​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jul 23 2021
09:51

In der neuen Ausgabe von Forschung Frankfurt skizzieren Experten von Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt den Reformbedarf nach Corona

Pandemie-Lehren für das Gesundheitswesen

Seine Leistungsfähigkeit hat Deutschlands Gesundheitswesen während der Pandemie im internationalen Vergleich gut dastehen lassen, meinen der Gesundheitsweise Ferdinand Gerlach (Goethe-Universität) und der Planungsstableiter „Stationäre Versorgung“ Prof. Jürgen Graf (Universitätsklinikum Frankfurt) in der jüngsten Ausgabe von Forschung Frankfurt. Trotzdem sehen die beiden Experten großen Reformbedarf etwa in Strukturen und Digitalisierung. Unter dem Titel „Pandemie: Was bleibt?“ berichtet das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität über die Auswirkungen der Pandemie auf Menschen und Gesellschaft.

FRANKFURT. Deutschland hat in der Pandemie von seinen ambulanten und regionalen Strukturen profitiert, sind sich Prof. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt und Leiter des hessischen Planungsstabs „Stationäre Versorgung von COVID-19-Patientinnen und Patienten“ und Prof. Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin und Vorsitzender des Sachverständigenrats zu Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, einig: 90 Prozent der an COVID-19 Erkrankten wurden ambulant versorgt, dadurch wurden die Krankenhäuser nicht überlastet. Doch um diese Leistungsfähigkeit auch künftig sichern zu können, so fordern die beiden Wissenschaftler, müssten künftig zum Beispiel überflüssige Operationen vermieden, die Datenvernetzung verbessert und die lokalen Gesundheitsversorger wie auch die Gesundheitsämter besser unterstützt werden. Auch in seinen Strukturen müsse das Gesundheitswesen fit gemacht werden für künftige Herausforderungen wie zum Beispiel den Klimawandel – allein im Hitzejahr 2018 starben in Deutschland 20.000 Menschen mehr als in Durchschnittsjahren an Austrocknung und Überhitzung.

In weiteren Beiträgen der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität beispielsweise darüber, wie die Erfahrung mit digitalem Lernen im Distanzunterricht die schulische Bildung verändert, wie die Pest in der frühen Neuzeit durch eine Politik staatlicher Intervention bekämpft wurde und wie die Pandemie die Rezeption von Filmen beeinflusst hat.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2021) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei ott@pvw.uni-frankfurt.de

Alle Beiträge sind online erhältlich unter: www.forschung-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 23 2021
09:37

Die Koreastudien an der Goethe-Universität erhalten 700.000 Euro für den weiteren Ausbau ihres Angebots / In zehn Jahren von 20 auf 400 Studierende

Rückenstärkung für die Koreaforschung

Das Fach Koreastudien an der Goethe-Universität gehört zu den sogenannten „kleinen Fächern“. Umso beachtlicher, dass das Fach nun 700.000 Euro an Drittmitteln eingeworben hat. Das Geld fließt in das Projekt „Cultivating Diversity: The global in Korea, Korea in the global“ und soll dazu beitragen, Lehre, Forschung und regionale Zusammenarbeit im Bereich Koreastudien voranzubringen.  

FRANKFURT. Seit 2010 gibt es an der Goethe-Universität einen Schwerpunktbereich Koreastudien, angesiedelt am Institut für Ostasiatische Philologien. Die Zahl der Studierenden ist von damals 20 auf heute 400 angestiegen – und das Interesse wächst weiter, schätzt Yonson Ahn, die als Inhaberin der einzigen Professur des Schwerpunktbereichs Koreanische Kultur und Gesellschaft lehrt. Der wachsenden Nachfrage kann sie nun mit Hilfe von Drittmitteln besser gerecht werden. Die Academy of Korean Studies (AKS) hat für die nächsten fünf Jahre rund 700.000 Euro an Fördermitteln zugesagt, die in Forschung, Lehre und „Outreach“ fließen sollen.

„Ich freue mich sehr über diesen Drittmittelerfolg. Die Koreastudien sind ein kleines Fach mit großer Ausstrahlung. Die Goethe-Universität hat sich in diesem Bereich dank Professorin Ahn über die Grenzen hinaus einen Namen gemacht“, sagt Prof. Bernhard Brüne, der als Vizepräsident zuständig ist für Forschungsthemen. Die Mittel, die vom südkoreanischen Ministerium für Bildung zur Verfügung gestellt werden, sollen dazu dienen, das Fach Koreanistik im Ausland (aus koreanischer Perspektive) zu stärken („Empowering Korean Studies through innovative education, research and regional cooperation in Germany“). Außer der Goethe-Universität wurde in Europa in 2021 lediglich die University of Oxford mit einer Förderzusage bedacht. Das Frankfurter Forschungsprojekt befasst sich mit ethnischer und kultureller Diversität in Korea und in koreanischen Populationen in anderen Ländern. Der Titel lautet: „Cultivating Diversity: The global in Korea, Korea in the global“.

Der Förderzusage sind zwei erfolgreich abgeschlossene Drittmittelprojekte innerhalb des Seed Program for Korean Studies vorausgegangen, die jeweils über drei Jahre liefen – von 2015 bis 2021. Auch sie dienten der Forschung und dem Ausbau des Studiengangs Koreastudien. Im Rahmen des Korean Studies Promotion Program der AKS haben sich die Koreastudien der Goethe-Universität nun für das Folgeprojekt „Core University Program for Korean Studies“ mit einer Gesamtdauer von fünf Jahren – von Juni 2021 bis Mai 2026 – qualifiziert.

In diesem Drittmittelprojekt arbeiten die Koreastudien Frankfurt unter der Leitung von Professorin Ahn eng mit der Koreanistik der Universität Hamburg unter Professorin Yvonne Schulz Zinda und der Koreanistik der Universität Bonn unter Juniorprofessorin Nadeschda Bachem zusammen. Insbesondere soll ein umfassendes hochschulübergreifendes Netzwerk zwischen den Instituten aufgebaut werden, um gemeinsam Lehre, Nachwuchsförderung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Forschung weiterzuentwickeln und so auch die Koreaforschung innerhalb des Interdisziplinäres Zentrum für Ostasienstudien (IZO) an der Goethe-Universität zu stärken.

Im Bereich Lehre sollen im Projekt neue Seminare konzipiert und durchgeführt, das digitale Lehrangebot soll ausgeweitet werden. Um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern, sollen deren Masterarbeiten und Dissertationen gemeinsam betreut werden. Darüber hinaus ist geplant, verstärkt mit Schulen zu kooperieren. Um die Koreastudien sichtbarer zu machen, wird auch ein Augenmerk auf der Öffentlichkeitsarbeit liegen. Niedrigschwellige Angebote sollen hier den Zugang zu Themen der Koreastudien erleichtern.

Insgesamt neun weitere Forscherinnen und Forscher befassen sich im Rahmen des Projektes „Cultivating Diversity: The global in Korea, Korea in the global" unter der Leitung von Yonson Ahn mit einer breiten Spanne von interdisziplinären, transnationalen und intersektionalen Themen. Besondere Schwerpunkte liegen dabei u.a. auf den Themen Migrationsgeschehen, Gender, Kunst und Medien.

Die Goethe-Universität ist inzwischen Hessens einzige Hochschule mit einem Fokus auf Asienstudien. Nachdem andere Institute mit Asienbezug 2008 nach Frankfurt verlagert worden waren, entstand hier das Interdisziplinäre Zentrum für Asienstudien (IZO). Seitdem haben die Koreastudien sowohl qualitativ als auch quantitativ an Bedeutung zugenommen. Studierende können hier ohne Vorkenntnisse ein Studium der Koreanistik beginnen. Außer der Sprache werden im Studium auch Politik, Kultur und Literatur des Landes gelehrt. Die große Beliebtheit erklärt sich Prof. Yonson Ahn durch die Beliebtheit der koreanischen Film- und Popkultur, etwa der Popband BTS oder die in Cannes bzw. Oscar prämierten Filme, Parasites und Minari. Absolventen hätten durchaus gute Zukunftsaussichten: In Frankfurt lebt die mit Abstand größte Anzahl von Auslandskoreanern in Europa, es gibt zahlreiche koreanische Firmen, eine koreanische Handelsvertretung (KOTRA) sowie ein koreanisches Konsulat.

Ein Porträt von Prof. Yonson Ahn zum Download: www.uni-frankfurt.de/103380737

Bildtext: Prof. Yonson Ahn lehrt an der Goethe-Universität Koreanische Kultur und Gesellschaft.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Yonson Ahn
Schwerpunktbereich Koreastudien
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Email: Y.Ahn@em.uni-frankfurt.de
Tel.: +49 (0)69 798-23769 bzw. -22872
Fax:  +49 (0)69 798-24969

korea.uni-frankfurt.de   

https://www.youtube.com/watch?v=AUSJMNwwpxI


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 22 2021
12:31

Wer besiegt den Schwarzen Tod? Rechtshistoriker David von Mayenburg berichtet in „Forschung Frankfurt“ über den Streit um den richtigen Umgang mit der Pest in Mittelalter und früher Neuzeit

Juristen contra Mediziner 

Juristen spielten bei der Pestbekämpfung vom Spätmittelalter an eine wachsende Rolle: Während die Mediziner noch darüber stritten, ob die Körpersäfte schuld waren an der Ausbreitung der Seuche, organisierten juristisch gebildete Amtsträger eine beispiellose Strategie staatlicher Intervention. Diese war zwar erfolgreich, oft aber auch brutal, wie Rechtshistoriker Prof. David von Mayenburg im neuen „Forschung Frankfurt“ darlegt.

FRANKFURT. Im Jahr 1606 brach in der Umgebung der kleinen Universitätsstadt Altdorf bei Nürnberg die Pest aus. Die Studenten ergriffen aus Angst vor Ansteckung die Flucht – zum Missfallen einiger Professoren. Insbesondere Vizekanzler Konrad Rittershausen, ein Jurist, widersetzte sich seinen Kollegen aus der Medizin und rief den akademischen Nachwuchs zur Rückkehr auf. „Der Fall Altdorf steht beispielhaft für das auch heute noch häufig schwierige Verhältnis medizinischer und juristischer Experten in Fragen der Seuchenbekämpfung“, schreibt Prof. David von Mayenburg in der neuesten Ausgabe von Forschung Frankfurt, die den Schwerpunkttitel „Pandemie: Was bleibt?“ trägt. Der Rechtshistoriker nahm den Fall zum Anlass für ein Projekt zur Frage, wie die juristischen Experten des Mittelalters und der frühen Neuzeit auf die Pest reagierten, wie sie mit anderen Experten interagierten und welche Bedeutung juristisches Expertenwissen für den Aufstieg des modernen Gesundheitsstaats hatte. In „Forschung Frankfurt“ entwirft er ein lebendiges Bild früherer Gesellschaften und deren Umgang mit Pandemien bis hin zu den strikten Methoden eines Girolamo Gastaldi im Rom des 17. Jahrhunderts. Parallelen zur heutigen Corona-Situation drängen sich auf, die ebenfalls nicht nur medizinische, sondern auch viele juristische Fragen aufwirft. 

Weitere Beiträge in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Goethe-Universität gehen zum Beispiel folgenden Fragen nach: Was wissen wir über die körperlichen Langzeitfolgen von COVID, insbesondere bei kardiologischen Beschwerden? Wie können wir unser Gesundheitssystem für künftige Pandemien besser aufstellen? Wie hat die Coronapandemie unser Zusammenleben geprägt? Was wird im Schulalltag übrigbleiben von Homeschooling und Distanzlernen? Und wie kann sich die Wirtschaft für weitere Krisen besser wappnen? Ein Blick in die Vergangenheit lehrt, wie im alten Athen Seuche und Exzess Hand in Hand gingen und dass in China schon einmal die erfolgreiche Pandemiebekämpfung den Status der Machthaber festigte – nämlich bei den mächtigen Kaisern der Qing-Dynastie.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2021) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Alle Beiträge sind online verfügbar unter: www.forschung-frankfurt.de.

Weitere Informationen
Prof. Dr. David von Mayenburg
Professur für Neuere Rechtsgeschichte, Geschichte des Kirchenrechts und Zivilrecht
Goethe-Universität Frankfurt am Main
E-Mail mayenburg@jur.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 22 2021
10:27

Forscherteam mit Beteiligung der Goethe-Universität schlägt erfolgreich ehemaligen Steinbruch in Niedersachsen als Global Stratotype Section and Point vor

„Goldener Nagel“ eingeschlagen: Steinbruch bei Salzgitter wird weltweiter geologischer Referenzpunkt

Ein Wissenschaftsteam der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Warschau, des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover, und weiterer Institutionen hat in Salzgitter-Salder das gefunden, wonach Forscher mehr als 20 Jahre lang weltweit gesucht haben: Eine geologische Formation, die perfekt den Übergang der Kreidezeitalter Turon und Coniac abbildet. Das Team hat den ehemaligen Kalksteinbruch so genau charakterisiert, dass er nun als weltweiter Referenzpunkt für die Zeitenwende vor 89,4 Millionen Jahren gilt. Dies wurde von der International Union of Geological Sciences bekannt gegeben, die dem Schichtenprofil den Titel „Global Stratotype Section and Point“ (GSSP) verlieh.

FRANKFURT/HANNOVER. Das internationale Team von Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftlern um Prof. Silke Voigt von der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Ireneusz Walaszczyk von der Universität Warschau und Dr. André Bornemann vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) haben 40 Meter der geologischen Schichtenfolge im ehemaligen Kalksteinbruch am Hasselberg eingehend untersucht. Dabei stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass nur hier der Übergang zwischen Turon und Coniac lückenlos ist und daher eine perfekte Gesteinsabfolge darstellt, um Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftlern aus aller Welt als Referenz für deren Forschung zu dienen – als „Global Stratotype Section and Point“ oder, im Jargon der Geowissenschaften, als „goldener Nagel“.

Mit dem Coniac treten bestimmte Muschelarten auf, so genannte Inoceramen, die in Salder zahlreich zu finden sind. In Schicht 46 des Steinbruchs, so stellte das deutsch-polnische Wissenschaftsteam fest, findet sich erstmals die Inoceramen-Art Cremnoceramus deformis erectus und markiert damit die Zeitengrenze, ebenso wie weitere Mikrofossilien und eine charakteristische Änderung im Verhältnis der Kohlenstoffisotope 12C und 13C, eine so genannte negative Anomalie im Kohlenstoffkreislauf.

„Damit können nun geologische Schichtenprofile wie zum Beispiel marine Schelfsedimente in Mexiko oder der Tiefsee im tropischen Atlantik miteinander verglichen und zeitlich eingeordnet werden“, erläutert Prof. Silke Voigt. „Dies ist wichtig, um auch bei unvollständigen Schichtenprofilen eine genaue zeitliche Einordnung vornehmen zu können und letztlich zu sehen, wie zum Beispiel das Klima zu einem bestimmten Zeitpunkt der Vergangenheit an verschiedenen Orten der Welt beschaffen war.“

Prof. Ireneusz Walaszczyk sagt: „Die Schichtenfolge in Salzgitter-Salder konnte sich gegenüber anderen Kandidaten zum Beispiel in den USA, in Indien, Madagaskar, Neuseeland und Polen durchsetzen, weil wir hier über 40 Meter eine perfekte Gesteinsschichtenabfolge haben, die ein gut definiertes Abbild der Ereignisse darstellt, die in diesem geologischen Zeitintervall stattgefunden haben.“

„Das Zechsteinmeer hat vor mehr als 250 Millionen Jahren mächtige Salzschichten im norddeutschen Becken hinterlassen“, erklärt André Bornemann. „Die später abgelagerten Gesteinsschichten übten Druck auf diese Salzschichten aus, die sich zum Teil zu großen Salzstöcken aufwölbten und damit jüngere Schichten deformierten. In der Nähe eines solchen Salzstocks liegt Salder, sodass hier die fossilreichen Gesteinsschichten der Kreidezeit steil aufgerichtet sind und ein wunderbares, für wissenschaftliche Untersuchungen sehr gut zugängliches Profil ergeben. Daher haben wir vom LBEG diesen Ort als Geotop ausgewiesen, und dieser ist einer der bedeutendsten Geopunkte des UNESCO Geoparks Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen.“

Hintergrund:
Im Kalksteinbruch am Hasselberg bei Salder im Nordosten des Salzgitterschen Höhenzuges wurden früher Kalksteine und Mergel für die Zementindustrie und zum Schluss für die Erzaufbereitung abgebaut. Heute befindet sich dort ein bekanntes Biotop und Geotop als Eigentum der Stiftung Naturlandschaft, die vom BUND-Landesverband Niedersachsen eingerichtet wurde. Während die Betreuung des Steinbruchgeländes der Kreisgruppe Salzgitter des BUND übertragen wurde, kümmert sich der UNESCO Geopark Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen um den geowissenschaftlichen Part des Steinbruchs. Der Steinbruch ist aus Naturschutzgründen nicht frei zugänglich, aber es werden gelegentlich geführte Wanderungen angeboten.

Vor 90 Millionen Jahren, in der zweiten Hälfte der Kreide, war es tropisch warm auf der Erde: Die eisfreien Pole sorgten für einen hohen Meeresspiegel, Mitteleuropa bestand aus einer Schar von Inseln. Im Meer entwickelten Ammoniten eine ungeheure Formenvielfalt, an Land herrschten die Dinosaurier. Die ersten Blütenpflanzen begannen, Schachtelhalmen und Farnen Konkurrenz zu machen. Vor 89,39 Millionen Jahren fing das Klima an, sich leicht abzukühlen und der Meeresspiegel von seinem Höchststand etwas zu sinken: Ein neuer erdgeschichtlicher Abschnitt, das Zeitalter Coniac, löste das Zeitalter Turon ab.

Publikation: Voigt S, Püttmann T, Mutterlose J, Bornemann A, Jarvis I, Pearce M, Walaszczyk, I (2021) Reassessment of the Salzgitter-Salder section as a potential stratotype for the Turonian–Coniacian Boundary: stable carbon isotopes and cyclostratigraphy constrained by nannofossils and palynology. Newsl Stratigr, 54/2, 209–228, https://doi.org/10.1127/nos/2020/0615

Walaszczyk, I., Čech, S., Crampton, J.S., Dubicka, Z., Ifrim, C., Jarvis, I., Kennedy, W.J., Lees, J.A., Lodowski, D., Pearce, M. Peryt, D., Sageman, B., Schiøler, P., Todes, J., Uličný, D., Voigt, S., Wiese, F., With contributions by, Linnert, C., Püttmann, T., and Toshimitsu, S. (2021) The Global Boundary Stratotype Section and Point (GSSP) for the base of the Coniacian Stage (Salzgitter-Salder, Germany) and its auxiliary sections (Słupia Nadbrzeżna, central Poland; Střeleč, Czech Republic; and El Rosario, NE Mexico). Episodes 2021; 44(2): 129-150l. https://doi.org/10.18814/epiiugs/2020/020072

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/103366248

Bildtexte:
Salzgitter-Salder: Eine perfekte Gesteinsschichtenabfolge über 40 Meter. (Foto: Silke Voigt, Goethe-Universität Frankfurt)

GSSP in Salzgitter-Salder: Die Schicht 46 markiert den Übergang der Kreidezeitalter Turon und Coniac. Foto und Montage: Silke Voigt, Goethe University Frankfurt. Fossil: Walaszczyk et al. (2010)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Silke Voigt
Geozentrum der Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 69 798-40190
s.voigt@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/69718561/Homepage-Voigt

Prof. Dr. Ireneusz Piotr Walaszczyk
Institut für Historische und Regionale Geologie und Paläogeologie
i.walaszczyk@uw.edu.pl
https://usosweb.uw.edu.pl/kontroler.php?_action=katalog2/osoby/pokazOsobe&os_id=61076

Dr. André Bornemann
über
Eike Bruns
LBEG, Pressestelle
Tel.: +49 511 643-2274
presse@lbeg.niedersachsen.de
http://www.lbeg.niedersachsen.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 20 2021
15:19

Forscher:innen der Goethe-Universität Frankfurt finden kleine Moleküle als Bindungspartner für genomische RNA des Coronavirus

SARS-CoV-2: Achillesfersen im Viren-Erbgut

Bestimmte Regionen im SARS-CoV-2-Erbgut könnten sich als Ziel für künftige Medikamente eignen. Dies fanden jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und ihre Kooperationspartner im internationalen COVID-19-NMR-Konsortium heraus. Mithilfe einer speziellen Substanzdatenbank identifizierten sie mehrere kleine Moleküle, die an bestimmte Stellen des SARS-CoV-2-Genoms binden, die fast nie durch Mutationen verändert werden.

FRANKFURT. Wenn SARS-CoV-2 eine Zelle befällt, schleust es sein Erbgut in die Zelle ein und programmiert die Zelle so um, dass diese zunächst Viren-Proteine und schließlich ganze Virenpartikel herstellt. Auf der Suche nach Wirkstoffen gegen SARS-CoV-2 haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich bisher meist auf die viralen Proteine fokussiert, deren Blockade eine Vermehrung zu verhindern oder zu mindern verspricht. Doch auch der Angriff des viralen Erbguts, eines langen RNA-Moleküls, könnte die Vermehrung des Virus womöglich stoppen oder verlangsamen.

Einen wichtigen ersten Schritt zur Entwicklung einer solchen neuen Klasse von SARS-CoV-2-Medikamenten haben jetzt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des COVID-19-NMR-Konsortiums gemacht, das von Prof. Harald Schwalbe vom Institut für Organische Chemie und chemische Biologie der Goethe-Universität Frankfurt koordiniert wird. Sie identifizierten 15 kurze Abschnitte des SARS-CoV-2-Genoms, die bei verschiedenen Coronaviren sehr ähnlich sind und daher vermutlich essenzielle regulatorische Funktionen haben. Auch im Verlauf des Jahres 2020 waren diese Genomabschnitte nur äußerst selten von Mutationen betroffen.

Die Forscherinnen und Forscher ließen eine Substanzbibliothek von 768 kleinen, chemisch einfachen Molekülen mit den 15 RNA-Abschnitten reagieren und analysierten das Ergebnis mittels Kernresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie). Bei der NMR-Spektroskopie werden Moleküle zunächst mit speziellen Atomsorten (Isotopen) markiert und dann einem starken Magnetfeld ausgesetzt. Durch einen kurzen Radiowellen-Impuls werden die Atomkerne angeregt und geben ein Frequenzspektrum ab, mit dessen Hilfe sich der Aufbau der Moleküle bestimmen lässt und welche Bindungen sie eingehen.

Auf diese Weise konnten die Forschenden um Prof. Schwalbe 69 kleine Moleküle finden, die an 13 der 15 RNA-Abschnitte banden. Prof. Harald Schwalbe: „Drei der Moleküle banden sogar spezifisch an nur einen RNA-Abschnitt. Wir konnten damit zeigen, dass sich die SARS-CoV-2-RNA sehr gut als potenzielle Zielstruktur für Medikamente eignet. Angesichts der zahlreichen Mutationen von SARS-CoV-2 sind solche konservativen RNA-Abschnitte, wie wir sie identifiziert haben, für eine Wirkstoffentwicklung besonders interessant. Und da in einer infizierten Zelle die Viren-RNA bis zu zwei Drittel der gesamten RNA ausmacht, sollten wir mit geeigneten Molekülen die Virusvermehrung erheblich stören können.“ Entsprechend hätten die Forschenden, so Schwalbe weiter, jetzt bereits Untersuchungen kommerziell verfügbarer Substanzen begonnen, die chemisch ähnlich zu den Bindungspartnern aus der Substanzbibliothek sind.

Publikation: Sridhar Sreeramulu, Christian Richter, Hannes Berg, Maria A Wirtz Martin, Betül Ceylan, Tobias Matzel, Jennifer Adam, Nadide Altincekic, Kamal Azzaoui, Jasleen Kaur Bains, Marcel J.J. Blommers, Jan Ferner, Boris Fürtig, M. Göbel, J Tassilo Grün, Martin Hengesbach, Katharina F. Hohmann, Daniel Hymon, Bozana Knezic, Jason Martins, Klara R Mertinkus, Anna Niesteruk, Stephen A Peter, Dennis J Pyper, Nusrat S. Qureshi, Ute Scheffer, Andreas Schlundt, Robbin Schnieders, Elke Stirnal, Alexey Sudakov, Alix Tröster, Jennifer Vögele, Anna Wacker, Julia E Weigand, Julia Wirmer-Bartoschek, Jens Wöhnert, Harald Schwalbe: Exploring the druggability of conserved RNA regulatory elements in the SARS-CoV-2 genome, Angewandte Chemie International Edition, https://doi.org/10.1002/anie.202103693

Über das COVID-19-NMR-Konsortium
Weltweit forschen mehr als 40 Arbeitsgruppen aus 18 Ländern mit insgesamt 230 Wissenschaftlern im COVID-19-NMR-Konsortium, in Frankfurt haben seit Ende März 2020 45 Doktoranden und Postdocs teilweise in zwei Schichten pro Tag an sieben Tagen die Woche mitgearbeitet. www.covid19-nmr.de

Frühere Meldung „Faltung von SARS-CoV2-Genom zeigt Angriffspunkte für Medikamente – auch Vorbereitung auf „SARS-CoV3“ https://tinygu.de/sEhyD

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für organische Chemie und chemische Biologie
Center for Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ)
Goethe-Universität Frankfurt
Tel +49 69 798-29137
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de  

 

Jul 20 2021
09:32

Studie der Goethe-Universität zu Folgen von Arbeitslosigkeit in mehr als 30 Ländern / Forschung Frankfurt: Markus Gangl zur Coronakrise

Was wir aus der Finanzkrise lernen können

Menschen, die durch die Finanzkrise 2008/09 arbeitslos wurden, hatten danach mit einer Vielzahl von Schwierigkeiten zu kämpfen. In einer langjährigen internationalen Studie hat das Team um den Soziologen Prof. Markus Gangl an der Goethe-Universität die gesellschaftlichen Folgen der Krise und das politische Krisenmanagement untersucht. In der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ stellt Gangl einige Ergebnisse vor – und zieht Schlüsse für die Folgen der Corona-Pandemie.

FRANKFURT. Armutsrisiko, Arbeitslosigkeit, Bildungsmangel, Scheidungsrisiken, Vertrauensrisiken: Ökonomische Schocks haben beträchtliche Folgen für die Gesellschaft. Wie gehen politische Systeme damit um? Und vor allem: Welche Maßnahmen stellen sich als erfolgreich heraus?

In einem vom European Research Council (ERC) finanzierten Forschungsprojekt hat das Team von Markus Gangl, Soziologieprofessor an der Goethe-Universität, in mehr als 30 Ländern gesellschaftliche Folgen der Finanzkrise von 2008/09 untersucht und festgestellt: Sie reichen von erhöhtem Armutsrisiko und schlechteren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten über Trennungsrisiken, durchkreuzte Familienplanungen und geringere Bildungschancen der nächsten Generation bis hin zum Vertrauensverlust der Menschen in demokratische Prozesse.

Ein Ergebnis der Studie: Je besser ausgebaut die sozialen Sicherungssysteme, desto geringer ist das Risiko, durch die Arbeitslosigkeit Armut zu erleiden. Länder mit langen Phasen sozialstaatlich engagierter Politik konnten die Folgen der Finanzkrise am besten abfedern; weniger geschützt war die Bevölkerung in den wirtschaftsliberalen angelsächsisch geprägten, aber auch den südeuropäischen Gesellschaften. In Südeuropa hatte die Finanzkrise zu einer jahrelangen Arbeitsmarktkrise geführt.

In der Corona-Pandemie ist der wirtschaftliche Einbruch mindestens doppelt so schwer ausgefallen wie nach der Finanzkrise von 2008/2009. Dennoch ist es bislang vielen Ländern gelungen, den Arbeitsmarkt davon weitgehend zu entkoppeln. „Der schmerzhafte Lernprozess aus der Finanzkrise hat wohl dazu geführt, dass sich die europäischen Länder in der Pandemie zu einem deutlich entschlosseneren wirtschaftspolitischen Handeln entschieden haben als noch vor zehn Jahren. Und vor allem auch: dass sie gemeinsam in eine substanzielle europäische Sozialpolitik eingestiegen sind“, erklärt Markus Gangl.

Einen neuralgischen Punkt in der Bewältigung der Pandemie sieht Gangl – auch im Vergleich mit seiner Studie – in der Situation der jungen Generation. Haben doch seine eigenen wie bereits frühere Studien ergeben, dass wirtschaftliche Krisen bei jungen Menschen zu einer „Reduktion des subjektiv empfundenen Möglichkeitsraums“ führen. „Es wird vielleicht die wichtigste gesellschaftspolitische Herausforderung sein“, so Gangl, „die Lebensperspektiven junger Menschen in den Blick zu nehmen und zu stärken.“

Einen Überblick über die Studienergebnisse vermittelt Gangls Beitrag „Aus Krisen lernen“ in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt der Goethe-Universität; die Ergebnisse im Einzelnen wurden in begutachteten internationalen Fachzeitschriften, unter anderem in American Sociological Review, der weltweit führenden Zeitschrift der Disziplin, veröffentlicht.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2021) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: ott@pvw.uni-frankfurt.de.  
Alle Beiträge sind online verfügbar unter: www.forschung-frankfurt.de

Wissenschaftliche Publikationen
Giustozzi, Carlotta, und Markus Gangl: Unemployment and political trust 
across 24 Western democracies: Evidence on a welfare state paradox, Acta
Sociologica, 2021, https://doi.org/10.1177/00016993211008501

Goñalons-Pons, Pilar, und Markus Gangl. 2021. Marriage and masculinity:
Male‐breadwinner culture, unemployment, and separation risk in 29 countries.
American Sociological Review 86 (3): 465-502.
https://doi.org/10.1177/00031224211012442

Goñalons-Pons, Pilar, und Markus Gangl: Regulated earnings security: The
relationship between employment protection and unemployment scarring
during the Great Recession, Socio-Economic Review, 2021,
https://doi.org/10.1093/ser/mwaa049

Lindemann, Kristina, und Markus Gangl: Parental unemployment and the
transition into tertiary education: Can institutions moderate the
adverse effects?, Social Forces, 2020, Bd. 99, S. 616-647,
https://doi.org/10.1093/sf/soz155

Lindemann, Kristina, und Markus Gangl: The intergenerational effects of
unemployment: How parental unemployment affects educational transitions
in Germany, Research in Social Stratification and Mobility, 2019, Bd.
62, Art. 100410, https://doi.org/10.1016/j.rssm.2019.100410

Lindemann, Kristina, und Markus Gangl: Parental unemployment and the
transition to vocational training in Germany: interaction of household
and regional sources of disadvantage, European Sociological Review,
2019, Bd. 35, S. 684-700, https://doi.org/10.1093/esr/jcz027

Weitere Informationen
Prof. Dr. Markus Gangl
Institut für Soziologie
Goethe-Universität
mgangl@soz.uni-frankfurt.de
www.corrode-project.org


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Jul 16 2021
17:15

Was ist Hoffnung? Ein Gespräch mit der Philosophin Claudia Blöser in „Forschung Frankfurt“ zu den Folgen der Corona-Pandemie 

Das Gute für möglich halten 

Welche Rolle spielt Hoffnung in Krisenzeiten? In welchem Verhältnis steht Hoffnung zu Angst und Mut, Wissen und Glauben? Und was verstehen wir unter radikaler Hoffnung? Mit diesen Fragen befasst sich die Physikerin und Philosophin Claudia Blöser in der jüngsten Ausgabe von „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität. 

FRANKFURT. In Krisenzeiten suchen Menschen nach einem Zeichen der Hoffnung. Was genau unter Hoffnung zu verstehen ist, untersucht die Physikerin und Philosophin Claudia Blöser in ihrem Habilitationsprojekt an der Goethe-Universität. Ihr Fazit: „Hoffnung ist ein schwer greifbares Phänomen, das uns in vielen Formen begegnet. Doch die Philosophie kann Erhellendes über Natur und Rationalität der Hoffnung sagen.“ 

Hoffnung, so erläutert Blöser, ist beispielsweise klar von Optimismus zu unterscheiden, der das, was erwünscht ist, als wahrscheinlich ansieht. Hoffnung bezieht sich dagegen auf die Möglichkeit von etwas. Auch Wissen spielt für Hoffende eine Rolle, da sie die Sachlage kennen müssen, um nicht auf Illusorisches zu hoffen. Andererseits gibt es keine Hoffnung ohne Zweifel: Wer hofft, so Blöser, befinde sich grundsätzlich in unsicherer Lage. Immanuel Kant gilt ihr als zentraler Gewährsmann in der Philosophiegeschichte: „Was dürfen wir hoffen?“ ordnet Kant als eine der zentralen Fragen der Philosophie ein. Er war es auch, der darauf hinwies, dass Hoffnung dort ins Spiel kommt, wo der Mensch an die Grenzen seines Wissens und Handelns stößt. 

Auf den US-amerikanischen zeitgenössischen Philosophen Jonathan Lear verweist Blöser, wenn sie das Konzept der „radikalen Hoffnung“ beschreibt – eine krisengeprägte Hoffnung, die sich angesichts des Verlusts aller bisheriger Lebensgrundlagen auf nichts mehr beziehen kann als darauf, das Gute prinzipiell für möglich zu halten. Das vollständige Interview ist in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ zu finden, die diese Woche erschienen ist. Weitere Beiträge gehen zum Beispiel folgenden Fragen nach: Was wissen wir über die körperlichen Langzeitfolgen von COVID, insbesondere bei kardiologischen Beschwerden? Wie können wir unser Gesundheitssystem für künftige Pandemien besser aufstellen? Wie hat die Coronapandemie unser Zusammenleben geprägt? Was wird im Schulalltag übrigbleiben von Homeschooling und Distanzlernen? Und wie kann sich die Wirtschaft für weitere Krisen besser wappnen? Ein Blick in die Vergangenheit lehrt, wie im alten Athen Seuche und Exzess Hand in Hand gingen, wie sich in Europa die Juristen in der Pestbekämpfung durchgesetzt haben – und dass in China schon einmal die erfolgreiche Pandemiebekämpfung den Status der Machthaber festigte – bei den mächtigen Kaisern der Qing-Dynastie. 

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2021) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: sauter@pvw.uni-frankfurt.de

Alle Beiträge sind online verfügbar unter: www.forschung-frankfurt.de 

Weitere Informationen

Dr. Claudia Blöser 
Institut für Philosophie
Goethe-Universität
E-Mail: bloeser@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 14 2021
14:41

Lore-Steubing-Institut vernetzt Forschung zu Artenvielfalt und -verlust in Hessen – Hessische Ministerien für Umwelt und Forschung geben Unterstützung

Goethe-Universität an neuem hessischen Biodiversitätsinstitut beteiligt

Neben dem Klimawandel ist der zunehmende Verlust an Tier- und Pflanzenarten die größte Umweltbedrohung. Um die Forschung über Biodiversität zu intensivieren, haben sich heute mit der Goethe-Universität die Universitäten Gießen, Marburg und Kassel, die TU Darmstadt, die Hochschule Geisenheim, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zu einem hessischen Kompetenzzentrum zusammengeschlossen, dem Lore-Steubing-Institut für Biodiversitätsforschung. Das Institut wird zudem mit im Naturschutz engagierten Akteuren und Verbänden kooperieren. 

FRANKFURT. Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Enrico Schleiff, betont die Bedeutung des Forschungsnetzwerks: „Mit dem Lore-Steubing-Institut erhält die Biodiversitätsforschung in Hessen ein Momentum, das nicht nur dem Natur- und Artenschutz in Hessen zugutekommen wird, sondern das auch für deutschlandweite Ausstrahlung sorgen wird. Ich freue mich, dass die Goethe-Universität hier einen wichtigen Beitrag leisten kann. Ganz besonderer möchte ich Dekan des Fachbereichs Biowissenschaften, Prof. Sven Klimpel, zum Erfolg dieser Gründung beglückwünschen, der einen zweijährigen, intensiven Planungsprozess krönt.“ 

Präsident Schleiff weiter: „Biodiversitätsforschung ist seit vielen Jahren einer der strategischen Pfeiler der Goethe-Universität. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die gravierenden Veränderungen, die Landnutzung und Klimawandel auf Arten und Artengemeinschaften haben, wie Arten sich anpassen, wandern oder aussterben und wie Arten in der erdgeschichtlichen Vergangenheit auf Umweltänderungen reagiert haben. Auch die Vereinbarkeit von Landnutzung mit dem Artenschutz und die Erforschung von Natur-Gesellschaftssystemen gehören zu unseren Forschungsthemen. Institutionell wird dieses Forschungsengagement sichtbar in der engen wissenschaftlichen Vernetzung mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Forschungsverbünden wie etwa dem LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik, das sich mit den genetischen Grundlagen der biologischen Vielfalt befasst. “ Nicht zuletzt gehöre die Entwicklung pädagogischer Konzepte zur Vermittlung der Werte von Biodiversität zum Forschungskanon der Goethe-Universität, so Schleiff. 

In einem Festakt wurde das Lore-Steubing-Institut für Biodiversitätsforschung heute gegründet. Als Würdigung ihrer Verdienste ist es nach der 2012 verstorbenen Gießener Botanikerin und Ökologin Prof. Dr. Dr. h.c. Lore Steubing benannt. 

Link: Pressemitteilung des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie 


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 14 2021
14:02

Das Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt der Goethe-Universität nimmt die körperlichen Langzeitfolgen der SARS-CoV-2-Infektion in den Blick

Long-COVID: Das Herz nach Corona

Selbst wenn das Virus verschwunden scheint, ist COVID-19 bei vielen Menschen noch nicht vorbei: SARS-CoV-2 hinterlässt häufig einen geschädigten Herzmuskel. In der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt schildern Wissenschaftler:innen ihre beunruhigenden Erkenntnisse aus der Untersuchung eigentlich genesener Patientinnen und Patienten und ihre Suche nach den Krankheitsmechanismus. Unter dem Titel „Pandemie: Was bleibt?“ versammelt das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität ein facettenreiches Spektrum von Forschungsprojekten, Einschätzungen und Analysen von Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität zu den Auswirkungen der Pandemie auf Menschen und Gesellschaft. 

FRANKFURT. Dass selbst ein milder Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion langwierige Herzprobleme nach sich ziehen kann, musste die Spitzensportlerin Juliane Wolf am eigenen Leib erfahren: Nur langsam erholte sich ihr Herz von der Entzündung, die das Virus verursacht hatte. In der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt schildert Prof. Eike Nagel vom Institut für Translationale Kardiovaskuläre Bildgebung des Universitätsklinikums Frankfurt, dass es vielen COVID-19-Patientinnen und –Patienten ähnlich geht: Bei 78 Prozent der Probanden einer von seiner Kollegin Dr. Valentina Puntmann und ihm geleiteten Studie waren zwei Monate nach dem Beginn der Infektion Veränderungen am Herzen feststellbar. Er berichtet über seine Forschung an möglichen Therapien für solche frühen Formen der Herzmuskelentzündungen, ebenso wie die Herzforscherin Prof. Stefanie Dimmeler, die feststellen konnte, dass Herzmuskelzellen auf einem etwas anderen Weg infiziert werden als Lungenzellen.

In weiteren Beiträgen der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ berichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität darüber, welche Schäden die Pandemie im demokratischen System hinterlässt, wie sich die fehlende Nähe zu Kranken und Sterbenden auf die Psyche vieler Menschen ausgewirkt hat, ob das Homeschooling auch nach dem Lockdown eine Option bleibt und welche Chancen ein Neubeginn nach der Krise für Reformen in Wirtschaftspolitik und Gesundheitswesen bietet.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2021) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

Alle Beiträge sind online erhältlich unter: www.forschung-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 13 2021
16:29

Goethe-Universität erhält Landesförderung für „mutige“ Forschungsprojekte

Innovative Forschung: KI in der Archäologie, Langzeitzucker-Test ohne Piks und neuartige Schmerztherapie 

Forschungsprojekte, die besonders innovativ sind und damit gleichzeitig auch ein hohes Risiko haben zu scheitern, unterstützt das Land Hessen in der Förderlinie LOEWE-Exploration. Forscher der Goethe-Universität haben sich jetzt mit drei von zwölf LOEWE-Explorationsprojekten erfolgreich um Forschungsgelder in Höhe von jeweils 200.000 bis 300.000 Euro beworben. 

FRANKFURT. Die drei Frankfurter LOEWE-Explorationsprojekte befassen sich mit der Verwendung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Kolonialismus- und Provenienzforschung archäologischer Objekte, mit einem nicht invasiven Verfahren zu Bestimmung des Langzeitzuckerwerts zur Diabetes-Diagnose und -Überwachung sowie mit einem neuartigen Therapieansatz zur Behandlung chronischer Schmerzen. 

Mit der wirtschaftlichen Ausbeutung von Kolonien und kolonialartigen Machtstrukturen ging oft eine kulturelle Plünderung einher. Archäologische Funde wurden in Mengen außer Landes gebracht und verkauft. Deren wissenschaftliche Bewertung ist heute eine Herausforderung. Inwiefern Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, das wollen der Archäologe Dr. Matthias Recke und der Informatiker Dr. Karsten Tolle in einem gemeinsamen Projekt herausfinden, das in enger Kooperation mit dem Winkelmann-Institut der Humboldt-Universität Berlin unter Prof. Stephan Schmid geplant ist. Als Beispiel dienen die Grabungsfunde des aus Sachsen stammenden Max Ohnefalsch-Richter (1850-1917), der seine Sets aus archäologischen Stücken auf 100 großformatigen historischen Fotografien darbot, um sie bei der Berliner Gewerbeausstellung zu verkaufen. „Wir wollen dem Computer beibringen, die Artefakte zu erkennen“, hofft Recke. Mittels automatisierter Bilderkennung und neuronaler Netzwerke sollen die rund 5000 Objekte analysiert und eingeordnet werden. Langfristig könnten sich neue Möglichkeiten für die Aufarbeitung entsprechender Materialkomplexe in Museen und Sammlungen ergeben und Einblicke in die Verschränkung von Kolonialherrschaft und Antikenhandel. 

Anhaltend hoher Blutzuckerspiegel über Wochen will Prof. Viktor Krozer vom Physikalischen Institut der Goethe-Universität zusammen mit Prof. Dr. Pablo Acedo von der Universität Carlos III in Madrid mit einem neuartigen Verfahren bestimmen, bei dem kein Blut abgenommen wird. Bisher erfolgt ein Langzeitzuckertest über den so genannten HbA1c-Wert. Hier wird Blut abgenommen und in spezialisierten Laboren daraufhin untersucht, wie viele Zuckermoleküle am roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden sind. Erhöhte Werte deuten auf die Erkrankung Diabetes mellitus hin; bei Diabetikern hilft die Untersuchung, die Therapie zu kontrollieren. Das neue Verfahren, das an der Goethe-Universität entwickelt wird, „durchleuchtet“ die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger mit elektromagnetischer Strahlung im Millimeter-Wellenlängenbereich und bestimmt so nicht-invasiv den Langzeitzuckerwert im Blut. Bisher ist für die Auswertung der Messergebnisse ein erfahrener Wissenschaftler nötig. Künftig sollen die Daten über selbstlernende Computerprogramme (maschinelles Lernen) interpretiert werden, damit solche Messsysteme einmal in Point-of-Care-Stellen aufgestellt werden können. 

Die Behandlung chronischer Schmerzen ist schwierig, wenn sich das schmerzverarbeitende System dauerhaft verändert und überempfindlich wird. Denn auf diese Weise überdauern die Schmerzen den eigentlichen Heilungsprozess des entzündeten oder verletzten Gewebes, und viele Schmerzmittel wirken nicht mehr. Prof. Robert Fürst vom Institut für Pharmazeutische Biologie und Prof. Achim Schmidtko vom Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie (beide Goethe-Universität Frankfurt) untersuchen, inwieweit Sensibilisierungsprozesse im schmerzverarbeitenden System durch eine gezielte Hemmung der Protein-Biosynthese (mRNA-Translation) beeinflusst werden können. Im Projekt werden die beiden Forscher zum Beispiel untersuchen, wie sich verschiedene Translationsinhibitoren auf die Protein-Biosynthese in Nerven- oder Blutgefäßzellen auswirken und welche Nebenwirkungen damit verbunden sind. Dies könnte die Grundlage für eine neue Klasse von Schmerzmitteln legen, die spezifisch gegen chronische Schmerzen wirken würden. 

Weitere Informationen

„Künstliche Intelligenz zur Erschließung kolonialer Verwertungspraktiken archäologischer Objektsammlungen“ 

Dr. Matthias Recke
Institut für Archäologische Wissenschaften
Goethe-Universität
Telefon: 069 798-32301
recke@em.uni-frankfurt.de

Dr. Karsten Tolle 
Institut für Informatik
Goethe-Universität
Telefon: 069 798-28434
K.Tolle@em.uni-frankfurt.de 

„Selbstlernende Systeme für nicht-invasive Diabetesüberwachung“ 

Prof. Dr.-Ing. Victor Krozer
Physikalisches Institut/ Terahertz-Photonik
Goethe-Universität
Tel. 069 798-47212 
krozer@physik.uni-frankfurt.de 

„Gezielte Hemmung der mRNA-Translation zur Therapie chronischer Schmerzen“

Prof. Dr. Robert Fürst
Institut für Pharmazeutische Biologie
Goethe-Universität
Tel. 069 798-29655
fuerst@em.uni-frankfurt.de 

Prof. Dr. Dr. Achim Schmidtko
Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie
Goethe-Universität
Tel. 069 798-29376
schmidtko@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 12 2021
13:29

Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität zum Thema „Pandemie: Was bleibt?“ – Politologin Heike Holbig spricht im Interview über Chinas Vorgehen in der Coronakrise

„Die Wahrung gesellschaftlicher Stabilität hat Vorrang“

Wer erinnert sich nicht an die Bilder vom Januar 2020? Ein neuartiges Virus kursierte, und im Land der Mitte schien Chaos zu herrschen. Doch derlei Nachrichten verschwanden schon bald von den Bildschirmen, abgelöst durch eine Erfolgsmeldung nach der anderen. Wie erfolgreich war der autokratische Staat tatsächlich bei der Pandemiebekämpfung? Dieser Frage widmet sich ein Interview mit der Politologin und China-Expertin Prof. Heike Holbig in der neuen Ausgabe von Forschung Frankfurt, die heute erschienen ist. Das Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität nähert sich unter dem Titel „Pandemie: Was bleibt?“ dem Thema Pandemie aus unterschiedlichen Perspektiven. Das Heft kann (für Journalisten kostenfrei) bestellt werden über sauter@pvw.uni-frankfurt.de. Online steht es unter www.forschung-frankfurt.de/ zur Verfügung. 

FRANKFURT. Was Anfang 2020 geschah, war den Machthabern in China ein Dorn im Auge: Weltweit verbreitete sich die Ansicht, in China herrsche Chaos, das Gesundheitswesen sei zu schwach, um die vielen Kranken aufzufangen, und die Maßnahmen gegen das Virus seien rigide und menschenverachtend. Vor allem aber: Viel zu spät habe man reagiert und die Weltöffentlichkeit über die drohende Gefahr informiert. Doch nach kurzer Zeit hatte die chinesische Führung die Situation offenbar besser im Griff – oder vor allem die Nachrichtenlage? Seither feiert sich China für seine Erfolge. Doch wie erfolgreich war das chinesische Vorgehen tatsächlich? Kann der Westen gar von China lernen? Und wie hat sich der Status Chinas in der Welt verändert? Darüber gibt Prof. Heike Holbig, Politologin und China-Expertin, in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ Auskunft. Sie macht deutlich: Pandemien gelten in China als „hochgradig sensibel“, und „die Wahrung gesellschaftlicher Stabilität hat Vorrang.“ Was China uns ebenso wie die demokratischen Staaten Asiens voraushatte, war die Pandemieerfahrung. Aus Corona zu lernen, dass sollte auch für den Westen ein Gebot der Nachpandemiezeit sein. 

In weiteren Beiträgen der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ schauen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität denn auch genau hin: Was wissen wir über die körperlichen Langzeitfolgen von COVID, insbesondere bei kardiologischen Beschwerden? Wie können wir unser Gesundheitssystem für künftige Pandemien besser aufstellen? Wie hat die Coronapandemie unser Zusammenleben geprägt? Wie kann es trotz der Kontaktverbote menschlich bleiben? Was wird im Schulalltag übrigbleiben von Homeschooling und Distanzlernen? Und wie kann die Wirtschaft noch besser gewappnet sein? Ein Blick in die Vergangenheit lehrt, wie im alten Athen Seuche und Exzess Hand in Hand gingen, wie sich in Europa die Juristen in der Pestbekämpfung durchgesetzt haben – und dass in China schon einmal die erfolgreiche Pandemiebekämpfung den Status der Machthaber festigte – bei den mächtigen Kaisern der Qing-Dynastie.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2021) kann von Journalisten kostenlos bestellt werden bei: sauter@pvw.uni-frankfurt.de

Alle Beiträge sind online erhältlich unter: www.forschung-frankfurt.de/ 

Weitere Informationen 

Prof. Dr. Heike Holbig
Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Area Studies China/Ostasien
Goethe-Universität 
holbig@soz.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 8 2021
13:24

Die deutsche Konferenz zum EU-Forschungsprojekt „Working, Yet Poor“ findet an der Goethe-Universität statt

Warum Arbeit nicht immer gegen Armut hilft

FRANKFURT. Wie kann es sein, dass im reichen Europa fast zehn Prozent der Erwerbstätigen von Armut betroffen sind? Selbst in Europas führender Wirtschaftsnation Deutschland ist das Phänomen „arm trotz Arbeit“ verbreitet. Das europäische Forschungsprojekt „Working, Yet Poor“ (WorkYP) soll den Ursachen und Mechanismen auf den Grund gehen. Die Konferenz zur Situation in Deutschland findet

am Montag, 19. Juli, von 10 bis 16 Uhr
auf der Online-Plattform Zoom

statt, organisiert an der Goethe-Universität. Hier ist auch das deutsche Teilprojekt angesiedelt, nämlich an der Professur für Arbeitsrecht und Bürgerliches Recht von Prof. Dr. Bernd Waas. Unter der Projektleitung von Dr. Christina Hießl wird untersucht, welche sozialen und rechtlichen Gründe dafür verantwortlich sind, dass immer mehr Menschen auch hierzulande trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet sind.

„Die Konferenz dient dazu, das Problem ‚Armut trotz Arbeit' für Deutschland möglichst transparent zu machen und Lösungsansätze zu diskutieren“, erklärt Projektleiterin Dr. Christina Hießl im Interview für Goethe-Uni online (Link s. unten). Die Beiträge auf der Frankfurter Konferenz werden von hochrangigen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und von den Sozialpartnern bestritten. Katharina Erbeldinger, die Federführende Referentin für Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung, spricht zum Beispiel über die Sicherung auskömmlicher Erwerbsarbeit als gemeinsame Aufgabe von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Prof. Dr. Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung befasst sich in seinem Vortrag u.a. mit aktuellen Befunden der Armutsforschung, und Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, wird die Bedeutung von Mindestlöhnen und Tarifbindung für die Eindämmung des Niedriglohnsektors beleuchten. Die Rolle des Niedriglohnsektors und atypischer Arbeitsformen wird von Benjamin Baykal aus der Sicht der BDA und Ruxandra Empen aus der Perspektive des DGB beleuchtet.

Fast zehn Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung der EU waren 2017 von Armut bedroht, das entspricht etwa 20,5 Millionen EU-Bürgern. Außer den negativen Folgen für den Einzelnen wie soziale Ausgrenzung und mangelnde Teilhabe gefährdet Armut trotz Erwerbstätigkeit auch ein wesentliches Merkmal der EU-Staatsbürgerschaft: den Anspruch auf ein menschenwürdiges Leben. Grundlage staatlicher Maßnahmen ist die Kenntnis der Ursachen, wozu das WorkYP-Projekt ins Leben gerufen wurde.

Die Verteilung der Armut trotz Erwerbstätigkeit fällt in Europa sehr unterschiedlich aus, was auf unterschiedliche soziale und rechtliche Systeme oder Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zurückzuführen ist. Die Gründe für diese Unterschiede werden jetzt im Rahmen des WorkYP-Projekts untersucht; die Situation in sieben EU-Ländern mit unterschiedlichen Sozial- und Rechtssystemen (Luxemburg, Belgien, Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen und Schweden) wird analysiert, um Best-Practice-Lösungen zur Bekämpfung der Armut trotz Erwerbstätigkeit in allen Systemen vorzuschlagen.

Horizon 2020 ist das Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation, das 2014 ins Leben gerufen wurde und Kooperationsprojekte in Forschung und Innovation fördert. Teilnahmeberechtigt sind Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen. Horizon 2020 finanziert jährlich 6.000 Projekte.

Anmeldung zur Konferenz „Armut trotz Arbeit in Deutschland“ bis 14. Juli bei Frau Anna Jansen (jansen@jura.uni-frankfurt.de).

Das Programm finden Sie unter https://www.uni-frankfurt.de/102999140

Link zum Interview mit Dr. Christina Hießl bei GOETHE-UNI online:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/interview-dr-christine-hiessl-zum-horizon-2020-projekt-armut-trotz-arbeit

Informationen:
Dr. Christina Hießl
Professur für Arbeitsrecht und Bürgerliches Recht
Fachbereich Rechtswissenschaft
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: hiessl@jura.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 8 2021
13:05

Bericht über ein ungewöhnliches Geschenk, das vom Universitätsarchiv der Goethe-Universität angefertigt wurde, im neuen UniReport.  

Bewegender Moment: israelischer Staatspräsident erhält das Frankfurter Studienzeugnis seines Vaters

FRANKFURT. Frank-Walter Steinmeier sprach danach vom „vielleicht emotional bewegendsten Moment meiner Amtszeit“. Bei seinem dritten Staatsbesuch in Israel übergab der deutsche Bundespräsident seinem Kollegen Reuven Rivlin eine Urkunde von hohem historischen wie auch familiären Wert:  Es handelt sich um das Studienzeugnis von Yoel Yosef Rivlin, dem Vater von Reuven Rivlin. Im November 1922 immatrikulierte sich Yoel Yosef Rivlin sich an der Universität Frankfurt, seine Studienfächer waren Semitische Philologie und Islamwissenschaft. 1927 promovierte er mit einer Arbeit zum Thema „Das Gesetz im Koran. 1. Teil: Kultus und Ritus“. Nach der Promotion ging Rivlin an die Hebräische Universität von Jerusalem, wo er später als Professor lehrte. Ein Geschenk, das seine Wirkung nicht verfehlte: „Vielen Dank, mein Freund Präsident Steinmeier, für diese bewegende Geste“, schreibt der scheidende Staatspräsident Reuven Rivlin auf Twitter.

PD Dr. Michael Maaser, Archivar der Goethe-Universität, beschreibt im neuen UniReport die Hintergründe eines außergewöhnlichen Staatsgeschenks. Die Idee dafür entstand auf Anregung von Uwe Becker, dem „Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus“. Ausgewählt haben das Dokument die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Universitätsarchivs, die Frankfurter Kunsthandlung Julius Giessen rahmte das Zeugnis. Auf der Rückseite des Bilderrahmens unterschrieben der Bundespräsident, Uwe Becker sowie der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Enrico Schleiff.

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

- Angriffe auf die Wissenschaft: Der Historiker Ralf Roth hat einen Sammelband über politische Unterdrückung und ökonomische Gefährdung der Wissenschaftsfreiheit herausgegeben.
- Wie die Erde bewohnbar wurde: Die Mineralogin Sonja Aulbach bringt mit ihrer Forschung zur Plattentektonik und zur Metamorphose der Gesteine Paradigmen ins Wanken.
- Weg mit der Papier-Biologie: Der Biologie-Didaktiker Paul Dierkes setzt sich dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler Begegnungen mit realen Objekten haben.
- Lebendiger Austausch mit dem Denken in anderen Traditionen: Der 50. Band der Reihe „Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters“ ist erschienen.
- Schulschließungen: Lerneffekt wie nach den Sommerferien? Ein Interview mit dem Pädagogischen Psychologen Andreas Frey über seine Untersuchungsergebnisse – und die Reaktionen darauf.
- „Frankfurt Alliance soll Forschungsexzellenz besser vernetzen und Wissenschaftsstandort international attraktiver machen“: Ein Beitrag von Universitätspräsident Enrico Schleif.
- Zwischen Bühne und Bibliothek: Wie der Frankfurter Master „Comparative Dramaturgy and Performance Research“ beides zusammenbringt.
- Corona: weniger Bewegung und Wohlbefinden, zeigt eine internationale Studie unter Frankfurter Leitung.
- Ein Versuch, die eigene Zeit in Gedanken zu erfassen: Der Philosoph und Publizist Rolf Wiggershaus über die bei Suhrkamp erschienene Zwischenbilanz des Frankfurter Forschungsprogramms „Normative Ordnungen“.
- Wie die Digitalisierung Räume und Orte der Arbeit verändert: Die Britin Lizzie Richardson ist seit letztem Jahr Professorin für Digitale Geographie am Institut für Humangeographie.
- „Worum geht es darin also? Schlichtweg um alles“: Wolfgang Schopf über Eva Demskis Roman „Scheintod“, der in diesem Jahr im Zentrum von „Frankfurt liest ein Buch“ steht.
- Der Westen ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt: Der Kultur- und Literaturwissenschaftler Ladislaus Ludescher hat in einer Langzeitstudie untersucht, wie der Globale Süden in den Nachrichten behandelt wird.
- Vom abgebrochenen Studium ins Handwerk: In Frankfurt geht das gemeinsame Projekt von Handwerkskammern und Universität weiter.

Der UniReport 4/2021 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 7 2021
16:24

VW-Stiftung fördert neue Projekte an der Goethe-Universität zur Entwicklung von Medikamenten gegen SARS-CoV-2

COVID-19-Behandlung: Erforschung zweier Angriffspunkte des viralen Stoffwechsels

Zwei Forschungskooperationen der Goethe-Universität zu neuen COVID-19-Therapieansätzen fördert jetzt die Volkswagenstiftung mit insgesamt rund 1,4 Millionen Euro: Ein Projekt wird erforschen, wie die Genregulation des Virus gezielt gestört werden kann („Target-RNA-antiV“, zusammen mit TU Darmstadt). Das zweite Projekt wird untersuchen, wie ein für die Virusvermehrung wichtiges Virenprotein blockiert werden kann („CoVmacro“, zusammen mit RWTH Aachen, LMU München und Forschungszentrum Jülich). Die Projekte werden für jeweils 36 Monate unterstützt.

FRANKFURT. Mit kleinen Wirkstoff-Molekülen wollen Forschende der Goethe-Universität in Kooperation mit weiteren Institutionen SARS-CoV-2 lahmlegen. Kleine Moleküle werden in der Wirkstoffforschung häufig eingesetzt, weil sie leichter in menschliche Zellen eindringen können als große Moleküle und weil sie verhältnismäßig leicht zu synthetisieren sind. Ist eine potenzielle Zielstruktur etwa eines Virus bekannt, lassen sich ganze Bibliotheken solcher kleinen Moleküle durchsuchen, um die Kandidaten zu identifizieren, die an die Zielstruktur binden.

Das Projekt „Target-RNA-antiV“ setzt bei der Wirkstoffsuche direkt am viralen Erbgut RNA an. Dabei bauen Prof. Maike Windbergs und Prof. Harald Schwalbe (beide Goethe-Universität) und Dr. Julia Weigand (TU Darmstadt) auf Arbeiten des internationalen COVID-19-NMR-Konsortiums auf (vgl. https://tinygu.de/GenomFaltung), das im Genom von SARS-CoV-2 insgesamt 15 Steuerungselements identifiziert hat. Mit deren Hilfe dirigiert das Virus den Infektionsablauf in der menschlichen Zelle. Eines dieser Steuerungselemente steht im Fokus von „Target-RNA-antiV“. Es handelt sich um eine Art Schalter, mit dem das Virus aus demselben Stück Erbgut zwei verschiedene Virusproteine herstellen kann (RNA-Pseudoknotenlement). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden kleine Moleküle suchen, die diesen Schalter blockieren, sodass das Virus eine Reihe wichtiger Proteine nicht mehr herstellen kann. Viel versprechende Wirkstoffkandidaten sollen dann als Spray auf 3D-Zellkulturmodellen der menschlichen Lunge gesprüht werden, um die potenzielle Anwendbarkeit als Therapeutikum zu testen.

Das Projekt „CoVmacro“ fokussiert auf das Virenprotein nsP3, mit dessen Hilfe SARS-CoV-2 unter anderem die zelluläre Abwehrreaktion unterbindet. Dass ein bestimmter Teil von nsP3, die sogenannte Makrodomäne, ein Angriffspunkt für Medikamente sein kann, hatten bereits frühere Arbeiten zeigen können (vgl. https://tinygu.de/Remdesivir). Mithilfe der Makrodomäne sorgt das Virus dafür, dass es Zellen nicht mehr gelingt, Signalwege zu Stress- und Abwehrreaktionen zu aktivieren. Biochemisch verhindert die virale Makrodomäne, dass der Zucker ADP-Ribose an entsprechende zelluläre Signalproteinen angehängt wird, um die Signalkette zu aktivieren. Prof. Stefan Knapp (Goethe-Universität) sucht gemeinsam mit Prof. Bernhard Lüscher, Dr. Patricia Korn (beide RWTH-Aachen), Prof. Andreas Ladurner (LMU München) und Prof. Giulia Rossetti (Forschungszentrum Jülich) nach kleinen Molekülen, die die virale Makrodomäne hemmen und damit die zelleigene Abwehr stärken können. Da die Makrodomäne bei vielen anderen Coronaviren, bei Hepatitis-E-Viren und Alphaviren wie dem Chikungunya-Virus sehr ähnlich aufgebaut ist, könnten mögliche Therapieansätze auf bei anderen Viruserkrankungen greifen.

Weitere Informationen:

Target-RNA-antiV
Prof. Dr. Maike Windbergs
Institut für Pharmazeutische Technologie,
Buchmann-Institut für Molekulare Lebenswissenschaften (BMLS)
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 798-42715
windbergs@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Harald Schwalbe
Institut für Chemie und chemische Biologie
Center for Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ)
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798-29137
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de

CoVmacro
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie und
Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798-29871
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/53483664/Knapp


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 7 2021
13:52

Die Forschungsgruppe „Rekonfiguration und Internalisierung von Sozialstruktur“ (RISS) untersucht den sozialen Wandel der Gegenwart

Wie sich die Gesellschaft verändert

Unsere Vorfahren würden staunen: Frauen und Arbeiterkinder im Arztkittel, Menschen mit Migrationsgeschichte in der Richterrobe und in den großen Firmen hochqualifizierte Beschäftigte aus der ganzen Welt. Dies sind Beispiele für soziostrukturellen Wandel, der Auswirkungen auf die sozialen und politischen Orientierungen der Menschen hat. Einerseits erleben wir ein hohes Maß an sozialer Mobilität und Teilhabe, andererseits nehmen auch Benachteiligungen und gesellschaftliche Konflikte zu. Was passiert da mit der Gesellschaft, und wie wirkt sich das auf den Einzelnen und das Kollektiv aus? Damit befasst sich eine neue Forschungsgruppe unter Beteiligung von Soziologie und Politologie an der Goethe-Universität.  

FRANKFURT. An der Goethe-Universität gibt es eine neue Forschungsgruppe: Wie die DFG gestern bekanntgegeben hat, kann das Projekt mit dem Titel „Rekonfiguration und Internalisierung von Sozialstruktur“ („Reconfiguration and Internalization of Social Structure“, RISS) im Herbst die Arbeit aufnehmen. Die Förderung für zunächst vier Jahre ist befürwortet worden, insgesamt erhält die Forschungsgruppe rund 3 Millionen Euro. Im Zentrum des Projekts steht der gesellschaftliche Wandel und dessen Auswirkungen in ihrer ganzen Komplexität.

Es gibt verschiedene Hypothesen dazu, wie sich der gesellschaftliche Wandel, der an so vielen Stellen zu beobachten ist, langfristig auswirken könnte: Wird die sozialstrukturelle Durchmischung von Menschen mit unterschiedlichen Gruppenzugehörigkeiten zu mehr Integration und Einigkeit führen? Oder ist eher das Gegenteil der Fall, und die Identifikation mit der Gesellschaft schwindet? Wer aufmerksam die Geschehnisse verfolgt, kann nicht übersehen: Nach Jahren einer sozial durchlässigen Sozialstruktur und erhöhter Mobilität gibt es weniger soziale und politische Stabilität als früher, nicht mehr. Die Forschungsgruppe RISS will nun eine Theorie entwickeln und empirisch testen, die die soziostrukturelle Prägung von individuellen und kollektiven Orientierungen erklären hilft. Sprecherin ist die Soziologin Prof. Dr. Daniela Grunow von der Goethe-Universität, wo auch die meisten Mitglieder der Gruppe forschen und lehren. Ko-Sprecher ist Prof. Dr. Richard Traunmüller von der Universität Mannheim.

„Die Entfremdung von demokratischen Prinzipien und die Polarisierung der Gesellschaft wird zunehmend als Problem wahrgenommen. Ich freue mich, dass an der Goethe-Universität nun mit Nachdruck daran gearbeitet wird, dieses Phänomen wissenschaftlich besser fassen zu können“, sagt Prof. Dr. Bernhard Brüne, als Vizepräsident zuständig für Forschung. „Wir gehen von einem dezidiert multidimensionalen Ansatz zur Sozialstruktur aus und wollen die Komplexität der Thematik in einer Kombination aus Sozialstrukturanalyse und Politischer Soziologie untersuchen“, erklärt Daniela Grunow, die Sprecherin der Gruppe.

Wie lassen sich eine „individualisierte“ Sozialstruktur oder das Ende der „politisierten“ Sozialstruktur mit der menschlichen Neigung zur Gruppenbildung und den gegenwärtigen soziopolitischen Konflikten vereinbaren? Die Komplexität dieser Fragestellung, so Grunow, werde bislang von der Forschung nicht ausreichend abgebildet. Die Forschungsgruppe schlägt eine neue analytische Perspektive vor. „Obwohl sich die Sozialstruktur dramatisch verändert hat, hat sie nichts von ihrer prägenden Kraft eingebüßt. Statt einer Auflösung der Sozialstruktur erleben wir ihre grundlegende Rekonfiguration sowie eine veränderte Internalisierung von Sozialpositionen und Gruppenzugehörigkeiten“, erläutert die Soziologin. Um diese Transformationen zu begreifen, sollen die neuartigen Sozialstrukturen daraufhin untersucht werden, wie sie Sichtweisen, Überzeugungen und Präferenzen prägen. Bislang konzentriere sich die Forschung auf einzelne strukturelle Dimensionen wie Bildungserfolg, sozioökonomischer Status, Geschlechterverhältnis oder Migration und ethnische Vielfalt. Es sei jedoch notwendig zu verstehen, wie sich Wandel in diesen Einzeldimensionen verschränkt und umfassende Rekonfigurationen der Sozialstruktur bedingt.

Die Initiative des breit angelegten Projekts geht von InFER aus, dem Institut für empirisch-analytische Forschung an der Goethe-Universität. InFER ist 2016 von Prof. Dr. Grunow und ihren Kolleginnen und Kollegen gegründet worden, insgesamt sind rund ein Dutzend Professorinnen und Professoren der Goethe-Universität mit ihren Teams daran beteiligt. Ziel des Instituts ist es, empirisch-analytische Forschung zu sozialem Wandel, sozialer Ungleichheit sowie politischer Partizipation und Repräsentation zu stärken. InFER wird die neue Forschergruppe vor allem infrastrukturell unterstützen.


Porträt von Prof. Dr. Daniela Grunow zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/102967811 

Bildtext: Prof. Dr. Daniela Grunow ist Sprecherin der neuen DFG-Forschungsgruppe RISS an der Goethe-Universität. (Foto: Jan Hering)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Daniela Grunow
Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Quantitative Analysen gesellschaftlichen Wandels
Institut für Soziologie
Goethe-Universität
Telefon 069 798-36645 (Sekretariat)
E-Mail grunow@soz.uni-frankfurt.de
Homepage https://www.fb03.uni-frankfurt.de/44692678/Prof__Dr__Daniela_Grunow


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 6 2021
13:28

Kooperation von Forschung und Praxis als Impulsgeber

Digitalkompetenzen in Hessens Wirtschaft stärken 

Die Pandemie hat nochmal verdeutlicht, wie wichtig Digitalkompetenzen für Beschäftigte und Betriebe sind. Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität beforscht die Entwicklung solcher Kompetenzen in Kooperation mit Branchenverbänden, Unternehmen und Wirtschaftsförderungen in Hessen.  

FRANKFURT. „Die Digitalisierung der hessischen Wirtschaft kann nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn es gelingt, Beschäftigte in diesem Prozess mitzunehmen. Erst Beschäftigte mit Digitalkompetenzen können sicherstellen, dass die Potenziale von digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien in den Betrieben voll erschlossen werden“, sagt Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität. Deshalb haben sich viele hessische Unternehmen bereits vor der Pandemie die Frage gestellt, wie es gelingen könnte, Beschäftigte beim Aufbau solcher Kompetenzen zu unterstützen. Dabei hat sich eine Kooperation zwischen Forschung und Praxis als zielführend erwiesen, um Entwicklungsimpulse für den Aufbau von Digitalkompetenzen zu setzen. Die bewährte Kooperation zwischen hessischer Wirtschaft und IWAK soll nun verstärkt fortgesetzt werden.  „Ein solches Ineinandergreifen von Wissenschaft und Wirtschaft ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Ich würde mir mehr solcher Kooperationen wünschen“, sagt Prof. Dr. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität.

Virtueller Lunch-Talk des IWAK
Unter dem Titel „Digitalkompetenzen aufbauen. Impulse für die Weiterentwicklung setzen. Perspektiven aus Forschung und Praxis“ findet

am 9. Juli 2021 (11.30 bis 12.30 Uhr)
auf der Konferenz-Plattform Zoom
https://uni-frankfurt.zoom.us/j/99189471378?pwd=K2c4eUZySkpveTZkV0RBN1dONE0wQT09 -
Meeting-ID: 991 8947 1378 - Kenncode: 101064

ein Lunchtalk statt, bei dem Befunde zum Erwerb von Digitalkompetenzen vor und während der Pandemie aus der angewandten Forschung und der betrieblichen Praxis vorgestellt werden. Das Programm finden Sie unter: http://www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2021/06/Einladung-Lunch-Talk-9-Juli-11_30-bis-12_30-Uhr-Thema_Digitalkompetenzen.pdf. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vorreiterprojekt in der hessischen Chemie- und Pharmabranche
Mit Hilfe von Fördermitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung sowie des Europäischen Sozialfonds wurde seit 2018 das „Netzwerk für digitale Qualifizierung in der Chemie (DQC_Net)“ etabliert. Dieses Netzwerk, das vom Bildungsdienstleister Provadis (Höchst) initiiert und koordiniert wurde, dient als Basis, um digitale Kompetenzen stärker in Aus- und Weiterbildung zu verankern. Betriebe und Sozialpartner sollen sich hier auf Augenhöhe begegnen können Dabei geht es vor allem um konzeptionelle Impulse für die Praxis – und um digitale Lerntools. (www.provadis.de/provadis-gruppe/bildungsprojekte/bildungsinnovationen/).

„Die Kooperation schafft Synergien und bringt damit mehr Tempo in die Entwicklung von Digitalkompetenzen in der Branche“, stellt Dr. Karsten Rudolf, Bereichsleiter Bildungs- und Forschungsprojekte bei Provadis fest. Das IWAK begleitet die Aktivitäten im Netzwerk wissenschaftlich, evaluiert deren Nutzen für die Praxis und unterstützt so nicht nur die Betriebe im Netzwerk, sondern bietet auch Impulse für weitere Betriebe, die die Digitalkompetenzen ihrer Beschäftigten über Aus- und Weiterbildung fördern möchten. „Die Evaluierung hilft zu verstehen, wie der Erwerb von Digitalkompetenzen besonders in der Ausbildung gut stattfinden kann“, sagt Dr. Christa Larsen. Klar sei: Die Grundlage fürs Lernen bleibe das Vertrauensverhältnis zwischen Ausbildern und Auszubildenden. Digitales Lernen bedeute, gezielt digitale Tools einzusetzen, die einen klaren Nutzen haben und damit Motivation und Lernbereitschaft fördern. „Die gezielte Evaluierung hat uns auch deutlich gemacht, dass das Herzstück der dualen Ausbildung, die Kooperation der Lernorte Betrieb und Berufsschule, bisher noch sehr wenig digitalisiert ist. Das wollten wir schnell ändern“, so Jürgen Funk, Geschäftsführer Verbandskommunikation und Politische Öffentlichkeitsarbeit bei der Hessenchemie. 

Deshalb wird auf Initiative der Hessenchemie seit März 2020 gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Provadis und dem VCI Hessen das Projekt „#HESSEN.Bildung.digital“ durchgeführt (https://www.bildung.digital/Hessen). An zehn Standorten arbeiten Vertreter von Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen in Entwicklungsprojekten eng zusammen, um Kommunikation, Kooperation, aber auch das Lehren und Lernen mit digitalen Instrumenten zu fördern. Es gibt Online-Schulungen und fachliche Begleitung, man lernt im kollegialen Austausch voneinander. Die begleitende Evaluierung durch das IWAK zeigt einen großen Bedarf an Digitalisierung, die Bedingungen für die Umsetzung indes können herausfordernd sein. „Wir erkennen über die wissenschaftliche Begleitung, wo die Herausforderungen liegen, jedoch auch die Chancen einer digital unterstützten Lernort-Kooperation in der Praxis“, sagt Jürgen Funk, Geschäftsführer der Hessenchemie. Dieses Wissen könne sicherstellen, dass Berufsschulen und Betriebe effektiver und kontinuierlicher zusammenarbeiten, so dass die jungen Menschen profitieren.

Die Entwicklung von Digitalkompetenzen während der Pandemie wird durch die Wirtschaftsförderer in den 26 hessischen Kreisen und kreisfreien Städten begleitet. Das Hessische Wirtschaftsministerium fördert im Projekt „regiopro“ ein Expertenpanel der hessischen Wirtschaftsförderer, das vom IWAK aufgebaut wurde. Seit April 2020 monitort das IWAK darüber die Entwicklung der Wirtschaft in den Regionen, ein Fokus liegt auf dem Stand der Digitalkompetenzen. Dabei hat sich gezeigt, dass sich die Digitalkompetenzen, die in einzelnen Arbeitsbereichen erforderlich sind, stark voneinander unterscheiden. Für einige Beschäftigtengruppen ist bereits der Umgang mit Videokonferenztools der Kern der notwendigen Digitalkompetenzen, Beschäftigte in Spezialfunktionen benötigen oft weitere digitale Fachkenntnisse. „Das ist wenig überraschend, Beschäftigte benötigen spezifische Kompetenzen je nach Zuschnitt ihrer Arbeit. Bei den Digitalkompetenzen ist dies auch nicht anders“, stellt Larsen fest. „Die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, hat in der Pandemie allerdings deutlich zugenommen – eine gute Ausgangslage angesichts der anstehenden Veränderungen in der Arbeitswelt“, urteilt sie.

Weitere Informationen
Für Auskünfte und Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Campus Bockenheim
Telefon 069 798-22152
E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

In einem Lego-Marathon bauten drei Tage lang sechs Schüler:innen und Studierende aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden Württemberg an der Goethe-Universität Frankfurt aus mehr als 16.000 Teilen im Maßstab 1:32 den Teilchendetektor ALICE nach, der am Teilchenbeschleuniger LHC des Europäischen Zentrums für Teilchenphysik CERN in Genf steht. Am Original forschen unter anderem Physiker:innen der Goethe-Universität. Das durch die Teilnehmenden über ein halbes Jahr hinweg entwickelte Modell wird in Zukunft unter anderem im Fachbereich Physik zu bestaunen sein.

FRANKFURT / MÜNSTER (WESTF.). Die 17 Schüler:innen und Studierende, die im Januar einer Einladung des ErUM ALICE-Forschungsschwerpunkts durch Physiker:innen der Goethe-Universität und der Universität Münster folgten, hatten Großes vor: Mithilfe spezieller Konstruktionsprogramme wollten sie – begleitet von Wissenschaftler:innen – ein detailgetreues Modell des Teilchendetektors ALICE entwerfen. Nach vielen Arbeitsstunden stand der Plan, die 16244 Einzelteile waren bestellt, und der Zusammenbau konnte beginnen.

An einem Freitagabend reisten die Teilnehmenden nach Frankfurt und Münster an, und am Sonntag war es geschafft: Die beiden 50 Zentimeter hohen, 87 Zentimeter langen und knapp 17 Kilogramm schweren Modelle waren fertig.

ALICE-Koordinator Marcus Mikorski, der das Modell-Projekt an der Goethe-Universität leitete, ist stolz auf die Leistung der Schüler:innen und Studierenden: „Die Frankfurter Teilnehmenden waren hochmotiviert und haben dieses Projekt mit großem Geschick umgesetzt. Auch bei unseren Kolleginnen und Kollegen an der Universität Münster war das Projekt ein großer Erfolg. Wir haben gemerkt, dass die Teilnehmenden sich durch die Konstruktion intensiv mit den verschiedenen Funktionselementen eines solchen hochkomplexen Teilchenbeschleunigers auseinandergesetzt und auf diese Weise viel über Detektortechnologie und Teilchenphysik gelernt haben.“

An der großen Teilchenbeschleunigeranlage CERN in Genf gehen Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt grundlegenden Fragen der Physik nach: Was ist Materie? Wie hat sich das Universum entwickelt? Dazu lassen die Forscher:innen Atomkerne mit hohen Geschwindigkeiten aufeinanderprallen und zerlegen sie in ihre elementaren Bestandteile. Vermessen werden diese Materie-Bausteine mithilfe großer Teilchendetektoren. Der ALICE-Detektor misst die Teilchen, die bei der Kollision von Blei-Ionen entstehen – 900 Millionen Teilchen pro Sekunde. Eines der Forschungsziele ist es, den Zustand von Materie kurz nach dem Urknall verstehen zu lernen. Im Original ist der ALICE-Detektor 26 Meter lang und 16 Meter hoch.

Künftig, so plant Mikorski, soll es die Bauanleitung nach kleinen Überarbeitungen, auch frei verfügbar im Internet geben. Wer mag, kann dann auch selbst zur ALICE-Modellbaumeister:in werden.

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/102880893

Bildtext: Der Lego-Workshop am Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt. Fotos: Jürgen Lecher für Goethe-Universität

Weitere Informationen
Marcus Mikorski
Koordinator für den BMBF-Forschungsschwerpunkt ALICE
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: 069 798-47099
marcus.mikorski@cern.ch


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jul 5 2021
14:16

50. Band der Reihe „Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters“ erschienen - Internationales Kolloquium im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Lebendiger Austausch mit dem Denken in anderen Traditionen

FRANKFURT. Das Mittelalter wird immer noch häufig als „finster“ bezeichnet. Doch wie verfehlt dieses Bild ist, zeigt auf eindrückliche Weise die im Verlag Herder erscheinende Reihe mit philosophischen Texten aus der Zeit zwischen dem 8. und 16. Jahrhundert, als überall in Europa Schulen und Universitäten entstanden und zum Ort des wissenschaftlichen Suchens und des rationalen Disputs wurden. Im 50. Band der Reihe „Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters“ legt der international bekannte Philosoph und Mediävist Ruedi Imbach (Universität Sorbonne/Universität Fribourg) eine Auswahl von Texten mit neuer Übersetzung aus dem Kommentar des Thomas von Aquin zur „Metaphysik des Aristoteles“ vor. Aus diesem Anlass haben die Herausgeberin und die Herausgeber der Reihe zu einem Internationalen Kolloquium eingeladen, das am heutigen Montag im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg stattfindet. 

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, dankte in seinem Grußwort den Herausgeber*innen und Übersetzer*innen der Reihe: „Sie leisten mit ihren Übersetzungen und Einführungen einen unverzichtbaren Beitrag zur Erschließung der geistigen Grundlagen sowie der kulturellen Herkunft und Identität Europas. Diese beruhen auf einer Rezeption der Quellen der Antike rund um das Mittelmeer und ganz wesentlich auf einer Mehrsprachigkeit Europas und einem Austausch zwischen den Religionen, der Philosophie und den Wissenschaften.“

„Mit unserer ‚Bibliothek der Philosophie des Mittelalters' führen wir in die breite Wissenschaftskultur einer Epoche ein, die das Erbe der antiken Welt mit der Gegenwart verbindet. So wird deutlich, dass in die Kultur Europas, wie Umberto Eco einmal sagte, im Gelingen der ‚Übersetzung' wurzelt: in der Suche nach Verständigung zwischen den unterschiedlichen Sprachen und Traditionen", betonte Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Mitherausgeber  der Reihe, in seiner Begrüßung.

Seit 2005 werden in dieser Reihe jährlich drei bis vier Bände ediert, die jeweils neben dem Originaltext eine deutsche Übersetzung und eine umfassende Einführung enthalten. Es ist eine Besonderheit der Edition, nicht nur auf wissenschaftliche Texte in der im Mittelalter verbreiteten lateinischen Sprache zurückzugreifen, sondern ebenso philosophische Abhandlungen im arabischen, hebräischen, syrischen, judeo-arabischen oder altsyrischen Original vorzulegen.

Auf diese Weise leistet die Reihe mit ihren Übersetzungen und Einführungen einen unverzichtbaren Beitrag zur Erschließung der geistigen Grundlagen sowie der kulturellen Herkunft und Identität Europas. Diese beruhen auf einer Rezeption der Quellen der Antike rund um das Mittelmeer und ganz wesentlich auf einer Mehrsprachigkeit Europas und einem Austausch zwischen den Religionen, der Philosophie und den Wissenschaften. 

Ein Interview mit Prof. Matthias Lutz-Bachmann über die Reihe ist im aktuellen UniReport erschienen: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/50-band-der-reihe-herders-bibliothek-der-philosophie-des-mittelalters-erschienen

Kontakt
Ursula Krüger, M.A., Institut für Philosophie, Goethe-Universität Frankfurt,
krueger@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 2 2021
14:26

Jahreskonferenz 2021 des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) widmet sich Konflikten, sozialen Ungleichheiten und Chancen in Krisenzeiten

„Zusammenhalt in der Krise“

FRANKFURT. Wir durchleben mit der Pandemie eine epochale Krise, deren Dimensionen erst nach und nach sichtbar werden. In einer solchen Zeit, in der es darum geht, eine existenzielle Bedrohung abzuwenden und Solidarität zu üben, wird der soziale Zusammenhalt in der politischen Kommunikation und in Wahlprogrammen intensiv beschworen. Aber was genau heißt dabei Zusammenhalt, und woraus speist er sich in unterschiedlichen Kontexten? Die Jahreskonferenz 2021 des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) widmet sich

von Donnerstag, 8. Juli,
bis Freitag, 9. Juli 2021,

diesen Fragen unter dem bewusst zweideutigen Titel „Zusammenhalt in der Krise“. Das Programm umfasst neben zwölf Panelveranstaltungen mit Beiträgen aus dem FGZ mehrere Diskussionsrunden – und einen Abendvortrag des Soziologen und Leibniz-Preisträgers Prof. Dr. Steffen Mau (Humboldt-Universität zu Berlin) zum Thema „Neue Ungleichheiten, neue Spaltungslinien?“. Auf den Podien diskutieren Forscherinnen und Forscher des FGZ mit Gästen – darunter Armin Nassehi, Jule Specht, Armin Schäfer, Anette Fasang und Michael Zürn. Dabei geht es um die aktuelle Krise als Krise der Demokratie, die gesellschaftliche Priorisierung von „Systemrelevanten“ gegenüber „Entbehrlichen“ und ausblickend um Fragen des Zusammenhalts nach Corona.

„Als Zusammenhaltsforscher:innen interessiert uns dabei insbesondere, ob Krisen die gesellschaftliche Polarisierung verstärken oder Konflikte sogar eine neue Quelle von Zusammenhalt bilden, und welche Faktoren hier eine Rolle spielen“, so die Politologin Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, aktuell geschäftsführende Sprecherin des FGZ in ihrem Interview auf GOETHE-UNI online. Die Frankfurterin leitet zusammen mit dem Soziologen Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg (Bremen) und dem Historiker Prof. Dr. Matthias Middell (Leipzig) das FGZ.

Die Jahreskonferenz des 2020 gegründeten Forschungsinstituts dient auch dem Austausch mit anderen einschlägigen Institutionen zum aktuellen Stand der Zusammenhaltsforschung in Deutschland sowie zu deren Ansätzen, Konzepten und Fragestellungen – etwa mit Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, der Bertelsmann Stiftung, der Allianz für Zusammenhalt sowie der Organisation More in Common. Die FGZ-Jahreskonferenz 2021 wird durch das Teilinstitut Frankfurt und die Frankfurter Geschäftsstelle des FGZ organisiert und findet in einem reinen Onlineformat statt. Anmeldungen sind bis 7. Juli möglich (s. unten).

Das FGZ ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Institut, das in zehn Bundesländern angesiedelt ist und dadurch auch die regionale Vielfalt gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland in den Blick nimmt. Das Verbundprojekt erforscht Begriff, Quellen und Gefährdungen sowie historische, globale und regionale Kontexte gesellschaftlichen Zusammenhalts aus einer Vielzahl disziplinärer Perspektiven und methodischer Zugänge. Zusammen erarbeiten die rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Disziplinen mit empirischen Untersuchungen und großangelegten Vergleichen praxisrelevante Vorschläge, die dazu beitragen, gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen. Zum FGZ gehören die Technische Universität Berlin sowie die Universitäten Bielefeld, Bremen, Frankfurt, Halle-Wittenberg, Hannover, Konstanz und Leipzig sowie das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen, das Leibniz-Institut für Medienforschung Hamburg und das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena. Die Geschäftsstelle des Instituts ist an den drei koordinierenden Standorten Bremen, Frankfurt und Leipzig angesiedelt.

Das interdisziplinär besetzte Frankfurter FGZ-Team, das im Forschungsverbund Normative Ordnungen der Goethe-Universität angesiedelt ist, geht unter der Leitung von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Stellvertretende Sprecher*innen: Prof. Dr. Daniela Grunow und Prof. Dr. Rainer Forst) der Frage nach, wie die Pluralisierung moderner Gesellschaften auf Fragen des Zusammenhalts einwirkt und wie Konflikte so gestaltet werden können, dass sie demokratischen Zusammenhalt stabilisieren statt schwächen. Zugleich werden die Ambivalenzen des Begriffs des „Zusammenhalts“ reflektiert.

Das Programm ist unter https://www.fgz-risc.de/veranstaltungen/details/fgz-jahreskonferenz-2021-zusammenhalt-in-der-krise abrufbar.

Anmeldung: bis 7. Juli unter veranstaltungen-fgz@uni-frankfurt.de.

Ein Kurzinterview mit Nicole Deitelhoff finden Sie bei GOETHE-UNI online unter https://tinygu.de/DeitelhoffFGZ

Informationen:
Rebecca Schmidt
Administrative Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon +49 (0)69 798 31400
E-mail rebecca.schmidt@em.uni-frankfurt.de
www.fgz-risc.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 2 2021
11:27

Digitale Podiumsdiskussion mit der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Anne-Marie Slaughter und dem kanadischen Botschafter in Deutschland Stéphane Dion

Hat der Multilateralismus eine Zukunft?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Seit dem Amtsantritt von Präsident Biden im Januar 2021 verändern sich Charakter, Stil und Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit. Orientierte sich die Trump-Administration auf dem internationalen Parkett vorrangig an nationalen Interessenlagen („America First“), setzt die Biden-Administration nunmehr verstärkt auf multilaterale Vereinbarungen, um den globalen Herausforderungen zu begegnen. Auch andere Demokratien im atlantischen Raum setzen auf den multilateralen Weg regelbasierter Ordnungspolitik, um etwa dem Klimawandel, dem internationalen Terrorismus, der Corona-Pandemie, der unkontrollierten Proliferation von Massenvernichtungswaffen Einhalt zu gebieten. Die Bundesrepublik Deutschland hat ihr Bekenntnis zum Multilateralismus in dem jüngst vom Kabinett verabschiedeten „Weißbuch Multilateralismus“ zum Ausdruck gebracht. Kritisiert wird der Multilateralismus westlicher Prägung jedoch von autoritär regierten Ländern wie China – begründet nicht zuletzt mit Verweis auf die vermeintlichen Erfolge des Landes bei der Pandemiebekämpfung.

Die Neuausrichtung US-amerikanischer Außenpolitik in der Biden-Administration im Allgemeinen und aktuelle Pläne für eine „Koalition der Demokratien“ bilden den Hintergrund für eine Podiumsdiskussion, die die mittel- und langfristigen Auswirkungen aktueller globaler Trends für die Zusammenarbeit atlantischer Demokratien und die Chancen des Multilateralismus im globalen Kontext analysieren will. Zur englischsprachigen, digitalen Veranstaltung

„Multilateralism, Atlantic Democracies and Global Order“
mit Stéphane Dion (Botschafter Kanadas in Berlin),
Anne-Marie Slaughter (Princeton University)
und Gunther Hellmann (Goethe-Universität, Moderation)
am Mittwoch, 7. Juli, 17:00 bis 18:00 Uhr
Zoom Meeting


lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität sehr herzlich ein.

Der kanadische Politikwissenschaftler und Soziologe Stéphane Dion ist seit 2017 kanadischer Botschafter in Deutschland und Sonderbeauftragter Kanadas für die Europäische Union und Europa. Er gehörte zahlreichen kanadischen Regierungen an, zuletzt als Außenminister unter Premierminister Justin Trudeau. Zum Diskussionsthema hat er Ende Juni den Aufsatz „Is Multilateralism a Success?“ im Blog des Frankfurter Forschungsprojektes „Multilateralismus ½weiter denken“ veröffentlicht. Anne-Marie Slaughter ist emeritierte Professorin für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Princeton University. Seit 2013 ist sie geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Denkfabrik „New America“. 2009 bis 2011 war sie Direktorin des Planungsstabs im US-amerikanischen Außenministerium unter Hillary Clinton. Gunther Hellmann ist Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität, Leiter des neuen Forschungsprojekts „Multilateralismus ½weiter denken“ und seit 2021 Goethe-Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Die Podiumsdiskussion ist die zweite öffentliche Veranstaltung des Forschungsschwerpunktes „Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World“, der im Januar 2021 von dem Politikwissenschaftler Gunther Hellmann und dem Amerikanisten Johannes Völz am Forschungskolleg Humanwissenschaften gemeinsam mit dem Kollegdirektor Matthias Lutz-Bachmann gegründet wurde. Aus verschiedenen Blickwinkeln und Disziplinen thematisiert die Forschungsgruppe die Potentiale und die Grenzen der Atlantischen Welt im Hinblick auf die Zukunft der Demokratie.

Teilnahme und Anmeldung
Bitte melden Sie sich per Email an: anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de. Einige Tage vor der Veranstaltung werden Sie die Zugangsdaten zum Zoom Meeting mit weiteren Hinweisen zum Format und zu den Teilnahmemöglichkeiten erhalten.

Information: Gunther Hellmann, Professor für Politikwissenschaft, Goethe-Universität (Email: g.hellmann@em.uni-frankfurt.de); Iris Helene Koban, Geschäftsführung, Forschungskolleg Humanwissenschaften (Tel.: 06172-13977-10; Email: i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de); Beate Sutterlüty, Wissenschaftskommunikation, Forschungskolleg Humanwissenschaften (Tel.: 06172-13977-15; Email: b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de); www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de