​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ – 2021

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
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presse@uni-frankfurt.de

 

Nov 15 2021
12:13

Deutsches Nominierungskomitee wählt Archiv des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität aus – Entscheidung fällt voraussichtlich 2026 in Paris

Felsbildsammlung als Weltdokumentenerbe nominiert

Bereits jetzt ist die Felsbildsammlung des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität Frankfurt international bekannt - spätestens seit der vielbeachteten Ausstellung im Berliner Gropiusbau 2016. Nun hat das Deutsche Nominierungskomitee das Archiv einstimmig für das UNESCO-Dokumentenerbe nominiert.

FRANKFURT. Das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt verfügt über die weltweit älteste und umfassendste Sammlung von Kopien prähistorischer Felsbilder. Das Deutsche Nominierungskomitee des UNESCO-Programms „Memory of the World“ hat diese Sammlung nun für die Endauswahl zur Aufnahme in das internationale Register des UNESCO-Weltdokumentenerbes nominiert. Eine endgültige Entscheidung über die Aufnahme erfolgt vermutlich 2026.

Das internationale Register verzeichnet die weltweit bedeutendsten Dokumentensammlungen; Deutschland ist zurzeit mit 24 Einträgen vertreten – darunter die 42-zeilige Göttinger Gutenberg-Bibel, das Manuskript der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach und die Unterlagen aus dem Frankfurter Auschwitz-Prozess. Alle zwei Jahre darf das Deutsche UNESCO-Nominierungskomitee zwei nationale Vorschläge für die Aufnahme in das weltweite Register machen. Die Feldbildsammlung hat es nun in diese wichtige Auswahl geschafft. „Wir freuen uns sehr über die Nominierung für das Weltdokumentenerbe. Dies bestätigt die Bedeutung des Frobenius-Instituts als weltweit führend in der Geschichte der Felsbildforschung“, sagt Prof. Dr. Roland Hardenberg, der Leiter des Frobenius-Instituts.

Die Felsbildsammlung umfasst etwa 8.600 Felsbildkopien, von denen viele heute als Raritäten gelten. Die Bedeutung des Archivs liegt zum einen im Alter der Kopien – sie wurden zwischen 1913 und den frühen 1960er Jahren von rund zwei Dutzend professionellen Malerinnen und Malern vor Ort originalgetreu abgezeichnet. Aber auch die regionale Breite der Entstehungsorte der Bilder, die aus Afrika, Europa, Indien, Australien und Ozeanien stammen, macht die Sammlung so besonders. In einigen Fällen sind die von Mitgliedern des Instituts angefertigten Kopien heute das einzige verbliebene Zeugnis von Felskunstensembles, deren Originale inzwischen nicht mehr existieren.

Leo Frobenius, der Gründer des Instituts, erkannte als einer von wenigen Forschern früh den enormen kulturhistorischen Wert der Felsbilder Afrikas. Eine erste Expedition führte ihn und ein Team von 1913 bis 1914 in den nordafrikanischen Sahara-Atlas, wo sie die bis zu 12.000 Jahre alten Motive meist in Originalgröße auf Leinwand kopierten. Weitere Felskunstexpeditionen folgten in den 1920er und 1930er Jahren, etwa in die libysche Sahara, ins südliche Afrika, nach Norwegen, Norditalien, Südfrankreich und Ostspanien sowie Neuguinea und Australien. Heute besteht das Archiv aus Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden in verschiedenen Techniken und Formaten von bis zu 2,5 auf 10 Metern sowie aus Tausenden Schwarzweißfotografien, die den Kopiervorgang und die Originalschauplätze der Felskunst dokumentieren.

Die damals neu entdeckte prähistorische Kunst hatte großen Einfluss auf die künstlerische Avantgarde des frühen 20. Jahrhundert in Europa und den USA. Sie zog den Blick europäischer und nordamerikanischer Künstler in einer Zeit auf sich, als sie die akademische Form des Gemäldes aufgaben, auf figurative Motive verzichteten und begannen, Collagen und große Wandgemälde zu realisieren. Seit Ende der 1920er Jahre wurden Teile der Sammlung in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Paris, Brüssel, Amsterdam, Zürich, Johannesburg und New York erregten die ungewöhnlichen Gemälde viel Aufmerksamkeit und inspirierten namhafte Künstler der Moderne. Die Ausstellung 1937 im New Yorker Museum of Modern Art war so erfolgreich, dass die Bilder auf eine zweijährige Tournee durch 31 US-Städte gingen. Später behauptete Joan Miró, „die Malerei befindet sich seit dem Höhlenzeitalter im Niedergang“, und Alberto Giacometti, „dort und nur dort ist die Bewegung gelungen“.

Heute werden die Bestände des Felsbildarchivs in gesicherten Archivräumen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main aufbewahrt und nach bestandserhaltenden Maßgaben gelagert. In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das Archiv im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekts am Frobenius-Institut erschlossen und digitalisiert. Seitdem ist das Felsbildarchiv in Form einer Bilddatenbank über das Internet zugänglich: http://bildarchiv.frobenius-katalog.de/

Bilder zum Download finden Sie unter: https://www.uni-frankfurt.de/108631667

Bildunterschrift: Felsbildkopien in der Ausstellung „Kunst der Vorzeit. Feldbilder der Frobenius-Expedition“, 2021 im Museum Rietberg, Zürich. (Foto: Rainer Wolfsberger)

Weitere Informationen
Dr. Richard Kuba
Wissenschaftlicher Mitarbeitet, Leiter des Felsbildarchivs
Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität
Telefon +49 (0)69 798-33056
Kuba@em.uni-frankfurt.de
www.frobenius-institut.de
https://www.frobenius-institut.de/sammlungen/felsbildarchiv

Pressekontakt:
Susanne Fehlings
Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung
an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-33058
fehlings@em.uni-frankfurt.de
www.frobenius-institut.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Nov 12 2021
13:43

Goethe-Universität und Frankfurt Institute for Advanced Studies vereinbaren in neuem Kooperationsvertrag engere Zusammenarbeit 

Schulterschluss in den theoretischen Naturwissenschaften

Die Goethe-Universität und das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) werden vom kommenden Jahr an gemeinsame Forschungsvorhaben und den wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch intensivieren und erweitern. Dazu hat nun ein neuer Kooperationsvertrag die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Der Vertrag wurde gestern, am 11. November, unterzeichnet.

FRANKFURT. Interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Natur-, Lebens- und Neuro- sowie Computerwissenschaften – dies sind die Gebiete, auf denen Goethe-Universität und FIAS seit der Gründung des Forschungsinstituts im Jahr 2003 zusammenarbeiten. Mit dem neuen Vertrag können nun vorhandene Projekte intensiver aufeinander ausgerichtet und neue Projekte gestartet werden.

„Der Vertrag gibt uns die Freiheit, noch stärker interdisziplinär zu forschen und unsere Projekte komplementär zu den Fragestellungen der beiden Partner zu gestalten“, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff bei der Vertragsunterzeichnung am gestrigen Abend. „Was uns aber besonders wichtig ist: Das FIAS wird jetzt mit den naturwissenschaftlichen Fachbereichen der Universität eng verzahnt, indem zum Beispiel ein Projekt im FIAS auch über die Universität beantragt werden kann.“

Prof. Dr. Volker Lindenstruth, der Vorstandsvorsitzende des FIAS, erklärte: „Auch wenn das FIAS eigenständig und unabhängig agiert, gab es natürlich immer enge Verbindungen zwischen den beiden Institutionen. Wir freuen uns außerordentlich darauf, diese Zusammenarbeit nun zu verstärken und strukturell zu verankern“. Prof. Dr. Volker Lindenstruth unterzeichnete den Kooperationsvertrag gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Dr. Rolf Bernhardt.

Geplant ist etwa, im Rahmen des Centers for Scientific Computing (CSC) gemeinsam technische und inhaltliche Themen des Hochleistungsrechnens in den Natur- und Lebenswissenschaften weiterzuentwickeln; erst kürzlich war die Goethe-Universität in den nationalen Verbund zum Hochleistungsrechnen aufgenommen worden. Intensiviert werden soll auch die Zusammenarbeit in den Lebenswissenschaften: So kooperieren bereits Forscherinnen und Forscher bei dem LOEWE-Schwerpunkt Mehrskalen-Modellierung (CMMS), der komplexe biologische Systeme quantitativ erfassen will; ebenso arbeiten Wissenschaftler gemeinsam im Clusterprojekt ENABLE, das untersucht, wie neuartige Medikamente für Entzündungen und Infektionen entwickelt werden, wenn man das innere Gleichgewicht von Zellen (Homöostase) besser versteht. Damit ist das FIAS zukünftig auch in die Vorbereitung zur Exzellenzstrategie des Bundes einbezogen.

Über die Förderung der laufenden Projekte hinaus hat die Goethe-Universität zudem ein Fellowship-Programm entwickelt, das ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen soll, neue Projekte mit dem FIAS zu starten. So erhalten die Forscherinnen und Forscher die Möglichkeit, sich am FIAS im Rahmen eines Sabbaticals neuen kreativen und interdisziplinären Ansätzen für ihre Forschung zu widmen.

Im FIAS wirken etwa 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, einige Fellows forschen und lehren zugleich an der Goethe-Universität. Gemeinsam betreiben die beiden Einrichtungen auch die Nachwuchsförderung, etwa im Rahmen der Frankfurt Graduate School for Science (FIGSS) am FIAS und des Programms zur Förderung von Promovierenden im GRADE Center iQbio an der Goethe-Universität. 

Die Goethe-Universität hat das FIAS im Jahr 2003 als Stiftung des bürgerlichen Rechtes errichtet. Seitdem fördert das FIAS die Wissenschaft im Bereich der interdisziplinären, theoretischen Grundlagenforschung in den Natur- und Lebenswissenschaften. Dabei arbeitet es als ambitionierte, unabhängige wissenschaftliche Institution. Gleichzeitig ist das FIAS Schnittstelle für Forschungsaktivitäten an der Goethe-Universität und an verschiedenen umliegenden Forschungsinstitutionen und wird so einen wichtigen Baustein im Rahmen der Vorbereitung zur nächsten Exzellenzinitiative bilden.

Bild zum Download: https://fias.institute/media/2021_11_11_kooperationsvertrag_presse.jpeg

Bildtext: Ein neuer Kooperationsvertrag für engere Zusammenarbeit: Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff (Mitte) und die beiden Vorstandsmitglieder des FIAS, Prof. Dr. Volker Lindenstruth (links) und Dr. Rolf Bernhardt (rechts), nach der Vertragsunterzeichnung (Foto: Sälzer/FIAS)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Volker Lindenstruth
Frankfurt Institute for Advanced Studies
Institut für Informatik
Goethe-Universität
069 798 47688
info@fias.uni-frankfurt.de
https://fias.institute


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 12 2021
10:00

Neuerscheinung zu einer einschlägigen Konferenz am Institut für Law and Finance 

Green Banking – die Perspektive von Politik, Banken und Investoren

Green Banking ist in aller Munde – gerade auch bei der aktuell stattfindenden Weltklimakonferenz in Glasgow. Doch inwiefern sind die Konzepte der Wirtschaft tatsächlich zukunftsweisend und „grün“? Mit dieser Frage befasst sich eine Buchveröffentlichung aus dem Institut für Law and Finance der Goethe-Universität.

 FRANKFURT. „Green Banking and Green Central Banking: What are the right concepts?" – so lautet der Titel des Buches in englischer Sprache, das als neunter Band in der Reihe zur Zukunft des Finanzsektors jetzt erschienen ist – passend zu den Debatten der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow, die am heutigen Freitag zu Ende geht. Green Banking ist ein vieldiskutiertes Thema auf der Konferenz, die international als COP26 bekannt ist.

Das bei De Gruyter in Berlin erschienene Buch besteht aus Beiträgen einer Konferenz des Insituts für Law and Finance (ILF) der Goethe-Universität im Januar 2021, die sich mit Fragen des Green Bankings und Green Central Bankings befasst hat. Mehr als 1000 Personen haben an dieser Konferenz online teilgenommen. Der Band, der von Andreas Dombret und Patrick Kenadjian herausgegeben wurde, enthält die Eröffnungsrede von Christine Lagarde, der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, zum Thema Klimawandel und Zentralbankwesen und Anmerkungen von Jens Weidmann, dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank, dazu, welche Rolle Zentralbanker spielen sollten beim Kampf gegen den Klimawandel. Weitere namhafte Autoren, darunter erfahrene Politiker, Banker und Investoren, darunter Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, Werner Hoyer von der Europäischen Investitionsbank (EIB), Wiebe Draijer von der Rabobank und Christian Sewing von der Deutschen Bank, José Manuel Campa, Vorsitzender der Europäischen Bankenaufsicht, John Berrigan, Generaldirektor Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion bei der Europäischen Kommission und Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, die darüber schreiben, welche Aufgabe ihre Institutionen übernehmen könnten im Kampf gegen den Klimawandel.

Publikation: Green Banking and Green Central Banking, Herausgegeben von: Andreas Dombret und Patrick S. Kenadjian, Band 24 der Reihe Institute for Law and Finance Series, Verlag De Gruyter, Sprache Englisch, 2021, PDF & EPUB ISBN: 9783110752892 69,95 €, Gebunden ISBN: 9783110752878, 69,95 €,.

Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/108621280

Bildtext: Das Buch zur Konferenz in der ILF-Schriftenreihe (Band 24) bei dem Verlag De Gruyter.

Die ILF-Konferenz fand am 25. Januar 2021 statt. Näheres zu den Sprechern und den Inhalten der Konferenz ist nachfolgendem Link zu entnehmen: https://www.ilf-frankfurt.de/ilf/news/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=1168&cHash=8754f182d3e3dc45d56e39e506448722 

Weitere Informationen
Dr. Rolf Friedewald, Geschäftsführer
Institute for Law and Finance
Theodor-W.-Adorno-Platz 3
60323 Frankfurt am Main
Telefon: 069 798 33626
E-Mail: friedewald@ilf.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Nov 9 2021
14:55

Diskussionsreihe der Bürger-Universität informiert über die aktuelle Covid-19-Forschung sowie die psychischen und physischen Folgen von Corona

Was wir derzeit über die Corona-Krankheit wissen 

FRANKFURT. Welche virologischen Erkenntnisse gibt es über die vierte Welle? Wie notwendig ist eine dritte Impfung? Wer leidet besonders unter Long Covid? Seit sich das SARS-CoV-2-Virus pandemisch auf dem Globus ausgebreitet hat, forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur mit Hochdruck an Impfstoffen und Medikamenten; sie bringen sich auch wie kaum zuvor informierend und beratend in gesellschaftliche und politische Debatten ein. Die neuesten Infiziertenzahlen belegen es: die Pandemie ist keineswegs überwunden. Und so besteht weiterhin ein Bedarf an fundierter Information und an ausgewogenen und wissenschaftlich begründeten Urteilen über die Pandemielage.

Die Online-Diskussionsveranstaltung der Bürger-Universität möchte genau dazu einen Beitrag leisten und mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten der Goethe-Universität und des Universitätsklinikums informieren: In zwei Talkrunden geben die Expertinnen und Experten Auskunft über die aktuelle Forschungslage und Erfahrungen aus dem klinischen Alltag.

Am 17. November 2021, 17 Uhr
informieren
Prof. Dr. Sandra Ciesek und Prof. Dr. em. Theodor Dingermann
über
Covid-19 Virusforschung – Erfolge und Ausblick.

Die Virologin und der Pharmazeut gehen dabei auf folgende Fragen ein: Welche virologischen Erkenntnisse gibt es über die vierte Welle? Welche Gefahren gehen von neuen Virusvarianten aus? Wie können Impfstoffe gegen ein sich ständig veränderndes Coronavirus schützen? Wie notwendig oder nutzbringend kann eine dritte Impfung sein? Welche möglichen Nebenwirkungen der Impfstoffe sind wissenschaftlich erforscht? Und welche Medikamente gegen COVID-19 sind bekannt, welche befinden sich in der Entwicklung?

Sandra Ciesek, die kürzlich erst den Hessischen Kulturpreis erhielt, ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität; gemeinsam mit dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité gestaltet Ciesek den vielfach ausgezeichneten NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“. Theodor Dingermann ist Professor emeritus für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität. Moderiert wird die Talkrunde von dem Chemischen Pharmazeuten an der Goethe-Universität Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz,

In der zweiten Diskussionsveranstaltung informiert die Bürger-Universität

am 1. Dezember 2021, 17 Uhr
Prof. Dr. Andreas Reif und Prof. Dr. Maria Vehreschild
über
Covid-19 und die gesundheitlichen Folgen.

Viele Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren, besonders Kinder und Jugendliche, zeigen keine oder kaum Krankheitssymptome. Andere Infizierte erkranken schwer. Doch ob schwer oder leicht erkrankt – inzwischen weiß man, dass auch Infizierte mit leichtem Verlauf unter Langzeitsymptomen leiden können. Was derzeit über die Ursachen der psychischen und physischen Folgen bekannt ist und wie sie behandelt werden können, darüber berichten der Psychiater Andreas Reif und die Infektiologin Maria Vehreschild.

Professor Dr. Andreas Reif ist Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt; Professor Dr. Maria Vehreschild leitet den Schwerpunkt Infektiologie am selben Klinikum. Moderiert wird die Talkrunde von Professor Dr. Roland Kaufmann, dem Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

Die Veranstaltungen werden ermöglicht durch die Friedrich Merz-Stiftungsgastprofessur, zu der jedes Jahr eine Gastprofessorin oder ein Gastprofessor an die Goethe-Universität berufen wird. Pandemiebedingt konnte 2020 und 2021 keine Gastprofessur besetzt werden – diese „Lücke“ sollen nun die beiden Digital Lectures zur Corona-Pandemie schließen.

Die Anmeldung zu den beiden Online-Veranstaltungen erfolgt über: http://www.buerger.uni-frankfurt.de/


Weitere Informationen
Abteilung PR & Kommunikation
Goethe-Universität
069/798-12481
buergeruni@uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de  

 

Nov 9 2021
13:30

Internationales Forscherteam zeigt erstmals Fernwirkung bakterieller Stoffwechselprodukte 

Per Kapsel durch die Blutbahn: Wie Darmbakterien mit dem Körper kommunizieren

Bakterien im Darm verpacken verschiedenste ihrer Biomoleküle in kleine Kapseln. Diese werden vom Blutkreislauf in verschiedene Organe des Körpers transportiert und sogar von Nervenzellen des Gehirns aufgenommen und verarbeitet. Dies hat jetzt erstmals ein Team von Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der University of California in San Francisco gezeigt. Die neu etablierte Forschungsmethode wird helfen, den Einfluss von Darmbakterien auf Krankheiten besser zu verstehen und könnte die Entwicklung innovativer Verabreichungsformen von Medikamenten oder Impfstoffen fördern.

FRANKFURT. Im Menschen sind Bakterien in der Überzahl: Schätzungen zufolge kommen auf jede menschliche Zelle 1,3 Bakterienzellen. Entsprechend überlegen sind uns unsere Bakterien in ihrer genetischen Vielfalt. So haben alle Darmbakterien zusammen – das Mikrobiom des Darms – 150mal so viele Gene wie der Mensch. Die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien wirken vielfältig auf unseren Körper: Sie trainieren etwa unsere Immunzellen und tragen zu deren Reifung bei, sie steuern Stoffwechselprozesse im Körper und wie häufig sich Zellen der Darmschleimhaut erneuern. Änderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms tragen höchstwahrscheinlich zum Entstehen und Krankheitsverlauf etwa von neurologischen- oder Krebserkrankungen bei.

Auf die Zellen der Darmschleimhaut wirken die bakteriellen Stoffwechselprodukte über den direkten Kontakt. Wie solche Bakterienstoffe jedoch in entfernte Organe wie Leber, Niere oder das Gehirn gelangen, war bislang nicht geklärt. Als Transportmittel wurden kleine Kapseln (Membranbläschen oder Vesikel) vermutet, die von Bakterien während ihres normalen Wachstums oder als Reaktion auf Stress in die Umgebung abgegeben werden und die mit bakteriellen Enzymen, Proteinen oder auch RNA-Erbmolekülen gefüllt sind.

Ein internationales Wissenschaftsteam um Dr. Stefan Momma vom Neuroscience Center der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Claudia Günther von der Universität Erlangen-Nürnberg und Prof. Robert Raffai von der University of California hat jetzt an Mäusen untersucht, wie Bakterien ihre Stoffwechselprodukte in solchen Vesikeln verteilen. Dazu besiedelten die Forscher:innen den Darm von Mäusen mit E.-coli-Bakterien, die eine bestimmte Genschere produzierten (Cre) und diese über Vesikel in die Umgebung abgaben. Die Mäuse besaßen in Körperzellen ein Gen für ein rotes Leuchtprotein, das durch die Genschere Cre aktiviert werden konnte (Cre/LoxP-System).

Das Ergebnis: In der anschließenden Untersuchung des Mausgewebes waren die bakteriellen Stoffe von einzelnen Zellen des Darms, der Leber, der Milz, des Herzen und der Nieren sowie von Immunzellen aufgenommen worden. Sogar einzelne Nervenzellen des Gehirns leuchteten rot. Stefan Momma: „Besonders beeindruckend ist, dass die Vesikel der Bakterien auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden und auf diese Weise in das ansonsten sehr gut abgeschottete Gehirn gelangen können. Und dass die bioaktiven Bakterienstoffe sogar von Stammzellen der Darmschleimhaut aufgenommen wurden zeigt uns, dass Darmbakterien womöglich sogar dauerhaft die Eigenschaften der Darmschleimhaut verändern können.“

Die Fluoreszenzbilder weisen darauf hin, so Momma, dass die Vesikel wahrscheinlich über den Blutstrom im Körper verteilt würden. „Die weitere Erforschung dieser Kommunikationswege vom Reich der Bakterien ins Reich der Säugetiere wird nicht nur unser Verständnis von Leiden wie Autoimmunerkrankungen oder Krebs verbessern, bei dem das Mikrobiom ganz offensichtlich eine wichtige Rolle spielt. Solchen Vesikel sind auch äußerst interessant als neue Methode, um Medikamente zu verabreichen, oder zur Entwicklung von Impfstoffen oder als Biomarker die auf eine pathologische Veränderung des Mikrobioms hinweisen.“

Publikation: Miriam Bittel,Patrick Reichert,Ilann Sarfati,Anja Dressel,Stefanie Leikam,Stefan Uderhardt,Iris Stolzer,Tuan Anh Phu,Martin Ng,Ngan K. Vu,Stefan Tenzer,Ute Distler,Stefan Wirtz,Veit Rothhammer,Markus F. Neurath,Robert L. Raffai,Claudia Günther, Stefan Momma: Visualizing transfer of microbial biomolecules by outer membrane vesicles in microbe-host-communication in vivo. J Extracell Vesicles 2021 Oct;10(12):e12159 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jev2.12159?af=R

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/108079209

Bildtext: Im Gehirn der transgenen Maus leuchten zwei Nervenzellen rot, weil sie ein Protein aus Darmbakterien aufgenommen haben. Blau: Kerne der übrigen Zellen des Hirngewebes. (Foto: Stefan Momma)

Weitere Informationen
PD Dr. Stefan Momma
Goethe-Universität Frankfurt
Neurologisches Institut (Edinger Institut)
Neuroscience Center
Tel.: +49 (0) 69 6301-84158
stefan.momma@kgu.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Nov 9 2021
09:34

700.000-Euro-Förderung für das erste Jahr durch Bundesagentur für Sprunginnovationen

Innovationswettbewerb: Team um Goethe-Uni-Forscher entwickelt neuartige Anti-SARS-CoV2-Wirkstoffe

Mit einem Projekt zur Entwicklung künftiger SARS-CoV-2-Medikamente hat sich ein interdisziplinäres Wissenschaftsteam um Prof. Harald Schwalbe von der Goethe-Universität Frankfurt in der Ausschreibung „Challenge: Ein Quantensprung für neue antivirale Mittel“ durchgesetzt. Der Wettbewerb wird von der Bundesagentur für Sprunginnovationen ausgerichtet und fördert neuartige Ideen, aus denen innovative Methoden oder Produkte erwachsen können. Das zunächst für ein Jahr geförderte Projekt will Wirkstoffe entwickeln, die Strukturen des SARS-CoV-2-Erbmaterials RNA angreifen, um so die Virusvermehrung zu stoppen.

FRANKFURT. Im Innern seiner Wirtszelle setzt das SARS-CoV-2 sein Erbgut frei, ein langes RNA-Molekül. Es codiert für die Virusproteine, die wiederum dafür sorgen, dass zahllose neue Viruspartikel entstehen, die die Wirtszelle verlassen und weitere Zellen infizieren.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des COVID-19-NMR-Konsortiums um Prof. Harald Schwalbe von der Goethe-Universität Frankfurt haben bereits vor einiger Zeit Abschnitte des Virenerbguts identifiziert, die offenbar essenzielle regulatorische Funktionen in der Virusvermehrung haben. Diese Abschnitte der Virus-RNA sind räumlich gefaltet und bieten dadurch potenzielle Angriffspunkte für sogenannte kleine Moleküle, die zum Beispiel an die RNA-Abschnitte binden und damit die Herstellung viraler Proteine behindern könnten.

Im nun geförderten Projekt „RNA-drugs“ wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität zusammen mit Forschungsteams der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität Darmstadt sowie Industriepartnern nach solchen kleinen Molekülen suchen und sie bis zu einer Vorstufe einer klinischen Prüfung weiterentwickeln. Das Projekt wird von Innovectis begleitet, dem Dienstleister der Goethe-Universität beim Transfer von akademischem Know-how in die wirtschaftliche Praxis.

Der Projektleiter Prof. Harald Schwalbe von der Goethe-Universität erklärt: „In Zellkulturexperimenten am Institut für Medizinische Virologie haben wir bereits nachweisen können, dass eine Reihe der ‚Small Molecules' in der Lage sind, die Virusvermehrung zu stoppen. Die besondere Herausforderung dieses Projekts liegt jetzt darin, aus den ersten Hinweisen Kandidaten für medizinische Wirkstoffe zu entwickeln, die letztlich an Patienten getestet werden können. Da die von uns identifizierten Virus-RNA-Abschnitte nicht nur bei den verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten ähnlich sind, sondern auch bei verwandten Virusarten, wollen wir auch einen Beitrag zur Vorbereitung auf Viruserkrankungen der Zukunft leisten.“

Die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) ist eine Tochtergesellschaft der Bundesregierung und hat die Aufgabe, bahnbrechende Innovationen zu identifizieren, zu entwickeln, zu finanzieren und zu skalieren. Auf die Ausschreibung „Challenge: Ein Quantensprung für neue antivirale Mittel“ hatten sich 45 Projektteams beworben, 9 wurden durch eine internationale Jury aus Fachleuten zur Förderung mit maximal 700.000 Euro ausgewählt. Die Projekte sind auf drei Jahre angelegt, werden aber jährlich evaluiert. Höchstens vier Projektteams bleiben im dritten Jahr übrig, die dann einen Proof-of-Concept in einem relevanten biologischen Modell durchführen müssen.


Hintergrundinformationen:

SARS-CoV-2: Achillesfersen im Viren-Erbgut
https://www.puk.uni-frankfurt.de/103357579/SARS_CoV_2__Achillesfersen_im_Viren_Erbgut

Faltung von SARS-CoV2-Genom zeigt Angriffspunkte für Medikamente – auch Vorbereitung auf „SARS-CoV3“
https://www.puk.uni-frankfurt.de/94370799/Faltung_von_SARS_CoV2_Genom_zeigt_Angriffspunkte_f%C3%BCr_Medikamente___auch_Vorbereitung_auf__SARS_CoV3?

Projektpartner des SprinD-Projekt „RNA-drugs“ sind:

Goethe-Universität Frankfurt
Prof. Dr. Sandra Ciesek, Institut für Medizinische Virologie
Prof. Dr. Michael Göbel, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Dr. Andreas Schlundt, Institut für Molekulare Biowissenschaften
Prof. Dr. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie (Projektleitung)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Franz Bracher, Department Pharmazie
Prof. Dr. Daniel Merk, Department Pharmazie

Technische Universität Darmstadt
PD Dr. Julia Weigand, Institut für Biologie


Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Projektleiter „RNA-drugs“
Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie
Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 798 29737
schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de 

 

Nov 8 2021
14:14

Unterstützung der wissenschaftlichen Ausbildung von Doktorand:innen in interdisziplinärem Forschungsverbund

Forschung zur Auflösung von Entzündungen: Graduiertenkolleg an der Goethe-Universität gefördert

Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute bekannt gab, wird die Förderung des Graduiertenkollegs „Auflösung von Entzündungsreaktionen“ (GRK 2336) der Goethe-Universität Frankfurt für viereinhalb weitere Jahre fortgesetzt. Graduiertenkollegs bearbeiten interdisziplinäre Forschungsprojekte und geben einen strukturierten Ausbildungsrahmen, damit sich Nachwuchswissenschaftler:innen zu qualifizierten Forscherpersönlichkeiten entwickeln können.

FRANKFURT. Bereits seit viereinhalb Jahren befasst sich das Graduiertenkolleg 2336 mit der „Auflösung von Entzündungsreaktionen.“ Lange Zeit wurde angenommen, dass ein Entzündungsprozess als Reaktion auf Verletzungen oder chemische Reize vom Körper zwar aktiv ausgelöst wird, dass aber das Abklingen der Entzündung durch das allmähliche Absterben der beteiligten Abwehrzellen und die Verdünnung der Entzündungssignalstoffe erfolgt. Das Graduiertenkolleg befasst sich mit der relativ jungen Erkenntnis, dass auch das Abklingen einer Entzündung aktiv durch den Körper gesteuert wird, und will erforschen, wie dieser Prozess auf zellulärer und molekularer Ebene abläuft – und was misslingt, wenn es etwa zu chronischen Entzündungen kommt.

Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident der Goethe-Universität und Sprecher des Graduiertenkollegs, meint: „Wenn wir überschießende oder chronische Entzündungsreaktionen behandeln, blockieren wir derzeit lediglich die Signalstoffe. Im Graduiertenkolleg wollen wir verstehen, wie der natürliche Heilungsprozess genau abläuft mit dem langfristigen Ziel, Entzündungserkrankungen schneller und gezielt heilen zu können.“

Prof. Andreas Weigert, der die Sprecherschaft nach eineinhalb Jahren übernehmen wird, erklärt: „Im Graduiertenkolleg bauen wir auf die an der Goethe-Universität vorhandene Expertise in den Forschungsschwerpunkten Herz-Kreislauf, Onkologie und Immunologie sowie Translationale Arzneimittelforschung auf und schaffen eine interdisziplinäre Forschungs-, Ausbildungs- und Vernetzungsstruktur.“

Die Graduiertenkollegs an der Goethe-Universität Frankfurt eng an die Graduiertenakademie GRADE assoziiert. Wissenschaftlich-fachlich werden die Doktorandinnen und Doktoranden innerhalb der Graduiertenkollegs ausgebildet, wo zum Beispiel Summer Schools mit hochkarätigen Wissenschaftler:innen aus dem Ausland, Symposien oder Kurse zur guten wissenschaftlichen Praxis organisiert werden. Fachübergreifende Lernmodule etwa zu Karrieregesprächen, Sprachkursen oder Zeitmanagement bietet GRADE an. Besonderen Wert legen die Graduiertenschulen auf die Förderung von Frauen sowie darauf, den Doktorand:innen eine gute Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere zu ermöglichen.

Weitere Informationen

Graduiertenkolleg „Auflösung von Entzündungsreaktionen – Mediatoren, Signaling und Intervention“
Prof. Dr. Bernhard Brüne
Sprecher des Graduiertenkollegs bis 10/2023 und
Vizepräsident der Goethe-Universität für die Ressorts Nachwuchs, Forschung und Transfer
Institut für Biochemie I
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 6301 7424
b.bruene@biochem.uni-frankfurt.de
www.pathobiochemie1.de

Prof. Dr. Dr. Andreas Weigert
Sprecher des Graduiertenkollegs ab 10/2023
Institut für Biochemie I
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +40 (0)69 6301 4593
weigert@biochem.uni-frankfurt.de
www.pathobiochemie1.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 5 2021
20:00

Der hessische Ministerpräsident zeichnet die Frankfurter Virologin für ihre Verdienste um die Corona-Aufklärung aus

Goethe-Universität gratuliert Sandra Ciesek zum Hessischen Kulturpreis

Die Goethe-Universität gratuliert ihrer Virologin Prof. Sandra Ciesek zum Hessischen Kulturpreis, der ihr und der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyn-Kim heute Abend vom Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) überreicht wird. Die beiden Frauen werden für ihre Verdienste um die Corona-Aufklärung geehrt.

FRANKFURT. „Prof. Dr. Sandra Ciesek stellt ihr Wissen nicht nur ihren Hörerinnen und Hörern im Podcast zur Verfügung, mit ihrer wissenschaftlichen Expertise berät sie auch die Hessische Landesregierung. So hat sie unter anderem die Kinderstudie und die Lehrerstudie des Hessischen Sozialministeriums geleitet. Sie gehört zweifelsfrei zu den besten Virologinnen Deutschlands, und wir sind sehr froh, dass sie bei uns in Hessen wirkt“, sagte der Hessische Ministerpräsident anlässlich der Verleihung des Kulturpreises an Sandra Ciesek.

Die Laudatio hat der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité übernommen, mit dem zusammen Prof. Ciesek im Frühjahr als Hochschullehrer des Jahres ausgezeichnet wurde. Ciesek und Drosten gestalten gemeinsam den vielfach ausgezeichneten NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“. Dass Ciesek sich trotz vielfacher Belastungen bereit erklärt habe, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, sei „ein großer Glücksfall“, so Drosten in seiner Laudatio. „Ihr gelingt es mit ihrem scharfen und abwägenden Blick, die Sachlage genau auf den Punkt zu bringen – und das mit der Zuwendung und Empathie, die sie als erfahrene Internistin mit langjährigem Patientenkontakt auszeichnet. Damit spricht sie auch viele Bürgerinnen und Bürger an, die für die kalte Mathematik der Epidemiologie und die verschachtelte Diskussion der strategischen Handlungsoptionen in der Pandemie eher wenig übrighaben.“ Warum Ciesek, der Selbstvermarktung, Eitelkeit und Geltungsbedürfnis fremd seien, diese Mühe auf sich nimmt, dafür hat Drosten eine Erklärung: „Sandra Ciesek engagiert sich aus altruistischen Gründen. (…) Denn wer Sandra zuhört, weiß intuitiv, dass sie die Wissenschaftskommunikation als Teil ihrer ärztlichen Pflicht ansieht.“

„Sandra Ciesek erhält den Hessischen Kulturpreis sehr verdient, und ich gratuliere ihr herzlich im Namen des Präsidiums der Goethe-Universität“, sagt Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität. „Sandra Ciesek hat sich der Herausforderung gestellt, über ihre anspruchsvolle Forschungstätigkeit hinaus in die allgemeine Öffentlichkeit zu kommunizieren und ihr Fachgebiet zu erklären – zusammen mit Christian Drosten im NDR-Podcast und in zahlreichen anderen medialen Formaten. Corona und die damit verbundenen Einschränkungen haben viele Menschen an ihre Grenzen gebracht. Sie brauchen Erklärungen, warum diese Einschränkungen notwendig sind. Diese Aufgabe kann nur erfüllen, wer die wissenschaftlichen Zusammenhänge gut kennt – und sie auch verständlich vermitteln kann. Frau Ciesek kann das, und sie hat die Herausforderung mit viel Engagement angenommen. Damit hat sie sich um den Zusammenhalt in der Gesellschaft und um die Demokratie verdient gemacht“, so Schleiff weiter.

Zitat Prof. Stefan Zeuzem, Dekan des Fachbereichs Medizin: „Sandra Ciesek hat mit ihrem Engagement für die Wissenschaftskommunikation in Corona-Zeiten viel Mut gezeigt, dafür verdient sie größten Dank und Respekt. Denn wir wissen alle, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die öffentlich auftreten, werden mitunter zur Zielscheibe von unterschiedlichsten Anfeindungen. Sandra Ciesek hat sich hiervon nicht beeindrucken lassen und damit einer offenen Gesellschaft und der Wissenschaft große Dienste erwiesen. Die breite Öffentlichkeit hat durch ihre Kommunikation sehr viel über Virusinfektionen, Übertragungswege, Diagnostik und die Verhinderung durch Impfungen gelernt.“

Sandra Ciesek, Jahrgang 1978, ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität. Schwerpunkte ihrer Forschung sind die Suche nach neuen Therapieformen für Hepatitis C und, in den vergangenen Monaten, die Erforschung von Medikamenten gegen COVID-19. Ciesek hat in Göttingen und Hannover Medizin studiert und sich schon in ihrer Dissertation auf die Erforschung der Hepatitis-C-Infektion fokussiert. Die Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet. 2016 wurde sie als Professorin für Virologie an die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen berufen. Seit 2019 arbeitet sie an der Goethe-Universität und am Universitätsklinikum Frankfurt, wo sie seit 2020 maßgeblich an der Forschung zu SARS-CoV-2 beteiligt ist. So konnte sie mit ihrem Team nachweisen, dass auch symptomfreie Personen Träger und somit Überträger des Virus sein können.

Die Auszeichnung mit dem Hessischen Kulturpreis ist mit 45.000 Euro dotiert und dem Land Hessen zufolge der höchstdotierte Kulturpreis der Bundesrepublik Deutschland. Prof. Sandra Ciesek wird ebenso wie Mai Thi Nguyen-Kim „für ihre Verdienste in der Corona-Pandemie“ ausgezeichnet. Ciesek wurde vom Land Hessen im Oktober bereits mit einer „Loewe“-Spitzen-Professur geehrt und erhält fünf Jahre lang Fördergelder in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/106803868

Bildtext: Die Virologin Sandra Ciesek von der Goethe-Universität erhält den Hessischen Kulturpreis. (Foto: Universitätsklinikum Frankfurt)


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Nov 4 2021
17:00

Weitere Bestätigung von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie

Jet der Riesengalaxie M87: Computermodellierung erklärt Beobachtungen am schwarzen Loch

In verschiedenen Wellenlängen lässt sich ein gigantischer Teilchenstrahl beobachten, der von der Riesengalaxie M87 ausgestoßen wird. Dr. Alejandro Cruz Osorio und Prof. Luciano Rezzolla von der Goethe-Universität Frankfurt ist es gemeinsam mit einem internationalen Wissenschaftsteam nach aufwändigen Supercomputer-Berechnungen gelungen, ein theoretisches Modell zur Entstehung dieses Jets zu entwickeln. Die berechneten Bilder stimmen außergewöhnlich gut mit den astronomischen Beobachtungen überein und bestätigen Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie.

FRANKFURT. 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Jungfrau liegt die Galaxie Messier 87 (M87), eine Riesengalaxie mit 12.000 Kugelsternhaufen, gegen die die 200 Kugelsternhaufen der Milchstraße eher bescheiden wirken. Im Zentrum von M87 befindet sich ein schwarzes Loch von 6,5 Milliarden Sonnenmassen. Es ist das erste schwarze Loch, von dem es ein Bild gibt, erstellt 2019 von der internationalen Forschungskollaboration Event Horizon Telescope.

Dieses schwarze Loch (M87*) stößt mit nahezu Lichtgeschwindigkeit einen Plasmastrahl aus, einen so genannten relativistischen Jet, der 6000 Lichtjahre misst. Die ungeheure Energie für diesen Jet stammt wahrscheinlich aus der Anziehungskraft des schwarzen Lochs, doch wie genau ein solcher Jet entsteht und was ihn über diese riesige Entfernung hin stabilisiert, ist bisher noch nicht verstanden.

Das schwarze Loch M87* zieht Materie an, die in einer Ebene um das schwarze Loch in immer engeren Umlaufbahnen rotiert, bis sie von dem schwarzen Loch aufgesaugt wird. Aus dem Zentrum dieser spiralförmigen Akkretionsscheibe von M87* (lateinisch accrescere – anwachsen) wird der Jet ausgestoßen, und diese Region modellierten jetzt sehr detailreich theoretische Physiker der Goethe-Universität Frankfurt zusammen mit Wissenschaftlern aus Europa, den USA und China.

Dabei nutzten sie ausgefeilte dreidimensionale Supercomputer-Simulationen, die pro Simulation die gewaltige Menge von einer Million CPU-Stunden verschlangen und gleichzeitig die Gleichungen von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie, James Maxwells Gleichungen zum Elektromagnetismus und Leonhard Eulers Gleichungen zur Strömungsmechanik integrieren mussten.

Das Ergebnis war ein Modell, bei dem die berechneten Werte für Temperaturen, Materiedichten und Magnetfeldern in hohem Maße mit den Werten übereinstimmten, die aus den astronomischen Beobachtungen errechnet wurden. Auf dieser Basis gelang es den Wissenschaftlern, die komplexe Strahlungsbewegung in der gekrümmten Raumzeit im innersten Bereich des Jets zu modellieren und in Bilder des Radiowellenspektrums zu übersetzen. Diese computermodellierten Bilder konnten sie nun mit den Beobachtungen vergleichen, die während der vergangenen drei Jahrzehnte mit zahlreichen Radioteleskopen und Satelliten gemacht wurden.

Dr. Alejandro Cruz-Osorio, Erstautor der Studie, erklärt: „Unser theoretisches Modell der elektromagnetischen Emission und der Jet-Morphologie von M87 stimmt überraschend gut mit den astronomischen Beobachtungen des Jets überein, und zwar im infraroten, im optischen und im Röntgenspektrum. Daraus folgern wir, dass das supermassive Schwarze Loch M87* wahrscheinlich stark rotiert und dass das Plasma im Jet stark magnetisiert ist, wodurch die Teilchen so stark beschleunigt werden, dass sie diesen Jet über Tausende von Lichtjahren bilden."

Prof. Luciano Rezzolla vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität Frankfurt meint: “Dass die von uns berechneten Bilder den astronomischen Beobachtungen so nahekommen, ist eine weitere wichtige Bestätigung dafür, dass Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie die genaueste und natürlichste Erklärung für die Existenz supermassereicher schwarzer Löcher im Zentrum von Galaxien ist. Zwar lassen unsere Berechnungen immer noch Raum für alternative Erklärungsmodelle, doch durch die Ergebnisse unserer Arbeit wird dieser Raum deutlich kleiner."

Publikation: Alejandro Cruz-Osorio, Christian M. Fromm, Yosuke Mizuno, Antonios Nathanail, Ziri Younsi, Oliver Porth, Jordy Davelaar, Heino Falcke, Michael Kramer, Luciano Rezzolla: State-of-the-art energetic and morphological modelling of the launching site of the M87 jet. Nature Astronomy 2021, https://www.nature.com/articles/s41550-021-01506-w

Bilder zum Download / Bildtext:

(1) https://cloud.itp.uni-frankfurt.de/s/HWdLZa8TEweNZ5R 
Das theoretisches Modell (Theory) und die astronomischen Beobachtungen (Observation) der Entstehungsregion des relativistischen Jets von M87 stimmen sehr gut überein. Bild: Alejandro Cruz-Osorio

(2) https://cloud.itp.uni-frankfurt.de/s/6WMxxH7GGzkxBcq 
Entlang der magnetischen Feldlinien werden die Teilchen so stark beschleunigt, dass sie aus der Galaxie M87 heraus einen Jet von 6000 Lichtjahren Länge bilden. Bild: Alejandro Cruz-Osorio

Weitere Informationen (in englischer Sprache)
http://www.blackholecam.orgBlackHoleCam wird vom Europäischen Forschungsrat als Synergy Grant gefördert und hat zum Ziel, schwarze Löcher abzubilden, zu vermessen und zu verstehen. Die führenden Wissenschaftler von BlackHoleCam, Heino Falcke, Michael Kramer und Luciano Rezzolla, testen grundlegende Vorhersagen, die sich aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie ergeben. Das Team von BlackHoleCam ist Partner der internationalen Event Horizon Telescope Collaboration (ETHC). Die Goethe-Universität ist eine der Mitgliedsinstitutionen und im EHTC-Vorstand vertreten.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Alejandro Cruz-Osorio
Institute for Theoretical Physics
Goethe University Frankfurt
Tel. +49 (69) 79847886
osorio@itp.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Luciano Rezzolla
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (69) 798-47871
rezzolla@itp.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Nov 3 2021
12:32

Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) hat sechs Forschungsfellowships für wegweisende Islamforschung vergeben

Von Sufismus, LGBTQ in der muslimischen Seelsorge und islamischen Bestattungen 

Sechs Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland haben jetzt ihr Forschungsfellowship an der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) der Goethe Universität angetreten. Die erstmals ausgewählten AIWG-Forschungsfellows sind in den islamisch-theologischen Studien oder benachbarten Disziplinen verortet.

FRANKFURT. In den kommenden sechs Monaten können sich die Forschungsfellows ganz auf ihr Vorhaben konzentrieren und sich mit eigenen Forschungsfragen auch in bestehende Projekte der Akademie einbringen. Dabei forschen sie, angebunden an die Goethe-Universität als Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, zu ihren eigenen Projekten.

„Wir freuen uns, mit den neuen Fellows ausgewiesene Expertinnen und Experten auf verschiedensten Gebieten der Islamforschung zu unterstützen. Durch die Anbindung an die AIWG werden sich wichtige neue Impulse für die islamisch-theologischen Studien in Deutschland ergeben“, so Dr. Jan Felix Engelhardt, Geschäftsführer an der AIWG.

Das Themenspektrum der Fellows umfasst vielfältige aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse. Dazu gehört praxisorientierte Forschung, etwa zum Thema „Islamisches Bestattungswesen in Deutschland“ von Prof. Dr. Thomas Lemmen (Köln), „LGBTQ in der muslimischen Seelsorge“ (LGBTQ: Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer) von Dr. Ali Ghandour (Universität Münster) und „The politics of pedagogy: Islam and the ‚West'“ von Prof. Dr. Alison Scott-Baumann (SOAS University of London). Wie sich Diskurse zu Islam und Judentum in Deutschland zueinander verhalten, untersucht Dr. Elisabeth Becker Topkara (Universität Heidelberg) mit ihrem Vorhaben „Abrahamic Strangers: German Jewish and German Muslim Intellectuals in Conversation“, während Dr. Mansooreh Khalilizand (Universität Münster) mit ihrem Projekt zum Gottesbegriff beim schiitischen Philosophen Ṣadr al-Dīn Šīrāzīan bereits bestehende Forschungen anknüpft und diese erweitern und vertiefen will. Einem bisher wenig beachteten Themenfeld widmet sich wiederum Dr. Sarah Kuehn (Universität Wien) mit ihrem Projekt „On Art, Aesthetics, and Islamic Mysticism in German-speaking Countries: A Contemporary Perspective“.

Eine ausführliche Projektbeschreibung aller AIWG-Forschungsfellows finden Sie unter: https://aiwg.de/forschungsfellows/

Die wissenschaftlichen Ergebnisse aus den AIWG-Forschungsfellowships werden der Forschungsgemeinschaft und der interessierten Öffentlichkeit im kommenden Jahr zugänglich gemacht.

Über die AIWG
Die AIWG ist eine universitäre Plattform für Forschung und Transfer in islamisch-theologischen Fach- und Gesellschaftsfragen. Sie ermöglicht überregionale Kooperationen und Austausch zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der islamisch-theologischen Studien und benachbarter Fächer sowie Akteurinnen und Akteuren aus der muslimischen Zivilgesellschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Die AIWG wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und durch die Stiftung Mercator.

Über das AIWG-Forschungsfellowship
Das AIWG-Forschungsfellowship richtet sich an Postdocs und Professoren und Professorinnen aus den islamisch-theologischen Studien und relevanten Nachbardisziplinen aus dem In- und Ausland, die sich intensiv einer spezifischen Forschungsfrage zum Islam in Wissenschaft und Gesellschaft widmen möchten. Die AIWG unterstützt mit dem Forschungsfellowship Projekte, die eine besondere Relevanz für die Themen und Handlungsfelder der Akademie haben. Fellowships können zur thematischen Breite der islamisch-theologischen Studien sowie ihrer Anwendungs- und Transferbereiche vergeben werden.

Weitere Informationen
Stefanie Golla
Koordinatorin Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft
Goethe-Universität
Telefon 069 798-22459
E-Mail golla@aiwg.de
Homepage https://aiwg.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Nov 2 2021
18:31

Ausgezeichnet wurden: Dr. Markus Fauth, Dr. Lena Schönwälder und Dr. Markus Lindner

20 Jahre 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre

FRANKFURT. „2021 ist ein besonderes Jahr – wir können die Preisverleihung des 1822-Universitätspreises für exzellente Lehre wieder in größerer Öffentlichkeit stattfinden lassen und so das 20-jährige Jubiläum würdig feiern“, sagte Dr. Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse. Heute werden zum 20. Mal Lehrende der Goethe-Universität mit dem 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre ausgezeichnet – ein außergewöhnliches Jubiläum, das in der Universitätswelt im Hinblick auf Beständigkeit einer Auszeichnung seinesgleichen sucht. „Auch in diesem Jahr haben die Studierenden der Goethe-Universität rege Gebrauch von ihrem exklusiven Vorschlagsrecht gemacht“, resümierte Prof.in Dr. Christiane Thompson, Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Weiterbildung an der Goethe-Universität. Insgesamt lagen der Vergabekommission 22 Nominierungen aus zehn Fachbereichen vor. Ausgezeichnet wurden Dr. Markus Fauth (1. Preis), Dr. Lena Schönwälder (2. Preis) und Dr. Markus Lindner (3. Preis) für innovative Lehre, sehr hohe Qualität ihrer Lehrveranstaltungen sowie außergewöhnliches Engagement für die Studierenden.

„Nachdem die feierliche Preisverleihung im vergangenen Jahr ausfallen musste, bildeten das Ambiente und das abwechslungsreiche Programm einen würdigen Rahmen für die Jubiläumsveranstaltung. Die Studierenden haben mit Laudationen für die von ihnen vorgeschlagenen Lehrenden vollen Einsatz gezeigt“, fasste Dr. Ingo Wiedemeier die gelungene Veranstaltung zusammen. „So macht der 1822-Universitätspreis seit 20 Jahren exzellente Lehre an der Goethe-Universität für alle sichtbar. Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Stiftung der Frankfurter Sparkasse für die beständige Begleitung“, schloss sich Vizepräsidentin Prof.in Thompson an. Auch die Vertreterin des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Frau Staatssekretärin Ayse Asar, sowie die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Frau Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, stellten die Bedeutung exzellenter Lehre an der Goethe-Universität heraus.

Die Goethe-Universität und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse haben den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre gemeinsam ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Bedeutung innovativer Hochschullehre zu schärfen und das Engagement herausragender Lehrender sichtbar zu machen. Den ersten und dritten Preis fördert die Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit insgesamt 20.000 Euro, der 2. Preis in Höhe von 10.000 Euro wird von der Goethe-Universität finanziert. Der Preis wird jährlich vergeben.

Die Preisträger*innen 2021:

Dr. Markus Fauth (1. Preis, 15.000 Euro)
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich 15, Institut für Molekulare Biowissenschaften
Herr Dr. Fauth ist bereits zum vierten Mal von den Studierenden nominiert worden (2009, 2014, 2018, 2021). Er erzielt in durchweg allen Lehrveranstaltungen exzellente Evaluationsergebnisse und setzt sich seit vielen Jahren kontinuierlich für die Belange der Studierenden ein. Er konzipiert zum einen hochgradig individuelle Angebote in der Studieneingangsphase und zum anderen bietet er beim Übergang in den Master Beratungs- wie auch Fortbildungsangebote (z.B. Soft Skills) an, die über die fachlichen Inhalte hinausgehen.

Die Kommission zeigte sich beeindruckt, mit welcher Leidenschaft und Versiertheit Herr Dr. Fauth die Begeisterung für sein Fach an die Studierenden weitergibt. Er agiert zudem als Bindeglied zwischen Studierenden und Lehrenden und hat während der Corona-Pandemie nicht nur ein zentrales Praktikum in Präsenz angeboten, sondern auch die Möglichkeiten geschaffen, die Lehre im Fachbereich friktionslos und ohne Einbußen bei der Lehrqualität auf digitale Formate umzustellen.

Dr. Lena Schönwälder (2. Preis, 10.000 Euro)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich 10, Institut für Romanische Sprachen und Literatur
Frau Dr. Lena Schönwälder zeichnet sich durch ihr herausragendes Engagement in der Studieneingangsphase sowie durch ihren außerordentlichen Einsatz im Rahmen von Schüler*innen-Workshops aus. Sie hat gemeinsam mit Studierenden eine interdisziplinäre Theatergruppe initiiert, die Studierenden einen neuen und innovativen Zugang zu romanischer Literatur ermöglicht. Auch im Rahmen der Distanzlehre gelang es ihr hervorragend, ein Umfeld der Partizipation und fachlichen Diskussion zu schaffen. Ferner engagiert sie sich am Fachbereich als Gleichstellungsbeauftragte und trägt Fragen der Gleichstellung auch mit in ihre Lehrveranstaltungen.

Dr. Markus Lindner (3. Preis, 5.000 Euro)
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich 08, Institut für Ethnologie
Die Lehrangebote von Dr. Lindner am Institut für Ethnologie zeichnen sich durch eine stringente internationale Ausrichtung sowie durch eine kohärente Verknüpfung von Theorie und Praxis aus. Besonders hervorzuheben sind die von Studierenden im Rahmen von Seminaren erarbeiteten Ausstellungsergebnisse, die auch außerhalb des universitären Kontextes eine hohe Sichtbarkeit erlangen (z.B. „Wanderer zwischen den Welten“, https://www.diewanderer.info/). Zudem zeigt Herr Dr. Lindner ein großes Engagement in der Studieneingangsphase, wo er aus seiner Beteiligung am Projekt „Starker Start“ Innovationen in den Fachbereich tragen konnte. Besonders beeindruckend ist seine Entwicklung einer fachspezifischen Schreibberatung.

Neben den Preisträger*innen wurden folgende Lehrende von den Studierenden nominiert:
Prof.in Dr. Yonson Ahn, Fachbereich 09
Dr. Balazs Cserna, Fachbereich 02
Dr. Christoph Haar, Fachbereich 08
Mariam Kamarauli, Fachbereich 09
Prof. Dr. Jan Landwehr, Fachbereich 02
Julian Langenhagen, Fachbereich 02
Prof.in Dr. Anja Middelbeck-Varwick, Fachbereich 07
Dipl.-Übers. Soyeon Moon, Fachbereich 09
Dr. Marta Muñoz-Aunión, Fachbereich 10
Prof.in Dr. Viera Pirker, Fachbereich 07
Prof. Dr. Klaas Pos, Fachbereich 14
OstR i.H. Michael Quell, Fachbereich 09
Prof. Dr. Luciano Rezzolla, Fachbereich 13
Prof. Dr. Raman Sanyal, Fachbereich Fachbereich 12
Seul So, Fachbereich 09
Dr. akad. Oberrat Bernd Sorg, Fachbereich 14
Prof. Dr. Anton Wakolbinger, Fachbereich 12
Nadine Weber, Fachbereich 04
Dr. Dirk Wiegandt, Fachbereich 08

Weitere Informationen:
Jens Blank, Abteilungsleiter Karriere & Stipendien, Studium Lehre Internationales, Goethe-Universität Frankfurt. Tel.: 069 798 15053; E-Mail: J.Blank@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de  

 

Nov 1 2021
13:52

Hessischer Zukunftsdialog: IWAK der Goethe-Universität bringt im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen, Kammern und Verbände zusammen  

Mobil und digital: Wie Arbeitgeber den Wünschen der Beschäftigten entgegenkommen können

Gemeinsame Pressemitteilung von Goethe-Universität und Ministerium für Soziales und Integration

Corona hat die Berufswelt verändert. Zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten ist jetzt vielfach gelebte Praxis. Die meisten Beschäftigten wünschen sich, dass dies auch nach der Pandemie so bleibt – eine Herausforderung für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.  

FRANKFURT. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die im Wettbewerb um Arbeits-, Fach- und Führungskräfte erfolgreich sein wollen, sehen sich vor neuen Herausforderungen: Möglichst schnell benötigen sie dauerhaft belastbare Konzepte für flexibles Arbeiten. In der Verwaltung oder in der IT-Branche ist digitales Arbeiten im Homeoffice kein Problem. Doch auch in vielen anderen Bereichen hält Hessens Minister für Soziales und Integration, Kai Klose, das für möglich. Und weil Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber am besten voneinander lernen können und wollen, richtet das Hessische Ministerium für Soziales und Integration

am Mittwoch, 3. November 2021,
um 9:30 Uhr den virtuellen Hessischen Zukunftsdialog

aus. Dort wird beispielsweise der Pflegedienst Kremer aus Hammersbach seine Umsetzung der digitalen Arbeitswelt der Zukunft vorstellen. Aber auch in anderen Branchen und in der öffentlichen Verwaltung ist die Etablierung von digitalem und mobilem Arbeiten nicht einfach. Wie es gehen kann, zeigen Praxisbeispiele aus der Pharmabranche, der Kreativwirtschaft und dem Regierungspräsidium Kassel, die den Spagat zwischen notwendiger Präsenz und Remotearbeiten realisiert haben. Vor allem junge Fachkräfte erwarten, dass ihnen mobiles Arbeiten ermöglicht wird.

„Viele Betriebe haben noch einen weiten Weg zu gehen, denn digitales Arbeiten erfordert eine entsprechende Infrastruktur“, sagt Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität. Wie diese geschaffen und gesichert werden kann, soll anhand der Region Fulda und der Stadt Darmstadt verdeutlicht werden. Handwerkskammern bieten ihren Mitgliedsbetrieben niedrigschwellige Hilfen an und begleiten sie im Prozess der betrieblichen Digitalisierung. Die Kooperation von Betrieben und Berufsschulen bei der Ausbildung wird an vielen Standorten in Hessen auf den Weg ins digitale Zeitalter gebracht. Beim Hessischen Zukunftsdialog sollen Best Practice-Beispiele zeigen, wie vor allem der Mittelstand bei der Gestaltung von digitalem und mobilem Arbeiten unterstützt werden kann.

„Mit dem Hessischen Zukunftsdialog bieten wir eine Plattform für Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen, Kammern, Verbände, Aus- und Weiterbildung, Arbeitsvermittlung, Kommunen und sonstige Gestaltungspartner für den Austausch auf Augenhöhe“, sagt Minister Klose. „Beispiele guter Praxis können wichtige Impulse in unserem Land setzen und die Umsetzung vor Ort erleichtern, sodass wir die Modernisierung von Arbeit und zugleich die Fachkräftesicherung voranbringen können.“

Das Programm zum Hessischen Zukunftsdialog finden Sie unter http://www.iwak-frankfurt.de/wp-content/uploads/2021/03/Einladung-Programm-vitueller-Hessischer-Zukunftsdialog-2021.pdf 

Die Teilnahme ist über den folgenden Link möglich:
https://uni-frankfurt.zoom.us/j/99533952285?pwd=c0RscU1vRmpibGpBN2lnY2M2dlczdz09
Meeting-ID: 995 3395 2285
Kenncode: 532645

Informationen:
Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität
Campus Bockenheim
Telefon 069 798-22152
E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2021
11:48

Präsidium der Goethe-Universität macht Weg frei/Hörsaalzentrum in Bockenheim steht temporär zur Verfügung

Präsenz für Teilnehmende der Universität des Dritten Lebensalters wieder möglich

FRANKFURT. Das Präsidium der Goethe-Universität hat sich in der vergangenen Woche mit großer Intensität bemüht, den Teilnehmenden der U3L (Universität des 3. Lebensalters) ebenfalls ein Präsenzangebot zu machen: Das Präsidium hat beschlossen, dass ab sofort auch das Hörsaalzentrum in Bockenheim täglich zu Zeiten ohne regulären Lehrbetrieb sowie an den Wochenenden (samstags) genutzt werden kann. Außerdem steht für Veranstaltungen der U3L temporär die Kapelle der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) auf dem Campus Bockenheim zur Verfügung.

Aufgrund des sehr hohen Lehr-Präsenzanteils an der Goethe-Universität in diesem Wintersemester hatte das Präsidium beschlossen, dass Gebäude der Goethe-Universität von Externen temporär nicht mehr genutzt werden können, sofern in diesen regulärer Lehrbetrieb stattfindet, auch um das Infektionsrisiko zu senken. Da die U3L als selbständiger Verein organisiert ist und das Semesterprogramm daher kein Teil des regulären Curriculums darstellt, waren auch die Teilnehmenden an Veranstaltungen der U3L von dieser Regelung betroffen.

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff sagte: „Ich freue mich, dass die U3L jetzt viele ihrer Veranstaltungen an der Goethe-Uni wieder in Präsenz abhalten kann. Ich bitte jene, bei denen die Entscheidung Unmut erzeugt hat, um Verständnis für unsere gegenwärtige Situation. Unser Bestreben als eine der größten deutschen Universitäten war es, einen sicheren Semesterstart mit einem Maximum an Präsenz zu garantieren und dabei – gerade für die älteren Bevölkerungsgruppen – das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu senken.“

Silvia Dabo-Cruz, Geschäftsstellenleiterin der U3L, zeigte sich erfreut über diese Entwicklung: „Das Präsidium der Goethe-Universität ist uns entgegengekommen und hat einige Optionen für Präsenzveranstaltungen eröffnet, auch wenn dieses Angebot zunächst überschaubar bleiben wird. Von den ursprünglich 23 geplanten Präsenzveranstaltungen werden wir voraussichtlich ein knappes Drittel realisieren können. Das sehe ich durchaus positiv als den Beginn einer Rückkehr zu mehr Präsenz in der Zukunft. Uns ist bewusst, dass nach drei Digitalsemestern und unter dem Druck einer weiterhin bestehenden pandemischen Situation der Semesterstart in Präsenz für die Goethe-Universität einen enormen Kraftakt darstellt. Umso mehr wissen wir das Bemühen um eine Lösung zu schätzen, wie wir auch dankbar sind für die Unterstützung seitens der Goethe-Universität bei der Durchführung unseres digitalen Programms.“


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2021
11:36

Archäologen der Goethe-Universität legen Geschichte des Bergbaus frei

Schon Kelten und Römer betrieben Bergbau im Montafon

Ob der Name „Montafon“ tatsächlich von dem Wort für „Muntafune“ oder „Grubenberg“ kommt? Die frühesten Quellen machen dies jedenfalls glaubhaft. Was Archäologen der Goethe-Universität jedoch herausgefunden haben: Schon in spätkeltischer und römischer Zeit ist in dem 39 Kilometer langen Tal im österreichischen Vorarlberg Bergbau betrieben worden.

FRANKFURT. Die Geschichte des Bergbaus im Montafon ist offenbar von einer langen Kontinuität geprägt. Wie Forschungen der Goethe-Universität in jüngster Zeit gezeigt haben, wurden die Erzlagerstätten schon seit spätkeltischer Zeit über viele Jahrhunderte hinweg genutzt: Bis ins Spätmittelalter hinein, mehr als 1500 Jahre lang sind hier Bodenschätze wie Eisen, Kupfer und Silber abgebaut worden. Dass es aber bereits in keltischer und römischer Zeit Aktivitäten im Berg gab, war bislang nicht bekannt. Die neuen Erkenntnisse machen das Montanrevier zu einem der bemerkenswertesten in den Alpen.

„Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Rüdiger Krause, Professor für Vor- und Frühgeschichte am Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Zwar hätten bereits die montanarchäologischen Forschungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass das kleine Montanrevier am Bartholomäberg eine sehr spannende und besondere Forschungsregion ist, aus der aus Bergbauhalden, alten Oberflächen und aus Mooren viele Funde und Befunde dokumentiert, Proben geborgen und zahlreiche Daten gewonnen werden konnten. So erbrachte die interdisziplinäre Untersuchung etwa von fossilem Blütenstaub (Pollen), Schwermetallen oder die Radiokarbondatierung von Hölzern und Holzkohlen erstaunliche Einblicke in bisher unbekannte Phasen des Bergbaus aus spätkeltischer Zeit (3./2. Jahrhundert v. Chr.).

Montanarchäologische Quellen zum römischen Bergbau in den Ostalpen waren bisher unbekannt. Die spärlichen historischen Quellen zum früh- und hochmittelalterlichen Bergbau im Montafon wurden jedoch in den vergangenen Jahren durch die Frankfurter interdisziplinären Forschungen wesentlich erweitert. Neue archäologische Ausgrabungen, archäobotanische Untersuchungen an den Mooren und Analysen der Schwermetalleinträge in Mooren und Böden durch Prof'in Dr. Astrid Stobbe von der Goethe-Universität haben erstaunliche Einblicke in neue und bisher unbekannt Phasen der Bergbaugeschichte am Bartholomäberg erbracht.

Die neuen Ausgrabungen mit studentischer Beteiligung unter Leitung von Prof. Rüdiger Krause haben im September in der Knappagruaba nun eine kleine Sensation offenbart: Vier Wochen dauerte die Ausgrabung, die in mehreren Grabungsschnitten am steilen Berghang vonstattenging. An den Oberflächen waren Spuren früheren Bergbaus gut erkennbar, sie bestanden aus Abraumhalden aus Taubgestein, den runden in den Fels gehauenen Schächten und aus den Hinweisen auf tiefer gelegene Eisenerzgänge. Erstmals konnten diesen Herbst montanarchäologische Befunde aus römischer Zeit freigelegt werden, die nicht nur für das kleine Montanrevier, sondern weit darüber hinaus für die Ostalpen einmalig sind. Ausgegraben wurden bis in drei Meter unter der Oberfläche zwei verfüllte Bergbauschächte, die im Bereich einer Vererzung abgetieft wurden. Davon zeugen an der Oberfläche des Felsens Klüfte mit Eisenoxyden und Quarzgängen, die den sogenannten Eisernen Hut – also die Oxidationszone eines Erzganges, bilden. Wie tief die Schächte in den Untergrund reichen, das soll zukünftig durch Rammkernbohrungen herausgefunden werden.

„In römischer Zeit wurde hier Eisenerz im Schachtbergbau gewonnen. Die chronologische Einordnung wird durch zehn kleine Fragmente von typisch römischen Keramikgefäßen untermauert, und das war eine große Überraschung“, berichtet Krause. Mehrere 14C-Radiokarbondatierungen an Holzkohlen hatten bereits im Vorjahr vermuten lassen, dass an dieser Stelle in der römischen Kaiserzeit bis in das 5. Jahrhundert n. Chr. Aktivitäten stattgefunden haben. Zusammen mit den römischen Keramikscherben sind sie ein untrüglicher Beleg für die Erzgewinnung. Unsicher bleibt, ob die Bergleute auch tatsächlich Römer waren. Pollenprofile und vegetationsgeschichtliche Befunde zeigen jedoch, dass das inneralpine Tal seit der Bronzezeit besiedelt war. Die Archäologen gehen davon aus, dass die lokale Bevölkerung der späten Eisenzeit den Bergbau betrieben und römisches Geschirr (Keramik) benutzt hat.

Die Geschichte des frühen Bergbaus im Montafon setzt sich nach der römischen Antike - wie historisch überliefert, im frühen Mittelalter in karolingischer Zeit im 9. Jahrhundert und im Hochmittelalter im 11./12. Jahrhundert mit einer Blütezeit der Silbergewinnung fort. 1319 wird erstmals eine Silbergrube am Berg Muntafune in einer Urkunde überliefert. Allerdings weisen Daten und Befunde aus Moorprofilen darauf hin, dass bereits Bergbauaktivitäten vor der Nennung von acht Eisenschmelzöfen im Churer Reichsurbar 843/844 n. Chr. vorliegen und wir derzeit von einer Kontinuität von der Spätantike in das Frühmittelalter und die Karolingerzeit ausgehen dürfen. Sein Höhepunkt dürfte im Hochmittelalter und im Spätmittelalter gelegen haben, in der Folge wurde der Bergbau im 15./16. Jahrhundert bis zu seinem Niedergang um 1600 nach den zahlreichen Bergbaubelegen wie Stollenmundlöcher und Abraumhalden sowie nach den historischen Quellen zu schließen, im industriellen Maßstab durchgeführt.

Aufgrund der langjährigen Forschungen der Goethe-Universität ist die ungewöhnlich gut erhaltene Halden- und Bergbaulandschaft seit 2012 als herausragendes Kulturdenkmal in das Denkmalbuch der Republik Österreich eingetragen.

Bilder und Bildtexte zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/107880138

Weitere Informationen
Prof. Dr. Rüdiger Krause
Institut für Archäologische Wissenschaften
Vor- und Frühgeschichte
Telefon +49(0)69 798-32120
Fax: +49(0)69 798-32121
E-Mail: R.Krause@em.uni-frankfurt.de

Eine TV-Dokumentation zum Montafon-Projekt finden Sie unter: https://www.ardmediathek.de/ard/suche/Montafon/

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Okt 29 2021
10:14

Ausstellungsprojekt der Frankfurter Universitätsbibliothek

Von Alef Bet bis Zion – 17 Motive jüdischen Lebens

FRANKFURT. Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main beteiligt sich am Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Das Seminar- und Ausstellungsprojekt der Bibliothek nähert sich entlang von 17 Motiven – Ereignissen, Praktiken und Texten – der vielstimmigen deutsch-jüdischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart. Im Zentrum stehen Objekte der eigenen Hebraica- und Judaica-Sammlung, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Europa zählt. 

Ausstellung „17 Motive jüdischen Lebens“:
4. November 2021 – 16. Januar 2022 im Schopenhauer-Studio der
Universitätsbibliothek, Bockenheimer Landstraße 134-138,
geöffnet dienstags bis sonntags, 13-18 Uhr. 
 

Die Zahl 17 steckt in Anlehnung an das Jubiläumsjahr den Rahmen, die einzelnen Motive geben einen mosaikhaften Einblick in deutsch-jüdisches Leben und sprechen dabei meist mehrere Aspekte an. „So geht es etwa bei ‚Alef Bet' nicht nur um das hebräische Alphabet und damit die Grundlage aller jüdischen Sprachen," wie Kerstin von der Krone, die Leiterin der Hebraica- und Judaica-Sammlung betont, „sondern auch um Mehrsprachigkeit und die damit verbundenen Praktiken des Übersetzens.“ 

Die von ihr und ihrem Team ausgewählten Motive waren die Grundlage für ein Projektseminar an der Goethe-Universität im Sommersemester 2021. Studierende unterschiedlicher Fächer haben die Sammlungsbestände der Universitätsbibliothek vor dem Hintergrund des Projektes erkundet, Objekte entdeckt und Objekterzählungen geschrieben. Schrittweise werden diese nun auf der Webseite des Projektes veröffentlicht und durch weitere Quellen, Bilder, Texte und Perspektiven ergänzt. So wird sich zum Ende des Festjahres das Mosaik der 17 Motive mit immer mehr Leben füllen. Judith Blume, Kerstin von der Krone und Johanna Weiler (alle UB Frankfurt) – die das Seminar gemeinsam leiteten und den Kern des Projektteams bilden – sind begeistert von dem Engagement und der Professionalität der Studierenden. „Es ist beeindruckend, wie motiviert sich die Studierenden trotz aller Widrigkeiten auf Grund von Corona mit den Originalobjekten auseinandergesetzt und mit welcher Kreativität sie sich in das Projekt eingebracht haben“, fasst Johanna Weiler zusammen. 

Die Mehrheit der Seminar-Teilnehmer*innen hat das Projektteam auch bei der Konzeption der Ausstellung „17 Motive jüdischen Lebens“ unterstützt, die vom 4. November 2021 bis 16. Januar 2022 als Höhepunkt und Abschluss des Projektes im Schopenhauer-Studio der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main zu sehen sein wird. An 17 Stationen können Besucher*innen die Motive und damit die facettenreiche deutsch-jüdische Kultur anhand historischer und zeitgenössischer Objekte erkunden und sind an vielen Stellen eingeladen, auch selbst aktiv zu werden. 

Das Projekt ist eingebunden in das bundesweite Festjahr #2021JLID, das der Verein „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ mit seiner Geschäftsstelle in Köln organisiert und koordiniert. Der Verein hat das interdisziplinäre Studien- und Ausstellungsprojekt der Bibliothek durch seine finanzielle Förderung ermöglicht.

Projekt-Website: https://17motive.uni-frankfurt.de
Instagram: https://www.instagram.com/frankfurter_dinge/
Festjahr: https://2021jlid.de/ 

Presse-Besichtigung: mit Terminvereinbarung am 02.11. oder 03.11.2021.
Bildmaterial für die Presse ist hier zum Download abgelegt: https://www.ub.uni-frankfurt.de/ausstellung/17motive_bilder.html

Weitere Informationen: Dr. Kerstin von der Krone, Sammlungsleitung Judaica- und Hebraica, und Johanna Weiler, Projekt 17 Motive, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel: +49 (69) 798 39665, E-Mail: 17motive@ub.uni-frankfurt.de 

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsabteilungen Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Okt 28 2021
15:14

Hemmung des Kohlstoffwechsels mindert Virenvermehrung in Zellkultur

Neue Angriffspunkte zur Behandlung von COVID-19

Forscher am Institut für Medizinische Virologie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und der School of Biosciences an der University of Kent (Canterbury, Großbritannien) haben im Pentosephosphatstoffwechsel mögliche neue Angriffspunkte zur Behandlung von COVID-19 identifiziert. Die aktuelle Studie knüpft an Forschungsergebnisse aus der Goethe-Universität von 2020 an.

FRANKFURT. Bei einer SARS-CoV-2-Infektion programmieren die Viren ihre Wirtszellen um, so dass die Wirtszellen neue Viren produzieren. Im Rahmen dieses Prozesses wird auch der Stoffwechsel der infizierten Zellen verändert.

Die Arbeitsgruppe der Goethe-Universität unter Leitung von Professor Jindrich Cinatl hatte in früheren Projekten bereits gezeigt, SARS-CoV-2-infizierte Zellen Traubenzucker (Glukose) anders im Stoffwechsel umsetzen als nichtinfizierten Zellen. Ein Wirkstoffkandidat, 2-Deoxy-D-glucose, der diese Stoffwechseländerung ausnutzt, befindet sich in der Entwicklung zur Therapie von COVID-19-Patienten.

In der vorliegenden Studie zeigte das Forscherteam aus Frankfurt und Canterbury nun, dass eine SARS-CoV-2 Infektion außerdem mit Änderungen in einem weiteren Stoffwechselweg, dem Pentosephosphatweg, verbunden ist. Benfooxythiamin, ein Hemmstoff des Pentosephosphatwegs, unterdrückte die SARS-CoV-2-Replikation in infizierten Zellen in der Zellkultur.

Darüber hinaus führte die gemeinsame Verwendung von 2-Deoxy-D-glucose und Benfooxythiamin zu einer weiter verstärkten Hemmung der Virusproduktion in SARS-CoV-2-infizierten Zellen.

Die Unterdrückung von Virus-vermittelten Änderungen im Stoffwechsel infizierter Zellen ist eine alternative Strategie zur Hemmung der Virusreplikation, die sich von der Hemmung viraler Enzyme zum Beispiel durch Remdesivir und Molnupiravir, unterscheidet. Daher besteht Hoffnung, dass sich diese unterschiedlichen Strategien ergänzen und dass Wirkstoffe, die mit Virus-induzierten Stoffwechselveränderungen interferieren, das Repertoire an Behandlungsmöglichkeiten für COVID-19 erweitern.

Professor Jindrich Cinatl, Goethe-Universität, Frankfurt, sagte: „Die Hemmung Virus-vermittelter Änderungen im Stoffwechsel infizierter Zellen ist ein guter Weg, Virus-infizierte Zellen gezielt zu behandeln.“

Professor Martin Michaelis, University of Kent, sagte: „Da wir wissen, dass das Auftreten von Resistenzen ein großes Problem bei der Behandlung viraler Erkrankungen darstellt, ist die Verfügbarkeit unterschiedlicher Behandlungsansätze mit unterschiedlichen Wirkmechanismen von großer Bedeutung.“


Publikation: Denisa Bojkova, Rui Costa, Philipp Reus, Marco Bechtel, Mark-Christian Jaboreck, Ruth Olmer, Ulrich Martin, Sandra Ciesek, Martin Michaelis, Jindrich Cinatl, Jr.: Targeting the pentose phosphate pathway for SARS-CoV-2 therapy. In: Metabolites 2021, 11(10), 699; https://doi.org/10.3390/metabo11100699

Hintergrundinformation:
Zellkultur-Modell: Mehrere Wirkstoffe stoppen SARS-CoV-2-Virus. Frankfurter Forscher entdecken Ansatzpunkte für COVID-19-Therapie https://www.puk.uni-frankfurt.de/88372211/Frankfurter_Forscher_entdecken_Ansatzpunkte_f%C3%BCr_COVID_19_Therapie

Weitere Informationen
Prof. Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Institut für Medizinische Virologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Tel.: +49 (0) 69 6301-6409
cinatl@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de  

 

Okt 28 2021
09:58

Ringvorlesung „Algorithmen und die Transformation von Demokratie“ an der Goethe-Universität betrachtet juristische Aspekte der digitalen Revolution 

Wie die Digitalisierung politische Systeme beeinflusst 

FRANKFURT. Algorithmen spielen in unserem Leben eine immer größere Rolle – und damit beeinflussen sie auch unser politisches System. Zu den Schlagworten, die für negative Folgen der Digitalisierung stehen, zählen ökonomische Überwachung, diskriminierende Klassifikation, und digitale Entmündigung; positive Einflüsse werden mit Begriffen wie Demokratisierung und Flexibilität assoziiert. Doch ob Algorithmen nun politische Systeme stabilisieren oder erschüttern – in jedem Fall hat die Digitalisierung bereits längst die Form von Macht in politischen Systemen verändert.

In der virtuellen Ringvorlesung

Algorithmen und die Transformation von Demokratie, jeweils um 18.00 Uhr
(am 10.2. 2022 ausnahmsweise um 17.00 Uhr)
online via Zoom

soll die digitale Revolution aus juristischer und medienwissenschaftlicher Sicht beleuchtet werden. Zum Auftakt spricht am Dienstag, dem 2. November 2021, Prof. Dr. Johannes Buchmann, Professor für Informatik und Mathematik an der Technischen Universität Darmstadt, unter dem Titel „Mehr Demokratie in der Digitalisierung wagen".

Weitere Beiträge leisten Expert*innen wie Prof. Dr. Martin Belov (Sofia Universität „St Kliment Ochridski“, Professor für Verfassungsrecht), Prof. Dr. Beatrice Brunhöber (Goethe-Universität, Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung), Dr. Laliv Melamed (Goethe-Universität, Postdoktorandin der Clusterinitiative ConTrust am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“), Prof. Dr. Sabine Müller-Mall (TU Dresden, Professorin für Rechts- und Verfassungstheorie mit interdisziplinären Bezügen), Prof. Dr. Sofia Ranchordas (Universität Groningen/LUISS Universität Rom, Professor of Public Law) und Prof. Dr. Emanuel V. Towfigh (EBS Universität, Professor für Öffentliches Recht, Empirische Rechtsforschung und Rechtsökonomik).

Die Vortragsreihe setzt die Ringvorlesungen zu „Machtverschiebungen durch Algorithmen“ und „Algorithmen zwischen Vertrauen und Kontrolle“ fort.

Veranstaltet wird die Vorlesungsrehe von der Forschungsinitiative ConTrust am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ und den Frankfurter Gesprächen zum Informationsrecht des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Informationsrecht und Verwaltungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Organisiert und konzipiert wurde die Reihe von Prof. Christoph Burchard, Professor für Straf- und Strafprozessrecht, Internationales und Europäisches Strafrecht, Rechtsvergleichung und Rechtstheorie der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Orders“, und Prof. Indra Spiecker gen. Döhmann, Professorin für Öffentliches Recht, Informationsrecht, Umweltrecht und Verwaltungswissenschaft der Goethe-Universität.

Die einzelnen Termine im Überblick:

Dienstag, 2. November 2021, 18.00 Uhr
Mehr Demokratie in der Digitalisierung wagen
Prof. Dr. Johannes Buchmann (TU Darmstadt, Professor für Informatik und Mathematik)

Dienstag, 16. November 2021, 18.00 Uhr
„It‘s complicated“ - Zur Beziehung von algorithmischen Entscheidungen und demokratischem Rechtsstaat
Prof. Dr. Emanuel V. Towfigh (EBS Universität, Professor für Öffentliches Recht, Empirische Rechtsforschung und Rechtsökonomik)
 
Dienstag, 7. Dezember 2021, 18.00 Uhr
Empathy in the Digital Administrative State
Prof. Dr. Sofia Ranchordas (Universität Groningen/LUISS Universität Rom, Professor of Public Law)

Dienstag, 18. Januar 2022, 18.00 Uhr
Cyberaktivität und ihre Kriminalisierung als Herausforderung für individuelle und kollektive Selbstbestimmung
Prof. Dr. Beatrice Brunhöber (Goethe-Universität, Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung)

Montag, 24. Januar 2022, 18.00 Uhr
Towards Global Algorithmic Technocracy: Post-Westphalian and neo-Westphalian Perspectives for (Post)Democracy?
Prof. Dr. Martin Belov (Sofia Universität „St Kliment Ochridski“, Professor für Verfassungsrecht)

Donnerstag, 10. Februar 2022, 17.00 Uhr
Maps to the Future: 3D Animation Models and the Speculative Operation
Dr. Laliv Melamed (Goethe-Universität, Postdoktorandin der Clusterinitiative ConTrust am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“)

Dienstag, 15. Februar 2022, 18.00 Uhr
Zur Verfassung der Algorithmen
Prof. Dr. Sabine Müller-Mall (TU Dresden, Professorin für Rechts- und Verfassungstheorie mit interdisziplinären Bezügen)

Eine Anmeldung an office@normativeorders.net ist erforderlich. Die Logindaten werden nach der Anmeldung übermittelt.

Weitere Informationen unter: https://contrust.uni-frankfurt.de/algorithmen-und-die-transformation-von-demokratie/

Weitere Informationen
Anke Harms
Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds
„Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität
069/798-31407
anke.harms@normativeorders.net
www.normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 27 2021
16:30

Die israelische Historikerin Yfaat Weiss hält die diesjährige Martin-Buber-Vorlesung für jüdische Geistesgeschichte und Philosophie

Festliche Eröffnung des Buber-Rosenzweig-Instituts an der Goethe-Universität

Die Erforschung des Judentums in Moderne und Gegenwart steht im Fokus des neu gegründeten Buber-Rosenzweig-Instituts an der Goethe-Universität. Mit einer Festveranstaltung und einem Vortrag wird das Institut am morgigen Donnerstag eröffnet.  

FRANKFURT. Mit einem Vortrag der Historikerin Yfaat Weiss und einer Festveranstaltung wird das neu gegründete Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistesgeschichte der Moderne und Gegenwart

am Donnerstag, 28. Oktober 2021, um 20 Uhr
im Casino-Festsaal am Campus Westend

eröffnet. Das Institut, das sich der Erforschung des Judentums in Moderne und Gegenwart widmen wird, fasst zahlreiche und in großem Umfang drittmittelgeförderte Projekte zusammen und trägt so weiter zur Verstetigung dieses Forschungsbereichs an der Goethe-Universität bei. Es trägt die Namen zweier jüdischer Intellektueller des 20. Jahrhunderts, Martin Buber und Franz Rosenzweig, beide bedeutende Persönlichkeiten der Frankfurter Universität in den 1920er und 1930er Jahren und der „jüdischen Renaissance“ in der Weimarer Republik, beide federführend am Frankfurter Freien Jüdischen Lehrhaus beteiligt und miteinander im intensiven Gespräch über ihr gemeinsames Projekt der „Verdeutschung“ der Hebräischen Bibel. Das von Prof. Dr. Christian Wiese geleitete Institut ist ursprünglich hervorgegangen aus einer von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gestifteten Gastprofessur für jüdische Religionsphilosophie, die Martin Buber gewidmet war und die durch den Stelleninhaber Prof. Christian Wiese kontinuierlich ausgebaut worden ist.

Den Festvortrag bei der Eröffnungsfeier, die Martin-Buber-Vorlesung für jüdische Geistesgeschichte und Philosophie 2021, hält die Historikerin Prof. Dr. Yfaat Weiss, Direktorin des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig und Professorin für jüdische Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Weiss spricht zum Thema „Exiliert und belagert: Jerusalemer Gelehrte 1948“ und wird dabei auf die Debatten eingehen, die Intellektuelle der Hebräischen Universität Jerusalem nach dem Ende der Naziherrschaft führten. Viele von ihnen waren vor dem Zweiten Weltkrieg aus Mitteleuropa nach Palästina emigriert. Bei den Debatten spielten auch der israelisch-arabische Krieg von 1948 sowie die Neuordnung Europas und der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle.

Die Veranstaltung, bei der auch Grußworte von Wissenschaftsministerin Angela Dorn, Unipräsident Prof. Enrico Schlei­ff, Dekan Prof. David Käbisch, Prof. Doron Kiesel vom Zentralrat der Juden in Deutschland, Prof. Kerstin Schoor von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und Prof. Benjamin Pollock von der Hebräischen Universität Jerusalem zu hören sein werden, wird auch live übertragen auf dem YouTube-Kanal der Martin-Buber-Professur: https://www.youtube.com/watch?v=2iOtwocPVwk

Im Anhang finden Sie das ausführliche Programm. Der Abend wird musikalisch begleitet von Roman Kuperschmidt und Ensemble. Im Anschluss an den Vortrag findet ein Empfang statt.

Medienvertreter können sich noch bei PD Dr. Stefan Vogt, s.vogt@em.uni-frankfurt.de. Für den Besuch gilt die 2G-Regel.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Christian Wiese
Martin-Buber-Professur für Religionsgeschichte
Buber-Rosenzweig-Institut
Goethe-Universität
Telefon: 069/798-33313
E-Mail: c.wiese@em.uni-frankfurt.de
Homepage: https://www.uni-frankfurt.de/40082634/Martin_Buber_Professur_für_Jüdische_Religionsphilosophie


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Okt 26 2021
11:24

Konferenz an der Goethe-Universität befasst sich mit den politischen Folgen der Afghanistan-Mission

Was wir aus dem Afghanistan-Einsatz lernen können

FRANKFURT. Zweifel am Afghanistan-Einsatz gab es schon lange. Die blitzartige Machtübernahme der Taliban nach dem Ende des Einsatzes löste nun aber einen Schock in der internationalen Gemeinschaft aus – und hinterließ zahlreiche Fragen. War das Ziel, einen demokratischen Staat aufzubauen, utopisch oder hätte es Möglichkeiten gegeben, diesen auch zu realisieren? Welche grundlegenden Fehler wurden gemacht? Was bleibt von den zivilgesellschaftlichen Projekten? Und was bedeutet die Entwicklung in Afghanistan für die deutsche Außenpolitik, für laufende oder zukünftige Missionen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die

Konferenz
„Das Afghanistan-Desaster – Lehre für die Zukunft?“
am Montag, 1. November 2021

Goethe-Universität Frankfurt│Campus Westend
im Gebäude „Normative Ordnungen“
Max-Horkheimer-Str. 2.

Die medialen Bilder vom fluchtartigen Rückzug der USA und zahlreicher anderer westlicher Länder aus Afghanistan lassen die humanitäre Katastrophe vor Ort nur erahnen. Sie räumen aber jeden Zweifel am Scheitern des Einsatzes aus – und damit auch der Mission, seit 20 Jahren in Afghanistan einen demokratischen Staat und ein modernes Bildungswesen aufzubauen und die Menschen- und besonders Frauenrechte umzusetzen. Einheimische Sicherheitskräfte in Armee und Polizei sollten den neuen Staat und seine Errungenschaften gegen islamische Extremisten absichern. Dass es dabei immer wieder Schwierigkeiten gab, wurde der allgegenwärtigen Korruption oder auch Fällen von Fehlverhalten ausländischer Militärangehöriger zugeschrieben, bei denen einheimische Zivilisten starben. Erfolge wurden medial so präsentiert, als ob die demokratische Transformation insgesamt auf einem guten Weg sei. Doch nun wurde offensichtlich, dass dies eher einem Wunsch, als den Tatsachen entsprach. Die seit Jahren erstarkenden Taliban marschierten ohne nennenswerten Widerstand durch das Land und nahmen eine Stadt nach der anderen ein, zuletzt auch in die Hauptstadt Kabul.

Die Afghanistan-Konferenz, die von der Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam und Professorin an der Goethe-Universität, Susanne Schröter, ausgerichtet wird, versammelt Experten aus Wissenschaft, Politik und Militär, um Schlüsse aus dem Debakel zu ziehen. Diskussionsbeiträge leisten etwa der Friedensforscher Professor Christopher Daase vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- u. Konfliktforschung, der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, Generalleutnant Markus Laubenthal, Zarifa Ghafari, Bürgermeisterin der afghanischen Stadt Maidan Shar, der Rechtswissenschaftler Professor Ebrahim Afsah von der Universität Wien sowie die Ethnologin Professorin Susanne Schröter von der Goethe-Universität.

An der für den Nachmittag vorgesehenen Podiumsdiskussion nehmen teil die Staatsministerin Lucia Puttrich, MdL Hessen (CDU) und Nicola Beer, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments (FDP), sowie die Parlamentarier Armand Zorn (SPD) und Lamya Kaddor (Bündnis 90/Die Grünen).

Die Referenten und Politiker stehen für Interviews zur Verfügung.

Weitere Informationen zum Programmverlauf: https://www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/alleveranstaltungen/69-veranstaltungen/8287-das-afghanistan-desaster-lehre-fuer-die-zukunft

Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Veranstaltung kann in Präsenz unter Hygieneauflagen der 2-G-Regel oder per livestream online verfolgt werden.

Anmeldung für Präsenz erforderlich an: ffgi@normativeorders.net (mit Rückbestätigung) sowie im Livestream – Einwahl ohne Anmeldung alsbald zu finden unter www.ffgi.net. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und ist später über YouTube abrufbar.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Susanne Schröter
Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Oliver Bertrand, M.A.
Max-Horkheimer-Str. 2
Frankfurt am Main
E-Mail: O.Bertrand@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, barth@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 26 2021
10:30

Soziologe Stephan Lessenich spricht im Rahmen der partizipativen Vortragsreihe „DenkArt“ des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität

Wie wir Identitätspolitik verstehen können

FRANKFURT. Der Begriff Identitätspolitik hat in den letzten Jahren nicht nur an Aufmerksamkeit gewonnen, er spaltet auch zunehmend die Gesellschaft. Einerseits wird Identitätspolitik als wichtiges Mittel angesehen, gleiche gesellschaftliche Teilhabe für alle Gruppen herzustellen. Andererseits wirft man ihr vor, zu polarisieren, indem sie sich auf die Bedürfnisse und Befindlichkeiten benachteiligter Minderheiten konzentriert und deren Anerkennung ins Zentrum stellt.

Die partizipative Redenreihe „DenkArt“, die unter anderem vom Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität veranstaltet wird, möchte diesen Aspekten von Identitätspolitik auf den Grund gehen. Dazu spricht

am 3. November um 19.30 Uhr
Prof. Dr. Stephan Lessenich
zum Thema „Identitätspolitik_Was soll das denn sein?“

Moderieren wird die Veranstaltung Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin der Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität.

Der Soziologe Stephan Lessenich befasst sich unter anderem mit den Fragen: Wo lässt sich überhaupt eine Grenze ziehen zwischen mutmaßlich Privilegierten und Benachteiligten? Wie wird festgelegt, wer als benachteiligt gilt? Ist es immer noch der sozioökonomische Status einer Person und ihre Zugehörigkeit zur einer bestimmten „Rand“-Gruppe, die erschwerte Zugangsmöglichkeiten zu gesellschaftlicher und politischer Teilhabe mit sich bringen? Und wer darf für diese Gruppen sprechen? Sind es nur die „Betroffenen“ selbst oder dürfen auch andere identitätspolitisch für sie einstehen?

Prof. Dr. Stephan Lessenich (*1965) ist seit Juli 2021 Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung (IfS). Zuvor war er Professor für Soziologie, von 2004 bis 2014 an der Universität Jena, von 2014 bis 2021 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Lessenich studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte an der Universität Marburg. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die Politische Soziologie sozialer Ungleichheit und die Soziologie des Alter(n)s. Lessenich war bis 2017 Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

Ziel der Reihe „DenkArt“ ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Die Zuschauer*innen erhalten nach den Impulsvorträgen deshalb die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen zu entwickeln.

Da voraussichtlich nur wenige Plätze im Haus am Dom vergeben werden können, wird die Veranstaltung durch ein Live-Streaming-Angebot über www.youtube.com/hausamdom ergänzt bzw. gegebenenfalls ersetzt.

Konzipiert wurde „DenkArt“ von Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin), Prof. Dr. Joachim Valentin (Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom Frankfurt), Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Mechtild M. Jansen (Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen).

Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Der Abschlussvortrag der DenkArt-Reihe findet statt am
Donnerstag, 2. Dezember 2021, 19.30 Uhr
Identitätsraub_Wer darf über wen sprechen?
Dr. Emilia Roig (Politologin)
Moderation: Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und Dramaturgin
Übertragung per Livestream: www.youtube.com/hausamdom

Detailliertes Programm und aktuelle Informationen:
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart
www.hausamdom-frankfurt.de

Weitere Informationen
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität
069/798-31407
anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, barth@em.uni-frankfurt.de