Forschung
Renommierter Finanzexperte erhält 250.000 Euro-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung für Kooperation mit LOEWE Zentrum SAFE an der Goethe-Universität
FRANKFURT. Auf Basis einer Nominierung durch das LOEWE Zentrum SAFE an der Goethe-Universität Frankfurt hat die Alexander von Humboldt-Stiftung Marti G. Subrahmanyam, Charles E. Merrill Professor of Finance, Economics and International Business an der Stern School of Business, New York University, mit einem Anneliese Maier-Forschungspreis 2016 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert und wird an herausragende Geistes- und Sozialwissenschaftler vergeben, die von Kooperationspartnern an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen nominiert werden. Mit dem Preisgeld werden Forschungskooperationen mit Fachkolleginnen und Fachkollegen in Deutschland für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren finanziert. Offizieller Gastgeber von Subrahmanyam in Frankfurt ist Loriana Pelizzon, SAFE Professorin für Law and Finance.
Marti Subrahmanyam gehört zu den Schwergewichten seiner Disziplin und prägt mit seinen herausragend zitierten Publikationen seit Jahrzehnten den wissenschaftlichen Diskurs über die Entwicklung der Finanzmärkte. Seine jüngsten Forschungsprojekte befassen sich mit Liquidität und der Regulierung der Märkte durch die Zentralbanken. In seiner Zusammenarbeit mit SAFE will er den Fokus seiner Forschung auf Deutschland und Europa richten. Hierbei soll er Frankfurt als internationalen Standort der Finanzmarktforschung stärken und europäische mit amerikanischen Perspektiven zusammenbringen.
Subrahmanyam, 1946 in Indien geboren, studierte am Indian Institute of Management und am Indian Institute of Technology Madras, bevor er 1974 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, promoviert wurde. Als Gastprofessor war er an Instituten in Australien, Europa und Asien tätig. Subrahmanyam ist Gründungsherausgeber der „Review of Derivatives Research“ sowie Mitherausgeber zahlreicher Finanz- und Wirtschaftszeitschriften. Zudem ist er in Gremien diverser Firmen vertreten und unter anderem Mitglied in der European Finance Association und der American Economic Association.
Veranstaltungen
Mano Bouzamour und Rachida Lamrabet lesen aus ihren Werken – Eine Veranstaltung des Lektorats Niederländisch
FRANKFURT. Die Frankfurter Buchmesse steht in diesem Jahr im Zeichen der niederländischen Literatur. Deshalb hat das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität Frankfurt die Reihe „Auf zur Buchmesse 2016“ gestartet, die am 5. Februar (Freitag) um 19 Uhr fortgesetzt wird. Bei diesem literarischen Abend geht es um Migrantenliteratur. Mano Bouzamour und Rachida Lamrabet, beide mit marokkanischen Wurzeln, lesen aus ihren Werken. Dazu sind alle interessierten Bürger um 19 Uhr ins Casino (Raum: 1.811), Campus Westend, eingeladen, der Eintritt ist frei. Die Lesung ist auf Niederländisch mit deutscher Übersetzung.
Direkt aus Amsterdam kommt der junge niederländische Schriftsteller mit marokkanischen Wurzeln Mano Bouzamour (geb. 1991), der 2013 mit seinem hinreißenden „Coming-of-Age“-Roman „De belofte van Pisa“ („Das Versprechen von Pisa“) einen Überraschungserfolg feierte. Obwohl die deutschen Leser erst im Sommer 2016 das Vergnügen haben werden, den erfrischenden Roman zu lesen, widmete die FAZ Bouzamour bereits im Juli 2014 eine halbe Seite.
In einer bildreichen, treffsicheren und lebendigen Sprache erzählt Bouzamour die Geschichte des jungen Protagonisten Sam, der – trotz seiner nicht-integrierten Eltern und seines kriminellen Bruders – als einziger Marokkaner sein Abitur auf einem elitären reformierten Gymnasium schafft. Das hatte er seinem Bruder, bevor dieser für sechs Jahre hinter Gitter wanderte, seinerzeit in der Eisdiele Pisa versprochen. Dieser Ausgangspunkt bietet Bouzamour die Gelegenheit, mit scharfer Feder und auf heiter-ironischer Weise die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten zu beschreiben. Der Autor selber, der zumindest äußerlich überraschende Ähnlichkeiten mit seiner Hauptfigur Sam aufweist, verspricht eine Lesung „wie ein Feuerwerk“.
Leisere, aber dafür nicht weniger im Gedächtnis haftende Töne gibt es von der 1970 in Belgien geborenen Juristin und Schriftstellerin Rachida Lamrabet. In ihren Romanen „Vrouwland“ aus 2007 (2009 auf Deutsch unter dem Titel Frauenland erschienen) und „De man die niet begraven wilde worden“ (2011) („Der Mann der nicht beerdigt werden wollte“) thematisiert Lamrabet, die als Juristin auch für das Zentrum für Chancengleichheit und Rassismusbekämpfung in Brüssel arbeitet, die Zerrissenheit der Belgier mit marokkanischem Migrationshintergrund, die dauernd zwischen zwei Welten hin- und herpendeln. Die innere Gespaltenheit ihrer Roman-figuren spiegelt sich in der nicht-chronologischen Struktur und den wechselnden Perspektiven. Die Thematik ist aktueller denn je. Faszinierend ist jedoch, wie unterschiedlich beide Autoren sie verarbeiten.
Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; www.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe
Veranstaltungen
Nächster Termin der Goethe Lectures Offenbach am 2. Februar im Klingspor-Museum mit dem Luxemburger Uni-Präsidenten
FRANKFURT/OFFENBACH. Die europäische Einigung hat an Schwung und Strahlkraft verloren. Die Wirtschafts- und Währungsunion steht nicht erst seit der Griechenlandkrise in der Kritik, und auch das politische Zusammenwachsen zu einer Bürgerunion über nationale Grenzen hinweg ist ins Stocken geraten. Auf einem Feld jedoch, von dem in den öffentlichen Diskussionen der jüngsten Zeit kaum die Rede ist, scheint es Anlass für Optimismus zu geben: Die gemeinsame Forschungsförderung der EU hat in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Wie sich dieser Prozess darstellt und ob er auch als Motor für eine umfassende Integration dienen könnte, ist Thema des kommenden Vortrags im Rahmen der Goethe Lectures Offenbach. Prof. Rainer Klump spricht über „Europas Zukunft: Binnenmarkt, Bürgerunion und gemeinsamer Raum der Wissenschaft“.
Der Vortrag findet am Dienstag, dem 2. Februar 2016, um 19.00 Uhr im Offenbacher Klingspor-Museum statt. Der Eintritt ist auch dieses Mal frei. Die Goethe Lectures Offenbach sind eine gemeinsame Reihe des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und der Stadt Offenbach. Der aktuelle Redner ist in besonderer Weise prädestiniert für das Thema Wissenschaft und Wissenschaftspolitik im europäischen Maßstab. Rainer Klump ist seit Anfang 2015 Präsident der Universität Luxemburg. Zuvor war er Professor für wirtschaftliche Entwicklung und Integration an der Goethe-Universität, wo er sechs Jahre auch als hauptamtlicher Vize-Präsident amtierte. Klump ist nach wie vor Mitglied des Frankfurter Exzellenzclusters und leitet hier das Forschungsprojekt „Eigeninteresse vs. Gemeinwohl: Über den Normenwandel innerhalb der Ökonomik“.
„Ich möchte in meinem Vortrag diskutieren, welche normativen Vorstellungen über die Zukunft der Europäischen Union noch visionäres Potenzial besitzen und dabei auch realisierbar erscheinen“, so Klump. In den Bereichen Binnenmarkt und Bürgerunion komme es momentan vor allem darauf an, zumindest das Erreichte zu sichern. Die Arbeit an einer weiteren Integration des Wissenschaftsraums erscheine dagegen ebenso erfolgversprechend wie lohnenswert. Schon die Kennzahlen lassen aufhorchen: „Horizon 2020“, das aktuelle „Rahmenprogramm für Forschung und Innovation“ der Europäischen Union, das den Kern der europäischen Forschungsförderung bildet, hat für die Jahre 2014 bis 2020 einen Etat von gut 75 Milliarden Euro. Neben konkreten Projekten gelte es, so Klump weiter, die Mobilität und Vernetzung von Studierenden und Wissenschaftlern zu fördern. All das diene letztlich auch der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und dem demokratischen Zusammenwachsen. Europa müsse als Vision unter jungen Akademikerinnen und Akademikern Verankerung finden, um seine Zukunftsfähigkeit zu behalten. Ein Schritt auf diesem Weg wäre ein Netzwerk von expliziten Europa-Universitäten. Luxemburg könne hier eine Vorreiterrolle spielen.
Begleitet wird Rainer Klump – auch das ein interessanter Aspekt – von einer Delegation aus Esch-sur-Alzette (Esch an der Alzette). Hier haben nicht nur Teile der luxemburgischen Universität ihren Sitz, Esch ist auch Partnerstadt Offenbachs. Auf dem Gesprächsprogramm zwischen Daniel Codello, als Beigeordneter der Stadt Esch für die internationalen Beziehungen verantwortlich, dem Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider und weiteren Repräsentanten steht u.a. die Möglichkeit zukünftiger wissenschaftlicher und kultureller Kooperationen unter Einbeziehung des Exzellenzclusters.
Veranstalter des Vortragsabends im Klingspor-Museum und auch der Gesamtreihe sind neben dem Frankfurter Exzellenzcluster im Besonderen die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht wieder die Möglichkeit zur Diskussion.
Prof. Dr. Rainer Klump:
Europas Zukunft: Binnenmarkt, Bürgerunion und gemeinsamer Raum der Wissenschaft
Vortrag im Rahmen der „Goethe Lectures Offenbach“
Dienstag, 2. Februar 2016, 19.00 Uhr (Eintritt frei)
Klingspor-Museum Offenbach
Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsing Palais)
63065 Offenbach am Main
Informationen: Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de
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Die britische Historikerin Maxine Berg spricht am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften über Luxusgüter, Konsum und Handel
BAD HOMBURG. Das Streben nach Luxus ist zeitlos. Die Historikerin Maxine Berg nimmt die Zuhörer ihres Vortrags „In Pursuit of Luxury. Eurasian Trade, Consumption and Changing Skills in Great Britain in the long 18th Century“ mit in die Welt der luxuriösen Konsumgüter des 18. Jahrhunderts. Ihr Vortrag auf Englisch findet statt am Donnerstag (28. Januar) um 19.00 Uhr, am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg.
Die Britin beleuchtet den Handel mit Luxusgütern zwischen Europa und Asien unddie Auswirkungen dieses Handels auf das Konsumverhalten verschiedener Bevölkerungsschichten. Sie zeigt, wie dadurch Innovationen in der Fertigung von Gütern stimuliert wurden, und leistet einen Beitrag zur Debatte über die Bedeutung des Konsums für die Entfaltung des modernen Kapitalismus.
Maxine Berg ist Professorin für Geschichte an der Universität Warwick (Großbritannien) und eine der bedeutendsten Expertinnen für moderne Globalgeschichte mit den SchwerpunktenKonsum-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des 18. Jahrhunderts.Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen zählen die Sammelbände „Goods from the East: Trading Eurasia 1600-1800“ (Houndmills/Basingstoke 2015) und „Writing the History of the Global. Challenges for the Twenty-first Century” (Oxford 2013) sowie ihre bahnbrechende Monographie „Luxury and Pleasure in Eighteenth-Century Britain“ (Oxford 2005).
Am 29. Januar (Freitag) schließt sich ein Intensivseminar für Studierende, Doktoranden und einschlägig arbeitende Forscher an, das sich mit Konsummustern, Handel und Fertigkeiten seit dem 18. Jahrhundert sowie den Wegen der Industrialisierung in Zusammenhang mit der Herausbildung des globalen Kapitalismus auseinandersetzt. Neben Maxine Berg werden die Wirtschaftshistoriker Klaus Weber (Frankfurt/Oder) und Peer Vries (Wien) Impulsvorträge halten.
Die beiden Veranstaltungen zu „Konsum und Kapitalismus“ sind Teil des Rahmenthemas „Varianten des Kapitalismus – der atlantische Raum und Asien“, dem sich das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften im akademischen Jahr 2015/16 widmet. Unter der Federführung des Programmbeauftragten Werner Plumpe, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Goethe-Universität, hinterfragen einschlägige Experten die Strukturmerkmale des modernen Kapitalismus: Sind zum Beispiel die individuellen Eigentums- und Verfügungsrechte oder die oft angeführte „freie Lohnarbeit“ für die Entwicklung der spezifischen Varianten des Kapitalismus in verschiedenen Weltregionen noch immer bestimmend?
Das Historische Kolleg ist Programmlinie des Forschungskollegs Humanwissenschaften, seinerseits Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung, und wurde 2014 in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aus aller Welt als geistes-wissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte der Goethe-Universität. Das Themenjahr „Varianten des Kapitalismus“ wird gefördert von dem Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt. Sponsorin des Historischen Kollegs ist zudem die Dagmar-Westberg-Stiftung.
Informationen: Dr. Friederike Sattler und Ellinor Schweighöfer, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Tel.: 06172-13977-14 Friederike.Sattler@hk.badw.de
schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Anmeldungen bitte an: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
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Zum Wintersemester 2016/2017 startet die Ausbildung islamischer Religionslehrer an der Goethe-Universität
FRANKFURT. Erfreuliche Nachrichten zum Jahresbeginn aus Berlin: Das Zentrum für Islamische Studien an der Goethe-Universität wird auch in den kommenden fünf Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden. „Unsere Wissenschaftler der islamischen Studien haben in den vergangenen Jahren ganz besondere Aufbauarbeit geleistet, das hat die internationale Expertenkommission bei der Evaluation offenbar überzeugt“, freut sich die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff.
Das Zentrum, in dem die Goethe-Universität mit der Gießener Universität kooperiert, hat sich zu einem international anerkannten Ort der islamisch-theologischen Forschung entwickelt. „Das ist für uns ein großer Ansporn“, sagt Prof. Dr. Bekim Agai, Direktor des Zentrums für Islamische Studien. „Wir – und auch die anderen vier geförderten Zentren – arbeiten weiter hart daran, die islamischen Wissenschaften auf dem Niveau lang etablierter Theologien in Deutschland weiterzuentwickeln.“ Immerhin haben die christlichen Theologien schon vor 500 Jahren an den deutschen Universitäten Einzug gehalten. Die Herausforderungen für die neue Disziplin sieht auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Und deshalb will der Bund mit seinem Programm, von dem neben Frankfurt und Gießen auch die Zentren in Münster, Osnabrück, Tübingen und Erlangen-Nürnberg profitieren, dafür sorgen, dass der Kreis qualifizierter muslimischer Theologen stetig wächst, Postdocs gefördert, interdisziplinäre Kooperationen und neue Studieninhalten entwickelt werden können.
Die Zentren sollen auch im öffentlichen Diskurs ihre Stimme erheben. „Mit den Zentren hat der muslimische Glauben eine Heimat in der wissenschaftlich-theologischen Diskussion gefunden, das ist nicht zuletzt auch ein wichtiger Beitrag für den Dialog der Religionen“, betont Wanka. „In Frankfurt, Stadt der vielen Kulturen und Religionen, trägt die Goethe-Universität eine besondere Verantwortung, diesen Dialog auch im öffentlichen Raum zu führen. Die bereits eingespielte Kooperation von Wissenschaftlern, die sich an unserer Uni mit den abrahamischen Religionen und ihren gesellschaftlichen und historischen Bezügen befassen, schafft dafür beste Voraussetzungen“, unterstreicht die Präsidentin der Goethe-Universität.
Mit etwa drei Millionen Euro wird das Zentrum für Islamische Studien in Frankfurt und Gießen in den nächsten Jahren aus Bundesmitteln rechnen können. Ein erheblicher Teil der Mittel wird in den Ausbau der Professuren, der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung und der Forschung fließen. Das Land Hessen wird die Ausbildung der Religionslehrer im gleichen Zeitraum mit rund 2,9 Millionen Euro unterstützen, so haben sich Bund und Länder verabredet. Die Zahl der Frankfurter Studierenden ist seit der Etablierung des Zentrums kontinuierlich von 160 auf heute rund 500 gestiegen. Dazu Agai: „Damit erreichen wir eine Auslastung von weit über 150 Prozent. Das ist nur möglich, weil alle Lehrenden mit übergroßem Engagement, viel Zeit und Herzblut dabei sind. Uns ist bewusst: Das ist eine historische Aufgabe und Chance, die islamischen Studien an deutschen Universitäten zu etablieren.“
Zum Profil der Studiengänge gehören neben der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem religiösen Quellenmaterial auch die Auseinandersetzung mit der religiösen Glaubenspraxis und ihrer Vermittlung sowie die kritische und systematische Reflexion von Glaubensinhalten. Das gilt auch für den Lehramtsstudiengang „Islamische Religion“ an Haupt-/Realschulen und Gymnasien, der zum Wintersemester 2016/2017 an der Goethe-Universität startet. „Dieser Studiengang wird sicher stark nachgefragt werden“, prognostiziert Agai. „Wie gut, dass die Arbeitsteilung mit den Gießener Kollegen, die bereits seit vier Jahren Religionslehrer für die Grundschule ausbilden, ausgezeichnet funktioniert.“ Die beiden Professuren für Religionspädagogik in Frankfurt und Gießen werden vom Land Hessen finanziert, das so seinen Teil zur Ausstattung des Zentrums beiträgt.
In Forschung und Lehre wollen die Frankfurter sich in den kommenden Jahren intensiv mit den frühen muslimischen Quellen, dem muslimischen Denken und seiner Wissensproduktion in Geschichte und Gegenwart beschäftigen. Gleichzeitig wollen sie mit der Thematik „Islam im sozialen Feld“ einen neuen Bereich erschließen. „Für unsere Absolventen der Bachelor- und Masterstudiengänge werden wir zusätzliche Qualifikationen für den Beruf schaffen. Denn die Nachfrage in der islamischen Seelsorge von der Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge bis zur Jugendarbeit wächst stetig“, erläutert Agai. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Harry Harun Behr, islamischer Religionspädagoge, startete Agai bereits mit 30 Studierenden und muslimischen Jugendgruppenleitern ein Projekt, in dem es darum geht, wie man in konfliktbelasteten Sozialräumen für junge Muslime attraktive Angebote machen kann, um so Prozesse der Radikalisierung zu verhindern.
Das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Universität, Grundstein des Zentrums für Islamische Studien, kann inzwischen schon auf eine zehnjährige Tradition verweisen. Als andere Universitäten noch planten, begann Frankfurt schon mit der Umsetzung: 2006 zunächst mit zwei und dann 2010 drei Stiftungsprofessuren der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die inzwischen durch reguläre Professuren der Goethe-Universität ersetzt wurden. „Wir haben uns als Universität auf ein damals für uns neues thematisches Feld vorgewagt, und unsere Erfahrungen mit dem langsamen Aufbau einer Islamischen Theologie in enger Verbindung mit den bereits bestehenden Theologien und den jüdischen Studien sind auch fachwissenschaftlich betrachtet sehr ermutigend und positiv“, konstatiert Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, der als Vizepräsident seiner Zeit die entscheidenden Weichen stellte und noch heute im Vorstand des Zentrums Sitz und Stimme hat. „Nun wird es darauf ankommen, diese Entwicklung in den nächsten Jahren mit Augenmaß, Entschiedenheit und dialogischer Offenheit fortzuführen.“ Auch Prof. Dr. Ömer Özsoy, der 2006 als erster Professor für Islamische Theologie berufen wurde und das Institut als langjähriger geschäftsführender Direktor aufgebaut hat, blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Die Fortsetzung der Förderung durch den Bund gibt uns Anlass zur immer vorhandenen, aber nun bestätigten Hoffnung, in Frankfurt Standards dafür zu setzen, wie das neue Fach zu definieren, zu betreiben und inhaltlich wie methodisch zu füllen ist.“
Die Wissenschaftler des Zentrums für Islamische Studien haben in den vergangenen Jahren ein verbindliches Leitbild für das wissenschaftliche Profil entwickelt: Die Frankfurter Wissenschaftler fühlen sich einer selbstreflexiven, überkonfessionellen Islamischen Theologie verpflichtet. „Im Bewusstsein der methodisch-theoretischen Pluralität der Wissenschaften wie auch der lebensweltlichen Vielfalt komplexer Gesellschaften versteht sie sich als eine bekenntnisorientierte Wissenschaft, die sich an den Diskursen über allgemeine, akademisch wie gesamtgesellschaftlich relevante Fragen mit eigenen Perspektiven und unter Offenlegung der eigenen Voraussetzungen beteiligt“, heißt es in dem Leitbild.
Informationen: Prof. Dr. Bekim Agai, Zentrum für Islamische Studien, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 32752 , E-Mail: agai@em.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/46589921/zentrum_islamische_studien