Personalia/Preise
Amerikanische Verleger zeichnen das jüngste Buch der Kulturanthropologin Gisela Welz aus: „European Products. Making und Unmaking Heritage in Cyprus“
FRANKFURT. Für ihr jüngstes Buch „European Products. Making und Unmaking Heritage in Cyprus“ wurde die Kulturanthropologin Prof. Dr. Gisela Welz jetzt mit dem international angesehenen PROSE-Award 2016 ausgezeichnet. Die Sektion Fachbuch- und Wissenschaftsverlage des Verbandes amerikanischer Verleger vergibt alljährlich die „American Publishers Awards for Professional and Scholarly Excellence“ in mehr als vierzig Sparten. Das Werk der Frankfurterin belegte den ersten Platz unter den Neuerscheinungen 2015 in der Sparte Anthropologie und setzte sich gegen die kulturanthropologischen Publikationen der großen amerikanischen Universitätsverlage durch.
Der Band wurde im Herbst 2015 von dem in New York und Oxford ansässigen Verlag Berghahn Books veröffentlicht und richtet sich sowohl an Wissenschaftler als auch an interessierte Laien. „Die Auszeichnung kam für mich völlig überraschend, zumal der Verlag eher zu den kleinen auf dem anglo-amerikanischen Markt gehört“, freut sich die Preisträgerin, die seit 1998 als Professorin an der Goethe-Universität forscht und lehrt. Zusätzlich zu wissenschaftlicher Qualität, Originalität und Breitenwirkung wurden auch Aufmachung und grafisches Design in die Bewertung einbezogen. Von der Autorin selbst angefertigte Fotos setzen auf dem Einband die Thematik in Szene, und so überzeugte das Buch die Jury auch durch seine Ästhetik.
Worum geht es in dem Buch? An Beispielen in der Republik Zypern erläutert Gisela Welz, wie ambivalent der offizielle Schutz von Kulturerbe sein kann. „Der Schuss geht oft nach hinten los: Was konserviert werden soll, wird manches Mal gerade durch die Unter-Schutz-Stellung gefährdet“, konstatiert Welz. „Heritage making” nennt die Sozial- und Kulturanthropologie den Prozess, in dem Dinge und Praktiken durch Schutzmaßnahmen zum Kulturerbe erhoben werden. Welz will mit ihrem Buch auch die nachteiligen Effekte des Kulturerbeschutzes sichtbar machen, deswegen spricht sie im Untertitel des Buches von „unmaking heritage“, von der „Auflösung von Kulturerbe“.
„Die Republik Zypern ist deshalb ein interessantes Forschungsfeld, weil hier bereits vor dem Beitritt zur Europäischen Union 2004 eine Angleichung der rechtlichen Rahmenbedingungen an europäische Standards angestrebt wurde“, erläutert die Kulturanthropologin. Welz hat in den vergangenen 20 Jahren immer wieder auf Zypern geforscht und dort mit Studierenden Projekte des forschenden Lernens durchgeführt, aus denen auch Dissertationen hervorgegangen sind. Mit dem Thema „heritage making“ rückt ein Feld europäischer Integration in den Blick, das im Vergleich zur Agrar- oder Währungspolitik als relativ unbedeutend gilt, aber die Wirkungsweise der Europäisierung besonders gut illustrieren kann. Inzwischen wird auch in der griechisch-zypriotischen Gesellschaft die Kritik am Ausverkauf von kulturellen Gemeingütern und natürlicher Umwelt, die durch die Europäisierung forciert wird, immer lauter. „Diese Gefahr nimmt im Zuge der noch nicht überwundenen Wirtschaftskrise der Republik Zypern noch zu“, so Welz.
Informationen: Prof. Dr. Gisela Welz, Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Campus Westend, Tel. (069)798-32911, E-Mail: G.Welz@em.uni-frankfurt.de
Publikation: European Products. Making and Unmaking Heritage in Cyprus, Berghahn Books, New York 2015, 204 Seiten, ISBN 978-1-78238-822-7, $90.00/£56.00; eISBN 978-1-78238-823-4 eBook
Weitere Details zu der Veröffentlichung auch auf GOETHE-UNI online: www.aktuelles.uni-frankfurt.de/
Foto der Preisträgerin und Cover des Buches herunterladen unter www.uni-frankfurt.de/60664890
Sonstige
Trude Simonsohn und Irmgard Heydorn werden auf Initiative der Hessischen Landesregierung, der Goethe-Universität und des Fritz-Bauer-Instituts zu ihren 95. und 100. Geburtstagen auf dem Campus Westend geehrt
FRANKFURT. Sie gehören zu den ältesten Zeitzeuginnen des Holocaust in Deutschland und haben den Naziterror überlebt: Trude Simonsohn und Irmgard Heydorn feiern in diesen Tagen ihre 95. und 100. Geburtstage. Beide Damen setzen sich seit Jahrzehnten in Schulen, Universitäten und der Gesellschaft für eine aktive Aufklärungsarbeit über die Zeit des Nationalsozialismus ein. Als Zeitzeugen und Holocaustüberlebende haben sie ganze Generationen von Schülerinnen und Schülern an ihrem persönlichen Schicksal in Nazideutschland teilhaben lassen. Trude Simonsohn hat zudem wichtige Impulse für eine aktive Erinnerungsarbeit auf dem Campus Westend gegeben, wo die Goethe-Universität seit 2001 die ehemaligen Gebäude des IG-Farben-Konzerns nutzt. Beide wurden für ihre Verdienste um die aktive Erinnerungsarbeit vom Land Hessen mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille geehrt, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen.
Auf Initiative des Ministerpräsidenten des Landes Hessen werden beide Damen zu ihren „runden“ Geburtstagen am Freitag (25. März) im Casino auf dem Campus Westend der Goethe-Universität geehrt. Für die kurzfristig erkrankte Irmgard Heydorn nahm ihre Tochter an der Veranstaltung teil.
Im Rahmen der Feierstunde gratulierten der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff sowie Prof. Werner Konitzer vom Fritz-Bauer-Institut zusammen mit etwa 150 Festgästen. Für ihre Verdienste um die Erinnerungsarbeit rund um die Geschichte des Campus Westend widmet die Goethe-Universität Trude Simonsohn einen Veranstaltungsraum im Universitätscasino. Während der Feier überreichte Universitätspräsidentin Birgitta Wolff an die Jubilarin eine Namensplakette, die in den nächsten Tagen am Eingang des Raumes angebracht wird. Von Seiten der Hessischen Landesregierung nahm Trude Simonsohn auch im Namen ihrer Weggefährtin eine Spende in Höhe von 750 Euro für den Förderverein des Jüdischen Museums Frankfurt entgegen.
„Irmgard Heydorn und Trude Simonsohn sind zwei große Persönlichkeiten, die gegen das Naziregime kämpften. Beide stellten Freiheit und Demokratie in den Mittelpunkt ihres Handelns. Seit vielen Jahren berichten die Zeitzeuginnen eindrucksvoll, insbesondere in Schulen sowie der Goethe-Universität, über die schrecklichen Erlebnisse während des Holocausts. Sie tragen dazu bei, die Geschehnisse dieses grausamsten und dunkelsten Kapitels unserer Geschichte mahnend in Erinnerung zu bewahren. Ich möchte den beiden Trägerinnen der Wilhelm-Leuschner-Medaille auch auf diesem Weg herzlich für ihr vorbildliches Engagement danken“, erklärte Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein.
Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff hob die Rolle von Trude Simonsohn für die Erinnerungsarbeit der Goethe-Universität am Campus Westend hervor:
„Liebe Frau Simonsohn, dass die Goethe-Universität sich so intensiv mit ihrer Geschichte und der Geschichte dieses Ortes auseinandersetzt, dass Studierende der Goethe-Universität nun schon über mehrere Generationen eine Zeitzeugin und Gesprächspartnerin finden, ist ganz wesentlich Ihrem Engagement zu verdanken. Für die Entwicklung der Goethe-Universität, ihr Selbstverständnis und ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, haben Sie sich gerade hier auf diesem Campus Westend mit seiner schwierigen Geschichte besonders stark gemacht. Gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden der Goethe-Universität und des Fritz-Bauer-Instituts, mit Vertreterinnen der Claims Conference, mit dem Künstler Heiner Blum und vor allem mit Überlebenden von Buna/Monowitz haben Sie intensiv in der von meinem Amtsvorgänger Rudolf Steinberg geleiteten Wollheim-Kommission mitgearbeitet. Dass es heute auf dem Campus markante Erinnerungsorte gibt, ist damit auch Ihr Verdienst, liebe Frau Simonsohn.“
Die Präsidentin erinnerte in ihrem Grußwort auch an die 2015 erfolgte Umbenennung des ehemaligen „Grüneburg-Platzes“ vor dem IG-Farben-Haus in „Norbert-Wollheim-Platz“. „Auch dafür haben Sie sich zusammen mit Studierenden viele Jahre lang eingesetzt.“ Der Auschwitz-Überlebende Norbert Wollheim war der erste, der nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich gegen den IG-Farben-Konzern geklagt und eine Entschädigung für geleistete Zwangsarbeit erhalten hatte.
Personalia/Preise
Wichtigste Auszeichnung für Wissenschaftsjunioren: Drei von zehn durch DFG und BMBF mit dem Heinz Maier-Leibnitz Preis Ausgezeichneten kommen 2016 aus Frankfurt / Preisverleihung am 18. Mai in Berlin
FRANKFURT. Drei junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität und des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Hirnforschung beeindrucken im Wettbewerb um den begehrten Heinz Maier-Leibnitz-Preis mit einer besonderen Erfolgsserie: Daniel Gutzmann, Allgemeine Sprachwissenschaften, Hannah Petersen, Theoretische Hochenergiephysik, sowie Tatjana Tchumatchenko, Theoretische Neurowissenschaften vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung, konnten sich unter 134 Bewerbern um den Preis durchsetzen und zählen damit zu den bundesweit zehn besten Wissenschaftsjunioren 2016. Die beiden Wissenschaftler der Goethe-Universität hatten am universitären Programm „Nachwuchswissenschaftler im Fokus“ teilgenommen. Die Auszeichnung ist mit je 20.000 € dotiert. Der vierte hessische Preisträger ist Tobias Erb, Mikrobiologe am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg.
„Ich bin begeistert von der Leistungsfähigkeit unserer Wissenschaftsjunioren in diesem bundesweiten Wettbewerb. Dass gleich vier Auszeichnungen an Nachwuchsforscher gehen, die ihre Qualifikationen in Hessen erworben haben, ist ein bemerkenswerter Erfolg und zeigt einmal mehr, welch hohes Niveau unsere Hochschulen haben“, sagte Wissenschaftsminister Boris Rhein.
Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff gratulierte den Preisträgern: „Ein toller Erfolg für Sie persönlich, für die Goethe-Universität und Hessen! Das Ergebnis zeigt: Die Goethe-Uni bietet – auch in Verbindung mit unseren außeruniversitären Partnern – optimale Entwicklungschancen für junge Forscher. Das spricht für unser Programm Nachwuchswissenschaftler im Fokus. Schön ist auch, dass eine der Arbeiten die Verbindung zu einer unserer Rhein-Main-Partnerunis in Mainz schafft.“
Kurzprofile der Preisträger:
Hannah Petersen (32), Theoretische Hochenergiephysik, Universität Frankfurt/Main Auf dem Gebiet der relativistischen Schwerionenkollisionen arbeitet Professor Hannah Petersen an neuen theoretischen Beschreibungen des sogenannten „Little Bang“. Bei Schwerionenstößen entsteht ein Quark-Gluon-Plasma mit extrem hohen Druck, unter dem das Plasma sich explosionsartig ausdehnt. Hierbei herrschen Bedingungen, die denen beim Urknall („Big Bang“) ähneln. Petersen erkannte und untersuchte als eine der Ersten, dass und wie der Verlauf dieser Explosion von Dichte- und Temperaturschwankungen als Folge von Quanteneffekten beeinflusst wird. Über den Vergleich von Theorie und experimentellen Daten stellte Hannah Petersen ein vielzitiertes Hybrid-Modell auf, das die Dynamik des Plasmas und seine Viskosität in Abhängigkeit vom jeweiligen Anfangszustand der Quantenfluktuation abbildet. Seit 2012 leitet Petersen eine Helmholtz-Nachwuchsgruppe, 2013 erreichte sie der Ruf auf eine W2-Professur. Mit ihrer „event-by-event“-Analysemethode liefert die Frankfurterin neue Grundlagen für experimentelle Messungen zum Beispiel am Relativistic Heavy Ion Collider (Brookhaven, USA) und an der zukünftigen Facility for Antiproton and Ion Research (Darmstadt).
Daniel Gutzmann (31), Allgemeine Sprachwissenschaften, Universität Frankfurt/Main Bei der sprachwissenschaftlichen Modellierung der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke wird traditionell zwischen einer semantischen, vom Äußerungskontext weitgehend unabhängigen, und einer pragmatischen, vom Äußerungskontext vergleichsweise stark abhängigen Ebene, unterschieden. Dieser Unterscheidung entsprechend haben sich in der Bedeutungstheorie und der Linguistik ein systemorientierter und ein gebrauchsorientierter Ansatz etabliert. In seinen an den Universitäten in Mainz und Frankfurt/Main entstandenen Arbeiten überwindet Daniel Gutzmann diese Zweiteilung, indem er ein zweidimensionales Modell sprachlicher Bedeutungen entwickelt, das sowohl eine situationsbeschreibende wie auch eine sprecherbezogene Dimension vorsieht. Das Modell lässt sich auf eine sehr breite Palette bisher nur unzureichend beschriebener Phänomene anwenden, wie zum Beispiel Modalpartikeln, Satzmodus oder auch expressive Ausdrücke.
Tatjana Tchumatchenko (35), Theoretische Neurowissenschaften, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt/Main Die in der Hirnforschung untersuchten neuronalen Prozesse sind nur sehr indirekt messbar. Sie verhalten sich hochgradig nicht linear und unterliegen einer hohen Variabilität auf unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Skalen. Die Entwicklung aussagekräftiger theoretischer Modelle zur Unterstützung einer sinnvollen quantitativen Auswertung und Vergleichbarkeit neuronaler Daten ist daher eine Herausforderung. Mit der von ihr geleiteten Arbeitsgruppe „Theorie der neuronalen Netzwerkdynamik“ am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main forscht Tatjana Tchumatchenko über die Dynamik und Informationsverarbeitung neuronaler Systeme, von einzelnen Nervenzellen bis zu neuronalen Netzwerken. Sie hat mathematische Modelle zur Beschreibung der dynamischen und statistischen Eigenschaften biologischer neuronaler Netzwerke entwickelt, theoretisch analysiert und numerisch implementiert. Damit hat sie für die Theoretischen Neurowissenschaften wichtige Einblicke, insbesondere zur Informationsverarbeitung von Netzwerken, geliefert.
Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis wird seit 1977 jährlich an hervorragende junge Forscherinnen und Forscher verliehen. Benannt nach dem früheren DFG-Präsidenten gilt der Preis als der wichtigste seiner Art für den Forschernachwuchs in Deutschland.
Veranstaltungen
Begleitprogramm des Frankfurter Festivals in Kooperation mit dem geistes- und sozialwissenschaftlichen Exzellenzcluster der Goethe-Universität
FRANKFURT. Gut einhundert Einzelveranstaltungen gibt es beim 9. LICHTER Filmfest Frankfurt International, das sich in diesem Jahr dem Thema „Grenzen“ widmet und vom 29. März bis zum 3. April 2016 stattfindet. Als Festivalzentrum fungiert das Künstlerhaus Mousonturm. Neben internationalen Filmen und den besten Produktionen aus dem Rhein-Main-Gebiet gehört auch ein ambitioniertes Begleitprogramm dazu. Es findet in Kooperation mit dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ statt und umfasst neben einer transmedialen Ausstellung und einer Video-Techno-Oper verschiedene Vortrags- und Diskussionsformate mit Angehörigen des interdisziplinären Forschungsverbundes. Den Auftakt bildet das Podiumsgespräch „Europa: Außen.Grenzen.Innen“ am 30. März um 19.00 Uhr im Mousonturm. Diskutantin von Seiten des Clusters ist Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen.
Seit immer mehr Menschen nach Europa fliehen, wird den EU-Bürgern bewusst, dass Frieden, Wohlstand und Reisefreiheit keine Selbstverständlichkeiten sind. Die Geflüchteten geben den Dramen in den Herkunftsländern ein Gesicht. Ihre Anwesenheit konfrontiert die europäischen Gesellschaften mit Fragen wie diesen: Wie ist es um die viel beschworenen europäischen Werte bestellt? Muss Europa seinen Wohlstand stärker teilen? Welche Verantwortung trägt der Kontinent für die Konflikte in der arabischen Welt? Wie können die Europäer gemeinsam zu friedlichen Lösungen beitragen? Darüber diskutieren am Mittwoch, 30. März, ab 19.00 Uhr neben Nicole Deitelhoff auch Ralph Bollmann, Historiker und Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Karl Kopp, Europareferent Pro Asyl, und der Migrationsforscher und Journalist Mark Terkessidis. Die Moderation hat Eberhard Nembach, Politik-Redakteur bei hr-info.
Am Freitag, 1. April, wird der Mousonturm zur „Agora“ (griechisch: Marktplatz, Versammlungsort). Beim „Agora Staffelgespräch“, das um 13.00 Uhr beginnt und auf sieben Stunden angelegt ist, sprechen zwölf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über ihre Forschung an und mit Grenzen aus ihrer je eigenen Perspektive. Dabei sollen die Themen fließend mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wechseln. Das verbindende Thema Grenzen ist hierbei in mehrere Teilaspekte gegliedert, aus denen sich vier Panels ergeben: „Ich/Die Anderen“, „Hier/Dort“, „Welt/Raum“ und „Virtual/Reality“. Der interdisziplinäre Austausch lädt das Publikum dazu ein, gleichberechtigt mit den Vortragenden zu debattieren. Dabei nähern sich diese dem Begriff der Grenze mit kurzen Vorträgen und Präsentationen immer wieder neu. So entsteht die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt in das Gespräch einzusteigen. Als Cluster-Angehörige mit dabei sind die Rechtswissenschaftler Sebastian Läßle und Matthias Kettemann, die Politikwissenschaftler Thorsten Thiel und Ben Karmis, der Soziologe Valentin Rauer und der politische Philosoph Jonathan Klein.
Das LICHTER Begleitprogramm im Überblick:
Mittwoch, 30. März 2016, 19.00 Uhr, Mousonturm, Studio 1
Auftaktpanel: „Europa: Außen.Grenzen.Innen“
Donnerstag, 31. März 2016, 19:00 Uhr, Mousonturm, Studio 2 Runder Tisch: „Frankfurter Kranz zur Flüchtlingshilfe“
Freitag, 1. April 2016, 13.00 Uhr – 20.00 Uhr, Mousonturm, Studio 2
Staffelgespräch: „Lichter Agora: Grenzen Unlimited“
Freitag, 1. April + Samstag, 2. April 2016, jeweils 19.45 Uhr, Naxoshalle
Liveact: „Video-Techno-Oper“
Samstag, 2. April 2016, 19.00 Uhr, Mousonturm, Studio 2
Gespräch: „Ästhetik der Grenze / Grenzen der Ästhetik“
29. März bis 3. April 2016, wechselnde Öffnungszeiten, Festivalzentrum Mousonturm
Ausstellung: „Grenz-Parcours: Walk the line!“
Der Eintritt zu den Veranstaltungen des Begleitprogramms ist frei. Der Exzellenzcluster hat zudem die Patenschaft für den Dokumentarfilm „Les Sauteurs (Those who jump)“ übernommen. Er beleuchtet das Flüchtlingsgeschehen im Norden Marokkos aus der Sicht von Beteiligten. Vorführung (kostenpflichtig) und Hessenpremiere am 30. März um 21.00 Uhr im Mousonturm.
Adressen: Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, 60316 Frankfurt am Main Naxoshalle, Waldschmidtstraße 19, 60316 Frankfurt am Main
Kontakt:
LICHTER Filmfest: Lisa Dressler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0160 945 24 338, presse@lichter-filmfest.de; www.lichter-filmfest.de
Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“:Bernd Frye, Pressereferent, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net
Sonstige
Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg würdigt Friedrich Stoltze, dessen Todestag sich am 28. März zum 125. Mal jährt.
FRANKFURT/ZÜRICH. Das Doppeljubiläum des Mundartdichters Friedrich Stoltze im Jahre 2016 - sein 200. Geburtstag am 21. November und sein 125. Todestag am 28. März - ist für die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main Ansporn, sein Gedächtnis zu ehren, seine Werke wieder einem breiteren Publikum zu präsentieren und seinen Nachlass dauerhaft zu sichern. So wurde unter anderem der komplette Briefwechsel Stoltzes digitalisiert; auf der Website sind die Briefe allen Interessierten öffentlich zugänglich.
Eine solch facettenreiche Persönlichkeit, wie Friedrich Stoltze es war, ist in der heutigen Zeit kaum noch denkbar: Der rührige Verleger, begnadete Mundartschriftsteller und bissige Satiriker war auch politisch aktiv und somit ein herausragender Exponent der bürgerlichen Frankfurter Stadtgesellschaft in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Sein – in heutigen Worten – Netzwerk an vielfältigen Kontakten wird deutlich, wenn wir die lange Liste der Korrespondenzpartner im Nachlass betrachten.
Als liberaler Geist scheute er sich nicht davor, auch öffentlich Kritik an der Obrigkeit zu üben, wenn er es für angebracht sah. So ist es nicht verwunderlich, dass er 1848 kurzzeitig verhaftet wurde, in Frankfurts Nachbarstaaten Hessen und Kurhessen u.a. wegen Veröffentlichung der „Krebbel-Zeitungen“ (ab 1852) steckbrieflich gesucht wurde und seine satirische Zeitschrift „Frankfurter Latern“ wegen anti-preußischer Texte im Jahre 1866 sofort nach der Annexion Frankfurts durch Preußen verboten wurde. Friedrich Stoltze floh kurzzeitig aus Frankfurt, umging aber bald die Zensur durch Herausgabe anderer Zeitschriften (Der Wahre Jacob, Die Deutsche Latern, …). Ab 1872 konnte die „Frankfurter Latern“ wieder normal erscheinen – bis zu Stoltzes Tod im Jahre 1891. Neben den erwähnten satirischen Veröffentlichungen, seinen zahlreichen Gedichten und anderen Texten in Frankfurter Mundart, aber auch in hochdeutscher Sprache ist seine Mitarbeit an vielen Gelegenheitsschriften bemerkenswert.
Zwei Töchter Friedrich Stoltzes, Lyda und Laura Stoltze, machten 1926/27 einen Teil der Bibliothek ihres Vaters der Frankfurter Stadtbibliothek zum Geschenk. Diese Schenkung bestand aus 590 Büchern und Broschüren, die heute in der Abteilung Frankfurt und Seltene Drucke der Universitätsbibliothek unter der eigenen Signatur „Stoltze“ aufbewahrt werden. Der handschriftliche Nachlass Friedrich Stoltzes gelangte 1936 ebenfalls durch eine Schenkung der Familie in den Bestand der Stadtbibliothek. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde er durch antiquarische Käufe weiter ergänzt. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Nachlass, der sich der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek befindet, vollständig neu bearbeitet und durch einen Katalog erschlossen. Neben den Manuskripten ist aus dem Nachlass besonders der Bestand von 654 Briefen zu erwähnen. Unter den Briefpartnern verdienen u.a. der Frankfurter Bankier, Verleger und Politiker Leopold Sonnemann, der Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung und Stadtverordnete Gustav Kanngießer, der Schriftsteller, Journalist und Literaturhistoriker Johannes Proelß und der Schauspieler und Theaterintendant Emil Claar besondere Hervorhebung.
Die Universitätsbibliothek hat zunächst die Frankfurter Latern digitalisiert und auf ihrer Homepage zugänglich gemacht (http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/7492893). Ferner konnte jetzt mit großzügiger finanzieller Unterstützung der Stiftung der Frankfurter Sparkasse der gesamte Briefwechsel von Friedrich Stoltze digitalisiert und ebenfalls der Öffentlichkeit auf der Homepage zur Verfügung gestellt werden (http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/stoltze/nav/index/all), so dass er nunmehr von jedermann jederzeit eingesehen werden kann. Außerdem wurden alle Briefe in die Datenbank Kalliope, eine spezielle Datenbank für Autographen und Nachlässe in Deutschland (http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/de/index.html), eingegeben und sind dort recherchierbar. Für die Zukunft ist vorgesehen, sukzessive weitere Manuskripte aus dem Nachlass Stoltze zu digitalisieren und damit allgemein zugänglich zu machen.
Da die Aufbewahrung des Nachlasses Stoltze nicht mehr den heutigen Erfordernissen entsprach, wurden, ebenfalls mit finanzieller Unterstützung der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, neue, säurefreie Mappen und Kästen beschafft und alle zum Nachlass Stoltze gehörenden Originalmaterialien darin umgebettet. Somit werden auch die kostbaren Originale für künftige Generationen dauerhaft gesichert.
Kontakt: Dr. Bernhard Tönnies, Leitung Handschriftenabteilung Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt, Telefon: 069/798-39236. E-Mail: b.toennies@ub.uni-frankfurt.de