​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ – März 2012

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
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Veranstaltungen

Mär 5 2012
15:23

Japanischer Ethik-Professor bei internationalem Symposium an der Goethe-Universität – Gefragt: Mehr als 12.000 Klicks auf Homepage der „Textinitiative Fukushima“

„Was bleibt nach Fukushima und Tschernobyl?“

FRANKFURT. Das schwere Erdbeben, die verheerende Tsunami-Welle und der GAU von Fukushima – am 11. März ist der erste Jahrestag der Dreifachkatastrophe in Japan. Aus diesem Anlass findet am 8. und 9. März ein internationales Symposium an der Goethe-Universität statt, das sich der Frage widmet: „Welche Folgen hatten Fukushima und Tschernobyl?“ Etwa 20 Wissenschaftler aus Japan, der Ukraine, den USA, der Schweiz, England und Deutschland nehmen an der Tagung im IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend teil, die vom Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (IZO) der Goethe-Universität und dem Gießener Zentrum östliches Europa (GiZo) veranstaltet wird. Die Beiträge der Konferenz sind in englischer Sprache. Interessierte sind eingeladen, um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Prof. Dr. Lisette Gebhardt, Japanologin an der Goethe-Universität, die gemeinsam mit Prof. Dr. Arndt Graf (IZO), Prof. Dr. Thomas Bohn (GiZo) und PD Dr. Thomas Feldhoff (IZO) das Symposium organisiert hat, ist es gelungen, für die fünf Panel renommierte Sprecher zu gewinnen, die verschiedene Facetten der Post-Tschernobyl- und der Post-Fukushima-Ära aufgreifen. Techno-Optimismus und Techno-Pessimismus behandelt der hochkarätig besetzte Ethik-Panel: Hier spricht über das Thema „Ethical Dimensions of ‘Fukushima’“ am 8. März der bekannte Professor für Philosophie, Yasuo Kobayashi, vom Philosophischen Zentrum der Universität Tokyo (UTCP). Zu den Teilnehmern der Tagung zählt auch die Literaturwissenschaftlerin Masami Yuki von der Universität Kanazawa, die sich dem Thema „Language and imagination before and after Fukushima: Japanese literary responses to nuclear catastrophes“ widmet.

Diskutiert werden sollen Fragen wie: Welche Veränderungen wurden durch die Unfälle im kulturellen und sozialen Gefüge der beiden Länder ausgelöst? Wie gehen Politiker, Stromkonzerne und Bürger damit um, dass der Mythos, Kernkraftwerke seien sicher, nun endgültig der Vergangenheit angehört? Welche Lehren wurden und werden aus den Atomunfällen gezogen? Wie gestaltet man eine nachhaltige Energieversorgung in der Zukunft? Und: Wie ist die Situation der Betroffenen vor Ort? Wurden sie versorgt oder vergessen? Können die Traumata dieser Erfahrungen überwunden und etwa in literarischen Texten verarbeitet werden?

Finanziert wird das internationale Experten-Meeting von der Japan Foundation, der Thyssen-Stiftung und dem Nakama-Fonds, den die Goethe-Universität kurz nach der Katastrophe in Japan eingerichtet hat, um den Austausch zwischen japanischen und deutschen Wissenschaftlern zu vertiefen. Geplant ist, die Ergebnisse der Tagung in Buchform zu veröffentlichen. Das Symposium soll gleichzeitig den Beginn für ein größeres Forschungsprojekt der Kulturwissenschaftler am IZO und am GiZo markieren.

Gefragt ist in diesen Tagen auch die Homepage der „Textinitiative Fukushima“ (www.textinitiative-fukushima.de/). Die „Textinitiative“ wurde nur wenige Tage nach dem Erdbeben ins Leben gerufen und verzeichnet mittlerweile mehr als 12.000 Klicks. An ihr beteiligen sich die Japanologien Frankfurt (Prof. Dr. Lisette Gebhardt und Leipzig (Prof. Dr. Steffi Richter); auch Zürich (Prof. Dr. Raji C. Steineck) hat sich der Initiative angeschlossen. Das Projekt setzt es sich zum Ziel, Texte verschiedener japanischer Akteure der Debatte um Fukushima ins Deutsche zu übertragen. Übersetzt, zusammengefasst und kommentiert werden Beiträge aus den Wissenschaften, aus den Medien, der Politik, der Kunst, der Literatur, der Philosophie oder der Popkultur: also Aktuelles, Tiefgründiges, Diskussionswürdiges zur Katastrophe und ihren Kontexten. Dazu Gebhardt: „Wir haben zahlreiche wichtige Akteure der japanischen Debatte vorgestellt, darunter den streitbaren Nuklearmediziner Kodama Tatsuhiko, den Strahlungsspezialisten Kimura, der eine aufschlussreiche ‚Verstrahlungslandkarte‘ Japans erstellt hat und den Aktivisten Matsumoto Hajime, der eine Alternativbewegung anführt. Von uns übersetzt wurden z.B. Artikel des Regisseurs Sakate Yoji und des Autors Katayama Kyoichi, die beide an die Eigenverantwortung der Bürger appellieren. Aber auch populärkulturelle Beiträge finden sich hier kommentiert, und die Leipziger Japanologen konnten sogar ein eigenes Filmprojekt über erste japanische Protestaktionen nach Fukushima verwirklichen.“

Aufgrund dieser Web-Page haben sich zahlreiche Journalisten an die Japanologen gewandt: „Ich habe tatsächlich viel Medienberatung geleistet, Radiointerviews gegeben und Zeitungsartikel verfasst. Und jetzt zum Jahrestag nimmt die Nachfrage an uns Experten wieder stark zu“, ergänzt die Frankfurter Japanologin. „Als Japanwissenschaftler hätten wir uns alle sicher gerne weiter mit einem Japan ohne Fukushima beschäftigt, aber da die Dinge nun einmal geschehen sind, stellen wir uns der neuen Aufgabe und wollen die aktuellen Entwicklungen begleiten.“ Ihr kultur- und literaturwissenschaftliches Projekt setzt sich mit der Gratwanderung zwischen Trauma-Bewältigung und Protest auseinander, die sich derzeit in den Werken japanischer Schriftsteller und Künstler abzeichnet. Ob sich die Engagierten gegen den die eingespielten Hierarchien Gehör verschaffen und eine breitere Öffentlichkeit für sich gewinnen können, das ist für Gebhardt jetzt eine spannende Frage.

Informationen: Prof. Dr. Lisette Gebhardt, Japanologie, Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (IZO), Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798- 23287, japanologie@uni-frankfurt.de, www.textinitiative-fukushima.de/; zur Tagung: www.izo.uni-frankfurt.de/Veranstaltungen/Comparing_Fukushima_and_Chernobyl__Social_and_Cultural_Dimensions_of_the_Two_Nuclear_Catastrophes/index.html

Veranstaltungen

Mär 1 2012
16:32

Vortrag mit Podiumsdiskussion an der Goethe-Universität zum Thema Sprachstandserhebung

Wie lässt sich Sprache zuverlässig messen?

FRANKFURT. Sprachstandserhebungen sind ein viel diskutiertes Thema. Einigkeit besteht zwar darüber, dass viele Kinder und Jugendliche eine Sprachförderung benötigen. Umstritten ist jedoch, ob und wie sich sprachliche Fähigkeiten messen lassen. Ein Informationsabend an der Goethe-Universität, der sich an Lehrkräfte, Erzieher, Eltern und weitere Interessierte richtet, greift dieses für die sprachliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen elementare Thema auf. Der Informationsabend findet im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS) statt.

„Sprachtests können immer nur Teile des ganzen Systems erfassen, und selbst das braucht viel Zeit und Expertenwissen. Um zum Beispiel die Fähigkeiten eines Kindes im Satzbau verlässlich zu messen, ist ausreichend Zeit gefragt, und natürlich auch Wissen über Sprache und Spracherwerb, Mehrsprachigkeit sowie ein Überblick über die Methoden, mit denen der Entwicklungsstand erhoben werden kann“, erläutern die Sprachwissenschaftlerinnen Prof. Rosemarie Tracy (Universität Mannheim) und Prof. Petra Schulz (Goethe-Universität Frankfurt) und betonen: „Aussagekräftig, zuverlässig und fair – so sollten Sprachstandserhebungen sein – das ist aber in 5 Minuten nicht zu haben.“

In dem Plenarvortrag erläutert Prof. Tracy die Anforderungen und Chancen von Sprachstandserhebungen. In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von der Bildungsjournalistin Barbara Gillmann (Handelsblatt) moderiert wird, diskutieren renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Vertretern aus Praxis und Politik darüber, wie Sprachtests idealerweise der Komplexität des Spracherwerbs gerecht werden können.

Was? Vortrag mit Podiumsdiskussion: „Sprache messen in 5 Minuten – schnell effektiv und kostengünstig?“, im Rahmen der 34. Jahrestagung der DGfS

Wann? 6. März 2012, 17.30-20.00 Uhr – Eintritt frei!

Wo? Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Grüneburgplatz 1,
60323 Frankfurt am Main, Raum IG 411 (Erdgeschoss)

Informationen: Prof. Dr. phil. Petra Schulz, Lehrstuhl für Deutsch als Zweitsprache, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Goethe-Universität Frankfurt, 60629 Frankfurt am Main. 069-798-32561, P.Schulz@em.uni-frankfurt.dehttp://www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/inst_psychling/DaZ

Veranstaltungen

Mär 1 2012
16:25

Der Dramaturg Carl Hegemann und der Philosoph Christoph Menke diskutieren am 8. März 2012 im Frankfurter Kunstverein

Frankfurter Stadtgespräch zur Kunst in der Krise

FRANKFURT. Die aktuellen Krisen betreffen auch Kunst und Kultur. Zum einen ist die Existenz künstlerischer Produktionsstätten von der Wirtschafts- und Finanzkrise unmittelbar betroffen. Zum anderen erweist sich die Kunst als Laboratorium, in dem gesellschaftliche Verhältnisse offengelegt und Auswege erprobt werden. In Zeiten der Verunsicherung steigt das Interesse an künstlerischen Antworten – ihren Brechungen, Erzählungen und Utopien: Theater begreifen sich zunehmend als Orte der politischen Diskussion und Beteiligung, Ausstellungen reagieren auf die aktuellen Krisen. Doch was trauen wir der Kunst zu? Was kann sie bewirken, wie uns helfen? Das nächste Frankfurter Stadtgespräch, veranstaltet vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität und dem Frankfurter Kunstverein, widmet sich dem

Thema: „Was macht die Kunst? – Die Künste und die aktuellen Krisen“
am: Donnerstag, dem 8. März 2012, um 20.00 Uhr
Ort: Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt

Zum aktuellen Verhältnis von Kunst und Politik diskutieren beim 9. Frankfurter Stadtgespräch der Dramaturg Carl Hegemann, langjähriger künstlerischer Weggefährte von Christoph Schlingensief und Professor für Dramaturgie in Leipzig, sowie der Frankfurter Philosophieprofessor Christoph Menke, der seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Ästhetik und praktischer Philosophie forscht.

Der Autor und Theaterschaffende Carl Hegemann arbeitet neben seiner Professur an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ als Dramaturg am Thalia-Theater in Hamburg. Ebenfalls Dramaturg war er bereits bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen, am Stadttheater in Freiburg, am Schauspielhaus Bochum, am Berliner Ensemble und an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Christoph Menke ist Professor für Praktische Philosophie im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Dort leitet er das Forschungsprojekt „Normativität und Freiheit“. Dabei geht es um das Spannungsfeld zwischen der Freiheit des Subjekts und der Verbindlichkeit von Normen. Zu Menkes Schwerpunkten gehört ebenso die Ästhetik und hier insbesondere die Beschäftigung mit der Tragödie und dem Theater. Er ist Mitherausgeber des Sammelbandes „Kreation und Depression – Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus“. Zu den Autoren gehört auch Carl Hegemann.

Die Moderation der Podiumsdiskussion, die wieder in der Cafèbar des Kunstvereins stattfindet, hat Peter Siller, Scientific Manager des Exzellenzclusters. Das Stadtgespräch mit Carl Hegemann und Christoph Menke ist Teil des wissenschaftlichen Rahmenprogramms der Ausstellung „Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“, einem Gemeinschaftsprojekt des Clusters mit dem Frankfurter Kunstverein vom 20. Januar bis 25. März 2012.

Informationen: Peter Siller, Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen’, Tel: (069) 798-25290, peter.siller@normativeorders.net, www.normativeorders.net/frankfurter-stadtgespraech, www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ausstellungsprojekt