​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ ​ – Juni 2024

Unsere Pressemitteilungen informieren Sie über aktuelle Ereignisse aus der Universität. Dazu zählen neue Forschungsergebnisse, universitäre Themen und Veranstaltungsankündigungen. Sie wollen regelmäßig über Neuigkeiten aus der Goethe-Universität informiert werden? Abonnieren Sie unsere Pressemitteilungen.

Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Jun 28 2024
13:49

Neuer LOEWE-Schwerpunkt an der Goethe-Universität zu innovativer Krebstherapie 

Warum manche Tumore gegen Zelltherapien resistent sind

Mit 4,8 Millionen Euro fördert das Forschungsförderprogramm des Landes Hessen, LOEWE, einen neuen Forschungsverbund unter Federführung der Goethe-Universität: Der LOEWE-Schwerpunkt CARISMa forscht an neuen Therapien, die mit gentechnisch modifizierten körpereigenen Immunzellen, den sogenannten CAR-T-Zellen, therapieresistente Krebsarten behandeln sollen.

FRANKFURT. Der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Enrico Schleiff, beglückwünscht die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von CARISMa: „Der neue LOEWE-Verbund etabliert in Hessen ein innovatives Forschungsprogramm, das gerade weltweit Auftrieb erlebt. Dabei erweitert er das Profil der Goethe-Universität und unserer Kooperationspartner auf dem Gebiet der CAR-Zelltherapie. An der Goethe-Universität setzt der Verbund da an, wo wir schon stark sind: in der Tumorbiologie, in der Arzneimittelentwicklung und der klinischen Onkologie. Und auch unserer Profilbereich ,Molekulare und Translationale Medizin' wird durch den Zelltherapieschwerpunkt neue Impulse bekommen.“

Das Gebiet der Zelltherapie ist eines der dynamischsten Felder der modernen Hämatologie und Onkologie. Bei der CAR-Therapie werden patienteneigene Immunzellen durch das Einbringen des CAR-Vektors (CAR ist die Abkürzung für chimären Antigen-Rezeptor) genetisch so modifiziert, dass sie Tumorzellen gezielt erkennen und immunologisch abtöten können. Bei der Behandlung von Leukämien und Lymphomen hat die CAR-Therapie Erfolge erzielt, bei denen bisherige Therapien versagt haben. Sogenannte „solide“ Tumore wie bösartige Hirn-, Bauchspeicheldrüsen- und Darmtumore erweisen sich dagegen weitgehend resistent gegen diese Therapie. 

Der neue LOEWE-Schwerpunkt „Optimierung von CAR-Zelltherapien durch Beeinflussung des ImmunSuppressiven Tumor-Mikromilieus“, kurz CARISMa, will nun zu einem besseren Verständnis beitragen, wie diese Resistenz der soliden Tumore zustande kommt und wie sie verhindert werden kann. Dazu wird erforscht, wie genau die CAR-T-Zellen mit dem Tumor und seinem Tumormikromilieu interagieren und wie neuartige CAR-Zelltherapien entwickelt werden können, die diese Resistenz überwinden. Dazu werden die Projektpartner, die bereits gemeinsam forschen, stärker standortübergreifend und interdisziplinär zusammenarbeiten. 

Neben der federführenden Goethe-Universität Frankfurt ist an CARISMa die Philipps-Universität Marburg beteiligt, das Frankfurter Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie (Georg-Speyer-Haus) und das Paul-Ehrlich-Institut in Langen sowie der Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen. Der neue LOEWE-Schwerpunkt wird auch Synergien schaffen in der Zusammenarbeit mit dem onkologischen Exzellenznetzwerk für translationale Krebsforschung (DKTK) und dem LOEWE-Zentrum Frankfurt Cancer Institute (FCI).

Wissenschaftlicher Koordinator von CARISMa ist Prof. Thomas Oellerich vom Fachbereich Medizin, Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Frankfurt und Goethe-Universität. Das Forschungsprojekt wird mit ca. 4,8 Millionen Euro für vier Jahre von 2025 bis 2028 gefördert.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Thomas Oellerich
Fachbereich Medizin
Zentrum der Inneren Medizin
Medizinische Klinik 2 (Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie, Rheumatologie, Infektiologie) 
Goethe-Universität
oellerich@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 28 2024
10:27

Hessische Fachkräfteinitiative präsentiert an der Goethe-Universität zentrale Ergebnisse der Zukunftswerkstätten aller hessischen Regionen 

Fachkräftesicherung: Individuelle Strategien der Regionen notwendig

Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist auch in der hessischen Wirtschaft schmerzhaft spürbar. Arbeitsmarktforschungen zufolge soll er bis 2050 anhalten. Die Hessische Fachkräfteinitiative „Zukunftsgerecht und regional“ der Landesregierung sucht auf wissenschaftlicher Basis Strategien, um das Problem abzufedern. Hessens Sozialministerium und das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität haben heute zur breiten Diskussion eingeladen.

FRANKFURT. Die „Hessische Fachkräfteinitiative: Zukunftsgerecht und regional“ des Landes zieht nach regionalen Zukunftswerkstätten mit allen 26 hessischen Kreisen und kreisfreien Städten im Jahr 2023 und der Etablierung eines festen Fach- und Erfahrungsaustauschs der kommunalen Wirtschaftsförderer eine positive Zwischenbilanz. Bisherige Strategien in allen Regionen standen auf dem Prüfstand. Die Strategieansätze sind jetzt breiter und nachhaltiger aufgestellt, die Maßnahmen transparenter. Die Stabsstelle Fachkräftesicherung in Hessen hat diese Aktivitäten in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität begleitet.

Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist in der hessischen Wirtschaft und den Verwaltungen allgegenwärtig und belastet wirtschaftliche Entwicklung und soziale Infrastruktur. Hauptursache des Mangels ist die demografische Entwicklung: Mehr Menschen scheiden aus dem Erwerbsleben aus als neue Arbeitskräfte hinzukommen. Prognosen des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) zufolge wird der Mangel in Hessen bis in die 2050er Jahre hinein bestehen. In den kommenden Jahren ist von einer weiteren Verschärfung auszugehen. Diese Einsicht hat inzwischen viele Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsakteure erreicht, so dass sie sich aktiv in der Weiterentwicklung der Fach- und Arbeitskräftesicherung engagieren.

„Die Hessische Fachkräfteinitiative ‚Zukunftsgerecht und regional' hat die Regionen mit den Zukunftswerkstätten vor Ort praxisorientiert und passgenau unterstützt. Interregionale Vernetzung ermöglicht, voneinander zu lernen und stärkt überdies die Zusammenarbeit beim Sichern von Fach- und Arbeitskräften“, so Heike Hofmann, Hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales. „Das Engagement in den Regionen ist überwältigend, die Zahl der Maßnahmen beeindruckend. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse belegen: In Hessen gehen wir die Bekämpfung des Fach- und zunehmenden Arbeitskräftemangels gemeinsam an“, stellt Ministerin Hofmann fest. 

Ausgehend von Prognosedaten zur jeweiligen regionalen Lage konnten in den Zukunftswerkstätten bestehende Fachkräftesicherungsansätze und -strategien bewertet und optimiert werden. Neue Strategiefelder wurden erschlossen, beispielsweise Möglichkeiten zur Senkung der Fachkräftenachfrage über gezielte Automatisierung oder durch Veränderung der Arbeitsorganisation. Auch eine Stärkung der regionalen Weiterbildungsmöglichkeiten kann dazu beitragen, dass Beschäftigte schnell mit Veränderungen zurechtkommen und die Arbeitszufriedenheit steigt. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den Regionen ist es sinnvoll, jeweils eigene Ansätze zu entwickeln.

„Allen Kreisen und kreisfreien Städten ist der Ernst der Lage bewusst. Interesse und Engagement sind immens“, sagt Dr. Christa Larsen, Direktorin des IWAK. Die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsakteure innerhalb der Regionen rückten enger zusammen und entwickelten gemeinsam neue Unterstützungsangebote für die Betriebe, Unternehmen und auch für die öffentlichen Arbeitgeber. Die kommunalen Wirtschaftsförderer tauschten gezielt ihre Erfahrungen aus und unterstützten sich gegenseitig. Ein Erfolgsbeispiel aus einem Landkreis könne in anderen Kreisen sehr schnell aufgenommen und umgesetzt werden. Kommunikation und Kollaboration seien für alle Beteiligten lohnend.

Heute treffen sich mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus allen hessischen Regionen und tauschen sich über ihre bisherigen Erfahrungen und Einsichten aus. Zudem stellt das IWAK systematische Erkenntnisse aus den Zukunftswerkstätten und dem etablierten Austausch der Wirtschaftsförderungen vor. „Als Erfolgsfaktoren für die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Fachkräftesicherungsstrategie erweisen sich offene Kollaboration, gepoolte Ressourcen und eine Anbindung an die Politik sowie eine noch bessere Erschließung von Kompetenzen“, stellt Larsen fest. Beispiele guter Praxis werden in Workshops vorgestellt und diskutiert. 

Im Herbst 2024 sollen die bisherigen Strategien erneut auf den Prüfstand kommen: Dann stellt die Hessische Fachkräfteinitiative „Zukunftsgerecht und regional“ neue regionale Prognoseergebnisse zur Verfügung. Auf dieser Grundlage sollen neue Weiterentwicklungsimpulse entwickelt werden, die helfen, den Fach- und Arbeitskräftemangel zu lindern. 

Weitere Informationen und Interviewanfragen:

Dr. Christa Larsen
Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK)
Telefon: 069/798-22152
E-Mail: C.Larsen@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 27 2024
13:10

Erste Josef-Horovitz-Vorlesung des „Frankfurt-Tel Aviv-Center“ an der Goethe-Universität

Ein Protagonist der Erforschung jüdisch-islamischer Beziehungen

FRANKFURT. Vor ziemlich genau zwei Jahren Jahr fand in Frankfurt die Eröffnungskonferenz des neuen deutsch-israelischen Forschungszentrums Frankfurt-Tel Aviv Center für Interreligiöse Studien statt; ein halbes Jahr später wurde dann in Israel von den beiden Hochschulpräsidenten der Kooperationsvertrag zwischen der Goethe-Universität und der Tel Aviv University unterschrieben. Jetzt startet das interdisziplinäre Frankfurt-Tel Aviv Center in Frankfurt die erste Josef-Horovitz-Vorlesung, die von nun an jährlich stattfinden soll. 

„Die Wahl des Namens der Vorlesung ist alles andere als zufällig“, erklärt Christian Wiese, Martin-Buber-Professor für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität, der gemeinsam mit Prof. Menachem Fisch von der Tel Aviv University das Frankfurt-Tel Aviv Center gegründet hat und leitet. Der in Frankfurter aufgewachsene jüdische Professor für Orientalistik Josef Horovitz (1874-1931) galt seinerzeit als der beste Kenner des Korans in der nicht-islamischen Welt. Zudem war er Begründer der Frankfurter Orientalistik und Mitglied des Gründungskuratoriums der Hebräischen Universität Jerusalem. „Josef Horovitz war ein herausragender Protagonist der Erforschung jüdisch-islamischer Beziehungen und ein engagierter Befürworter der Völkerverständigung im Geiste der Aufklärung und wechselseitiger Achtung der Religionen“, so Wiese. „Damit verkörpert er eines der zentralen Ziele des interreligiösen Forschungsansatzes unseres Zentrums“. Am 26. Juli 2024 jährt sich Horovitz' Geburtstag zum 150. Mal.

Die erste „Annual Josef-Horovitz Lecture for the Study of Interreligious Dynamics“ mit dem Titel „Qohelet Illuminated: A New Reading and a New Seeing“ findet statt am Dienstag, den 2. Juli 2024 um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum 10 (HZ 10) auf dem Campus Westend. 

Sie wird gehalten von der amerikanischen Künstlerin Debra Band und dem renommierten Tel Aviver Philosophen Prof. Menachem Fisch, die ihr gemeinsames Buch Qohelet: Searching for a Life Worth Living (2023) vorstellen. Grußworte sprechen Prof. Christian Wiese und Prof. Milette Shamir, Vize-Präsidentin der Tel Aviv University.

Titel des Vortrags von Menachem Fisch ist „Rationality Time Bound: Qohelet's Pre-Revelatory Religious Philosophy". Debra Band wird in ihrem Beitrag „Approaching Qohelet: Developing the Modern Visual Midrash“ auf die visuelle Gestaltung des Buches Qohelet eingehen. In beiden Vorträgen werden mittelalterliche Tradition des Illustrierens ebenso zur Sprache kommen wie postmoderne Theorien zu Lebensfragen.


Menachem Fisch ist emeritierter Joseph-and-Ceil-Mazer-Professor für Wissenschaftsgeschichte und -philosophie und Direktor des Zentrums für religiöse und interreligiöse Studien an der Tel Aviv University sowie Senior Fellow des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg. Im Zentrum seiner Forschungen stehen u.a. die Philosophie des talmudischen Rechtsdenkens und die Bedeutung talmudischer Diskurse für die Frage religiöser Pluralität und Differenz.

Debra Bands Arbeit an hebräischen malerisch gestalteten Handschriften resultiert aus ihrer Begeisterung für hebräische Handschriftenkunst und für biblische Studien. Zum künstlerischen Werk der studierten Historikerin und Politikwissenschaftlerin, dessen intellektuelle und spirituelle Tiefe sowie visuelle Schönheit geschätzt wird, zählen illuminierte und mit Scherenschnitten versehene Bücher und Manuskriptstücke, die in Ausstellungen in der englischsprachigen Welt zu sehen sind. 

Die Josef-Horovitz-Vorlesung wird veranstaltet vom Frankfurt Tel Aviv Center, dem Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte am Fachbereich Evangelische Theologie sowie dem Forschungsverbund „Dynamiken des Religiösen“.

Die Vorträge finden in englischer Sprache statt.

https://buber-rosenzweig-institut.de/events/einzelveranstaltung/annual-josef-horovitz-lecture-for-the-study-of-interreligious-dynamics-2024/

Eine Anmeldung (unter kramberger@em.uni-frankfurt.de) ist willkommen, aber nicht Voraussetzung für die Teilnahme. Teilnehmer*innen an der Veranstaltung sollten sich ggf. auf Sicherheitsmaßnahmen wie Taschenkontrollen einstellen.

Information
Dr. Judith Müller
Buber-Rosenzweig-Institut
jud.mueller@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 26 2024
12:57

Der nächste Termin der Veranstaltungsreihe „Frankfurter Schule“ widmet sich dem in jüngster Zeit intensiv geführten Diskurs über Kolonialismus. Ins Gespräch treten der Historiker und Autor Dan Diner und der Jurist und Journalist Miloš Vec. 

Was heißt „kolonial“?

Am 3. Juli findet im Freien Deutschen Hochstift die mittlerweile fünfte Veranstaltung der vom Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Dezernat Kultur und Wissenschaft durchgeführten Reihe „Frankfurter Schule“ statt. Das Podiumsgespräch und die anschließende Diskussion gehen der Frage nach, welche Bedeutung das Attribut „kolonial“ annehmen kann und welche Verwendung es findet.

FRANKFURT. Das Wort vom „Kolonialen“ erlebt eine durchaus widersprüchliche Konjunktur. In jüngster Vergangenheit sind Deutschlands kolonialistisches Erbe und die lange Zeit marginalisierte Stellung des Kolonialismus in der deutschen Erinnerungskultur vermehrt zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen geworden. Parallel zu der gestiegenen Aufmerksamkeit für den Kolonialismus als historische Phase und für die weiterhin drängende Frage der Aufarbeitung lässt sich jedoch auch ein regelrecht inflationärer Gebrauch des Wortes beobachten. Unterschiedslos wird es auf Herrschafts- und Ungleichheitsverhältnisse verschiedenster Art angewendet. Damit droht das Attribut „kolonial“ seine ursprüngliche analytische Bedeutung zu verlieren und zu einem allseits einsetzbaren Schlagwort in oft hitzig geführten politischen Debatten zu verkommen. Die Veranstaltung

„Was heißt ‚kolonial'? Zur Bedeutung einer historischen Qualifizierung“ am Mittwoch, den 3. Juli 2024, um 19 Uhr im Arkadensaal des Freien Deutschen Hochstift mit dem Historiker und Autor Dan Diner und dem Rechtswissenschaftler und Journalisten Miloš Vec will sich in aufklärerischer Absicht diesem überaus aktuellen Thema widmen. Dabei geht es um Geschichte, Begriff und politische Verwendung von mit dem „Kolonialen“ in Verbindung gebrachten Phänomenen. 

Der Eintritt kostet 3 Euro. Karten können an der Abendkasse erworben werden.

Dan Diner ist Professor Emeritus an der Hebräischen Universität zu Jerusalem und ehemaliger Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig. Gegenwärtig leitet er das Jacob Robinson Institute for the History of Individual and Collective Rights in Jerusalem. In seiner Forschung konzeptualisiert er eine moderne jüdische Geschichte und eine von der kolonialen Peripherie her erzählte Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, zur jüdischen Geschichte, zur Geschichte des Mittleren Ostens und zur deutschen Geschichte, insbesondere zu Holocaust und Nationalsozialismus.

Miloš Vec ist Professor für Europäische Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und assoziiertes Mitglied des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“. Er habilitierte sich an der Goethe-Universität in Neuerer Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Rechtstheorie und Zivilrecht. In seiner Forschung beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit der Geschichte des Völkerrechts, des öffentlichen Rechts sowie der Kriminologie und Kriminalistik. Zudem arbeitet er als freier Journalist, unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Rainer Forst, Direktor des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“, sagt mit Blick auf den Termin: „Ich freue mich sehr darüber, dass wir unsere Reihe mit dem renommierten Historiker Dan Diner fortsetzen können. Uns geht es darum, die brisanten Themen der Zeit mit Bezug auf die kritische Theorie zu durchdenken, und für das komplexe Thema des Kolonialismus ist Diner goldrichtig.“ Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig betont: „Frankfurt ist die Stadt der kritischen Theorie, die als Ideologiekritik gerade in Zeiten erbittert ausgefochtener Kulturkämpfe unverzichtbar ist. Umso wichtiger ist, dass das ‚Frankfurter Denken' nicht in der universitären Echokammer verbleibt, sondern den Weg in die breite Öffentlichkeit findet. Dies gelingt unserer Gesprächsreihe in vorbildhafter Weise, was die große Resonanz beim Publikum belegt.“

Die vom Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Dezernat Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main organisierte Reihe findet in regelmäßigen Abständen in wechselnden Frankfurter Kultureinrichtungen statt. Zu Gast sind Persönlichkeiten, die – geschult am ‚Frankfurter Denken' – zu aktuellen Problemlagen kritisch Position beziehen. Die Kooperationspartner der Veranstaltungsreihe sind das Institut für Sozialforschung, hr2-kultur und das Museumsufer Frankfurt.

Weitere Informationen: Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität. anke.harms@normativeorders.net;  069/798-31407. www.normativeorders.net 

Jana Kremin, Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Dezernat Kultur und Wissenschaft, Stadt Frankfurt am Main. jana.kremin@stadt-frankfurt.de; 069/212-49232 www.kultur-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 26 2024
11:55

Vom 2. Juli bis 12. Juli wird die international renommierte Künstlerin, Kuratorin und Theoretikerin Grada Kilomba an der Goethe-Universität forschen und lehren.

Angela-Davis-Gastprofessur 2024: Grada Kilomba, The Art of Performing Knowledge

FRANKFURT. Das Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung hat vom 2. Juli bis 12. Juli die international renommierte Künstlerin, Kuratorin und Theoretikerin Grada Kilomba als Angela-Davis-Gastprofessorin an die Goethe-Universität eingeladen. Grada Kilomba ist eine in Berlin lebende portugiesische Künstlerin, die sich in ihrer Arbeit mit Erinnerung, Trauma, sowie dem Nachhall kolonialer Herrschaft und transatlantischer Versklavung auseinandersetzt. 

Mit Hilfe von Performance, inszenierter Lesung, Video, Fotografie sowie großformatigen skulpturalen und akustischen Installationen hinterfragt Kilomba Konzepte von Wissen, Gewalt und Wiederholung. Ihr Werk ist vor allem für ihre subversive Praxis des Geschichtenerzählens bekannt, bei der sie eine poetische und immersive Bildsprache schafft und ihren eigenen Texten Körper, Stimme, Form und Bewegung verleiht. „Welche Geschichten werden erzählt? Wie werden sie erzählt? Wo werden sie erzählt? Und von wem erzählt?“ sind wiederkehrende Fragen in Kilombas Werk. 

Im Rahmen ihrer Gastprofessur wird Kilomba die „art of performing knowledge", also die „Kunst, Wissen darzustellen“, erforschen. Die Gastprofessur beginnt mit einer öffentlichen Vorlesung und Performance am 2. Juli 2024 um 18 Uhr c.t.. Neben einem dreitägigen Seminar wird Kilomba sich mit Wissenschaftler*innen in der frühen Berufsphase treffen und am 11. Juli 2024 um 15 Uhr in einem Artist Talk über ihre künstlerische Praxis berichten. Die Gastprofessur endet mit einer öffentlichen Vorlesung und Performance am 11. Juli 2024 um 18 Uhr c.t..

Das Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung lädt in Kooperation mit dem Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums, dem GRADE Center Gender und dem Büro für Chancengerechtigkeit der Goethe-Universität zu den Veranstaltungen im Rahmen der Angela-Davis-Gastprofessur ein. Die Veranstaltungen finden in englischer Sprache statt, der Eintritt ist frei. 

Die Angela-Davis-Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies dient der Förderung internationaler und interdisziplinärer Zusammenarbeit im Bereich Gender und Diversity. Als erste Inhaberin der Gastprofessur war Angela Davis 2013 am Cornelia Goethe Centrum zu Gast. Nach dem erfolgreichen Auftakt wird die Gastprofessur in regelmäßigen Abständen mit eine*r international renommierten Frauen- und Geschlechterforscher*in besetzt.

Übersicht der öffentlichen Einzeltermine

02.07.2024
18-20 Uhr c.t. (mit anschließendem Empfang)
HZ5, Hörsaalzentrum, Campus Westend
Performing Knowledge: Heroines, Birds and Monsters.
Öffentliche Antrittsvorlesung und –performance

11.07.2024
15-16:00 Uhr
Cas 823, Casino, Campus Westend
Artist Talk

11.07.2024
18-20 Uhr c.t. (mit anschließendem Empfang)
Cas 823, Casino, Campus Westend
Performing Knowledge: Opera to a Black Venus.
Öffentliche Abschlussvorlesung und –performance

Mehr Informationen zur Angela-Davis-Gastprofessur unter https://cgc.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/angela-davis-gastprofessur 

Kontakt: Dr. Johanna Leinius, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Cornelia Goethe Centrums. Tel. (069) 798-35103; Leinius@em.uni-frankfurt.de  


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 24 2024
10:48

Das Projekt RaDiPol setzt bei der Untersuchung den Fokus auf Betroffene. 

Wie viel Rassismus und Diskriminierungserfahrungen gibt es im Kontakt mit der Polizei?

FRANKFURT. Das Projekt „Rassismus und Diskriminierungserfahrungen im Polizeikontakt“ (RaDiPol) an der Goethe-Universität wird im Juli mit dem Forschungsprozess beginnen. RaDiPol untersucht die Erfahrungen und Wahrnehmungen von rassistischer sowie anderer Formen menschenfeindlicher Diskriminierung durch die Polizei mit einem Fokus auf Perspektiven hiervon Betroffener. Dabei werden drei Hauptziele verfolgt: 

  • Die Erhebung von Umfang und Struktur rassistischer Diskriminierung durch die Polizei aus Perspektive der Betroffenen; 
  • Die Darstellung der Folgen für die Betroffenen und ihr Verhältnis zur Polizei und (Mehrheits-)Gesellschaft; 
  • Die Untersuchung des polizeilichen Umgangs mit der Problematik des Rassismus bzw. der Bedeutung dieses Umgangs für die polizeiliche Arbeit.

Hierfür werden quantitative und qualitative Methoden kombiniert: Es wird in mehreren deutschen Großstädten eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zum Thema durchgeführt und über qualitative Expert:innen-Interviews erweitert und vertieft. Durch diesen multimethodischen Ansatz sollen Betroffenenperspektiven in unterschiedlichen Facetten erfasst werden. Zudem sollen Fokusgruppen mit Polizist:innen durchgeführt werden, um ein besseres Verständnis innerpolizeilicher Perspektiven auf und Umgangsweisen mit Rassismus und Diskriminierung zu erhalten.

Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Professor für Kriminologie und Strafrecht an der Goethe-Universität, betont: „Rassismus und Diskriminierung durch die Polizei haben nicht nur für die Betroffenen einschneidende Folgen, sie haben auch eine Signalwirkung in die Gesellschaft hinein.“ Gleichzeitig, so der Co-Leiter, sei die „Polizei bei der Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung in den eigenen Reihen noch am Anfang“, weswegen die empirische Untersuchung des Themas im Rahmen des RaDiPol-Projekts einen wichtigen Schritt darstellt.

Das Projekt RaDiPol hofft, die öffentliche Diskussion sowie die bestehende Forschung mit belastbaren Erkenntnissen über Häufigkeit, Art und Weise von rassistischen Diskriminierungserfahrungen und -wahrnehmungen im Polizeikontakt erweitern und ergänzen zu können. Dies ist von außerordentlicher Relevanz für die Befassung mit der Rolle der Polizei in der Gesellschaft und ihrem Verhältnis zu marginalisierten Gruppen und Communities, für die Fortentwicklung professioneller Polizeiarbeit, für den Umgang mit den Folgen diskriminierenden Verhaltens und für die Entwicklung von Lösungen für damit verbundene Probleme.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es ist ein Kooperationsprojekt der Professur für Kriminologie und Strafrecht der Goethe-Universität Frankfurt und der Professur für Kriminologie und Soziologie der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg.

Weitere Informationen über das Projekt, seine Ziele und laufende Arbeiten unter https://radipol.uni-frankfurt.de/

Kontakt: radipol@uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 21 2024
15:09

Der renommierte Kant-Experte Arthur Ripstein spricht bei den Frankfurt Lectures des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“

Die Grundlagen öffentlicher Macht 

FRANKFURT. Mit welchem Recht darf ein Staat Hoheitsgewalt beanspruchen? Wie muss das Handeln seiner Repräsentant*innen beschränkt werden, damit dadurch keine herrschaftliche Willkür, sondern demokratische Selbstgesetzgebung zum Ausdruck kommt? Und wie müsste ein Begriff der Öffentlichkeit aussehen, der darauf Antworten liefert, die auf der Höhe der Zeit sind? Diesen Fragen stellt sich der kanadische Philosoph Arthur Ripstein in den Frankfurt Lectures „The Idea of the Public: Two Kantian Themes“ am Montag und Dienstag, den 8. und 9. Juli 2024, jeweils um 18:15 Uhr im Raum EG.01 des Gebäudes „Normative Ordnungen“.

Seine Antworten entwickelt Ripstein im Ausgang von der Philosophie Immanuel Kants, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 300. gejährt hat, der aber immer noch Problemlösungen für die Herausforderungen der Gegenwart parat hält. 

Die erste Vorlesung „The Idea of the Public“ am 8. Juli widmet sich der Grundsatzfrage nach der Rechtfertigung für staatliche Hoheitsrechte, etwa Steuern zu erheben oder Verbrechen zu bestrafen. Ripstein grenzt seinen kantischen Ansatz eines genuin öffentlichen Vernunftgebrauchs von gängigen wissenschaftlichen Positionen ab und gibt dem demokratischen Rechtsstaat dadurch eine neue Grundlage. 

Die zweite Vorlesung am 9. Juli wendet sich unter dem Titel „Giving Laws to Ourselves“ dem Problem zu, dass jede Ausübung öffentlicher Macht letztlich von Entscheidungsträger*innen abhängt, die individuelle Faktoren in ihre Handlungen einfließen lassen. Dies führt zur Frage, wie deren mögliche Willkür so eingegrenzt werden sollte, dass die von den Entscheidungen Betroffenen sie als Ausdruck von Selbstgesetzgebung verstehen können.

Arthur Ripstein ist Professor für Rechtswissenschaften und Philosophie an der Faculty of Law sowie an dem Department of Philosophy der University of Toronto. Er hat an der University of Manitoba und der Yale University studiert und wurde an der University of Pittsburgh promoviert. 2021 wurde seine Forschung mit dem Killam Prize des Canada Council for the Arts ausgezeichnet. Ripstein ist einer der weltweit führenden Experten für die Philosophie von Immanuel Kant. Seine Arbeit erstreckt sich von der Geschichte der Philosophie über Gerechtigkeitstheorien bis hin zum Delikts- und Kriegsrecht. Mit seinen Beiträgen auf diesen Gebieten hat er zu einigen der drängendsten Diskussionen unserer Zeit beigetragen, etwa zu denen über das Verhältnis zwischen individueller Verantwortung und sozialer Gleichheit, über den legitimen Einsatz öffentlicher Macht oder über die Moral und Rechtmäßigkeit von Kriegen.

Weitere Informationen unter: https://www.normativeorders.net/the-idea-of-the-public-two-kantian-themes/ 

Plakat zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/154747013

Weitere Informationen
Anke Harms
Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität 
anke.harms@normativeorders.net
069/798-31407
www.normativeorders.net


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 21 2024
15:05

Ein neuer Blick auf die Jahre 1933 bis 1945, herausgegeben von Christoph Cornelißen und Sibylle Steinbacher 

Frankfurt am Main und der Nationalsozialismus

Wie hat sich die NS-Herrschaft und -Ideologie in der Frankfurter Kommunalpolitik und Verwaltung durchgesetzt? Mit welchen Stellschrauben wurde die Wirtschaft in der Mainmetropole verändert und angepasst? Und wie wurden Kultur, Bildung und Wissenschaft „gleichgeschaltet“? Fragen wie diesen widmet sich der neue Band „Frankfurt am Main und der Nationalsozialismus“, den Prof. Christoph Cornelißen und Prof. Sibylle Steinbacher gemeinsam herausgegeben haben.   

FRANKFURT. „Als US-amerikanische Truppen am 26. März 1945 die Stadtgrenze von Frankfurt am Main überschritten, brach die nationalsozialistische Herrschaft in der größten Stadt Hessens endgültig zusammen.“ So beginnt der Beitrag von Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, über Frankfurts Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, gerade druckfrisch erschienen im Sammelband „Frankfurt am Main und der Nationalsozialismus“. Was geschah, bevor Gauleiter Jakob Sprenger und Oberbürgermeister Friedrich Krebs sowie zahlreiche Gestapoleute und Funktionsträger der Stadt das Weite suchten, wie es zu alledem kam, das beleuchten die verschiedenen Beiträge im neuen historischen Sammelband. 

„Frankfurt am Main und der Nationalsozialismus. Herrschaft und Repression – Wirtschaft und Gesellschaft – Kultur und Gedächtnis“ – so lautet der vollständige Titel des Buches – setzt sich 75 Jahre nach Kriegsende mit der NS-Vergangenheit der Stadt am Main auseinander. Im Zentrum stehen Durchbruch, Umsetzung und Wahrnehmung nationalsozialistischer Politik in Frankfurt am Main zwischen 1933 und 1945. Herausgegeben haben den historischen Sammelband Prof. Christoph Cornelißen und seine Kollegin Sibylle Steinbacher, Direktorin des Fritz-Bauer-Instituts. 

Bislang gab es keine neuere Darstellung über die Geschichte Frankfurts zwischen 1933 und 1945. Hier setzt der Band an, der die Durchsetzung der NS-Herrschaft auf verschiedenen Feldern der kommunalen Politik und Verwaltung ebenso in den Blick nimmt wie den Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft – wobei es auch um Themen wie Stadtplanung, kulturelle Entwicklungen und die nationalsozialistische Imagepolitik geht. Zum anderen wird nachgezeichnet, wie die Gewalt gegen diejenigen Gruppen ins Rollen gebracht wurde, die seit 1933 als „Gemeinschaftsfremde“ unterdrückt und bekämpft worden waren. Auch in Frankfurt richtete sich die rassistisch motivierte Ausgrenzung und Verfolgung zuvorderst gegen Jüdinnen und Juden; annähernd 13.000 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder wurden in den Jahren 1933 bis 1945 in der Shoah ermordet oder in den Tod getrieben. Ein ähnliches Schicksal erfuhren Sinti und Roma, Homosexuelle und andere Gruppen, die oft eine Existenz am Rande der Gesellschaft fristen mussten. Wie stark die Propaganda des NS-Regimes wirkte, zeigt sich an der unverbrüchlichen Treue breiter Bevölkerungskreise selbst dann noch, als Frankfurts Innenstadt im Bombenkrieg in Schutt und Asche versank.

Neben einem Vorwort der Herausgeber sind Beiträge enthalten von Bettina Tüffers (Die Frankfurter NSDAP vor dem Krieg), Tobias Freimüller („Gemeinschaftsfremd“), Heike Drummer („Stadt ohne Juden“), Markus Roth (Widerstand), Ralf Banken (Aufrüstung, „Arisierung“ und Zerstörung, Nicole Kramer (Fürsorgerische Ordnung), Michael Fleiter (Die Stadt im Bombenkrieg), Fabian Link (Im Einsatz für die Weltanschauung), C. Julius Reinsberg (Das Ende der Moderne?) und Christoph Cornelißen („Eine Stadt auf der Suche nach Erinnerung“). 

Der Band ist zugleich als Band 10 in der Reihe Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust im Auftrag des Fritz Bauer Instituts und als Veröffentlichung der Frankfurter Historischen Kommission XXVII, Geschichte der Stadt Frankfurt, Band 5, im Auftrag der Frankfurter Historischen Kommission im Wallstein Verlag erschienen. 

Publikation: Frankfurt am Main und der Nationalsozialismus. HERRSCHAFT UND REPRESSION - WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT - KULTUR UND GEDÄCHTNIS. Herausgegeben von Christoph Cornelißen und Sybille Steinbacher. 500 Seiten, 55 zum Teil farbige Abbildungen. ISBN 978-3-8353-5587-3, 38 Euro

Bilder aus dem Sammelband zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/154746985

Bildtext: 
Bild 1: Im Keller des Instituts zur Erforschung der Judenfrage: Kaplan Samuel Blinder sichtet vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg geraubte Thorarollen, 6. Juli 1945. (Copyright: United States Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C., Fotonummer: 82978, Fotograf: Irving Katz, Courtesy)

Bild 2: Ankunft von „Ostarbeiterinnen“ im IG Farben-Werk Hoechst, o.J. (Copyright: Hoechster Firmenarchiv)

Bild 3: Gedenkfeier an der Alten Oper für die Opfer der Novemberpogrome und der

„Säuberung“ der künstlerischen Szene durch die Nationalsozialisten, 11. November 1988. (Copyright: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, S7FR, 80, Luigi Ungarisch)

Weitere Informationen
Prof. Dr. Christoph Cornelißen / Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Neueste Geschichte / Geschichte und Wirkung des Holocaust
Institut Historisches Seminar 
Goethe-Universität
Telefon 069 798-32591
E-Mail cornelissen@em.uni-frankfurt.de

Homepage: https://www.geschichte.uni-frankfurt.de/43479568/Profil

Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 20 2024
14:36

Chaincourt Theatre Company adaptiert einen Klassiker von Arthur Conan Doyle.

Sherlock Holmes, die weltberühmte Detektivin

FRANKFURT. Die Chaincourt Theatre Company präsentiert ihre neueste Inszenierung, Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes: A Scandal in Bohemia“. Die Premiere findet am 5. Juli im Nebengebäude des IG-Farbenhauses statt. Regie haben diesmal Marisa Pfeiffer und Unice Leim, Studierende der Goethe-Universität, geführt. 

In einer Zeit, in der das persönliche Image sowohl wichtiger als auch angreifbarer ist denn je, bleiben die zeitlosen Intrigen der Abenteuer des Sherlock Holmes auffallend aktuell. Die Adaption, unter der Regie der beiden Studierenden der Goethe-Universität Marisa Pfeiffer und Unice Leim, haucht dem Klassiker neues Leben ein, der berühmte Detektiv ist nun eine sie.  Ein neuer Fall für Sherlock Holmes: Die Königin von Bohemia wird erpresst! Wenige Tage vor der Bekanntgabe ihrer Verlobung droht ihre ehemalige Flamme, die berühmte Opernsängerin und Abenteuerin Irene Adler, ein kompromittierendes Foto der beiden an die Presse zu schicken. Nun ist es an der berühmten Detektivin und ihrem treuen Freund und Partner Dr. John Watson, das Bild für die Königin zu beschaffen. Irene Adler, außerordentlich charmant und intelligent, hat jedoch andere Pläne. Die Zuschauer*innen sind eingeladen, das Ringen dieser großen Geister, gefüllt von Täuschungen und Deduktionen, mitzuerleben. Wird die weltberühmte Detektivin den Fall lösen können oder der verführerischen Irene Adler verfallen? 

Als langjährige Mitglieder der Chaincourt Theatre Company verstehen Marisa und Unice die künstlerische Vision der Company und verleihen Doyles Geschichte eine neue Dimension. Die Produktion weist sowohl auf der Bühne als auch hinter den Kulissen eine Mischung aus erfahrenen Schauspieler*innen, jungen Talenten und einem kompetenten Produktionsteam hervor, alles Studierende der Goethe-Universität. Begleiten Sie uns auf eine Aufführung gefüllt mit Spannung, intellektueller Anregung und dramaturgischer Exzellenz, denn wir bringen den wohl bekanntesten Detektiv der Literatur für Sie auf die Bühne. Das Stück wird in englischer Sprache im Nebengebäude des IG-Farbenhauses aufgeführt und verspricht einen Abend voller Unterhaltung.

Chaincourt Theatre Company zeigt:

Arthur Conan Doyle, „Sherlock Holmes: A Scandal in Bohemia“ 
Premiere am 5. Juli;
weitere Aufführungen sind am 6., 11., 12. und 13. Juli 2024;
Beginn der Aufführungen jeweils um 19.30 Uhr im IG-Farbenhaus Nebengebäude,
Raum NG 1. 741 der Goethe-Universität Frankfurt, Westend Campus
Tickets: €10/€5 (Ermäßigung);
Tickets sind eine Stunde vor Beginn der Vorstellung an der Abendkasse erhältlich;
kein Kartenvorverkauf!

Kontakt: James Fisk, Artistic Director Chaincourt Theatre Company, Institut für England- und Amerikastudien, Goethe-Universität Frankfurt. fisk@em.uni-frankfurt.de


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798–13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de 

 

Jun 19 2024
14:58

Die Semesterabschlusskonzerte der Collegium Musicum der Goethe-Universität

Musikalische Emotionen

FRANKFURT. Mit Musikwerken von Haydn, Brahms, Shostakovich und dem zeitgenössischen lettischen Komponist Peteris Vasks sowie einem Konzert zu „Emotionen in Klangfarben“ präsentieren die Ensembles des Collegium Musicum der Goethe-Universität in drei Abschlusskonzerten die Ergebnisse ihrer Semesterproben. 

Die Reihe beginnt mit einer Aufführung des Kammerorchesters und Chors des Collegium Musicum unter der Leitung von Jan Schumacher am 

22. Juni 2024 um 20 Uhr
mit dem Werk
„Dona nobis pacem“ von Peteris Vasks
sowie
„Stabat Mater“ von Joseph Haydn.

Auf dem Programm des zweiten Konzerts stehen

am 10. Juli 2024 um 20 Uhr
„Schicksalslied“ von Johannes Brahms
sowie
„Sinfonie Nr. 5“ von Dmitri Shostakovich.

Es musizieren das Sinfonieorchester der Goethe-Universität, Mitglieder des Chors der Goethe-Universität und der Neeber-Schuler-Chor Frankfurt. Die Leitung haben UMD Helmut Bartel und UMD Jan Schumacher.

Das Sinfonische Blasorchester des Collegium Musicum unter der Leitung von Lisa Marie Bodem beendet die Konzertreihe 

am 16. Juli 2024 um 20 Uhr
mit dem Konzert
„Emotionen in Klangfarben“.

Dieses Konzert findet im Rahmen der Sensibilisierungsreihe „Depression“ in Kooperation mit dem Zentrum für Hochschulsport Frankfurt statt. Dabei gestalten die vielfältigen Klangfarben eines sinfonischen Blasorchesters Emotionen wie Schmerz, Hoffnung, Angst und Heilung.

Alle Konzerte finden im Casino Festsaal auf dem Campus Westend stat.

Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.


Redaktion: Pia Barth, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12481, E-Mail p.barth@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 14 2024
13:15

Europäischer Forschungsrat fördert Forschungsprojekt zu Elektronenwellen

Atomphysiker Reinhard Dörner von der Goethe-Universität erhält ERC Advanced Grant      

Für die Entwicklung einer neuen Forschungsapparatur, mit der sich Elektronenwellen vermessen lassen, erhält Professor Reinhard Dörner vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council) einen ERC Advanced Grant in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro. Zusammen mit seinem Team will Dörner herausfinden, was auf quantenmechanischer Ebene bei der Freisetzung von Elektronen aus Atomen geschieht, der Photoionisation. 

FRANKFURT. Präsident Prof. Enrico Schleiff gratulierte dem ERC-Preisträger: „Prof. Dörner ist ein ausgezeichneter Wissenschaftler, der seit vielen Jahren die Entwicklung der Atomphysik im internationalen Raum mitprägt. Schon als Doktorand war Prof. Dörner Ende der 1980er-Jahre an der Entwicklung des COLTRIMS-Reaktionsmikroskops in Frankfurt beteiligt, das heute in einzigartigen Experimenten genutzt wird, um quantenphysikalische Effekte in Molekülen und Atomen mit bis dato unerreichter Genauigkeit zu vermessen. Mit seiner grundlagenorientierten Forschung trägt er entscheidend zum Verständnis der quantenphysikalischen Naturgesetze bei, die genauso für viel größere Systeme relevant sind, zum Beispiel für Quantencomputer oder Quantenmaterialien. Aber er ist auch weit über die Forschung der Wissenschaft verpflichtet, so lebt er unter anderem als Studiendekan des Fachbereichs das Selbstverständnis, dass exzellente Forschung und innovative Lehre zwei Seiten einer Medaille sind. Dass sich Prof. Dörner im äußerst kompetitiven Auswahlverfahren der ERC Grants durchsetzen konnte, ist hoch verdient.“

Prof. Dr. Reinhard Dörner wird in seinem ERC-Projekt „Timing-Free Phase: Phase, Zeit und Korrelationen in freien Elektronenwellenpaketen“ Elektronen untersuchen, die über den photoelektrischen Effekt durch intensives Licht aus Atomen herausgeschlagen werden. Elektronen verhalten sich nicht nur wie Teilchen, sondern gleichzeitig auch wie Wellen. Während die Höhe der Wellenberge solcher Elektronen, die Amplitude, gut gemessen werden kann, ließ sich die zeitliche Abfolge der Wellenberge oder Phase – wo befinden sich die Wellenberge zu einem Zeitpunkt – bislang nicht bestimmen. Kürzlich ist es Dörner und seinem Team erstmals gelungen, diese Phase von Elektronenwellen sichtbar zu machen. Teil des Versuchsaufbaus war das Frankfurter COLTRIMS-Reaktionsmikroskop. Im ERC-Projekt will er nun auf Basis dieses Experiments ein Gerät bauen – ein sogenanntes Lichtfeld-Interferometer – mit dem in Kombination mit dem COLTRIMS-Reaktionsmikroskop die Elektronenwellen noch genauer untersuchen. Ziel ist es unter anderem zu beobachten, wie Elektronen sich in kürzester Zeit von Quantenteilchen in normale Teilchen verwandeln und der von Einstein so genannten „spukhaften“ Verschränkung zwischen verschiedenen Teilchen auf die Spur zu kommen.

Prof. Dr. Reinhard Dörner, Jahrgang 1961, forscht und lehrt seit 2002 als Professor für experimentelle Atomphysik am Institut für Kernphysik der Goethe-Universität, dessen stellvertretender Direktor er ist. An der Goethe-Universität engagiert er sich zudem als Studiendekan. Für seine Beiträge zur Entwicklung der COLTRIMS-Messmethode verlieh ihm die Deutsche Physikalische Gesellschaft 2015 den Robert-Wichard-Pohl-Preis, 2016 wurde er mit dem Helmholtz-Preis des Helmholtz-Fonds geehrt. Dörner forscht in der Atom- und Molekülphysik und interessiert sich besonders für die Vielteilchendynamik. Zusammen mit seinem Team führt er Experimente in Frankfurt sowie an den hellsten Röntgenlichtquellen weltweit von Hamburg und Berlin bis Paris, Grenoble, Berkeley oder im schwedischen Lund durch. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die Atom- und Molekülphysik in starken Laserfeldern und Röntgenlicht mittels kinematisch vollständiger Experimente mit COLTRIMS-Reaktionsmikroskopen.

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine von der Europäischen Kommission eingerichtete Institution zur Finanzierung grundlagenorientierter Forschung. Er besteht seit 2007 unter mehreren EU-Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation. An seiner Spitze steht der Scientific Council, ein Gremium internationaler Spitzenwissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern, der für die strategische Ausrichtung des ERC verantwortlich ist.

Mit den ERC Advanced Grants fördert der ERC bahnbrechende Forschungsvorhaben von erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Für die Projekte erhalten sie bis zu 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. https://erc.europa.eu/funding/advanced-grants 

Bilder zum Download: 

https://www.puk.uni-frankfurt.de/53141142/pm_351_reinhard-doerner.JPG

Bildtext: Prof. Dr. Reinhard Dörner, Goethe-Universität. Foto: Uwe Dettmar

Hintergrund: Quanteneffekte bei Elektronenwellen sichtbar gemacht (2024)

https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/forscherinnen-der-goethe-universitaet-machen-quanten-effekte-bei-elektronenwellen-sichtbar/

Weitere Informationen
Prof. Dr. Reinhard Dörner
Institut für Kernphysik
Goethe-Universität Frankfurt 
Tel: +49 (0)69 798-47003
doerner@atom.uni-frankfurt.de
http://www.atom.uni-frankfurt.de/

Twitter/X: @goetheuni @ERC_Research


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 13 2024
15:18

Literatur-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftler diskutieren über Befunde des neuen Buches „Democratic Vistas. Offene Lebensformen nach Walt Whitman“

Was hält die Demokratie am Leben?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Demokratie ist mehr als eine Regierungsform. Mit dem US-amerikanischen Dichter Walt Whitman lässt sie sich als eine offene Lebensform begreifen: vielfältig, unvorhersehbar und angewiesen auf Impulse aus den Künsten. Die Autorinnen und Autoren des kürzlich erschienenen Bandes „Horizonte der Demokratie. Offene Lebensformen nach Walt Whitman“ nehmen Whitmans Anregungen auf und suchen nach Momenten demokratischer Öffnung. Fündig werden sie an den unterschiedlichsten Orten:  im China der 1920er Jahre, in der südafrikanischen Fotografie der Post-Apartheid-Ära, im Werk Schwarzer Lyrikerinnen oder in der auf Billionen-Beträge hochskalierten Wirtschaftspolitik.

Das Forschungskolleg Humanwissenschaften lädt zum Gespräch über die Perspektiven des Buches und die Frage ein, was die Demokratie, insbesondere in Zeiten ihrer Krise, am Leben hält. Das Gespräch findet statt

am Freitag, 21. Juni 2024, 18 Uhr
in den Räumen des Forschungskollegs
Am Wingertsberg 4
in Bad Homburg.

Auf dem Podium diskutieren Prof. Heike Schäfer und Prof. Johannes Völz (Amerikanistik), Prof. Andreas Fahrmeir und Prof. Till van Rahden (Geschichte), Prof. Gunther Hellmann und Prof. Hanna Pfeifer (Politikwissenschaft) und Prof. Zhiyi Yang (Sinologie). Die Soziologin Prof. Greta Wagner moderiert das Gespräch. Alle sind Mitglieder des Frankfurter Forschungskreises „Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World“, der 2021 am Forschungskolleg Humanwissenschaften gegründet wurde.

Das von Till van Rahden und Johannes Völz herausgegebene Buch „Horizonte der Demokratie. Offene Lebensformen nach Walt Whitman“ ist im Mai 2024 im Bielefelder transcript Verlag erschienen. Im Wechsel von Essay und kurzer Replik treten Mitglieder des Forschungskreises „Democratic Vistas“ in ein Gespräch mit internationalen Gesprächspartnern: Cameron Abadi (Foreign Policy), Andreas Fahrmeir (Geschichte), Josef Früchtl (Ästhetik), Walter Grünzweig (Literaturwissenschaft), Patricia Hayes (afrikanische Geschichte), Hanna Pfeifer (Politikwissenschaft), Till van Rahden (Geschichte), Martin Saar (Philosophie), Heike Schäfer (Amerikanistik), Adam Tooze (Wirtschaftsgeschichte), Johannes Völz (Amerikanistik), Michael Walzer (Philosophie), Zhiyi Yang (Sinologie). 

Das Buch eröffnet die Reihe „Democratic Vistas / Demokratische Horizonte“, die von den Sprechern des Forschungskreises „Democratic Vistas“ herausgegeben wird. 

Ein Interview mit Till van Rahden und Johannes Völz über das Buch und die Reihe finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=udAut7CCe2I 

Anmeldung und Anfahrt

Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung bis zum 20. Juni per E-Mail an anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de. Bitte beachten Sie, dass wegen der Vorbereitungen für das Bad Homburger Tennisturnier sowohl der öffentliche Nahverkehr als auch der Individualverkehr umgeleitet wird. Die Anfahrt ist ausschließlich über den Schwedenpfad möglich; Parkplätze stehen im Parkhaus des Casinos im Weinbergsweg zur Verfügung. ÖPNV: Haltestelle Gonzenheim (U2) oder Bad Homburg Bahnhof (S5).

Information: Beate Sutterlüty, Wissenschaftskommunikation, Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Telefon: 06172-13977-15; b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de https://www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Social Media: @FKHbadhomburg


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 13 2024
15:00

Center for Critical Computational Studies (C3S) der Goethe-Universität stellt mit hochkarätiger Veranstaltung neuen Forschungsschwerpunkt vor

Kipppunkte, Klimawandel, Computermodelle: Digitale Lösungen für die Herausforderungen von Erde, Natur und Gesellschaft

Mit der Veranstaltung „Planetary Hopes“ (planetare Hoffnungen) hat das neue Center for Critical Computational Studies (C3S) der Goethe-Universität am Donnerstag seinen Forschungsschwerpunkt Earth·Nature·Society der Öffentlichkeit vorgestellt. Wissenschaftler*innen aus Frankfurt und ihre Gäste beschäftigten sich dabei insbesondere mit der Frage, ob und wie computer- und datengestützte Methoden zur Lösung planetarer Polykrisen beitragen können. 

FRANKFURT. Der wegen der Erderwärmung steigende Meeresspiegel lässt Küstenstädte unbewohnbar werden. Der Verlust an Biodiversität und die Einwanderung von Arten wegen neuer klimatischer Bedingungen verändern die Landwirtschaft. Massive wirtschaftliche Belastungen und Migrationsbewegungen sind die Folge – wie hängen sie miteinander zusammen? Und umgekehrt: Wie sind wir Menschen, unsere Wirtschaftsweise und unsere Gesellschaftsstruktur mitverantwortlich für diese Veränderungen unseres Planeten? Was ist also zu tun, um planetare Polykrisen zu bewältigen? Computermodelle können helfen, die komplexen Zusammenhänge an den Schnittstellen zwischen Geophysik, Ökosystemen und Gesellschaft zu begreifen und Lösungsansätze kritisch zu untersuchen. 

Das Center for Critical Computational Studies (C3S) der Goethe-Universität forscht zu Wechselwirkungen von Digitalität und Demokratie und zu den Dynamiken des Wandels. „Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich immer schneller, und unsere Handlungen als Menschen haben immer drastischere Folgen für die Stabilität des Planeten. Als Präsident dieser Universität bin ich deshalb mit der Idee angetreten, ein Zukunftsinstitut zu gründen, das sich auf besondere, interdisziplinäre Weise der Herausforderungen unserer Zeit des Wandels annimmt, die immer dringlicher werden“, erklärt Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, der die Veranstaltung „Planetary Hopes“ eröffnete. „Digitalität ist nicht nur ein Treiber der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation, sie ist auch ein Instrument, mit dessen Hilfe wir die Welt besser verstehen und unsere Zukunft gestalten können, in Verantwortung für Mensch, Gesellschaft und Natur. Wir brauchen das Wissen und die gemeinsamen Ansätze unterschiedlicher Fachrichtungen und wir brauchen hoch entwickelte Modelle, Berechnungsmethoden und -techniken, um die sogenannte Polykrise zu verstehen und besser beeinflussen zu können. Es geht dabei immer auch um Fragen der Rechtfertigung und Fragen der Gerechtigkeit. Ich bin stolz, das wir als Goethe-Universität diesen Weg inhaltlich und auch physisch mit der perspektivischen Sanierung der ehemaligen Botanik und Zoologie in der Siesmayerstrasse eingeschlagen haben.“ 

Bei einem Pressegespräch vor Beginn der Veranstaltung stellte Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels das C3S in den Kontext verwandter hessischer Einrichtungen: „Wir haben hier ein einzigartiges wissenschaftliches Ökosystem gerade in den Themenfeldern IT, Hochleistungsrechnen, Quantencomputing, Künstliche Intelligenz und Big Data“. Mit Blick auf das C3S und dessen Schwerpunkt Earth Nature Society hob er hervor: „Wie hier Digitalität und Anthropozän, also unser vom Menschen maßgeblich gestaltetes Zeitalter, zusammengebracht werden, setzt Maßstäbe. Mich fasziniert am C3S insbesondere die Interdisziplinarität: Hier sind per se IT-nahe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Bioinformatikerinnen oder Spezialisten für Algorithmen ebenso beteiligt wie Juristen und Erziehungswissenschaftlerinnen. Ich bin froh und stolz darauf, dass eine hessische Universität eine so innovative Einrichtung hervorbringt.“

„Mit den ,Critical Computational Studies' schlagen wir Brücken – zwischen wissenschaftlichen Disziplinen und zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“, erläuterte Prof. Dr. Christoph Burchard, Gründungssprecher des C3S sowie Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches, Europäisches und Internationales Strafrecht, Rechtsvergleichung und Rechtstheorie an der Goethe-Universität. „Kritisch heißt, dass wir computer- und datengestützte Methoden hinterfragend entwickeln und anwenden. Es heißt auch, dass wir ein besonderes Augenmerk auf wesentliche, also kritische Ereignisse wie die menschgemachte Erderwärmung oder die Auswirkungen von KI auf Demokratie legen. Nur so können wir unsere digitalen Zukünfte mitgestalten und zugleich das in den Blick nehmen, was wir nicht mehr vollends kontrollieren. Und das bedeutet, dass wir im C3S essenzielle, also auch in diesem Sinne kritische Aufgaben unserer Zeit angehen, in der das Verhältnis zwischen Mensch, Technik und Natur zunehmend brüchig wird.“

Das C3S hat auch eine Lehr-, Lern- und Bildungsprogrammatik: Es will Critical Computational Literacy vermitteln, also notwendige Kompetenzen und Haltungen, um computer- und datengestützte Technologien kenntnisreich und verantwortbar anzuwenden und weiterzuentwickeln. Unter anderem vernetzt dazu Prof. Dr. Hendrik Drachsler in seinen Funktionen als PI am C3S und als Leiter von studiumdigitale die beiden Institutionen. Bei der Veranstaltung „Planetary Hopes“ waren zwei Beispiele für digitale Vermittlungsmethoden aus dem Projekt „Future Learning Spaces“ (kurz: fuels, Leitung: Prof. Dr. Alexander Tillmann), zu sehen, einem vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung gefördertes Verbundprojekt, in dem die Goethe-Universität gemeinsam mit der TU Darmstadt und der Hochschule Darmstadt innovative Lehr- und Lernszenarien entwickelt. Die Virtual Reality (VR)-Anwendung GeoVR lässt in die Entwicklung der Landschaft und der Umwelt der Region Edersee/Kellerwald eintauchen. Im Planspiel „Artificial Intelligence Act – Europe“ schlüpfen Lernende dank VR in die Rolle von EU-Abgeordneten im Plenarsaal. 

Zu Beginn der Veranstaltung, die auf dem Campus Westend und zusätzlich auf Zoom stattfand, stellte die Gründungsdirektorin Prof. Dr. Juliane Engel des C3S Perspektiven auf den neuen Themenschwerpunkt vor. Impulsvorträge kamen von der Vizepräsidentin der Universität für Chancen, Karriereentwicklung, Karriereförderung, Diversität und Gleichstellung, Prof. Dr. Sabine Andresen, der Frankfurter Stadträtin für Digitales, Eileen O'Sullivan, sowie Dr. Nico Wunderling vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, der sich mit der Berechenbarkeit von Kipppunkten unterschiedlicher Systeme und ihrer Abhängigkeit untereinander befasste. 

Prof. Dr. Ilona Otto, Professorin für Gesellschaftliche Auswirkungen des Klimawandels am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz, betrachtete in ihrer Keynote „Socio-metabolic conflicts in the Anthropocene“, also Konflikte zwischen sozialen Gruppen mit unterschiedlichem Energie- und Ressourcenverbrauch unter den Vorzeichen globaler Umweltveränderungen. Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, sprach über den One-Health-Ansatz, der auf dem Verständnis beruht, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt eng miteinander verwoben ist. Moderiert wurden die Keynotes von Prof. Dr. Thomas Hickler, Professor für Quantitative Biogeographie an der Goethe-Universität, und Prof. Dr. Jochen Blath, Leiter der Fachgruppe Stochastik am Fachbereich Mathematik der Goethe-Universität. 

Bei einer Podiumsdiskussion unter Moderation von Prof. Dr. Indra Spiecker genannt Döhmann von der Universität zu Köln tauschten sich u. a. Thomas Langkabel, National Technology Officer von Microsoft Deutschland, Dr. André Ullrich vom Weizenbaum-Institut und die Professor*innen Otto und Tockner aus.

C3S-Gründungsdirektorin Prof. Franziska Matthäus schloss die Veranstaltung mit Dankesworten und einem Ausblick.  

Das C3S ging im April 2023 als zentrale wissenschaftliche Einrichtung an der Goethe-Universität an den Start. Gründungsmitglieder des C3S sind: 

Prof. Dr. Christoph Burchard, Gründungssprecher, Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches, Europäisches und Internationales Strafrecht, Rechtsvergleichung und Rechtstheorie an der Goethe-Universität und Leiter des Forschungsnetzwerks Normative Orders. 

Prof. Dr. Franziska Matthäus, Gründungsdirektorin für Lehre. Sie hat an der Goethe-Universität die Giersch-Professur für zelluläre Bioinformatik inne, die mit den Fachbereichen Informatik und Mathematik sowie Biologie verbunden ist. 

Prof. Dr. Juliane Engel, Gründungsdirektorin für Transfer. Sie ist Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schule und kultureller Wandel und forscht insbesondere zu Bildungsprozessen und Lernen im Kontext gesellschaftlicher Transformationsdynamiken.

Prof. Dr. Ulrich Meyer, Gründungsdirektor für Forschung. Er hat den Lehrstuhl für Algorithm Engineering an der Goethe-Universität inne und erforscht sowohl theoretische als auch experimentelle Aspekte der Verarbeitung großer Datensätze mit fortschrittlichen Berechnungsmodellen.

Mindestens zwölf neue Professuren sollen am C3S perspektivisch gemeinsam mit weiteren internen und externen Forschenden die Critical Computational Studies zu einem eigenständigen Forschungsprofil entwickeln, das sich auch auf Lehre und Ausbildung erstreckt. Dabei erfolgt die Besetzung in einem neuartigen Verfahren: Vorbereitend finden Workshops statt, bei denen die Goethe-Universität herausragende Kolleg*innen und spannende Ideen sondiert. Das erfolgt open rank und open discipline, das heißt ohne Vorfestlegung auf bestimmte Disziplinen, und mit letztendlicher Einstufung gemäß den Qualifikationen und Erfahrungen der Kandidat*innen. Die eigentlichen Berufungsverfahren finden dann mit Findungskommissionen statt.

Angedacht sind Forschungsteams zu Feldern wie den Schnittstellen zwischen klassischer Netzwerkwissenschaft und Deep Learning; der Berechnung von Kippelementen und ihren Wechselwirkungen bei fortschreitender Klimaerhitzung; der Modellierung der sozialen und sozioökonomischen Triebkräfte und Auswirkungen der Erderwärmung sowie von Ökosystemen und Biodiversität in ihrer Wechselbeziehung dazu; Kritik des Computerwesens: Kritische Datenwissenschaft; Ethik der Datenverarbeitung; Wissenschafts- und Technologiestudien; Wissenschaft, Philosophie und Geschichte der Computertechnologie; Vorhersagen in komplexen Systemen; Fortgeschrittene Simulation in den Lebenswissenschaften und in den Sozialwissenschaften.

Bilder vom Pressegespräch zur Veranstaltung zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/154463541

Bildtexte: 

Bild 1-4: Pressegespräch zur Veranstaltung mit (v.l.) Dr. Nico Wunderling, Prof. Dr. Christoph Burchard, Timon Gremmels, Prof. Dr. Enrico Schleiff, Prof. Dr. Juliane Engel und Universitäts-Pressesprecher Volker Schmidt

Bild 5 & 6: Wissenschaftsminister Gremmels taucht per VR-Brille in die Geologie des Naturparks Kellerwald-Edersee ein.

Alle Fotos: Uwe Dettmar

Weitere Informationen

Prof.in Dr. Juliane Engel  
Founding Director, Center for Critical Computational Studies
Goethe-Universität
Telefon: +49 069 798-36305
E-Mail: engel@c3s.uni-frankfurt.de


Redaktion: Volker Schmidt, Leiter Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: 069 798-13035, v.schmidt@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 13 2024
09:09

Lotte-Köhler-Preise für psychoanalytische Entwicklungs-, Kultur- und Sozialpsychologie gehen an Prof. Amy Allen und Dr. Yuri di Liberto

Psychoanalyse und Kritische Theorie

FRANKFURT. Das Sigmund-Freud-Institut an der Goethe-Universität lädt anlässlich der Verleihung des Lotte Köhler-Preises zu einem wissenschaftlichen Symposion am Donnerstag, 20. Juni, 16 bis 19 Uhr in die Institutsräume (Myliusstraße 20, Hörsaal, 1. Stock).

Der Hauptpreis geht an die international renommierte amerikanische Philosophin Prof. Amy Allen in Anerkennung ihrer produktiven Integration von Perspektiven und Erkenntnissen aus Forschungsbereichen der Philosophie, Psychoanalyse, der feministischen und kritischen Theorie. Zuletzt viel diskutiert wurde ihr Buch „Kritik auf der Couch: Warum die Kritische Theorie auf die Psychoanalyse angewiesen ist“, Campus 2023 (Critique on the Couch. Why Critical Theory Needs Psychoanalysis, New York 2020). Allen ist an der Pennsylvania State University tätig.

Dr. Yuri di Liberto von der Universität Palermo erhält den Lotte Köhler-Nachwuchspreis für seine vielschichtigen Analysen des Zusammenhangs zwischen ökonomischen Bedingungen, sozialem Wandel und psychischen Prozessen. In seinem Buch „Being and Contemporary Psychoanalysis: Antinomies of the Object“ geht es um die Mensch-Umwelt/Natur-Beziehung aus psychoanalytischer Perspektive.

Vera King, Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts und Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität, eröffnet die Veranstaltung. Die Laudatio auf Yuri di Liberto hält PD Dr. Ulrike Kadi, Assoziierte Professorin an der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien. Di Liberto selbst hat einen Vortrag über „Individuelle und soziale Trägheit: Freuds Krankheitsgewinn als ‚Gewinn des Negativen'“ angekündigt. Die Laudatio auf Amy Allen hält der Frankfurter Sozialphilosoph Prof. Martin Saar. Hauptpreisträgerin Allens Rede trägt den Titel „The Psychoanalytic Art of Living – or: Learning to Love One's Fate“. 

Der Lotte Köhler-Preis für psychoanalytische Entwicklungs-, Kultur- und Sozialpsychologie wird vom Sigmund-Freud-Institut gemeinsam mit dem Hans Kilian und Lotte Köhler-Centrums für sozial- und kulturwissenschaftliche Psychologie und historische Anthropologie (KKC) in Bochum vergeben. 

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung ist zweisprachig (deutsch/englisch).

Anmeldung unter  https://sigmund-freud-institut.de/index.php/anmeldeformular/. 

Bilder von Prof. Amy Allen und Dr. Yuri di Liberto zum Download unter: https://www.uni-frankfurt.de/154461441

Information:

Prof. Dr. Vera King
Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie 
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt/M.
Theodor-W.-Adorno-Platz 6 
60323 Frankfurt/M.

king@soz.uni-frankfurt.de
https://www.fb03.uni-frankfurt.de/83975525/Prof__Dr__Vera_King

Geschäftsführende Direktorin 
Sigmund-Freud-Institut 
Forschungsinstitut für Psychoanalyse und ihre Anwendungen
Myliusstr. 20
60323 Frankfurt/M.
king@sigmund-freud-institut.de

https://sigmund-freud-institut.de/index.php/mitarbeiter-innen/king-vera/


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, E-Mail sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 12 2024
11:55

1822-Universitätspreis geht in diesem Jahr an eine Physikerin, eine Sprachwissenschaftlerin und einen Biochemiker

Begeisterung für Wissenschaft als Basis guter Lehre

Die Physikerin Prof. Laura Sagunski, die Sprachwissenschaftlerin Dr. Mariam Kamarauli und der Biochemiker PD. Dr. Rupert Abele erhalten in diesem Jahr den begehrten 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre, den die Goethe-Universität zum 23. Mal gemeinsam mit der Stiftung der Frankfurter Sparkasse verleiht.  

FRANKFURT. „Die Lehre bildet das Herzstück unserer Universität“, betonte Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Goethe-Universität, bei der Verleihung des 1822-Preises im Renate von Metzler-Saal auf dem Campus Westend. Pirker verwies auf das kürzlich verabschiedete Leitbild "Lehre und Studium", das sich bewusst am Humboldt´schen Ideal der Einheit von Forschung und Lehre im Sinne einer „Bildung durch Wissenschaft“ orientiere.

„Universitäre Lehre ist essentieller Bestandteil unserer demokratischen Kultur und trägt dazu bei, die Werte der Aufklärung – Vernunft, Freiheit und Humanität – in die Zukunft zu tragen. Um ‚Bildung zur Wissenschaft' als Grundlage des Handelns zu implementieren, braucht es auf Seiten der Lehrenden vor allem Begeisterung. Wer für sein Fach, für sein Thema ‚brennt', kann dieses Brennen auch in anderen Menschen entfachen. Diese Gabe eint alle unsere Nominierten, und das freut mich ganz außerordentlich.“ Pirker erinnerte auch an das vorbildliche Engagement von Prof. David Käbisch, der im vorigen Jahr ausgezeichnet wurde. Der evangelische Religionspädagoge, der vor kurzem verstorben ist, habe sich besonders für religiöse Bildung als Grundlage für interreligiösen Dialog in der Demokratie eingesetzt. 

Dr. Ingo Wiedemeier, der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Sparkasse: „Die Stiftung der Frankfurter Sparkasse hatte schon vor 23 Jahren den Wunsch, die Bedeutung der universitären Lehre hervorzuheben und hat deshalb gemeinsam mit der Goethe-Universität den 1822-Preis für exzellente Lehre ins Leben gerufen. Wer sich in der Ausbildung junger Menschen besonders engagiert und sie für eine wissensbasierte Gesellschaft begeistert, hat höchste Anerkennung verdient – gerade in der heutigen Zeit. Die Liste der Nominierten zeigt jedes Jahr aufs Neue, welches Potenzial es an der Goethe-Universität gibt. Das erfüllt mich mit großer Freude, und ich bin stolz, dass wir mit dem Preis diesem Engagement den verdienten Glanz verleihen können.“

2001 haben die Goethe-Universität und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse erstmals den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre verliehen, um das Bewusstsein für die Bedeutung innovativer Hochschullehre zu schärfen und das Engagement herausragender Lehrender sichtbar zu machen. Den ersten und dritten Preis fördert die Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit insgesamt 20.000 Euro, der 2. Preis in Höhe von 10.000 Euro wird von der Goethe-Universität finanziert. Der Preis wird jährlich vergeben, in diesem Jahr zum 23. Mal. 

Die Nominierung für den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre obliegt ausschließlich den Studierenden der Fachbereiche. Die Entscheidung darüber, wer den Preis erhält, verantwortet dann eine eigens hierfür gebildete Kommission, der auf Seiten der Goethe-Universität sowohl Studierende als auch wissenschaftliche Mitarbeitende, Professoren und Professorinnen angehören, außerdem stimmberechtigt ist die Geschäftsführung der Stiftung der Frankfurter Sparkasse. Kriterien für die Vergabe sind Innovation in der Lehre, besondere Qualität der Lehrveranstaltungen sowie außergewöhnliches Engagement bei der Betreuung von Studierenden. Auch Aspekte wie Forschungsorientierung, Vernetzung von Theorie und Praxis, Einsatz während der Studieneingangsphase sowie Interdisziplinarität oder Diversity spielen eine Rolle.

Die Bedeutung von Wissensvermittlung für die Demokratie – und damit die der wissenschaftlichen Lehre für das gesellschaftspolitische Klima – stand im Mittelpunkt des Impulsvortrags von Saba-Nur Cheema. Die gebürtige Frankfurterin, Tochter von pakistanischen Flüchtlingen, hat an der Goethe-Universität Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaftslehre studiert. Von 2015 bis 2021 war sie pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, seit 2020 gehört sie dem Unabhängigen Expertenkreis der Bundesregierung zu Muslimfeindlichkeit an. Saba- Nur Cheema ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften und forscht zu Antisemitismus in der Kindheit. Monatlich erscheint im Feuilleton der FAZ ihre Kolumne „Muslimisch-Jüdisches Abendbrot“, die sie gemeinsam mit Meron Mendel schreibt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Jana Jehle und Can Payasli. Für den klanglichen Rahmen sorgte Cat Woywod. Durch intermediale und multisensorische Sound-, Licht- und PerformanceArbeiten stellt Cat Woywod, eine non-binäre Person, die Wahrnehmungsgewohnheiten des Publikums in Frage. 2023 erhielt Cat den Kasseler Kunstpreis der Wolfgang-Zippel-Stiftung für Intermediale Kunst.

Den 1. Preis, der mit 15.000 Euro dotiert ist, erhielt Professorin Laura Sagunski aus dem Fachbereich 13 (Physik). Nominiert wurde Laura Sagunski u.a. für innovative Lehrformate in der Astroteilchenphysik wie das Projekt „EXPLORE“, das internationale Forschungskollaborationen für Studierende ermöglicht. In kleinen Teams arbeiten die Studierenden an aktuellen Themen und knüpfen internationale Kontakte. Um den persönlichen Austausch zu ermöglichen, organisiert Sagunski jährlich eine Sommerschule und Workshops. Insbesondere Sagunskis zwischenmenschlichen Fähigkeiten werden von den Studierenden gelobt. Sie nehme Feedback ernst und arbeite kontinuierlich an der Weiterentwicklung ihrer Lehrpraxis. Als weibliche Professorin setze sie sich aktiv für Gleichstellung und Diversity ein, etwa durch die "WOW Physics!"-Konferenz und die Teilnahme am Girls Day. 

Dr. Mariam Kamarauli aus dem Fachbereich 09 (Sprach- und Kulturwissenschaften) wurde mit dem 2. Preis ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Die Studierenden hoben besonders Kamaraulis innovative Lehrmethoden hervor, die digitale Geisteswissenschaften mit traditionellen Ansätzen verbinden. Ihre Lehrinhalte seien aktuell und kontrovers, ihre Veranstaltungen klar strukturiert. Sie stehe immer für Fragen zur Verfügung und fördere in besonderem Maße eigenverantwortliches Lernen. Über die eigentlichen Lehrveranstaltungen hinaus unterstütze sie die Studierenden auch hinsichtlich von Praktika und Auslandsaufenthalten. Mit ihrem Einsatz fördere sie die Begeisterung für Sprachwissenschaft. 

Der 3. Preis, dotiert mit 5000 Euro, ging an PD Dr. Rupert Abele vom Fachbereich 14 (Biochemie, Chemie und Pharmazie). Rupert Abele wurde vor allem aufgrund seiner innovativen Lehrmethoden und seines Engagements für die praktische Ausbildung der Biochemiestudenten im Bachelor- und Masterstudium nominiert. Er integriere aktuelle Forschung in seine Lehrveranstaltungen und arbeite ständig an der Weiterentwicklung der von ihm angebotenen Praktika. Um die Lernmöglichkeiten zu erweitern, biete er verfilmte Praktika an. Auf persönliche Anwesenheit legt Abele großen Wert, um Feedback einzuholen und Unterstützung zu bieten. Er unterstützt die Studierenden beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium und eröffnet berufliche Perspektiven, indem er in seine Seminare Gästen aus der Wirtschaft einlädt. 

Alle Nominierungen 2024

PD Dr. Rupert Abele – FB14 Biochemie, Chemie und Pharmazie

Prof. Dr. Harry Harun Behr – FB04 Erziehungswissenschaften

Dr. Johannes F. Diehl – FB06 Evangelische Theologie

Prof. Dr. Andreas Karl Otto Fahrmeir – FB08 Philosphie und Geschichtswissenschaften

Prof. Dr. Frederike Felcht – FB10 Neuere Philologien

Dr. Karen Genschow – FB10 Neuere Philologien

Dr. Rainer Hegger – FB14 Biochemie, Chemie und Pharmazie

Prof. Dr. Elisabeth Hollender – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften

Prof. Dr. Roland Ißler – FB10 Neuere Philologien

Dr. Elodie Kalb –  FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften / FB10 Neuere Philologien

Dr. Mariam Kamarauli – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften

Prof. Dr. Bettina Kleiner –  FB04 Erziehungswissenschaften

Prof. Dr. Antje Krause-Wahl – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften

Nicole Kreckel – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften

Prof´in. Dr. Annette Langner-Pitschmann – FB07-Katholische Theologie

Stefanie Niepceron –  FB10 Neuere Philologien

Dr. Joanna Olchawa – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften

Prof. Dr. Meike Piepenbring – FB15 Biowissenschaften

Johannes Preissner – FB10 Neuere Philologien

Prof. Dr. Laura Sagunski – FB 13 Physik

Prof. Leunora Salihu – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften

Marvin Schröder – FB05 Psychologie

Dr. rer. nat. Bernd Sorg – FB14 Biochemie, Chemie und Pharmazie

PD Dr. med. habil. Jasmina Sterz – FB16 Medizin

Prof. Dr. Claudius Wagemann – FB03 Gesellschaftwissenschaft 

Dr. Nadine Weber – FB04 Erziehungswissenschaften

Dr. Dr. Johanna Wilmes & Dr. Tatjana Dietz – FB04 Erziehungswissenschaften

Prof. Dr. Markus Wriedt – FB06 Evangelische Theologie

Bilder zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/154426098 

Bildtext: 

Bild 1: Wurden in diesem Jahr mit dem 1822-Preis für exzellente Lehre ausgezeichnet: Die Physikerin Prof. Laura Sagunski (1. Preis, Mitte), die Sprachwissenschaftlerin Dr. Mariam Kamarauli (2. Preis) und der Biochemiker PD Dr. Rupert Abele (3. Preis). (Foto: Uwe Dettmar)

Bild 2: Dr. Ingo Wiedemeier (von links), der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Sparkasse, Sprachwissenschaftlerin Dr. Mariam Kamarauli (2. Preis), Professorin Laura Sagunski (1. Preis), PD Dr. Rupert Abele (3. Preis) und Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität, für Studium und Lehre. (Foto: Uwe Dettmar)

Weitere Informationen

Julia Pirzer
Referentin Hochschulpreise und Stipendien, Karriere Stipendien und Preise 
Studium Lehre Internationales 
Goethe-Universität Frankfurt  
Telefon +49 (0) 173 265 8 058
E-Mail: pirzer@sli.uni-frankfurt.de   


Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 11 2024
15:29

Der Literaturwissenschaftler Dan Sinykin (Emory University) spricht am Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften über seine vielbesprochene Neuerscheinung zum Verlagswesen und Literaturbetrieb in den USA.

Book Talk: „Big Fiction“ und die Macht der Verlage

FRANKFURT. Noch am Ende der 50er-Jahren unterhielt sich Random-House-Verleger Jason Epstein mit Ralph Ellison über Jazz oder plauderte mit Andy Warhol, während er in seinem Büro Cocktails mischte. In den 1970er Jahren sah es im Verlagswesen anders als: Verleger beschäftigten sich nun mit Gewinn- und Verlustrechnungen. Was ist passiert? 1965 kaufte der Elektronikkonzern RCA den Random-House-Verlag auf. In der Folgezeit kam es zu zahlreichen weiteren Übernahmen von ehemals unabhängigen Verlagen durch Großunternehmen. Mit der Konsolidierung der Buchbranche durch multinationale Mischkonzerne wandelte sich das Geschäft der Literatur – und damit die Literatur selbst.

In seinem Buch „Big Fiction“ untersucht Literaturwissenschaftler Dan Sinykin die Folgen dieses Wandels auf dem Feld der Belletristik. Sinykin bietet einen unterhaltsamen Einblick in den Alltag, die privaten Dramen und die institutionellen Krisen der Buchbranche und zeigt auf, wie die zunehmende Macht großer Verlagskonzerne sowohl die Art von Büchern als auch die Art von Autor:innen geprägt hat, die ab den 1970er-Jahren veröffentlicht wurden. Die Veranstaltung ist öffentlich und wird in englischer Sprache durchgeführt. Publikumsfragen können gerne auf Deutsch gestellt werden. 

Big Fiction: How Conglomeration Changed the Publishing Industry and American Literature. 
Mit dem Autor Dan Sinykin (Emory University)

Moderation: Nathan Taylor (FZHG)
18. Juni 2024, 18.15 Uhr, Eisenhower-Saal, 
IG-Farben-Haus, Campus Westend, Goethe-Universität

Dan Sinykin ist Assistenzprofessor für Englische Literaturwissenschaft an der Emory University. Er ist der Autor von „American Literature and the Long Downturn: Neoliberal Apocalypse“ (2020). Seine Texte sind unter anderem in der New York Times, der Washington Post und dem Los Angeles Review of Books erschienen. 

Book Talks ist eine Veranstaltungsreihe des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften. Der nächste Book Talk findet am 3. Juli um 18 Uhr mit Vinzenz Hediger und Thomas Helbig zu Jean-Luc Godard statt.

Kontakt: Dr. Nathan Taylor, Geschäftsstelle des FZHG, n.taylor@em.uni-frankfurt.de

Website: https://fzhg.org/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 10 2024
16:25

Goethe-Unibator prämiert Startups mit den besten nachhaltigen Produktideen und wird dabei von Santander Universitäten unterstützt. 

Ausgezeichnete nachhaltige Geschäftsideen: Künstliche Intelligenz und innovative Produkte helfen, die Zukunft zu gestalten 

FRANKFURT. Am 6. Juni 2024 veranstaltete das von Innovectis gemanagte Gründungszentrum, der Goethe-Unibator, zum dritten Mal auf dem Campus Westend die Preisverleihung des Goethe SDG (= Sustainable Development Goals) Contests. Der erste Platz ging an das Team von HOPES Energy, der zweite Platz an MySympto und der dritte Platz an CERES FieldCheck. 

Für den Wettbewerb hatten sich 28 Gründungsteams aus 19 verschiedenen Hochschulen beworben. Eine Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Startups die Erreichung mindestens eines der 17 SDGs der Vereinten Nationen unterstützen. In der Vorrunde nahmen zunächst 12 ausgewählte Startups an einem Bootcamp teil, bei dem sie mit Unterstützung verschiedener Expert*innen an der Weiterentwicklung ihres Gründungsvorhabens arbeiteten. Sechs Finalisten qualifizierten sich für die Endrunde: MySympto, CERES FieldCheck, Zenaris, HOPES Energy, GreenFlush und I3DEnergy.

Jedes Team hatte auf der Bühne fünf Minuten Zeit, um die Jury und das Publikum von ihrer Gründungsidee zu überzeugen. Im Anschluss berieten sich die Jurymitglieder, namentlich Vizepräsident Prof. Michael Huth, der Leiter der Bereiche Unternehmens- und Finanzethik in der Commerzbank, Dr. Eberhard Schnebel, die Impact Investorin Dr. Dania Hückmann und Unibator-Leiter Felipe Macias, um ihre Bewertungen abzugeben und die besten Ideen auszuwählen.

Während dieser Zeit nutzte Geschäftsführerin Dr. Kirstin Schilling die Gelegenheit, um in einem Interview mit Alberto Dörr, dem Leiter von Santander Universitäten Deutschland mehr über die Ziele und Aktivitäten der umfangreichen Förderprogramme von Santander Universitäten für Studierende und Startups zu erfahren und zu diskutieren. In der mit Spannung erwarteten Preisverleihung erhielten die prämierten Teams HOPES Energy, MySympto und CERES FieldCheck Preisgelder in Höhe von 5.000, 3.000 und 2.000 Euro sowie eine dreimonatige Teilnahme am Unibator Startup-Programm, wodurch ihnen wertvolle Kontakte und Zugang zu Investor*innen ermöglicht wurden.

Prof. Michael Huth, Vizepräsident der Goethe-Universität, hob hervor: „Ich freue mich über die positive Resonanz und die breite Begeisterung für unseren diesjährigen SDG-Wettbewerb, bei dem sich bestätigt, wie stark die Startup-Kultur in der Region Frankfurt Rhein-Main aufgestellt ist. Es ist inspirierend zu beobachten, wie sich die Gründungsteams aktiv den Themen Nachhaltigkeit und Innovation widmen und innovative Lösungsansätze für die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit vorantreiben.“

Die finalen Teams des Goethe SDG Contests:

MySympto entwickelt einen KI-gestützten virtuellen Assistenten, der Ärzte in der Notaufnahme bei ihren Entscheidungen unterstützt, um Fehldiagnosen zu minimieren und die Effizienz der Behandlungsprozesse zu steigern.

Ceres FieldCheck zielt auf kleine landwirtschaftliche Betriebe in Entwicklungsländern ab. Die Schwarmroboter nutzen künstliche Intelligenz, um die Ernteerträge zu maximieren, indem sie die Gesundheit der Pflanzen untersuchen, schädliche Unkräuter entfernen und so den Einsatz umweltschädlicher Chemikalien überflüssig machen.

Zenaris hat es sich zur Aufgabe gemacht, die soziale Isolation älterer und pflegebedürftiger Menschen zu bekämpfen. Mit ihrem Zenaris Portal möchten sie digitale Teilhabe für eine Zielgruppe ermöglichen, die bisher wenig Zugang zu digitalen Angeboten hatte.

HOPES Energy hat sich einer der größten Herausforderungen der Energiewende gewidmet: die wirtschaftliche und nachhaltige Lösung von Stromspeichern im industriellen Maßstab. Mit einem innovativen Ansatz, der ausschließlich auf Kochsalz und Wasser basiert, setzt das Unternehmen neue Maßstäbe in der Energiebranche.

GreenFlush ist eine vielversprechende Initiative, die darauf abzielt, die Toilettenhygiene zu revolutionieren. Ihr Ziel ist es, eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen WC-Steinen zu entwickeln und somit einen positiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

I3DEnergy verwandelt Energiedaten in Kosteneinsparungen und gesteigerte Nachhaltigkeit. Durch den Einsatz von KI und digitalen Zwillingen revolutionieren sie das Energiemanagement. Ihre Vision ist es, nachhaltiges und kosteneffizientes Wirtschaften zu ermöglichen.

Der Unibator ist das Innovectis-Gründungszentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Betrieben wird es von Innovectis, der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Goethe-Universität. Es bietet allen Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Alumni tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung ihres Gründungsvorhabens an und dient dabei als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. https://goetheunibator.de/

Kontakt: Felipe Macias, Leitung Unibator. Felipe.Macias@innovectis.de 


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 10 2024
12:22

Studiengalerie 1.357 zeigt Arbeiten der Medienkünstlerin Talya Feldman     

Ein Klagegedicht über rechtsextremen Terror

FRANKFURT. Die Studiengalerie 1.357 zeigt vom 12.06. bis zum 18.07.24 Arbeiten der Künstlerin Talya Feldman. Im Fokus steht die Videoinstallation “Elegy", in der die Künstlerin die traumatische Wirkung des Terroranschlags auf die Synagoge und einen Dönerladen in Halle thematisiert. Die Ausstellung ist der erste Teil des zweiteiligen Ausstellungsprojektes “Setzt dem Schweigen ein Ende", in dem künstlerische Auseinandersetzungen mit Rechtsextremismus vorgestellt werden.

Neue Ausstellung in der Studiengalerie 1.357
Setzt dem Schweigen ein Ende: Talya Feldmans “Elegy" (2020).
12.06.- 18.07.2024, im IG-Farben-Haus, 1. OG, rechts 
Campus Westend der Goethe-Universität
Öffnungszeiten: Mo-Do 12.00-17.00 Uhr 
Eröffnung: Mittwoch, 12.06.2024, 19.00 Uhr

Die Videoarbeit „Elegy“ (2020) - zu Deutsch „Klagegedicht“ - der Medienkünstlerin Talya Feldman ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem rechtsextremen Terroranschlag auf die Synagoge in Halle während des höchsten jüdischen Feiertages Jom Kippur am 9. Oktober 2019. Talya Feldman befand sich damals selbst in der Synagoge. Ausgangspunkt ihrer Arbeit „Elegy“ ist ihre eigene Erfahrung, die sie mit den Gedanken und Stimmen anderer Überlebender verbindet. 

Das 6 1/2-minütige Video zeigt eine Solo-Performance der Tänzerin und Choreographin Tirza Ben-Zvi, die an drei verschiedenen Orten tanzt: vor einem Backsteingebäude, in einem leeren Raum, auf einer Wiese. Unterlegt sind diese Bilder mit einem Gedicht, das Gedankenfragmente der Überlebenden des Anschlags zitiert und mit langanhaltenden, monotonen Synthesizer-Tönen kombiniert. Christiany Erler, Paul McKenzie und Muhammad Nouman verleihen den Überlebenden ihre Stimmen. Ihre sich teilweise überlappenden und doppelnden Tonaufnahmen heben die Gemeinsamkeiten des Erlebten hervor und betonen den geteilten Schmerz und die Trauer. Gleichzeitig findet Feldman in den Bewegungen Ben-Zvis eine Sprache, die diesen Schmerz jenseits des Sagbaren erzählbar und damit die Möglichkeit einer Heilung eröffnet. Das Zusammenspiel der drei medialen Formen - Ton, Tanz und Poesie – in dem Video „Elegy“ gibt eine Antwort auf die Frage, die die Künstlerin nach dem traumatischen Erlebnis in einem mdr-Radiointerview wie folgt formulierte: “Wie können wir individuelle Erfahrungen mit kollektiven oder globalen Erfahrungen verknüpfen? Wie können wir Grenzen und Sprachen überwinden?" 

Talya Feldman (*1990, Denver, Colorado) ist eine multimediale Künstlerin. Sie erlangte 2013 einen Bachelor of Fine Arts (BFA) von der School of the Art Institute of Chicago und 2022 einen Master of Fine Arts an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. 

Feldmans Kunstwerke wurden in verschiedenen Städten wie Chicago, New York, Hamburg und von dem Künstler:innenkollektiv Odessa Nomadic in Denver sowie dem Jüdischen Museum in Frankfurt und Berlin ausgestellt. Sie wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, beispielsweise mit dem DAGESH-Kunstpreis des Jüdischen Museums Berlin oder dem DAAD-Leistungsstipendium für internationale Studierende der HFBK. 

Feldman beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit post-traumatischen Erinnerungsprozessen. Sie arbeitet mit Opferinitiativen und Aktivist:innennetzwerken wie etwa NSU-Watch zusammen, um den Perspektiven und Stimmen der Opfer rechtextremer Gewalt öffentlich Anerkennung zu verschaffen.

Der Titel des zweiteiligen Ausstellungsprojektes “Setzt dem Schweigen ein Ende" stammt aus einem Gedicht der Schriftstellerin Semra Ertan, die sich aus Protest gegen den Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland verbrannte und starb. Das Video im Vorraum der Ausstellung stammt aus Feldmans Online-Projekt „wir sind hier“ und ist der Erinnerung an die Aktivistin gewidmet.  Die zweite Ausstellung im Wintersemester 2024 präsentiert eine filmische Arbeit der Künstlerin Cana Bilir-Meier, eine Nichte von Ertan, die um die Erinnerung an einen anderen rechtsextremen Anschlag kreist.

Die Studiengalerie 1.357 ist ein Lehr- und Studienprojekt am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Sie organisiert jährlich vier Ausstellungen, die von Studierenden aus verschiedenen Fachdisziplinen konzipiert und realisiert werden. Lehrveranstalter*innen im SS 2024: Prof. Bernhard Jussen, Prof'in. Mirjam Wenzel.

Kontakt: Emma Tomberger, Organisation Studiengalerie 1.357. e.tomberger@web.de 


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de

 

Jun 7 2024
12:57

Es wird wieder spät: Campus Riedberg öffnet die Pforten zur langen Nacht der Wissenschaft – Vorträge, Führungen und Mitmachexperimente bis zum Frühstück

21. Juni: „Night of Science“ an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Am Freitag, dem 21. Juni steht der Campus Riedberg wieder ganz im Zeichen der NIGHT OF SCIENCE. Wie jedes Jahr haben Studierende der Goethe-Universität wieder eine ganze Nacht im Zeichen der Naturwissenschaften organisiert: Interessierte können von 17 Uhr bis zum frühen Morgen auf Entdeckungsreise gehen und erleben, was die einzelnen Fachbereiche zu bieten haben. 

In über 80 Vorträgen präsentieren Lehrende bis zum Morgengrauen die ganze Breite ihres jeweiligen Faches, von interessanten Perspektiven auf Grundlagen bis zu neuesten Erkenntnissen. Es geht um Waagen, die die Welt verändern, das Erbmolekül DNA, Physik und Fußball, warum Ekel wichtig ist, Gifte, Long Covid, den Klimawandel und vieles mehr. Einige Vorträge werden auf Englisch gehalten.

Ergänzt werden die Vorträge durch ein buntes Rahmenprogramm, unter anderem mit Roboterfußball und Segelflugzeugen. Mehr als 30 Initiativen und Gruppen stellen sich an ihren Ständen vor, Führungen bieten einen Blick hinter die Kulissen der Wissenschaft, und für Studieninteressierte können Vorstellungen der naturwissenschaftlichen Studiengänge der Goethe-Universität den letzten Ausschlag für die Studienentscheidung geben. Auch für das leibliche Wohl und einen stetigen Kaffeenachschub ist gesorgt.

Eröffnet wird die NIGHT OF SCIENCE am Freitag mit einem Vortrag der Heidelberger Kern- und Teilchenphysikerin Prof.'in Johanna Stachel, die im „Urknall-Projekt“ ALICE am Teilchenbeschleuniger CERN forscht. 

Mit Lise Meitner hat das Organisationsteam sich dieses Jahr eine Physikerin als Leitperson ausgesucht. Sie deutete als erste die Ergebnisse ihres Kollegen Otto Hahn richtig und erkannte, dass er Atomkerne gespalten hatte. Der Nobelpreis für Chemie ging vor 80 Jahren allerdings allein an ihn.

Freitag, 21. Juni 2024
17 bis 5 Uhr

Goethe-Universität
Campus Riedberg

Otto-Stern-Zentrum, Ruth-Moufang-Str. 2
Geozentrum, Altenhöferallee 1
Physik/Biozentrum/Biologicum, Max-von-Laue-Str. 1 bis 13

60438 Frankfurt am Main

Programm und weitere Informationen: https://nightofscience.de/


Redaktion: Dr. Markus Bernards, Referent für Wissenschaftskommunikation, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-12498, Fax 069 798-763-12531, bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Jun 6 2024
16:22

Prof. Adrian Daub (Stanford University) blickt in seinem Vortrag in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften auf ein Phänomen, das möglicherweise schon vergangen ist. 

Was war „Cancel Culture“? 

FRANKFURT. Es ist noch gar nicht so lange her, da ging ein Gespenst um in Europa, ja in der ganzen Welt – das Gespenst der Cancel Culture. Glaubt man diversen Zeitungen, dürfen insbesondere weiße Männer jenseits der vierzig praktisch nichts mehr sagen, wenn sie nicht ihren guten Ruf oder gar ihren Job riskieren wollen. Ist da etwas dran? Oder handelt es sich häufig um Panikmache, bei der Aktivist:innen zu einer Gefahr für die moralische Ordnung stilisiert werden, um ihre berechtigten Anliegen zu diskreditieren?

Der Ursprung der Cancel Culture wird üblicherweise an US-Universitäten verortet. Adrian Daub lehrt im kalifornischen Stanford Literaturwissenschaft. Er zeigt, wie während der Reagan-Jahre entwickelte Deutungsmuster über Campus-Romane verbreitet und auf die Gesellschaft insgesamt übertragen wurden. Man pickt einige wenige Anekdoten heraus und reicht sie herum, was auch hierzulande zu einer verzerrten Wahrnehmung führt. 

In Anlehnung an sein vielversprochenes Buch Cancel Culture Transfer: Wie eine moralische Panik die Welt erfasst (Suhrkamp 2022), blickt Adrian Daub zurück auf das Phänomen der Cancel Culture und fragt: Was war denn eigentlich “Cancel Culture" und ist sie nicht bereits ein Vergangenes?

Adrian Daub, geboren 1980 in Köln, ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik an der Stanford University, wo er auch das Michelle R. Clayman Institute for Gender leitet. Er schreibt u. a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sowie die Neue Zürcher Zeitung.

Adrian Daub (Stanford University): Was war „Cancel Culture“?

Eine Mittwochskonferenz des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften. 

12. Juni 2024, 18 Uhr, c.t., IG 411, IG-Farben-Haus, Campus Westend, 

Goethe-Universität. Der Vortrag ist öffentlich. 

Die nächste Mittwochskonferenz findet am 26. Juni um 18 Uhr, c.t. mit Rizvana Bradley (Berkeley) zu „The Corporeal Division of the World: On Anteaesthetics“ statt.

Kontakt:
Dr. Nathan Taylor,
Geschäftsführer und Forschungskoordinator
Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften.
n.taylor@em.uni-frankfurt.de 
Website: https://fzhg.org/


Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Büro für PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069/798-13753, frank@pvw.uni-frankfurt.de