Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017 – 2016

Sonstige

Jun 30 2016
11:46

Forschungsmagazin „Forschung Frankfurt“ zum Thema „Gott und die Welt“ erscheint am 1. Juli

Wie halten wir es mit der Religion?

FRANKFURT.„Gott und die Welt“ ist das Thema der neuen Ausgabe von Forschung Frankfurt (1/2016). Darin äußern sich Theologen, Ethnologen, Islamwissenschaftler, Historiker, Juristen, Soziologen, Philosophen und Pädagogen zu aktuellen Fragen wie: Muss die zunehmende Vielfalt religiöser Vorstellungen und Lebensweisen in der Gesellschaft zwangsläufig zu Konflikten führen? Bastelt sich inzwischen jeder seine Religion und Vorstellung von Gott? Wo sind die Grenzen zwischen radikalem Fundamentalismus und strenger Religiosität? Warum ist es gut, wenn islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen angeboten wird? Wie steht’s mit der christlichen Nächstenliebe, wenn zu viele Hilfesuchende in unser Land strömen? Was können wir vom Zusammenleben der Religionen aus der Vergangenheit lernen?

Einige Highlights:

Religion und Gesellschaft

Der Heilgenschein der Religion werde verschwinden, wenn das Jammertal zur »Wahrheit des Diesseits« geführt habe, so Marx. Aber die Religion existiert weiter. Wie sehen Wissenschaftler das Verhältnis von Religion und Gesellschaft? Dr. Rolf Wiggershaus hat dazu vier Frankfurter Professoren befragt.

„Toleranz kommt vor Glückseligkeit“

Toleranz ist gerade da nötig, wo sie besonders schwerfällt. Das war schon vor gut 300 Jahren so, als Denker wie der französische Philosoph Pierre Bayle in Zeiten religiöser Auseinandersetzungen den Grundstein für ein fortschrittliches Toleranz-Verständnis legten. Warum der Begriff gerade heute wieder Konjunktur hat und wie umstritten er noch immer ist, erläutert der politische Philosoph Prof. Dr. Rainer Forst im Gespräch mit Bernd Frye.

Macht Shoppen selig?

Das erste Apples iPhone hieß auch „Jesus-Phone“, sein spiritueller Vater Steve Jobs galt sogar als „iGod“. Parallelen zwischen Konsum und Gottesglauben sind da, doch ganz so simpel lässt sich der Vergleich dann doch nicht abbilden, stellt Autor Bernd Frye fest.

Recht auf religiöse Alphabetisierung

Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist in Deutschland ein Grundrecht. Die Inhalte werden in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften festgelegt. Doch wer repräsentiert „den Islam“ in Deutschland, und was erwarten Eltern und Schüler vom Islamunterricht? Dr. Anke Sauter hat bei ihrer Recherche spannende Antworten erhalten.

Spielarten des gegenwärtigen Islam

Der Islam befindet sich in einer Phase fundamentaler Veränderungen, die progressive Spielarten, aber auch Formen religiösen Extremismus hervorbringen. Die Ethnologin Prof. Susanne Schröter erklärt, wie neben kulturellen Eigenheiten auch theologische und politische Unterschiede die islamische Welt prägen.

Gewalt im Koran

Muslime müssen selbstkritisch nach dem Zusammenhang von Religion und Gewalt fragen. Das fordern vermehrt auch Stimmen in eigenen Kreisen. Wie setzt sich die islamische Theologie, wie sie in Frankfurt betrieben wird, mit dem Thema auseinander? Dazu äußert sich die Islamwissenschaftlerin und Junior-Professorin Dr. Armina Omerika.

»Der Islam in Deutschland ist vielstimmig«

Um den Wahrheitsanspruch der Religionen, die Debattenkultur in Deutschland, das junge Fach islamische Theologie an deutschen Universitäten, fundamentalistische Strömungen und anderes mehr geht es in dem Gespräch mit Prof. Dr. Bekim Agai, geschäftsführender Direktor des Instituts für Studien der Kultur und Religion des Islam.

Entdeckung der Religionsfreiheit in der Antike

Die Christenverfolgung im alten Rom war nicht so dramatisch, wie sie in Hollywoodstreifen gezeigt wird – so der Althistoriker Prof. Dr. Hartmut Leppin. Doch waren Christen besonders gefährdet, wenn sie den Göttern nicht opferten. Man glaubte, dass sie damit den Zorn der Götter herausforderten und den Staat in Gefahr brachten.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

Sonstige

Jun 30 2016
11:44

Bundesweit einmaliges Programm Mercator Science Policy Fellowship bringt Führungskräfte aus verschiedenen Sektoren auf der Suche nach besseren Lösungen für Politik und Gesellschaft zusammen

Mehr Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Wissenschaft wagen

FRANKFURT. Führungskräften unterschiedlicher Professionen Einblicke in die Welt der Wissenschaft zu geben, um neue Lösungen und Anstöße für die Bewältigung komplexer Herausforderungen in Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu finden: Das ist das Ziel eines deutschlandweit einmaligen Programms der Rhein-Main Universitäten (RMU), das von der Stiftung Mercator über fünf Jahre mit insgesamt über 1 Mio. Euro gefördert wird.

Die Komplexität der Herausforderungen, mit denen sich Führungskräfte aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft heute auseinandersetzen müssen, ist enorm. Dies stellt hohe Anforderungen an ihre Fähigkeit, tragfähige Lösungen unter Einbeziehung unterschiedlicher Disziplinen und Akteure zu entwickeln.

Das Mercator Science Policy Fellowship richtet sich an Führungskräfte der oberen operativen Führungsebene (wie Referats-oder Abteilungsleitungen) aus Politik, Verwaltung, Verbänden oder NGOs, die an der inhaltlichen Gestaltung von Politiken beteiligt sind. Das Programm verbindet den persönlichen Austausch zwischen Spitzenwissenschaftler/innen und Führungskräften aus Politik, öffentlichem Sektor und Zivilgesellschaft mit einer auf ihre jeweiligen individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen »executive education«.

Für die bis zu 20 Fellows wird ein individuelles Gesprächsprogramm zusammengestellt. Als Dialogpartner dafür stehen ausgewählte Spitzenforscher der drei Rhein-Main-Universitäten zur Verfügung (Goethe-Universität, Johannes Gutenberg-Universität, Technische Universität Darmstadt), um jenseits des beruflichen Alltags über Fragen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu reflektieren.

„Oft ist davon die Rede, dass zwischen Politik, Verwaltung und Wissenschaft zu wenig gedanklicher und inhaltlicher Austausch stattfindet“, betonte die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Der Austausch ist aber wichtig, um wirklich zündende Ideen und Lösungen zur Bewältigung wichtiger gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen zu finden. Das Mercator Science Policy Fellowship überwindet bisher bestehende Barrieren und schafft damit eine neue Qualität von Austausch zwischen den unterschiedlichen Sektoren.“

„Als Stiftung ist es für uns ein Anliegen, dass Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft sich ihr Urteil in bestmöglicher Kenntnis des aktuellen Forschungsstandes bilden können", erläutert Dr. Wolfgang Rohe, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. "Das Mercator Science Policy Fellowship bietet ihnen die Möglichkeit, eine Vielzahl unterschiedlicher wissenschaftlicher Perspektiven auf ihre konkreten Fragen zu erhalten", so Rohe weiter.

Struktur des Mercator Science Policy Fellowship

• Jährliche Ausschreibung von 20 Fellowships für die Dauer eines akademischen Jahres

• Insgesamt 5 Präsenztage (auf Wunsch mehr) an den Rhein-Main-Universitäten mit 3-tägiger gemeinsamer Präsenzphase für alle Fellows zu Beginn des Programms

• Jahreskonferenz als Auftakt-und Abschlussveranstaltung

Das Programm ist kostenfrei (Freistellung und Übernahme der Reisekosten durch die entsendende Organisation).

Bewerbung:

Formlose schriftliche Nominierung durch den oder die Arbeitgeber/in

• Begleitendes Motivationsschreiben des Fellows, aus dem der erwartete Mehrwert für die eigene Tätigkeit oder die eigene berufliche Entwicklung hervorgeht (ca. 1–2 Seiten)

• Bis zu 5 thematische Interessensschwerpunkte oder Fragen (ca. 1–2 Seiten)

• Die Auswahl erfolgt durch einen hochkarätig besetzten Lenkungsausschuss.

Bewerbungen per E-Mail möglichst bis zum 15. Juli 2016 an Dr. Justus Lentsch Leiter der Abteilung »Forschung & Nachwuchs« der Goethe-Universität Frankfurt am Main unter: forschung@uni-frankfurt.de.

Weitere Informationen finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/science-policy

Veranstaltungen

Jun 29 2016
14:48

Arbeiten aus dem „Artemis-Projekt“ im Rathaus für Senioren

Vernissage: Kunst von Menschen mit Demenz

FRANKFURT.Unter dem Motto „Wenn Kunst Brücken baut“ sind im Frankfurter Rathaus für Senioren vom 4. Juli 2016 bis voraussichtlich Ende September 2016 ausgewählte Kunstwerke von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu sehen. Entstanden sind sie im Rahmen des ARTEMIS-Projektes der Goethe-Universität (Arbeitsbereich Altersmedizin) und des Städel Museums. Das Projekt untersucht den Beitrag interaktiver Museumsbesuche und der Beschäftigung mit Kunst zum emotionalen Wohlbefinden und der Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

Die Abschlussausstellung von ARTEMIS (Art Encounters – Museum Intervention Study) wird am Montag, den 4. Juli 2016, um 13 Uhr im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Aktionswochen „Älter werden in Frankfurt“ eröffnet, unter anderem durch den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann. Alle Interessierten sind hierzu herzlich eingeladen!

Zu sehen sein wird eine Auswahl von 50 Bildern aus fünf verschiedenen Themenbereichen. „Die entstandenen Werke veranschaulichen eindrucksvoll das kreative Potenzial und die künstlerische Freiheit der Teilnehmenden“, so der Psychologe Arthur Schall vom ARTEMIS Team am Institut für Allgemeinmedizin.

Das von der Familie Schambach-Stiftung geförderte Projekt erforscht seit 2014 die Wirkung interaktiver Museumsbesuche auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz sowie auf die Beziehung zu ihren betreuenden Angehörigen. Die Studienteilnehmer besuchten über einen Zeitraum von sechs Wochen das Städel Museum und nahmen an interaktiven Kunstführungen teil. Anschließend konnten sie im Atelier selbst künstlerisch arbeiten.

Die insgesamt sechs Führungen im Städel Museum befassten sich mit Themen wie „Frankfurt am Main“, „Familie und Kinder“, „Stillleben“, „Das menschliche Gesicht“, „Die Farbe Blau“ oder „Abstrakt“ und bezogen dabei Werke aus den unterschiedlichsten Kunstepochen ein. In der Atelierarbeit wurden die Themen von den Teilnehmern mit Demenz und ihren Angehörigen in Paararbeit künstlerisch umgesetzt: So wurden beispielsweise zur „Farbe Blau“ Reliefs mit verschiedenen Materialien und Blautönen angefertigt, beim Thema „Stillleben“ entstanden Styrenedrucke und zu „Frankfurt am Main“ Collagen aus Fotos und Reproduktionen der betrachteten Kunstwerke, die das ganz individuelle Frankfurt der Teilnehmer widerspiegeln sollten.

Was? Vernissage: „Wenn Kunst Brücken baut“. Kunstwerke aus dem ARTEMIS-Projekt im Rathaus für Senioren
Wann? Montag, 4. Juli 2016, 13:00 - 16:00 Uhr
Wo? Rathaus für Senioren, Hansaallee 150, 60320 Frankfurt am Main; der Zutritt ist barrierefrei

Anfahrt
U1–U3, U8 und Bus 34: Haltestelle Dornbusch,
Bus 64: Haltestelle Dornbusch/Am Grünhof oder Plieningerstraße

Informationen: Dr. Valentina Tesky und Dipl.-Psych. Arthur Schall M.A., Institut für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Altersmedizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-83621 und -7657; tesky@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de; schall@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

www.aelterwerden-in-frankfurt.de/aktionswochen-2016/04-07-16-eroeffnungsveranstaltung

Sonstige

Jun 29 2016
14:45

Der Fachinformationsdienst Darstellende Kunst an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg stellt sein Service-Angebot vor

Neues Portal: Schneller Zugriff auf deutschsprachige Archivalien zu Theater und Tanz

FRANKFURT.Wer nach Programmheften zu Brechts „Mutter Courage“ aus den 1960er Jahren sucht, der braucht nicht verschiedene Theatersammlungen zu durchforsten – die Recherche lässt sich schnell und kostenfrei über das neue Projektportal www.performing-arts.eu erledigen, das der Fachinformationsdienst Darstellende Kunst an derUniversitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg soeben freigeschaltet hat. Erstmalig werden damit Archiv- und Bibliotheksbestände aus deutschsprachigen Theater- und Tanzarchiven digital zusammengeführt.

„Über dieses Nachweisportal mit einer überregionalen Suchoberfläche können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Theater und Tanz beschäftigen, in Bibliotheks- und Archivbeständen, lizenzierten Volltextdatenbanken und fachrelevanten e-Books recherchieren“, erläutert die Theaterwissenschaftlerin und Projektleiterin,Franziska Voß. „Damit kommt der Fachinformationsdienst einemzentralerWunsch der Fachweltnach.“ Das neue Portal erlaubt nicht nur eine detaillierte und zugleich vielfältige Suche nach Bibliotheks- und Archivbeständen, Materialarten und Sammlungen, es informiert auch mit redaktionell aufbereiteten Nachrichten zu wissenschaftlichen Themen aus Theater und Tanz. „Diesen Newstream betreiben und pflegen wir gemeinsam mit derGesellschaft für Theaterwissenschaft. Via Feed-Readerkönnendie Nachrichtenauchfür das eigeneE-Mail-Konto abonniert werden“, so Voß.

Im April 2015 haben Franziska Voß und ihre für die technische Realisierung verantwortliche Kollegin Julia Beck die Arbeit an diesem Portal begonnen, bisher sind 330.000 Datensätze freigeschaltet – noch über eine Betaversion. Bereits auffindbar sind die vielen Dokumente und Materialien des Archivs der Akademie der Künste (Berlin), dem größten Archiv mit Theatermaterialien ab dem 20. Jahrhundert. Dort sind auch die Archivalien zu Brechts Theaterstücken zu finden. Inzwischen hat Franziska Voß intensive Kontakte zu zehn Theater- und Tanz-Sammlungen im gesamten deutschsprachigen Raum aufgebaut. Um die Bestände der Institutionen, die bereits digitalisierte Nachweise haben, wird das Portal in der nächsten Zeit erweitert. Dazu gehören u.a. die Theaterwissenschaftlichen Sammlung Schloss Wahn; diese Sammlung der Universität zu Köln umfasst einKritiken- und Fotoarchiv, das durch eine vielseitige graphische Sammlung ergänzt wird, außerdem besitzt es Mitschnitte und Aufzeichnungen von Theaterstücken . Im Gespräch ist Voß u.a. mit der Schweizerischen Theatersammlung, dem Theatermuseum in Wien, dem Mimecentrum Berlin und dem Tanzarchiv Köln.

Zu den Aufgaben des Fachinformationsdienstes Darstellende Kunst gehört es auch, Bücher zu diesem Themenkomplex zu erwerben und bereitzustellen. Das hat eine lange Tradition an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. Über sechzig Jahre, von 1950 bis 2014, wurde an der Universitätsbibliothek Frankfurt das Sondersammelgebiet Theater und Filmkunst betreut. Darüber hinaus bearbeitete und stellt die Abteilung Musik, Theater, Film wertvolle historische Sammlungen sowie Vor- und Nachlässe zur Nutzung bereit. Historisches Fundament der Spezialsammlungen zur darstellenden Kunst sind die Buch- und Zeitschriftenbestände der Rothschildschen Bibliothek sowie die vielfältigen und umfangreichen Sammlungen des Manskopfschen Musikhistorischen Museums, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges in die Bibliothek integriert wurden und zur Gründung der Abteilung Musik und Theater führten. Diese Erfahrungen und das Know-how sind in den Fachinformationsdienst eingeflossen, der 2015 seine Arbeit aufnahm und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.

Informationen: Franziska Voß, Fachinformationsdienst Darstellende Kunst, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Tel: 069/ 798-39574, E-Mail: f.voss@ub.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jun 28 2016
10:49

Der renommierte amerikanische Evolutionsbiologe und Anthropologe als Gastredner bei Jahresfeier des Sonderforschungsbereichs „Schwächediskurse und Ressourcenregime“

Öffentlicher Vortrag von Jared Diamond: „Die Nation im Kleinen? Nationale und persönliche Krisen im Vergleich“

FRANKFURT.Einem breiten Publikum ist Prof. Dr. Jared Diamond durch seine populärwissenschaftlichen Bücher bekannt, in denen er neueste Erkenntnisse aus Anthropologie, Biologie und Geschichte im Zusammenhang darstellt. Jetzt kommt der international renommierte Pulitzer-Preisträger zu einem öffentlichen Vortrag zum Thema „Die Nation im Kleinen? Nationale und persönliche Krisen im Vergleich“ nach Frankfurt:

am 5. Juli um 18.15 Uhr

Campus Westend, Casino, Raum 823 (Festsaal)

Diamond, der seit 2004 eine Professur für Geografie an er University of California, Los Angeles innehat, kommt auf Einladung des Frankfurter Sonderforschungsbereichs 1095 „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ als Gastredner der Jahresfeier. Seinen Vortrag hält der Wissenschaftler, der zwölf Sprachen beherrscht und zeitweise in München gelebt hat, in deutscher Sprache. Er zielt auf einen Vergleich des Phänomens nationaler und persönlicher Krisen und verschränkt damit die Grundbegriffe des Sonderforschungsbereichs in pointierter Weise.

Der 78-jährige Physiologe, Evolutionsbiologe, Geograf  und Ethnologe gilt als Universalgelehrter. Das Hauptmotiv für seine ethnologischen und historischen Arbeiten sieht Diamond darin, nicht-rassistische Erklärungen für die Verlaufsformen der menschlichen Geschichte zu finden. Denn solange nachvollziehbare und plausible nicht-rassistische Deutungsalternativen fehlten, würden viele Menschen auf rassistische Erklärungsangebote zurückgreifen.

Seine zahlreichen Veröffentlichungen, etwa „Arm und Reich“ oder „Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ behandeln in weiter historischer Perspektive Fragen von hoher Relevanz für die Gegenwart. Für sein Buch „Arm und Reich“, in dem er drastische Unterschiede in der naturräumlichen Ausstattung der Kontinente als Faktoren für die weltweite Dominanz westlicher und asiatischer (d.h. „eurasischer“) Kulturen feststellt, wurde er 1998 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. In schroffer Ablehnung rassistischer Erklärungsmuster geht Diamond von einer gleichzeitig strengen und vielschichtigen Umweltdeterminanz aus, von der aus er die unterschiedlichen Entwicklungen der Kontinente erklärbar macht. Ganz entscheidend sei in diesem Zusammenhang die Verfügbarkeit domestizierbarer Pflanzen- und Tierarten gewesen, die im Grunde vorteilhafte Startbedingungen für bis heute wirksame Entwicklungen begründet hätten.

Der Sonderforschungsbereich 1095 Schwächediskurse und Ressourcenregime

In dem Sonderforschungsbereich, dessen Sprecher der Althistoriker Prof. Dr. Hartmut Leppin ist, wird das Wechselspiel von Schwächediskursen und Ressourcendynamik in globalhistorischer Perspektive ausgeleuchtet – vom Alten Ägypten bis in die Gegenwart. Dass aus Schwächen auch Stärken werden können, zeigt sich oft, wenn der Diskurs über die Schwächen die Suche nach Ressourcen mobilisiert, wie das etwa der Fall war, als der Club of Rome in den 1970er Jahren vor den Grenzen des Wachstums warnte. Im Verständnis der Frankfurter Geisteswissenschaftler sind Ressourcen allerdings nicht gleichzusetzen mit Rohstoffen: Je nach Teilprojekt geht es um ganz unterschiedliche Ressourcen wie Wissen, Verwandtschaft, Heiligkeit, Nationalismus, Information, ökonomisches Kalkül etc.

Das Frankfurter Forschungsvorhaben geht grundsätzlich davon aus, dass Ressourcen stets die Frage der Handlungsfähigkeit von Akteuren aufwerfen. Untersucht wird, wie in langfristiger historischer Perspektive die Rede über Schwäche den Umgang mit Ressourcen beeinflusst hat und bis heute beeinflusst. Für die etwa 45 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs ist es daher von großem Interesse, sich mit Diamonds Werk zu beschäftigen, weil es Perspektiven enthält, die um das Ressourcenthema kreisen. In seinem Buch „Kollaps“ etwa werden als Einflussfaktoren Umweltschäden (wie die Abholzung der Wälder) ebenso thematisiert wie die Qualität der Beziehungen zu Nachbargesellschaften, was jeweils auf handfeste materielle sowie immaterielle Ressourcen verweist. Als zentraler „Rohstoff“ des 21. Jahrhunderts gilt schließlich die Fähigkeit, insbesondere auf ökologische Problemlagen angemessen reagieren zu können, wobei Diamond dem rückblickenden Erkenntnisgewinn aus der Historie einen hohen Stellenwert beimisst.

Die diesjährige Jahresfeier soll auch dazu dienen, den SFB 1095 „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ und seine Mitwirkenden einem inner- und außeruniversitären Publikum vorzustellen. 

Informationen: Christian A. Müller, Sonderforschungsbereich „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ (SFB 1095), Campus Bockenheim, Tel. 069 798-33951; E.Mail: c.mueller@em.uni-frankfurt.de