​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ – 2021

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
14:22

Der frühere hessische Wissenschaftsminister folgt Prof. Dr. Matthias Kleiner, der von 2014 bis 2021 amtierte

Goethe-Universität: Udo Corts zum Vorsitzenden des Hochschulrats gewählt

FRANKFURT. Die Goethe-Universität hat einen neuen Vorsitzenden des Hochschulrats: Der frühere hessische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Dr. h.c. Udo Corts, wurde am 17. Mai vom Hochschulrat einstimmig mit einer Enthaltung gewählt. Der 66-Jährige tritt sein Amt mit sofortiger Wirkung als Nachfolger von Prof. Dr. Dr. h.c. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, an, dessen Amtszeit im April endete: „Ich freue mich sehr, dass der Hochschulrat mich mit einem so klaren Votum für dieses wichtige Amt ausgestattet hat und danke für das Vertrauen“, sagte Corts nach der Wahl. „Die Goethe-Universität ist eine der größten und forschungsstärksten Hochschulen in Deutschland und Stiftungsuniversität mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit. Der Hochschulrat wird alles tun, um die positive Entwicklung der letzten 15 Jahre weiter zu unterstützen und dem neuen Präsidium mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dabei hilft mir, dass ich mich bereits als hessischer Wissenschaftsminister ab 2006 für die Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts einsetzen durfte, die 2008 durch den Landtag vollzogen wurde. Als meinem Vorgänger danke ich insbesondere Matthias Kleiner für die wichtigen Akzente zur universitären Weitentwicklung, die während seiner Amtszeit gesetzt werden konnten und wünsche ihm persönlich alles Gute!“

Die Hessische Wissenschaftsministerin, Angela Dorn: „Ich gratuliere Udo Corts sehr herzlich zu seiner Wahl. Schon aus seiner Zeit als hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst kennt er die Goethe-Universität bis ins Detail, die unter seiner Ägide in eine Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Auch seither ist er der Universität eng verbunden geblieben, etwa durch seine Funktionen im Aufsichtsrat des Uniklinikums oder im Vorstand der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität. Ich bin mir sicher, dass er mit seinem großen hochschulpolitischen Sachverstand und seiner sachorientierten und integrierenden Art eine Bereicherung für das Gremium darstellt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Herrn Corts. Herrn Professor Kleiner, der die Universität über sechs Jahre in der Funktion des Hochschulratsvorsitzenden sehr engagiert und fachkundig begleitet hat, danke ich sehr herzlich für sein Wirken. Er hat die Entwicklung der Universität in den letzten Jahren sehr positiv mitgeprägt.“

Der Vorsitzende der Leibniz-Gemeinschaft und frühere Hochschulratsvorsitzende, Prof. Dr. Matthias Kleiner: „Udo Corts wünsche ich von Herzen viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe als Vorsitzender des Hochschulrates, die immer bedeutet, das Bestmögliche für die Goethe-Universität zu erreichen. Für die nächste Runde der Exzellenzstrategie wird Verbundforschung in Netzwerken sicherlich ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein. Ohne Zweifel ist Herr Corts seinerseits ein exzellenter „Networker“, der mit seinen in der Politik und Wirtschaft gemachten Erfahrungen der mir durch viele Jahre ans Herz gewachsenen Frankfurter Goethe-Universität ein leidenschaftlicher, kritisch-konstruktiver Begleiter und Ratgeber sein wird.“

Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff: „Ich beglückwünsche Herrn Corts zur Wahl als neuen Vorsitzenden des Hochschulrats der Goethe-Universität. Ich bin sehr froh, dass mit ihm ein exzellenter Experte für Wissenschafts- und Hochschulpolitik mit guten Drähten in die Wirtschaft und festen Wurzeln in der Stadt Frankfurt für diese wichtige Position gefunden werden konnte. Ich wünsche Udo Corts für sein Amt alles Gute und freue mich sehr auf die künftige enge Zusammenarbeit.“ 

In seiner Vorstellung betonte Corts, dass die durch Digitalisierung und Pandemie sich verändernde Welt auch vor den Universitäten nicht haltmache. Hier gelte es strategisch die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Auch die Vorbereitung auf die nächste Exzellenzstrategie habe jetzt schon begonnen; hier werde der Hochschulrat mit seinen Möglichkeiten das Präsidium unterstützen. Auch erinnerte er an teilweise hohe Abbruchquoten von Studierenden, dies könne so auf Dauer nicht hingenommen werden, die Studierenden müssten erfolgreich ihre Universität verlassen können. Er wies darauf hin, dass die Goethe Universität und auch die anderen Hochschulen als Standortfaktoren für die Stadt Frankfurt am Main von der Stadtpolitik noch nicht ausreichend anerkannt würden. Die neue Koalition sei hier gefordert.

Udo Corts war von 2003 bis 2008 Wissenschaftsminister in Hessen. In seine Zeit fiel die Umwandlung der Goethe Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Außerdem initiierte er das Hochschulentwicklungs- und Umbauprogramm HEUREKA, auch die Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) und er war Mitgründer der Deutsch-Vietnamesischen Universität in Ho Chi Minh City. Corts wechselte nach seinem Ausscheiden aus der Politik in die Wirtschaft und war von 2008 bis 2020 Vorstand der Deutschen Vermögensberatung AG.

Foto zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/101417519

Foto: Büro Corts


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
11:26

Universitätsmusikdirektor der Goethe-Universität an Eichstätter Studie beteiligt: Chöre klagen über Austritte, Nachwuchssorgen und Geldnot

Wie Corona die Chormusik aus dem Takt bringt

Schrumpfende Mitgliederzahlen, finanzielle Sorgen, Nachwuchsprobleme: Die Chorlandschaft im deutschsprachigen Raum hat erheblich unter der Coronakrise zu leiden. Dies zeigt eine Studie, an der auch Jan Schumacher, Universitätsmusikdirektor der Goethe-Universität, beteiligt war.  

FRANKFURT/EICHSTÄTT. Bereits nach einem Jahr Pandemie hat die Chorlandschaft im deutschsprachigen Raum offenbar erheblichen Schaden genommen. Die Chöre klagen über rückläufige Mitgliederzahlen, finanzielle Sorgen und Nachwuchsprobleme – und befürchten, dass der Mitgliederschwund sich auch nach der Krise fortsetzen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Leitung von Prof. Dr. Kathrin Schlemmer (Professur für Musikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt), an der sich binnen kurzer Zeit mehr als 4300 Chöre in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt haben. Ko-Autoren der Erhebung sind Tobias Brommann (Domkantor am Berliner Dom), Prof. Jan Schumacher (Universitätsmusikdirektor, Goethe-Universität Frankfurt/Main) sowie Ester Petri und Dr. Johannes Graulich, die den im Bereich Chormusik führenden Stuttgarter Carus-Verlag leiten. Prof. Jan Schumacher, Universitätsmusikdirektor an der Goethe-Universität, gilt als profunder Kenner der deutschen und internationalen Chorszene und ist unter anderem Vorsitzender des Beirats Chor im Deutschen Musikrat. Er wurde daher insbesondere zu künstlerischen Fragen bei der Erstellung und Auswertung der Umfrage als Ko-Autor konsultiert. Erste Ergebnisse der Online-Befragung von Chören hat das Projektteam nun in der aktuellen Ausgabe der „neuen musikzeitung“ (nmz) veröffentlicht.

Mit mehr als vier Millionen aktiven Sängerinnen und Sängern allein in Deutschland gehört Chormusik zu den wesentlichen Säulen des Laienmusizierens. Die Studie „Chormusik in Coronazeiten“ (ChoCo) dokumentiert erstmals die kritische Lage in diesem Bereich bezogen auf alle wesentlichen Aspekte von Chorarbeit. „Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger bei den befragten Chören ist während der Pandemie deutlich rückläufig. Nur weniger als ein Drittel konnte die Mitgliederzahl beibehalten. Besonders ausgeprägt ist der Verlust bei den mehr als 580 befragten Nachwuchschören. Von diesen existiert de facto fast jeder achte Kinder- und Jugendchor nicht mehr“, berichtet Professorin Schlemmer.

Fast 60 Prozent aller befragten Ensembles erwarten, dass sie auch in der Zeit nach der Pandemie nicht mehr in früherer Besetzungsstärke weiterarbeiten werden. 15 Prozent fürchten sogar einen deutlichen Rückgang des Interesses von Sängerinnen und Sängern durch die lange Zwangspause. Trotz zahlreicher kreativer Ansätze für die coronakonforme Chorarbeit – etwa durch digitale Proben, Singen im Freien oder in größeren Räumen – werde nur ein kleiner Teil der Ensembles erreicht. Gleichzeitig seien die Proben mit einem enormen Mehraufwand für die Verantwortlichen verbunden. Die Auswertung der Fragebogen ergab auch, dass mit reduzierter Mitgliederzahl und stark reduzierten Proben- und Auftrittsmöglichkeiten die Qualität des Ensembles spürbar nachlasse. Die Frage nach der aktuellen musikalischen Verfassung werde für mehr als die Hälfte der Chöre im negativen Bereich beantwortet, ebenso die Frage nach der aktuellen mentalen Verfassung. Weniger besorgniserregend fielen die Antworten aus, was den Zusammenhalt innerhalb der Chöre betrifft: Die Hälfte der Chöre sehe diesen noch im positiven Bereich. Besondere Sorge bereitet dem Projektteam allerdings, dass der Zusammenhalt vor allem bei den Nachwuchschören stark gelitten habe. Diese unterliegen durch Schule oder Ausbildung ohnehin schon einer größeren Fluktuation als Chöre mit erwachsenen Mitgliedern. In Kinder- und Jugendchören muss folglich ständig Nachwuchs gefunden werden. Sie sind gegenüber Unterbrechungen besonders anfällig. Die finanzielle Situation beurteilt jeder dritte befragte Chor als eher oder sogar sehr unsicher, da gängige Einnahmen wie Erlöse aus Konzerten fehlen. Weitere gut 20 Prozent der Chöre erwarten finanzielle Probleme in diesem oder im nächsten Jahr. In der Konsequenz können viele Chöre beispielsweise ihre oft freiberuflichen Leiterinnen und Leiter nicht mehr (voll) finanzieren.

Die ChoCo-Studie soll nicht nur die aktuelle Lage deutlich machen, sondern auch auf Förderbedarfe hinweisen, um weiteren Schaden abzuwenden: „Die teilnehmenden Chöre wünschen Hilfe bei der Finanzierung von Schnelltests, gefolgt von der Unterstützung bei den Honoraren für die Dirigentinnen und Dirigenten, Zuschüsse für Notenmaterial sowie eine Ausfallversicherung bei Konzerten in der aktuell unsicheren Pandemielage, um den Chorbetrieb sicher wieder aufnehmen zu können.“

Aus Sicht des Projektteams sind die Ergebnisse umso beunruhigender, da sie noch vor der dritten Welle im März ermittelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt rechneten viele Chöre noch damit, bald wieder proben zu können. Mangels Öffnungsperspektive habe sich die Situation für die Chöre weiter verschlechtert: „Von vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens wird sich die Erholung bei den Chören unterscheiden, eine baldige Wiederherstellung des normalen Chorlebens ist zeitnah nicht zu erwarten.“

Über die nun veröffentlichten ersten Ergebnisse hinaus will das Autorenteam die Erhebung noch detaillierter auswerten – etwa im Hinblick auf regionale Unterschiede oder die Art der Chöre. Zudem hatten die Befragten neben einem standardisierten Fragebogen auch Gelegenheit, die Situation mit eigenen Worten zu schildern. Diese qualitativen Daten werden nun noch weiter untersucht.

Publikation: Ein ausführlicher Beitrag zur ChoCo-Studie ist in der „Neuen Musikzeitung“ (nmz) erschienen und unter www.nmz.de/choco abrufbar.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Kathrin Schlemmer
Professur für Musikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
kathrin.schlemmer@ku.de

Prof. Jan Schumacher
Universitätsmusikdirektor
Institut für Musikwissenschaften der Goethe-Universität
J.Schumacher@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 18 2021
10:55

49. Römerberggespräche in Kooperation mit dem Forschungsverbund Normative Ordnungen: Von den Grenzen und Möglichkeiten des Politischen in Krisenzeiten

Die Republik auf allen Viren – wieviel Angst verträgt die Demokratie?

FRANKFURT. Die Pandemie gerät zum Stresstest – nicht nur für das Individuum, sondern auch für das politische System. Grundrechte werden eingeschränkt, Gesetze zu Verordnungen verkürzt. Die Regierung inszeniert sich als effizienter Krisenmanager, der aus wissenschaftlichen Erkenntnissen alternativlose Konsequenzen zieht. Grenzüberschreitend werden angesichts der viralen Bedrohung Rückfälle in autoritär anmutendes Staatshandeln und überwunden geglaubten Nationalismus sichtbar. Bleibt den Bürger*innen also nur noch Angst und Ohnmacht, wenn Experten das Sagen haben?

Im Rahmen der Frankfurter Römerberggespräche debattieren Wissenschaftler*innen über die psychischen und politischen Langzeitfolgen des fortgesetzten Lockdowns. Sie loten das Verhältnis von individueller Freiheit, wechselseitigem Vertrauen und staatsbürgerlicher Souveränität aus. Sie fragen, wie sich das Verhältnis von Staat, Wissenschaft und Gesellschaft verändert, und wie die Zivilgesellschaft wieder zum Ort einer kritischen Öffentlichkeit werden kann – ohne haltlosem Verschwörungsglauben in die Hände zu spielen.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der

49. Römerberggespräche
Die Republik auf allen Viren – wieviel Angst verträgt die Demokratie?
am Samstag, dem 22. Mai 2021
live übertragen aus dem Chagall Saal des Schauspiel Frankfurt.

Der Livestream wird ab 10 Uhr auf www.roemerberggespraeche-ffm.de zu verfolgen sein.

Zur Begrüßung spricht Angela Dorn, hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Moderiert wird die Veranstaltung von der Journalistin Hadija Haruna-Oelker und dem Leiter der Literaturredaktion von hr2-kultur, Alf Mentzer.

Zu den teilnehmenden Wissenschaftlern des kooperierenden geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes gehören Prof. Dr. Klaus Günther (Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“) und Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg (Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“).

Weitere Redner*innen und Diskussionsgäste sind Prof. Birgit Aschmann (Historikerin, HU Berlin), Thomas Brussig (Autor), Prof. Nico Dragano (Medizinsoziologe, Universitätsklinikum Düsseldorf), Prof. Christiane Eichenberg (Leiterin des Instituts für Psychosomatik der Sigmund Freud Privatuniversität), Prof. Valentin Groebner (Historiker, Universität Luzern), Dr. Romy Jaster (Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der HU Berlin), Prof. Armin Nassehi (Soziologe, LMU München) und Prof. Rudolf Stichweh (Soziologe, Universität Bonn).

Die Frankfurter Römerberggespräche bestehen seit 1973 in ununterbrochener Folge und sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Vorsitzender des Trägervereins Römerberggespräche e.V. ist Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und seit 2013 assoziiertes Mitglied des Frankfurter Forschungsverbundes Normative Ordnungen.
 
Das Programm am 22. Mai 2021 im Überblick:
 
10:00 Uhr
Begrüßung der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn

10:15 Uhr
Prof. Armin Nassehi (Soziologe, LMU München): Die infizierte Gesellschaft und ihre Immunreaktionen

11.00 Uhr
Thomas Brussig (Autor) –  Prof. Günter Frankenberg (Jurist, Goethe-Universität, Assoziiertes Mitglied "Normative Orders"): „Mehr Diktatur wagen? Demokratie und Rechtsstaat in der Pandemie“

12.00 Uhr – 13.00 Uhr
Prof. Birgit Aschmann (Historikerin, HU Berlin) – Prof. Valentin Groebner (Historiker, Universität Luzern): „Tod und Krankheit – Politik- und Sozialgeschichte der Pandemie“

14.00 Uhr
Dr. Romy Jaster (Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der HU Berlin) – Prof. Rudolf Stichweh (Soziologe, Universität Bonn): „Wahnsinn und Methode – Was bleibt von der Wahrheit in Corona-Zeiten?“

15.00 Uhr
Prof. Christiane Eichenberg (Leiterin des Instituts für Psychosomatik der Sigmund Freud Privatuniversität) – Prof. Nico Dragano (Medizinsoziologe, Universitätsklinikum Düsseldorf): „Stresstest Pandemie – Psychische Leiden im Lockdown“

16.00 Uhr – 17.00 Uhr
Prof. Klaus Günther (Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Goethe-Universität, "Normative Orders"): „Wandle nur wehrlos fort durchs Leben, und fürchte nichts! – Angst und Vertrauen im demokratischen Rechtsstaat“

Details zum Programm:
www.roemerberggespraeche-ffm.de, www.normativeorders.net

Information und Anmeldung:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, Tel.: 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 17 2021
10:02

Wie neuartige Therapeutika Einblicke in Membrane von Bakterien geben

In Zeitlupe gegen Antibiotikaresistenz

Ob Bakterien gegen Antibiotika resistent sind, entscheidet sich oft an ihrer Zellmembran. Dort können Antibiotika auf dem Weg ins Zellinnere blockiert oder von innen nach außen katapultiert werden. Makrozyklische Peptide, eine neuartige Klasse von Antibiotika, bioaktiver Zellgifte und Hemmstoffe (Inhibitoren), geben Aufschluss darüber, wie dieser Transportprozess an der Membran verläuft, wie er beeinflusst wird und wie er genutzt werden kann, um die Resistenz einer bösartig transformierten Zelle zu umgehen. Die Forschungsergebnisse, die hierzu unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Tampé (Goethe-Universität) und von Prof. Dr. Hiroaki Suga (Universität Tokyo) erarbeitet wurden, werden in dem renommierten Journal eLife veröffentlicht (20-02-2021-RA-eLife-67732). 

FRANKFURT. Es gibt zurzeit nur wenige synthetische Wirkstoffe, die an die weit verbreiteten Membrantransportproteine, den ATP-Bindungskassettentransportern (ABC), binden und diese blockieren. Vier dieser makrozyklischen Peptide haben Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Universität von Tokyo als Modelle für eine neuartige Generation von Wirkstoffen identifiziert. Dabei kamen Methoden zur Anwendung, für die die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als weltweit führend gelten.  

Dank Deep Sequencing, einem extrem schnellen und effizienten Ausleseverfahren, konnten die gewünschten makrozyklischen Peptide aus einer Billionen Varianten umfassenden “Bibliothek" makrozyklischer Peptide herausgefiltert werden – diese Zahl übersteigt die Anzahl an Sternen in der Milchstraße. Dass überhaupt eine solch enorme Anzahl vorliegt, hängt mit einem neuartigen Verfahren zusammen: Durch Reprogrammierung des genetischen Codes können Aminosäuren gezielt als Wirkstoffbauteile verwendet werden, die sonst in der Zelle nicht genutzt werden. Vor allem durch ihre kreisförmige, geschlossene Struktur unterscheiden sie sich von natürlichen Proteinen. “Weil diese Therapeutika zyklisch sind, werden sie in der Zelle weniger schnell abgebaut", erklärt Robert Tampé, Direktor des Instituts für Biochemie an der Goethe-Universität. “Außerdem sind die ringförmigen Wirkstoffe in ihrer Raumstruktur eingeschränkt, sie binden deshalb ohne große Umlagerungen an das Zielmolekül." Ein drittes Unterscheidungsmerkmal macht die makrozyklischen Peptide ganz besonders attraktiv für die Wissenschaftler:innen: Bei der Herstellung der Wirkstoffe wird ihre Bauanleitung als “Barcode" mitgeliefert. Sucht man in einer Anzahl von Billionen synthetisch erzeugter Therapeutika bestimmte heraus, führen sie ihr “Namensetikett" gleichsam mit sich. 

Welche Rolle spielen nun die synthetischen Therapeutika für die Antibiotikaresistenz in Bakterien oder die Multidrogenresistenz von Tumorzellen? Was geschieht, wenn sie auf das ATP-getriebene Transportmolekül treffen, das für die Resistenz verantwortlich ist, indem es die Chemotherapeutika aus der Zelle befördert? Kurz zusammengefasst: Die Wirkstoffe blockieren den Transporter, indem sie an ihn binden. Dies kann am Anfang oder am Ende eines Transportprozesses geschehen, wenn sich der Transporter im Ruhzustand befindet. Da die Wissenschaftler:innen den Transportprozess aber verlangsamen können, so dass er wie in Zeitlupe abläuft, können die Wirkstoffe identifiziert werden, die mitten im Transportprozess “einsteigen" und das Membranprotein in seiner jeweiligen Position “festhalten“. So erhalten die Forscher:innen einen Einblick in die Choreographie des Transportprozesses wie durch die Bilder eines Filmstreifens. 

Diese Einblicke haben in der Wissenschaft bereits zu einem “Paradigmenwechsel" geführt, wie Tampé erklärt: „Bislang sind wir davon ausgegangen, dass die ATP-Hydrolyse (Anm: ein Energie freisetzender Spaltprozess) die Energie für den Transport durch die Membran liefert. Dies ist aber nur indirekt der Fall. Es ist das Ereignis der Bindung des ATP-Moleküls, das Substanzen aus der Zelle stößt. Die Energie der Hydrolyse wird dagegen dafür eingesetzt, den ABC-Transporter wieder in seinen Ausgangszustand zu versetzen." Diese und andere Einblicke in das Membrangeschehen, so die Überzeugung der Arbeitsgruppen an der Goethe-Universität und der Universität Tokyo, zeigen Wege auf, wie zukünftige Arzneimittel entwickelt werden können. 

Die Grundlagenforschung zu zellulären Membranen und Membranproteinen hat in Frankfurt bereits eine lange Tradition. Robert Tampé klärte wesentliche Mechanismen von ATP-getriebenen Transportproteinen und zellulären Maschinerien der adaptiven Immunantwort und Qualitätskontrolle, die gemeinsam mit der neuen Publikation Ansätze für die angewandte Arzneimittelforschung liefern können. Nachdem Tampé Sprecher des Ende 2020 ausgelaufenen Sonderforschungsbereichs »Transport und Kommunikation über biologische Membranen« (SFB 807) war, befindet sich das Konzept für ein neues Forschungszentrum bereits in der Entwicklung. Dabei sollen hochdynamische Prozesse in Bezug auf Proteinnetzwerke und Maschinerien in zellulären Membranen erforscht werden. Langfristig sollen die Forschungsergebnisse neue Möglichkeiten für die Therapie von molekularen Krankheiten, Infektionen und Krebs aufzeigen.

Publikation:
Erich Stefan, Richard Obexer, Susanne Hofmann, Khanh Vu Huu, Yichao Huang und Nina Morgner, zudem federführend Hiroaki Suga und Robert Tampé: „De novo macrocyclic peptides dissect energy coupling of a heterodimeric ABC transporter by multimode allosteric inhibition“ (20-02-2021-RA-eLife-67732)

Stefan, Hofmann und Tampé forschen am Institut für Biochemie der Goethe-Universität, Vu Huu und Morgner am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität und Obexer, Huang und Suga am Department of Chemistry, University of Tokyo.

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/101026220
(Grafik: Robert Tampé, Inst. f. Biochemie, Biozentrum, Goethe-Universität Frankfurt)
Bildtext: Synthetische Therapeutika für die Antibiotikaresistenz in Bakterien oder die Multidrogenresistenz von Tumorzellen können das ATP-getriebene Transportmolekül blockieren, das Chemotherapeutika aus der Zelle befördert 

Weitere Informationen
Prof. Dr. Robert Tampé
Institut für Biochemie, Biozentrum
Goethe-Universität Frankfurt
tampe@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Hiroaki Suga
Department of Chemistry
Graduate School of Science
The University of Tokyo
hsuga@chem.s.u-tokyo.ac.jp


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 12 2021
16:01

Goethe-Universität und Ausstellungshaus DIE GALERIE präsentieren bis 24. April 2022 auf dem Campus Westend Freiluftausstellung mit 18 Großskulpturen von Herbert Mehler

Beim Wachstum zuschauen

FRANKFURT. Corona hat das Kunst-, Kultur- und Ausstellungsleben in Frankfurt und Deutschland auf ein Minimum reduziert. Ab dem 15. Mai präsentieren die Goethe-Universität und das Frankfurter Ausstellungshaus DIE GALERIE als „Gegenmaßnahme“ eine außergewöhnliche Schau von 18 Cortenstahl-Großskulpturen des Bildhauers Herbert Mehler – auf dem weitläufigen Parkgelände des Campus Westend. Zeit für Freiluft-Kunstgenuss sollte ausreichend bestehen: Die Skulpturen werden fast ein Jahr lang bis Ende April 2022 auf dem Campus Westend gezeigt.

„Wir senden angesichts von Corona damit ein Hoffnungszeichen in die Frankfurter Stadtgesellschaft“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Enrico Schleiff. „Dank hoffentlich jetzt stetig sinkender Corona-Inzidenzen besteht die Chance, dass diese – unter sieben verschiedenen Leitthemen – gruppierte spektakuläre Skulpturen-Schau von immer mehr Universitätsangehörigen und Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Frankfurt und des Rhein-Main Gebietes besucht werden kann und für die Universitätsgemeinschaft eine Inspiration darstellt. Die Ausstellung sei, so Schleiff, auch ein „Vorbote“ für die geplante Öffnung der Goethe-Universität im kommenden Wintersemester mit wieder deutlich mehr Präsenzlehre. „Damit dürften auch wieder mehr Menschen auf dem Campus unterwegs sein, sollte die gegenwärtige positive Entwicklung mit immer mehr Impfungen anhalten.“

„Wir sind glücklich, mit dieser Skulpturenschau unsere langjährige Kooperation mit der Goethe-Universität fortsetzen zu können“, sagt Galerist Peter Femfert, der zusammen mit Universitätspräsident Schleiff die Idee für diese Ausstellung entwickelte. „Herbert Mehler ist ein außergewöhnlicher Künstler, dessen Arbeiten besonders gut mit dem Campus Westend und den dortigen Gebäuden harmonieren.“

Eingebettet in die spektakuläre Kulisse des weitläufigen Parkgeländes rund um das von Hans Poelzig 1928/29 errichtete IG-Farben-Ensemble, präsentieren die Ausstellungsmacher unter dem Titel „Herbert Mehler | Wachstum –Körper –Raum. Dialog mit der Goethe-Universität“ insgesamt sieben thematisch orientierte Figurengruppen. In den Grundideen finden sich einerseits Berührungspunkte zu universitären Entwicklungsthemen (Zielsetzung, Diversität, offenes Denken und Nachhaltigkeit) der kommenden Jahre, andererseits Denkanstöße für das ästhetische Erleben und Reflektieren sowie ein bewusster Blick auf das Keimen und Wachstum in der Natur. 

Ein besonders Kennzeichen der Ausstellung ist auch, dass sieben Mitglieder der Goethe-Universität und befreundeter Einrichtungen wie Senckenberg an den einzelnen Themenstellungen der Skulpturengruppen mitgewirkt haben und sie mit ihren Texten auf sehr individuelle Weise begleiten. So ist die Ausstellung zu einem echten Gemeinschaftswerk geworden und atmet – Stichwort Diversität und Wissenschaft – den Geist ganz unterschiedlicher Zugänge und Herangehensweisen: Mit dabei sind der Philosoph Rainer Forst, der Theologe und Buber-Spezialist Christian Wiese, die Pilzforscherin Meike Piepenbring, Senckenberg-Generaldirektor Klement Tockner, der Neurowissenschaftler David Poeppel, aber auch der Student Emil Unkrig sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Universität, Anja Wolde. Sie alle gestalten mit ihren Texten den 144-seitigen Katalog und geben mit ihren persönlichen Sichtweisen auf das Werk von Herbert Mehler der Ausstellung einen einzigartigen universitären Bezug.

„Kunst und Wissenschaft kommen hier auf ideale Weise zusammen“, erklärt der Künstler Herbert Mehler. „Die großzügige Parkanlage des Campus Westend gibt den Plastiken den nötigen Raum zum Atmen und stellt sie in den Kontext, den ich mir für sie vorstelle, als Mittler zwischen Natur und Kultur.“ Der 1949 in Steinau bei Fulda geborene Künstler genießt sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international ein hohes Ansehen. Seine hochaufragenden, aus gleichmäßigen Lamellen erschaffenen Gebilde aus Cortenstahl erwecken mit ihren teils geometrischen, teils organischen Formen den Anschein gigantischer, pflanzlicher Formationen unterschiedlicher Art; auch der für Cortenstahl typische, braun-rötliche Farbton vermittelt einen besonders naturnahen Eindruck. Durch ihre schlanken, jedoch auch kraftvollen Schäfte erinnern Herbert Mehlers Werke zugleich an tragende Elemente der Baukunst und schlagen somit eine Brücke zwischen Natur und Architektur. Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog, welcher neben zahlreichen In Situ-Fotografien der ausgestellten Werke auch Informationen zum Künstler und dessen Arbeit enthält, ebenso wie Beiträge des Präsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Enrico Schleiff, und des Galeristen Peter Femfert sowie interdisziplinäre Texte über die unterschiedlichen Skulpturengruppen.

Der Ausstellungskatalog wird am 9. Juni 2021 – anlässlich der Eröffnung des zweiten Teils der Ausstellung in den Räumlichkeiten von DIE GALERIE – offiziell vorgestellt. Hier werden bis zum 25. August 2021 weitere Skulpturen des Künstlers mittleren und kleineren Formats präsentiert.

Link zum Katalog, dem Faltblatt und zu ausgewählten Fotos unter:
http://www.uni-frankfurt.de/101282932
Fotos: Lars Wiedemann

Weitere Informationen
Dr. Olaf Kaltenborn
Leiter PR & Kommunikation
Telefon: 069 / 798 - 13035
E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Tel: 069 798-13035, Fax: 069 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 12 2021
11:32

Doppelbachelor-Programm der Goethe-Universität und Université Paris-Dauphine in Deutsch-Französische Hochschule aufgenommen

Kreativ kooperiert 

Gemeinsame deutsch-französische Studiengänge zu initiieren und finanziell zu fördern - zu diesem Zweck hat die von den Ländern Deutschland und Frankreich gegründete Deutsch-Französische Hochschule (DFH) Ende der 90er Jahre ihre Arbeit aufgenommen. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität hat nun mit der Partneruniversität Université Paris-Dauphine PSL ein Doppelbachelor-Programm entwickelt, das vom Universitätenverbund der DFH gefördert wird.

FRANKFURT. International zu studieren, bedeutet für die meisten Studierenden, ein oder zwei Semester an einer ausländischen Universität zu verbringen. International zu studieren, bedeutet für einige wenige zudem, ihr Studium mit einem doppelten Abschluss zu beenden. Nur die allerwenigsten haben dabei aber die Gelegenheit, in einem Doppelprogramm auch ein Semester gemeinsam mit Studierenden der Partneruniversität zu verbringen. Diese Besonderheit zeichnet das neue Doppelbachelor-Programm am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität aus: Die Frankfurter Studierenden studieren nicht nur jeweils zwei Semester in zwei Ländern und beenden ihr Studium mit einem Bachelordiplom beider Hochschulen; sie absolvieren zudem ein Semester gemeinsam mit den französischen Austauschstudierenden an der Goethe-Universität.

Mit diesem Konzept hat das neue Doppelprogramm die Hürde für die Aufnahme in die Deutsch-Französische Hochschule, einen Verbund von 208 Hochschulen, genommen. Das Plus für die Studierenden: Sie können neben ihrer Erasmus-Förderung eine zusätzliche Förderung von 300 Euro für ihren Auslandsaufenthalt erhalten. 25 Studienplätze auf deutscher und auf französischer Seite stehen dafür zur Verfügung.

Die 1992 begonnene Partnerschaft des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften mit der renommierten Université Paris-Dauphine ist eine der ältesten und intensivsten Kooperationen des Fachbereichs, der mit 150 ausländischen Hochschulen kooperiert. Im Jahr 2014 führten beide Seiten ein gemeinsames Doppelbachelor-Programm ein, in dessen Rahmen Studierende und Lehrende zwischen beiden Hochschulen ausgetauscht werden. Was als „Versuchsballon“ startete, beschreibt Lars Pilz, Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten des Fachbereichs, nahm über die Jahre die Form eines gemeinsamen Curriculums an – auch dank des regelmäßigen Feedbacks der Studierenden und der „Kreativität“ aller Beteiligten. Es musste nämlich nicht nur die eine oder andere verwaltungstechnische Hürde überwunden, sondern auch ein gemeinsames Selbstverständnis des neuen Studiengangs entwickelt werden – wie etwa ein mindestens einjähriger Auslandsaufenthalt, gute Sprachkenntnisse und gegenseitig anerkannte Studienabschlüsse. „Anfragen für Doppelprogramme bekommen wir öfter“, berichtet Pilz. „Vor allem angelsächsische Hochschulen sind aber nur an einem kurzen Aufenthalt ihrer Studierenden interessiert; eine Summer University gilt da schon als Auslandsstudium.“

Die gute Kooperation mit der Université Paris-Dauphine hat inzwischen zu einem weiteren Doppelprogramm geführt: Seit 2019 gibt es das gemeinsame Doppelmaster-Programm im Bereich Finanzen. Nun können Studierende des Bachelorprogramms in Wirtschaftswissenschaften auf Bachelor- wie auch auf Masterebene einen Abschluss an beiden Partnerinstitutionen erwerben.

Weitere Informationen
Lars O. Pilz
Dekansbeauftragter für Studienangelegenheiten
lpilz@wiwi.uni-frankfurt.de
https://www.wiwi.uni-frankfurt.de/international/studieren-im-ausland/austauschprogramme/doppelbachelor-paris.html


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12481, Fax 069 798-763-12531, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
14:47

Remdesivir-Metabolit GS-441524 bindet an Protein nsP3 von SARS-CoV-2 – Potenzial für Wirkstoffentwicklung gegen zahlreiche weitere Viren

SARS-CoV-2-Forschung: Zweiter möglicher Wirkmechanismus von Remdesivir entdeckt

Bei der Infektion einer Zelle sorgt SARS-CoV-2 nicht nur dafür, dass die Wirtszelle neue Viruspartikel herstellt. Das Virus unterdrückt auch Abwehrmechanismen der Wirtszelle. Dabei spielt das Virenprotein nsP3 eine zentrale Rolle. Durch Strukturanalysen haben Forscher:innen der Goethe-Universität jetzt in Kooperation mit dem schweizerischen Paul-Scherrer-Institut herausgefunden, dass ein Abbauprodukt des Virostatikums Remdesivir an nsP3 bindet. Dies deutet auf einen weiteren, bislang unbekannten Wirkmechanismus von Remdesivir hin, der wichtig für die Entwicklung neuer Medikamente gegen SARS-CoV-2 und andere RNA-Viren sein könnte.

FRANKFURT. Das Virostatikum Remdesivir wurde zur Störung eines wichtigen Schritts in der Vermehrung von RNA-Viren entwickelt, zu denen auch SARS-CoV-2 gehört: die Vervielfältigung des viruseigenen Erbguts. Es liegt als RNA-Matrize vor, mit der die Wirtszelle direkt Virenproteinen herstellt. Um die Produktion der eigenen Proteine jedoch zu beschleunigen, sorgen RNA-Viren für die Vervielfältigung der RNA-Matrize. Dazu nutzen sie ein bestimmtes, eigenes Protein (eine RNA-Polymerase), die von Remdesivir blockiert wird. Genau genommen erledigt das nicht Remdesivir selber, sondern eine Substanz, die in fünf Schritten aus Remdesivir gebildet wird, wenn Remdesivir in eine Zelle eindringt.

Im zweiten dieser fünf Schritte entsteht aus Remdesivir ein Zwischenprodukt, eine Substanz mit dem etwas sperrigen Namen GS-441524 (wissenschaftlich: ein Remdesivir-Metabolit). Auch GS-441524 ist virostatisch aktiv. Wie jetzt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt herausfanden, zielt GS-441524 dabei auf ein Virusprotein von SARS-CoV-2 namens nsP3. nsP3 ist ein Multifunktionsprotein, es hat unter anderem die Aufgabe, die Abwehrreaktion der Wirtszelle zu unterdrücken. Die nämlich ist eigentlich einer Virenattacke nicht wehrlos ausgeliefert, sondern setzt zum Beispiel Entzündungsmechanismen in Gang, um Zellen des körpereigenen Immunsystems zur Hilfe zu rufen. Mithilfe von nsP3 unterdrücken die Viren quasi die Hilferufe der Zelle.

Prof. Stefan Knapp erläutert: „GS-441524 hemmt die Aktivität einer nsP3-Domäne, die für die Vervielfältigung von Viren wichtig ist, und die mit dem menschlichen zellulären Abwehrsystem kommuniziert. Unsere Strukturanalysen zeigen, wie diese Hemmung funktioniert, und wir legen damit eine wichtige Grundlage zur Entwicklung neuer und potenterer antiviraler Medikamente nicht nur gegen SARS-CoV-2. Denn die Zielstruktur von GS-441524 ist bei vielen anderen Coronaviren wie zum Beispiel SARS-CoV und MERS-CoV und auch bei einer Reihe von Alphaviren wie zum Beispiel dem Chikungunya-Virus sehr ähnlich. Daher könnte die Entwicklung entsprechender Medikamente auch helfen, auf künftige Virus-Pandemien vorbereitet zu sein.“

Publikation: Xiaomin Ni, Martin Schröder, Vincent Olieric, May E. Sharpe, Victor Hernandez-Olmos, Ewgenij Proschak, Daniel Merk, Stefan Knapp, Apirat Chaikuad: Structural Insights into Plasticity and Discovery of Remdesivir Metabolite GS-441524 Binding in SARS-CoV‑2 Macrodomain. ACS Med. Chem. Lett. 2021, 12, 603−609 https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acsmedchemlett.0c00684


Weitere Informationen
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie und
Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798-29871
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/53483664/Knapp


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation,Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
14:41

DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität kann seine Arbeit fortsetzen

Wohin bewegt sich das Bewegtbild?

Was passiert, wenn der Film das Kino verlässt und überall verfügbar wird, auf mobilen Geräten unterwegs oder zuhause im Wohnzimmer? Das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität erforscht seit 2017 den aktuellen Wandel von Film und Kinokultur. Nun hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft grünes Licht gegeben für die Fortsetzung des Projekts.

FRANKFURT. „Wir sind froh, dass die DFG uns weiterhin ihr Vertrauen schenkt und wir die produktive Arbeit im Kolleg fortsetzen können“, so Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft und Sprecher des Kollegs. Unter Beteiligung der Fächer Philosophie, Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft befasst sich das Kolleg in Einzelstudien mit einem Grundlagenproblem der Filmwissenschaft: der Transformation ihrer Gegenstände durch die fortschreitende Digitalisierung von Produktion, Distribution und Wahrnehmung von Bewegtbildern. „Das Medium Bewegtbild, das schon 1905 für den globalen Vertrieb in einem internationalen Abkommen standardisiert wurde, war immer schon auch ein Medium in Bewegung“, so Hediger. „Mit der Digitalisierung steht nun aber das Kino selbst als privilegierter Ort des Films in Frage, mit weitreichenden Konsequenzen für die Ästhetik, aber auch für die gesellschaftliche Wirkung und Bedeutung von Filmen und anderen Bewegtbildformaten.“ 

Das Graduiertenkolleg am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft ist 2017 mit zwölf Doktorandinnen und Doktoranden sowie zwei Post-Docs gestartet. Aktuell ist bereits die zweite Gruppe mit weiteren zwölf jungen Forscherinnen und Forschern aktiv, sie kommen aus Deutschland, Indien und Nigeria. In enger Zusammenarbeit mit den beiden Postdocs des Kollegs befassen sie sich mit so unterschiedlichen Themen wie der gegenseitigen Durchdringung von Film und Video- und Computerspielen, dem Nachleben des Werks und Rufs von Rainer Werner Fassbinder, der Rolle von Textilien in nigerianischen Historienfilmen oder der digitalen Wiederentdeckung des populären bengalischen Kinos der 1950er und 1960er Jahre. 

Das Graduiertenkolleg wird in Kooperation mit den Universitäten Mainz und Marburg sowie der Hochschule für Gestaltung in Offenbach durchgeführt. Das Kolleg baut auf drei Masterstudiengänge an der Goethe-Universität sowie Kooperationen unter den antragstellenden Forscherinnen und Forschern auf. Es nutzt die Potentiale des Standorts Frankfurt, wo die Universitätsbibliothek und die Deutsche Nationalbibliothek über Literaturbestände von europäischem Rang verfügen und mit dem Deutschen Filminstitut, der Murnau-Stiftung sowie dem Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik bedeutende außeruniversitäre Partner bereitstehen. Internationale Ausstrahlung entwickelt das Kolleg durch seine Kooperation mit der Yale University und der Concordia University.

In der Fachwelt hat das Kolleg im Herbst 2020 für Aufmerksamkeit erregt mit der Publikation „Pandemic Media. Preliminary Notes towards an Inventory“, in der 37 Autorinnen und Autoren aus dem Kolleg und seinem internationalen Netzwerk über die globale Medienkultur unter Pandemiebedingungen reflektieren. Das Buch steht im open access beim Wissenschaftsverlag meson press zur Verfügung (https://meson.press/books/pandemic-media/).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Vinzenz Hediger
Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films
Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft
hediger@tfm.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
10:36

Ein Projekt am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität untersucht informelle Spar- und Versicherungspraktiken in der äthiopischen Diaspora

Sparen ohne Bank

Wie kommen Menschen ohne Besitz zu einem Kredit? Und wer hilft ihnen in einer finanziellen Notlage aus der Patsche? Äthiopier außerhalb ihrer Heimat haben einen Weg gefunden: Sie tun sich zusammen, um einander im Bedarfsfall unter die Arme zu greifen. Diese „informellen Spar- und Versicherungspraktiken“ untersucht ein neues DFG-Projekt am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität.  

FRANKFURT. „On the saf(v)e side: Informelle Wirtschaftsvereinigungen und Zukunftsaspirationen in der äthiopischen Diaspora“, so lautet der etwas sperrige Titel des Projekts, das Dr. Sophia Thubauville am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität gemeinsam mit Dr. Elias Alemu der Universität Hawassa in Äthiopien leitet. Zum Forschungsteam gehören außerdem Dr. des. Kim Glück, ebenfalls Frobenius-Institut, Prof. Dr. Worku Nida der UCL Riverside, USA, und Debela Gindola, Doktorand an der Universität Hawassa. Das Projekt nimmt Äthiopier in der Diaspora in den Blick, also Menschen, die fern der Heimat versuchen, ein Auskommen zu finden. Die größten Diasporagemeinden finden sich in den USA (500.000 Menschen), in Israel (130.000 Menschen) und Südafrika (120.000 Menschen), diesen Gemeinschaften sind drei Teilprojekte gewidmet. Ein viertes Teilprojekt nimmt die Situation in Äthiopien selbst in den Fokus.

Was aber versteht man unter „informellen Wirtschaftsvereinigungen“? „Oft handelt es sich um Freundes- oder Kollegenkreise, die sich zu ganz unterschiedlichen Sparzielen zusammenfinden“, erklärt Sophia Thubauville. Diese Zusammenschlüsse gibt es weltweit in vielen Kulturen, in Äthiopien gehören ihnen alle Ebenen der Gesellschaft an, vom Schuhputzer bis zum erfolgreichen Geschäftsmann. Im Land selbst sei ein häufiges Sparziel die Finanzierung der Auswanderung, in den USA dann sparten die Menschen zum Beispiel, um sich ein Taxi kaufen zu können. Auf einen Kredit von der Bank haben Migranten kaum eine Chance. Oft ergibt sich dann ein gewisser Ketteneffekt: Wem die Auswanderung durch die Gruppe ermöglicht wurde, der schickt Geld an die Zurückgebliebenen, sobald er es geschafft hat. Besonders große Summen werden notwendig, wenn ein lieber Angehöriger stirbt. Denn Trauerfeiern sind die größten und kostenaufwendigsten Feierlichkeiten von Äthiopiern, sowohl in ihrer Heimat als auch in der Diaspora – meist verbunden mit einer Rückführung des Verstorbenen in die Heimat. Das kann nur bezahlen, wer zuvor Mitglied einer Versicherungsgemeinschaft geworden ist und regelmäßig einbezahlt hat.

Für Sophia Thubauville ist diese Praxis ein zukunftsweisendes Modell: „Hier tun sich Menschen zusammen, um sich gemeinsam für ein besseres Morgen einzusetzen“, sagt sie. Es sei faszinierend, wie dieses auf Solidarität beruhende System funktioniere, wie sich jeder auf diese Weise Träume erfüllen kann. Zudem helfe es dabei, kulturelle Identität zu bewahren. Erste Erkenntnisse hat eine Pilotstudie erbracht, die vor zwei Jahren in Israel und den USA durchgeführt wurde. Das nun angelaufene Projekt soll Unterschiede und Parallelen zwischen den Spar- und Versicherungsverbänden aufzeigen, die verschiedenen Bestrebungen und Ideen hinter der Praxis analysieren und so einen Beitrag zu einer „Ethnologie des guten Lebens“ und einer „Ethnologie der Zukunft“ beitragen. Das Projekt läuft bis zum März 2024.

Bilder zum Download:  http://www.uni-frankfurt.de/101010199

Bildtext:
Bild 1: Geschäfte im Viertel „Little Ethiopia“ in Los Angeles. (Foto: Thubauville)
Bild 2: Äthiopische Juden bei der Ankunft in Israel. (Foto: Thubauville)

Weitere Informationen
Dr. Sophia Thubauville
Frobenius Institut für kulturanthropologische Forschung
an der Goethe-Universität
Telefon 49(0)69 798-33240
E-Mail thubauville@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
09:37

Reihe „New Frontiers in Memory Studies“ an der Goethe-Uni lädt ein zum Vortrag von Prof. Dr. Melanie Unseld (Wien)

Musik, Erinnerung und Beethoven 

FRANKFURT. Die Wiener Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Melanie Unseld ist zu Gast an der Frankfurt Memory Studies Platform. Im Rahmen der Vorlesungsreihe „New Frontiers in Memory Studies“ spricht sie

am Dienstag, 18. Mai, um 18 Uhr
via Zoom

über das Thema „Musik- und Erinnerungskultur: Grundsätzliche Überlegungen (nicht nur) aus Anlass des Beethoven-Gedenkjahres 2020“.

Musik wird erinnert: Vom so genannten Ohrwurm und der eigenen Lieblingsmusik über erinnerungsbasierte musikalische Formen (Refrain, Leitmotive,…) bis hin zu Repertoire und Kanon – das Wiederhören und das erinnernde Hören konstituiert unsere individuellen wie kollektiven Identitäten. Dieser „Klangraum der Erinnerungskultur“ aber tangiert ganz grundlegend eine der heikelsten Fragen im Zusammenhang mit Musik: Was ist Musik? Klingendes Ereignis, physikalisch bestimmbare Schwingungen, das Körperwissen von InterpretInnen, Notat oder musikalisches (Kunst)Werk? Damit sind die Medialität und Materialität von Musik angesprochen, die eng mit Fragen des Erinnerns verbunden sind: Welche Musik kann unter welchen Bedingungen (nicht) erinnert werden? Wie hängt die Materialität der Musik mit Erinnerungskultur zusammen? Diesen grundlegenden Fragen geht der Vortrag anhand des konkreten Beispiels des Beethoven-Gedenkjahres 2020 nach. 

Melanie Unseld ist Professorin für Historische Musikwissenschaft am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung (IMI) der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. Zu ihren Publikationen zählen BEETHOVEN.AN.DENKEN (2020, mit Julia Ackermann), Biographie und Musikgeschichte (2014) und Mozarts Frauen (2005).

Der Vortrag findet über Zoom statt. Registrierung hier:
https://www.memorystudies-frankfurt.com/event/melanie-unseld-vienna-on-music-and-memory-cultures-in-german/

Über FMSP
Die Frankfurt Memory Studies Platform (FMSP) ist eine Initiative des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften (FzHG). Sie wurde 2011 von Prof. Astrid Erll gegründet. FMSP führt Gedächtnisforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt in einem interdisziplinären Forum zusammen. Die Mitglieder kommen aus den Literatur-, Medien- und Geschichtswissenschaften, aus der Soziologie und der Psychologie.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Astrid Erll
Institut für England- und Amerikastudien
erll@em.uni-frankfurt.de

Den Flyer zur Veranstaltung zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/100813701

Das gesamte Semesterprogramm von FMSP finden Sie auf: https://www.memorystudies-frankfurt.com/  


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 10 2021
07:13

80 Prozent der SARS-CoV-2-Proteine im Labor hergestellt – Anleitungen für weltweite Forschung verfügbar – Fäden des Forschungsnetzes aus 17 Ländern laufen an Goethe-Universität Frankfurt zusammen

Corona-Forschungsbeschleuniger: Weltweites Netzwerk um Goethe-Uni entwickelt Laborrezepte für SARS-CoV-2-Proteine

Für die Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen gegen COVID-19 benötigt die Forschung Virus-Proteine in hoher Reinheit. Für die meisten der SARS-CoV-2-Proteine haben jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt mit insgesamt 36 Partnerlabors Anleitungen erarbeitet, die die hochreine Herstellung jeweils mehrerer Milligramm dieser Proteine ermöglichen und die Bestimmung der dreidimensionalen Proteinstrukturen erlauben. Die Laboranleitungen und die dafür erforderlichen gentechnischen Werkzeuge stehen Forscherinnen und Forschern der ganzen Welt frei zur Verfügung.

FRANKFURT. Wenn das SARS-CoV-2-Virus mutiert, bedeutet das zunächst einmal nur eine Änderung im Virenbauplan. Die Mutation führt dazu, dass zum Beispiel an einer Stelle in einem Virus-Protein eine Aminosäure ausgetauscht wird. Um schnell abschätzen zu können, welche Auswirkung diese Änderung hat, ist ein dreidimensionales Bild des Virus-Proteins extrem hilfreich. Denn daran lässt sich erkennen, ob die ausgetauschte Aminosäure wichtig für die Funktion des Proteins ist – oder für die Interaktion mit einem potenziellen Medikament oder Antikörper.

Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität Frankfurt und der TU Darmstadt haben bereits zu Beginn der Pandemie damit begonnen, sich international zu vernetzen. Ihr Ziel: die dreidimensionalen Strukturen von SARS-CoV-2-Molekülen mithilfe der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) zu beschreiben. Bei der NMR-Spektroskopie werden Moleküle zunächst mit speziellen Atomsorten (Isotopen) markiert und dann einem starken Magnetfeld ausgesetzt. Mittels NMR kann dann auch mit hohem Durchsatz im Detail geschaut werden, wie potenzielle Wirkstoffe an virale Proteine binden. Dies geschieht unter anderem am Biomolekularen Magnet-Resonanz-Zentrum (BMRZ) der Goethe-Universität. Grundvoraussetzung ist jedoch, große Mengen der Proteine in hoher Reinheit und Stabilität sowie korrekter Faltung für die vielen Tests zu produzieren.

Das Netzwerk, das von Prof. Harald Schwalbe vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität koordiniert wird, umspannt den ganzen Globus. Die Erstellung von Laboranleitungen für die Proteine ist bereits der zweite Meilenstein. Das Virus besteht neben den Proteinen aus RNA, und das Konsortium konnte bereits im vergangenen Jahr alle wichtigenRNA-Fragmente von SARS-CoV-2 zugänglich machen. Mit der Expertise von 129 Kolleg:innen ist es nun gelungen, 23 der insgesamt knapp 30 Proteine von SARS‑CoV‑2 komplett oder in wichtige Teilen „im Reagenzglas“ herzustellen und aufzureinigen, und zwar in großen Mengen.

Dazu wurden die genetischen Informationen für diese Proteine in kleine, ringförmige DNA-Stücke (Plasmide) eingebaut. Diese Plasmide konnten dann zur Proteinproduktion in Bakterien eingeschleust werden. Einige spezielle Proteine wurden daneben in zellfreien Systemen hergestellt. Ob diese Proteine nach ihrer Isolierung und Anreicherung noch immer korrekt gefaltet waren, wurde unter anderem durch NMR-Spektroskopie bestätigt.

Dr. Martin Hengesbach vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie der Goethe-Universität erläutert: „Wir haben die funktionellen Einheiten der SARS-CoV-2-Proteine so isoliert, dass ihre Struktur, ihre Funktion und ihre Interaktionen nun von uns selbst und anderen charakterisiert werden können. Damit liefern wir in unserem großen Konsortium die Arbeitsvorschriften, mit deren Hilfe Labore weltweit schnell und reproduzierbar an SARS‑CoV‑2-Proteinen und auch den kommenden Mutanten arbeiten können. Diese Arbeit von Anfang an zu verteilen, war eines unserer wichtigsten Anliegen. Über die Protokolle hinaus stellen wir auch die Plasmide frei zur Verfügung.“

Dr. Andreas Schlundt vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität meint: „Mit unseren Arbeiten beschleunigen wir die weltweite Suche nach Wirkstoffen: Entsprechend ausgerüstete wissenschaftliche Labore müssen nicht mehrere Monate lang Systeme zur Herstellung und Untersuchung der SARS-CoV-2-Proteine etablieren und optimieren, sondern können nun dank unserer Laborprotokolle innerhalb von zwei Wochen mit ihren Forschungsarbeiten beginnen. Angesichts der zahlreichen Mutationen von SARS-CoV-2 ist es besonders wichtig, verlässliche, schnelle und gut etablierte Methoden zur Untersuchung des Virus im Labor zu besitzen. So wird beispielsweise auch die Erforschung der so genannten Hilfsproteine von SARS-CoV-2 erleichtert, über die bisher wenig bekannt ist, die aber im Mutationsgeschehen auch eine Rolle spielen.“

Unterdessen gehen im NMR-Konsortium die Arbeiten weiter: Derzeit untersuchen die Forscher:innen mit Hochdruck, ob die viralen Proteine an potenzielle Wirkstoffe binden.

Die Forschungsarbeiten wurden und werden mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie des Goethe-Corona-Fonds gefördert. Der hohe logistische Aufwand und permanente Austausch an Forschungsergebnissen wurde durch die Firma Signals unterstützt, einem Spin-Off der Goethe-Universität.

Publikation: Nadide Altincekic, Sophie Marianne Korn, Nusrat Shahin Qureshi, Marie Dujardin, Martí Ninot-Pedrosa et. al. Large-scale recombinant production of the SARS-CoV-2 proteome for high-throughput and structural biology applications. Frontiers in Molecular Biosciences. https://doi.org/10.3389/fmolb.2021.653148

Ergänzende Information: Faltung von SARS-CoV2-Genom zeigt Angriffspunkte für Medikamente – auch Vorbereitung auf „SARS-CoV3“ https://tinygu.de/sEhyD

Bild zum Download: www.uni-frankfurt.de/100668377

Bildtext: Dr. Martin Hengesbach (links) und Dr. Andreas Schlundt am Kernspinresonanz-Spektrometer der Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Das COVID-19-NMR-Konsortium:
https://covid19-nmr.de/

Wissenschaftliche Ansprechpartner an der Goethe-Universität Frankfurt:
Dr. Andreas Schlundt
Emmy Noether Junior Group Leader
Institute for Molecular Biosciences
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 69 798-29699
schlundt@bio.uni-frankfurt.de

Dr. Martin Hengesbach
Junior Group Leader
Goethe-Universität Frankfurt
Institute for Organic Chemistry and Chemical Biology
SFB 902 “Molecular Principles of RNA-based Regulation“
Tel.: +49 69 798-29130
hengesbach@nmr.uni-frankfurt.de

Beteiligte Partner:

Brasilien

  • National Center of Nuclear Magnetic Resonance (CNRMN, CENABIO), Federal University of Rio de Janeiro, Brazil
  • Institute of Medical Biochemistry, Federal University of Rio de Janeiro, Brazil
  • Multidisciplinary Center for Research in Biology (NUMPEX), Campus Duque de Caxias, Federal University of Rio de Janeiro, Duque de Caxias, Brazil
  • Institute of Chemistry, Federal University of Rio de Janeiro, Brazil
  • Multiuser Center for Biomolecular Innovation (CMIB), Department of Physics, São Paulo State University (UNESP), São José do Rio Preto, Brazil
  • Laboratory of Toxicology, Oswaldo Cruz Foundation (FIOCRUZ), Rio de Janeiro, Brazil

Frankreich

  • Molecular Microbiology and Structural Biochemistry (MMSB), UMR 5086, CNRS/Lyon University, France
  • Université Grenoble Alpes, CNRS, CEA, IBS, Grenoble, France

Deutschland        

  • Institute for Organic Chemistry and Chemical Biology, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Center of Biomolecular Magnetic Resonance (BMRZ), Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute for Molecular Biosciences, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute for Biochemistry, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute of Pharmaceutical Chemistry, Goethe University Frankfurt, Germany
  • Institute of Biophysical Chemistry, Goethe University Frankfurt, Germany
  • BMWZ and Institute of Organic Chemistry, Leibniz University Hannover, Germany
  • Group of NMR-based Structural Chemistry, Helmholtz Centre for Infection Research, Braunschweig, Germany
  • Structural Genomics Consortium, Buchmann Institute for Molecular Life Sciences (BMLS), Germany
  • Signals GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, Germany
  • Leibniz Institute on Aging – Fritz Lipmann Institute (FLI), Jena, Germany
  • IBG-4, Karlsruhe Institute of Technology, Karlsruhe, Germany
  • Department of Biology, Technical University of Darmstadt, Darmstadt, Germany
  • Institute of Biochemistry and Biotechnology, Charles Tanford Protein Centre, Martin Luther University Halle-Wittenberg, Halle/Saale, Germany.

Griechenland

  • Department of Pharmacy, University of Patras, Greece

Italien

  • Structural Biology and Biophysics Unit, Fondazione Ri.MED, Palermo, Italy
  • Magnetic Resonance Centre (CERM), University of Florence, Sesto Fiorentino, Italy
  • Department of Chemistry “Ugo Schiff", University of Florence, Sesto Fiorentino, Italy

Lettland

  • Latvian Biomedical Research and Study Centre, Riga, Latvia
  • Latvian Institute of Organic Synthesis, Riga, Latvia

Schweiz

  • Swiss Federal Institute of Technology, Laboratory of Physical Chemistry, ETH Zurich, Zurich, Switzerland

Spanien

  • "Rocasolano" Institute for Physical Chemistry (IQFR), Spanish National Research Council (CSIC), Serrano, Spain

USA

  • Institute for Molecular Virology, University of Wisconsin-Madison, WI, United States
  • Department of Chemistry, University of California, Irvine, United States
  • Laboratory of Chemical Physics, National Institute of Diabetes and Digestive Kidney Diseases, National Institute of Health, United States
  • Department of Molecular, Cellular and Biomedical Sciences, University of New Hampshire, Durham, NH, United States
  • Department of Molecular Biology and Biochemistry, University of California, Irvine, California, United States
  • Department of Molecular Biology and Biophysics, UC 72 onn Health, Farmington, CT, United States


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 7 2021
14:48

Studie von IWAK und Wohlfahrtsverbänden zeigt große Defizite bei den Organisationen der Wohlfahrtspflege

Staatliche Hilfe kommt bei Helfenden nicht an

Die Hilfsprogramme der Regierung erreichen die Organisationen der Wohlfahrtspflege nicht. Dies macht eine Umfrage deutlich, die das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur für die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen durchgeführt hat. Durch fehlende Einnahmen und gestiegene Ausgaben sind den Wohlfahrtsverbänden mehr als 15 Millionen Euro Defizite entstanden, wie der heute präsentierte Bericht deutlich macht.

FRANKFURT. Mehr als zwölf Monate Corona-Pandemie haben in allen Bereichen des Lebens Spuren hinterlassen. Viele Menschen haben mit Jobverlust und Existenzängsten zu kämpfen. Die Soziale Arbeit hat mit ihren Angeboten flexibel reagiert und viele Hilfen für bedürftige Menschen angepasst. Kinder- und Jugendhilfe, Beschäftigungsförderung, Migrationsarbeit oder Frauen- und Familienbildung sind jedoch selbst direkt betroffen und auf finanzielle Hilfen angewiesen. Um sich ein genaues Bild zu verschaffen, hat die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V. zusammen mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität eine Blitzlichtbefragung in ihren Einrichtungen durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse und Lösungswege wurden bei einer virtuellen Pressekonferenz am Freitag vorgestellt.

„Die Wohlfahrtsverbände sind für den Zusammenhalt der Gesellschaft systemrelevant. Mit unseren Angeboten und Dienstleistungen integrieren wir schwache Gruppen und verhindern so eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Brechen diese Angebote wegen der Pandemie weg, hat das weitreichende gesellschaftliche Folgen“, sagt Nils Möller, Vorsitzender der AG Finanzen in der Liga Hessen. „Viele Angebote sind gerade in der Pandemie für Menschen in sozialen Schwierigkeiten eine wichtige, manchmal sogar die einzige Stütze.“ Monika Maier-Luchmann, Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus Langen: „Dass wir unseren Offenen Treff – das Herzstück unserer Vereinsarbeit – schließen mussten, trifft alle hart. Schon so lange kein Mittagstisch für Senioren und Schulkinder, keine sozialen Kontakte, keine Hausaufgabenhilfe, keine persönliche Begegnung zwischen Jung und Alt – alle vermissen es schmerzlich. Als krisenerprobtes Mütterzentrum sind wir so flexibel und kreativ wie möglich mit den immer wieder neuen Situationen umgegangen, um Familien, kranke und ältere Menschen nicht völlig allein zu lassen. Dennoch fehlten nicht nur plötzlich die Freiwilligen, die sich bisher bei uns engagierten und unser Team unterstützten, sondern auch Spenden und Teilnahmebeiträge. Für einen Verein, der einen Großteil seines Etats aus eigenen Mitteln bestreiten muss, ein riesiger Kraftakt.“

„Das ist ein wesentliches Ergebnis unserer Befragung. Viele Hilfen, die aufgelegt worden sind, haben für die heterogen strukturierte Soziale Arbeit nicht oder zumindest nicht ausreichend gepasst“, sagt Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK. „Die Alten- und Behindertenhilfe ist hier eine Ausnahme; hier hat ein Teil der aufgelegten Hilfsprogramme von Bund und Land gegriffen. Aber es gibt viele Leistungen, die nicht über Leistungsvergütungssysteme, sondern über Kursgebühren, Mitgliedsbeiträge oder kommunale Zuschüsse finanziert werden, insbesondere Bildungsangebote, Kurse, Sozialkaufhäuser, zum Teil Schuldnerberatung, Familien- oder Alltagshilfen und vieles mehr. Viele dieser Organisationen konnten keine Hilfen beantragen.“ Allein für das vergangene Jahr rechnen nur die an der Befragung teilnehmenden Organisationen mit Verlusten von mehr als 15 Millionen Euro. Die Gründe: Die Angebote mussten umgestellt werden, Kursgebühren, Einnahmen durch Spenden und Gastronomie sind weggefallen, die Ausgaben stiegen jedoch, etwa für Schutzausrüstung, Digitalisierung oder Mietzahlungen.

„Bisher versuchen die Träger, die Defizite aus eigener Tasche zu finanzieren, aber es ist eine Grenze erreicht“, sagt Nils Möller. „Gerade kleinere Vereine und Organisationen sind in akuter Existenznot.“ Sein Vorschlag: ein „Sonderfond Soziales, um die Mindereinnahmen und Mehraufwendungen zu finanzieren“. Die Hilfen müssten passgenauer als bisher auf die sozialen Arbeitsfelder zugeschnitten sein, damit die soziale Infrastruktur in den Kommunen erhalten bleiben könne. Eine Möglichkeit sei auch, bestehende Förderprogramme für die Organisationen der Sozialwirtschaft zu öffnen und zielgenauer auszurichten.

Insbesondere der Ausbau der Digitalisierung habe viel Geld gekostet. Die Organisationen in der sozialen Arbeit haben Hard- und Software beschafft, Mitarbeitende geschult, Onlineberatungsangebote aufgebaut – auch das großteils aus eigenen Mitteln. Hier wäre eine kurzfristige Unterstützung durch das Land dringend notwendig.

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e. V. ist der Zusammenschluss der sechs hessischen Wohlfahrtsverbände. Sie vertritt gegenüber der Politik die Interessen der hilfebedürftigen und benachteiligten Menschen sowie die Interessen ihrer Mitgliedsverbände. Mit ca. 7.300 Einrichtungen und Diensten sind die Mitgliedsverbände auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege beschäftigen 113.000 Menschen beruflich, rund 160.000 sind ehrenamtlich darin engagiert.

Weitere Informationen
Dr. Christa Larsen
Geschäftsführerin IWAK
c.larsen@em.uni-frankfurt.de

Nils Möller
Vorsitzender AG Finanzen I Liga Hessen
Nils.moeller@drk-hessen.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mai 3 2021
10:00

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Kooperationsprojekt zur Zugänglichmachung von audiovisuellen Forschungsdaten der Darstellenden Kunst für 24 Monate bewilligt. 

Digitale Vernetzung von Mediatheken der Darstellenden Kunst

FRANKFURT. Ab Mai 2021 startet das DFG-Projekt „Mediatheken der Darstellenden Kunst digital vernetzen“ der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main / Fachinformationsdienst Darstellende Kunst und des Internationalen Theaterinstituts Deutschland / Mediathek für Tanz und Theater, Berlin in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Videothek und Audiothek des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Das Ziel des Mediatheken-Projektes ist die digitale Zusammenführung von Metadaten zu audiovisuellen Beständen der Darstellenden Kunst, die verteilt bei theater- und tanzwissenschaflichen Instituten an Universitäten, Kunsthochschulen oder Medienarchiven in Deutschland vorliegen. Durch den Aufbau eines zentralen Recherchezugangs über das Portal www.performing-arts.eu des Fachinformationsdienstes Darstellende Kunst wird es möglich, Informationen zu audiovisuellen Medien und den in ihnen repräsentierten Aufführungen, Performances und Ereignissen der Darstellenden Kunst zu recherchieren.

Die digitale Zugänglichmachung und Kuratierung audiovisueller Forschungsdaten ist ein zentrales Anliegen des Mediatheken-Projekts. Sukzessive werden in den 24 Monaten der Förderung die Mediatheksmetadaten von insgesamt sechs Projekt- und Datenpartner*innen eingebunden bzw. zusammengeführt, unter der Prämisse den freien Zugang im größtmöglichen Umfang zu ermöglichen. Sowohl die technischen Entwicklungen, die erarbeiteten Serviceangebote als auch die Evaluationsergebnisse stehen der Fachwelt und den Gedächtnisinstitutionen der Darstellenden Kunst zur Nachnutzung dauerhaft und frei zur Verfügung. Die technischen Entwicklungen werden als Open-Source-Quellcodes veröffentlicht und die Anwendungsszenarien der Projektergebnisse als frei zugängliche Projektdokumentationen publiziert.

Ansprechpartner*innen für diese Pressemitteilung:
Franziska Voß, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg / Fachinformationsdienst Darstellende Kunst
Sara Tiefenbacher, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg / Mediatheken der Darstellenden Kunst digital vernetzen
Christine Henniger, Internationales Theaterinstitut Deutschland, Mediathek für Tanz und Theater
mediathek@performing-arts.eu

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: b.wirth@ub.uni-frankfurt.de  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon: 069 798–13753, E-Mail: frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 27 2021
12:57

Die Cornelia Goethe Colloquien befassen sich im Sommersemester 2021 mit der Vieldeutigkeit von Geschlecht und Sexualität im Islam. 

Geschlecht und Sexualität im Islam

FRANKFURT. An sieben Terminen beschäftigt sich die Reihe „Whose Gender? Whose Sex? Zur Polyvalenz der Geschlechterverhältnisse im Islam“ mit dem Zusammenspiel von Religion und Gender und unterzieht antimuslimische Diskurse einer kritischen Befragung. Eröffnet wird die Colloquiumsreihe mit einer islamwissenschaftlichen Heranführung an islamischen Feminismus mit dem Online-Vortrag

„Islamischer Feminismus im Horizont des Genderdiskurses“
am Mittwoch, dem 28. April 2021, um 18 Uhr c.t.

von Katajun Amirpur. Die Professorin für Islamwissenschaften an der Universität zu Köln geht in ihrem Beitrag dem vielschichtigen Verhältnis zwischen Feminismus und Islam nach. Sie konzentriert sich dabei auf islamischen Feminismus und die kontroversen Auseinandersetzungen um diese Bewegung.

Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse lädt in Kooperation mit der GRADE Center Gender, dem Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität und der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität alle Interessierten herzlich ein. Der Eintritt ist frei.

Zur Teilnahme an der Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich.

Anmeldung: https://uni-frankfurt.zoom.us/webinar/register/WN_TYrTiu_9RgicFNqA-dZ41A

Weitere Termine:

05.05.
Annelies Moors: On High Heels and Face-Veils. The Ambivalent Gendered Racialization of Muslims in the Netherlands (synchron | Anmeldung erforderlich)

12.05.
Ozan Zakariya Keskinkiliç: Von Haremsfantasien zum 'Geburten-Dschihad'. Sexualisierte Orient- und Islamdiskurse im historischen Vergleich. (synchron | Anmeldung erforderlich)

02.06.
Tanja Scheiterbauer: Frauenbewegungen im Maghreb in post-revolutionären Zeiten. (Neue) Kämpfe um Geschlecht und Sexualität. (synchron | Anmeldung erforderlich)

09.06.
Meltem Kulaçatan: Intersektionalität in der interventionsbasierten Forschung am Beispiel der muslimischen Zivilgesellschaft. Kommentar: Davide Torrente (synchron | Anmeldung erforderlich)

23.06.
Ali Ghandour: Muslimisch-Queere Momente. (synchron | Anmeldung erforderlich)

07.07.
Podiumsdiskussion. Panel: Saba Nur Cheema, Harpreet Cholia, Schirin Amir Moazami, Michael Tunç; Moderation: Anne Chebu. Islam und Geschlecht: Ein kritischer Blick auf Narrative des anti-muslimischen Rassismus. (Format wird noch bekannt gegeben)

Kontakt:
Lucas Schucht, Cornelia Goethe Centrum, Mail: schucht@em.uni-frankfurt.de

Detaillierte Informationen zum Programm: https://www.cgc.uni-frankfurt.de/cornelia-goethe-colloquien/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 23 2021
11:11

Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität untersuchen oxidativen Stress in Mäusen

Wie Sauerstoffradikale vor Krebs schützen

Sauerstoffradikale im Körper gelten gemeinhin als gefährlich, denn sie können so genannten oxidativen Stress auslösen, der mit der Entstehung vieler chronischer Krankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen in Zusammenhang gebracht wird. In Untersuchungen an Mäusen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt jetzt herausgefunden, wie Sauerstoffradikale andererseits auch das Krebsrisiko senken und Schäden am Erbmolekül DNA mindern können (PNAS, DOI 10.1073/pnas.2020152118).

FRANKFURT. Ursprünglich galten Sauerstoffradikale -  reaktive Sauerstoffspezies, kurz ROS – im Körper als ausschließlich schädlich. Sie entstehen zum Beispiel beim Rauchen oder durch UV-Strahlung und können in Zellen durch ihre hohe Reaktionsfähigkeit viele wichtige Moleküle schädigen, darunter Erbmolekül DNA. In der Folge drohen Entzündungsreaktionen und die Entartung der betroffenen Zellen zu Krebszellen.

Wegen ihrer schädigenden Wirkung werden ROS auch gezielt vom Körper gebildet, etwa von Immun- oder Lungenepithelzellen, die mit ROS eindringende Bakterien und Viren zerstören. Hierfür sind verhältnismäßig hohe ROS-Konzentrationen nötig. In geringen Konzentrationen spielen ROS jedoch andererseits eine wichtige Rolle als Signalmoleküle. Für diese Aufgaben werden ROS von einer ganzen Gruppe von Enzymen eigens hergestellt. Ein Vertreter dieser Enzymgruppe ist Nox4, das laufend in geringen Mengen H2O2 produziert. Nox4 kommt in fast allen Körperzellen vor, wo sein Produkt H2O2 eine Vielzahl der spezialisierten Zellfunktionen aufrechterhält und so zum Beispiel zur Hemmung von Entzündungsreaktionen beiträgt.

Dass Nox4 über die Herstellung von H2O2 der Entstehung von Krebs sogar vorbeugen kann, fanden jetzt Forschende der Goethe-Universität Frankfurt unter der Leitung von Prof. Katrin Schröder heraus. Dazu untersuchten sie Mäuse, die infolge einer genetischen Veränderung kein Nox4 bilden konnten. Wurden solche Mäuse einem Krebs erregenden Umweltgift (Kanzerogen) ausgesetzt, verdoppelte sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Tumor entwickelten. Da die Mäuse an ganz verschiedene Tumorarten wie Haut-Sarkome und Dickdarm-Karzinome litten, vermuteten die Forschenden, dass Nox4 einen grundsätzlichen Einfluss auf die zelluläre Gesundheit hat.

Molekularen Untersuchungen zeigten, dass das durch Nox4 gebildete H2O2 eine Kaskade in Gang hält, die bestimmte, wichtige Signalproteine (Phosphatasen) vom Zellkern fernhält. Fehlt Nox4 und damit H2O2, wandern die Signalproteine in den Zellkern und sorgen dort dafür, dass schwere DNA-Schäden kaum noch erkannt werden.

Schwere DNA-Schäden – sogenannte Doppelstrangbrüche – entstehen täglich irgendwo im Körper. Zellen reagieren sehr empfindlich auf solche DNA-Schäden und setzten ein ganzes Repertoire an Reparaturenzymen in Bewegung. Hilft das nicht, aktiviert die Zelle ihr Zelltod-Programm – eine Vorsichtsmaßnahme des Körpers gegen Krebs.

Prof. Katrin Schröder erläutert die Forschungsergebnisse: „Fehlt Nox4 und ist damit kein H2O2 vorhanden, erkennen die Zellen die DNA-Schäden nicht mehr. Mutationen reichern sich an und geschädigte Zellen vermehren sich weiter. Kommt nun ein Umweltgift hinzu, das die DNA massiv schädigt, werden die Schäden nicht mehr erkannt und repariert. Auch werden die betroffenen Zellen nicht eliminiert, sondern vermehren sich zum Teil sehr schnell und unkontrolliert, was schließlich zur Entstehung von Tumoren führt. Eine geringe Menge H202 hält also ein inneres Gleichgewicht in der Zelle aufrecht, das die Zellen vor Entartung schützt.“


Publikation:
Valeska Helfinger, Florian Freiherr von Gall, Nina Henke, Michael M. Kunze, Tobias Schmid, Flavia Rezende, Juliana Heidler, Ilka Wittig, Heinfried H. Radeke, Viola Marschall, Karen Anderson, Ajay M. Shah, Simone Fulda, Bernhard Brüne, Ralf P. Brandes, Katrin Schröder: Genetic deletion of Nox4 enhances cancerogen-induced formation of solid tumors. PNAS, https://doi.org/10.1073/pnas.2020152118

Weitere Informationen
Prof. Dr. Katrin Schröder
Institut für Kardiovaskuläre Physiologie
Fachbereich Medizin
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49(0)69-6301-83660
schroeder@vrc.uni-frankfurt.de
http://www.vrc.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 23 2021
10:31

Gemeinsam mit indigenen Gemeinschaften wertet das Frobenius-Institut an der Goethe-Universität historische Forschungsreisen aus

Australien-Expeditionen des 20. Jahrhunderts neu betrachtet

Welche Bedeutung hat eine historische Sammlung ethnografischer Objekte heute? Wie kann ihr Potenzial für indigene Gemeinschaften, Museen und die Öffentlichkeit neu bewertet werden? Diesen Fragen stellt sich das gerade gestartete Projekt „Die deutschen ethnografischen Expeditionen in den australischen Kimberley. Forschungsgeschichtliche Bedeutung, digitale Repatriierung und gemeinsame Interpretation des indigenen Kulturerbes“.  

FRANKFURT. Zwei deutsche ethnografische Expeditionen in die Kimberley-Region im nordwestlichen Australien stehen im Zentrum des Vorhabens: 1938 bis 1939 fand eine Reise des Instituts für Kulturmorphologie (heute Frobenius-Institut, Frankfurt am Main) statt, 1954 bis 1955 schickte das Münchner Museum für Völkerkunde (heute Museum Fünf Kontinente) eine Forschergruppe in die Region auf der anderen Seite der Erdkugel. Diese Reisen sollen nun systematisch und aus der Perspektive beider Seiten gemeinsam bewertet werden.

Das vom Frobenius-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt am Main gemeinsam mit der University of Western Australia koordinierte Forschungsvorhaben geht auf eine Initiative mehrerer indigener Wanjina Wunggurr-Gemeinschaften aus Nordwest-Australien zurück. Zu den Materialien, die das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Projekt in den Blick nimmt, gehören zahlreiche unveröffentlichte Fotos, Zeichnungen, Skizzen, Felsbildkopien und Tagebücher. Sie werden ebenso wie der direkte Input der beteiligten Aboriginal corporations die die historischen Quellen ergänzen, korrigieren und bewerten, zu den Forschungen beitragen. Das Material aus den deutschen Archiven ist von großem Interesse für die indigenen Gemeinschaften und wird ihnen unter Rücksichtnahme auf kulturelle Gepflogenheiten und möglicherweise sensible Inhalte in den Bild- und Textdokumenten zur Verfügung gestellt, um eine gemeinsame Auswertung zu ermöglichen.

Mit seinem kollaborativen Forschungsdesign wird das Projekt zu einer Fallstudie kritischer Forschungsgeschichte und ethnologischer Wissensproduktion. Damit soll es einen Beitrag zur Debatte über die zentralen Herausforderungen leisten, vor denen heute ethnografische und ethnologische Archive, Museen und Sammlungen stehen. Das Projekt konzentriert sich dabei auf die Analyse der relevanten Materialien aus der Kimberley-Region, die sich in deutschen Institutionen befinden, diese werden aufbereitet, digitalisiert, übersetzt und kontextualisiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der gemeinsamen Bewertung der Materialien und ihrem zukünftigen Potenzial — sowohl für die deutschen Archive als auch für die indigenen Forschungspartner in Australien.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einer Summe von 441.900 Euro gefördert und gemeinsam von Dr. Richard Kuba am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Associate Professor Martin Porr (University of Western Australia) koordiniert. Es wird in Zusammenarbeit mit den Wunambal Gaambera, Dambimangari und Wilinggin Aboriginal Corporations, dem Weltkulturen Museum in Frankfurt und dem Museum Fünf Kontinente in München durchgeführt. Die Laufzeit beträgt drei Jahre.

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/100428552

Bildtext:

Bild 1: Projektpartnerin Leonie Cheinmora inspiziert die Objekte im Depot des Museums Fünf Kontinente in München. (Foto: Martin Porr)

Bild 2: Douglas C. Fox, Wandjina, Australien, Kimberley, Mount Hann, 1938. (Foto: Frobenius-Institut, Frankfurt am Main)

Weitere Informationen
Dr. Richard Kuba
Frobenius-Institut an der Goethe-Universität
Telefon 069 798-33056
E-Mail kuba@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Apr 21 2021
12:15

Karl-Heinz Kohl (Frankfurt) liest Ad. E. Jensen-Gedächtnisvorlesung 2021 am Frobenius-Institut an der Goethe-Universität

Anverwandlungen: Beiträge indigener Völker zur Kultur der Moderne

FRANKFURT. Kolonialismus als Prozess wechselseitiger Aneignungen steht im Mittelpunkt des Vortrags, den Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl, viele Jahre Direktor des Frobenius-Instituts,

am Montag, 17. Mai, um 16 Uhr
Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.811

halten wird. Die Vorlesung wird zeitgleich online auf der Plattform Zoom übertragen.

Der Vortrag ist der erste von vier Vorträgen, die Professor Kohl im Rahmen der Ad. E. Jensen-Gedächtnisvorlesung halten wird. Anhand von vier Einzelbeispielen wird er im Verlauf der Reihe zeigen, welche Impulse und konkreten Einflüsse von indigenen Kulturen auf die europäische Kultur-, Wissenschafts- und Sozialgeschichte ausgegangen sind. Denn in der neueren Globalgeschichtsschreibung wird der europäische Kolonialismus als ein Prozess verstanden, der die kolonisierenden Gesellschaften langfristig nicht weniger verändert hat als die der Kolonisierten – nicht nur hinsichtlich der modernen Kunst, sondern zum Beispiel auch in der Philosophie der Aufklärung.

Die Vorlesungsreihe ist dem Andenken an den Ethnologen Adolf Ellegard Jensen (1899–1965) gewidmet. Jensen wurde 1946 Leiter des Frobenius-Instituts, Direktor des Völkerkundemuseums und der erste Inhaber des Lehrstuhls für Kultur- und Völkerkunde an der Goethe-Universität. Die Vorlesungsreihe, die aus Mitteln der Hahn-Hissink'schen Frobenius-Stiftung finanziert wird, findet einmal jährlich statt. Eingeladen werden renommierte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland.

Die Vorlesungen finden alle in Raum 1.811 im Casinogebäude am Campus Westend statt. Die Teilnahme in Präsenz ist nur Inhabern der Goethe-Card möglich, sie ist begrenzt auf 32 Personen. Die Voranmeldung unter frobenius@em.uni-frankfurt.de gilt dann für alle Termine und ist bis zum 1. Mai möglich.

Auch für die Teilnahme an der Zoom-Runde ist eine Voranmeldung unter frobenius@em.uni-frankfurt.de notwendig. Sie kann jeweils bis zum Vortag des Veranstaltungstermins erfolgen.

Live-Mitschnitte der vergangenen Vorlesungen finden Sie im YouTube-Kanal des Frobenius-Instituts: https://www.youtube.com/user/frobeniusinstitut/videos?sort=dd&view=0&shelf_id=0

Die Termine:

17. Mai
Im Land der Anthropophagen. Die brasilianischen Tupinamba in Anthropologie und postkolonialem Diskurs

31. Mai
Die Irokesen in New York State. Mütter des Feminismus, Väter der amerikanischen Verfassung

7. Juni
Die Aranda Zentralaustraliens. Ursprungsnarrative der Soziologie und Psychoanalyse

14. Juni
Die Dogon in Frankreich. Geschichte einer Obsession

Informationen:
PD Dr. Susanne Fehlings
Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung
an der Goethe-Universität
Telefon 069 798-33058
fehlings@uni-frankfurt.de
www.frobenius-institut.de

Ein Porträt von Prof. Karl-Heinz Kohl zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/100214783

Bildtext: Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl hält in diesem Jahr die Ad. E. Jensen-Gedächtnisvorlesung. (Foto: Peter Steigerwald)


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 20 2021
10:59

Experimente zum Verhalten von Knorpelzellen – Untersuchungen sollen Erkenntnisse zum Krankheitsmechanismus bei Arthrose liefern

Parabelflüge mit Goethe-Forscher: Zell-Experimente in der Schwerelosigkeit

Welchen Einfluss die Schwerkraft auf biochemische Vorgänge in Knorpelzellen ausübt, untersuchen Wissenschaftler der Goethe-Universität zusammen mit Kollegen der Hochschule Luzern im Rahmen einer Messkampagne der Europäischen Weltraumagentur ESA. Heute beginnen auf dem Flughafen Bordeaux-Mérignac in Frankreich die Vorbereitungen für eine Reihe von Parabelflügen in der kommenden Woche. Die Experimente vor Ort wird der Doktorand Andreas Hammer von der Goethe-Universität begleiten. Wir berichten auf den universitären Facebook- und Instagram-Kanälen.

FRANKFURT. Knorpelzellen, sogenannte Chondrozyten, reagieren auf die Schwerkraft: Bei länger bettlägerigen Patienten kann es – ebenso wie bei Astronauten, die sich über Wochen und Monate im Weltraum aufhalten – zu Degenerationserscheinungen des Gelenkknorpels kommen.

Zusammen mit Wissenschaftlern der Hochschule Luzern führt der Molekularbiologe Andreas Hammer vom Zero-G-Lab der Goethe-Universität bei Parabelflügen in Frankreich Experimente durch, um das Verhalten von Chrondrozyten in der Schwerelosigkeit zu beobachten. Im Fokus stehen bestimmte Membrankanäle der Chondrozyten, die sich womöglich in Abhängigkeit von mechanischer Belastung öffnen und schließen, um das Signalmolekül Calcium in die Chondrozyten zu lassen.

Bei einem Parabelflug wechselt das Flugzeug nach einem Steilflug in einen freien Fall, währenddessen in seinem Inneren für rund 20 Sekunden Schwerelosigkeit herrscht. In dieser Zeit wird Andreas Hammer seine Experimente durchführen, die Messapparaturen dazu wurden von langer Hand von den Kooperationspartnern in Frankfurt und Luzern vorbereitet und konstruiert. Während der Schwerelosigkeit wird Andreas Hammer die Chondrozyten, die in kleinen Messkammern mit Nährflüssigkeit gezüchtet wurden, mit UV-Licht bestrahlen. Das UV-Licht führt dazu, dass ein künstlich in die Chondrozyten eingeführtes Protein seine Farbe ändert, und zwar in Abhängigkeit von der Calciumkonzentration im Inneren der Zelle. Insgesamt werden während der Kampagne Chondrozyten in mehr als 2.300 kleinen Messkammern unter verschiedenen Bedingungen untersucht. Die Forscher erhoffen sich hieraus nicht nur Erkenntnisse über Knorpeldegenerationen in der Schwerelosigkeit, sondern auch auf der Erde.

Pro Flug werden 31 Parabeln geflogen, was für den Gleichgewichtssinn und den Magen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine große Herausforderung darstellt, zumal gleichzeitig noch Experimente durchgeführt werden sollen. Deswegen erhalten die Mitfliegenden vorab in der Regel ein Medikament gegen Übelkeit.


Bilder
zum Download:
http://www.uni-frankfurt.de/100256147

Bildtext: Mit einem solchen Flugzeug des Unternehmens Novespace (hier am Flughafen Paderborn) wird Doktorand Andreas Hammer in der kommenden Woche zu Parabelflügen abheben. Foto: Simon Wüest, Hochschule Luzern

Social-Media-Kanäle mit Bildern und Berichten zu den Parabelflügen:
Facebook: Goethe-Universität Frankfurt - Startseite | Facebook
Instagram: Goethe-Universität Frankfurt (@goetheunifrankfurt) • Instagram-Fotos und -Videos

Weitere Informationen
Dr. Maik Böhmer
Zero-G-Labor der Goethe-Universität
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069 798 29296
boehmer@bio.uni-frankfurt.de
https://www.bio.uni-frankfurt.de/78821631/Campaigns


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, E-Mail bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Apr 19 2021
12:54

Für das Projekt „ReScript“ werden Geflüchtete gesucht, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden 

Belastende Fluchterlebnisse mit inneren Bildern verarbeiten

FRANKFURT. Traumafolgestörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei geflüchteten Menschen. Diese Störung kann sich als Reaktion auf ein extrem bedrohliches oder schreckliches Ereignis entwickeln und ist charakterisiert durch Albträume, intensive Erinnerungen an das Trauma, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schreckhaftigkeit, Angst und andere intensive negative Gefühle und Gedanken. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „ReScript“, das von an der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität koordiniert wird, untersucht die Wirksamkeit einer kurzen, neuartigen Behandlung, bei der innere Vorstellungsbilder benutzt werden um die mit den Erinnerungen verbundenen schlimmen Gefühle besser verarbeiten zu können. Am Projekt „ReScript“ können erwachsene Menschen teilnehmen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden und vor Krieg, Bürgerkrieg oder Verfolgung nach Deutschland geflüchtet sind – entweder in den letzten Jahren oder auch schon vor längerer Zeit.

Zum Hintergrund: Weltweit wurden aktuell ca. 80 Millionen Menschen vertrieben, von denen 26 Millionen aus ihrem Heimatland geflüchtet sind (United Nations High Commissioner for Refugees, 2020). Diese Menschen haben oft sowohl im Herkunftsland, auf der Flucht und im Aufnahmeland traumatische und belastende Erfahrungen gemacht. In einer in Deutschland durchgeführten Studie, die Bewohner*innen einer Gemeinschaftsunterkunft untersuchte, berichteten Teilnehmer*innen im Mittel von fünf traumatischen Erfahrungen, zu denen v.a. körperliche Gewalt, bewaffnete Angriffe, schweres menschliches Leid, und sexuelle Gewalt gehörten. In der Studie der United Nations berichten 35% der Geflüchteten von Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

In der Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen ist die Psychotherapie wirksamer als eine Behandlung mit Medikamenten. In der Psychotherapie geflüchteter Menschen gibt es Herausforderungen. Sprachliche oder kulturelle Hürden können einer Therapie im Weg stehen oder Schwierigkeiten wie ein laufendes Asylverfahren, eine belastende Wohnsituation o.ä. können sie erschweren. Die neuartige Behandlungsform kann sehr gut auf die unterschiedlichen Erfahrungen und Werte von Patienten eingehen.

Bei der Beeinflussung von Gefühlen sind innere Bilder dem reinen Sprechen über Ereignisse überlegen.  

Da die neuartige Therapieform – das „Imagery Rescripting“ -  auf den Bedürfnissen und Präferenzen der Patient*innen beruht, kann es sie sehr flexibel auf jeden individuellen Patienten eingehen. Studien zeigen, dass es mit vergleichsweise wenigen Therapiestunden zu einer Besserung der Symptome kommt. Die Therapie kommt ohne ein belastendes Wiedererinnern von Details der traumatischen Erfahrung aus. Die Therapie im Projekt ReScript besteht aus 10 Sitzungen zu je 100 Minuten. Wenn Patient*innen nicht gut genug Deutsch sprechen, kann die Therapie mithilfe eines Dolmetschers oder einer Dolmetscherin stattfinden.

Das Projekt „ReScript“ wird von der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität aus koordiniert und an insgesamt vier Standorten in Deutschland unter der Leitung von Apl. Prof. Dr. Regina Steil (Frankfurt), Prof. Thomas Ehring (München) und Prof. Nexhmedin Morina (Münster) und Dr. Cornelia Weise sowie Dr. Dr. Ricarda Nater-Mewes (Marburg) durchgeführt.

Kontakt:
Dr. Franziska Lechner-Meichsner, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Institut für Psychologie. Goethe-Universität Frankfurt. Tel.: (069) 798 23909; meichsner@psych.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung PR & Kommunikation, Telefon 069 798–13753, E-Mail frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 19 2021
10:33

Hochkarätig besetzte Online-Ringvorlesung der Goethe-Universität untersucht den Umgang der Gesellschaft mit Algorithmen 

Zahlen lügen nicht? Algorithmen zwischen Kontrolle und Vertrauen  

FRANKFURT. Wir begegnen ihnen, wenn wir auf unserem Smartphone Filme empfohlen bekommen, wenn unsere Kreditwürdigkeit statistisch ermittelt wird oder wenn es um die Ermittlung objektiver, „gerechterer“ Strafen geht: Die Rede ist von Algorithmen – und den hinter ihnen stehenden Akteuren –, die zunehmend mehr Dimensionen unseres modernen Lebens vermessen und beeinflussen.

Algorithmen nehmen in Anspruch, „unvollkommene“ menschliche Entscheidungen zu korrigieren und ihnen neue Informationen hinzuzufügen. Die Ringvorlesung „Algorithms – Between Trust and Control“ beleuchtet nun, wie Algorithmen sich auf normative Ordnungen unserer Gesellschaft auswirken und wie diese Änderungen im Spannungsfeld von Vertrauen und Kontrolle zu bewerten sind. Warum und unter welchen Bedingungen etwa vertrauen wir Algorithmen –  vor allem, weil sie womöglich nicht in Rechtfertigungsforen produziert wurden, wo Vertrauen durch soziale Konflikte zustande kommt? Wie viel Kontrolle sollten sie über uns ausüben können, wieviel Kontrolle müssen wir behalten? Können wir mit Algorithmen die Wirkung von Algorithmen kontrollieren und damit eine Metaebene des Vertrauens schaffen? Und wie viel Vertrauen – wenn überhaupt – sollten Algorithmen in uns als Bürger setzen? Müssen sie zum Beispiel davon ausgehen, dass wir ungefährlich und harmlos sind?

Dies sind nur einige der Fragen, die international renommierte Referent*innen in der Ringvorlesung „Algorithms - Between Trust and Control“ aufwerfen, die von Prof. Indra Spiecker gen. Döhmann und Prof. Christoph Burchard verantwortet und vom Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dem Clusterprojekt „ConTrust“ des Landes Hessen, den Frankfurter Gesprächen zum Informationsrecht des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Informationsrecht und Verwaltungswissenschaften und dem Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung veranstaltet wird.

Die Ringvorlesung wird mit folgendem Beitrag eröffnet:

Donnerstag, 22. April 2021, 18.00-19.30 CEST
Never apologise, never explain: (How) can AI rebuild trust after conflicts?
Burkhart Schäfer (University of Edinburgh, Professor of Computational Legal Theory)

Zur Begrüßung sprechen Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Rainer Forst, Sprecher der Clusterinitiative ConTrust und des Forschungsverbunds „Normative Orders“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, sowie Prof. Klaus Günther, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

Mittwoch, 5. Mai 2021, 18.00-19.30 CEST
From Eugenics to Big Data: A Genealogy of Criminal Risk Assessment in American Law and Policy
Jonathan Simon (Professor of Criminal Justice Law, UC Berkeley)

Mittwoch, 19. Mai 2021, 18.00-19.30 CEST
„Recommended for You“: Das Informationsproblem in Märkten für Kulturgüter und die Kontrollfunktion von Empfehlungsalgorithmen
Vinzenz Hediger (Professor für Filmwissenschaft, Principle Investigator von „ConTrust“ und „Normative Orders“, Goethe-Universität)

Mittwoch, 27. Mai 2021, 18.00-19.30 CEST
Zahlen lügen nicht? - Von trügerischer Objektivität und historic bias bei algorithmenbasiertem Kreditscoring
Katja Langenbucher (Professorin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Bankrecht, Goethe-Universität)

Donnerstag, 10. Juni 2021, 18.00-19.30 CEST
Algorithm Watch - Von A wie Accountability bis Z wie Zertifizierung: Kann und sollte eine zivilgesellschaftliche
Kontroll-Organisation zu mehr Vertrauen beim Einsatz von Systemen zum automatisierten Entscheiden beitragen?
Matthias Spielkamp (Algorithm Watch)

Montag, 14. Juni 2021, 18.00-19.30 CEST
Das vermessene Leben
Vera King (Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie, Principle Investigator von „ConTrust“, Goethe-Universität; Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts)

Dienstag, 15. Juni 2021, 18.00-19.30 CEST
„Kontrolle trotz(t) Komplexität“: Wie Datenschützer ihre unlösbare Aufgabe bewältigen
Stefan Brink (Landesbeauftragter für den Datenschutz, Baden-Württemberg)

Mittwoch, 23. Juni 2021, 18.00-20.00 Virtueller Roundtable
The Freedom to Deviate in the Algorithmic Society?
Lucia Zedner (Professor of Criminal Justice, Oxford, All Souls College)
Bernard Harcourt (Professor of Law and of Political Science, Columbia Law School)
Frank Pasquale (Professor of Law, Brooklyn Law School)
Christoph Burchard (Professur für Straf- und Strafprozessrecht, Principle Investigator von „ConTrust“ und „Normative Orders“, Goethe-Universität)
Indra Spiecker gen. Döhmann (Professorin für öffentliches Recht, Principle Investigator von „ConTrust“, Goethe-Universität)
Moderation: Jürgen Kaube (Herausgeber, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Information und Anmeldung: Eine Anmeldung an office@normativeorders.net ist erforderlich. Die Logindaten werden nach Anmeldung übermittelt.

Weitere Informationen unter: www.normativeorders.net/ringvorlesungen

Kontakt: Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 069/798-31407
anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Abteilung PR & und Kommunikation, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de