Forschung
Internationales Konsortium unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Goethe-Universität untersucht mikroskopische Einschlüsse
FRANKFURT. Ihre sprichwörtliche Unvergänglichkeit macht Diamanten zu einem begehrten Forschungsobjekt für Geowissenschaftler. Sie geben nicht nur Auskunft über den globalen Kohlenstoff- und Methan-Kreislauf, sondern enthalten auch mikroskopisch kleine Einschlüsse, die einen indirekten Blick in die Tiefen der Erde erlauben. Die Alfred P. Sloan Foundation startet ein internationales Konsortium zur Erforschung von Diamanten. An diesem einzigartigen, aus privaten Mitteln geförderten Forschungsverbund unter dem Vorsitz von Steven Shirey (Carnegie Institution of Washington) beteiligen sich 20 Wissenschaftler aus 11 Nationen. Geowissenschaftler unter der Leitung von Prof. Frank Brenker gehören zu den Gründungsmitgliedern.
Haben sich Diamanten erst einmal gebildet, so können sie über Milliarden von Jahren unversehrt erhalten bleiben und Gebirgsbildungsprozessen und Vulkanausbrüchen gleichermaßen trotzen. Jedes Jahr wird durch natürliche Prozesse entlang der Tiefseegräben die auch für Geowissenschaftler erstaunlich große Menge von mehr als 65 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in den Erdmantel versenkt. Nur etwa die Hälfte hiervon wird entlang der Vulkangürtel wieder recycled. In welchem Maße der spätere globale Rückfluss entlang Mittelozeanischer Rücken hierbei ein Gleichgewicht wiederherstellt, ist unsicher.
Neben den Informationen, die die Diamanten selber tragen, sind vor allem mikroskopisch kleine Einschlüsse für die Wissenschaftler von großem Interesse. Wenn Diamanten in der Tiefe der Erde wachsen, schließen sie häufig umliegendes Material ein. Damit werden Diamanten zu einem nahezu unzerstörbaren Probencontainer für Minerale, Schmelzen und Fluide aus großen Tiefen, die in spektakulären Vulkanausbrüchen, den Kimberlit-Vulkanen, an die Erdoberfläche gelangen. Hierdurch erhalten die Wissenschaftler Einblicke in den chemischen und strukturellen Aufbau der sonst unzugänglichen tieferen Erde, bis hinein in den unteren Erdmantel, der erst in einer Tiefe von über 670 Kilometern beginnt.
„Das nun gegründete Konsortium bedeutet für die Frankfurter Geowissenschaftler den Zugang zu einzigartigem Probenmaterial, erstklassigen Messinstrumenten, und den Austausch von Wissen und Wissenschaftlern“, erläutert Prof. Frank Brenker.
Ein Bild zum Download finden Sie hier.
Bildtext: Rohdiamant mit Einschlüssen.
Informationen: Prof. Frank Brenker, Geowissenschaften, Facheinheit Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de; https://dco.gl.ciw.edu/dco-initiates-international-research-consortium-diamonds
Forschung
18 Millionen Euro für die Lebenswissenschaften und die Medizin
FRANKFURT. Zwei Sonderforschungsbereiche (SFB) der Goethe-Universität in der Medizin und den Lebenswissenschaften sind verlängert worden. An einem neuen SFB der Universität Mainz mit Schwerpunkt in der Neurologie ist die Goethe-Universität stark beteiligt. „Unsere Anträge konnten sich gegen harte Konkurrenz durchsetzen. Das ist ein außerordentlicher Erfolg für die Forschung an der Goethe-Universität und ihren Partnereinrichtungen“, kommentiert Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl die Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
An dem SFB „Transport und Kommunikation durch biologische Membranen“ sind insgesamt 20 Wissenschaftler in 17 Teilprojekten beteiligt, darunter aus Wissenschaftler vom Max Planck-Institut für Biophysik. Hinzu kommt ein integriertes Graduiertenkolleg, in dem der wissenschaftliche Nachwuchs ausgebildet wird. Sprecher ist Prof. Robert Tampé von Institut für Biochemie am Fachbereich Chemie/Pharmazie der GU. Die DFG verlängert ihre Förderung für weitere vier Jahre mit einer Gesamtsumme von ca. 8 Millionen Euro. Inhaltlich geht es um die Frage, wie Zellen über ihre schützende Membran mit der Umwelt in Verbindung treten. Da etwa 60 Prozent der verfügbaren Medikamente über die Membran in die Zelle hinein kommunizieren, sind diese Forschungsergebnisse von großer medizinischer Bedeutung.
Der zweite verlängerte SFB “Redox-Regulation“ beinhaltet 17 Teilprojekte und ein Graduiertenkolleg. Es wird in den kommenden vier Jahren mit acht Millionen Euro gefördert. Sprecher ist Prof. Bernhard Brüne vom Institut für Biochemie am Medizinischen Fachbereich. Ziel des SFBs ist es, die Rolle von Redox-Signalen, die bisher vor allem im Zusammenhang mit oxidativem Stress erforscht wurden, als universelles Steuerungselement für die Übermittlung von Signalen in der Zelle zu untersuchen. Daraus sollen neue Forschungsansätze für die Behandlung von Zivilisationskrankheiten wie Gefäßleiden, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes gewonnen werden.
Bei dem neuen SFB „Molekulare und zelluläre Mechanismen der neuralen Homöostase“ kooperiert die Goethe-Universität mit der Universität Mainz und den beiden Frankfurter Max Planck-Instituten für Biophysik und Hirnforschung. Der Sprecher ist Prof. Robert Nitsch von der Universität Mainz; sein Stellvertreter ist Prof. Thomas Deller vom Anatomischen Institut der GU. Von den Fördermitteln fließt ein Anteil von zwei Millionen Euro an die Goethe-Universität. Forschungsgegenstand ist die Fähigkeit des Nervensystems, einen ausgewogenen und stabilen inneren Zustand („Homöostase“) zu erhalten, während es sich ständig mit einer sich verändernden Umwelt auseinandersetzen muss. Ziel ist es, die Bedeutung homöostatischer Mechanismen für den menschlichen Organismus und insbesondere für das erkrankte Nervensystem besser zu verstehen.
Informationen: Prof. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Fachbereich 14 Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel.: (069) 798-29475; tampe@em.uni-frankfurt.de
Prof. Bernhard Brüne, Institut für Biochemie 1, Fachbereich 16 Medizin, Tel.: (069) 6301-7424, bruene@zbc.kgu.de.
Prof. Thomas Deller, Institut für Klinische Neuroanatomie, Universitätsklinikum Tel.: (069) 6301-6900, t.deller@em.uni-frankfurt.de.
Veranstaltungen
Frankfurter Tag der Rechtspolitik 2012 am 27. November
FRANKFURT. Der diesjährige Frankfurter Tag der Rechtspolitik findet am 27. November 2012 (von 10.00 bis 14.30 Uhr im Casino auf dem Campus Westend, Raum 823) statt und ist dem Thema „Kungeln, Schlichten oder Richten?“ gewidmet. Das Thema ist, wie das Verfahren über die Verfassungsmäßigkeit der straf-prozessualen Absprachen vor dem Bundesverfassungsgericht am 7. November 2012 zeigt, von höchster Aktualität. Aber auch die zunächst weniger spektakulär scheinenden Aspekte (Mediationsverfahren oder besondere Verfahren der außergerichtlichen Streitbeilegung wie das der Adjudikation im Bauwesen) werfen die Frage nach Alternativen zu den herkömmlichen Entscheidungsformen in Zivil-, Straf- und Verwaltungsverfahren auf.
Diesen Verfahrensalternativen widmen sich namhafte Experten: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Schünemann, Juristische Fakultät der Universität München, nimmt unter dem Vortragstitel „Vom Tempel zum Marktplatz – das neue Paradigma des Strafverfahrens“ den „Deal“ im Strafprozess in den Fokus. Dr. Frank Schreiber, Richter beim Hessischen Landessozialgericht, spricht über „Mediationsgesetzgebung als Justizreform“. Schließlich widmet sich Dr.-Ing. Moritz Lembcke, Rechtsanwalt und Wirtschaftsmediator, dem Thema „Außergerichtliche Streitbeilegung im Bauwesen: Adjudikation und der Ruf nach dem Gesetzgeber“.
Die Thematik wird in einer Podiumsdiskussion am Nachmittag vertieft behandelt. Auf dem Podium diskutieren Staatsminister Jörg-Uwe Hahn, Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, Prof. Dr. Andreas Fahmeir, Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Roland Fritz, Präsident des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main und Prof. Dr. Astrid Wallrabenstein, Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Frankfurt am Main, unter der Moderation des Dekans des Fachbereichs Rechtswissenschaft, Prof. Dr. Cornelius Prittwitz.
Der Frankfurter Tag der Rechtspolitik wird seit 1992 jährlich vom Hessischen Ministerium der Justiz in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität veranstaltet.
Weitere Informationen: Dr. Susanne Pelster, Geschäftsführung Dekanat Fachbereich Rechtswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main; Tel. 069/798-34205; Fax 069/798-34530, Pelster@jur.uni-frankfurt.de
Personalia/Preise
Münchener Mediävist und designierter DFG-Präsident spricht in Frankfurt an drei Abenden über Geisteswissenschaften und Gesellschaft. Erster Termin: 22.11., 18 Uhr, Campus Westend
FRANKFURT. Den Auftakt zur neuen Dagmar Westberg-Stiftungsprofessur macht ein renommierter Geisteswissenschaftler und Hochschulexperte: Peter Strohschneider, Professor für Germanistische Mediävistik an der LMU München und designierter Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), hält an der Goethe-Universität eine dreiteilige Vorlesung zum Thema „Möglichkeitssinn. Geisteswissenschaften und Gesellschaft“. Strohschneider ist damit der erste Gastprofessor der neuen Dagmar Westberg-Vorlesung. Ermöglicht wurde die Einrichtung der Professur durch den gleichnamigen Stiftungsfonds, den die Goethe-Universität im letzten Jahr von der Mäzenin Dagmar Westberg erhielt.
„Die Universität Frankfurt ist im Moment gewiss eine der besonders interessanten, sich dynamisch entwickelnden Universitäten in Deutschland“, sagte Prof. Strohschneider im Vorfeld seiner Vorlesung. Besonders hervor hob Strohschneider den Exzellenzcluster zur Herausbildung Normativer Ordnungen, der in den historisch-hermeneutischen Wissenschaften große Ausstrahlungskraft erzeuge: „Hier gehört die Goethe-Universität inzwischen zu dem Kreis der führenden deutschen Einrichtungen, neben etwa den beiden Berliner Universitäten, Göttingen, Freiburg, Heidelberg, München oder Tübingen.“
Das vollständige Interview mit Prof. Strohschneider findet man unter http://www2.uni-frankfurt.de/44205822/055
Im Rahmen der Dagmar Westberg-Vorlesungsreihe sollen von diesem Jahr an international ausgewiesene Vertreter der Geistes- und Kulturwissenschaften auf dem Campus Westend zu Gastvorlesungen eingeladen werden. Fest steht bereits, wer im Jahre 2013 die Stiftungsprofessur übernehmen wird: Es ist die renommierte Philosophin Prof. Martha Nussbaum von der University of Chicago.
Weitere Informationen: Franziska Würfel, Goethe-Universität, Tel. (069) 798-22343, wuerfel@pvw.uni-frankfurt.de
Personalia/Preise
Kernphysikerin Kerstin Sonnabend erforscht seltene Asche-Teilchen aus Supernovae
FRANKFURT. Alle Elemente im Universum sind aus der Verschmelzung von Atomkernen in Sternen entstanden. Als Asche verteilen sie sich am Ende der Lebenszeit eines Sterns im Weltraum, oftmals verbunden mit einer hell leuchtenden und weithin sichtbaren Supernova. Das grobe Bild ist klar, doch die Entstehung einiger seltener schwerer Isotope mit besonders vielen Protonen – von den Physikern spaßeshalber „Peanuts“ genannt – ist bis heute rätselhaft. Die Kernphysikerin Dr. Kerstin Sonnabend will die Kernreaktionen bei einer bestimmten Art von Supernova nun im Labor nachahmen, um die Vorgänge im Inneren der Sterne zu verstehen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt die Nachwuchsforscherin in den nächsten fünf Jahren im Rahmen des Emmy Noether-Programms, das ihr den Aufbau einer eigenen Forschergruppe im Gebiet der Nuklearen Astrophysik erlaubt.
„Mich fasziniert immer wieder, dass die Vorgänge in den kleinsten Bausteinen der Materie so einen großen Einfluss auf die sichtbare Struktur unseres Universums haben“, sagt die 36jährige und fügt hinzu: „Jedes Kohlenstoff-Atom in unserem Körper war einmal Sternenstaub“. In ihrem Forschungsprojekt beantwortet sie Fragestellungen aus der Astrophysik mit Methoden der Kernphysik: Deswegen schaut die Experimentalphysikerin auch nicht durch ein Teleskop, sondern arbeitet an der Frankfurter Neutronenquelle FRANZ, die im kommenden Jahr in Betrieb genommen wird.
Praktisches Arbeiten hat Kerstin Sonnabend schon während ihres Studiums der reinen Theorie vorgezogen. Sie entwickelt mit ihrer Gruppe Proben aus einem langlebigen radioaktiven Ausgangsmaterial, das am Synchrotron Labor in Oslo speziell für diese Versuche hergestellt wird. In Frankfurt wird das Material dann einem Protonenstrahl mit hoher Teilchendichte ausgesetzt – so erhöht sich die Chance, dass die äußerst seltenen Kernreaktionen eintreten. Gleichzeitig gilt es zu verhindern, dass die Probe unter dem intensiven Protonenbeschuss schmilzt, weshalb eine spezielle Kühlung erdacht werden muss. Auch die Elektronik für den Detektor, die digitale Datenauslese und die Software für die Daten-Analyse werden in ihrer Gruppe entwickelt.
Die Mutter zweier Töchter studierte an der Technischen Universität Darmstadt Physik, Mathematik und Informatik für das Gymnasiale Lehramt und schloss mit dem Ersten Staatsexamen ab. Ihr Einstieg in die Forschung begann mit der Doktorarbeit; anschließend war sie Assistentin am Institut für Kernphysik in Darmstadt. Unter den Studenten und Doktoranden, die sie betreute, waren überdurchschnittlich viele Frauen. Sie selbst hat weibliche Vorbilder allerdings nicht gebraucht, um sich in einer von Männern dominierten Domäne Zuhause zu fühlen.
Ein Bild zum Download finden Sie hier.
Informationen: Dr. Kerstin Sonnabend, Institut für Angewandte Physik, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-47467; sonnabend@iap.uni-frankfurt.de.