Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017 – 2016

Veranstaltungen

Mär 1 2016
14:03

Vortrag des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit an der Goethe-Uni

Medieneinladung / Frank-Jürgen Weise: Wie Umgehen mit Flucht und Integration?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

seit Monaten dominiert das Thema Flucht die öffentliche Agenda. Deutschland steht derzeit vor der Herausforderung, einer historisch großen Zahl von Geflüchteten eine neue Lebensperspektive zu geben. Nicht überall gelingt dies reibungslos. Dem Chef der Bundesagentur für Arbeit und Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, kommt bei der Bewältigung und Gestaltung dieser außergewöhnlichen gesellschaftlichen und politischen Herausforderung eine Schlüsselrolle zu.

Auf Einladung des Präsidiums der Goethe-Universität gibt Frank-Jürgen Weise jetzt in einem Vortrag Einblicke in den gegenwärtigen Stand und die Perspektiven des Flüchtlingsmanagements:

„Flüchtlingsmanagement, Integration und Arbeitsmarkt – ein Beitrag zur sachlichen Debatte“8. März 2016, Beginn: 18.30 Uhr Ort: Hörsaalgebäude (Saal HZ 2), Campus Westend, Theodor-W. Adorno-Platz, 60323 Frankfurt
 
Als Medienvertreter laden wir Sie herzlich ein, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Bitte beachten Sie folgende Einschränkung: Herr Weise steht im Anschluss an seinen Vortrag nicht für Interviews zur Verfügung. Aufgrund der zu erwartenden Nachfrage bitten wir um Akkreditierung bis Montag, 7. März 2016, 12 Uhr unter ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Insgesamt stehen für Medienvertreter 20 Plätze zur Verfügung. Die Plätze werden nach der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher 

Veranstaltungen

Feb 29 2016
17:31

Workshop Innovationsmotor Chemie auf dem Campus Riedberg

Vom Forscher zum Gründer und Unternehmer

FRANKFURT. Zum zweiten Workshop „Innovationsmotor Chemie“ lädt die Goethe-Universität am 8. März auf den Campus Riedberg ein. „Durchstarten mit Chemie: Forscher werden Gründer werden Unternehmer“ ist das Thema dieser kostenlosen Veranstaltung für Absolventen und Forscher aus Akademia und Industrie. Die Referenten – darunter einige Gründer von Startups – werden das Thema Unternehmensgründung mit Erfahrungsberichten veranschaulichen. Mitveranstalter sind die Chemieorganisationen DECHEMA (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie), GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker) und VCI (Verband der Chemischen Industrie) mit dem HTGF (High-Tech Gründerfonds).

Die Chemie ist einer der Innovationsmotoren für den Standort Deuschland. Damit dieser auch künftig auf Hochtouren läuft, ist ein Tandem aus international wettbewerbsfähiger Grundlagenforschung und leistungsstarker chemisch-pharmazeutischer Industrie notwendig.

Für Gründer ist es wichtig, das Innovationssystem der Chemie mit seinen Besonderheiten  zu verstehen. Um erfolgreich zu sein, müssen sie wissen, wie die Etappen der Entwicklung einer zündenden Idee zum innovativen Produkt aussehen. Welche Hürden sind bei der Finanzierung zu nehmen und welche Pfade für Kooperationen mit Partnern aus der Akademia und der Industrie gibt es? Diese und weitere Fragen können die Teilnehmer auf dem Workshop an der Goethe-Universität mit Experten diskutieren.

Zum Programm des Workshops gehören neben den Vorträgen eine Podiumsdiskussion und ein "Markt der Möglichkeiten", der die Teilnehmer einlädt, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Thema Entrepreneurship in der Chemie intensiv auszutauschen.

Was?                         Innovationsforum Chemie
Wann?          8. März 2016, 9:00 bis 16:45 Uhr
Wo?                           Goethe-Universität, Campus Riedberg – Otto-Stern-Zentrum, Ruth-Moufang-Straße 2, 60438 Frankfurt am Main

Informationen und Anmeldung unter www.gdch.de/imc

Forschung

Feb 29 2016
17:30

Japanologie der Goethe-Universität erforscht die kulturellen und soziopolitischen Folgen der Katastrophe im Norden Japans.

Fünf Jahre Fukushima

FRANKFURT. Seit der Dreifachkatastrophe am 11. März 2011 in Fukushima – einem starken Erdbeben folgte ein Tsunami, der zu schweren Störfällen in einem Kernkraftwerk und zur Freisetzung von radioaktiven Stoffen führte – hat sich die Japanologie der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Thema vor allem unter kulturellen und soziopolitischen Aspekten beschäftigt. In Einzelprojekten, Forschungsverbünden (IZO, GiZO, Japanologie Leipzig) und in etlichen Publikationen sind die Geschehnisse und Entwicklungen sukzessive analysiert und dokumentiert, um damit eine dringliche Aufgabe der Japanwissenschaften zu erfüllen.

Im Mittelpunkt stehen die Fragestellungen: Was geschieht in Nordjapan? Was bedeutet Fukushima für die Welt? Welche technikgeschichtlichen und ethischen Veränderungen bringt der aktuelle GAU in Japan für die globale Haltung zum Atomaren? Inwiefern lässt sich Fukushima mit Tschernobyl vergleichen? Wie reagieren die Atomindustrie und die Politik in Japan (und in anderen asiatischen und westlichen) Ländern auf diese epochale Zäsur?

Verantwortlich ist für das Projekt Fukushima Prof. Dr. Lisette Gebhardt. Im April 2011 gründete sie den „Arbeitskreis Fukushima“ an der Japanologie Frankfurt, der die viel besuchte Informations- und Textbereitstellungs-Webseite „Textinitiative Fukushima“ (http://www.textinitiative-fukushima.de/) unterhält. Zusammen mit Prof. Dr. Steffi Richter (Japanologie Leipzig) hat L. Gebhardt im Juni 2012 den Band „Japan nach ‚Fukushima‘ – ein System in der Krise“ herausgegeben, im Juli 2013 wurde das „Lesebuch Fukushima“ veröffentlicht, eine Übersetzungs-, Aufsatz- und Kommentarsammlung, die die Stimmen wichtiger Akteure der Debatte um Fukushima wiedergibt und über die innerjapanische Diskussion zur Kernkraft informiert; der Band wurde im Dezember 2013 von der Deutschen Umweltstiftung als Umweltbuch des Monats ausgezeichnet.

Eine englische Aufsatzsammlung unter der Beteiligung der japanischen Umweltliteraturforscherin Yuki Masami zum Thema der Literatur und Kunst nach Fukushima erschien 2014 unter dem Titel „Literature and Art after Fukushima. Four Approaches“. Zuletzt wurde 2015 ein weiterer englischer Band der an den beiden hessischen Zentren IZO und GiZO angesiedelten interdisziplinären Forschungsinitiative „Fukushima und Chernobyl“ publiziert: „The Impact of Disaster: Social and Cultural Approaches to Fukushima and Chernobyl“ (auch EB-Verlag Berlin).

Für die Japanforschung ist momentan das Thema der aktuellen japanischen Protestbewegungen, die mit „Fukushima“ ihren Ausgang nahmen, ein Fokus. Die Studierendenprotestgruppe SEALDs macht in diesen Wochen von sich Reden, einer ihrer Führer, Okuda Aki, gilt als „Staatsfeind Japans“. „Fukushima“ wird spätestens dann wieder brisant, wenn Olympia 2020 ansteht.

Die Japanologie Frankfurt, vertreten durch Prof. Gebhardt, führte – neben der Publikationstätigkeit – seit 2011 zahlreiche Beratungen von Medienprojekten durch, die sich mit Fukushima auseinandersetzen bzw. aus Fukushima berichten. Dazu zählt z.B. die Dokumentation „Kulturplatz extra: Japan am Wendepunkt“ des Schweizer Fernsehens (http://www.srf.ch/play/tv/kulturplatz/video/kulturplatz-extra-japan-am-wendepunkt?id=fa9cd577-8a51-4d15-8fd6-edd489a011bf ).

Die fünfte Jährung der Geschehnisse von Fukushima nimmt die Japanologie zum Anlass, ihre Expertise und Beratung für einschlägige Vorhaben anzubieten und neue und neueste Forschungsergebnisse zum Thema zu vermitteln.

Kontakt: Prof. Dr. Lisette Gebhardt, Japanologie, Fachbereich 9: Sprach- und Kulturwissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-23287 / 22177. L.Gebhardt@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Feb 26 2016
13:46

Wie kann professionelle Hilfe aussehen? Erfahrungsberichte aus aktuellen Projekten und Diskussion über interdisziplinäre Ansätze

Frankfurter Tagung zu „Migration, Flucht und Trauma – die Folgen für die nächste Generation“

FRANKFURT.Sie haben Schreckliches erlebt: Bombenangriffe, Tod und Misshandlungen, eine oft lebensgefährliche Flucht und eine nicht immer freundliche Aufnahme in Deutschland. Viele Flüchtlinge sind traumatisiert, besonders die Kinder. Sie brauchen professionelle Hilfe. Wie diese aussehen kann, darum geht es bei einer Tagung, die vom 4. bis 6. März an der Goethe-Universität, Campus Bockenheim, stattfindet und an der neben Wissenschaftlern auch Erzieher, Lehrer und ehrenamtliche Helfer teilnehmen können.

„Migration, Flucht und Trauma – die Folgen für die nächste Generation“ lautet das Thema dieser internationalen Tagung. Ausgerichtet wird die Konferenz vom Sigmund-Freud-Institut, von der Goethe-Universität und dem interdisziplinären Forschungszentrums „Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk“ (IDeA) sowie der Universität Stockholm. „Die heutige Psychoanalyse und die aktuelle empirische Bindungsforschung verfügen sowohl konzeptuell als auch präventiv und therapeutisch über ein breites Wissen zum Umgang mit Traumatisierten“, so die Organisatorin der Tagung, Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Geschäftsführende Direktorin Sigmund-Freud-Institut. Dieses Wissen bildete die theoretische Grundlage für fünf Präventionsprojekte, die seit 2010 über 1000 der als schwer erreichbar geltenden Familien mit Migrationshintergrund und prekären sozialen Problemlagen angeboten wurden. Diese Projekte hatten besonders die Frühprävention bei sogenannten „Risikokindern“ („children-at-risk“) im Auge.

Viele Studien zeigen, wie wichtig es ist, traumatisierten Menschen möglichst zeitnah und niederschwellig Hilfen anzubieten, um Langzeitfolgen für sie und die nachkommenden Generationen zu mildern. „Traumatisierungen sind Erfahrungen, in denen Menschen extremen Gefühlen von Verzweiflung, Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgesetzt sind, meist verbunden mit Todesangst. Zudem bricht das Urvertrauen zusammen, die Betroffenen können sich auf nichts mehr verlassen, nicht auf andere und nicht auf sich selbst“, erläutert Leuzinger-Bohleber. „Daher reagieren Traumatisierte auf Migrationserlebnisse und auf erneute Erfahrungen von Passivität und Ohnmacht in den Aufnahmeeinrichtungen besonders verletzlich.“ Traumatisierungen haben – wie aktuelle Studien belegen – auch einen nachhaltigen Einfluss auf die Stressregulation, wie dies in verschiedenen Vorträgen auf der Tagung ausgeführt wird. Dies wirkt sich besonders auf die frühe Phase der Elternschaft aus und prägt daher auch die nächste Generation.

Die Gefahr einer Traumatisierung mit pädagogischer, sozialpädagogischer und therapeutischer Unterstützung abzumildern, ist heute eine vordringliche humanitäre Aufgabe für viele Berufszweige. So fächerübergreifend verschiedene Berufsgruppen zusammenarbeiten, so interdisziplinär ist auch die Forschung auf diesem Gebiet in Frankfurt. „Unserer Forschungszentrum ‚Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk’, kurz IDeA, an dem neben der Goethe-Universität das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung und das Sigmund-Freud-Institut beteiligt sind, bietet hier hervorragende Möglichkeiten“, betont Prof. Dr. Sabine Andresen, Erziehungswissenschaftlerin an der Goethe-Universität.

Auf der Tagung – Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch – wird diskutiert, in welcher Weise das Wissen, das in Projekten u.a. in Frankfurt, Oslo und Belgrad gesammelt wurde und aktuell noch wird, für den Umgang mit traumatisierten Kindern in den verschiedenen Bildungsinstitutionen von der Krippe bis zur Sekundarstufe fruchtbar gemacht werden kann. Zur Sprache kommen werden auch erste Erfahrungen, die bei der Flüchtlingssprechstunde des Sigmund-Freud-Instituts und bei dem Pilotprojekt „Michaelis-Dorf“ in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Darmstadt gesammelt wurden. Dieses Projekt startete Ende Januar und ist bundesweit bisher einmalig; geleitet wird es gemeinsam von der Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber und der Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen. In Darmstadt arbeiten in der Betreuung von Flüchtlingskindern Studierende, junge Wissenschaftler und Ehrenamtlichen zusammen. Dazu Andresen: „Gerade für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, dass sie auch schon die Erstaufnahmeeinrichtung als einen kinderfreundlichen Ort erleben. Sie wollen sich dort sicher fühlen und ihre Fähigkeiten einbringen können. Ein solcher Ort muss gestaltet werden, und zwar durch Bildungs- und Freizeitangebote, durch Mitgestaltungsmöglichkeiten, durch Erwachsene, die aufgeschlossen sind."

Die Tagung wird am Freitag (4. März) um 20.15 Uhr (Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude, Hörsaal VI) ergänzt durch einen öffentlichen Vortrag von Prof. Dr. Vera King, die im März die Nachfolge von Prof. Dr. Rolf Haubl als stellvertretende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts antreten wird und auch die Professur für Sozialpsychologie an der Goethe-Universität übernimmt. Sie spricht über „Transgenerationale Weitergabe im Kontext von Adoleszenz und Migration“.

Diese Tagung führt die Tradition der Joseph Sandler Research Conferences weiter, die in den vergangenen acht Jahren jeweils am ersten März-Wochenende in Frankfurt stattfanden. Sandler und seine Frau hatten die Psychoanalyse in den 1990er Jahren stärker für den Dialog mit den anderen Wissenschaften geöffnet und deshalb diese einmal im Jahr ausgerichtete Konferenz ins Leben gerufen.

Informationen: Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Sigmund-Freud-Institut, Tel. (069) 971204-149; leuzinger-bohleber@sigmund-freud-institut.de, stebahne@sigmund-freud-Institut.de; Programm unter: www.sigmund-freud-institut.de; Registration für die Tagung: tagung@sfi.de, Tel. (069) 971204-129

Sonstige

Feb 25 2016
14:21

Goethe-Universität bietet Sprachkurse für Flüchtlinge

120 Studierende als Starthelfer ins Deutsche

FRANKFURT.Wie kann man die vielen Flüchtlinge in die Gesellschaft integrieren? Das ist derzeit ein großes Thema. 120 Studierende der Goethe-Universität reden nicht nur darüber, sondern packen mit an: Seit Januar geben sie neben ihrem Studium ehrenamtlich Menschen, die in Frankfurt Zuflucht gefunden haben, Unterricht im Deutschen. Denn die Sprache ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Das Projekt ist zunächst auf drei Monate ausgelegt, eine Verlängerung ist wahrscheinlich.

„Ich habe mir schon seit Längerem gedacht: So ein Projekt mit Flüchtlingen, das wäre cool“, erzählt Karolin Elleringmann. Auf die E-Mail der Uni-Leitung habe sie dann auch sofort reagiert. Inzwischen ist die 22-jährige Jura-Studentin eine von 120 Studierenden der Goethe-Universität, die an fünf verschiedenen Standorten in Frankfurt Flüchtlinge unterrichten. Als Sprecherin für den Campus Westend koordiniert sie darüber hinaus den Einsatz ihrer Kommilitonen.

„Die Goethe-Universität möchte sich der gesellschaftlichen Aufgabe stellen, die die große Zahl der Flüchtlinge mit sich bringt. Aber wir können nicht nur Räume zur Verfügung stellen; die Uni kann noch gezielter helfen, indem sie als Sprachvermittlerin auftritt“, sagt Vizepräsidentin Prof. Tanja Brühl, die sich das Projekt „Start ins Deutsche“ mit Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin der Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, ausgedacht hat. Es ging eine E-Mail an alle Studierenden der Goethe-Universität – das Feedback war überwältigend: 1500 Studierende wollten mitmachen. Es waren bei weitem nicht nur Lehramtsstudierende. „Wir hätten das Projekt noch fünfmal größer machen können“, sagt Dr. Stephanie Dinkelaker, die die Koordination auf Seiten der Univerwaltung übernommen hat. Zunächst wurden 120 Studierende ausgewählt, zwölf Fachbereiche und verschiedene Semester sind vertreten. Etwa ein Drittel sind Lehramtsstudenten. Das auf drei Monate angelegte Pilotprojekt soll erst sorgfältig evaluiert werden, bevor es gegebenenfalls in eine zweite, größere Runde geht.

Alle Beteiligten engagieren sich ehrenamtlich – auch die Dozenten, die die Studierenden auf ihre wichtige Aufgabe vorbereitet haben. An zwei Tagen erhielten sie intensiven Unterricht in verschiedenen Modulen, nicht nur in Didaktik und Unterrichtsmethodik, auch die Themen Traumatisierung und Mehrsprachigkeit wurden angesprochen. „Wir hatten eine Art Crashkurs in Arabisch: Der Dozent sprach nur Arabisch mit uns. Das hat mir die Angst genommen, dass mich meine Schüler nicht verstehen könnten“, sagt Karolin Elleringmann. Sie habe erfahren, dass auch einsprachiger Unterricht funktionieren kann. Und sie könne jetzt ein paar Vokabeln in Arabisch, was im Kurs für viel Freude gesorgt habe.

Mitte Januar haben die Kurse dann begonnen. In Zweierteams gehen die Studierenden an die verschiedenen Standorte am Campus Bockenheim, am Campus Westend, im Gutleutviertel im Gallus und in Höchst. Das „Deputat“ beläuft sich auf zweimal zwei Stunden pro Woche. In einer Schule für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterstützen Studierende zudem Lehrer beim Unterrichten.

„Ich war erst schon etwas unsicher, ob mich die Schüler überhaupt akzeptieren würden“, erzählt Jura-Studentin Elleringmann. Doch schon beim ersten Mal habe sie gemerkt: Ihre Schüler seien „unglaublich offen, nett und freundlich. Einige sind jedes Mal eine halbe Stunde zu früh da, weil sie sich so sehr auf den Unterricht freuen.“ Die meisten in ihrer Gruppe könnten schon etwas Deutsch, das mache es leichter. In anderen Gruppen müssen manche Flüchtlinge erst noch die lateinischen Buchstaben lernen. Nach den Erfahrungen auf der Flucht frage die Studentin nicht, das habe sie in der Vorbereitung gelernt. Zu unabsehbar seien die Reaktionen. Um sie mit der neuen Aufgabe nicht alleinzulassen und Hilfestellungen bei schwierigen Situationen geben zu können, hat die Uni in Zusammenarbeit mit dem Sigmund-Freud-Institut Frankfurt eine Supervision organisiert, die alle zwei Wochen stattfindet. Zudem gibt es mehrere didaktische Sprechstunden. „Wir wollen die jungen Menschen nicht überfordern oder gar riskieren, dass sie selbst Schaden nehmen“, erklärt Stephanie Dinkelaker.

Überfordert fühlt sich Karolin Elleringmann bislang nicht, aber durchaus gefordert. Wenn es zum Beispiel darum geht, zu erklären, was „graue Haare“ auf Deutsch heißt. „Ich bin dann gebückt durch den Raum gelaufen, dann haben alle gleich gewusst, was ich meine“, lacht sie. Letztlich fühle sie sich durch ihr Engagement vor allem selbst bereichert: „Ich wollte so etwas schon immer gern machen, ehrenamtlich Menschen helfen. Ich kann ja nur Zeit spenden.“

Ermöglicht wurde das Pilotprojekt durch finanzielle Unterstützung von mainFirst und Spendengelder des Weihnachtskonzerts des Collegium Musicum der Goethe-Universität, die für Lernmaterialien verwendet wurden. Eine Evaluation der Schulung fand schon statt, demnächst wird es eine weitere Evaluation geben, die das gesamte Projekt in den Blick nimmt. Die weitere Finanzierung wird derzeit geplant.

Fotos zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/60256619

Bildunterschrift: Schulung 1-3: An zwei Tagen wurden die studentischen Teilnehmer am Projekt „Start ins Deutsch“ im Rahmen einer Schulung auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Es gab Vorträge und Workshops. Im Bild Uni-Vizepräsidentin Tanja Brühl und Erwin Sturm vom Psychoanalytischen Institut Frankfurt e.V., der auch die Supervision mitgeplant hat. (Fotos: Lecher); Elleringmann 1-3: Jurastudentin Karolin Elleringmann engagiert sich ehrenamtlich als Deutschlehrerin für Flüchtlinge. (Fotos: Held)