​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jan 26 2023
11:01

Collegium Musicum lädt zum Konzert des Sinfonischen Blasorchesters

Musikalischer Semesterabschluss 

FRANKFURT. Zum Abschluss des Wintersemesters 2022/23 lädt das Collegium Musicum der Goethe-Universität zum Konzert mit dem Sinfonischen Blasorchester. Die Veranstaltung findet am

Montag, 6. Februar, um 20 Uhr
im Casino-Festsaal
auf dem Campus Westend

statt. Das rund 60 Mitglieder starke Orchester spielt ein abwechslungsreiches Programm mit Kompositionen und Arrangements unter anderem von Johan de Meij, Adam Gorb, Eric Whitacre und Jan Van Der Roost. Geleitet wird das Sinfonische Blasorchester seit seiner Gründung im Wintersemester 2016/2017 von Lisa Marie Bodem. Die junge Dirigentin, die an der Goethe-Universität Musikwissenschaft und Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert hat, absolviert derzeit eine berufsbegleitende Ausbildung im Fach „Leitung von Blasorchestern-Metafoor“ bei Prof. Alex Schillings und Rob Goorhuis an der BDB-Musikakademie in Staufen im Breisgau. Zudem studiert sie Schulmusik (StEx Lehramt an Gymnasien, Hauptfach Posaune) an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/131288010

Bildtext: Am 6. Februar spielt zum Abschluss des Wintersemesters das Sinfonische Blasorchester des Collegium Musicum. (Foto: privat)

Informationen:
https://unimusik-frankfurt.de/sinfonisches-blasorchester/
https://www.facebook.com/Sinfonisches-Blasorchester-der-Goethe-Universit%C3%A4t-Frankfurt-374196172926844/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 25 2023
11:41

Podiumsgespräch Bürger-Universität über Vertrauen und Protest in der Demokratie 

Wenn Widerstand sich im Verborgenen äußert

FRANKFURT. Demokratie ist eine lernfähige Form des Zusammenlebens. Sie lebt von loyaler Opposition – von öffentlich geäußerter Kritik, dem Einspruch, dem argumentierenden Protest ihrer Mitglieder. Doch nicht immer wird Kritik offen formuliert – weil sich etwa wie bei den sogenannten Reichsbürgern hinter dem Widerspruch eine destruktive Haltung verbirgt, die Rechtsstaatlichkeit attackiert. Oder weil Gruppen nicht gleichberechtigt in das demokratische Zusammenleben eingebunden sind und Bürger:innen mitunter so machtunterlegen sind, dass sie mit ihrer Position gar nicht durchdringen können.

Was ist an Demokratien falsch, wenn sich dieser Widerstand oft nur im Verborgenen äußern will oder kann? Was bedeutet dies für Bürgerinitiativen und ihre Protestformen?

Das Podiumsgespräch der Bürger-Universität

Unsichtbarer Widerstand – Vertrauen und Protest in der Demokratie
am 2. Februar 2023, 19 Uhr
im Normative Orders-Gebäude, Max-Horkheimer-Straße 2
60323 Frankfurt am Main

fragt nach Formen von Widerstand in der Demokratie, unter welchen Bedingungen sie entstehen und wie mit ihnen umgegangen werden kann.

Auf dem Podium diskutieren: Dominik Herold, (Mit-)Gründer und Sprecher des Netzwerks Paulskirche und der Nichtregierungsorganisation (NGO) mehr als wählen e. V., der Humangeograph Dr. Daniel Mullis vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, der Familien- und Jugendsoziologe Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty an der Goethe-Universität sowie die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann, die an der Goethe-Universität u.a. zu Internationalen Institutionen und Friedensprozessen forscht.

Veranstaltet wird das Podiumsgespräch von der Goethe-Universität in Kooperation mit der Clusterinitiative ConTrust am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität.

Weitere Informationen:
www.buerger.uni-frankfurt.de

Anmeldung unter: buergeruni@uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 25 2023
11:29

Juliane Rebentisch spricht zum Abschluss der partizipativen Redenreihe DenkArt „Kunst_weggespart oder systemrelevant?“ 

Keine Gesellschaft ohne Kunst? 

RANKFURT. Ist Kunst „systemrelevant“? Hilft sie, Probleme zu lösen? Stiftet sie Sinn? Oder kann im Ausnahmefall auf Kunst und kulturelle Einrichtungen verzichtet werden? Die Reihe DenkArt „Kunst weggespart oder systemrelevant?“ greift die Debatte über die Funktion von Kunst in der Gesellschaft in Vorträgen seit dem Herbst auf.

Zum Abschluss der partizipativen Redenreihe

am Montag, dem 30. Januar 2023,
um 19.30 Uhr
spricht
Prof. Dr. Juliane Rebentisch
über „Keine Gesellschaft ohne Kunst?“
im Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main.

In dem Vortrag der renommierten Philosophin und Ästhetikerin und der anschließenden Diskussionsrunde geht es unter anderem um die Position, die Kunst zwischen ihrer Autonomie und Eigenlogik als Bestandteil der Gesellschaft einnimmt, und um die Frage, ob es auch eine Politikerwartung an Kunst gibt und welche ästhetischen Dimensionen Politik und Demokratie auszeichnen.

Juliane Rebentisch ist Professorin an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und Assoziiertes Mitglied des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“.

Der Vortrag kann im Haus am Dom oder via Livestream online verfolgt werden. Die Tickets sind erhältlich an der Rezeption im Haus am Dom, im Internet unter https://hausamdom.reservix.de/events oder an den AD-Ticket-Vorverkaufsstellen adticket.de/vorverkaufsstellen. Die Übertragung via Livestream erfolgt über den folgenden Link https://youtu.be/TFbzpj_9QXI

Ziel der Reihe „DenkArt“ ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Daher werden im Anschluss an die Impulsvorträge die Zuschauer*innen miteinander ins Gespräch gebracht und erhalten die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen an die Gastredner*innen zu entwickeln.

Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Weitere Informationen
Anke Harms
Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität
anke.harms@normativeorders.net
069/798-31407
www.normativeorders.net
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
www.hausamdom-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 24 2023
11:57

Frankfurter Institut für Sozialforschung feiert 100-jähriges Jubiläum mit Festakt

Gesellschaftskritik auf der Höhe der Zeit

FRANKFURT. Am Montag, den 23. Januar 2023, jährte sich der Erlass des preußischen Kultusministers zur »Errichtung eines Instituts für Sozialforschung an der Universität Frankfurt als einer wissenschaftlichen Anstalt, die zugleich Lehrzwecken der Universität dient«, zum hundertsten Mal. Zu diesem Anlass hat das Institut für Sozialforschung (IfS) im Rahmen seines 100-jährigen Jubiläums zu einem presseöffentlichen Festakt eingeladen. Anwesend waren u.a. Vertreter:innen der hessischen Landesregierung, der Stadt Frankfurt, der Goethe-Universität sowie von zahlreichen akademischen wie zivilgesellschaftlichen Institutionen und Organisationen.

Der Direktor des IfS, Prof. Dr. Stephan Lessenich, verwies in seinem Redebeitrag auf die gegenwärtig stattfindende Entwicklung eines neuen Forschungsprogramms. Für die kritische Gegenwartsanalyse im Lichte einhundertjähriger Bemühungen um eine Gesellschaftskritik auf der Höhe der Zeit gelte es »mit dem konzeptionellen Fundus der Kritischen Theorie zu operieren, ohne seiner historischen Schwerkraft zu erliegen; mit der Dynamik der neuen Zeit zu gehen, ohne die kritische Distanz zu ihr zu verlieren. Die Tradition kritischer Theoriebildung und Sozialforschung verändernd fortschreiben: Das ist die ebenso erfüllende wie herausfordernde Aufgabe, vor die sich das IfS im Jahre 2023 gestellt sieht. Wie wollen wir an diese Aufgabe herangehen? In dem Bewusstsein, dass wir das Rad nicht neu erfinden werden, aber eben auch nicht müssen; dass es heute ums Ganze geht, um das Ganze der Gesellschaft und die Zukunft der Menschheit; dass die wissenschaftliche Ergründung des Ganzen, seiner Bewegung, seiner Widersprüche, seiner Grenzen, seiner Überwindung, nicht anders bewältigt werden kann als in einem kollektiven, kooperativen, kollegialen Arbeitszusammenhang.«

Zu seinem 100-jährigen Bestehen hat die Wissenschaftsministerin Angela Dorn die wichtige Rolle des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt für eine lebendige Demokratie hervorgehoben: »Das IfS steht seit Horkheimer, Benjamin und Adorno in einer philosophischen Tradition, die sich nicht damit begnügt, die Welt verschieden zu interpretieren, sondern sie auch verändern will. Es begann als Forschungsstätte zur Theorie und Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, der es um die Aufdeckung von Unrecht, um Emanzipation und Veränderung ging. Nach den Verbrechen des Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg eröffnete es 1951 wieder; der Zivilisationsbruch wurde zum Forschungsgegenstand. Die Kritische Theorie hat seit dem Anfang des IfS an Relevanz und Bedeutung nichts verloren. Wir brauchen dringend solche Einrichtungen. Um diese wichtige Rolle zu stärken, haben wir die Förderung des Landes von 2021 an gern von rund 620.000 auf nunmehr gut 870.600 Euro im Jahr erhöht.«

Die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt Dr. Ina Hartwig betonte in ihrer Rede die enge Verbindung von IfS und der Stadt Frankfurt: »Ich gratuliere dem Institut für Sozialforschung von Herzen zu seinem runden Geburtstag. Seit seiner Gründung strahlt es weit über die Grenzen Frankfurt hinaus und gilt national wie international als bedeutender Ort kritischer Gesellschaftstheorie und Sozialforschung. Das Institut für Sozialforschung hat – zuletzt mit dem langjährigen Direktor Axel Honneth, nun mit Stephan Lessenich an der Spitze – in den vergangenen 100 Jahren seine gesellschaftskritischen Positionen und eine empirische Forschungspraxis stets beibehalten. Zu sehen ist in den Veranstaltungen heute eine noch stärkere Öffnung des Hauses. Ein Ort nicht nur für Wissenschaftler und Studierende, sondern auch für Künstler und Kulturschaffende, für die Stadtgesellschaft. Ich bin mir sicher, dass das Institut für Sozialforschung auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine ›Frankfurter Schule‹ im besten Sinne bleiben wird!« Die Stadt Frankfurt unterstützt das IfS mit rund 356.000 Euro jährlich.

Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Enrico Schleiff, gratulierte in seinem Grußwort dem Institut für Sozialforschung herzlich zum 100. Geburtstag: »Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule ist eine der wissenschaftlichen Visitenkarten Frankfurts, die trotz der immer kürzer werdenden Halbwertszeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen und wissenschaftlichen Reputationen nach wie vor auch international glänzt.« Das Institut für Sozialforschung, so Schleiff, habe sich der aktiven Gestaltung der Gesellschaft durch wissenschaftliche Erkenntnisse auf höchstem Niveau verschrieben. Und diesem Anspruch sehe sich auch die Goethe-Universität verpflichtet. Schon jetzt seien die Beziehungen zwischen Universität und Institut eng, kooperiere man seit Anfang an auf vielfältigen Ebenen miteinander. Schleiff wünschte sich abschließend vom IfS: »Erforschen Sie in der Tradition der Kritischen Theorie Überraschungen, Verunsicherungen, Herausforderungen, damit eine unter wissenschaftlichen Vorzeichen stehende ›politische Aufklärung‹ gelingt!«

Kontakt:
Mirko Broll, Referent für Öffentlichkeitsarbeit am Institut für Sozialforschung
broll@em.uni-frankfurt


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 24 2023
11:08

Auszeichnung gemeinsam mit Brenda Schulman vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried – Grundlegende Arbeiten zum zellulärem Recyclingsystem durch Ubiquitin – Preisgeld 500.000 Schweizer Franken

Ausgezeichnet: Ivan Đikić von der Goethe-Universität erhält schweizerischen Louis-Jeantet-Preis für Medizin

Für seine Beiträge zur Erforschung eines der zentralen Regulationssysteme der Zelle, des Ubiquitin-Systems, wird Prof. Ivan Đikić, Direktor des Instituts für Biochemie II der Goethe-Universität Frankfurt, mit dem Louis-Jeantet-Preis für Medizin ausgezeichnet. Der Preis wird Đikić gemeinsam mit seiner Kooperationspartnerin Prof. Brenda Schulman vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München verliehen. Dies gab die schweizerische Louis-Jeantet-Stiftung heute bekannt. Der Louis-Jeantet-Preis für Medizin gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen für die biomedizinische Forschung und ist mit 500.000 Schweizer Franken (etwa 500.000 Euro) dotiert.

FRANKFURT. Für Wachstum, Stoffwechsel und Signalverarbeitung benötigen die Zellen unseres Körpers Tausende Proteine, die sie in orchestrierten Prozessen herstellen und auch wieder abbauen müssen. Bestimmte Enzyme, sogenannte E3-Ligasen, hängen kleine Eiweißketten aus Ubiquitin-Einheiten an defekte, überflüssige oder schädliche Proteine. So signalisieren sie dem „Schredder“ der Zelle, dem Proteasom, dass die jeweiligen Proteine wieder in ihre Bestandteile zerlegt werden soll. Seit vielen Jahren erforscht Prof. Ivan Đikić dieses Ubiquitin-System und entwickelt Methoden, es auch für die Bekämpfung von Krankheiten nutzen zu können.

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, gratulierte dem Preisträger: „Mit seinen Pionierarbeiten hat Ivan Đikić gezeigt, dass die Ubiquitinierung nicht nur Abbau- und Selbsterneuerungsprozesse in der Zelle steuert, sondern dass es verschiedene Arten von Ubiquitinketten gibt, die in der Summe in die Regulierung nahezu aller zellulärer Funktionen eingreifen. Damit hat er unser Verständnis des Ubiquitinsystems radikal erweitert und dessen Beziehungen zu Krankheiten wie Krebs oder neurodegenerativen Störungen offengelegt.“

Präsident Schleiff hob außerdem das innovative Anwendungspotenzial von Đikićs Forschungsarbeiten hervor: „Ivan Đikić ist ein brillanter Forscher. Er leitet unter anderem den Zukunftscluster PROXIDRUGS, der neue Wege zur Entwicklung von medizinischen Wirkstoffen auf Basis des Ubiquitinsystems beschreitet. Auf diese Weise sollen etwa krebsfördernde Proteine gezielt dem zellulären Abbausystem zugeführt werden, aber das wäre nur eine Möglichkeit der Anwendung. Dies eröffnet den Weg zu einer völlig neuen medikamentösen Substanzklasse, mit deren Hilfe sich auch die zahlreichen krankheitsrelevanten Proteine adressieren lassen, die bisher durch klassische, kleine Moleküle nicht erreichbar sind. Die Entwicklung solch neuartiger Substanzklassen ist auch ein wichtiges Thema in unserer Clusterinitiative EMTHERA, die wir zusammen mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gestartet haben und die von Ivan Đikić gemeinsam mit der Vorjahrespreisträgerin Özlem Türeci geleitet wird."

Đikić sagte: „Ich bin sehr stolz darauf, den Louise-Jeantet-Preis für Medizin gemeinsam mit meiner Kollegin und Freundin Brenda Schulman zu erhalten. Ich bin allen Mitgliedern meines Labors, den Kollegen in Frankfurt und allen Kooperationspartnern auf der ganzen Welt zu Dank verpflichtet, die bewiesen haben, dass die Kultur der Zusammenarbeit und des Datenaustauschs nicht nur Freude bereitet, sondern auch entscheidend für die Förderung wirkungsvoller wissenschaftlicher Entdeckungen ist. Unsere Forschung hat dazu beigetragen, Frankfurt und die Goethe-Universität unter den führenden Zentren für biomedizinische Forschung in Deutschland zu positionieren.“

Ivan Đikić, Jahrgang 1966, studierte an der Universität Zagreb Medizin und promovierte an der New York University. Er gründete seine erste unabhängige Gruppe am Ludwig-Institut für Krebsforschung in Uppsala, bevor er als Professor für Biochemie an die Goethe-Universität Frankfurt berufen wurde. Seit 2009 leitet Đikić hier als Direktor das Institut für Biochemie II. Von 2009 bis 2013 war er zudem Gründungsdirektor des Buchmann Instituts für Molekulare Lebenswissenschaften. Im Jahr 2018 wurde Đikić zum Fellow des Max-Planck-Instituts für Biophysik in Frankfurt ernannt. Er ist Sprecher des BMBF-geförderten Zukunftsclusters PROXIDRUGS, des DFG-geförderten Sonderforschungsbereichs 1177 zur selektiven Autophagie sowie Co-Sprecher des Clusterprojekts ENABLE und designierter Sprecher der geplanten Exzellenzinitiative EMTHERA. Ferner konnte er kürzlich bereits zum dritten Mal einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) einwerben. Für seine biomedizinische Forschung wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem 2013 mit den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Er ist gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der European Molecular Biology Organization (EMBO) und wurde außerdem in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.

Die Schweizer Louis-Jeantet-Stiftung verleiht seit 1986 jährlich die Louis-Jeantet-Preis an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die herausragende Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin leisten. Die Preisträgerinnen und -träger müssen in einem der Mitgliedsstaaten des Europarats tätig sein. Der Louis-Jeantet-Preis für Medizin ist mit 500.000 Schweizer Franken dotiert, von denen 450.000 für die Weiterführung der Forschung der Preisträger:innen und 50.000 für ihre persönliche Verwendung bestimmt sind.

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 26. April 2023, in Genf in der Schweiz statt.
Link: https://www.jeantet.ch/en/

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/123390769

Bildtext: Prof. Dr. Ivan Đikić. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Ivan Ðikić
Institut für Biochemie II, Universitätsklinikum Frankfurt und Goethe-Universität Frankfurt
sowie Buchmann Institut für molekulare Lebenswissenschaften
Tel: +49 (0) 69 6301-5964
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de
Twitter: @iDikic2


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 24 2023
10:15

Biochemiker und Arzt des Berlin Institute of Health erforscht Bildung unseres Blutes

Ein wegweisendes Verfahren für die Stammzelldiagnostik: Leif S. Ludwig erhält Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis

Der Biochemiker und Arzt Dr. Dr. Leif S. Ludwig (40) vom Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und vom Max Delbrück Centrum erhält den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2023. Das gab der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung heute bekannt. Basierend auf den neuesten Technologien zur Gensequenzierung einzelner Zellen hat der Preisträger ein Verfahren entwickelt, das die lebenslange Neubildung der Zellen des menschlichen Bluts bis zu 1.000-mal preiswerter, schneller und zuverlässiger analysieren kann als bisher möglich. Damit versetzt er die Medizin zum ersten Mal in die Lage, die Aktivität einzelner Blutstammzellen im Menschen mit vertretbarem Aufwand zu bestimmen.

FRANKFURT. Unser Blut erneuert sich ständig. In jeder Sekunde fließen ihm Millionen neuer Zellen zu, die absterbende Blutkörperchen ersetzen. Sie entspringen aus hämatopoetischen (blutbildenden) Stammzellen im Knochenmark und reifen dann Schritt für Schritt über mehrere Vorläuferstufen aus. Dabei werden traditionell vier große Entwicklungslinien unterschieden: Die erste Linie produziert die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren, die zweite liefert die Thrombozyten, die Blutungen stoppen und Wunden heilen lassen. In der dritten Linie entwickeln sich die weißen Blutkörperchen, die uns mit einer angeborenen Immunabwehr ausstatten, wie beispielsweise die Granulozyten, und in der vierten die B- und T-Zellen, auf deren Einsatz unsere im Infektionsfall erworbene Immunabwehr gründet. Je weiter die Forschung voranschritt, desto undeutlicher ließen sich diese Linien jedoch gegeneinander abgrenzen.

Die hämatopoetischen Stammzellen wurden 1961 entdeckt. Diese Entdeckung ermöglichte in den 1970-er Jahren die Einführung von Knochenmarkstransplantationen zur Behandlung bestimmter Formen von Blutkrebs. Aus der Beobachtung, wie sich transplantierte Zellen im Organismus des Empfängers verhalten, ergaben sich viele neue Erkenntnisse über die Blutbildung. Deren Aussagewert war aber dadurch eingeschränkt, dass sie unter künstlichen Bedingungen gewonnen wurden. Die transplantierten Stammzellen waren ja zuvor ihrem natürlichen Zusammenhang entrissen worden. Mit Hilfe von genetischen Markern gelang es jedoch, die Entwicklung von Blutzellen seit den 1980er Jahren in ihrem natürlichen Kontext zu erforschen. Dieses als Lineage Tracing bezeichnete Verfahren wurde in den folgenden Jahrzehnten mit immer größerer Präzision angewandt – allerdings nur in Tierversuchen, denn es verbietet sich von selbst, Menschen mit künstlichen genetischen Markern auszustatten.

Im menschlichen Blut ist Lineage Tracing nur durch die Beobachtung natürlicher Mutationen in der DNA möglich, die nach einer Zellteilung in der einen Tochterzelle vorkommen, in der anderen aber nicht, und sich so nur in bestimmten Zellfamilien (Klonen) weiterverbreiten. In den 2010er Jahren wurde versucht, solchen Mutationen im gesamten Genom von Blutzellen auf die Spur zu kommen. Das ist aber angesichts der mehr als drei Milliarden „Buchstaben“ (Basenpaaren) unseres Genoms trotz modernster Methoden sehr teuer und fehleranfällig. Leif Ludwig verlegte sich daher auf den Nachweis natürlicher Mutationen in den Mitochondrien von Blutzellen. Diese Zellkraftwerke verfügen über ein eigenes, viel kleineres Genom von rund 16.600 Basenpaaren. Leif Ludwig verknüpfte deren Analyse mit den neuesten Einzelzell-Sequenzierungstechnologien (Single Cell-Omics) und konnte dadurch gleichzeitig Aussagen über den aktuellen Gesundheitszustand der untersuchten Zellen treffen. Inzwischen haben er und sein Team die von ihnen entwickelte Methode so verfeinert, dass sie in Knochenmarks- und Blutproben eines Patienten viele Zehntausende Zellen analysieren können.

Seit langem wird vermutet, dass hämopoetische Stammzellen keine einheitliche Quelle sind, sondern vielmehr einen heterogenen Pool bilden, aus dem bei der unaufhörlichen Bildung neuen Blutes verschiedene, sich vielfältig verzweigende Entwicklungsflüsse entspringen. Aus einer Stammzelle könnten etwa nur Thrombozyten entstehen, aus einer anderen alle möglichen Blutzellen. Die Verwandtschaftsverhältnisse in unserem Blut sind also sehr unübersichtlich. Leif Ludwigs Analyseverfahren erlaubt nun, sie besser zu entwirren, um zum Beispiel zu erkennen, an welcher Abzweigung eine Leukämiezelle oder eine degenerative Veränderung entsteht. Es eröffnet der Humanmedizin erstmals die Möglichkeit, solche Untersuchungen in Zukunft im klinischen Alltag vorzunehmen und daraus therapeutische Konsequenzen abzuleiten.

Dr. rer. nat. Dr. med. Leif Si-Hun Ludwig studierte seit 2003 zunächst Biochemie an der Freien Universität Berlin, dann Humanmedizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Als Doktorand der Biochemie forschte er von 2011 bis 2015 am Whitehead Institute of Biomedical Research, als Post-Doc von 2016 bis 2020 am Broad Institute of MIT and Harvard, beide in Cambridge/USA. Seit November 2020 leitet er eine Emmy Noether-Forschungsgruppe am Berlin Institute of Health in der Charité und dem Berlin Institute for Medical Systems Biology (Max Delbrück Center).

Der Preis wird – zusammen mit dem Hauptpreis 2023 ­– am 14. März 2023 um 17 Uhr vom Vorsitzenden des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung in der Frankfurter Paulskirche verliehen.

Bilder des Preisträgers und ausführliche Hintergrundinformation „Was uns das Mitochondrium erzählt“ zum Download auf: www.paul-ehrlich-stiftung.de

Weitere Informationen
Pressestelle Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
E-Mail: j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de


Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 20 2023
11:25

Unabhängige Kommission stellt in einem Abschnitt wissenschaftliches Fehlverhalten fest, welches aber keine Aberkennung des Doktorgrads begründet

Dissertation von Dr. Mathias Döpfner: Kommission legt Prüfungsergebnis vor

FRANKFURT. Nach eingehender Prüfung der Dissertation von Herrn Dr. Mathias Döpfner, der 1990 an der Goethe-Universität mit der Arbeit „Musikkritik in Deutschland nach 1945 – Inhaltliche und formale Tendenzen – Eine kritische Analyse“ promoviert wurde, stellt die Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten aufgrund der mehrfachen wörtlichen oder gedanklichen Übernahme fremder geistiger Autorenschaft zwar ein wissenschaftliches Fehlverhalten fest. Die einzelnen Befunde seien jedoch in ihrer Summe und hinsichtlich ihrer Bedeutung für den wissenschaftlichen Kern der Arbeit nicht ausreichend, um eine Aberkennung des Doktorgrades zu begründen.

Die Kommission war im Februar 2022 tätig geworden, nachdem die Hochschulleitung durch Hinweise von zwei auf die Findung von Plagiaten spezialisierten Experten auf ein mögliches Fehlverhalten aufmerksam gemacht worden war.  Auf Grundlage der erhobenen Vorwürfe hatte die Kommission auf Antrag des Präsidiums ein Verfahren eingeleitet, um eine unabhängige Prüfung der Dissertation von Herrn Dr. Döpfner vornehmen zu können. Zur fachlichen Ergänzung ihrer Expertise hatte die Kommission zusätzlich einen musikwissenschaftlich ausgewiesenen Forschenden kooptiert.

Nach Prüfung der Arbeit gelangte die Kommission übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass in der Dissertation im Abschnitt „Historische Determinanten der Deutschen Musikkritik bis 1945“ (S. 29 - 50) der Vorwurf des wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Form mehrfach ungekennzeichneter Übernahmen oder Aneignungen fremden Gedankenguts erfüllt sei. Ein wissenschaftliches Fehlverhalten liege dort vor, wo – namentlich in Form eines Text- oder Ideenplagiats – ungeprüft originäre Formulierungen oder Gedanken der Quelle als eigene übernommen werden oder sonst eine zu enge Anlehnung an die Quelle erfolgt, die als solche hätte ausgewiesen werden müssen. Ein solches Vorgehen habe auch schon vor über 30 Jahren einen Verstoß gegen die damals geltenden Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis dargestellt. Daneben wurde eine Reihe von Blindzitaten und ungeprüft übernommenen Literaturangaben festgestellt, die nach geltender Rechtsprechung ebenfalls als Plagiate zu werten sind.

Allerdings konnte die Kommission den Vorwürfen in den Verdachtsanzeigen der beiden Plagiatssucher nicht in allen Punkten folgen, sodass sich nach ihrer Ansicht im Ergebnis eine deutlich geringere Anzahl an Verstößen ergibt, als dort jeweils moniert. Zu berücksichtigen ist zudem, dass der sehr umfassende Hauptteil der Arbeit nach gegenwärtigem Stand nicht von den Plagiatsvorwürfen betroffen ist und auch keine Anhaltspunkte für wissenschaftliches Fehlverhalten ersichtlich sind.

Im Interesse einer möglichst transparenten Darstellung des Verfahrens macht die Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten auf Bitten des Universitätspräsidenten den gesamten Beschluss öffentlich. Dieser kann unter folgendem Link eingesehen werden: https://www.uni-frankfurt.de/131192024/

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff dankte der von Weisungen des Präsidiums und anderer Instanzen unabhängigen Kommission für ihre gründliche und sorgfältige Arbeit, die einen wichtigen Beitrag zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis darstelle. Die Goethe-Universität leiste mit der Transparenz einen aktiven Beitrag zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung und öffentlichen Nachvollziehbarkeit universitätsinterner Prüfungsprozesse. 

Herr Dr. Döpfner wurde am 17.01.2023 über die Ergebnisse der Prüfung unterrichtet. Der begründete Beschluss liegt ihm vor. Gegen den Beschluss kann Widerspruch eingelegt werden.

Die Kommission arbeitet nach der Satzung der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main zur Sicherung guterwissenschaftlicher Praxis. Diese ist unter folgendem Link verfügbar: https://www.uni-frankfurt.de/84252590/20191209_ck-neufassung-grundsatze-final.pdf


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 19 2023
15:52

Sozialministerium und Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität stellen regionale Prognosen vor

Bis 2028 fehlen 200.000 Fachkräfte – und das ist noch nicht der Höhepunkt 

Die Generation der Babyboomer geht nach und nach in Rente. Sie hinterlässt große Lücken im Arbeitsmarkt, die nur teilweise durch jüngere Arbeitskräfte geschlossen werden können. Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität hat im Auftrag des Hessischen Sozialministeriums Prognosen erstellt, welche Zahlen bis 2028 in den unterschiedlichen Regionen und Berufsfeldern zu erwarten sind. Gegenmaßnahmen sind möglich – und offenbar dringend geboten.

FRANKFURT. Der Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie haben verglichen mit dem demographischen Wandel nur geringe Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Hessen. Durch den altersbedingten Austritt vieler Beschäftigter der Babyboomer-Generation entstehen große Lücken, die durch die geringere Zahl an jungen Menschen, die neu in den Arbeitsmarkt eintreten, nur bedingt geschlossen werden können. Fachkräftemangel ist die Folge. In Hessen ist diese Entwicklung regional unterschiedlich ausgeprägt, und auch die verschiedenen Berufe sind unterschiedlich stark betroffen. Ein genaues Bild der zu erwartenden Lage zeichnen die regionalen Berufsprognosen, die durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erstellt werden. Damit habe man „Transparenz geschaffen, um die Entwicklung neuer bzw. das Nachschärfen bestehender Fachkräftestrategien und ihre Ausrichtung auf mittelfristige Entwicklungen zu ermöglichen“, sagt Kai Klose, Hessischer Minister für Soziales und Integration.  

Die Prognosen (ab 16:30 Uhr unter www.hessische-berufsprognosen.de) sind heute der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Danach fehlen in Hessen im Zeitraum von 2021 bis 2028 insgesamt 200.000 Fachkräfte – gut 130.000 Fachkräfte mit Berufsabschluss und knapp 70.000 Fachkräfte mit Hochschulabschluss. Das Potenzial von Personen ohne Abschluss, die nach einer Nachqualifizierung möglicherweise Fachkraftaufgaben übernehmen können, ist demgegenüber mit rund 20.000 Personen denkbar gering. Die Option der Nachqualifizierung besteht ohnehin nur in den Großstädten, denn in den ländlich geprägten Regionen des Landes fehlt es auch an Personen ohne Berufsabschluss. Grundsätzlich gilt, je weiter man sich von urbanen Gebieten entfernt, desto größer ist der Mangel an Arbeits- und Fachkräften.

Was die unterschiedlichen Branchen angeht, trifft der Fachkräftemangel besonders stark die Sozialberufe. Den Prognosen zufolge werden bis 2028 im Bereich Gesundheit 13.000 und im Bereich Erziehung mehr als 16.000 Beschäftigte fehlen. Die Lücken sind hier besonders groß, weil in den kommenden Jahren nicht nur viele Beschäftigte altersbedingt ausscheiden werden, sondern auch, weil sich der Bedarf an Gesundheits- und Erziehungsleistungen weiter erhöhen wird. Denn die Zahl älterer Menschen, die Gesundheitsdienstleistungen benötigen, steigt an, und durch den weiteren Ausbau der Kindertagesbetreuung werden auch mehr Erzieherinnen benötigt. Ein passgenaues Kinderbetreuungsangebot ermöglicht es Frauen, umfangreicher erwerbstätig werden zu können – ebenfalls ein wichtiger Baustein beim Kampf gegen den Fachkräftemangel. Auch bei Handwerks- und IT-Berufen hat Fachkräftegewinnung und -sicherung Priorität, in Zusammenhang mit Energiewende und Digitalisierung ist auch dort ein Aufwuchs zu erwarten.

Und der Höhepunkt der altersbedingten Austritte der Babyboomer-Generation ist 2028 noch längst nicht erreicht. „Den Peak erwarten wir erst in zehn Jahren. Aber auch ab 2033 werden die Austritte nur langsam zurückgehen. Selbst im Jahr 2040 werden die altersbedingten Austritte aus dem Erwerbsleben noch um 10.000 Personen höher als heute liegen“, erklärt Dr. Christa Larsen, Leiterin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität. Die hessischen Arbeitsmärkte würden, so Larsen, bis weit in die 2040er-Jahre hinein maßgeblich durch die demografische Entwicklung bestimmt werden.

Um die hessische Wirtschaft für diese Herausforderung zu rüsten, bedarf es schnell gezielter Strategien für deren Abmilderung. Regionale Strategien könnten gezielt helfen, Fachkräfte zu sichern. Dafür braucht es ein gutes Zusammenspiel aller Arbeitsmarktakteure. Die Stabstelle Fachkräftesicherung in Hessen, die am Hessischen Ministerium für Soziales und Integration angesiedelt ist, leistet hier im Auftrag der Hessischen Landesregierung wesentliche Unterstützung. 2023 wird jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt die Möglichkeit bekommen, eine fachlich fundierte Zukunftswerkstatt durchzuführen. Eine solche Werkstatt dient dazu, zum Bedarf passende Maßnahmen zu entwickeln bzw. bereits bestehende passgenau fortzuschreiben.

„Wir können stolz darauf sein, dass die Goethe-Universität gemeinsam mit dem Land Hessen Transparenz zur Fachkräftelage schafft und eine darauf abgestimmte Fachkräftesicherung entwickelt wird. Damit kann unsere Kooperation einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und damit zur Stabilität des Wirtschaftsstandorts Hessen leisten“, sagte Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, in seinem Grußwort. 

Die Prognosen zur Entwicklung von Berufen zwischen 2021 und 2028 können am heutigen Donnerstag, 19. Januar, von 16.30 Uhr an unter www.hessische-berufsprognosen.de heruntergeladen werden.

Weitere Informationen und Anmeldung
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 17 2023
09:38

Kunst auf dem Campus Westend: Dialogischer Spaziergang „DenkMalDemokratie“ im Rahmen der Bürger-Universität

Einspruch erwünscht!

FRANKFURT. Ist das Kunst oder kann das weg? Oder muss das vielleicht sogar weg? Nicht erst in jüngerer Zeit wird diese Frage an Kunstwerke gerichtet, die in öffentlich zugänglichen Räumen aufgestellt sind – inzwischen aber zunehmend häufig an Denkmäler, deren Widmungen sich aus der Gegenwartsperspektive als problematisch, wenn nicht gar untragbar erweisen. Gegen sie erheben sich zu Recht Stimmen des Protests. Zugleich stellt sich die Frage, ob das Entfernen allein als Mittel zur Lösung der Probleme taugt, für die manche Monumente aus heutiger Sicht stehen. Wie könnte eine angemessene Erinnerungskultur im öffentlichen Raum aussehen?

Die Bürgeruniversität lädt ein im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „DenkMalDemokratie. Dialogische Spaziergänge zur Kunst“

25. Januar 2023
12 – 13:30 Uhr
zum
Mittags-Spaziergang Campus Westend.

Dabei geht es darum, welche Rolle die auf dem Campus Westend aufgestellten Kunstwerke und Denkmäler für die Demokratie spielen und welche Potenziale sie für eine Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft besitzen.

Gesprächspartnerinnen während des Spaziergangs sind: Prof. Dr. Antje Schlottmann, Humangeographie/Goethe-Universität, und Prof. Dr. Verena Kuni, Visuelle Kultur/Goethe-Universität, die die Veranstaltung konzipiert hat.

Der dialogische Spaziergang auf dem Campus Westend ist die zweite Veranstaltung der Diskussionsreihe der Bürger-Universität, die mit einem Dialog-Spaziergang in der Gallusanlage und der Taunusanlage begonnen hat. Abgeschlossen wird die Reihe der Bürger-Universität am 2. Februar 2023 um 19 Uhr mit der Podiumsdiskussion „Unsichtbarer Widerstand. Vertrauen und Protest in der Demokratie“.

Die Dialog-Spaziergänge zu Kunst und Demokratie werden im Sommersemester fortgesetzt. In Vorbereitung ist ein weiteres Format der Dialog-Spaziergänge: CAMPUS WANDELN. Spaziergänge und Ortstermine zur Nachhaltigkeit, konzipiert und durchgeführt von Prof. Dr. Verena Kuni, Visuelle Kultur/Goethe-Universität, und dem Nachhaltigkeitsbüro der Goethe-Universität.

Die aktuelle Reihe wird veranstaltet von der Goethe-Universität in Kooperation mit der Clusterinitiative ConTrust am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität.

Anmeldung und Treffpunkt unter buergeruni@uni-frankfurt.de; weitere Informationen: https://aktuelles.uni-frankfurt.de/_events/


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531; E-Mail: p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 16 2023
17:04

Internationales Wissenschaftsteam um Forscher:innen der Goethe-Universität und des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseum Frankfurt erklärt Unterschiede in der Ernährung zwischen Homo erectus und Menschenaffen

Frühmenschen: Jahreszyklen im Zahnschmelz geben Einblicke in Lebensgeschichten

Wie sich unsere Vorfahren der Art Homo erectus vor Hundertausenden von Jahren auf der Insel Java in Südostasien ernährt haben, konnte jetzt ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, koordiniert von Goethe-Universität Frankfurt und Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, anhand von Zahnanalysen herausfinden: Im Laufe eines Jahres wechselten die Frühmenschen von pflanzlicher Nahrung zu Mischkost, waren dabei aber weit weniger vom saisonalen Nahrungsangebot abhängig als zum Beispiel Orang-Utans, die ebenfalls die Insel bewohnten.

FRANKFURT. Wer ein Vergrößerungsglas und eine Taschenlampe zur Hand nimmt und im Spiegel ganz genau seine Zähne betrachtet, kann hier und da ein Muster aus feinen, parallelen Linien entdecken, die quer über den Zahn laufen. Diese entsprechen den Retzius-Streifen, die das Wachstum unseres Zahnschmelzes markieren. Der Schmelz wird bereits im Mutterleib angelegt und bis zur Jugend neu gebildet, wenn die letzten Milchzähne ausfallen und durch bleibende Zähne ersetzt werden. Wie bei allen landlebenden Wirbeltieren wird auch beim Menschen der Zahnschmelz in mikroskopisch kleinen Schichten schubweise angelagert, was die Retzius-Steifen formt. Am Abstand dieser Streifen zueinander ist die Entwicklungsgeschwindigkeit eines Menschen ablesbar. Physiologische Wechsel wie zum Beispiel die Geburt, das Abstillen oder Krankheiten hinterlassen markante Spuren. Die Retzius-Steifen bilden auch den chronologischen Rahmen für die zeitlich-variierende chemische Zusammensetzung des Zahnschmelzes, die wiederum den Wechsel in der Ernährung widerspiegelt.

Ein internationales Wissenschaftsteam der Goethe-Universität Frankfurt um Prof. Wolfgang Müller und seiner MSc-Studentin Jülide Kubat, heute Doktorandin an der Universität Paris Cité, hat anhand der Zähne die Ernährungsgewohnheiten eines Vorfahrens des modernen Menschen – Homo erectus, „der aufrechte Mensch“ – mit denen von zeitgleichen Orang-Utans sowie weiteren Tieren verglichen. Alle lebten im Pleistozän vor 1,4 Millionen bis 700.000 Jahren auf der indonesischen Insel Java, auf der es damals Regionen mit Monsun-Regenwäldern sowie offene Baumlandschaften und grasbewachsene Savannen gab.

Zur Analyse des Zahnschmelzes betteten die Wissenschaftler:innen die Zähne in ein Harz ein und schnitten sie dann in hauchdünne Scheiben von 150 Mikrometern Dicke. Diese äußerst kostbaren Proben sind im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt Teil der Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald Sammlung, einer Dauerleihgabe der Werner Reimers Stiftung. Anschließend trug ein spezieller Laser Zahnmaterial ab, das mittels Massenspektrometrie unter anderem auf den Gehalt der Elemente Strontium und Kalzium untersucht wurde, die beide in Zähnen und Knochen enthalten sind (Laser-basierte Plasma-Massenspektrometrie, LA-ICPMS). Das Verhältnis von Strontium zu Kalzium (Sr/Ca) ist von der Nahrung abhängig, erklärt Wolfgang Müller: „Strontium wird - quasi als Verunreinigung des essentiellen Kalziums - vom Körper nach und nach ausgeschieden. In der Nahrungskette führt das dazu, dass das Strontium-Kalzium-Verhältnis von Pflanzenessern über Allesesser bis hin zu Fleischessern kontinuierlich abnimmt.“

Dies konnte das Wissenschaftsteam mit dem Vergleich verschiedener pleistozäner Tierzähne aus Java bestätigen: Raubkatzen wiesen ein niedriges Strontium-Kalzium-Verhältnis auf, Vorläufer der heutigen Nashörner, Hirsche und Flusspferde ein hohes Strontium-Kalzium-Verhältnis und pleistozäne Schweine als Allesesser lagen in der Mitte. Spannend wurde es bei den Zähnen der Hominiden Orang-Utan und Homo erectus, denn hier entdeckten die Forscher:innen im Zeitverlauf Jahreszyklen, in denen sich die Nahrungszusammensetzung von Menschenaffen und Menschen änderte: Beide zeigten im Jahresrhythmus Variationen, wobei die regelmäßigen Sr/Ca-„Spitzen“ beim Orang-Utan viel deutlicher ausgeprägt waren als bei Homo erectus. Jülide Kubat, Erstautorin der Publikation, erklärt: „Diese Peaks deuten auf ein reichhaltiges pflanzliches Nahrungsangebot in der Regenzeit hin, während der im Regenwald zum Beispiel viele Früchte gebildet wurden. In der Trockenzeit mussten vor allem Orang-Utans auf andere Nahrungsquellen umsteigen, die vielleicht Insekten oder Eier einschlossen. Homo erectus dagegen war - so zeigen die weniger ausgeprägten Peaks und niedrigeren Sr/Ca-Werte – als Allesesser und zeitweise Fleischkonsument weniger vom saisonalen Nahrungsangebot abhängig.“

Insgesamt zeige die Analyse, so Müller, dass die räumlich hoch-aufgelöste Laser-Analyse von Spurenelementen zusammen mit Zahnschmelzchronologie einen zeitlich bemerkenswert detaillierten Einblick in die Lebensgeschichte unserer Vorfahren geben kann: „Plötzlich ist man ganz nahe dran an diesen frühen Menschen, die so lange vor unserer Zeit gelebt haben. Man kann erspüren, was der jahreszeitliche Wechsel für sie bedeutet haben mag und wie sie mit ihrer Welt interagiert haben. Das ist absolut faszinierend.“


Publikation: Jülide Kubat, Alessia Nava, Luca Bondioli, M. Christopher Dean, Clément Zanolli, Nicolas Bourgon, Anne-Marie Bacon, Fabrice Demeter, Beatrice Peripoli, Richard Albert, Tina Lüdecke, Christine Hertler, Patrick Mahoney, Ottmar Kullmer, Friedemann Schrenk, Wolfgang Müller: Dietary strategies of Pleistocene Pongo sp. and Homo erectus on Java (Indonesia). Nature Ecology and Evolution (2023) DOI: 10.1038/s41559-022-01947-0 https://www.nature.com/articles/s41559-022-01947-0

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten an den folgenden Instituten:

Dänemark
Lundbeck Foundation GeoGenetics Centre, University of Copenhagen, Copenhagen, Denmark

Deutschland
Institute of Geosciences, Goethe University Frankfurt
Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE), Goethe University Frankfurt
Department of Paleobiology and Environment, Institute of Ecology, Evolution, and Diversity, Goethe University Frankfurt
Senckenberg Research Institute and Natural History Museum Frankfurt
Senckenberg Biodiversity and Climate Research Centre, Frankfurt
Department of Human Evolution, Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology, Leipzig
Emmy Noether Group for Hominin Meat Consumption, Max Planck Institute for Chemistry, Mainz
ROCEEH Research Centre, Heidelberg Academy of Sciences and Humanities

Frankreich
Université Paris Cité, CNRS
Université de Bordeaux, CNRS, Pessac
Eco-anthropologie (EA), Muséum national d'Histoire naturelle, CNRS, Université de Paris, Musée de l'Homme

Großbritannien
Skeletal Biology Research Centre, School of Anthropology and Conservation, University of Kent, Canterbury
Department of Earth Sciences, Natural History Museum, London

Italien
Bioarchaeology Service, Museum of Civilizations, Rome
Department of Cultural Heritage, University of Padova

Hintergrundinformationen:

Frühe Urmenschen ernährten sich äußerst flexibel (2018)
https://www.puk.uni-frankfurt.de/75395991/Fr%C3%BChe_Urmenschen_ern%C3%A4hrten_sich_%C3%A4u%C3%9Ferst_flexibel

Was Milchzähne verraten: Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab (2020)
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/kein-grund-fuers-aussterben-neanderthaler-muetter-stillten-nach-fuenf-bis-sechs-monaten-ab/

Zähne vom Urahn: Der Fund eines Unterkiefers in Malawi und die Folgen (Forschung Frankfurt 1/2022)
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/122805183.pdf

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/130763620

Bildtexte:
1_Homo_tooth_blocks
In Epoxy-Harz eingebetteter Homo erectus Zahn nach dem Schneiden. Bild: Alessia Nava/ Luca Bondioli

2_Homo_tooth_thin slice
Polierter Dünnschliff eines Homo erectus Zahns vor der chemischen Analyse mittels Laser-Ablation Plasma Massenspektrometrie (LA-ICPMS). Bild: Alessia Nava/ Luca Bondioli

3_Pongo_tooth_composit
Mikroskopisches Bild eines Orang-Utan Zahn-Dünnschliffs, wodurch man die interne Wachstumsstruktur des Zahnschmelzes sehr gut erkennen kann; im rechten Bild sind die unterschiedlichen Laser-Ablations Pfade in pink, einzelne Retzius-Linien in grün hervorgehoben. Bild: Alessia Nava/ Luca Bondioli

4_Kubat_Julide_Lab
Jülide Kubat beim Auswählen von Ablationspfaden (blau) am Computer des Laser-Ablation Plasma Massenspektrometers (LA-ICPMS). Bild: Wolfgang Müller

5_Kubat_Julide_Muller_Wolfgang_LA_ICPMS
Jülide Kubat und Wolfgang Müller beladen das LA-ICPMS mit einem Zahn-Dünnschliff zur Analyse. Bild: Jülide Kubat

Weitere Informationen
Prof. Dr. Wolfgang Müller
Institut für Geowissenschaften /
Frankfurt Isotope and Element Research Center (FIERCE)
Goethe Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798 40291
w.muller@em.uni-frankfurt.de
http://www.uni-frankfurt.de/49540288/Homepage-Mueller

Jülide Kubat
Faculté de Chirurgie Dentaire
Université Paris Cité
julide.kubat@parisdescartes.fr
Twitter: @julide_kubat_


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 12 2023
11:30

Theatergruppe des Instituts für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität zeigt The Dumb Waiter von Harold Pinter und Arthur Kopits Chamber Music. 26./27. Januar sowie 2./3./4. Februar 2023

Die Absurdität der Macht: Chaincourt Theatre Company kehrt zurück mit zwei Stücken

FRANKFURT. Was geschieht, wenn man Jeanne D'Arc, Amelia Earhart und Gertrude Stein mit vier weiteren berühmten Frauen in einen Raum bringt? Die Frage mag absurd klingen – die Antwort wirkt es zunächst auch. Denn in Arthur Kopits Stück Chamber Music befindet sich besagter Raum in einer Nervenheilanstalt– und ob die Frau in der Rüstung („das Kreuz war mit dabei!“) dann wirklich Jeanne D'Arc ist, darf wohl bezweifelt werden. Zweifelhaft ist aber auch die Institution, die die Frauen zusammenbringt, und zulässt, vielleicht sogar forciert, dass sie sich immer tiefer in eine gewähnte tödliche Gefahr hineinsteigern – bis zur fatalen Eskalation. Die Absurdität der Situation verleiht dem Stück dabei sowohl Witz als auch Tragik; wer hier am Ende verrückt ist, bleibt offen.

Auch Nobelpreisträger Harold Pinter deckt in The Dumb Waiter schonungslos die Absurdität menschlicher Kommunikation auf – ob zwischen den Protagonisten oder seitens des Unbekannten, der ihnen von abseits der Bühne scheinbar sinnlose Nachrichten sendet. Die Handlung des Stücks, das seine Uraufführung in Frankfurt hatte, ist einfach erklärt: Zwei Auftragskiller warten auf ihr nächstes Opfer. Doch das Warten zieht sich hin und die Spannung im Raum wird beinahe greifbar. Der Auftraggeber ist der ungesehene Dritte – der Einzige, der die Macht hat, die Spannung aufzulösen und es dann auf gänzlich unerwartete Weise tut.

Mit den beiden Einaktern meldet sich die Chaincourt Theatre Company auf ihrer Heimatbühne an der Goethe-Universität zurück. Die seit den fünfziger Jahren bestehende Theatergruppe des Instituts für England- und Amerikastudien musste zuletzt aufgrund der Covid-19-Pandemie pausieren. Inszeniert werden die Stücke vom langjährigen künstlerischen Direktors James Fisk, Dozent in der Amerikanistik. Die Hauptrollen auf und hinter der Bühne übernehmen Studierende des Fachbereichs. Beide Werke werden in der Originalsprache Englisch aufgeführt.

Chaincourt Theatre Company:
The Dumb Waiter u. Chamber Music
26./27. Januar sowie 2./3./4. Februar 2023,
Einlass: 18:30 Uhr, Beginn der Vorstellung: 19:30 Uhr
Nebengebäude des IG-Farben-Hauses, Raum NG 1.741
Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt,
10 Euro bzw. 5 Euro (ermäßigt)

Karten sind eine Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse erhältlich.

Kontakt:
James Fisk, Institut für England- und Amerikastudien, Goethe-Universität Frankfurt, fisk@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 9 2023
10:21

Partikelanalysen und Laborexperimente zeigen Entstehung von Ultrafeinstaub – Studie der Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit Hessischem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Schmieröle von Flugzeugen sind wichtige Quelle für Ultrafeinstaub

Messungen des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass der Frankfurter Flughafen eine bedeutende Quelle ultrafeiner Partikel ist und sich diese weit über das Stadtgebiet verbreiten können. Wissenschaftler:innen der Goethe-Universität Frankfurt haben jetzt in Zusammenarbeit mit Expert:innen des HLNUG herausgefunden, dass die ultrafeinen Partikel zu einem Teil aus synthetischen Turbinenschmierölen bestehen. Die Wissenschaftler:innen folgern, dass bei der Verbesserung der Luftqualität neben den Emissionen durch Kerosin auch die durch Schmieröl reduziert werden müssen, damit die Ultrafeinstaubkonzentration abnimmt.

FRANKFURT. Ultrafeinstaub entsteht bei Verbrennungsprozessen, zum Beispiel bei der Verfeuerung von Holz oder Biomasse, durch Kraftwerke und durch Industrieanlagen. Neben dem Straßenverkehr sind große Flughäfen eine bedeutende Quelle für die ultrafeinen Partikel mit einer Größe von weniger als 100 Millionstel Millimeter (100 Nanometer). Weil sie so klein sind, können sie tief in die unteren Atemwege eindringen, die Blut-Luft-Schranke überwinden und, je nach ihrer Zusammensetzung, im Gewebe beispielsweise Entzündungen hervorrufen. Ferner steht Ultrafeinstaub im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen zu können.

Seit mehreren Jahren misst das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) die Anzahl und Größe ultrafeiner Partikel an verschiedenen Luftmessstationen im Umfeld des Frankfurter Flughafens, beispielsweise im Frankfurter Stadtteil Schwanheim und in Raunheim. Im vergangenen Jahr analysierten Wissenschaftler:innen um Prof. Alexander Vogel von der Goethe-Universität die chemische Zusammensetzung der Ultrafeinstaubpartikel und stießen auf eine Gruppe organischer Verbindungen, die ihren chemischen Fingerabdrücken zufolge aus Turbinen-Schmierölen stammten.

Jetzt hat das Wissenschaftsteam diesen Befund durch weitere chemische Messungen der Ultrafeinstaubpartikel bestätigt: Die Partikel stammen zu einem bedeutenden Teil aus synthetischen Turbinenschmierölen und waren besonders stark in den kleinsten Partikelklassen vertreten, die 10 bis 18 Nanometer große Partikel umfassen. Solche Schmieröle können zum Beispiel über Entlüftungsöffnungen, in denen nanometergroße Schmieröltröpfchen und Öldämpfe nicht vollständig abgeschieden werden, in den Abgasstrom der Turbine gelangen.

In Laborexperimenten gelang es zudem, die Bildung ultrafeiner Partikel aus Schmierölen nachzustellen. Dazu wurde ein gängiges Turbinenschmieröl in einem heißen Gasstrom, der die Turbinenabgase simulierte, zunächst bei rund 300 Grad Celsius verdampft, dann abgekühlt und anschließend die Anzahl-Größenverteilung der gebildeten Partikel gemessen.

Der Atmosphärenchemiker Prof. Alexander Vogel vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität erklärt: „Wenn das verdampfte Schmieröl abkühlt, sind die gasförmigen synthetischen Ester übersättigt und bilden die Kerne für neue Partikel, die rasch zu Partikeln von rund 10 Nanometern Größe anwachsen können. Diese Partikel, so legen es unsere Untersuchungen nahe, machen einen großen Teil des Ultrafeinstaubs aus, der an Flugzeugturbinen entsteht. Die bisherige Annahme, Ultrafeinstaub entstehe vorwiegend aus Schwefel- und aromatischen Verbindungen aus dem Kerosin, trifft offenbar nicht zu. Eine Reduzierung der Schmierölemissionen birgt nach unserer Erkenntnis ein wichtiges Potenzial zur Minderung der ultrafeinen Partikel.“

Die Untersuchungen zeigen, dass die Bildung ultrafeiner Partikel an Turbinen nicht auf die Verbrennung von Kerosin allein beschränkt ist. Dies sollte bei möglichen Minderungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Die Verwendung schwefelarmer Kerosine oder die Umstellung auf nachhaltig hergestellte Kraftstoffe können somit nur einen Teil der Ultrafeinstaubbelastung reduzieren.

Die Belastung durch ultrafeine Partikel und deren gesundheitliche Auswirkung wird ab 2023 im Rahmen einer umfangreichen wissenschaftlichen Studie des Landes Hessen untersucht werden. Hierbei können die Ergebnisse der aktuellen Studie helfen, flughafenspezifische Partikel zu identifizieren und mögliche Minderungsmaßnahmen abzuleiten.

Publikation: Florian Ungeheuer, Lucía Caudillo, Florian Ditas, Mario Simon, Dominik van Pinxteren, Dogushan Kilic, Diana Rose, Stefan Jacobi, Andreas Kürten, Joachim Curtius, Alexander L. Vogel: Nucleation of jet engine oil vapours is a large source of aviation-related ultrafine particles. Communications Earth & Environment (2022) https://doi.org/10.1038/s43247-022-00653-w

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/130014225

Bildtext: Schmieröl in den heißen Abgasen von Flugzeugturbinen kann Ultrafeinstaubpartikel bilden, sobald sich die Abgase abkühlen. Dies zeigte jetzt eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt und des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Foto: Alexander Vogel, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Alexander L. Vogel
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Goethe Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798-40225
vogel@iau.uni-frankfurt.de
www.iau.uni-frankfurt.de
Twitter: @al_vogel, @HLNUG_Hessen


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 6 2023
13:56

STUDIENGALERIE 1.357 zeigt Ausstellung zu Schwarzen und queeren Perspektiven auf deutsche Geschichte, Politik und Kultur

James Gregory Atkinson: 6 Friedberg-Chicago (2021)

FRANKFURT. Nach James Gregory Atkinsons international rezipierter Ausstellung 6 Friedberg-Chicago im Dortmunder Kunstverein (2022) kann nun der Film 6 Friedberg-Chicago in der Studiengalerie 1.357 im IG Farben-Haus der Goethe-Universität präsentiert werden - an dem Ort, von dem aus die US-amerikanische Militärbesatzung die Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik maßgeblich geprägt hat:

Einladung zur Ausstellung in der STUDIENGALERIE 1.357:
James Gregory Atkinson – 6 Friedberg-Chicago (2021)
11.01.-10.02.2023, IG Farben-Haus,
Campus Westend, Raum 1.357
Eröffnung: Mittwoch, 11. Januar 2023, 20.00 Uhr


In 6 Friedberg-Chicago (2021) werden die Bewegungen und Gruppenformationen der jungen Schwarzen Protagonisten in den Ray Barracks – einer ehemaligen Kaserne der US-Armee in Friedberg – von Harfenklängen begleitet. Ahya Simones interpretiert das Toxi-Lied aus Toxi (BRD, 1952, Robert A. Stemmle), einem Film, der die Frage nach der familiären und nationalen Zugehörigkeit afrodeutscher Kinder in der frühen Bundesrepublik stellt. Die Väter der jungen Männer in 6 Friedberg-Chicago waren, ebenso wie Atkinsons eigener Vater, als afroamerikanische US-Soldaten in Hessen stationiert. Atkinsons emotionaler Film findet ästhetische Bilder dafür, wie Schwarze Deutsche durch die sie umgebende Kultur geformt und ihnen bestimmte Rollen zugedacht werden. Die stillstehenden, sich bewegenden und tanzenden Körper inkorporieren Zuschreibungen und entziehen sich ihnen zugleich. Er ist Antwort auf die Unsichtbarkeit Schwarzer Lebenswege und Identitäten in der weißen Dominanzgesellschaft.

6 Friedberg-Chicago ist Teil eines ständig wachsenden nichtlinearen Archivs aus Texten, Bildern, Objekten und Zeitzeugenberichten, das sich mit der Rezeption Schwarzer Soldaten in Deutschland sowie deren in Deutschland geborenen Kindern befasst. James Gregory Atkinson verbindet in seinen recherchebasierten Projekten Autobiografisches mit politischer Geschichte und reagiert auf die extreme Unvollständigkeit offizieller Archive Schwarzer Menschen in Deutschland. Dabei greift Atkinson auf transnationale queere und Schwarze Narrative zurück, modifiziert diese und bringt sie in einen Dialog mit der Gegenwart.

James Gregory Atkinson (*1981 in Bad Nauheim) studierte bei Douglas Gordon an der Städelschule, Frankfurt und erhielt Stipendien und Künstlerresidenzen in der Villa Aurora, Los Angeles (2016), der Jan Van Eyck Akademie, Maastricht (2017) sowie ein Atelierstipendium der Hessischen Kulturstiftung in New York (2018).

Die Ausstellung wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung des US-Generalkonsulats in Frankfurt am Main.

Die Studiengalerie 1.357 ist eine Kooperation des Städel Museums, des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und der Goethe-Universität Frankfurt. Sie realisiert pro Jahr vier Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst, die in Lehrveranstaltungen von Studierenden verschiedener Disziplinen erarbeitet werden. https://www.studiengalerie.uni-frankfurt.deFollow us on instagram: https://www.instagram.com/studiengalerie1.357/

Kontakt:
Prof. Dr. Antje Krause-Wahl, Kunstgeschichtliches Institut, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Krause-Wahl@em.uni-frankfurt.de
Franka Schlupp, franka.schlupp@em.uni-frankfurt.de  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 6 2023
10:06

Zellkulturstudien von Goethe-Universität und University of Kent belegen Wirksamkeit von Tecovirimat, Cidofovir und Brincidofovir – Frankfurter Arbeitsgruppe wird von der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder gefördert

Affenpockenviren bleiben empfindlich gegenüber den verfügbaren Medikamenten

Die drei gängigen antiviralen Medikamente zur Behandlung von Mpox-Viren (Affenpockenviren) wirken auch gegen die Mpox-Viren des derzeitigen Mpox-Ausbruchs. Dies legen Zellkulturstudien von Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt/Universitätsklinikum Frankfurt und der University of Kent im britischen Canterbury nahe.

FRANKFURT/CANTERBURY. Das Affenpockenvirus ist mit dem Pockenvirus (Variola Virus) eng verwandt, das bis zu seiner Ausrottung durch Impfung Ende der 1970er-Jahre große Ausbrüche mit hohen Todesraten verursacht hat. Während die heute ausgerotteten Pocken einen sehr schweren Krankheitsverlauf mit einer Sterberate von etwa 30 Prozent verursachten, sind Affenpocken eine mildere Erkrankung. Trotzdem beträgt die Todesrate noch etwa drei Prozent. Als besonders gefährdet durch einen schweren Verlauf gelten Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Alte, Schwangere, Neugeborene und kleine Kinder. Bis vor kurzem kamen Affenpocken nur in bestimmten Teilen Afrikas vor, wenn sich Menschen durch Kontakt mit Wildtieren infizierten, vor allem mit Nagetieren wie der Gambia-Riesenhamsterratte oder dem Rotschenkelhörnchen.

Im Mai 2022 wurde jedoch zum ersten Mal ein großer Affenpockenausbruch außerhalb von Afrika entdeckt; die Viren verbreiteten sich ausschließlich durch die Übertragung von Mensch zu Mensch. Dieser andauernde Ausbruch hat bisher mehr als 100 Länder erreicht und wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite“ eingestuft.

Ungefähr zehn Prozent der Patienten mit Affenpocken müssen im Krankenhaus behandelt werden. Darüber hinaus unterscheidet sich der derzeitige Affenpockenausbruch nicht nur in seinem Übertragungsweg, sondern auch in der Krankheitssymptomatik von bisherigen Ausbrüchen. Diese Unterschiede im Verhalten des Virus gaben Anlass zu Befürchtungen, dass sich die derzeit zirkulierenden Affenpockenviren soweit verändert hätten, dass sie auf die verfügbaren Medikamente nicht mehr ansprechen würden.

In diesem Zusammenhang gelang es einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Jindrich Cinatl vom Institut für Medizinische Virologie, Goethe-Universität Frankfurt/Universitätsklinikum Frankfurt, und Prof. Martin Michaelis von der School of Biosciences der University of Kent, Affenpockenviren von 12 Patienten des aktuellen Ausbruchs zu isolieren und in Zellkultur zu vermehren. Dies ermöglichte es, diese Affenpockenvirusisolate in Kulturen von Hautzellen, die natürlicherweise von Affenpockenviren infiziert werden, auf ihre Empfindlichkeit gegenüber drei verfügbaren Medikamenten zur Behandlung von Affenpocken zu untersuchen: Tecovirimat, Cidofovir und Brincidofovir.

Die Ergebnisse zeigten, dass alle 12 Isolate weiter auf die Behandlung mit klinisch erreichbaren Konzentrationen der üblicherweise verwendeten Medikamente ansprachen.

Prof. Jindrich Cinatl sagte: “Wir waren wirklich besorgt, dass sich das Virus so verändert haben könnte, dass es resistent gegenüber den gängigen Therapien geworden wäre. Glücklicherweise ist dies nicht der Fall."

Prof. Martin Michaelis ergänzte: “Diese Ergebnisse sind sehr beruhigend und geben berechtigten Grund zu der Annahme, dass die verfügbaren antiviralen Therapien auch im derzeitigen Ausbruch weiter gegen die Affenpocken wirksam sein werden."

Die Frankfurter Forschungsgruppe „Interdisziplinäres Labor für pädiatrische Tumor- und Virusforschung“ unter der Leitung von Prof. Jindrich Cinatl wird von der Frankfurter Stiftung für Krebskranke Kinder gefördert und ist im Dr. Petra Joh-Forschungshaus der Stiftung angesiedelt.

Publikation: Denisa Bojkova, Marco Bechtel, Tamara Rothenburger, Katja Steinhorst, Nadja Zöller, Stefan Kippenberger, Julia Schneider, Victor M. Corman, Hannah Uri, Mark N. Wass, Gaby Knecht, Pavel Khaykin, Timo Wolf, Sandra Ciesek, Holger F. Rabenau, Martin Michaelis, Jindrich Cinatl jr. Drug sensitivity of currently circulating monkeypox viruses. New England Journal of Medicine (2022) https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2212136

Weitere Informationen
Prof. Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Institut für Medizinische Virologie
Universitätsklinikum Frankfurt / Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Petra Joh-Forschungshaus
Tel.: +49 (0) 69 6301-6409
cinatl@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Martin Michaelis
School of Biosciences
University of Kent
Tel: +44 (0)1227 82-7804
Handy: +44 (0)7561 333 094
m.michaelis@kent.ac.uk
Twitter:@MartMichaelis


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 21 2022
11:43

Ideenwettbewerb verkündet Shortlist mit vielversprechenden Initiativen 

Zehn Ideen für Biodiversität in Frankfurt 

Der Ideenwettbewerb Biodiversität Frankfurt unterstützt Ideen aus der Stadtgesellschaft, die die urbane Artenvielfalt erhalten oder fördern. Nun hat die Jury zehn Initiativen ausgewählt, die eine Chance auf das Preisgeld von insgesamt 30.000 Euro erhalten.

FRANKFURT. Der Ideenwettbewerb Biodiversität Frankfurt unterstützt Ideen aus der Stadtgesellschaft, die die urbane Artenvielfalt erhalten oder fördern. Nun hat die Jury zehn Initiativen ausgewählt, die eine Chance auf das Preisgeld von insgesamt 30.000 Euro erhalten.

Mitte November endete die Bewerbungsfrist für den Ideenwettbewerb Biodiversität Frankfurt, den die Goethe-Universität, der Palmengarten, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, das Dezernat für Klima, Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt und die Frankfurter Sparkasse im Sommer 2022 ausgerufen hatten. Gesucht wurden realisierbare Projektideen, die modellhaft, kreativ und wirkungsvoll die städtische Biodiversität in Frankfurt erhalten und fördern und dabei das Gemeinwohl der Stadtgesellschaft im Blick haben. Nun hat die Jury, bestehend aus Vertreter*innen der austragenden Institutionen, zehn Ideen für die sogenannte "Shortlist" bestimmt. Die Jurymitglieder Prof. Dr. Enrico Schleiff (Goethe-Universität), Dr. Julia Krohmer (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung), Dr. Katja Heubach (Palmengarten), Rosemarie Heilig (Stadt Frankfurt) und Bernd Jenne (Frankfurter Sparkasse) zeigten sich sehr zufrieden mit den eingegangenen Bewerbungen. Während der Auswahlsitzung diskutierten sie bereits Möglichkeiten, um über das Preisgeld hinaus die Projekte in ihrer Umsetzung zu unterstützen.

Die ausgezeichneten Initiativen der "Shortlist" im Ideenwettbewerb Biodiversität Frankfurt (in alphabetischer Reihenfolge):

1.       Green it up! – mein kunterbuntes Quartier

2.       Interaktiver Naturerlebnispfad auf dem Hauptfriedhof: Wildes Leben auf dem Friedhof

3.       Ist das Lebensraum oder kann das weg? Totholz für ein lebendiges Frankfurt

4.       Mehr Wasser für den Frankfurter Stadtwald (Oberwald)

5.       Nektar-Bar für Nachtschwärmer

6.       Pilotierung eines Parks mit essbaren, mehrjährigen Pflanzen

7.       Schmetterlingswiesen-Verbund Berger Südhang

8.       Sweetspot 1000+1: Ein Mosaik aus Trittsteinbiotopen für Frankfurt

9.       Tiny Forest / Miniwald: Biodiversitätsoase mitten in der Stadt Frankfurt sowie Frankfurter Miyawaki-Wald

10.     Urban-Farming-Dachgarten: Frankfurts erste PermaKulturInsel auf dem Dach

Eine Vorstellung der Ideen findet sich auf der Projektwebseite www.ideen-biodiversitaet-frankfurt.de.

Die ausgewählten zehn Initiativen sind nun dazu aufgefordert, ein erweitertes Konzept für den Wettbewerb einzureichen. Um sie in diesem Prozess zu unterstützen, laden die austragenden Institutionen im Februar zu einem Workshop ein. Während der kommenden Monate stehen den Projekten jeweils Pat*innen der Institutionen zur Verfügung, um sie fachlich zu unterstützen. Voraussichtlich im April 2023 werden drei Ideen bei der finalen Preisverleihung ausgezeichnet: Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro (1. Preis), 10.000 Euro (2. Preis) und 5.000 Euro (3. Preis) stellt die Frankfurter Sparkasse.

Zum Hintergrund:
Städtische Biodiversität – also die Vielfalt der Ökosysteme, die genetische Vielfalt sowie der Reichtum an Arten bei Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen – bietet zahlreiche Chancen für unser urbanes Zusammenleben. Diese Vielfalt ist in Gefahr: Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) schätzt, dass weltweit rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Veränderungen der Land- und Meeresnutzung, direkte Ausbeutung von Organismen, Klimaveränderungen, Verschmutzung und invasive Arten bewirken den massive Rückgang von Arten und Ökosystemen. In der Förderung städtischer Biodiversität steckt die Chance, gleichzeitig drängende Herausforderungen wie Lebensmittelsicherheit, Klimaschutz und –anpassung zusammenzudenken und miteinander zu verknüpfen.

Weitere Informationen: www.ideen-biodiversitaet-frankfurt.de

Nachhaltigkeitsbüro der Goethe-Universität
Peggy Feige
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Dez 20 2022
11:22

Grenzüberschreitende interreligiöse Forschung unter einem institutionellen Dach geht in die Pilotphase

Frankfurt-Tel Aviv Center startet nun offiziell mit einer Konferenz in Israel 

Vor einem Jahr wurde der „Letter of Intent“ unterzeichnet, nun geht das Frankfurt-Tel Aviv Center für Interreligiöse Studien mit einer zweitägigen Tagung in Israel an den Start. Vorträge von christlichen, jüdischen und islamischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Theologie, Religionswissenschaft, Philosophie und Geschichtswissenschaft loten die Verflechtungen, Beziehungen, Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen den Buchreligionen aus. Höhepunkt des gestrigen Auftakts war die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages durch die beiden Universitätspräsidenten.

FRANKFURT. Multikulturelle Gesellschaften, religiöse Konflikte, Migration, Fundamentalismus – und nicht zuletzt der interreligiöse Dialog: Dies sind nur einige der Themen, die das neue grenzüberschreitende Forschungsinstitut in den Blick nehmen könnte. Allesamt Themen von großer und gesellschaftlicher Brisanz. Und weil sich dies nur multiperspektivisch erforschen lässt, haben sich die Tel Aviv University und die Goethe-Universität Frankfurt zusammengetan, um der Forschung einen institutionellen Rahmen zu geben. Im Dezember 2021 wurde der „Letter of Intent“ unterzeichnet, im Juni folgte die Eröffnungskonferenz auf deutscher Seite. Nun ist die Kooperation auch in Israel mit einer Tagung offiziell gestartet geworden. Der Titel der gestern und heute stattfindenden Veranstaltung lautet: „Thinking Interreligiously: The Many Faces of Interreligious Interaction“.

Zusammenarbeit zwischen einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat es in den vergangenen Jahren häufig gegeben. Insbesondere die Martin-Buber-Professur am Fachbereich Evangelische Theologie pflegt intensive Kontakte, und das Buber-Rosenzweig-Institut für moderne und zeitgenössische jüdische Geistes- und Kulturgeschichte und das Center for Religious and Interreligious Studies an der Tel Aviv University sind eng vernetzt. Das neue Zentrum vereint nun außer Theologien, Religionswissenschaft, Judaistik und Islamischen Studien auch Fächer wie Geschichte, Philosophie und Politologie. Zum Auftakt in Israel ist die Goethe-Universität mit Prof. Christian Wiese, dem Inhaber der Martin-Buber-Professur, dem Philosophieprofessor Prof. Matthias Lutz-Bachmann, der Islamwissenschaftlerin Prof. Armina Omerika und dem Historiker Prof. Hartmut Leppin vertreten.

Feierlicher Höhepunkt der Tagung war die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages durch die beiden Universitätspräsidenten Prof. Ariel Porat (Tel Aviv) und Prof. Enrico Schleiff (Frankfurt) sowie den beiden Initiatoren und Gründungsdirektoren Christian Wiese (Frankfurt) und Menachem Fisch (Tel Aviv) am gestrigen (Montag) Abend. Das Forschungszentrum geht nun in eine dreijährige Pilotphase, die mit jährlich 50.000 Euro von der Goethe-Universität und jährlich 20.000 Euro von der Tel Aviv University finanziert wird. Das neue Zentrum wird von einem gemeinsamen Direktorium geleitet und soll sowohl erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch Forschende am Beginn ihrer Karriere miteinander verbinden. Bereits im Sommersemester gab es ein gemeinsames Symposium für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ab April 2023 beginnen gemeinsame englischsprachige Lehrveranstaltungen. Langfristig soll es auch zu einer intensiven Kooperation von religionswissenschaftlichen Masterprogrammen auf beiden Seiten kommen.

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität:
„Unser gemeinsames Zentrum ist mehr als eine wissenschaftliche Institution. In Zeiten des erstarkenden Nationalismus und Antisemitismus ist es auch ein wichtiges Zeichen der Freundschaft und Kooperation, das wir mit der Eröffnung in die Welt hinaus senden. Die wissenschaftliche Thematik, die wir gemeinsam in den Fokus nehmen, ist hochaktuell für Deutschland und Israel: Geschichte und aktuelle Herausforderungen religiöser Vielfalt, Differenz und Konflikt in pluralistischen Gesellschaften. Zu dieser Thematik waren unsere Universitäten bisher schon gut aufgestellt. Nun verbinden beide ihre Stärken zu einem gemeinsamen Zentrum, das den Start zu einer noch intensiveren Zusammenarbeit bildet. Darüber bin ich sehr froh. Ich danke unseren Partnerinnen und Partnern in Tel Aviv und insbesondere Prof. Wiese für ihren unermüdlichen Einsatz zur Gründung dieser wegweisenden Institution.“

Prof. Christian Wiese, Martin-Buber-Professor an der Goethe-Universität:
„Es gibt keine bessere Art und Weise, ein gemeinsames deutsch-israelisches Forschungszentrum zu eröffnen, als mit einer intensiven öffentlichen Diskussion der ihm zugrundeliegenden theoretischen Programmatik. Mit dieser Konferenz beginnt ein spannender gemeinsamer wissenschaftlicher und wissenschaftspolitischer Weg, auf den wir große Hoffnung setzen.“

Prof. Milette Shamir, Vizepräsidentin der Tel Aviv University:
„Die Universität Tel Aviv unterhält zahlreiche Kooperationen mit deutschen  Universitäten, mehr als mit irgendeinem anderen Land in Europa. Diese Zusammenarbeit beinhaltet Hunderte gemeinsamer Forschungsprojekte, aber auch Hunderte deutscher Studierender, die jedes Jahr auf unseren Campus kommen. Das gemeinsame Zentrum wird diese Zusammenarbeit auf eine bedeutende Art erweitern und unsere Beziehung mit der Goethe-Universität festigen, einer der führenden Universitäten in Deutschland. Wir hoffen, dass unsere beiden Hochschulen ihre Zusammenarbeit in naher Zukunft noch weiter ausbauen werden.“

Prof. Menachem Fisch, Mitinitiator des Zentrums an der Tel Aviv University:
„Ich freue mich sehr, Teil der Gründung eines in dieser Art so einzigartigen Zentrums zu sein, eines Zentrums für das Studium der monotheistischen Glaubensrichtungen und ihrer wechselseitigen Entwicklung. Dies ist eine würdige Initiative und ein weiterer Baustein in der akademischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern."

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/130011971

Bildtext:
(1) Prof. Ariel Porat (links), Präsident der Universität Tel Aviv, und Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main. (Foto: Tel Aviv University)
(2) Die beiden Unipräsidenten Prof. Ariel Porat (Tel Aviv, links) und Prof. Enrico Schleiff (Goethe-Universität). (Foto: Tel Aviv University)
(3) Die Initiatoren des neuen Zentrums Prof. Menachem Fisch (links) und  Prof. Christian Wiese. (Foto: Tel Aviv University)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Christian Wiese
Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie
Fachbereich Evangelische Theologie
Goethe-Universität
Telefon 069 798-33313
E-Mail c.wiese@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 16 2022
14:44

Sozialministerium und Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität präsentieren Hessischen Lohnatlas

Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros mit dem neuen Frauenpreis für Lohngleichheit ausgezeichnet

Auch wenn sich die Entgelte von Männern und Frauen in Hessen weiter angenähert haben – es gibt noch immer viel zu tun. Um einen weiteren Anreiz zu setzen, wurde jetzt der Hessische Frauenpreis für Lohngleichheit verliehen. Und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration stellte gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität die neuste Ausgabe des Lohnatlas vor.

FRANKFURT. In Sachen Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern verfolgt Hessen seit 2014 eine Doppelstrategie, deren Hauptinstrument der Hessische Lohnatlas ist. Erstmals 2017 erschienen, soll er einerseits für Transparenz sorgen und andererseits Schlüsselanreize setzen, die gezieltes Handeln ermöglichen. Die Strategie scheint Erfolg zu haben: Im Jahr 2021 betrug die Lohnlücke „nur“ noch 9 Prozent, sie hat sich damit seit 2012 fast halbiert. Der Lohnatlas wird in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität erstellt. In keinem anderen Bundesland gibt es bislang ein ähnliches Datenwerk wie den Lohnatlas, der – nach Regionen aufgegliedert – zeigt, wie sich die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern seit 2012 entwickelt hat.

Besonders auffällig: Fünf Jahre nach der ersten Auflage können Frauen mit akademischen Abschlüssen ihr Bildungskapital immer noch schlechter in Entgelte umsetzen als Männer. Dazu sagt Prof. Bernhard Brüne, der als Vizepräsident der Goethe-Universität für Forschung zuständig ist: „Wir sehen mit großer Sorge, dass die vielen Frauen, die bei uns an der Universität hervorragende Studienleistungen erbringen, bei ihrem Eintritt und ihren Karrieren in hessischen Betrieben nach wie vor deutlich geringere Entgelte als unsere männlichen Absolventen erreichen können.“ Er sei froh über den stabilen Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Politik, der durch die Kooperation von IWAK und Sozialministerium gelungen sei. „Schon seit 2016 sind unsere beiden Häuser zum Thema Entgeltgleichheit gemeinsam unterwegs, die Forscherinnen und Forscher des IWAK sind unermüdlich forschend in Sachen Entgeltgleichheit im Einsatz und haben drei Auflagen des Hessischen Lohnatlas auf den Weg gebracht. Eine wirklich gelungene Kooperation mit spürbar positiven Folgen für die Gesellschaft“, so Brüne.

Von Anfang an enthielt der Hessische Lohnatlas Entgeltdaten für jeden der 26 Kreise und kreisfreien Städte in Hessen, das ist auch bei der jüngsten Ausgabe der Fall. Die dritte inhaltlich erweiterte Auflage umfasst an die 700 Seiten, die diesmal allerdings ausschließlich im digitalen Format vorliegen. So lassen sich Einzelthemen leichter finden, Grafiken herunterladen und eigene Analysen durchführen. Außerdem in dem Datenwerk enthalten: textlich aufbereitete Forschungserkenntnissen zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Entgeltlücken. „Wir lernen aus den Erfahrungen der Nutzer. Die interaktive digitale Version wird die Nützlichkeit des Hessischen Lohnatlas sogar noch verbessern“, stellt Dr. Christa Larsen, Leitung des IWAK, fest. 

Noch immer gibt es große Unterschiede zwischen den Lohnlücken in ländlich geprägten Regionen einerseits und urbanen Gebieten in Hessen andererseits, das macht der Lohnatlas deutlich. So ist in den Großstädten des Rhein-Main-Gebiets rechnerisch bereits Entgeltgleichheit erreicht. In den Kreisen Hersfeld-Rotenburg oder Waldeck-Frankenberg indes verdienen Frauen brutto im Schnitt fast ein Fünftel weniger als Männer, selbst bei voller Erwerbstätigkeit. Mit Blick auf ganz Hessen gibt es die geringsten Lohnlücken bei den Fachkräften, vor allem in den sozialen Berufen wie Pflege und Erziehung, aber auch im kaufmännischen Bereich. Deutliche Lücken gibt es bei MINT-Berufen. Innerhalb der gewerblichen Branchen liegt die Pharmaindustrie vorn, wo fast Entgeltgleichheit erreicht ist – im Gegensatz zu Metall und Elektro.

Transparenz allein führt in Sachen Entgeltgleichheit jedoch noch nicht zum Ziel. Seit 2018 kommen die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft beim Sozialpartnerdialog zusammen. Die zehn großen Branchen in Hessen befassen sich bei regelmäßigen Treffen mit dem Thema Entgeltgleichheit und bringen die Ergebnisse über ihre Verbände in die Branchen ein. Die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten fungieren ebenfalls als Türöffner, Expertinnen und Multiplikatoren vor Ort in den hessischen Regionen. Daraus ist dann auch die Idee entstanden, besonders vorbildliche Beispiele mit einem Preis auszuzeichnen, der vorbildliches Engagement für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern würdigen soll.

Zum Auftakt erhielt die Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros die neue Auszeichnung, die mit 10.000 Euro dotiert ist. „Die LAG macht seit Jahren in besonderer Weise auf das Thema Lohngleichheit aufmerksam und sensibilisiert Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft durch ihre konsequente Arbeit“, unterstreicht Kai Klose, Hessischer Minister für Soziales und Integration, die Entscheidung der Jury. Die Verwendung des Preisgeldes steht schon fest: Es soll der Weiterbildung von kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zugutekommen. „Mit ihrem außerordentlichen Engagement für Lohngleichheit haben sich die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Hessen diesen Preis mehr als verdient“, sagte Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in ihrer Laudatio. Und führte weiter aus: „Wir wollen weg von Lippenbekenntnissen, echte Lohngleichheit realisieren. Frauen brauchen institutionelle Rückenstärkung, um Ungleichheiten in der Gesellschaft abzubauen.“

Der Hessische Lohnatlas 2022 ist am 16. Dezember ab 13 Uhr unter www.hessischer-lohnatlas.de freigeschaltet.

Weitere Informationen
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Telefon 069 798- 22152
E-Mail c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 15 2022
10:30

Forschungsprojekt bietet traumatisierten Kriegs- und Gewaltflüchtlingen psychotherapeutische Hilfe an

Wenn Flucht zum Trauma führt

FRANKFURT. Menschen, die vor Krieg und Gewalt nach Deutschland geflohen sind, haben oft traumatische Erlebnisse erlitten. Folter, Vergewaltigungen oder Angriffe können eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auslösen: Die Betroffenen leiden unter Symptomen wie Albträumen, lebhaften Erinnerungen an das Trauma, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Angst und anderen belastenden negativen Gefühlen. Viele geflüchtete Menschen benötigen deshalb dringend psychotherapeutische Hilfe.

Das Forschungsprojekt Brief Imagery Rescripting for Posttraumatic Stress Disorder in Refugees (ReScript) an der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität trägt dazu bei, die Versorgung von erwachsenen Geflüchteten mit einer solchen Störung zu verbessern. Das Projekt, geleitet von Prof. Dr. Regina Steil (Frankfurt), Prof. Dr. Thomas Ehring (München) und Prof. Dr. Nexhmedin Morina (Münster), untersucht die Wirksamkeit einer innovativen Behandlung für traumatisierte geflüchtete Menschen. Betroffenen ab 18 Jahren wird eine psychologische Diagnose und Therapie angeboten, bei Bedarf unterstützt durch einen Dolmetscher. Die Flucht kann in den letzten Jahren, etwa durch den Krieg in der Ukraine, aber auch vor Jahrzehnten stattgefunden haben; es können sich auch Geflüchtete melden, die vom Krieg im ehemaligen Jugoslawien oder Russland betroffen waren.

Die Behandlung besteht aus zehn Doppelsitzungen, die innerhalb von 12 Wochen durchgeführt werden. Eine Vergleichsgruppe erhält dieselbe Behandlung nach einer Wartezeit. Der Erfolg der Therapie wird in beiden Gruppen vor und nach der Behandlung sowie drei und 12 Monate später diagnostisch erfasst.

An der Goethe-Universität in Frankfurt stehen derzeit freie Behandlungsplätze zur Verfügung. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Anmeldung für betroffene Geflüchtete und weitere Informationen
Julia Reuter
Projektkoordinatorin
Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie
der Goethe-Universität
Tel.: 069 79825374
Reuter@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2022
11:12

Wirtschaftswissenschaftler:innen der Goethe-Universität und der Université Paris-Dauphine feiern 30-jährige Partnerschaft –  Delegation aus Paris besucht Goethe-Universität

344 Gesichter einer deutsch-französischen Freundschaft

Die Zusammenarbeit mit der Université Paris Dauphine-PSL ist eine der ältesten und intensivsten Kooperationen des Fachbereichs für Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität. Was sie einzigartig macht: zwei Doppelstudiengänge ermöglichen ein Studium mit den Abschlüssen beider Länder. Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens besuchte am Freitag, dem 9. Dezember, eine vielköpfige Delegation die Goethe-Universität.

FRANKFURT. Der Beitrag für die deutsch-französische Freundschaft der beiden Partneruniversitäten hat mindestens 344 Gesichter: Allein so viele Studentinnen und Studenten haben in den vergangenen 30 Jahren an den Doppelabschlussprogrammen der wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereiche von Goethe-Universität und Université Paris Dauphine-PSL teilgenommen – nicht mitgezählt die zahlreichen Studierenden, die sich über Erasmus-Auslandssemester zwischen den Partnerhochschulen bewegt haben. Was 1992 als „Versuchsballon“ für ein Doppeldiplom startete, so Lars Pilz, Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten des Fachbereichs, hat über die Jahre die Form eines gemeinsamen Doppelbachelor- und kürzlich auch eines Doppelmasterstudiengangs angenommen – was die Partnerschaft mit der Université Dauphine-PSL einzigartig macht. Insgesamt pflegt der Fachbereich für Wirtschaftswissenschaften mehr als 140 internationale Partnerschaften.

Ausdruck dieser intensiven und engen Kooperation mit Dauphine-PSL war nun der Besuch aus Paris anlässlich des Jubiläums: Angereist waren mit dem Präsidenten Prof. Dr. El-Mouhoub Mouhoud und Vizepräsidentin Prof. Dr. Sophie Meritet auch alle Programmverantwortlichen – und darüber hinaus die Studierenden, die im kommenden Jahr in das Doppelbachelorprogramm starten. Im Austausch mit dem Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, und den hiesigen Verantwortlichen für die Partnerschaft ging es auch um weitere Ziele der Zusammenarbeit.

„Ich freue mich über die hohe Anerkennung, die unsere Wirtschaftswissenschaftler:innen bei unseren Partnern genießen. Das Engagement, mit der alle Verantwortlichen diese internationale Partnerschaft über 30 Jahre gepflegt und entwickelt haben, sind nicht selbstverständlich. Dafür möchte ich ausdrücklich danken“, sagte Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Gerade jetzt, in Zeiten sich akkumulierender Krisen, brauchen wir mehr solcher Projekte – sie geben jungen Menschen nicht nur interkulturelles Wissen an die Hand und bereiten sie für einen internationalen Arbeitsmarkt vor. Sie schaffen auch ein Bewusstsein für ein Europa, das nur kenntnis- und vertrauensbasiert zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.“

„Unsere Studierenden sind Teil der sich ständig fortentwickelnden historischen, politischen und ökonomischen deutsch-französischen Zusammenarbeit", erklärte Prof. Dr. El-Mouhoub Mouhoud. „Sie setzen diese Partnerschaft aber moderner und integrativer um als zuvor, indem sie sie an die Globalisierung anpassen und insgesamt offener gegenüber Europa und der Welt sind. Dazu befähigen sie der dreisprachige Unterricht und die Kurse, die zunehmend auch die großen Themen unserer Zeit und die multipolare Dimension der heutigen Welt miteinbeziehen. Es sind solche konkreten Projekte auf individueller, akademischer und beruflicher Ebene, von denen die deutsch-französische Zusammenarbeit lebt – gerade deshalb ist die Zusammenarbeit unserer Universitäten so wichtig."

Zur Vertiefung der Partnerschaft ist eine intensivere Kooperation zum Themenbereich Künstliche Intelligenz sowie mit dem Frankfurt House of Finance geplant, dessen wissenschaftlicher Direktor und Verantwortlicher der Doppelprogramme, Prof. Dr. Rainer Klump, den Besuch begleitete. Mit ihrer Dependance in Tunesien eröffnet die Université Paris Dauphine den deutschen Partnern der Goethe-Universität zudem die Möglichkeit, Studienprogramme langfristig auf den afrikanischen Kontinent auszudehnen.

2019 war das Doppelbachelor-Programm in die Deutsch-Französische Hochschule, einen Verbund von 208 Hochschulen, aufgenommen worden. Mit dem Siegel dieses Verbunds können die Studierenden, die zwei Semester in zwei Ländern und ein gemeinsames Semester in Frankfurt verbringen, neben ihrer Erasmus-Förderung zusätzlich 300 Euro für ihren Auslandsaufenthalt erhalten. Die Studierenden des im Jahr 2019 eingeführten Doppelmasterstudiengangs im Bereich Wirtschaft und Finanzen erhalten ab diesem Wintersemester Stipendien von der BHF Bank Stiftung und der Willy Robert Pitzer Stiftung Bad Nauheim, die auch Sprachprogramme fördert. Beide Studiengänge umfassen darüber hinaus die Möglichkeit, Berufspraktika in beiden Ländern zu absolvieren, sowie eine gezielte Sprachausbildung in Französisch, Deutsch und Englisch.

Nur dank des regelmäßigen Feedbacks der Studierenden und der „Kreativität“ aller Beteiligten, so Lars Pilz und seine Kollegin Bianka Jäckel, seien in der Vergangenheit die eine oder andere verwaltungstechnische Hürde überwunden und auch ein gemeinsames Selbstverständnis der Studiengänge entwickelt worden. Diese beschreiben die Studierenden durchaus als anspruchsvoll: „Ich muss zugeben, dass das Studium an der Dauphine aufgrund des Workloads und der Organisation alles andere als ein Zuckerschlecken war“, äußert ein Student über seine Erfahrungen in Paris. “Dennoch hat es mir … die Türen zu einem coolen Auslandspraktikum geöffnet.“ Gleichzeitig betonen die Studierenden die „wunderbare Herausforderung, sich persönlich und akademisch weiterzuentwickeln“, wie Doppelbachelorstudent Victor Schäfer von der Goethe-Universität schreibt. Den Standort Frankfurt loben dagegen Studierende aus Paris wie Anita Poulou, die ihr Doppelmasterstudium gerade abgeschlossen hat: „Frankfurt is a wonderful city as it offers a wide range of professional opportunities that students can easily combine with their studies.“ Das hohe Ansehen des Masterstudiengangs bei Arbeitgebern im Finanzdienstleistungssektor habe ihr Türen für ihre berufliche Entwicklung geöffnet.

Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/129570622

Bildtext:
Die Programmverantwortlichen der Partnerschaft der Fachbereiche für Wirtschaftswissenschaften an der Université Paris Dauphine-PSL und der Goethe-Universität anlässlich des Besuchs aus einer Delegation aus Paris zum 30. Jubiläum (mit ihren Präsidenten Prof. Dr. El-Mouhoub Mouhoud und Prof. Dr. Enrico Schleiff, 5.u.6.v.r.) (Foto: Jürgen Lecher/Goethe-Universität)

Weitere Informationen
Lars O. Pilz
Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten
Goethe-Universität
Tel.: ++49 (0) 69-798-34608
e-Mail: lpilz@wiwi.uni-frankfurt.de
www.wiwi.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2022
10:06

Cornelia Goethe Centrum legt mit der vierten Ausgabe der CGC Online Papers eine Auseinandersetzung mit der Berliner Frauenzeitschrift vor.  

Radikal und provokant: Aktuelle Re-Lektüren der Schwarzen Botin

FRANKFURT. Seit 2017 gibt das Cornelia Goethe Centrum in loser Folge Arbeitspapiere als CGC Online Papers heraus. Die aktuelle Ausgabe erscheint am 12. Dezember 2022 und stellt den Anfang einer weiter zu vertiefenden interdisziplinären Aufarbeitung der Berliner Frauenzeitschrift Die Schwarze Botin dar.

Trotz ihres Alters – die Zeitschrift wurde von 1976-1987 veröffentlicht – sind die Auseinandersetzungen in der Schwarzen Botin weiterhin höchst aktuell: Wenig an Identitätspolitiken interessiert, positioniert sich die Schwarze Botin gegenüber Zeitschriften wie EMMA und Courage. Aus diesem Selbstverständnis geht eine eigene Ästhetik in Text- und Bildpraxis und eine spannungsreiche Stellung innerhalb der feministischen Öffentlichkeit und der Debatte der 1970er und 80er Jahre hervor, mit der sich die CGC Online Papers aus sozial-, kultur- und literaturwissenschaftlicher sowie historischer und kunstgeschichtlicher Perspektive befassen. Die vierte Ausgabe der Arbeitspapierreihe des Cornelia Goethe Centrums versammelt die neuesten Forschungen und Erkenntnisse zur Schwarzen Botin von Elisabeth Flucher, Elke Gaugele, Franziska Haug, Carola Hilmes, Gudrun Jäger, Ursula Krechel, Katharina Lux, Alina Sabransky, Sina Speit, Carolin Walberer und Ulla Wischermann.

Die Beiträge knüpfen an die Tagung „Die Schwarze Botin. Frauenhefte: radikal – provokant – aktuell“ an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. im November 2021 an. Dieser Studientag fand in Kooperation zwischen dem Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik der Goethe-Universität und dem Cornelia Goethe Centrum unter der Leitung der beiden Herausgeberinnen Dr.in phil. habil. Carola Hilmes und Franziska Haug statt.

Die CGC Online Papers sind auf der Webseite des Cornelia Goethe Centrum unter https://www.cgc.uni-frankfurt.de/forschung/cgc-online-papers/ abrufbar.


Kontakt zu den Herausgeberinnen
Apl. Prof. Carola Hilmes: c.hilmes@lingua.uni-frankfurt.de
Franziska Haug: f.haug@em.uni-frankfurt.de 

Kontakt zum Cornelia Goethe Centrum
Dr. Johanna Leinius: leinius@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de