Archiv Pressemitteilungen | 2012 bis 2017 – 2016

Veranstaltungen

Sep 2 2016
14:50

Eine Ausstellung im MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität

Kommen und Gehen – von Courbet bis Kirkeby. Künstleraufenthalte in der Region Frankfurt / RheinMain

FRANKFURT.Die Region Frankfurt/RheinMain prägt seit jeher eine ständige Zu- und Abwanderung. Auch viele Künstlerinnen und Künstler kamen und gingen, verbrachten hier eine zeitlich begrenzte Lebens- und Schaffensphase. An ausgewählten Persönlichkeiten thematisiert die Ausstellung die Wechselbeziehungen zwischen Künstlern und ihrer temporären Wahlheimat: Mit welchen Erwartungen kamen sie? Was brachten sie an künstlerischem Potential mit? Wie engagierten sie sich in der Kunstszene und weshalb zogen sie wieder fort?

Die Ausstellung nimmt den Zeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis an das Ende des 20. Jahrhunderts in den Blick. Im Kontext sich stetig wandelnder historischer Konstellationen traten Künstler wie beispielsweise Gustave Courbet und Bernhard Hoetger, Willi Baumeister und Max Beckmann, Karl Otto Götz und Per Kirkeby mit der hiesigen Kulturszene jeweils auf ganz eigene Art und Weise in Beziehung.

Die Mobilität vieler Künstler bestimmte im Wesentlichen ihr individuelles Netzwerk. Vor allem die Aussicht auf Verkaufs- und Verdienstmöglichkeiten bewog die Kunstschaffenden zum Ortswechsel. Familie, Freunde, Lehrer, aber auch Sammler und Händler informierten über Standortgegebenheiten und vermittelten Kontakte, die den Aufenthalt in der Region Frankfurt/RheinMain als förderlich erscheinen ließen. Jedoch erfolgte die Zu- und Abwanderung nicht immer frei von Zwängen. In den Jahren 1933 bis 1945 mündete staatlicher Terror in Vertreibung und Vernichtung. Nach Kriegsende ermöglichte dann der erneute Zuzug auswärtiger Künstler den Anschluss an das internationale Kunstgeschehen.

Die vielfältige, lebendige Kunstszene der Kulturregion Frankfurt/RheinMain verdankt sich somit auch den zahlreichen Impulsen migrierender Künstlerinnen und Künstler.

Der Katalog erscheint im Michael Imhof Verlag und kostet 29,- € im Museum.

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN

Jeden Sonntag außer 25.12.2016 und 1.1.2017 um 15 Uhr;

Mittwoch, 5.10., 2.11., 7.12.2016 und 4.1.2017 jeweils um 17.30 Uhr.

Kosten: 2,- € (zzgl. zum Eintritt)

GRUPPENFÜHRUNGEN

Dienstag bis Freitag 60,- € // Samstag, Sonntag, Feiertag 65,- € (zzgl. zum Eintritt)

Anmeldung unter 069/13821010.

MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT

Schaumainkai 83 // 60596 Frankfurt am Main

Fon 069/13821010 // Fax 069/138210111

www.museum-giersch.de // info@museum-giersch.de

Kuratoren: Dr. Manfred Großkinsky, Susanne Wartenberg M. A.

Öffnungszeiten: Di–Do 12–19 Uhr; Fr–So 10–18 Uhr; Mo geschlossen

Sonderöffnungszeiten nach Vereinbarung

3.10., 25.12., 26.12.2016 und 1.1.2017 10–18 Uhr geöffnet;

24.12. und 31.12.2016 geschlossen

Ansprechpartnerin für die Presse: Dipl. Kffr. Christine Karmann

Fon: 069/13821010 // E-Mail: presse@museum-giersch.de

Texte und Bilder zum Download für die Presse: www.museum-giersch.de

Pressekonferenz: Donnerstag, 22. September 2016, 11 Uhr 

  • Dr. Manfred Großkinsky, Leiter MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität
  • Susanne Wartenberg M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 25. September 2016, 11 Uhr

  • Begrüßung: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität
  • Dank: Dr. Manfred Großkinsky, Leiter MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität
  • Einführung: Susanne Wartenberg M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin MUSEUM GIERSCH der Goethe-Universität

Forschung

Aug 30 2016
10:45

Ergebnisse aus der experimentellen Ökonomie zeigen: Wir treffen oftmals großzügige finanzielle Entscheidungen, wenn die Kosten auf viele Köpfe verteilt werden

Eins, zwei, viele: Entscheider wälzen Kosten oft bedenkenlos auf große Gruppen ab

FRANKFURT. Die meisten Menschen handeln bei der Verteilung finanzieller Mittel nicht rein eigennützig, sondern berücksichtigen die positiven wie negativen Folgen für alle Beteiligten. Zahlreiche Beispiele deuten jedoch darauf hin, dass vielen ein effizientes Abwägen von Kosten und Nutzen schwer fällt, wenn die Kosten auf mehrere Personen verteilt werden. In einer aktuellen Publikation, die in Kürze in der Review of Economic Studies erscheint, präsentiert Michael Kosfeld, Professor für Organisation und Management an der Goethe-Universität Frankfurt, gemeinsam mit Heiner Schumacher (Universität Leuven), Iris Kesternich (Universität Leuven) und Joachim Winter (LMU) die Ergebnisse einer experimentellen Untersuchung, in der sich zwei Drittel der Testpersonen insensitiv gegenüber Gruppengrößen verhalten: Ab einer gewissen Personenzahl beziehen sie die Größe einer Gruppe an negativ Betroffenen nicht mehr in ihre Entscheidungsfindung mit ein, sodass ihr Handeln insgesamt widersprüchlich ist. Sie berücksichtigen das Kosten-Nutzen-Verhältnis, wenn die Kosten nur auf eine oder sehr wenige Personen verteilt werden, nehmen jedoch ein exorbitantes Missverhältnis von Kosten und Nutzen in Kauf, wenn viele Leute betroffen sind und somit die Kosten pro Kopf klein erscheinen.

Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse des Experiments, in dem ein Entscheider den Betrag a pro verteilter Einheit erhält, einem Empfänger den Betrag b zugesteht, auf Kosten eines oder mehrerer Zahler, die den Betrag c pro Einheit bezahlen müssen. Es zeigt sich, dass die Entscheider die Gruppengröße berücksichtigen und die Verteilung eines Gutes reduzieren, wenn statt einer vier Personen den gleichen Betrag dafür bezahlen müssen. Dagegen passen sie ihre Entscheidung nicht weiter an, wenn sich die Gruppe der Zahler weiter vergrößert – bei gleichbleibenden Kosten pro Person und somit deutlich steigenden Gesamtkosten.

 

Abbildung 1: Durchschnittliche Ergebnisse für Experimente mit 1 bis 32 Zahlern, in denen ein Entscheider den Betrag a pro verteilter Einheit erhält, ein Empfänger den Betrag b und der/die Zahler den Betrag c pro Einheit bezahlt/en. Beispiel: In Spiel 17 werden bei einem Zahler 8 Einheiten verteilt, was einen Gewinn von je 8 für Entscheider und Empfänger, insgesamt 16 bedeutet, bei Kosten von 8 für den Zahler, insgesamt 8; bei 32 Zahlern werden 5,6 Einheiten verteilt, ein Gewinn von je 5,6 für Entscheider und Empfänger, insgesamt 11,2, bei Kosten von 5,6 für jeden Zahler, insgesamt 179,2.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschen Schwierigkeiten damit haben, Gruppen als Gesamtheit in ihr Urteil einzubeziehen. „Es fällt schwer, sich in die Position einer Gruppe von Menschen hineinzuversetzen“, erklärt Michael Kosfeld. „Daher tendieren wir dazu, die Position eines repräsentativen Mitglieds der Gruppe anzunehmen. Das kann dann dazu führen, dass wir die Größe der betroffenen Gruppe außer Acht lassen.“ Ob dann 10, 100 oder 1000 Personen von einer Entscheidung, die einigen wenigen nutzt, negativ betroffen sind, spielt keine Rolle mehr.

Ein solches Verhalten kann je nach Ausmaß enorme gesellschaftliche Kosten verursachen. Vor allem Politiker, aber etwa auch Ärzte stehen regelmäßig vor Entscheidungen, die positive Folgen für einige wenige zu Lasten großer Gruppen mit sich bringen: Steuerzahler, Bevölkerung, Versichertengemeinschaft. Wenn in solchen Entscheidungssituationen das Verhältnis von Kosten und Nutzen nicht adäquat berücksichtigt wird, drohen große gesamtwirtschaftliche Schäden.

Letztlich kann aber auch jeder Einzelne auf diesen Denkfehler hereinfallen: Um einer oder einigen wenigen Personen Gutes zu tun, sind wir oftmals äußerst großzügig – etwa in Form von Spenden –, wenn es dagegen um Kosten für eine große Gemeinschaft geht – Stichwort Steuersparmodelle – schauen wir nicht auf die Gesamtkosten, sondern nur auf die minimalen Kosten pro Bürger.

Schumacher, H., Kesternich, I., Kosfeld, M., Winter, J. (2016), „One, Two, Many – Insensitivity to Group Size in Games with Concentrated Benefits and Dispersed Costs”, forthcoming in Review of Economic Studies.

Sonstige

Aug 29 2016
12:35

Der Physiker Claudius Gros über Reise eines automatisierten Genlabors zu Himmelskörpern außerhalb unseres Sonnensytems

Das Genesis-Projekt: Neues Leben auf Exoplaneten

FRANKFURT. Lässt sich Leben auf Himmelskörper außerhalb unseres Sonnensystems bringen, die nicht dauerhaft bewohnbar sind? Mit dieser Frage setzt sich Prof. Dr. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität in einem wissenschaftlichen Aufsatz auseinander, der in Kürze in der Fachzeitschrift Astrophysics and Space Science erscheinen wird.

Die Suche nach Exoplaneten hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es sehr unterschiedliche Typen gibt. „Es gilt daher als sicher, dass wir viele Exoplaneten entdecken werden, welche zeitweise, aber nicht dauerhaft bewohnbar sind. Auf diesen Planeten wäre Leben zwar möglich, es hätte aber nicht die Zeit, sich selbständig zu entfalten“, so Gros. Er hat vor diesem Hintergrund die Frage untersucht, ob es möglich wäre, Leben auf Planeten mit transienter Bewohnbarkeit zu bringen.

Technisch wäre die Genesis-Mission schon in einigen Jahrzehnten mittels interstellarer unbemannter Mikro-Raumschiffe realisierbar, die sowohl passiv beschleunigt wie abgebremst werden könnten. Ein automatisiertes Genlabor an Bord der Sonde würde bei der Ankunft eine Auswahl einzelliger Lebewesen mit dem Ziel synthetisieren, eine Ökosphäre aus Einzellern auf dem Zielplaneten zu etablieren. Diese könnte sich anschließend autonom und eventuell auch zu komplexen Lebensformen weiterentwickeln. „Auf diese Weise könnten die zirka vier Milliarden Jahre übersprungen werden, die auf der Erde notwendig waren, um das präkambrische Entwicklungsstadium zu erreichen, aus dem sich die Tierwelt vor etwa 500 Millionen Jahren entwickelt hat“, erläutert der Physiker. Um etwaig vorhandenes Leben nicht zu gefährden, würden Genesis-Sonden nur unbesiedelte Exoplaneten ansteuern.

Die eigentliche Missionsdauer spielte beim Genesis-Projekt keine Rolle, da sich die Zeitskalen für die nachfolgende geo-evolutionäre Entwicklung des Zielplaneten in der Größenordnung von einigen zehn bis hundert Millionen Jahren bewegen. Das Genesis-Projekt hat daher keinen direkten Nutzen für die Menschen auf der Erde. „Es würde uns aber ermöglichen, dem Leben etwas zurückzugeben“, so Gros. In diesem Zusammenhang diskutiert er auch, ob biologische Inkompatibilitäten zu erwarten wären, falls eine evolutionär voll entwickelte zweite Erde kolonialisiert würde. „Das scheint derzeit jedoch höchst unwahrscheinlich“, dämpft der Frankfurter Physiker zu hohe Erwartungen.

Publikationen: Claudius Gros, Developing Ecospheres on Transiently Habitable Planets: The Genesis Project, Astrophysics and Space Science (in press); http://arxiv.org/abs/1608.06087

Interview mit Claudius Gros: How to Jumpstart Life Elsewhere in Our Galaxy, The Atlantic, http://www.theatlantic.com/science/archive/2016/08/genesis-missions/497258/

Informationen: Prof. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 47818, gros07@itp.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Aug 25 2016
11:34

Lernexperte Prof. Andreas Gold zum Start des neuen Schuljahres an hessischen Schulen und zu seinem soeben erschienenen Buch

Mehr Toleranz für unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten von Kindern

FRANKFURT.Zum Schulstart in Hessen plädiert Andreas Gold, Professor für Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität, dafür, dass Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen mehr Toleranz für unterschiedliche Lern- und Entwicklungsgeschwindigkeiten von Kindern aufbringen.

In einem Interview mit dem Magazin „Goethe-Uni online“ macht sich der Psychologe Gold dafür stark, unterschiedliche Lerntempi mit größerer Gelassenheit zu akzeptieren und eine höhere „Langsamkeitstoleranz“ zu entwickeln. „Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Lehrer meist nicht lange genug abwarten, bis Kinder auf ihre Frage antworten, oft schon nach 3 Sekunden Stille die Antwort selbst geben oder die Frage neu formulieren.“ Mindestens 5 Sekunden Nachdenkzeit seien aber sinnvoll, damit Schülerinnen und Schüler überlegt antworten könnten.

Sich auf die unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten und Lernfähigkeiten der Einzelnen einzulassen, in einer leistungsheterogen zusammengesetzten Klasse zu unterrichten, ist für die meisten Lehrer zwar nichts Neues, bleibt aber eine besondere Herausforderung. „Gemeinsam Verschiedenes lernen“, formuliert Gold das Ziel, das nur erreicht werden könne, wenn Lehrer Methoden, Lernzeit und Lernziele an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen ihrer Schüler anpassen.

In seinem soeben erschienenen Buch „Lernen leichter machen – Wie man im Unterricht mit Lernschwierigkeiten umgehen kann“ beschäftigt sich der Psychologe mit der Förderung von Schülern, die erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen haben. Immerhin sind das 15 bis 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen. Hinzu kommen die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen – weitere knapp 3 Prozent. In einer Klasse mit 25 Schülern sind somit durchschnittlich vier bis sechs Kinder betroffen. Engagieren müssen sich Lehrer wie Schüler gleichermaßen, um die Schwierigkeiten zu überwinden – dazu Gold: „‚Lernen leichter machen‘ heißt nicht, Kindern die zum Lernen notwendige Eigentätigkeit abzunehmen oder ihnen Abkürzungen anzubieten, die ganz ohne Mühen zum Ziel führen. Es geht vielmehr darum, Wege und Hilfsmittel aufzuzeigen, die sich nutzen lassen, um dorthin zu kommen, wohin andere Kinder auch ohne solche Hilfen gelangen.“

Der Unterricht müsse kognitiv aktivierend und emotional unterstützend sein. Guter Unterricht zeichnet sich für Gold dadurch aus, dass Schüler zum Denken angeregt und in ihren Lernprozessen individuell unterstützt werden. Auch dass ihre Lernfortschritte kleinteilig beobachtet und sachbezogen rückgemeldet werden, gehört dazu. „Regelmäßige Lernfortschrittsmessungen informieren die Kinder darüber, wo sie stehen und was noch zu tun ist. Und die Lehrerin zieht daraus Rückschlüsse über die Angemessenheit ihres bisherigen Vorgehens und Konsequenzen für ihr weiteres Handeln“, so Gold.

In dem Buch, das sich an Lehrer aber auch an Eltern wendet, stellt Gold ein abgestuftes Konzept vor: So sollte möglichst schnell festgestellt werden, ob ein Kind im Regelunterricht durch individuell angepasste Maßnahmen zusätzlich unterstützt werden müsse. „Reichen diese nicht aus, müssen intensivere, unterrichtsadditive Fördermaßnahmen veranlasst werden. Erst ganz am Ende der Maßnahmenkette ist eine separate Förderung in besonderen Einrichtungen zu erwägen“, erläutert Gold.

Ausführlich beschäftigt sich der Psychologe auch mit der Wirksamkeit verschiedener Förderprogramme bei Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwierigkeiten: „Es gibt zwar eine große Anzahl von Förderprogrammen. Aber nur selten ist deren Wirksamkeit in kontrollierten Studien überprüft worden.“ Wirksam seien symptomspezifische Programme, die direkt an den beeinträchtigten Lese-, Rechtschreib- oder Rechenprozessen einsetzen. Nicht wirksam seien dagegen unspezifische Trainings, alternativ-medizinische oder ganzheitliche Verfahren.

Gold kritisiert, dass es vom Wohnort abhängt, wie pädagogisch und schulrechtlich mit Lernschwierigkeiten umgegangen wird. Individuelle Förderung, Nachteilsausgleich oder Notenschutz werden in den Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt. „Es gleicht einer Landeslotterie, ob man mit dem Notenschutz das große Los ziehen kann und wie häufig eine Legasthenie oder Dyskalkulie überhaupt diagnostiziert werden.“

Andreas Gold, Lernen leichter machen – Wie man im Unterricht mit Lernschwierigkeiten umgehen kann, Göttingen 2016, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 978-3-525-70194-2, 159 Seiten, 18 Euro.

Informationen: Prof. Dr. Andreas Gold, Institut für Psychologie, Fachbereich Psychologie und Sport, Campus Westend, Tel. (069) 798-35357, E-Mail: gold@paed.psych.uni-frankfurt.de

Link zu dem Audio-Interview im Magazin „Goethe-Uni online“ http://tinygu.de/interview-gold

Veranstaltungen

Aug 18 2016
10:07

Rahmenprogramm des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zur Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ im Museum Angewandte Kunst / Pressekonferenz am 8. September

Waffen, Notwehr, Cyberwar – Gewalt und ihre Rechtfertigungen

FRANKFURT.Wer weiß schon, wie oft der „Peacemaker“ genannte Patronenrevolver der Firma Colt wirklich für Frieden gesorgt hat? Und warum eigentlich wurde ausgerechnet der Tarnjackenlook zum Hingucker in der modernen Mode? Von der Welt der Waffen scheint eine ambivalente Faszination auszugehen. Ihren Spuren in Kunst, Mode, Design und Alltagskultur folgt das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt ab dem 10. September. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, der seinerseits im Rahmenprogramm nach gesellschaftlichen Rechtfertigungsmustern für den Gebrauch von Waffen fragt. Dabei ist der Begriff selbst schon erklärungsbedürftig – zumal in Zeiten autonom agierender Drohnen, Pistolenteilen aus dem 3D-Drucker und Cyberwar-Attacken, bei denen kein einziger Schuss fällt.

Die Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ ist bis zum 26. März 2017 zu sehen. Das vom Exzellenzcluster verantwortete Rahmenprogramm aus Vorträgen, Diskussionsrunden und Filmscreenings umfasst 14 Einzeltermine, gleichmäßig verteilt über die Laufzeit der Ausstellung. Die Beteiligten sind Mitglieder des Forschungsverbundes mit Sitz an der Goethe-Universität, weitere Wissenschaftler und Künstler sowie Angehörige des Kuratorenteams. Den Auftakt bildet ein Vortrag von Klaus Günther, Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität und Co-Sprecher des Clusters. Er widmet sich am 14. September um 19 Uhr im Museum dem Thema: „Mit Waffen wehren sich Mann und Frau. Die Rechtfertigung der Selbstverteidigung“.

Wer Gewalt anwendet, erzählt fast immer eine rechtfertigende Geschichte – sei es von Ehre und Schande, Not und Unterdrückung oder Ausbeutung und Erniedrigung. Und zuweilen geht es auch um nichts Geringeres als den schicksalhaften Kampf zwischen Gut und Böse. Eine klassische Erzählung rekurriert auf die Notwehr und das Recht, sich bei einem Angriff selbst zu verteidigen. Wie aber sieht eine angemessene Reaktion aus, und wie viel Rachefeldzüge braucht es, um einmal erlittenes Unrecht endlich zu sühnen? Das Gewaltmonopol des Staates bereitet dem kräftezehrenden „Kampf aller gegen alle“, wie es der Philosoph Thomas Hobbes nannte, ein Ende. Nun schützt prinzipiell die Gemeinschaft – der „Leviathan“ (Hobbes) – den Einzelnen, der nur noch in Ausnahmefällen selbst aktiv werden darf.

Enge rechtliche Grenzen gibt es auch, wenn man jemandem zur Seite stehen will. Das Völkerrecht kennt den Begriff der Schutzverantwortung („responsibility to protect“), die eine humanitäre Intervention in Ländern mit massiven Menschenrechtsverletzungen erlaubt und auch gebietet. Ganz werden sich das Recht auf Selbstverteidigung und die Schutzverantwortung also nicht abschaffen lassen. „Aber man sollte ihren jeweiligen Rechtfertigungsnarrativen aufmerksam zuhören“, so Klaus Günther, der Aspekte dieses Themas auch in der Publikation bearbeitet, die begleitend zur Ausstellung im Distanz Verlag erscheint. Sie heißt AMMO in Anlehnung an die Kurzform von „ammunition“, dem englischen Wort für Munition.

Die Frage, wann Waffengebrauch legitim erscheint oder legal ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die Beiträge. Dabei geht es auch um die rechtliche Definition dessen, was überhaupt eine Waffe ist, um die besondere Situation in den USA und um die Folgen, die ferngesteuerte Drohnen, das Internet und der 3D-Druck auf das staatliche Gewaltmonopol haben. Beleuchtet werden die jeweiligen Themen nicht nur aus juristischer Perspektive, sondern auch aus einem philosophischen, ethnologischen, historischen, politik-, kunst- und medienwissenschaftlichen Blickwinkel. So beschäftigen sich einige Veranstaltungen mit der Darstellung und vermeintlichen Rechtfertigung von Gewalt in Kinofilmen, wobei Waffen eine zentrale Rolle spielen, wie in dem Western „Winchester ‘73“, oder diejenigen im Mittelpunkt stehen, die besonders gut mit ihnen umgehen können, wie in dem Irak-Kriegsfilm „American Sniper“.

Die Welt der Waffen weist auch starke symbolische Bezüge auf, was ebenfalls thematisiert wird: Schwerter im frühen Mittelalter hatten die Form eines Kreuzes, rund tausend Jahre später inszenieren sich junge Jihadistinnen im Internet mit Burka und Kalaschnikow. Und auch der Zerstörung von Waffen kommt Bedeutung zu, wie beispielsweise bei der öffentlichkeitswirksamen Entsorgung syrischer Chemiewaffen auf hoher See. Bleibt noch die Alltagskleidung und ihre erstaunliche Affinität zum Kriegerischen. „Anziehend militärisch? Camouflage, Uniform und Parka in der Mode“ heißt die zweite Septemberveranstaltung des Rahmenprogramms (20.9. um 19 Uhr). Diskutanten sind: Miloš Vec, Professor für europäische Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und assoziiertes Mitglied des Clusters, Ingeborg Harms, Professorin für Modetheorie und Kulturwissenschaften an der Universität der Künste Berlin, und Dr. Mahret Kupka, Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst..

Von Oktober bis Dezember stehen noch vier weitere Veranstaltungen auf dem Programm. Im Jahr 2017 folgen bis Mitte März acht Termine. Medienpartner des Rahmenprogramms ist das Journal Frankfurt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen des Rahmenprogramms beträgt 5 € (erm. 3,50 €); freier Eintritt für Studierende/Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Goethe-Universität und des Exzellenzclusters bei Vorlage des Universitätsausweises an der Kasse.

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung „Unter Waffen. Fire & Forget 2“ am Freitag, 9. September 2016, um 19 Uhr.

Ein Hinweis an die Medien:

Die Pressekonferenz zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm findet am Donnerstag, 8. September 2016, um 11 Uhr statt. Ort ist das Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main.

Kontakt:

Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/

Museum Angewandte Kunst: Dorothee Maas (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Tel.: 069/212-32828, presse.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de, www.museumangewandtekunst.de

Alle Termine des Rahmenprogramms:

www.normativeorders.net/unterwaffen