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Pressestelle Goethe-Universität

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Apr 13 2026
16:25

Exzellenzcluster startete im Rahmen der 7. Internationalen Giersch-Konferenz 2026 am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) / Nachbericht im neuen UniReport

Gelungener Auftakt für SCALE

FRANKFURT. Kick-Off nach Maß: Für den Forschungsverbund SCALE (Sub-Cellular Architecture of LifE) war die 7. Internationale Giersch-Konferenz 2026 am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) zugleich der Startschuss. SCALE gehört seit diesem Jahr zur Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Forschende der Goethe-Universität, der Max-Planck-Institute für Biophysik und Hirnforschung, der Universität des Saarlandes, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie des Frankfurt Institute for Advanced Studies haben sich zusammengeschlossen, um die Prinzipien der Selbstorganisation in Zellen zu entschlüsseln. Ihr Ziel ist es, zu verstehen, wie sich die zelluläre Architektur herausbildet und wie sie die vielfältigen Funktionen einer Zelle ermöglicht. 

Die Giersch-Konferenz unter dem Leitthema „Towards Digital Twins for Structural Cell Biology – Criteria, Chances and Challenges“ vereinte international führende Forschende aus den Bereichen Computational Science, Struktur- und Systembiologie, um gemeinsam die Chancen und Herausforderungen digitaler Zwillinge in der Zellbiologie zu erörtern. Beispielsweise stellte Samantha Wood von der Indiana University Bloomington vor, dass mithilfe eines digitalen Zwillings untersucht werden kann, wie Küken in einer Umgebung Wahrnehmung, Sozialverhalten und Intelligenz entwickeln.

Wie SCALE-Sprecherin Prof. Michaela Müller-McNicoll und FIAS-Mitarbeiterin Dr. Anja Störiko  im neuen UniReport berichten, standen auf der Konferenz neben innovativen wissenschaftlichen Ansätzen insbesondere Fragen der interdisziplinären Zusammenarbeit im Mittelpunkt, ebenso wie die Integration künstlicher Intelligenz und heterogener Datensätze. Darüber hinaus wurden Konzepte für Open Science und den offenen Austausch von Forschungsdaten diskutiert – zentrale Anliegen des SCALE-Konsortiums. 

Weitere Themen im neuen UniReport:

Aktuelles 
- Nachrufe auf Jürgen Habermas: Von Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff, von Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther. 
- „Bewusstsein von dem, was fehlt“: Eine Collage zum Werk von Jürgen Habermas, zusammengestellt von Wolfgang Schopf, Literaturarchiv im Universitätsarchiv.
- Nachts in der Bibliothek: Ein Nachbericht zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. 

Forschung 
- Wie lassen sich hochkomplexe geometrische und arithmetische Strukturen durch einfachere Räume beschreiben? Der Sonderforschungsbereich /Transregion 326 GAUS – ein Projekt der Rhein-Main-Universitäten und deren Partner.
- Lehrforschung mitten im Alltag Kenias: Eine Exkursion nach Mombasa im Rahmen des RMU-Bachelor-Studiengangs „Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation“.
- Was machen „Standards des Regierens“ mit der Demokratie? Ein Interview mit Ko-Sprecherin Prof. Sandra Seubert zum Graduiertenkolleg der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt. 
- Goethe, Deine Forscher: Britta Baumert, katholische Theologin, im Porträt. 
- Wie stark wachsen die Einkommen einer Volkswirtschaft? Das Nettoinlandsprodukt (NIP) liefert ein realistischeres Bild als das BIP.

Studium, Lehre und Qualifikation 
- #Goethe DataDive - Zahl des Monats April lautet 75,3: Im Jahr 2025 waren ca. 75,3 % aller (elektronischen) Publikationen Open Access. 
- Auf den Spuren islamischer Handschriften: Exkursion nach Gotha - ein Nachbericht von Fatma Karakaşlı.

Campus 
- Der Biologe Horst Lange-Bertalot hat sich der Erforschung der Kieselalge verschrieben: Der international bekannte Wissenschaftler ist im Februar 90 geworden.
- Der volkswirtschaftliche Blick auf China: Philipp Böing, Professor für Empirische Innovationsforschung, im Porträt. 
- Die Angst vor der Geschichte verlieren: Der US-amerikanische Künstler, Design-Dozent- und Anwalt Ryan Lilienthal wird in seiner Arbeit vom Lehr- und Forschungsforum „Erziehung nach Auschwitz“ unterstützt. 
- Übersetzung als Dichtung: Die Literaturwissenschaftlerinnen Frederike Middelhoff und Judith Kasper über die Schoeller-Dozentur mit Eva Schestag.
- 1922: die Geburt der Quantenphysik in Frankfurt. Ein Seibert-Mikroskop aus Wetzlar war dabei und ersetzte die Hebamme.
- Über Kunst reden und Suppe essen: Prof. Kerstin Gottschalk, Leiterin des Schwerpunkts Malerei und Grafik am Institut für Kunstpädagogik, über eine ungewöhnliche Veranstaltungsreihe.
- Zwischen Gletscher, Gestein und Geopolitik: Lucas Bek, Masterstudent der Geowissenschaften, über die Begeisterung für seine Disziplin. 
- Provenienzforschung als Lehrprojekt: Studierende erforschen Kulturgut und seine Herkunft.

International
- Perspektiven der Demokratie: Drei neue Fellows arbeiten auf Einladung des Schwerpunktes „Democratic Vistas“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Kultur  
- „Marie Luise Kaschnitz. Hier.“ Die Poetikdozentin von 1960 und Ehrendoktorin der Goethe-Universität ist die Autorin von Frankfurt liest ein Buch 2026.

Bibliothek
- Open Access erhält neuen Schub: Publikationsfonds der UB Frankfurt wird weiter gefördert.

Der UniReport 1/2026 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe  

Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 12 2025
13:48

DFG bewilligt neue Kolleg-Forschungsgruppe an der Goethe-Universität

Führungskräfte und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Die Gegenwart ist geprägt von Krisen, gesellschaftlicher Polarisierung und Fragmentierung. Bei der Stärkung des Zusammenhalts kommt Führungskräften eine besondere Rolle zu: Darauf basiert die Grundidee zur interdisziplinären Kolleg-Forschungsgruppe, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) heute bewilligt hat.  Das in Psychologie und Wirtschaftswissenschaften angesiedelte Kolleg „Goethe Leadership Centre“ wird zunächst für vier Jahre am Thema forschen. Zudem gab die DFG bekannt, dass die Förderung der Forschungsgruppe QUAST, in der es um die Vorhersage der Eigenschaften von Quantenmaterialien geht, verlängert wurde.

FRANKFURT. Wie können Führungskräfte das Gemeinschaftsgefühl der Beschäftigten fördern, um so Kooperationsbereitschaft, Wohlbefinden und Resilienz zu verbessern? Dieser Frage widmet sich die neue Kolleg-Forschungsgruppe aus Psychologie und Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität unter dem Titel „Führung neu denken: Identitätsbasierte Führung als gruppenorientiertes Instrument zur Analyse und Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit“ bzw. „Goethe Leadership Centre – Centre of Advanced Studies“. Beantragt wurde das Kolleg von Rolf van Dick, Professor für Sozialpsychologie, und Michael Kosfeld, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation und Management. Angesiedelt sein wird das Centre am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg.

„Die neue Kolleg-Forschungsgruppe trifft den Nerv unserer Zeit. Das Auseinanderdriften der Gesellschaft, wie wir es seit einigen Jahren beobachten müssen, bedarf dringend einer ganzheitlichen Betrachtung. Dass die Arbeitswelt eine wichtige Rolle für die Gesamtgesellschaft spielt, liegt auf der Hand. Ich freue mich, dass an der Goethe-Universität die wissenschaftliche Basis für die richtige Weichenstellung gelegt wird“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass unser Antrag bewilligt wurde. Der Brückenschlag zwischen Psychologie und Wirtschaftswissenschaften war wohl sehr überzeugend. Wir wollen die Neukonzeption von Führung in einer polarisierten Welt ermöglichen – mit evidenzbasierten Instrumenten für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Prof. Rolf van Dick, der zunächst als Sprecher fungieren wird. Es handele sich um die erste Kolleg-Forschungsgruppe die die DFG in der Psychologie je bewilligt hat. 

Dass die Art und Weise der Führung über die Identifikation einer Gruppe als solcher entscheidend ist, sei eigentlich trivial, erklärt van Dick. Es sei ein großer Unterschied, ob eine Person in herausgehobener Stellung für andere den Kurs vorgebe oder ob es ihr zu vermitteln gelänge: „Ich bin einer von euch, setze mich für die Gruppe ein, für unsere gemeinsamen Ziele“. Dieses Konzept von „identity leadership“ sei jedoch ergänzungsbedürftig: Denn das Hineinwirken in die eigene Gruppe und das Verwirklichen von Gruppeninteressen allein mache noch keine integrative Führungsfigur, wie das Beispiel von US-Präsident Trump deutlich macht.

Nun wollen van Dick und Kosfeld gemeinsam ein Konzept entwickeln für das Forschungsprogramm der nächsten vier Jahre. Dabei soll ein Modell von identitätsstiftender Führung (weiter)entwickelt werden, das Erkenntnisse aus beiden Fächern integriert sowie den Gedanken von Allgemeinwohl und von „shared leadership“. Identitätsstiftende Methoden der Führung sollen auch kulturvergleichend evaluiert werden. „Hier wollen wir auch qualitativ vorgehen und offen fragen. Vielleicht gibt es in anderen Kulturen ganz andere Formen der identitätsstiftenden Führung“, sagt van Dick.

Die Kolleg-Forschungsgruppe kann auf umfangreiche Vorarbeiten der beiden Hauptantragsteller aufbauen: In der Psychologie hat Rolf van Dick, der zu den meistzitierten Wissenschaftlern der Goethe-Universität zählt, mit seinem Team das Konzept der Identity Leadership im Rahmen des globalen GILD-Netzwerks weltweit untersucht und gezeigt, wie Identifikation mit Innovation, Vertrauen und reduzierter Erschöpfung zusammenhängt. Während der Corona-Pandemie konnte er belegen, dass ein identitätsstiftender Führungsstil bei den Beschäftigten pandemiegerechte Verhaltensweisen stärkte. Auf der wirtschaftswissenschaftlichen Seite zeigen die Experimente von Michael Kosfeld, wie sich die Verbundenheit mit einem gemeinsamen Ziel auf die Kooperationsqualität im Team auswirkt. „Michael Kosfeld und ich wissen, dass wir gut zusammenarbeiten. Wir haben zwar unterschiedliche Methoden und Ideen, aber wir untersuchen dieselben Phänomene“, sagt van Dick.

Die neue Kolleg-Forschungsgruppe umfasst ein Fellowship-Programm mit Rudolf Kerschreiter und Alex Haslam als dauerhaften Fellows, 20 weiteren Senior- und Juniorfellows sowie 60 Kurzzeitgästen. Im Sinne der Nachwuchsförderung sind zwei Postdoc-Stellen vorgesehen, eine W1-Professur (Tenure Track) und eine hälftige Vergabe der Fellowships an Nachwuchskräfte. Jedes Jahr soll es einen Workshop geben, alle zwei Jahre eine Konferenz. In einem wöchentlichen Forum tauschen sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeitnah über aktuelle Fragen und Ergebnisse aus. Im Sommer 2026 will man mit der Besetzung der Stellen beginnen, für Herbst/Winter 2026 werden die ersten Fellows nach Frankfurt eingeladen.

Für die erste Förderphase stehen etwas mehr als 3 Millionen Euro zur Verfügung. Auch für eine zweite Förderphase, die nach vier Jahren zu beantragen wäre, haben van Dick und Kosfeld schon Überlegungen angestellt: „Eingebettet in Frankfurts Forschungslandschaft mit dem Center for Leadership and Behavior in Organizations (CLBO) und dem Frankfurt Laboratory for Experimental Economic Research (FLEX), würden wir das Spektrum um Themen wie KI, Digitalisierung oder dem demographischen Wandel erweitern“, stellt Rolf van Dick in Aussicht.

Kolleg-Forschungsgruppen sind ein speziell auf geistes- und sozialwissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnittenes Förderangebot. Das Format ermöglicht ein Zusammenwirken besonders ausgewiesener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Weiterentwicklung eines geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsthemas an einem Ort. Die Beteiligten finden dabei Gelegenheit, selbst intensiv zu forschen; zudem ist ein Fellow-Programm für Gäste aus dem In- und Ausland vorgesehen, die für bis zu zwei Jahre eingeladen werden und anschließend mit der Kolleg-Forschungsgruppe verbunden bleiben. Die Gesamtförderdauer beträgt bis zu acht Jahre.

Für eine weitere Förderperiode wird die Forschungsgruppe QUAST um ihre Sprecherin Prof. Maria Roser Valentí von Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität verlängert. Als Verbund mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht QUAST, wie sich die Eigenschaften neuer Materialien besser vorhersagen lassen. Die Forschenden beschäftigen sich mit der Entwicklung der sogenannten Vielteilchentheorie, um zuverlässige quantitative Vorhersagen topologischer und dynamischer Quantenphänomene in Festkörpern zu erreichen. Die Eigenschaften vieler neuartiger Quantenmaterialien, wie die vor kurzem entdeckten Weyl-Kondo-Semimetalle, basieren auf räumlich-zeitlichen elektronischen Korrelationen, deren Vielteilchen-Natur schwer mathematisch zu beschreiben ist. QUAST will diese Herausforderung durch koordinierte theoretische Methodenentwicklungen und konzertierte Experimente angehen. Die Forschungsgruppe wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SFN) im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit gefördert.

Porträts der beiden Sprecher Rolf van Dick und Michael Kosfeld zum Download unter:

https://www.uni-frankfurt.de/181437536

Bildtext: Michael Kosfeld und Rolf van Dick haben bei der DFG erfolgreich eine interdisziplinäre Kolleg-Forschungsgruppe beantragt. (beide Bilder: Uwe Dettmar)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Rolf van Dick
Institut für Psychologie
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798- 35285
E-Mail van.Dick@psych.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Roser Valentí
Institut für Theoretische Physik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. +49 69 798 47816
valenti@itp.uni-frankfurt.de
https://for5249.org/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 4 2025
13:22

Eine neue Doku über den aus Offenbach stammenden Rapper ist in aller Munde. Zwei Erziehungswissenschaftler*innen kritisieren im neuen UniReport, dass in Hessen eine Behandlung seiner Raptexte im Unterricht bereits untersagt wurde.    

Texte von Haftbefehl: nichts für den Schulunterricht?

FRANKFURT. Er gilt als Deutschlands erfolgreichster und wohl auch einflussreichster Rapper: Der in Offenbach aufgewachsene Aykut Anhan alias Haftbefehl wird als Sprachrohr vieler migrantischer Jugendlicher gesehen. Der aktuelle Dokumentarfilm „Babo – Die Haftbefehl-Story“ erzählt seine Erfolgsgeschichte, aber auch den verzweifelten Kampf gegen seine Drogensucht. Der Stadtschülerrat Offenbach hat gefordert, Texte und Leben des Rappers im Schulunterricht zu thematisieren. Dies wurde jedoch vom Hessischen Kultusministerium bereits abgelehnt. 

Lara Gilgen und Murat Güngör, Erziehungswissenschaftler*innen an der Goethe-Universität, kritisieren das im Gespräch mit dem UniReport. Zwar blieben in der Doku „Babo“ viele Aspekte ausgespart, wie zum Beispiel soziale Realitäten der Migrationsgesellschaft und auch das Verhandeln von Geschlechterrollen. Dennoch böte eine schulische Behandlung der Texte Haftbefehls eine große Chance. Lara Gilgen betont: „Auf den Schulhöfen wird über die Doku viel gesprochen, aber es gibt kein pädagogisches Forum, das auch mal kritisch-reflektierend zu erörtern.“ 

Die Virtuosität in der Sprache Haftbefehls und anderer Rapper*innen zeige sich darin, argumentiert Murat Güngör, dass Sprachversatzstücke aus vermeintlich randständigen Sprachen wie dem Arabischen, Türkischen, Kurdischen und Romanes auftauchen. Das wäre gutes Material, um eine in der Schule nicht anerkannte Mehrsprachigkeit aus dem Alltag vieler Schüler*innen einmal im Deutschunterricht pädagogisch, grammatikalisch und auch kontextuell aufzugreifen.


Weitere Themen im neuen UniReport:

Aktuelles 
- Musikalischer Jahresausklang mit RMU Awards: Rhein-Main-Universitäten feierten Ende November gemeinsam in Mainz.
- Nach 40 Jahren: Zwei Stadtteil-Historiker haben zu Barbara Klemms berühmten großformatigen Uni-Fotos in der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte recherchiert.
- Innovectis feiert 25-Jähriges: Auf der Jubiläumsfeier wurden herausragende Forschungsprojekte mit dem Goethe-Innovationspreis ausgezeichnet.

Forschung
- Goethe, Deine Forscher: Severin Irl, Physischer Geograph. 
- Der Tanz am absoluten Nullpunkt: Frankfurter Physiker*innen fotografieren erstmals die quantenmechanische Nullpunktbewegung in einzelnen Molekülen.
- Gefahren des digitalen Bezahlens: Die Soziologin Barbara Brandl untersucht finanzielle Teilhabe.
- Erstaunlicher Fund: Verschollen geglaubte Stuckfragmente in der Altorientalischen Sammlung entdeckt.
- Politikberatung neben der Forschung: Politikwissenschaftlerin und Postdoc Iris Reus hat ein Gutachten zu den Corona-Maßnahmen des Landes Sachsen-Anhalt verfasst
- Absterben vieler Korallenriffe nur noch unter größtem Aufwand vermeidbar: Fragen an den Klimaforscher Nico Wunderling zu den Klimakipppunkten und zur Weltklimakonferenz in Belém.

Studium, Lehre und Qualifikation 
- #GoetheDataDive/Zahl des Monats Dezember: 69 Kilometer liegen im Schnitt zwischen dem Studienort Frankfurt und dem Ort, an dem die Erstsemester der Goethe-Universität ihre Hochschulzugangsberechtigung (HZB) erworben haben.
- DAAD-Preisverleihung 2025: Isabella Terán Niño aus Venezuela ausgezeichnet.

Campus 
- „Bildung ist der Schlüssel zur Integration“: Zehn Jahre Academic Welcome Program an der Goethe-Universität. 
- Ein Netzwerk der Vielfalt: Die AG Semitische Sprachen zeigt, wie durch interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht nur Forschung, sondern auch Lehre und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses nachhaltig gestärkt werden können.
- „Vom Sport lernen? Antisemitismusprävention in Sportorganisationen – Anregungen für die Universität“: Fachtagung des Instituts für Sportwissenschaften.
- Living Landscapes in Madrid: Studierende erstellen im Workshop Kurzfilme zu (nicht-)urbanen Landschaften. 
- Kunstgeschichte und Geschichte (fast) zum Anfassen: Studentische Ausstellung zeigt faszinierende Fragmente aus dem Mittelalter. 
- Im Gespräch mit Didier Eribon: Der einflussreiche französische Intellektuelle diskutierte an der Goethe-Universität über das Thema Alter. 
- „Der Kompromiss – Eine demokratische Lebensform“: Am Forschungskolleg Humanwissenschaften wurde das neue Buch des Forschungsverbundes „Democratic Vistas“ vorgestellt.

International
- Gallery Walk: Schulpraktika im Ausland. 

Kultur  
- Wenn Natur- und Landschaftswissen im Museum gefragt ist: Für die Ausstellung „SOLASTALGIE“ im Museum Giersch der Goethe-Universität haben der Landschaftsarchitekt Robert Anton und der Geologe Sascha Staubach ihre Kenntnisse eingebracht. 
- Reichtum, Macht, Erfolg und Überleben: In der neuen Produktion setzt sich die Chaincourt Theatre Company mit David Mamets „Glengarry Glen Ross“ auseinander. 

Bibliothek
- Würdigung seiner Alma Mater: Jürgen Habermas übergibt zweite Materialsammlung an die Goethe-Universität.


Der UniReport 6/2025 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe

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Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 11 2025
13:01

DFG verlängert Schwerpunktprogramm ViCom mit Sprecherschaft der Goethe-Universität

Forschung über Visuelle Kommunikation wird fortgesetzt

Gestik, Mimik, Piktogramme – optisch wahrnehmbare Wege der Verständigung stehen im Mittelpunkt des DFG-Schwerpunktprogramms „Visuelle Kommunikation: Theoretische, empirische und angewandte Perspektiven“ (ViCom), das von Goethe-Universität und Universität Göttingen gemeinsam koordiniert wird. Nach einer erfolgreichen ersten Phase wird das Forschungsnetzwerk nun für weitere drei Jahre gefördert. 

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Schwerpunktprogramm 2392, dessen englischsprachiger Titel „Visual Communication: Theoretical, Empirical, and Applied Perspectives“ (ViCom) lautet, für weitere drei Jahre. Ziel der zweiten Förderphase ist es, die besonderen Strukturen und Funktionen visueller Ausdrucksformen wie Gebärden, Gesten und Emojis noch umfassender zu untersuchen und theoretisch zu modellieren.

Seit dem Start im Jahr 2022 hat ViCom das Forschungsfeld der visuellen Kommunikation national und international maßgeblich geprägt. 19 Teilprojekte haben in der ersten Phase wichtige Beiträge zur Frage geleistet, wie Menschen mit sichtbaren Zeichen und Bewegungen Bedeutung erzeugen und verstehen, sei es in Gebärdensprachen, in der Gestik oder in der digitalen Kommunikation mit Emojis. Etliche Publikationen, internationale Tagungen und gemeinsame Forschungsprojekte sind aus dem interdisziplinären Programm hervorgegangen.

In der nun beginnenden zweiten Förderphase liegt der Fokus auf der Theoriebildung und Systematisierung der bisherigen Erkenntnisse. Anhand der umfangreichen empirischen Daten aus der ersten Phase wollen die Forscherinnen und Forscher neue linguistische und kognitive Modelle entwickeln, um visuelle Kommunikation in all ihren Facetten zu beschreiben, von der Grammatik der Gebärdensprachen über die Rolle von Gestik im Gespräch bis hin zu digitalen Ausdrucksformen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der internationalen Zusammenarbeit.

„Visuelle Kommunikation ist ein Grundpfeiler menschlichen Verstehens, sie verbindet Sprache, Körper und Denken“, sagt Prof. Cornelia Ebert von der Goethe-Universität, die das Schwerpunktprogramm gemeinsam mit Prof. Markus Steinbach (Universität Göttingen) koordiniert. „Die zweite Förderphase gibt uns die Möglichkeit, die theoretischen Grundlagen für dieses noch junge Forschungsfeld weiter zu festigen und den wissenschaftlichen Austausch auf internationaler Ebene auszubauen.“ Prof. Markus Steinbach betont: „In der ersten Phase ist eine lebendige Forschungscommunity entstanden, die Linguistik, Psychologie, Neurowissenschaften und Informatik eng verknüpft. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit wollen wir nun vertiefen, mit neuen Projekten, Nachwuchsprogrammen und internationalen Summer Schools.“

Neben den wissenschaftlichen Zielen setzt ViCom auch auf eine offene und inklusive Forschungsstruktur. Bereits in der ersten Phase wurden Programme zur Nachwuchsförderung, Gleichstellung und Barrierefreiheit etabliert, etwa durch Mentoring-Angebote, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und Gebärdensprach-Interpretation bei Veranstaltungen. In der zweiten Phase liegt der Fokus dabei verstärkt auf praxisorientierten Maßnahmen zur Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses, während bewährte Initiativen zu Gleichstellung und Barrierefreiheit fortgeführt und weiter ausgebaut werden.

Die zweite Förderphase des Schwerpunktprogramms läuft bis Oktober 2028. Insgesamt umfasst ViCom 17 Teilprojekte, die an verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland angesiedelt sind. Die DFG fördert die zweite Phase mit sechs Millionen Euro, demselben Betrag wie bei der ersten Förderphase.

Prof. Dr. Cornelia Ebert forscht und lehrt seit 2019 an der Goethe-Universität, vor allem zur Semantik. Sie hat in Potsdam Computerlinguistik studiert und kam über mehrere wissenschaftliche Stationen in Osnabrück und Berlin nach Frankfurt. 2020 erhielt sie ein Goethe-Fellowship am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg. 2022 wurde sie Sprecherin des gemeinsam mit Prof. Markus Steinbach aufgesetzten Schwerpunktprogramms ViCom. Ebert war bereits an einem anderen Schwerpunktprogramm beteiligt: XPRAG.de – New Pragmatic Theories based on Experimental Evidence.

Prof. Dr. Markus Steinbach forscht und lehrt seit 2009 an der Georg-August-Universität Göttingen vor allem im Bereich der Semantik, Pragmatik und Gebärdensprachlinguistik. Er hat an der Goethe-Universität Germanistik und Philosophie studiert und wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Von 2007 bis 2008 hat er eine Professur an der Goethe-Universität vertreten. In Göttingen leitet er das experimentelle Gebärdensprachlabor. Er ist an mehreren Verbundprojekten beteiligt und Herausgeber einer Fachzeitschrift und von zwei Buchreihen. 2022 wurde er Sprecher des gemeinsam mit Cornelia Ebert aufgesetzten Schwerpunktprogramms ViCom. 

Bilder zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/180158826

Bildtext: Cornelia Ebert und Markus Steinbach, beide Linguistik, haben gemeinsam die Sprecherschaft des DFG-Schwerpunktprogramms ViCom inne. Das Projekt geht nun in die zweite Förderphase. (Fotos: Stefanie Wetzel)

Weitere Informationen

Prof. Dr. Cornelia Ebert
Institut für Linguistik
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-32394
E-Mail ebert@lingua.uni-frankfurt.de

Pressemitteilung zum Start von ViCom 2022: https://tinygu.de/vicom.

Beiträge zu ViCom im Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt:
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/111446080.pdf

Weitere Informationen zu allen Projekten, Veranstaltungen und Forschungsergebnissen finden Sie auf der Homepage des Schwerpunktprogramms ViCom unter https://vicom.info.

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 11 2025
16:13

Bad Homburg Conference 2025 beschäftigt sich mit Recht und Macht in der internationalen Politik 

Die Verfassung der Welt

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Die Vereinten Nationen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ziel gegründet, Kriege zu verhindern. Eine starke internationale Rechtsordnung sollte die Beziehungen zwischen den Staaten regeln und dazu beitragen, Konflikte friedlich zu lösen. Angesichts der aktuellen Kriege und Konflikte – in der Ukraine, in Gaza, im Sudan, in Ostasien und andernorts – wirkt diese Ordnung jedoch geschwächt. An die Stelle rechtlicher Mittel zur Konfliktlösung treten machtpolitische Optionen, vor allem in Form von militärischer Gewalt, aber auch von ökonomischem und politischem Druck. Die Gefahr, dass regionale Konfliktherde sich zu weltweiten Kriegen entwickeln, wächst von Tag zu Tag.

Die Bad Homburg Conference 2025 fokussiert auf die grundlegende Frage nach dem ambivalenten Verhältnis von Recht und Macht in der internationalen Politik heute. Unter dem Titel „Die Verfassung der Welt: Recht und Macht in der internationalen Politik“ laden das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, das Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) und die Stadt Bad Homburg v. d. Höhe gemeinsam zur Konferenz

am Freitag, 19. September, 10-17 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften,
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe.

Im Zentrum der Konferenz steht die Frage nach dem bedrohlichen Verlust der bindenden Kraft internationalen Rechts: „Der Wirksamkeit der Vereinten Nationen ist es geschuldet, dass seit 1945 kein Dritter Weltkrieg ausgebrochen ist. Auch die Verbreitung von Atomwaffen wurde durch die Arbeit der Vereinten Nationen auf wenige Staaten beschränkt“, erklärt der Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften Prof. Matthias Lutz-Bachmann. „Doch in der Gegenwart wird das Internationale Recht beständig verletzt – und zu den Hauptakteuren gehören Staaten, die im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit einem Vetorecht ausgestattet sind und die Vereinten Nationen daran hindern, wirksam aktiv zu werden“, so Lutz-Bachmann weiter.

Drei Vorträge und eine Podiumsdiskussion geben Impulse für den Austausch zwischen Öffentlichkeit, Wissenschaft und Praxis. Der Politikwissenschaftler Prof. Michael Zürn (Berlin) zeichnet in seinem Vortrag die Veränderungen der Weltordnung seit dem Ende des 20. Jahrhunderts nach und analysiert deren Folgen für die Gegenwart. Die Politikwissenschaftlerin Prof. Antje Wiener (Hamburg) widmet sich der Resilienz der internationalen Rechtsordnung, konkret der Charta der Vereinten Nationen, und zeigt Optionen auf, wie diese im Lichte starker Anfechtungen gestärkt werden kann. Der Völkerrechtler Prof. Thilo Marauhn (Gießen) klärt über die Funktionsweise, Grenzen und Möglichkeiten des Völkerrechts auf, das er als einen Modus der Konfliktbearbeitung definiert. Auf dem abschließenden Podium diskutieren die Politikwissenschaftlerin Prof. Janina Dill (Oxford), die Völkerrechtlerin PD Dr. Isabelle Ley (Jena) und der Richter am Internationalen Gerichtshof Prof. Georg Nolte (Berlin) mit der Friedens- und Konfliktforscherin Prof. Nicole Deitelhoff, die die Runde auch moderiert, über Macht und Ohnmacht des internationalen Rechts.

„Entrechtlichung bestimmt die Debatte unserer Tage: Ob Ignoranz gegenüber dem humanitären Völkerrecht und seinen Institutionen, die Abwendung gerade der Großmächte von Recht und internationalen Organisationen oder das Einsickern von Freund-Feind-Schemata: Die Bedeutung des Rechts scheint allenthalben zu schwinden. Die Konferenz will diese Phänomene, ihre Entwicklungspfade, aber auch gegenläufige Tendenzen beleuchten und Chancen diskutieren, wie das Recht wieder mehr Macht über die Macht erlangen kann“, sagt Prof. Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen an der Goethe-Universität und Wissenschaftliche Geschäftsführerin des PRIF.

Die Bad Homburg Conferences

Die Bad Homburg Conferences werden seit 2017 gemeinsam vom Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität und der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe veranstaltet. Alljährlich im Herbst bieten sie ein öffentliches Forum der Reflexion über wichtige gesellschaftliche Fragen der Gegenwart.

„Die Bad Homburg Conferences sind ein unverzichtbarer Beitrag zur Stärkung des gesellschaftlichen Diskurses. Sie bieten uns die einzigartige Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam zu reflektieren und zu diskutieren. Es ist von großer Bedeutung, dass wir die Bürgerinnen und Bürger unserer Region aktiv in diese Gespräche einbinden, denn nur durch den offenen Austausch von Ideen und Perspektiven können wir gemeinsam Lösungen für die drängenden Fragen unserer Gesellschaft entwickeln“, erklärt Alexander W. Hetjes, Oberbürgermeister von Bad Homburg v. d. Höhe.

Planungsgruppe: Prof. Dr. Christopher Daase (Goethe-Universität/PRIF), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Goethe-Universität/PRIF), Dr. Bettina Gentzcke (Stadt Bad Homburg v. d. Höhe), Prof. Dr. Gunther Hellmann (Goethe-Universität/Forschungskolleg Humanwissenschaften), Iris Helene Koban (Forschungskolleg Humanwissenschaften), Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann (Goethe-Universität/Forschungskolleg Humanwissenschaften)

Veranstalter: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt und Stadt Bad Homburg v. d. Höhe – in Kooperation mit dem Peace Research Institute Frankfurt (PRIF)

Die Veranstaltungsbroschüre mit weiteren Informationen über die Referenten und Vorträge zum Download unter https://www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de/downloads/BHC-2025-Broschuere.pdf

Anmeldung: Die Teilnahme ist kostenlos. Wir bitten um vorherige Anmeldung per E-Mail bis zum 17. September (Anmeldeadresse: anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de). Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.

Programm: https://www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de/downloads/BHC-2025-web.pdf

Informationen
Monika Hellstern
Forschungskolleg Humanwissenschaften
Wissenschaftskommunikation
Telefon 06172 13977-45
E-Mail hellstern@forschungskolleg-humanwissenschaften.de 
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 15 2025
13:59

„Umkämpftes Vermächtnis: Die ‚Declaration of Independence‘ als lebendige Tradition“: Neue Reihe am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität beginnt mit einem Vortrag von Christian Lammert

250 Jahre Streben nach Freiheit und Gleichheit in Amerika

BAD HOMBURG. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 gilt als Gründungsdokument der ersten modernen Demokratie. Sie rechtfertigte die Lossagung vom britischen König und die Gründung einer neuen, unabhängigen Nation damit, dass Gleichheit, Freiheit und Selbstbestimmung zu den unveräußerlichen Rechten der Menschen zählen – Rechte, die wenige Jahre später in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika einen politischen und rechtlichen Rahmen erhielten.

Im Jahr 2026 jährt sich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zum 250. Mal. Das John McCloy Transatlantic Forum des Forschungskollegs Humanwissenschaften, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte nehmen dies zum Anlass, um sich – gerade auch vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Entwicklungen in den USA – in einer interdisziplinären Vortragsreihe mit der Wirkungsgeschichte und der Aktualität der „Declaration of Independence“ zu befassen.

Zum Auftakt spricht der Politikwissenschaftler Prof. Christian Lammert von der Freien Universität Berlin. In seinem Vortrag „Die ‚Declaration of Independenceʾ und das Ringen um Gleichheit: Von 1776 bis zur Gegenwart“ zeichnet er nach, wie das Gleichheitsversprechen der Unabhängigkeitserklärung im Laufe von 250 Jahren immer wieder neu ausgehandelt, erweitert und zugleich begrenzt wurde – von den Revolutionen des 18. Jahrhunderts über die Expansion der US-Demokratie, die Bürgerrechtsbewegung bis hin zu aktuellen Krisenphänomenen wie Populismus und wachsender sozialer Ungleichheit unter Donald Trump.

Zum Vortrag von Prof. Lammert laden die Veranstalter sehr herzlich ein. Er findet

am Montag, 21. Juli, um 19 Uhr
in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4
in Bad Homburg

statt. In den Abend und die Reihe einführen wird der Direktor des Forschungskollegs Prof. Matthias Lutz-Bachmann. 

Christian Lammert ist Professor für Politikwissenschaft am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. 2022 veröffentlichte er gemeinsam mit Boris Vormann im Campus Verlag die Studie Das Versprechen der Gleichheit. Legitimation und die Grenzen der Demokratie. Zudem ist er Mitglied im Kuratorium des John McCloy Transatlantic Forums.

Die Reihe „Umkämpftes Vermächtnis. Die ‚Declaration of Independence' als lebendige Tradition, 1776 – 2026“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften lädt bis zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung zu insgesamt sieben Veranstaltungen ein: 


21. Juli 2025                 Prof. Christian Lammert (Politikwissenschaft, Freie Universität Berlin)
24. Sept. 2025             Dr. Kai-Michael Sprenger (Geschichte, Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, Frankfurt a. M.)
19. Nov. 2025              Prof. Karen Feldman (Philosophie / Germanistik, University of California, Berkeley und American Academy in Berlin)
21. Januar 2026          Prof. Heike Paul (Amerikanistik, Universität Erlangen-Nürnberg)
7. Mai 2025                   Frank Kelleter (Amerikanistik, Freie Universität Berlin)
27. Mai 2026                Bundesverfassungsrichter a.D. Prof. Dieter Grimm (Rechtswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin)
2. Juli 2026                   Abschließende Podiumsdiskussion mit Prof. Till van Rahden (Geschichte, Université de Montréal), Prof. Shalini Randeria (Sozialanthropologie, Central European University, Wien) et al.

Anmeldung 
Zur besseren Disposition bitten wir um vorherige Anmeldung für die Veranstaltung am 21. Juli unter 
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Information:
Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität 
Telefon 06172 13977-15
E-Mail b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
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Facebook / YouTube @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 17 2025
12:18

DFG fördert neue geisteswissenschaftliche Doktorand*innenschule und verlängert Förderung für Kolleg zu Bildgebung in Lebenswissenschaften

Neues Graduiertenkolleg zur Ästhetik der Demokratie

Demokratie ist nicht nur eine Staatsform, sondern auch eine Form des Zusammenlebens: Auf dieser Grundannahme basiert das Graduiertenkolleg „Ästhetik der Demokratie“ an der Goethe-Universität Frankfurt, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt hat. Ebenfalls bewilligt wurde die Verlängerung des Graduiertenkollegs „Verknüpfung von Bildanalyse und Molekularen Lebenswissenschaften“, das nun weitere 4,5 Jahre arbeiten kann.

FRANKFURT. „Die Demokratieforschung führt in den geisteswissenschaftlichen Fächern bislang ein eher randständiges Dasein. Das wollen wir ändern“, sagt Prof. Johannes Völz, Amerikanist an der Goethe-Universität und Sprecher des neuen Graduiertenkollegs „Ästhetik der Demokratie“. Praktiken, Rituale und Normen der gelebten Demokratie seien durch die sozialwissenschaftlichen Disziplinen ausgiebig erforscht, nicht jedoch die sinnliche Dimension. Gerade in Zeiten, da die demokratisch verfassten Gesellschaften weltweit in die Defensive gerieten, sei aber das Wissen um die ästhetisch-emotionalen Bedingungen demokratischen Zusammenlebens wichtig. Die kritische Auseinandersetzung, das ständige Ringen um die richtige Form des Zusammenlebens gehöre zum Wesenskern des demokratischen Prinzips: „Die Aushandlung ihrer Form ist ihre Form“, heißt es im Antrag. Während die Ästhetik des Faschismus gut erforscht sei, gebe es zur Ästhetik der Demokratie kaum Literatur, betont Johannes Völz.

Dies soll sich mit Hilfe des neuen Graduiertenkollegs nun ändern. Was macht die Demokratie jenseits von Institutionen und Prozessen aus? Wie manifestiert sie sich in sinnlichen Erfahrungen? „Solange uns nicht bewusst ist, was das demokratische Zusammenleben ausmacht, wird es uns schwerfallen, die Demokratie zu verteidigen“, so Völz. Der geisteswissenschaftliche Blick auf die Demokratie verspricht dabei auch ungewohnte Perspektiven. So gehen die Antragsteller davon aus, dass sich auch in autoritären Staaten vereinzelt demokratische Formen des Zusammenlebens ausmachen lassen, etwa in der Populärkultur Chinas, in der Casting Shows im Staatsfernsehen Anfang der 2000er Jahre als demokratische Praxis verstanden und gefeiert wurden.

Internationaler Schwerpunkt für ästhetische und kulturelle Demokratieforschung
Knapp sechs Millionen Euro hat die DFG für die erste Förderphase zugesagt. Zwei Kohorten von je zwölf Doktorand*innen werden in den nächsten fünf Jahren an einschlägigen Themen arbeiten. Zum Sprecher*innenteam gehört neben dem Amerikanisten Völz, der an der Goethe-Universität die Professur für Amerikanistik mit Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ innehat, die Philosophin Sophie Loidolt von der Technischen Universität Darmstadt. Hinzu kommen zehn weitere Wissenschaftler*innen aus einem breiten Fächerspektrum der Geisteswissenschaften. Vertreten sind Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, Amerikanistik, Film- und Medienwissenschaften, Germanistik, Kunstgeschichte, Neuere Geschichte, Philosophie, Skandinavistik und Sinologie. Hervorgegangen ist das Graduiertenkolleg aus dem Verbund „Democratic Vistas: Reflections on the Atlantic World“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften, dem sämtliche beteiligten Wissenschaftler*innen angehören. 18 internationale Partnerinstitute auf fünf Kontinenten werden mit dem Kolleg kooperieren. Zudem werden die Doktorand*innen ihre Forschung mit regionalen Einrichtungen aus Kultur und Politik in der Zivilgesellschaft verankern. Die Ausschreibung wird im Spätsommer beginnen, der Start ist für April 2026 geplant.

Graduiertenkolleg zur Bildgebung in den Lebenswissenschaften verlängert
Auch das interdisziplinäre Graduiertenkolleg „Verknüpfung von Bildanalyse und Molekularen Lebenswissenschaften“ (Interfacing Image Analysis and Molecular Life Science, iMOL) an der Goethe-Universität hat einen positiven Bescheid erhalten: Das Kolleg, das seit 2020 junge Wissenschaftler*innen an der Schnittstelle von Lebenswissenschaften und Informatik ausbildet, kann seine Arbeit für weitere 4,5 Jahre fortsetzen.

Hintergrund des Graduiertenkollegs, an dem auch das Max-Planck-Institut für Biophysik beteiligt ist, ist die rasante Entwicklung von Methoden der Bildverarbeitung und Bildanalyse, etwa durch neuronale Netzwerke, sowie die Weiterentwicklung neuer Mikroskopietechniken. Die Kombination dieser Fortschritte ermöglicht Bilder mit beeindruckender Informationsdichte und einer stetig wachsenden Zahl von Anwendungsmöglichkeiten.

„Im Zentrum unseres Kollegs steht die Bildanalyse mittels neuronaler Netzwerke zur Extraktion von Informationen aus hochkomplexen biologischen Datensätzen der Licht- und Elektronenmikroskopie“, erklärt Professor Achilleas Frangakis, Sprecher des Graduiertenkollegs und Mitglied im jüngst bewilligten Exzellenzcluster SCALE an der Goethe-Universität. In den Lebenswissenschaften würden kaum Informatiker*innen ausgebildet, während Biolog*innen oft das notwendige Wissen zur Datenverarbeitung fehle. Diese Lücke schließt das iMOL-Graduiertenkolleg durch ein wissenschaftliches Programm, das innovative Technologieentwicklung mit hypothesengeleiteten Anwendungen in den Lebenswissenschaften kombiniert.

Drei zyklisch verbundene Forschungsbereiche
Das Forschungsprogramm gliedert sich in drei zentrale Bereiche: Der erste Bereich konzentriert sich auf die technologische Verbesserung der Mikroskopietechniken, etwa durch die Entwicklung spezieller neuronaler Netzwerke, um die Datenaufnahme schneller und mit einem besseren Signal-zu-Rausch-Verhältnis zu gestalten. Der zweite Bereich fokussiert sich auf Anwendungen in den Lebenswissenschaften – beispielsweise bei Gewebeproben – zur Gewinnung hochwertiger Bilddaten. Der dritte Bereich entwickelt neue Algorithmen zur Bildverarbeitung und -interpretation, die bislang unzugängliche Informationen erschließen.

Von besonderer Bedeutung ist der interdisziplinäre Ansatz: Die Datenanalyse fließt zurück in das Mikroskopdesign und in die Entwicklung neuer Hypothesen – ein geschlossener Kreislauf entsteht. Das Graduiertenkolleg bietet Absolvent*innen beider Fachrichtungen klare Einstiegsmöglichkeiten in Mikroskopdesign und Datenerfassung. „Die Lebenswissenschaften liefern die komplexesten und herausforderndsten Proben, und wir entwickeln herausragende Algorithmen, insbesondere auf der Basis neuronaler Netzwerke, um diese Daten zu analysieren und zu interpretieren“, betont Frangakis. Die interdisziplinären Kompetenzen, die die Kollegiat*innen dabei erwerben, sind sowohl in der akademischen Forschung als auch in der Industrie äußerst gefragt.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Johannes Völz 
Institut für Amerikanistik
Goethe-Universität
Telefon 069 798-32364
E-Mail voelz@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Achilleas Frangakis
Direktor Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften
Institut für Biophysik
Goethe-Universität 
Telefon 069 798-46462
E-Mail achilleas.frangakis@biophysik.uni-frankfurt.de
https://imol.uni-frankfurt.de/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Dr. Phyllis Mania, Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 6 2025
13:48

Archäologe und Schriftexperte Markus Scholz zu Gast am Forschungskolleg

Die „Frankfurter Silberfolie“: Einblicke in ihre Entzifferung

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Es war die Forschungsnachricht des ausgehenden Jahres 2024: Ein Schriftröllchen aus dem 3. Jahrhundert nach Christus hatte sich als ältestes Zeugnis des Christentums nördlich der Alpen herausgestellt. Entziffert wurde der Text von einer interdisziplinären Kooperation, geleitet von Markus Scholz, Archäologieprofessor an der Goethe-Universität. Unter dem Titel „Die ‚Frankfurter Silberinschrift' und die Anfänge des Christentums nördlich der Alpen“ wird Professor Scholz

am Montag, 16. Juni, um 19 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg

über seine Forschung berichten und darüber, wie er mit anderen Experten aus den Geschichtswissenschaften in monatelangem Austausch den lateinischen Text entschlüsselt und übersetzt hat.

Gefunden wurde die „Frankfurter Silberinschrift“, eingerollt in ein eher unscheinbares silbernes Röhrchen, 2018 im Grab eines Mannes im Norden Frankfurts, der im 3. Jahrhundert nach Christus dort bestattet worden war. Der Verstorbene hatte das Amulett um den Hals getragen. 2024 gelang es mithilfe modernster Technik, die Inschrift auf dem zerbrechlichen Silberblech abzubilden, ohne es entrollen zu müssen. Für die historische Forschung stellt der von Scholz und Kollegen im Anschluss entzifferte Text eine Sensation dar: Die 18 Zeilen enthalten eine rein christliche Botschaft ganz ohne Bezug auf andere Götter und Religionen, wie es aus dieser Zeit zu erwarten gewesen wäre. Es handelt sich um das bisher früheste authentische Zeugnis für Christentum nördlich der Alpen.

Markus Scholz ist Professor für Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen an der Goethe-Universität Frankfurt. Nach dem Studium der Provinzialrömischen Archäologie sowie der Ur- und Frühgeschichte und der Alten Geschichte in Frankfurt, Freiburg und Basel wurde er 2001 an der Universität Freiburg mit einer Arbeit zur Keramik des Limeskastells Kapersburg promoviert. Scholz hat umfassende Forschung und Ausgrabungen zu römischen Siedlungsplätzen und Militäranlagen im süddeutschen Raum geleitet, insbesondere im Bereich des Limes und in den Grenzgebieten des Römischen Reiches. Er ist Gründungsmitglied und Vizepräsident der „Association internationale pour l'étude des inscriptions mineures (Ductus)“ mit Hauptsitz an der Universität Lausanne, Schweiz.

Zur besseren Disposition bitten wir um Anmeldung bis 12. Juni unter:
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Ein Bild zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/173756939

Bildtext: Die Umzeichnung der „Frankfurter Silberinschrift“ aus der Feder von Professor Markus Scholz. (Copyright: Scholz)

Information:
Iris Koban
Geschäftsführerin
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt 
E-Mail i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Mär 20 2025
10:20

Der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev hält die vierte John McCloy Lecture am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Demokratie im Zeichen demografischer Ängste

BAD HOMBURG. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Osteuropa und dem Ende des Kalten Krieges rief der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama das „Ende der Geschichte“ aus: Die liberale Demokratie westlicher Prägung werde sich auf der ganzen Welt durchsetzen und alle anderen Herrschaftsformen ablösen. Heute wissen wir, dass diese Voraussage falsch war. In vielen Ländern sind inzwischen autoritäre Herrscher an der Macht, und demokratische Gesellschaften sehen sich mit inneren Zersetzungstendenzen konfrontiert. Die Geschichte ist nicht zu Ende, die Zukunft ist offen.

In seinem englischsprachigen Vortrag mit dem Titel „The Return of the Future and the Last Man: Politics of Demographic Imagination“ präsentiert der bulgarische Politikwissenschaftler und Publizist Ivan Krastev seine Analyse zur Zukunft der Demokratie. Er fragt, warum sich viele Menschen weltweit von der Demokratie abwenden und bei Wahlen gegen sie stimmen: Woher kommen diese Menschen, warum sind sie so misstrauisch, und wovor haben sie Angst? Antworten findet Krastev unter anderem in Prognosen zu demografischen Veränderungen, die stark in Politik und Gesellschaft hineinwirken.

Mit dem Vortrag von Ivan Krastev lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität zu seiner vierten John McCloy Lecture ein, die

am Dienstag, 1. April, um 18 Uhr,
in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften,
Am Wingertsberg 4,
in Bad Homburg


stattfindet. In den Abend einführen wird der Amerikanist und Co-Sprecher des John McCloy Transatlantic Forums, Prof. Johannes Völz.

Ivan Krastev, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Centre for Liberal Strategies in Sofia und Albert Hirschman Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Seine Untersuchungen über die globale Entwicklung der Demokratie, in die er erfahrungs- und kenntnisreich osteuropäische Perspektiven einbringt, richten sich an Wissenschaft, Politik und die breite Öffentlichkeit. Er schreibt regelmäßig für die Financial Times. Zu seinen jüngsten, ins Deutsche übersetzten Büchern zählen: Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung (mit Stephen Holmes, Anm. der Red.) (2021), Ist heute schon morgen? Wie die Pandemie Europa verändert (2020) und Europadämmerung. Ein Essay (2017). 2020 wurde er mit dem Jean-Améry-Preis für Europäische Essayistik und dem kanadischen Lionel Gelber Prize ausgezeichnet.

Die John McCloy Lectures werden vom John McCloy Transtatlantic Forum am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg veranstaltet. Die Lectures laden Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Gesellschaft dazu ein, ihre Sicht auf aktuelle Entwicklungen der transatlantisch geprägten Demokratie in einem öffentlichen Abendvortrag zur Diskussion zu stellen. Die erste John McCloy Lecture (2022) hielt der amerikanische Politikwissenschaftler und -berater Charles A. Kupchan, die zweite (2023) Bundesminister a. D. Sigmar Gabriel und die dritte (2024) die Juristin und Publizistin Constanze Stelzenmüller. Das Forum arbeitet eng mit dem interdisziplinären Forschungsschwerpunkt Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World zusammen, der ebenfalls am Bad Homburger Kolleg angesiedelt ist. Forum und Forschungsschwerpunkt werden von den Frankfurter Professoren Gunther Hellmann (Politikwissenschaft) und Johannes Völz (Amerikanistik) geleitet.

Anmeldung
Wir bitten um vorherige Anmeldung bis 27. März an 
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anfahrt
Öffentliche Verkehrsmittel: Die nächsten Haltestellen sind Kaiser-Wilhelms-Bad (Bus 6), Bahnhof Bad Homburg (S 5) und Gonzenheim (U 2).

PKW: Bitte nutzen Sie die nahegelegenen Parkmöglichkeiten – das Casino-Parkhaus mit Zufahrt über den Weinbergsweg oder den Parkplatz des Tennisclubs und des Kur Royal Aktiv in der Kisseleffstraße 20.

Information:
Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität 
Telefon 06172 13977-15
E-Mail b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Facebook / YouTube @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Feb 6 2025
13:35

Politikwissenschaftlerin Brigitte Geißel im neuen UniReport über Wahlmüdigkeit, Unzufriedenheit mit den Parteien und bürgernähere Demokratieverfahren.

Was darf man von der anstehenden Bundestagswahl erwarten?

FRANKFURT. Die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag wird als vorgezogene Neuwahl am 23. Februar stattfinden. Prof. Dr. Brigitte Geißel, Professorin mit dem Schwerpunkt Bundesrepublik Deutschland im europäischen Kontext an der Goethe-Universität und Leiterin der Forschungsstelle „Demokratische Innovationen“, schaut eher skeptisch auf den Ausgang der Wahl: „Das Ergebnis der Bundestagswahl, egal mit welcher Koalition, wird keine großen Glücksgefühle in der Bevölkerung hervorrufen, sondern bei der Mehrheit eher Unzufriedenheit.“ Ungefähr ein Viertel der Wahlberechtigten, so die Politikwissenschaftlerin, bleibe ohnehin der Wahlurne fern. Rechne man jene, die Parteien wählen, die gar nicht in den Bundestag kommen oder knapp an der 5-Prozent-Hürde scheitern, wäre potenziell fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler nicht im neuen Bundestag vertreten.

Geißel betont in der aktuellen Ausgabe des UniReport, dass eine stärkere Diskussion darüber, wie Demokratie ausgestaltet sein soll, geführt werden müsse. „Wenn wir hier auf Basis der Zufallsauswahl zu Bürgerräten einladen, sind wir froh, wenn fünf Prozent der Ausgewählten teilnehmen. Es scheint die meisten Menschen einfach nicht zu interessieren.

Zum Vergleich ist in der Schweiz der Anteil der Personen, die an Bürgerräten teilnehmen, deutlich höher. Und das, obwohl die Menschen dort über die Direktdemokratie ohnehin schon über viel mehr Mitbestimmung verfügen.“ Brigitte Geißel wünscht sich auch für Deutschland, dass man sich wieder stärker mit der Demokratie identifiziere. Die Demokratie werde von vielen als etwas wahrgenommen, was nicht so viel mit ihnen selber zu tun habe. 

Weitere Themen im neuen UniReport:

Aktuelles 

  • „How research-intensive Universities strengthen societies“: ein Bericht über eine bi-nationale Tagung der U15 Deutschlands und Kanadas von Enrico Schleiff, Katharina Meyer und Johannes Müller. 
  • Ein offener Ausstellungsraum für die Universität: Das Schopenhauer-Studio in der Universitätsbibliothek.


Forschung 

  • Goethe, Deine Forscher: Porträt der Informatikerin Haya Schulmann.  
  • Erster Quantencomputer Hessens an der Goethe-Universität: „Baby Diamond“ wurde Mitte Dezember in Betrieb genommen.
  • „Wolkenmaschine“ Regenwald: Vom Wald im Amazonas-Gebiet ausgedünstetes Isopren trägt zur Wolkenbildung bei. 
  • „Kritische Zeitdiagnostik“ und „gesellschaftliche Selbstaufklärung“: Das soziologische „Glossar der Gegenwart“ ist mit neuen und überarbeiteten Einträgen erschienen.
  • Die Frankfurter Silberinschrift: Interviews mit Markus Scholz und Hartmut Leppin. 
  • In Archiven verschollen: Das Projekt „Lost in Archives“ möchte innovative Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts archivarisch erschließen und sichtbarer machen.
  • Warum funktioniert der Physikunterricht teils schlecht? Der mehrfach ausgezeichnete Physikdidaktiker Thomas Wilhelm erforscht, warum.  


Studium, Lehre und Qualifikation 

  • #GoetheDataDive/Zahl des Monats Februar: 87 Prozent der Befragten würden die Goethe-Universität für ein Studium weiterempfehlen.
  • Wie wäre es mal mit einem Praktikum in Frankreich? Noel B. Berhane ist als Juniorbotschafter des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) in Hessen unterwegs.


Campus 

  • Kamera und Scanner statt Zeichnung und Gipsabguss: Studierende der Archäologie tauchen praxisnah ein in die Welt der 3D-Digitalisierung. 
  • Erinnerungskultur aus transnationaler Perspektive: Studierende und Dozierende
  • der Erziehungswissenschaften auf Exkursion zum Staatlichen Museum Auschwitz.
  • Theoretische Forschung mit Erfolg: FIAS feierte 20-jähriges Jubiläum. 
  • Innovationsschub an der Goethe-Universität: CARMA FUND investiert in mRNA-Therapie gegen Eierstockkrebs. 
  • „Live Long and Prosper“: ein Lehrforschungs-Projekt des Kunstgeschichtlichen Instituts zum Thema „längeres Leben“.


International

  • Demokratieforschung in Zeiten von Krisen: zwei neue Fellows am Forschungskolleg Humanwissenschaften.


Kultur  

  • Dänen siezen nicht: Im Rahmen eines Tandemprojektes haben dänische Germanistik-Studierende deutsche Dänisch-Studierende in Frankfurt besucht.
  • Visionäre Perspektiven mit „Fixing Futures“: neue Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität.


Bibliothek

  • „Beyers Bücherschatz. Vom Sammeln und Stiften vor Senckenberg“: Ausstellung zum 400-jährigen Jubiläum der Bücherstiftung


Nachrufe

  • Prof. Dr. Jürgen Feierabend
  • Prof. Dr. Bernd Nothofer


Der UniReport 1/2025 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe

UniReport online - Wie finden Sie unsere Artikel im Netz? Ganz einfach: Schauen Sie doch einmal ins Webmagazin der Goethe-Universität. Auf www.aktuelles.uni-frankfurt.de/unireport können Sie einen Großteil der Artikel aus der Printausgabe auch online lesen.


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 5 2024
14:14

Forschende verschiedener Disziplinen analysieren im neuen UniReport den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl.

Was bedeutet die Wahl Trumps für die globalen Machtverhältnisse?

FRANKFURT. Er ist der „President-elect“ und wird am 20. Januar sein Amt antreten: Auf den 47. Präsidenten der USA Donald Trump blickt die deutsche Öffentlichkeit eher verhalten-kritisch bis besorgt. Wie sieht es in der Wissenschaft aus, wie bewerten Forschende die zweite Präsidentschaft Trumps, wie wird seine Amtszeit die amerikanische Innen- und Außenpolitik verändern? Im aktuellen UniReport geben sechs Forschende aus verschiedenen Disziplinen eine kurze und prägnante Einschätzung.

Prof. Ute Sacksofsky, Professorin für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität, sieht Trump mit einer „ungeheuren Machtfülle“ ausgestattet. Den demokratiefeindlichen Tendenzen könne nur durch effektive Kontrollmechanismen begegnet werden. Doch zeigten Entscheidungen der letzten Jahre, wie sehr der Supreme Court – durch Trump mit extrem konservativen Richter*innen besetzt – Trumps Agenda stütze.

Der Amerikanist Prof. Johannes Völz sieht die Gründe für Trumps deutlichen Wahlerfolg in der Polarisierung der amerikanischen Sozialstruktur: Die Bildungsunterschiede seien zu einem „wirksamen Faktor der US-Politik“ geworden, weil sie eine „Hierarchie des gesellschaftlichen Status“ begründeten. Für Völz haben die Demokraten vor allem ein „Habitus-Problem“, eine „Partei der kleinen Leute“ seien die Demokraten längst nicht mehr.

Für Prof. Simon Wendt, ebenfalls Amerikanist, ist der Wahlerfolg Trumps historisch gesehen nicht überraschend: „Das Schüren von Ängsten vor Kriminalität und Einwanderung, gepaart mit einer Wirtschaftspolitik, die auf niedrige Steuern und Deregulierung setzt, hat Präsidentschaftskandidaten wie Richard Nixon und Ronald Reagan in der Vergangenheit große Wahlerfolge beschert. Die destabilisierenden Folgen des Endes des Kalten Krieges und die von vielen Menschen als negativ empfundenen Auswirkungen der Globalisierung geben ebenfalls einer konservativen Denkweise Vorschub […].“

Der Politikwissenschaftler Prof. Andreas Nölke prognostiziert, dass sich die Entwicklungsmöglichkeiten für exportorientierte Wachstumsmodelle durch die von Präsident Trump geplanten Zölle weiter verringern werden. „Keine große Ökonomie ist so exportorientiert wie Deutschland. Sollten wir nicht die Binnennachfrage stimulieren – beispielsweise durch eine deutliche Ausweitung der privaten und öffentlichen Investitionen – dürfte sich die wirtschaftliche Misere in Deutschland noch vertiefen.“

Prof. Werner Plumpe, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, betont, dass Trump nicht „der antidemokratische Moloch“ sei. Plumpe sieht aus europäischer Sicht eine Notwendigkeit, zur „Realpolitik“ zurückzukehren. Die europäischen Staaten sollten „ihre eigenen Standortbedingungen […] überdenken und endlich eine Antwort auf die Frage […] geben, ob sie sich ihre teuren Sozialsysteme angesichts schwächelnder Produktivität und geringer technologischer Innovationskraft auf Dauer noch leisten können“.

Prof. Volker Wieland, Professor für Volkswirtschaft an der Goethe-Universität, findet es „seltsam“, dass deutsche Medien das Ende der amerikanischen Demokratie“ verkündeten. Es sei „Demokratie, auch wenn uns das Ergebnis als solches nicht gefallen mag“. Um Trump auf Augenhöhe zu begegnen, rät Wieland der nächsten deutschen Regierung „die Schuldenregeln einzuhalten, angebotsorientierte Strukturreformen auf den Weg zu bringen, Auswüchse des Sozialstaats zu beschneiden und die exzessive Regulierung und Bürokratie abzubauen, um wieder zu substanziellem und dauerhaften Wirtschaftswachstum zurückzukehren“. 

Weitere Themen im neuen Uni-Report:

Aktuelles

  • Hessischer Hochschullehrpreis: Auszeichnungen für „Call-a-CAB“ und „MakeLab“. 
  • Neue Aufgaben in historischen Räumen: Die Medizinische Hauptbibliothek. 
  • Preisverleihung: „Public Service Fellowship“ geht in diesem Jahr an den Humangeographen Martin Lanzendorf, „New Horizon“ an das Team des Wissenschaftsgartens.


Forschung

  • Lichtscheu und giftig: Der Salzwasserkrebs Xibalbanus tulumensis.
  • Goethe, Deine Forscher: Porträt des Sportpsychologen Chris Englert.  
  • Neues Reinhart Koselleck-Projekt des Komparatisten Achim Geisenhanslüke: Rhythmus in der Literaturtheorie. 
  • Georg Zizka über die Flora von Burkina Faso und Mali: späte Frucht eines Sonderforschungsbereiches und der Kooperation von Goethe-Uni und Senckenberg.
  • Von Elfen und Feen: Der Skandinavist Matthias Egeler über die ‚Anderwelt'. 
  • Professur für Suizidologie: Ute Lewitzka bereichert mit ihrem Engagement für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen die Goethe-Universität.


Studium, Lehre und Qualifikation 

  • Künstler, Schriftsteller, Dramaturg und Wissenschaftler: Aria Baghestani mit dem DAAD-Preis für internationale Studierende ausgezeichnet. 
  • #GoetheDataDive/Zahl des Monats Dezember: 85,6 Prozent der Studierenden geben an, dass sie zu Hause ungestört lernen können.


Campus
 

  • Poesie als Übersetzung: Mit der neuen Monika-Schoeller-Dozentur soll das literarische Übersetzen als Kunstform stärker ins Bewusstsein gerückt werden.
  • Accelerator-Programm: Die Goethe-Universität setzt einen Meilenstein bei der Förderung studentischer Ausgründungen. 
  • „Aura“, „goofy“, „cringe“ & Co: Die Linguistikprofessorin Petra Schulz hat die Bekanntgabe des neuen „Jugendwort des Jahres“ sprachwissenschaftlich begleitet. 
  • Chancen für die universitäre Lernkultur: Erfahrungen vom ersten Barcamp zu KI. 
  • „Diversität im Schreibzentrumskontext“: Konferenz an der Goethe-Universität beschäftigte sich mit Neurodivergenz, Mehrsprachigkeit und kreativem Schreiben. 
  • 6. Tag der RMU: Abenteuer Exzellenzstrategie – ein Rückblick. 
  • „Die Rolling Stones als Rollenmodell für die modernen jungen Alten“: Weihnachtsvorlesung von Theo Dingermann und Dieter Steinhilber am 17. Dezember. 
  • Botschafterin des interreligiösen Dialogs: Ilona Klemens ist seit Frühjahr neue Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG). 
  • Gedenken an das Vermächtnis eines Universalgelehrten: Eine Publikation würdigt Spiros Simitis.


International

  • International Day: Viele Lehramtsstudierende informierten sich über Schulpraktika und Praxissemester an einer Partnerschule im Ausland.
  • Demokratie neu denken: Drei neue Fellows am Forschungskolleg Humanwissenschaften arbeiten eng mit „Democratic Vistas“ zusammen.


Kultur  

  • Neuer Architekturführer beschäftigt sich mit dem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends: Campus Westend erfährt eine eigenwillige Würdigung. 
  • Klassiker mit Aktualität: Chaincourt Theatre Company wagt sich an Shakespeares „Hamlet“.


Bibliothek

  • „Have you seen this book?“ Die „Library of Lost Books“ sucht weltweit nach geraubten jüdischen Büchern.


Nachrufe

  • Prof. Dr. Erhard Kantzenbach
  • Prof. Dr. Rudolf Wiethölter
  • Prof. Dr. Manfred Niekisch 
  • Friedrich von Metzler

Der UniReport 6/2024 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe

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Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Nov 14 2024
10:33

Historiker Manfred Berg, Politikwissenschaftler Christian Lammert, Literaturwissenschaftlerin Greta Olson und Kulturwissenschaftler Johannes Völz diskutieren am Forschungskolleg Humanwissenschaften über den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

Die amerikanische Demokratie auf dem Prüfstand

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Die Wiederwahl Donald J. Trumps zum US-Präsidenten gibt der Welt Rätsel auf. Vieles, was wir über die USA zu wissen schienen, ist ungewiss geworden. Ließ sich Donald Trumps erster Wahlerfolg im Jahr 2016 noch als Eintreffen des politisch Unwahrscheinlichen abtun, legen die Wahlergebnisse diesmal einen anderen Schluss nahe: Quer durch die Bevölkerungsgruppen hat Donald Trump Stimmen hinzugewonnen – nach einem Wahlkampf, in dem er seine autokratischen Vorlieben ohne Skrupel zur Schau stellte. Wie passt das zu den demokratischen Traditionen der USA? Haben die Wählerinnen und Wähler sich an die exaltierte Rhetorik Trumps gewöhnt und aus ökonomischem Kalkül gewählt? Oder bringt die Wiederwahl Trumps etwas ans Licht, das in der Geschichte und politischen Kultur Amerikas tief verwurzelt ist? Wollen wir plausible Erklärungen für den Ausgang der Präsidentschaftswahlen finden, müssen wir unsere Annahmen über die USA und die amerikanische Demokratie auf die Probe stellen.

Dieser Aufgabe widmet sich die Podiumsdiskussion „Die USA nach der Wahl“, zu der das John McCloy Transatlantic Forum am Forschungskolleg Humanwissenschaften und die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung herzlich einladen

am 21. November 2024 um 19 Uhr
in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4
in Bad Homburg.

Vier USA-Expertinnen und Experten werden auf das Wahlergebnis blicken. Aus verschiedenen Perspektiven beleuchten sie die Gründe für die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, die unterschiedliche Bezugnahme auf Demokratie beider Lager und den zunehmenden Zuspruch zum Autoritären in der Gesellschaft. Weiterhin diskutieren sie, ob Trumps Wiederwahl eine globale Krise der Demokratie verschärfen könnte und ob die transatlantischen Beziehungen vor einer neuartigen Bewährungsprobe stehen.

Auf dem Podium diskutieren der Historiker Prof. Dr. Manfred Berg (Heidelberg), der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christian Lammert (Berlin) und die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Greta Olson (Gießen). Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Johannes Völz (Frankfurt/M.) moderiert das Gespräch.

Prof. Dr. Manfred Berg ist Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg. Sein Buch Das gespaltene Haus. Eine Geschichte der Vereinigten Staaten von 1950 bis heute erschien 2024 im Stuttgarter Verlag Klett-Cotta.

Prof. Dr. Christian Lammert ist Politikwissenschaftler und Professor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der FU Berlin. 2022 veröffentlichte er gemeinsam mit Boris Vormann im Campus Verlag die Studie Das Versprechen der Gleichheit. Legitimation und die Grenzen der Demokratie. Zudem ist er Mitglied im Kuratorium des John McCloy Transatlantic Forums am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Prof. Dr. Greta Olson ist Professorin für Englische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft und Direktorin des Center for Diversity, Media, and Law (DiML) an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie interessiert sich für das Verhältnis von Recht, Kultur und Literatur und hat das European Network for Law and Literature mitbegründet.

Prof. Dr. Johannes Völz ist Professor für Amerikanistik mit Schwerpunkt „Demokratie und Ästhetik“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zusammen mit dem Politikwissenschaftler Gunther Hellmann ist er Sprecher des John McCloy Transatlantic Forums und des Forschungsschwerpunktes „Democratic Vistas: Reflections on the Atlantic World“.

Teilnahme und Anmeldung 
Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung per E-Mail an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Anfahrt
Öffentliche Verkehrsmittel: Die nächsten Haltestellen sind Kaiser-Wilhelms-Bad (Bus 6), Bahnhof Bad Homburg (S 5) und Gonzenheim (U 2).
PKW: Bitte nutzen Sie die nahegelegenen Parkmöglichkeiten – das Casino-Parkhaus mit Zufahrt über den Weinbergsweg oder den Parkplatz des Tennisclubs und des Kur Royal Aktiv in der Kisseleffstraße 20.


Kontakt:
Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität 
Telefon 06172 13977-15
E-Mail b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Facebook / X / YouTube @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Okt 28 2024
12:55

Die Goethe-Universität lädt ein zur 11. Dagmar-Westberg-Vorlesung auf dem Campus Westend.

Innovative Blicke auf Kants Philosophie: Die amerikanische Philosophin Christine M. Korsgaard übernimmt Dagmar Westberg-Stiftungsgastprofessur 

FRANKFURT. „Value and Freedom in Kant's Moral Philosophy“: Die amerikanische Philosophin Prof. Christine M. Korsgard (Harvard University) spricht im Rahmen der diesjährigen Dagmar-Westberg Lectures über zentrale Aspekte in Kants Praktischer Philosophie, die sie neu interpretiert. Die Dagmar-Westberg-Vorlesungsreihe ist eine im Jahr 2012 errichtete Stiftungsgastprofessur, ermöglicht durch die namensgebende Stifterin Dagmar Westberg, die der Förderung der Geistes- und Kulturwissenschaften dient. Es laden in diesem Jahr ein: Der Fachbereich 08/ Philosophie und Geschichtswissenschaften, das Institut für Ethnologie und das Forschungszentrum Normative Ordnungen. 

Christine M. Korsgaard ist eine der wichtigsten Moralphilosophinnen und Kantinterpretinnen unserer Zeit. Ihr Werk widmet sich unter anderem einer Rechtfertigung menschlicher Würde, einer Grundlegung unseres richtigen Handelns und der Begründung des moralischen Status von Tieren. In den Dagmar-Westberg-Vorlesungen geht sie in drei Vorträgen zentralen Fragen der Praktischen Philosophie Kants nach, die sie auf innovative Weise deutet. Der erste Vortrag beschäftigt sich mit dem unvergleichlichen Wert des Individuums und ergründet, was es eigentlich heißt „Zweck an sich selbst“ zu sein. Der zweite Vortrag ist dem Zusammenhang von richtigem und gutem Handeln gewidmet und weist als wesentliches Kennzeichen deren Autonomie aus. Im dritten Vortrag wird schließlich Moralität als Bedingung unserer Freiheit thematisch. 

Termine:

4. November 2024
The Incomparable Value of the Individual

5. November 2024
Constitutivism and the Value of an Action

6. November 2024
How We Can Be Free 

Die Vorträge finden jeweils statt in Raum EG 01, Haus Normative Orders, Campus Westend der Goethe-Universität, Max-Horkheimer-Straße 2. Beginn jeweils 18 Uhr c.t. Die Vorträge sind auf Englisch. 

Um eine Anmeldung unter office@normativeorders.net wird gebeten.

Über die Dagmar-Westberg-Vorlesungsreihe: Einmal pro Jahr werden hervorragende Forscherinnen und Forscher in- und ausländischer Universitäten, die in ihren Fächern jeweils zu den weltweit führenden zählen, an den Campus Westend der Goethe-Universität eingeladen. Hier stellen sie in drei bis vier Vorlesungen sowie einem anschließenden Kolloquium am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität wichtige neuen Einsichten, bahnbrechende Thesen und weiterführende Ideen zu Themen ihrer Forschung zur Diskussion. Ermöglicht wurde die Vorlesungsreihe durch die namensgebende Stifterin Dagmar Westberg. Dank Ihrer Unterstützung konnte ein gleichnamiger Stiftungsfond an der Goethe-Universität errichtet werden, der die Existenz der Dagmar-Westberg-Vorlesungsreihe als dauerhafte Gastprofessur garantiert.


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Sep 9 2024
09:48

Bad Homburg Conference 2024 mit Keynote-Vorträgen der Philosophin Stefania Centrone, des Informatikers Kristian Kersting und des Soziologen Armin Nassehi

„Künstliche Intelligenz: Wie formt sie unsere Zukunft?“

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Seit im November 2022 das US-amerikanische Unternehmen Open AI den Chatbot ChatGPT vorgestellt hat, ist Künstliche Intelligenz (KI) in der Breite der Gesellschaft angekommen. Angesichts des scheinbar grenzenlosen Potenzials der digitalen Technik geraten grundlegende Annahmen über unser tägliches Denken, Handeln und Arbeiten ins Wanken. Viele fragen sich: Welche Folgen hat die neue Technologie für unsere Zukunft?

Diese Frage steht im Mittelpunkt der diesjährigen Bad Homburg Conference, zu der das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, das Center for Critical Computational Studies (C3S) der Goethe-Universität und die Stadt Bad Homburg v. d. Höhe herzlich einladen. Die Konferenz findet statt 

von Freitag, 20. September, 15 Uhr
bis Samstag, 21. September, 16:30 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften,
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe.

Ohne Alarmismus, aber mit einem kritischen Blick wird sich die Konferenz den Möglichkeiten, aber auch den Gefahren der Entwicklung und Nutzung von KI widmen.

„Die zunehmende algorithmische Vorhersage von sozialen Dynamiken durch KI wirft die Frage auf, wie viel Handlungsspielraum wir uns als Gesellschaft in einer unbestimmten Zukunft erhalten wollen und welche Verantwortung wir dabei übernehmen“, formuliert  Juliane Engel, Professorin für Erziehungswissenschaft und Gründungsdirektorin von C3S, einen wichtigen Aspekt der Debatte.

Drei Keynote-Vorträge stecken den allgemeinen Rahmen des Themas ab: Der Soziologe Prof. Armin Nassehi (Ludwig-Maximilians-Universität München) spricht über die gesellschaftlichen Erwartungen an KI und die technischen und sozialen Herausforderungen, denen sich die Gesellschaft stellen sollte. Die Philosophin Prof. Stefania Centrone (TU München) analysiert die Möglichkeiten und Grenzen von KI-Prognosen und deren Folgen für Individuen und Gesellschaft. Der Informatiker Prof. Kristian Kersting (TU Darmstadt) skizziert die Vision einer „Vernünftigen KI“, die mit einer Art „gesundem Menschenverstand“ über die Welt denkt und kontinuierlich dazu lernt. Recht und Wirtschaft, Politik und Kunst sowie Bildung und Gesundheit – diese zentralen Bereiche der Gesellschaft stehen im Fokus von drei Podiumsdiskussionen mit zwölf Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft. Dabei geht es um die Frage, wie sie durch den Einsatz von KI beeinflusst werden könnten. 

„Bereits zwei Mal haben wir uns bei den Bad Homburg Conferences mit der Digitalisierung befasst: 2017 beleuchteten wir ihre Auswirkungen auf die politische Kommunikation und 2019 diskutierten wir darüber, ob und wie wir Algorithmen vertrauen können. Die Entwicklungen gehen rasant voran und heute wissen wir, dass KI das Potenzial hat, unsere Vorstellung von uns selbst als Menschen und von unserem Handeln zu verändern. Es ist wichtig, nun über den nächsten Schritt in dieser Entwicklung vertiefend nachzudenken“, sagt Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften und Philosophieprofessor an der Goethe-Universität. 

Die Bad Homburg Conferences

Die Bad Homburg Conferences werden seit 2017 gemeinsam vom Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität und der Stadt Bad Homburg veranstaltet. Alljährlich im Herbst bieten sie ein öffentliches Forum der Reflexion über wichtige gesellschaftliche Fragen der Gegenwart.

„Die Bad Homburg Conferences sind ein unverzichtbarer Beitrag zur Stärkung des gesellschaftlichen Diskurses. Sie bieten uns die einzigartige Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam zu reflektieren und zu diskutieren. Es ist von großer Bedeutung, dass wir die Bürgerinnen und Bürger unserer Region aktiv in diese Gespräche einbinden, denn nur durch den offenen Austausch von Ideen und Perspektiven können wir gemeinsam Lösungen für die drängenden Fragen unserer Gesellschaft entwickeln“, erklärt Alexander W. Hetjes, Oberbürgermeister von Bad Homburg v. d. Höhe.

Planungsgruppe der Bad Homburg Conference 2024: Prof. Dr. Juliane Engel (Goethe-Universität), Prof. Dr. Christoph Burchard (Goethe-Universität), Dr. Bettina Gentzcke (Stadt Bad Homburg v. d. Höhe), Iris Helene Koban (Forschungskolleg Humanwissenschaften), Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann (Goethe-Universität/Forschungskolleg Humanwissenschaften), Prof. Dr. Franziska Matthäus (Goethe-Universität), Prof. Dr. Ulrich Meyer, Goethe-Universität

Konferenzprogramm: https://www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de/downloads/2024-Flyer-BHC.pdf

Teilnahme vor Ort: Die Teilnahme ist kostenlos und nach vorheriger Anmeldung per E-Mail möglich (Anmeldeadresse: anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Anmeldeschluss: 16. September 2024). Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, an welchen Veranstaltungstagen Sie teilnehmen möchten (Freitag ab 15 Uhr, Freitag ab 17 Uhr, Samstag oder an beiden Tagen). Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.

Online Teilnahme: Die einzelnen Veranstaltungsteile werden auf dem YouTube-Kanal des Forschungskollegs Humanwissenschaften übertragen. Über die Chatfunktion von YouTube ist die Teilnahme an den Diskussionen möglich.

Weitere Informationen und Kontakt: 
Monika Hellstern
Forschungskolleg Humanwissenschaften
Wissenschaftskommunikation
Telefon 06172 13977-45
E-Mail hellstern@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 11 2024
16:22

Aktionsmonat zum „Afrikabild in den deutschen Medien und die Rolle der Wissenschaft“ an der Goethe-Universität: Prof. Hans Peter Hahn erklärt im neuen UniReport die Hintergründe

Ein neuer Blick auf den Nachbarkontinent

FRANKFURT. Ein Nachbarkontinent, mit dem Europa bereits seit der Antike auf vielfältige Weise verbunden ist. Und doch nimmt die Präsenz Afrikas in westlichen Medienberichten seit Jahren ständig ab, bemängelt Prof. Hans Peter Hahn, Ethnologe und Afrikawissenschaftler an der Goethe-Universität, in der neuen Ausgabe des UniReport. Die Zahl der Korrespondenten, die vor Ort berichteten, sei in den letzten Jahren massiv abgebaut worden; in dem Maße nehme die Intensität und Sorgfalt ab, mit der das Wissen über Afrika und seine Länder aufbereitet werde. 

Die Folgen seien mit Händen zu greifen, grundlegendes Wissen über den Kontinent und seine Länder könne immer seltener vorausgesetzt werden. Afrika werde im Westen oft als ein Ort der „permanenten Enttäuschung“ gesehen; der Kontinent habe sich ökonomisch zu entwickeln, aber einmal gebaute Fabriken würden nicht genutzt, verrotten, niemand kümmere sich. Anstatt, dass sich neue Demokratien entwickelten, sehe man seit Jahren einen Staatsstreich nach dem nächsten. Hahn kritisiert, dass bei diesem monotonen Zusammenspiel aus Erwartung und Enttäuschung nicht genau genug hingeschaut werde. So werde beispielsweise übersehen, dass es in Afrika seit der Gründung der „Organisation afrikanischer Einheit“ zwar Bürgerkriege, aber keine großen zwischenstaatlichen Kriege mehr gegeben habe. „Wenn man als Afrika-Experte diesen Kontinent einmal für etwas loben möchte, stößt man quasi auf Widerstände.“

Das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität veranstaltet nun im Juli verschiedene Formate, die sich mit dem medial vermittelten Afrikabild in Deutschland auseinandersetzen. Von dem Aktionsmonat erhofft sich Hans Peter Hahn eine stärkere Resonanz und Wahrnehmung des Themas nicht nur seitens der Forschung, sondern auch der ganzen Universität. Die Veranstaltungen wenden sich ausdrücklich auch an eine interessierte Öffentlichkeit. 

Weitere Themen im neuen Uni-Report:

Aktuelles 

  • Digitale Lösungen für die Herausforderungen von Erde, Natur und Gesellschaft: Center for Critical Computational Studies (C3S) der Goethe-Universität stellt neuen Forschungsschwerpunkt vor. 
  • „Unser Erfolg wird sich daran messen, ob wir einen ›Use Case‹ hinbekommen“: Die Arbeitsgruppe Generative KI erforscht die Folgen von KI für die Goethe-Universität.

Forschung 

  • Goethe, Deine Forscher: Kriminologe Prof. Tobias Singelnstein im Porträt. 
  • Von Fliegen und Leichen: Der Entomologe Prof. Jens Amendt über die Tagung zur kriminalistischen Insektenkunde. 
  • Demokratie (auch) als Lebensform: Johannes Völz und Till van Rahden über ihr Buch „Horizonte der Demokratie“. 
  • Ein vielschichtiges Verhältnis: Eine Sommeruniversität blickt aus postkolonialer Perspektive auf den Zusammenhang von Religion und europäischer Expansion. 

Studium, Lehre und Qualifikation 

  • 1822-Preis: Zum 23. Mal hat die Goethe-Universität gemeinsam mit der Stiftung der Frankfurter Sparkasse verdiente Lehrende gewürdigt.
  • 10 Jahre „Johnny“: Studentische Literaturzeitschrift schaut hoffnungsvoll in die Zukunft. 
  • Fröhliches Babylon: Im Sprach-Welt-Café treffen Studierende auf ganz unterschiedliche Sprachen.

Campus 

  • „Bei den Deutschen war eher das Schweigen die Kontinuität.“ Prof. Doron Kiesel, über die Veranstaltungsreihe „Diversität und Diskurs/Antisemitismus. Erinnerungskultur. Demokratie. Wie (un-)politisch ist die Universität?“
  • Zehn Jahre Mitmenschlichkeit: Die Studentische Poliklinik der Goethe-Universität im Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt hat ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. 
  • Wenn angehende Jurist*innen sich streiten: Die Studentinnen Sirin Yilmaz und Charlotte Schraut waren bei der ELSA Negotiation Competition erfolgreich.
  • „Gespräche sollen ein Dialog sein, in dem alle Beteiligten in sicherem Rahmen zu Wort kommen.“ Studierende stellen Fragen an die israelische Generalkonsulin Talya Lador-Fresher zum Krieg in Nahost.

International

  • Rassenungleichheit in einer polarisierten Gesellschaft überwinden: Prof. Paul Lichterman (University of Southern California) forscht am Forschungskolleg
  • Humanwissenschaften (FKH) über weißen Antirassismus.  

Kultur  

  • Vielsprachige Poetikvorlesung auf Deutsch: Rückblick auf die Vorlesungen des Schriftstellers und Übersetzers Aris Fioretos.

Bibliothek

  • „Leerstand und Utopie: Die Kämpfe um den Campus Bockenheim.“ Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August im Schopenhauer-Studio der Zentralbibliothek zu sehen. 

Nachrufe

  • Dr. Rolf-E. Breuer * 3. Dezember 1936 † 20. Juni 2024
  • Prof. Dr. Lothar Gall * 3. November 1937 † 22. Mai 2024


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jul 10 2024
15:05

Podiumsdiskussion mit der Friedens- und Konfliktforscherin Prof. Nicole Deitelhoff und der Russlandexpertin Dr. Melanie Klein

Friedensdiplomatie für die Ukraine: Mission impossible?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Seitdem die russische Armee im Februar 2022 die Ukraine überfallen und damit einen Krieg in Europa herbeigeführt hat, gibt es die Forderung, die Ukraine nicht nur militärisch zu unterstützen, sondern auch nach diplomatischen Wegen zur Beendigung des Krieges zu suchen. Warum aber sind alle Verhandlungsversuche und Gespräche bislang gescheitert? Warum wurden die 2014 und 2015 international ausgehandelten Minsker Abkommen, die die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine im Donbas beilegen sollten, gebrochen? Ist es vor diesem Hintergrund und angesichts des aktuellen Kriegsgeschehens in der Ukraine überhaupt möglich, Frieden auf diplomatischem Weg herbeizuführen?

Diese Fragen sind Gegenstand einer Podiumsdiskussion, zu der das Forschungskolleg Humanwissenschaften und die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung herzlich einladen. Die Diskussion findet statt 

am Dienstag, 16. Juli, um 19 Uhr
in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4
in Bad Homburg.

Auf dem Podium diskutieren die Friedens- und Konfliktforscherin Prof. Nicole Deitelhoff und die Russlandexpertin Dr. Melanie Klein.  Der Direktor der Forschungskollegs Humanwissenschaften, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, eröffnet die Diskussion, die anschließend vom Frankfurter Politikwissenschaftler Prof. Gunther Hellmann moderiert wird. 

Prof. Nicole Deitelhoff ist Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien Globaler Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt. Seit April 2016 ist sie Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Peace Research Institute Frankfurt (PRIF).

Dr. Margarete Klein leitet die Forschungsgruppe Osteuropa und Eurasien an der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Ihre Schwerpunkte sind die Außen-, Sicherheits- und Militärpolitik Russlands.

Prof. Gunther Hellmann ist Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität und Goethe-Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Teilnahme und Anmeldung 

Zur besseren Planung bitten wir bis 15. Juli um Anmeldung per E-Mail an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de. 

Anfahrt mit dem Auto/Parken

Auf dem Gelände des Forschungskollegs Humanwissenschaften gibt es nur wenige Parkplätze, die für den Veranstalter und Menschen mit Behinderung reserviert sind. Bitte nutzen Sie deshalb die angrenzenden Parkmöglichkeiten – das Casino-Parkhaus mit Zufahrt über den Weinbergsweg – oder den Parkplatz des Tennisclubs und des Kur Royal Aktiv in der Kisseleffstraße 20 – und planen den entsprechenden Fußweg zum Kolleg mit ein.

Information:
Beate Sutterlüty
Wissenschaftskommunikation
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität 
Telefon 06172 13977-15
E-Mail b.suttleruety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Homepage www.forschungskolleg humanwissenschaften.de
Twitter @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 27 2024
13:10

Erste Josef-Horovitz-Vorlesung des „Frankfurt-Tel Aviv-Center“ an der Goethe-Universität

Ein Protagonist der Erforschung jüdisch-islamischer Beziehungen

FRANKFURT. Vor ziemlich genau zwei Jahren Jahr fand in Frankfurt die Eröffnungskonferenz des neuen deutsch-israelischen Forschungszentrums Frankfurt-Tel Aviv Center für Interreligiöse Studien statt; ein halbes Jahr später wurde dann in Israel von den beiden Hochschulpräsidenten der Kooperationsvertrag zwischen der Goethe-Universität und der Tel Aviv University unterschrieben. Jetzt startet das interdisziplinäre Frankfurt-Tel Aviv Center in Frankfurt die erste Josef-Horovitz-Vorlesung, die von nun an jährlich stattfinden soll. 

„Die Wahl des Namens der Vorlesung ist alles andere als zufällig“, erklärt Christian Wiese, Martin-Buber-Professor für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität, der gemeinsam mit Prof. Menachem Fisch von der Tel Aviv University das Frankfurt-Tel Aviv Center gegründet hat und leitet. Der in Frankfurter aufgewachsene jüdische Professor für Orientalistik Josef Horovitz (1874-1931) galt seinerzeit als der beste Kenner des Korans in der nicht-islamischen Welt. Zudem war er Begründer der Frankfurter Orientalistik und Mitglied des Gründungskuratoriums der Hebräischen Universität Jerusalem. „Josef Horovitz war ein herausragender Protagonist der Erforschung jüdisch-islamischer Beziehungen und ein engagierter Befürworter der Völkerverständigung im Geiste der Aufklärung und wechselseitiger Achtung der Religionen“, so Wiese. „Damit verkörpert er eines der zentralen Ziele des interreligiösen Forschungsansatzes unseres Zentrums“. Am 26. Juli 2024 jährt sich Horovitz' Geburtstag zum 150. Mal.

Die erste „Annual Josef-Horovitz Lecture for the Study of Interreligious Dynamics“ mit dem Titel „Qohelet Illuminated: A New Reading and a New Seeing“ findet statt am Dienstag, den 2. Juli 2024 um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum 10 (HZ 10) auf dem Campus Westend. 

Sie wird gehalten von der amerikanischen Künstlerin Debra Band und dem renommierten Tel Aviver Philosophen Prof. Menachem Fisch, die ihr gemeinsames Buch Qohelet: Searching for a Life Worth Living (2023) vorstellen. Grußworte sprechen Prof. Christian Wiese und Prof. Milette Shamir, Vize-Präsidentin der Tel Aviv University.

Titel des Vortrags von Menachem Fisch ist „Rationality Time Bound: Qohelet's Pre-Revelatory Religious Philosophy". Debra Band wird in ihrem Beitrag „Approaching Qohelet: Developing the Modern Visual Midrash“ auf die visuelle Gestaltung des Buches Qohelet eingehen. In beiden Vorträgen werden mittelalterliche Tradition des Illustrierens ebenso zur Sprache kommen wie postmoderne Theorien zu Lebensfragen.


Menachem Fisch ist emeritierter Joseph-and-Ceil-Mazer-Professor für Wissenschaftsgeschichte und -philosophie und Direktor des Zentrums für religiöse und interreligiöse Studien an der Tel Aviv University sowie Senior Fellow des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg. Im Zentrum seiner Forschungen stehen u.a. die Philosophie des talmudischen Rechtsdenkens und die Bedeutung talmudischer Diskurse für die Frage religiöser Pluralität und Differenz.

Debra Bands Arbeit an hebräischen malerisch gestalteten Handschriften resultiert aus ihrer Begeisterung für hebräische Handschriftenkunst und für biblische Studien. Zum künstlerischen Werk der studierten Historikerin und Politikwissenschaftlerin, dessen intellektuelle und spirituelle Tiefe sowie visuelle Schönheit geschätzt wird, zählen illuminierte und mit Scherenschnitten versehene Bücher und Manuskriptstücke, die in Ausstellungen in der englischsprachigen Welt zu sehen sind. 

Die Josef-Horovitz-Vorlesung wird veranstaltet vom Frankfurt Tel Aviv Center, dem Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte am Fachbereich Evangelische Theologie sowie dem Forschungsverbund „Dynamiken des Religiösen“.

Die Vorträge finden in englischer Sprache statt.

https://buber-rosenzweig-institut.de/events/einzelveranstaltung/annual-josef-horovitz-lecture-for-the-study-of-interreligious-dynamics-2024/

Eine Anmeldung (unter kramberger@em.uni-frankfurt.de) ist willkommen, aber nicht Voraussetzung für die Teilnahme. Teilnehmer*innen an der Veranstaltung sollten sich ggf. auf Sicherheitsmaßnahmen wie Taschenkontrollen einstellen.

Information
Dr. Judith Müller
Buber-Rosenzweig-Institut
jud.mueller@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 13 2024
15:18

Literatur-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftler diskutieren über Befunde des neuen Buches „Democratic Vistas. Offene Lebensformen nach Walt Whitman“

Was hält die Demokratie am Leben?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Demokratie ist mehr als eine Regierungsform. Mit dem US-amerikanischen Dichter Walt Whitman lässt sie sich als eine offene Lebensform begreifen: vielfältig, unvorhersehbar und angewiesen auf Impulse aus den Künsten. Die Autorinnen und Autoren des kürzlich erschienenen Bandes „Horizonte der Demokratie. Offene Lebensformen nach Walt Whitman“ nehmen Whitmans Anregungen auf und suchen nach Momenten demokratischer Öffnung. Fündig werden sie an den unterschiedlichsten Orten:  im China der 1920er Jahre, in der südafrikanischen Fotografie der Post-Apartheid-Ära, im Werk Schwarzer Lyrikerinnen oder in der auf Billionen-Beträge hochskalierten Wirtschaftspolitik.

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften lädt zum Gespräch über die Perspektiven des Buches und die Frage ein, was die Demokratie, insbesondere in Zeiten ihrer Krise, am Leben hält. Das Gespräch findet statt

am Freitag, 21. Juni 2024, 18 Uhr
in den Räumen des Forschungskollegs
Am Wingertsberg 4
in Bad Homburg.

Auf dem Podium diskutieren Prof. Heike Schäfer und Prof. Johannes Völz (Amerikanistik), Prof. Andreas Fahrmeir und Prof. Till van Rahden (Geschichte), Prof. Gunther Hellmann und Prof. Hanna Pfeifer (Politikwissenschaft) und Prof. Zhiyi Yang (Sinologie). Die Soziologin Prof. Greta Wagner moderiert das Gespräch. Alle sind Mitglieder des Frankfurter Forschungskreises „Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World“, der 2021 am Forschungskolleg Humanwissenschaften gegründet wurde.

Das von Till van Rahden und Johannes Völz herausgegebene Buch „Horizonte der Demokratie. Offene Lebensformen nach Walt Whitman“ ist im Mai 2024 im Bielefelder transcript Verlag erschienen. Im Wechsel von Essay und kurzer Replik treten Mitglieder des Forschungskreises „Democratic Vistas“ in ein Gespräch mit internationalen Gesprächspartnern: Cameron Abadi (Foreign Policy), Andreas Fahrmeir (Geschichte), Josef Früchtl (Ästhetik), Walter Grünzweig (Literaturwissenschaft), Patricia Hayes (afrikanische Geschichte), Hanna Pfeifer (Politikwissenschaft), Till van Rahden (Geschichte), Martin Saar (Philosophie), Heike Schäfer (Amerikanistik), Adam Tooze (Wirtschaftsgeschichte), Johannes Völz (Amerikanistik), Michael Walzer (Philosophie), Zhiyi Yang (Sinologie). 

Das Buch eröffnet die Reihe „Democratic Vistas / Demokratische Horizonte“, die von den Sprechern des Forschungskreises „Democratic Vistas“ herausgegeben wird. 

Ein Interview mit Till van Rahden und Johannes Völz über das Buch und die Reihe finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=udAut7CCe2I 

Anmeldung und Anfahrt

Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung bis zum 20. Juni per E-Mail an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de. Bitte beachten Sie, dass wegen der Vorbereitungen für das Bad Homburger Tennisturnier sowohl der öffentliche Nahverkehr als auch der Individualverkehr umgeleitet wird. Die Anfahrt ist ausschließlich über den Schwedenpfad möglich; Parkplätze stehen im Parkhaus des Casinos im Weinbergsweg zur Verfügung. ÖPNV: Haltestelle Gonzenheim (U2) oder Bad Homburg Bahnhof (S5).

Information: Beate Sutterlüty, Wissenschaftskommunikation, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Telefon: 06172-13977-15; b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de https://www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Social Media: @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 3 2024
15:55

Wie wird sich die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land auf die Stimmung beim Public Viewing auswirken? Wie lassen sich die Chancen der deutschen Mannschaft mathematisch berechnen? Ideen und Anregungen im neuen UniReport.     

Die Fußball-EM als Gegenstand von Forschung und Lehre

FRANKFURT. 2006 sorgte die Fußball-WM in Deutschland für eine große Begeisterung auf den Straßen und Plätzen: Das sogenannte „Sommermärchen“ manifestierte sich vor allem auch bei der Übertragung der Spiele im öffentlichen Raum. Public Viewing hat seitdem möglicherweise an Zugkraft eingebüßt, was mit vielen Faktoren zusammenhängt. Prof. Robert Gugutzer, Sportsoziologe an der Goethe-Universität, erforscht die Stimmung bei der öffentlichen Übertragung von Spielen. Er erklärt im neuen UniReport, dass das Erleben einer besonderen „Atmosphäre“ nicht nur sportinteressierte Menschen anspricht. „Sozial gesehen ist es immens wichtig, dass solche Möglichkeiten der harmlosen außeralltäglichen Vergemeinschaftung existieren“, sagt er im Interview im neuen UniReport. Gugutzer wird mit seinen Studierenden untersuchen, ob und wie sich beim EM-Public-Viewing in Frankfurt eine mit früheren Sportgroßveranstaltungen vergleichbare Begeisterung einstellen wird. 

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich wieder eine besondere Stimmung einstellt, sind gute und mitreißende Spiele des deutschen Teams. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Mannschaft bei der letzten EM und WM hoffen viele nun auf einen Erfolg im eigenen Land. Doch wie stehen die Chancen? Prof. Matthias Ludwig, Mathematikdidaktiker an der Goethe-Universität, bietet wieder das beliebte Statistik-Tool fussballmathe.de an: Damit kann zum einen auf spielerische Weise im Unterricht statistisches Rechnen eingeübt werden. Zum anderen können Fußballfans anhand verschiedener Parameter die statistischen Aussichten ihres Teams kalkulieren. Die Datenbasis von fussballmathe.de wird in regelmäßigen Zeitabständen auch während der EM auf den neuesten Stand gebracht. Nach aktueller Prognose wird Deutschland mit einer Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 3,95 Prozent Europameister, Spanien hingegen mit einer von 15,98, England mit einer von 18,17 und Favorit Frankreich mit einer von 20,28 Prozent. 

Weitere Themen im neuen Uni-Report:

Neues von den Clusterinitiativen

- Volker Zickermann und Eric Helfrich sind bei der Exzellenzcluster-Initiative SCALE (Subcellular Architecture of Life): Das Spezialgebiet des einen ist ein Proteinkomplex in den Mitochondrien. Der andere sucht schwerpunktmäßig bisher unbekannte Naturstoffe, die die Basis für neue Antibiotika sein könnten.

- Herzforschung meets KI: Wie Forscher des Exzellenzclusters Cardio-Pulmonary Institute (CPI) Künstliche Intelligenz in der Herzbildgebung nutzen, zeigte Professor Eike Nagel im Rahmen der Bürgeruniversität der Goethe-Universität. 

Aktuelles 

- Auf dem Weg der Differenzierung: Wolfgang Meseth über die Veranstaltungsreihe „Diversität und Diskurs /Antisemitismus. Erinnerungskultur. Demokratie. / Wie (un-)politisch ist die Universität?“, in Kooperation mit der Jüdischen Akademie am 28. Mai gestartet. 

Forschung 

- Goethe, Deine Forscher: Franziska Matthäus, Bioinformatikerin, im Porträt. 

- „Wäre es möglich, einen tüchtigen Physiker herbeizuziehen …“: 200 Jahre Physikalischer Verein, Keimzelle der Naturwissenschaften in Frankfurt. 

- „Ich habe mich auf die Rückkehr in Forschung und Lehre gefreut“: Gabriele Britz, Richterin des Bundesverfassungsgerichts a.D., lehrt seit diesem Sommersemester öffentliches Recht an der Goethe-Universität.

Studium, Lehre und Qualifikation 

- Bedingungsfaktoren der Studierendenzufriedenheit: Erkenntnisse der dritten Studierendenbefragung an der Goethe-Universität.

Campus 

- Thema Nachhaltigkeit: Um den eigenen Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation zu konkretisieren, entwickelt die Goethe-Universität in den kommenden Monaten eine Nachhaltigkeitsstrategie.

- Neues von den Rhein-Main-Universitäten (RMU): Open Science Festival und Postdoc-Career-Weeks.

- „Wir wollen Begeisterung verbreiten“: Nico Dreimüller, Jura-Absolvent der Goethe-Universität, nimmt als Rollstuhlbasketballer an den Paralympics in Paris teil. 

- Die Ökotoxikologin Sabrina Schiwy forscht, lehrt und leitet ein Team am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität. Profitiert hat sie auf ihrem Qualifikationsweg von einem Stipendium der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

International

- Eine passgenaue Brücke in die Berufswelt für Studierende mit Zuwanderungsgeschichte: International Career Service Rhein-Main stellt eine Brücke zwischen Hochschulen und Arbeitswelt her.

- Schwindender Einfluss der „amerikanischen Theorie“: Der Amerikaner Gregory Jones-Katz beschäftigt sich am Forschungskolleg Humanwissenschaften mit der Geschichte der amerikanischen Philosophie und Kulturwissenschaft. 

Kultur  

- Intensive Wahrnehmung von Gegenwart: Der Schriftsteller, Übersetzer und Publizist Aris Fioretos wird neuer Poetikdozent.

Bibliothek

- Ganzheitliche Lösungen für die Nutzenden: Dr. Yves Vincent Grossmann ist seit März 2024 Leiter Forschungsdatenmanagement (FDM) und Bibliothek Naturwissenschaften.

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- Prof. Dr. David Käbisch-Pepetit * 19. Juni 1975 † 24. März 2024

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Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Apr 24 2024
14:06

Forschungskolleg Humanwissenschaften setzt Vortragsreihe zur Demokratie fort

Lebensform mit Widersprüchen

FRANKFURT. Was bedeutet Demokratie - ein politisches System, eine Form des Regierens, oder eine Form des Zusammenlebens, die das Alltagsleben prägt? Im Forschungsschwerpunkt "Democratic Vistas: Reflections on the Atlantic World" des Forschungskollegs Humanwissenschaften stellen Forschende des Verbunds aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven Fallstudien vor, anhand derer sich ein konkretes Verständnis davon gewinnen lässt, was "Demokratische Lebensform" heißen kann. Dabei gehen die Vortragenden davon aus, dass die Demokratie –  wenn sie sich denn sinnvoll als "Lebensform" beschreiben lassen soll – ganz unterschiedliche, umstrittene und oftmals auch widersprüchliche Formen des Zusammenlebens annimmt.

Die Reihe startet im Sommersemester mit einem Vortrag am 29. April von Prof. Dr. Martin Saar zum Thema „Lebendige Demokratie. Perspektiven einer vitalistischen politischen Theorie“.

Martin Saar ist Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität. Er ist Mitglied des Institutsrats und Kollegiums des Instituts für Sozialforschung und Angehöriger des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“.  

Weitere Termine und Themen der Reihe Democratic Vistas Lecture Series: Was heißt ,Demokratische Lebensform'? im Überblick:

16. Mai
„Spontaneity and Democracy“
Podiumsdiskussion (auf Englisch)
mit Farai Chipato (Universität Glasgow), Dominik Herold (Goethe-Universität), Zhiyi Yang (Goethe-Universität). Moderation: Julius Schwarzwälder (Goethe-Universität)

17. Juni
Prof. Dr. Antje Krause-Wahl (Goethe-Universität)
„The power we hold? Amerikanische Präsidentenporträts und die Frage nach Demokratie“

Die Veranstaltungen finden jeweils um 18.15 Uhr auf dem Campus Westend im Casino, Raum 1.811, statt.

„Democratic Vistas“ bringt eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschafter*innen der Goethe-Universität internationale und regionale Partner zusammen, die in den Feldern Geschichte, Internationale Beziehungen, Recht, Literatur, Medienwissenschaft, Philosophie, politische Theorie, Religionswissenschaft, Sozialpsychologie und Soziologie forschen. Gemeinsam denken sie über die folgenden Themen nach: atlantische Demokratie im Anthropozän, digitale Öffentlichkeiten an den Grenzen der Demokratie und Demokratie und Ungleichheit.

Veranstalter der Reihe ist das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung.

Information und Anmeldung:
Iris Helene Koban Geschäftsführung
i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de


Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Facebook: https://www.facebook.com/FKHbadhomburg
Twitter: https://twitter.com/FKHbadhomburg

Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de