Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017 – 2015

Forschung

Nov 16 2015
14:43

Rasterkraftmikroskopie misst gleichzeitig Bindungen mit zwei Liganden

Membran-Rezeptoren unter dem Mikroskop

FRANKFURT.Um Signalwege in Organismen zu verstehen, müssen Forscher die Funktion einer Vielzahl verschiedener Rezeptoren in der Zellmenbran entschlüsseln. Dies wird dadurch erschwert, dass die Rezeptoren ungleichmäßig verteilt sind und oft mehr als eine Sorte von Molekülen (Liganden) binden können. Außerdem kann ein Rezeptor denselben Liganden stark, schwach oder gar nicht binden. Eine neue hochauflösende Methode, mit der man erstmals die Wechselwirkung eines Rezeptors mit zwei Liganden gleichzeitig präzise messen kann, hat eine internationale Forschergruppe um Daniel Müller (Basel), Brian Kobilka (Stanford), sowie Ralph Wieneke und Robert Tampé von der Goethe-Universität entwickelt.

Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift “Nature Communications“ berichten, verwenden sie als bildgebendes Verfahren eine Variante der Raster-Kraftmikroskopie. Bei dieser Methode tastet man Oberflächen mit einer extrem feinen Spitze ab und misst dabei die Kräfte zwischen der Spitze und einzelnen Molekülen der Oberfläche. Bei biologischen Proben wird die Spitze mit einem Liganden beschichtet, so dass man dessen Wechselwirkung mit Proteinen auf der Probenoberfläche messen kann. Doch bisher war es nicht möglich, einzelne Rezeptoren in einer Membran abzubilden und gleichzeitig ihre Wechselwirkung mit mehr als einem Liganden zu messen.

Die Forscher haben dieses Problem nun gelöst, indem sie die Mikroskopspitze mit zwei verschiedenen Liganden beschichteten, die beide an den zu untersuchenden Rezeptor binden. Als Probe untersuchten sie den G-Protein-gekoppelten Rezeptor PAR1. Dieser gehört zu einer großen Familie von Rezeptoren, die Antworten der Zelle auf Hormone oder Neurotransmitter vermitteln. Sie sind auch verantwortlich für das Sehen, Riechen und Schmecken. In der Zellmembran bestehen sie nebeneinander in mehreren Zuständen und können verschiedene Liganden unterschiedlich stark binden. Der Rezeptor PAR1 wird durch ein Enzym aktiviert, welches bei der Blutgerinnung, Entzündungsreaktionen und möglicherweise auch Reparaturmechanismen für das Gewebe eine Rolle spielt.

In dem Versuch tasten die Forscher nun die Probe ab und variieren dabei den Abstand der Mikroskop-Spitze. Kommt ein Ligand in die Nähe zugehörigen Rezeptors, bindet er. Dadurch wird eine messbare Anziehungskraft auf die Spitze des Mikroskops augeübt.

Die neue Technik könnte zukünftig für eine innovative Wirkstoff-Forschung eingesetzt werden, da die meisten der verschriebenen Arzneimittel diese G-Protein gekoppelten Rezeptoren angreifen.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/58953180

Bildtext: Mithilfe der hochauflösenden Rastersonden-Mikroskopie lassen sich zwei unabhängige Ligand-Bindungsstellen von humanen Rezeptoren in der nativen Membran identifizieren und quantifizieren. 

Informationen: Prof. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29475, tampe@em.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Nov 13 2015
15:41

Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ am 19. und 20. November / Vortrag zu Syriza bereits am 18. November

Von Austerität bis Zentralbank: Tagungsthema „Europas Gerechtigkeit“

FRANKFURT. Man darf gespannt sein: Zu den Referenten der 8. Internationalen Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität gehört nicht nur der ehemalige Chefökonom der griechischen Syriza-Partei, sondern auch ein Wirtschaftsexperte der Europäischen Zentralbank. Beide erläutern ihren Blickwinkel auf „Europas Gerechtigkeit“. So lautet der Titel der zweitägigen Tagung mit Beiträgen in deutscher und vor allem englischer Sprache. Der Abendvortrag am Ende des ersten Tages wird zwar gleichfalls auf Englisch gehalten, hat aber die deutsche Überschrift „Schuldfragen in der europäischen Schuldenkrise“, weil das Wortspiel der rechtlichen oder moralischen Schuld und der wirtschaftlichen Schulden im Englischen nicht funktioniert.

Die aktuelle Jahreskonferenz findet am 19. und 20. November statt, und zwar im Gebäude „Normative Ordnungen“ des Exzellenzclusters auf dem Frankfurter Campus Westend. Ziel der Jahreskonferenzen ist es, zentrale Themenstellungen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes mit Gästen aus dem In- und Ausland zu diskutieren. Die interessierte Öffentlichkeit ist nach vorheriger Anmeldung auch dieses Mal willkommen. Auf dem Programm stehen vier Panels mit insgesamt zwölf Vorträgen. Hinzu kommt – als Scharnier zwischen den ersten und den letzten beiden Panels – der Vortrag am Abend des 19. Novembers um 18 Uhr im Erdgeschoss des Cluster-Gebäudes.

Referent des Abendvortrags ist Claus Offe, lange Jahre Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität und seit seiner Emeritierung Professor für Politische Soziologie an der Hertie School of Governance in Berlin. Offe, der an der Goethe-Universität bei Jürgen Habermas promoviert wurde, spricht in seinem Vortrag von einem „blame game“, einem Wechselspiel gegenseitiger Vorwürfe zwischen denjenigen, die von der Einführung des Euro profitiert hätten und den Verlierern der Währungsunion. Offe argumentiert, dass die Europäische Union den Euro eingeführt habe, ohne gleichzeitig für einen institutionellen Rahmen zu sorgen, der den dadurch hervorgerufenen und auch vorhersehbaren Verwerfungen entgegenwirkt.

Diese These wird auf der gesamten Konferenz aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert – vor allem auch im ersten Panel mit dem Titel „Europe as a Context of Justice“, das nach den Standards von Fairness, Gerechtigkeit und Solidarität fragt, auf deren Grundlage eine gesamteuropäische Politik als gerechtfertigt erscheinen kann. Moderiert wird dieses Panel von dem politischen Philosophen Rainer Forst und dem Rechtswissenschaftler Klaus Günther, den beiden Sprechern des Exzellenzclusters, die auch die Konferenz eröffnen. Vortragende des ersten Panels sind Kalypso Nicolaïdis, Professorin für Internationale Beziehungen an der Universität Oxford, Lisa Herzog, Postdoktorandin am Exzellenzcluster und am Frankfurter Institut für Sozialforschung, sowie Christoph Burchard, Rechtsprofessor und Mitglied des Exzellenzclusters.

Das zweite Panel fragt nach den Gründen bisheriger „Crises in the Eurozone“ und Lösungsstrategien für zukünftige Krisen. Zu den Vortragenden gehört Francesco Mongelli, Honorarprofessor an der Goethe-Universität und Senior Adviser im Direktorat General Research der Europäischen Zentralbank. Gemeinsam mit Jean-Francois Jamet (ebenfalls EZB) widmet sich Mongelli dem Thema „How to Exit the Crisis: Reflections on the 4 Unions. Why Do We Need Them?“. John Milios, ebenfalls Referent dieses Panels, sieht einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Austeritätspolitik und sozialen Krisen. Der Professor für Politische Ökonomie an der Nationalen Technischen Universität Athen war bis März 2015 Chefökonom von Syriza. In seinem Vortrag stellt er die Frage: „Crisis and Austerity. Is there a Chance for the Welfare State?“ Kolja Möller, Postdoktorand am Exzellenzcluster, gehört ebenfalls zu den Rednern des zweiten Panels unter der Leitung von Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters, und Rainer Klump, ehemaliger Ökonomieprofessor an der Goethe-Universität, seit Januar 2015 Präsident der Universität Luxemburg und weiterhin Mitglied des Exzellenzclusters.

Unter welchen historischen Bedingungen sich Ungleichheiten verschärfen und welche Voraussetzungen notwendig sind, um Entwicklungen in Richtung Gleichheit voranzutreiben, ist das Thema des dritten, ethnologisch-historisch ausgerichteten Panels, das auf Deutsch stattfindet und den Titel „Ungleichheiten in Europa“ trägt. Die Moderation hat Dominik Müller, Postdoktorand am Cluster. Es referieren Hartmut Kaelble, emeritierter Professor für Sozialgeschichte an der Humboldt-Universität, Susanne Schröter, Ethnologie-Professorin und Mitglied des Exzellenzclusters sowie Kerstin Weiand, Postdoktorandin am Exzellenzcluster.

Das vierte und abschließende Panel nimmt vor allem die juristische Dimension einer (möglichen) europäischen Infrastruktur der Gerechtigkeit in den Blick. Es heißt „Policies of Justice – on the EU’S Problem with Drawing Borders by Legal Means“ und wird geleitet vonStefan Kadelbach, Rechtsprofessor und Mitglied des Exzellenzclusters. Die Vortragenden des Schluss-Panels am 20. November sind: Helene Sjursen, Professorin am Arena Centre for European Studies in Oslo, Harald Müller, Professor für internationale Beziehungen und Mitglied des Exzellenzclusters sowie Michael Ioannidis, Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg, einer Partnerinstitution des Frankfurter Exzellenzclusters.

Die Konferenz steht Interessierten offen. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich unter: office@normativeorders.net

Wichtiger Terminhinweis: Bereits am 18. November, einen Tag vor Beginn der Jahreskonferenz, hält John Milios im Hörsaalzentrum (Raum HZ5) auf dem Campus Westend um 19.15 Uhr einen öffentlichen Vortrag zum Thema „SYRIZA as a symptom of the Euro-Crisis. De te fabula narratur“. Eine Anmeldung hierzu ist nicht erforderlich.

Informationen: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/jahreskonferenzen

Veranstaltungen

Nov 13 2015
10:00

Prof. Balling zu den Herausforderungen der personalisierten Medizin - Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“ wird fortgesetzt

„Interdisziplinäre Forschung in der Biomedizin. Leichter gesagt als getan“

FRANKFURT. In der öffentlichen Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie – Auf dem Weg zur personalisierten Medizin in der Krebstherapie“ spricht am Donnerstag (19. November) Prof. Dr. Rudi Balling, Gründungsdirektor des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine. Sein Thema „Interdisziplinäre Forschung in der Biomedizin. Leichter gesagt als getan“ lässt vermuten, dass er auf die vielfältigen Hindernisse eingeht, die zu überwinden sind, wenn Naturwissenschaftler und Ärzte individualisierte Therapien von Krebs und neurogenerativen Erkrankungen einsetzen wollen. Die Forschung in der Molekulargenetik und Zellbiologie hat zwar wegweisende neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krebs und dem Fortschreiten der Erkrankung erbracht, die Umsetzung dieses Wissens in molekular zielgerichtete Therapien ist noch schwierig, wird aber langfristig deutlich effektiver und nebenwirkungsärmer sein.

Eingeladen zu dieser Vortragsreihe der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität, die im Rahmen der von der Deutsche Bank AG initiierten und geförderten Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ stattfindet, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Rhein-Main-Region. Der Vortrag beginnt um 18 Uhr auf dem Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4, Theodor-Stern-Kai 7.

Rudi Balling arbeitet mit seinem Team in Luxemburg an der Schnittstelle der Biologie, Bioinformatik, Physik und Medizin. Dort erforscht er Mechanismen der Neurodegeneration, insbesondere der Parkinson’schen Erkrankung. Auch diese pathophysiologischen Prozesse werden als Störungen molekularer und zellulärer Netzwerke angesehen. Auf der Basis von Genom-, Proteom- und Metabolom-Daten werden mathematische Modelle entwickelt, um Vorhersagen über potenzielle Ansatzpunkte neuer Präventions- oder Therapie-Strategien zu treffen. Balling stellt einige der aktuellen Forschungsfragen vor und beleuchtet die Herausforderungen einer Disziplinen überspannenden biomedizinischen Forschung.

Prof. Dr. Rudi Balling, geb. 1953 in Daun-Pützborn, studierte Ernährungswissenschaften an der Universität Bonn und wurde an der RWTH Aachen 1984 promoviert. Als Postdoc forschte er am Mount Sinai Hospital in Toronto (Kanada) über Imprinting-Mechanismen und am Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie zur Morphogenese. Nach seiner Habilitation 1991 leitete er am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg eine eigene Arbeitsgruppe. Als Direktor wechselte er 1993 an das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (heute Helmholtz-Zentrum München). Nach Professuren an den Universitäten Aachen und TU München war er von 2001 bis 2009 wissenschaftlicher Geschäftsführer am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. 2009 wurde er Gründungsdirektor des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine. Balling ist Mitglied mehrerer Akademien, u.a. der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die Moderation dieser Veranstaltung übernimmt der Frankfurter Chemiker Prof. Dr. Joachim Engels von der Goethe-Universität. Er hat gemeinsam mit der Onkologin Prof. Dr. Simone Fulda diese Vorlesungsreihe konzipiert und organisiert.

Weitere Vorträge und Diskussionsveranstaltungen auf einen Blick:

Die Vorträge beginnen jeweils donnerstags um 18 Uhr, Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4. Alle Veranstaltungen werden aufgezeichnet, sind spätestens am übernächsten Tag abrufbar über www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

3. Dezember 2015
Diskussionsrunde : Personalisierte Medizin im Spannungsfeld von Arzt und Patient, Pharmaindustrie und Kostenträger
Dr. Thomas Schinecker, Roche Diagnostics, Mannheim
Dr. Ursula Marschall, Barmer GEK, Wuppertal
Prof. Dr. Elke Jäger, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
Moderation Dr. Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung 

14. Januar 2016
Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann, Universität Siegen
Ethische Probleme der individualisierten Medizin
Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Schlosspark Klinik, Berlin
Selbstverständnis von Patienten und die Arzt-Patient-Beziehung
Einführung Prof. Dr. Peter Janich, Philipps-Universität, Marburg
Moderation Dr. Regina Oehler, Hessischer Rundfunk 

28. Januar 2016
Prof. Dr. Drs h.c. Leroy Hood, Washington University, Seattle
Systems Medicine and Proactive P4 Medicine. Transforming Healthcare through Wellness – A Personal View (P4 = predictive, personalized, preventive and participatory)
Moderation Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Goethe-Universität 

Informationen: Prof. Dr. Joachim Engels, Campus Riedberg, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel. (069)798-29150, Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de;Prof. Dr. Simone Fulda, Campus Niederrad, Fachbereich Medizin, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Tel. (069) 678 66557,Simone.Fulda@kgu.de

Programmbroschüre sowie der Link zu Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen auf www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“ Programm online auch unter: www.wissenschaftliche-gesellschaft.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Nov 13 2015
07:46

Bürger-Universität: Diskussionsreihe „Was bleibt nach Blockupy?“ geht am Montag weiter

Kapitalismuskritik im Fokus

FRANKFURT. Am 18. März 2015 wurde das neue EZB-Gebäude in Frankfurt eröffnet. In der Berichterstattung darüber bleiben vor allem die Krawalle und Ausschreitungen, brennende Polizeiautos und viele Scherben in Erinnerung. Dabei gab es auch friedlichen Protest, der auf Fehlentwicklungen in der europäischen Wirtschafts- und Krisenpolitik aufmerksam machen wollte. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Kapitalismuskritik fand bisher kaum statt und sollte dringend nachgeholt werden. Wo setzt diese Kritik an? Wie berechtigt ist sie? Und welche Alternativen werden ins Spiel gebracht? Damit wird sich am Montag die zweite Ausgabe der Diskussionsreihe zum Thema Protestkultur im Rahmen der Bürger-Universität der Goethe-Universität beschäftigen. Auf dem Podium sitzen der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Jan Pieter Krahnen, der Politologe Andreas Nölke, der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe – alle drei Wissenschaftler der Goethe-Universität – sowie Gabriel Glöckler, Abteilungsleiter in der EZB, und Dr. Thomas Seibert, Philosoph und Blockupy-Aktivist..

„You are the true vandals. You don’t set fire to cars, you are setting the world on fire”: Diesen Vorwurf richtete die kanadische Journalistin und Globalisierungskritikerin an die Adresse der EZB. Eine radikale Analyse, die selbst unter ausgemachten Kritikern der EZB umstritten ist. Doch worin besteht die Verantwortung der EZB tatsächlich? Welche anderen Akteure in der europäischen Wirtschafts- und Krisenpolitik müssen sich Kritik gefallen lassen? Denn der Unwillen über die Auswirkungen dieser Politik auf lokaler und globaler Ebene wächst nicht nur in den betroffenen Ländern und spielt zum Teil politischen Extremen in die Hände: Nicht nur in Spanien, Griechenland und Portugal haben radikale Parteien des linken und rechten Spektrums immer mehr Zulauf.

Auch in Deutschland artikuliert sich der Protest immer lauter. Betreibt die EZB tatsächlich Austeritätspolitik oder ist nicht vielmehr das Gegenteil der Fall? Wozu führt die expansive Geldpolitik der EZB, die den Druck von den Krisenländern nimmt, die Ersparnisse der Bürger jedoch schrumpfen lässt? Wie könnte eine demokratischere, sozialere und ökologischere Politik aussehen? Darüber diskutieren am Montag, 16. November, um 19.30 Uhr drei Wissenschaftler und ein Vertreter der EZB auf Einladung der Bürger-Universität in Hörsaal IV im Hörsaalgebäude am Campus Bockenheim. Moderiert wird der Abend von Daniel Baumann von der Frankfurter Rundschau, dem Medienpartner dieser Reihe.

Die Reihe „Was bleibt nach Blockupy“ soll mit einem zeitlichen Abstand von mehr als einem halben Jahr noch einmal – mit nüchternem Blick – auf die Ereignisse vom März 2015 zurückblicken. Dabei soll es nicht nur um die Gewalt und das Spannungsverhältnis zwischen Demonstranten und Polizei gehen, sondern auch um die Politik der EZB und die Rollen der unterschiedlichen Akteure. Am Auftaktabend, der sich insbesondere mit den Ursachen der Gewalt und der Rolle der Polizei befasste, zeigte sich, dass durchaus Diskussionsbedarf besteht.

Frankfurter Bürger-Universität: „Was bleibt nach Blockupy?“, Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude, H IV (2. OG), Mertonstraße 17-21, 60325 Frankfurt am Main, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei

Veranstaltungen

Nov 10 2015
10:37

Schwerpunkt Kultur und Migration an der Goethe-Universität veranstaltet Diskussionsreihe in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei

Frankfurter Fragen zu Flucht

FRANKFURT. Der Schwerpunkt Kultur und Migration des Instituts für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt veranstaltet eine Diskussionsreihe zum Thema „Frankfurter Fragen zu Flucht“, zu der alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen. Die erste Veranstaltung findet am Donnerstag (19.11.) wie auch die weiteren von 19.30 bis 21.30 in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, statt. Es werden Fragen nach der deutschen und europäischen Asyl- und Grenzpolitik gestellt, wie nach den globalen Machtverhältnissen und Konflikten, in die aktuelle Fluchtbewegungen eingebettet sind. Ebenso soll der Umgang mit erstarkendem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit thematisiert und über sinnvolle Formen des Helfens und solidarischen Engagements mit und für geflüchtete Menschen diskutiert werden.

Noch nie waren nach dem Zweiten Weltkrieg so viele Menschen auf der Flucht wie heute - Menschen, die oft unter Einsatz ihres Lebens versuchen, in Deutschland oder anderen EU-Staaten Schutz zu erhalten. Auch wenn nur ein kleiner Teil der weltweit Flüchtenden nach Europa und nach Deutschland gelangt, bestimmen die Diskussionen um die wachsende Anzahl von Menschen die aktuelle mediale Berichterstattung und das tagespolitische Geschehen in der Bundesrepublik. Die ankommenden Menschen und die Herausforderungen ihrer unmittelbaren Versorgung werfen auf lokalpolitischer und alltäglicher Ebene in Frankfurt und Hessen Fragen nach Unterstützung und dem langfristigen Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft auf. Diese Fragen sollen an vier Donnerstagen mit Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft gemeinsam mit dem Frankfurter Publikum diskutieren werden.

Das Programm auf einen Blick:

19. November
Was tun, wie helfen?
Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern der Projekte Teachers on the Road, Project.Shelter, Frankfurt Hilft sowie Hildegund Niebch (Diakonie Hessen) und Johanna Bröse(Netzwerk Flüchtlingsforschung, Universität Tübingen)

3. Dezember
Warum fliehen Menschen?
Diskussionsrunde mit Thomas Gebauer (medico international, Frankfurt), Dr. Tanja Scheiterbauer und Dr. Stefan Ouma (Goethe Universität) und Dr. Claudia Lichnofsky (Georg-Eckert-Institut Braunschweig)

21. Januar 2016
Wie zieht Europa Grenzen?
Diskussionsrunde mit Marei Pelzer (Pro Asyl e.V.), Bernd Kasparek (Bordermonitoring.eu), Vertreterinnen der Gruppe Lampedusa in Hanau

4. Februar 2016
Wie umgehen mit rassistischer Gewalt?
Diskussionsrunde mit Dr. Kien Nghi Ha (Kultur- und Politikwissenschaftler, Berlin), Olivia Sarma (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt), Dr. Türkân Kanbıçak Kanbıçak (Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums, Frankfurt)

Informationen: Prof. Dr. Kira Kosnick, Schwerpunkt Kultur und Migration, Institut für Soziologie, Campus Westend, Tel. 069/798- 36582, kosnick@em.uni-frankfurt.de