​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​ – 2026

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Pressestelle Goethe-Universität

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Jan 30 2026
12:25

Inhaber der Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur 2025 der Goethe-Universität hält Vorlesung für interessierte Bürgerinnen und Bürger

Bürgervorlesung an der Goethe-Universität: MPG-Präsident Cramer spricht über das „System Leben“

Wann die Zelle welche Gene aktiviert, ist zentrales Forschungsthema von Patrick Cramer, dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft. Im Rahmen seiner Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur an der Goethe-Universität spricht Cramer darüber, wie Gene reguliert werden und wie Störungen dieser Prozesse zu Krankheiten beitragen.

FRANKFURT. Die DNA enthält zwar den Bauplan des Lebens, doch damit sich das Leben auch entfalten kann, muss dieser Bauplan gelesen und – in zeitlich wohl koordinierter Weise – in Proteine umgesetzt werden. Einige dieser Proteine sind Teil von Strukturen, die meisten jedoch setzen als Enzyme biochemische Reaktionen in Gang. So sorgen sie zum Beispiel für Stoffwechsel und Kommunikation, für Wachstum und die zahlreichen Spezialaufgaben, die Zellen in höheren Organismen übernehmen.

Nichts weniger als dieses „System Leben“ ist das Forschungsgebiet von Prof. Patrick Cramer, Chemiker und Strukturbiologe, Direktor am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und seit 2023 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Nach der Aufklärung der dreidimensionalen Struktur der RNA-Polymerase II lieferten er und sein Labor viele grundlegende Beiträge zum Verständnis der Transkription von Genen in höheren – eukaryotischen – Zellen, aus denen Pflanzen, Tiere und auch der Mensch bestehen. Seine Arbeitsgruppe verbindet moderne Strukturbiologie mit der funktionellen Analyse des Zusammenspiels aller Gene, um zu verstehen, wie Gene an- und abgeschaltet werden und wie Störungen dieser Prozesse zu Krankheiten beitragen.

Kurz nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie machte sein Team sichtbar, wie das SARS-CoV2-Virus sein Erbgut in menschlichen Zellen vermehrt, indem es die Struktur der SARS-CoV2-Polymerase charakterisierte. Damit schufen Cramer und sein Labor eine Grundlage für die Entwicklung antiviraler Therapien.

Die Rolf Sammet-Stiftungsgastprofessur umfasst eine Reihe von Vorlesungen: Nach der Vorlesung zur Verleihung der Gastprofessur am 15. Januar hielt Patrick Cramer am 16. Januar auf dem Campus Riedberg je eine Vorlesung für Studierende und für Wissenschaftler*innen. Am 12. Februar folgt eine Vorlesung auf dem Campus Niederrad für Mediziner*innen. Zum Abschluss der Gastprofessur wird Patrick Cramer am 13. Februar beim Biopharma-Unternehmen Sanofi im Industriepark Höchst sprechen. Die Bürgervorlesung der Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur richtet sich an interessierte Laien.

Bürgervorlesung
„Wie Gene funktionieren“
Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
Donnerstag, 12. Februar 2026, 18:00 Uhr
Hörsaal 3, Otto-Stern-Zentrum
Ruth-Moufang-Str. 2, 60438 Frankfurt (Campus Riedberg)

Die Rolf Sammet-Gastprofessur, gestiftet von der Aventis Foundation, ist eine der ältesten Stiftungsgastprofessuren an der Goethe-Universität. Sie wurde 1985 von der Hoechst AG gegründet zu Ehren ihres langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Prof. Rolf Sammet, der seit 1975 auch Honorarprofessor an der Goethe-Universität war. Seit Januar 2015 wird sie von der Universität in Eigenregie weitergeführt. Die Aventis Foundation hat dafür den Rolf Sammet-Stiftungsfonds an der Goethe-Universität mit einer Million Euro ausgestattet. Jedes Jahr wird ein international renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Naturwissenschaften nach Frankfurt eingeladen, um sein Forschungsgebiet und seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte in kompakter Form vorzustellen.

Programm der Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur 2025:
https://www.uni-frankfurt.de/46321548/Rolf_Sammet_Stiftungsgastprofessur

Bilder zum Download:
https://mpg.canto.de/b/HBTKR

Bildtext: Prof. Dr. Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Foto: Katrin Binner / MPG

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dieter Steinhilber
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: 069 798-29324
Steinhilber@em.uni-frankfurt.de

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @patrick-cramer.maxplanck.de @maxplanck.de
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Patrick Cramer @Max Planck Society @Aventis Foundation


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 30 2026
09:00

Studie der Goethe-Universität zeigt, wie Mutationen im Reparaturenzym SPRTN Entzündungen und vorzeitiges Altern auslösen – neue Erkenntnisse zum Ruijs-Aalfs-Syndrom

Kaputtes DNA-Reparaturwerkzeug beschleunigt Alterung

Werden schwere DNA-Schäden nicht repariert, hat dies dramatische Folgen für die Gesundheit von Zellen und Geweben. Eine Studie unter Leitung von Forschenden der Goethe-Universität Frankfurt als Teil der Rhein-Main-Universitätsallianz zeigt: Der Ausfall eines zentralen DNA-Reparaturenzyms namens SPRTN verursacht nicht nur genetische Schäden. Darüber hinaus werden auch chronische Entzündungen ausgelöst, die den Alterungsprozess beschleunigen und zu Entwicklungsstörungen führen. Die Ergebnisse verbessern das Verständnis der seltenen Erbkrankheit Ruijs-Aalfs-Syndrom und könnten Ansätze für therapeutische Interventionen eröffnen.

FRANKFURT. Obwohl die DNA im Zellkern dicht gepackt und gut geschützt ist, ist sie ständig Gefahren ausgesetzt – etwa durch normale Stoffwechselprozesse oder äußere Einflüsse wie Strahlung oder chemische Substanzen. Um dem entgegenzuwirken, verfügen Zellen über ein komplexes Netz an Reparaturmechanismen. Versagen diese Systeme, können sich DNA-Schäden ansammeln, die das Funktionieren der Zelle beeinträchtigen und zur Entstehung von Krebs, Alterungsprozessen und degenerativen Erkrankungen beitragen.

Eine besonders schwerwiegende Form von DNA-Schäden sind sogenannte DNA-Protein-Quervernetzungen (DNA-Protein Crosslinks, DPCs), bei denen Proteine an die DNA geheftet werden. DPCs können durch Alkoholkonsum, durch die Einwirkung von Substanzen wie Formaldehyd oder anderen Aldehyden oder durch Fehler von Enzymen entstehen, die an der Verdopplung oder Reparatur der DNA beteiligt sind. Weil DPCs die Verdopplung der DNA blockieren, können sie schwere Fehler bei der Zellteilung verursachen. Daher stellen DPCs eine erhebliche Bedrohung für die Integrität des Genoms dar.

Das Enzym SPRTN beseitigt DPCs, indem es die Verbindung zwischen DNA und Proteinen spaltet. Menschen, bei denen SPRTN mutiert ist und nicht mehr korrekt funktioniert, können bereits im Jugendalter Knochenfehlbildungen und Leberkrebs entwickeln. Diese seltene genetische Erkrankung ist als Ruijs-Aalfs-Syndrom bekannt. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang nur unzureichend verstanden, spezifische Therapien gibt es nicht.

Jetzt konnte ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Ivan Ðikić vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität zeigen, dass der Verlust eines funktionsfähigen SPRTN-Enzyms nicht nur dazu führt, dass die DNA im Zellkern immer mehr Defekte aufweist. In Zellkulturexperimenten und mithilfe genetisch veränderter Mäuse stellten die Forschenden fest, dass zusätzlich DNA aus dem Zellkern ins Zellinnere, das Zytoplasma, gelangt.

DNA im Zytoplasma ist für die Zelle ein Alarmsignal. Denn solche DNA stammt normalerweise von eindringenden Viren oder Bakterien oder ist ein Zeichen für eine Entartung der Zelle. Zytoplasmatische DNA aktiviert daher Abwehrmechanismen der Zelle, indem sie den sogenannten cGAS-STING-Signalweg auslöst. Zudem setzt die Zelle Botenstoffe frei, die Immunzellen anlocken, die zu einer chronischen Entzündung führen.

Das Forschungsteam beobachtete, dass diese chronische Entzündungsreaktion besonders stark in Maus-Embryonen ausgeprägt ist. Sie hält an, bis die Mäuse ausgewachsen sind und zeigt sich dann vor allem in Lunge und Leber. In der Folge starben die Mäuse früh oder sie zeigten Symptome eines vorzeitigen Alterns, die denen von Menschen mit Ruijs-Aalfs-Syndrom ähneln. Blockierten die Forschenden die betreffende Immunreaktion, ließen sich viele der Symptome lindern.

„DNA-Protein-Quervernetzungen, die nicht repariert werden können, haben weitreichende systemische Konsequenzen“, erklärt Ðikić. „Sie gefährden nicht nur die Stabilität des Genoms, sondern treiben auch chronische Entzündungen an, die die Lebensspanne erheblich beeinflussen können.“

Der Mediziner und Molekularbiologe sieht darin das Potenzial für die Entwicklung neuer Therapien: „Neben dem Ruijs-Aalfs-Syndrom gibt es weitere seltene genetische Erkrankungen, bei denen DNA-Protein-Quervernetzungen eine wichtige Rolle spielen. Mit unserer Arbeit haben wir eine wichtige Grundlage geschaffen, um neue therapeutische Ansätze auch für diese Krankheiten zu entwickeln. Durch die Untersuchung der zugrunde liegenden Mechanismen seltener Erkrankungen haben wir einen neuen Zusammenhang zwischen DNA-Schäden, Entzündungsreaktionen und der Lebensspanne eines Organismus entdeckt. Das trägt auch dazu bei, die Biologie des Alterns besser zu verstehen.“

Zu den Partnern des Forschungsprojekts gehörten die Goethe-Universität und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Molekularbiologie/Professorin Petra Beli und Institut für Transfusionsmedizin/Professorin Daniela Krause) innerhalb der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU), das Deutsche Konsortium für translationale Krebsforschung (DKTK), das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die EPFL Lausanne, die Charité Berlin sowie die Universitäten Köln und Split (Kroatien).

Publikation: Ines Tomaskovic, Cristian Prieto-Garcia, Maria Boskovic, Mateo Glumac, Tsung-Lin Tsai, Thorsten Mosler, Rubina Kazi, Rajeshwari Rathore, Jorge Andrade, Marina Hoffmann, Giulio Giuliani, Anne-Claire Jacomin, Raquel S. Pereira, Elias Knop, Laurens Wachsmuth, Petra Beli, Koraljka Husnjak, Manolis Pasparakis, Andrea Ablasser, Daniela S. Krause, Michael Potente, Stamatis Papathanasiou, Janos Terzic, Ivan Dikic: DNA-Protein crosslinks promote cGAS-STING-driven premature aging and embryonic lethality. Science (2026) https://doi.org/10.1126/science.adx9445

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/182738939

Bildtexte:
1 Fataler Fehler: Der Ausfall des Reparaturenzyms SPRTN in diesen kultivierten Zellen führt zu tödlichen Pannen bei der Zellteilung, indem zum Beispiel die Chromosomen (rot) auf drei statt auf zwei Tochterzellkerne verteilt werden (Pfeil). Grün: Zellteilungsapparat/Zytoskelett. Foto: Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt

2 SPRTN schützt die DNA wie ein Helm, indem es DNA-Protein-Crosslinks repariert. Künstlerische Darstellung: Anne-Claire Jacomin, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Prof. Dr. Ivan Ðikić
Institut für Biochemie II
und Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
Tel: +49 (0)69 6301-5964
dikic@biochem2.uni-frankfurt.de
https://biochem2.com/research-group/molecular-signaling

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @ibc2-gu.bsky.social @idikic.bsky.social @rheinmainunis.bsky.social @unimainz.bsky.social @Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Institute of Biochemistry II (IBC2) @Rhein-Main-Universitäten @Universitätsmedizin Mainz @Johannes Gutenberg-Universität Mainz


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de


 

Jan 29 2026
10:10

Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ nimmt Risiken, Heilungschancen und Nebenwirkungsraten bei der Aufklärung von Patient*innen in den Blick. 

Einer von 1000 stirbt: Wie verstehen wir Zahlen, wenn es um die Gesundheit geht? 

FRANKFURT, MARBURG, ESSEN. Gleich, aber doch ganz anders: Viele Studien belegen, dass Patientinnen und Patienten Zahlenvergleiche im medizinischen Kontext nur schwer einordnen können, wenn es um Heilungschancen und Nebenwirkungen geht. Welche Formulierungen Nocebo-Effekte bei der Kommunikation in der Praxis und Klinik vermeiden können, erklären die beiden Psychologen Prof. Tobias Kube von der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Winfried Rief von der Universität Marburg in dem aktuell veröffentlichten „Letter“ in der renommierten Fachzeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association).

Ist drei von hundert das Gleiche wie 3 %? Ja und nein. Numerisch ist es gleich, aber emotional empfinden PatientInnen die Beschreibung unterschiedlich. Darauf weist der Beitrag von Prof. Tobias Kube von der Klinischen Psychologie und Psychopathologie der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Winfried Rief, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Marburg, hin. Rief ist auch stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Treatment Expecation“, der Placebo-und Nocebo-Effekte erforscht, Kube ist assoziiertes Mitglied des SFB. Ein zentraler Forschungsaspekt des Verbundes ist: Wie können BehandlerInnen in der ärztlichen Kommunikation Placebo-Effekte fördern und Nocebo-Effekte vermeiden? Welche besonderen Fallstricke sind zu vermeiden, wenn es darum geht Risiken, Heilungschancen und Nebenwirkungsraten bei der Aufklärung von PatientInnen zu kommunizieren?

Mathematik und das Verständnis von Zahlen
An einfachen mathematischen Fragestellungen scheitern viele von uns. In einer Studie mit 4637 erwachsenen US-Amerikanern konnten nur 34 Prozent in einer ungeordneten Zahlenreihe sagen, welcher Wert am höchsten ist. So schrieb es Brian Zikmund-Fisher, Professor für Gesundheitsverhalten und Gesundheitsgerechtigkeit an der Universität von Michigan, Ende Oktober 2025 im JAMA. Das dürfte in Deutschland nicht grundlegend unterschiedlich sein. Zikmund-Fisher empfiehlt fünf klare Strategien, wie Zahlen verständlich zu verwenden seien und rät von verbalen Umschreibungen wie „häufig“, „sehr selten“ oder „unwahrscheinlich“ ab. Ohne Kontext und Vergleich besäßen die Begriffe eine geringe Aussagekraft und könnten Ängste sowie unerwünschte Erwartungseffekte fördern.

Allerdings, so Kube in dem aktuellen Kommentar in JAMA, bergen auch Zahlen im medizinischen Kontext dieses Risiko. Was der US-Professor in seinem JAMA-Beitrag nicht erwähnt, sind die sogenannten Framing-Effekte. Deshalb zeigen Kube und Rief, dass bei der Wahrnehmung von numerisch dargestellten Testergebnissen und von Wahrscheinlichkeitsbeschreibungen gravierende Unterschiede bestehen.

Positive Prozentzahlen
„'90 Prozent der Patienten überstehen die Infektion', ist mathematisch die gleiche Aussage wie ‚zehn Prozent überstehen es nicht', aber mit der ersten Aussage wird für einen Patienten die hohe Wahrscheinlichkeit, dass alles gut wird, in den Vordergrund gerückt. Das nennt man positives Framing“, erklärt Prof. Tobias Kube von der Goethe-Universität. Die erste Formulierung wirkt daher eher beruhigend, während die zweite Ängste auslösen kann. „Deshalb sollten wir in der Praxis immer ein positives Framing anstreben, vor allem wenn es um potenziell negative und bedrohliche Nachrichten geht. Gerade dann sollten Erklärungen, zum Beispiel wie häufig die Behandlung erfolgversprechend ist oder mit welcher Wahrscheinlichkeit mit gravierenden Nebenwirkungen zu rechnen ist, positiv eingebettet sein.“

Der Framing -Effekt
Dieser „Rahmungseffekt“ erklärt, warum wir eine gleiche Information unterschiedlich bewerten, je nachdem wie sie sprachlich formuliert wird. Die Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky zeigten in ihren frühen Pionierarbeiten zur Entscheidungstheorie, dass zwei Aussagen mit identischem Inhalt durch unterschiedliche sprachliche Rahmen (Frames) gänzlich unterschiedliche emotionale Wirkungen und damit Entscheidungen bei Menschen auslösen. Gleicher Inhalt, aber gänzlich andere Wahrnehmung, andere Gefühlslage, andere Bewertung. Deshalb ist die genaue Sprache so wichtig, weil unser Gehirn nicht nur auf den Inhalt, sondern stark auf die emotionale Färbung reagiert. Der Psychologie-Professor Kube geht aber noch weiter: „Neben positivem und negativem Framing ist es auch wichtig, ob Wahrscheinlichkeiten in Prozent oder als Häufigkeiten angegeben werden“. So wirke beispielsweise die Aussage „einer von hundert stirbt“ deutlich bedrohlicher als die Aussage „ein Prozent stirbt“. „Wenn man bei medizinischen Risiken ein negatives Framing in der Kommunikation einsetzt, ist es deutlich besser Prozentsätze zu verwenden, weil dies abstrakter von Patienten wahrgenommen wird und man sich nicht gleich als die eine mögliche Person von Hundert sieht, die betroffen sein könnte“, rät Prof. Rief von der Universität Marburg.

Die Empfehlung
Zahlen sind in der medizinischen Kommunikation ein zentraler Bestandteil, sollten aber in Bezug auf die Framing-Effekte mit Bedacht gewählt werden und vor allem Patienten, die sehr ängstlich sind, bedürfen einer besonderen Ansprache und erweiterten Kommunikation. „Den ängstlichen und sehr besorgten Patienten sollte ausführlich erklärt werden, wie diese Zahlen zu verstehen sind“, erklärt Kube.

Fazit
„Viele PatientInnen verstehen in der Praxis nicht genau, was ein Arzt oder eine Ärztin gesagt und vor allem gemeint hat“, bestätigt die Neurologin Prof. Ulrike Bingel, Leiterin der Universitären Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Essen und Sprecherin des SFB „Treatment Expectation“, „denn Gesundheitskommunikation braucht vor allem Zeit, die in der Praxis oft fehlt“. Gerade vor dem Hintergrund knapper zeitlicher Ressourcen im Gesundheitssystem sieht Tobias Kube besonders viel Potential in der sorgsamen Wahrscheinlichkeitsdarstellung: „Positives Framing kostet nichts und erfordert keine extra Zeit in Gesprächen mit Patienten und wäre somit besonders leicht umzusetzen“.

„Jeder Patient und jede Patientin fragt nach Chancen und Risiken, weil Informationen Sicherheit geben, genau deshalb müssen wir TherapeutInnen schulen, wie sie über Diagnosen, Therapien und mögliche Nebenwirkungen erwartungssensibel aufklären“, fordert Prof. Bingel. Die aktuellen Studien zeigten konkret, worauf zu achten sei. Man dürfe die PatientInnen nicht allein lassen und sie die Erklärungen im Internet suchen lassen, warnt die Neurologin Ulrike Bingel.


Link zum Jama Letter:
https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2844450#

Originalarbeiten:
Zikmund-Fisher, B. J., Thorpe, A. & Fagerlin, A. How to Communicate Medical Numbers. JAMA (2025). https://doi.org:10.1001/jama.2025.13655

Kube T, Riecke J, Heider J, Glombiewski JA, Rief W, Barsky AJ. Same same, but different: effects of likelihood framing on concerns about a medical disease in patients with somatoform disorders, major depression, and healthy people. Psychol Med. 2023 Dec;53(16):7729-7734. doi: 10.1017/S0033291723001654. Epub 2023 Jun 13. PMID: 37309182.


Der Sonderforschungsbereich 289 „Treatment Expectation“
Der überregionale, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio 289) „Treatment Expectation“ untersucht seit dem Jahr 2020 mit einem interdisziplinären Team an den Universitäten Duisburg-Essen, Marburg und Hamburg den Einfluss der Erwartung von PatientInnen auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen. Deutschland nimmt international eine Spitzenposition in der Erforschung von Placebo-und Noceboeffekten ein. Im Mai 2024 hat der SFB rund 15 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für eine weitere vierjährige Förderphase eingeworben. Das Ziel des interdisziplinären Verbunds ist, die äußerst komplexen Mechanismen von Erwartungseffekten von der molekularen bis zur systemischen Ebene mit modernsten wissenschaftlichen Methoden zu entschlüsseln, psychologische und neurobiologische Unterschiede zwischen einzelnen PatientInnen und Erkrankungen so exakt wie möglich zu verstehen und zu prüfen, wie diese Effekte etablierte pharmakologische und andere Behandlungsansätze optimieren können. Hierzu erforscht ein Team von rund 100 Forschenden aus den Bereichen Medizin, Psychologie und den Neurowissenschaften. Ziel der Forschung ist es, bestehende Medikamente verträglicher zu machen, ihre Wirksamkeit zu steigern und ihre Nebenwirkungen zu verringern, indem man die Effekte positiver Erwartung nutzt. Sprecherin des Forschungsverbundes ist Prof. Dr. Ulrike Bingel von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen: „Erwartungen von PatientInnen haben einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf von Erkrankungen und die Wirksamkeit von Behandlungen. Unser Ziel ist es das wissenschaftliche fundierte Wissen, dass Erwartung, Kontext und Kommunikation eine wichtige Rolle spielen, in die Schulmedizin zu integrieren.“

Weitere Informationen zur aktuellen Forschung sowie Ratschläge für Patient*innen sind auf der Webseite www.treatment-expectation.de  nachzulesen.

Bilder von Prof. Ulrike Bingel, Prof. Tobias Kube und Prof. Winfried Kief zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/182668122.  

Kontakt:
Prof. Dr. Tobias Kube, Klinische Psychologie und Psychopathologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Varrentrappstr. 40-42, 60486 Frankfurt a.M. kube@psych.uni-frankfurt.de
Prof. Dr. Winfried Rief, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Leiter der Psychotherapie-Ambulanz, Universität Marburg, Gutenbergstraße 18, 35032 Marburg. riefw@staff.uni-marburg.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 28 2026
11:58

US-amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Prostatakrebsforschung verleiht Nachwuchspreis an Wissenschaftlerin der Universitätsmedizin Frankfurt

Wissenschaftspreis: Frankfurter Krebsforscherin Anne Fassl erhält 225.000 Dollar von Prostate Cancer Foundation

Für ihre Forschung zum Zusammenspiel von Genen und dem Immunsystem bei fortgeschrittenem Prostatakrebs ist die Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Anne Fassl von der Klinik für Urologie der Universitätsmedizin Frankfurt von der US-amerikanischen Prostate Cancer Foundation mit einem Young Investigator Award 2025 ausgezeichnet worden. Damit verbunden ist eine dreijährige finanzielle Förderung in Höhe von umgerechnet 195.000 Euro.

FRANKFURT. Bei fast jeder vierten Krebserkrankung in Deutschland ist die Vorsteherdrüse oder Prostata betroffen. In ihrem durch die Prostate Cancer Foundation geförderten Projekt erforscht Dr. Anne Fassl eine bestimmte Form des Prostatakarzinoms, bei dem eine Kopie eines bestimmten Gens der Patienten seit Geburt und in allen Körperzellen defekt ist, das BRCA2-Gen. Es unterstützt die Reparatur von DNA-Schäden.

Da das BRCA2-Gen in jeder Zelle in zwei Kopien vorliegt, wird es erst kritisch, wenn durch eine nachträglich erworbene Mutation auch die zweite Genkopie beschädigt wird und die betroffene Zelle so einen wichtigen Kontrollpunkt für die DNA-Reparatur verliert. Damit können sich Mutationen anhäufen, in deren Folge die Zelle die Kontrolle über die Zellteilung verliert. Weil das Immunsystem gealterte und geschädigte Körperzellen vernichtet, müssen die entstehenden Krebszellen auch dieses austricksen, damit ein Tumor entstehen kann.

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, also wenn der Tumor Metastasen außerhalb der Prostata gebildet hat, verfolgen neuere Therapieansätze eine Doppelstrategie: Zum einen wird gezielt ein Protein namens PARP gehemmt, das ebenfalls wichtig für die DNA-Reparatur ist. In den Tumorzellen, die bereits durch das defekte BRCA2-Gen vorgeschädigt sind, entstehen auf diese Weise derart viele DNA-Schäden, dass sie zugrunde gehen. Flankiert wird die PARP-Inhibition durch Medikamente, die die Blockade des Immunsystems durch die Tumoren aufheben, sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Dadurch soll das Immunsystem die Tumorbekämpfung unterstützen.

Das Problem: Auch die Zellen des Immunsystems besitzen nur eine intakte BRCA2-Kopie. Ob sich dies auf das Therapieansprechen auswirkt, untersucht Fassl in ihrem jetzt von der Prostate Cancer Foundation geförderten Projekt „Evaluating the impact of BRCA2 immune cell heterozygosity on therapeutic approaches for advanced prostate cancer". Ihr Ziel ist es, in Laborversuchen verschiedene Wirkstoffkombinationen hinsichtlich besonders vielversprechender Therapieoptionen zu testen.

Prof. Felix Chun, Direktor der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt, sagt: „Anne Fassl ist eine sehr talentierte Wissenschaftlerin, und ich beglückwünsche sie zu dieser Auszeichnung. Die Verleihung des Young Investigator Awards unterstreicht das große Potenzial, das ihre Forschung zu genetischen Veränderungen des Immunsystems im Kontext der Prostatakrebstherapie besitzt. Die Förderung wird es Anne Fassl ermöglichen, sich im Feld der Prostatakrebsforschung weiter zu etablieren, da durch ihre Forschung in den nächsten Jahren ein bedeutender Beitrag zur genbasierten, personalisierten Behandlung von Menschen mit Prostatakarzinom zu erwarten ist.“

Dr. rer. nat. Anne Fassl studierte Biologie in Leipzig und promovierte am Deutschen Krebsforschungszentrum, Postdoc am Dana-Faber Cancer Institute und an der Harvard Medical School in Boston wurde als Nachwuchsgruppenleiterin durch das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum Frankfurt-Marburg von den USA nach Frankfurt rekrutiert und forscht seit 2023 in der Klinik für Urologie an der Universitätsmedizin Frankfurt. Aufbauend auf ihrer Forschung und den Erfahrungen aus ihrer Postdoc-Zeit an der Harvard Medical School in Boston widmet sie sich in Frankfurt der Präzisionsmedizin bei hormongesteuerten Tumoren, mit einem besonderen Fokus auf das Prostata- und das Mammakarzinom.

Die gemeinnützige Prostate Cancer Foundation (PCF) ist weltweit führend in der Unterstützung und Finanzierung der Erforschung des Prostatakarzinoms. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 hat sie rund eine Milliarde US-Dollar für die Spitzenforschung in mehr als 2.000 Forschungsprojekten an 245 führenden Krebszentren in 28 Ländern zur Verfügung gestellt. Das Young Investigator Awards-Programm der PCF identifiziert vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und bietet Karriere- und Projektunterstützung für innovative Forschungsideen zur Bekämpfung von Prostatakrebs. Durch die gezielte Förderung der nächsten Generation führender Forschender auf diesem Gebiet soll von der Krankheit Betroffenen auf der ganzen Welt ein längeres Überleben, weniger Komplikationen und eine höhere Lebensqualität ermöglicht werden.

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/182499636

Bildtext: Dr. rer. nat. Anne Fassl, Klinik für Urologie der Universitätsmedizin Frankfurt, erhält den Young Investigator Award der Prostate Cancer Foundation. Foto: privat

Weitere Informationen
Dr. rer. nat. Anne Fassl
Leitung Forschungslabor
Klinik für Urologie
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel.: +49 69 6301 - 80073
anne.fassl@unimedizin-ffm.de
https://www.uct-frankfurt.de/msnz/fellows/anne-fassl.html

Bluesky: @goetheuni.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Universitätsmedizin Frankfurt @Felix KH Chun @UCT University Cancer Center Frankfurt

Das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt-Marburg wird von der Deutschen Krebshilfe als eines von fünf Mildred-Scheel-Nachwuchszentren in Deutschland gefördert. Im Rahmen des Exzellenzförderprogramms des MSNZ Frankfurt-Marburg werden forschende Ärztinnen und Ärzte (Clinician Scientists) sowie nicht-klinisch tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Medical Scientists) in der Krebsforschung auf allen Karrierestufen von der Promotion bis zur Leitungsposition gezielt unterstützt: Geschützte Zeit für Forschung, eigene Sachmittelbudgets und der Zugang zu exzellenten wissenschaftlichen Infrastrukturen ermöglichen die Durchführung eines eigenen Forschungsprojekts in einem international ausgewiesenen Umfeld. Mit international anschlussfähigen, kontinuierlichen Karrierewegen und attraktiven Zielpositionen will das MSNZ beste Voraussetzungen sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der translationalen und klinischen Forschung schaffen. Ein besonderes Anliegen des MSNZ ist dabei die Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Universitätsmedizin Frankfurt, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden hochschulmedizinischen Einrichtungen Deutschlands. Sie bietet ihren Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 33 Kliniken und klinischen Instituten. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Universitätsmedizin und Fachbereich Medizin betreiben mehr als 20 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die diagnostische und therapeutische Praxis. Rund 1.300 stationäre und tagesklinische Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Kliniken und Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen.
Jährlich werden circa 46.000 stationäre und mehr als 480.000 ambulante Patientinnen und Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt die Universitätsmedizin unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie und Neurochirurgie nimmt sie besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Das Leberzentrum ist die einzige Einrichtung für Lebertransplantation in Hessen. Ein Alleinstellungsmerkmal gemäß Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz besteht für die Region Frankfurt-Offenbach neben der Herzchirurgie auch für die Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Dermatologie und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mehr als 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.

Die Goethe-Universität ist eine weltoffene Werkstatt der Zukunft mitten in Europa. Sie entstand 1914 als Gründung Frankfurter Bürger und knüpft seit 2008 als Stiftungsuniversität wieder an diese Tradition an: als autonome Bürger*innen-Universität eingebettet in die Stadtgesellschaft und mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Teilhabe und Förderung. Die Goethe-Universität gehört mit mehr als 40.000 Studierenden zu den größten und forschungsstärksten Universitäten Deutschlands und zu den größten Arbeitgebern in Frankfurt.
Die Goethe-Universität ist eine international aufgestellte Volluniversität, die sich durch exzellente Forschungsschwerpunkte in sechs interdisziplinären, fachbereichsübergreifenden Profilbereichen ebenso auszeichnet wie durch die Vielfalt ihrer Fächer in Geistes-, Sozial-, Gesellschafts-, Natur- und Lebenswissenschaften und Medizin. Mit der TU Darmstadt und der Universität Mainz bildet sie das Bündnis Rhein-Main-Universitäten (RMU, https://www.rhein-main-universitaeten.de/). Sie gehört den „German U15“ an, dem Zusammenschluss der 15 forschungsstärksten medizinführenden Universitäten Deutschlands, und bildet zusammen mit 15 außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet das Wissenschaftsnetzwerk „Frankfurt Alliance“. 
www.goethe-universitaet.de


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 28 2026
11:07

Studierende präsentieren ihre Arbeiten aus dem Wintersemester 

Öffentlicher Rundgang des Instituts für Kunstpädagogik 

FRANKFURT. Zum Abschluss des Wintersemesters 2025/26 lädt das Institut für Kunstpädagogik wieder alle Interessierten ein zum öffentlichen Rundgang. Gemeinschaftlich präsentieren die Studierenden am 10. und 11. Februar die künstlerischen Arbeiten des Wintersemesters aus den Grundlagenseminaren und den Schwerpunkten der Bereiche Grafik/Malerei, Plastik und Neue Medien sowie der Didaktik und der Visuellen Kultur.  Die Material- und Themenvielfalt der studentischen Arbeiten ist dementsprechend groß und verortet sich im künstlerischen Diskurs der Gegenwart.

Am Institut für Kunstpädagogik angesiedelt sind sowohl die Lehramtsstudiengänge Kunst als auch die Bachelor- und Masterstudiengänge Kunst – Medien – Kulturelle Bildung. Der Rundgang gewährt einen Einblick in die künstlerische Arbeit der Studierenden, die auf dem Campus-Westend der Goethe-Universität nicht zuletzt durch Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Fachbereichen vom interdisziplinären Forschen und Arbeiten geprägt ist. Die Eröffnung des Rundgangs findet am Vorabend der Veranstaltung, am 10. Februar, um 18.30 Uhr im Hörsaal B des Gebäudes der Sprach- und Kulturwissenschaften statt.

Ausstellung: Rundgang
Dienstag, 10. Februar, 18.30- 21.00 (zugleich Eröffnung)
Mittwoch, 11.02.2026 12.00-20.00 Uhr
Institut für Kunstpädagogik
SKW-Gebäude, Campus Westend
Rostocker Str. 2 und
Seminarpavillon, Stralsunder Str. 32-38


Kontakt:

Prof'in. Leunora Salihu, salihu@em.uni-frankfurt.de
Prof'in. Kerstin Gottschalk, Ke.Gottschalk@em.uni-frankfurt.de
Institut für Kunstpädagogik, Fachbereich 09, Sprach- und Kulturwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt. https://www.uni-frankfurt.de/107557243/Institut_f%C3%BCr_Kunstp%C3%A4dagogik

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 27 2026
11:12

Neue Studie soll zeigen, warum Menschen unterschiedlich auf Traumata reagieren

Wie sich Gewalterfahrungen auf die Psyche auswirken

Gewalterfahrungen hinterlassen bei vielen Menschen tiefe Spuren, die sie ihr Leben lang begleiten – andere hingegen erholen sich und können das Erlebte irgendwann hinter sich lassen. Warum das so ist und wie es zu diesen Unterschieden kommt, diesen Fragen widmet sich die Studie „Leben nach Gewalt“ unter Beteiligung der Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg.

FRANKFURT. Mit der neuen Studie „Leben nach Gewalt“ wollen Forscherinnen und Forscher der Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg herausfinden, wie sich Gewalterfahrungen auf die psychische Gesundheit auswirken – und warum Menschen unterschiedlich auf solche Erlebnisse reagieren. Die Studie wird vom Land Hessen im Rahmen des LOEWE-Programmes (Landes-Initiative zur Entwicklung von Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) finanziert, womit das Land Hessen gezielt Spitzenforschung fördert; es ist Teil des großen Forschungsprojektes DYNAMIC, in dem Forscher und Forscherinnen wissenschaftlicher Einrichtungen in Frankfurt, Gießen, Marburg und Darmstadt zusammenarbeiten, geleitet von Winfried Rief und Andreas Reif. Gestellt haben den Antrag Regina Steil und Rolf van Dick von der Universität Frankfurt, Christiane Hermann von der Universität Gießen, und Nina Alexander von der Universität Marburg, gemeinsam leiten sie die Studie auch.

Was untersucht die Studie?
Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, welche seelischen Beschwerden nach Gewalterfahrungen vorliegen, wie sie sich im Alltag zeigen, mit der Zeit verändern und miteinander zusammenhängen. Dazu werden psychologische, biologische und soziale Faktoren zusammen betrachtet – ein Ansatz, der in dieser Form neu ist.
Die Teilnehmenden werden über mehrere Wochen begleitet: Ihre Situation wird mit Hilfe von Fragebögen, Interviews und biologischen Messungen (z. B. Haarproben) untersucht. Darüber hinaus berichten sie über eine speziell entwickelte Smartphone-App, wie es ihnen im Alltag geht, was sie belastet oder stärkt. So entsteht ein differenziertes Bild des seelischen Erlebens im Alltag nach Gewalterfahrungen. Für die Studie werden Menschen gesucht, die nach einer Gewalterfahrungen psychisch krank sind, aber auch solche, die nach einer Gewalterfahrung nur wenige Beschwerden haben. 

Warum ist das wichtig?
Gewalt kann tiefgreifende seelische und körperliche Folgen haben. Manche Betroffene entwickeln eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine komplexe PTBS, andere bleiben trotz ähnlicher Erfahrungen erstaunlich stabil. Die Forschenden wollen besser verstehen, welche Prozesse und Voraussetzungen dabei eine Rolle spielen – etwa, wie Symptome wie Schlafstörungen, Anspannung oder Selbstzweifel miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Mit Hilfe moderner Analysemethoden, sogenannter dynamischer psychologischer Netzwerke, soll ein neues, ganzheitliches Modell der Traumafolgen entstehen. Dieses Wissen könnte langfristig dazu beitragen, Diagnostik und Therapie individuell besser abzustimmen und Betroffene gezielter zu unterstützen.

Teilnahmebedingungen
Gesucht werden Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren, die mindestens einmal in ihrem Leben körperliche Gewalt (z.B. eine körperliche Attacke, ein sexueller Kindesmissbrauch, eine Vergewaltigung oder eine andere Form von körperlicher Gewalt) erlebt haben. Die Teilnahme an der ca. vierwöchigen Untersuchungsphase wird mit bis zu 420 Euro vergütet. Teilnehmende erhalten außerdem eine umfassende Einschätzung Ihrer psychischen Gesundheit und bei Vorliegen von psychischen Störungen eine Beratung zu passenden Behandlungsmöglichkeiten.

Ablauf der Studie
Nach einer telefonischen Kontaktaufnahme findet zunächst ein kurzes Screening zur Prüfung der Eignung für die Studienteilnahme statt. Die Studie selbst umfasst insgesamt drei Termine.
Die ersten beiden Termine dauern jeweils etwa drei bis vier Stunden. Dabei werden ausführliche strukturierte Interviews zu traumatischen Erfahrungen sowie zu psychischen Symptomen durchgeführt. Zusätzlich bearbeiten die Teilnehmenden standardisierte Fragebögen. Am zweiten Termin werden zusätzlich Bioproben (Speichel- und Haarproben) entnommen, und die Teilnehmer erhalten eine Einweisung in die tägliche Datenerhebung am Smartphone via mPath.
Anschließend folgt eine dreiwöchige Phase der Erfassung im Alltag (Ecological Momentary Assessment, EMA). In dieser Zeit beantworten die Teilnehmenden mehrmals täglich kurze Fragen per Smartphoneapp zu aktuellen Gefühlen, Gedanken und Symptomen, um deren zeitliche Dynamik im Alltag abzubilden.
Den Abschluss bildet eine Sitzung von etwa einer Stunde, in der offene Fragen geklärt, Erfahrungen mit der Studie besprochen werden und die Teilnahme abgeschlossen wird. 

Zitat der Studienleitung
„Wir möchten verstehen, was genau im Menschen passiert, wenn dieser eine körperliche Gewalterfahrung macht, was sich dadurch genau verändert“, erklärt Regina Steil, eine der Studienleiterinnen. „Wenn wir die zugrundeliegenden Mechanismen kennen, können wir Betroffene besser unterstützen.“


Kontakt und weitere Informationen
Homepage der Studie: https://www.dynamic-center.net/leben-nach-gewalt/
E-Mail-Kontakt: Lebennachgewalt@psych.uni-frankfurt.de bzw. Lebennachgewalt@uni-giessen.de

Kontakt zur den Studienleitungen (für Pressevertreterinnen und -vertreter): 
Apl. Prof. Dr. Regina Steil
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: steil@psych.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Christiane Hermann
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Justus-Liebig-Universität Gießen 
E-Mail: Christiane.Hermann@psychol.uni-giessen.de

Prof. Dr. Rolf van Dick
Abteilung Sozialpsychologie
Goethe-Universität Frankfurt
E-Mail: van.dick@psych.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Nina Alexander
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Marburg
E-Mail: nina.alexander@uni-marburg.de


Die Studie wird vom DYNAMIC Center finanziert, das vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur finanziert wird. (LOEWE1/16/519/03/09.001(0009)/98)

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 27 2026
09:59

Krebszellen nutzen das Stromnetz der Nerven: Heidelberger Neurologe hat das Forschungsgebiet der „Cancer Neuroscience“ mitbegründet

Dem Tumor den Stecker ziehen: Varun Venkataramani erhält Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2026

Der Neurologe Dr. Dr. Varun Venkataramani (36) vom Universitätsklinikum Heidelberg wird mit dem Paul Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2026 ausgezeichnet. Das gab der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung heute bekannt. Der Preisträger hat unser Wissen über Glioblastome fundamental erweitert. Das sind besonders bösartige Gehirntumore. Sie entstehen aus Gliazellen, deren Aufgabe es ist, Nervenzellen zu schützen und zu ernähren. Venkataramani hat entdeckt, dass und wie Glioblastome das Nervensystem kapern, um dort Strom abzugreifen, mit dessen Hilfe sie ihr tödliches Wachstum beschleunigen. Ein Medikament zur Unterbrechung dieses Stromflusses wird bereits an Patienten erprobt.

FRANKFURT. Gehirntumore bestehen nicht aus Nervenzellen. Denn ausgereifte Nervenzellen haben – mit ganz wenigen Ausnahmen – die Fähigkeit verloren, sich zu teilen. Die meisten Gehirntumore sind Gliome. Sie stammen vermutlich von Vorläufern von Gliazellen ab. Deren Zahl entspricht im Gehirn eines Erwachsenen etwa der seiner Nervenzellen (annähernd 100 Milliarden), denen sie vor allem als Gerüst und als Nahrungslieferant dienen. Besonders gefährlich sind die Glioblastome. Selbst bei einer nach heutigem Stand optimalen Therapie beträgt die mittlere Überlebenszeit zwischen Diagnose und Tod für Patienten mit dieser Tumorart maximal 18 Monate. Glioblastome verdoppeln ihr Volumen innerhalb eines Monats. Aus dem Tumorherd heraus ziehen ihre Zellen entlang der Nervenbahnen diffus durch das Gehirn. Dabei formen sie ein Netz, mit welchem sie das Netz der Nervenzellen durchschlingen, indem sie sich über extrem lange und dünne Fortsätze mit anderen Gliomzellen verknüpfen. 

Als Varun Venkataramani vor elf Jahren im Rahmen seiner medizinischen Doktorarbeit diese Fortsätze unter dem Elektronenmikroskop untersuchte, blieb sein Blick geistesgegenwärtig an einem Bildausschnitt hängen: Was er darin sah, war nicht die Verknüpfung zweier Tumorzellen, sondern die Verbindung einer Tumorzelle mit einer Nervenzelle, über eine Struktur, die aussah wie eine Synapse, also eine klassische elektrochemische Verbindung zwischen zwei Nervenzellen. Das schien so unglaublich zu sein, dass sowohl er als auch seine Doktorväter zunächst ein Artefakt vermuteten. Aber Venkataramani ließ nicht locker. In beharrlicher Arbeit und mit außerordentlichem methodischen Geschick gelang es ihm in den folgenden Jahren, unterstützt von seinen Mitarbeiteren und Mentoren, seine Beobachtung experimentell zu belegen und 2019 in eine Aufsehen erregende Publikation im Top-Journal Nature münden zu lassen. Gliomzellen, die sich ausbreiten wollen, stellen proaktiv synaptische Kontakte zu Nervenzellen her. Sie imitieren dabei das Verhalten unreifer Nervenzellen während der Gehirnentwicklung. Über diese Synapsen greifen sie elektrische Impulse aus präsynaptischen Nervenfasern ab, wodurch sie ihre Teilung fördern und ihre Ausbreitung beschleunigen. 

Die elektrischen Signale, die das Tumorwachstum triggern, werden im synaptischen Spalt zwischen Nervenzellen und Gliomzellen vor allem durch die Ausschüttung der Aminosäure Glutamat vermittelt. Dieser Botenstoff dockt an sogenannten AMPA-Rezeptoren der Tumorzellen an, woraufhin Kalziumionen in die Zellen einströmen und einen elektrischen Strom auslösen. Diese Rezeptoren sind, wenn sie überaktiviert werden, auch in die Entstehung epileptischer Anfälle eingebunden. Der selektive AMPA-Rezeptorblocker Perampanel ist seit 2012 für die Behandlung von Epilepsien zugelassen. Er könnte also auch die Übermittlung von Nervensignalen an Tumorzellen unterbrechen. Venkataramani und seine Kolleginnen und Kollegen treiben das „Repurposing“ dieses Medikamentes für die bisher nicht zugelassene Indikation Glioblastom deshalb zügig voran. Präklinisch haben sie dessen Wirksamkeit bereits festgestellt. Eine prospektive klinische Phase-II-Studie läuft aktuell. 

Die Perampanel-Studie markiert für Venkataramani nur den Anfang der möglichen Entwicklung effektiver Gliom-Therapien. Jüngst hat seine Forschungsgruppe, in der Technologie- und Therapieentwicklung Hand in Hand gehen, den Machbarkeitsnachweis für ein gentherapeutisches Verfahren erbracht, das eines Tages für die Diagnose und für die Therapie von Gliomen eingesetzt werden könnte. In diesem Verfahren werden exklusiv nur diejenigen Nervenzellen mit Farbstoffen markiert, die über Synapsen mit Tumorzellen verbunden sind. Diese Nervenzellen werden damit auf einen programmierten Selbstmord (Apoptose) vorbereitet. Vollziehen sie ihn, verlieren die Tumorzellen dadurch die Verbindung, die für ihr Wachstum essenziell war. Sie sind vom Stromnetz des Nervensystems genommen worden.

Das Forschungsgebiet „Cancer Neuroscience“ gab es vor Venkataramis Entdeckung nicht. Er hat es mitbegründet und ist an dessen Entwicklung maßgeblich beteiligt. Seine vordringliche Aufgabe sieht er darin, das „Tumorkonnektom“ im Gehirn immer genauer zu entschlüsseln. Je weiter sich das Gebiet der „Cancer Neuroscience“ erschlossen wird, desto mehr stellt sich heraus, dass Interaktionen zwischen Nervensystem und Krebszellen auch in anderen Organen das Tumorwachstum begünstigen.

Dr. med. Dr. rer. nat. Varun Venkataramani studierte von 2009 bis 2016 Humanmedizin an der Universität Heidelberg. Dort wurde er für das strukturierte Doktorandenprogramm ausgewählt, das besonders begabten Studierenden der Medizin eine Doppelpromotion ermöglicht. 2019 wurde er zum Dr. med. und ein Jahr später zum Dr. rer. nat. promoviert. Seit 2022 führt er eine 15-köpfige Forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und ist gleichzeitig als Neurologe in der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg tätig. 

Der Preis wird – zusammen mit dem Hauptpreis 2026 – am 14. März 2026 um 17 Uhr vom Vorsitzenden des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung in der Frankfurter Paulskirche verliehen. 

Bilder des Preisträgers und ausführliche Hintergrundinformation „Im Stromnetz des Gehirntumors“ zum Download auf: www.paul-ehrlich-stiftung.de

Weitere Informationen
Pressestelle Paul Ehrlich-Stiftung
Joachim Pietzsch
Tel.: +49 (0)69 36007188
E-Mail: j.pietzsch@wissenswort.com
www.paul-ehrlich-stiftung.de

Redaktion: Joachim Pietzsch / Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de


 

Jan 26 2026
14:56

Internationales Forschungsteam wirbt mehr als eine Million Euro zur Untersuchung des neu entdeckten römischen Heiligtums in Frankfurt ein

Kultbezirk im Herzen des römischen Nida wird weiter erforscht

Bei Bauarbeiten für eine Frankfurter Schule kam vor einigen Jahren ein Fund von überregionaler Tragweite zutage: ein großes römisches Heiligtum. Umfangreiche Grabungen des Denkmalamts Frankfurts folgten. Deren Ergebnisse können nun von einem interdisziplinären Verbund wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Mittel hierfür haben das Archäologische Museum Frankfurt, die Goethe-Universität und die Universität Basel gemeinsam eingeworben.

FRANKFURT. Es ist ein weiterer Meilenstein für die Archäologie der Römerzeit in Hessen: Für die Auswertung der Grabungen in dem großen römischen Heiligtum auf dem Areal der antiken Stadt Nida (Frankfurt am Main-Heddernheim) haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) zusammen mehr als eine Million Euro bewilligt. Damit erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den nächsten drei Jahren die Gelegenheit, eine der herausragenden neuen archäologischen Entdeckungen auf dem Gebiet des römischen Germaniens umfassend zu erforschen. 

Förderantrag länderübergreifend aus Frankfurt und Basel
Antragsteller des Projektes „Der zentrale Kultbezirk von Nida (Frankfurt a. M.-Heddernheim): interdisziplinäre Studien zu Raumgestaltung und Deponierungen“ sind das Archäologische Museum Frankfurt (Dr. Carsten Wenzel), das Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Anja Klöckner (Klassische Archäologie), Prof. Markus Scholz (Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen), Prof. Astrid Stobbe (Archäobotanik)) sowie das Institut für Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA) der Universität Basel (Prof. Sabine Deschler-Erb (ⴕ), Dr. Barbara Stopp). Kooperationspartner sind das Denkmalamt der Stadt Frankfurt sowie die ebenfalls in Frankfurt ansässige Römisch-Germanische Kommission (RGK) des Deutschen Archäologischen Institutes. Das bewilligte Forschungsprojekt wurde heute bei einer Pressekonferenz im Archäologischen Museum der Stadt Frankfurt vorgestellt.

Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, äußert sich folgendermaßen zu dem Projekt: „Der zentrale Kultbezirk von Nida ist ein archäologischer Befund von europaweit nahezu einzigartiger Bedeutung. Dadurch, dass er jetzt so umfangreich wissenschaftlich untersucht werden kann, wird sich Frankfurt in der internationalen Spitzenforschung weiter etablieren. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie leistungsfähig unser Wissenschaftsstandort ist, wenn Museum, Universitäten, außeruniversitäre Forschungsinstitutionen und Denkmalpflege eng zusammenarbeiten und Forschung sichtbar in die Stadtgesellschaft tragen.“


Bauarbeiten für die neue „Römerstadtschule“ führen zur Entdeckung des römischen Kultbezirks
Entdeckt wurde der Kultbezirk von Nida bei Ausgrabungen des Denkmalamts in den Jahren 2016 bis 2018 und 2022 in der Frankfurter Nordweststadt. Im Rahmen des Neubaus der „Römerstadtschule“ wurde auf mehr als 4.500 Quadratmetern Fläche im Zentrum der römischen Stadt das von einer Mauer umgebene Areal freigelegt. Es konnte nahezu vollständig mit moderner Ausgrabungstechnik untersucht und dokumentiert werden; die Befunde sind zusammenhängend und beinahe ohne nachrömische Eingriffe erhalten. 

„Der neu entdeckte Kultbezirk der römischen Stadt Nida ist eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahre in Frankfurt. Die Förderung ermöglicht es, diesen außergewöhnlichen Fund nun wissenschaftlich gründlich zu erforschen und auszuwerten. Zugleich ist sie eine Anerkennung der kontinuierlichen und fachlich anspruchsvollen Arbeit unseres städtischen Denkmalamts – und ein gutes Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung und Forschung in Frankfurt zusammenwirken. Dass diese Entdeckung im Zuge des Neubaus der Römerstadtschule möglich wurde, zeigt, wie sich Vergangenheit und Zukunft in unserer Stadt konkret verbinden“, sagte Marcus Gwechenberger, Dezernent für Planen und Wohnen.

Archäologische Zeugnisse römischer Kultpraxis
Der Kultbezirk umfasst elf Steinbauten, die in mehreren Phasen errichtet worden waren, sowie etwa 70 Schächte und zehn Gruben für (rituelle) Deponierungen. Die Gebäudegrundrisse sind ungewöhnlich; sie finden keinen Vergleich in den germanischen und gallischen Provinzen des Römischen Reiches. Mehr als 5.000 Fragmente von bemaltem Wandverputz sowie bronzene Beschläge von Türen und Fenstern belegen eine aufwändige architektonische Gestaltung der Gebäude. 

In den Schächten und Gruben fanden sich neben zahlreichen Keramikgefäßen große Mengen an pflanzlichen und tierischen Überresten, darunter von Fischen und Vögeln. Dabei handelt es sich vermutlich um die Reste kultischer Mahlzeiten und Opferhandlungen für die Götter. Um diese im Detail auswerten zu können, wurden unter anderem 150 Proben für archäozoologische und archäobotanische Untersuchungen genommen. 

Für das Verständnis der im Kultbezirk praktizierten Kult- und Opferhandlungen kommt der Auswertung der bei den Grabungen geborgenen 254 römischen Münzen und mehr als 70 zum Teil vollständig erhaltenen Gewandspangen (Fibeln) aus Silber und Bronze eine besondere Bedeutung zu. Derartige Funde sind vielerorts in römischen Heiligtümern als Weihe- und Votivgaben für die Götter gut belegt. Völlig ungewöhnlich sind hingegen die Hinweise auf mögliche Menschenopfer im Kultbezirk von Nida. Rückschlüsse auf die am Ort verehrten Gottheiten sind trotz der bemerkenswert guten Überlieferung und Erhaltung bislang nur eingeschränkt möglich. Durch Inschriften und bildliche Darstellungen bezeugt sind neben dem höchsten römischen Gott Jupiter der vor allem von Soldaten verehrte Jupiter Dolichenus, der Gott für Handel und Wirtschaft Mercurius Alatheus, die Naturgöttin Diana, der Heilgott Apollon und die keltisch-römische Fruchtbarkeitsgöttin Epona. Das lässt darauf schließen, dass es sich um ein überregional bedeutendes Heiligtum handelt, in dem mehrere Gottheiten nebeneinander verehrt wurden. 

Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde der Kultbezirk zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. angelegt. Die Weihinschrift eines Soldaten für Mercurius Alatheus vom 9. September 246 n. Chr. belegt, dass er zumindest bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bestanden hat. 

Interdisziplinäres Wissenschaftsteam ermöglicht umfassende Erforschung
Die Bewilligung dieses umfangreichen Forschungsprojektes unterstreicht die Bedeutung der archäologischen Forschung im Raum Frankfurt. Es ist ein gutes Beispiel für die Vernetzung der wissenschaftlichen Institutionen innerhalb der Rhein-Main-Region – untereinander sowie mit deren internationalen Partnerinstitutionen. 

Die bewilligten Fördermittel eröffnen die einzigartige Chance, diesen überregional bedeutenden Komplex im Rahmen eines interdisziplinären Projektes umfassend aufzuarbeiten. Ausgehend von der Analyse der Raumgestaltung des Heiligtums und der Auswertung der Deponierungen sollen die vor Ort geübten rituellen Praktiken rekonstruiert werden. Auf diese Weise kann der Kultbezirk von Nida schließlich kulturhistorisch in die Sakrallandschaft der römischen Nordwestprovinzen eingeordnet werden. Am Projekt werden an den unterschiedlichen Institutionen fünf Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf Doktoranden- bzw. Postdocstellen forschen.

Ein Jahr nach Vorstellung der „Frankfurter Silberinschrift“: die Erforschung von Nida geht in die nächste Phase
Die Grabungen des Denkmalamts erbringen seit Jahrzehnten bedeutende Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte und -topographie von Nida. Gut ein Jahr nach der Präsentation der „Frankfurter Silberinschrift“, des ältesten christlichen Schriftzeugnisses nördlich der Alpen, rückt die antike Stadt auf Frankfurter Boden somit erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nun hat das Forschungsteam die einmalige Gelegenheit, sich gemeinsam den römischen Religionen in Frankfurt am Main zu widmen und Tempel, Opfer und Ritual zu erforschen. Die hochwertigen, sehr gut erhaltenen Befunde unterstreichen die herausragende Bedeutung dieser Fundstätte für die Archäologie der Römerzeit in Deutschland: Von einem militärischen Knotenpunkt aus den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. entwickelte sich Nida im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Limesregion. Die Stadt zeichnete sich durch eine außergewöhnliche kulturelle Vielfalt aus und gehörte bis zu ihrer Aufgabe um 275/280 n. Chr. zu den bedeutendsten Siedlungen im römischen Germanien.

Bilder und Bildtexte zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/182413177

Stimmen zum Projekt „Der zentrale Kultbezirk von Nida“

„Die römische Stadt NIDA beschäftigt die Frankfurter Bodendenkmalpflege seit vielen Jahren mit herausragenden Funden und Befunden, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. Dadurch werden das Bild der Stadt und ihre herausragende Bedeutung im Römerreich rechts des Rheins immer deutlicher. Dank der präzisen Arbeit der Ausgräberinnen und Ausgräber bei Freilegung und Dokumentation vor Ort offenbart sich uns in NIDA ein römischer Sakralbezirk, der im gesamten Imperium seinesgleichen sucht.“
Dr. Andrea Hampel, Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main


„Deponierungen können sowohl bei der Sakralisierung als auch bei der Profanisierung von Räumen eine zentrale Rolle spielen. Am Beispiel des römischen Nida untersuchen wir dies nun in einem internationalen und interdisziplinären Forschungsprojekt und zeigen dabei, welche Schlüsselrolle religiöse Praktiken für ein bedeutendes städtisches Zentrum im Limesgebiet einnahmen.“ 
Dr. Kerstin P. Hofmann, Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts


„In vielen antiken Heiligtümern kennt man nur die Grundrisse der Kultbauten. In Nida eröffnet sich die Chance, anhand der vielen erhaltenen Wandmalereifragmente auch etwas über die Raumhöhen, die Raumgliederung und die Innenausstattung zu erfahren. Das wird uns helfen, die Raumfunktion des Kultbezirks und die daraus ablesbaren rituellen Praktiken besser zu verstehen.“
Prof. Dr. Anja Klöckner, Goethe-Universität Frankfurt, Klassische Archäologie

„Im Zentrum einer römischen Stadt befindet sich normalerweise das Forum. Nicht so in Nida. Dort entdeckte man stattdessen ein mehrphasiges Heiligtum mit verschiedenen Tempeln. Das ist singulär. Es bildete wohl das ideelle Zentrum der Siedlung und darüber hinaus vielleicht auch der Region. War es sogar ein Pilgerzentrum? Einflüsse aus Gallien, dem Mittelmeerraum und dem Orient zeichnen sich ab. Die Verfüllungen von 80 Schächten und Gruben bergen Hinterlassenschaften von rituellen Handlungen, z. B. Kultmahlzeiten, also heiligen Müll? Zeugen einige von Ihnen von der planmäßigen Auflassung und Entweihung des Heiligtums im 3. Jahrhundert?“
Prof. Dr. Markus Scholz, Goethe-Universität Frankfurt, Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen

„Tiere und tierische Produkte besaßen in der antiken Religion vermutlich eine zentrale Bedeutung, etwa bei Kultmahlzeiten, als Kommunikationsmedien oder als Opfergaben. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt ermöglicht es, diese Funktionen erstmals umfassend und systematisch für das römische Nida zu untersuchen.“ 
Dr. des. Benjamin Sichert, IPNA, Universität Basel

„Pflanzen und pflanzliche Produkte spielten im Alltag, wie auch im Rahmen religiöser Praktiken in der Antike eine wichtige Rolle. Im römischen Nida bietet sich die einzigartige Möglichkeit, mithilfe archäobotanischer Untersuchungen diese Funktionen differenziert zu erfassen und zugleich Aussagen zu Anbau, Import und Umwelt zu treffen.“ 
Prof. Dr. Astrid Stobbe, Goethe-Universität Frankfurt, Labor für Archäobotanik

„Die Entdeckung des Kultbezirks von Nida war eine große Überraschung, die just mit meinem Dienstantritt am Archäologischen Museum im Sommer 2016 zusammenfiel. Für mich als Kustos der Abteilung Römerzeit war das ein Geschenk zum Einstieg und bot zugleich die Möglichkeit, daraus gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen für die nächsten Jahre ein Projekt zu gestalten. Der Kultbezirk mit seinen zahlreichen Besonderheiten unterstreicht nicht nur die besondere Bedeutung von Nida im römischen Germanien; die Aufarbeitung im Rahmen des DFG-Projekts wird uns weitreichende neue Erkenntnisse zum religiösen Leben und kultischen Praktiken im Norden des Römischen Reiches liefern.“ 
Dr. Carsten Wenzel, Archäologisches Museum Frankfurt

Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Markus Scholz
Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen
Goethe-Universität
Institut für Archäologische Wissenschaften, Abt. II
Telefon +49 (0)69 798-32265
E-Mail m.scholz@em.uni-frankfurt.de

Holger Kieburg M.A.
Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation
Archäologisches Museum Frankfurt
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Mobil 0151 184 01046
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Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 26 2026
14:19

DFG fördert Forschungsservices an der Universitätsbibliothek Frankfurt mit bis zu 2 Mio. Euro.

Fachinformationsdienst (FID) Jüdische Studien wird weiter ausgebaut

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den Fachinformationsdienst (FID) Jüdische Studien für weitere drei Jahre mit bis zu zwei Millionen Euro. So wird die zentrale Informationsinfrastruktur für Forschungen zu Judentum und Israel von der Antike bis in die Gegenwart weiter ausgebaut. Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg verantwortet den FID seit 2016 federführend, unterstützt durch Professor Dr. Kai Eckert, Technische Hochschule Mannheim, als langjährigen Kooperationspartner, sowie seit neuestem durch die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky.

Der FID Jüdische Studien unterstützt Wissenschaftler*innen an Universitäten, Forschungseinrichtungen, Museen, Bibliotheken und Archiven, die zur jüdischen Geschichte, Kultur oder zum Staat Israel forschen mit fachspezifischen Informations- und Serviceangeboten. Dabei berücksichtigt der FID besonders die spezifischen Anforderungen der universitär verankerten Fächer Judaistik, Jüdische Studien, Jüdische Theologie, Jiddistik und Israel-Studien.

Ein Schwerpunkt bildet die Bereitstellung von Fachliteratur, gedruckten Quellen und Datenbanken, wobei der FID auf der national wie international herausragenden Hebraica- und Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek Frankfurt aufbauen kann. Zu den einschlägigen Ressourcen zählt auch eine der bedeutendsten digitalen Sammlungen der Jüdischen Studien, die zentrale Werke zur jüdischen Geschichte und Kultur öffentlich zugänglich macht. Im Rahmen einer neuen Kooperation übernehmen die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg sowie der dort angesiedelte FID Romanistik die Literatur- und Ressourcenversorgung für Forschungen zum Judenspanischen und zur Geschichte und Kultur des sephardischen Judentums.

Darüber hinaus bietet der FID weitere fachlich zugeschnittene Services an – von der Beratung für Forschende und Forschungsprojekte über Veröffentlichungen und Veranstaltungen bis hin zu fachspezifischen Datenservices. In der nun startenden vierten Förderphase (2026–2028) werden diese Angebote in enger Abstimmung mit Fachwissenschaftler*innen weiterentwickelt, um ihre mittel- und langfristige Verstetigung zu sichern. Der FID unterstützt zudem die Vernetzung einer thematisch, methodisch und disziplinär breit aufgestellten Forschungsgemeinschaft. Als zentrale Informationsplattform dient das FID-Portal – www.jewishstudies.de –, das zugleich Zugriff auf weitere Services wie einen spezialisierten Fachkatalog, den Research Navigator Jüdische Studien und JudaicaLink bietet. Der von Prof. Dr. Kai Eckert entwickelte Linked-Open-Data-Service bereitet fachlich relevante Datenbestände als Linked Open Data auf und macht diese über einen Wissensgraphen zugänglich. Dazu zählen die Erschließung hochspezialisierter Ressourcen sowie die Kuratierung von Normdaten, die für digitale Forschungspraktiken zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Kontakt FID Jüdische Studien:
Dr. Kerstin von der Krone, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel.: +49 (69) 798 39665, E-Mail: k.vonderkrone@ub.uni-frankfurt.de

Pressekontakt:
Melanie Baunemann, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. +49 (0)152 023 506 97, E-Mail: kom@ub.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 26 2026
14:07

Dr. Marschner Ausstellungspreis würdigt kuratorische Leistung.

SOLASTALGIE im Museum Giersch der Goethe-Universität: „Ausgezeichnet Ausgestellt“ 

FRANKFURT. Der Preis „Ausgezeichnet Ausgestellt“ der Dr. Marschner Stiftung würdigt eine herausragend kuratorische Leistung und geht für das Jahr 2025 an die Schau „SOLASTALGIE. Spaziergänge durch veränderte Landschaften“ (noch bis 15. Februar 2026) im MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität. Die in Frankfurt und Offenbach einmalige Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und hebt die Bedeutung einer ganzheitlichen Arbeit von Kuratorinnen und Kuratoren sowie kulturellen Einrichtungen hervor. Mit Dr. Katrin Kolk und Dr. Tim Pickartz erhält erstmals ein Kuratorenteam diese Anerkennung der unabhängigen, siebenköpfigen Jury.

Am Donnerstag, dem 26. März 2026, wird der Preis zum achten Mal in Folge bei einem Festakt der Stiftung im Frankfurter Literaturhaus überreicht. Es sprechen neben Stiftungsvorstand Peter Gatzemeier, Dr. Andrea Haller, Mitglied der Jury, der Präsident der Goethe-Universität Prof. Dr. Enrico Schleiff, Ina Neddermeyer, Direktorin Museum Giersch der Goethe-Universität, und das Kuratorenteam des Museums Dr. Katrin Kolk und Dr. Tim Pickartz.

Kontakt:
kontakt@marschner-stiftung.de; www.marschner-stiftung.de  
presse@mggu.de; www.mggu.de

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Jan 23 2026
12:35

Studiengalerie 1.357 an der Goethe-Universität zeigt Videoarbeit „Fala da Terra“ (2022) von Bárbara de Burca und Benjamin Wagner. 

Den Entrechteten in Brasilien eine Stimme geben 

FRANKFURT. In der Videoarbeit „Fala da Terra“ (Voice of the Land) geht es um ein zentrales soziales und politisch brisantes Thema in Brasilien: die Tatsache, dass sich zwei Drittel der Landfläche im Besitz von nur rund drei Prozent der Bevölkerung befinden. Bislang wenig erfolgreich, bemühen sich vertriebene Landarbeiter*innen darum, nicht bewirtschaftetes Land zurückzugewinnen. Die Videokünstler*innen Benjamin Wagner & Bárbara de Burca stellen ihr Kunstschaffen in den Dienst des politischen Aktivismus. „Fala da Terra“ gibt der 1,5 Millionen Anhänger starken brasilianischen Landarbeiter-Bewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) eine Stimme. Ihr Protest richtet sich gegen die Wirkungslosigkeit der 1988 verabschiedeten Verfassungsreform, die eine Neuordnung der Nutzungsrechte von Agrarflächen gewährleisten sollte, um die Lebensbedingungen der Landarbeiter*innen zu verbessern.

Ausstellung Studiengalerie 1.357:

Bárbara de Burca und Benjamin Wagner, „Fala da Terra“ (2022)
High-definition video, 17:26 min
29. Januar – 21. Februar 2026
Eröffnung: 29. Januar 2026, 17.00 Uhr

IG-Farben-Haus, Raum 1.357

Die hoffnungslose Situation der Betroffenen wird in verschiedenen Filmabschnitten mithilfe von Theaterszenen reflektiert. Diese Darstellungsweise ‚entzeitlicht' die Thematik und betont die Kontinuität der Situation. So wird in einer Szene unerwartet Einblick hinter die Bühne gewährt. Diese Art der Inszenierung ist dem „Theater der Unterdrückten“ Augusto Boals entlehnt. Der Perspektivwechsel zieht die Zuschauer*innen in das Geschehen mit ein. Auch Bertoldt Brechts Prinzip des „aus der Rolle fallen“ der Akteure findet Anwendung. Der Wechsel zwischen Theater und Realität führt zu einer reflektierenden Veranschaulichung und umgeht eine starke Emotionalisierung. Denn auch Wagner & de Burca möchten mit ihrem Werk nicht unterhalten, sondern soziale Veränderungen bewirken.

In einer Schlussszene verkündet eine Regierungsvertreterin, dass in Agrarwirtschaft investiert werden könnte, die Arbeitsplätze schaffe. Doch die indigene Wortführerin besteht auf das gemeinschaftliche Nutzungsrecht. Daraufhin wendet sich die Regierungsgesandte an die Soldaten, die die Waffen zücken. Vor schwarzem Bildhintergrund ist plötzlich nur noch panisches Geschrei zu hören. Die aufgenommene Originaltonspur stammt aus dem Jahr 1996, als eine Demonstration der Aktivist*innengruppe gewaltsam beendet wurde. Das von den regierungsnahen Truppen verursachte Massaker an 21 Landarbeiter*innen wird kommentarlos und dokumentargetreu wiedergegeben und verbindet sich zu einer Reflexion über Besitzverhältnisse und aktivistische Gegenentwürfe.

Bárbara Wagners (geb. 1980 in Brasília) und Benjamin de Burcas (geb. 1975 in München) Videoarbeiten und Installationen entstehen im Dialog mit anderen Künstler*innen und Kollektiven, die außerhalb des etablierten Feldes der Gegenwartskunst arbeiten. Parallel findet in der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT eine Ausstellung zu den beiden Künstler*innen statt. Im Mittelpunkt steht unter anderem eine eigens entwickelte Neuproduktion zur „Straight Edge“-Szene in Deutschland. Die SCHIRN-Kuratorin Katharina Dohm war an dem Projekt in der Studiengalerie 1.357 beteiligt.

STUDIENGALERIE 1.357
Öffnungszeiten im Semester: Montag bis Donnerstag 12–17 Uhr, freier Eintritt.
Goethe-Universität, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Die seit 2010 existierende STUDIENGALERIE 1.357 ist ein Lehr- und Lernprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften. Die Studiengalerie versteht sich als Lehr- und Lernort, in dem durch Kunst aktuelle gesellschaftspolitisch relevante Themen in die Universität hineingetragen werden. Studierende lernen komplexe Thematiken international anerkannter Künstler*innen aufzubereiten. Die Studiengalerie 1.357 ist öffentlich zugänglich und richtet sich sowohl an ein universitäres Publikum als auch an die Frankfurter Öffentlichkeit. studiengalerie.uni-frankfurt.de    

Kontakt:
Emma Tomberger, Studiengalerie 1.357, tomberger@em.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 22 2026
10:13

Neue Methode der Goethe-Universität analysiert Altersentwicklung von Säugetieren 

Alternde Zootiere gefährden langfristige Ziele im Artenschutz moderner Zoos

Viele Säugetierpopulationen in europäischen und nordamerikanischen Zoos sind überaltert. Diese Entwicklung gefährdet die langfristige Stabilität sogenannter Reservepopulationen und damit eine zentrale Aufgabe moderner Zoos im Artenschutz. Das zeigt eine internationale Studie unter Beteiligung der Goethe-Universität Frankfurt, die am Mittwoch in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde.

Gerade Fotos und Videos von neugeborenen Zootieren sorgen medial für Aufmerksamkeit – doch der Eindruck, den die niedlichen Jungtiere dabei hinterlassen, täuscht. Es gibt immer weniger Nachwuchs bei Säugetieren und viele Populationen sind mittlerweile überaltert, wie jetzt eine internationale Studie unter Leitung der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Aarhus, dem Zoo Zürich und dem Zoo Kopenhagen zeigt.

Für die Studie analysierten die Forschenden die demografische Entwicklung von insgesamt 774 Säugetierpopulationen (361 in Nordamerika, 413 in Europa), die zwischen 1970 und 2023 in Zoos gehalten wurden. Grundlage der Untersuchung waren Daten aus der internationalen Datenbank „Species360“, die von über 1200 Institutionen weltweit gepflegt und genutzt wird. In dieser Datenbank werden für jedes einzelne Tier unter anderem Alter, Geschlecht, Abstammung, Herkunft sowie der Reproduktionsstatus erfasst. Diese umfassenden Langzeitdaten erlauben eine systematische Analyse der Altersstruktur von Zoopopulationen über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Verzerrte Alterspyramiden
Zur Beurteilung der Stabilität einer Population nutzten die Forschenden sogenannte Alterspyramiden. Hierzu wurde vom Frankfurter Team eine neue Methode zur automatischen Kategorisierung von Populationspyramiden entwickelt, um die Dynamik von Tierpopulationen präziser zu analysieren. Dieser erfolgreich angewendete Ansatz zeigt, dass komplexe demografische Profile in standardisierte Grundformen wie Pyramiden-, Diamant- oder Säulenformen übersetzbar sind. Prof. Paul Dierkes von der Goethe-Universität, der insbesondere bei der Entwicklung dieser methodischen Herangehensweise beteiligt war, erläutert: „Besonders für Zoos und den Artenschutz eröffnet dieser neue methodische Ansatz und die darauf basierenden Ergebnisse Möglichkeiten, demografische Entwicklungen klar zu kommunizieren und fundierte Entscheidungen zu treffen.“

Aber welche Aussagen stecken in den verschiedenen Grundformen? Eine stabile, widerstandsfähige Population weist typischerweise eine pyramidenförmige Altersstruktur auf: Viele junge und fortpflanzungsfähige Individuen bilden die Basis, während der Anteil älterer Tiere nach oben hin abnimmt. Solche Populationen sind besser gegen unerwartete Ereignisse wie Krankheitsausbrüche oder andere Krisen gewappnet. Die Ergebnisse der nun vorliegenden Studie zeigen jedoch für viele Reservepopulationen, dass der Anteil diamant- oder säulenförmiger Populationen zunimmt, bei denen es relativ wenige junge und viele ältere Tiere gibt. Solche Populationen gelten als weniger stabil und weniger resilient.

Die Studie zeigt auch, dass zeitgleich der Anteil der sich aktiv fortpflanzenden Weibchen stark abgenommen hat: um 49 Prozent in den nordamerikanischen und um 68 Prozent in den europäischen Populationen. In einigen der untersuchten Populationen gab es zuletzt gar keine fortpflanzungsfähigen Weibchen mehr. Dies hat nicht nur zur Folge, dass Nachwuchs fehlt, sondern beeinträchtigt auch die Sozialstruktur vieler Tierarten. Die Fortpflanzung und Aufzucht von Jungtieren zählen zu den Grundbedürfnissen von Tieren und sind elementare Bestandteile einer artgerechten Haltung.

Artenschutzziele gefährdet
Die vorliegende Entwicklung beunruhigt die Forschenden und kann die Artenschutzarbeit moderner Zoos gefährden. Zoos übernehmen im globalen Artenschutz eine wichtige, international anerkannte Rolle, insbesondere durch den Erhalt von Reservepopulationen gefährdeter Arten. In einem Positionspapier aus dem Jahr 2023 betont die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature), dass Zoos, Aquarien und botanische Gärten wichtige Partner im Kampf gegen den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt sind. Voraussetzung für diese Rolle ist jedoch, dass die gehaltenen Reservepopulationen stabil, reproduktionsfähig und langfristig überlebensfähig sind. Erstautor Prof. Marcus Clauss von der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich erklärt hierzu: „Dieser Trend muss unbedingt gestoppt und umgekehrt werden. Zoos übernehmen eine zentrale Rolle im Artenschutz. Diese Aufgabe können sie aber nur erfüllen, wenn sie tatsächlich stabile und resiliente Reservepopulationen erhalten. Dafür braucht es wieder mehr Jungtiere und weniger alte Tiere.“

Dierkes ergänzt: „Neben dem Erhalt von Reservepopulationen leisten wissenschaftlich geleitete Zoos einen wichtigen Beitrag durch Bildung und Forschung. Jährlich erreichen sie Millionen von Besucher*innen und vermitteln Wissen über bedrohte Arten, Ursachen des Artensterbens und die Bedeutung des Naturschutzes. Zoos sind damit wichtige Lernorte, die das Verständnis und die Unterstützung für den Artenschutz in der Gesellschaft stärken. Zudem ermöglichen Zoos wichtige wissenschaftliche Studien zu Verhalten, Fortpflanzung und Gesundheit gefährdeter Arten. Diese Erkenntnisse helfen, die Haltung in Zoos zu verbessern und Schutzmaßnahmen in der Natur wirksamer zu gestalten. Sinkende Tierzahlen und überalterte Bestände würden daher nicht nur den Artenschutz selbst, sondern auch die Bildungs- und Forschungsarbeit der Zoos erheblich beeinträchtigen. Folglich sollte das Populationsmanagement in Zoos stärker auf demografische Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Nur wenn es gelingt, den aktuellen Trend zur Überalterung umzukehren, können Zoos ihren Beitrag zum internationalen Artenschutz dauerhaft erfüllen.“

Publikationen:
João Pedro Meireles, Max Hahn-Klimroth, Laurie Bingaman Lackey, Nick van Eeuwijk, Mads F. Bertelsen, Severin Dressen, Paul W. Dierkes, Andrew J. Abraham, and Marcus Clauss. Ageing populations threaten conservation goals of zoos, PNAS (2026), doi.org/10.1073/pnas.2522274123

Max Hahn-Klimroth, João Pedro Meireles, Laurie Bingaman Lackey, Nick van Eeuwijk, Mads F. Bertelsen, Paul W. Dierkes, and Marcus Clauss. 2025, A semi-automatic approach to study population dynamics based on population pyramids, MethodsX (2025), doi.org/10.1016/j.mex.2025.103591

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/182265514

Bildtext: Die Analyse von Meireles und Kolleg*innen zeigt, dass die Fortpflanzung, wie hier am Beispiel des vom Aussterben bedrohten Grevyzebras (Equus grevyi) dargestellt, bei den Säugetierpopulationen in Zoos rückläufig ist (Tim Benz/Zoo Zürich).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Paul W. Dierkes
Didaktik der Biowissenschaften und Zootierbiologie
Goethe-Universität Frankfurt
+49 (0)69 798-42273
dierkes@bio.uni-frankfurt.de
www.zoobiology-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Jan 20 2026
16:20

Internationalen Forschungsinitiative generiert Open-Source-Daten zur Bindung von Liganden an Proteine und schafft Grundlage für KI-gestützte Wirkstoffforschung

KI in der Wirkstoffforschung: Goethe-Universität ist Teil der internationalen Open-Science-Initiative LIGAND-AI

Künstliche Intelligenz könnte die Wirkstoffforschung erheblich zu verbessern – doch es mangelt an öffentlich zugänglichen Daten zum Training der KI-Modelle. Das internationale Konsortium LIGAND-AI mit Partnerinnen aus Wissenschaft und Industrie wird in großem Maßstab hochwertige, öffentlich zugängliche Daten erzeugen, die beschreiben, wie kleine Moleküle mit menschlichen Proteinen interagieren. Diese Daten werden anschließend zur Entwicklung und zum Training von KI-Modellen in der Wirkstoffforschung genutzt. Die Innovative Health Initiative fördert LIGAND-AI mit mehr als 60 Millionen Euro. Die Goethe-Universität leitet den Bereich der medizinischen Chemie des Projekts.

FRANKFURT. Die frühe Phase der Wirkstoffforschung ist ein langwieriger und kostenintensiver Prozess mit ungewissem Ausgang. Insbesondere bei wenig erforschten Zielstrukturen ist die Identifizierung der ersten validierten Bindungspartner – auch als „Hits“ bezeichnet – häufig zeitaufwendig, fehleranfällig und schwierig. Die Partner des internationalen LIGAND-AI-Konsortiums sind überzeugt, dass KI-Modelle diesen Prozess erheblich beschleunigen können. Bislang fehlten jedoch die notwendigen experimentellen Daten, um solche Lernsysteme zu trainieren.

Das Projekt LIGAND-AI unter der Leitung des Pharmaunternehmens Pfizer und der gemeinnützigen Organisation Structural Genomics Consortium (SGC) will dies ändern: Im Rahmen des Projekts werden Tausende von Interaktionen zwischen kleinen Molekülen und Proteinen charakterisiert, die für verschiedene Krankheiten relevant sind, darunter seltene neurologische und onkologische Erkrankungen. Die erzeugten Daten werden der KI-Community in einer öffentlich zugänglichen Datenbank mit namens AIRCHECK zur Verfügung gestellt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsknotenpunkts SGC-Frankfurt an der Goethe-Universität haben bei LIGAND-AI eine zentrale Rolle in der Generierung von Daten und leiten den Bereich der medizinischen Chemie des Projekts mit dem Ziel, die identifizierten Bindungspartner rasch zu potenten Inhibitoren weiterzuentwickeln.

Stefan Knapp, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität und Chief Scientific Officer des SGC-Frankfurt, ist überzeugt: „Indem wir die aus experimentellen Beobachtungen gewonnenen Daten mit KI-Modellen verknüpfen, schaffen wir einen gewaltigen Hebel für die pharmakologische Forschung. Zudem wird die Datenbank gemäß unserer Open-Access-Strategie Forschenden weltweit zur Verfügung stehen.“

Über LIGAND-AI:
Die Projektpartner von LIGAND-AI sind: Structural Genomics Consortium, European Molecular Biology Laboratory (EMBL), Goethe-Universität Frankfurt, Universidade Estadual de Campinas, University College London, University Health Network, Vall d'Hebron Institute of Oncology (VHIO), Abcam Limited, AstraZeneca UK Limited, Chemspace LLC, Enamine Germany GmbH, IBM Research Israel – Science and Technology LTD, Novo Nordisk, Nuvisan ICB GmbH, Pfizer Inc, The Hospital for Sick Children in Toronto, Thermo Fisher Scientific GmbH and Vernalis (R&D) Limited.

LIGAND-AI ist ein Leuchtturmprojekt der Initiative Target 2035. Es wird von der Innovative Health Initiative Joint Undertaking (IHI JU) im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 101252959 unterstützt. Die JU wird gefördert durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe der Europäischen Union sowie durch COCIR, EFPIA, EuropaBio, MedTech Europe, Vaccines Europe, Enamine und The Hospital for Sick Children. Die geäußerten Ansichten und Meinungen stammen jedoch ausschließlich von den Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die der genannten Organisationen wider. Keine der genannten Parteien kann hierfür verantwortlich gemacht werden.


Links:
Structural Genomics Consortium (SGC): https://www.thesgc.org/

Innovative Health Initiative (IHI): https://www.ihi.europa.eu/

Pressemitteilung zum Start von LIGAND-AI: https://www.thesgc.org/news/ihi-project-ligand-ai-launches-advance-artificial-intelligence-ai-driven-drug-discovery

Open-Source-Datenbank AIRCHECK: https://www.aircheck.ai/


Bild zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/182265897

Bildtext: Hochdurchsatzanalyse: Ein Pipettierroboter bereitet in einem pharmazeutischen Labor der Goethe-Universität Proben für die Proteinanalyse vor. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie
und Chief Scientific Officer des SGC-Frankfurt
Goethe-Universität Frankfurt
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de
https://www.uni-frankfurt.de/53483664/Knapp

Structural Genomics Consortium
Sofia Melliou, Research Communications Specialist
sofia.melliou@thesgc.org

Bluesky: @goetheuni.bsky.social @thesgc.bsky.social @ihieurope.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @The Structural Genomics Consortium (SGC) @Innovative Health Initiative (IHI)

Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 19 2026
11:21

Jobmesse ENTER_ZUKUNFT_PÄDAGOGIK 2026 an der Goethe-Universität: 29. Januar 2026, Campus Westend 

Die Faszination der digitalen Welt: Auswirkungen, Bedrohungen und Chancen 

FRANKFURT. Zum 13. Mal präsentieren Unternehmen aus dem Sozial- und Bildungsbereich Studierenden, Absolvent*innen, Alumni und pädagogischen Fachkräften die Vielfalt ihrer Jobmöglichkeiten. Die Jobmesse des Fachbereichs Erziehungswissenschaften findet statt am Donnerstag, den 29.01.2026, von 10-16 Uhr im PEG-Gebäude am Campus Westend. 32 Institutionen stellen ihre aktuellen Projekte und Arbeitsschwerpunkte dar und stehen für Fragen zur Verfügung.

Gestartet wird die Jobmesse mit einem Auftakt-Impuls zum Thema: „Die Faszination der digitalen Welt – Auswirkungen, Bedrohungen und Chancen.“ Es geht u.a. um Fragen: Wie kann digitale Bildung gelingen? Wie verändern neue Medien die Beziehung zwischen Fachkräften und Klientel? Welche Kompetenzen brauchen Pädagog*innen in einer zunehmend digitalisierten Welt?

Mitarbeitende aus unterschiedlichen Institutionen vorwiegend aus dem Sozialwesen werden unter der Moderation von Dr. Birte Egloff (Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität) Antworten zu diesen Fragen geben:

•           Dr. Friedrich Wolf - Wissenschaftlicher Mitarbeiter Fachbereich Erziehungs-wissenschaften/Goethe-Universität Frankfurt

•           Bernd Weidner - Studien- und Berufsberater - Bundesagentur für Arbeit

•           Daniel Meinhardt - Geschäftsführer - Robot School

•           Tobias Albers-Heinemann - Referent für digitale Bildung und Öffentlichkeitsarbeit - der Evangelische Kirche Hessen-Nassau

•           Nathalie Niekel & Kerstin Lutz - Fachberatung Ganztagsangebote an Schulen und Kitas - Internationaler Bund Gesellschaft für Beschäftigung, Bildung und soziale Dienste mbH sowie

•           Tatjana Leichsering - VbFF-Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e. V.

Die Jobmesse ENTER_ZUKUNFT_PÄDAGOGIK bietet Studierenden, Absolvent*innen und Pädagog*innen die Chance, die Bandbreite der beruflichen Perspektiven im Sozial- und Bildungsbereich kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen. Veranstaltet wird die Jobmesse vom Fachbereich Erziehungswissenschaften und dem Career Service der Goethe-Universität sowie dem Paritätischen Bildungswerk Hessen e.V.

Weitere Informationen, auch zu den Ausstellenden, unter: www.jobmesse-paedagogik.uni-frankfurt.de  

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Jan 16 2026
10:14

In der neuen Produktion setzt sich die Chaincourt Theatre Company mit David Mamets „Glengarry Ross“ auseinander. Premiere ist am 30. Januar, Campus Westend.

Reichtum, Macht, Erfolg und Überleben

FRANKFURT. Wie weit würde der Mensch gehen, um Erfolg und Reichtum zu erlangen? Welche Werte dürfen vernachlässigt werden, welche Taten begangen – nur um in einer geldhungrigen Welt zu überleben? Kann man nur erfolgreich werden, wenn man über eine starke maskuline Präsenz verfügt? Mit diesen Fragen und Themen beschäftigt sich das Theaterstück „Glengarry Glen Ross“, das von dem amerikanischen Schriftsteller und Filmemacher David Mamet geschrieben wurde. In der neuen Produktion der Chaincourt Theatre Company, angesiedelt im Institut für England- und Amerika-Studien der Goethe-Universität (IEAS), wird das Stück auf intelligente Weise adaptiert. 

Zur Handlung: Die vier Immobilienmakler Ricarda Roma, Deidre Moss, Ginny Aaronow und Shelly Levene geraten im Laufe von einer Woche in einen hitzigen Wettstreit. Dieser ist ein Versuch, die Mitarbeiter zu ‚motivieren', um die Verkaufszahlen anzukurbeln. Der Sieger bekommt einen Cadillac, der Zweite immerhin noch ein Steakmesser-Set, aber die letzten zwei werden automatisch gefeuert. Mit Verzweiflung, Ehrgeiz und moralisch fragwürdigen Gedanken reagieren die Immobilienmakler auf die Herausforderung und versuchen, so viel wie möglich zu verkaufen. Wer wird das Rennen um das Überleben gewinnen, wer wird den Wölfen zum Fraß vorgeworfen? Es ist ein Stück, das zum Nachdenken anregt, Moral und Werte hinterfragt. In „Glengarry Glen Ross“ greift Mamet sensible Themen auf, die er mit einem mitunter düsteren, aber ebenso auch entspannten Humor und viel Wortwitz behandelt.

Frische Brise: neue und alte Gesichter auf der Bühne

Dieses Semester wird es moderner in der Chaincourt Theatre Company mit David Mamets Theaterstück aus dem Jahre 1983. Die Theatergruppe besteht aus Studierenden verschiedenster Fakultäten der Goethe-Universität, aber auch aus Alumni, die nach langer Pause auf die Bühne zurückkehren. Gegensätzlich zum Stück erscheinen sowohl männliche als auch weibliche Schauspieler*innen auf der Bühne, welches der Regisseur und Leiter der Chaincourt Theatre Company, James Fisk, Dozent der Anglistik- und Amerikanistik, dementsprechend anpasst und adaptiert. Gespielt wird in Originalsprache Englisch; die Aufführungen finden auf der Bühne im IG-Farben-Haus/Nebengebäude statt.

Vorstellungen: Premiere am 30.01.26; weitere Aufführungen folgen am 31.01.26., 05.,06. und 07.02.26. Vorstellungsbeginn ist um 19:30 Uhr.

Tickets: 10€/5€ (Ermäßigung) – Karten sind an der Abendkasse eine Stunde (18:30 Uhr) vor Vorstellungsbeginn erhältlich (kein Vorverkauf).

Ort: Goethe-Universität, Campus Westend, IG Farbenhaus-Nebengebäude, Raum NG 1.741

Kontakt: James Fisk, künstlerische Leitung Chaincourt Theatre Company, IEAS – Institut für England- und Amerika-Studien. fisk@em.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 16 2026
09:38

Eines von wenigen Geräten weltweit ermöglicht Aufnahmen lebender Zellen

Blick ins Innerste des Lebens: Erstes Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator in Hessen an der Goethe-Universität eingeweiht

Die Goethe-Universität Frankfurt hat am Donnerstag feierlich ein hochmodernes Cryo Plasma-FIB-Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator im Wert von mehr als 5 Millionen Euro in Betrieb genommen. Das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Großgerät ist das erste seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in Deutschland. Es ermöglicht präzise Nanobiopsien biologischer Proben, wie Gewebe oder Zellverbände, und ist eine Schlüsseltechnologie für den Exzellenzcluster SCALE, in dem Forschende die molekularen Grundlagen von Zellen untersuchen.

FRANKFURT. Mit einem sogenannten Cryo Plasma-FIB (engl. Plasma Focused Ion Beam) Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator erweitert die Goethe-Universität ihre Forschungsinfrastruktur um ein leistungsstarkes Instrument. Am Buchmann Institute for Molecular Life Sciences auf dem Campus Riedberg wurde das Mikroskop heute eingeweiht – als erstes seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in ganz Deutschland.

Das Großgerät arbeitet mit einem fokussierten Plasma-Ionenstrahl, mit dem winzige Schnitte aus biologischen Zellen präpariert werden können – sogenannte Nanobiopsien mit Abmessungen im Nanometer-Bereich. Der entscheidende Vorteil gegenüber herkömmlichen Ionenstrahl-Mikroskopen: Der Plasmastrahl arbeitet schonender und schneller, was besonders bei empfindlichen biologischen Proben wie wasserhaltigen Zellen von Bedeutung ist. Diese ultradünnen Schnitte können anschließend sowohl im Rasterelektronenmikroskop als auch im Transmissionselektronenmikroskop untersucht werden. So lassen sich etwa Proteinstrukturen in ihrer natürlichen Umgebung sichtbar machen oder zelluläre Veränderungen bei Krankheiten, wie Alzheimer oder Krebs, auf molekularer Ebene nachvollziehen.

„Dieses Mikroskop schafft eine Brücke zwischen Medizin und struktureller Zellbiologie und eröffnet somit völlig neue Möglichkeiten für unsere Forschung“, betont Prof. Achilleas Frangakis, der das Großgerät im Wert von 5,6 Millionen Euro eingeworben hat. „Wir können nun biologische Prozesse im Mikroskop sichtbar machen, die bisher verborgen blieben – etwa wie Proteine in Zellen im immer noch unbekannten physiologischen Kontext zusammenarbeiten oder sogar wie sich Krankheiten auf Nanoebene entwickeln.“

Die gemeinnützige Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung leistete einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Mikroskops, wofür sie mit einer Plakette am Gerät gewürdigt wurde. Für die Stiftung ist die Unterstützung qualitativ hochwertiger, medizinischer Forschungsprojekte ein zentrales Anliegen, um einen Beitrag zur Verbesserung von Forschungsbedingungen und zur Weiterentwicklung medizinischer Erkenntnisse zu leisten.

Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident für Forschung an der Goethe-Universität, hob hervor: „Ohne diese großzügige Förderung wäre diese Anschaffung nicht möglich gewesen. Das Gerät ist für die Arbeit im Exzellenzcluster SCALE unverzichtbar – es erlaubt den Forschenden, die Architektur von Zellen in bisher unerreichter Detailgenauigkeit zu untersuchen.“

SCALE (Subcellular Architecture of Life) ist ein gemeinsames Forschungsprojekt von Goethe-Universität und Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU), den Max-Planck-Instituten für Biophysik und Hirnforschung sowie weiteren Partnern. Forschende untersuchen dort, wie zelluläre Strukturen aufgebaut sind und wie Fehler in diesem molekularen Bauplan zu Krankheiten führen. Das neue Mikroskop ermöglicht es, genau diese fehlerhaften Strukturen in Krebszellen oder bei neurodegenerativen Erkrankungen dreidimensional abzubilden und zu analysieren.

Prof. Maike Windbergs, Forschungsdekanin am Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, verwies darauf, dass das Gerät den Standort Frankfurt für internationale Kooperationen deutlich attraktiver mache. Prof. Martin Pos, Studiendekan am Fachbereich, betonte zudem, dass Studierende und Promovierende hier Zugang zu einer Technologie erhielten, die weltweit nur an wenigen Standorten verfügbar sei – ein wichtiger Baustein für ihre wissenschaftliche Ausbildung und spätere Karriere.
Prof. Inga Hänelt, Sprecherin des Exzellenzclusters SCALE, unterstrich, dass das Mikroskop von Forschenden beider RMU-Partneruniversitäten sowie den weiteren Partnern genutzt werde und neue Einblicke in die subzelluläre Architektur des Lebens erlaube.

Erste Aufnahmen konnten bereits eine Zellstruktur entschlüsseln, die für die menschliche Nierenfunktion entscheidend ist. Das Mikroskop steht nun für vielfältige Forschungsprojekte zur Verfügung.

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/182148333

Bildtext: Prof. Dr. Achilleas Frangakis zeigt das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator (Bild: Uwe Dettmar/Goethe-Universität).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Achilleas Frangakis
Institut für Biophysik
Buchmann Institute for Molecular Life Sciences
Goethe-Universität
+49 69 / 798 46462
achilleas.frangakis@biophysik.uni-frankfurt.de
https://frangakis.biophysik.org/


Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Jan 16 2026
09:09

Eines von wenigen Geräten weltweit ermöglicht Aufnahmen lebender Zellen

Blick ins Innerste des Lebens: Erstes Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator in Hessen an der Goethe-Universität eingeweiht

Die Goethe-Universität Frankfurt hat am Donnerstag feierlich ein hochmodernes Cryo Plasma-FIB-Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator im Wert von mehr als 5 Millionen Euro in Betrieb genommen. Das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Großgerät ist das erste seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in Deutschland. Es ermöglicht präzise Nanobiopsien biologischer Proben, wie Gewebe oder Zellverbände, und ist eine Schlüsseltechnologie für den Exzellenzcluster SCALE, in dem Forschende die molekularen Grundlagen von Zellen untersuchen.

FRANKFURT. Mit einem sogenannten Cryo Plasma-FIB (engl. Plasma Focused Ion Beam) Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator erweitert die Goethe-Universität ihre Forschungsinfrastruktur um ein leistungsstarkes Instrument. Am Buchmann Institute for Molecular Life Sciences auf dem Campus Riedberg wurde das Mikroskop am Donnerstag eingeweiht – als erstes seiner Art in Hessen und eines von nur wenigen in ganz Deutschland.

Das Großgerät arbeitet mit einem fokussierten Plasma-Ionenstrahl, mit dem winzige Schnitte aus biologischen Zellen präpariert werden können – sogenannte Nanobiopsien mit Abmessungen im Nanometer-Bereich. Der entscheidende Vorteil gegenüber herkömmlichen Ionenstrahl-Mikroskopen: Der Plasmastrahl arbeitet schonender und schneller, was besonders bei empfindlichen biologischen Proben wie wasserhaltigen Zellen von Bedeutung ist. Diese ultradünnen Schnitte können anschließend sowohl im Rasterelektronenmikroskop als auch im Transmissionselektronenmikroskop untersucht werden. So lassen sich etwa Proteinstrukturen in ihrer natürlichen Umgebung sichtbar machen oder zelluläre Veränderungen bei Krankheiten, wie Alzheimer oder Krebs, auf molekularer Ebene nachvollziehen.

„Dieses Mikroskop schafft eine Brücke zwischen Medizin und struktureller Zellbiologie und eröffnet somit völlig neue Möglichkeiten für unsere Forschung“, betont Prof. Achilleas Frangakis, der das Großgerät im Wert von 5,6 Millionen Euro eingeworben hat. „Wir können nun biologische Prozesse im Mikroskop sichtbar machen, die bisher verborgen blieben – etwa wie Proteine in Zellen im immer noch unbekannten physiologischen Kontext zusammenarbeiten oder sogar wie sich Krankheiten auf Nanoebene entwickeln.“'

Die gemeinnützige Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung leistete einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Mikroskops, wofür sie mit einer Plakette am Gerät gewürdigt wurde. Für die Stiftung ist die Unterstützung qualitativ hochwertiger, medizinischer Forschungsprojekte ein zentrales Anliegen, um einen Beitrag zur Verbesserung von Forschungsbedingungen und zur Weiterentwicklung medizinischer Erkenntnisse zu leisten.

Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident für Forschung an der Goethe-Universität, hob hervor: „Ohne diese großzügige Förderung wäre diese Anschaffung nicht möglich gewesen. Das Gerät ist für die Arbeit im Exzellenzcluster SCALE unverzichtbar – es erlaubt den Forschenden, die Architektur von Zellen in bisher unerreichter Detailgenauigkeit zu untersuchen.“

SCALE (Subcellular Architecture of Life) ist ein gemeinsames Forschungsprojekt von Goethe-Universität und Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU), den Max-Planck-Instituten für Biophysik und Hirnforschung sowie weiteren Partnern. Forschende untersuchen dort, wie zelluläre Strukturen aufgebaut sind und wie Fehler in diesem molekularen Bauplan zu Krankheiten führen. Das neue Mikroskop ermöglicht es, genau diese fehlerhaften Strukturen in Krebszellen oder bei neurodegenerativen Erkrankungen dreidimensional abzubilden und zu analysieren.

Prof. Maike Windbergs, Forschungsdekanin am Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, verwies darauf, dass das Gerät den Standort Frankfurt für internationale Kooperationen deutlich attraktiver mache. Prof. Martin Pos, Studiendekan am Fachbereich, betonte zudem, dass Studierende und Promovierende hier Zugang zu einer Technologie erhielten, die weltweit nur an wenigen Standorten verfügbar sei – ein wichtiger Baustein für ihre wissenschaftliche Ausbildung und spätere Karriere.
Prof. Inga Hänelt, Sprecherin des Exzellenzclusters SCALE, unterstrich, dass das Mikroskop von Forschenden beider RMU-Partneruniversitäten sowie den weiteren Partnern genutzt werde und neue Einblicke in die subzelluläre Architektur des Lebens erlaube.

Erste Aufnahmen konnten bereits eine Zellstruktur entschlüsseln, die für die menschliche Nierenfunktion entscheidend ist. Das Mikroskop steht nun für vielfältige Forschungsprojekte zur Verfügung.



Bilder zum Download: 
https://www.uni-frankfurt.de/182148333


Bildtext: Prof. Dr. Achilleas Frangakis zeigt das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung unterstützte Rasterelektronenmikroskop mit Nanomanipulator (Bild: Uwe Dettmar/Goethe-Universität).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Achilleas Frangakis
Institut für Biophysik
Buchmann Institute for Molecular Life Sciences
Goethe-Universität
+49 69 / 798 46462
achilleas.frangakis@biophysik.uni-frankfurt.de 
https://frangakis.biophysik.org/

Redaktion: Dr. Phyllis Mania, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13001, Fax 069 798-763-12531, mania@physik.uni-frankfurt.de

 

Jan 15 2026
13:52

Kooperationsprojekt mit dem Stadtschulamt Frankfurt startet mit Auftaktveranstaltung

Erfolgreiches Projekt Sprachförderprofis: jetzt auch im schulischen Ganztag und den Horten

FRANKFURT. Das Projekt „Sprachförderprofis“ der Goethe-Universität Frankfurt und des IDeA-Zentrums begleitet seit Herbst 2016 Erzieherinnen und Erzieher sowie Grundschullehrkräfte in gemeinsamen Fortbildungen. Ziel ist es, pädagogische Fachkräfte darin zu schulen, eine sprachwissenschaftlich fundierte Sprachförderung zu entwickeln und flexibel in großen wie kleinen Gruppen umzusetzen, um Kindern mit besonderem Förderbedarf in Sprache gerecht zu werden – beispielsweise im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Die neue Reihe „Sprachförderprofis 4.0“ in Kooperation mit der Stadt Frankfurt wird den schulischen Ganztag und die Horte zum Thema haben. Interessierte Pädagog*innen können sich ab sofort für die kostenfreien Fortbildungen anmelden.  

Der Auftakt der neuen Fortbildungsreihe fand am gestrigen Mittwoch im Stadtschulamt Frankfurt statt. Uta Clifton, Leiterin des Stadtschulamtes, hob in ihrem Grußwort die langjährige Zusammenarbeit zwischen Goethe-Universität und dem Stadtschulamt Frankfurt hervor, die nunmehr seit 2016 besteht. Zusätzlich zur Sprachförderung in Kita und Grundschule rücke nun auch der schulische Ganztag und die Horte in den Fokus. Sie freue sich, dieses neue Format mitgestalten zu können.

Prof. Petra Schulz, Projektleiterin vom Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache an der Goethe-Universität, zeigte in ihrem Vortrag, wie Sprachförderung davon profitiert, dass man Erkenntnisse aus Sprachwissenschaft und Spracherwerbsforschung einbezieht. Sie hob hervor, dass sowohl im Ganztag und den Horten als auch in Sprachförderverbünden das Wichtige sei, dass sich eine systematische Sprachförderung am Sprachstand des Kindes orientiert. Außerdem sei es wichtig, dass sich diese Förderung am natürlichen Verlauf des Spracherwerbs orientiert. Ihre Studien zeigten, so Schulz, dass Fortbildungen zu linguistisch fundierter Sprachförderung wirksam sind.

Dr. Rabea Lemmer, Referentin im Projekt „Sprachförderprofis“, erläuterte, dass das Ziel der Fortbildungen sei, die Teilnehmenden in ihren Sprachförderkompetenzen zu stärken – „und zwar so, dass sie selbst und die Kinder davon profitieren.“ Dr. Barbara Voet Cornelli, ebenfalls Fortbildnerin im Projekt, ergänzte, dass die Sprachförderkräfte in den Fortbildungen Sprachfördermethoden kennenlernen und erproben. Diese seien ein gutes Werkzeug für die Arbeit in Kita, Schule, Ganztag und Hort.

Die neue Fortbildungsreihe der „Sprachförderprofis“ wendet sich an Pädagogische Fachkräfte im schulischen Ganztag und den Horten (Raum Frankfurt). Die sprachwissenschaftlich basierten Fortbildungen sollen die Teilnehmenden für eine sprachsensible Arbeit im Ganztag fit machen. Zentrale Themen der Sprachförderung und Sprachbildung, insbesondere für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, werden praxisnah vermittelt. 
Die Fortbildungen finden in Kleingruppen statt, sind teilnehmerorientiert und werden individuell gestaltet. Wissen und Handeln sind eng verzahnt durch Vermittlungs-, Umsetzungs- und Reflexionsphasen. Darüber hinaus gibt es passgenaue optionale Angebote, beispielsweise Sprachförderung im Team oder Ausbau bildungssprachlicher Fähigkeiten. Der zeitliche Umfang beträgt insgesamt drei Fortbildungstage mit je vier Stunden, verteilt auf ca. vier Monate. Gerne werden auf Anfrage vertiefende Module und ein individuell abgestimmter zeitlicher Umfang angeboten. Dank der Finanzierung durch das Stadtschulamt Frankfurt ist die Teilnahme kostenlos.

Anmeldung 
Interessierte können sich telefonisch unter 069-798 32573 oder per Mail unter sprachfoerderprofis@em.uni-frankfurt.de anmelden. Weitere Informationen unter www.sprachfoerderprofis.de

Kontakt
Dr. Rabea Lemmer, Arbeitseinheit Deutsch als Zweitsprache, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798 32573 www.fb10.uni-frankfurt.de/DaZ

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jan 15 2026
12:35

Team der Goethe-Universität Frankfurt klassifiziert alle menschlichen E3-Ligasen – neue Möglichkeiten für gezielte Therapien durch Proteinabbau

Familie der „Makler“ hilft beim Aufräumen in der Zelle

Zellen bilden ständig neue Proteine und bauen nicht mehr benötigte ab. Für den Abbau nutzen die Zellen überwiegend das Ubiquitin-Proteasom-System (UPS), wo Proteine mit Ubiquitin markiert und zu einem „Schredder“ weitergeleitet werden, dem Proteasom. Zentral ist dabei das Enzym E3-Ligase, das als „Makler“ fungiert und die Markierung der abzubauenden Proteine vermittelt. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt hat nun erstmals einen systematischen Katalog aller menschlichen E3-Ligasen und ihrer Beziehungen zueinander erstellt und 40 von ihnen als potenzielle Akteure in neu entstehenden Wirkstoffklassen wie den PROTACs identifiziert, die etwa in der Krebstherapie eingesetzt werden.

FRANKFURT. Ordnung zu halten ist eine große logistische Herausforderung für die Zelle: Eine einzelne Säugetierzelle enthält Milliarden von Proteinmolekülen, die präzise gebildet, genutzt und wieder abgebaut werden müssen. Zum Abbau über das Ubiquitin-Proteasom-System (UPS) werden bestimmte Proteine mit Ketten mehrerer Ubiquitin-Moleküle versehen und anschließend von einem Proteasom geschreddert. Der entscheidende Schritt in diesem Prozess ist die Auswahl des spezifischen Zielproteins: E3-Ligasen sind Enzyme, die als molekulare „Makler" an das Zielprotein binden und dann die Übertragung von Ubiquitin von einem E2-Enzym auf das Zielprotein vermitteln.

Da jede E3-Ligase nur eine begrenzte Anzahl von Zielproteinen erkennt, verfügen Zellen über ein großes und vielfältiges Repertoire an E3-Ligasen. Ein Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt unter der Leitung von Dr. Ramachandra M. Bhaskara vom Institut für Biochemie II hat nun alle Mitglieder dieser „Makler-Familie" in einem Katalog zusammengestellt und erstmals aufgezeigt, wie menschliche E3-Ligasen miteinander in Beziehung stehen und was dies für ihre Funktion, die Erkennung der Zielproteine und die Arzneimittelentwicklung bedeutet.

Eine datengestützte Karte des „E3-Ligoms"

Zur Beschreibung dieser Makler-Sippschaft – des sogenannten „E3-Ligoms“ – verglichen die Forschenden im Computer und mit KI-Unterstützung die E3-Ligase-Merkmale miteinander. Anschließend bestätigten sie die Ergebnisse in Zellkulturexperimenten und konnten so Schlussfolgerungen zur Funktion der E3-Ligasen ziehen. Über diese Funktionen definierten sie 13 Hauptfamilien sowie mehrere Unterfamilien, die die Gemeinsamkeiten zwischen den E3-Ligase-Mitgliedern besser wiedergeben als alleinige Aminosäuresequenz- oder Strukturähnlichkeiten. Bhaskara erklärt: „Unser datengestützter Ansatz auf Basis von maschinellem Lernen zeigt Funktionen, die spezifisch für E3-Ligase-Familien sind. So sind die Mitglieder einer Familie beispielsweise wichtig für DNA-Reparaturprogramme und die Vermeidung von ungewolltem Zelltod, während andere an der antiviralen Abwehr beteiligt sind.“

Über ihre Rolle beim Proteinabbau hinaus sind E3-Ligasen auch an Signalübertragungsprozessen beteiligt. Hierzu wird Ubiquitin eingesetzt, das nicht für den Proteinabbau genutzt wird. Dies zeigt, dass E3-Ligasen für zahlreiche zelluläre Signalwege und Krankheitsmechanismen bedeutsam sind.

Bedeutung für Therapeutika der nächsten Generation

Die neue E3-Ligase-Karte ist besonders für neuartige Wirkstoffe wie PROTACs relevant, die den gezielten Proteinabbau ermöglichen. PROTACs (Proteolysis Targeting Chimeras) sind bifunktionelle Moleküle, die eine E3-Ligase in die Nähe eines krankheitsrelevanten Proteins bringen und so dafür sorgen, dass das Protein mit Ubiquitin markiert und durch ein Proteasom geschreddert wird. Obwohl sich das PROTAC-Forschungsgebiet rasch weiterentwickelt hat, stützen sich die meisten bestehenden PROTACs nur auf eine kleine Anzahl gut charakterisierter E3-Ligasen.

Durch die systematische Analyse des gesamten E3-Ligoms identifizierte das Frankfurter Forschungsteam 40 weitere E3-Ligasen, die sich potenziell für die Entwicklung neuer PROTACs eignen. Besonders wichtig: Die E3-Ligase-Karte ermöglicht es, bereits etablierte Bindungspartner von E3-Ligasen für verwandte E3-Ligasen zu verwenden oder anzupassen und Designprinzipien zu übertragen. Auf diese Weise könnte die Entwicklung neuer PROTACs für weitere Körpergewebe, Zellkonstellationen und Krankheiten beschleunigt werden.

Offene Ressource für die Forschungsgemeinschaft

Da weltweit zahlreiche Forschungsgruppen an Ansätzen zum zielgerichteten Proteinabbau arbeiten, hat das Team der Goethe-Universität das vollständige E3-Ligom über eine spezielle Datenbank öffentlich zugänglich gemacht, sodass andere Forschende auf der Klassifizierung und den funktionalen Erkenntnissen aufbauen können.

Publikation: Arghya Dutta, Alberto Cristiani, Siddhanta V. Nikte, Jonathan Eisert, Yves Matthess, Borna Markusic, Cosmin Tudose, Chiara Becht, Varun Jayeshkumar Shah, Thorsten Mosler, Koraljka Husnjak, Ivan Dikic, Manuel Kaulich, Ramachandra M. Bhaskara: Multi-scale classification decodes the complexity of the human E3 ligome.  Nature Communications (2025) https://doi.org/10.1038/s41467-025-67450-9

Bilder zum Download:
https://www.uni-frankfurt.de/181983680

Bildtexte:
1) Familien-Sonne: Forschende der Goethe-Universität haben die Verwandtschaftsverhältnisse aller 462 E3-Ligasen des Menschen aufgeklärt. Zudem unterstützen E3-Ligasen nicht-degradative Funktionen. Bild: Ramachandra Bhaskara, Goethe-Universität Frankfurt

2) PROTACs und E3-Ligasen: PROTACs verbinden ein Zielprotein (Protein of Interest, POI) mit einer E3-Ligase, die die Ubiquitin-Markierung (gelb) des POI durch ein E2-Enzym vermittelt. Anschließend wird das POI im Proteasom-Schredder (blau) abgebaut. Bild: Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen
Dr. Ramachandra M. Bhaskara
Gruppenleiter Computational Cell Biology
Institut für Biochemie II
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 (0)69 7984-2526
Bhaskara@med.uni-frankfurt.de
https://biochem2.com/people/bhaskara-ramachandra-m


Bluesky: @goetheuni.bsky.social @ibc2-gu.bsky.social @idikic.bsky.social
Linkedin: @Goethe-Universität Frankfurt @Institute of Biochemistry II (IBC2) @Ramachandra M Bhaskara

Redaktion:
Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de


 

Jan 13 2026
13:05

Bildungsforscherin übernimmt zugleich Professur an der Goethe-Universität. 

Prof. Dr. Yvonne Anders neue Direktorin am DIPF

Mit Prof. Dr. Yvonne Anders gewinnt das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation eine exzellente Wissenschaftlerin für eine zentrale Leitungsposition: Die Bildungsforscherin ist neue Direktorin an dem Institut, was mit der Leitung einer der fünf Abteilungen und einem Sitz im Vorstand verbunden ist. Zugleich wird sie in Kooperation mit dem DIPF auf die Professur für „Psychologie mit dem Schwerpunkt Bildung und Entwicklung“ an der Goethe-Universität Frankfurt berufen.

FRANKFURT. „Unsere Forschung wird sich weiterhin auf die individuelle kindliche Entwicklung konzentrieren, allerdings die Rolle der Bildungskontexte wie Familie, Kita und Schule stärker beleuchten“, erläutert Yvonne Anders die Ausrichtung ihrer Abteilung am DIPF, die in „Entwicklung in Bildungskontexten“ (EnBi) umbenannt wird. Das Interesse gelte dabei Kindern in den ersten zehn Lebensjahren, einen besonderen Fokus lege sie selbst auf das Alter bis sechs Jahre, so die Forscherin. Schwerpunkte bilden Fragen von Bildungsqualität, Diversität und Chancengerechtigkeit, die professionellen Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte, der Übergang von der Kita zur Grundschule und die Digitalisierung. Von quantitativen Ansätzen ausgehend wird die Abteilung weiterhin verschiedene Methoden kombinieren. Neben einem hohen theoretischen Anspruch soll der Transfer von Wissen sowie der Austausch zwischen der Forschung auf der einen und Praxis, Politik und Öffentlichkeit auf der anderen Seite eine zentrale Rolle spielen – etwa durch Praxismaterialien, Weiterbildungen, Elternangebote, digitale Programme und bildungspolitische Beratung.

Am DIPF und an der Goethe-Universität Frankfurt ist man hocherfreut über die Neubesetzung: „Mit Yvonne Anders gewinnt das DIPF eine herausragende Wissenschaftlerin, die mit ihrer Forschung maßgebliche Impulse für das Verständnis kindlicher Entwicklung setzt. Ihre Perspektive auf frühkindliche Bildungsprozesse und deren gesellschaftliche Bedeutung ist ein zentraler Baustein, um die strategische Weiterentwicklung des DIPF voranzutreiben und neue Wege für eine chancengerechte Bildung von Anfang an zu eröffnen“, unterstreicht Prof. Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF.

„Ich gratuliere Yvonne Anders herzlich zu ihrer Berufung! Als Direktorin am DIPF und gemeinsam berufene Professorin an der Goethe-Universität wird sie entscheidend dazu beitragen, die langjährige und erfolgreiche Kooperation beider Institutionen auf dem Gebiet der Bildungsforschung weiter zu vertiefen“, so Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität.

Werdegang von Yvonne Anders

Yvonne Anders kommt von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, wo sie als Professorin für „Frühkindliche Bildung und Erziehung“ tätig war und auch die wissenschaftliche Ko-Leitung der Säule „Lernumwelten“ des Nationalen Bildungspanels (NEPS) innehatte. Dort verantwortete sie zudem zahlreiche wissenschaftliche Projekte im Bereich der frühkindlichen Entwicklung und der fachlichen Arbeit von Kitas. Ihrer neuen Aufgabe blickt die Wissenschaftlerin mit großer Vorfreude entgegen: „National wie international ist das DIPF für seinen interdisziplinären und gleichermaßen grundlagen- wie anwendungsorientierten Blick auf Bildung bekannt. Mit innovativer Forschung möchte ich dazu beitragen, diesen umfassenden Ansatz weiter voranzubringen.“ Vor ihrer Tätigkeit in Bamberg war Anders Professorin für „Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Frühkindliche Bildung und Erziehung“ an der Freien Universität Berlin. Die promovierte Psychologin habilitierte in den Fächern „Pädagogische Psychologie“ und „Empirische Bildungsforschung“. Sie ist unter anderem Mitglied der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der KMK und der Expertenkommission der Bundesregierung zu Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. 

Forschungsvorhaben am DIPF

Professorin Anders gehört zum Leitungskreis des wissenschaftlichen Konsortiums der Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE) und verantwortet zudem ein BRISE-Teilprojekt zur Interaktionsqualität in Familie und Kita. Diese Aktivitäten setzt sie in ihrer neuen Funktion fort und stärkt damit den bereits laufenden Beitrag des DIPF zu der Initiative. Auch die führende Beteiligung von Yvonne Anders an der Evaluation des Landesprogramms „Sprachfit“ in Baden-Württemberg erfolgt nun vom DIPF aus. Als Direktorin an dem Leibniz-Institut folgt die Forscherin auf Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, der diese Funktion rund 18 Jahre ausgefüllt und dabei Meilensteine der Institutsentwicklung vorangetrieben hat. Dazu gehörte die Gründung des Forschungszentrums „IDeA“ (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk), das Entwicklungs- und Lernprozesse bei Kindern mit Bildungsrisiken untersucht. Die Koordination und die Labore von IDeA bleiben als Servicestrukturen unter der neuen Führung eine maßgebliche Aufgabe der DIPF-Abteilung. Marcus Hasselhorn übergibt außerdem seinen Platz im „Scientific Board“ des IDeA-Zentrums an Yvonne Anders. Weitere große Projekte der Abteilung, etwa die Beteiligung am Forschungszentrum DYNAMIC, das neue Wege der Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen mithilfe dynamischer Netzwerkmodelle untersucht, werden ebenso fortgeführt.

Kontakt:

Prof. Dr. Yvonne Anders, +49 (0)69 24708-450, y.anders@dipf.de  

Pressekontakt:

Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, p.stirm@dipf.de    

Dr. Dirk Frank, Goethe-Universität, +49 (069 798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

Redaktion: Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de