​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ – April 2019

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Apr 11 2019
10:46

Heimische Arten können sich gegen eingeschleppte Pflanzenfresser schlechter schützen

​ Kaninchen gefährden Pflanzenvielfalt auf Teneriffa

FRANKFURT. Inseln tragen wegen der vielen nur dort heimischen Arten überproportional zur globalen Biodiversität bei. Diese Arten sind aber auch besonders vom Aussterben bedroht. Eine Studie von Biogeographen der Goethe-Universität zeigt nur erstmals auf der Skala einer ganzen, sehr vielfältigen Insel – Teneriffa -, dass diese Arten von eingewanderten Pflanzenfressern bevorzugt werden.

Teneriffa ist die artenreichste Insel des Atlantiks. Eine weitläufige Annahme ist, dass die dort heimischen (endemischen) Pflanzenarten besonders von eingewanderten Pflanzenfressern, insbesondere Kaninchen, bevorzugt werden. Diese Pflanzenarten haben sich nämlich unter Bedingungen entwickelt, wo es noch keine großen Pflanzen fressenden Säugetiere gab. Deshalb verfügen sie auch nicht über Mechanismen, sich gegen Fraßfeinde zu wehren.

Das internationale Forschungsteam von Prof. Severin Irl vom Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität hat nun erstmals die gesamte und sehr vielfältige Kanareninsel Teneriffa beprobt und bestätigt, dass endemische Arten stärker von Kaninchen gefressen werden als nicht-endemische: Zwei Drittel aller endemischen Arten sind von Fraßschäden betroffen. „Wir haben außerdem festgestellt, dass manche Ökosysteme stärker betroffen sind als andere“, fasst Prof. Severin Irl die Ergebnisse zusammen. Wider Erwarten ist die Kaninchendichte ein schlechter Indikator für Fraßschäden.

„Wir gehen davon aus, dass diese Ergebnisse auch für andere Inseln weltweit gelten, da Teneriffa durch seine Vielfältigkeit und seiner Vielzahl an Ökosystemen und Habitaten als Modelsystem für Inseln gelten kann“, so Irl. Zum Erhalt der kostbaren Biodiversität empfehlen Irl und seine Ko-Autoren von der Universität La Laguna auf Teneriffa, dem El Teide Nationalpark auf Teneriffa und der dortigen Naturschutzbehörde, den Kaninchenbestand auf der Insel stark einzudämmen.

Publikation: Cubas J, Irl SDH, Villafuerte R, Bello-Rodríguez V, Rodríguez-Luengo JL, del Arco M, Martín-Esquivel JL, González-Mancebo JM. 2019 Endemic plant species are more palatable to introduced herbivores than non-endemics. Proc. R. Soc. B 286: 20190136. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2019.0136

Bilder zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/77275578

Bildtexte:
Bild 2: Blick auf den Teide (Standort ca. 2200 m). In Vordergrund rechts sieht man den Teide-Ginster (Spartocytisus supranubius) – eine endemische Art, die nur in den Hochlagen von Teneriffa und La Palma zu finden ist. Gut zu erkennen ist, dass in Bodennähe der Rutenstrauch durch Kaninchen schon stark angefressen ist. 

Bild 3: Der hochgradig endemische Wildprets Natternkopf (Echium wildpretii) ist nur in den Hochlagen der Inseln zu finden. Er produziert nur einmal im Leben diesen imposanten, rotleuchtenden Blütenstand mit mehreren Tausend Blüten, bevor er stirbt. Im Hintergrund ist der Pico del Teide zu sehen. Standort auf ca. 2300 m.

Bild 4: Aufnahmen im Gelände zur Populationsdichte der Kaninchen in den oberen Lagen des Kanaren-Kiefernwalds. Anhand einer Vielzahl solcher Ringaufnahmen konnte die Populationsdichte der Kaninchen durch zählen ihrer Exkremente über die gesamte Insel ermittelt werden. Im Bild: Victor Bello-Rodríguez von der Universität La Laguna auf Teneriffa zu sehen. Standort auf ca. 1900 m.

Bildrechte: Alle Fotos von Prof. Severin Irl 

Informationen: Prof. Severin Irl, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798-40171; irl@geo.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/71993212/ir

 

Apr 11 2019
10:00

​ Damit kommen weitere wichtige Unterlagen der Kritischen Theorie ins Archiv der Frankfurter Schule im Archivzentrum der UB.

Universitätsbibliothek Frankfurt übernimmt Teilnachlass des Soziologen und Mediziners Horst Baier

FRANKFURT. Das Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main hat wichtige Teile aus dem wissenschaftlichen Nachlass des Mediziners und Soziologen Horst Baier (1933-2017) erhalten. Seine Tochter hat die Dokumente an das Archivzentrum übergeben. In den Unterlagen befinden sich zahlreiche Korrespondenzen mit der internationalen soziologischen Fachwelt, teilweise unveröffentlichte wissenschaftliche Manuskripte aus dem Institut für Sozialforschung und der Goethe-Universität sowie vereinzelt private Dokumente. Ein Übereignungsvertrag regelt die rechtlichen Angelegenheiten. Die Nachlassunterlagen wurden in einem mit den Erben abgestimmten Verfahren aufgeteilt zwischen der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, dem Universitätsarchiv Konstanz und dem Sozialwissenschaftlichen Archiv der Universität Konstanz.

Archivmitarbeiter der Bibliothek haben die Unterlagen aus der Privatwohnung Baiers abgeholt und nach Frankfurt gebracht. Die Überlieferung besteht aus ca. 24.000 Seiten mit teilweise unveröffentlichten Manuskripten, die in ihrem zeitlichen Umfang bis in die Studienzeit an der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster Ende der 1950er Jahre zurückreichen. Diese Zeit war für Baiers weitere philosophische Entwicklung prägend. Im Jahr 1969 habilitierte er sich im Fach Soziologie an der Universität Münster mit einer Studie über Max Weber. Für die Geschichte der Frankfurter Schule sind vor allem die Unterlagen ab 1970 interessant, nachdem Baier als Ordinarius für Soziologie und Philosophie auf den Lehrstuhl von Theodor W. Adorno an die Frankfurter Goethe-Universität berufen wurde. Nur wenige Jahre später wechselte er 1975 an die Universität in Konstanz, wo er bis zu seinem Tod 2017 auch gewohnt hat.

Sämtliche Archivalien zur Frankfurter Schule, wie die Nachlässe Max Horkheimers, Herbert Marcuses, Jürgen Habermas' sowie weitere Archivbestände können im Archivzentrum der Universitätsbibliothek im Rahmen der Öffnungszeiten und der Benutzungsordnung nach Voranmeldung eingehend untersucht werden.

Weitere Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter des Archivzentrums, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel. +49 (69) 798 39007; m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

 

Apr 10 2019
16:44

Unistart-Messe für alle Erstsemester auf dem Campus Westend der Goethe-Universität 

Begrüßung für neue Studierende

FRANKFURT. Für über 3.000 neue Studierende startet das Sommersemester am Donnerstag mit einer großen Messe: Auf der zentralen Begrüßungsveranstaltung der Goethe-Universität werden sie von Universitätsvizepräsident Prof. Rolf van Dick, Stadtrat Dr. Bernd Heidenreich, dem AStA-Vorstand sowie von Fachschaftsvertretern begrüßt. Der Markt der Möglichkeiten bietet den neuen Studierenden einen Überblick über Angebote und Serviceleistungen der Goethe-Universität. So präsentieren sich auf der Messe unter anderem das International Office, das Studierenden-Service-Center (SSC), das Career Center, der Hochschulsport und viele studentische Initiativen. Abends gibt es dann eine Party für alle „Erstis“ im Casino.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff freut sich auf die „Erstis“: „Schön, dass Sie sich für die Goethe-Universität entschieden haben. Für Ihren Start ins Studium wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Erfolg. Die Goethe-Uni verfügt als eine der größten deutschen Universitäten über ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten. Daher ein persönlicher Tipp von mir: Seien Sie neugierig in dieser neuen Lebensphase; schnuppern Sie auch mal in Veranstaltungen hinein, die nicht verpflichtend in Ihrem Stundenplan stehen. Engagieren Sie sich!“

Medienvertreter sind herzlich zur Semestereröffnung eingeladen.

Unistart-Messe Sommersemester 2019: Die Uni stellt sich vor! 

11. April, 13.00-16.00 Uhr, Hörsaalzentrum, Campus Westend 

Begleitprogramm 

13.00 Uhr, HZ 14: Das Hochschulrechenzentrum - Dein Ansprechpartner für alle IT-Services. 

13.00 Uhr, HZ 15: Frankfurter Sparkasse – Motivation treibt Innovation, „make dreams come true“ 

13.30 Uhr, HZ 14: Studien Service Center/Deutschlandstipendien - Stipendium statt Nebenjob 

13.30 Uhr, HZ 15: Improved Reading – schnelleres und effektiveres Lesen leicht gemacht 

14.00 Uhr, HZ 2: Zentrale Begrüßung durch den Vizepräsidenten der Goethe-Universität, Prof. Rolf van Dick, Frankfurts Stadtrat Dr. Bernd Heidenreich, den AStA-Vorstand und Fachschaftsvertreterinnen und -vertreter der Standorte der Goethe-Universität 

15.00 Uhr, HZ 2: Der Career Service der Goethe-Universität stellt sich vor 

15.15 Uhr, HZ 14: AIAS – Studierende gegen Blutkrebs 

15.15 Uhr, HZ 15: Deutsch-Israelische Hochschulgemeinde 

15.30 Uhr, HZ 2: Referat Arbeitsschutz der Goethe-Universität – Einweisung Brandschutz für alle 

15.45 Uhr, HZ 14: Zentrale Studienberatung – Studieren ohne Barrieren. Infos für alle mit Beeinträchtigungen 15.45 Uhr, HZ 15: Goethe Business and Economics Group über „Karriere“ 

  Ab 21.00 Uhr: Große unistart-Party für alle Erstsemester mit Planet Radio im Casino. 

Weitere Infos unter www.unistart-frankfurt.de

 

Apr 10 2019
16:34

Goethe-Universität an den bahnbrechenden Beobachtungen des gewaltigen Schwarzen Lochs in der fernen Galaxie Messier 87 beteiligt

Astronomen zeigen erstes Bild eines Schwarzen Lochs

FRANKFURT. Forschende des Event-Horizon-Teleskop-Projekts (EHT-Projekts) haben heute auf mehreren internationalen Pressekonferenzen ein bahnbrechendes Ergebnis bekannt gegeben: Erstmals ist ihnen der direkte sichtbare Nachweis eines Schwarzen Lochs gelungen. Es befindet sich im Zentrum der benachbarten Galaxie M87 in einer Entfernung von 55 Millionen Lichtjahren. Dazu sind sechs wissenschaftliche Publikationen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Astrophysical Journal Letters" erschienen.

Das EHT-Konsortium betreibt ein weltumspannendes Netzwerk von acht bodengebundenen Radioteleskopen, die zusammengeschaltet wurden. Mit von der Partie ist das europäische Black Hole Cam (BHC)-Team unter der Leitung von Astrophysikern der Goethe-Universität, des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn und der Radboud University in Nijmegen, Niederlande.

„Wir präsentieren der Menschheit den ersten Blick auf ein Schwarzes Loch – sozusagen eine Einbahnstraße zum Verlassen unseres Universums", sagt Sheperd S. Doeleman vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics, der Projektdirektor des EHT. „Das ist ein Meilenstein für die Astronomie und eine große wissenschaftliche Leistung, die mehr als 200 Forscher ermöglicht haben." 

Schwarze Löcher sind kosmische Objekte, die eine unvorstellbare Gesamtmasse innerhalb eines winzigen Bereichs umfassen. Die Existenz eines solchen Objekts beeinflusst seine direkte Umgebung in extremer Weise; Sie führt zu einer starken Krümmung der Raum-Zeit sowie zur Aufheizung des umgebenden Materials, so dass es anfängt zu leuchten. 

„Sobald es in eine hell leuchtende Umgebung wie eine glühende Gasscheibe eingebettet ist, erwarten wir von einem Schwarzen Loch, dass es eine dunkle Region ähnlich wie ein Schatten erzeugt – ein Effekt, der von Einsteins Relativitätstheorie vorhergesagt wurde, den wir bisher aber noch nie beobachten konnten", sagt der Vorsitzende des EHT-Wissenschaftsrat, Heino Falcke, von der Radboud-Universität. „Dieser Schatten verrät uns eine Menge über die Natur dieser faszinierenden Objekte und ermöglicht es uns, die enorme Gesamtmasse des Schwarzen Lochs von M87 zu bestimmen." Wie die Forscher errechnet haben, beträgt sie mehr als sechs Milliarden Sonnenmassen. 

Die EHT-Beobachtungen zeigen tatsächlich eine ringförmige Struktur mit einer dunklen, zentral gelegenen Region – den Schatten des Schwarzen Lochs. Dieser Ring zeigt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Beobachtungen, die unabhängig voneinander ausgewertet wurden. „Sobald wir sicher waren, den Schatten des Schwarzen Lochs erfasst zu haben, verglichen wir die Beobachtungen mit einer Vielzahl von Computermodellen, die sowohl die gekrümmte Raum-Zeit als auch hocherhitzte Materie sowie kosmische Magnetfelder beinhalteten. Eine Reihe der Detailstrukturen im beobachteten Bild stimmen in hervorragender Weise mit den theoretischen Vorhersagen überein", erläutert Luciano Rezzolla, Professor für Theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität. 

Die Gruppe von Luciano Rezzolla hat grundlegende Beiträge zur theoretischen Interpretation der Ergebnisse in allen Stadien der Beobachtung geleistet: Sie simulierte auf Supercomputern, wie Materie in einer ringförmigen Scheibe das Schwarze Loch umkreist und hineingesogen wird und wie die Lichtstrahlen durch die ungeheure Gravitation um das Schwarze Loch herum verbogen werden. Ebenso galt es, verschiedene Alternativen zu Schwarzen Löchern auszuschließen, die ebenfalls mit der Allgemeinen Relativitätstheorie vereinbar sind. „Die Konfrontation der Theorie mit den Beobachtungen ist für einen theoretischen Physiker immer ein dramatischer Moment. Wir waren sehr erleichtert und auch stolz, dass die Beobachtungen so gut mit unseren Vorhersagen übereinstimmten“, so Luciano Rezzolla. 

Für das direkte Bild des Schwarzen Lochs benötigten die Astronomen ein Teleskop von bisher unerreichter Präzision und Empfindlichkeit. Die Realisierung dieses Teleskops – des Event-Horizon-Teleskops – gelang ihnen durch den Ausbau und das Zusammenschalten eines weltweiten Netzwerks von acht bereits existierenden Teleskopen an Standorten mit teilweise herausfordernden klimatischen Bedingungen: auf dem Gipfel des Mauna Kea auf Hawaii, in der Atacama-Wüste in Chile, der Antarktis, Mexiko, Arizona und der Sierra Nevada in Südspanien. 

Die Teleskope arbeiten auf der Grundlage einer Beobachtungstechnik zusammen, die als Very-Long-Baseline-Interferometrie (VLBI) bezeichnet wird. Dadurch werden Einzelteleskope weltweit miteinander verbunden und unter Ausnutzung der Erdrotation ein virtuelles Riesenteleskop von der Größe der Erde selbst geschaffen. VLBI ermöglicht EHT-Beobachtungen mit einer Auflösung von 20 Mikro-Bogensekunden. Das ist so präzise, dass man damit von einem Straßencafé in Berlin aus eine Zeitung in New York lesen könnte. 

„Das IRAM 30-Meter-Teleskop auf dem Pico del Veleta in der Sierra Nevada ist das empfindlichste Einzelteleskop des EHT-Verbundes“, erklärt Karl Schuster, Direktor von IRAM und Mitglied des EHT-Leitungsgremiums. „Indem wir die weltweit besten Radioteleskope auf insgesamt vier Kontinenten zusammen schalten, können wir eine nie dagewesene Empfindlichkeit und räumliche Auflösung erreichen, die es uns erlaubt, Messungen an der Grenze des physikalisch Möglichen durchzuführen.“ Seit Ende 2018 ist mit NOEMA in den französischen Alpen auch das zweite IRAM-Observatorium Teil des weltweiten Verbundes. 

Der Aufbau des EHT stellt das Ergebnis jahrelanger Anstrengungen dar und ist ein Beispiel für weltumfassende Zusammenarbeit von Forschern in unterschiedlichen Ländern. Insgesamt dreizehn Partnerinstitutionen haben im Rahmen des EHT kooperiert. Eine wesentliche Förderung erfolgte über den Europäischen Forschungsrat (ERC), die amerikanische National Science Foundation (NSF), sowie Organisationen in Ostasien. 

„Nachdem wir schwarze Löcher jahrzehntelang nur indirekt postulieren konnten, wenn auch mit großartiger Genauigkeit, konnten wir 2015 mit LIGO zunächst ‚hörbar' machen, wie sich die Verschmelzung Schwarzer Löcher auf die Raum-Zeit auswirkt", erklärt Michael Kramer, Direktor am MPIfR und einer der drei Leiter des ERC Black Hole Cam-Projekts. „Nun können wir sie endlich auch ‚sehen' und damit deren extreme Raum-Zeit-Krümmung auf einzigartige Weise untersuchen.“ 

„Diese Ergebnisse markieren einen wichtigen Meilenstein für unser Verständnis der fundamentalen Prozesse bei der Bildung und Entwicklung von Galaxien im Universum. Besonders bemerkenswert ist, dass wir es in diesem Projekt schneller als erwartet geschafft haben, astronomische Beobachtungen und theoretische Interpretation zum erhofften Erfolg zu bringen. In Zukunft werden Forscher weit über unser Arbeitsgebiet hinaus klar die Zeit vor und nach dieser Entdeckung unterscheiden", erwartet Anton Zensus, Direktor am Max Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und Vorsitzender des EHT-Leitungsgremiums

Publikationen: https://iopscience.iop.org/journal/2041-8205/page/Focus_on_EHT 

Das Bild des Schwarzen Lochs sowie Bilder des Teams von Luciano Rezzolla zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/77255057 

Bildtext: Das erste Bild des Schwarzen Lochs in der benachbarten Galaxie M87, aufgenommen vom Event Horizon Telescope-Projekt. Bildrechte: EHT 

Filmmaterial zum Schwarzen Loch (Simulationen und zur Forschung an der Goethe Universität) finden Sie hier: 

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Principal Investigator des Europäischen Black Hole Cam Experiments, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798 47871:, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de; https://astro.uni-frankfurt.de/rezzolla

Anfragen für Interviews richten Sie bitte per Email an das Sekretariat, Frau Steidl: steidl@ipt.uni-frankfurt.de 

Links zum Live-Streaming EbS website: https://audiovisual.ec.europa.eu/en/ebs/2/20190410

European Commission's YouTube channel: https://www.youtube.com/watch?reload=9&v=Dr20f19czeE

 

Apr 8 2019
19:00

​ Das professionelle Fundraising der Stiftungsuniversität setze Maßstäbe, so die Jury des Deutschen Hochschulverbandes

Goethe-Universität mit Deutschem Hochschulfundraisingpreis ausgezeichnet

Diesjähriger Träger des Deutschen Hochschulfundraisingpreises ist die Goethe-Universität Frankfurt. Die Auszeichnung, den der Deutsche Hochschulverband (DHV) zusammen mit der Firma rheform – EntwicklungsManagement GmbH zum vierten Mal ausgelobt hatte, wurde Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff heute im Rahmen des Fundraising-Symposiums des DHV und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Berlin überreicht.

Wolff betonte bei der Verleihung: „Über die finanzielle Förderung hinaus hat die Stiftungsgründung entscheidende Impulse für die Entwicklung eines erfolgreichen Fundraising an der Goethe-Universität gesetzt. Ich danke dem Vorstand der Stiftung und hier insbesondere Herrn Ekkehardt Sättele für sein Engagement und seine unermüdliche Neugier. Es geht niemals ‚nur' um Geld, sondern auch um den inhaltlichen Austausch zwischen Universität und Bürgerschaft.“

Prof. Dr. Guido Benzler, Mitglied der fünfköpfigen Jury, hob in seiner Laudatio die „Etablierung und Entwicklung eines erfolgreichen Fundraisings an einer Stiftungs- und Bürgeruniversität“ hervor; maßgeblichen Anteil hieran hätten die Zuwendungen der Alfons und Gertrud Kassel Stiftung gehabt, die die Umwandlung in eine autonome Stiftungsuniversität entscheidend befördert hätte, so Benzler. Der Stiftungsbeitrag zur Förderung von Forschung und Lehre in Höhe von 33 Millionen Euro sei der höchste in der Geschichte der Goethe-Universität gewesen. Seitdem habe sie in Form eines Stiftungsvermögens sowie privater und öffentlicher Einzelstiftungen einen Kapitalstock in dreistelliger Millionenhöhe aufgebaut. Das professionelle Fundraising der Stiftungsuniversität setze Maßstäbe, weil es eindrücklich vor Augen führe, wie Bürgerinnen und Bürger als Spenderinnen und Spender für ihre Universität gewonnen werden könnten.

Mit dem Deutschen Hochschulfundraisingpreis sollen „Best Practice“-Beispiele prämiert werden, die herausragende Kreativität bei der Entwicklung von Fundraising-Kampagnen, besondere Erfolge bei der Förderergewinnung, exzellente Aufbauleistung oder Fördererkultivierung bzw. vergleichbare Leistungen im Bereich des Hochschulfundraisings unter Beweis gestellt haben. Der Deutsche Hochschulfundraisingpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Das Preisgeld, das das Unternehmen rheform stiftet, soll zweckgebunden für das Hochschulfundraising oder ein laufendes Fundraisingprojekt verwendet werden.

Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit mehr als 31.000 Mitgliedern.

 

Apr 8 2019
18:00

Goethe-Medienpreis 2018 geht für hervorragenden Journalismus an Vertreter der ZEIT, Deutschlandradio und Süddeutsche Zeitung

Tierversuche, politische Flucht, Raubverlage

Ihre journalistischen Arbeiten greifen in beispielhafter Weise wegweisende wissenschafts- und hochschulpolitische Themen auf. Dafür erhalten Moritz Aisslinger (DIE ZEIT), Dr. Anneke Meyer (DEUTSCHLANDRADIO) und ein Rechercheteam der Süddeutschen Zeitung den Goethe-Medienpreis 2018. Der Preis wird am heutigen Abend (8. April 2019) bei der Gala der deutschen Wissenschaft des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt verliehen. Der Preis wurde 2008 von Goethe-Universität und FAZIT-Stiftung ins Leben gerufen.

Moritz Aisslinger (1. Preis, 4.000 Euro, DIE ZEIT: „Seine Experimente sollten helfen, Parkinson und Demenz zu heilen“) analysiert im Juni 2018 nach intensiven Recherchen den Fall des Tübinger Hirnforschers Nikos Logothetis. Der weltweit renommierte Wissenschaftler ist wegen Tierversuchen in das Visier von radikalen Tierschützern geraten. Die Medien greifen das Thema auf. Für den Max Planck-Forscher bricht in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren beruflich wie auch privat eine extrem schwierige Phase an, in der am Ende auch seine gesamte berufliche Existenz infrage steht.
https://www.zeit.de/2018/23/hirnforschung-parkinson-demenz-nikos-logothetis-tierversuche

Werner D´Inka, Mitherausgeber der FAZ und Mitglied der Jury des Goethe-Medienpreises, hob in seiner Laudatio anlässlich der Festveranstaltung hervor: „Das ist packend formuliert, aber das ist natürlich längst nicht alles, denn eine herausragende Reportage ist ja viel mehr als bloßes Edelfedertum. Wie es Moritz Aisslinger gelingt, dem Publikum die, weiß Gott, nicht unterkomplexen Themen Hirnforschung, Tierversuche, Verantwortung von Wissenschaftlern und Journalisten vor Augen zu führen, wie er nicht standpunktlos, aber jederzeit fair unterschiedliche Stimmen und Sichtweisen einholt, das ist große Journalistenkunst. Ich wäre, lieber Herr Aisslinger, sehr dafür, dass Ihre Reportage in Journalismus-Handbücher aufgenommen wird.“

Einem nicht weniger brisanten Thema wendet sich Dr. Anneke Meyer (2. Preis, 1.800 Euro, Deutschlandradio: „Der Staat entlässt seine Forscher“) in einem Radiofeature zu. Nach dem Putsch 2016 in der Türkei waren Tausende von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Teil massiven politischen Repressionen ausgesetzt. Einige von ihnen schafften es, nach einer zum Teil abenteuerlichen Flucht aus der Türkei z.B. mit einem Philipp Schwartz-Stipendium der Humboldt-Stiftung auch an deutschen Universitäten Fuß zu fassen. Meyer porträtiert einige dieser Forscherinnen und Forscher bei dem Versuch, in der Fremde wieder etwas Normalität zu finden.
https://www.deutschlandfunk.de/freiheit-der-wissenschaft-tuerkische-akademiker-suchen-exil.676.de.html?dram:article_id=414777

Laudator Werner D´Inka im Namen der Jury: „In ihrem umsichtig recherchierten und durch viele Stimmen unterlegten Hörfunkfeature „Der Staat entlässt seine Forscher“, gesendet im Deutschlandradio, belegt Anneke Meyer, dass Erdogans Wort vom „Säubern“ schlimme Wirklichkeit geworden ist. Dafür spricht ihr die Jury des Goethe-Medienpreises den zweiten Platz zu.“

Mit dem Thema Scheinwissenschaften und Raubverlagen beschäftigt sich im Juli 2018 ein Autorenteam der Süddeutschen Zeitung (3. Preis, 1.000 Euro, Süddeutsche Zeitung: „Das Scheingeschäft“). Aufgedeckt wird die Praxis dubioser Unternehmen, die mit wissenschaftlichen Scheinkonferenzen und Pseudomagazinen Geschäfte machen. Auch eine ganze Reihe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern deutscher Wissenschaftseinrichtungen und Universitäten fielen auf den scheinwissenschaftlichen Schwindel herein, so die Recherchen.
https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/angriff-auf-die-wissenschaft-e398250/?reduced=true

Werner D´Inka für die Jury: „Wie raffiniert windige Verleger obskurer Wissenschaftszeitschriften ihr Geschäft mit der Gutgläubigkeit und, ja, auch mit der Eitelkeit von Forschern machen, und wie sie gegen Geld auch den größten Mumpitz als seriöse Studie verkaufen, das hat ein Autorenteam der Süddeutschen Zeitung und des Norddeutschen Rundfunks aufwendig recherchiert und im SZ-Magazin unter dem Titel „Das Scheingeschäft“ anschaulich beschrieben. Dafür wird das Team um Peter Hornung, der heute hier ist, sowie Svea Eckert, Till Krause und Katrin Langhans sozusagen mit der Bronzemedaille des Goethe-Medienpreises ausgezeichnet.“

Über den Goethe-Medienpreis
Bildungs- und Hochschulthemen erfahren in der Öffentlichkeit eine immer stärkere Beachtung. Der „Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus“, den die Goethe-Universität Frankfurt am Main zusammen mit der FAZIT-Stiftung in zweijährigem Turnus ausschreibt, prämiert herausragende Beiträge auf dem Gebiet eines hochschul- und wissenschaftspolitischen Journalismus: Fundierte Analyse, Hintergründe, verständliche und stilistisch herausragende Darstellung sind die wichtigsten Kriterien für die Vergabe des Preises. Die Auswahl nimmt eine unabhängige, mit führenden Köpfen aus Journalismus und Wissenschaft besetzte Jury vor. Der Preis wird in diesem Jahr zum sechsten Mal seit 2009 verliehen.

Die nächste Ausschreibung erfolgt im April 2020 
http://goethe-medienpreis.uni-frankfurt.de

Film über den 1. Preisträger, Moritz Aisslinger, verfügbar am 08.04.2019 ab 16.00 Uhr: https://youtu.be/sgJMN_7c09Q

 

FRANKFURT. Der Vortrag „Die Chauvet-Höhle – Bilder aus der Tiefe der Menschheitsgeschichte“ von Prof. Jean-Michel Geneste, Forschungsdirektor am französischen Nationalen Zentrum für Vorgeschichte in Paris, stellt die spektakulären Entdeckungen des internationalen und interdisziplinären Wissenschaftlerteams vor, das die Chauvet-Höhle seit ihrer Entdeckung 1994 erforschte. Die französische Chauvet-Höhle im Tal der Ardèche gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ihre über 36.000 Jahre alten Höhlenmalereien und Ritzzeichnungen sind in der europäischen paläolithischen Höhlenkunst einzigartig. Der Vortrag findet am Mittwoch, 10. April 2019 um 19 Uhr im Museum Giersch der Goethe-Universität statt. Prof. Jean-Michel Geneste wird in englischer Sprache referieren.

Jean-Michel Geneste ist einer der weltweit führenden Felsbildexperten. Außer in Frankreich forschte er auch über Felsbilder in der Ukraine, Südafrika, Papua-Neuguinea und in Nordaustralien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Vermittlung der Vorgeschichte durch audiovisuelle Medien und ist Autor des 3D-Films „The Final Passage“, dessen Deutschland-Premiere er am 11. April um 20.15 Uhr im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums persönlich einführen wird.

Der Film „The Final Passage“ (2015, 28 min, in englischer Sprache) lässt die Chauvet-Höhle und ihre grandiosen Felsbilder in einer atemberaubenden, hyperrealistischen digitalen Reproduktion lebendig werden. Im Anschluss daran wird Werner Herzogs Film „Die Höhle der vergessenen Träume“ (2013, 86 min) gezeigt. Der Regisseur erhielt als eine der wenigen Personen Einlass in die Chauvet-Höhle und fing aus seiner Sicht die besondere Magie dieses Ortes filmisch ein. Die Filmvorführung findet im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt statt. Der Eintritt beträgt 10,- €. Das Kinoticket berechtigt zum freien Eintritt in die Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität.

  • Mittwoch, 10. April 2019, 19 Uhr: Vortrag von Prof. Jean-Michel Geneste, Forschungsdirektor am französischen Nationalen Zentrum für Vorgeschichte in Paris, (in englischer Sprache) im Museum Giersch der Goethe-Universität. Eintritt 4,- € an der Abendkasse 
  • Donnerstag, 11. April, 20.15 Uhr: Deutschland-Premiere des Films „The Final Passage“, eingeführt von Prof. Jean-Michel Geneste, anschließend Werner Herzogs Film „Die Höhle der vergessenen Träume“ im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums. Eintritt 10,- €

Noch bis 14. Juli 2019 zeigt das Museum Giersch der Goethe-Universität die Sonderausstellung „Frobenius – Die Kunst des Forschens“. Die Ausstellung stellt den Ethnologen Leo Frobenius und seine Forschungen im zeithistorischen Kontext vor. Sie lenkt den Blick auf sein bislang weniger bekanntes Expeditionsteam und rückt besonders die Frauen in den Fokus, von denen die überwiegende Mehrheit des Bildmaterials stammt. Die beeindruckenden Nachzeichnungen prähistorischer Felsbilder geben einen überwältigenden Einblick in die weltweite Kunst der Vorzeit. Mit Werken von Paul Klee, Willi Baumeister und Wols stellt die Ausstellung schließlich den Einfluss prähistorischer Vorbilder auf die europäische Moderne dar.

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Informationen: Dipl.-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

 

Apr 4 2019
14:10

Präsidentin der Goethe-Universität plädiert für mehr campusnahes Wohnen

Zweitwohnsitzsteuer schadet Studienstandort Frankfurt

FRANKFURT. Das Präsidium der Goethe-Universität bewertet die geplante Zweitwohnsitzsteuer für Studierende in Frankfurt kritisch. Die Stadt verschickt laut Medienberichten in diesen Tagen Briefe des Kassen- und Steueramts an alle Inhaber eines Zweitwohnsitzes in Frankfurt, darunter auch viele Studierende. Diese werden laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau aufgefordert, Erklärungen abzugeben, damit eine Steuer in Höhe von 10 % der jeweiligen Nettokaltmiete erhoben werden kann. Es droht für viele eine erhebliche finanzielle Zusatzbelastung. Von der geplanten Zweitwohnsitzabgabe sollen auch Zimmer in Frankfurter Studierendenwohnheimen betroffen sein.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff sagte: „Diese Praxis kann dazu führen, dass in Frankfurt mit seinen ohnehin schon sehr hohen Mieten und Lebenshaltungskosten ein einigermaßen campusnahes Wohnen für Studierende noch unerschwinglicher wird. Die Folge: Es werden noch mehr Studierende aus dem Umland nach Frankfurt pendeln, als dies jetzt schon der Fall ist. Oder noch schlimmer: sie werden gleich andere Studienorte bevorzugen.“

Die Präsidentin plädierte dafür, Wohnen in Campusnähe attraktiver zu machen: „Frankfurt sollte Studierende willkommen heißen. Sie sind die Zukunft unserer Stadt. Ich habe viel Verständnis für das Interesse der Stadt an Erstwohnungsanmeldungen, aber fände ich es geschickter, Studierenden Anreize zu bieten für eine freiwillige Erstwohnsitzmeldung, statt von Ihnen eine Strafzahlung zu verlangen. Andere Städte haben beispielsweise mit Meldeprämien für Studierende gute Erfahrungen gemacht.“

 

Apr 3 2019
16:49

Forschende der Goethe-Universität und der TU München entschlüsseln Biosynthese von Arylpolyenen

Biosynthese weit verbreiteter Pigmente aus Bakterien aufgeklärt

FRANKFURT. Bakterien können sich mithilfe bestimmter Naturstoffe, die sie in ihrer Membran tragen, gegen den Angriff freier Radikale schützen. Die Biosynthese eines der am weitesten verbreiteten Schutzpigmente, das auch für die Medizin oder die Kosmetik-Industrie von Interesse sein könnte, haben Forschende der Goethe-Universität und der TU München nun aufgeklärt.

Arylpolyene sind gelbe Pigmente, die sowohl von freilebenden Bakterien als auch von Bakterien im menschlichen Darm oder in anderen ökologischen Nischen produziert werden. Eingelagert in die Membran der Bakterien dienen sie als Schutz vor oxidativem Stress beziehungsweise vor reaktiven Sauerstoff-Spezies. Letztere können die Zellen schädigen und müssen somit abgefangen werden. 

Bisher wusste man zwar, welche Proteine für die Bildung der Arylpolyene verantwortlich sind, jedoch war unklar, wie sie die gelben Pigmente erzeugen. Die Arbeitsgruppe Molekulare Biotechnologie von Prof. Helge Bode (Goethe-Universität Frankfurt) konnte nun in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Juniorprofessorin Nina Morgner (Fachbereich Chemie der Goethe-Universität) und Prof. Michael Groll (Technische Universität München) die Biosynthese der Arylpolyene im Reagenzglas nachstellen und so die Funktion einzelner Biosyntheseschritte aufklären. 

„Arylpolyene erfüllen ähnliche anti-oxidative Eigenschaften wie Carotinoide, werden aber komplett anders hergestellt“, erläutert Gina Grammbitter, die dieses System im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersucht hat. „Ihre Biosynthese ähnelt stark der Bildung von Fettsäuren, weist aber auch Unterschiede dazu auf“, ergänzt Nina Morgner. „Zusammen mit der Arbeitsgruppe von Michael Groll konnten wir ungewöhnliche Komplexe der beteiligten Proteine identifizieren und ihre Struktur bestimmen“. 

Wie die Forschenden in der aktuellen Ausgabe des Journal of the American Chemical Society zeigen, werden Arylpolyene über einen neuartigen Biosyntheseweg hergestellt und sind vermutlich direkt in der Membran der Bakterien lokalisiert. Allerdings sind Arylpolyene nur ein Teil eines deutlich größeren Naturstoffs: „Was jetzt noch fehlt, sind Aufbau und Bildung dieser Gesamtstruktur“, erklärt Gina Grammbitter, die sich derzeit genau mit dieser Frage beschäftigt. 

Die Forschung auf diesem Gebiet geht also weiter. In einem nächsten Schritt gilt es nun, das Zusammenwirken der einzelnen Enzyme und die Rolle der Arylpolyene z.B. im Mikrobiom des Menschen zu untersuchen. Auch könnten Arylpolyene aufgrund ihrer anti-oxidativen Eigenschaften für die Kosmetikindustrie von Interesse sein. 

Publikation: Grammbitter GLC, Schmalhofer M, Karimi K, Schöner TA, Tobias NJ, Morgner N, Groll M, Bode HB. An Uncommon Type II PKS Catalyzes Biosynthesis of Aryl Polyene Pigments. J Am Chem Soc. 2019 Mar 25. doi: 10.1021/jacs.8b10776. https://pubs.acs.org/doi/10.1021/jacs.8b10776 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://uni-frankfurt.de/77157898 

Bildtext: Biosynthese des in Bakterien sehr weit verbreiteten gelben Arylpolyen-Schutzpigmente aus einfachen Vorstufen. Bild: Maximilian Schmalhofer 

Information: Prof. Dr. Helge B. Bode, Molekulare Biotechnologie, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de.

 

Apr 3 2019
12:16

Angewandte Computerlinguistik der Goethe-Universität kooperiert mit Springer Nature

Erstes maschinengeneriertes Buch publiziert

FRANKFURT. Das erste maschinengenerierte Buch, das bei Springer Nature erscheint, entstand mithilfe eines Algorithmus, der von Wissenschaftlern der Goethe-Universität entwickelt wurde. Obwohl schon lange zu diesem Thema geforscht wird, betreten der Verlag und die Informatiker damit Neuland, denn es ist zuvor noch kein maschinengeneriertes Buch von einem Wissenschaftsverlag veröffentlicht worden.

Das Buch bietet einen Überblick über die neuesten Forschungspublikationen zum Thema Lithium-Ionen-Batterien - eine strukturierte, automatisch generierte Zusammenfassung einer großen Anzahl aktueller Forschungsartikel. Forscher erhalten hierdurch die Möglichkeit, das schnell wachsende Informationsaufkommen auf diesem Gebiet effizient zu überschauen. Das Buch ist als kostenloser Download verfügbar.

Der unter Leitung von Juniorprofessor Dr. Christian Chiarcos an der Angewandten Computerlinguistik an der Goethe-Universität entwickelte Beta Writer basiert auf Verfahren, die Textinhalte mithilfe von Computern analysieren, so dass sie relevante Publikationen automatisch auswählen und verarbeiten, die zuvor auf der Plattform SpringerLink veröffentlicht wurden. Diese wissenschaftlich begutachteten Veröffentlichungen von Springer Nature werden von dem Algorithmus einem ähnlichkeitsbasierten Clustering unterzogen, um die Quelldokumente in zusammenhängende Kapitel und Abschnitte zu gliedern.

In diese Kapitelstruktur werden prägnante Zusammenfassungen der publizierten Artikel eingefügt und miteinander verflochten. Die extrahierten Textpassagen sind mit Hyperlinks versehen, so dass der Leser eindeutige Verweise auf die Quelldokumente erhält. Automatisch erstellte Inhaltsverzeichnisse und Referenzen erleichtern die Orientierung innerhalb des Buchprototypen. 

„Mit dieser Publikation wollen wir zeigen, zu welchem Grad die Herausforderungen der maschinengenerierten Publikation inzwischen gelöst werden können, wenn Fachleute aus wissenschaftlichen Verlagen mit Computerlinguisten zusammenarbeiten“, erklärt Juniorprofessor Christian Chiarcos. „Wir haben bei diesem Projekt auch besser verstanden, welche Erwartungen es auf Seiten der Autoren, Herausgeber, Verlage und Käufer gibt. Und zwar sowohl in Bezug auf die wissenschaftlichen als auch die wirtschaftlichen Anforderungen.“ 

Henning Schoenenberger, Director Product Data & Metadata Management bei Springer Nature, fügt hinzu: „Während Forschungsartikel und -bücher, die von Wissenschaftlern und Autoren geschrieben werden, auch weiterhin eine entscheidende Rolle im wissenschaftlichen Publizieren spielen werden, erwarten wir zukünftig eine Vielzahl an verschiedenen Inhaltstypen: von vollständig von Menschen erstellten Inhalten über verschiedene Blended-Man-Machine-Textgenerierungen hin zu vollständig maschinengenerierten Texten. Unser Prototyp ist ein erster wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Wir hoffen, dass wir als Verlag dazu beitragen, eine öffentliche Debatte über die Chancen, Auswirkungen, Herausforderungen und potenziellen Risiken von maschinengenerierten Inhalten im wissenschaftlichen Umfeld anzustoßen." 

Link zur Publikation: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-030-16800-1

Informationen: Juniorprofessor Dr. Christian Chiarcos, Angewandte Computerlinguistik, Fachbereich Mathematik und Informatik, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22463:, chiarcos@informatik.uni-frankfurt.de, http://acoli.cs.uni-frankfurt.de/

 

Apr 2 2019
10:47

Hochdosiertes Albumin verbessert Herzfunktion und dämmt Entzündungen ein

Neue Hoffnung bei Leberzirrhose

FRANKFURT. Leberzirrhose ist eine unheilbare Krankheit, die im Endstadium mit zahlreichen Komplikationen verbunden ist. Eine Pilot-Studie unter Beteiligung von Prof. Jonel Trebicka von der Goethe-Universität hat jetzt gezeigt, dass die langfristige Gabe von hochdosiertem Albumin die Herz-Kreislauffunktion dieser Patienten stabilisiert und sie vor der gefürchteten Sepsis schützt.

„Ich war gerade zu einem Forschungsaufenthalt an der Klinik in Barcelona, als die klinische Studie Pilot-PRECIOSA lief und habe die Ergebnisse bei Patienten mit schwerer Sepsis direkt mit den Forschern vor Ort diskutiert“, sagt Prof. Jonel Trebicka, Hepatologe an der Medizinischen Klinik I der Goethe-Universität.

Albumin ist ein Protein, das im Blut des Menschen vorkommt und zahlreiche Aufgaben erfüllt. Bei Leberzirrhose ist es vermindert. Deshalb hat man Patienten mit dekompensierter Zirrhose, dem Stadium, in dem schwere Komplikationen auftreten, auch schon früher mit Albumin behandelt, jedoch nur für einen kurzen Zeitraum. 

In der Pilot-PRECIOSA-Studie, an der 22 Europäische Partner beteiligt waren, wurden nun zwei Gruppen von Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose über drei Monate mit Albumin behandelt. Die eine Gruppe erhielt eine niedrige Dosis, die andere eine hohe Dosis. Es zeigte sich, dass sich bei den Patienten, die mit der höheren Dosis therapiert worden waren, die Herzfunktion verbesserte und die Konzentration der Entzündungsmarker im Blut zurückging.

In der nun anschließenden Folgestudie PRECIOSA, an der auch Prof. Trebicka und Privatdozentin Dr. Tanja Welzel von der Medizinischen Klinik I beteiligt sind, wird diese Therapie nun an einem größeren Patientenkollektiv erprobt.

„Für unsere Arbeit in dem kürzlich gegründeten Micro-Predict Consortium, in dem wir die Bedeutung des Darmmikrobioms bei Lebererkrankungen untersuchen, ist dieses Ergebnis enorm wichtig: Wir werden jetzt wir nach Mikrobiom-Markern suchen, die das Ansprechen auf Albumin anzeigen, so dass wir die Therapie künftig gezielt steuern können.“ 

In MICROB-PREDICT Projekt kooperieren spezialisierte Ärzte, führende Mikrobiom- und Medizintechnik-Experten sowie die Patientenorganisation ELPA und die Europäische Gesellschaft zur Erforschung der Leber (EASL). Träger ist die European Foundation for the Study of Chronic Liver Failure (EFCLIF), die auch die Pilot-PRECIOSA-Studie gefördert hat. Es handelt sich um eine Stiftung, welche ein Netzwerk von mehr als 100 Universitätskliniken Europaweit innerhalb des EASL vereint. Dazu gehört auch das Universitätsklinikum der Goethe-Universität.

Publikation: Fernandez J et al.: Effects of Albumin Treatment on Systemic and Portal Hemodynamics and Systemic Inflammation in Patient with Decompensated Chirrhosis, in: Gastroenterology (2019), doi: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2019.03.021

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/77108559 

Bildtext: Um die Albumin-Therapie bei dekompensierter Leberzirrhose gezielt steuern zu können, will Prof. Jonel Trebicka im Projekt Microb-Predict künftig nach Albumin-Markern im Darmmikrobium suchen.

Informationen: Prof. Jonel Trebicka, Medizinische Klinik I, Fachbereich Medizin, Campus Niederrad, Telefon: 0178 531 8838, jonel.trebicka@kgu.de