Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017 – 2015

Sonstige

Jan 12 2015
15:51

Statements der Frankfurter Islamwissenschaftler und des Sprechers des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“ zu den Ereignissen in Paris

„Menschen müssen ihre Toleranz dort unter Beweis stellen, wo sie sich provoziert fühlen“

Etwa 30.000 Menschen gedenken in Berlin der Opfer der Terrorattacken in Paris und bekunden ihre Solidarität. Sie trafen sich am Sonntag auf dem Pariser Platz vor der Französischen Botschaft zu einer Mahnwache, um an den islamistischen Anschlag auf die Redaktion des religionskritischen Satiremagazins 'Charlie Hebdo' zu erinnern. Berlin, 11.01.2015

FRANKFURT. „Gerade als muslimische Theologen, Historiker und Sozialforscher sind wir im Moment mehr als andere aufgefordert, menschenverachtende Argumentationen in den ideologisierten Deutungen und Lesarten der islamischen Religion als existent wahrzunehmen, die Ursachen und Formen ihrer Entstehung zu begreifen, die Bezüge auf die islamischen Lehren darin aufzudecken und vor allem islamische Antworten darauf zu geben.“ Mit einer mehrseitigen Stellungnahme reagieren die Wissenschaftler des Zentrums für Islamische Studien an der Goethe-Universität (www.uni-frankfurt.de/53652821), Prof. Dr. Bekim Agai, Prof. Dr. Harun Behr, Dr. Armina Omerika, Prof. Dr. Ömer Özsoy und Prof. Dr. Yaşar Sarıkaya, auf den terroristischen Anschlag auf Charlie Hebdo und die Geiselnahmen in Frankreich.

Auch der Sprecher des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“, Prof. Dr. Rainer Forst, meldete sich zu Wort; er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Themen Toleranz und Gerechtigkeit: „ In einer freiheitlichen Gesellschaft haben alle Religionen, Weltanschauungen und Atheismen ihren Platz, die Menschenrechte und Demokratie akzeptieren, und sie müssen ihre Toleranz dort unter Beweis stellen, wo sie sich provoziert fühlen – ob durch religiöse Praktiken und Symbole oder durch Schmähkarikaturen.“ Dies – so Forst – sei ein Lernprozess, der Mehrheiten und Minderheiten betreffe. Der Philosophie-Professor weiter: „Intoleranz finden wir auf beiden Seiten, wobei sich Fanatismus, der zur Gewalt bereit ist, kaum allein aus religiösen Motiven speist.“ Wichtig sei es, in der Reaktion auf diese Mordtaten die Reproduktion von Pauschalverurteilungen des Islam, wie etwa „Pegida“ sie betreibe, zu vermeiden.

Forst setzt sich auch mit der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Tag des Anschlags auseinander: „Wir haben mit der übergroßen Mehrheit der Muslime ein sehr gutes Verhältnis.“ Dazu Forst: „Nahezu unbemerkt schleicht sich in diese wohlmeinende Aussage ein Gegensatz zwischen ‚wir‘ und ‚die‘ ein, den es zu überwinden gilt. Die alltägliche Arbeit an der Toleranz und der Integration geht weiter.“ (www.uni-frankfurt.de/53665804)

Die Islamwissenschaftler der Goethe-Universität sehen in dem Anschlag von Paris auch einen – möglicherweise ganz bewussten – Anschlag auf diejenigen Muslime Europas, die in demokratischen Gesellschaften leben wollen und sich hier ihren Lebensmittelpunkt aufbauen. Nachdem es gestern eine breite gesellschaftliche Front gegen eine drohende Polarisierung gab, an der sich auch viele Muslime beteiligten, hofft der Direktor des Zentrums für Islamische Studien, Bekim Agai, „dass sich dies nicht nur in symbolischen Bekundungen erschöpft, sondern wirklich nach den Ursachen gesellschaftlicher Fragmentierung gefragt wird“. Die Frankfurter Islamwissenschaftler fordern auch, dass sich die Muslime in Europa aus einer „binnenislamischen Sicht stärker in die Debatten um Freiheit und die Rechte Anderer einbringen sollten, und da spielt die universitäre Ausbildung, wie sie an der Goethe-Universität angeboten wird, eine entscheidende Rolle. Weiter heißt es: „Rassistische und islamfeindliche Haltungen gilt es dabei mit Argumenten in offen ausgetragenen Debatten, mit rechtsstaatlichen Mitteln und mit gesellschaftlich produktivem Engagement zu bekämpfen – Gewalt darf dabei keine Option sein. Der Islam hat auch in dieser Hinsicht eine reiche historische Tradition zu bieten, der sich die Muslime bewusst werden sollten und die sie im Jetzt und Hier weiterentwickeln müssen.“

In offenen Debatten wird auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt im Koran nicht ausgeblendet werden. Dazu Agai: „Eines ist klar, es gibt keine gewaltfreien Religionstexte, weil die Gewalt ein Bestandteil der ‚conditio humana‘ ist. Extremisten aller Religionen legitimieren ihre Gewalt über diese Schriften, auch Muslime.“ Doch hier sieht Agai, die Aufgabe der Theologie: „Sie muss diese Deutungen auch ernst nehmen und sich detailliert mit ihnen und ihren Prämissen beschäftigen. Eine kritische Lektüre bedeutet, dass man dem ganzen Text in seiner Zeit gerecht wird und nicht nur die Stellen aufgreift, die einem passen und andere unter den Tisch fallen lässt.“

Harry Harun Behr, Professor für Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Islam an der Goethe-Universität, weist in seinen Anmerkungen „Tinte wiegt schwerer als Blut“ (Link:http://www.uni-frankfurt.de/53652821/02-Stellungnahme)auf „Fehlformen der Schriftauslegung“ hin: „Der heutige Salafismus als Ruf zur Rückkehr zu den Wurzeln über die wortwörtliche Lesart der Tradition mag romantische Motive von Menschen bedienen, die sich abgehängt und desorientiert fühlen.“ Der Ausbildung islamischer Religionslehrer komme eine besondere Bedeutung zu und stelle gleichzeitig auch eine große Herausforderung dar, denn – so Behr – „es sind die Lehrkräfte, die sich mit den Milchbärten herumschlagen müssen, die aus der letzten Bank das Gegenkalifat ausrufen“. Nach seiner Auffassung hat die islamische Theologie auch die Aufgabe, „den Islam vor der feindlichen Übernahme durch die Meuterer unter seiner eigenen Anhängerschaft zu verhindern“. Für ihn geht es „eine Reformulierung des islamischen Menschenbildes, die sich bildungswirksam erschließen lässt, etwa über die Beschreibung von Bildungszielen des Islamischen Religionsunterrichts.“

Das Bild mit den Stiften bei den Protesten in Paris und anderswo in Europa erinnert Behr übrigens an einen wenig bekannten Weisheitsspruch des Propheten Muhammads, dass am Ende die Tinte der Gelehrten schwerer wiege als das Blut des Märtyrers. Und auch im Koran stehe (Vers 3 der 96. Sure): „Trag vor – es ist dein Herr, der Hochgeehrte, der dich durch die Feder lehrte.“

Forschung

Jan 8 2015
14:45

Frankfurter Forscher und NASA visualisieren Entstehung eines schwarzen Lochs

Astronomische Simulation ist Renner auf Youtube

FRANKFURT. Nicht selten entfalten Bilder gewaltiger Naturereignisse eine besondere Schönheit. Das gilt auch für Computersimulationen, wie sich unlängst zeigte, als die NASA den Clip des Frankfurter Astronomen Luciano Rezzolla auf Youtube stellte. Er zeigt in Zeitlupe, wie zwei Neutronensterne zu einem schwarzen Loch verschmelzen. Innerhalb weniger Tage wurde der schrecklich schöne Zusammenstoß gigantischer Massen mehr als 270 tausend Mal angeschaut. Mittlerweile sind es mehr als 459 tausend Klicks. Die „New York Times“ nahm die Simulation zum Anlass für einen ausführlichen Bericht über die Entstehung schwarzer Löcher.

Nur 20 Millisekunden – ein Fünftel der Dauer eines Wimpernschlags – dauert es, bis aus zwei Neutronensternen ein schwarzes Loch geworden ist. Gesehen hat das noch kein menschliches Auge, aber die Computersimulation, die auf Rezzollas Berechnungen beruhen, geben eine gute Vorstellung davon: Zu Beginn des Clips haben sich die beiden Sterne ungleicher Masse auf 18 Kilometer genähert; einen Abstand, der in etwa ihrem Durchmesser entspricht. Während sie in einer spiralförmigen Bewegung aufeinander zustürzen, löst sich bereits Materie von der Kruste des leichteren Sterns und wird in einem Strudel von dem schwereren Stern aufgesaugt.

Nur 13 Millisekunden später hat der schwerere Partner so viel Materie angesammelt, dass er unter dem Druck der Gravitationskraft zu einem schwarzen Loch kollabiert. Aber nicht alle Materie wird verschluckt. Ein Teil davon umkreist das dunkle Zentrum in einem Ring mit einer Ausdehnung von 20 Kilometern. Bei dem Zusammenstoß werden enorme Energiemengen in Form kurzwelliger Gammastrahlen freigesetzt. In nur zwei Sekunden entsteht dabei so viel Energie, wie alle Sterne in unserer Galaxie zusammen in einem ganzen Jahr produzieren. Auf dieses kurze Nachglühen richtet sich Rezzollas Forschungsinteresse. In der von der NASA koordinierten Swift Mission hofft er, die energiereichen Gammastrahlen mit großen, auf der Erde stationierten Teleskopen aufzuspüren.

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47871, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de.

Link zur Simulation: https://www.youtube.com/watch?v=vw2sLcyV7Vc

Bericht in der „New York Times“: www.nytimes.com/2014/10/08/science/space/how-to-make-a-black-hole.html?_r=1

Forschung

Jan 7 2015
15:30

Schicksale und Machenschaften Frankfurter Mediziner im Nationalsozialismus

Otmar von Verschuer blieb ungeschoren, Richard Koch unbekannt

FRANKFURT. Kurz nach Hitlers Machtübernahme standen auch in Frankfurt stramme Parteigänger bereit, um ihre jüdischen Kollegen aus den Ämtern zu drängen. Allerdings hat die Frankfurter Universität aus Historikerperspektive eine Ausnahmestellung, denn auf ihrer Personalliste standen Namen wie von Verschuer, Mengele und Hirt. Trotz ihrer Bekanntheit ist bis heute vieles um diese Täter rätselhaft geblieben. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ geht die Medizinjournalistin Martina Lenzen-Schulte den Schicksalen und Machenschaften Frankfurter Mediziner im Nationalsozialismus nach.

Schon früh wurden in Frankfurt jüdische Mitglieder der Fakultät aus dem Amt gedrängt – entweder aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, oder aber informell, wie im Fall des Hygienikers Max Neisser, der selbst um seine Emeritierung bat. Von den 19 Ordinarien der Medizin, die in Frankfurt für das Wintersemester 1932/1933 dokumentiert sind, mussten bis 1938 sechs aktive Mediziner und vier emeritierte ihr Amt verlassen. Hinzu kamen zahlreiche weitere Dozenten und Professoren der Fakultät, insgesamt listet der Frankfurter Medizinhistoriker Udo Benzenhöfer in seinem Buch zur Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin 53 Namen auf.

Richard Koch war eines der ersten jüdischen Fakultätsmitglieder, die nach der Machtübernahme entrechtet wurden. Er war in Frankfurt seit 1926 Vorsteher des Seminars für Geschichte der Medizin und verdiente sich seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen als niedergelassener Arzt in Frankfurt. Er publizierte regelmäßig in der „Frankfurter Zeitung“ über medizinische und naturwissenschaftliche Themen, hatte jedoch nach der Beurlaubung kaum noch Einnahmen. Ab 1936 musste er sich regelmäßig bei der Polizei melden, wurde schließlich gewarnt und floh über verschiedene Stationen in den Kaukasus, wo er in Essentuki 1949 mittellos starb. Er gilt als einer der bedeutendsten Medizintheoretiker und -historiker des 20. Jahrhunderts.

Der international anerkannte Physiologe Gustav Emden wurde zunächst nicht entlassen. Wahrscheinlich wäre er als Jude später verfolgt worden, aber er starb bereits im Juli 1933. Anders erging es dem Ordinarius der Dermatologie, Oscar Gans, der nach Versetzung in den „Ruhestand“, wie es offiziell hieß, 1934 emigrierte und 1949 wieder zurück nach Frankfurt kam. Klassisch ist auch der Fall des Pharmakologen Werner Lipschitz, der als „Volljude“ von zwei Mitarbeitern, die sich bei ihm habilitiert hatten, denunziert worden war. Dass einer von ihnen sich später dazu bekannte, unter dem Druck der neuen Ideologie und seines Kollegen gehandelt zu haben und sich bei der Familie entschuldigte, ist ebenfalls eine Konstellation, die man von anderen Universitäten kennt.

Anstiftung zu verbrecherischer Zwillingsforschung?

Otmar Freiherr von Verschuer zählte zu denjenigen, die sich und ihr Fach den neuen Verhältnissen anzupassen wussten. Er kam nach Frankfurt, nachdem der nationalsozialistische Dekan der Medizin, Hans Holfelder, sich für die Einrichtung eines Instituts für Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universität eingesetzt hatte. Josef Mengele wurde 1937 sein Praktikant, später Assistent und Doktorand.

Als von Verschuer 1942 die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Anthropologie in Berlin übernahm und Mengele 1943 Lagerarzt in Ausschwitz wurde, versorgte er das Berliner Institut regelmäßig mit „Material“, Blutproben und Augen von Zwillingspaaren. Von Verschuer bedankte sich ebenso regelmäßig dafür, habe aber – so seine Aussagen nach dem Krieg – nicht gewusst, wie genau dies alles gewonnen wurde. Dass Mengeles Untaten in Ausschwitz in der für von Verschuer so bedeutenden Zwillingsforschung ihren Ursprung hatten, ist mehr als plausibel.

In Mengeles Biografie nach der Frankfurter Zeit gibt es bis heute Unklarheiten: Obwohl von Verschuer versuchte, ihn in Frankfurt zu halten, wurde er 1940 einberufen und kam über verschiedene Stationen Ende Mai 1943 als Lagerarzt nach Auschwitz. Bis zum Kriegsende wurde er weiterhin als Angestellter der Universität Frankfurt geführt. Zdenek Zofka erwähnt in seiner Publikation über Mengele, dass dessen Versetzung nach Auschwitz Methode gehabt haben könnte und ganz im Interesse von Verschuers war. Es sei „nicht einmal auszuschließen, dass es überhaupt von Verschuers Idee war, die in Auschwitz gegebenen besonderen Verhältnisse für die wissenschaftliche Forschung auszunützen“.

Für Unverständnis und Aufregung sorgt unter Historikern, dass es von Verschuer gelang, 1951 einen Lehrstuhl für Humangenetik in Münster zu erlangen. Obwohl er alle Aufzeichnungen über seine Forschung aus dem Krieg retten konnte, fehlten just diejenigen, die sich auf die Zusammenarbeit mit Mengele beziehen. Nach dem Krieg bettelte er unbelastete deutsche Kollegen – darunter Otto Hahn vergeblich – um Persilscheine an, und stellte sich geschickt seinen internationalen Kollegen gegenüber als Opfer unseliger Entwicklungen und einer Verbrecherkaste dar, von der er sich stets distanziert hätte. Der Historiker Benno Müller-Hill vermutet, dass ihm dabei auch belastendes Wissen über andere zugutekam. Eine Biografie von Verschuers fehlt noch immer, auch die Forschung über das vermutete Netzwerk ehemaliger NS-Eugeniker und Nationalsozialisten an der Universität Münster hat nie wirklich Fahrt aufnehmen können.

Forschung Frankfurt kostenlos bestellen: Helga Ott, Abteilung Marketing und Kommunikation, Campus Westend, Tel: (069) 798-12472; ott@pvw.uni-frankfurt.de. www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de

Mitmachen bei der Leserumfrage: Wie gefällt Ihnen das neue Konzept von „Forschung Frankfurt“? Beteiligen Sie sich bis zum 20. Januar 2015 an unserer Online-Umfrage. Als Dankeschön verlosen wir einen Gutschein für das Restaurant Sturm&Drang auf dem Campus Westend über 30 Euro. https://ww3.unipark.de/uc/forschungfrankfurt/

Veranstaltungen

Jan 6 2015
16:43

Solist Jörg Wachsmuth an der größten spielbaren Tuba der Welt

13. Goethe-Campus-Konzert mit SKYLINE SYMPHONY

FRANKFURT. Das SKYLINE SYMPHONY – Frankfurter Kammerorchester unter der Leitung von Michael Sanderling spielt wieder auf dem Campus Westend: Solist des Abends wird der Tubist Jörg Wachsmuth sein. Er studierte im Fach Tuba an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler” Berlin und zählt heute zu den weltweit führenden Virtuosen auf seinem Instrument. 1990 bis 2000 war er Solotubist der Neubrandenburger Philharmonie und seit 2000 ist er als Solotubist der Dresdner Philharmonie tätig. Gleichzeitig wirkt er kammermusikalisch im renommierten Melton Tuba Quartett. Er ist Preisträger verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe. Prof. Jörg Wachsmuth ist ein international gefragter Solist und Orchestertubist. Konzertreisen führten ihn u.a. in die USA, nach Frankreich, Österreich, Russland, Argentinien, Brasilien Japan und Korea. Wachsmuths  besondere Liebe gilt der größten spielbaren Riesentuba der Welt aus der Musikstadt Markneukirchen.

13. Goethe-Campus-Konzert mit Skyline Symphony
Sonntag, 11. Januar, 17 Uhr, Casino Festsaal, Campus Westend.

Das Programm:

Benjamin Britten, Simple Symphony for String Orchestra op. 4; Nikolai Rimski-Korsakov, Hummelflug; Julius Fucík, "Der alte Brummbär"; Dmitri Schostakowitsch, Kammersinfonie für Streichorchester nach dem Streichquartett Nr. 8 c-moll op. 110.

Mehr Informationen auch zum Kartenvorverkauf unter http://www.skyline-symphony.com/

Veranstaltungen

Jan 6 2015
16:41

Nicolai Sinai von der Universität Oxford hält Vortrag im Rahmen der Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“

Wie viel Kritik verträgt der Koran?

FRANKFURT. Mit dem gegenwärtigen Stand  der historisch-kritischen Koranforschung beschäftigt sich Nicolai Sinai, Associate Professor of Islamic Studies an der Universität Oxford, am 12. Januar in seinem Vortrag „Wie viel Kritik verträgt der Koran?“. Die Vorlesung, die um 18 Uhr im Casino (Renate von Metzler-Saal) auf dem Campus Westend beginnt, gehört zu der Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“. Sie wird im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet und wendet sich insbesondere an die Bürger im Rhein-Main-Gebiet.

Den Koran kritisch zu lesen, bedeutet nicht, ihn wertend zu lesen, sondern Vormeinungen über seinen Entstehungskontext und Inhalt systematisch einzuklammern und auf methodisch konsistente Weise am Text zu überprüfen. Sinai betrachtet die kritische Koranlektüre sowohl als ernstzunehmende Herausforderung als auch als genuine Bereicherung zeitgenössischer islamischer Theologie. Wie viel Korankritik die islamische Theologie verträgt, lässt sich deshalb auf allgemeine Weise kaum bestimmen, meint der Referent. Wohl aber zeichne sich ab, dass dem Koran selbst die derzeitige Konjunktur historisch-kritischer Koranwissenschaft an europäischen und amerikanischen Universitäten überaus gut bekomme: „Immer mehr erscheint er als ein Werk der religiösen Weltliteratur, welches unter genauem Lesen und reflektierter Anwendung eines breiten Methoden-Repertoires betrachtet werden muss“, so Sinai, der 2007 an der FU Berlin in Arabistik promoviert wurde. Die Vorlesung wird dies anhand eines Überblicks über die gegenwärtig im Mittelpunkt historisch-kritischer Koranforschung stehenden Fragen und Themen detaillierter zu zeigen versuchen.

Nicolai Sinai, geb. 1976 in Hildesheim, ist derzeit Associate Professor of Islamic Studies an der Universität Oxford und Fellow am Pembroke College. Seine Forschungsgebiete umfassen den Koran und die islamische Koranexegese sowie die Geschichte des philosophischen Denkens in der islamischen Welt. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u. a. „Fortschreibung und Auslegung. Studien zur frühen Koraninterpretation“ (Wiesbaden 2009) und „Die heilige Schrift des Islams. Die wichtigsten Fakten zum Koran“ (Freiburg 2012).

Weitere Vorträge in der Reihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“ auf einen Blick:

26. Januar 2015
Stefan Wild, Universität Bonn

Viele Wege zum Text? Gespräche zwischen muslimischen Gelehrten und Orientalisten

9. Februar 2015
Podiumsdiskussion
Den Text verstehen. Zeitgenössische Koranhermeneutik in der islamischen Welt
Moderation: Bekim Agai, Goethe-Universität
Sunnitische Zugänge: Rotraud Wielandt, Universität Bamberg
Schiitische Zugänge: Katajun Amirpur, Universität Hamburg

Die Veranstaltungen finden jeweils montags um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend statt.

Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32751, agai@em.uni-frankfurt.de, www.islamischestudien.uni-frankfurt.de