem genderspezifischer gestalten und an die unterschiedlichen Anforderungsprofile der beiden Geschlechter und des Theaters anpassen. Auch organisatorische Veränderungen an den Spielstätten könnten dazu beitragen, die Gefahr von Verletzungen und Verschleißerkrankungen zu mindern. So sind Knochen, Muskeln und Gelenke bei Sprüngen hohen Kräften ausgesetzt - insbesondere bei der Landung. Spezielle Tanzböden können diese Belastungen deutlich reduzieren. Viele Häuser verfügen zwar über entsprechend ausgestattete Trainingsräume. Doch auf den Probebühnen und Bühnen fehlen diese noch zu oft.
Möglicherweise lassen sich auch die vorhandenen Böden noch optimieren. Denn welche konstruktiven Maßnahmen speziell beim Tanz am besten wirken, um die auftretenden Kräfte zu verringern, wurde noch nicht systematisch untersucht. „Das wäre sicher ein Thema für ein separates Forschungsprojekt“, meint Wanke.
Publikation: Verena Fehringer, Christian Maurer-Grubinger, Fabian Holzgreve, Daniela Ohlendorf, Eileen M. Wanke: Ergonomic Risk Assessment of Professional Dance Using Motion Capture with Ergonomic Evaluation by the Rapid Entire Body Assessment (REBA). Sensors (2026) https://doi.org/10.3390/s26010070
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/184114534
Bildtext: Die Spezialanzüge der Tänzer übertragen die Bewegungen verschiedener Körperteile an einen Computer, wo die Belastungen analysiert werden. Bilder: Eileen Wanke, Goethe-Universität Frankfurt
Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen hat über das Projekt zwei Filme erstellt:
Kurzfassung: https://www.youtube.com/watch?v=31u-bdz1yR0
Langfassung: https://www.youtube.com/watch?v=Iu2gcviNzcs
Weitere Informationen
Prof. Dr. Dr. Eileen Wanke
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Goethe-Universität Frankfurt
Wanke@med.uni-frankfurt.de
Bluesky: @goetheuni.bsky.social
LinkedIn: @Goethe-Universität Frankfurt @Eileen Wanke @Unfallkasse NRW @Unfallkasse Freie Hansestadt Bremen
Internationales Forschungsteam analysiert prähistorische Zähne Europäischer Waldelefanten
Fossile Zähne können erstaunlich viele Informationen bewahren, weil Zahnschmelz langsam wächst und Schicht für Schicht Daten über die Umwelt speichert. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung von Wissenschaftler*innen der Allianz der Rhein-Main-Universitäten konnte jetzt die Lebensgeschichte vier Europäischer Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) anhand der Analyse ihrer Zähne rekonstruieren. Die Elefanten – deutlich größer als heutige Arten – waren die größten Landsäugetiere des prähistorischen Europas und lebten während der letzten Warmzeit vor rund 125.000 Jahren. Eine Studie von 2023 hatte gezeigt, dass sie zur Jagdbeute von Neandertalern gehörten.
FRANKFURT. Neumark-Nord im Nordosten Deutschlands, eine ehemalige Seenlandschaft aus der letzten Warmzeit, ist reich an archäologischen Funden, die beim Braunkohletagebau entdeckt wurden. Das Gebiet in Sachsen-Anhalt zählt zu den wichtigsten europäischen paläontologischen Fundstellen des Europäischen Waldelefanten Palaeoloxodon antiquus. Dort wurden die fossilen Überreste von mehr als 70 Elefanten entdeckt, die in dieser Gegend einst von Neandertalern erlegt worden waren. Durch diese außergewöhnliche große Anzahl gibt der Fundort zudem einen einzigartigen Einblick in die Beziehung zwischen diesen großen Tieren und den Menschen des Pleistozäns.
Ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, den Niederlanden und den USA hat jetzt die Zähne von vier der Elefanten genauer untersucht. Mit einem innovativen Ansatz, der die Analyse von Isotopen (Kohlenstoff, Sauerstoff und Strontium) und Proteine (Paläoproteomik) kombiniert, rekonstruierten die Forschenden das Wanderverhalten, die Ernährung und sogar das Geschlecht mehrerer Individuen. Isotopenanalysen des Elements Strontium entlang der Wachstumsrichtung der Backenzähne zeigten, dass sich die Elefanten über mehrere Jahre hinweg in unterschiedlichen europäischen Regionen aufhielten. Die Daten wurden von Elena Armaroli und Federico Lugli in Frankfurt unter der Leitung von Prof. Wolfgang Müller erhoben, einem der Leiter des Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE) der Goethe-Universität. Die Analysen von Kohlenstoff und Sauerstoff wurden am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz durchgeführt.
Elena Armaroli, Postdoktorandin an der Universität Modena und Reggio Emilia (UNIMORE) in Italien und Erstautorin der Studie, erklärt: „Dank Isotopenanalysen können wir die Bewegungen von Elefanten fast so nachvollziehen, als hätten wir ein Tagebuch ihrer Reisen, das über mehr als hunderttausend Jahre hinweg in ihren Zähnen konserviert worden ist.“
„Einige der untersuchten Elefanten waren Tiere, die sich nicht nur in einem Gebiet aufhielten“, erklärt Federico Lugli, außerordentlicher Professor an der UNIMORE und wie Armaroli verantwortlicher Autor. „Ihre Zähne zeigen, dass sie sehr große Distanzen zurücklegten – bis zu 300 Kilometer –, bevor sie das heutige Neumark-Nord erreichten. Dadurch können wir ihre Aktionsräume in ihrem Lebensraum rekonstruieren und verstehen, wie diese Tiere die Landschaft nutzten.“
Das Forschungsteam identifizierte außerdem das Geschlecht der vier Elefanten: Es handelt sich um drei Bullen und – höchst wahrscheinlich – um eine Elefantenkuh. Zwei der Bullen zeigen Isotopensignaturen, die sich deutlich von denen unterschieden, die für die Gesteinsschichten in Neumark-Nord zu erwarten wären. Dies lässt darauf schließen, dass die Bullen – ähnlich wie das an heutige Elefanten tun – größere Territorien als die Elefantenkühe durchstreiften.
„Elena Armaroli schlussfolgert: „Die Konzentration der Überreste und das Profil der Tiere deuten darauf hin, dass die Neandertaler die Elefanten nicht erlegt haben, weil es gerade eine günstige Gelegenheit gab. Alles deutet auf eine organisierte Jagd hin, bei der sogar solch riesige Beutetiere gezielt erlegt werden konnten. Dafür mussten die Neandertaler die Landschaft gut kennen, zusammenarbeiten und planen.“
„Diese Studie markiert auch einen wichtigen methodischen Fortschritt“, betont Federico Lugli. „Zum ersten Mal wurde Paläoproteomik bei Europäischen Waldelefanten angewandt, wodurch wir das Geschlecht einzelner Tiere anhand von Proteinen bestimmen konnten, die im Zahnschmelz erhalten sind.“
Die Studie ist die jüngste in einer Reihe laufender wissenschaftlicher Analysen von Fundmaterial aus dem ehemaligen Braunkohletagebau Neumark-Nord. Die Forschungsprojekte werden von einem gemeinsamen Team des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS in Neuwied – einer Einrichtung des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) –, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Universität Leiden durchgeführt. Möglich wurden sie durch die kontinuierliche Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.
Ziel der Forschungsprojekte ist es, die verschiedenen Dimensionen des ökologischen Fußabdrucks der Neandertaler genauer zu bestimmen. Die Ergebnisse zeigen, dass Neandertaler als Sammler und Jäger aktiv waren, die innerhalb eines reichen Seeufer-Ökosystems agierten. Der Fundort gibt Hinweise darauf, dass die Menschen Tierkörper organisiert an verschiedenen Stellen zerlegten und aus großen Säugetieren Fett in großem Maßstab gewannen. Außerdem verzehrten sie pflanzliche Nahrung wie Haselnüsse und Eicheln. Neandertaler scheinen die Ressourcen dieses Ökosystems immer wieder genutzt zu haben und veränderten möglicherweise sogar die Landschaft durch den Einsatz von Feuer. Dazu sind sie wahrscheinlich in größeren sozialen Gruppen organisiert gewesen als bisher angenommen wurde.
„Was wir in Neumark-Nord sehen, ist kein Bild bloßen Überlebens, sondern das einer Population, die ihre Umwelt verstand und über einen Zeitraum von mindestens 2.500 Jahren aktiv und auf komplexe Weise mit ihr interagierte“, sagt Studienautorin Sabine Gaudzinski-Windheuser, Professorin für vor- und frühgeschichtliche Archäologie an der JGU und Leiterin von MONREPOS.
„Zumindest einige der männlichen Elefanten, die in Neumark entdeckt wurden, verbrachten einen Teil ihrer Adoleszenz und ihres frühen Erwachsenenalters außerhalb der Neumarker Seenlandschaft. Ob Neumark ein Anziehungspunkt für Elefanten aus verschiedenen Regionen war, die sich hier versammelten, oder ob das Gebiet um Neumark die Heimatpopulation von Elefanten darstellte, deren Individuen das Gebiet zeitweise verließen, lässt sich allein anhand von Isotopen nicht bestimmen“, sagt der der Ko-Autor Prof. Thomas Tütken von der Arbeitsgruppe für Angewandte und Analytische Paläontologie der JGU. „Um die Populationsdynamik der Neumarker Elefanten – und damit auch die neandertalerzeitliche Jagd in Neumark – besser zu verstehen, haben wir eine genetische Untersuchung der Neumarker Elefanten begonnen“, ergänzt Dr. Lutz Kindler, Mitglied des Neumark-Nord-Teams und Wissenschaftler in MONREPOS und an der JGU.
Partner:
Universität von Modena und Reggio Emilia, Italien
Goethe Universität Frankfurt, Deutschland
California Institute of Technology, Davis, USA
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland
MONREPOS Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution, Neuwied, Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), Deutschland
Universität Leiden, Niederlande
University of California, Davis, USA
Max-Planck-Institute für Chemie, Mainz, Deutschland
Columbia University, New York, USA
Publikation: Elena Armaroli, Federico Lugli, Théo Tacail, Lutz Kindler, Sabine Gaudzinski-Windheuser, Fulco Scherjon, Wil Roebroeks, Glendon Parker, Hubert Vonhof, Anna Cipriani, Thomas Tütken, Wolfgang Müller: Life histories of straight-tusked elephants from the Last Interglacial Neanderthal site of Neumark-Nord (~125 ka). Science Advances (2026) https://doi.org/10.1126/sciadv.adz0114
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/183947150
Bildtext: Vor 120.000 Jahren waren Europäische Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) in Europa verbreitet. Bild: Hodari Nundu, CC-BY-4.0
Weitere Informationen
Prof. Dr. Federico Lugli
Laboratorio di Geochimica
Università degli Studi di Modena e Reggio Emilia
federico.lugli@unimore.it
https://www.geochem.unimore.it/chi-siamo/
Dr. Elena Armaroli
Dipartimento di Scienze Chimiche e Geologiche
Università degli Studi di Modena e Reggio Emilia
Tel. +39 3312563925
elena.armaroli@unimore.it
Prof. Dr. Wolfgang Müller
Institut für Geowissenschaften /
Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE)
Goethe Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 40291
w.muller@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/49540288/Homepage-Mueller
Dr. Lutz Kindle
LEIZA - Leibniz Zentrum für Archäologie, Standort Neuwied
MONREPOS Archaeological Research Centre and Museum for Human Behavioural Evolution
lutz.kindler@leiza.de
https://monrepos.leiza.de/
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Der bedeutende Philosoph und Soziologe hatte in Frankfurt den Schwerpunkt seines Werdens und Wirkens
Am Wochenende ist der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Haus in
Starnberg verstorben. Die Goethe-Universität trauert um ihren Emeritus, der der
Universität von 1964 bis 1971 als Nachfolger von Max Horkheimer auf dem
Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie und, nach seiner Zeit als Direktor des
Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der
wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg, erneut von 1983 bis zu seiner
Emeritierung 1994 als Professor für Philosophie angehörte.
FRANKFURT. Mit Jürgen
Habermas verliert die Goethe-Universität einen der weltweit bedeutendsten
Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts und den wichtigsten Vertreter der
zweiten Generation der „Frankfurter Schule“, der die von Theodor W. Adorno und
Max Horkheimer geprägte Kritische Theorie maßgeblich weiterentwickelt hat.
Zugleich war Jürgen Habermas der einflussreichste öffentliche Intellektuelle
der Bundesrepublik Deutschland, dessen Stimme auch im wiedervereinigten
Deutschland nach 1990 und weit über Deutschland hinaus wahrgenommen wurde.
„Habermas' Beiträge zu einer philosophischen Theorie
kommunikativer Vernunft, zur Grundlegung einer Theorie vernünftiger Freiheit
und gesellschaftlicher Gerechtigkeit, zur Normativität und
Institutionalisierung des Rechts und zur Rolle von Religion in säkular-pluralistischen
Gesellschaften haben zu einer weltweiten Rezeption und zu lebendigen Debatten
eingeladen, die an der Goethe-Universität Frankfurt bis auf den heutigen Tag
weitergeführt werden“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff in
Würdigung des Verstorbenen. „So wirken seine bahnbrechenden Arbeiten, aber auch
seine persönliche Präsenz an der Universität und seine vertrauensvolle Nähe zu
vielen Mitgliedern unserer Universität weit über die Lebensspanne dieses
außerordentlichen Forschers und einzigartigen Hochschullehrers hinaus. Sie
werden die Forschung und Lehre an der Goethe-Universität Frankfurt auch in
Zukunft im Verbund der Rhein-Main-Universitäten weiterhin nachhaltig prägen.“
Habermas hatte bereits 2011 einen Teil seines Vorlasses der
Goethe-Universität übergeben, einen weiteren 2025. Damit ist die Forschung zu
seinem Werk primär in Frankfurt verortet, dem Schwerpunkt seines Werdens und
Wirkens. Die Frankfurter Schule, die Kritische Theorie und das Werk von Jürgen
Habermas gehören zentral zum Selbstverständnis der Goethe-Universität, die in
disziplinärer Vielfalt Antworten auf gesellschaftliche Fragen erarbeiten will.
Bild
zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/184056055
Bildtext:
Jürgen
Habermas bei einem Vortrag an der Goethe-Universität zu seinem 90. Geburtstag
2019. Foto: Uwe Dettmar/Goethe-Universität
Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de
Interdisziplinäre Publikation mit studentischen Arbeiten zu Ökosystemforschung im Nördlinger Ries
Vor rund 15 Millionen Jahren durch einen Asteroideneinschlag entstanden, ist das Nördlinger Ries eine ganz besondere geologische Landschaft. Auch siedlungsgeschichtlich ist die Region hochinteressant. Dies veranschaulicht die jüngst erschienene erste Publikation zu den interdisziplinären Arbeiten zwischen Ipf und dem Kartäusertal am Westrand des Ries mit archäologischen, archäobotanischen und naturwissenschaftlichen Abschlussarbeiten, die an der Goethe-Universität und an der Universität Tübingen entstanden sind.
FRANKFURT. Ökosystemforschung befasst sich mit den Veränderungen von Landschaft und Umwelt durch den Eingriff des Menschen; mit diesem hochaktuellen Ansatz näherten sich Studierende der Goethe-Universität und der Uni Tübingen ihrem Forschungsgegenstand im Nördlinger Ries. Ausgangspunkt war der markante Berg Ipf mit einem der berühmten Fürstensitze Mitteleuropas der älteren Eisenzeit. Gefördert von einer Firmenstiftung, entstanden seit 2022 Studien zur Region zwischen dem Westrand des Ries bis ins Kartäusertal, das sich durch eine ungewöhnliche Dichte an mittelalterlichen Burgen auszeichnet.
Mit seiner markanten Kegelform ist der nördlich von Bopfingen gelegene Ipf weithin sichtbar. Der Berg, ein „Härtling“ des Weißen Jura, der – wie der Name schon sagt – aus sehr hartem Gestein besteht und nichts mit dem Asteroideneinschlag zu tun hat, könnte viel erzählen von der Jahrtausende langen Besiedelung durch Menschen: Er war Machtzentrum, Fürstensitz und Handelsknoten, die fruchtbaren Böden und Felder warfen reiche Ernten ab. Der Mensch und seine Tiere haben die Landschaft geformt, seit der Bronzezeit hat die intensive Holz- und Landwirtschaft das Erscheinungsbild deutlich verändert. Dies alles weiß man, weil Archäologen und Naturwissenschaftler seit vielen Jahren versuchen, die Vergangenheit des Nördlinger Ries ans Licht zu bringen. Archäologe Prof. Rüdiger Krause und Archäobotanikerin Prof. Astrid Stobbe, beide Goethe-Universität, haben dazu Wesentliches beigetragen.
Aus zwei DFG-Schwerpunktprogrammen und mehreren, ebenfalls von der DFG geförderte Einzelprojekte gingen u.a. archäologische, archäobotanische und geomorphologische Daten hervor. Um die Erkenntnisse zu verdichten, wurden diese Meta-Daten seit 2022 in einem weiteren Projekt ausgewertet und durch zusätzliche Forschungen ergänzt – mit dem Ziel, vier Jahrtausende Kulturgeschichte zu rekonstruieren. Erste Ergebnisse sind jetzt in einer ansprechend gestalteten Publikation nachzulesen. Die Beiträge, darunter vor allem auch studentische Arbeiten, vermitteln Wissenschaft auf für den interessierten Laien verständliche Weise und geben detaillierte Einblicke in das Vorgehen der Forscherinnen und Forscher. Großformatige Fotografien und Grafiken veranschaulichen die Ergebnisse der Forschungen. Gefördert wurden sowohl das Projekt als auch die Publikation durch die Firmenstiftung Kessler + Co für Bildung und Kultur mit Sitz in Abtsgmünd im Ostalbkreis (Baden-Württemberg).
Zum Umfeld des Ipf zählt eine Siedlung der Eisenzeit am Ohrenberg, in der sogar das Schmelzen von Bronzen und die Fertigung von zahlreichen Gegenständen wie etwa Fibeln (Gewandnadeln) belegt ist. Eine Besonderheit ist hier auch der Nachweis der Glasverarbeitung in keltischer Zeit, denn blaues Glas wurde wieder eingeschmolzen (recycelt) und neue Glasartefakte wie Perlen und Armringe hergestellt. Die Landschaft bietet aber noch mehr Stoff für die Rekonstruktion von Lebensverhältnissen insbesondere im Kartäusertal. Während der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert nach Chr. wurden drei kleine Befestigungen attackiert, wovon Hunderte Pfeilspitzen aus Eisen zeugen. Aus karolingischer Zeit sind Mühlen und Siedlungen überliefert, aus dem Hochmittelalter drei Steinburgen, aus dem Spätmittelalter das Kloster Christgarten. Im Dreißigjährigen Krieg wurden auf dem Albuch in der berühmten Schlacht von Nördlingen an einem Tag mehr als 10.000 Soldaten niedergemetzelt, weite Landstriche und Dörfer verwüstet.
Durch die Zusammenschau der Teile vermittelt der Sammelband ein umfassendes Gesamtbild: wie mit Hilfe von Pollenanalysen aus Feuchtarchiven wie Mooren die Vegetation rekonstruiert wurde, wie sich die Gegend durch die Jahrhunderte von einer Wald- in eine Kulturlandschaft verwandelte. Mehrere studentische Abschlussarbeiten werden vorgestellt: So hat Elaine Schneider in ihrer Masterarbeit Strontiumanalysen an Tierzähnen durchgeführt, um Erkenntnisse über die Weidewirtschaft und die Mobilität von Haustieren zu gewinnen. Denn in Zähnen lagert sich Strontium an, welches Hinweise auf die Aufenthaltsorte von Individuen geben kann. Elsa Jansen hat für ihre Bachelorarbeit die historische Topographie im Retzenbach- und Kartäusertal erforscht. Jonathan Schmidt hat die Bronzeverarbeitung in der Siedlung am Ohrenberg untersucht, Simone Pivesan das Schmelzen von Glas und den Reichtum an Glasartefakten analysiert. Hinzu kommt eine historisch-topographische Landschaftsstudie durch den Nördlinger Geologen Kurt Kroepelin und die erstmalige Präsentation der Untersuchungen in den Trichter- oder Wassergruben für die Wasserversorgung am Ipf. Lisa Bringemeier hat im Rahmen ihrer Dissertation Bohrkerne pollenanalytisch ausgewertet, eine wichtige Grundlage für die Rekonstruktion der Vegetation und Landwirtschaft.
Die ausführlichen wissenschaftlichen Publikationen werden später in den Frankfurter Archäologischen Schriften erscheinen.
Bilder, Bildtexte sowie ein Flyer zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/184050433
Publikation:
Vier Jahrtausende Kulturgeschichte: Ökosystemforschung im Umfeld des frühkeltischen Fürstensitzes auf dem Ipf. Archäologisch-naturwissenschaftliche Studien am Westrand des Nördlinger Ries. Zusammengestellt von Prof. Dr. Rüdiger Krause und Prof. Dr. Astrid Stobbe. Bonn: Dr. Rudolf Habelt Verlag 2025. ISBN 978-3-16-148410-0
Weitere Informationen
Apl. Prof. Dr. Astrid Stobbe
Institut für Archäologische Wissenschaften
Telefon 069 798-32105
E-Mail stobbe@em.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Rüdiger Krause
Institut für Archäologische Wissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt am Main
E-Mail krause@em.uni-frankfurt.de
Morgen werden in der Frankfurter Paulskirche die diesjährigen Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preise verliehen
Für die Entdeckung der genomischen Prägung werden die Entwicklungsbiologen Davor Solter und Azim Surani am 14. März in der Frankfurter Paulskirche mit dem mit 120.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2026 ausgezeichnet. Sie haben entdeckt, dass wir manche Gene nur in einer aktiven Kopie erben. Ob das die mütterliche oder die väterliche Kopie ist, legt eine molekulare Aufschrift fest. Mit dieser Entdeckung begründeten die Preisträger die Epigenetik. Den Nachwuchspreis erhält der Neurologe Varun Venkataramani. Er hat entdeckt, dass bösartige Gehirntumore ihr Wachstum beschleunigen, indem sie Nervenstrom abzapfen. So wurde er zum Mitbegründer der Krebs-Neurowissenschaft.
FRANKFURT. Eine alte Grundregel der Genetik lautete: Jede unserer Körperzellen enthält zwei aktive Kopien desselben Gens. Davor Solter und Azim Surani setzten diese Grundregel 1984 außer Kraft. Sie wiesen nach, dass manche Gene nur in einer aktiven Kopie vererbt werden – entweder die mütterliche oder die väterliche Kopie ist dauerhaft stillgelegt. Dieser Nachweis gelang ihnen, indem sie zeitgleich und unabhängig voneinander eine Technik der Transplantation von Zellkernen anwandten, die Solter entwickelt hatte. Damit zeigten beide, dass Mäuseembryonen mit ausschließlich mütterlichem oder väterlichem Erbgut nicht überlebensfähig waren. Das aber hätte gemäß der geltenden Grundregel der Fall sein müssen. Säugetiere, zu denen wir Menschen gehören, sind also auf die vollständige Erbinformation beider Eltern angewiesen. Das unterscheidet sie von Tierarten, die ihren Nachwuchs auch durch Jungfernzeugung aus unbefruchteten Eizellen heranreifen lassen können. Der Grund: Von den beiden Kopien jedes Gens, die von Mutter und Vater beigesteuert werden, sind manche einseitig durch eine epigenetische Aufschrift in Form kleiner Moleküle auf ihrer Oberfläche abgeschaltet. Surani nannte dieses Phänomen genomische Prägung. „Diese Entdeckung war ein Wendepunkt der modernen Genetik“, erklärt der Vorsitzende des Stiftungsrates, Prof. Thomas Boehm. „Sie zeigte, dass unser Phänotyp nicht allein von unserem Genotyp bestimmt wird, sondern auch von epigenetischen Zeichen geprägt ist.“
Die genomische Prägung ist für eine gesunde Embryonalentwicklung erforderlich, weil sie das Ringen um begrenzte Ressourcen zwischen der Mutter und dem in ihr heranwachsenden Kind ausbalanciert. Die medizinische Bedeutung der genomischen Prägung geht weit über die Embryologie hinaus. Wir wissen heute, dass rund ein Prozent unserer Gene genomisch geprägt ist. Diese Gene sind in Signalkaskaden eingebunden, die auch im erwachsenen Organismus über Gesundheit oder Krankheit entscheiden. Die Entdeckung der genomischen Prägung eröffnete das Forschungsfeld der modernen Epigenetik, auf dem molekulare Vorgänge erkundet werden, die die Expression von Genen unabhängig von Veränderungen in deren Sequenz beeinflussen. Epigenetische Veränderungen spielen zum Beispiel bei Krebs eine Rolle – eine Erkenntnis, die bereits zur Entwicklung entsprechender Medikamente geführt hat.
Gehirntumore entstehen nicht aus Nervenzellen. Denn diese können sich – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr teilen. Die meisten Gehirntumore sind Gliome: Sie entspringen aus Gliazellen, die die Nervenzellen normalerweise stützen und ernähren. Varun Venkataramani hat entdeckt, dass Gliome Synapsen mit Nervenzellen des Gehirns bilden. Dadurch greifen sie elektrische Impulse ab, die ihre Teilung fördern und ihre Ausbreitung beschleunigen. Zusammen mit seinen Mentoren validierte und vertiefte er diese gänzlich unerwartete Beobachtung im Lauf der vergangenen zehn Jahre. So wurde er zum Mitbegründer des Forschungsgebietes „Cancer Neuroscience“ – und zum Türöffner einer neuen Therapieoption: Gehirntumore vom Stromnetz zu nehmen, um ihr Wachstum zu stoppen. Diese Option wird bereits in einer klinischen Prüfung der Phase II an Patienten erprobt.
Paul Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis 2026
https://tinygu.de/csQDp
Davor Solter, Jahrgang 1941, ist emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. Er hatte Gastprofessuren in Singapur und Bangkok inne und lebt heute im Bundesstaat der Maine der USA.
Azim Surani, Jahrgang 1945, ist Professor an der Universität von Cambridge in England und fungiert dort am Gurdon-Institut als Direktor für Keimbahn- und Epigenetikforschung.
https://www.gurdon.cam.ac.uk/people/azim-surani/
Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2026
https://tinygu.de/EIvyl
Varun Venkataramani, Jahrgang 1989, ist Neurologe am Universitätsklinikum Heidelberg und leitet eine Forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.
https://venkataramani-lab.com/
Weitere Informationen
Pressestelle der Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
E-Mail: j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de
Der Paul Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Preis
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ist der renommierteste Medizinpreis Deutschlands. Er ist mit 120.000 Euro dotiert und wird traditionell an Paul Ehrlichs Geburtstag, dem 14. März, in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Mit ihm werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt, die sich auf dem von Paul Ehrlich vertretenen Forschungsgebiet besondere Verdienste erworben haben, insbesondere in der Immunologie, der Krebsforschung, der Hämatologie, der Mikrobiologie und der Chemotherapie. Finanziert wird der seit 1952 verliehene Preis vom Bundesgesundheitsministerium, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. und durch zweckgebundene Spenden folgender Unternehmen, Stiftungen und Einrichtungen: Else Kröner-Fresenius-Stiftung, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, C.H. Boehringer Sohn AG & Co. KG, Biotest AG, Hans und Wolfgang Schleussner-Stiftung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Fresenius SE & Co. KGaA, F. Hoffmann-LaRoche Ltd., Grünenthal Group, Janssen-Cilag GmbH, Merck KGaA, Bayer AG, Georg von Holtzbrinck GmbH & Co.KG, GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, B. Metzler seel. Sohn & Co AG. Die Preisträger werden vom Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung ausgewählt. Eine Liste der Stiftungsratsmitglieder ist auf der Internetseite der Paul Ehrlich-Stiftung hinterlegt.
Der 2006 erstmals vergebene Paul Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis wird von der Paul Ehrlich-Stiftung einmal jährlich an einen in Deutschland tätigen Nachwuchswissenschaftler oder eine in Deutschland tätige Nachwuchswissenschaftlerin verliehen, und zwar für herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung. Das Preisgeld von 60.000 € muss forschungsbezogen verwendet werden. Vorschlagsberechtigt sind Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen sowie leitende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an deutschen Forschungseinrichtungen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch den Stiftungsrat auf Vorschlag einer achtköpfigen Auswahlkommission.
Die Paul Ehrlich-Stiftung
Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung, die treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität verwaltet wird. Ehrenpräsidentin der 1929 von Hedwig Ehrlich eingerichteten Stiftung ist Professorin Dr. Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die auch die gewählten Mitglieder des Stiftungsrates und des Kuratoriums beruft. Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung ist Professor Dr. Thomas Boehm, Direktor Emeritus am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, Vorsitzender des Kuratoriums ist Professor Dr. Jochen Maas. Prof. Dr. Wilhelm Bender ist in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität zugleich Mitglied des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung. Der Präsident der Goethe-Universität ist in dieser Funktion zugleich Mitglied des Kuratoriums.
Die Goethe-Universität ist eine weltoffene Werkstatt der Zukunft mitten in Europa. Sie entstand 1914 als Gründung Frankfurter Bürger und knüpft seit 2008 als Stiftungsuniversität wieder an diese Tradition an: als autonome Bürger*innen-Universität eingebettet in die Stadtgesellschaft und mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Teilhabe und Förderung. Die Goethe-Universität gehört mit mehr als 40.000 Studierenden zu den größten und forschungsstärksten Universitäten Deutschlands und zu den größten Arbeitgebern in Frankfurt.
Die Goethe-Universität ist eine international aufgestellte Volluniversität, die sich durch exzellente Forschungsschwerpunkte in sechs interdisziplinären, fachbereichsübergreifenden Profilbereichen ebenso auszeichnet wie durch die Vielfalt ihrer Fächer in Geistes-, Sozial-, Gesellschafts-, Natur- und Lebenswissenschaften und Medizin. Mit der TU Darmstadt und der Universität Mainz bildet sie das Bündnis Rhein-Main-Universitäten (RMU, https://www.rhein-main-universitaeten.de/). Sie gehört den „German U15“ an, dem Zusammenschluss der 15 forschungsstärksten medizinführenden Universitäten Deutschlands, und bildet zusammen mit 15 außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet das Wissenschaftsnetzwerk „Frankfurt Alliance“. www.goethe-universitaet.de
Studie im Auftrag der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität zeigt große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an
der Goethe-Universität hat heute (am 11.03.2026) eine neue Studie zur
islamischen Gefängnisseelsorge in Deutschland veröffentlicht. Autorin ist die
Religionswissenschaftlerin Dr. Sarah Jadwiga Jahn. Sie zeichnet die
Entwicklungen und Diskussionen zum Thema nach, legt den Stand der Umsetzung in
den einzelnen Bundesländern dar und formuliert Handlungsempfehlungen für
bislang ungelöste Herausforderungen.
FRANKFURT. Die von der
AIWG in Auftrag gegebene Studie zur Gefängnisseelsorge knüpft an die Ergebnisse
der Deutschen Islam Konferenz an, die 2017 grundlegende Empfehlungen zur
Seelsorge in Justizvollzugsanstalten formuliert hatte, eine davon war die
Einrichtung einer länderoffenen Arbeitsgruppe der Konferenz der
Justizministerinnen und Justizminister der Länder. Seitdem ist die
seelsorgerische Betreuung für Muslime auf Landesebene deutlich ausgebaut
worden. Wie die AIWG-Expertise mit dem Titel „Islamische Gefängnisseelsorge in
Deutschland. Strukturelle Grundlagen und Modelle im Justizvollzug der
Bundesländer“ zeigt, gibt es allerdings eine große Bandbreite im Angebot: Diese
reicht vom Einsatz Ehrenamtlicher bis hin zu Vereinbarungen zwischen einzelnen
Justizvollzugsanstalten und islamischen Gemeinden oder Vereinen. Während
beispielsweise Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie das Saarland keine
islamische Gefängnisseelsorge vorhalten, haben andere Bundesländer
Übergangsmodelle entwickelt oder arbeiten auf Grundlage von Modellprojekten.
Manche Bundesländer bieten islamische Seelsorge regulär an. Der deutsche Justizvollzug
hat das erklärte Ziel, zur Resozialisierung von Inhaftierten beizutragen;
insofern kann islamische Seelsorge als Bestandteil ganzheitlicher
Rehabilitationsmaßnahmen für jene muslimischen Gefangenen einen unterstützenden
Beitrag leisten, die religiöse Angebote annehmen, und dadurch potenziell
positive gesellschaftliche Effekte begünstigen.
Trotz positiver Entwicklungen auf diesem Gebiet bestehen weiterhin
ungelöste Herausforderungen, die einem flächendeckenden Ausbau des
seelsorgerischen Angebots für Musliminnen und Muslime entgegenstehen. So wäre
eine klare Abgrenzung der islamischen Gefängnisseelsorge von
Extremismusprävention und Deradikalisierung erforderlich, außerdem müsste ein
Zeugnisverweigerungsrecht erarbeitet werden, das islamische Seelsorgerinnen und
Seelsorger mit christlichen rechtlich gleichstellt und sie in ihrer Tätigkeit
schützt. Die Studie gibt Impulse und Beispiele dafür, wie Mindeststandards
sowohl in der Aus- und Weiterbildung bundesweit gesichert und angeglichen
werden können als auch für die genauere Definition der Aufgaben von Seelsorge
in Justizvollzugsanstalten. Wie eine dauerhafte Finanzierung durch die
Haushaltsmittel der Länder sichergestellt werden kann, ist noch offen.
Prof.
Dr. Bekim Agai, Direktor der AIWG, über die Ergebnisse der Expertise:
„An
den Zentren für islamisch-theologische Studien in Tübingen und Osnabrück
bestehen etablierte Ausbildungsstrukturen für die islamische Seelsorge.
Gleichzeitig gibt es in der Praxis noch kein klar definiertes Berufsbild und
kaum verlässliche Beschäftigungsperspektiven. Solche müssten jedoch für
Absolventinnen und Absolventen gegeben sein, damit sie mit ihrer Qualifikation
für eine qualitätsgesicherte seelsorgerische Praxis einen Einstieg in den
anspruchsvollen Beruf finden können.“
Die
AIWG-Expertise „Islamische Gefängnisseelsorge in Deutschland. Strukturelle
Grundlagen und Modelle im Justizvollzug der Bundesländer“ kann auf der
AIWG-Homepage kostenfrei heruntergeladen werden unter: AIWG-Expertisen - AIWG - Akademie für Islam in
Wissenschaft und Gesellschaft
Über die Autorin
Dr. Sarah Jadwiga Jahn forscht als Religions- und
Organisationswissenschaftlerin zur Wahrnehmung und zum Umgang mit religiöser
und kultureller Vielfalt in öffentlichen Einrichtungen (Polizei, Strafvollzug
und kommunale Verwaltung). Seit 2018 ist Jahn hauptamtliche Dozentin an der
Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV
NRW). Jahn wurde an der Universität Leipzig in Religionswissenschaft und
Soziologie zur positiven Religionsfreiheit im Strafvollzug promoviert. Seit
2012 publiziert sie zum Umgang mit religiöser Vielfalt im Strafvollzug.
Buchcover
zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/183596270
Weitere
Informationen
Stefanie
Golla-Dehmamy
Referentin
Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie
für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon
069 798-22459
E-Mail
golla@aiwg.de
Homepage
https://aiwg.de/
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de
FRANKFURT. Die neuen Regelungen für den Wehrdienst gelten seit dem 1. Januar. Doch wie geht es jungen Menschen damit? Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt haben eine bundesweite Onlinebefragung von 15- bis 30-Jährigen im Kontext der aktuellen Debatte gestartet. Für PD Dr. Severine Thomas und Dorothee Kochskämper, Universität Hildesheim, und Dr. Johanna Wilmes, Goethe-Universität Frankfurt aus dem Forschungsteam, besonders interessant: was die aktuelle Lage mit jungen Menschen macht. „Wir wollen wissen, was junge Menschen über den neuen Wehrdienst denken und wie es ihnen damit geht“, erklärt Thomas. „Und welche Stimmungen und Sorgen junge Menschen haben - auch angesichts aktueller Kriege und Krisen“, ergänzt Wilmes.
Grundlage für diese Überlegungen sind auch die Ergebnisse aus den bisherigen Befragungen zu Jugend und Corona. Diese haben gezeigt, wie belastet sich junge Menschen durch aktuelle Krisen fühlen. Viele fühlen sich von der Politik ungesehen und sorgen sich um ihre Zukunft. Von den neuen Wehrdienstregelungen sind sie nun direkt betroffen – und erleben eine verschärfte Sicherheitslage. Seit dem 1. Januar 2026 sind junge Männer ab Geburtsjahrgang 2008 verpflichtet, einen Fragebogen zu Motivation und Eignung auszufüllen. Für junge Frauen ist die Wehrerfassung freiwillig. Auch die Teilnahme am Wehrdienst selbst bleibt bisher freiwillig.
Weitere Informationen
Die Befragung läuft bis zum 27. März 2026 unter https://www.soscisurvey.de/JugendundWehrdienst
Die Teilnahme dauert ca. 10 Minuten. Bisherige Veröffentlichungen zur vorangegangenen Studienreihe Jugend und Corona I-V finden sich unter https://t1p.de/studien-corona
Kontakt zum Forschungsteam:
Universität Hildesheim | Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Dorothee Kochskämper: kochskaemper@uni-hildesheim.de
PD Dr. Severine Thomas: severine.thomas@uni-hildesheim.de
Universität Frankfurt | Fachbereich Erziehungswissenschaften
Johanna Wilmes: wilmes@em.uni-frankfurt.de
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de
Bundesforschungsministerium fördert Projekt PREVENT in Frankfurt, Bonn und München mit 3 Millionen Euro
Einst galt die „Pille“ als revolutionär, dann wurde sie zum gängigsten Verhütungsmittel, heute sehen Menschen die Kontrazeption mithilfe von Hormonen vielfach kritisch. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität und ihrer Kooperationspartner am Universitätsklinikum Bonn (UKB) und der Ludwig-Maximilians-Universität München hat jetzt das Projekt PREVENT zur Entwicklung nicht-hormoneller Verhütungsmittel gestartet. Die Forschenden wollen ein Verfahren zur Entwicklung neuartige Wirkstoffe zur Empfängnisverhütung bei Frau und Mann etablieren. PREVENT wird vom Bundesforschungsministerium bis 2029 mit 3 Millionen Euro gefördert.
FRANKFURT. In den 1970er-Jahren war die Antibabypille in den westlichen Staaten das am häufigsten verwendet Verhütungsmittel, in Deutschland zum Beispiel nahm jede dritte Frau „die Pille“. Sie ist sicher und zuverlässig, wird von der Krankenkasse bezahlt und galt vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren auch als Instrument weiblicher Selbstbestimmung.
Im Laufe der Zeit wurden jedoch eine Reihe Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmethoden bekannt, die – je nach Präparat – von beispielsweise Übelkeit, Gewichtszunahme und Spannungsgefühlen in den Brüsten bis zu Bluthochdruck, Leberfunktionsstörungen und Thrombosen reichen können. Einige Medikamente wie bestimmte Antibiotika oder Johanniskrautprodukte mindern die Wirksamkeit der Pille, bei verschiedenen Erkrankungen sollte sie nicht genommen werden.
Pille wird häufiger abgelehnt
Die Nebenwirkungen treten zwar vergleichsweise selten auf, tragen aber zur abnehmenden Akzeptanz der Pille bei: Jüngeren Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge verhüten seit 2023 weniger Frauen und Paare mit der Pille; insbesondere bei jüngeren Erwachsenen hat das Kondom die Pille als Verhütungsmittel Nummer eins abgelöst.
Ein Forschungsteam um Dr. Claudia Tredup und Prof. Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität, Prof. Daniel Merk von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Prof. Hubert Schorle vom UKB, der auch Mitglied in dem Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Life & Health“ der Universität Bonn ist, und Prof. Jean-Pierre Allam, Leiter der Andologie am UKB, arbeiten jetzt daran, besonders nebenwirkungsarme Verhütungsmittel zu entwickeln, die nicht auf Hormonwirkungen beruhen. Dazu haben sie das Projekt PREVENT („Precision Reproductive and contraceptive target discovery Network“) gestartet und eine dreijährige Projektförderung vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eingeworben.
Wirkstoffe für neue Verhütungsstrategien
PREVENT-Projektleiterin Dr. Claudia Tredup vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität erläutert: „Hormonelle Verhütungsmethoden wie zum Beispiel die Antibabypille verändern die Hormon-Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken und greifen so in den endokrinen Regelkreis ein. Daher sind sie nicht für alle Frauen geeignet oder werden nicht gewünscht. Bei PREVENT suchen wir nach alternativen, nichthormonellen Ansätzen für Frau und Mann, damit Paaren weitere Angebote der Kontrazeption gemacht werden können.“ Der Forschungsansatz des PREVENT-Teams fokussiert sich dabei auf so genannte kleine Moleküle, die spezifisch solche Proteine blockieren, die ausschließlich in Spermien oder in Eizellen vorkommen. So kann zum Beispiel die Beweglichkeit der Spermien herabgesetzt werden, damit diese die Eizelle nicht mehr erreichen. Tredup führt aus: „Da Verhütungsmittel gesunden Menschen verabreicht werden, müssen sie nicht nur zuverlässigen und reversiblen sein, sondern auch sehr gut verträglich und ein möglichst nebenwirkungsarm sein.“
Bei derart komplexen Anforderungen ist die Suche nach guten Wirkstoffen ein höchst aufwändiges Verfahren. Das PREVENT-Team wird daher eine sogenannte Wirkstoffentwicklungsplattform entwickeln, um Technologien und Werkzeuge zur Validierung von nicht-hormonellen Verhütungskonzepten zu etablieren. Dafür sollen hochselektive und wirksame Wirkstoffe, sogenannte „chemical probes“, ermöglichen, neue Verhütungsstrategien gezielt zu testen und eine belastbare Grundlage für die präklinische und spätere klinische Entwicklung zu schaffen.
Die Biochemikerin Tredup meint: „Wir kennen zwar schon eine Reihe an Genen, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen. Im PREVENT-Team wollen wir nun das Knowhow schaffen, um die entsprechenden Proteine als Zielstrukturen für sichere, nichthormonelle Verhütungsstrategien zu nutzen.“ Es sei nicht nur ein klassisches, pharmazeutisches Forschungsprojekt, ist Tredup überzeugt: „Mit PREVENT adressieren wir auch zentrale gesellschaftliche Ziele der der reproduktiven Selbstbestimmung und der globalen Gesundheitspolitik.“
Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/183787535
Bildtext: Nicht-hormonelle Alternativen zur Antibabypille zu finden ist das Forschungsziel des Projekts PREVENT von Goethe-Universität, Universitätsklinikum Bonn und LMU München. Foto: Markus Bernards/KI für Goethe-Universität Frankfurt
Weitere Informationen
Dr. Claudia Tredup
Projektleiterin PREVENT
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 29401
tredup@pharmchem.uni-frankfurt.de
https://www.sgc-frankfurt.de/Pages/research.html
Bluesky: @goetheuni.bsky.social @unibonn.bsky.social @lmu.de
LinkedIn: @Goethe-Universität Frankfurt @Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn @Universitätsklinikum Bonn @Ludwig-Maximilians-Universität München
Bundesforschungsministerium fördert gemeinsame biologische Forschung von Goethe-Universität und Universidad de Costa Rica
Mit vereinten Kräften erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und aus Costa Rica künftig die Artenvielfalt in dem lateinamerikanischen Land. Prof. Meike Piepenbring, Pilzforscherin an der Goethe-Universität, hat beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) erfolgreich ein Projekt beantragt: Für die Anbahnung der Partnerschaft fließen in den nächsten drei Jahren 450.000 Euro.
FRANKFURT. Costa Rica liegt in einem Hotspot der Biodiversität von Pilzen, Pflanzen und Tieren, die in vielfältiger Weise zusammenleben. Diese Vielfalt besser kennenzulernen und sie somit auch besser schützen zu können, dafür soll im Projekt GeCoBio (German-Costa Rican Network for Tropical Biodiversity Research) eine langfristige Partnerstruktur zwischen der Goethe-Universität Frankfurt und der Universidad de Costa Rica (UCR) eingerichtet werden. 450.000 Euro für drei Jahre hat Meike Piepenbring, Professorin am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für diesen Zweck eingeworben. Das Geld wird verwendet, um ein Konzept für die Partnerschaft zu entwickeln, entsprechende Verträge vorzubereiten und Begegnungen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Costa Rica und Deutschland zu ermöglichen. Diese können dann – auch unter Einbeziehung anderer Experten – gemeinsame Forschungsideen generieren und in die Tat umsetzen.
Der Verlust der biologischen Vielfalt ist eine dringende Herausforderung für den globalen Erhalt gesunder Ökosysteme und das langfristige gesellschaftliche Wohlergehen. Gleichzeitig ist die biologische Vielfalt in dieser Region noch nicht annähernd vollständig erfasst, und so weiß man auch wenig über den Zustand der unterschiedlichen Arten – geschweige denn, wie man sie gegen Bedrohungen schützen kann. „Wir müssen unsere Bemühungen auf diesem Gebiet dringend intensivieren“, sagt Piepenbring. Zwar seien in Costa Rica 25 Prozent der Fläche geschützt, dennoch komme es weiterhin zu schweren Waldschäden – vor allem durch die Umwandlung von Flächen mit Primärwäldern zu Weiden oder Siedlungen.
Im neu eingeworbenen Projekt sollen vielfältige Themen rund um Biodiversität und Naturschutz von costaricanischen und deutschen Biologen gemeinsam erforscht werden. Mit der Universidad de Costa Rica habe man einen Partner auf hohem Niveau, was Ausstattung, Ausbildung und Qualifikation angeht – exzellent für die gemeinsame Biodiversitätsforschung, freut sich Piepenbring. Gleich in der ersten Phase der Projektförderung wird es eine Expedition in den Urwald geben. Piepenbring ist überzeugt: „Selbst vor Ort zu sein, das öffnet einem die Augen für die biologische Vielfalt und ist wichtig für gute kollegiale Beziehungen.“ Die Pilzforscherin hat schon als Doktorandin in Costa Rica geforscht und war seit 1992 mehrfach im Land. Ihre Partnerin in Costa Rica, Professorin Melissa Mardones, kennt die Goethe-Universität, da sie hier promoviert wurde und danach mehrfach für Forschungsaufenthalte nach Frankfurt kam. Im Antrag vorgesehen sind zwei Pilot-Forschungsprojekte zur Vielfalt von Pilzen in Costa Rica sowie der Aufbau einer Stammsammlung von lebenden Mikroorganismen in Kultur. Eine solche Stammsammlung ist wichtig, damit Forschende, die Stämme von Mikroorganismen aus Costa Rica heraus exportieren möchten, den Vorschriften entsprechend Kopien der Stämme in Costa Rica lassen können. Das Projekt soll Forscherinnen und Forscher auch bei der Beantragung von Sammel- und Exportgenehmigungen unterstützen.
Im Rahmen der Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung fördert die Bundesregierung Projekte in der Forschungs- und Innovationszusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik – mit dem Ziel, langfristig bestehende bilaterale Forschungsstrukturen zu schaffen. Die Themen konnten in den Bereichen Rohstoffe, Biodiversität oder Klima verortet sein. Mehr als 100 Anträge sind auf den Förderaufruf hineingegangen, zwölf wurden bewilligt – darunter das von Piepenbring eingereichte Projekt GeCoBio. An der Goethe-Universität ist die Biodiversitätsforschung an den Fachbereichen Biowissenschaften und Geowissenschaften sowie in Kooperation mit der Senckenbergischen Gesellschaft für Naturforschung traditionell sehr gut aufgestellt. Sie ist an der Goethe-Universität verankert im Profilbereich „Biodiversity and Sustainability“ sowie im Frankfurter Raum durch BioFrankfurt e.V und international durch das Frankfurt Conservation Center.
Publikation: Mardones M, Umañana Tenorio L, Granados Montero M del M, Mata Hidalgo M, Ruiz-Boyer A, Piepenbring M, Minter D, Coto-López C, Carranza Velásquez J (2024) The first annotated checklist of Costa Rican fungi. Funga Latina 2:V2A7.
Bilder zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/183588386
Bildtexte:
Bild 1 Blick von unten in die Baumkronen eines Tieflandwalds in Costa Rica. (Foto: Piepenbring)
Bild 2 Eine Tramete (Cubamyces menziesii) an totem Holz in Costa Rica. (Foto: Piepenbring)
Bild 3 Eine Raupe im Tieflandsregenwald von Costa Rica. (Foto: Piepenbring)
Weitere Informationen
Prof. Dr. Meike Piepenbring
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-42222
E-Mail piepenbring@bio.uni-frankfurt.de
https://biofrankfurt.de/
https://frankfurtconservation.org/de/
Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de
„Brüche – Demokratie in Zeiten der Regression“: Kooperation mit der Oper Frankfurt im Rahmen des Forschungsverbunds DemoReg
Wie kann die Demokratie gestärkt werden angesichts zunehmender Angriffe von innen und außen? Unter dem Titel „Brüche – Demokratie in Zeiten der Regression“ soll eine neue Veranstaltungsreihe Erhellendes dazu beitragen. Durch die Kooperation von Goethe-Universität, Institut für Sozialforschung und Sigmund-Freud-Institut mit der Oper Frankfurt sollen neue Perspektiven entstehen. Die Initiative ist im Frankfurter Teil des Forschungsverbunds DemoReg angesiedelt.
FRANKFURT. Der hessenweite Forschungsverbund „Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression – Zeiten, Räume und Diskurse“ (kurz „DemoReg“) nimmt Ursachen und Folgen demokratiegefährdender Entwicklungen in den Blick. Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, verbindet die Initiative Grundlagenforschung mit empirischer Analyse und anwendungsorientierter Wissensproduktion – auch mit Blick auf mögliche Maßnahmen zur Demokratiestärkung.
„Indem wir als interdisziplinärer wissenschaftlicher Verbund mit der Oper zusammenarbeiten, erhoffen wir uns zusätzliche Perspektiven auf das Thema“, sagt Vera King, Professorin für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität und zugleich Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts. Bei der Tagung „Nach uns die Sintflut“ im vorigen Jahr habe sich die Kooperation mit der Oper als äußerst fruchtbar erwiesen. Gerade das Musiktheater verfüge durch die Musik und die Macht der Inszenierung über große emotionale Schubkraft. „Kunst kann die affektiven Seiten des Zusammenlebens auf eigene Weise beleuchten, das ist wertvoll für das Verständnis gesellschaftlicher und politischer Dynamiken“, so King.
Den Auftakt zur Kooperation wird am 20. Juni ein öffentliches Panel in der Oper Frankfurt mit Kurzbeiträgen und Diskussion machen zum Thema „Antidemokratische Mobilisierung und die Macht der Gefühle“. Anlässlich der Neuproduktion der Oper „Tancredi“ von Gioachino Rossini kommen, moderiert vom Frankfurter Dramaturgen Konrad Kuhn, der Opernregisseur Manuel Schmitt mit der Sozialpsychologin Vera King und dem Soziologen Stephan Lessenich ins Gespräch. Die Handlung der Oper bietet zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten: Die Oper erzählt von der Bedrohung einer Gemeinschaft durch innere und äußere Gefährdungen, von gesellschaftlicher Schließung und Radikalisierung als regressiven Reaktionsweisen. Für das Opernpublikum besteht nach der Veranstaltung die Möglichkeit einer Fortsetzung des Austauschs im Rahmen des Formats „Oper im Dialog“.
„Musiktheater ist eine vielschichtige Kunstform. Ein großer Reiz liegt immer auch darin, Werke aus vergangenen Epochen mit unserer Gegenwart in Beziehung zu setzen. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen und bildet den Kern unseres kulturellen Auftrags. Von daher ist es für die Oper Frankfurt ein Glücksfall, wenn unsere Aufführungen mit wissenschaftlichen Diskursen in einen Dialog treten können – noch dazu mit so traditionsreichen und für Frankfurt prägenden Partnern wie dem Institut für Sozialforschung und dem Sigmund-Freud-Institut“, sagt Dramaturg Konrad Kuhn.
Am 10. Dezember dann soll unter Beteiligung der Oper ein ganztägiges interdisziplinäres wissenschaftliches Symposium in der ehemaligen Dondorf-Druckerei stattfinden. „Zukunftsbilder – Demokratie nach den Zeiten ihrer Regression“ lautet der Titel. „In einer Zeit, in der Zukunft verstellt zu sein scheint, ist die Öffnung von Vorstellungshorizonten ein wichtiger Beitrag zur Revitalisierung der Demokratie“, so Stephan Lessenich, Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität und Direktor des Instituts für Sozialforschung. Vorgesehen sind Beiträge aus Politik- und Sozialwissenschaften, Philosophie, Psychoanalyse und Sozialpsychologie sowie aus künstlerischen Perspektiven. Um welche Oper es dann gehen wird, wird Ende April bekannt gegeben.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Vera King
Professur für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-36531
E-Mail king@soz.uni-frankfurt.de
Neue Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität / Pressekonferenz am 27.3.2026
FRANKFURT. „Wie kann eine technologisierte Gesellschaft auf Fürsorge und Teilhabe statt auf Konkurrenz bauen?“ – diese Frage steht im Zentrum der Ausstellung „Multispezies Members Club. Neue Allianzen zwischen lebendigen und künstlichen Systemen“, die vom 28.3. – 6.9.2026 im Museum Giersch der Goethe-Universität im Rahmen der World Design Capital 2026 stattfindet. Die Ausstellung entwirft ein zukunftsweisendes Modell des Zusammenlebens, in dem Menschen, Tiere, Pflanzen und Maschinen gleichberechtigt agieren. Besucher*innen sind eingeladen, Fürsorge, Kooperation und Teilhabe nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu erleben, und zu reflektieren, wie Technologie Kommunikation zwischen unterschiedlichen Spezies ermöglichen kann. Gleichzeitig macht die Ausstellung deutlich, dass Technik nicht neutral ist: Sie verbraucht Ressourcen, kann bestehende Machtverhältnisse verstärken und stößt dort an Grenzen, wo natürliche Systeme zu komplex sind, um sie vollständig zu steuern.
Die Highlights der Ausstellung sind interaktiv und vielseitig: Andreas Greiners neu entstandene Installation Garden Protocol verbindet Pflanzen auf dem Balkon, Menschen und technische Systeme über Wasser als gemeinsame Ressource und fungiert als lebendiges Versuchsfeld für neue Formen des Zusammenwirkens von Natur und Technologie. Greiner agiert dabei sowohl als Künstler als auch als Kurator der Ausstellung, gemeinsam mit Ina Neddermeyer und Susanne Wartenberg. Im Multispezies Café knüpft er an die Tradition des Salons an und bringt aktuelle Diskurse über Künstliche Intelligenz in den Raum, während im Klangkunstwerk Conspiracy Theory (2023) drei KI-Systeme – Grok, DeepSeek und Mistral – in einen Trialog treten und globale Machtverhältnisse sowie politische und gesellschaftliche Modelle reflektieren.
Weitere künstlerische Positionen hinterfragen die Grenzen zwischen Mensch, Natur und Technologie auf vielfältige Weise: Xenia Snow zeigt mit Cyber Chimären (2025) fiktive Mischwesen aus biologischen und technologischen Systemen; allapopp präsentiert die Installation Songs of Cyborgeoisie, in deren Rahmen Computerspiel, Tarotdeck und Soundinstallation zu einer interaktiven Auseinandersetzung mit KI und Robotik einladen; Andreas Greiner präsentiert mit Replicating Seed, Panorama of a Landscape und Hybrid Matter Study 01 + 02 (alle 2018) menschliche und künstliche Zellen im direkten Vergleich. Laleh Khabbazy Oskouei und Farhang Rafiee führen mit Arih Baji (2026) einen Dschinn aus der islamischen Kosmologie in digitale und visuelle Räume ein. Aktivistisch und interaktiv ist Tree and Rockets Truth Gate (2026), das Besucher*innen über umgebaute Arcade-Spielautomaten in die Analyse und Korrektur von Online-Inhalten einbindet.
Auch der Museumsgarten wird Teil des Multispezies-Clubs: Mit der Klanginstallation What do birds tweet about? (2025, Neukonzeption 2026, Baltic Raw Org) werden Vogelstimmen in kurze Textfragmente übersetzt und als eigenständige, nichtmenschliche Stimme erfahrbar. Der Convivial Commons Congress (2025) von Matthias Einhoff (ZK/U Proxylab) lässt symbolisch nichtmenschliche Akteure wie ein Gewässernetz, einen Regenbaum, eine Indische Python, eine Braunkopfmöwe oder einen Perlfleckbuntbarsch an Entscheidungsprozessen teilnehmen und erforscht so neue Formen ökologischer Gerechtigkeit.
Beiträge von Künstler*innen – darunter auch Studierende der Muthesius Kunsthochschule Kiel und der HfG Offenbach, die im Rahmen eines Open Calls ausgewählt wurden – eröffnen vielschichtige Perspektiven auf Künstliche Intelligenz, Ökologie und gesellschaftliche Verantwortung. Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt ergänzen das Programm mit Perspektiven aus der KI-Forschung, Bioinformatik, Kunstpädagogik, Anthropologie sowie Erziehungs-, Kultur- und Literaturwissenschaften. Die Ausstellung verbindet Kunst, Wissenschaft und Nachhaltigkeit und lädt dazu ein, über ein mehr-als-menschliches Zusammenleben nachzudenken sowie die Möglichkeiten und Grenzen algorithmischer Prozesse kritisch zu reflektieren.
Ein vielfältiges Vermittlungsprogramm begleitet die Ausstellung und lädt Besucher*innen aller Altersgruppen zur aktiven Teilhabe ein. Den Auftakt bildet die Vernissage am 27. März ab 18 Uhr mit Grußworten aus Kultur und Wissenschaft sowie dazu ab 20 Uhr live Beats von den Frankfurter DJs JUCI VISION. Höhepunkte sind die Nacht der Museen am 25. April, bei der Führungen in Deutscher Gebärdensprache, mehrsprachige Tarot-Readings und die Inklusive Clubnight für Taube und Hörende angeboten werden, sowie der Digitaltag am 26. Juni mit der Lecture-Performance Cyborgs und Chimären, in der Kunst und Wissenschaft im Dialog über Mensch, Technologie und Gesellschaft stehen. Ergänzt wird das Programm durch Führungen, Film- und Vortragsreihen, Workshops sowie Kinder- und Schulangebote.
Für den Workshop „Datendetektiv*innen im Museum“ für Kitas und Grundschulen (Alter: ca. 5–10 Jahre) stehen im Rahmen der Kampagne Stadt der Kinder kostenlose Plätze zur Verfügung. Die Kosten übernimmt das Kinderbüro der Stadt Frankfurt. Das Angebot ist begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung wird empfohlen. Das Vermittlungsangebot entsteht in Kooperation mit dem C3S – Center for Critical Computational Studies der Goethe-Universität Frankfurt und dem Museum Giersch der Goethe-Universität. Terminvereinbarung: vermittlung@mggu.de
Beteiligte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen: allapopp, Baltic Raw Org (Móka Farkas & Berndt Jasper), Literaturwissenschaftler Roland Borgards, Erziehungswissenschaftlerin Juliane Engel, Anthropologe Steven Gonzalez Monserrate, Kulturanthropologin Katharina Graf, Andreas Greiner, Dženeta Hodžić, David Kuhn & Markus Rauchecker, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Anne Duk Hee Jordan, Laleh Khabbazy Oskouei & Farhang Rafiee, Nadine Kolodziey, Kunstpädagogin Verena Kuni, Biophysikerin Franziska Matthäus, Xenia Snow, terra0 (Paul Kolling & Paul Seidler), Tree and Rocket, Medienpädagoge Dan Verständig, ZK/U Proxylab.
Ina Neddermeyer, Museumsdirektorin und Kuratorin, sagt: „Die Ausstellung fragt, wie wir in einer technologisierten Welt zusammenleben wollen: Können wir auch nicht-menschliche Akteur*innen durch Künstliche Intelligenz oder Blockchain in Entscheidungsprozesse einbeziehen? Wie kann ein zukunftsweisendes Modell des Zusammenlebens aussehen?“
Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, betont: „Dieses Ausstellungsprojekt zeigt eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Forschung und künstlerische Strategien gemeinsam neue Perspektiven auf Technologie, Ökologie und gesellschaftlichen Wandel eröffnen. Die enge Zusammenarbeit unserer Einrichtungen – vom C3S über studiumdigitale bis zum Institut für Kunstpädagogik – steht exemplarisch für diesen interdisziplinären Anspruch.“
Andreas Greiner, Künstler und Kurator der Ausstellung: „Ich interessiere mich für Systeme, in denen Menschen nicht die einzigen Akteur*innen sind. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie stark wir auf andere Spezies und technische Infrastrukturen angewiesen sind – und wie fragil diese Beziehungen sind.“
Susanne Wartenberg, Stellvertretende Museumsleitung und Kuratorin, ergänzt: „Die künstlerischen Positionen eröffnen – im Dialog mit wissenschaftlichen Perspektiven – vielfältige Zugänge beispielsweise zu ökologischen Verflechtungen, digitalen Strukturen und Formen der Koexistenz. Der Multispezies Members Club versteht sich als offenes Experiment und als Einladung zum Mitdenken.“
Pressekonferenz: Freitag, 27.3.2026, 11 Uhr - Einführung & Rundgang mit:
Andreas Greiner (Künstler, Kurator)
Ina Neddermeyer (Kuratorin, Direktorin)
Dr. Tim Pickartz (Kurator für Vermittlung und Diskurs)
Dr. Susanne Völker (Kulturfonds Frankfurt RheinMain)
Susanne Wartenberg (Kuratorin, Stellvertretende Leitung).
Die weiteren an der Pressekonferenz teilnehmenden Künstler*innen und Wissenschaftler*innen werden auf der Website bekannt gegeben. Bitte um Anmeldung an: presse@mggu.de
Förderer und Kooperationspartner: STIFTUNG GIERSCH, Goethe-Universität, Kulturfonds Frankfurt RheinMain, World Design Capital 2026 in Frankfurt RheinMain, Stadt der Kinder, C3S - Center for critical computational studies, DFG-gefördertes Graduiertenkolleg „Fixing Futures“, DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main
Eintritt: Erwachsene 7 € / Ermäßigt 5 €. Freier Eintritt für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen.
MGGU x Klima-Taler App: Das Museum Giersch der Goethe-Universität ist neuer Partner der Klima-Taler App. Die Ausstellung kann zum ermäßigten Eintritt besucht werden – gleichzeitig lässt sich klimafreundliches Verhalten belohnen.
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr. An Feiertagen 10–18 Uhr geöffnet, auch wenn diese auf einen Montag fallen. Sonderöffnungszeiten nach Vereinbarung
Ansprechpartnerin für die Presse: Christine Karmann. Fon: 069/138210121; E-Mail: presse@mggu.de
Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.mggu.de/presse
Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de