​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ – 2022

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Apr 26 2022
10:48

51. Römerberggespräche in Kooperation mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen der Goethe-Universität zum Thema „Der Ukraine-Krieg und die neue Welt-Unordnung“

Nie wieder Frieden?

FRANKFURT. Der Angriff auf die Ukraine hat die Vorstellung einer auf Kooperation gegründeten globalen Ordnung erschüttert. Denn der Krieg zielt nicht nur auf die Ukraine, sondern auch auf die Stabilität und den inneren Frieden westlicher Demokratien. Diese sehen sich über Nacht mit geostrategischen Ambitionen konfrontiert, bei denen Russland von Atommächten wie China und Indien Rückendeckung erhält. Damit scheint die mit dem Fall der Mauer entstandene Hoffnung auf ewigen Frieden in Europa als Illusion entlarvt worden zu sein.

Was bedeutet dies für die offenen Gesellschaften? Wie können sie beweisen, dass sie der militärischen und geistigen Mobilmachung ihrer Gegner gewachsen sind? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Dies fragen die

51. Römerberggespräche
„Nie wieder Frieden? Der Ukraine-Krieg und die neue Welt-Unordnung“
am Samstag, dem 30. April 2022
im Chagall Saal des Schauspiel Frankfurt. Der Eintritt ist frei.

Für den Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität sprechen die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Nicole Deitelhoff und der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Stefan Kadelbach.

Weitere Redner*innen und Diskussionsgäste sind die Journalistin und Autorin Alice Bota, der Autor Viktor Jerofejew, die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Charlotte Klonk (HU Berlin), der Historiker Prof. Dr. Jannis Panagiotidis (Universität Wien), der Essayist Jurko Prochasko, der Osteuropahistoriker und Publizist Prof. Dr. Karl Schlögel (Stiftung Europa-Universität Viadrina) und Prof. Adam Tooze, Wirtschaftshistoriker von der Columbia University. Moderiert wird die Veranstaltung von Hadija Haruna-Oelker (Journalistin) und Alf Mentzer (Leiter der Literaturredaktion von hr2-kultur).

Die Frankfurter Römerberggespräche bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge und sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Vorsitzender des Trägervereins Römerberggespräche e.V. ist Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und seit 2013 assoziiertes Mitglied des Frankfurter Forschungsverbundes Normative Ordnungen.
 
Das Programm im Überblick:
 
10.00 Uhr
Begrüßung
Angela Dorn, Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main

10.15 Uhr
Karl Schlögel (Osteuropahistoriker und Publizist, Stiftung Europa-Universität Viadrina)
Die Ordnung im Kopf und die Unordnung der Welt

11.00 Uhr
Alice Bota (Journalistin und Autorin) – Jurko Prochasko (Essayist)
(K)ein neuer Krieg – Osteuropäische Perspektiven

12.00 Uhr
Viktor Jerofejew (Autor)
Putin and Europe

13.00 Uhr
Mittagspause

14.00 Uhr
Charlotte Klonk (Kunsthistorikerin, HU Berlin)
Wieder “Nie Wieder" – Bilder des Krieges

14.45 Uhr
Stefan Kadelbach (Rechtswissenschaftler, Normative Orders, Goethe-Universität) – Adam Tooze (Wirtschaftshistoriker, Columbia University)
Verbrechen und Strafe: Wie sanktioniert die Weltgemeinschaft Putins Aggression?

15:30 Uhr
Jannis Panagiotidis (Historiker, Universität Wien)
Flucht aus der Ukraine, postsowjetische Migration und die Zukunft der Migrationsgesellschaft

16.15 Uhr
Nicole Deitelhoff (Politikwissenschaftlerin, Normative Orders, Goethe-Universität)
Zurück auf Null? Der Ukrainekrieg und seine Folgen

17.00 Uhr
Ende

Details zum Programm:
www.roemerberggespraeche-ffm.de, www.normativeorders.net

Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, Tel.: 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Apr 26 2022
10:42

AIWG veröffentlicht Publikation zu Islam und Medizin 

Islamrechtliche Fragen in der Akutmedizin 

Die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität hat heute ihre neue Ausgabe der Publikationsreihe „Praxisperspektive“ veröffentlicht. Darin beschäftigen sich der Mediziner Dr. Assem Aweimer und der Islamtheologe Prof. Dr. Serdar Kurnaz mit islamrechtlichen Fragen in akut-intensivmedizinischen Entscheidungssituationen.

FRANKFURT. Muss im Islam alles Menschenmögliche getan werden, um einen kranken Menschen am Leben zu erhalten? Wann dürfen muslimische Patient_innen auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichten? Und welche Behandlungsmethoden sind aus islamrechtlicher Sicht für Muslim_innen überhaupt zulässig? Bislang gibt es in der islamischen Theologie und der Islamwissenschaft nur vereinzelte Studien, die sich mit bioethischen Fragen beschäftigen. Eine Auseinandersetzung aus islamtheologischer Warte mit Fragen zu modernen medizinischen Therapiemaßnahmen steckt noch in den Anfängen.

Der Mediziner Dr. Assem Aweimer und der Islamtheologe Prof. Dr. Serdar Kurnaz legen mit der aktuellen AIWG-Praxisperspektive „Islamrechtliche Fragestellungen in der Akutmedizin“ einen ersten Grundstein für den Austausch zwischen medizinischer Praxis und Forschung sowie den islam-theologischen Wissenschaften im deutschsprachigen Raum.

Anhand konkreter Praxisbeispiele stellt der Oberarzt für Innere Medizin und Kardiologie am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum Fragen an die islamisch-theologischen Wissenschaften. Diese greift Prof. Dr. Serdar Kurnaz im zweiten Teil der Publikation auf und formuliert aus islamrechtlicher Sicht Grundprinzipien für Entscheidungsfindungen in akut-intensivmedizinischen Situationen. Der Theologe vom Berliner Institut für Islamische Theologie zeigt dabei, dass es aufgrund der Meinungspluralität in der islamischen Tradition die eine „islamische Antwort“ auf eine bestimmte medizinethische Frage nicht gibt. „Eine Vereinfachung in Erlaubtes und Verbotenes ist aufgrund der Komplexität und der Tragweite vieler Entscheidungen, seien sie medizinisch oder theologisch begründet, nicht möglich“, so Prof. Dr. Serdar Kurnaz.

Die AIWG-Praxisperspektive präsentiert dennoch aufgrund eines engen Austauschs zwischen Medizin und islamischer Theologie für Abwägungssituationen im Spannungsfeld zwischen medizinischer Identifikation und Patientenwille anschaulich Handlungsvorschläge und regt zur weiteren Forschung in dem Bereich an. Mitte Mai veranstaltet die AIWG einen Live-Talk auf YouTube zum Thema. Gäste sind unter anderem die Autoren. Informationen zur Veranstaltung sind in Kürze abrufbar unter https://aiwg.de/aktuelles/

Dr. med. Assem Aweimer ist Oberarzt für Innere Medizin und Kardiologie am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Er hat Medizin in Bochum studiert und sich im Schwerpunkt Innere Medizin und Kardiologie weitergebildet.

Prof. Dr. Serdar Kurnaz hat in Frankfurt am Main an der Goethe-Universität Islamische Religion, jüdisch-christliche Religionswissenschaften und Pädagogik studiert und im Fach Islamische Studien promoviert. Seit 2020 ist er Professor für Islamisches Recht in Geschichte und Gegenwart am Berliner Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Publikation kann auf der Website der AIWG kostenfrei heruntergeladen werden unter https://aiwg.de/praxisperspektiven/

Mit ihrer Publikationsreihe AIWG-Praxisperspektiven präsentiert die AIWG Beiträge und Gedanken aus der Praxis zu Fragen des Islams in der Gesellschaft. Mit ihren Praxisperspektiven liefert die AIWG Anregungen für die wissenschaftliche Erforschung verschiedener islamtheologisch relevanter Fragen, zugleich richtet sich die Publikation an eine breite Öffentlichkeit.

Weitere Informationen
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon 069 798-22459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Apr 22 2022
12:50

DITIB-Studie 2021: Lebensweltliche Einstellungen junger Muslim:innen in Deutschland

„Das gute Gefühl wird mir oft genommen“

Wie stehen junge Muslim:innen zu Heimat und Religion? Welche Vorstellungen haben sie von Liebe, Heirat und Familie? Zu diesen und anderen Themen hat die DITIB-Jugendstudie der Goethe-Universität junge Muslim:innen befragt.

FRANKFURT. Sie fühlen sich in Deutschland zu Hause, empfinden aber zugleich eine gewisse Unentschlossenheit gegenüber dem Land, in dem sie leben. Sie planen ihre Zukunft in Deutschland und engagieren sich etwa in der Flüchtlingshilfe, in der Politik und in der Feuerwehr, können sich aber nicht vorstellen, in Deutschland beerdigt zu sein. Sie finden im DITIB-Moscheeverband mit seinem außerschulischen Bildungsangebot einen Ersatz für die türkische Heimat ihrer Eltern und Familien, fordern aber mehr deutschsprachige Imame in ihrer Gemeinde und ein stärkeres Zugehen des Verbands auf nicht-muslimische Bürger. Sie wünschen sich einen selbstbewussteren Umgang mit dem eigenen Glauben, sind der Meinung, die islamische Religion sei nur für Muslim:innen offen, lehnen aber religiöse Übertreibungen wie Kopftuchzwang und Zwangsehen ab. Sie betonen biologische und Rollen-Unterschiede zwischen Mann und Frau, gehen aber selbstverständlich von deren Gleichberechtigung aus.

Dies sind Ergebnisse der soeben erschienenen DITIB-Studie 2021, die von Harry Harun Behr, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Islam, und der wissenschaftliche Projektleiterin Meltem Kulaçatan am Fachbereich Erziehungswissenschaften, beide Goethe-Universität, durchgeführt wurde. Befragt wurden junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren, die sich selbst als muslimisch bezeichnen, sich ehrenamtlich im Jugendverband des DITIB-Moscheeverbands engagieren und in Deutschland beheimatet sind. Ihre Ankünfte weisen die Befragten als überdurchschnittlich gut ausgebildet aus und als Angehörige einer bürgerlich orientierten Mittelschicht; sie sind an Normalität interessiert, möchten nicht als migrantisch und muslimisch definiert werden und sind positiv gegenüber staatlichen Regelsystemen eingestellt. Gleichwohl geben die jungen Menschen an, prägende Diskriminierungserfahrungen, etwa in der Schule, gemacht zu haben.

Initiiert wurde die Studie vom Jugendverband des DITIB-Moscheeverbands (BDMJ), verbunden mit dem Wunsch, seine Angebote besser an die Bedürfnisse der jugendlichen Zielgruppen anpassen zu können. Da auch das postmigrantische Selbstverständnis junger Menschen, also auch das Generationenverhältnis in der Studie erfragt werden sollte, äußerte auch der von den Jugendlichen als „Erwachsenenverband“ bezeichnete Bundesverband DITIB Interesse an den Ergebnissen. Die Studie wurde schließlich vom Bundesverband in Auftrag gegeben. Die Wissenschaftler der Studie weisen darauf hin, dass eine Einflussnahme des Auftraggebers auf Ergebnisse vorab ausgeschlossen wurde.

Die Studie verbindet quantitative Ergebnisse mit qualitativen Aussagen, in denen die Befragten anonym zu Themen Stellung nehmen konnten. „Ich möchte mich hier wohl fühlen“, lautet etwa ein Kommentar. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen, kenne mich mit der deutschen Kultur aus und beherrsche die Sprache sehr gut. Aufgrund meiner Religion und meiner Herkunft werde ich in vielen Bereichen des Lebens ausgegrenzt, und das finde ich sehr schade, denn ich sehe Deutschland auch als Heimat an. Genauso wie die Türkei. Dieses gute Gefühl wird mir leider oftmals genommen.“ In Bezug auf die Jugendarbeit des DITIB enthält die Studie Äußerungen wie „mehr nicht-muslimische Referenten einladen, Kooperation mit anderen religiösen Vereinen (auch nicht-muslimische), bessere Zusammenarbeit mit Bürgermeistern.“ Einen hohen quantitativen Zustimmungswert erreicht die Aussage: „Ich würde nur eine Muslimin oder einen Muslim heiraten.“

Die gesellschaftliche Funktion des DITIB bewerten die Wissenschaftler insgesamt positiv. Sie sprechen dem Moscheeverband die Fähigkeit zu, über eine religiöse Grundbildung zur Stabilisierung der Persönlichkeit beizutragen und somit über intellektuell und spirituell gebildete und interessierte junge Menschen Integration zu gestalten. „Es ist genau diese religiöse Matrix für lebensweltliche Orientierung, die radikalen Muslimen oft fehlt“, sagt Harry Harun Behr.

Allerdings ermuntern die Erziehungswissenschaftler den Moscheeverband auch, „kritische Reflexion als Chance für bewusstere Religion zu begreifen und nicht als Angriff auf den Glauben.“ Die große Herausforderung bestehe darin, die veränderte, eher „säkulare Spiritualität“ der jungen Generation aufzugreifen und einen religionsgemeinschaftlichen Raum auch für diejenigen zu gestalten, die bislang als „abweichend“ markiert werden. 

Publikation:
Behr, Harry Harun Behr/ Kulaçatan, Meltem (2022): DİTİB Jugendstudie 2021. Lebensweltliche Einstellungen junger Muslim:innen in Deutschland. Weinheim: Beltz Juventa, 185 Seiten, 24,95 Euro

Weitere Informationen
Harry Harun Behr
Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik des Islamischen Religionsunterrichts

Meltem Kulaçatan
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Goethe-Universität
FB 04, Institut für Pädagogik der Sekundarstufe
Campus Westend, Gebäude PEG, Raum 4. G 113
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Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Apr 20 2022
13:37

Internationales Forschungsteam unter Federführung der Goethe-Universität widerlegt ein jahrzehntelang populäres Konzept

Aktive Auflösung von Entzündungen: Keine Evidenz für Beteiligung spezialisierter Lipidbotenstoffe

Entzündungen werden entgegen einem seit fast 30 Jahren propagierten Konzept offenbar nicht aktiv mit spezialisierten Lipiden beendet, die unser Körper aus mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren bildet. Zwar lassen sich solche Resolvine oder Lipoxine unter Laborbedingungen herstellen, physiologisch spielen sie jedoch höchstwahrscheinlich keine Rolle. Das belegt ein Review eines internationalen Forschungsteams um Prof. Dieter Steinhilber von der Goethe-Universität Frankfurt. Ausgangspunkt dieser Arbeit, die unter Fachleuten viel Aufsehen erregt hat, waren experimentelle Befunde des DFG-Graduiertenkollegs „Auflösung von Entzündungsreaktionen“ (AVE) an der Goethe-Universität.

FRANKFURT. Entzündungen entspringen einer aktiven Abwehrreaktion unseres Immunsystems. Sie klingen normalerweise von selbst ab. Einst wurde angenommen, dass sei ein passiver Prozess, weil die beteiligten Immunzellen nach getaner Arbeit allmählich absterben oder abwandern. Heute wissen wir, dass unser Körper auch das Abklingen einer Entzündung aktiv steuert. Zu diesem Zweck verwandeln sich unter anderem bestimmte Zellen des angeborenen Immunsystem, so genannte entzündungsfördernde M1-Makrophagen, die primär der Verteidigung dienen, in entzündungsauflösende M2-Makrophagen, die primär in der Wundheilung wirken.

Als ein wichtiger molekularer Effekt dieser Verwandlung galt bisher die Bildung spezialisierter entzündungsauflösender Mediatoren (SPMs). Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1984 gaben sie einer weltweit immer größer werdenden Gruppe von „Resolutionisten“ Anlass zu der Hoffnung, eines Tages mit synthetischen „Entzündungsauflösern“ (Resolvinen) therapeutisch in entzündliche Prozesse eingreifen zu können.

Die derzeit verfügbaren Medikamente gegen Entzündungen und deren Symptome – wie zum Beispiel die Acetylsalicylsäure und die Cox-2-Inhibitoren – wirken dagegen als Gegenspieler (Antagonisten) bestimmter Reaktionen des Arachidonsäurestoffwechsels, die proinflammatorische Gewebshormone generieren. Dazu gehören einerseits Thromboxan und die Prostaglandine, andererseits die Leukotriene. Nur zwei Stoffwechselschritte von der Arachidonsäure entfernt entstehen auch die SPMs, denen bislang eine anti-inflammatorische Wirkung zugeschrieben wurde.

Tatsächlich zeigte eine Doktorarbeit am 2017 etablierten Graduiertenkolleg AVE der Goethe-Universität, dass entzündungsauflösende Makrophagen die beiden Enzyme bilden, die für die Herstellung von SPMs notwendig sind. Allerdings konnten erst unter nicht-physiologischen Bedingungen – die Forscher:innen gaben Stimulatoren dazu, die die Durchlässigkeit der Membran der Makrophagen für Kalzium erhöhten (Ionophore) – , winzige Mengen von SPMs nachgewiesen werden. Selbst wenn man, wie eine weitere Dissertation zeigte, Zellkulturen bestimmter weißer Blutzellen (neutrophiler Leukozyten) bereits vorbehandelte Substrate dieser Enzyme zufügte, wurden diese Substrate darin kaum umgesetzt.

Ein weiteres Verdachtsmoment ergab sich durch frühere Arbeiten über SPM-Rezeptoren von Prof. Stefan Offermanns, der wie Prof. Steinhilber Projektleiter im an der Goethe-Universität verankerten Sonderforschungsbereich „Krankheitsrelevante Signaltransduktion durch Fettsäurederivate und Sphingolipide“ ist. Bei der Studie konnte keine Wirkung von Lipoxin A über den entsprechenden G-Protein-gekoppelten Rezeptor festgestellt werden. Über diese Rezeptoren übermitteln Lipidmediatoren ihre Signale. Im Blutplasma von gesunden Probanden ließen sich SPMs selbst mittels sensitivster und selektivster Verfahren (Kopplung von Chromatographie und Massenspektrometrie) zudem bestenfalls im einstelligen Pikogrammbereich finden.

Ausgehend von diesen Befunden durchforstete das Forschungsteam um Prof. Dieter Steinhilber alle bisher erschienenen Publikationen zum Thema SPMs. Dieses Review bestätigte ihre Dekonstruktion des SPM-Konzeptes: Menschliche Leukozyten, zu denen auch Makrophagen gehören, können bestenfalls geringe Mengen an SPMs synthetisieren. Diese Mengen sind so winzig, dass sie auch mit modernster Analytik nicht verlässlich zu quantifizieren sind. Die SPM-Synthese steht weder im Zusammenhang mit dem Abklingen einer Entzündungsreaktion noch mit einer gezielten Zufuhr mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren. SPM-Rezeptoren sind bisher nicht valide nachgewiesen worden.

„Insidern war schon lange klar, dass das SPM-Konzept fragwürdig ist“, sagt Dieter Steinhilber. „Bisher hat sich jedoch niemand die Mühe gemacht, alle Zweifel zusammenzutragen.“ Es müsse einen anderen Mechanismus der aktiven Entzündungsauflösung geben. „Denn der Wechsel von entzündungsfördernden M1-Makrophagen zu entzündungsauflösenden M2-Makrophagen geht eindeutig mit einer Veränderung des Lipid- und Zytokinprofils einher.“

„Die Suche nach den molekularen Signalen, mit denen unser Körper überschießende oder chronische Entzündungen aktiv verhindert, bleibt spannend“, sagt Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität und Sprecher des Graduiertenkollegs AVE. „Sie motiviert unsere weitere Forschung.“

Publikation: Nils Helge Schebb, Hartmut Kühn, Astrid S. Kahnt, Katharina M. Rund, Valerie B. O'Donnell, Nicolas Flamand, Marc Peters-Golden, Per-Johan Jakobsson, Karsten H. Weylandt, Nadine Rohwer, Robert C. Murphy, Gerd Geisslinger, Garret A. FitzGerald, Julien Hanson, Claes Dahlgren, Mohamad Wessam Alnouri, Stefan Offermanns, Dieter Steinhilber: Formation, Signaling and Occurrence of Specialized Pro-Resolving Lipid Mediators—What is the Evidence so far? Frontiers in Pharmacology (2022) https://doi.org/10.3389/fphar.2022.838782

Weitere Informationen
Prof. Dr. Dieter Steinhilber
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 798-29324
Steinhilber@em.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/53483647/Arbeitskreis_Prof__Dr__Steinhilber


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 20 2022
10:56

Skulpturen des Künstlers Herbert Mehler noch bis Mitte Juli auf dem Campus Westend – Kunstpädagogische Projekte auch für junge Menschen

Mehler-Freiluftausstellung auf dem Campus verlängert

Die temporäre Skulpturenausstellung “Herbert Mehler: Wachstum – Körper – Raum. Dialog mit der Goethe-Universität" wird noch bis zum 17. Juli zu sehen sein. Seit Mai letzten Jahres werden auf dem Campus Westend 18 Großskulpturen des Bildhauers Herbert Mehler von der Goethe-Universität und dem Frankfurter Ausstellungshaus DIE GALERIE präsentiert. Ein kunstpädagogisches Projekt begleitet die Ausstellung mit digitalen Formaten auch für Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen.

FRANKFURT. Erstmals sind sie im Ensemble zu sehen: die 18 großen Corten-Stahlskulpturen des Bildhauers Herbert Mehler, die seit Mai 2021 die Besucher:innen mitten in Frankfurt zu einem Dialog einladen. Der Bildhauer, 1949 in Steinau bei Fulda geboren, genießt mit seinen unverkennbaren, abstrakten Skulpturen sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international ein hohes Ansehen. Auf dem weitläufigen Parkgelände des Campus Westend sind sie an sieben Stellplätzen sowie im Eingangsfoyer nach Themen wie Vielfalt und Differenz, Nachhaltigkeit, Wissenschaft und Kunst gruppiert. Die Besucherinnen und Besucher können sich nun noch bis zum 17. Juli auf dem Campus durch die mit bis zu sechs Meter hohen rostbraunen Skulpturen inspirieren lassen, die einerseits an organische Gebilde, andererseits an architektonische Elemente erinnern.

Ursprünglich war die von der Goethe-Universität mit dem Frankfurter Ausstellungshaus DIE GALERIE kuratierte Freiluftausstellung bis Ende April geplant. Mit der Ausstellung wollte die Goethe-Universität der Stadtgesellschaft in der Pandemie zurückgeben, was in den vergangenen zwei Jahren besonders stark vermisst wurde: einen öffentlichen Raum, der gemeinsame ästhetische Erfahrungen ermöglicht.

Mit allen Sinnen wahrnehmen lässt sich die nun verlängerte Ausstellung auch durch die Projekte, zu denen Mehlers Skulpturen vierzig Studierende am Institut für Kunstpädagogik in den vergangenen Monaten inspiriert haben. Im Rahmen des Projektseminares „Kultur für alle?! Kunst auf dem Campus Westend und Wege der Kunstvermittlung im öffentlichen Raum“ haben die Studierenden verschiedene Formate entwickelt, die Interessierten aller Altersstufen digital einen Zugang zur Ausstellung erleichtern.

Entstanden sind etwa Bastelanleitungen für Kinder in Form von Videos, eine digitale Rallye für Jugendliche, Podcasts, ein raumatmosphärisches Video für Hörende, Taube und Menschen mit Hörbeeinträchtigung, ein Kurzquiz (auch in englischer Sprache) sowie eine kleine Publikation in Formeines Mitmachheftes und eine studentische Homepage, welche die einzelnen Angebote bündelt. Der Instagram-Accountcampuskunstffm informiert über je aktuelle Angebote. Daneben sind Überlegungen zu einem Audioguide für Sehende, Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigung sowie ein Konzept zur personellen Vermittlung in einfacher Sprache entwickelt worden.

Über die Ausstellung informiert zudem ein umfassender Katalog, der neben zahlreichen Fotografien der ausgestellten Werke vor Ort auch Informationen zum Künstler und dessen Arbeit enthält. Der Katalog „Herbert Mehler – Wachstum, Körper, Raum“ mit Beiträgen des Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, und des Galeristen Peter Femfert sowie interdisziplinären Texten von Wissenschaftler:innen und einem Studenten ist über den Buchhandel erhältlich.

Unterstützt werden die kooperative Ausstellung sowie das Projektseminar unter anderem von der Johanna Quandt Universitäts-Stiftung, der Sparda-Bank, Santander Universitäten und der Georg und Franziska Speyer'schen Hochschulstiftung.

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/117725137

Bildtext: Stahlskulpturen im Mittelpunkt der Stadt: Werke des Bildhauers Herbert Mehler auf dem Campus Westend der Goethe-Universität (Foto: Lars Wiedemann/Berlin)

Weitere Informationen zum kunstpädagogischen Projekt:
CLAUDIA SPEZZANO
T + 69 956 459 46
M +178 814 25 56
spezzano.em@uni-frankfurt.de

Homepage: www.kulturfueralle.wordpress.com
Instagram: www.instagram.com/campuskunstffm/
Der YouTube-Kanal „Campus Kunst entdecken“: www.youtube.com/channel/UCQnmjsPAhJB1cyKdcRR5QTQ/featured
Die Podcasts „Campuskreaturen“ auf Spotify: https://open.spotify.com/show/2pj8EmfbS7WDNrVzlc4uAO
Die Actionbound „Mehler meets Goethe“: https://de.actionbound.com/bound/MehlermeetsGoethe
Zum Kurzquiz „Have you seen me?“: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSdDQUKWciF-2w4QOJWYrBYiJEskxQ61ryaHdDB0uxiJ9MA5kQ/viewform
English Version: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSe6obrksbyCLSBaNAej3JPOxPyGH4YX3dBkjFCPq_jADrw4RQ/viewform
Das Audiointerview zur Campustour für Sehende, Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigung: https://padlet.com/paulaalinageorg/c226hjfu6nd5x0jm


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 20 2022
10:28

Öffentliche Vortragsreihe der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur zum Thema „Christen in Ostafrika und Westasien“

Friedliche Nachbarschaft, blutige Konflikte

FRANKFURT. Ostafrika und Westasien werden im breiteren öffentlichen Bewusstsein mit dem Islam verbunden. Doch schon ein rascher Blick in die Vergangenheit – und auf jüngere politische Ereignisse – lässt die religiöse Vielfalt in der Region erkennen: Juden, Christen und Muslime lebten nebeneinander, in denselben Orten, teils in Nachbarschaft. Neben friedlichen Nachbarschaftsbeziehungen der Religionen und den Machthabern gab es allerdings auch blutige Konflikte.

Die öffentliche Vortragsreihe der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur Christen in Ostafrika und Westasien – Alte Traditionen und neue Herausforderungen widmet sich den Christentümern dieser Regionen, die traditionell als „orientalisches Christentum“ bezeichnet werden. Dabei vermitteln ausgewiesene Referenten in einem weiten historischen Blick Perspektiven verschiedener Fachrichtungen – von der Kirchengeschichte über die Byzantinistik bis hin zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Die Reihe schließen eine Lesung sowie ein Gespräch mit dem Schriftsteller Martin Mosebach und Asfa-Wossen Asserate ab.

Termine und Themen im Überblick:

  • 27. April 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Karl Pinggéra (Kirchengeschichte, Marburg)
    „Die Entstehung und Ausbreitung orientalischer Christentümer bis zum Aufkommen des Islam“ 
  • 11. Mai 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch (Byzantinistik, Mainz)
    „Das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen und die Kultur des Nahen Ostens“
  • 18. Mai 2022, 20:15 Uhr:
    Jun.-Prof. Dr. Verena Krebs (Mittelalterliche Kulturräume, Bochum):
    „Salomos Erben: Das äthiopische Christentum zwischen Spätantike und Mittelalter“
  • 8. Juni 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Dietmar Winkler (Patristik und Kirchengeschichte, Salzburg)
    „Die Kirche des Ostens im Persischen Sassanidenreich und ihre weitere Ausbreitung nach Zentralasien und China“ 
  • 22. Juni 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Boris Barth (Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Prag)
    „Die Christen im Osmanischen Reich – von der Duldung zum Völkermord“
  • 29. Juni 2022, 20:15 Uhr:
    Prof. Dr. Klaus Koschorke (Ältere und Weltweite Christentumsgeschichte, München)
    „Orientalische Christentümer als antikoloniale Alternative. Indische Thomaschristen und das christliche Äthiopien in den Debatten asiatischer und afrikanischer Eliten um die Wende vom 19. zum 20 Jh.“ 
  • 6. Juli 2022, 20:15 Uhr:
    Lesung aus Martin Mosebach, „Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer“ und Gespräch mit Martin Mosebach und Dr. Asfa-Wossen Asserate (beide Frankfurt am Main)

Die Vorträge finden in Präsenz statt. Veranstaltungsort ist der Campus Westend, Trude-Simonsohn-Saal (Cas. 1.811), am 6. Juli ausnahmsweise das Hörsaalzentrum 3 auf dem Campus Westend.

Die Federführung der Veranstaltungsreihe liegt bei Prof. Dr. Hartmut Leppin, Goethe-Universität Frankfurt, und Prof. Dr. Dorothea Weltecke, Humboldt-Universität zu Berlin; veranstaltet wird die Reihe vom DFG-Leibnizpreisprojekt »Polyphonie des spätantiken Christentums«, der DFG-Kollegforschungsgruppe »POLY – Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer«, dem Leibniz-WissenschaftsCampus »Byzanz zwischen Orient und Okzident« und der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität.

Weiterführende Informationen zur Reihe sowie zur Anmeldung sind unter www.uni-frankfurt.de/deutsche-bank-stiftungsgastprofessur abrufbar.

Die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG wurde im Jahr 1985 ins Leben gerufen. Sie soll Brücken schlagen zwischen Bürgern der Stadt und Region einerseits und der Forschung andererseits, um anhand wissenschaftlicher Expertise und ihrer verständlichen Vermittlung Orientierung in einer Welt der globalen Umwälzungsprozesse zu bieten.


Information und Anmeldung:
Marius Kalfelis
Leibnizpreis-Projekt »Polyphonie des spätantiken Christentums«
Historisches Seminar, Abt. für Alte Geschichte Norbert-Wollheim-Platz 1 60629 Frankfurt/M.
E-Mail: kalfelis@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 13 2022
12:34

Semesterstart an der Universität des 3. Lebensalters 

Erste Schritte zurück auf den Campus 

FRANKFURT. Nach zwei Jahren digitaler Studienprogramme können im Sommersemester 2022 nun auch die Studierenden der Universität des 3. Lebensalters (U3L) wieder in die Hörsäle und Seminarräume zurückkehren. Diejenigen, die das Präsenzangebot wahrnehmen, zeigen sich sehr glücklich über die Möglichkeit, Ihre Dozent*innen und Mitstudierenden wieder von Angesicht zu Ansicht erleben. Auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität, dem Sitz der U3L, herrscht eine Art Aufbruchsstimmung, die auch durch das strahlende Frühlingswetter begünstigt wird.

„Die U3L wünscht allen Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten auf den verschiedenen Campusstandorten einen schönen Semesterbeginn“ sagt Silvia Dabo-Cruz, die Leiterin der Geschäftsstelle der U3L. „Für das U3L-Angebot hatten wir entschieden, sowohl Präsenz- als auch digitale Veranstaltungen anzubieten, um eine möglichst breite Gruppe anzusprechen. Nun können diejenigen endlich zurückkehren, die Online-Lehre nicht in Anspruch genommen haben. Und alle, die in den Corona-Semestern die Teilnahme aus der Ferne schätzen gelernt haben, finden bei der U3L weiterhin ein breites Online-Angebot. Auch eine Mischung ist für viele eine gute Option, wenn die Veranstaltungszeiten zusammenpassen. Die ersten Präsenzveranstaltungen sind bei Weitem nicht überfüllt. Das ist im Moment auch gut so. Es zeigt sich, dass der gefasste Plan einer vorsichtigen und umsichtigen Rückkehr auf den Campus aufgeht. In den Räumen ist ausreichend Platz, um sich schrittweise an die neue Nähe zu gewöhnen.“

Die Anmeldezeit für das Sommersemester endet erst am 30. April. Bis dahin ist ein Einstieg in die Vorlesungen, Seminare und Arbeitsgruppen ohne weiteres möglich – diese finden im Sommersemester in der Zeit zwischen dem 11. April und dem 15. Juli 2022 statt. Eine Veranstaltungsliste ist auf der Homepage der U3L abrufbar.


Kontakt:
Die Mitarbeiter*innen der U3L-Geschäftsstelle freuen sich über eine Kontaktaufnahme und geben gerne Auskunft. Im Moment sind sie allerdings nur telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Auch hier gilt es, die Öffnung der Geschäftsstelle vorsichtig zu planen.

Weitere Informationen:
Claudia Koch-Leonhardi, Universität des 3. Lebensalters an der Goethe-Universität. Tel. (069)-798 28861; u3l@em.uni-frankfurt.de; http://www.u3l.uni-frankfurt.de
Homepage der U3L: www.u3l.uni-frankfurt.de. Telefonische Sprechzeiten: Mo-Do 9.30-12.30 Uhr, Mi 13.30-16 Uhr und n.V., Tel. (069) 798-28861


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 11 2022
12:06

Zellkulturuntersuchungen aus Frankfurt und Canterbury zeigten zuvor Aprotinin-Effekte gegen SARS-CoV-2

Studie: Aprotinin wirkt bei COVID-19-Patienten – Basis legten Forscher von Goethe-Universität und University of Kent

Eine klinische Studie aus Spanien bestätigte kürzlich Laborversuche der Goethe-Universität Frankfurt und der University of Kent, nach denen der Protease-Inhibitor Aprotinin die Infektion von Zellen mit SARS-CoV2 verhindert. Die Autor:innen der klinische Studie berichten, dass Patient:innen, die ein Aprotinin-Aerosol erhielten, unter anderem deutlich früher aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten.

FRANKFURT. Bevor SARS-CoV-2 über sein Spike-Protein an Proteine (ACE2-Rezeptoren) auf der Oberfläche der Wirtszellen andocken kann, müssen Teile des Spike-Proteins durch Enzyme der Wirtszellen – Proteasen – abgespalten werden. 2020 konnte ein Wissenschaftsteam um Prof. Jindrich Cinatl von der Goethe-Universität und Prof. Martin Michaelis sowie Prof. Mark Wass von der britischen University of Kent in Zellkultur-Experimenten zeigen, dass der Protease-Inhibitor Aprotinin in der Lage ist, die für das Eindringen der SARS-CoV-2-Viren nötige Proteasen zu hemmen und die Vermehrung des Erregers zu stoppen.

In einer weiteren Studie wies das Wissenschaftsteam ebenfalls anhand von Zellkultur-Experimenten nach, dass Aprotinin auch gegen die Delta- und Omikron-Variante von SARS-CoV-2 wirkt.

Jetzt hat eine klinische Phase-III-Studie eines spanischen Forschungsteams unter anderem gezeigt, dass ein Aprotinin-Aerosol die durchschnittliche Verweildauer von COVID-19-Patient:innen im Krankenhaus um fünf Tage verkürzen kann.

Prof. Jindrich Cinatl meint: „Dies zeigt, wie wissenschaftliche Kooperationen auch ohne direkte Verbindungen zwischen Forschungsteams funktionieren. Ich freue mich sehr, dass unsere Zellkulturstudie diese erfolgreiche klinische Studie angestoßen hat.“

Prof. Martin Michaelis sagt: „Die Ergebnisse unserer Zellkulturstudien waren bereits sehr vielversprechend. Es ist toll, dass sich Aprotinin nun auch bei Patientinnen und Patienten als wirksam gegen COVID-19 erwiesen hat.“


Spanische Studie:
Francisco Javier Redondo-Calvo et. al.: Aprotinin treatment against SARS-CoV-2: A randomized phase III study to evaluate the safety and efficacy of a pan-protease inhibitor for moderate COVID-19. Eur. J. Clin. Invest. (2022) https://doi.org/10.1111/eci.13776

Zu den Studien von Goethe-Universität und University of Kent:
1) Wirkstoff Aprotinin verhindert Eindringen von SARS-CoV2 in Wirtszellen:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/wirkstoff-aprotinin-verhindert-eindringen-von-sars-cov2-in-wirtszellen/ 

2) Forscher:innen von Goethe-Universität und University of Kent finden Erklärung für mildere Omikron Verläufe:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/forscherinnen-von-goethe-universitaet-und-university-of-kent-finden-erklaerung-fuer-mildere-omikron-verlaeufe/


Weitere Informationen
Prof. Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Institut für Medizinische Virologie
Universitätsklinikum Frankfurt und Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 (0) 69 6301-6409
cinatl@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Martin Michaelis
School of Biosciences
University of Kent
Tel: +44 (0)1227 82-7804
Handy: +44 (0)7561 333 094
m.michaelis@kent.ac.uk


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 8 2022
13:46

Prof. Frank Brenker ins Voruntersuchungsteam der NASA-Mission OSIRIS-REx berufen – Raumsonde mit 60 Gramm Material vom Asteroiden Bennu auf dem Rückflug – Untersuchung mit neuartigen Methoden

Geowissenschaftler der Goethe-Universität wird ab 2023 erneut exklusive Proben von Asteroiden untersuchen 

Als einer der ersten Wissenschaftler wird der Geowissenschaftler Prof. Frank Brenker von der Goethe-Universität Frankfurt ab 2023 Gesteinsproben des Asteroiden Bennu untersuchen können. Dies gab die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA bekannt. 2020 hatte die NASA-Raumsonde OSIRIS-REx Gesteinsproben von Bennu genommen und befindet sich seitdem auf dem langen Rückflug zur Erde. Die Proben versprechen neue Erkenntnisse über die frühe Geschichte des Sonnensystems und Bildung der Erde.

FRANKFURT. Asteroiden haben im Laufe der Erdgeschichte das Aussehen unseres blauen Planeten stark mitbestimmt: Einschläge dieser Himmelskörper brachten wahrscheinlich das Wasser für unsere Ozeane auf die Erde, auch Bausteine des Lebens und viele Edelmetalle stammen wohl von diesen Himmelskörpern.

Um mehr über Asteroiden und ihren Einfluss auf die Erdgeschichte und die Entstehung des Lebens zu erfahren, hat die US-amerikanische Weltraumbehörde 2016 die Raumsonde OSIRIS-REx zu dem erdnahen Asteroiden Bennu geschickt. Bennu ist ein 500 Meter großer Asteroid der C-Klasse und gehört damit zu den ursprünglichsten Objekten unseres Sonnensystems. Forscher gehen davon aus, dass sich diese Asteroiden seit mehr als 4,56 Milliarden Jahren nicht mehr entscheidend verändert haben. Damit erlauben sie einen ungestörten Blick in die Kinderstube unseres Sonnensystems.

Ende 2020 hat OSIRIS-REx Proben der Oberfläche von Bennu entnommen und wird 2023 mit mehr als 60 Gramm Asteroidenmaterial auf der Erde zurückerwartet. Die Proben sollen während des Vorbeiflugs der Raumsonde an der Erde über eine Rückkehrkapsel auf die Erdoberfläche gelangen. Zu den ersten Wissenschaftlern, die diese Proben dann untersuchen werden, gehört nun auch Prof. Frank Brenker vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Er wurde zusammen mit seinem Kollegen Prof. Laszlo Vincze, Universität Gent, von der NASA in das Voruntersuchungsteam berufen.

Der Grund: Prof. Frank Brenker hat zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Jahren ein präzises und hoch-ortsauflösendes Messverfahren entwickelt, das mithilfe von Supermikroskopen dreidimensional und berührungsfrei die chemische Zusammensetzung und die Struktur der Materie in den kostbaren Proben bestimmen kann. Die Supermikroskope arbeiten dazu mit energiereicher Röntgenstrahlung (Synchrotron-Strahlung), die an den Beschleunigeranlagen DESY in Hamburg und ESRF im französischen Grenoble erzeugt wird.

„Wir sind äußerst gespannt auf die einzigartigen Proben und sehr stolz über die Aufnahme in das Voruntersuchungsteam“, erklärt Frank Brenker. „In den Proben werden wir mit unserem Verfahren unter anderem die Gehalte und die Verteilung der so genannten seltenen Erden bestimmen, die für eine geowissenschaftliche und kosmochemische Interpretation von großer Bedeutung sind. Wir machen also quasi eine Spurenelement-Tomographie der Proben. Dies können außer uns nur wenige Wissenschaftsteams weltweit.“

Derzeit arbeitet das deutsch-belgische Wissenschaftsteam noch intensiv an der Untersuchung der Proben vom Asteroiden Ryugu, die die japanische Weltraumorganisation im Dezember 2020 zur Erde geholt hatte.

Links: Proben vom Asteroiden Ryugu / Raumsonde Hayabusa 2
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/raumsonde-hayabusa-2-wasser-auf-der-erde-stammt-womoeglich-von-asteroiden/

https://www.puk.uni-frankfurt.de/75129455/Erste_Proben_des_Asteroiden_Ryugu_kommen_nach_Frankfurt?

Weitere Informationen
Prof. Dr. Frank Brenker
Institut für Geowissenschaften
Mineralogie
Tel.: (069)-798 40134
Mobil: 0151 68109472
f.brenker@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 8 2022
09:31

Podiumsgespräch zur Buchvorstellung „Ein Verbrechen ohne Namen“

Zum neuen Streit über den Holocaust

FRANKFURT. Wie an den Holocaust erinnern? Die Einzigartigkeit des Holocaust im kollektiven Gedächtnis der Deutschen wurde immer wieder diskutiert –  auch in jüngster Zeit. So wurde die Auffassung laut, andere historische Verbrechen sollten ausgeblendet und dem Mord an den Juden eine singuläre Rolle im kollektiven Gedächtnis der Deutschen eingeräumt werden.

Das Buch Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust der Historikerin Sybille Steinbacher sowie der Historiker Dan Diner, Norbert Frei und Saul Friedländer tritt solchen Thesen entgegen und will zeigen, warum das Argument der Präzedenzlosigkeit des Holocaust historisch gut begründet ist. Zugleich macht es deutlich, dass die Erinnerung insbesondere an die Kolonialverbrechen einen größeren Platz erhalten sollte, ohne deshalb die kritische Auseinandersetzung mit dem Holocaust beiseitezuschieben.

Im Rahmen einer Podiumsveranstaltung mit drei seiner Autor*innen wird das Buch

„Ein Verbrechen ohne Namen“
am 13. April 2022 um 20.00 Uhr

in der Deutschen Nationalbibliothek
vorgestellt.

Die Veranstaltung kann ohne Anmeldung auch per Livestream auf YouTube unter folgendem Link verfolgt werden: https://youtu.be/s0CDczEX2oU

Die Autorin und Autoren des Buchs und Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind ausgewiesene Zeithistoriker: Prof. Dr. Dan Diner ist Historiker für Moderne Geschichte und lehrte an den Universitäten Jerusalem und Leipzig. Prof. Dr. Norbert Frei ist Seniorprofessor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Prof. Dr. Sybille Steinbacher ist Zeithistorikerin und Direktorin des Fritz Bauer Instituts; sie lehrt zudem an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Moderieren wird Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds »Normative Ordnungen«.

Die Buchvorstellung mit anschließender Podiumsdiskussion findet in Kooperation des Fritz Bauer Instituts mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek und dem Forschungsverbund »Normative Ordnungen« der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt.

Das Buch „Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust“ der Autoren Saul Friedländer, Norbert Frei, Sybille Steinbacher und Dan Diner und einer Einleitung von Jürgen Habermas ist kürzlich im C.H.BECK-Verlag erschienen.

Anmeldung:

Für die Teilnahme vor Ort wird um Anmeldung an anmeldung@fritz-bauer-institut.de gebeten.

Weitere Informationen:

Fritz Bauer Institut, 069/798 322-40, info@fritz-bauer-institut.de, www.fritz-bauer-institut.de

Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 7 2022
16:47

Im neuen UniReport analysieren Expert*innen der Goethe-Universität den Ukraine-Konflikt. 

Krieg gegen die Ukraine: Wie groß ist der Rückhalt in der russischen Bevölkerung?

FRANKFURT. Expert*innen aus Politik- und Geschichtswissenschaft sowie aus Soziologie und Psychologie analysieren in der neuen Ausgabe des UniReports den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Prof. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin und Leiterin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), ist skeptisch, ob sich in Russland die Kritik an Putins Kriegspolitik mehr Gehör und Einfluss verschaffen kann. Man wisse gegenwärtig nicht, wie Putin-freundlich die Stimmung in der russischen Bevölkerung wirklich sei. Grundsätzlich gelte: „Was wir wissen ist, dass jede Herrschaft in Bedrängnis gerät, wenn sie nicht mehr ‚liefern' kann, das heißt, wenn wichtige Unterstützerkreise den Eindruck gewinnen, dass sie ohne den jeweiligen Herrscher oder die Herrscherin besser dran wären. Das kann, je nachdem, wie sich die Lage in Russland unter dem Eindruck der Sanktionen und des Kriegs entwickelt, auch dort geschehen.“

Den von Bundeskanzler Scholz bemühten Begriff der „Zeitenwende“ hält der Wirtschaftshistoriker Prof. Werner Plumpe aus europäischer Sicht durchaus für zutreffend; in globaler Perspektive müsste er aber relativiert werden. Dass Großmächte ihre Einflusszonen militärisch sichern, auch militärisch eingreifen, wenn sie ihre Interessen bedroht sehen, ist seiner Einschätzung nach nicht so selten. Sanktionen allein hätten in historischer Perspektive wenig bewegt, so Plumpe; ihre Wirkungen seien diffus, weil ja nicht nur Regierungen, sondern eben auch die Bevölkerung getroffen würden.

Der Sozialpsychologe Prof. Rolf van Dick, der gerade zusammen mit einem Marburger Kollegen einen Offenen Brief an Putin veröffentlicht hat, dem sich bereits viele Fachkolleg*innen angeschlossen haben, weist die Annahme zurück, nach denen der Krieg einzig und allein von Putin ausgehe: „Es ist ja nicht Putin selber, der Bomben abfeuert, es sind Soldaten auf allen Ebenen beteiligt, die sich diesem sinnlosen Krieg durchaus verweigern könnten.“

Was macht die Auseinandersetzung mit dem Krieg in der Ukraine mit der deutschen Gesellschaft, welche Rolle spielen die Medien im öffentlichen Diskurs? Damit beschäftigt sich der Soziologe Prof. Thomas Scheffer, der den Medien eine wichtige Aufgabe zuschreibt: „Sie schärfen durchaus unsere Sinne für die allgemeine Lage, in der wir uns befinden.“ Er sieht aber auch das Problem, dass Themen in der Konkurrenz um Aufmerksamkeit einander verdrängen: „Die täglichen 300 Toten der Corona-Pandemie lassen viele heute kalt, weil sie nun jahrelange Realität sind. Anders mit den Toten, Verletzten und Verfolgten im Ukraine-Krieg. Sie berühren uns und drängen zum Handeln. Die Aufmerksamkeit schließt unsere Emotionen mit ein.“

Im neuen UniReport begrüßt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff die Studierenden der Goethe-Universität zum Sommersemester 2022 – erstmals (auch) auf Ukrainisch, um damit ein Zeichen zu setzen. Schleiff sagt: „Unsere Solidarität gilt den Menschen in der Ukraine, allen Ukrainer*innen im In- und Ausland, aber auch all jenen, die sich in Russland und weltweit entschieden für Frieden und Freiheit engagieren.“

Weitere Themen im aktuellen UniReport:

  • Auf dem Weg zu einer digitalen Wissenskultur: Ulrich Schielein, neuer Chief Information Officer und hauptamtlicher Vizepräsident der Goethe-Universität, im Gespräch.
  • Mit 150 Sachen durch den Eiskanal: Deborah Levi, Studierende der Goethe-Universität, über den Gewinn der Goldmedaille im Zweierbob bei den Olympischen Winterspielen.
  • Auf die ethischen Anforderungen im Gesundheitswesen vorbereiten: Der neue duale Masterstudiengang „Sozialethik im Gesundheitswesen“ ist im vergangenen Wintersemester gestartet.
  • Die Zukunft des Mathematikunterrichts: Die größte deutschsprachige Tagung für Mathematikdidaktik findet vom 29. August bis 2. September 2022 auf dem Campus Westend statt.
  • Dank der Forschung von Prof. Thomas Wilhelm haben Tausende Schüler*innen die Physik zwar nicht lieben, aber doch besser verstehen gelernt:  Für seine Forschungen erhält er den mit 5000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Frankfurter Physik 2021.
  • Ein Freidenker der Frankfurter Schule: Eine Internationale Konferenz an der Goethe-Universität soll das vielschichtige Werk Siegfried Kracauer beleuchten.
  • Können Investoren die Welt verändern? Der Humboldt-Preisträger Marcus Opp will Green Finance auf den Grund gehen.
  • Zwischen den Räumen: In seinem Projekt „Durchgang“ erforscht der Architekturhistoriker Markus Dauss Orte, die wir en passant wahrnehmen.
  • Kant und seine sozialistischen Interpreten: Der Amerikaner William Levine arbeitet als Postdoctoral Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften über einen etwas in Vergessenheit geratenen „linken“ Zweig der Neokantianer.
  • Literatur in Pandemiezeiten: Judith Hermann hält im Mai ihre Frankfurter Poetikvorlesungen.
  • Von Tradition und Moderne in der chinesischen Ökonomie: Prof. Bertram Schefold und Prof. Iwo Amelung über ihren Sammelband „European and Chinese Histories of Economic Thought“.
  • Wie Zootiere kommunizieren: Der Biologe Sebastian Schneider hat sich in seiner Dissertation damit beschäftigt, wie Tierlaute mittels digitaler Technologien differenziert erfasst und ausgewertet werden können.
  • Erste Ergebnisse der dritten bundesweiten Studie „JuCo“ liegen vor: Ergänzend zum Beitrag spricht Prof. Sabine Andresen mit dem UniReport im Audio-Interview über Befunde der dritten Befragung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Corona-Zeit. https://tinygu.de/u7qKP

Der UniReport 2/2022 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 7 2022
14:34

Goethe-Uni veröffentlicht aktuelles Programm der Frankfurter Bürger-Universität

Über Gott und die Welt 

Von der Vorlesung des Nobelpreisträgers der Physik Reinhard Genzel bis hin zur Poetikvorlesung der Schriftstellerin Judith Hermann reicht das Spektrum des neuen Programms der Frankfurter Bürger-Universität. Ziel des von der Goethe-Universität zusammengestellten und organisierten Gesamtprogramms ist, den Dialog zwischen Wissenschaftler:innen und Bürger:innen zu fördern.

FRANKFURT. Wie können wir die Natur als wertvollen Lebensraum langfristig erhalten und auch als Ressource für uns Menschen nachhaltig nutzen? Welche Rolle spielt die Mathematik bei der Klimaforschung? Gehören Streit und Vertrauen zusammen? Diese und andere Themen greifen die Veranstaltungen der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester 2022 auf. Dazu gehören Vorträge, Podiumsgespräche und Buchvorstellungen, Führungen und Ausstellungen sowie ein Fest: Erstmals seit Ausbruch der Pandemie lädt die Goethe-Universität wieder zum Frühlingsfest auf den naturwissenschaftlichen Campus auf dem Riedberg. Am 22. Mai erwarten Besucherinnen und Besucher dort Führungen unter anderem des Instituts für Bienenkunde, der GeoAgentur Riedberg und Gärtnern des Wissenschaftsgartens.

Wenn Wissenschaft nicht das letzte Wort über unser Leben haben kann – wer oder was aber dann? Diese Frage greift die Diskussionsreihe „Mit oder ohne Gott – Religionen in der pluralen Gesellschaft“ auf. In zwei Talkrunden diskutieren Expertinnen und Experten der Goethe-Universität aus Religionsphilosophie und Islamwissenschaft, aus Soziologie, Theologie, Geschichte des Judentums und jüdischer Religionsphilosophie, ob und wie es zu Glaubensüberzeugungen in einer demokratisch und wissenschaftlich geprägten Welt kommen kann. Die Diskussionsreihe unter Beteiligung des Forschungsverbunds „Dynamiken des Religiösen“ an der Goethe-Universität findet – erstmals wieder in Präsenz – am 8. Juni in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt und am 28. Juni in Kooperation mit der Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt statt.

Das Programm der Bürger-Universität wird an einschlägigen Stellen in der Stadt ausgelegt und ist auf der Webseite der Goethe-Universität einsehbar unter: http://www.buerger.uni-frankfurt.de/

Die erste Bürger-Universität startete im Jahr 2008. In diesem Jahr kehrte die Goethe-Universität zu ihren Wurzeln als Stiftungsuniversität zurück, als die sie 1914 von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern gegründet worden war. Seitdem fördert die Bürger-Universität, die unter der Schirmherrschaft des Frankfurter Oberbürgermeisters steht, den lebendigen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern aus Stadt und Region.

Weitere Informationen
Abteilung PR & Kommunikation
Goethe-Universität
069/798-12481
buergeruni@uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de 

 

Apr 7 2022
14:10

Sommersemester wird weitestgehend wieder in Präsenz durchgeführt. Universitätsleitung bittet Studierende, in Innenräumen weiterhin Maske zu tragen. 

Goethe-Universität begrüßt neue Studierende 

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat heute ihre neuen Studierenden begrüßt: Für knapp 2.200 „Erstis“ hat das Sommersemester 2022 mit einer großen Messe begonnen: Auf der zentralen Begrüßungsveranstaltung der Goethe-Universität, die nach zwei Jahren Pause zumindest wieder im Hybridmodus stattfinden konnte, wurden sie von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff sowie dem AStA-Vorstand begrüßt.

„Ich gratuliere Ihnen zu dieser hervorragenden Entscheidung: Ein Studium in der besten Stadt Deutschlands zu beginnen“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann mit einem Augenzwinkern. Er hob in seiner Rede die Vorzüge der Stadt Frankfurt hervor, die neben ausgezeichneten Hochschulen auch in einer reichen Kulturlandschaft sowie vielfältigen Freizeitangeboten zum Ausdruck kämen. „Aber es sind die Menschen, die Frankfurt besonders machen - und Sie sind eine Bereicherung für unsere Stadt“, betonte Feldmann. „Vor allem freue ich mich für Sie, dass Sie Hörsäle wieder von innen sehen werden und auf dem Campus gemeinsam mit ihren Kommilitonen lernen können“, so das Stadtoberhaupt weiter.

Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff betonte bei der Begrüßung der Erstsemester: „Wir freuen uns über alle neuen Studierenden, die sich für ein Studium an der Goethe-Universität entschieden haben. Auf sie wartet eine aufregende Lebensphase, in der sie sich nicht nur berufliche Perspektiven erarbeiten, sondern auch unglaublich viele bereichernde Menschen kennen lernen und sich in unterschiedlichsten Initiativen engagieren können.“ Schleiff betonte, wie wichtig es für die Goethe-Universität sei, nach zwei Jahren starker Einschränkungen wieder in den regulären Präsenzbetrieb zurückkehren zu können; er bat die Studierenden aber darum, angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen vorsichtig zu sein und in Innenräumen weiterhin die Maske zu tragen. Wer noch nicht geimpft sei, solle dies unbedingt noch tun, um sich und andere zu schützen.

Auf der Präsenzmesse im Casinogebäude konnten sich die neuen Studierenden einen Überblick über Angebote und Serviceleistungen der Goethe-Universität verschaffen. Wer nicht persönlich dabei sein konnte, hatte die Möglichkeit, sich das Programm mit Live-Vorträgen, Informationen und Tipps rund um das Studium an der Goethe-Universität im Netz anzuschauen.

Der reguläre Vorlesungsbetrieb für alle Studierenden beginnt ab dem kommenden Montag. Insgesamt wird mit ungefähr 42.000 Studierenden im Sommersemester gerechnet. Ein neues Studienangebot stellt der duale Kooperationsstudiengang Hebammenwissenschaft dar, der gemeinsam von der Goethe-Universität und der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) konzipiert und durchgeführt wird.

Studierende finden alle Informationen zum Sommersemester 2022 an der Goethe-Universität, auch zu den Coronaregeln, unter: https://tinygu.de/Sommersemester22


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 6 2022
16:54

Studie der Goethe-Universität zeigt: Situation in Europa sehr heterogen, aber im Schnitt besser als in den USA

Frauen in Wirtschaftswissenschaften weltweit unterrepräsentiert

In vielen akademischen Berufen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Dass dies auch in den Wirtschaftswissenschaften der Fall ist, zeigt eine Studie des Ökonomen Guido Friebel von der Goethe-Universität und seinem Team in Kooperation mit der Toulouse School of Economics. Insbesondere in hohen Positionen und an besonders forschungsstarken Hochschulen haben Frauen es schwer.

FRANKFURT. Die Studie zum Frauenanteil in den Wirtschaftswissenschaften hat einige überraschende Fakten zutage gebracht: zum Beispiel, dass Europa immerhin bessere Zahlen aufzuweisen hat als die USA oder dass Frauen insbesondere an forschungsstarken Hochschulen auffällig unterrepräsentiert sind. Um sich ein aussagekräftiges Gesamtbild zu verschaffen, hat das Team, bestehend aus Prof. Guido Friebel, Alisa Weinberger und Dr. Sascha Wilhelm (alle Goethe-Universität) sowie Prof. Emmanuelle Auriol (Toulouse School of Economics), einen so genannten Web-Scraping-Algorithmus eingesetzt. „Der Algorithmus wird mit Web-Adressen von Hochschulen gefüttert und zieht von dort die Informationen zur Anzahl von Professoren und Nachwuchskräften. Eine Erfassung der ermittelten Personen nach Geschlechtern erfolgt auf Basis von Namen und einer Gesichtserkennungssoftware. Zur Verifizierung bzw. Korrektur der ermittelten Daten wurden sämtliche Institutionen angeschrieben. Der Rücklauf war nahezu komplett, und viele Dekane haben uns für diese Initiative, die durch die European Economic Association unterstützt wurde, beglückwünscht“, beschreibt Friebel.

Insgesamt flossen in die Studie die Daten von 238 Universitäten und Business Schools weltweit ein, die Anzahl der involvierten Personen betrug mehr als 34.000. Die anschließende Analyse ergab, dass in den USA nur 20 Prozent der leitenden Positionen, also Professuren, weiblich besetzt sind, während es in Europa immerhin 27 Prozent sind. Weltweit liegt der Durchschnitt hier bei 25 Prozent. Im Nachwuchsbereich sind an US-amerikanischen Einrichtungen 32 Prozent der Stellen mit Frauen besetzt, in Europa 38 Prozent. Weltweit liegt hier die Quote bei 37 Prozent. Kein Grund für alle europäischen Länder, sich in Sachen Frauenförderung auszuruhen oder gar stolz in die Brust zu werfen: „Die guten Zahlen verdanken sich mal wieder den skandinavischen Ländern, aber auch Spanien, Frankreich und Italien“, erläutert der Ökonom, der vom schlechten Abschneiden der USA überrascht war. Überraschend war für ihn auch, dass gerade an besonders forschungsstarken Institutionen wenig Frauen arbeiten, auch hier fällt der Frauennachteil in den USA deutlicher aus als in Europa.

Woran der schleppende Aufstieg von Frauen in den Wirtschaftswissenschaften liegen mag? Die Ursachen können unterschiedliche Wurzeln haben, wie die Studie zeigt. Indem man die Zahlen mit bereits vorliegenden statistischen Erkenntnissen korreliert, zeigt sich ein enger Zusammenhang mit in der jeweiligen Gesellschaft vorherrschenden allgemeinen Einstellungen. Die Organisationskultur der jeweiligen Hochschule, institutionelle Regelungen, aber auch das Verhalten der Frauen und Männer in den Wirtschaftswissenschaften sind weitere Faktoren.

Nun wollen Friebel und sein Team untersuchen, wie die Situation möglichst nachhaltig zu ändern wäre. Für Deutschland sieht er einen Grund für die Unterrepräsentanz von Frauen in den Wirtschaftswissenschaften darin, dass freiwerdende Professuren oft mit derselben Widmung wieder ausgeschrieben werden, einer Widmung, die eher den Forschungsvorlieben der Männer entgegenkommt. Frauen seien eben seltener in der Makroökonomie oder der Wirtschaftstheorie unterwegs als Männer, dafür interessierten sie sich eher für Entwicklungsökonomie, Gesundheit, Arbeit, Organisationen – Bereiche, die aufgrund der weltweiten Situation und der gesellschaftlichen Entwicklung ohnehin gestärkt werden müssten. Dies sei in den USA zwar grundsätzlich besser geregelt, weil Professuren dort bei der Stellenausschreibung oft nicht so eng festgelegt seien. Allerdings profitierten die Frauen bislang nicht nennenswert davon.

Nach Ansicht der Autoren sollten die Forschungseinrichtungen ihr Möglichstes tun, um eine faire Bewertung der Bewerberinnen und Bewerber zu gewährleisten, während Mentorenprogramme und eine paritätische Besetzung von Seminaren und Konferenzen dazu beitragen können, die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen und implizite Vorurteile bei der Auswahl für akademische Stellen zu verringern.

Publikation:
Auriol, Emmanuelle, Guido Friebel, Alisa Weinberger, und Sascha Wilhelm. “Underrepresentation of women in the economics profession more pronounced in the United States compared to heterogeneous Europe." Proceedings of the National Academy of Sciences, 119 (16): e2118853119.  https://doi.org/10.1073/pnas.2118853119

Weitere Informationen
Prof. Guido Friebel, PhD
Professur für BWL, insbesondere Personalwirtschaft
Abteilung Management und Mikroökonomie
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Goethe-Universität
Telefon: 069 798-34826
E-Mail: gfriebel@wiwi.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 6 2022
14:29

Online-Programm fördert Bewegung und erhält Wohlbefinden während Pandemie 

Digitales Heimtraining gegen Lockdown-Frust

Interaktive Trainingsprogramme für Zuhause können die Einschränkungen während eines Lockdowns erträglicher machen. Mit Livestreaming-Sportangeboten lässt sich die körperliche Aktivität deutlich steigern, zeigte ein Forschungsteam aus zehn Ländern unter Leitung des Instituts für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Gleichzeitig verbesserte sich das Wohlbefinden im Vergleich zu einer inaktiven Kontrollgruppe. Das Team hatte vor einem Jahr die negativen Auswirkungen der Corona-Einschränkungen auf Bewegung und Wohlbefinden beschrieben.

FRANKFURT. Gut 40 Prozent weniger aktiv waren die Menschen während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. Dies hatte eine internationale Studie unter Leitung der Goethe-Universität Frankfurt gezeigt. Auch das psychische Wohlbefinden sank; der Anteil an Menschen mit einem Risiko für Depressionen verdreifachte sich. Um diese nachteilige Entwicklung abzumildern, entwarf das Forschungsteam ein Online-Trainingsprogramm für Zuhause und untersuchte, ob sich die gesundheitlich so wichtige körperliche Aktivität auch während eines Lockdowns aufrechterhalten lässt. Die Ergebnisse der Studie erschienen kürzlich im British Journal of Sports Medicine.

Von 763 gesunden Probanden aus neun Ländern von vier Kontinenten trainierte die eine Hälfte vier Wochen mit einem Livestream-Programm, die andere bildete die Kontrollgruppe. Die Trainierenden konnten aus täglichen Workouts - etwa mit dem Fokus Kraft, Ausdauer, Balance oder Entspannung - wählen. Professionelle Trainer:innen begleiteten sie dabei aktiv mit Kamera und Mikrofon. Wöchentlich füllten beide Gruppen standardisierte Fragebögen zu körperlicher Aktivität, Angstgefühlen, mentalem Wohlbefinden, Schlafqualität, Schmerz und Sportmotivation aus.

Besonders wirksam war das Trainingsprogramms für das Bewegungsverhalten der Teilnehmenden: Die körperliche Aktivität war anfangs in der Online-Gruppe durchschnittlich bis zu 65 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe, und auch nach vier Wochen noch um 20 bis 25 Prozent erhöht. Damit überschritten die Kurs-Teilnehmer:innen die WHO-Empfehlungen von mindestens 150 Minuten mäßiger oder 75 Minuten intensiver Bewegung pro Woche jeweils deutlich, während die Kontrollgruppe diese nur knapp erreichte. Gleichzeitig verbesserten sich die Motivation Sport zu treiben, das psychologische Wohlbefinden und der Schlaf; Angstgefühle nahmen ab. „Diese Verbesserungen sind zwar gering, aber dennoch potenziell relevant“, betont Studienleiter Dr. Jan Wilke vom Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. „Unsere Testpersonen waren ja alle gesund - die Effekte bei Patienten könnten deutlich größer ausfallen, insbesondere bei Menschen mit chronischen Erkrankungen“. Zudem seien für solche Wirkungsstudien vier Wochen sehr knapp. Teilnehmer:innen, die mehr Kurse als die geforderten zwei pro Woche belegten, gaben eine noch bessere Fitness und ein größeres Wohlgefühl an, notierten aber keine weiteren Verbesserungen bei Schlaf und Ängsten.

Leider beendete nur knapp die Hälfte der Teilnehmenden die Studie. Die Forschergruppe macht dafür insbesondere den hohen wöchentlichen Aufwand beim Ausfüllen der Fragebögen verantwortlich. Diese häufige Abfrage sollte sicherstellen, dass die Studie auch bei möglicherweise endenden Lockdown-Vorschriften Aussagen erlaubt. Die im Zeitraum sich ändernden lokalen Bedingungen könnten auch die Motivation mancher Teilnehmenden verringert haben, etwa wenn Fitnessstudios vor Ort wieder öffneten. Zudem waren die Vorgaben sehr streng: Wer nicht an den Fragebogen-Erhebungen teilnahm, wurde aus der Studie gestrichen.

„Train at home, but not alone“ - am besten zusammen zu Hause trainieren, so fasst die Arbeitsgruppe ihre Erkenntnisse zu Bewegungsangeboten im Pandemie-bedingten Lockdown zusammen. Denn: Nachdem beide Gruppen im Anschluss an den Livestreaming-Hauptteil der Studie Zugriff auf aufgezeichnete Inhalte erhielten, reduzierten sich die beobachteten Unterschiede teils. Dies ist laut Wilke sowohl auf die Aktivierung der Kontrollgruppe als auch auf die Veränderung der Angebotsform zurückzuführen.

Ausdrücklich unterstreichen die Studienautor:innen die Bedeutung von Bewegung im Alltag: Körperliche Inaktivität verursacht nach aktuellen Daten acht bis neun Prozent aller vorzeitigen Todesfälle, erhöht das Risiko von Herz- und Stoffwechselerkrankungen, Krebs und auch die Anfälligkeit gegenüber Coronaviren. Vermutlich sei es daher umso wichtiger, im Lockdown Online-Training auch für Menschen mit chronischen Krankheiten – etwa Diabetiker:innen – anzubieten, deren Gesundheit möglicherweise unter den Pandemie-Einschränkungen besonders leidet.

Publikation: Jan Wilke, Lisa Mohr, Gustavo Yuki, Adelle Kemlall Bhundoo, David Jiménez-Pavón, Fernando Laiño, Niamh Murphy, Bernhard Novak, Stefano Nuccio, Sonia Ortega-Gómez, Julian David Pillay, Falk Richter, Lorenzo Rum, Celso Sanchez-Ramírez, David Url, Lutz Vogt, Luiz Hespanhol. Train at home, but not alone: a randomised controlled multicentre trial assessing the effects of live-streamed tele-exercise during COVID-19-related lockdowns. Br. J. Sports Med. (2022) https://doi.org/10.1136/bjsports-2021-104994

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/117155105

Bildzeile: Sportangebot per Lifestreaming fördert Aktivität und Wohlbefinden während der Pandemie-Lockdowns. Foto: Jan Wilke, Goethe-Universität

Weitere Informationen
PD Dr. Jan Wilke
Institut für Sportwissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (69) 798-24588,
wilke@sport.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 4 2022
14:01

Struktur eines Schlüsselenzyms aufgeklärt – möglicher Ansatzpunkt für antibakterielle Wirkstoffe

Forschungsteam der Goethe-Universität entdeckt Achillesferse von gefährlichem Krankenhauskeim

Die Struktur eines wichtigen Enzyms im Stoffwechsel des Krankenhauskeims Acinetobacter baumannii hat ein Wissenschaftsteam der DFG-Forschergruppe 2251 unter Federführung der Goethe-Universität aufgeklärt. Das Enzym „MtlD“ ist für das Bakterium wichtig für die Herstellung des Zuckeralkohols Mannitol, mit dem es sich in trockenen oder salzhaltigen Umgebungen wie Blut oder Urin vor Wasserverlust und Austrocknen schützt. Die Strukturanalyse hat Schwachstellen offenbart, an denen sich das Enzym hemmen lässt, um den Krankenhauskeim zu schädigen. (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2107994119)

FRANKFURT. Jährlich erkranken in Europa mehr als 670 000 Menschen an Erregern, die resistent gegen Antibiotika sind, und 33 000 sterben an den von ihnen verursachten Krankheiten. 2017 nennt die WHO Antibiotikaresistenzen eine der größten Bedrohungen für die Weltgesundheit. Besonders gefürchtet werden Keime, die gleich gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Unter ihnen sticht Acinetobacter baumannii hervor, ein Bakterium, dass eine außergewöhnlich hohe Fähigkeit besitzt, Multiresistenzen zu entwickeln und als „Krankenhauskeim“ besonders Patienten mit einem geschwächten Immunsystem bedroht. Acinetobacter baumannii ist sehr widerstandsfähig, da es auch in trockener Umgebung lange infektiös bleiben und so auf den Tastaturen medizinischer Geräte, Stationstelefonen oder Lampen überdauern kann. Diese Eigenschaft hilft der Mikrobe auch dabei, auf der trockenen menschlichen Haut zu überleben oder in Körperflüssigkeiten wie Blut und Urin, die verhältnismäßig hohe Konzentrationen an Salzen und anderen gelösten Stoffen enthalten.

Einen zentralen Mechanismus, mit dem sich Acinetobacter baumannii in solch widriger Umgebung einrichtet, hat jetzt das Wissenschaftsteam der DFG-Forschergruppe 2251 unter Federführung der Goethe-Universität aufgeklärt: Wie viele Bakterien und auch Pflanzen oder Pilze ist Acinetobacter baumannii in der Lage, den Zuckeralkohol Mannitol herzustellen, einen Stoff, der sehr stark Wasser bindet. Dadurch verhindert Acinetobacter baumannii ein Austrocknen.

Fast einzigartig ist jedoch die Art, wie Acinetobacter baumannii Mannitol herstellt: Die beiden letzten Schritte der Mannitol-Herstellung werden durch einen statt wie bei den weitaus meisten Organismen zwei Enzymkomplexe katalysiert. Dieses Enzym „MtlD“ mit zwei katalytischen Aktivitäten entdeckten bereits 2018 Wissenschaftler:innen um Prof. Beate Averhoff und Prof. Volker Müller. Jetzt ist dem Team von Prof. Klaas Martinus Pos, der ebenfalls Mitglied in der DFG-Forschergruppe ist, gelungen, die räumliche Struktur des Enzyms aufzuklären.

Prof. Pos erklärt: „Wir haben herausgefunden, dass das Enzym gewöhnlicherweise in Form von freien Monomeren vorliegt. Die besitzen zwar die beiden nötigen katalytischen Aktivitäten, sind aber inaktiv. Erst eine trockene oder salzhaltige Umgebung löst den sogenannten osmotischen Stress im Bakterium aus, in dessen Folge sich die Monomere zu Dimeren zusammenlagern. Dann erst wird das Enzym aktiv und produziert Mannitol.“ Außerdem fanden die Wissenschaftler:innen heraus, welche Stellen in der Struktur besonders wichtig für die katalytischen Funktionen des Enzyms und die Dimer-Bildung sind.

Prof. Volker Müller, Sprecher der DFG-Forschergruppe 2251, ist überzeugt: „Diese Arbeit zeigt einen wichtigen neuen Ansatzpunkt zur Bekämpfung dieses Krankenhauskeims. Denn wir haben eine biochemisch empfindliche Stelle im Stoffwechsel des Krankenhauskeims identifiziert. Hier könnten in der Zukunft maßgeschneiderte Substanzen zur Hemmung des Enzyms ansetzen.“


Publikation: Heng-Keat Tam, Patricia König, Stephanie Himpich, Ngoc Dinh Ngu, Rupert Abele,Volker Müller, Klaas M. Pos: Unidirectional mannitol synthesis of Acinetobacter baumannii MtlD is facilitated by the helix-loop-helix-mediated dimer formation. Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. (2022) https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.2107994119

Bilder zum Download:

1) Mannitol-produzierendes Enzym
https://www.uni-frankfurt.de/116943466Erinnert an einen Schmetterling: Das Mannitol-produzierenden Enzyms des Krankenhauskeims Acinetobacter baumannii schützt das Bakterium nur in seiner Dimer-Form vor Wasserverlust und Austrocknen. Bild: Klaas Martinus Pos, Goethe-Universität Frankfurt

2)  Acinetobacter baumannii
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Acinetobacter_baumannii.JPG
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Clusters von gramnegativen, unbeweglichen Bakterien der Art Acinetobacter baumannii. Photo: Janice Carr


Weitere Informationen
Prof. Dr. Volker Müller
Sprecher der Forschergruppe 2251
Abteilung Molekulare Mikrobiologie & Bioenergetik
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 798-29507
vmueller@bio.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Klaas Martinus Pos
Professur für Membrantransport-Maschinen
Institut für Biochemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 (0)69 798-29251
pos@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 1 2022
15:21

Interdisziplinäres Seminar an der Goethe-Uni im Sommersemester 2022 – Gäste sind willkommen

Seminar: Naturwissenschaften, Theologie und Klimawandel

FRANKFURT. Welche Form die christliche Theologie im Kontext des Klimawandels annehmen sollte, wird in einem Seminar an der Goethe-Universität Frankfurt untersucht. Die im nordatlantischen Kontext entwickelte Theologie hat es bisher nicht geschafft, die Spiritualität, das Denken und die Praxis von Gläubigen und Gemeinschaften wirksam zu beeinflussen. Die nordatlantische Theologie wurde im Kontext des Kapitalismus entwickelt und hat diesen Kontext nicht ausreichend infrage gestellt. Als solche hat sie zu dem Problem der Umweltverschmutzung beigetragen, für das die westlichen Länder historisch und auch heute noch die größte Verantwortung tragen.

In diesem Seminar tritt die nordatlantische Theologie ins Gespräch mit kreativen Stimmen aus anderen Disziplinen, anderen Glaubensrichtungen und theologischen Traditionen des Südens.

Das Seminar bietet die Möglichkeit, sich intensiv und interaktiv mit der neuesten internationalen englischsprachigen Literatur auf diesem Gebiet vertraut zu machen.

donnerstags 14 bis 16 Uhr
14. April bis 14. Juli 2022
Saal der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Frankfurt
Campus Westend
Siolistraße 7, 60323 Frankfurt

An den Feiertagen findet das Seminar nicht statt.

Anmeldung für Gasthörer bis 7. April 2022 über info@cfd-frankfurt.de

Verantwortlich:
Dr. Dominiek Lootens
Centre for Dialogue at Campus Riedberg
info@cfd-frankfurt.de
Dr. Daniel Saudek
Prof. Dr. Thomas M. Schmidt

Veranstalter:
Centre for Dialogue at Campus Riedberg https://cfd-frankfurt.de/
Goethe-Universität Frankfurt www.uni-frankfurt.de
Katholische Hochschulgemeinde https://khg-frankfurt.de/

Literatur
Conradie, Ernst M., Koster, Hilda P. (Eds.) (2020). T&T Clark Handbook of Christian Theology and Climate Change. London / NewYork: T&T Clark.
Kim, Grace Ji-Sun, Koster, Hilda P. (Eds.) (2017). Planetary Solidarity. Global Women´s Voices on Christian Doctrine and Climate Justice. Minneapolis: Fortress.
Kim, Grace Ji-Sun (Ed.) (2016). Making Peace with the Earth. Action and Advocacy for Climate Justice. Geneva: WCC.


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12498, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Mär 31 2022
11:24

Fünf hessische Forschungsinstitute kooperieren in neuem Verbundprojekt zu Ursachen, Dynamiken und Effekten von politischer Gewalt

Politische Gewalt erforschen 

Welchen Effekt haben globale Entwicklungen wie Technologisierung und Klimawandel auf politische Gewalt? Wie kann politische Gewalt von internationalen Institutionen begrenzt oder aber legitimiert werden? Wie wird sie gedeutet und gerechtfertigt? Diesen Fragen widmet sich das interdisziplinäre Verbundprojekt „Regionales Forschungszentrum – Transformations of Political Violence (TraCe)“, in dem fünf hessische Forschungsinstitute zusammenarbeiten. An dem Zentrum, das im April seine Arbeit aufnimmt, sind das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konflikt­forschung (HSFK), die Goethe-Universität Frankfurt, die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Philipps-Universität Marburg und die Technische Universität Darmstadt beteiligt. Das Verbundprojekt wird vom Bundes­ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit ca. 5,2 Mio. Euro gefördert.

FRANKFURT. Mit der Errichtung des Regionalen Forschungszentrums intensivieren die beteiligten Partnerinstitutionen ihre bestehende Zusammenarbeit und bündeln ihre Forschungen auf dem Gebiet der Gewaltforschung. Es entsteht ein regionales Kompetenzzentrum für Forschung, Lehre und Wissenstransfer, das international sichtbar ist und dessen Erkenntnisse systematisch zur Einhegung und Prävention politischer Gewalt beitragen. Das Forschungszentrum ist interdisziplinär besetzt: Es bringt Perspektiven aus Politikwissenschaft, Soziologie, Geschichts- und Rechts­wissenschaften, Sozialanthropologie, Sozialpsychologie, Kultur- und Sprachwissen­schaften und Informatik sowie verschiedene methodologische Ansätze zusammen.

Von Seiten der Goethe-Universität, die mit 900.000 Euro gefördert wird, sind Prof. Dr. Astrid Erll, Prof. Dr. Hanna Pfeifer, Prof. Dr. Constantin Ruhe und Prof. Dr. Lisbeth Zimmermann am Verbundprojekt beteiligt. Sie forschen insbesondere in den ersten drei Forschungsfeldern zu Formen, Institutionen und Interpretationen politischer Gewalt. Darüber hinaus sind drei der vier leitenden Wissenschaftler:innen des HSFK, Prof. Dr. Christopher Daase, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff und Prof. Dr. Jonas Wolff, ebenfalls Mitglieder der Goethe-Universität.

Zielsetzung des Verbundvorhabens ist es, die Konsequenzen gegenwärtiger Gewalttransformationen für den innergesellschaftlichen und internationalen Frieden zu identifizieren und Strategien zur Eindämmung politischer Gewalt zu entwickeln. Das Forschungsprojekt wird Typen und Ebenen politischer Gewalt systematisch in drei thematischen Forschungsfeldern analysieren:
Das erste Forschungsfeld beschäftigt sich mit dem Formenwandel politischer Gewalt und dem Einfluss globaler Trends wie Technologisierung und Klimawandel auf Gewaltdynamiken.
Das zweite Forschungsfeld geht der Frage nach, wie internationale Institutionen politische Gewalt einhegen, aber auch legitimieren und wie neue Gewaltformen institutionell erfasst werden können.
Das dritte Forschungsfeld befasst sich mit den komplexen Beziehungen zwischen veränderten Deutungs- und Rechtfertigungsmustern von politischer Gewalt und verschiedenen Erinnerungsräumen wie zum Beispiel Städten.
In einem übergreifenden vierten Forschungsfeld werden Wechselwirkungen zwischen dem Formwandel und Interpretationen politischer Gewalt untersucht.

Um die Forschung des Verbundprojektes in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, wird der Austausch mit gesellschaftlichen Akteur:innen gesucht: Transferveranstaltungen wie Workshops, Podiumsdiskussionen und Ringvorlesungen, aber auch verschiedene Publikationsformate tragen dazu bei, die Forschungserkenntnisse für die politische Bildung, zivilgesellschaftliches Engagement und den Wissenschaftsjournalismus nutzbar zu machen.

„Wir freuen uns sehr, die Arbeit im Verbundprojekt aufzunehmen, das die interdisziplinäre Kollaboration und internationale Vernetzung der beteiligten Einrichtungen vorantreibt. Die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine verdeutlichen in tragischer Weise die Notwendigkeit, ein Regionales Forschungszentrum dieser Art zu errichten, das die Ursachen, Dynamiken und Effekte politischer Gewalt untersucht“, sagt Prof. Dr. Christopher Daase, stellvertretendes geschäftsführendes Vorstandsmitglied der HSFK, Ko-Sprecher des Verbundprojektes und Politikwissenschaftler an der Goethe-Universität.

Das Verbundprojekt geht auf eine bundesweite Ausschreibung des BMBF zur Förderung und Weiterentwicklung von Forschungsverbünden im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung zurück.

Für Fragen und die Vermittlung von Gesprächspartner:innen stehen wir gerne zur Verfügung. Weitere Informationen zu dem Verbundprojekt finden Sie unter https://www.hsfk.de/forschung/transformations-of-political-violence.

Weitere Informationen und Pressekontakt
Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
Dr. Ursula Grünenwald
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 069 / 959104-13
gruenenwald@hsfk.de
www.hsfk.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Büro PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de  

 

Mär 31 2022
09:33

Goethe-Universität, Werner Reimers Stiftung, Stadt Bad Homburg und Hochtaunuskreis stellen ihre Kooperation auf neue vertragliche Grundlage

Forschungskolleg Humanwissenschaften kann seine Arbeit in Bad Homburg fortsetzen

Das Forschungskolleg Humanwissenschaft in Bad Homburg ist längst eine feste Größe – als Zentrum exzellenter geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung wie auch als Plattform für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Nun ist die Arbeit des Kollegs für weitere zehn Jahre auf dem Gelände der Werner Reimers Stiftung gesichert.

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Vier Kooperationspartner haben sich über die Zukunft des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Bad Homburg geeinigt: die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Werner Reimers Stiftung, die Stadt Bad Homburg v. d. Höhe und der Hochtaunuskreis. Sie haben vertraglich festgehalten, dass sie das Kolleg auch künftig gemeinsam fördern werden. Mit den nun unterzeichneten Verträgen bekräftigen die vier Kooperationspartner ‒ Universitätspräsident Professor Enrico Schleiff, Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Stefan Ruppert, Oberbürgermeister Alexander Hetjes und Landrat Ulrich Krebs ‒ den hohen Stellenwert, den das Kolleg sowohl für die Förderung exzellenter Forschung als auch für den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft in der Region innehat. Die Stadt Bad Homburg und der Hochtaunuskreis fördern das Kolleg mit je 25.000 Euro pro Jahr künftig auch finanziell; bislang hatten sie vor allem bei der Errichtung des Kolleggebäudes und projektbezogen unterstützt. Die Reimers Stiftung stellt die Gebäude unentgeltlich zur Verfügung und steuert zur Finanzierung ebenfalls 25.000 Euro jährlich bei. Den größten Anteil trägt die Goethe-Universität, die einen Teil der Personalkosten finanziert und die Mittel für die Goethe-Fellowships bereitstellt. Zudem erzielt das Kolleg Einnahmen u.a. durch die Vermietung von Räumen für Veranstaltungen.

„Mit dem Kooperationsvertrag sind gute Voraussetzungen geschaffen worden, damit das Forschungskolleg Humanwissenschaft seine Aufgabe als Institute for Advanced Studies weiter ausbauen kann“, freut sich der Direktor des Kollegs Professor Matthias Lutz-Bachmann. Zentral für den Erfolg des Bad Homburger Kollegs sei seine hervorragende Einbindung in gleich vier Richtungen – in die aktuellen Forschungszusammenhänge der Goethe-Universität, in die Tradition der Werner Reimers Stiftung und in das wissenschaftliche und kulturelle Leben von Stadt und Landkreis. „Auch das wunderbare Stiftungsgelände am Rande des Kurparkes, das das Kolleg nutzen darf, trägt zum Erfolg seiner Arbeit bei“, sagt Lutz-Bachmann.

Vier Kooperationspartner – vier Perspektiven
„Das Forschungskolleg ist eine sehr wichtige Institution für die Goethe-Universität – gerade in Hinblick auf das Thema Exzellenz. Das Kolleg bietet kreativen Köpfen Freiraum, um im Austausch neuartige Forschungsideen und Methoden entwickeln zu können“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff. Auch der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung in wissenschaftspolitischen Fragen berät, habe hervorgehoben, wie wichtig es sei, dass die Institutes for Advanced Studies (IAS) Zeit für freie Grundlagenforschung unter besten Arbeitsbedingungen in einem anregenden intellektuellen Umfeld bereitstellen. „Als Goethe-Universität bereiten wir uns auf die nächste Runde der Exzellenzinitiative vor. Ein Schlüssel zum Erfolg sind starke interdisziplinäre Forschungsverbünde mit internationaler Ausstrahlung. Das Kolleg ist einer der Orte, wo die Saat für solche Verbünde gelegt wird, und wird zukünftig einer der Orte sein, an dem wir noch stärker als bisher die Expertisen internationaler Wissenschaftler*innen und Kolleg*innen der Goethe Universität zu aktuellen Forschungsthemen miteinander verzahnen, sozusagen die internationale Spitzenforschung in unsere Universität integrieren“, so Schleiff weiter.

Dr. Albrecht Graf von Kalnein, Vorstand der Werner Reimers Stiftung: „Mit der weiteren Förderung des Forschungskollegs Humanwissenschaften erfüllt die Stiftung im besten Sinne den von Werner Reimers bestimmten Zweck seiner Stiftung, interdisziplinäre Forschung über das Verhalten des Menschen und das Wirken seiner Institutionen' zu fördern.“

Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises: „Auch für den Hochtaunuskreis ist das FKH ein absoluter Gewinn. Wir wissen, dass die öffentlichen Vortragsveranstaltungen von Besuchern weit über die Grenzen Bad Homburgs hinaus gerne wahrgenommen werden. Das FKH bereichert das kulturelle Leben in Stadt und Kreis auf einzigartige Weise.“

Alexander Hetjes, Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg: „Das FKH greift immer wieder Themen auf, die für uns auch als Stadt wichtig sind. So freuen wir uns, dass der Schwerpunkt zur Demokratie im atlantischen Raum auch Anknüpfungspunkte zur transatlantischen Nachkriegsgeschichte Bad Homburgs bietet, ein Kapitel unserer Geschichte, an das wir gerne noch stärker erinnern wollen.“

Profil und Programmvorschau 2022
Als ein Ort für Gastwissenschaftler und Gastwissenschaftlerinnen aus aller Welt trägt das Kolleg zur Internationalisierung der Wissenschaften und zur Herausbildung innovativer interdisziplinärer Forschungsgruppen bei. Als Gastgeber für Gespräche zwischen verschiedenen Disziplinen unterstützt es die Entwicklung von grenzüberschreitenden und innovativen Fragestellungen. Als Veranstalter von öffentlichen Konferenzen und Vorträgen fördert es den Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft.

In den kommenden Monaten stehen drei Themen im Mittelpunkt der Arbeit am Kolleg, die sich an die Öffentlichkeit wendet: die Anfechtungen und Stärken von Demokratien im atlantischen Raum („Democratic Vistas“), die europäische Sicherheits- und Außenpolitik und das kulturelle Gedächtnis chinesischsprachiger Communities rund um den Globus („Sinophone Classicism“). Geplant sind wissenschaftliche Workshops und öffentliche Vorträge. Das Programm wird auf der Website des Kollegs veröffentlicht; wer sich für den Newsletter anmeldet, wird per Email zu den Veranstaltungen eingeladen.

Am 16./17. September 2022, findet die nächste Auflage der bereits etablierten Bad Homburg Conferences statt, veranstaltet gemeinsam vom Kolleg und der Stadt Bad Homburg. Dieses Jahr geht es um „Kindheit und Gewalt“; das Programm ist in Planung. Am 22. Oktober 2022 lädt das Kolleg im Rahmen der Bad Homburger Kulturnacht zu „Gesprächen mit Wissenschaftler:innen“ ein. – Einen kleinen Beitrag zur Linderung der aktuellen Not der geflüchteten Menschen aus der Ukraine leistet das Forschungskolleg Humanwissenschaften, indem es ihnen freie Apartments in seinem Gästehaus zur Verfügung stellt.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/116669176

Bildtext: Alexander Hetjes (Oberbürgermeister Bad Homburg, v.l.), Thorsten Schorr (stellv. Landrat Hochtaunuskreis), Dr. Albrecht Graf von Kalnein (Vorstand Werner Reimers Stiftung), Iris Helene Koban (Geschäftsführerin Forschungskolleg Humanwissenschaften), Prof. Matthias Lutz-Bachmann (Direktor, Forschungskolleg Humanwissenschaften), Prof. Enrico Schleiff (Präsident der Goethe-Universität) im Treppenhaus des Kollegs. (Foto: Stefanie Wetzel 2021)

Weitere Informationen

www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Tel.: 06172 13977-0
Iris Helene Koban
Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften
i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 31 2022
09:12

Interdisziplinäre Tagung am 1. und 2. Juli an der Goethe-Universität

Das vermessene Leben. Transformationen der digitalen Gesellschaft

FRANKFURT. Die Digitalisierung ist allgegenwärtig, sie beeinflusst nahezu alle Bereiche menschlichen Lebens. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie zeigten sich deutlich die Herausforderungen und Ambivalenzen, die diese Entwicklung mit sich bringt. Wie verändert die Digitalisierung die Arbeits- und Lebenswelt? Wie wirkt sie sich auf das Verhältnis zum Selbst, zum Körper und zu anderen aus? Und welche sozialen und psychischen Folgen haben digitales Messen und Vergleichen?

Fragen wie diese stehen im Zentrum der interdisziplinären Tagung „Das vermessene Leben. Transformationen der digitalen Gesellschaft“, die

am Freitag, 1. Juli, und Samstag, 2. Juli 2022
am Campus Westend
der Goethe-Universität Frankfurt am Main

stattfindet. Die Tagung richtet sich an ein Fachpublikum aus den Sozialwissenschaften, der Kultur- und Sozialpsychologie und der Psychoanalyse sowie an Studierende und die interessierte Öffentlichkeit.  Sie wird veranstaltet von Vera King, Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität und Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt, zudem Principal Investigator der Forschungsinitiative ConTrust, Benigna Gerisch, Psychoanalytikerin und Professorin für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse an der International Psychoanalytic University Berlin sowie Hartmut Rosa, Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Universität Jena und zugleich Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt.

Die Veranstaltung wird im Rahmen des Verbundprojekts „Das vermessene Leben. Produktive und kontraproduktive Folgen der Quantifizierung in der digital optimierenden Gesellschaft“ durchgeführt und von der VolkswagenStiftung gefördert. Außer der gastgebenden Goethe-Universität sind das Sigmund-Freud-Institut Frankfurt/M., die International Psychoanalytic University Berlin und die Universität Jena beteiligt an der wissenschaftlichen Organisation.

Ein besonderer Akzent dieser Konferenz liegt auf dem interdisziplinären Blick: Die namhaften Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland loten die ambivalenten Folgen von Digitalisierung für die soziale und individuelle Praxis, für Kultur und Psyche aus kultur-, politik- und rechtswissenschaftlicher, medien- und erziehungswissenschaftlicher, soziologischer, sozialpsychologischer sowie medizinischer und psychoanalytischer Perspektive aus.

Den Eröffnungsvortrag halten am Freitag, 1. Juli, Vera King, Benigna Gerisch und Hartmut Rosa. Gemeinsam führen sie in das Tagungsthema ein und widmen sich der Frage nach neuen Normalitäten und Pathologien in der digitalen Gesellschaft. Sie stellen ausgewählte Befunde aus dem von ihnen geleiteten Verbundprojekt „Das vermessene Leben“ vor. Armin Nassehi, Professor für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, befasst sich im Anschluss in seinem Vortrag mit der „digitalen Selbstbeobachtung“ der Gesellschaft.

Am Samstag, 2. Juli, bestreitet Indra Spiecker, gen. Döhmann, Professorin für Öffentliches Recht, Informationsrecht, Umweltrecht und Verwaltungswissenschaft an der Goethe-Universität, ebenfalls Principal Investigator der Forschungsinitiative ConTrust, den Auftaktvortrag und geht darin der Frage nach, wie Algorithmen Macht verleihen und ausüben. „Genau gerechnet und doch vermessen“ – unter diesem Titel werden im Anschluss Jürgen Straub, Professor für Sozialtheorie und Sozialpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum, und Oswald Balandis, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum, die psychosozialen Folgen des Self-Trackings in den Blick nehmen.

Philipp Staab, Professor für Soziologie der Zukunft der Arbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin, wird in seinem Vortrag digitale Arbeitsprozesse analysieren. Welche Veränderungen die Digitalisierung für die Pflegearbeit bringen könnte – insbesondere in psychodynamischer Hinsicht – darüber spricht anschließend Isabelle Gernet, Hochschullehrerin an der Université Paris Descartes im Bereich klinische Psychologie, in ihrem Beitrag. Wie sich Digitalisierung auf Zeitlichkeit auswirken könnte, thematisiert Judy Wajcman, Anthony Giddens Professorin für Soziologie an der London School of Economics.

Wer in Präsenz teilnimmt, kann sich auch an den Panels beteiligen, mit Inputs u.a. von Prof. Thomas Kühn (Berlin), Prof. Isabell Otto (Konstanz) und Dr. Jacob Johanssen (London). Vier einschlägige Themenbereiche werden diskutiert: 1) Messen in Organisationen, 2) Messlogiken in sozialen Medien, 3) pathologische Verwendungsweisen sozialer Medien und 4) neue Formen von „Autoritarismus“ in digitalen Räumen. Eine Online-Teilnahme an den Hauptvorträgen ist nach Anmeldung ebenfalls möglich.

Informationen:
Prof. Dr. Vera King
Sekr. Frau Helfmann, Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main, Telefon 069 971204–148
Das Programm finden Sie unter https://www.fb03.uni-frankfurt.de/115918086.pdf

Anmeldung per Mail an: tagung@sigmund-freud-institut.eu

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Die Anzahl der Teilnehmenden in Präsenz ist begrenzt.

Anmeldeschluss ist der 31. Mai 2022.


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de