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Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt
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Veranstaltungen
Susanna Schrafstetter von der Universität Vermont hält Holocaust-Gedenkvorlesung an der Goethe-Universität – Umfangreiches Begleitprogramm
FRANKFURT. Die nichtjüdischen Unterstützer, die jüdischen Deutschen auf der Flucht geholfen haben, stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Holocaust-Gedenkvorlesung an der Goethe-Universität, die von Prof. Susanna Schrafstetter gehalten wird. Dieser Vorlesung am 27. Januar geht ein umfangreiches Begleitprogramm voraus.
Seit einigen Jahren bereits findet anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus eine Gedenkvorlesung statt. In diesem Jahr spricht die Historikerin Susanna Schrafstetter über die nichtjüdischen Deutschen, die Juden dabei halfen unterzutauchen. Nicht alle taten dies aus ethischer Verantwortung oder Mitgefühl; zuweilen handelten sie auch aus eigennützigen Motiven. Die Vorlesung mit dem Titel „Stille Helden und heimliche Profiteure – Erfahrungen von untergetauchten Juden mit ihren Helfern 1941-1945“ findet statt
am Freitag, 27. Januar, um 12 Uhr in der Lobby des PA-Gebäudes am Campus Westend Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt.
Zwischen 1941 und 1945 flüchteten etwa 10.000 bis 15.000 Juden in Deutschland vor der Deportation und tauchten unter. Dabei waren sie auf die Unterstützung nichtjüdischer Verwandter, Freunden, Bekannten oder auch fremden Menschen angewiesen. Erst in jüngerer Zeit erfuhren diese Helfer Anerkennung – oft als „stille Helden“. Aber flüchtende Juden wurden oft auch Opfer von Dieben, Schwindlern und Erpressern. Der Vortrag geht auf die gesamte Bandbreite dieser Begegnungen ein, deren Motive von uneigennütziger Hilfe bis zur persönlichen Bereicherung reichten.
Susanna Schrafstetter ist Associate Professor of History und Mitarbeiterin am Center for Holocaust Studies der Universität Vermont (USA). 2017 ist sie als Senior Research Fellow am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz.
Erstmals findet dieses Jahr ein vielfältiges gemeinsames Begleitprogramm von Fritz-Bauer-Institut, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Pädagogischem Zentrum Frankfurt und AStA der Goethe-Universität statt. Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.
Die Termine:
Nebel im August
Lesung und Gespräch mit Robert Domes
Freitag, 20. Januar, 15-17 Uhr
Campus Westend, IG Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, Raum 311
Führung über das Norbert Wollheim Memorial
Samstag, 21. Januar, 15 Uhr
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Treffpunkt: Wollheim-Pavillon
Möglichkeiten und Grenzen einer Public History of the Holocaust
Werkstattbericht der Studiengruppe Public History
Montag, 23. Januar, 18-20 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 1.414
Norbert-Wollheim-Platz 1
Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933-1945. Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft des Nationalsozilaistischen Lehrerbundes
Vortrag von Prof. Benjamin Ortmeyer
Mittwoch, 25. Januar, 18-20 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum 311
Norbert-Wollheim-Platz 1
Last Folio – Fotografien letzter Zeugnisse jüdischer Kultur in der Slowakei
Ausstellung
Donnerstag, 26. Januar, bis Freitag, 24. Februar
Campus Westend, Lobby des PA-Gebäudes
Theodor-W.-Adorno-Platz 1
Autobiographische Apologien der Täter – Henriette und Baldur von Schirach
Donnerstag, 26. Januar, 19-20 Uhr
Vortrag von Dr. Steffen Bruendel
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 1.414
Norbert-Wollheim-Platz 1
Im Gedenken an die Opfer von Auschwitz (Lager Buna/Monowitz)
Namenslesung
Freitag, 27. Januar, 11.30-16.30 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Foyer
Norbert-Wollheim-Platz 1
Primo Levi: „Ist das ein Mensch?“ und „Das periodische System“
Freitag, 27. Januar, 19 Uhr
Lesung mit Schauspieler Christian Wirmer, Gesprächsleitung: Prof. Harald Schwalbe
Centre for Dialogue,
Zur Kalbacher Höhe 56
60438 Frankfurt (Riedberg)
Erhobenen Hauptes. (Über)Leben im Kibbuz Ma’abarot
Filmvorführung und anschließendes Gespräch mit dem Filmteam
Freitag, 27. Januar, 20 Uhr
Campus Bockenheim, Festsaal im Studierendenhaus
Mertonstraße 26-28
Informationen unter der Rufnummer 069 798 32344, Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Filmreihe „1916 – die Großschlachten in Filmbildern“ – Gemeinsames Projekt des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Uni und des Deutschen Filminstituts
FRANKFURT.Die Großschlachten des Ersten Weltkrieges jähren sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltet das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut eine Filmreihe, deren zweiter Abend sich der Schlacht an der Somme widmet.
Die Schlacht an der Somme begann am 1. Juli 1916; fast auf den Tag genau 100 Jahre danach zeigt das Kino des Deutschen Filmmuseums den Film „The Battle of the Somme“ (Großbritannien 1916, Regie Geoffrey Malins) in seiner restaurierten Fassung:
am Dienstag, 5. Juli, um 20 Uhr
im Kino des Deutschen Filmmuseums, Schaumainkai 41.
Der Eintritt ist frei, da die Kinovorführung von der First World War Centenary Partnership des Imperial War Museums unterstützt wird.
Im Begleitprogramm zum Hauptfilm wird der Kurzfilm „Sur le front de la Somme“ (Frankreich 1916) gezeigt. Zwei kurze Fachvorträge informieren außerdem über die historische und filmhistorische Einordnung und Besonderheiten des gezeigten Filmmaterials. Die historische Einführung übernimmt Prof. Monika Dommann, Historisches Seminar der Universität Zürich, während die Frankfurter Publizistin und Filmkritikerin Marli Feldvoß sich den filmhistorischen Zusammenhängen widmet.
Informationen: Janneke Rauscher, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Tel: (069) 798 32114, E-Mail: J.Rauscher@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Gemeinsame Veranstaltung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 18. Mai 2016
FRANKFURT. Vor dreißig Jahren hat sie den Begriff „Gender“ als Kategorie der Analyse und der Kritik in die Geschichtswissenschaft eingeführt. In jüngerer Zeit widmete sie sich dem Einfluss von Geschlechterdifferenzen und Ungleichheiten auf demokratische Praktiken. Auch aktuelle Normierungen wie das Kopftuchverbot in Frankreich gehören deshalb zu ihren Themen. Die über Fachgrenzen hinaus höchst einflussreiche Historikerin Joan W. Scott hält in diesem Sommersemester an der Goethe-Universität die Kantorowicz Lecture in Political Language, veranstaltet vom Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Die emeritierte Professorin der Universität Princeton spricht über
„French Laïcité, the Old and the New“
am: Mittwoch, dem 18. Mai 2016, um 18.00 Uhr
Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Casino, Raum 1.801
Wie immer ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Joan Scott behandelt die Geschichte und die aktuellen Verwendungen des Prinzips der „Laïcité“, des französischen Konzepts von Säkularismus sowie strikter Trennung von Kirche und Staat. Im Zentrum steht die Art und Weise, wie alte und neue Säkularisten ihre Aufmerksamkeit auf Frauen richten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert blickten sie auf die Gefahren, die angeblich von einer den französischen Frauen unterstellten Neigung zur (katholischen) Religion ausging. Im 21. Jahrhundert konzentrieren sie sich auf die vorgebliche Bedrohung der Republik durch verschleierte muslimische Frauen. Der Vortrag wird sowohl die Historizität normativer Ordnungen beleuchten als auch die Herausforderungen, die Geschlechterdifferenzen für sie darstellen.
Joan W. Scott ist emeritierte Professorin der School of Social Science am Institute for Advanced Study der Universität Princeton, USA. Sie ist Autorin des Klassikers „Gender and the Politics of History” sowie zahlreicher Artikel und Bücher, einschließlich „Gender: A Useful Category of Historical Analysis”, „Only Paradoxes to Offer: French Feminists and the Rights of Man” und „The Politics of the Veil”. Vor kurzem veröffentlichte sie „The Fantasy of Feminist History“. Aktuell untersucht sie die Geschichte von Säkularismus und Gleichstellung in modernen westlichen Nationalstaaten.
Die einmal pro Jahr stattfindenden Kantorowicz Lectures in Political Language erinnern an Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Kantorowicz musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die 2011 ins Leben gerufene Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. Stets sprechen sehr renommierte Gäste aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise der Philosoph und Historiker Quentin Skinner (2011) oder der Komponist, Regisseur und Kunsttheoretiker Heiner Goebbels (2015).
Information: Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de ; www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/
Veranstaltungen
Die Ringvorlesung „Modelling Transformation“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 20. April 2016
FRANKFURT. Die Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität widmet sich in diesen Sommersemester dem Thema „Modelling Transformation“. Die fünfteilige Reihe, die der Cluster in Kooperation mit dem Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften und dem Sonderforschungsbereich „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ durchführt, erörtert Modellierungen von Transformation aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven. Im Zentrum der Beiträge stehen eine Positionsbestimmung zeitgenössischen historischen Denkens und die Frage nach einer historisch begründeten Prognostik. Der Auftaktvortrag von Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung, am 20. April um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend trägt den Titel „Was ist ein sozialer Prozess?“.
Historische Geisteswissenschaften befassen sich zwar fortwährend mit Phänomenen des Wandels, doch erstaunlich unterentwickelt ist die Diskussion darüber, wie das Phänomen „Wandel“ in den Geisteswissenschaften überhaupt zu denken ist. Mit welchen Deutungsmodellen erfassen wir Prozesse der Veränderung? Wie steuern unsere erkenntnistheoretischen Grundannahmen die Deutung von Wandel? Natürlich bieten historische Arbeiten andauernd vielfältige Erklärungen dafür an, warum (seltener: wie) die eine historische Formation zu einer anderen historischen Formation wurde. Aber die Deutungsmuster – die erkenntnistheoretischen, methodischen, nicht selten auch politischen Grundlagen dieser Erklärungen – bleiben meist implizit. Das ist umso erstaunlicher, als gerade hier der Brückenschlag zwischen empirischer Forschung und theoretischen Ansätzen gelingen könnte. Die aktuelle Ringvorlesung will dazu einen Beitrag leisten.
Im Mittelpunkt des ersten Vortrags am 20. April steht der Prozessbegriff, der in verschiedenen Ausprägungen schon seit der Gründungsphase der Sozialwissenschaften zu deren begrifflichen Handwerkszeug gehört. In seinem Vortrag versucht Wolfgang Knöbl, der im April 2015 die Leitung des Hamburger Instituts für Sozialforschung übernommen hat, anhand der Analyse vergangener und gegenwärtiger historischer wie soziologischer Diskussionen um den Prozessbegriff unterschiedliche theoretische Herangehensweisen zu typisieren und auch deren Stärken und Schwächen zu benennen. In der dann folgenden Vorlesung von Rudolf Stichweh, Professor für Theorie der modernen Gesellschaft an der Universität Bonn, geht es am 4. Mai um „Soziokulturelle Evolution und soziale Differenzierung: Das Studium der Gesellschaftsgeschichte und die beiden Soziologien der Transformation“. Stichweh sieht die Differenzierungs- und die Evolutionstheorie aufeinander angewiesen. Sein Vortrag demonstriert dies in einer elementaren Rekonstruktion der Gesellschaftsgeschichte.
Eva Geulen, die am 1. Juni referiert, lehrte bin zum vergangenen Jahr Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität, bevor sie an die Berliner Humboldt-Universität wechselte. Bei der Ringvorlesung beschäftigt sie sich mit der „Reihenbildung nach Goethe“. Dieser hatte in seiner Morphologie und anrainenden Schriften mit der Reihe als Modellierung von Formenwandel in der Zeit experimentiert. Im 20. Jahrhundert wurde dieses protostrukturalistische Verfahren in verschiedenen Disziplinen wieder aufgenommen. Ihrer kritischen Sichtung gilt der Vortrag.
Der vierte und der abschließende fünfte Beitrag finden auf Englisch statt. Andrew Abbott, Soziologe an der University of Chicago, spricht am 15. Juni in seinem Vortrag „Processual Social Theory“ über die Grundlagen einer prozessualen Theorie des gesellschaftlichen Lebens. Er skizziert dabei eine Sozialontologie, in der sowohl Personen als auch soziale Gruppen als Entwicklungslinien, definiert über Ereignisse im Laufe der Zeit, hervorgebracht werden. Lorraine Daston schließlich analysiert am 29. Juni die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufkommende Ansicht, wonach die Ursprünge der modernen Welt auf die wissenschaftliche Revolution zurückzuführen seien und nicht auf die religiöse Reformation oder politische und industrielle Revolutionen. Die Referentin ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Ihr Frankfurter Vortrag heißt „The Strange Modernity of Modern Science“.
Organisiert wird die Ringvorlesung von einem Team um die Clustermitglieder und Professoren Bernhard Jussen (auch Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften) und Hartmut Leppin (auch SFB „Schwächediskurse und Ressourcenregime“). Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Alle Vorträge finden im Hörsaalzentrum (Raum HZ 10) auf dem Campus Westend statt. Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr. Die Termine im Überblick:
20. April 2016
Prof. Dr. Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung): Was ist ein sozialer Prozess?
4. Mai 2016
Prof. Dr. Rudolf Stichweh (Universität Bonn): Soziokulturelle Evolution und soziale Differenzierung: Das Studium der Gesellschaftsgeschichte und die beiden Soziologien der Transformation
1. Juni 2016
Prof. Dr. Eva Geulen (Humboldt-Universität zu Berlin): Reihenbildung nach Goethe
15. Juni 2016
Prof. Dr.Andrew Abbott (University of Chicago): Processual Social Theory
29. Juni 2016
Prof. Dr. Lorraine Daston (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin): The Strange Modernity of Modern Science
Information: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Tel.: 069/798-32424 (Sekretariat), jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Tel. (069) 798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de
www.normativeorders.net, www.fzhg.org, www.sfb1095.net
Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen
Veranstaltungen
Gemeinsame Veranstaltung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität am 11. November
FRANKFURT. Die Kantorowicz Lectures in Political Language des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften feiern ein kleines Jubiläum. Seit fünf Jahren gibt es die prominent besetzte Reihe nun – genauso lang wie das Zentrum selbst, das an der Goethe-Universität angesiedelt ist und mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ kooperiert. Beide Institutionen zusammen veranstalten jetzt die fünfte Auflage der Lectures. Der Referent gehört bereits seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Exponenten der zeitgenössischen Musik- und Theaterszene und hat sich zugleich als Kunsttheoretiker und Wissenschaftler einen Namen gemacht. Heiner Goebbels bestreitet seine Kantorowicz Lecture unter dem programmatischen Titel:
„Erkläre nichts. Stell es hin. Sag's. Verschwinde.“ – Zur Frage nach einer Politik des Ästhetischen
am: Mittwoch, dem 11. November 2015, um 18.00 Uhr
Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Casino, Raum 1.801
Die aktuelle Kantorowicz Lecture in Political Language widmet sich der Frage wie die Künste mit politischer Bedeutung aufgeladen werden und einem besonders sperrigen Medium politischer Sprache: der Musik. Wie man mit dem Medium der Musik, der Komposition, im politischen Diskurs agiert, ist für das Gros der Geisteswissenschaftler bisher wenig nachvollziehbar. In dem Komponisten und Theatermacher Heiner Goebbels haben das Forschungszentrum und der Exzellenzcluster für die Kantorowicz Lecture 2015 einen international besonders renommierten Redner gewinnen können, der den Versuch unternimmt, dem Begriff der politischen Sprache die künstlerische Erfahrung entgegenzustellen. Seit seinen frühesten Arbeiten, der Zeit seiner Zusammenarbeit mit Heiner Müller, bis zu seinen aktuellen Musiktheaterproduktionen stellt sich Goebbels unentwegt die Frage nach der Politik des Ästhetischen.
Heiner Goebbels arbeitet als Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus Liebig Universität in Gießen und ist Präsident der Theaterakademie Hessen. Von 2012 bis 2014 war er künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale – International Festival of the Arts. Goebbels war Mitbegründer des „Sogenannten Linksradikalen Blasorchester“, das bis 1981 existierte, und des Duos Heiner Goebbels/Alfred Harth sowie des Art Rock Trios Cassiber (1982 –1992). In dieser Zeit schrieb er Theatermusiken für Inszenierungen unter anderem von Hans Neuenfels, Claus Peymann, Matthias Langhoff undRuth Berghaus. Mitte der 1980er Jahre begann er eigene Hörspiele vor allem zu Texten von Heiner Müller zu schreiben und zu inszenieren. Nach ersten szenischen Konzerten wandte er sich verstärkt eigenen Theaterinszenierungen zu. Neben seinen Bühnenstücken schreibt er weiterhin Musik.
Die einmal pro Jahr stattfindenden Kantorowicz Lectures in Political Language erinnern an Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Kantorowicz musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. In den vergangenen fünf Jahren konnten jeweils sehr renommierte ausländische Gaste für diese Vorträge gewonnen werden. Erster Kantorowicz Lecturer war im Jahr 2011 der Philosoph und Historiker Quentin Skinner.
Informationen:
Prof. Bernhard Jussen, Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, Tel.: 069/798-32427, (-32424 Sekretariat), jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32113, (-32344 Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Öffentlicher Vortrag des Berliner Kulturwissenschaftlers Joseph Vogl in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. Der Berliner Kulturwissenschaftler Prof. Joseph Vogl nimmt in einem öffentlichen Vortrag in den Blick, wie sich Staat und Wirtschaft, Fiskus und Finanzen, in der Renaissance zu einem neuen Machttypus entwickelt haben und wie dies auf die heutige Situation zu übertragen ist. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften am Mittwoch (8. Juli) um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, statt.
In seinem soeben erschienenen, viel beachteten Buch „Der Souveränitätseffekt“ belegt Vogl, der an der Humboldt Universität forscht und lehrt, dass die gängige Gegenüberstellung von Wirtschaft und Politik so nicht haltbar ist. Es hat sich bereits in der Renaissance ein spezifischer Machttypus formiert, der weder durch politische Strukturen noch durch ökonomische Strategien hinreichend zu beschreiben ist. Diese Überlagerung bezeichnet er als „seignioralen Macht“. Der Vortrag ist verschiedenen Aspekten in der Genese seignioraler Machtformen seit der frühen Neuzeit gewidmet: dem Problem des Fiskus, dem Status der Münzpolitik, der Rolle des öffentlichen Kredits.
Die Neuzeit hat nach Vogls Auffassung eben nicht nur souveräne Staatsapparate, international operierende Handelskompagnien, einflussreiche Financiers und dezentrale Märkte hervorgebracht, sondern auch diesen neuen Machttypus. Mit Blick auf die Monetarisierung der europäischen Wirtschaft seit dieser Zeit und auf die Bereicherungseffekte fiskalischer Geldpolitik könnte man – so Vogl – von einer „seignioralen Macht“ sprechen. Sie unterscheidet sich von den Spielarten staatlicher Macht dadurch, dass sie weder mit der politisch-juridischen Institution souveräner Gewalt noch mit den Technologien der Regierung zusammenfällt und auf der Integration privater Akteure und unternehmerischer Praxis in die Ausübung von Politik basiert.
Vogl nennt zwei Beispiele: So erließ die Augsburger FuggerKarl V. im 16. Jahrhundert seine Schulden. Dieser hatte sich bei den Fuggern Geld geliehen, um seine Kriegsmaschine zu betreiben. Die niederländischen Provinzen wiederum wurden vom Habsburger angehalten, spanische Staatsanleihen zu kaufen, um „hohe Steuerlast mit dauerhafter Staatsverschuldung bei langfristig niedrigen Kreditzinsen zu garantieren“, so Vogl. Dieses Kreditsystem sorgte erst für den spanischen Machterhalt, später nutzten es die Niederländer für den wirtschafts- und machtpolitischen Aufstieg. In seinem Buch deckt Vogl zahlreiche Parallelen zur aktuellen Finanzsituation in den Staaten der Europäischen Gemeinschaft auf. Seine These: „Im modernen Finanzwesen hat sich eine politische Entscheidungsmacht konzentriert, die abseits von Volkssouveränitäten und unter Umgehung demokratischer Prozeduren agiert.“
Informationen: Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, fzhg@em.uni-frankfurt.de, Tel.: 069/798-32344); Programm im Internet unter: www.fzhg.org
Sonstige
Jahrestagung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität gemeinsam mit der Universität Tel Aviv
FRANKFURT. Israel und Deutschland begehen in diesem Jahr den 50. Jahrestag der Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen. Ein willkommener Anlass, um auch die „strategische Partnerschaft“ zwischen der Goethe-Universität und der Tel Aviv University weiter zu festigen. So wird die diesjährige Jahreskonferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften von beiden Universitäten gemeinsam organisiert. Sie findet vom 3. bis 4. Juli auf dem Campus Westend (IG Farben-Gebäude, Eisenhower-Raum IG 1.314) statt.
Unter dem Thema „Die Schrecken von Gewalt, Krieg und Extremismus 1813 - 2015“ (“The Disasters of Violence, War and Extremism 1813 - 2015“) analysieren und reflektieren israelische und deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Nachwirkungen und Verarbeitungen gewalttätiger Konflikte, die das 19. und das 20. Jahrhundert geprägt haben und bis heute fortwirken. Gewalt und Kriege sind eng verflochten. Ihre Deutungen sind für Erinnerungskulturen bedeutsam: Kulturelle Verarbeitungen der Schrecken von Krieg und Gewalt sind für die Herausbildung von Feind-, Fremd- und Selbstbildern relevant – häufig bis in die Gegenwart. Gewaltförmige Auseinandersetzungen gelten deshalb oft als Ursprung kollektiver Identitäten oder als Einschnitt in der historischen Entwicklung von Gesellschaften. Insbesondere der Erste Weltkrieg erzeugte Präzedenzfälle, die den historischen Vergleich lohnen. Und er hat ein Nachleben („postmemory“), wie sich zuletzt im vergangenen Jahr, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, zeigte. Erzählungen und Bilder von Gewalt und Krieg werden bis heute immer weiter geschärft und aktualisiert.
Die deutsch-israelische Konferenz ist bewusst transdisziplinärer angelegt und umfasst Beiträge aus unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, u. a. Geschichtswissenschaften, Anglistik, Romanistik, Philosophie sowie Film- und Theaterwissenschaften. Dadurch wird eine facettenreiche Betrachtung des komplexen Themas möglich. Die Konferenz soll ein Forum bieten, in dem sich internationale Experten sowie junge Wissenschaftler epochenübergreifend und disziplinär offen über den Ersten Weltkrieg sowie andere prägende Gewalterfahrungen des 19. und 20. Jahrhunderts austauschen und ihre aktuellen Forschungsergebnisse präsentieren. Insgesamt nehmen etwa 20 Referenten (Doktoranden, Postdocs sowie erfahrene Forscher) der Goethe-Universität, der Tel Aviv University sowie anderer deutscher und israelischer Universitäten teil.
Die Konferenz in englischer Sprache steht neben Studierenden und Forschenden im Sinne der „Bürgeruniversität“ auch der interessierten Stadtgesellschaft offen.
Informationen: Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, fzhg@em.uni-frankfurt.de, Tel.: 069/798-32344)
Programm im Internet unter: www.fzhg.org
Forschung
Frankfurter Historische Geisteswissenschaften überzeugen mit modellhafter Plattform für Innovation in Forschung und Lehre
FRANKFURT. Eine internationale Gutachtergruppe hat im Auftrag der Volkswagen Stiftung die Kooperationsstruktur der historischen Geisteswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität als originell, innovativ und beispielgebend beurteilt. Auf dieser Grundlage wird dem Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften (FzHG) im Rahmen der Förderinitiative „Hochschule der Zukunft“ eine Unterstützung für seine außergewöhnliche Initiative zugesprochen. Diese Entscheidung hat das Kuratorium der VolkswagenStiftung am vergangenen Freitag getroffen. Insgesamt werden 826.000 € zur Verfügung gestellt.
„Das 2010 gegründete Forschungszentrum erhält damit die Chance, seine in den vergangenen Jahren nach dem Vorbild der Humanities Centres anglo-amerikanischer Universitäten entwickelten Formate fachübergreifender Zusammenarbeit in Forschung und Lehre noch breiter zu öffnen und modellhaft weiterzuentwickeln“, freuen sich der für den Antrag zuständige Vizepräsident der Goethe-Universität, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, und der Sprecher des Leitungsgremiums des FzHG, Prof. Bernhard Jussen.
Die ambitionierte Zielsetzung des FzHG besteht einerseits darin, eine interdisziplinäre Kommunikationsplattform zu schaffen, die ein Klima der intellektuellen Spannung erzeugt und auf diese Weise die Entstehung innovativer Forschungsfragen und –zugänge unterstützt. Andererseits soll das FZhG Schwächen der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge kompensieren, indem es Studierenden Raum für Interdisziplinarität und langfristige thematische Konstanz eröffnet sowie eine dezidierte Forschungsorientierung von Master- und Promotionsprogrammen sicherstellt. Der Aufbau des Zentrums orientiert sich grundsätzlich an ähnlichen Strukturen anglo-amerikanischer Universitäten; allerdings strebt das FzHG an, seine Aktivitäten noch besser in den Universitätsalltag zu integrieren. Für die historisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität verbinden sich mit der Einrichtung des Forschungszentrums die Vorteile einer Universität mit denen eines Forschungsinstituts.
Die Zielgruppe des FzHG erstreckt sich vom fortgeschrittenen Studierenden bis hin zur Professorin/zum Professor. Das Zentrum zählt derzeit rund 160 Mitglieder, darunter rund 60 Professorinnen und Professoren, 50 Postdocs und 50 Doktorandinnen und Doktoranden.
Das Forschungszentrum organisiert sein intellektuelles Leben um die Mittwochskonferenzen und die „Lunch Papers“. Die thematisch-methodische Arbeit findet in sieben, den aktuellen Stand der kollektiven Interessen spiegelnden Forschungsfeldern statt. Dreh- und Angelpunkt der Kooperationsstruktur ist die Position eines Forschungsdirektors, der von einer kleinen Geschäftsstelle unterstützt wird. Ferner stehen Mittel für Konferenzen und Workshops - insbesondere auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs - bereit, um die Sichtbarkeit der Frankfurter Forschung und ihre Vernetzung mit nationalen und internationalen Institutionen zu gewährleisten.
Weitere Informationen: Dr. Ute Lanzendorf, Referentin für Hochschulentwicklung, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-13050, lanzendorf@pvw.uni-frankfurt.de
Veranstaltungen
Vortrag des britischen Wissenschaftshistorikers Simon Schaffer in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. Der britischer Wissenschaftshistoriker Simon Schaffer nimmt in seinem öffentlichen Vortrag „Global Sciences and the Imperial Meridian“ die Zusammenhänge von wissenschaftlichen und imperialen Entwicklung um 1800 in den Blick. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften am Mittwoch (25. Juni) um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, statt.
Schaffer ist Professor Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität Cambridge. Er wird zeigen, wie sehr die Wissenschaften damals in Projekte von imperialen Angriffen und kolonialer Ausbeutung eingebunden wurden. Dabei waren sowohl die naturgeschichtlichen Disziplinen als auch die exakten Wissenschaften involviert. Wissenschaftshistoriker haben diesen Umstand in den Kontext einer zweiten wissenschaftlichen Revolution gestellt – eingeläutet durch eine Reihe von Veränderungen, zu denen weitere Disziplinen, neue Öffentlichkeiten und Unterstützungssysteme für die Forschung sowie erweiterte Modelle für die Mathematik gehörten. Schaffer wird nicht nur diese Zusammenhänge ausleuchten; er wird in seinem Vortrag auch über neuere Formen der Geschichtsschreibung (Historiographie) reflektieren, die sich mit globalen Wissenschaften beschäftigen.
Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32427, jussen@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Vortrag des belgischen Wissenschaftler Sébastien Fevry in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. Der belgische Wissenschaftler Sébastien Fevry nimmt in einem öffentlichen Vortrag die Welle nostalgischer Kinoproduktionen in Frankreich in den Blick, die während der Präsidentschaftszeit Nicolas Sarkozys ihren Höhepunkt fand und von einigen Filmkritikern als „sepia cinema“ bezeichnet worden ist. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften am Mittwoch (4. Juni) um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, statt.
Nach dem Erfolg von Les Choristes (Barratier 2004, dt. Die Kinder des Monsieur Mathieu) erschien eine größere Zahl an Filmen, die auf gewisse Art altmodisch erscheinen – wie etwa Le Petit Nicolas (Tirard 2009, dt. Der kleine Nick) oder La Nouvelle Guerre des Boutons (Barratier 2011, dt. Krieg der Knöpfe). Interessant an diesen Filmen ist das idealisierte Bild der Vergangenheit, in dem die französische Gesellschaft dargestellt wird, die zusehends auf ihre nationale Erinnerung fixiert ist.
Der Vortrag „Sepia cinema in Nicolas Sarkozy’s France. Nostalgia and National Identity“ beschäftigt sich mit den Erinnerungsdynamiken, an denen das „sepia cinema“ in den soziokulturellen Kontexten Frankreichs teilhat. Sébastien Fevry möchte im Detail zeigen, dass das Verhältnis zwischen politischem Raum und „sepia film“ weitaus komplexer ist als das Phänomen einer einfachen Echokammer. Der Referent ist Professor am Institut für Sprache und Kommunikation der Katholischen Universität in Louvain, Belgien.
Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32427, jussen@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Diskussion mit zwei Expertinnen in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. Auch Historiker beschäftigen sich mit Behinderung („disability“) als Leitkategorie von Gesellschaften: Bietet sich damit die Chance, nicht nur Geschichte(n) der Behinderung, sondern auch die allgemeine Geschichte neu zu schreiben? Über diese Frage diskutieren am Mittwoch (21. Mai) Prof. Dr. Cordula Nolte als Vertreterin der Geschichte des Mittelalters und des Forschungsprogramms „Disability History der Vormoderne“ (Universität Bremen) und Prof. Dr. Anne Waldschmidt, Soziologin und Professorin für Disability Studies (Universität zu Köln). Die öffentliche Veranstaltung findet im Rahmen der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, statt.
In einem Jahrhunderte währenden, mit der Entwicklung der Moderne parallel verlaufenden Prozess ist die Differenzierungskategorie „disability“, die im deutschsprachigen Raum heute Behinderung genannt wird, allmählich entstanden. Zugleich, sozusagen als Kehrseite der Medaille, haben sich Vorstellungen von Gesundheit, Funktionsfähigkeit und Normalität formiert, die tief in der Gesellschaft und Kultur verankert sind. Diese Vorstellungen zu historisieren, hat sich die „Disability History“ vorgenommen. Diese Forschungsperspektive hat sich im Anschluss an die internationalen „Disability Studies“ entwickelt, die im Kontext der sozialen Bewegung behinderter Menschen, beeinflusst durch kritische Gesellschaftstheorie und postmoderne Kulturtheorien entstanden sind. Ihr wissenschaftliches Programm zielt auf die Kritik des in den Rehabilitationswissenschaften vorherrschenden individuellen Behinderungsmodells und favorisiert ein soziales und ein kulturelles Modell. Unter anderem geht es darum, den Zusammenhang von Gesellschaft und Behinderung, von Inklusions- und Exklusionsprozessen zu verstehen. Im Blick haben die Wissenschaftler dabei nicht nur das 19. und 20. Jahrhundert, sondern auch, wie neuere mediävistische Studien zeigen, die vormodernen Gesellschaften.
Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32427, jussen@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Die renommierte Islamwissenschaftlerin spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. „Islam, Moderne, Säkularität“ ist der Titel eines öffentlichen Vortrags, den Prof. Dr. Gudrun Krämer, Islamwissenschaftlerin an der Freien Universität, morgen, Mittwoch (23. April), 18 Uhr, im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend hält. Das Verhältnis vom Islam und Moderne ist hoch kontrovers. In ihrem Vortrag nimmt die renommierte Islamwissenschaftlerin besonders historische Prozesse der Säkularisierung in den Blick. Sie wird zeigen, dass in islamisch geprägten Gesellschaften Religion und Politik keineswegs immer so miteinander verknüpft waren, wie heute häufig angenommen.
Krämer interessiert in erster Linie das Verhältnis von Recht, Verfassung und öffentlicher Ordnung und die damit einhergehende Unterscheidung zwischen „öffentlich“ und „privat“. Diese Unterscheidung – so die Referentin – müsse vor dem Hintergrund der wachsenden Verbreitung neuer Medien und der Expansion „islamischer Märkte, „islamischen Konsums“ und „islamischer“ Unterhaltung neu durchdacht werden.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32427, jussen@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Forschung
Der Heidelberger Archäologe Tonio Hölscher spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften.
FRANKFURT. „Bilder der Geschichte – Geschichte der Bilder. Vom Nutzen der Bildkunst für die Historie“ ist der Titel eines öffentlichen Vortrags, den Tonio Hölscher, emeritierter Professor für Klassische Archäologie an der Universität Heidelberg, am Mittwoch (29. Januar) hält. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
Die Aktualität der visuellen Medien und der „iconic turn“ der Kulturwissenschaften hätten zu einer extensiven, zugleich aber oft reduktiven Nutzung von Bildern in den Geschichtswissenschaften geführt, so Hölscher. In seinem Vortrag versucht der Archäologe, die Möglichkeiten der historischen Interpretation von Bildwerken als eines eigenständigen Mediums auszuloten, das mehr leistet als die Illustration und Ergänzung von Textzeugnissen. Dabei sollen zum einen die traditionellen Kategorien der archäologischen Bildwissenschaft beleuchtet, als auch neue Ansätze der kulturwissenschaftlichen Praxis fruchtbar gemacht werden. Sowohl die Bildwerke wie die Phänomene der Lebenswelt sollen in ihrem medialen Charakter erfasst und in einem Konzept der historischen Bildpraxis zusammengeführt werden.
Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Prof. Fotis Jannidis spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. Mit der Verwendung digitaler Textsammlungen in der Literaturwissenschaft setzt sich Prof. Fotis Jannidis am Mittwoch (15. Januar) auseinander. Der Titel seines öffentlichen Vortrags lautet „Literaturgeschichte und Makroanalyse“ Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
Auch wenn erst ein kleiner Anteil aller gedruckten Bücher im digitalen Volltext vorliegt, hat sich inzwischen bereits ein neues Forschungsfeld etabliert, das Methoden der Korpuslinguistik, des „Information Retrieval“ und des „Text Mining“ verwendet, um Antworten auf Fragen zu erlangen, die bisher schon aufgrund der Menge der zu untersuchenden Texte unbeantwortbar erschienen. Der Professor für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Würzburg wird in seinem Vortrag dieses Forschungsfeld und einige der Methoden und Ergebnisse vorstellen.
Der Umgang mit großen Datenmengen hat die Arbeitsweise vieler Geisteswissenschaftler in den vergangenen Jahren erheblich verändert und hat auch inhaltlich zu einem Wandel in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächern geführt. „Empirische Wende“ nennen die Experten die an Einfluss gewinnende quantifizierende Arbeit an großen, kontrolliert erstellten digitalen Text- und Bildcorpora. Die Goethe-Universität hat auf diesem Gebiet die Nase vorn: Mit der im Dezember 2013 noch einmal um ein Jahr verlängerten Finanzierung für LOEWE-Schwerpunkt kann Frankfurt seine Spitzenposition in der sich schnell entwickelnden Landschaft der „Digital Humanities“ in Deutschland weiter ausbauen. Beteiligt an diesem LOEWE-Schwerpunkt sind auch Informatiker und Geisteswissenschaftler der TU Darmstadt sowie Literaturwissenschaftler des Freien Deutschen Hochstifts (Frankfurter Goethe-Museum).
Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Prof. Margit Kern von der Universität Hamburg spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. „Violentia und potestas – Transkulturelle Imagination des Opfers und die Inszenierung von Gewalt“ ist der Titel eines öffentlichen Vortrags, den Margit Kern, Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg, am Mittwoch (18. Dezember) hält. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
Die europäische Expansion hat die visuellen Kulturen Amerikas von Grund auf verändert, während Europa von dieser Entwicklung weitgehend unberührt geblieben ist, so zumindest eine häufig geäußerte Einschätzung. „Doch diese transkulturelle Imaginationen sind auch in europäischen Ländern zu verorten“, stellt die Kunsthistorikerin fest. Sie wird in ihrem Vortrag zeigen, wie Übersetzungsprozesse im Rahmen der Mission in Neuspanien, dem heutigen Mexiko, auf Europa zurückgewirkt haben. Werke von europäischen Malern wie Giovanni Lanfranco, Domenichino und anderen geben diese transkulturellen Aushandlungsprozesse in beide Richtungen zu erkennen und belegen, dass die Opferdiskurse der Mission in den zeitgenössischen Wissenskulturen reflektiert wurden. Die asymmetrischen Machtverhältnisse zwischen Europa und der „neuen Welt“ führten oft dazu, dass diese Verflechtung nur als Marginalie wahrgenommen wurde.
Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Prof. Sabine Schülting von der FU Berlin spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. „‘Enter Jessica‘. Shylocks Tochter auf der deutschen Bühne des 20. und 21. Jahrhunderts“ ist der Titel eines öffentlichen Vortrags, den Sabine Schülting, Professorin für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin, am Mittwoch (4. Dezember) hält. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
Bei den neueren deutschen Inszenierungen von William Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ hat Schülting einen überraschenden Wandel in der Rezeption festgestellt: „Schien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nach dem „Zivilisationsbruch“ (Dan Diner) des Holocaust, das Schicksal von Shakespeares ‚Problemstück‘ besiegelt und eine unreflektiert komische Inszenierung des Stücks nicht mehr möglich, deutet sich seit den 1990er Jahren ein Aufbrechen dieses Konsenses an; und es ist wiederholt der Versuch unternommen worden, den ‚Kaufmann von Venedig‘ aus dem bis dato dominanten Interpretationsmuster herauszulösen.“ Für die Berliner Wissenschaftlerin zeigt sich dies unter anderem in solchen Regieentscheidungen, Shylocks jüdische Identität nicht explizit zu markieren, insbesondere aber auch in der Aufwertung der Rolle Jessicas, Shylocks Tochter, die den Vater bestiehlt, mit ihrem christlichen Geliebten durchbrennt und zum Christentum konvertiert. „Spielte Jessica traditionell eher eine Nebenrolle, ist ‚Der Kaufmann von Venedig‘ nun verschiedentlich zu Jessicas Stück geworden“, konstatiert Schülting. Im Zentrum ihrer Überlegungen sollen die Implikationen solcher oftmals irritierenden Überlagerungen von Geschlechterverhältnissen, religiösen und ethnischen Differenzen stehen.
Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
Geisteswissenschaftler entdecken die Tierwelt – Jahrestagung des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften
FRANKFURT. Die Konferenz „Politische Tiere. Zoologische Imagination des Kollektiven“ rückt insbesondere kollektive Aspekte des politischen Tiervergleichs ins Zentrum: Inwieweit können tierische Sozialformen – etwa der Bienen- oder Ameisenstaat – als utopisches Modell für kommunitaristische Weltordnungen dienen, in der die Verantwortung des Individuums gegenüber seiner Umgebung und die soziale Rolle der Familie betont werden? Können diese Sozialformen der Tiere für bildliche Darstellung sozialer Organisation genutzt werden, sind sie vielleicht auch eine abschreckende Anti-Utopie einer gesichtslosen Massengesellschaft? Diese Fragen sollen im Rahmen der Jahreskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität diskutiert werden, die vom 28. bis 30. November im Casino auf dem Campus Westend stattfindet.
Das Themenspektrum der Vorträge reicht von „Hunde, Gänse, Philosophen. Zur Politik der Wachtiere“ über „Einsamer Souverän und Hetzmasse. Der Wolf als Figuration sozialer und politischer Asymmetrie“ bis zu „Volkssturm im Bienenkorb. Der Tierfilm ‚Die Biene Maja und ihre Abenteuer‘ (1926) im Weltkriegsdiskurs der Weimarer Republik“ und „Nordhühner und Südhühner. NS-Rassenlehre auf dem Hühnerhof“ – um nur einige Vortragstitel zu erwähnen.
Die neue interdisziplinäre Forschungsrichtung der „Cultural Animal Studies“ beschäftigt sich mit dem Tier als Objekt kultureller Semantisierungen, aber auch als Subjekt innerhalb historischer und politischer Entwicklungen. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem ATTRACT-Projekt „Ästhetische Figuration des Politischen“ der Universität Luxemburg statt.
Informationen: Prof. Susanne Scholz, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798-32344, s.scholz@em.uni-frankfurt.de; www.fzhg.org; www.figurationen.de; http://www.fzhg.org/upload/Bilder_Termine/Tiere_03_korr.pdf
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Prof. Alexander Nagel von der New York University spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften
RANKFURT. „Orientations of Renaissance Art“ ist der Titel eines öffentlichen Vortrags, den Alexander Nagel, Professor of Fine Arts am Institute of Fine Arts, New York University am Mittwoch (6. November) hält. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
Viele Kunstwerke aus der Zeit, die als Renaissance bezeichnet wird, verweisen auf die eine oder andere Weise nach Osten: nach Jerusalem oder auf Knotenpunkte wie Konstantinopel, aber auch auf Orte, die weit hinter dem Heiligen Land liegen, bis nach China. Im Westen wurden zu jener Zeit Objekte und Bilder aus dem Osten enthusiastisch gesammelt. Zumeist waren sie byzantinischen oder islamischen Ursprungs. Aber auch Importe aus dem ferneren Osten wurden in westlichen Sammlungen auf verschiedene Arten aufgenommen und mit biblischer Geschichte und christlicher Prophezeiung in Einklang gebracht. Im Jahr 1492 sind etliche Artefakte entdeckt oder in Umlauf gebracht worden, die exemplarisch das intensive Interesse europäischer Antiquare und Künstler für die Wurzeln ihrer Zivilisation im Osten zeigen. In den folgenden Dekaden konnte Rom seine Zentralität wieder behaupten und die Orientierung nach Osten verschwand.
Nagels Buch “The Controversy of Renaissance Art” (University of Chicago Press, 2011) gewann den Charles Rufus Morey Book Award der College Art Association. 2012 veröffentlichte er “’Medieval Modern‘: Art out of Time“ bei dem Verlag Thames and Hudson.
Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de; www.fzhg.org
Veranstaltungen
Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe und der Historiker Valentin Groebner sprechen über wissenschaftliche und literarische Geschichtsinszenierungen
FRANKFURT. „Wirf die Zeitmaschine an: Über wissenschaftliche und literarische Geschichtsinszenierungen“. Dies ist der Titel eines Gesprächs, zu dem sich die Schriftstellerin Felicitas Hoppe und der Historiker Valentin Groebner am Mittwoch (3. Juli) treffen. Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
Die Vergangenheit als unzugängliches Land: Egal ob es fünf oder 500 Jahre entfernt ist, es ist und bleibt unerreichbar. Geschichte dagegen ist die Darstellung dieses Abwesenden, sie muss von lebendigen Protagonisten erzählt und präsentiert werden. Das ist Arbeit, denn die Zeitmaschine startet nicht von selbst. Aber wie schiebt man sie an? Valentin Groebner, Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern, und Felicitas Hoppe, Büchner-Preisträgerin 2012, unterhalten sich über Rekonstruktion und Erfindung, über Wahrheit und Fälschung, über die Wahl der Mittel und über den großen Motor der Wünsche — zwei Zeitreiseführer im Gespräch.
Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org
Veranstaltungen
In der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften setzt sich Prof. Alain Schnapp mit Ruinen und der Weltgeschichte auseinander
FRANKFURT. „Ist eine Weltgeschichte der Ruinen möglich?“ lautet der Titel eines Vortrags, den Alain Schnapp, Professor für Klassische Archäologie an der Université Paris I – Panthéon-Sorbonne und Leiter des Instituts für „Kunstgeschichte und Archäologie“, am 12. Juni (Mittwoch) hält. Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.
War den Griechen und Römern ein mit den Ruinen verbundenes Verständnis des Vergehens und der Zeitlichkeit fremd? Kann erst in Gesellschaften von einer Ästhetik der Ruinen gesprochen werden, in denen zerfallene Gebäude in einem anderen, als ihrem ursprünglichen Kontext gesehen werden? Diesen Fragen will der Vortrag durch eine vergleichende Betrachtung von klassisch-antiken, ägyptischen, mesopotamischen und chinesischen Quellen nachgehen, um aufzuzeigen, dass Ruinen eine Schlüsselfigur des historischen Denkens sind, die wie ein roter Faden die verschiedenen Darstellungen der Ruinen von der Antike bis zur Gegenwart verbindet. Der berühmte Satz Stendahls, dass das Kolosseum „heute, wo es in Trümmer fällt, vielleicht schöner ist, als in Tagen seines höchsten Glanzes“, klingt wie ein Paradigma unserer modernen Ästhetik. Die Ruine als Zeichen dessen, was sie einmal als intakter Bau war, gilt als eine Erfindung der Renaissance. Georg Simmel zufolge betrachteten die antiken Griechen und Römer Ruinen lediglich als „Stätte des Lebens, aus der das Leben geschieden ist“.
Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem auch auf dem Campus Westend befindlichen Institut français d’histoire en Allemagne statt. Im Anschluss: Eröffnung der Ausstellung „Simon Starling“ in der Studiengalerie.
Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org